Anterhaltungsblatt des Vorwärts 8] Nr. 72. Sonntag, den 11. April. ( Nachdruck verboten.) Ein alter Streik. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von Wilhelmine v. Hillern. " Die rennen," höhnen ein paar alte Leute, welche das Haus hüten müssen: Grad als hätten f' g'stohlen!" 1897. geben, bis sie droben den Bann losg'lassen hab'n! Andechs red' Du!" Herr" Pfarrer ganz allein schuld d'ran ist.' s ſei nimmer " Ja, mei Frau weiß es von der Pfarrerstöchin, daß der zum Aushalten, hat er g'schrieben, sagt mei Alte; d'Köchin hab' sich noch groß damit g'macht!" Nieder mit dem Pfarrer schlagt' n nieder- wann wir doch Mörder sind, na woll'n mir wenigstens wissen warum!" In diesem Augenblick läutet's von fern auf Mittag". Wie eine verklungene Sage tönt es durch das Geschrei und Gewühl der Rasenden. Nein, nicht aus Furcht laufen sie so, sondern weil sie's nicht mehr ertragen, weil der Sturm in ihrem Innern sie treibt, fich auszusprechen, auszutoben und auszuweinen. Sie waren ja alle auf den Bann gefaßt, aber sie waren es nicht auf die Ausdrücke, in denen er gesprochen wurde. Mit einem Schlag sind sie nun entehrt. Zu Mördern und Meineidigen gestempelt. Das ist nicht mehr abzuschütteln nicht mehr gut zu machen- das ist moralischer Tod. Zwei Stunden vom Dorf, an der alten Straße, liegt ein elender, in Abnahme gekommener Ausschant, Bur" Ja- und' 3 Geld! Alles hab' i anbracht. Aber jetzt Wafferscheid" genannt, wo die Haberer ihre Zusammen- laßt uns beten, wir können's brauchen denn das giebt a fünfte haben, wo sie auch am vergangenen Freitag waren. böse Nacht!" Der Habermeister macht das Kreuz: Kommt, laßt uns g'erst beten, daß unser Herrgott sieht, daß wir nit ihn meinen und daß wir doch noch zu ihm halten." Hast den Kranz auf'm Allmeyer sei Grab g'legt?" unterbricht ihn Lenz. Denn seit eine neue Straße gebaut wurde, ist hier gar Tiefe Stille tritt ein.- Die alte fromme Zucht siegt. feine Einkehr mehr, als dann und wann ein verirrter Die Männer nehmen die Hüte ab und falten die Hände. Der Handwerksbursch oder ein Botenweib, das aus Eigensinn Habermeister betet laut vor und die vor Erregung heiseren halt immer noch den alten Weg" geht. Der Besizer Stimmen sprechen murmelnd das gewohnte Mittagsgebet nach. wäre zu grunde gerichtet gewesen, hätten sich nicht die Haberer Aber all ihre Beschwerden und Klagen legen sie in den hundert feiner angenommen und ihn zu ihrem Wirth gemacht. Deun mal gesprochenen Text, daß er wieder Seele und Leben gedort oben auf der Wasserscheid, wo Wind und Wetter un- winnt. Es ist ein heißes, brünstiges Flehen zu dem, welchem gefesselt ihr Wesen treiben, wo die Steige, besonders im Winter, sie in der Kirche troßig den Rücken gekehrt. Hier steht ja niefaft unpaffirbar ist, da ist der richtige Sammelplatz für die mand mehr zwischen ihm und ihnen. Haberer. Dorthin lenken sie nun ihre Schritte, dort ist auch Lenz verborgen und erwartet fie. Als sie endlich die armselige Dachfammer ihres Schlupfwinkels erreicht, fallen sie sich zuerst wortlos in die Arme, wie es Menschen thun, die ein gemein fames, großes Unglück betroffen hat. Dann aber bricht der Groll los. s' „ Nein," knirscht der Habermeister: fagen, wann f' uns in Bann thnen thäten Wienschen so herschimpfen das ist z' arg! stellen, als die reinen Verbrecher,- nein, was ist z'viel!" Da ein seltsamer Schrei vom Wald her, wie von einer Weihe. Alles lauscht mit gespanntem Athem. Noch einmal! Eine wilde Bewegung entsteht, das ist der Kammerloher, der Vorposten! Gefahr! „ Schnell hinunter Wirth!" Der fliegt mehr, als er flettert, hinunter. In einem Nu wird die Leiter heraufgezogen, wollt noch nix die Fallthür zugeklappt, verriegelt und vier der schwersten aber ein'n Männer legen sich darauf, so daß die Laft von unten nicht mit Ein'n so hin- der größten Gewalt gehoben werden könnte. ' viel ist, das soll'n Mir sollen zu allem still sei, wie die stummen " Mir soll'n nit richten,- aber richten laffen, mir uns!" " Hund-!" " Wann hab'n mir' n Mord begangen wann' n Meineid g'schworen, wann? Weil wir unsern Haberereid nit brechen, desweg'n san mir meineidig!? Und wann man in der Nothwehr im Dunkeln wider Willen ein'n trifft, so ist das noch kei Mord. Da thäten sich d' Jäger und Gendarmen bedanken, wenn man s gleich Mörder heißen that, weil amal aus Versehen ein'n derschießen, der sich widersetzt! Wir verwarnen ja auch und unsre Vorposten rufen jeden dreimal an, eh f' anlegen. Wenn man uns in Ruh laßt, thun wir niemand was. Daß wir' n schlechten Kerl d' Wahrheit sag'n, das ist freilich a Verbrechen in dera verlogene Welt. Der Herr Pfarrer fann scho guet Freund sei mit dem Hochbräu, der spielt sei Tarock Jahr aus und Jahr ein mit ihm und trintt sei guat's Bier. Aber wir müssen' n Bissinger sei Gallenbrüh saufen bis wir hin san und wann wir uns wehren, same schamlose Ehrabschneider und Satrilegier." ist z'viel!" wiederholt die Nein,- was z'viel ist, Schaar, bebend vor Buth. Ein andrer Trupp tommt jetzt nach der aus Vorsicht bis zum Schluß des Gottesdienstes ausgehalten, weil Ortsangehörige dabei waren, die den Schein meiden mußten, als gehörten sie zu den Haberern. Waren sie aber in der Kirche besonnener als die Fremden, so sind sie jetzt um so schlimmer. Mit geballten Fäusten stürmen sie herein und wie im Fieber glühen die Gefichter. " Nur still und nit rühren, daß die Dielen nit frachen. Gleichmäßig athemholen, bis i d' Hand aufheb'- dann den Athem anhalten", tommandirt im leisesten Flüsterton der Habermeister. Todtenstill wird's, man könnte eine Maus rascheln hören. Jezt, Schritte auf der Schwelle zum Hausgang, jemand stampft den Schmuh von den Stiefeln: Das ist ein Schandweg da herauf auf die Wasserscheid!" wettert die wohlbekannte Stimme des Kommandanten. Nimmt mich nur Wunder, daß da überhaupt noch ein Mensch r aufkommt in die Wirthschaft! Geht denn da noch a G'schäft he?" O ja, ja Herr Kommandant- g'nug Leut'! Handwerks. burschen, Viehtreiber, Botenweiber, Holzer und b'sonders Touristen, die's da heroben auf der alten Straß romantischer finden", sagt der Wirth schmunzelnd. " Also könnt's doch b'stehen, he?", " Ah, dös will i meine! Guat, guat sogar-." Der Gendarm tritt in die untere Wohnstube und läßt fich nieder:" Da schaut's aber elend leer aus und kalt ist's auch!" er reibt sich unbehaglich die Hände:' n Schnaps!" Der Wirth bringt das Befohlene und ein verstäubtes Glas dazu. Da hat aber auch schon lange niemand mehr brauß ' trunken," bemerkt der gefährliche Gast und pußt es mit dem Sacktuch aus. " Der Wirth zuckt die Achseln: Ja mei' um die Jahreszeit geht's freili nit so streng wie im Sommer!" Nix 3' essen werd auch nit hab'n?" Der Wirth zieht die Achseln noch höher hinauf, so daß der spike Kopf dazwischen steckt, wie in einem spanischen Kragen:" Du lieber Gott, Herr Kommadanti bin grad erft heimkomme, wenn i nur' n Ahnung g'habt hätt'! I " Jetzt wissen wir's, wer uns die G'schicht einbrockt hat," bin halter au in d' Kirch ganga und hab' hören rufen sie den anderen entgegen und schieben einen uralten wollen, wie's d' Haberer kriegen! Mei', da freut sich a Haberer vor sich her: Da, der alt' Andechs bringt uns jeder! Ma muaß ja alleweil in der Angst leben, daß ei'm die Sie Neuigkeit,-wem hab'n wir's zu verdanken? Niemand Reiben nit au' n Strohwisch aufs Dach sehen oder ein'n anders als dem Pfarrer! Der hat ang'schwärzt beim ausg'stopfter an sein'n eignen Brunnen henten, wie sie's Drdinariat er hat die Eingab' g'macht und kei Ruh'' m Megger von Reigersbeuren g'macht haben, mit seine eigne 286 " 1 Warum sollt' i's denn Der Lenz? Naa, hab' ihn nit g'sehen!" " Hm! Könnt's Euch gar nit erinnern-? " G'wiß nit, Herr Kommandant! Ist denn was mit' m?" Er hat sich schon seit drei Tagen aus dem elterlichen Haus entfernt und wird recherchirt!" Kleider und' n Ralbskopf als G'sicht! Jesas, Jesas wann sonderer Schicksalsstern, ihn feite eine besondere Vorsehung und ei'm so was passiret, wär' ei'm's ganz' G'schäft ruinirt!" Gnade, wer von den Abhängigen hätte im Ernst den stolzen Erben " Freilich, Freilich!" sagt der Kommandant ernsthaft. Er wachgerüttelt? Und hätte derfelbe Erbe nicht jeden Mahnruf wie eine Ehrenkränkung, wie eine freche Verhöhnung seines Rechts steht auf:" Ja, das seh' ich schon, bei Euch ist nit viel zu empfunden? Als der Eine von Alfred Borsig's Angestellten der holen." Er nimmt sein Gewehr wieder über die Schulter Wahrheit vor dem Herrendienst die Ehre gab und sich weigerte, und thut, als wolle er gehen: Ja, was ich fragen wollt' die verhängnißvolle Grubenfahrt zu unternehmen, wie bäumte sich Der der ist wohl nie da der Gebietertroß gegen den - der Lenz, der Sohn vom Hochbräu, Gebietertroß gegen den armseligen Wurm auf! Diener vermaß sich, dem Herrn einen Rath zu geben. durchkommen?" Der Diener wagte es, indirekt an der höheren Einsicht des gewaltigen Besizers zu zweifeln. Sofort sei er seines Amtes enthoben! Man muß den Kleinmüthigen imponiren. Man muß ihnen zeigen können, daß die bösen Wetter selbst einem erlesenen Herrenwillen nichts anhaben können, und solcher Herrenwille übt seinen bestrickenden Zauber, so lange es noch frommergebene, treue Knechte giebt, die mit Wolluft ihr eigenes Selbst für den Wahnwig ' des Gebieters opfern. Das hat auch Alfred Borsig ein letztes Mal erprobt. Er fand seinen getreuen Knecht, der, aller Selbstschätzung bar, jedes persönlichen Bewußtseins ledig, vollführt, was ihm aufgetragen wird, wie ein stummer, fatalistischer Stlave im Orient. So vollzieht sich eine armselige Tragif, eine Tragit ohne innere Größe. Ein Erbe, in dessen Hirn die jah gewonnene Macht Fieber erzeugt hat, geht an einem waghalsigen Experiment zu grunde. Sein irrlichternder Traum ist zerronnen, sein flackerig Mesen unnüt verthan. nit fagen! " " Das Gesicht des Wirths verdummt immer mehr: Was nit sag'n! Ja dös war alleweil so'n Ueberspannter. Aber bei Naa!" mir war er nit. Der Gendarm ist heute sehr zäh: Vielleicht er sich im Haus versteckt, ohne daß Ihr's wißt?" Ah, bei Leib nit! I kenn' doch jeden Winkel in mei'm Haus!" Ja, aber Ihr wart in der Kirch' während der Zeit könnt' er sich leicht wo eing'schlichen haben!" " Jesas, Sie machen ei'm ja ganz Angst i bitt' Ihna, gehen S' doch nit fört und lass'n S' mi nit allein!" Hab's auch gar nicht vor," sagt der Gendarm trocken. Jetzt woll'n wir amal' s Haus visitiren, nehmt's nit übel,' s ist fein Mißtrauen nur Pflicht!" Ja, bitt' schön, thun's nur ungenirt, wie G' mögen!" Wieder wird's still, die Haberer droben hören die Tritte der beiden Männer in Küche, Kammer und Stall, bald näher, bald ferner. Lenz hat den Hut in die Stirn gedrückt und das Gesicht mit einem Tuch verbunden. Er athmet bang und lauscht regungslos: Jetzt kommen sie aus dem Keller: Aber viele Fässer Bier habt's da drunten," sagte der Gendarm. Alle leer! Herr Kommandant- noch vom Sommer her." " Hm, sagt amal, wo geht's denn auf'n Estrich? Ist's das Zoch da?" frägt plötzlich der Gendarm und deutet nach der Fallthür. Dmei, da komm i' s ganze Jahr nit' n auf D' Stiegen ist schon lang weg'brochen." " " Ja, das ist Eure Sach', aber ich muß' nauf!" " ( Fortsetzung folgt.) Sonntagsplauderei. Der Wenn Beispiele das Herrenwesen schrecken könnten, das Beispiel des Erben Borsig müßte nachdenklich stimmen. Aber au fnechtischen Ergebenheit hat dies Wähnen seine Nahrung, und in ihr ist seine Wurzelkraft geborgen. Hier gilt es, wachzurütteln, hier heißt es unausgefeht wachen und arbeiten, fördern und schaffen, Vertrauen wecken und die Scheu verjagen. Die Leute, die die Menschheit in zwei Wesenheiten scheiden möchten, in eine, die zum Herrschen geboren, und in eine, welche die Tugenden der Unterthänigkeit vorzüglich ausbilden soll, rechnen mit der Scheu, als mit ihrer Hauptwaffe im Kampfe. Für sie ist die Schen eine ewige, geheiligte Nothwendigkeit. Für sie ist die Furcht das radikalfte Erziehungsmittel. L. v. Hartmann, der Philosoph des Unbewußten, der von Zeit zu Zeit gerne staatsmännisch orakelt, hat in diesen Tagen sogar die Schen als wohl, thätige Erzieherin der Sozialdemokratie gepriesen. Eine frohe Osterbotschaft fündigt er der gläubigen Bürgerschaft an: die Sozialdemo tratie sei in voller Auflösung. Darüber dürfe man nicht etwa Tachen. Wer vor zwei Jahrzehnten den Zusammenbruch des Liberalismuß in Deutschland, Desterreich und Belgien prophezeit hätte, wäre wie ein wunderlicher Narr ausgelacht worden. heute? Und Herr v. Hartmann also erweist dem Sozialismus die Gnade, " Lieber Gott, i weiß gar nit, wo i d' Leiter hab', so lang ihn etwa noch rund zwei Jahrzehnte epidemisch wirken zu lassen. Bis dahin soll man aber die Seuche nicht mit Gewalt verdrängen bin i nimmer droben g'wesen-. wollen, vielmehr sie austoben lassen. Was sollte ein AusnahmeSo geht halt und sucht sie." gesetz, ein erneuertes, nützen, so fragt Herr v. Hartmann? cinem Gerade, weil die Sozialdemokratie folche Angst vor wiederholten Ausnahmegesetz empfände, werde fie richtig gebändigt. Die heilige Scheu halte sie beffer in gesetzlichen Wie tief der Schranken, als erneute Ausnahmebestimmungen. moderne Philosoph die Grundbedingungen der sozialdemokratischen Vollserkrankung" erfaßt! Und wie sich das trefflich fügt, wenn mau die Furcht als Erzieherin ausruft. Man braucht solcher wüsten Krankheit nur mit der Beschwörungsformel an den bösen Leib zu rücken:" Hab' es mit der Angst, aber schleunigst!" und die Kranks heit schrumpft vor dem Kommandoworte zusammen, wie der Satan Das wäre mir eine Bewegung von vor Weihwasser flüchtet. von weltgeschichtlicher Bedeutung, internationaler Tragweite, die durch das scheue Entsetzen vor ein paar harten Ausnahmepara graphen demüthig in den Staub fröche! Dazu der große Aufwand an Freiheitsopfern, an Martyrium in der Verbannung, an geistiger Schärfe, an entschloffener Kritik, der unter schwierigsten Umständen Wer die schlottrige aufgebracht wurde und aufgebracht wird? Angst für heilsam hält, wer sie als Staatsretterin rühmt, der ist selbst ein schlechter Erzieher. Es ist ein alter Kniff, den Herr v. Hartmann anwendet. Man spricht den Seinigen Trost zu, indem man dreift behauptet: Seht, wie die Gegner vor Furcht erbleichen! Vielleicht soll in dem Gerichtsschauspiel, das wir zur Zeit Furcht ebenfalls als Mittel erzieherisches erleben, die Noch ist kein Ende in dem Fall Roschemann wirken. Die Frage:„ Kann sein, fann nicht sein?" abzusehen. die bisher den Inhalt des Prozesses fennzeichnete, schleppt sich nun in mühsamem Indizien- Aufsuchen tagelang fort und alle Welt ist im Unklaren darüber, was das alles eigentlich bedeute. Soll diese schwere Mühfal dazu dienen, um die Polizeiwirksamkeit, die taufende verwickelter Fäden zu entwirren und scheinbar Nebensächliches sorgsam zu beachten hat, aufs neue in glänzende Beleuchtung zu stellen? Oder soll, wenn der Prozeß zum Schluß ergebnißlos verliefe, den Anarchisten ein drohendes: Gedenkt des nimmer rastenden zähen Eifers, der unnachsichtlich eure Schliche verfolgt, nachgerufen Alpha. werden? An einen der bekanntesten Namen Berlins knüpft sich das feltfame Geschick, das schon so manchen Erben stolzen Besitzes ereilt hat. Weh' dir, daß du ein Entel bist, hieß es auch für den früh dahingegangenen Alfred Borsig. Jetzt erst, da die Gründe des Unglücks, dem er zum Opfer gefallen, immer deutlicher sich enthüllen, wird erst flar, wie sehr in dem Manne die Krankheit der Erben fraß, die unselige Vermessenheit, für die die Alten den Ausdruck Hybros hatten, den götterversuchenden Hochmuth. Was aus früher Jünglingszeit Alfred Borsig's bekannt wird, das alles stimmt zu dem Gesammtbild. Zeitig hatte die ungeberdige Unraft von dem Erben Besitz ergriffen, Wo tausend anderer noch auf dem Marktplatz stehen, ihre junge Arbeitskraft feilbieten und froh sind, wenn sie irgend ein Plätzchen erjagen, darauf sie schaffen können: da hat in dem Erben sich schon der Groll geregt, daß er seine Gebieternatur nicht in unumschränkter Vollmacht hervorkehren könne. in ihm zehrte die Ungeduld; er führte überlaut Klage wider jene, die ihn nach seiner Ansicht verhinderten, die ererbte Firma in seinem Sinne, wie ein neuer Herr zu vertreten. Das in einem Alter, da unsereins im Kampf ums dürre Leben gemeiniglich mit Stöcken und Keulen Prügel um Prügel erhält. Für ihn gab's feine Zeit des Lernens, teine Zeit des Zweifels. Jede Beschränkung seiner Selbstherrlichkeit schuf ihm Pein. Er brannte vor Begierde, der Welt zu zeigen, welch unternehmen des Genie in dem Erben willensstarter Unternehmer wirke; und wenn Verwandte und ältere Vertrauensmänner der Industriefirma seinen Wahn zu zügeln versuchten, so lachte der neue Herr der Bedächtigen. Er werde schon jeden Widerstand besiegen; er werde schon alles zum Heile lenten; er allein! Neben dem Typus des Erben, der in üppiger Raft rostet, der Typus jenes Erben, der in seiner Selbstbewerthung sich versteigt, weil er die Kräfte der anderen nicht zu ermessen und abzuwägen im stande ist. So rumort in solchem Erben das eigenthümliche Gefühl, alles wagen zu dürfen, da ihm alles erlaubt sei. Wo er erst dilettantisch begriffen hat, vermeint er das Wesen seiner Fachthätigkeit in allen Tiefen erkannt zu haben. War Alfred Borsig erst im Bollbesig seiner Erbschaft, wer wäre auch in dem Reich, in dem er mum throute, ihm energisch entgegengetreten? Wenn Das landwirthschaftliche Fest hatte feinen Höhepunkt längst überer sich einspann in den Lieblingsglauben, über ihm walte. ein beschritten. Mitternacht war bereits vorüber, aber noch saßen die ( Nachdruck verboten.) Ein verunglückter Redner. 287 meisten Mitglieder der Tafelrunde beisammen und zechten weiter. I von Hoppe gehört hatte. Er erreichte es auch glücklich, Es waren viele Reden geschwungen worden, theils zum Ruhme der daß niemand, als seine beiden Tischnachbaren, auf seine Landwirthschaft, zu noch größerem Theile aber zu Ehren des Worte achteten, während diese sich darüber weidlich zu amüsiren Bundes der Landwirthe", untermischt mit Hochs auf einzelne Persön- schienen. Darüber vergaß der Müller, auf sich besser zu achten, er lichkeiten, wie z. B. auf den Regierungspräsidenten, der indessen nach schwenkte luftig sein Glas, und da die anderen glaubten, er werde Beendigung des Soupers gleich davongefahren war. nun ein Hoch ausbringen, trat eine plötzliche Stille ein, in welcher folgende Worte des Müllers deutlich hörbar wurden: Obgleich jetzt, in dem lauten Zechtrubel, niemand mehr hinhörte, standen doch immer wieder neue Redner auf, um sich der Ansprachen zu entledigen, die sie zu Hause eingeübt hatten. Denn es waren nicht wenige, denen es darauf antam, hier als eifrige Bundesmitglieder bemerkt zu werden. Müller Braß, der seinen Anschauungen entgegen Mitglied des Bundes geworden war, weil er in diesem manchen Kunden hatte, Tonnte daher ein Lächeln nicht unterdrücken, als sich schießlich auch sein Freund und Tischnachbar, der Inspektor Hoppe, erhob, um eine Rede zu halten. Bei der herrschenden Fidelität waren seine Worte um so weniger zu verstehen, als er seine Stimme nicht im geringsten anstrengte, sondern fich des gewöhnlichen, gemüthlichen Gesprächstones bediente. Anfangs hörte auch der Müller nicht hin. Es hatten ja alle so ziem lich dieselbe Litanei vorgebracht, die er schon auswendig fannte. Hoppe war ja sonst ein schnurriger Kerl, aber er machte während seiner Rede ein so ernstes Gesicht, daß er sich von derselben nicht viel versprach. Aufmerksam wurde der Müller erst, als er bemerkte, wie der andere Nachbar Hoppe's, den er übrigens als einen heimlichen Sozialdemokraten kannte, beständig den Redner ansah und dann in sich hineinlachte. Schließlich hörte der Müller auch seinen Namen, und nun bemühte er sich, alles zu verstehen. • Ja, meine Herrn," sprach Hoppe, sogar mein Freund Braß hier neben mir, der sonst grade nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, ist von Ihren Anschauungen nicht sehr durchdrungen. Besinnen Sie fich doch, meine Herren Agrarier, lassen Sie Ihre Frauen nicht so lang auf sich warten und gehen Sie nach Hause. Möge der Bauernstand träftig blühen und ge deihen!( Diese letten, sowie die folgenden gesperrten Worte sprach Hoppe mit sehr erhobener Stimme. Es wurde danach stets allgemeiner Beifall laut, und Hoppe schwieg dann so lange, bis der Beifall sich gelegt hatte und der alte Lärm an ,, ist " Meine Herren, der ganze Gemeindevorstand besteht aus lauter Spizbuben!" Man kann sich den entstehenden Tumult denken. Hoppe erhob sich rasch und erklärte den Zwischenfall als Ansfluß einer augen blicklichen Geistesverwirrung des Müllers, der in der That auch halb ohnmächtig auf seinen Siz zurückgesunken war. Er hat niemals wieder eine Rede gehalten. Mitian. Kleines Feuilleton. unmittelbar nicht, wohl aber mittelbar insofern als sie für eine Moose und Flechten schaden den gesunden Obstbäumen große Zahl von Insekten, die meist Schädlinge des Obstbaumes sind, Schlupfwinkel, Brutstätten und Winterquartiere bilden. sich unter Moos und in den Nizen der Borke, besonders die Larven Sie nisten und Eier des Apfelblüthenstechers, sowie die Eier und Weibchen der Blutläuse, ein. Moose und Flechten führen aber auch durch Festhalten der Feuchtigkeit zu einer raschen Vermoderung der Borke, die sich besonders an Stellen, wo sich mehrere Aefte vereinigen, wo also die Nässe dauernd fizen bleibt, auf die lebende Rinde und das Holz überträgt, so daß solche Aeste leicht vom Sturme abgerissen werden können, wodurch die Baumkrone zerstört wird. Moose und Flechten sind also, wenn auch keine Blutsauger, so doch immerhin sehr schäd lich für die Obstbäume; sie erschweren das freudige Wachsthum und machen den Baum vor der Zeit alt und unfruchtbar. Dem Uebelstand kann abgeholfen werden, wenn man mindestens alle zwei Jahre die Moose mit der alten Rinde zur Winterszeit abkraßt und die junge Rinde mit Baummörtel anstreicht. Auf der Börse für wilde Thiere, die ihren Sit in Antwerpen hat, herrscht eine lebhafte Nachfrage nach Giraffen, die seit dem im Sudan herrschenden Kriege fnapp geworden sind. Mau feine Stelle trat.)" Im ganzen," fuhr Hoppe fort, bietet 20 000 Fr. und mehr für eine Giraffe. Auch die Flußpferde doch alles Mumpih, die Geschichte hat wieder einen guten Groschen find im Preise gestiegen; ein kleines kaum entwöhntes Flußpferd gekostet, den die armen Bauern bluten müssen, und besonders unser wurde mit 6000 Fr. verkauft. Dagegen sind die Preise für die werther Vorstand hat solche Dummheiten gemacht, daß uns die Elephanten stark gefallen; von 15 000 Fr. find fie auf 6000 Fr. geSache erheblich vertheuert wurde, ohne etwas zu nüßen. Ein junten. Ein Panther kostet jetzt 1500 Fr., ein weißer Bär 5000 Fr., Hoch dem wackern Vorstand, der alles so schön ein Nashorn 15 000 Fr. Der Preis der Tiger schwankt zwischen und praktisch geordnet hat! Meine Herren! Es ist heute 2500 und 5000 Fr. Junge Löwen find gar nicht mehr gesucht und wieder soviel von der nothleidenden Landwirthschaft gesprochen man ist froh, sie losschlagen zu können. Dagegen finden schöne, gut worden, daß ich nicht umhin kann, ebenfalls mein Scherflein zu gebaute Löwen zu den höchsten Preisen Abnahme. Im allgemeinen diesem Thema beizutragen. Die Bauern, namentlich die adligen, schwankt der Preis eines Löwen zwischen 7000 und 12 000 Fr. leben heutzutage geradezu in erbärmlichen Verhältnissen. So c. e. Perlenfischerei an der Pacific- Küste. Die ganze Küste ein Bauernschloß ist aus einfachen Steinen erbaut, hat des Golfs von Kalifornien ist reich an Perlen. Im verflossenen gläserne Fenster und gewöhnliche Stuckaturen. Keinen silbernen Jahre betrug der Werth der Perlen, die in Nieder- Kalifornien, Biebel, feine vergoldeten Jalousien, keine vernickelten Thor- Mexiko, gefischt wurden, 350 000 Dollars. Außerdem wurden aber noch flügel, furzum, alles ist armselig. Im Innern fallen uns die durch- 5000 Tonnen Muschelschalen exportirt, deren Werth auf 1 250 000 Doll. weg hölzernen Möbel auf, keine filbernen, natürlich, so lange die ver geschäßt wurde. Bis vor wenigen Jahren waren zum Perlfischen derbliche Goldwährung dauert. Austern und Champagner genießt der nur eingeborene Taucher verwendet worden, und die Tiefe, bis adlige Bauer höchstens Sonntags, an den übrigen Tagen verzehrt zu welcher sie hinabsteigen konnten, betrug höchstens 35 Fuß. er unter Thränen seine einfachen Rebhühner und Rehrücken, wozu Nach der Einführung moderner Taucherapparate aber konnte er trockenen Bordeaux hinabwürgt. Die Noth der Land- man bis 811 einer Tiefe von 180 Fuß dringen. Und wirthschaft muß entschieden gelindert werden, während sich früher die besten Taucher nicht länger als und wenn sämmtliche Minister darüber purzeln! zwei Minuten unter dem Wasser aufhalten konnten, macht es bei Auch hier, meine Herren, sehen Sie ein Bild diefes einem modernen Taucher mit entsprechender Ausrüstung nichts aus, Elends vor sich. Nicht mehr als armselige fünf Gänge in 100 Fuß Tiefe zwei Stunden lang zu bleiben. Zum großen hat das Souper gehabt, und den Seft, den wir hier Theil ist die unmittelbare Berlfischerei ein Glücksfallgeschäft. Be trinken, ist doch der reine Proletarier- Sett. So, jetzt habe ich genug fanntlich enthält nicht jede der Austern eine Perle, und eine wirklich geredet, und zwar garnicht so schlecht, im Verhältniß, denn wir werthvolle wird nur ab und zu entdeckt. Die Taucher beschränken haben heute schon tolleren Quatsch gehört. Die Landwirth sich daher nicht auf die Perl- Austern, sondern so oft sie ein seltenes schaft hoch, hoch, hoch!" Exemplar Korallen oder eine neue Art Muscheln wahrnehmen, facken sie diese gleichfalls ein. Man hat die Gefahren der Perlfischerei oft übertrieben, vielleicht um dadurch den Perlen einen besonderen romantischen Werth zu verleihen. Begeistert stimmte die Tafelrunde ein, und die Gläser flangen zusammen. Vom anderen Ende des Saales kam ein Vorstandsmitglied zu Hoppe, um mit ihm anzustoßen, ihm die Hand zu schütteln und ihm für die schöne Rede zu danken. Müller Braß wußte nicht, ob er mehr entsetzt sein oder lachen sollte. Schließlich wandte er sich an Hoppe: Mensch, bist Du denn des Kuckucks? Was für tolles Zeug haft Du da zusammengeredet?" So? Hast Du hingehört? Na, die andern haben eben nichts gehört. Solche Reden halte ich immer gegen Ende der Kneipereien. Ich gelte auch schon für einen ganz bedeutenden Redner, und sie hätten mich in den Provinzial- Landtag gewählt, wenn ich nicht aus großer Bescheidenheit abgelehnt hätte." tenne." Literarisches. " -s. May Halbe: Frau Mesed". Eine Dorfgeschichte. Bauernfrau, die als 70 jährige Wittwe ihren 25 jährigen Inspektor Berlin. Georg Bondi. Ladenpreis 1,50 M. Die Geschichte einer mit der 95 jährigen die filberne Hochzeit feiern soll, erhängt zum zweiten Mann nahm. An dem Tage, an dem dieser er sich aus Etel über sein verpfuschtes Leben. Warum das Ding den Untertitel worden. Der Autor thäte gut, sich etwas mehr mit dem Geiste der Eine Dorfgeschichte" führt, ist uns nicht klar ge niederschreibt:" In der Nacht hatte der Himmel sich des Regens deutschen Sprache vertraut zu machen. Ein Mann, der den Satz begeben," könnte noch etwas lernen. So würde das Urtheil lauten, aber die Dinge liegen, wird man über die 74 Seiten Spalten wenn May Halbe nicht der Verfasser der Jugend" wäre. Wie schreiben, und das Büchlein wird in tausenden von Exemplaren verkauft werden. Mahlzeit! Theater. " Ja, das ist ein Vocativus," sagte der andere Nachbar Hoppe's, ,, ich sebe mich stets neben ihn, weil ich seine Art Reden schon Das solltest Du aber bleiben lassen," entgegnete Hoppe, mit Deinem dummen Lachen machst Du die andern nur aufmerksam." Einige Wochen später fügte es sich, daß das neue GemeindeSprigenhaus eingeweiht und diesem Ereigniß zu Ehren ein Festmahl gegeben wurde. Bei der Tafel saß Müller Braß zwischen dem Juspektor Hoppe und dessen früherem Tischnachbar, und da Die Neue freie Voltsbübne veranstaltet Montag mußte den Müller der Hafer stechen, gegen Ende der Festkneipe den 12. April, Abends 8 Uhr, in der Berliner Ressource", Romeine ebenso unsinnige Rede zu halten, wie er sie damals I mandantenstr. 57, einen musikalisch- deklamatorischen 2iliencron 288 Geographisches. Abend. Zum Vortrag kommen nur Liliencron'sche Dichtungen| Higewirkung zur Rothgluth oder gar zum Schmelzen gebracht durch Mitglieder hiesiger Theater, Kompositionen L.'scher Lieder von werden. So entzünden z. B. eiserne Nägel durch ihre starte Er Brahms, Kahnt, Hermann 2c. Den einleitenden Vortrag über wärmung das hölzerne Gebält, in welchem sie stecken, alle MetallLiliencron hält Wilh. Bölsche. Eintrittsprogramme sind zu stücke, die vom Blig auf seinem Wege getroffen werden, tönnen in haben im Cigarrengeschäft H. Bobsien, Kommandantenstr. 62.- dieser Hinsicht gefährlich werden, wenn leichtentzündliche Stoffe in ihrer unmittelbaren Nähe sind. Daraus ist die praktisch wichtige Lehre zu ziehen, daß es nicht rathsam ist, Holzdächer mit Eisens Eine Forschungsreise nach der östlichen Süd- theilen zu versehen, ferner ebenso die Anwendung von Drähten zur fee wird Professor Dr. Carl von den Steinen, der frühere Befestigung von Strohdächern, die durch das Schmelzen jener ents Vorsitzende der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, der sich ins- zündet werden. Auch Getreide- und Heuhaufen auf den Feldern besonders durch seine Forschungsreisen in Zentralbrasilien verdient werden der Blizentzündung minder ausgeseht sein, wenn nicht und bekannt gemacht hat, unternehmen. Sein Ziel ist die noch Messer oder Sensen auf oder daneben liegen gelassen werden. Im wenig erforschte Jufelgruppe der Markesas- Inseln, deren Bewohner übrigen suche der Blih in erster Linie den wafferreichen Boden, bes zum theil noch Menschenfresserei zu Kultuszwecken treiben und sonders wenn er eisenhaltig, etwa mit einem Netz von Eisenröhren politisch zum französischen Kolonialbesitz gehören. Pof. v. d. Steinen durchzogen ist. Steht ein Haus auf wasserarmem Erdreiche, in dem unternimmt die Reise, die ihn über New- York und San Franzisko das Grundwasser 20 Meter oder liefer unter der Oberfläche liegt, führt, allein und wird sie voraussichtlich im Mai d. J. antreten. so ist es am zweckmäßigsten, dasselbe ganz ohne Blizableiter zu be Ihre Dauer ist auf 1-1/ 4 Jahr berechnet. laffen, mindestens muß ein solcher aber bis in den Grundwasser. spiegel hinabreichen. Aus dem Pflanzenleben. Humoristisches. - Ameisenpflanzen. Die Sammlungen des Brüsseler Botanischen Gartens haben, wie man der Voff. 3tg." schreibt, soUngelegener Besuch. Das Wiener Jl. Extrab!." eben zwei merkwürdige, vom biologischen Gesichtspunkte aus be- erzählt: In einem neugebauten Hause im dritten Bezirke bewohnt achtenswerthe Kongopflanzen erhalten. In den Blattansägen an der eine Dame, die an Provinzbühnen ihre Erfolge errungen haben will Basis des Stieles jedes Blattes hausen Ameisen. Die erste dieser und seit kurzem auf ihren Lorbeeren ausruht, eine Flucht pompös beiden Pflanzen ist am Kongo von dem deutschen Forscher Pogge eingerichteter Gemächer. Viele Freundinnen und Freunde werden entdeckt und von dem Dr. Par beschrieben und mit dem Namen bei der zwar schon über den Rubikon der Dreißig geschrittenen fie heißt Macaranga saccifera" belegt worden. Profeffor Laurent vom land. Beauté oft zu Gaste geladen und an ihrem Namenstage wirthschaftlichen Juftitut in Gembloux hat diese Pflanze am Kongo Josefine wurde ein famoses Diner servirt, an dem auch der wieder aufgefunden und jetzt nach Brüssel gebracht. Die zweite Bräutigam der Schönen theilnahm. Draußen im Borzimmer meldete Pflanze hat der deutsche Botaniker Thomero am Kongo entdeckt, sie sich, während die Herrschaften beim Speisen waren, ein etwa Scaphopetalum Thomeri genannt und dem Brüsseler Botanischen vierzehnjähriger Bauernjunge mit einem riesigen Buschen" und Garten verehrt. Die Brüsseler Botaniker Durant und De Wildeman verlangte, bei Fräulein Josefine vorgelassen zu werden. Das fluge find gegenwärtig damit beschäftigt, diese Pflanze, von der keinerlei Stubenfäßchen wollte ihm den Eintritt in die Salons verwehren, Probe in den Sammlungen des Gartens vorhanden ist, zu zerlegen; da kam Josefinen's Bräutigam, ein ältlicher, aber sehr reicher Herr, fie scheint ein feltenes Muster einer Ameisenpflanze( plante zufällig dazu und führte den jungen Bauern in das Speisezimmer, myrmécophile) zu sein. Man hofft, daß die Pflanzenfammlungen wo die Gesellschaft versammelt war und Josefine in grande toilette des fürzlich am Kongo verstorbenen Naturforschers Dewèvre, welche bie Rongoregierung nach Brüssel bringen läßt, weitere Aufschlüsse über diese und andere Kongopflanzen liefern werden. Mineralogisches. als Gefeierte an der Spitze der Tafel saß. Der Bauernknabe hielt fein Bouquet aus gemachten Blumen feft und schaute verlegen im Kreise umber. Der Bräutigam fragte ihn, wem er denn diese Gabe überreichen wolle. Da antwortete der Jüngling vom Lande zage haft:„ Meiner Frau Muatta will i' zum Namenstag gratulir'n. Aber hab' mei Frau Muatta mei' Lebtag no net g'ieg'n und fann's a daher net außafind'n!" Als er jedoch den Namen feiner ihm persönlich nicht bekannten Mama stotterte, da sprang Fräulein Josefine erregt auf und drängte ihren verheimlichten und bei den Bauern aufgewachsenen Sprößling zum Zimmer hinaus.— 1 Vermischtes vom Tage. 20 Künstliche Erzeugung von Edelsteinen. Die meisten Edelsteine bestehen aus Thonerde, aus Kiefelsäure, oder aus Verbindungen beider, denen geringe Beimengungen anderer Substanzen die verschiedene Färbung ertheilen. Bei der künstlichen Erzeugung von Edelsteinen handelt es sich also darum, den Weg zu ermitteln, auf welchem die Natur diesen Körpern die Krystallform, die Härte und den außerordentlichen Glanz gegeben hat. In ge wissem Grade ist der Versuch auch manchmal gelungen; man hat Thonerde mit Spuren von Chromverbindungen geschmolzen und durch Jm großen Teiche" bei Krummhübel( Schlesien) langfame Abkühlung Rubine oder Saphire erhalten; Opale wurden mittels des elektrischen Stromes aus Silikaten abgeschieden. Aber erreichte in diesem Winter das Eis eine Dicke von 38 Boll. Der aus Kroppenstedt bei Magdeburg gebürtige Kaufes waren doch nur winzige Exemplare, die zwar die Form, Farbe und Härte der natürlichen Krystalle besaßen, ihnen aber an Glanzmann May Gustav Zinke hat sich in London wegen Nahrungsforgen und Schönheit nachstanden. Die besten Erfolge gab der Spinell, die Kehle durchgeschnitten. eine Verbindung von Thonerde und Magnesia; aus geschmolzener Borfäure, die als Löfungsmittel diente, wurde die bezeichnete Berbindung bei hoher Temperatur in Krystallexemplaren von großer Schönheit und der Größe der natürlichen Edelsteine, von welchen sie taum zu unterscheiden waren, abgeschieden. Braktisch hat auch diefer Erfolg, so lange das Verfahren schwierig und sein Gelingen noch so sehr wie jezt vom Zufalle abhängig ist, teine sonderliche Bedeutung; als erster Schritt auf einem Wege, der bis jetzt völlig ungangbar schien, verbient er aber immerhin Beachtung. („ Die Umschau.") Naturwissenschaftliches. In dem Dorfe Maßweiler bei Zweibrücken hat ein Ackerer feinen jüngeren Bruder mit dem Beile erschlagen. Seine Schwägerin mit dem Beil erschlagen und sich dann erhängt hat ein Mann im Pfarrdorf Profeten bei Wismar. Ju Augsburg wurde eine Frau, die in ihrer Noth ihrer Nachbarin um 3 Pf. Holz gestohlen hatte, um ihre talte Stube etwas zu heizen, zu 3 Monat Gefängniß verurtheilt. Nicht mehrere, sondern nur ein russischer Student ist bei dem gemeldeten Unglücksfall auf dem Büricher See um Leben getommen. Jn Brilon explodirte ein großes Lagerfaß, das auf der Straße gepicht werden sollte. Zwanzig Kinder wurden durch herum. fliegende, brennende Holzstücke verletzt. Eins davon starb nach einer Stunde. Der Rechnungspräsident des österreichischen Ober. hofmeister Amts hat sich in einem Drte bei Bozen( Südtyrol) erschossen. -Der durch die Ueberschwemmung an den Ufern der Dor. dogne( Südfrankreich) angerichtete Schaden wird auf 4 Millionen Frants geschäßt. -Ein großer Theil des Fabriketablissements Briggs- Poffelt u. Co. in Warta bei Warschau ist niedergebrannt. Der Schaden beträgt eine Million Rubel. In der Fabrik waren 1800 Arbeiter beschäftigt. Ueber die Wirkung von Bligen berichtet der Clausthaler Bergbeamte D. Hoppe in der Leopoldina" nach einem Vor gange, der sich unweit Clausthal zugetragen: Der Strahl schlug merkwürdigerweise nicht in den höchst gelegenen Punkt ein, sondern traf die tiefliegende Wasserradstube, ging dann auch nicht direkt in den Boden, sondern lief längs der eisernen Förderseile zum Gaipel, auf deffen Platte er feurig aufschlug. Dann schoß er 400 Meter abwärts bis auf den Grund des Schachtes. Von den berührten Eisentheilen waren viele geschmolzen. Stellenweise hatte er auch gezündet, aber nur in der Nähe von Eisen; wo er Holz allein getroffen, war dieses zersplittert, aber niemals gefohlt. Der Weg des Strahls war theilweise unerklärlich, und der Erzähler meint, der erfahrenste Gewitterforscher und Physiker werde auf grund theoretischer Erwägungen einem Bligstrable immer einen anderen Baß schreiben, als er thatsächlich nimmt. Alte und neue Erfahrungen zufammenfaffend, stellt der Berichterstatter folgende Sätze auf: Man unterscheidet bekanntlich talte und warme Schläge. Hoppe behauptet, diese Unterscheidung sei unbegründet. Ob ein Bliz zünde In England ist die siebenundzwanzigjährige Millionärin oder nicht, hänge nicht von seiner Eigenart ab, sondern von der Murphi infolge übergroßen Schnapsgenusses plößlich gestorben. Sie Beschaffenheit der Theile, welche er trifft. Unmittelbar zünde er gab jeden Monat 1000 Frts. für Champagner und Schnaps jeber wahrscheinlich überhaupt nicht, selbst nicht an leicht brenn- Art aus. Bulegt trant fie reinen Spiritus und Köllnisch- Wasser. baren Gegenständen, z. B. trockenem Holze. Eine Entzündung geht Sie stand wegen Trunkenheit und Straßenstandal 150mal vor dem vielmehr, wenn sie erfolgt, von Stoffen aus, welche durch starte Richter. ce. Von einem tollen Wolfe gebissen wurden im acht Männer Dorfe Logapefchty bei Rischinew zehn Personen und zwei Frauen. Der Wolf wurde erschossen und die Gebissenen wurden nach Odessa geschafft behufs Behandlung nach der Pasteur'schen Methode. Verantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin.