Anterhaltungsblatl des Dorwärts Nr. 63. Dienstag, den 30. März. 1897. (Nachdruck verboten.) Evinnerungen 9] ei»res VomtnunekÄtttpfers. Von Henry Brisfac. �Du," sagte er zu einem und betupfte ihn mit seinem Stocke. Er näherte sich meiner Hängematte, und ich dachte, er würde mich bezeichnen.„Du/ zu dem Nachbarn zu meiner Rechten, den er auf dieselbe Weise aufweckte. Ich wußte nicht, um was es sich handelte. Die beiden Menschen kleideten sich hastig an. Als das Gitter hinter ihnen wieder geschlossen ,var, fragte ich meinen Kameraden. „Sie helfen die Maschine errichten/ „Welche Maschine?" „Die Guillotine, natürlich." „Und da hätte mich der Aufseher auch dazu ausivählen können?" „Warum nicht? Aber nur unbesorgt; diese Gunst wird nicht jeden» zu theil, der nur dlos will." „Gunst?!" „Ohne Zweifel, denn die Anserivählten werden»licht»venig beneidet. Zivanzig bieten sich für einen an. Sie haben nicht viel zu fürchten, ivofer» ihnen der Chef nicht einen Possen spielen will." Als es dämmerte, sah ich fast unmittelbar vor dein Fenster- gitter das Gerüst aufschlagen. „Haben Sie schon guillotiniren sehen?", fragte»»»ich»nein Freund. „Nein, ich habe nur,»vie alle Welt, zwa»izig Berichte über die Sache gelesen." „Nun, diesinal»Verden Sie gratis einen Orchesterplatz be- kominen, nur nicht zum Sitzen; Sie müssen knien." „Man kniet?" „Die Kniebeugung ist für uns Menschen der vierten Klasse unerläßlich. Man uinnnt ai», daß uns dieses Schauspiel ganz besonders noththut, erstens als moralisches Besserungsmittel und dann— mis Vorsorge für unsere Gesundheit. Uebrigens geht es ungeheuer schnell, daß Sic nichts sehen»verden." Wir schritten hinaus. Ein feiner Regen rieselte vom gralien Himinel. Dieselben Vorbereitungen»vie vorher: Auf- scher, Zuchtmeistcr, Marine-Jnfanterie kamen nacheinander an. Nur eins»var anders: Ten Delinquenten begleitete ein Almosenicr. Dieser sagte ihm bei«» Schaffst ctivas ins Ohr. Tann umarmte er ihn und entfernte sich schleunigst. Ein Trommelivirbcl. Barhäuptig ans der vom Regen durchweichten Erde kniccnd, hörten»vir die Verlesung des Urtheils an. Der Mensch hatte, der Anklageschrift zufolge, versucht, einen Aufseher zu erni orden. Die Ruhe des Menschen war eine vollendete; er sandte nur fei,»ige, kaum merkbare Grüße in unsere Reihen. Die Zuchtnieister ergriffen ihn, und im nächsten Augenblick sah ich ihn obei» auf der Plattform der Guillotine. Brutale Fäuste zwängten seinen Nacken nieder, der Stahl blitzte— ein dumpfer Schlag folgte. Es»var vorüber. Rumpf und Kopf waren verschwunden. Der Chef hieß uns sogleich wieder ankleiden, die Trompete erscholl. Wir gingen direkt von da an die Arbeit. Ich erivartete jetzt den Bescheid auf den Rapport des Aufsehers. Ich hatte zur Zeit für die Küche zu thun, d. h. ich hatte einen Eimer voll stinkender Eßivaare zu holen und, nachdem diese vertheilt war, den Eilner zu reinigen. Als ich damit fertig war, kam ein Aufseher,»nit einem Papier in der Hand, hinter dein Gitter zum Vorschein und rief einen Galeerensträfling auf.„Acht Nächte Gefängniß für Plaudern in Reih' und Glied." Er rief einen anderen:„Acht Nächte für Verstecken von Tabak." Jetzt kainvo gerade nur»venig Gefangene da »varen. Vor Tagesanbrnch»vurdeu»vir in unsere Häuser zurück- geführt. Dort erfolgte der Appell, den ich auf»»»einem Sacke kauernd erivartete. Mittlerivcile forderten die ekelhafte Nahrung, die Heim- suchungen aller Art, die Verschiedenheit des Klimas endlich ihre Beute. Krank wie ich»var, schleppte ich mich noch einige Tage hin, dann aber bat ich den Chef, mich zur ärztlichen Sprechstunde vorzumerken. „Sprechstunde? Bah! Glücklicher Weise sind wir nicht mehr im Jahr 1843!" U,ld er kehrte mir den Rücken. Ich erneuerte meine Bitte den nächsten Tag. „Ah! Sie leben ja noch!" sagte er. Den nächsten Tag kau» ich»viedcr damit. Ich nahm»»»ich zusamnien»ind beivahrte meinen Ernst, indem ich ihn bat, mir den Puls zu fühlen. Er schien durch»»»einen Glauben an seine Wissenschaft geschmeichelt und merkte mich brnm- mend vor. Diese»viederholten abschlägigen Bescheide geben einen Begriff von der Macht der Aufseher, wo das Leben cines Verurtheilten in Frage steht. Ich betrat die„Ambulanz", die ans zwei miteinander verbundenen gewöhnlichen kleinen Häusern bestand, die in einem engen, düstern Hofe standen, von einer hohen Mauer rings umgeben. Hier war ein Hospital improvisirt»vorden, in dem die Verurtheilten der vierten Klasse»nit denen anderer Klassen vermengt»varen; im übrigen aber durfte bei Strafe kein Verkehr u>»ter ihnen herrschen: eine der hundert Proben von administrativer Logik. Ich fand einige Mitglieder der Kommune»nter den Kranken, ein Bett in ihrer Nähe war frei, und ich wollte es für mich nehmen, um etivas aus der unmittelbaren Nähe der Galeerensträflinge zu koinmen. Da erschien aber ein Aufseher, von einem Schinicd begleitet, der ebenfalls ein Sträfling war, und»vies»nir eine Lagerstätte an. Mit Erstaunen sah ich, wie der Arbeiter einen Ring»nit einem Schraubenzapfe» quer in mein Bett schraubte. Er hieß mich meine Ketten abhaken, nahm dann die letzten Glieder derselben und schloß sie mit dem größeren Ringe mittels eines Vorlegeschlosses zusammen, dessen Schlüssel er dein Aufseher überreichte. Jetzt war ich richtig wie ein Hund an die Kette gelegt. „Warum fesselt nian mich denn an mein Bett?" Der Aufseher lachte. „Aber ich sehe doch, daß die andern in doppelten Ketten frei gehen können und im Hofe ihren Spaziergang machen?" „Ja, weil Sie privilegirt sind." „Aber von wem kommt der Befehl dazu?" „Sie wissen genug. Keine Bemerkungen mehr!" Und er entfernte sich drohend. Trotz dieser Enttäuschung gewährte mir die Aufnahme ins Hospital doch den Vortheil der Ruhe und einer weniger schlechten Nahrung, sobald ich überhaupt wieder Speisen ver- tragen konnte. Ich hatte zum mindesten die Freiheit, mich auf meinem Strohsacke schlafen zu legen und das wollte ich augenblicklich thun. Die Sträflinge in der vierten Klasse trugen in der Ambulanz, Sommer und Winter, obligatorisch Jacke und Hose von Wollstoff. Als ich, ohne zu überlegen, letzteres Kleidungs- stück ablegen wollte, fand ich natürlich, daß meine Ketten dabei ein unüberwindliches Hinderniß bildeten, die mit dem einen Ende an meinem Fuße, mit dem andern am Bettholze festgemacht waren. Dies hatte etwas zur Folge, was ich trotz des Schauders, der mich erfaßt, doch andeuten muß. Ich habe die Sache bisher nur ganz flüchtig erwähnt. Es ist das eine Plage, die jeder, der nur eine Nacht im Präfekturgefängnisse zu- gebracht hat. kennt. Die„Löwengrnbe", die Orangerie in Versailles, das Fort Pelee, das Bagno zu Toulon waren damit behaftet. Sie verfolgte uns aus der„Loire" und dieses Schiff infizirte, wie die vorausgegangenen Straftransport- Schiffe die Insel Nou. Glücklicherweise widerstand sie nicht der Sonne Neukalcdouiens. Aber in der„vierten" hatten die Gefangenenhäuscr keine Höfe, die von ihren Strahlen über- fluthct gewesen wären, und wir konnten sie nicht loswerden. In der Ambulanz aber, die einen Hof hatte, war es möglich, die Kleider auszuhängen und zu lüften, mit Aus- nähme— von mir! Und so biffen mich denn Tag und Nacht und fraßen mich schier auf— die Läuse! Und zwei Stunden, die meine Kleider dem Sonnenscheine wären ausgesetzt worden, hätten mich von dieser schmachvollen Drangsal befreien können. Ich sprach mit dem Aufseher, einem Korsen, darüber, der mir barsch zur Antwort gab, das gehe ihn nichts an. Ich war bald wie ein Aussätziger gemieden und konnte mich darüber weder wundern noch beklagen, daß ich ein Gegenstand regelrechten Abschcucs für die Sträflinge wurde, die doch wenig empfindlich sind. Ich konnte gerade so weit gehen, als die Spannweite meiner Ketten reichte, die mein Fuß nachschleifte. Diese Situation dauerte vier und einen halben Monat, bis Mitte Sommer. Da kam der Befehl, mich täglich für mehrere Stunden freizulassen. Alsbald war ich von dem Un- gczieser befreit. Nach und nach wurde die Zahl der Stunden größer, da ich mich meiner Kleidung entledigen konnte, bis zuletzt das Vorlegeschloß an meinen Ketten nicht nichr zur Auivendnng kam. (Schluß folgt.) MÄkuvwissettfchttftlirfze Nundsttzau. (Bestimmung der mngiietischen Inklination vor 2lji Jahrtausenden.) Daß unsere Mutter Erde magnetische Kraft besitzt, zufolge deren sich eine Magnetnadel stets in einer bestimmten Richtung einstellt, die ungefähr von Norde» nach Süden geht, ist in Europa etwa seit dem End« des 13. Jahrhunderts bekannt. Das alte Kulturvolk der Chinese» freilich war mit dieser Thatsache schon viel länger ver- traut; bereits im 3. Jahrhundert benutzten die Chinesen«in magnetisches Instrument in der Form einer menschlichen Figur, deren ausgestreckter Arm stets nach Süden zeigte, sodaß sie de» Weg durch die Grasebene» der Tartarei sicher finden konnten. Chinesische Fahrzeuge durchfuhren mit Hits« des Kompaffes den Judischen Ozean und unterhielten einen Haudelsverkchr zwischen Indien und China. Als die Europäer zuerst mit dein Kompaß bekannt wurden, sollen die Chinesen bereits die Abweichung der Magnetnadel von der gco- graphischen Nord-Süd-Richtuiig, die sog. Deklination, gekannt haben. Von den Europäern rvar Co l umbus der erste, welcher ans seiner Eiitdeckmigsrecke»ach Amerika diese Abweichung und die Verschiedenheit ihrer Größe an verschiedenen Orten bemerkte, ein Umstand, der ihn mit großer Sorge erfüllte, da er fürchtete, sich anf dem Weltmeer nicht mehr znrccht zu finden, wenn die sichere Magnetnadel in der endlosen Wasserwüste den Weg nicht mehr zeigte Seit jener Zeit ist die Magnetnadel fleißig beobachtet worden, um eine genaue Feststellung ihrer Richtung au jedem Punkte der Erde zu erhalten. Dadurch wissen wir, daß sie überhaupt keine feste, unveränderliche Richtung hat, sondern überall in ihrer Lage langsam, aber regelmäßig fortschreitende und daher sehr beträchtlich werdende Acndcrungen zeigt. In Paris z. B. wich die Magnet- nadel im Jahre 1530 um IU/s Grad mit der Nordspitze nach Osten von der geographischen Nord-Süd-Richtung ab; Jahr für Jahr wurde die Abweichung um etiva SVe Bogenminuten geringer, bis sie im Jahre 1663 vollständig verschwunden war. Aber die Bewegung der Magnetnadel hörte nicht aus; sie ging im selben Sinne weiter, so daß die Nordspitze nunmehr nach Westen ausschlug, und im Jahre 1314 die Abweichung den Werth von Grad erreichte. Dann kehrte der Gang der Magnetnadel um, die Ab- weichung wurde von Jahr zu Jahr wieder geringer und betragt gegenwärtig 11 Grad. Aebnlich ist ihr Gang überall. In Berlin z. B. betrug ihr größter Werth 13 Grad, der im Jahre 1315 vor- Händen war; seitdem ist er kleiner geworden, so daß er heute etwas mehr als 9 Grad beträgt. Für den Seefahrer ist es natürlich ungemein wichtig, die genaue Richtung seiner Magnetnadel jederzeit zu kennen, und man erkennt daher leicht, wie wichtig die Aufstellung genauer Tabellen der magnetischen Deklination und ihrer Abweichungen ist. Noch eine andere Abweichung zeigt die Magnetnadel; für ge- wöhnlich ruht sie auf einer feinen Spitze, so daß sie lediglich in einer horizontalen Ebene drehbar ist. Hängt man sie jedoch so anf. daß sie sich völlig frei auch in der vertikalen Richtung drehen kau», dann weicht sie von der horizontalen ab und senkt sich ein wenig auf der nördlichen Halbkugel der Erde im allgemeine» mit ihrer Nordspitze, anf der südlichen Halbkugel mit ihrer Südspiye. Diese mit dem Namen der Inklination belegte Abweichung wurde zuerst im Jahre 1543 von dem Deutsche» Georg Hart- man» in Nürnberg beobachtet. Messungen ihrer Größe fanden 1576 und 1600 in London statt und ergaben die nicht unbeträchtlichen Werthe von fast 72 Grad. Seit 1671 wurden in Paris regelmäßige Messungen der Inklination vorgenommen; in dem genannten Jahre betrug ihr Werth 75 Grad; seitdem ist er beständig gesunken und beträgt gegenwärtig etiva 65 Grad. Da die Inklination in Paris etivas kleiner ist als in London, so muß mau annehmen, daß sie bis 1671 gestiegen ist und seitdem allmälig abgenommen hat. Ihre genaue Bestimmung und die ihrer Aenderungen hat nicht nur wissenschaftliches Interesse, sonder» auch praktisches; die Richtung der magnetischen Kraft, welche die Erde ausübt, wird nicht durch die Detlinationsnadel, sondern durch die Jnklinationsnadel angegeben. Je größer die Inklination ist�nm so geringer ist diejenige Kraft, mit ivelcher die Deklinationsnadel in der Horizontalebene in bestimmter Richtung gehalten wird. Nähert man sich den magnetischen Polen der Erde, die mit den geographischen nicht übereinstimmen, sondern in nicht unbeträchtlicher Entfernung von ihnen Jahr für Jahr ihren Ort etivas verändern, so beträgt die Inklination 90 Grad, die Nadel stellt sich vollkommen senkrecht ein, da die magnetische Kraft der Erde die vertikale Richtung hat. Eine Deklinationsnadel, die sich nur in der horizontalen Ebene bewegen kann, wird in solchem Fall völlig unbrauchbar, da in der Horizontal- ebene keine richtende Kraft mehr vorhanden ist, und die Nadel daher jede beliebige Richtung annehmen kann. Es wurde bemerkt, daß der magnetische Nordpol im Jahre 1831 von dem Kapitän James Roß Hilter 70 Grad nördlicher Breite und fast 97 Grad westlich von Grcenwich ans der Halbinsel Boolhia Felix lhatsächlich erreicht worden ist. Seit der Mille unseres Jahrhunderts werden magnetische Beobachtungen in einer Reihe besonderer Observatorien, sowie in Sternwarten und meteorologischen Institute» regelmäßig an- gestellt. Doch haben sie bisher noch nicht ausgereicht. den Gang der regelmäßigen Schwankungen mit großer Genauigkeit festzustellen. Herr Folgheraiter in Italien hat nun einen Vorschlag gemacht, durch welchen man den Betrag der Inklination in Elrurien in dem Zeitraum von etwa 800— 700 Jahre vor Christi Geburt einigermaßen genau feststellen kann; seine sehr mühsamen darauf bezüglichen Untersuchungen sind in den Berichten der Xociräemia dei Lincei veröffentlicht. Herr Folgheraiter geht von der Eigenschaft der Thon« aus, beim Brennen den niagnelischen Znstand anzunehmen und den Magnetismus, den sie einmal bekommen, unverändert bei- zubehalten, falls sie nicht von neuem aus sehr hohe Tempe- ralureu erhitzt werden. Schon 1862 hatte Gherardi de- hauplet, daß die Ziegelsteine ihren beim Brennen angenommene» Maanclismns mit großer Zähigkeit festhalten, ohne daß er jedoch einen überzeugenden Beweis dafür beibrachte. F. hat nun Ziegel- steine, die zu Bauten in der Zeit der röniischen Republik und des römischen Kaiserreichs.verwendet wurden und bis heute in derselben Lage geblieben sind, i» bezug auf ihren Magnetismus unter- licht. Da sie denselben beim Brennen unter dem Einfluß der magnetischen Kraft der Erde angenommen haben, so muß die inagnetische Ax« in ihnen, das ist die gtichtnng, die ihre am stärksten magnetischen Punkte oder Pole verbindet, mit der Richtung der erdniagnetischen Kraft übereinstimmen. Nun mußte sich diese im Lause der zwei Jahrtausende, während welcher die betreffenden Steine ihre Lage unverändert bewahrten, auf alle in gleicher Weise geltend niacken, sofern sie überhaupt wirksam war, und man hätte daher in den Richtungen der magnetischen Axc» in diese» Steinen eine gewisse Glcichmäbigkeit ivahrnehwei» müsse». Stntt dessen zeigten sie alle möglichen Richtungen, so dosi man»n- bedingt den Schluß ziehen muß, daß der Magnetismus der gebrannten Steine durch den Erdmagnetismus nicht mehr verändert worden ist. sondern unverändert von ihnen beibehalten wurde. Dasselbe zeigte die Untersuchnng einer Reihe von elruskischen Gefäßen, die in jüngst entdeckten Gräbern anfgesunden wurden und ebenfalls seit der Zeit der Beisetzung eine unveränderte Stellung bewahrt hatten. Weiter ging Herr F. zu der Untersuchung über, mit welcher Ge- nanigkeit man ans deni Magnetismus, der in Thongefäßen beim Brennen erzeugt wird, die Richtung der erdmagnetischen itraft, durch die der Magnetismus der Gesäße ja hervorgernsen ist. berechnen kann. Zn diesem Bchufe brannte er Zylinder, Kegel, Doppelkegel und andere Gefäße ans Thon, und es gelang ihm. ans dein in ihnen erzeugte» Magnetismus die Richtung der erdmagnetischen Kraft, die heute ja bekannt ist, ziemlich genau abzuleiten. Mit diesen Erfahrungen ausgerüstet konnte er denn an die Hauptausgabe gehen, die magnetische Inklination zn der Zeit, als die auf uns gekommenen elruskischen Thongesäße gebrannt wurde». zit bestimmen. Eine Hauptbedingnng für diese Untersuchung war. daß man die Lage der alten Gefäße beim Brennen genau kannte. Wenn mail darüber im allgemeinen kein sicheres Urtheil fällen kann, so giebt es doch eine ganze Anzahl Formen, für die man eine be- stimmte Orientirung annehmen muß. So haben Weinkrüge, Thon- eimer und manche andere Gesäße im Ofen sicherlich ausrecht ge- standen. Aus den Messmigeninsgesamint ergiebt sich, daß die magnetische Inklination zur Zeit der Berfertigung der Gesäße, also im 7. und «. Jahrhundert vor Christi, im mittleren Italien sehr klein war. und daß nicht das Nordende, sondern das Südcnde nach unten gerichtet war. Der magnetische Aequator, die Linie, aus der die Magnetnadel horizontal stehen bleibt, die heute südlich vom Mittelländischen Meer bleibt, muß also damals bis nach Nord- Italien heraufgereicht haben und kann erst später weiter nach Süden gerückt sein. Der Weg. den Herr F. mit seinen Versuchen beschritten hat, scheint jedenfalls geeignet, über den magnetischen Zustand der Erde in alten Zeiten'Aufklärung zn schaffen. In wie weit das von praktischem Jntereffe sein wird, läßt sich, wie meistens bei ähnlichen Arbeiten, im voraus nicht sagen; von rein wissenschaftlichem Standpunkt betrachtet tragen sie sicher zur Vermehrung unserer Kenntniß der geheimnißvollen magnetischen Kraft bei. Lt. Vleinrs Isouillekc»»». — Zcitgcmäsicö. Im Jahre 1364 hat Friedrich Stoltze seine „Regentensolge" veröffentlicht. Darin heißt es: „Otto, König der Hellene». Er ist einer auch von denen, Welchen Gott die Krone goß; Heut' hat sie Georgias. Aus dem allem wird vernommen. Wie von Gott die Kronen kommen, Daß sie aber dann und wann, Auch der Teufel holen kann."— — Mvud-Alpcuglühcn. Im Märzheft seines..Heimgarten" schildert Peter Rosegger diese seltene Naturerscheinung folgender- maßen:„Ganz dunkel war's, als ich in die Stadt Innsbruck einzog, um mich für die nächtliche Weiterfahrt über de» Brenner und durch das Pnsterthal zu stärken. Um 10 Uhr nachts trat ich auf de» Perron des Bahnhofes. Mein Zug stand schon da. aber alles menschenleer� und verschlafen. Mir fiel auf, daß der Mond im tief- klaren Himmel schien, und als ich mich wendete— was ist das? Hinter dem Bahnhof, ganz nah' ein glattes silberweißes Gewölke, das hoch, schreckbar hoch in den Himmel aufstand und sich am Rand in scharfen Kuppen und Zacken abgrenzte. Und schrie es plötzlich in mir: Das sind die Berge! Das sind die Berge! Das Gebirge, welches über dnnklei» Vordergrunde im Norden, unmittelbar hinter der Stadt sich himmelhoch erhebt.— O, Ihr Freunde, beschreiben kann ich's nicht! Ich hatte mein Lebtag manchen beschneiten, mond- beschienenen Berg gesehen— aber so schön, so unvergleichlich, so über alle Maßen großartig noch keine».... Ich hätte mögen an die Hausthüren pochen und die Jnnsbrucker rufen: So komnit doch und seht!— Sie saßen in ihren Familien, in ihren Wirthshäusern bei ihrem Kartenspiel, und haben es versänmt, was mancher Mensch, sogar der Aelpler, in seinem Leben nur einmal sieht, oder nie... ein Mond-Alpenglühen. Ich habe mich nicht zu fassen gewußt, war ganz hilflos in meiner einsamen Verzückung, und dann— als ich zu mir selbst kam. das Nasse mir aus den Augen rieb, um wieder hinznblicken— grauer, undurchsichtiger'Aebel— sonst nichts mehr.— Noch zitternd vor Erregung stie�zr'kn den Wagen, verhüllte das Lampenlicht und zog die Fenster �nge zu. Was etwa der wieder erscheinende Mond auch noch mochte, ich wollte nichts mehr sehe».."— — Noble Tchuapssäufcriuurn. Wie das„British Medical Journal" in seiuer letzten Nummer mittheilt, haben die vornehmen Damen London» jüngst eine neue Quelle ausfindig gemacht, wo sie ihrem Hang. Epiritnoien zu sich zn nehmen, genügen können. Wie bekannt, tvaren es zuletzt die Konditoreien, welche die Londoner Damenwelt mit Vorliebe aufsuchte, nicht ttm Süßigkeiten zu genießen, sondern feine Liqnenre und Kognaks in erheblicher Menge zn„genehmigen", ivas sie regelmäßig zivischen ihren Gängen in die einzelnen Läden und ans Spaziergängen thaten. Seitdem dies durch eine Petition der Mäßigkeitsvereine, welche ein Ver- bot der Verabreichung von Spirituosen in Konditoreien anstrebte. aber abgelehnt wurde, bekannt geworden ist, hat zivar der Besuch der.-Konditoreien durch die Damen nicht ganz aufgehört; der Haupt- ström der trinklnftigen Londonermnen ergießt sich jedoch in letzter Zeit in die Apotheken, tvo sie unter den harmlosen Namen von„Pfeffer- minzextrakt",„Lebensstärker" Schnaps fordern und er- halten. Verschiedene Londoner Apotheker haben aus diesem Grunde schon besondere Hinterstübchcn eingerichtet, in denen sich die Damen an Tischen niederlassen können. Aber auch die männlichen Trinker Londons haben bereits diese Quelle ansgefunden. So berichtet„British Medical Journal" in derselben Nummer von einem Manne, an welchem jetzt vslirktm tremens festgestellt worden ist, obwohl er nie einen Fuß i» eine Kneipe gesetzt hat, der aber, wie er zugestand, ein häufiger Besucher der Apotheken ist!— ie. Ncber das Vermögen englischer Ncrzte plattdert die Fachzeitschrift„Praclitioner", indem sie de» Betrag der Hinter- laffcnschasl einer Reihe von Aerzten aufzählt, die im Jahre 1336 in England gestorben sind. Um nur die bedeutendsten Vermächtnisse aufzuzählen, so hinterließ Dr. Patrick Fräser 8 400 000 M., Sir John Erichsen 1300 000, Sir George Humphry 1600 000, Dr. Samuel Holdsworth 1080 000, Dr. William Statten 800 000, Dr. George Harle» und Sir William Moore je 500 000, Sir George Johnson und Sir Ruffel Reynolds je 250 000 M. Es muß zn diese» Zahlen bemerkt werden, daß diese Vermögen weniger durch ärztliche Honorare als durch gerichtliche Thätigkeit äufgesammelt wurden.— Literarisches. n. W e n n g G u st a v:„ A tt s M i t l e i d". Familiendrama in 5 Akten.—„Ecce homo!" Skizzenbnch �'n einem Roman. Bremen. Karl Behrens. Vergeblich sucht man in diesen beiden Arbeiten nach Berührnngspunkten, die auf einen gemein- samen Verfasser hinwiesen. Beide stellen in jeder Be- ziehnng vollkommene Gegensätze dar.„Aus Mitleid" ist eine mit strenger Folgerichtigkeit dnrchgesührte Handlung; das„Skizzenbnch Eeee horao" bietet nicht viel mehr als ein erprobtes Rezept zu einem — Schauerroman. Dort haben wir die nüchterne Wirklichkeit, in deren Rahmen sich das Drama einfach und natürlich, aber gerade deshalb attch ergreifend abspielt. Hier ist es gerade die gekünstelte Uebertreibung in Wort und Handlung, die das Geaentheil von dem hervorruft, was der Aersaffer beabsichiigte: die tragische Wirkung.— Theater. — Vor einigen Monaten kam ans Wien die Kunde, es sei dort eine selbständige Poetennatur entdeckt ivorden. Der neue Dichter- name war Leo E b e r in a n n und sein Gedicht war ein Drama „Die A t h e n e r i«". Das Lob Ebermann's wurde in der liberalen Presse Wiens besonders stark gesungen und roch verdächtig nach Vetterschaft oder etwas ähnlichem. Nun haben wir in Berlin das jüngste Geniestück am Sonnabend im Schalt spielhause rennen gelernt, und arg zerzaust kehrt der Poet von der Reklame Gnaden heim nach Wien. Man rief ihn zwar»ach dem ersten und zweiten Akt, aber ohne lebhaftere Theilnahme. und int Schlußakt lachte man einfach an tragisch gemeinten Stellen aus; die Wiener sahen. daß sie an schöpferische» Kräften sehr arm geworden seien. Da kam ihnen Ebermann gelegen. Der schrieb ein Drama im schulgemäß korrekten Jambengang. Was er zu sagen wußte, war nicht viel itnd gewiß nichts Eigenes. Aber es war selbstgefällig vorgetragen, es klang. Wohl war es innerlich hohl, aber die inhaltslose Phrase war schön- rednerisch ausgeschmückt. Manchmal ist es zum Lachen, wie der Autor ärtnliche Schülergedanken in schwere Form kleidet. Das that nichts zur Sache. Man brauchte ein Genie, und Ebermann wurde gekrönt. Für diese Saison. In der nächsten kommt ein anderer dran. Athen und Sparta, in der simpeln Auffassung, wie sie unsere Gymnasien beizubringen pflegen, bilden den geschichtlichen Hinter- grttnd des Dramas. Das vergoldete Athen ist weichlich geworden. Das rauhe eiserne Sparta hält Kriegshandiverk itnd Mäituertiw/ni" hoch. Der Rothschild int damaligen Attila bi� Tytasill Er war ein nttgekrönter König ttnd dttrck.h« herrschte Phryne. die schönste Ltebeshandlenn ru Athen ■ m«.lu�ve einc� gsnialische, Dchters werlh, die kecke Erscheinung einer Phryne, wie sie v etitcnt schönheitsgierigen Geschlecht anf- wachsen konnte, nttt'cker Hand zu gestalten. Nur dürfte. aus der Phryne kein /entimentalisches Dirnlein werden, wie n» Ebermann's Atheneri» Agis. der �artaner. kommt nach Oftche,, Er kommt in einer politischen S-rurng. Den spa�fs,che„ Gesandtschaftsatlachä sehen e»tore»uen, in eins bei Phryne. Der tngendboldige ?n b' verachtet aber die Liebeswerbung Phryne's. Phryne sieht n, ,d- oher zn dem starken Jüngling empor, der sie prügeln, der meit n? rete» könnte. Sie wahrt darin ihren Dirneninstinkt; und doch in Li-beskünsten erfahren, verführt sie zum Schluß den �.Igis und raubt ihm seine Tugend. Das alles im Hans de» — 2 Thrnsill. Dieser Millionär ist nicht»venig eklig darüber, daß Phryne ans seinen Pfühlen, in seinen Zimmern ihm das angethan, und Agis schluchzt: Ach,»vie tief bin ich gesunken, ich, ein Spartaner. Er flieht, aber Phryne flieht mit ihm. Sie»vill die Armuth mit ihm theilen, sie ivollte ihn nicht schänden. Eine hellenische Hetäre in Roth ist ein trauriger Anblick; und als die Lockungen Athens wieder vor Phryne erscheinen, ,vird sie schwach und verräth ihren Agis, der sich erdolcht. Phryne wird vermuthlich»vieder zu Thrasyll zurückkehren. Millionäre können duldsam sein in solchen Dingen. M a t k o>v s k y und Frl. Poppe(Agis und Phryne) spannte» all' ihre Leidenschaft- tichkeit an; es blieb aber nur ein äußerliches Stürmen.— Medizinisches. — Nene Tuberkulin- Präparate. Die„Deutsche medizinische Wocheuschrist" bringt in ihrer neuesten Nummer eine Veröffentlichung von Prof. Dr. Nobert Koch über nene Tuberklllin- Präparate. Nach jahrelangen Untersuchungen ist es Koch gelungen, zivei Präparate herzustellen(Tuberkulin O und Tuberkulin ß), von denen das eine(Tuberkulin ß) seiner Meinung nach ganz entschieden gegen die Tnberkelbazillen immnnisirend»virkt. Bei tuberkulösen Meerschiveiuchen,»velche mit dem neuen Tilberkulin behandelt wurden, konnten regressive Beränderungen an den beim Beginn der Behandlung erkrankten Organen nachgeiviesen»Verden. Bei lungen- schivindsiichligen Mensche» im Anfangsstadiuin ihrer Krankheit und bei Lupuskranken ist ausnahmslos eine bedeutende Besier»lng durch die Behandlung erreicht»vorden;»ach geivöhnlichen Begriffen können nicht»venige Fälle als geheilt bezeichnet»verde». aber Koch hält es für verfrüht, den Ausdruck„Heilung" zu gebrauchen, bevor nicht ein hinreicheitd längerer Zeitraum ohne Stückfall verstrichen ist.— Irgend»velche beängstigende Nebenerscheinungen sil»d durch das Mittel in keine»» Falle hervorgebracht»vorden.— Wie früher das Tuberkulin»vird auch das neue Präparat unter die Haut«in- gespritzt,»md zivar anfänglich in kleinsten Menge»('/soo Milligramm); aUinälig»vird mit der Dosis gestiegen.— Aus dem Thierlebe». — Ein eifersüchtiger Elephant. Den„M. N. N." schreibt man ans London:„Charlie", der Elephant in Sängers Zirkus, der jüngst einen frühere» Wärter getödtet hat, um eine»virk- l>che oder eingebildete Unbill zu rächen, hat letzte Woche»vieder eine „Szene" herbeigeführt,»»nd zivar diesinal aus Eifersucht. Der Etgeiilhiimer des Zirkils kaufte dieser Tage in» Earlsconrt einen Elephanten„Edgar", der sich aber als»»»sicherer Kantonist heraus« stellte. Er brach nämlich los, als der Zirkus in Wimbledon»veilte, dnrchschivan»»» eine» Fluß und konnte erst nach einer aufregenden Jagd, die sich über zivei Kilometer ausdehnte,»vieder eingebracht»verde». Un» künftig derartiges unmöglich zi» machen»rnd um ihn ruhig zu halte», fesselte man ihn nun an die Elephantin„Mary", die sich geivöhnlich mit„Charlie" znsanimen im Zirkus produzirte. Während »»in an» Freitag vor acht Tagen in Tivickenhan» das Zelt errichtet wnrde,»veideten die Elephanten draußen in» Feld, auf dem einen „Edgar" an„Mary" gefeffclt, auf den» andern„Charlie" solo und »linmiithig. Plötzlich hörte man ei» schreckliche? Trompeten: „Charlie"»var. von Eifersucht überivältigt, ans seinem Feld aus- gebrochen, und hatte sich auf seine» Nivalen»ild seine„treulose" Gefährtin gestürzt. Er trieb beide durch einen Fluß und eine dicke Hecke,»vars sie schließlich nieder, sprang auf sie lind bearbeitete sie nach Leibeskräften mit seinen abgestumpften Zähnen. Nachdem einige tzll Mann längere Zeit»nit Stangen und Peitschen auf ihn losgeschlagen halten. ließ er endlich ab und ging ruhig in seine» Stall zurück. Die Opfer seiner Leidenschaft»vare» zum Glück dank ihrer dicken Haut nur»venig beschädigt; der Lärm während des Kampfes soll aber ohrenbetäubend geivefen sein. Die neu» übrige» Elephanten trompeteten unaufhörlich, die Löiven und Leoparden brüllten. die Strauße kreischten u. s.»o. u. s.>v.— es »var ein seines Konzert.— Humoristisches. — Eine P o st k a r t e an Goethe. Eine lustige Karnevals- Gesellschaft in einer mährische» Stadl machte de» Versuch, ob die denlsch« Reichspost in Frankfurt a. M. einen guten Spaß versteht und ob sie daraus eingehen»vird. Diese Voraussetzung ist nicht ge- tän'cht»vorden. denn das Frankfurter Postamt ist ails de» Spaß �guaen und hat demselben erst die rechte Würze gegeben. An» o.' lief in Fra.?.')pt eine österreichische Korrespondenzkarle folgenden Inhalts ein: Herrn Jo Löf V'g v. Goethe, C- mer N. ch � 11 V Frankfurt a. M. l 9?..- März 1997. Hoch..erebrter v»!....,.. Für de» Fall, als Ssrü,<> unter de» Ledende, weilen, wurde», »vir S>e, hochverehrter Herr, recht m Z> endung e»»e� Autogramms gebeten habe». Ergeb Falls Herr Adressat inzwischen Redaktion des velstorben, dann bitten»vu die Neuen Btsenzer Beobach��' Karte retour. �.. Die Schüler Stephan's im Frankfurter Poftamte f(9eincl1 Verantwortlicher Redakteur: August Jacodcy" )2— keinen Augenblick in Verlegenheit oder in Ziveifel gewesen zu sein, »vas mit dieser Karte zu geschehen habe. Sie schickten sie durch den Briefträger ins— Goethe-Haus am Hirschgraben. Dort nahm der Bibliothekar des Goethe-Hauses, Dr. Otto Heuer, die Karte in Empfang und erledigte sie in ganz ernsthafter, korrekter Weise, indem er in altväterischer Schrift und Schreibart darauf den Verinerk setzte: „Adreffat im Jahre 1775 von hier nach Weimar verzogen. Dr. Heuer. Goethe-Hans." Diese Angabe des Dr. Heuer»vurde auch von dem Brief- träger Ruckat mit seiner Unterschrift bestätigt. Aber im Postamte scheint man der Meinung gewesen zu sein, daß diese Auskunft für den„Neuen Bisenzer Beobachter" doch nicht ausreichen»verde, und um dieses Organ in gar keinem Ziveifel zu lassen,»vtlrde auf die Adresse mit großen, deutlichen Buchstaben geschrieben:„Gestorben. Retour!" Mit diesen amtlichen Marginal», oten versehen, ist die Korrespondenz- Karte am 12. d.»vieder in» Postaiute des Bisenz-Piseker Bahnhofes eingelaufen und der Redaktion des„Neuen Bisenzer Beobachters" zugestellt»vorden. Derselbe erscheint jährlich nur einmal als— un» gedrucktes Manuskript und»vird in» Kreise einer Faschingsgesellschaft vorgelesen,»velche diesmal der Redaktion ihres Organs für den »verthvollen Beitrag zur Goethe-Lilcratur die vollste Anerkennung zollte.— Vermischtes vo»n Tage. — In S ch n e l l e»v a l d e(Kreis Neustadt O.-S.) sind 9 Wohn- gebäude, zahlreiche Scheunen und Stalltlngen niedergebrannt. Viel Vieh ist dabei»»ngekommen.— — K i e 1. 28. März. Ein Schleppzug von« Segelschiffen, der den Nord- Ostsee- Kanal passirte. hatte bei der Einfahrt in die Holtenauer Schleuse»vegen des starken Stromes nicht rechtzeitig stoppen können. Infolge dessen gerietheu die 8 letzten Schiffe hart anelnander; sie verloren das Bugspriet«nd erlitten auch sonstige starke Havarien.— — In T h ü r i n g e n giebt es 33 Dörfer, die zu zivei Staaten gehören.— — Ein Pionier des Zeitnngsivesens. Ein Herr Rudolf Abs zu P a s s a u giebt eine Monatsschrift heraus, die ihr Lesepublikum im Fegefeuer sucht. Der— als Waaren- zeichen eingetragene— Titel lautet:„Der Armen-Seelenfreund, Monatsschrift zum Tröste der leidenden Seelen im Fegfeuer".— — Der„Elsässer" pirblizirt folgendes„Knlturbild" aus den Reichslanden:„Die Schnapsgeister verübten hier niit einer Evas- tochter einen schlimmen Spaß. In» Zickzack führten die Kobolde das Weib an einen» Düngerhaufen vorbe» und flüsterten ihr ins Ohr. sie sei an einen» passenden Nachtlager angekoinmeii. Die Frau»var nicht»vählcrisch und fing fiugs an, sich zu entkleiden. In diesem paradiesischen Zilstande fand sie nack» einigen Stunden ei» Beamter des Bahnhofs. Der gute Mann hatte Mitleid n»it dem Weibe, hüllte sie in seinen Mantel und führte sie nach Hause. Was hat ihr Mann gesagt?»verde» unsere Leser jetzt frage». Gar nichts: denn er befand sich in derselben Verfassung."— — In Merlach, einer Vorstadt Augsburgs, geriethen an» Sonnabend siebe» Kinder unter einen stürzenden Holzstoß; eine- von ihnen»vtlrde getödtet, drei schwer, drei leicht verletzt.— — Die cheinische Fabrik von Fischer in U n t e r l a a(bei Wie») ist infolge einer Benzinexplosion niedergebrannt. Drei Arbeiter»vurden schiver verletzt.— — Paris, 29. März. Aus Greenock»vird telegraphirt, daß gestern ei» Dampfer in Neiv-Iork eintraf, der 13 Neberlebende des nnlergegangenen Dampfers Bille de St. Nazaire a» Bord hatte. Von den Ueberlebenden hatte» sich zuerst 29 Mann durch ein Boot retten können, 13 von ihnen fanden ihren Tod durch Hunger und Kälte.- — Ein Edelster. Der dreißig Jahre alte F ü r st v o» Thür» und Taxis gebraucht,»vie französische Blätter niit« theilen, täglich einen neuen Anzug, an dessen Herstellung zivölf Schneider jahraus, jahrein arbeiten. Seine säinmtlichen Kleidnugs» stücke»verde»»nit einem Parfüm getränkt, von dem das Liter nur 2009 Franks kostet. Außerdem gebraucht er jährlich 1000 Kravatte» und 200 Paar Stiefel. Für die verschiedenen Sportziveige, denen er obliegt, giebt er jährlich die Kleinigkeit von 875 000 Franks ans. Unter anderen» besitzt er etiva 40 Fahrräder.— — Ein Abgeordneter des Staates Kansas(Nordamerika) hat den Antrag gestellt, die Gesetze, die Moses seinen, Volke gegebe», in das Gesetzbuch des Staates Kansas auf- zilnehmen. Der Gesetzgeber hat auch gleich die Strafen normirt: Wer„einen anderen" Gott hat, soll 1000 Dollars Strafe zahlen; »ver Götzenbilder anfertigt,»vandert auf ein Jahr ins Zuchthaus; »ver den Sabli.iih icht heiligt, hat eine Strafe von 300 Dollars zu gewärtigen; r»''>»edriich begeht, der wird auf Lebe»lszeit im Zucht« Hause kalt gest�. n f.>v. Dies« Gesetze sollen aber nur für die Männer gellen. e Frauen sind ausgenommen, denn„Frauen sind nicht gottlos".— — Die Bestattung der»»»längst verstorbenen Kaiserin- W» t t>v e v o n I a p a n hat 2 800 000 M. gekostet. Der Leichen- »vagen»vurde von drei Ochsen gezogen.—_ ltn. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.