Anterhaltungsblatt des Vorwärts 5] Nr. 69. Mittwoch, den 7. April. ( Nachdruck verboten.) Ein alter Streit. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von Wilhelmine v. Hillern. 1897. Jeht schlägt Wiltraud eine bitter- höhnische Lache auf: No, wann man dös an Ehrenmann heißt nachd' möcht' i an Spitzbuab sehen! Dös ist grad, wie wann mer einem, den' 3 recht dürft, den Krug vom Mund nimmt und trinkt' n ihm selber aus, so machst es Du Dei'm Sohn! Das ist a Aha, gelt i g'fall Dir nit! Der junge wär' Dir lieber Bater, vor so ei'm bewahr ein'n Gott! Da ist mir mei armer desweg'n komm' ich grad, um die Sach' ins Klare 3' bringen. Vater im Grab lieber, wann er mir auch nix hinterlassen hat -Mein Sohn war heut abend wieder bei Dir, der Friedl wie Schulden als a solchener reicher, mit're ganzen Million vom Mälzer hat' n g'seh'n' rauf gehen. Da ist also nix 3' wann er dem eignen Sohn sein Madel abwendig machen laugne! Du wirst mir erlauben, daß i's Haus visitir und will, pfui Deufel!" schau, ob er nit noch wo versteckt ist? Denn er ist seit gestern nit heimkommen irgendwo muß er also' n Unterschlupf haben. 3' ebener Erd ist er nit, da bin ich schon von außen ' rumgange. Ich werd' also oben schauen. Bleib Du nur bei Dei'm Vater, daß Dir' n niemand wegtragt. I find mich schon 3' recht. Rannst mich ruhig allein gehen lassen, ftehlen thu i Dir nig, wenn i auch sonst alle Untugenden hab'- wär' auch wohl nit viel zum stehlen da!" Ohne weiteres nimmt er eins der beiden Lichter, die neben dem Todten brennen. bring's zitternd. gleich wieder," sagt er gebieterisch abwehrend, als Wiltraud Ja, bäum Dich nur auf! Was bist denn Du, daß Dir die Hand danach ausstreckt. Mit schweren Schritten verläßt so viel einbild'st? A Müllerstochter ohne Mühl, a g'lumpete er das Gemach und geht auf die Suche. Dirn, die für Geld alles thun muß!" " Hochbräuhör auf!" Wiltraud flüchtet sich wie Schuh suchend zu dem geheiligten Leib des todten Vaters. D, Dir wird's wohl sein, wenn D' morgen in Dei ruhig's Grab tommst, Du armer Leichnam. Wär' i nur auch so weit, i thät fein' ueiden, der noch leben muß." Was, ausspuden vor mir?" feuchte Bissinger, sein wachsgelbes Gesicht wird weiß vor Wuth, sein schlaffer Körper bebt. Das hab' ich jetzt für mei Gutheit, daß ich so narret war und hab Dir' n Heirathsantrag g'macht! Haft aber recht, daß D' mich noch verhohnnackelft,' s war auch dumm denn so eine wie Du g'nug. es hätt' s gar nit braucht' heirath't man überhaupt nit!" " Hochbräu-!" schreit das Mädchen an allen Gliedern Meinst, ich lass' mir von Dir's Maul verbieten und wann D' mir noch so a paar Augen hinmachst? Jetzt red' ich und Du hörst zu. Ich werd' Dir' n Meister zeig'n! Uebermorgen ist Amtstag, da kommt der Notar und findet die Uebernahm' Indessen stampft der Bissinger droben herum, daß der von dem Haus da statt. Am Dienstag schickt ich Dir den dünne Holzboden zittert. Sie hört ihn in seiner barschen G'richtsvollzieher zur Pfändung. Nachher nimmst Deine paar Weise Worte mit Sebald wechseln. Jetzt ist er in ihrer G'wandeln, das ist Dei Kompetenz und dann stehst auf Rammer fie unterscheidet ganz deutlich, wie er an ihr Bett der Straß- ohne Erbarmen! Der Lorenz fommt fort, geht und den schweren Strohsack herauswirft. Und sie muß und wenn er nicht gutwillig geht, so wird ihn's der Herr es sich gefallen laffen das Haus ist ja sein! Ihr Herz Pfarrer schon lehren. Nachher fannst Dei'm tränklichen schlägt, wie wenn sie rasch einen steilen Berg hinaufliefe, und Bruder betteln helfen, bis D' amal' n Dienst findst. Und dös wie ein Berg liegt es vor ihr. Schweißtropfen perlen auf ist nicht so leicht heraußt im Jsarwinkel und noch derzu im ihrer Stirn, sie weiß nicht, ist es der warme Tauwind, oder Winter, wo's fei Feldarbeit giebt." der innere Zorn, was ihr so heiß macht. Das Blut siedet und summt ihr in den Ohren. ,, Das braucht aushalten!" sagt sie mit erstickter Stimme. Ich hab's doch g'spürt vorhin, daß' n Unheil ums Haus schleicht." Wiltraud stöhnt bei der Erwähnung ihres kranken Bruders laut auf und bricht in Thränen aus. Aha! Jetzt wird der Vogel zahm. Du siehst, ich hab' Dich in der Hand, Du kannst Dich sperren wie D' willst, Der schwere Tritt geht noch ein paarmal hin und her fett haft nur noch eine Wahl, wann D' nit mitsammt Dei'm endlich stolpert der Bissinger wieder die Treppe herunter und Bruder bei die Bauern auf der Streu schlafen und ums Brot zur Thür herein. betteln willst,- heirathen haft mich nit wollen- jetzt kommst als Magd zu mir und dienst die Schulden von Dei'm faulen verkommenen Bater ab." " G'funden hab' ich' n nit," brummt er und steckt die halbabgetropfte Kerze in den Leuchter zurück. Ganz voll Wachs ist man worden von dem' rumzünden!" schimpft er und fragt die Flecken von seinen Kleidern. ,, Er scheint wirk lich nit da zu sein. Jezt paß auf jetzt wollen wir zwei miteinander reden: Wenn D' meinst, Du kriegst den Lenz, da irrst Dich g'waltig! Das bild' Dir nur nit ein, da giebt's a ganz a einfachs Wörtl und dös heißt: Nie! Hast mich verstanden? Nie!" wiederholt er mit einer Schärfe, als sei die Dirn ein Baum und er müsse das Wort in sie hineinschneiden. " hab's verstanden," sagt sie wie abwehrend, denn der Schnitt ist ins Mark gedrungen und schon quillt das verwundete Leben aus dem jungen Stamm. " Aber Du glaubst's nit, Du meinst doch immer, Du seift gut g'nug für den Sohn vom Hochbräu!" Warum sollt i's nit meine, wann i doch nit zu schlecht für den Vater g'wesen wär?" Vater Wiltraud streckt die Hand aus, als wollte sie die Worte ihres Peinigers in der Luft aufhalten. Jetzt ist's g'nug, Bissinger! Ich hab's ausg'halten, so lang's nur über mich hergangen ist, aber wenn's an mein Vater geht- da hört's bei mir auf! Fürcht'st Dich denn nit der Sünden, Bissinger, hier an sei'm Sarg mein' Bist denn Du ' n faulen verkommnen Mann z' heißen? noch a Mensch mit' n menschlichen G'fühl?" Sie stößt das Fenster auf der Mond beleuchtet mit grausamer Deutlich Da schau feit die Trümmer des zerfallenen Mühlwerks. ' naus, da liegt die todte Mühl und dort der todte Müller - beides durch Dei' Schuld, und Du stehst dazwischen und bringst es übers Herz den Mann noch 3' verleumden? Wo nimmst nur den Athem her für so a Wort?' n andern Menschen that's halber ersticken, eh' er so was' rausbrächt- in' n Trauerhaus über ein'n, der sich nimmer vertheidigen kann! Fürchst „ Das ist a g'waltiger Unterschied," sagte Bissinger etwas Dich nit der Sünden? Fürchft nit, der Todte kunnt' d' Hand auf verlegen. Ich bin a g'machter Mann, der Lenz soll erst einer heben und Dir drohen?-Mei armer Bater, der so geduldig g'litten werden. Daderzu braucht man a Frau von Vermögen und und' darbt hat und nie was verlangt und nie g'jammert,-warum Ansehen. Ein Mensch wie der Lenz, a reicher, sauberer, auf- hat er denn nix mehr g'schafft? Weil d' ihm Du mit Deiner g'wedter Bursch kann jede krieg'n, bis zur Amtmanns- Runstmühle sei klein's G'schäft ruinirt hast, daß er nix mehr tochter! bin' n älterer Wittmann, den nit a jede mehr 3' mahlen g'habt hat und zur Feldarbeit warerz' schwach! nimmt, aber ledig bleiben will ich auch nit mit meine neunund fünfzig Jahr, und wenn der Lenz heirath', set ich' n ein und privatifier. Da ist's nachher ganz gleich, wem ich nimm und mit was ich mir die Zeit vertreib. Dös ist grad wie ' n abdankter König, der kann auch heirathen, wem er will. Desweg'n hätt ich Dich heirathen können, aber der Lenz nit. Und ich thu's auch jetzt noch wenn D' willst. Was ich amal g'sagt hab', halt' ich ich bin' n Ehrenmann!" Schau nur hin, schau's nur an, das arme abgezehrte Gesicht und sag's noch amal, wenn Di traust und nit Angst haft, daß es der Todte im Schlaf hört und Dich bei unserm Herrgott verklagt!" Sie hat den Entsetten bis dicht zu Füßen der Bahre gezerrt, dort läßt sie ihn stehen und reißt die Thür auf: Und jetzt haft lang g'nug den heiligen Todesfrieden g'stört jetzt mach, daß außer fimmft! Und damit D' Dir fünftig jede Müh' sparst, gib i Dir dös noch auf' n Weg 274 mit: Grad so viel wie i Dein Sohn lieb hab' und ewig lieb| christlichs Grab, die nit so rein und so unschuldig sind wie b'halten werd', grad so verhaßt bist Du mir für Zeit und das Vogerl! Warum soll denn das Thierl, das nix gethan hat Ewigkeit. Und lieber will i betteln für mich und mein' als g'sunge und mein' armen Kranken sein jammervolls Leben armen Bruder, lieber unter freiem Himmel, auf'm offne erheitert, nit auch mit sei'm Herrn auf'm Gottsader liegen?" Feld schlafen und Hunger und Noth leiden, als von Dir a Der Gottesacker ist nur für die Menschen, da g'hört Stück Brot und' n Platz auf der Ofenbank!- Und jetzt kei Thier hin!" deklamirt das Leichenweib salbungsvoll. ' naus wir zwei haben ausg'redt!" " Ja natürlich, weil wir Menschen so viel besser sind!" höhnt Wiltraud mit der ganzen Bitterkeit ihres mißhandelten Herzens: Herzens: Dös unschuldig Vogerl soll' n Kirchhof b'schandeln, aber die Menschen begrabt man mit'm großen G'läut und erster Klass', wann sie's zahlen, sie mög'n so schlecht sein wie sie woll'n!" Dem Hochbräu schwindelt, er wankt an dem Todten vorbei, ohne ihn anzusehen, so groß ist die Macht des so groß ist die Macht des Mädchens in diesem Augenblick, daß er keine Widerrede mehr findet. Nur unter der Thür ballt er noch einmal die Fauft und stammelt, nach Athem ringend:" Das wirst Du mir bezahlen." Wiltraud schließt stumm die Thür hinter ihm. Dann fniet sie bei der Leiche nieder und küßt die kalten Hände ihres Vaters. toloji Der Bannspruch. Ein Eine warme Spätherbstsonne ist über der Welt auf gegangen. Sie hat den Schnee gänzlich weggeschmolzen, daß die Erde wieder braun ist und die herbstlichen Matten grün sind und scheint lächelnd sagen zu wollen:" Es war nicht so eruft gemeint- ich bin schon noch da!" Aber vergebens strahlt sie zu den kleinen Fenstern der todten Mühl' herein, dort antwortet ihr fein Lächeln. Das Mädchengesicht, das sonst ihren Schein rofig zurückstrahlte, ist über Nacht aschfahl die Lider der und wie um zehn Jahre älter geworden, glänzenden Augen, in denen sie sich gespiegelt, sind heute müde gesenkt, und das lockige Haar, das sie mit rothbraunem Schimmer vergoldet, flebt feucht und dunkel um die bleiche Stirn. Zeifiglein, das ihr sonst entgegengejubelt, rührt sich auch nicht. Es liegt todt in seinem Käfig sie haben's gestern zu füttern vergessen in all' der Drangfal. Wiltraud hat's soeben entdeckt und die Thränen rinnen ihr über die Wangen. Sie nimmt's heraus, sie haucht's an und hält's in der warmen Hand, vergebens es bleibt falt und steif. Arm's Vogele, hab'n wir Dich vergessen? Lieber Gott, rech'n mir's nit an!' s war ja auch ' n anvertraut's flein's Leben und' m Vater sei einzige Freud! Aber weil er's halt immer g'füttert hat, d'rum war man's auch nit g'wohnt, wie's Uhraufziehen, und gestern! Ach" sie wischt sich mit der Hand über die Stirn, als wolle sie die furchtbare Erinnerung wegwischen. Sie drückt sanft ihre Lippen auf die Brust des Thierchens. Verzeih mir's, verzeih! hab's nit gern' than!" schluchzt sie leise. Dann trägt sie das Vögelchen zu dem Todten hin und legt es ihm auf die Brust, zwischen die Blätter des Straußes, daß das Röpfchen herausschaut wie lebendig:" Da geh mit Dei'm Herrle hinüber!" Die Uhr steht der Vogel todt jetzt ist's still im Haus. Aber nicht lang währt die Stille,- der müden Seele Wiltraud's ist noch kein Ausruhen gegönnt. Die Thür wird mit zitternder Hand aufgerissen und Sebald ruft herein:" Der Schreiner kommt mit dem Sarg." Wiltraud wird, wenn's möglich ist, noch blasser als zuvor. Tiefe blaue Ringe legen sich um ihre Augen, das " Jesus, Jesus am Todtenschrein vom Vater jammert das Weib mit gerungenen Händen, so lästern!" " Ja, Ihr könntet ein'n zum Lästern bringen", murmelt Wiltraud dumpf. Thun wir den Bogel' raus, daß wir zunageln könne", meint der Schreiner und greift danach, um ein Ende zu machen. ,, Nein, der Vogel bleibt drin,- der wird nicht ang'rührt! Mei Vater hat das Thierl gern g'habt- es ist g'storben mit ihm und 3 fommt mit ihm ins Grab!- Mach nur den Sarg zu Schreiner!" Dann muß i's anzeigen!" droht das Weib, froh, seine Bosheit dafür auslaffen zu können, daß sie nicht die zwei Nächte wachen und beten gedurft. " " So zeigt's an, Gruberin's geht in ein'm hin!" Jetzt hebt der Schreiner den Sargdeckel vom Karren und holt die Werkzeuge zum Zunageln hervor. Da dringt der Schmerz in einem letzten erschütternden Schrei aus der gequälten Brust des Mädchens. Noch einmal wirft sie sich über den Sarg hin:" B'hüt Dich Gott, Vater!" Dann wankt sie, stürzt und das Leichenweib fängt sie auf. Der Bruder liegt auf den Knien neben dem Sarg und der Schreiner nagelt jetzt zu. " Die Frau läßt Wiltraud auf eine Bank nieder und geht ,. etwas Stärkendes zu suchen. Aber mit leeren Händen kommit sie zurück: Das sind arme Fretter," sagt sie leise unter der Hausthür zum Schreiner." Nit amal' n Schnaps hab'n s' im Haus und in der Kuchl ist kei Feuer, der Herd ist eiskalt, d' Gais auch noch nit g'molten die hab'n heut noch gar kein Kaffee tocht. Da fannst schaug'n, daß D'Dein Geld kriegst! bin nur froh, daß i nit bet't hab', sonst hätt' i's au für nig thuen dürf'n!" " Da haft Dei Geld für'n Sarg, jetzt plag die Leut' nit sagt eine Stimme und ein unbekannter Mann, das Gesicht von einem breitkrempigen Hut beschattet, drückt dem Schreiner eine entsprechende Summe in die Hand. " Dank schön!" sagt dieser erstaunt. Wer seid's denn Ihr?" ,, Das braucht Euch nir' fümmern i bin nit von hier," erwidert der Fremde kurz. Und was kriegst Du?" frägt er das Leichenweib. ( Fortsetzung folgt.) Mansen's Nordpolfahet. schöne Gesicht ist eingefallen und die Züge werden scharf( Nach dem von Nansen in der Festsitzung der Gesellschaft für Erdund starr. Jetzt nimm Dich z'samm'," sagt Sebald leiſe,„ jetzt tommt das Schwerste, das Abschied nehmen! Aber es muß ja sein!" Reuchend und oftmals stockend, schiebt der Schreiner den Karren mit dem Sarg herauf, und nebenher geht die Todten frau zum Helfen beim Hineinlegen des Leichnams. Aber da hat sie sich verrechnet, denn so wenig wie sie bei ihm wachen durfte, so wenig darf sie jetzt etwas thun. Meinen Bater rührt niemand an, als mein Bruder und ich", sagt das Mädchen mit solcher Bestimmtheit, daß da keine Widerrede ist. Der Sarg wird in den Hausgang gestellt und die Geschwister gehen hinein, die Leiche herauszutragen.„ Komm Bater," sagt Wiltraud zärtlich, als gälte es einen Kranken in ein andres Bett zu heben, und faßt ihn unter den Armen. Sebald nimmt die Füße und so tragen sie ihn behutsam heraus und legen ihn in das andre Bett." Da entdeckt das Leichenweib den Vogel:" Jesus Maria, was habt's denn da? A Zeiserl a todt's! Des werd's doch nit mitbegraben wollen?" a freilich!" sagt Wiltraud. Ja, i bitt Dich, das darfst doch nit, a Thier in a chriftlichs Grab, was fallt Dir doch ein!" mei!" ruft Wiltraud: Da kommen andere Leut in a funde gehaltenen Vortrage.) ( Schluß.) Raum hatten sie den schweren Entschluß der Ueberwinterung gefaßt, als sie auch rüftig ans Werk schritten, um die Vorbereitungen für den Winteraufenthalt zu treffen. Um Nahrung brauchten sie nicht in Sorge zu sein; denn die fam in Gestalt von Eisbären in reichlicher Fülle zu ihnen. Diese Thiere erwiesen sich als ein leicht jagdbares Wild, dessen Fleisch die beiden einsamen Männer immer reichlich versorgte. Auch die Walrosse, die sie in großer Zahl zu Gesicht bekamen, zeigten sich so wenig schen, daß sie mit größter Bequemlichkeit Photographien von ganzen Gruppen diefer plumpen Thiere erhalten fonnten; ihr Thran bot ein schätzbares Material zum Braten des Fleisches. Aber wo sollten sie wohnen? Sie bauten sich aus Steingeröll und Moos eine Hütte, die sie mit Schnee und Eis umtleideten. Als Material für den Schornstein benutzten fie ebenfalls Schnee und Gis, ein zwar etwas merkwürdiges, aber zur Winterszeit in jenen Breiten doch ganz haltbares Material. Freilich mußte der Schorn stein dreimal während der langen Winternacht erneuert werden. Die Hütte war so hoch, daß Nansen an einer Stelle aufrecht stehen konnte; ihre Länge betrug 6 Fuß( 2 Meter), und sie war so breit, daß die beiden Reisenden beim Liegen mit dem Kopfe die eine, mit den Füßen die andere Wand berührten. In dieser Behausung, in der die Temperatur niemals über 0 Grad stieg, wohnten die beiden Männer während des ganzen Winters bis zum Mai des folgenden Jahres. Das schrecklichfte war, daß sie nichts zu thun hatten. Wie sehnten 275 wir uns danach, erzählt Nansen, irgend ein Buch zu lesen; denn| Spitzbergen angelaufen, nach Norwegen zurück, wo sie am 20. Auguft ein Kalender und eine Logarithmentafel sind auf die Dauer nicht in Tromsoe eintrafen. Dort mit Nansen wieder vereinigt, fuhr die unterhaltend. Wenigstens 20 Stunden täglich brachten wir in Expedition die Küste entlang und traf am 9. September wohlunseren Betten zu, die freilich nur aus großen, harten Steinen be- behalten in Christiania ein. standen, und unsere Hauptbeschäftigung war, unseren Kopf in die allerverschiedenste Lage zu bringen, um diejenige herauszufinden, in der er von den Steinen am wenigsten gedrückt wurde". Auch das Weihnachtsfest 1895 wurde hier gefeiert; Johansen hatte zu Ehren des Tages sein Hemd umgewendet. Nansen that das Gleiche und wechselte außerdem die Unterhosen; ferner wusch er sich, indem er die in warmem Wasser aufgeweichten Unterhosen als Schwamm und Handtuch zugleich benutzte. Als Festbraten verzeichnet das Tagebuch Fisch, Thran als Butter und als Süßigkeit in Thran gebackenes Brot. Morgen, heißt es weiter, werden wir Chokolade und Brot haben. Auch die Sylvesterfeier 1895 verzeichnet das Tagebuch; Nansen erging sich an diesem Tage in ernsten Betrachtungen über Zeit und Ewigkeit. Endlich kam der Frühling mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher und erweckte die Hoffnung, nun bald wieder südwärts reifen zu tönnen. Doch waren die Vorbereitungen zur Reise nicht leicht. Da die Kleider sehr abgenutzt und mit Thran und Fett beschmiert waren, machte sich jeder einen neuen Anzug aus zwei wollenen Decken; ferner wurden die Unterkleider gewaschen und auch die Männer selbst wuschen sich.„ Niemals," sagt Nansen, bin ich mir so bewußt geworden, was für eine glänzende Erfindung Die Seife ift". Sie schabten sich den Schmutz mit Messern vom Körper; die Kleider wurden in warmem Wasser aufgeweicht und ebenfalls vorsichtig mit Messern abgeschabt. Endlich waren alle Vorbereitungen getroffen, und am 19. Mai 1896 tonnten sie aufbrechen. Da sie feine Hunde mehr hatten, so mußten sie ihre Schlitten selbst ziehen. Daher ging es langsam vorwärts. Am 12. Juni tamen sie bei Franz- Josephs- Land endlich in offenes Wasser, so daß sie wieder die sicherste Hoffnung hatten, in diesem Jahre nach Spitzbergen hinüber zu gelangen. Was nun die wissenschaftlichen Resultate der Expedition betrifft, so sind diefelben ganz bedeutend. Sowohl die Ansicht, die von vielen Nordpolfahrern vertreten wurde, daß in der Polgegend fich ein ausgedehntes Land befindet, als auch die andere Meinung, daß der Pol von einer ewigen, unbeweglichen, starren Eiskappe überdeckt sei, deren Größe nach den Jahreszeiten sich etwas ändere, sind als Vorurtheile erwiesen. Der Nordpol liegt vielmehr in einem über alle Erwartung tiefen Meere, das allerdings dauernd von Eis be= deckt ist; aber dieses Gis ist in beständiger Bewegung. Das Polareis, mit diesen Worten schloß Nansen seinen interessanten Vortrag, ist ebenfalls nur ein Glied in der endlosen Kette der Wechselerscheinungen im ewigen Kreislaufe der Natur, und das Eis ist so unruhig und unbeständig, wie nur irgend eine menschliche Theorie. Bt. fisid " Kleines Feuilleton. " Ein nenes Mittel, den Arzt umsonst zu konsultiren, hat nach der Deutsch. Med. Ztg." eine sehr reiche, geizige Amerikanerin gefunden. Sie fürchtete, die Brightsche Krankheit zu haben, wollte aber den Arzt nicht eher konsultiren, bis sie die Gewißheit davon erlangt habe. Die Harnanalyse ergab nichts; in einer Poliklinik stellte sie fürchtete sie als zahlungsfähig erkannt zu werden, also bei einer Versicherungsgesellschaft den Versicherungsantrag. Zwei Vertrauensärzte untersuchten sie auf das gründlichste; sie wurde be nachrichtigt, daß nach dem ärztlichen Attest der Versicherung nichts über ihren Gesundheitszustand nunmehr be im Wege stehe, und ruhigt, antwortete die Millionärin einfach, daß sie sich die Sache anders überlegt habe. - Ueber das Seebeben von Kámaïschi am 15. Juni v. J., An diesem Tage, dem 12. Juni, erlebten sie einen Zwischenfall, durch das innerhalb weniger Minuten ca. 27 000 Menschen ihr Leben der sie an den Rand des Unterganges brachte. Sie waren aus den verloren, 5000 verwundet und ca. 7600 Häuser zerstört wurden, hat Booten gestiegen, um Umschau zu halten, als Johansen plöglich Profeffor J. Rein in Bonn eingehende Studien gemacht. Seine ausrief: Halt! da treiben unsere Kajaks." Die Fangleinen, mit durch graphische Darstellungen erläuterten Ergebnisse erscheinen denen dieselben befestigt waren, hatten nachgegeben, und sie soeben in Petermann's Mittheilungen( 43. Bd. II) und bringen trieben mit dem Winde vom Lande sort. Schnell warf Nansen einige zum ersten Male eine zuverlässige und erschöpfende Darstellung jener Kleidungsstücke ab, um leichter schwimmen zu können, und stürzte schrecklichen Katastrophe, die am Abend des 15. Juni die Nordost fich ins Wasser; aller Kleidungsstücke hatte er sich nicht entblößen tüste der japanischen Insel Houde heimsuchte. Aus der Be wollen, um nicht im Wasser einen Krampf zu bekommen. Daber grenzung des Katastrophengebiets( Minage- Ren, Jwáte- Ken und war das Schwimmen sehr anstrengend, und es schien außerordentlich Aomori- Ken, drei Regierungsbezirke, deren Küstenorte sämmtzweifelhaft, ob er die Kajaks erreichen würde. Aber in ihnen lich von den hereinbrechenden Fluthwellen heimgesucht wurden, schwamm ihre ganze Hoffnung, ihre Vorräthe und Waffen; nicht am stärksten aber Kámaïschi), und weil die Zerstörung nicht von einmal ein Meffer hatten sie bei sich. Daher schwamm er mit der einer Gezeitenfluth, sondern von einer mächtigen Erschütterung des größten Anstrengung weiter, abwechselnd auch auf dem Rücken Meeresbodens bei Kámaïschi herrührte, hat das Ereigniß die Beliegend; denn ob er einen Krampf in dem eiskalten Waffer be- zeichnung„ Das Seebeben von Kámaischi" erhalten. Nach den von kommen hätte oder ohne die Boote umgefehrt wäre, wäre im Erfolg der japanischen Regierung aufgestellten selbstregistrirenden Fluthganz gleich gewesen; ohne die Boote waren sie eben verloren. Als er messern haben wir über die enormen Fluthhöhen, welche die Erauf dem Rücken schwamm, sah er Johansen am Lande ruhelos auf und schütterung des Meeresbodens verursachten und die schrecklichsten ab laufen; helfen fonnte dieser ja seinem schwimmenden Freunde nicht, Berheerungen herbeiführten, zuverlässige Aufzeichnungen. Der eine und es wäre auch nußlos gewesen, wenn er sich ebenfalls in das Fluthmesser zeigte um 8 Uhr abends 80 cm. über Null. Nach Waffer gestürzt hätte. Später gestand er Nansen, daß dies die 25 Minuten war er um 20 cm. heruntergegangen. Statt aber nun schrecklichsten Augenblicke seines Lebens gewesen wären. Nansen er- weiter zur Ebbe herabzugehen, stieg er plößlich wieder um 140 cm. reichte schließlich die Kajaks, und trotz seiner steif gewordenen und fiel dann nach 5 Minuten ebenso rasch. Diese enormen WasserGlieder gelang es ihm nach unfäglichen Anstrengungen, hinein- standsbewegungen wiederholten sich dann während der folgenden zuklettern und sie wieder ans Land zu bringen. Johansen ver- 16 Stunden alle 4-5 Minuten. Der höchste Wasserstand mit suchte, ihn durch gründliches Reiben zu erwärmen, und steckte ihn in 250 Zentimeter über Null wurde 11 Uhr abends erreicht. Eine so den Schlafsack. Nach einigen Stunden fühlte Nansen auch die enorme Höhe erreicht er an der Küste sonst auch bei der stärksten Wärme und Beweglichkeit seiner Glieder zurückkehren, und am nächsten Springfluth nicht. Am Land kündigte sich die Erscheinung durch Morgen befand er sich wieder ganz wohl. dumpfe Töne, wie fernes Sturm- und Meeresbrausen, an, das immer näher kam und zuletzt wie startes Geschützfener Klang. Alsbald folgten rasch aufeinander die verheerenden Mogen, 10-15 Meter hoch sich aufbäumend und alles vernichtend, was sie fanden. Allein in vier besonders schwer heimgesuchten Orten wurden 12 000 Menschen getödtet, über 1400 verwundet und 3052 Häufer zerstört. ( ,, Voss. 3tg.") Als er einige Tage später ausgegangen war, hörte er unter den tausenden von Vogelstimmen einen fremdartigen Zon, nämlich Hundegebell; der Ton verlor sich, tam wieder und wurde dann sehr deutlich. Schnell weckte er Johansen und sagte ihm; er hätte Hunde gehört; dann eilte er auf Schneeschuhen zum Lande und traf dort einen Mann, den Amerikaner Johnson. Die erste Frage der beiden so unerwartet mit Menschen Zusammengetroffenen war die, ob sie sich nicht waschen könnten; zwei Photographien Johansen's, eine vor, eine nach der Waschung aufgenommen, erklären diesen Wunsch sehr deutlich. Sechs Wochen blieb Nansen mit seinem Begleiter auf Franz Josephs Land bei Johnson. Am 7. August verließen Nansen und Johansen den gastfreundlichen Amerikaner, um auf einem Schiffe nach Norwegen zurückzukehren, wo sie ohne weiteren Unfall am 13. August in Bardö anlangten. Nun ging die Reise an der nor wegischen Rüfte weiter; am 20. Auguft erhielt Nansen in Hammerfest ein Telegramm, daß die Fram in Tromsoe angekommen fei. " Lange Zeit, erzählt er, tamen mir die ganzen Erlebnisse und diese neueste Nachricht wie ein schöner Traum vor; aber schon am Tage darauf konnte ich wirklich wieder allen wackeren Männern der Fram die Hände schütteln, und die Expedition war wieder vereinigt." Seit Nansen die Fram im März 1895 verlassen, war das Schiff im Polareise in verschiedenen Zickzackwindungen weiter in nordwestlicher Richtung getrieben; im November hatte es beinahe den 86. Breitengrad erreicht, worauf die Eisdrift eine füdliche Richtung nahm. Am 19. Juli 1896 fonnte die Besatzung der Fram in einer Breite von 83 Grad beginnen, das Schiff vom Eife loszuarbeiten; nun tamen sie bald in offenes Fahrwasser und kehrten, nachdem sie Völkerkunde. Ueber die Bewohner von Arnhemsland( Nord Australien) erzählt der norwegische Reisende Knut Dahl, der sich 1895 neun Monate unter ihnen aufgehalten, folgendes: Die wichtigste Waffe der Eingeborenen ist der Spieß, dessen Schaft von Bambus und dessen Spitze entweder aus Holz oder aus Stein ist, und der nicht direkt mit der Hand geworfen wird, sondern vermittelst eines Wurfholzes. Der Bumerang ist in Arnhemsland ursprünglich nicht einheimisch und findet sich nur selten. Die Frauen tragen auf den fortwährenden Wanderungen meist einen Feuerbrand in der Hand und erneuern diesen ständig. Ihnen liegt die Sorge für Beschaffung der vegetabilischen Nahrung ob. Aus der durch fünftägiges Entwässern von ihrem Gifte befreiten Frucht der Cyas media, beren breiartiger Inhalt in Baumrinde gethan und dann geröstet wird, bereitet man eine Art Brot, das trotz seines widerlichen Geruchs ganz leidlich schmeckt. Die Frauen besitzen im Einsammeln der Vegetabilien eine außerordentliche Fertigkeit; einzelne Stämme hanen ihnen die Zeigefinger der linken Hand im zweiten Gliede ab, damit die Hand spizer und zum Einsammeln der Wurzelfrüchte geeigneter wird. Die Männer sorgen für animalische Nahrung, nach welcher diese Stämme so begierig sind, daß sie in Zeiten der Noth bisweilen zum Kannibalismus ihre zu flucht nehmen. Zum Erlegen der Thiers werden nur selten Wurf- oder Schießwaffen aus der Entfernung angewandt. Viel- mehr spielt hierbei ihre außerordentliche Schnelligkeit und Aus- dauer im Laufen die Hauptrolle. Dahl sah. wie ein Eingeborener. der sich von ihm ein Gewehr erbeten hatte, ein Känguruh 3 Kilometer weil verfolgte und es erst dann erschoß, als es vor Er- mattung zusammenbrach. In manchen Gegenden sind die Leute fast ausschließlich auf Fische angewiesen. Eine eigenartige Fangart der- selben besteht darin, daß giftige Wurzeln in kleinere Wasser- ansamiulunge» geworfen werde», worauf die Fische betäubt an die Oberfläche kommen. Das religiöse Leben der nordaustralischen Stämme befindet sich auf rudimentärster Entwickelungsstufe. Als Urheber des Todes sehen sie eine Art Teufel(Barrang, Wurrang oder Bolongo) a», den sie sich unter der Gestalt eines Krokodils, eines tigerähnlichen Geschöpfes oder eines Zwerges mit glühenden Augen vorstellen, dessen Spuren man bisweilen zu sehen be- kommt. Trotz ihrer fortwährenden Furcht vor dem Tode sehen die Australier demselben ruhig und standhast ent- gegen. sobald er unvermeidlich ist. Die Möglichkeit der Rückkehr Verstorbener steht auch ihnen wie allen Natur- Völkern fest. Die Leichen erwachsener Personen werden deshalb»lit einem Pfahl durchbohrt, damit sie nicht wiederkehren und ihren Feinden schaden können, während dies bei Kindern nicht geschieht, weil man annimmt, daß diese»och keine Feinde haben. Bei manchen Stämmen spielt der Totemismus eine solche Rolle, daß nicht nur der Stamm, sondern jedes einzelne Individuum ein be- stimmtes Thier als seinen Bruder ehrt, den zu tödten man sich aufs äußerste scheut. Die großen Versammlungen der Stämme(Korro- dorren) finden alljährlich im Herbste statt. Die Verhandlungen, bei denen es sich meist um die Entführung von Weibern handelt, werden durch Dolmetscher geführt; nicht selten findet dabei Blut- vergießen statt. Den Beschluß aber bilden immer Festlichkeiten, die mit Tanz, Musik und Gesang gefeiert werden. Da zuviel Kinder besonders aus den ewigen Märscheu lästig sind, grassirt auch der Kindermord. Die Männer heirathen erst mit 30—40 Jahren. Monogamie ist die Regel. Zählen können die Nord-Australier nur bis 5.— ! Archäologisches — Ei n öfter reichisches archäologisches In- st i t n t wird in Wien errichtet werden. Das Institut soll zu Be- ginn des Jahres 1893 ins Leben treten. Aufgabe dieses archäologi- scheu Institutes soll bilden: die Leitung und Ueberwachung der vom Staate nnternoinnienen oder geförderten Forschnngen und Arbeiten ans dem Gebiete der klassischen Archäologie, die Ver- anstaltung archäologischer Reisen, Expeditionen und Grabungen, die Herausgabe von Publikationen und Werken, die Oberleitung der selbständigen staatliche» Antikenfauimlungen, die Ueberwachung aller staatlich subventionirlen Grabungen und die Studienleitung der österreichischen Reisestipendiaten im Auslände hinsichtlich ihrer archäologischen Studien. An die Spitze des Institutes soll ein Direktor berufe» werden, welchem das erforderliche Hilfspersonal, darunter vier Sekretäre mit Staatsbeamteir-Charakter. beigegeben würde. Die Sekretäre werden nach Bedarf auch im Auslande, und pvar zunächst in Athen und im Orient, verivendet werden. Ferner sollen dem Institute als Mitglieder angehören: die Professoren der archäologischen Wissenschast an sämmtlichen österreichischen Universi- täte», die Vorstände der selbständigen staatlichen Antikensammlungen, schließlich eine Anzahl vom Minister für Kultus und Unterricht eigens hierzu bernsener Persönlichkeiten.— Aus dem Thierlcben. — Ueber die Lebe nsiv eise des Krebses veröffent- »cht der Krebszüchter Heyking in der„Tägl. Rundsch." einige inter- eflante Einzelheiten. Jeder Krebs hält, wie Heyking feststellte. indem er Krebse zeichnete, immer ein bestimmtes Revier inne. Niemals nimmt der Krebs, entgegen der allgemeinen Meinung, Faulendes und Stinkendes, frisches Fleisch im Nothfall, frische Fische und abgestreifte Frösche am liebsten, ferner besonders kalkhaltige Pflanzen, Klee, Luzerne, Esparsette, Schoten. Er verzehrt auch seinen eben abgeworfenen Panzer. Die Krebse häute» im Sommer mehrere Male, iin ersten Jahre sieben» bis achtmal, im dritten nur noch ziveimal. Die Aesung ist darauf von Einfluß. Vorher sind sie matt, nachher besonders lebhaft, voll augenscheinlichen Wohlbehagens. Das Sprengen des Panzers ist für ihn augenscheinlich schmerzhaft. Der Krebs dehnt sich, der Panzer platzt in der Rückenrinne, und der Krebs schlüpft aus; Scheere und Schwanz zieht er dann aus wie Schuhe und Strümpfe. Jeder jkrebs hat feine eigene Höhle, in die er sich beim Eintritt kälterer Witterung zurückzieht Der Krebs hält keineswegs einen Winterschlaf oder erstarrt, wie wohl vielfach noch geglaubt wird, sondern geht, je kälter es wird, um so tiefer ans den Grund. In Schweden geht man ans dem Eise zum Krebs- fang, als Köder frische gespaltene Fische benutzend. Der Krebs hat zahllose Feinde.- alle Fischräuber(Hecht, Barsch, Zander und Wels), Füchse und selbst Hunde, der Krebspest gar nicht zu gedenken. Leider haben die kleinen Krebschen keine» größereu Feind als ihre eigenen Eltern, die sie verspeisen, wo sie ihrer habhaft werden. Gerade deshalb ist künstliche Krebszucht so schwierig. Der schlimmste Feind des Krebses ist aber doch der Mensch. Hier wird die un- sinnige Regel, die sich allgemein eingebürgert hat, dem Krebs be- sonders verderblich, nämlich, daß der Krebs in den Monaten„ohne R" gegessen werden müsse. Heyking erklärt, daß gerade die Monate Mai, Juni, Juli, August und außerdem November gesetzliche Schon- zeiten sein müßten; im September und Oktober könnten beide Ge- schlechter gefangen, in allen übrigen Monaten sollten aber nur männliche Krebse in den Handel gebracht werden. Bekanntlich kann der Krebs auch außerhalb des Wassers längere Zeit leben. Im Keller kann er nach Heykings Erfahrungen fünf und noch mehr Tag« ohne Schaden aufbewahrt werden, während er im Sonnen- licht am Land in einigen Stunden, im Wasser in ein bis zwei Tagen stirbt.— Technisches. — Zerlegbare Häuser. Im Wiener Ingenieur- und Architekten- Verein wurde unlängst ein Vortrag über die Erfindung des Wiener ZiminermeisterS Brunner gehalten. Die Erfindung er« möglicht die Ausstellung von zerlegbare» Wohnhäusern in der kürzesten Frist ohne Werkzeuge und mit Arbeitern, die nicht die ge- ringst« Vorkenntniß eines Baugewerbes besitzen. Der Witz des Richler'sche» Baukastens ist hier im großen ausgeführt. Gleiche, immer ineinander passende Holztheile ermöglichen durch ihre Zu- fammenstellbarkeit rasch die komplete Aufstellung eines Hauses. Da Wände und Tafeln leicht und beliebig vertauschbar sind, so können Zimmer abgetheilt, Veranden dem Baue angefügt und je nach der Tageszeit in die Sonnenseile gerückt werden. Holzvillen, Jagd« Häuser im Gebirge können auf diese Weise leicht aufgestellt werden. Auch bei Errichtung von Barackenspitälern k. kann die Erfindung gute Dienste leisten.— Humoristisches. — Ein Schwertschlucker. Der Schauspieler Laroche befand sich in der Garderobe beim Anziehen, als plötzlich der Direktor eintrat. Zwischen beiden entspann sich folgendes Gespräch: „Was haben Sie soeben unter Ihrem Mantel versteckt?" „Mein Schwert, das ich aus der Scheid« ziehe» werde." „Zeigen Sie es mir." „Hier"— und der Künstler zog eine mit Burgunder gefüllte Flasche hervor. Der Direktor nah», sie an sich, leerte sie in langsamen Zügen und übergab sie dein Schauspieler mit den Worten: „Hier haben Sie die Scheide, das Schwert habe ich verschluckt." Vermischtes vom Tage. — In der Hennegauischen Industriestadt Lodelinsart ist vergangene Woche mitten in der Nacht die Gasanstalt in die Luft geflogen. Die Trümmer wurden weithin über das Stadtgebiet ge- schleudert. Der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich; viele Häuser sind beschädigt, Personen wurde» nicht verletzt.— — Die minderjährige Tochter des Wiener Reichstags- Abgeordneten Dr. Krouawetter wurde entführt.— — Auch ein Vergnügen. 150 Personen, meist Künstler und Schriftsteller, versammelten sich in der Nacht zum letzten Sonn- tag in den Pariser Katakombe» zu einem Mitternachts- konzert. Die Musiker der Großen Oper spielten zuerst Chopin's Trauermarsch, Saint-Saens Todtentanz, dann Pariser Gassen- Hauer.— — In Marseille wurde ein Mann zu zwei Jahren Ge- fängniß verurtheilt, der, ohne jemals Medizin studirt zu haben, zwei Jahre auf einem großen Postdampfer Arzt gewesen war und mehrere gelungene Operationen vorgenommen halte.— — Aus A» n e c y in Savoye» ivird von einem Bergrutsch ge- meldet, der sich in der Nähe des Weilers Choseaux ereignete. Der dort vorbeifließende Wildbach Naut Bruyant führt infolge dessen einen theilweise bis zu 10 Metern hohe» Schlanimstrom mit sich, den er in den Fierfluß ergießt. Die abgestürzte Masse ist etwa 15 000 Kubikmeter groß. Es gingen dabei acht Häuser zu gründe. Man fürchtet eine Verstopfung des Fierflusses.— — In R o m hat sich ein siebzigjähriger Greis vom tarpejischen Felsen heruntergestürzt. Er war sofort todt.— — G r o ß- G a u n e r. Sämmtliche Direktoren und Verwaltungs- räthe des Bergwerks Jemappe bei L ü t t i ch sind wegen Veruntreuung von zwei Millionen verhaftet worden.— — In C o u r t r a i(Belgien) wurde von Arbeitern, die eine neue Straße anlegten,«in Kistchen Goldstücke, die über 300 Johre all sind, gefunden. Die Goldstücke sollen einen Werth von 40 000 Franks haben.— — In Baku brannte eine Kerosinsabrik mit 200 000 Pud Naphtha sowie das Reservoir einer anderen mit 200 000 Pud Kerosin ab; eine dritte Fabrik gerieth in Brand.— c. e. In Turnu Magnrele(Rumänien) hatte ein Ober- lieutenant von einem Kaufmann zwei Ohrfeigen bekommen. Am anderen Tage lauerte er mit seinem Feldwebel und zwei Soldaten den Kausmann auf der Straße auf, bearbeitete ihn mit der Klinge und ließ ihn von den Soldaten durch die Hauptstraßen der Stadt schleifen.— — Temesvar, O.April. Infolge enormer Regengüsse sind der Temesfluß und der Begakanal bedenklich gestiegen und haben weite Strecken überschwemmt. Der Schutzdienst wurde in Permanenz erklärt. Am Bega-Ufer stürzte eine Baracke ein, wodurch der Stromaufseher getödtet und vier Arbeiter schwer verwundet wurden. Bei Kossowa wurde der Eisenbabndamm fortgerissen.— Verantwortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.