Anterhaltungsblatt des Vorwärts 10] Nr. 74. Mittwoch, den 14. April. ( Nachdruck verboten.) Ein alter Streif. 1897. - von ehrlich und hab' meine tollen Streich' eing'standen ,. da an hab' ich sie verheimlicht, und bald war mir mein Vater nig mehr, als ein Zuchtmeister, vor dem man sich hüten muß. Dann hab' ich's Schuldenmachen ang'fangen Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre bitenum hundert Gulden vor meinem Vater zu verheimvon Wilhelmine v. Hillern. Aber, Herr Gemming," sagt ein allerliebstes Hofstallerstöchterlein, machen Sie uns jetzt nichts mehr vor?" Er nähert sich ihr ein paar Schritt und schaut ihr Lächelnd so tief in die Augen, daß dem Mägdlein heiß und kalt wird. " Ein andersmal, Herzer!! Aber dann mach' ich Dir nir vor, sondern dann ist's Ernst!" Das Fräulein wird bei dieser unerhörten Recheit dunkelroth und kommt wie begossen zur Mama zurück. Die examinirt gleich:" Was hat er Dir denn g'sagt, daß d' so verlegen bist?" Acherer hat, mein' ich, zuviel!" stammelt das Töchterlein mit glühenden Wangen. " Ja es ist auch Zeit, daß man aufbricht!" sagt die Mama laut. Rellnerin, sind Sie so gut und lassen Sie den Michl auspannen." " Ja, meinen Knecht auch!" mib) " Unsern auch!" erschallt nun das Echo von allen Seiten, denn wenn eines den Anfang gemacht hat, folgen alle nach. Gemming nicht befriedigt zu diesem Aufbruch. Er sitzt schon lang wieder beim Pfarrer und hat sich mit der größten Unbefangenheit einen Stuhl genommen, als wäre es seine Pflicht, den geistlichen Herrn zu unterhalten. lichen, beim Wucherer fünfhundert verschrieben bis nig mehr da war. Und so ist's grad' beim Militär g'wesen.Da hat man's auch mit Strenge machen wollen, aber je strenger man war, desto widersätzlicher bin ich worden, und weil ich halt amal a lustige Haut bin, so hat sich's bei mir auf die humoristische Seit' g'schlag'n! Da hab' ich mich aufs Perfifliren g'legt, wo vielleicht andre' n Kopf hätten hängen laffen und wo andre g'weint hätten, da hab' ich g'lacht." ord Ja auch wohl ausgelacht" wirft der Pfarrer ein. Natürlich, hab' i f' ausg'lacht!" Der Pfarrer lehnt sich in den Stuhl zurück. ,, Da kann man sich freilich nicht wundern, wenn die Vorgesetzten sich das nicht gefallen lassen." " Ja, ich bitt' Sie, was ist denn das so schrecklich's? Weil mir alleweil vorg'worfen worden ist, ich hätt feine Disziplin- und ich mach' den Spaß, daß ich den Befehl auf'm türzesten Weg nach Nürnberg' nein zu marschiren, wörtlich nehm' und mit meiner Abtheilung gleich frisch durch dis Pegnitz schwimm' weil das der kürzeste Weg war-! Da hätt ein gefcheidter, wohlwollender Borg'setter mitg'lacht und höchstens g'sagt: Lassen Sie aber fünftighiu solche Wize bleiben, das könnt Ihnen ein zweites Wal schlecht bekommen," oder irgend sowas aber, daß man einen jungen Offizier deswegen zur Disposition stellt, das ist doch eine Strenge, die nur zum Unglück führen kann. Und was war's Resultat? Daß ich das sakrische Spottgedicht g'macht hab': Was i thät', wann i Rönig wär'!" Da hab'n sie mir dann auch noch den Rock auszogen und den Degen zerbrochen und jetzt bin ich halt ein ruinirter Mensch. Das ist die heilsame Strenge, Herr Pfarrer, so macht man aus einem heißen, jungen Blut, was vor Kraft Nun, wie steht es denn mit Ihrem Sohn, Herr und Uebermuth nicht weiß, wo' naus' n Verbrecher Biffinger?" frägt der Pfarrer, als der Wirth ihm eine Halbe' n Ehrlosen, und ist amal die Ehr' hin, dann ist der mit schönem weißen Schaum hinstellt. Noch immer keine Lump fertig!" Nachrichten?" Der Wirth tuschelt dem letzteren ins Ohr:" Wollen Hochwürden heut auch a Flaschenbier? Oder probiren Sie's mit ' re Halben vom Faß?' s Bier is heut gut, i fann's Jhna rekommandiren!" Geben Sie nur Faßbier her" erwidert der Angeredete ungeduldig verstimmt, als wollte er sagen: Wenn der dabei ift geht alles in einem hin!" Der Gemming braucht auch nicht zu sehen, daß er ein extra Bier für sich hat. mei, Herr Pfarrer! Was das heutzutag für Kinder find! Lauft der Bu' davon, weil i ihm amal den Vater zeigt hab'!" " Der Pfarrer streift mit einem unsicheren Seitenblick den Sprecher." Nun, Sie scheinen sich's nicht zu sehr zu Herzen genommen zu haben Ihr Humor ist Ihnen wenigstens treu geblieben" Der Pfarrer nippt an der Halben vom Faß" mit der Meinen Sie?" sagt Gemming und zündet die ausResignation des Sokrates, als er den Giftbecher an die Lippen gegangene Pfeife wieder an, aber es ist, als zittere die starke setzte. Es ist nun einmal heute fein guter Tag! Sie waren Hand ein wenig dabei. Ja, ja der Humor und der eben nie streng genug! Sie haben ihm zu selten den Vater Lump, das g'hört zusammen, wie die Fiedel und der Bettel gezeigt," jagt er mit der noch vom ersten Schluck verzogenen sack. Aber wissen Sie, Herr Pfarrer, nicht alle Leut', Miene. Drum hat er sich nicht daran gewöhnt. Jezt- ist's die auf solche Weis', durch Härte und Strenge zu Grund' zu spät!" g'richtet werden, enden so harmlos! Ein Theil versteht den Meinen Hochwürden, daß es beffer g'wesen wär', wenn Spaß von der Narrensposs' falsch- und rächt sich! Aber man den Buben mit Strenge erzogen hätte?" erlaubt sich nicht durch Spott und Weltverachtung sondern dadurch, Gemming dreinzureden. daß er das wirklich thut, was man ihm unschuldig zur Last Der Pfarrer blickt ihn an, als wollte er sagen: Wie gelegt hat und wofür er so wie so schon büßen muß. Nehmen kommst denn Du dazu, Dich in ein solches Gespräch zu Sie einem Menschen die Selbstachtung, und Sie machen ihn mischen?" zu allem fähig. Das, mein hochwürdiger Herr, haben Sie heut' gethan." " Ich?!" Gemming bemerkt den Blick wohl, läßt sich aber nicht eins schüchtern. Er bläst eine dicke Wolfe aus seiner kurzen Pfeife und spricht ruhig weiter:„ Ich hab' immer gefunden, daß" Na, halt der Bannbrief, den Sie und Ihre Kollegen durch Strenge mehr verdirbt als nuttin allen Dingen!" Ihre Berichte an's Ordinariat heraufbeschworen haben." " Ich weiß nicht, wo Sie Ihre pädagogischen Studien " " Aha, geht es da hinaus?" ich fag's gemacht haben sagt der Pfarrer achselzuckend und„ Herr Pfarrer, ich mach' keine Winkelzüg' bricht ab, als wolle er sich mit Gemming überhaupt nicht frei und offen, ja! Ich halt' den Banubrief für ein großes einlaffen, da aber der Hochbräu die auswärtigen Gäft hinaus- Unglüd!" komplimentiren muß, sind die beiden allein aufeinander an- Weil er die Treiben vernichtet?" gewiesen. 11 " " Nein, nicht weil er die Treiben- sondern weil er Treiber vernichtet." Wo ich die Studien g'macht hab'? An mir selber, die Hochwürden! 3 ist ja richtig' s war nicht viel an mir" Sie brauchen ja nur den Unfug bleiben zu lassen." verderben, aber was noch zu verderben war, das Erstens kennen Sie unsere Bauern schlecht, wenn Sie hat Strenge gethan. Hätt man mich gehen und mir die meinen, die ließen von ihrem Haberfeldtreiben, und zweitens Hörner ablaufen lassen, wär' vielleicht ganz was Rechts aus wenn sie's auch thäten, so sind doch die nicht wieder zu Ehren mir worden. Aber da hat auch alles in meinen Vater gebracht, die seither' trieben haben und die der Bannbrief als ' neing' redt, er soll die Zügel straffer anziehen. Was hat's Mörder, Meineidige und schamlose Jugendverführer gebrandg'holfen? Daß ich meinen Vater g'fürchtet und mir's markt hat. Ich bin tein Haberer, Hochwürden, aber wenn Lügen ang'wöhnt hab'. Vorher war ich doch wenigstens ich mir dent', ich müßt' mich so was heißen lassen und müßt's 1 294 stärken?!" hinnehmen, ohne mich vertheidigen zu dürfen- ich weiß nicht,| gethan, daß Sie gerade heute den Kommandanten auf die was ich thät'!" Suche nach Ihrem Sohn schickten? Wäre es nicht besser Nuu, das ist den Herren ganz gesund, wenn sie auch ein- gewesen, ihn hier zu lassen und lieber die Wache noch zu ver mal spüren, wie es ihren armen Opfern zu Muthe ist, wenn sie so hinstehen und alles über sich ergehen lassen müssen." " Hochwürden, die Leut', wo getrieben wird, verdienen's, denn es sind alleweil Spitzbuben, oder schlechte Frauenspersonen, aber die Haberer sind ehrliche Leut'!" Bissinger sieht ihn erschrocken an.„ Hochwürden glauben doch nit, daß es was geben könnt'!" Der Pfarrer zuckt zweideutig die Achseln. Besser ist Es wäre nicht die erste Emeute, die infolge einer besser. So, ehrliche Leute nennen Sie das?" lächelt der Pfarrer so durchgreifenden Maßregel wie die heutige stattfände. sarkastisch. Daß eine große Aufregung unter den Leuten herrscht, sah ich in der Kirche und bestätigte mir das Geschwätz von diesem Gemming." " Der Kerl ist der reinste Haberer." " Ja, Herr Pfarrer, das getrau' ich mir zu behaupten. Niemand wird's einfallen, was Ungesetzliches wie die Haber feldtreiben zu vertheidigen, die Leut' sehen das aber nicht so an. Für sie ist es ein alter, geheiligter Brauch, eine" Jedenfalls steht er diesen Kreisen sehr nah gleich und Selbsthilfe gegen moralische Vergehen, die sonst ungeahndet gleich gesellt sich. Wir sind also heut im Drt ohne Schuh?" bleiben, weil der Bauer eher alles erträgt, als daß er auf's" Ja, mei! Hätt' ich das ahnen können! Schauen S', G'richt geht und klagt. Kann er sich also nicht selbst Herr Pfarrer, daß i's nur offen b'steh: Der Bub ist halt's helfen, so läßt er die Sache lieber auf sich beruhen! Sagen einzige auf der Welt, was i noch lieb hab' mei Stolz und Sie so einem Mann auf einmal, er sei ein Hundsfott, weil er mei Freud'! Hochwürdeni hab' mir's nit antenne lassen i bin a G'schäftsmann und als Wirth darf man fei saure in seiner plumpen Weise, so gut er's halt versteht, was Unrechtes bestraft hat und Sie bringen ihn zum Wahnsinn.Mien' zeigen aber-" seine Stimme fintt zum Flüstern Jedenfalls machen Sie ihn zum Feind der Ordnung, in deren herab, er stockt mehrmals: Wissen S', es treibt mich schon Namen Sie ihn beschimpfen. So werden mit der Zeit aus recht um! Wenn der Bub' ich war schon recht grob mit ich hab' ihn ins G'sicht g'haut so was soll man harmlosen Menschen, die im guten Glauben gefehlt haben, be- ihm wußte Uebelthäter und prinzipielle Opponenten!" nit thun, auch der Vater nit' me erwachsene Menschen-! Wenn i mir denk' der Bub' hätt' sich a Leids-" er kann nicht weiter reden, die Lippen zittern ihm vor Angst. Echlimm genug, wenn es bereits so weit wäre, dann käme der Bannbrief schon zu spät!" Et tommt auch zu spät, Hochwürden, denn was die Kirche tausend Jahre lang geduldet hat, kann sie jetzt nicht plöglich widerrufen, sonst widerspricht sie sich selber und ihrer eigenen Unfehlbarkeit!" " " Es wird wohl so schlimm nicht sein" sagt der Pfarrer, dem man ansieht, daß er an etwas anderes denkt. " Doch, doch, Hochwürden denn weswegen ich's gethan hab' weswegen, das glaubt gar kein Mensch - ich alter Der Pfarrer lächelt wieder jentes unvertraute Lächeln, Esel! Aber ich seh', Hochwürden haben jetzt feine Zeit. das so seltsam wirkt. Es ist wirklich interessant zu sehen, Ich komm' morgen zum Beichten, gelten? Ich sag's nur, wie Leute, die sich das ganze Jahr nichts um die Kirche daß Sie's wissen, warum ich den Gendarm fortg'schickt hab' fümmern, so genau wissen, was sie ihrer Würde und Unfehl- weil's mich nimmer ruhen hat lassen- Hochwürden, wenn mir barkeit schuldig ist!" Er hält einen Moment inne, dann den Bub' nit g'sund wiedertäm'i wüßt' nit, was i thät', läßt er sich aber doch zu einer Erörterung herbei. Die Sache i bitt' Jhna, was sollt' denn aus mei'm Geschäft werden, wann liegt jetzt anders als einst. Die Haberfeldtreiben sind aus- i amal nimmer funnt'?!" geartet!" ,, Grad das bestreit' ich, Hochwürden! Die Haberer halten genau am alten Brauch! Es ist um kein Haar anders, als in früheren Zeiten. Es sind meistens verheirathete, begüterte Männer an der Spize. Das Habergericht geht mit der pein Lichsten Gewissenhaftigkeit zu Werke. Der Antläger haftet mit seinem ganzen Vermögen für die Richtigkeit seiner Anschuldigung. Jeder Schaden wird auf Heller und Pfennig vergütet und teinem Menschen ein Haar gekrümmt." So und die verwundeten Gendarmen vor brei Monaten?" " Ja, du lieber Gott, Herr Pfarrer, die Leute wurden angegriffen und haben sich vertheidigt die Sache ist jetzt zum Rampf geworden á la guerre comme à la guerre. Das ist der einzige Brocken, den ich noch aus der französischen Klaff' behalten hab'!" Darum eben hat die Kirche diesen Streit friedlich zu schlichten gesucht," sagt der Pfarrer und steht auf. " Es ist ein jämmerlicher Anblick, wie der beleibte, wohl, häbige Mann zusammengefnickt auf seinem Stuhl sigt und die wachsgelben Hände faltet. Ja, da ist nichts zu machen, als abwarten," sagt der Pfarrer, und es ist nicht recht zu unterscheiden, ob er die eventuellen Ereignisse der Nacht oder den Bissinger meint. Mit diesem kalten Trost überläßt er den geängstigten Vater sich selbst und begiebt sich auf den Heimweg. Haberfeldtreiben. Es ist still geworden im Drt. Beim Hochbräu ist das letzte Licht erloschen und in den anderen Häusern schläft schon alles. Friedliches Schweigen ringsum, die Nacht ist ruhig, und langsam aufsteigende Dämpfe verhüllen das Licht des wechselnden Mondes, aber nicht anders als wenn eine Mutter den schlummernden Kindern die Nachtlampe verhängt. Der Hochbräu wälzt sich schlaflos auf seinem Lager. Er ist seit längerer Zeit vom Asthma geplagt. Der Arzt Friedlich schlichten nennen Sie das, Herr Pfarrer?" hat ihm gesagt, er sei herzleidend und solle sich so bald Aber kann er das, wenn Eine lange Pause entsteht, Gemming schaut mit seinen als möglich zur Ruhe setzen. Wenn er vielleicht großen, offenen Augen den Pfarrer fest an, dann macht er der Sohn fort ist, Gott weiß, wohin? eine kurze Verbeugung." Nun, da will ich nicht länger stören. in diesem Augenblick von den kalten Fluthen der Jar einem Hab die Ehr', eine rubia me Nacht zu wünschen!" und ver- Mühlwerk zugetrieben wird? Denn sie stehen nicht alle, läßt noch vor dem Pfarrer das Lotal. Er hat während seines die Räder wie die von der todten Mühl'! Ja, ja, eifrigen Gesprächs gar nicht bemerkt, wie leer es nach und die todte Mühl und der Abend gestern, bei der Leich und nach geworden ist. Es schlägt zehn Uhr auf der großen Stand- der Aufschrei des verzweifelten Geschöpf's, das ihn verflucht, uhr, die prinzipiell eine halbe Stunde nachgeht. Es ist Zeit, weil es gar nicht begreift, daß ein vernünftiger Mensch für daß er sich aufmacht nach der Malstatt. nach der Malstatt. Zu den armen sich handeln und sorgen kann, ohne ein schlechter Kerl zu sein!" Teufeln, die heut moralisch umgebracht worden sind." Die Flüche und Verwünschungen sind nie gut! Dafür steht darf er nicht im Stich laffen er weiß zu gut, wie's einem er nun schon heute die Angst um den Sohn aus. Was hat er da zu Muth ist. nur gedacht? Das unwirsche Mädl war's ja doch nicht werth, daß er sich deshalb den eigenen Sohn aus dem Hause trieb! Was sind am End' alle Weiber und ihre Reize gegen sein eigenes Rind sein Fleisch und Blut? sein Fleisch und Blut? Und noch dazu so eins wie der Lorenz, der wohlgerathene Sohn, der ihm bisher keine böse Stund' gemacht hatte! Eine heiße Angst welle überfluthet ihn und droht ihn zu ersticken. Und übers dies hört er immer etwas in der Ferne wie einen herans rollenden Donner, und doch ist die Luft ganz ruhig. Sein Herz hämmert, daß der Athem nicht mehr nachkommt. Er springt vom Bett auf er tann nicht mehr liegen. Du hast ' n Sohn g'habt-" schreit es unablässig in ihm, und hast dich selber drum bracht!" Er geht ans Fenster und schaut Der Pfarrer athmet auf, als der unerwünschte Gesellschafter den Platz geräumt hat. Bissinger kann sich ihm jetzt, wo es immer stiller wird, ganz widmen. Hochwürden haben Ihr Krügel nit austrunken. Hat Ihne scheint's das Bier doch nit g'schmeckt?" Nicht besonders!" Jetzt bleiben S' nur noch a bißl da ich bring' Ihnen Ihr g'wohntes Flaschl. Ich hab's ja blos nit ge than wegen dem Gemming, daß der nit sei naseweise Goschen h'uei hängt!" " Lassen Sie, Herr Bissinger! Ich möchte heute nicht Sagen Sie war es eigentlich wohl so spät heim. " Dritten 295 " hinaus. Alles ist still. Nur in der Ferne, da ist es immer zugelassen, diese stimmt über ihn ab, und erhält er Stimmen noch, als ob ein Trupp Soldaten vorbeimarschirte, so ein mehrheit, so wird er als 3ugelassener" proklamirt. Darauf folgt gleichmäßiger Schritt. Er horcht und nun ist es wieder, die Unterweisung in den Geheimnissen, Dogmen und Pflichten feines als fomme es von einer andern Richtung, dann von einer Grades, und er schwört blinden Gehorsam. Der Zugelassene giebt nun dem Haupte" einen Bruderkuß, dann dem Seckelmeister und zuletzt von allen Seiten. Ist er denn wahn- so fort allen Mitgliedern, worauf er dem Haupte, welchem zwei sinnig, hat er Gehörstäuschungen? Er lehnt sich zum Fenster Abstimmungen zustehen, einen zweiten Ruß giebt. Dann ist er hinaus. In diesem Augenblick spürt er an einem starken würdig, zum„ picciotto" erklärt zu werden. Nach der feierlichen Luftzug, daß hinter ihm die Thür aufgeht, er dreht sich Einführung muß er das„ Evangelium" der Entstehung der camorra um, das Blut stockt ihm in den Adern, er will schreien er erzählen, das also lautet:„ Es waren einst drei Ritter in Spanien, Die Dunkelheit und die gingen in eine Kneipe, um zu trinken und zu essen; dann tann nicht es ist etwas im Zimmer. - zeigt nur unbestimmte Umrisse, aber es ist etwas Lebendes, setzten sie sich zum Spiele hin, und einer verlor all sein Geld, und Heißathmiges, Drohendes etwas Fürchterliches! Es kommt darauf nahm er mit Einwilligung der beiden andern von jeder Lira Gewinn vier Soldi für sich, und so entstand die Kamorra." In auf ihn zu langsam, unausweichlich.- Von Entsegen der That übt die camorra ihre Hauptpflichten bein: Spiel; und gelähmt, steht der unglückliche Mann da und kann nicht meist beim Lieblingsspiel zecchinetto. Die Gesellschaft konstituirt vor, noch zurück. Im fahlen Schimmer, der durch die Wolken sich, der Secfelmeister ernennt den Kamorriften du jour, überreicht dringt, sieht er's eine vermummte Gestalt! Aus der ihm ein Spiel Karten und einen Dolch, welch' lezterer zur Bes schwarzen Maske schauen ihn zwei fremde, dunkle Augen scharf strafung säumiger Zahler dient, und der erfte picciotto des an und eine, wie ihm deucht, dröhnende Stimme sagt das bes Tagestamorristen bewaffnet sich gleichfalls, hinter seinen Herrn ta nnte Wort das Schreckenswort der ganzen Gegend: tretend. Für Waffen und Spielfonds ist immer gesorgt, ein jedes Korps von 24 Kamorristen und 48 picciotti zählt nämlich als " Bauer, ist Dein Haberfeld leer?" eisernen Bestand fünf Waffenschaften", entweder Dolchmesser, oder geschärfte Nägel, zwei Kartenspiele, einen Bleistift, Federn, Papier und Wachstuch und ein Depot von 51 Lire, das sogenannte Stubentameraden, gleichviel ob sie zum Bau gehören oder nicht, auf, am Spiel theilzunehmen; dann geht er zu den einzelnen Spieler gruppen und erhebt von jeder Lira Einsatz 20 Centesimi, die traditionellen 4 Soldi; wer nicht zahlt, dem droht der Dolch. Wer eine Anleihe macht, muß am Abend zurückzahlen, und zwar mit 20 Centesimi Zinsen für jede Lira. ( Fortsetzung folgt.) Die ,, Camorra" in den italienischen Gefängnissen. Daß Italien, und namentlich Unteritalien, Sizilien und Sardinien, das Land der geheimen Gesellschaften ist, ist allbekannt. Auch Namen, wie maffia"," camorra" u. f. w. tennt man. Zum ersten Male aber wurde jetzt eine genaue Darstellung der Verfassung eines Zweiges der camorra" veröffentlicht und zwar der„, camorra" in den italienischen Gefängnissen. Die Zeitschrift für Gefängnißwesen ,, Rivista di discipline carcerarie" brachte nämlich unlängst einen Aufsatz über das Leben im Gefängniß, der auch außerhalb Italiens Intereffe erregen wird, da er uns einen Einblick in das Leben des italienischen Volkes, wie es sich unter der Oberfläche abspielt, verschafft. " baciletto" Waschschüffelchen. Der Tagestamorrist fordert nun alle Will der picciotto zum camorrista aufsteigen, so erheben sich große Schwierigkeiten. Die leichteste Art, zum Ziel zu tommen, ist, wie oben erwähnt, die, den Scharfrichter zu spielen. Hat ein picciotto, der auf dem gewöhnlichen Wege nach Höherem strebt, seinen patronus" gewonnen, so bernft dieser die Generalversammlung der camorristi und stellt alle piccotti als Wachen auf, damit die Wächter keine Ueberraschungen bereiten können, dann setzt der Das Wort„ camorra" ist in der Schriftsprache nicht gebräuch. Advokat- Patron die Gründe auseinander, die seines picciotto lich, nur giebt es ein Wort camorro, das eine häßliche, schlechte Standeserhöhung empfehlen. Es folgt Abstimmung, und fällt sie Sache bezeichnet. In den Gefängnissen bezeichnet camorra eine günstig aus, so wird der Kandidat zum sogenannten Kammoristen" Schutz und Trußgesellschaft, die den Zweck hat, den Aufsehern ein befördert( camorrista a voce), womit seine Picciottoschaft aufhört. Schnippchen zu schlagen, Spielgelegenheit unter den Verschworenen Er tritt jegt in die erste Stufe als scusato( Entschuldigter). Drei zu schaffen, und diese auf Kosten der Nichtgenossen zu bereichern. Tage nach der Einführungssigung versammelt sich die ganze Jede Sozietät setzt sich aus drei Graden zusammen, nämlich vier: Ramorristenschaft noch einmal, und der Neophyte va sotto undzwanzig camorristi, achtundvierzig picciotti( Refruten) und l'azione"( geht unter die Handlung), das heißt, er wirkt die aus der Bahl nach nicht geregelten giovani onorati"( fungen große Ziehung." In ein Waschbecken werden fünf Waffenschaften" Geehrten= Geduldeten). Jeder Ramorrist hat zwei picciotti au gelegt, und zwar zwei mit Stich und Schneide, zwei bloß mit Stich feiner Verfügung, einen, der ihm als Sündenbock hilft, und einen und ein langes Messer. Diese werden im Kreise geordnet und mit als Diener. Die picciotti selbst lassen sich wieder von einem der einem weißen Taschentuch bedeckt, worüber wiederum ein feineres jungen Geehrten" bedienen, das heißt von einem Kandidaten, der rothes Taschentuch im Werthe von fünf Lire gelegt wird, das ohne Widerstreben Alles bezahlt, was man von ihm verlangt hat, Eigenthum des Hauptes ist und im Jargon la capiata" beißt. und nun als Schußgenosse, cliens, unter dem Protektorat der Nun werden die Bathen ernannt, nämlich einer für den Neophyten, Kamorra steht. der jetzt als der welcher zieht" il terzo favorevole" heißt und Die Gesellschaft wählt ein Haupt" mit Stimmenmehrheit, so- einer für den„ terzo contrario", d. h. den, der den Hieb friegt." wie einen Seckelmeister, zugleich als Stellvertreter des capo. Das Das Haupt" nimmt das lange Messer, um einen falschen Hieb Haupt, im Kamorrajargon, bastone" Stock geheißen, nach dem pariren zu können( die sogenannte cascia) und die Pathen ergreifen ersten der vier verschiedenen Zeichen der italienischen Spielkarten, die Messer mit Stich und Schneide. Darauf entblößt der„ terzo bastone, Stock, spada, Schwert, coppa, Becher und denaro, centrario" feinen rechten Arm bis zum Ellenbogen, und der„ terzo Geld, hat das unbeschränkte Oberkommando über alle Genossen und favorevole", also der Neophyt, wirft Weste und Jacke ab, indem er Klienten, er ist geachtet und gefürchtet, und nimmt sich von der so die Halbbüste wie die Engellein" macht, und nun geht's los. Beute den Löwenantheil. Der Seckelmeister, im Jargon" andrino", Der Hauptmann fragt noch, ob die beiden Gegner keinen Streit mit hat die Aufgabe, den dienstthuenden Kamorristen des Tages zu übereinander gehabt, stellt sie dann mit dem Rücken gegen einander und wachen und ihm die Tagesbeute abzunehmen, die er dann dem läßt sie aus dem tuchbedeckten Becken die Stichwaffen herausziehen, Haupte giebt, das für die Bertheilung sorgt. Finden sich sehr viele gewöhnlich große Nägel, die bis zur Spiße mit Schnur umwickelt Rammorriſten in einem Gefängniffe, so wählen sie, trotzdem sie auf sind, und kommandirt:" Im Namen der heiligen Cosmas und Darauf drehen sich die beiden mehrere Stuben vertheilt sind, doch nur ein Haupt, ernennen aber Damianus, eins, zwei, drei! dafür für jede Stube einen Seckelmeister. um, und der Neophyt stößt den Gegner auf den bloßen Arm, worauf er das Blut aus der Wunde saugt und den Getroffenen füßt. Dann wird die Wunde mit dem weißen Taschentuche, das zum Lohn für seine Hingabe dem Verwundeten verbleibt, funftgerecht verbunden und die Versammlung löst sich auf, l'azione e finilizzata", wie es im unübersehbaren Jargon heißt. " " Die Herren vom Bau halten übrigens auf Würde; denn kein Mitglied" darf sich zu„ Inechtischen" Arbeiten hergeben und z. B. als Wäscher, Krantenwärter, Stubenkehrer, Koch oder Lichtpußer amten, höchstens wird ihm erlaubt, Schreiberdienste zu thun. Wer gegen das Gebot frevelt und ein vervehmtes Amt annimmt, wird als Spion ausgestoßen. Wer von den Fremden" fich weigert, den Interessant gestalten sich die Ceremonien, wenn ein neuer Mitgliedern zu willen zu sein und zu zahlen, was von ihm ver Stubengenosse eingeliefert wird. Der Tagestamorrist, der von seinem langt wird, fliegt aus der Stube heraus, zuweilen erhält er auch Sündenbock= picciotto begleitet ist, der die Kartenspiele und die Schlagende Belehrung, und wehe ihm, wenn er sich empört, oder aus zum Spiel erforderlichen Dolche auf eigene Gefahr bei sich trägt, Rache die Geheimnisse der anderen verräth darauf steht nämlich da er bei jeder Untersuchung seinen Vorgesetzten retten muß, tritt die Todesstrafe. Sein Name wird sofort in allen Gefängnissen und in die Mitte der Stube und schreit zur Stelle!" Alle Stubenan allen Orten der Freiheit, wo sich Kamorriften finden, bekannt tameraden, Eingeweihte und Geduldete ohne Unterschied setzen sich gemacht, und man ruht nicht eher, als bis der Spion für immer dann auf ihr Bett und schweigen, bis der Tageskamorrist den stumm ist. Die Vollziehung des Todesurtheils überlassen die Fremdling ausgefragt und ihn eingeladen hat etwas zu zahlen". camorristi" gerne den picciotti", denen als Lohn die Aufnahme Ist der neue Eingelieferte ein Ramorrist, so übernimmt er die in den Grad der camorristi wintt. Initiative, er tritt auf den Tagestamorristen zu und fragt ihn, Jeder Grad hat seine bestimmten Geheimnisse oder Erkennungs- was er sei". Dieser schweigt, und der andere wiederholt die Frage zeichen. Das segreto" der Ramorriften ist die Karte: Geld noch zweimal, worauf er endlich ruft:„ Im Namen der Sozietät Sieben, das der picciotti" Geld Sechs. Was die Hierarchie der fordere ich Euch auf, wer seid Ihr?" und der Tageskamorrist camorra" betrifft, so gehen, wie schon gesagt, die picciotti aus antwortet: Einen Fuß in der Grube und den anderen an der dem Stande der Klienten hervor. Hat sich solch ein junger Ge- Kette." Der Neue sagt dann die vorgeschriebenen Worte:„ Ich lasse ehrter" ausgezeichnet, so wird er zur Tagsayung" der Kamorristen Euch wissen, daß ein aktiver Ramorrista, frant und frei an seiner " 296 Stelle angekommen ist, der noch so lange die Mühe stopft, in die Mittagsebene stellen. Um sich nicht täuschen zu lassen, urusse ( fuspendirt ist), bis die Gesellschaft ihn aufnimmt. Bringt die man aber auf das Alter der Blätter acht geben. Die jungen Neuigkeit dem Haupte, damit, wenn es hier ein Waschschüsselchen Pflanzen zeigen die Orientation am vollkommensten. Ihre Wurzel( Spieldepot) giebt, er eine Portion mehr beschafft." Der Tages blätter drehen sich so lange, bis sie ihre Flächen nach Osten und tamorrist erwidert darauf: Was zeigt Ihr, um Euch als Kamorrist Westen gewandt haben und die Spitzen demgemäß nach Norden und zu weifen?"„ Ehre, Gesellschaft und Kamorra," ist die Antwort. Süden zeigen. Bei den älteren Pflanzen verlassen die Blätter öster Am anderen Tage folgt dann ebenfalls mit traditionellem Zeremoniell diese Richtung, wenn sie aufgehört haben, sich von der Sonne beeinund festgelegten Frage- und Antwortsäßen die feierliche Einführung flussen zu lassen, und solche Pflanzen können dann irreführen. Man des fremden Bruders. fann sich also hier nur nach der Majorität richten, und Sir Joseph Hooker bemerkte, daß, wenn man durch eine mit Silphium bestandene Präriestrecke mit der Eisenbahn fährt, man an der Blattstellung der Mehrzahl wohl erkennen könne, wenn der Schienenweg seine Rich tung verändert. („ Prometheus“.) Technisches. Der letzte Theil des Aufsatzes handelt von den Verurtheilungen und Strafen. Die Gerichte des Bundes zerfallen in drei Stufen, erstens das Gericht Jesu Chrifti, zweitens das der Gesellschaft und brittens das der Schande oder der Gerechtigkeit. Bei fleineren Vergehen wird der Delinquent blos auf ein oder zwei, ja auf zwölf Monate gestopft", d. h. suspendirt, bei größeren aber hinweg genommen ganz und gar", d. h. mit Schande ausgestoßen. Der Verurtheilte kann aber durch einen Kameraden, der in ein anderes Gefängniß versetzt wird, an ein fremdes Gericht appelliren. ( Frankfurter Zeitung".) Kleines Feuilleton. Eine Probe Schnellfahrt fand vor kurzem auf der Strecke Offenburg- Freiburg- Basel und zurück statt. Der Probezug war zusammengefeht aus einer schweren neuen Schnellzugsmaschine, zwei Pack und fünf Personenwagen; er verließ Offenburg um 11 Uhr 15 Min. vormittags und legte die 63 Kilometer bis Frei burg in 49 Minuten und die 62 Kilometer von Freiburg bis Basel sogar in nur 47 Minuten zurück. Die Rückfahrt, die nm 2 Uhr 48 Min. angetreten wurde, nahm wegen der höheren Lage Freiburgs ce. Schiffsverlufte im Jahre 1896. Die Gesammtzahl der eine Minute mehr in Anspruch, dagegen wurde auf der Strecke verlorenen, verbrannten oder zerschmetterten Schiffe betrug im letzten Freiburg- Offenburg sogar eine Minute gespart, es wurden also Jahre 984 mit einem Tonnengehalt von 708 459 Tonnen. Diese 63 Kilometer in 48 Minuten zurückgelegt. Der Zweck der ProbeBahlen find ungefähr dieselben wie in den vorangegangenen Jahren. Schnellfahrt war der, zu ermitteln, ob es möglich sein würde, Es sind 3,25 pet. aller verladenen Tonnen verloren gegangen. Das die internationalen Verbindungen, insbesondere diejenige von Holland letzte Vierteljahr des Jahres 1896, deffen Wirbelwinde und Stürme und von Köln nach Basel und umgekehrt mit einer effektiven Genoch in aller Erinnerung sein dürften, weist die meisten Schiff schwindigkeit von 80 Kilometern per Stunde über die badischen brüche auf, nämlich 327; während des zweiten Viertel- Linien zu führen, ein Versuch, der vollständig gelungen ist. Nach jahres gingen nur 164 Schiffe verloren. Im allgemeinen stellen fachmännischem Urtheile ist ein so geschwind fahrender Zug durchaus die Segelschiffe 55 bis 60 pCt. des verlorenen Tonnengehalts. teiner größeren Gefahr ausgefeht, als etwa ein gewöhnlicher Per Im letzten Jahre gingen 720 Segelfchiffe mit 353 040 Tonnen verfonenzug mit 40 Kilometern Geschwindigkeit. loren, während die Zahl der verschwundenen Dampfschiffe nur 264 betrug, die jedoch einen Tonnengehalt von 355 419 Tonnen darstellten. Deutschland hat, was den Tonnengehalt betrifft, nur 1,35 pCt. verloren; die französische Marine 1,86 pCt., die russische 2,14 pet.. die englische 2,31 pt., die dänische 2,13 pCt., die spanische 2,63 pCt., die Marine der Vereinigten Staaten 3,10 pet., die schwedische 3,70 pCt., die österreichische 3,44 pCt., die italienische 4,32 pet. und die norwegische 5,96 pŒt. Literarisches. n. Rudolf Mewes: Die Kriegs und Geistes. perioden im Völkerleben und der nächste Welt. frieg." Berlin 1897. May Wieland's Verlag. Der Verfasser macht sich die Sache leicht. Er stellt einfach ganz willkürliche Behauptungen auf und zieht daraus die ihm bequemen Schlußfolgerungen. Auf 28 Kriegsjahre folgen 28 Friedensjahre, so ist es nach seiner Behauptung seit Anbeginn gewesen und so wird es sein, so lange die Erde die Sonne umkreist und die Menschheit auf Erden webt und lebt". Warum? Weil während dieser 28 Jahre gewiffe Wetterperioden wechseln. Die größere oder geringere Sonnen: thätigkeit erzeugt diesen Wetterwechsel und die Sonne beherrscht demnach in ganz gleicher Weise mit nicht minderer Gesetzmäßigkeit die Aeußerungen und Produktionen des Menschengeistes und Willens". Fertig! " Theater. " -In der letzten Generalversammlung der Wiener„ Arbeiterbühne" wurde Engelbert Pernerstorfer zum Obmann gewählt. Es kam zu einer recht deutlichen Aussprache mit den bürgerlichen Elementen, jungen Schriftstellern 2c., die die Arbeitervereinigung als Sprungbrett zu Erreichung ihrer Ziele benutzen wollten. Der Arbeiterdichter" Jenny lief im hellen Zorn aus der Versammlung weg und meldete seinen Austritt an. " " c. e. Der Sohn des Kalifen" von Ludwig Fulda wurde dieser Tage auch in Petersburg aufgeführt. Die dortigen Blätter bezeichneten das Stück als Duzendwaare. Kunft. -Die Kunst- Sallerie des Fürsten Borghese ist von der italienischen Regierung für 3600 000 Franks angekauft worden. Die Summe soll in 50 Jahresraten gezahlt werden. Aus dem Pflanzenleben. Humoristisches. Nassr ed din, der türkische Eulenspiegel, verlor eines Tages seinen Querfach und rief öffentlich aus: ,, Entweder Ihr findet meinen Quersack, oder ich weiß, was ich thun werde." Die Bewohner des Viertels suchten, und als sie den Quersack gefunden, brachten sie ihn, fragten aber dabei aus Neugierde: Ei, Meister, wenn wir diesen Querjack nun nicht gefunden hätten, was würdest Du gethan haben?" Der Meister sagte: " Ja, wenn Ihr ihn nicht gefunden hättet, da habe ich zu Hause einen alten Sack, den hätte ich zusammengeschnürt und einen Quer fack daraus gemacht." Vermischtes vom Tage. Nationalliberale Redekunst. Bei einem Bismarck Kommerse erhob sich einer, that den Mund auf und sprach:" Meine Herren! Fürst Bismarck hat immer so schöne reine Wäsche getragen, das haben die deutschen Frauen gethan. Darum wollen wir die deutschen Frauen hoch leben lassen. Sie leben hoch!" Die große Fischräucherei und Netzmacherei von Bade in Geestemünde ist niedergebrannt. Die Gebäude der Firma bildeten früher das Arsenal für die erste deutsche Flotte. Das Stahlwaaren- Geschäft J. A. Henckels in Solingen wird zwecks Auseinandersetzung der Gesellschafter am 24. April öffentlich meistbietend verkauft. Zwei Luftmorde werden aus Sachsen gemeldet, einer wurde im 3eisigwalde bei Chemniß, der andere in Ostrih bei Zittau verübt. Die Opfer sind zwei Schulmädchen. Bei Roncone( Südtirol) ist eine mächtige Steinlawine niedergegangen. Ein Mann wurde verschüttet und erschlagen. Im Hospiz hoch oben am Scheitel des Grimsel. passes schaltet und waltet ein 75jähriger Knecht. Der Mann wohnt seit 17 Jahren Sommer und Winter auf der Grimsel Ju Marseille ermordete eine junge Frau eine 80jährige Matrone, weil diese ihr ein Darlehen von 150 Mart verweigert hatte.-In einem Dorfe der Dordogne, Graulges( Frant reich), welches 150 Kilometer landeinwärts vom Ozean liegt, soll es in der Nacht vom 3. auf den 4. April Schellfische geregnet haben. Der Sturm hatte sie so weit getragen und des morgens fand man Gärten, Felder und Wiesen damit bedeckt." So wird gemeldet. Werden ausgewachsene Walfischlein gewesen sein. - Chartow( Rußland). Am 11. April entgleiste zwischen den Stationen Listi und Korotojat ein von Woronesch nach Charkow fahrender Eisenbahnzug, wobei drei Wagen die Böschung herabstürzten. Ein Bostschaffner wurde getödtet, zahlreiche Baffagiere wurden unerheblich verlegt. Die Kompaßpflanze( Silphium laciniatum), welche nach der begeisterten Schilderung, Longfellow's in seiner Evangeline den Wanderern in der endlosen Prärie den Weg zeigt, indem fämmtliche Blätter sich in eine von Norden nach Süden weisende Ebene einstellen, hat schon viele Gehilfen bei diesem Wegweiseramt gefunden. Professor Stahl in Jena zeigte, daß unter andern viele unserer europäischen Wild- Lattich( Lactuca-) Arten in diefelbe, den Morgen und Abend Sonnenschein voll auffangende, dem c. e. Entdeckung eines Dorfes. Wie aus Tara Mittagsbrand aber ausweichende Stellung hineinwachfen, und nun( Rußland) geschrieben wird, wurde kürzlich ganz zufällig im Walde berichtet Herr E. J. Hill aus Chitago in einer neuen am Flusse Luja von der Forstwache ein großes Dorf entdeckt, das Nummer von Garden und Foreft. daß auch Silphium vor acht Jahren von Uebersiedlern aus West- Rußland gegründet terebinthinaceum eine ausgezeichnete Kompaßpflanze sei, sofern wurde. Die Behörden haiten bis jeht keine Ahnung von der etwa 75 p& t. der wildwachsenden Pflanzen dieser Art ihre Blätter Existenz dieses Dorses. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin.