Mnlerhaltungsölatt des vorwärts Nr. 75. Donnerstag, den 15. April. 1897. l?!achdruck verboten.) "i Ein nlkev Skveik. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre voil W i l h e l m i n c v. H i l l e r n. Das ist die Eröffnung des Gerichts.— Also doch— Haberer! Der Pfarrer hatte recht, sie treiben— und sie treiben bei ihm! Der Verzweifelte kann nichts mehr thun, als die Hände aufheben.„Gnade!" kommt es fast wimmernd von seinen Lippen. Umsonst.„Mach Tei Habcrfeld leer!* wiederholt der Vermummte, was soviel heißt als:„Leg' Dein Vieh im Stall gut an, daß sich keins losreißt bei dem Lärm. Verschließ Dein Geld. Schau nach Feuer und Licht, damit kein Brand von drimien auskommt. Laß auch draußen kein Stroh herumliegen, noch sonst, was leicht Feuer sängt oder Schaden nimmt— denn wir haben's nicht auf Dein Hab und Gut abgesehen, sondern aus Deine arme Seel'— die wollen wir hetzen, bis sie so sündenmüd' wird, daß sie genug hat!— Hurra— drauf!" Der Bernrtheilte schleppt sich wie in einem bösen Traum an den Tisch und tastet nach den Zündhölzern, um Licht zu machen. Er streicht und streicht und bricht eines nach dem anderen ab, weil er zu stark d'raufdrückt in seiner Angst— der kalte Schweiß steht ihm auf der Stirn— endlich blitzt es auf— da ist das Zimmer leer und der ganze Spuk ver- schwnndeu! Also doch ein Traum! Er träumt letzter Zeit oft so schwer und so lebendig,„'s ist ja auch natürlich, wo heut den ganzen Tag von nix als Habercrn die Red' war!" denkt er und kriecht wieder in sein Bett, denn der Frost und das Granen schüttelt ihn und das Bewußtsein ist getrübt vom Schrecken, er bleibt wie ohnmächtig liegen und traut sich keine Hand mehr unter der Decke herausznthun. Da, da träumt ihm schon wieder, er höre ein Geheul wie von wilden Thieren. Er ist in einem fremden Land auf einem weiten Haberfeld, und Mohren und Neger sind um ihn herum und hetzen die Bestien auf ihn, Schakale, Hyänen, Tiger— und wie er durchlaufen will, da brennt daS ganze Haberfeld lichterloh und die schwarzen Teufel freuen sich und jauchzen.— Er stöhnt laut auf und reibt sich die Augen—„reiß Dich 'raus ans dem größlichen Traum, Du brauchst ja nur zu erwachen, und dann ist's vorbei!" Aber es geht nicht vorbei— er will schreien, aber er bringt nur uuartikulirte Laute heraus wie ein Schlafender.— Und jetzt, jetzt wälzt sich's heran— ein brausendes Meer— Höhen und Tiefen erzittern, die Mecrgeister lachen, die Wogen brüllen— alles, was zwischen Erd' und Himmel ist, schreit— die Fische sogar schreien— sie haben Stimmen bekommen— sonst wär's nicht möglich, alle lebenden Geschöpfe zusammen könnten kein solches Getös hervorbringen. Und zwischen- durch schrillt es wie die Nebelpfeifen der großen Seeschiffe. Dichter Nebel nmgicbt ihn, legt sich um sein armes Gehirn, er hört's wie große Dampfer aneinaiiderfahren, bersten— er hört das Krachen und Prasseln, das Stampfen und.Surren der Räder— doch nein— das sind ja Mühlräder— die tobte Mühle geht wieder! Die ist's, die so rauscht und klappert, und das Rad reißt sich los und dreht sich im Schwung durch die Luft— gerade auf ihn zu.— Er wirst sich zur Erde und versteckt den Kopf in die Arme— aber in seine Ohren donnert es wie Posauneuruf:„Auf, auf zum Gericht!* Jetzt kehrt ihm das Bewußtsein zurück. Wie es vorhin aus Entsetzen betäubt war, so erwacht es jetzt vor Entsetzen. Er liegt am Boden, zwei der schwarzen Teufel, die er vorhin ums brennende Haberfeld tanzen sab, stehen neben ihm und schütteln ihn,— die Lichterlohe, die er sah, ist der Fackelschein von unten, und das Heulen der wilden Bestien, das Wogenbrüllen, das Pfeifen und Stampfen der Maschinen— die Haberer sind's,— das Krachen der berstenden Schiffe sind die Salven ihrer Gewehre,— das fliegende Mühlrad sind ihre Steinwürfe durchs Fenster herein! Jetzt ist alles klar:„Aus zum Gericht!* Die Schwarzen haben es ihm in die Ohren gerufen und unten auf der Straße blasen die Posaunen dazu! Da ist kein Erwachen mehr— der Traum ist Wahrheit— er muß dran glauben— da giebt's kein Entrinnen, keine Selbsttäuschung— nur Wahrheit! »Ja der Kerl nimmer stehen fragt einer „So heben wir'» auf und tragen kann denn der Vermummten. ihn'num!" „Aber Hosen müss'n wir ihm wenigstens anziehen,* sagt der andre.„Halt ihn Du, i hilf ihm!" Unten tobt der Haufe und droht das Haus zu demoliren, wenn der Vernrtheilte nicht bald erscheint. „He, Hochbräu, hast z'viel von Dei'm Bier'trunken? Wach"auf! Wir haben was mit Dir z' reden.— Der Kaiser Karl vom Untersberg ist heut selm komme—- er sagt, er lebt sich z'lang auf dera Hundswelt— er möcht* jetzt amal sterben— da hab'n wir ihm g'rathen, er soll beim Hochbrän einkehren— das ist's beste Mittel geger's Alt- werden!* Der erste Grad der Folter. Widerstandslos läßt sich der erschlaffte Körper nur uoth« dürftig bekleiden, die Männer faffcn ihn unter den Armen und schleppen ihn hinaus auf die Laube!— War das Getös fürchterlich, als die Schaaren sich unten sammelten, so war das aber noch nichts gegen den Sturm, der sich jetzt erhebt als der zitternde Mann, den Oberkörper nur mit dem Hemd bedeckt, barfuß und bloßen Hauptes ans der Gallerte erscheint. Blöden Auges schant der Bedrängte hinunter auf die Schaaren seiner Peiniger. Ein Bild, das allein einen schwachen Sinn verrücken kann. So grausig wie ihr Geschrei sind auch ihre Masken.— Wie die alten Germauen durch ihren Anblick schon Schrecken erregten und den Feind in die Flucht trieben, so hier diese Nachkommen eines trotzig gewaltigen«tammes. Ganze Hirschfellc mit den Geweihen und Ochsenhäute mit den Hörnern über die Köpfe gezogen— oder in lange Mäntel gehüllt, Pferde- und Todteuschädel mit Lichtern drin auf bekleideten Stangen, Riesen, die sich selbst um Manneslänge überragen— alle mit geschwärzten Gesichtern und Händen, Bärten von Moos und Roßhaaren oder gemalten Tenfelsfratzen mit weit ausgerissenen Rachen und holzgeschnitzten vorstehenden Gebissen— der Blick des Unglücklichen, den diese Ungeheuer anfletschen, kann es nicht erlragen. Wohin er schaut— Grausen und Höllenspuk. So stehe» sie im Kreis herum bei dreihundert an der Zahl. Keiner der vielen Knechte Bissinger's rührt sich— oder könnte sich rühren gegen eine solche Ucbcrmacht. Vor dem Haus steht eine Linde. Der Großvater hat sie bei seiner Hochzeit gepflanzt, ohne zu ahnen, daß sie einmal Schild und Schwert des Kaisers Karl tragen werde,— das Wahrzeichen der größten Schande, die einen Bürger oder Bauer hier zu Lande treffen kann. In den Stamm dieses Baumes stößt der Habcrmeister das Richtschwert und hängt den Schild daran aus.„Im Namen des Kaisers eröffne ich das Gericht,* ruft er mit gewaltiger Stimme, als der Nu- geklagte von den Führern an den Rand der Gallerie vor- geschleppt wird.— Das Auflärmen verstummt jetzt und es gehl aus Namcuvcrlesen. Es sind die fiugirten Namen, welche die Haberer zu allen Zeiten den bekanntesten Persönlichkeiten der Geschichte oder ihrer Heimath cutlehnen. Sechs von den Fackelträgern bilden um ihn einen Kreis, und er ruft auf: „Erzherzog Johann, der Reichsvcrweser.* „Hier!* ist die Antwort. „Andreas Hofcr, der Sandwirth von Passeyer.* „ßtcx\M �Dcr Heckcr von Baden.* „Hier!* „Der Abt von Bcncdiktbeuren." „Hier!" „Der Landrichter von Roscnheim." „Hier!* „Der Herder von Krankenheil.* „Hier!* „Unser Musikmeister, der Diemer von Glonn/ '�Der Graf Arco Valley.* „Hier!" „Der Garibaldi.* „Hier!* „Der General von Hartmanu.* * „Der Hermann Schmid." .Hier!- .Der Graf Andechs." »Hier!" »Der Professor Sepp." .Hier!" .Unser Gedichtenfabrikant, Franz von Kobcll." „Hier!" „Der Wolf von der Münchener Zeitung." „Hier!" „Der Ludwig Strub." .Hier!" „Der Prinz Karl von Bayern." „Hier „Der Pettenkoser." „Hier!" „Der Posthalter von Partenkirchen." „Hier!" „Der Regierungspräsident von Oberbayern." „Hier!" .Der Erzgießer Müller." „Hier!" „Der Reichsrath Poschinger.' „Hier!" „Der Maffei." .Hier!" „Der Baron Tandphöns." „Hier!" „Der Graf von Maxlrain—" „-- Hier!" Und so geht es fort eine halbe Stunde lang, bis alle dreihundert Namen verlese» sind, denn bliebe ein einziges „Hier" aus, so wäre das ganze Treiben ungesetzlich. Und kein einziger fehlt. Nur der„Maxlraiuer" hat einen Augen- blick gezögert, und sein„Hier" kam mit erstickter, unsicherer Stimme heraus.— Um so lustiger schallt das„Hier" des schwarzen Gustl, dem sie als Gedichtsfabrikant den Namen Kobells gegeben haben.— Nachdem die Namen verlesen, tritt der Rugmeister in den Kreis und entfaltet eine andere Rolle.-- Er beginnt: „Im Namen Kaiser Karls vom Untersberg müss'n wir heut'S Haber- seid treiben. Wer sich ganz ruhig verhalt', kann in der Näh' bleiben. Wer uns aber der Quer kommt und will uns'» Meister zeig'», Den thun ma mit'in eiserne Fidelbogen heimgeig'n. Drum seid g'scheit, ihr Leut', thuat enk nit einmische». 's ist ganz umasunst— mir lassen uns doch nit derwische». Und daßl's es nur wißt's, mir haben alle scharf g'lad'n— Wann's uns in Ruah laßl's— thuan mir niemand nix schab'»!" Der Habermeister tritt jetzt neben ihn und hebt den Büsch! mit den drei Haberähren auf, streift die Körner ab und streut sie auf den Boden:„'s Haberfeld ist in Ordnung, 's Treiben kann angehen!" Ein Böllerschuß dicht neben dem Haus kracht dem An- geklagten in die Ohren und drei Stöße aus den vom Chor geraubten Posaunen verkünden den Beginn des Treibens. Der Verfehmte erwartet regungslos sein Schicksal. Der Frost schüttelt ihn, seine Glieder sind steif und kalt. Sein Käppchen haben sie ihm zum Spott in die Hand gegeben, aber — wehe ihm— wenn er es aufsetzte! Entblößten Hauptes muß der Sünder das Urtheil vernehmen. Der Rugmeister schaut wieder in die Rolle und liest mit lauter Stimme: „Ter Kaiser Karl vom Untersberg schickt uns zu Dir, Weil er g'hört hat. Du braust so a delikates Bier, Mit dem kunnt' ma Mensche» und Vieh vergisleu, Drum soll'» mir Dir heut a Denkmal stiften. Freilich bekränzt ma Dir's nit mit Rosen, Du halt'st's ja lieber mit die Herbstzeitlosen. Tollkirschen, die machen's Bier schön braun— 'nm solchein Braumeister ist aber»it z' trau'u, Den» der spart all's z'viel am Malz und am Hopfen Und sauft von sein' eigenen Gebräu kein' Tropfen. An dem ist Hopfen und Malz verloren, Den hat sich der Teufel zum Hosbräu erkoren!" Alle Habcrer singen im Chor: „Scham Di doch, schäm Di doch! Pfeifst scho bald auf'm letzten Loch. Laßt Di nit belehren? Willst Di nit bekehren?" Jetzt werden die Instrumente, Fenerhörner und Kuhschellen, Gießkannen, kupferne Kessel, hunderte von Windmühlen, Trommeln, leere Tonnen, in Bewegung gesetzt und Minuten- lang damit aufgelärmt. Alle Hunde von nah und fern brechen in ein Geheul ans, als könnten sie's nicht mehr aushalten— und als habe die furchtbare Dissonanz die Drachen der alten Sagenwelt in ihren Höhleu geweckt, so wälzen sich jetzt schwarze Wolkenbildungen am Horizont daher, und der Sturm fegt sausend über die Dächer, als wolle er das Mißgetön mit seinem gewaltigen Flügelschlag verwehen. Bissinger steht da mit gefalteten Händen, seine dünnen aare flattern im Nachtwind. Seine Knie schlottern, jeder erv in ihm zittert. Himmel und Erde drehen sich um ihn. Raketen und Schwärmer fliegen zischend und prasselnd in feurigen Bogen über ihn weg anfs Dach— oder ihm um den Kops wie glühende Bremsen. Rußiger Qualm entquillt unter dem scharfen Luftzug den Fackeln und ringelt sich wie eine schwarze Riesenschlauge um die Altane, wo Bissinger steht, als wolle sie ihn und das Haus erdrücken. Der Rugmeister liest weiter: „Der Hochbräu ist a Reicher, thnat aber doch no speknliren, Wie er'» Armen sei Sach' no kunnt' aboispntiren. Der Müller vom Windbruch thnat eh' scho lang husten, Den Glatzkopfeten thnal's»ach sei'm Madel no g'lusten— Und der Platz mit der Sagrinne sticht'»! in d' Aug'», Der that gar so guol zu'ra Sagmühl'n taug'n! Z'erst thuat er'n Müller sei G'schäft ruiniren Und nachderhand thuat er ihn z' totschikaniren. So kann er dann leichter dös Haus an sich bringe Und's Dierndl, so moant er, zum Heiratheu zwmge. Pfui Teus'l, wo hat den» der Alte sei G'wiss'n—? Dös hat sich scho lang an ihm d' Zähn' außabisi'n!" Ein wahrhaft teuflisches Gelächter folgt dieser Strophe. Und nun rcpetirt der ganze Chor: „Scham Di doch, schäm Di doch! Pfeifst bald selm ans'», letzte» Loch. Laßt Di nit belehre»? Willst Di nit bekehren? Erneutes G'rewellen.— Immer mehr schwillt der Lärm an, so mißtönend, als wären die Angeln der ganzen Welt rostig geworden und ächzten und kreischten. Der Gefolterte wankt, se-ne zwei Wächter halten ihn auf- recht. Der Rugmeister beginnt wieder: „Der Hochbräu hal'n Buab'n, den haut er glei z'sainm', Wann die zwei miteinander a' Streitigkeit ham. Will der Sohn»it a Ruach sei, wie sei Herr Papa, Na jagt er'n zum Teufel— in'n Tod vielleicht aa—" „Habcrmeister, laßt's gut sein— i kann's nimmer mit an« sehen— schau den Vater an— wie er dasteht!" flüstert Lenz mit bebenden Lippen. Der Rugmeister verstummt— es geht ein Gemurmel durch die Reihen— der Hochbräu ist zusammengebrochen— er liegt leblos ans dem Boden der Altane. Die Männer, die ihn bisher hielten, winkten herunter:„Laßt's gut sein, er kann nimmer!" (Fortsetzung folgt.) Es fiel eitt Schutz in fiillee Nucht. Von W. Korolenko. Es geschah am Sonnabend vor Ostern des Jahres 183". Die Abendschatten hatten sich schon über die schweigende Erde gebreitet, die jetzt tagsüber von der erwachenden Frühlingssonne erwärmt, trotz des leichte» Nachtfrostes, mit dem der scheidende Winter sie umfing, sich des herannahenden Lenzes bewußt zn werden und leicht und erfrischt auszuathmen schien. Gleich Weihrauchs- wölken sandte sie leichte Nebel zum Himmel empor, die, des an- brechenden Festtages harrend, am flimmernden Licht der Sterne mattsilberu erglänzten. Tiefe Stille herrschte ringsumher. Tie kleine Gouvernementsstadt N. lag in lieser Ruhe versunken, von feuchtkalten Nebeldünsten beschattet, und harrte schweigend des Augenblickes, da von der Höhe des Glockenthurmes herab der erste Schlag ertönen würde. Doch nicht die Versunkenheit des Schlafes war es— beim in den dunklen Schalten der menschen- leere», geräuschlosen Straßen konnte man eine erwartungsvolle Spannung bemerken. Von Zeit zu Zeit huschte ein verspäteter Arbeiter vorüber, den das nahende Fest bei seiner Arbeit überrascht hatte, zuweilen fuhr ei» Wage» mit geräuschvollem Rasseln vorbei, dann herrschte wieder lautlose Stille. Das ganze Leben hatte sich von de» Straßen in die stillen Räume der stolzen Paläste oder der armen Hütten zurückgezogen. Ueber die ganze Erde zog ein Hauch der Verjüngung und des Erwachens. Der Mond war»och mcht emporgestiegen, und die Stadt barg sich im Schatten des nahe gelegenen Berges, auf dem sich ein düsterer, unfreundlicher Bau thürmlr Von dein hellen Hintergründe des Hinnnels hoben sich die dunklen Mauern in unheimlichen Linien ab, das alterthümliche Thor war unsichtbar, und die vier Eckthürme bohrten sich gespensterhast in die Wolken. Da erscholl von der Thurmhöhe des Domes herab der erste Glockenklang und ergoß sich durch die tiefe Stille der Nacht; darauf folgte ein zweiter, ein dritter, und bald aiitworteten von allen anderen Thürmen die Glocken mit eherner Zunge, und die Töne vereinten sich zu einem harmonischen Spiel; melodisch verschmolzen sie zu feierlichen ZIkkordc», und indem sie immer mächtiger an- schwollen, schwangen sie sich zum Himmelsgewölbe empor. Auch ans dem finsteren Bau am Gipfel des Berges kam ein schwacher ge- brochener Ton, der es versuchte, seinen mächtigeren Brüdern gleich sich in die Höhe zu erhebe» und mit anzustiinme» das Lied der Freude und der Gnadenverheißung der Mensche»; doch vergeblich — matt und zitternd sank er zur Erde nieder und verhallte leise im Luftmeere. Das Spiel der Glocken verstummte. Längst schon waren die Töne aus der Höhe verklungen, aber in der Luft hallte eS noch leise nach, wie das Tönen einer verborgene», unsichtbaren Saite. Nirgends war ein Licht zu sehen, nur in den Fenstern der Kirche leuchtete es hell. Mit einem heiseren Knarren thaten sich die düsteren Pforten des alten Baues auf. Eine Abtheilung Soldale» schritt unter Waffen- geklirr heraus, um sich aus die einzelnen Posten zu begeben. Aus ihren Reihen trat ein Mann gemessenen Schrittes hervor, und die Schaar schritt, von der Dunkelheit umgebe», weiter, umkreiste die Mauer und verschivaud in der Ferne. Der frühere Wachthabende war in Reih und Glied getreten. An der Westfront angelangt, trat ein junger Rekrut vor, um die Wache abzulösen. Die ungelenken Bewegungen des Soldaten verrielhen seine bäuerliche Herkunst und sein junges Gesicht hatte den befangenen Ausdruck des Neulings, der zum ersten Mal eine Vera»t>vorllichkeil auf seine Schultern nimmt. Das Gesicht der Mauer zugewendet, schulterte er das Gewehr, dann trat er zivei Schritte vor, machte Halbkehrt und trat an die Seile des auf der Wache Siehenden. Dieser verlas mit mechanischer Stimme, den Kopf leicht zur Seite gewendet, die gewöhnlichen Anordnungen.„Den Posten abschreite»!— Aufpassen!— Nicht ciuschlasen!— Kern Auge zudrücken!"— rief er schnell, während der Rekrut gespannt horchte, und seine Augen tiestranrig dreinblickten.„Hast Du verstanden?" fragte der Gefreite.„Zu Be- sehl!"„Also aufgepaßt!" rief er im strenge» Tone, dann setzte er gemüthlich hinzu:„Du hast wohl keine Furcht vor Gespenstern?" „Nein," erwiderte der junge Rekrut,„aber es ist mir so eigenthümlich zu Muthe." Ei» leises Lachen wurde darauf aus den Reihen der Kameraden hörbar.„Da ist das Muttersöhnchen!" murmelte der Alle verächtlich und kommandirte:„Gewehr aus! Rechtsum! Marsch!" Die Kolonne setzte sich in Bewegung, ver- schwand hinter der Ecke, und bald waren auch ihre Schritte verhallt. Ter Rekrut rückte sein Gewehr auf der Schulter zurecht und trat langsam seinen Gang an. Beim letzten Glockenschlag halte sich im Jmier» des Gefängnisses ein sonderbares, ungewohntes Leben geregt. Gleich als iväre wirklich die Freiheit auf die Erde niedergestiege», thaten sich die Thüren der Zelle» auf, und ihre Inwohner in den langen, graue» Kitteln mit dem bedeutsamen Zeichen aus dem Rücke», traten hervor, ordnete» sich in Paare und durchschritten den lange» Korridor, um in die hellbeleuchteie Kirche zu treten; sie kamen von rechts und von links, von allen Seiten, und zugleich mit dem ein- förmigen Geräusch ihrer Schritte vernimmt man das Klirren der Waffen und Rassel» der Kelten. Dieser Strom blasser Menschen ergoß sich beim Eintritt in die Kirche i» die vergitterten Plätze. Auch au den Kirchenfensteru waren eiserne Gitter. Jetzt war das Gefängniß leer. Nur in den Eckthürmen, wo sich die Einzelzelle» befanden, schritten deren Bewohner finster und ver- drossen auf und nieder, blieben von Zeit zu Zeit an den Thüren stehen, bückten sich, um mit gierigem Ohre einzelne Klänge des herübertönende» Gesanges zu schlürfen. In einer der Zelle» lag ein Kranker und wälzte sich auf seinem harten Lager. I» dem Augenblicke, als die Stvästinge in die Kirche geführt wurden, meldete man dem Aufseher das Erkranken des Arrestanten. Er trat zu ihm heran, bückte sich über ihn und blickte ihm in die von Fieber glänzenden Augen, die starr in die Ferne ge- richtet zu sein schienen. „Iwanow, he. Iwanow!" rief der Aufseher; Iwanow aber blieb regungslos und brachte nur unverständliche Laute hervor. Seine Stimme klang hart, und die gluthverbrannte» Lippen öffneten sich nur mühsam.„Man bringe ihn morgen ins Spital!" ordnete der Aufseher n» und verlieb die dumpfe Zelle, an deren Thür ein Wächter zurückblieb. Dieser blickte den Kranken aufmerksam au und sprach kopfschüttelnd:„Ach, Du Vagabund, bist wohl genug in Deinem Lebe» umhergestrichcn!" In der Ueberzeugung, daß es hier nichts zu hüten gebe, ging er an die geschlossene Kirchthür, uin dem Gottesdienst wenigstens von außen beizuwohnen, neigte sich von Zeit zu Zeit zur Erde und küßte sie. In der stillen, leeren Zelle wurden mir ab und zu die gedämpften Fieber- Phantasien des Kranke» vernehmbar. Er ivar ein noch ziemlich junger, kräftiger, stark ge- bauter Man». In seinem Juneru lebte er seine Vergangenheit noch einmal durch, und sein Gesicht spiegelte die inneren Qualen ivieder, die er durchmachte. Das Schicksal hatte ihn wie einen Wurfball«mhergeschleudert. Taufende von Werst, über liefe Thäler und hohe Berge ivar er gewandert, lausende von Gefahren hatte er aus» gestanden. Hitze und Kälte, Hunger und Durst ge- litten, nur gelrieben vom Heimweh, von dem verzehreudcn Sehnen, sein heimathliches Tors ivieder zu sehe»; im Leiden von der unauslöschliche» Hoffnung genährt, einen Monat, eine Woche. ja nur einen Tag mit den Seinen zu verleben, zu Hanfe zu sein, sich heimisch zu fühlen unter seinen Angehörige»-- mochte dann kommen, was rvollte, wenn es auch gälte, den Ivetten Weg zu den Bergwerken Sibiriens noch einmal zurückzulegen. Kauni hundert Werst von dem Ziele seiner heißesten Wünsche und Hoffnungen ent- fernt, war er festgenommen rind in diesen Kerker geworfen worden. Da plötzlich veränderten sich die verzerrte» Züge des Kranken, seine Brust hob und seukle sich, frohe Gedanken, angenehme Bilder durchzogen sei» Hirn.(Schluß folgt.) Vleines Isrnnllekon. w. Byzantinisches. In einem Lobgesang auf den oströmischer, Kaiser Andronikos Paläologos aus dem Anfang des 14. Jahr- Hunderts heißt es: Nichts ist Dir zu vergleichen, Herr, die Rede muß verstumme», Unzählbar wie die Sterne sind all Deine Herrlichkeiten; Ganz bist Du Licht, in Fleisch gehüllt, ganz bist Du Glanz und Wonne, Ganz königlicher Herrschergeist und aller Einsicht Sonne, Ein Wunder und Entzücken und Entsetzen unter Menschen, In allem neu erscheinest Du, in allem überschwänglich, Schön über menschliches Geschlecht, über Vernunft vernünftig? Ja, käm' ei» Engel heut herab und wollt er uns sich zeigen, Wie wär er anders anzuseh'n, als Du, mein Herr und Kaiser? Wer wissen will, wie Adam ausgesehen vor dem Falle, Ter hebe nur die Auge» aus zu Dir, mein Herr und Kaiser! — Tie Häufigkeit der Nebel i» der Schrveiz hat G. Streun nach Miltheilungen in den Genfer Archives des Sciences Physigues et Naturelles aus der Gesammtheit der hierüber vorliegenden, freilich oft ungenauen Beobachtungen zusammengestellt und daraus gleich- wohl einige allgemeine Gesichtspunkte gewonnen. So zeigte sich eine bestimmte jährliche Periode. Während die nordwestliche Abdachung des Jura und die Umgebung von Schaffhausen vorzugsweise Herbst- »ebel haben, ist die»ordschweizerische Ebene durch ihre Winternebel charakterisirt, welche mich den tiefen Alpenthäler» eigenthümlich sind; die höheren Thäler hingegen haben Frühjahrs- und Herbst- »ebel, die Gebirgsgipfel Soumreniebel. Ueber die geographische Ver- breitung ergab eine kartographische Darstellung, daß die Schweizer Ebene zwischen Bern und Schaffhansen das Maximum(mehr als 75 Nebeltage) besitzt, ebenso die Gegend westlich vom Becken des Genfer Sees; der Nordwest-Abhang des Jura hat weniger als 75 Nebeltage, cbenso die Alpenthäler; die Alpen im Süden der Zentralkette mit Einschluß der Längenthäler haben sogar weniger als 25 Tage mit Nebel.— Literarisches. b. Adolf Schasbeitlin.„Die Titanen." Eine Phantasie. Berlin 18S6. Rosenbaum u. Hart.— Man lasse sich durch den Titel ja nicht beirren. Der Autor giebt nicht das, was er in ihm verspricht.„Worte! Worte! Worte!" Die Verse sind ohne jedes rhytmische oder musikalische Gefühl; die Gedanke» wirr und chaotisch. Möglich, daß wir durch Goethe und Aeschylos ver- wöhnl sind und infolge dessen Herrn Schasheitlin nicht zu würdigen wissen. Das konnten wir aber mit Sicherheit feststellen, daß im „gefesselten Prometheus" des Aeschylos keine Phrasen vorkommen, wie in den„Titanen" des Herrn Schaftheitli», und in den „Titanen" keine Herzenstöne, lein urgewaltiger Schmerzensschrei, wie in der herrliche», hellenischen Tragödie. Soviel wir uns er- inner», hat auch Aeschylos seinerzeit keine Vorbemerkung zu seinem Trauerspiel geschrieben, in der er sich ob der Verständnißlosigkeit der Kritik beklagt.— Kitiisthandtvcrk. — Ein damaszenischer Moschee-Leuchtcr aus dem vierzehnten Jahrhundert wird demnächst in Wie» zur Versteigerung gelange». Der Leuchter, der eine Stistung des damaszenischen Emirs und Staatsrathes Seif cd- diu Toka Timur zwischen 1345—1348 ist, hat eine dreitheilige Form. Der unterste Theil oder Sockel ist im Durchmesser glockenartig, 340 Millimeter, an der Basis bis zu 245 Millimeter seiner obere», durch ein Doppelfries bekränzten Fläche. Die Höhe ergiebt 220 Millimeter. Der zweite Theil oder Hals, welcher i» einer 20 Millimeter hohen Auf- treibung des gegen die Mitte zu abfallenden Glockeudaches eingelassen ist, hat eine Höhe von 98 Millimetern, bei einem mittlere» Durch- meffer von 62 Millimetern. Der dritte Theil endlich, oder der zur Aufnahme einer Wachskerze bestimmte Knopf, mißt in der Höhe 60 Millimeter und an der Oeffnnug im Durchmesser 83 Milli- meter. Das Ganze aus getriebenem, etiva 4 Millimeter starkem Messing, ist vollständig bedeckt mit einer herrlichen Blumen- und Vogelornamentik, mit Arabesken, Inschriften und Wappenfigure» von aufgelegten und cingehämmertcn gravirten Silber- und Kupfer- plältche». Die durch herausgetriebene verzierte Gesiuise bekränzte Mittelflächc des Sockels wird in vier Felder xetheilt: zwei davon sind diuck, eine blnmengefiillte Kreisrmidnng für sich abgeschlossen und enthalten je ein ausgelegtes Wappen- bild— ei» sogenanntes norniannisches Schild ans rothein Felde— aus Knpserplattchen, einen heraldisch geftellten, einfachen ftlbernen Adler init eiiiei» herabhängenden runden Brustschildchen, rechts hin, über einem silbernen Kelch schivebend, dessen Muiidöffiinng von dem Schiveis des Vogels bedeckt wird; die beiden anderen aber werden durch eine in zierlichein Laubwerk aufgerollte Inschrift beherrscht. Diese weist in das 14. Jahrhimdert und ist in prächtigein ver- schlnngenei» Tiiimlr- Zug ausgeführt und heißt:„Die hohe Exzellenz, Client des Herrn des tSroß-Emirs Seifed-diu, Vertrauter des Ustad-ed-dar(Majordonius) des Hochedlen, Toka Tinuir, Staatsrath, dessen Sieg verherrlicht werde." Die gegen de» Hals zu abfallende Flache des Glockendaches enthält in z»vei, durch blumengefüllte Kreise ab- geschlossenen Hälften die obige Zuschrift mit geringen Abiveichnngen. Ter Hals des Leuchters zeigt zwischen zwei einfach ornainentirten Bändern ein drittes eingesügt, ivelches durch vier Medaillons aus- gesüllt ist. Diese letzteren wechseln in der Art ab, daß auf je eines mit dein schon erwähnten Wappen ein anderes mir der Tarlsche, die überdies noch von ab- und znfliegenden Vögeln nnigeben erscheint, folgt. Arn Kopf deS Leuchters endlich, zwischen zwei Ge- finisen, iviederholt sich ans einem durch zwei Tartsche» getheilten Bande die in ihren Titeln abgekürzte Inschrift des Sockels.— Ans der Thierwelt. — Ein riesiger Kopffüßler(Tintenfisch). Ain ö. Dezember 1896, so wird der„Köln. Ztg." ans New-Dork ge- schriebe», wurde ein riesengroßer Tintenfisch südlich von St. Augiistme auf die floridanische Küste geworfen. Der erste Bericht über das Monstriu» erschien im„New-Jork Herald" am 3. Januar, zwei Wochen später begannen Dr. de Witt Webb lind Prof. A. E. Vcrrill von der Universität zu Hall den gewaltigen, zum großen Theile mit Sand überdeckten Kadaver bloßzulegen, wobei sich heransslellle, daß derselbe nicht, wie man befürchtet Halle, dem Venvesniigsprozeß anHeim gefallen war. sondern vielmehr einen Austrockunngsprozeß durchgemacht hatte. Nach der Enlsermmg des Sandes ergab sich, daß der Kopf des Thieres und der vordere Theil des Körpers leider arg zerstört waren, dagegen war der Hintere Theil des Körpers von der Mitte desselben ab unversehrt. Er zeigte eine birnenförmige Gestalt ohne jedes Anhängsel und besaß eine fast glatte Bedeckung. Messungen ergaben eine Länge von 7, eine Breite von 21/3 und eine Dicke von Vja m. Das Gewicht dieser Körpermasse wirb auf mindestens zehn Tonnen veranschlagt. ZwölfMmiu vermochten dieselbe nicht zu bewege» und erst nachdem mau sechs Pferde zu Hilfe genommen, gelang es, den Kadaver ans einen höher gelegeneu Tbcil des Strandes und aus eine hölzerne Unterlage zu bringen, wo Photographien angefertigt wurden und der weitere Austrockunngsprozeß durch Aiiwendnng von Konserviruiigsmilteln unterstützt werde» soll. Da alle Fangarme des Thieres fehlten, so ist man bezüglich ihrer Länge nur auf Much- maßungen angewiesen. Da die acht Anne aber iuuuer i» einem ge- wissen Berhältniß zum Körper stehen, so nimmt man an, daß sie wenigstens 30 Bieter lang gewesen sein müssen und daß das ganze Thier bei Lebzeiten ein Gewicht von lS— 20 Tonnen besessen habe. Das Fehleu der Arme wird einem Kamps mit einem der in den Gewässern des Golfstroms nicht seltenen Sperimvalfiiche zugeschrieben, in deren Magen sehr oft gewallige Mengen verschluckter Tintenfische vorgefunden wurden. Alle mittelauicrikanischen Gewässer sind reich an Kopffüßlern, von denen viele eine sehr ansehnliche Größe erlangeu.— Geographisches. — U e b e r die russischen P e l z r o b k> e n- I n s e l n i in B« r i n g s m e e r schreibt der„Globus":„Bis zum Jahre 1867 gehörte» alle nördlich von Kalifornien belegene» Sammelplätze der Pclzrobbeu zum russische» ßieiche. Es waren dies nndewohnle Insel», die von russischen Pelzjägern in der Mitte und gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts entdeckt wurden. Es gehörten dazu die Koinmandanteii-Jnsel», einige kleine Inseln im Ocbolskischen Meere, einige kleine Insel» der Knrillenketle und die Pribylow- Insel». Gtgenwärlig gehören nur die jkoinmandautcn-Jnsel» und die Inseln in: Ochotskischen Meer der russischen Krone. Die erster«» wnrden vo» L. Stejneger, vom U. S. Nationaluinseum, in den Jahren 1882/83 und läflö besucht. Die©nippe besteht ans den zwei Hauptinseln Bering und Copper, die östlich von Kamtschatka zwischen 34« 33' und 55° 22' nördlicher Breite und 16ö0 40' und 166° 9' östlicher Länge annähernd 97 Meilen vom Kap Kamtschatka liegen. Sie wnrden am 4. November l74l(alten Stils) vom Admiral Vetns Bering entdeckt. Das Klima ist nicht besonders streng, aber die anßerordentliche Feuchtigkeit und die niedrige Sommrrtemperatur machen es nnangenehm, wenn nicht geradezu nngesnnd. Ii. Nikolski ous der Beringsinsel betrug das Maximum in vier Jahren■+ 17,22° C, während das Minimum selten unter — 17° C fiel. Die Flora der Insel ähncll derjenigen der baumlosen Gegenden deS nördlichen Enropa's. auch mit der Flora von Kamtschatka und der. cuideren Aleutischen Inseln finden sich nahe Beziehungen. Bäume sind gar nicht vorhanden. Die Fauna ist eine paläarklische. 1895 wohnte eine gemischte Bevölkerung vo» 670 Seelen, beiden Geschlechtern anoehörig, auf den Inseln. Di« nordwestlichste Insel und Gruppe, Beriuginsel, ist gegen 30 Kilo- meler lang und durchschnittlich 16 Kilometer breit. Die südlichen zwei Drittel der Insel sind gebirgig und zeigen Piks, die bis gegen 700 Meter ansteigen. Den höchsten nnv auffallendsten derselben nannte Stejneger Mount Steller. Das nördliche Drittel der Insel bietet«inen ganz anderen Anblick. Es erhebt sich nicht über 180 Meter und steigt von der See in Form von Terrassen auf. die große Plateaus mit etwas wellcnsörnnger Oberfläche oder eine Art Tafelberge bilden. die in zwei Gruppen zerfalle». Eine Anzahl Seen cxistiren auf der Insel, von denen der Saran»a-S«e 20 englische Quadratmeilen groß ist.— Copper-Jnsel liegt zwischen 54° S3' 30" bis 54° 33' 30" nördl. Br. und 167° 23' 30" bis 168° 9' östl. Länge. Sie ist gegen 50 Kilometer lang und im Durchschnitt nur 3 Kilometer breck. Sie ist von der Bebring-Jnsel 50 Kilometer entfernt. Ein Gebirgszug niit Piks von 300—600 Meter durchzieht die Insel der Länge nach. Im Ochotskischen Meere sind Robben-Jnsel, St. Jona-Jnsel und Shantar die für Pelzrobben tn belrachl kommenden Gebiete."— Naturwiffeuslhaftlirhes. — Denis Lance theilte, wie der„Vossischen Zeitung" be- richtet wird, der Pariser Akademie der Wissenschaften mit, daß es ihm gelungen sei, den Stickstoff der Luft in Ammonium- c y a n ü r überzuführen, das der Bildung höherer Stickstoff- Verbindungen zur Grundlage dienen kann. Die»nniiltelbare Fixirung des Stickstoffs der Luft in einer Form, die den Pflanzen seine Aufnahme ermöglicht, würde jeden Slickstoffdiiuger überflüssig machen und eine Umwälzung im Ackerbau herbeiführen.— Humoristisches. — Der Erfolg des ersten Erfolges. Emerich R» b e r l, der bekannte Schauspieler des Wiener Hofbnrg-Thealers, betrat vor 32 Jahre» in Zürich zum erste» Mab die Bühne. Er hatte sich i» einer Studentenherberge Kost und Wohnung genommen, und zwar„inkognito", indem er sich seinem Hauswirth gegenüber als Techniker ausgab. Nach dem durchschlagenden Erfolg seines Auftretens in„Wilbelni Teil" wollte er das Jnkognilo abstreifen. „Aber"— so erzählt Nobert selbst—„wie ich zum Reden ansetzte, erhebt sich auch der Hauswirth, lntt ans mich zu imd richtet an mich das Wort:„Herr Robert! Ich war heute im Theater!"— „Ah, Sie haben mich gesehen? Nun??"—„Run, ich gehe alle Jahre nur ein einziges Mal ins Theater und zwar wenn„Wilhelm TcU" gegeben wird, weil das ein patriotisches Stück ist. ES war jedesmal ein schöner Abend für mich, der heutige Abnid wird mir aber unvergeßlich sein!"— Stolze Ahnung durchzog mein Herz. welchen mächtigen Eindruck niochre ich aus de» Alle» gemacht habe»! Er fuhr fort:„Unvergeßlich, daß ich mit siebzig Jahren es erleben muß, einen Schauspieler bei mir im Logis z» haben? Mein Haus ist»ur sür solide Leute, suchen Sie sich daher«ine andere Wohnung!"— Vermischtes vom Tage. — Was so ein bischen Feiuschuiecker sein will, möchte»m den l. April herum K i eb i tz e i e r essen. Kauft sie auch und ißt sie, wenn sie ihm auch nicht recht schmecke». Denkt und prahlt auch, er halte Kiebictzeier gegessen. Täuscht sich aber. Zwei Drittel vou allen„Kiebitzeiern" stamme» vou jungen oder alte» Krähenmütter», — Ja! Wenn der Mensch Geld hat, wird er g'scheidt.— — Bei einer Kahnfahrt sind in Halle zwei Brauer ertrunken.— — In W eg sch e i d(Bayer») hat Einer seinem Nachbar» beim Nansen die Gurgel durchgubchn:, so daß der Tod ans der Stelle eintrat.— — Im S a r k atb al. A'.eo. Riva und Umgegend in Süd- tirol tritt seit einigen Tagen massenhaft eine braune Raupe ans. die die junge» Triebe der lltebe» abfrißt. Bis jetzt ist ei» starkes Drittel der erhofften Ernte vernichtet.— — In der Kunslgewcrbeschnle in Chalons(Frankreich) ist eine Empörung ausgebrochen. Die Schüler der dritten Abtheilung fanden die Disziplin zu sireng und weigerte» sich, am Unterricht theilzunehuien, mißhandelten die Schulbeamten und warft» die Fenster ein.— — Iii S t. A m a n d» F a l 1 e» d e bei Clermout-Ferrand (Frankreich) fand in ein« Papierfabrik eine Explosion stall. Drei Arbeiter wurde» gclödtet, zehn schwer verwundet.— — Auf der Insel Sardinien hat der Sturm einen Personenzug nmgeivorfe». Von» Zugpersonal wurden zwei, vou den Passagieren fünf verwundet.— — Der Stadtrath von West B r o nnv i ch(England) hat seinem langjährigen Kirchhofansseher aus besonderer Dankbarreit ein Grab geschenkt.— o. e. I« einer amerikanische» Zeitung schildert ein Mägdlein den Auserwählten ihres Herzens, wie folgt:„Er trinkt niemals Spirilnose». Er raucht»»cht, aber er ist jederzeit bereit. mich in ein Konzerl zu begleiten. Sei» Haar trägt er lang und seine Beinkleider kurz, und wenn ich sage„komm!", dann konunt er auch."— Heißt wahrscheinlich„Schäfken". dieser„Auserrvählte"!— BeraniworUlcher stiedaktenr: Robert Schmidt i» Berlm. Druck und«erlag von Max«aditeg in Berlin.