Ilnterhaltimgsblatt des Horwürts Nr. 65. Donnerstag, den 1. April. 1897. (Nachdrurl ccrboten.) i] Ein altev Streit. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von Wilhelmine v. Hillern. Schnee. ,/s heißt ja, wir kommen in Bann!" „Wer sagt's?" „Der Pfarrer hat's heut de» Feiertagsschülern ankünd't, daß wir's wissen." „Das war' nit aus—" „Ja, morgen kommt der Hirtenbrief und am Sonntag wird er verlesen— wer jetzt noch treibt, der ist schon drin!" „Ah bah, solang der Brief nit verlesen ist— gilt's nit." „Z'Münkcha ist er's ja schon! Drum hat's der Pfarrer g'sagt, daß nix mehr g'schieht, jetzt sind wir verwarnt und können uns danach richten." „Woher nit gar, dös kuunt' a jeder sagen, der Pfarrer droht halt—!" „Raa, a Telegramm hat er kriegt— und der Brief kummt nach." „Ah was, solang wir'n nit mit eigene Ohren g'hört haben, geht uns dös nix an!" „So viel ist g'wiß, was g'schehil soll— muß bald g'schehn." „Amal, jedenfalls vor der Brief verlesen ist—" So geht ein leises Gemurmel wie das Rauschen einer zwischen Felsen erstickten Brandung durch den Raum.— Es ist eng und heiß auf dem qualmigen„Tanzboden", wo die Flüsternden versammelt sind. Der Tanzboden ist ein unbenutzter abgesperrter Speicher- räum, ohne Treppe, mit einer Fallthür und nur über eine Leiter erreichbar. Die festgcschlosseuen Läden und ein großer alter Kachelofen, der Heuer zum ersten Mal wieder angeheizt ist und dicke Rauchwolken herausbläst,— machen schon an sich heiß— dann und wann spritzen knisternde Funken aus dem Ofen und müssen mit den schweren Nagelschuhen ausgetreten werden, daß die Sohlen brenzlig riechen,'s Bier ist warm— alles schlecht und nun auch noch diese Nachricht! Die steigt den Leuten zu Kopf, daß ihnen die Schläfen pochen und die Kehlen trocken werden.„Jetzt, was thun—?" „Wir wissen nix— wir wollen nix wissen." „Was kümmert uns das G'schwätz von die Feiertags- schüler." „Wir warten den Hirtenbrief ab." „Nein, grad den warten wir nit ab— da müss'n wir die Sach schon vorher loslassen." „Können wir denn, wenn der Maxlrainer-Graf nicht mit» thut?" sagt ein großer schöner Mann, der bisher geschwiegen, mit überlegener Ruhe— aber in seinen Augen blitzt es düster auf, als sie über die Versammlung hinschweifen:„Wir können ja kein' Beschluß fassen, wenn einer fehlt." „Aber Habermeister! Seit drei Wochen ziehen wir jetzt an der G'schicht'rum— ob— oder nit— jetzt haben wir richtig so lang g'macht, bis wir noch in'n Bann'neinkomme und exkomniunizirt werd'n," schreit ein Hitziger ungeduldig und schlügt mit der Faust auf den Tisch. „St— nit so laut!" rügt der Habermeister;„wannst D' nit still reden kannst, na mußt kei Haberer nit werden. Wir können nur b'sonnene Leut' brauchen, die sich in der G'walt haben und a Sach' heimlich betreiben, bis's losgeht — nachher kannst schreien, so viel D' magst!" Währenddessen haben ein paar vorsichtig ausgeschaut, ob niemand in der Nähe ans der Hansflur oder unten in der Wirthsstube war, der die laute Rede gehört hätte— aber alles ist in Ordnung. Ein plumper Bursche mit verwegenem Ausdruck zupft seine Nachbarn am Aermel:„Wenn wir den Hirtenbrief auf- halten kunnten?" „Ja, wie dös?" „Uebermorgcn ist Sonntag— wenn wir uns drüber macheten und heut Nacht a Brucken zwischen Bichl und Penz- berg abrissen— nachher kunnt morgen früh d' Post nit durch tlnd keine Brief bringe— „Dn Sakramentslump, Du, so was Schlecht's kann nur Dir einfallen— daß wir noch'n Postwagen umschmeißete» und Menschenleben aufm G'wissen hätten—" „Scht! Jesus, seid's doch nit so dumm— will i denn dös—? Wann wir fertig sind, geht einer hin und zeigt's an, daß kei Unglück passirt. Der kriegt nachdem noch a gut's Trinkgeld dazu und lacht sich ins Fäustl." „Ja, a Trinkgeld—" höhnt ein andrer, den sie den Hiesel nennen,„wannst ebbas anstellst, daß sich einer'n Hax'n ver- staucht, oder thust'n ung'schickten Fahrer mit'm Messer, daß 's a bißt schweißt— nachd' kriegst a Jahr Zuchthaus— wannst aber'n ganzen Eisenbahnzug rett'st.mit alle Passagier drin, nachd' ist's Dei verfluchte Schuldigkeit g'wesen und kannst Dir kei Halbe Bier dafür kaufen!" „Dadranf kommt's nit an," rügt der Habermeister;„die Hauptsach ist die, daß wir unser G'wissen rein halten—" „Ja freilich, ja freilich, was anders woll'n!wir ja auch nit. Aber so ganz schlecht wär' der Vorschlag nit— etliche Tag wär' halt doch die Postverbindnng abg'schnitten und wir hätten Zeit g'wonne!" „Das ist eine heikle Sach', die braucht wohl überlegen—!" sagt der Habermeister kopsschüttelnd. „O mei! Ueberlegen— und mit lauter Ucberlegen kommen wir z'letzt zu gar nix!" „Wenn sich der Maxlrainer bis jetzt so dagegen g'wchrt hat— ändert er seine Meinung über Nacht auch nit. Wir müss'n halt ohne ihn z'thun komme!" „Ja, ja—* murmeln die übrigen leidenschaftlich durch- einander, und was sie nicht mit Schreien auslassen dürfen, sammelt seine Kraft um so mehr im Innern.—„Wann er nit derbei sein will, na soll er's bleiben lassen—!" „Ruh'— i bitt' Etich!" mahnt der Habermeister.„Wir können ohne sei Zustimmung nix machen in der Sach'! Ihr wißt's, was der Maxlrainer für a Hitziger ist! Der ist im stand, aus Zorn geht er hin mid zeigt's an, daß wir alle mit'naild' aufs G'richt kommen!" „Dös kann er nit— a Habcrer, der sein Eid bricht— dös giebt's nit!" „Er hätt' ja kei Stund' kein Ruh' mehr vor uns— bis auf Kind und Kindeskind!" „Aber jedermann draußen giebt ihm recht— und'S wird heißen, wir sind gottlose Leut, daß wir den Bnb'n zwingen woll'n, da mitz'thnn!" „Dös woll'n mir ja nit—" unterbricht ihn einer.„Wer verlangt denn, daß er selm derbei ist? Er soll's blos nit hindern und andre Leut' ihr Recht lassen!" „Er wird's aber hindern—" erwidert der Haber- meistcr.„Er hat's g'sagt, er laßt's nit angehn! Und kei Christenmensch kann ihm das verübeln-- in dem Fall!" „Freili, freili!'s wär' ja gegen's vierte Gebot—!" „Drum eben sollten wir's heimlich thun, ohne daß er's inne wird— nachd' trifft ihn keine Schuld!" rannt der Hinsel dem andern zu. „Wenn tch Euch doch sag', daß er mir droht hat, bald wir das hinter seiner thun, steht er für nix—!" „Und derweil könne wir uns von dem alten Rnach sei'm G'söff vergiften lassen," meint einer, der eben sein Halbekrügl von sich schiebt. „Wir sollen halt noch anmal die Anzeig' beim Bezirksamt gegen ihn machen!" „Ah mei— Bezirksamt! Na schicken s' wieder a Koni« Mission wie die vorig, und derweil kriegt er Wind, wie selb's- mal, und schütt''n ganzen Sud aus, daß drei Tag lang alle Büch' nach Bier schmecken und wenn d' Kommission kummt, da ist alles voller Hopfen, daß's a Freud' ist und d' Herbstzeitlosen sind wie vom Erdboden verschwunden! Ein sotchcncr. Reicher— der hat ja überall seine Leut' an der Hand— wie wollt's denn so ei'm beikomme—!" „Da muß ma sich selber helfen! Was anders gibt's nit!" „Und was is's nachd' weiter? Drin in der Stadt, da dürf'n d' Bürger und d' Bauern mitrichten und amten, da haben's d' Schöffen und G'schworene eing'führt, weil sie's ohne 's Volk doch nimmer mach'n könnt' haben— und wir hier, wir soll'n nit richten und mitreden?" „Wir sind grad so g'scheit, wie die drin, wir sind unsre eignen G'schwornen und können so gut Schuldig sprechen wie die!" „Die G'schwornen dürfen sagen, ob s' ein' für'n Dieb oder'n Mörder halten, wo sogar oft ein' sei Leben davon abhängt,— aber— wir sollte» nit amal ei'm Erzlunip sei Sündenregister'runter lesen?! Man sagt doch überall sei Meinung, warum nur wir nit? Wer sind dann die G'schwornen, was sitzen da oft für Leut' d'runter? So lang d' ei'm kei Spitzbuberei nachweisen kannst und bürgerlichen Ehrverlust— kann er„G'schworner sei'— der da droben war auch schon derbei! So viel san wir no lang, wie der! Im Gcgeutheil, mir san keine Bierfälscher und Güterz'rtrümmerer. Wir haben da heraußt kei Landg'richt und kei Schwurg'richt— wir müssen selm hinschauen, wo der Staat nit hinschaut! Dös hat der g'scheite Kaiser Karl wohl g'wnßt, wie er unserm Gau die G'rechtsame geben hat, und daß unsre Altvordern brave Leut' waren, die 's nit mißbraucht hätten. No, und so viel schlechter sind wir auch nit worden, als unsre Alten." „Es ist einmal ein altes kaiserliches Privilegium," spricht der Habermcister,„und wenn uns auch leider die Urkund' im Bauernkrieg verloren'gangen ist— deswcg'n ist's doch ver- bürgt und vererbt von Vater auf Sohn!— Es wird wohl kein sterbender Vater sei'm Sohn auf'm Todtenbett a Lüg' sagen! Wenn wir aber selber nimmer an unser Recht glauben, dann machen wir unsre Eltern im Grab zn Lügnern." Eine tiefe Bewegung geht durch die Versaninilung. „Und wohin werden sie's bringen, wann s' uns das Haberg'richl verbieten und verleiden und wir's aufgeben müssen?" fährt der Meister fort.„Daß alles fremde G'sindel 'rein kommt und auf unfern Namen weiter treibt! Die sind aber dann nit so g'wisseuhaft, wie wir, und schonen Leib und Leben und Hab' und Gut, oder ersetzen den Schaden, wenn was verdorben wird, wie wir! Dös giebt uacher erst rechte Schlamassen— n a ch e r g'schchen erst die Verbrechen, die man uns jetzt nachsagt, und was bei uns ein rechtschaffenes G'richt war, dös wird bei dem G'sindel ein grober Unfug und verschinipfiert unser heilige Sach'—'s heißt hält: ,'s sei a Haber feldtreiben g'wesen und wir wären die Treiber!'" Der Haber- mcistcr erhebt sich:„Denkt an mich— wer's erlebt!— Wenn sie jetzt den Bann über uns aussprechen— ziehen sich alle ordentlichen Leut' von der Sach' z'rück und g'habert wird doch!— Denn solcherlei G'sindel, Landstreicher, arbeitslose Kneckjt oder entlassene Sträfling giebt's g'nug, die sich so eine schöne G'legenheit zum G'rcvell'n nit auskomme lassen! — Bis in a dreißig Jahr' sind wir dann so weit, daß sie alleweil wieder den Bann aussprechen müssen und daß es alleweil vergebens sein wird, denn das G'siudcl, was nach uns hadert, kümmert siä) um kei Kirch und kein Bann, des prügelt sich mit den Gendarmen'rum— und wenn's Menschenleben kostet, dann haben wir's gethan!" „Recht hast, Habermeister!— Nit auslassen dürs'n wir. Unser aller Ehr' und guter Namen steht auf'm Spiel—!" Der Habcrmeistcr wischt sich die Stirn:„Da heißt's immer, unser Sach' wär'u ung'rechte, sonst brauchten wir's nit so g'heim z' halten! Ja mei, in der Stadt drin, da hab'n s' noch viel g'heimere Orden. D' Freimaurer brauchen sich auch nit fürchten— san König und Kaiser derbei— und halten doch alles g'heim. Das ist, weil die Person nit derbei ins Spiel kommen soll,— daß nit die ganz' Vettern- und Basenschaft mit d'rein reden und's freie Urtheil von die Leut' beeinflussen kunnt'!" „Aber d' Freimaurer san auch im Bann!* bemerkte einer dazu. „Ja, aber sie scheren sich nix d'rum— dös is halt a mächtige G'scllschaft, dena könncn's uit an, nur so arme Teufel wie wir müssen'? büßen." »Ich sag' � nit nachgeben!" spricht der älteste unter den Haberern, der sogenannte Rugmcister.„Derwischen lassen wir uns nit und beichten brauchen wir's auch uit, denn warum? Es begeht ja keiner kei Todsünd nit. Wir haben noch niemand umbracht— haben nit g'raubt und nit g'stohlcn, haben kein Ehbruch auf'm G'wisseu, reden auch kei falsch Zeugniß uit, denn wir treiben nur bei dem, wo wir's g' w i e ß �wissen. Wir streben nit nach unserm Nächsten sei'm Sach— im Gegen- theil, wir ivollen ihm dazu verhelfen, wenn er von einem über- vortheilt wird. Wir halten die zehn Gebot und die fünf Kirchengebot. Wir fasten, wir gehen in die heilige Mess', wir arbeiten an kein' Feiertag— und, wer ist unter uns, der nit an Ostern sein Bcichtzettel bringen kunnt'?" „No, nachher frag' ich: Wo ist denn das große Ver- brechen, wegen was man ein'» gleich cxkommuniziren muß?" redet der Alte weiter.„Daß wir ein bißl schreien und knallen? Dös thun freili d' Freimaurer uit. Dös m n ß aber auf'm Land sein— dös ist ein alter Brauch und hat die Bedeutung, daß der Sünder ans Jüngste Gericht erinnert wird,— das jagt ihm an andern Schrecken ein, als so a zahme G'richtssitzung, wo's so staad hergeht, daß man d' Fliegen summen hört!— Das ist a reine Polizeisach', und wann denen Herrn unser Lärm nit anständig ist, iveil sich jetzt nix mehr rühren soll bei dena verschlafene Leut', dann soll'n s' uns weg'n nächtlichen Unfug strafen; zahlen wir so viel Tausende an Entschädigungen und Unterstützungen, dann kommt's auf die paar Gulden Ordnungsstras' auch nimmer an. Aber nit gleich Kirch' und Staat z'sammenhelfen, als wann wir a solche g'fährliche Verbrecherbande wären, daß einer allein uns nit Herr werden kunnt'!" „Er kunnt's au nit", ruft der Habermeister.„Einer allein uit— und alle zwei mit'nander nit!" Wie elektrisirt springen jetzt alle von den Sitzen ans. Die Köpfe glühen, die Fäuste sind geballt und wie zum Schwur erhoben. „Ja, so ist's, so soll's sein! Wir haben uns einand' zug'schworen und wir halten nnsern Eid! Nit Herr werd'n s' uns und wann s' alle Höllcnstrafen über uns loslassen!" „Brav, gebt mir Eure Händ'—" sagt der Habermeister. „Aber das will ich Euch noch einprägen,"— er hält mit festem Druck die dargebotenen Hände der Aeltesten in den seinen—„das merkt Euch, Ihr Jungen und Ihr Alten— jetzt müssen wir doppelt vorsichtig sein, daß wir uns nix zu schulden kommen lassen, was ein schiefes Licht auf uns wirft und denen Herrn Wasser ans ihre Mühl' wär'! Und weiters bitt' ich Euch aber auch, daß nix g'schieht, was Ihr vor'm eigenen Gewissen und vor'm lieben Gott nit verantworten könnt. Denn, wenn wir's mit unserm Herrgott ver- derben, dann erst ist's g'fehlt!" „Ja!— und a Hundsfott, wer nit dcrnach handelt!" „Und somit sag' ich— das Habergericht bleibt bestehen, komm's wie's will!" erklärte der Habermeistcr mit trotziger Feierlichkeit. In diesem Augenblick poltert ein schwerer Tritt wie von Nagelschuhen die Leiter herauf und die Fallthür wird ungestüm aufgehoben. Ein Ruf der Ueberraschnng ans aller Mund:„Der Maxlraincr!" „Wo kommst denn Du noch so spät her?" fragt der Habermeistcr erstaunt:„Komm' nur'rauf,— mach' d' Fall zu! Wie schaust denn aus?" „Habermeistcr, wann wird trieben?— Ich thii' mit!" „Jesus Maria,— der Sohn gegen den Vater!" ent- schlüpft es unwillkürlich de» Lippen der Männer. „Das ist kein Vater mehr—!'s ist vorbei, alles vorbei —'s Tischtuch zwischen ihm und mir ist zerrissen— Gott verzeih' mir's— irgendwo muß man's'anslassen— i kann nit anders, wenn ich ihn nit durch'Z Haberseld treiben darf, so g'schieht noch viel was Acrger's!" „Maxlraincr, bcdcnk's halt doch z'erst, grad' haben wir davon g'rcdt,— daß wir kei Sünd' wieder die zehn Gebot thun soll'n,— grad' jetzt, wo's heißt, daß wir in Bann kommen sollen!" „So? In Bann auch noch?!" ruft der Maxlraincr, „no uacher ist's auch recht! I frag' nach nix mehr.— Wann man so hinsteh'n muß und's G'sicht hinhalren, zum drein- schlagen wie man'n Trcibvieh aus d' Nasen haut, da ist man halt auch nix besseres als a Vieh— da braucht's kei Absolution mehr— Er kann nicht weiter reden, der Zorn raubt ihm den Athem.„Bier her!" stöhnt er, die Zunge klebt ihm am Gaumen. Aber kaum hat der Wirth ihm eiugeschänkt und er das Bier gekostet, da spuckt er es aus den Boden:„Pfui Teufel, das ist wieder die Brüh' von mei'm Vater!" «Jetzt geh, wir müssen's alle trinken—" „Ja und sind auch alle halb hin davon! I hab's schon hundertmal g'sagt, Wirth, Du sollst' a anders Bier anschassen.—" „Jesus, da wollt i sehen, wie's mir ging— wann i's Bier von dranßt komme ließ! Du kennst doch Dein' Vätern—!" „Ja— und drum muß es anders iverden und Euch und Alle muß's g'holfen wer'»— das sag' i, sei Bua, und drum thu i selber mit—!" „Hm! Hm! Ter eigene Sohn—!" brummt der Rüg- meister kopfschüttelnd:„Wenn uns dös nnr Segen bringt—!" „I«, der eigene Sohn und heut noch— heut Nacht noch—!" Der Habermeister legt ihm die Hand auf die Schulter: „Du weißt, daß dei Vater schon lang dem Haberg'richt ver- fallen ist, daß die Anklag' von allen Seite» gegen ihn er- hoben ist— Du warst's ja, der sich seit drei Wochen immer dagegen g'sträubt hat! Damals hab'n wir's ohne Dich machen woll'n, weil in unsere Ueberlieferungen noch kei' Fall verzeichnet ist, wo ein Sohn den Vater durch's Habcrfeld trieben Hütt'! Du hast nur Dei Einwilligung geben sollen, weil wir sonst nit spruchfähig g'wesen wären, aber auch das hast nit woll'n und heut kommst ans einmal daherg'saust wie's Wetter und sagst, Dn thuest selber mit! Das ist jetzt halt der Zorn, weil Du was mit Dei'm Vater g'habt hast— aber ein schnelles Feuer verraucht auch schnell, und morgen wenn Dei Zorn vorbei ist, reut's Dich wieder. Drum bedenk's z'erst und sei nit so jäh!" Jetzt richtet der junge Mann den Blick ruhiger und klarer ans den Haberermeister und sein ganzes Wesen nimmt eine bestimnitere Haltung an:„Du meinst, es sei, nur weil mei Vater mich falsch g'macht hat? Nein, Habermeister, dös hat nur's Maß zum Ueberlaufen bracht.— Wenn ich mich g'sträubt Hab' gegen's Treiben, so war's weil ich probiren wollt', noch im guten mit ihm z' reden. Aber da ist alles vergebens, dös Hab' i heut g'schen und darum soll er's haben. Ihr sagt, es brächt' kein' Segen, wenn der Sohn dem Vater Haberfcld treibt? Ich frag' Euch, ob's mir Segen bringt, wann ich ruhig zuschau, wie der Vater einen armen Mann um den andern von Hans und Hof treibt? Soll ich die Flüch' ernten, die mein Vater sät? Schant dort den Tilly an! Seit ihm der Vater weg'n fünfzehnhundert Gulden sei Güll g'nommen und's dann für drei- tausend verkauft hat— ist er ans Verzweiflung ganz verkommen— und war so a ordentlicher Mann. Aber dös kümmert den Vater all' nix. Der geht nur dranf ans, Güter z'samm z'bringen, mag z' grund g'richtet werden wer will! Wenn da noch z' helfen ist, dann ist's nur durch a Haberfeldtreibcn— sonst durch nix. Grad, daß Ihr seht, daß es a ernste Sach' ist, nm die sich's handelt, thn ich mit!— Denn wann i ch dabei bin, hört der Spaß ans! Ich bitt' also, daß die Jungen unter Euch dösmal das Treiben nit als a Gaudi betrachten und Lumpereien machen, sondern als a schwer's Strafg'richt, was der eigene Sohn in seiner Nolh über den Vater verhängt!" „Dadrnm brauchst Dich nit z' sorgen, das überlaß' Dn mir mir— ," sagt der Habermeister unwirsch. „Jetzt freu Dich, Hochbrän,— jetzt kommt die Abrcch- nung—" stammelt der Unglückliche, von dem der Maxlrainer vorhin geredet, mit verglastem, drohendem Blick. „Tilly,— sei still und nimm Dich z'samm, daß d' a gerechte Sach' nit zu einer nng'rechten machst und meinst Du kannst da Dein' Haß auslasse». Büßen soll mei Vater, aber Leids laß ich ihm keins g'schehen— und weh dem, der ihm a Haar krümmt!" Er geht zum Fenster und macht einen Spalt am Laden ans, um die Nachtluft die heiße Stirn kühlen zu lassen.— Schwer athmend blickt der Jüng- ling zu dem düster» Nachthimmel aus, von den: sich kaum die schwarzen Umrisse mehr abheben, so dunkel ist's. Dann schließt er den Laden wieder und sieht ans die Uhr: „s ist schon acht Uhr. Heut wird wohl nix mehr z' machen sein.—" „Das kannst Dir denken," sagt der Habermeister,—„wie brächt' man so schnell die Lent' z'sammen?" „O weg'n dem! In drei Stunden Hab' ich sie alle!" ruft der Tilly mit funkelnden Augen und springt behende herbei. Der hagere, abgezehrte Körper zittert vor Begier, die Sache der Vergeltung zu fördern. Schon greift er nach der zer- lumpten Joppe, die er am Nagel hängen hat— da gebietet der Habermeister Halt! „Zuerst," sagt er zu Marlrainer,'„müßt' man doch wissen, warum D' ans einmal so pressirst, nachdem D' Dich so lang b'sonnen hast? Liegt noch was anders vor, als was uns allen schon bekannt ist?" „No, das will i meinen! Wißt Ihr denn nit, was heut abend g'schehen ist?" Die Männer schütteln die Köpfe:„Wir sind schon seit sieben Uhr da!" „O mein Gott, da habt Jhr's noch gar nit erfahren— der Allmeyer— der Vater von der Wiltraud, ist g'storben." „Jesus, der Allmeyer?" rufen die Männer erschrocken und theiluehniend.„Wie ist das gangen— war er denn sokrank?" Der Maxlrainer känipft mühsam die aufsteigenden Thränen hinunter:„Kränklich war er schon, doch hat der Doktor g'sagt, er hätt' noch a paar Jahrein leben könne. Aber dös hat ihm den Todesstoß geb'n, daß ihm mei Vater d' Hypothek küudt hat und ihm mit'm G'richtsvollzieher droht.— Die Schand überleb' ich mit, hat er g'sagt,— hat sich niederlegen müssen und a Stund' drauf war er todt! Grad daß sie noch hab'n 'n Pfarrer'rauf holen könne." Wie ein nahender Sturm erhebt sich jetzt drohendes Ge« murmel unter den Männern:„Der arme Teufel— der Allmeyer, 's war so a rechtschaffner Mann. Grad z'sammschießen soll ma' den Blutsauger. Z'erst hat er'm Allmeyer's G'schäft rninirt mit seiner Kimstinühl, daß man's jetzt nur noch zur todten Mühl heißt, und dann nimmt er'm's Häusl auch noch!" (Fortsetzung folgt.) Vlotues Fouillekon. — Gchliissclversicherung. In einzelnen englischen Städten findet man Gesettschaflen, welche unter ihre Versicherunge» onch Schlüsselverfichernngen begreifen. Für jährlich zwei Schilling erhält man eine kleine Platte, die ma» an dein Schlüsselbund befestigt. Die eine Seite dieser Platte trägt eine Nummer, die andere eine Aufschrist, welche ersucht, das Schlüsselbund so schnell wie möglich zum nächsten Polizei-Bureau zu tragen. Der Finder erhält dort eine Belohnung von 2 Schillingen; er erfährt aber so nicht den Be- sitzer und kann also auch mit den gefundenen Schlüssel» nichts an- fangen, wenn er ei» Dieb sein sollte. Die Polizei stellt das Bund der Gesellschaft zu, und diese stellt in ihrer Liste den Eigner fest. Wird das Verlorene nicht zurückgestellt, so zahlt die Gesellschaft bis zu 100 Schillinge» Vergütung. Diese Schlüsselversicherung ist gleich- zeitig auch eine Unfallversichernng. Trifft den Inhaber eines ver- sicherten Schlüsselbundes in einem öffentlichen Verkehrsmittel ei» jlnglück mit tödtlichem Ausgang, so erhalten seine Erbe» von der Gesellschaft 1500 Schilling; die Erben eines verunglückten Radlers bekommen die Hälfte, doch muß ein versicherter Radier jährlich einen halben Schilling mehr Versicherungsgebühr zahlen.— Der Dklavcnhandcl in Afrika. Der Amerikaner Heli Chate- laine. welcher Jahr- lang Agent der Vereinigten Staaten in Loanda gewesen �st, hat, wie Londoner Blätter miltheilen, nnlängst seine Ansichten über den Sklavenhandel veröffentlicht.„Diese offene Wunde der Menschheit", führt er aus, eitert noch so ekelerregend wie früher. Von 200 000 00l> Afrikanern sind 50 000 000 Sklaven. Auf den Insel» Sansibar und Pemba, welche von Grobbritannien verwaltet werden, befinden sich 200 000 Sklaven. Auf jeden Sklaven, der die Küste erreicht, kommen 8 Sklaven, welche unterwegs oder im Innern umkommen. Jährlich werde» 7000 Sklaven nach Sansibar ge- schmuggelt und II 000 nach Arabien. Man glaube nicht, da» mit der Unterjochung der Mohammedaner, welche doch die Haupt- sklavenhändler sind, die Sklaverei aufhören ivird. Die letztere ist eben ein Grundelement der jetzigen afrikanische» Zustände. Die Eltern verkaufen ihre Kinder. Schuldner und Verbrecher werden in die Sklaverei verkaust. Sklaven bilden die reguläre Währung auf immensen Gebieten des Innern von Afrika. Sie sind Znglhiere. welche Elfenbein, Gummi und Wachs an die Küste tragen und die europäischen Produkte in das Innere zurückbringen. Sklave» sind die Träger der Karawanen der europäischen Reisenden, welche sich i» unerforschte Gegenden begeben. Die Rusrottung der Sklaverei in Afrika kann nur erfolgen, wenn die allgemeine» Zustände eine völlige Veränderung erfahren."— Theater. Zum dritten Male nun begegnen wir den Einsamen Mensche n von G e r h a r t Hauptmann anf der Berliner Bühne. Auf der Freien Bühne wurde das Drama wohl anfänglich überschätzt; im Deutschen Theater des Herrn L'Arronge folgte dann ei» hestiger Rückschlag; bald verschwand das Schauspiel vom Repertoire. Am Dienstag ward es wiederum in den Spielplan des Deutschen Theaters aufgenommen, und jetzt wird man der Dichtung eher gerecht werden können, ohne ihre Bedeutung zu überheben und ohne das Genre, das sie darstellt, z» unterschätzen. Einsame Mensche» sind in einer Zeit geboren, in der die sein-empfindlichen Seelen wund werden. Zum starken Können fehlt es den Leuten am entschiedenen Zug; und so verbluten sie im Kampf zwischen Wollen und Können. Nicht große tragische Gewalt, aber zart wehmüthige Elegie ivird in dem Genre von auptmann's Einsamen Menschen verkündet. Das scheint der rnndakkord der Poesie unserer Tage, die im einzelnen sehr sensitiv, voll intimer Reize sein kann, aber nirgend zur Macht, zu leuchtender Frische oder zur Erhabenheit vordringt.— Die jetzige Darstellung im Deutschen Theater ragt kaum über das Ensemble der Freien Bühne vor. Allen Respekt zunächst vor Herrn Sauer, dessen künstlerische Ehr- lichkeit sich erst jetzt zur Reife entfaltet. Moderne, geistig leicht reizbare Menschen hat er trefflich und scharf beobachtet. Das hat in jedem Zug sein Johannes Bockerat bewiesen. Frl. Else L e h- — 260— manu hat schlichte, herzliche Eiiipfindiing genug für Kälhche» Bockerat. Nur die volle Illusion kann sie nicht ausbringe». daß dies Käthchen ein kränkelndes Hühnchen sei. Frau Meyer hatZ in alter, treu bewährter Kraft die Mutter Vockerat gespielt.— Flacher, leerer kamen diesmal die übrigen Gestalte» im Stücke heraus; so erschöpfte Frl. Trenn er nicht entfernt ihre Aufgabe(Frl. Mahr); und welch' echt Berlinisches schnoddriges Phlegma entwickelte einst Herr L e s s i n g als Maler Brau»; Herr Hans Fischer erschien dagegen wie eine matte Kopie.— — Wilden bruch soll sich, wie man der Breslauer Morgen- zeitung mittheilt, durch die tadelnden Bemerkungen der Presse über sein Festspiel„Willehalm" tief getroffen fühlen. Er habe sich ge- äußert, daß er die Hiebe einstecken müsse, die eigentlich jenen galten, die ihn zu Veränderungen veranlaßten, bis die ursprünglich anders gestaltete Dichtung so wurde, wie sie nun der Oeffentlichkeit überantwortet wurde.— Armer Hofpoet!— Geographisches. — Probleme der Nordpolforschung. Als Nansen unlängst in London war, wohnte er, wie der„Köln. Ztg." geschrieben wird, auch einer Monatsversammlung der Geographischen Gesellschaft bei. Der Präsident Sir Clement Markham hielt einen Vortrag über die Probleme der Nordpolforschnng und beschäftigte sich dabei Haupt- sächlich mit den Feststellungen Nansen's und insbesondere mit der Thatsache, daß nördlich von Franz Josephs-Land ein sehr tiefes Seebecken ermitlelt wurde, das in seiner Tiefe verhältnißmäbig wannes Wasser enthalte. Dieses große Polarbecken, das sich über den Pol ausdehne, sei wahrscheinlich ein inselloses, ein- sames Meer. Nansen habe durch seine Entdeckungen eine Reihe bisher fragmentarischer Thalsachen in' Zusammenhang gebracht, aber immer sei noch manches zu erkunden. Eine Expedition wäre den Jones- Snnd hinaufzusenden, um die 650 Krlometer Eulsernung über Prince Patrick Insel hinaus aufzuklären und das ganz alte Eis in dieser Gegend zu untersuchen. Eiue zweite Expedition müßte die Untersuchung von Nord-Grönlaud vervoll- standigen. Eine dritte endlich wäre nach Nansens Vorgang ein- zurichte», müßte sich aber in das Eistreiben viel weiter östlich hineinbegebe», um über den Pol selbst hiniveg zu gelangen. Wahr- scheinlich würde das vier Jahre in Anspruch nehmen und weitere Ergebniffe an Kenutniß bezüglich der Meerestiefe, der Slrömnngen und Temperatur sowie eine Reihe weiterer magnetischer Beobachtungen liefern. Auch würde dann wohl die Frage zur Ent- lcheidnng gelange», ob sich zwischen Prince Patrick Insel und Wraugel-Jusel noch Land befinde. Nansen begann die Erörterung mit interessante» Bemerkungen über das große Polarbecken nördlich von Sibirien. Die Tiefe dieses stets unten mit verhältnijzmäßig warmem Waffer gefüllten Beckens nimmt»ach seiner Angabe fort- während zu und der Nordpol ist zweifellos in demselben gelegen. Sllles Eis. das der Fram ans seiner Entdeckungsreise anlraf, kam aus dem großen Polarmeer. Die Art des Eistreibens bewies, daß nördlich der Strecke kein Land sein konnte, denn Land hätte das Eistreiben aufgehalten. Nansen ist zu dem Schlüsse gelaugt, daß das Eistreibe» im Norden schneller verläuft, als weiter südlich. Das vollständige Fehlen von nordivärts ziehenden Vögeln beweist, nach seiner Meinung, daß weiter nördlich kein Land niehr sein kann, denn andernfalls würde man ziemlich sicher Vögeln begegnen. Was das Eis anbelangt, so hält Nansen das älteste. das er gesehen, nicht für älter als fünf bis sechs Jahre alt. Der Durchschnitt der Dicke ist 3 bis 4 Meter, und Nansen glaubt auch nicht, daß das Polar-Eis mächtiger sei. Lagen neuen Eises be- gegnet man an der unteren Seite der Schollen. Unter 200 Meter und bis zu VOO Meter Wassertiefe steigt die Temperatur über den Gefrierpunkt und hebt sich, je mehr man sich dem Meeresboden nähert. Nansen glaubt, daß dieses warme Waffer vom atlantische» Ozean nach dem Polarmeer einströmt. Das Eistreibe» werde wohl meist durch den Wind veranlaßt, aber zuiveilen findet sich doch, daß es gerade gegen den Wind geht. Mit den Ansichte» des Präsidenten über«ine nach dem Muster seiner eigene» nur mehr ostwärts zn unternehmenden Expedition ist der Reisende durchaus einverstanden. Er meint, dieselbe werde wohl fünf Jahre brauchen, um, dem Treib» eis folgend, über den Pol zurückzukehren.— Physiologisches. — u. M e n s ch e n a u g e n u» d F i s ch a n g e n. Bei den Menschen, den übrigen Säugethieren und den Vögeln wird die Fähigkeit, auf der Netzhaut Bilder von Gegenstände» zu entiverfen, die vom Auge verschieden weit entfernt sind, dadurch erreicht, daß durch passend angebrachte Mnskelfaser» die Linse mehr oder weniger stark gekrümmt wird; der Effekt ist also derselbe, als ob wir bald eine Brille mit stärker gekrümmten Gläsern aufsehen, bald eine solche mit geringer gekrümmten. Die Fische und wahrscheinlich auch die Reptilien da- gegen haben diese Fähigkeit, die Linse verschieden stark zu krümme», nicht; dafür haben sie eine Mnsknlatur im Auge, die es ihnen er- wöglicht, die Linse bald mehr nach vorn, bald mehr nach hinten zn verschieben. Hier also tritt derselbe Effekt ein, den wir bei unseren Theatergläser» erreichen, indem wir durch Drehen an der Schraube das vordere Glas den beobachteten Gegenständen bald mehr, bald weniger nähern.— Humoristisches. — Von einem, der seine Schuld beichtet. Im Schweizerland, zu Luzern, ist es in der Fastenzeit geschehe», so jeder- man» beichten muß. daß auch allda von ungefähr gearbeitet hat ein junger, lustiger Gesell mit Namen H. R. E. Zu demselben spricht sein Meister:„Es ist der Brauch allhier, daß jedermann muß beichten, darum schicke Dich auch darzu." Dieser antwortet:„Das will ich thun, Meister", und geht gleich zum Beichten hin. Als er nun vor dem Pfaffen niederknieet, spricht er:„Herr. ich bekenne mich schuldig!"»lud schweigt damit. Der Psaffe spricht:„Sagt weiter!" Er beichtet:„Ich bin dem Wirth zur Krone anderthalb Gulden schuldig, die ich allda ver» zehret habe. Weiter dem Wirth zum Löwen einen Gulden, dem Wirth zum Salinen zwölf Batzen." Nachdem besinnt er sich, wo er mehr schuldig sei; da spricht der Pfaffe:„Kannst Du auch bete»?" Er anlwortet:„Nein!" Spricht der Pfaffe:„Das ist böse!" Antwortet, der da beichtet:„Darum Hab' ich's nicht wollen lernen." Der Pfaffe lächelte höhnisch und sprach:„Weß bist Du?" Er antwortete:„Meines Vaters." Der Pfaffe sprach:„Wie heißt Dein Vater?" Er antwortete:„Wie ich." Der Pfaffe sprach: „Wie heißt Du?" Er gab Antwort:„Wie mein Vater." Der Pfaffe fragte ihn herwieder:„Wie heißet Ihr alle beide?" Er antwortete:„Einer wie der andere." Der Pfaffe, wiewohl er er- grimmt war, sprach dennoch sanft, nüthig zum Jüngling:„Gehe hin, ich kann doch nichts mit Dir schaffen."— _(„Rollwagenbüchlein.") Vermischtes vom Tage. — In B ü h l bei Karlsruhe erstickte die Frau eines Maurers während des Essens infolge einer Lnftröhreu-Verstopfniig.— — Der Rath der Stadt Leipzig beschloß, für 2Sl)(X) M. eine Baracke für Exmittirte bauen zn lassen.— — Ei» seltsamer Vorfall verursachte dieser Tage in der Fregeftraße in Leipzig einen bedeutende» Menschenauflauf. Es war dort einer ruhig dahinschreitenden Frau zu ihre», Schrecken plötzlich ein granbraunes Ungethüm in das Gesicht geflogen, ab- geprallt und dann an eine benachbarte Fensterscheibe geschwirrt. Bei nähere,» Hinschanen entpuppte sich der unheimliche Segler der Lüfte als eine Eule, die einen Sperling in ihren Fängen hielt. Der arme Spatz war bereits todt, während das Eulenlhier vo» dem heftigen Stoff gleichfalls dem Verenden nahe war. Man tödtele den Vogel vollends, und die Frau, die sich inzwischen vo» dem Schrecke» erholt hatte, konnte ihn als Siegestrophäe mit heim- nehme».— — 95„Haberern" soll, wie das„Bayr. Vaterland" mit- lheilt, Milte'April der Prozeß gemacht werden.— — Der frühere S e r g e a n t Z e ch. der in der Nenjahrsuacht 1695/96 in der Pschorr-Restanratio» zu München niit einer Patrouille gegen das Publikum vorging, ist zum Gefängnißaufseher ernannt worden.— Dazu paßt er.— — Im Orte K a e t e n bei Rohrbach(Steiermark) brachte eine Schülerin eine Dynainitpalrone in die Schule. Die Patrone explodirte und brachte das Schulbaus theilweise zum Einsturz. Der Lehrer sowie mehrere Kinder wurden schwer verletzt.— —„S o l d a t e n p f l i ch t" von T o l st o i ist in Oesterreich verböte» worden.— — Nach einer Verordnung des ö st e r r e i ch i s ch e n Unter- richtsinin isters sollen vom 1. Okiober ds. Js. ab weib- l i ch e Personen als ordentliche sowie als außerordentliche Hörerinnen z» de» Vöries,„igen der philosophischen Fakullät an den Universitäten zugelassen werden. Uebcr Zulassung weiblicher Personen zum niedizinischen Stlidin», wird bei Gelegenheit der Reform der Verordnung über das medizinische Studium entschieden werden.— — Nach Nausen wird demnächst i» Rone»(Frankreich) eine Straße benannt.— — In den siebe» Jahren 1661 bis 1391 wurden von den russischen Eisenbahnen 8435 Personen vom Leben zum Tode befördert, 7125 Personen erlitte» Beschädigungen.— — Kreta und die türkische Zensur. In Kon- stantinopel gastirt jetzt eine französische Operettengesellschaft, zu deren Repertoir auch„Die schöne Helena" gehört. Die Gesellschaft wurde nun vo» der dortigen„Thealerzensnr" aufgefordert, statt des Rufes bei der Abreise„Laus des Guten"„Aus»ach Kreta!" die Worte:„Auf»ach— China!" zn gebrauche».— — Die Legislatur des Staates New-Iork beschloß die Ein- verleibnng Brooklyns nnd anderer Vorstädte mit New-Uork. Die Bevölkerung dieser Stadt wird dadurch auf 3 2(X>000 Personen steigen.— — Eine sanfte Mahnung. Ein amerikanisches Blatt schreibt: Ein Mann ,»ag eine Warze im Genick als Kragenknopf be- nutzen, sich hinten ans die Puffer der Eisenbahn setze».»», Geld zu sparen, bis der Kondukteur heruinkomnit, seine Uhr Nachts stehen lassen, um sie nicht abziinntzen, die ioder tohnePnnktoderStrichlassen.umTinte zu spare», das Grab seiner Mutter bebauen des Kornes halber und er kann trotz alledem»och ein Gentlema» bleiben im Vergleiche zu dem, der nicht rechtzeitig auf die Zeitung abonnirt oder der eine Zeitung zwei, drei Monate regelmäßig annimmt, und wenn es dann zur Zahlung kommt, sie einfach mit dem Benlerken zurücksendet: „Verweigert!"—_ Verantwortlicher Redakteur: Zlngust Jacobe») in Berlin. Druck und Verlag vo» Max Vading in Berlin.