Älntcrhaltungsblatt des Jorwürls Nr. 79. Donnerstag, den 22. April. 1897. < Nachdruck verboten.) i5] Ein nlkev Skveik. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von Wilhelmine v. Hillern. „Ja, Traudl/ ruft Sebald,„mit willst? Hast denn's Haus abgeschlossen?" Daß ihr Häuschen offen stehen geblieben, ist ihr gleich- gültig— sie hat wenig oder nichts mehr darin zu verlieren, und hätte sie's auch, was wäre es gegen das, was sie an dem Bruder verliert!—„D;, laßt mich nur mit bis ins Dorf!" fleht sie und legt den Arm des Bruders zärtlich in den ihren, um ihn zu stützen. Sie trägt noch das „Darlehen" von den Haberern bei sich, das ihr Sebald eingehändigt. Im Dorf will sie einen Wagen anspannen lassen, damit der schwächliche Mensch bis zum Gefängniß in Tölz fahren kann. Das übrige läßt sie dann dem Bruder. Er muß doch ein bißl Geld haben—„da drin"! „A Prachtmadl!" murmeln die Gendarmen.„Wer au so was derwischet, der kunnt sich gratuliren. Aber an unser- eins kommt so ebbas nit!"— Indessen ist Lenz nach Haus gekommen. Es ist ihm gelungen, sich durch die Büsche zu schlagen und in den Hof zu stehlen, ohne daß ihn jemand sah. Die Hunde, die ihren jungen Herrn kannten, haben auch nicht angeschlagen. Und v oni Dach eines niederen Anbaues war es ihm ein Leichtes, in sein Zimmer zu gelangen, wo das Fenster noch offen stand. Schnell hat er sich umgekleidet. Seine Schuld ist abgestreift mit den Gewändern und abgewaschen mit dem Wasser des Wildbachs— nun kann er die Verirrung sühnen.— Und der arme Baldl! Dem wird er's reichlich vergelten und der Wiltrand auch.— Der Fall ist ja so einfach und leicht gut zu machen— zum Glück!— Als er fertig ist, tritt er leise beim Vater ein. Der Alte liegt ganz in die Kissen vergraben und lallt und stöhnt unaufhörlich. Am Bett sitzt eine Magd und schnarcht, den Kopf aus den Bettrand gelegt.— Ein qualmendes Talglicht steht ungeputzt mit einem zolllangen verkohlten Docht im eisernen Leuchter und tropft Fluthen von übelriechendem, ge- schmolzenem Unschlitt auf den Tisch. Das trostlose Bild des Krankenzimmers eines ungeliebten Menschen. Niemand hat sich die Mühe genommen, den Bewußtlosen auszuziehen, man hat ihn gleich so ins Bett gelegt und er wälzt sich unbehaglich, halb an- gekleidet, unter der schweren Federdecke herum.— Ekler Dunst von Fett und heißem Eisen betäubt seine verwirrten Sinne noch mehr und engt die müsam athmende Brust ein. Lenz putzt zuerst das Licht und schiebt es höher im Leuchter hinauf. Dann öffnet er das Fenster einen Augenblick, um frische Luft herein- zulasse», aber häßlicher Brandgeruch zieht vom Pfarrhof herüber und zwingt ihn, wieder zu schließen. Die Athcmzüge des Vaters fangen an, immer unruhiger zu werden. Lenz schleicht sich sachte heran.— Der Kranke erschrickt:„W— wer ist da?" schreit er zitternd und hebt bittend die Hände auf. Die ganze namenlose Angst, die er ausgestanden, liegt in dieser flehenden Gebärde, und es ergreift den Sohn mit solch unaussprechlichem Mitleid, daß er mit beiden Armen den hilflosen Körper umschlingt und ihn fest an seine Brust drückt.„Nein, Vater, nein—'s thut Dir niemand was—'s darf Dir nieniand nix mehr thun!" Der Vater erkennt die Stimme nicht, er versteht auch die Worte nicht— er fühlt nur, daß es jemand ist, der's gut meint, und klammert sich Schutz suchend an ihn fest. „Vater, Hab' doch kei Angst mehr— jetzt bin ja i da, der Lenz, und laß Dir nix g'schehen!" „Wer?" lallt der Kranke und starrt ihn mit leerem, glasigem Blick an. Dem Lenz ist es, als bohre sich ihm ein Stachel in Herz und Hirn, der immerfort die Worte eingräbt:„Das hast Du gethan!" „Der Lenz— Vater, kennst denn Dein' Lenz nimmer?" Der Alte richtet sich mit dem Oberkörper auf, um das Ohr des andern zu erreichen, dann flüstert er ihm wie eine wichtige Neuigkeit, heiser, lallelnd zu:„Der Lenz— ja, der ist unters Mühlrad kommen. Hh— huhuh!' fängt er nun an zu schlnchzen und wirft sich in die Kissen zurück. Dem Sohn schwindelt es. Jetzt erst blickt er in die Tiefe des Elends, in das er den Vater gestürzt.—„Vate� Vater— wach aus!— Dein Sohn— Du mußt Dich b'sinne, Vater, werd mir nitt irr— Gott im Himmel, raff Deine Gedanken z'samm!— 5komm, es geht schon! Schau mich an, Vater! I bin ja nit unters Rad komme.— I bin ja bei Dir und will Dich pflegen und will's gut machen— alles, alles!" Er sinkt vor dem Bett auf die Knie umd küßt die kalten, gedunsenen Hände, die unruhig auf der Decke spielen. Der Kranke lallt mit erstickter Stimme unverständ- liches Zeug in die Kissen. „Gott, Gott— Vater— lieber— komm doch zum Ver- stand— nur noch'n Augenblick, nur so lang, daß d' mir noch verzeihen kannst—?" Er sieht die bläulichen Säcke unter den Augen des Kranken und den blöden Ausdruck in dem verängstigten Gesicht, und die Thränen rinnen ihm unaufhaltsam auf das Haupt des Vaters nieder. Der wischt die brennenden Tropfen weg, als wären's Fliegen, ohne zu ahnen, aus welch tiefem Born der Reue sie kommen. Der Alte ist zu weit vorgcrutscht und hängt mit dem Kops zum Bett heraus. Lenz hebt ihn behutsam auf und schiebt ihn besser hinein, dabei entdeckt er, wie schlecht und unsorgsam man ihn gebettet. Er rüttelt die schlafende Magd auf.„Jetzt Hab' i's g'nug mit dem G'schnarch! Mach, daß d''naus kommst, faule Dirn, g'wissenlose!" „No, ivas ist denn?" begehrt die Magd auf. „Was ist? Nit amal auszogen und ordentlich ins Bett g'legt habt's den armen Mann. Schau her, wie ihn der Bund einschneide und zwängt, daß er nit schnauf'n kann— und's Bett habt's ihm auch nit aufg'schüttelt, ös G'sindel, ös faul's!" „O Jesus, jetzt wird ma noch ausg'schimpft weg'n dem?" „Wegen dem?" schreit Lenz wüthend?'s ist mei Vater, daß d's weißt." Und mit festem Griff packt er die Dirn und treibt sie zur Thür hinaus. „O, o, d' Haberer!" wimmert der Kranke nnd verkriecht sich unter die Decke. Mit der Zartheit eineS Krankenwärters entledigt Lenz nun den fröstelnden Alten seiner von der Nachtluft feuchtkalten Hüllen und richtet ihm ein erträgliches Lager her. Dann zündet er daS ausgegangene Feuer im Ofen wieder an und wärmt ihm Decken, in die er ihn einwickelt. „Z'erst muß i den Kalt aus ihm'nausbringe!" murmelt er vor sich hin und reicht ihm etwas Branntwein, der auf dem Ofensims steht. Der Alte kann es vor Frieren fast nicht trinken, die Zähne klappern am Glas und er verschüttet alles. Lenz hat sich aufS Bett gesetzt und hält seinen Vater im Arm. ihm sorgfältig die Flüssigkeit einflößend, wie einem Kind. Das Licht hat er neben sich hingestellt, um besser sehen zu können. Der starke Branntwein thut sichtlich gut, und in den Armen des Sphncs, eingehüllt in die heißen Decken, beginnt der Un- glückliche allmälig zu erwarmen. Die kurzen Athemzüge iverden regelmäßiger und länger. Eine unverkennbare Br- rnhigung kommt über ihn.„Er spürt halt doch, daß i's bin!" denkt Lenz und wagt sich nicht zu rühren, uni das Behagen des Kranken nicht zu stören. Im Ofen kracht das Fichtenholz, der schwache Mann erschrickt und schaut aus.„Ja, D u bist da?" sagt er plötzlich, wie erwachend, und in die glasigen Augen kommt ein Schimmer von Bewußtsein. Er betastet mit den unsicheren Händen Lenzen's Gewänder, ob es etwas Wirk« liches sei.„Ja, bist Du denn nit todt!" „Nein, Vater! I bin nit todt— i bin nur a recht a böser Bua, den D' amal g'hörig beuteln sollst, wann D' wieder g'sund bist." Eine Weile ist alles still, als müsse der Alte es erst ver« arbeiten. Lenz fängt schon an zu fürchten, das Bewußtsein sei wieder erloschen. Da holt der Verstummte plötzlich tief Athem nnd bricht in ein krampfhaftes Lachen und Weinen aus. Der Kopf sinkt an seines Sohnes Brust und die halb erstarrten Lippen flüstern:„Lenz— ja der Lenz!" „Vater!" „Bist da? Bist wiederkomme, mei Bua— mei— o, bist mir nimmer bös? I— hörst nix?" „Was soll i hören, Vater?" „Hörst sie pfeifen— hilf mir, Lenz, hilf— „Vater, sei doch ruhig!" „ Hast's nit g'sehen g'schaut-!" Dem Lenz graust es. 314 bleibst bei mir? Der Kranke rührt sich. Lenz eilt an das Bett und neigt sich über ihn. Bissinger blickt verwundert um sich. ,, Gott sei Dank- daß es Tag ist und die Nacht vorbei, die schreckliche Nacht. D Lenz, wenn unser Herrgott mir meine Sünden erlassen möcht'- für das, was i heut abbüßt hab'." " 1 da hat einer zur Thür' reinIhr seid krank, Vater!" " gelt, jetzt verlaßt mich nimmer Hol Dir Dei Dei wie heißt sie?" Wiltraud?" fragt Lenz bebend vor Furcht und Hoffnung. " Ja, die! Hol sie Dir und bleibt miteinand' bei Wie ist's Euch, Vater?" mir's ist mir ja alles recht " Besser b'finne fann i mich nur, daß D' wieder aber da, da siedet's und da bist!" braust's in die Ohren und im Kopf i hör' halt alleweil ,, Vater!" Jft's Euer Ernst? Dürft i's Madl heirathen?" dös G'schrei von di Haberer. O Lenz, wann Du daheim " Ja, jaso wahr Gott lebt, alles, alles darfst nur g'wesen wärst Du hätt'st Dei'm alten Vater nix g'schehen Dein' elenden Vater nimmer verlassen nur nimmer fort- lassen!" Lenz wird dunkelroth und schlägt die Augen nieder. daß i nit so allein bin und so hilflos, wenn d'Haberer wieder„ Aber jetzt hol' mir die Wiltraud, daß die Sach' in Ordnung komme!" kommt sie sollen sehen, daß alles nit wahr ist, was sie mir aufbracht hab'n! Und bald soll sie kommen und mich pflegen i bin recht krank. Lenz, wann i 3' sterben täm', muß alles in Richtigkeit sei'!" ,, Die komme jetzt nimmer, Vater!" " Gelt, gelt wann i alles thu', nachher könne s' nix mehr aushaben, i thu' ja alles! Du kannst ihne an anders Bier brauen und 3 Madl wird ja ihren alten Schwieger ordentlich pflegen o Lenz, wie die mit mir umgange find -die Haberer und nachher die Mägd'o, o" und laut wimmernd wirft er sich in die schützenden Arme des Sohnes und sein Herz hämmert in unregelmäßigen Schlägen. ' s muß a Frau her, i muß jemand haben, die für mich sorgt. I will nig mehr, als a Tochter-die Heirathspoffen die sind mir vergangen-!" -Lenz sinkt vor dem Bett des Vaters in die Knice, das Herz ist ihm voll zum Zerspringen. So plöglich soll alles fich zum Guten wenden, was so schlimm begonnen! Kann es denn sein? Verdient er denn das? Wiltraud! Er darf sie als sein Weib heimführen, er, der eben noch gehandelt hat wie ein ungezogener Bub'? Aber es ist so, der Vater will's, und er ersehnt's wie eine arme Seele den Himmel. Und den Himmel will er auch ihr bereiten, den Himmel auf Erden soll sie haben und der Sebald er dreht erschrocken den Kopf um, ihm ist, als höre er ein Hüfteln und als stünde der Sebald neben ihm und schaue ihn bleich und vorwurfsvoll an und sage immer nur das eine Wort: Wegen Dir wegen Dir!" Ach nein, das ist Einbildung der Sebald hat's ja so geru gethau, der macht ihm feinen Vorwurf. Und die Trandl, was wird fie für Augen machen, wenn er kommt und um sie wirbt in aller Form und im Namen des Vaters? D, wenn er nur den morgenden Tag erlebt, daß er ihr die Freude ins Haus bringen kann.„ Vater, Vater, Du sollft's gut haben bei uns grad auf Händen thun wir Dich tragen. Ach, Du weißt's nit, was für a brav's Madl die Wiltraud ist Jesus, dös Glück so auf amal,' s ist ja nit zum Ausdenken." Und er legt den schönen jugendlichen Kopf in des Baters Hände, die ihn zitternd streicheln und glücklicherweise nicht die Gedanken heraustasten können, die eben darin zu lesen wären: So war das Haberfeldtreiben doch zu was gut!" " Der Tag dämmert langsam herauf- aber nichts regt sich im Dorf. Nach der Schreckensnacht ruht alles wie im Todes schlummer. Auch der alte Hochbräu ist endlich eingeschlafen, und die tiefe Ruhe im Arm des Sohnes wirkt milde heilend auf die zerstörten Nerven des Gequälten. ,, Aber, Vater, i kann Euch doch nit allein lassen!" " Schick mir nur die Leni' 3 ist ja Tag, und Du bringst mir die Wiltraud glei mit!" Mit der Haft und Ungeduld eines Kranken, der sich noch immer von Gefahren umringt glaubt, treibt er jetzt Lenz, die Braut zu holen, die den Sohn für immer an den Vater fesseln und ihm einen sicheren Schuh gewähren soll. Dem Lenz wirbelt es in Kopf und Herzen! Gleich soll er gehen gleich? Alles ist plötzlich so glatt und eben, und dennoch beschleicht ihn ein unerklärliches Bangen, als dürfe er der Wiltraud nicht vor die Augen treten. Sie war so sonderbar, als sie ihn durch die Klamm wies!- Sie ist gar wild und hißig aber freilich auch gleich wieder seelengut. Und er rüstet sich zu der seltsamen Brautfahrt. Dann holt er die Leni herein, daß sie indessen für den Bater sorgt, und jetzt kann er gehen. Wiltraud hat den Bruder treulich bis ins Dorf gebracht und dort bei einem Bekannten ein Fuhrwerk genommen, in dem Sebald weiter transportirt wurde. Die Gendarmen waren's wohl zufrieden, nach dem auftrengenden Nachtdienst mit ihrem Gefangenen fahren zu dürfen. Als Lenz hinaustritt, bleibt er wie vom Blitz getroffen stehen Wiltraud geht eben am Haus vorbei, heimwärts. Gesenkten Hauptes, ganz in fich versunken, schreitet sie dahin und sieht ihn nicht. was " Traudl!" ruft Lenz mit unsicherer Stimme. Sie hebt den Kopf und blickt ihn an. " Traudl! bitt' Dich i muß was mit Dir reden, Wichtig'si hab' g'rad zu Dir sollen." ,, Was willst denn noch von mir?" fragt Wiltraud, stehen bleibend. " Traudl, wir dürfen heirathen! Der Vater ist von dem Schrecken wie verwandelt er möcht' a Tochter, die ihn pflegt und weil er doch weiß, daß i kei andere nimm, hat Er er g'sagt, i soll Dich nur gleich holen er giebt's zu." schöpft tief Athem und erwartet, daß ihm das Mädchen in seliger Ueberraschung um den Hals fallen werde. Aber er hat sich bitter getäuscht. Traudl Traudl was hast? Wie stehst denn da, wie von Stein?", " ( Fortsetzung folgt.) Mamenlos. Unter diesem Titel veröffentlicht in einem Wiener Blatte der niederösterreichische Landtagsabgeordnete und Landesausschuß Schöffel, dem das Armenwesen, die Arbeitshäuser und Verpflegungsstationen unterstehen, nachstehende Geschichte aus dem Leben. Lenz traut sich nicht zu rühren, aus Furcht, ihn zu wecken. Stundenlang bleibt er so am Bett knien, und in seine brennenden Augen kommt kein Schlaf. Jetzt muß er sich aber doch wegschleichen, um Holz im Ofen nachzulegen, denn es wird nun gegen Morgen falt im Zimmer. Der Vater athmet tief und ruhig. Lenz kann einen Moment ans Fenster treten. Graue Wolken hängen wie zerfette Fahnen vom Chamiffo erzählt die wunderbare Geschichte, Peter Schlemihls", Himmel zur Erde. Ein Niederschlag, halb Regen, halb Schnee, der seinen Schatten verkauft hat und dann ruhelos mit Sieben hüllt Berg und Thal ein. Man könnte meinen, es reue den meilenstiefeln auf der Erde herumläuft, um wieder zu einem Schatten Tag, daß er angebrochen, und er kehre wieder in die Nacht zurück. Jetzt werden gleichmäßige Schritte hörbar. Sie fommen näherein Zug Soldaten in voller Feldausrüstung ift es. Sie marschiren ohne Sang und klang mit feindlichen Mienen ins Dorf. zu gelangen. Als Pendant zu dieser wundersamen Geschichte will ich die wahrhaftige Geschichte eines Mannes erzählen, der wohl einen Schatten, aber feinen Namen hat und seit einem halben Jahrhundert, nicht mit Siebenmeilenstiefeln, sondern bloßfüßig die Welt durchläuft, um zu einem Namen zu gelangen. In der Zwangsa arbeits- Anstalt in Korneuburg befindet sich nämlich eine Eriftenz, männlichen Geschlechtes, welche vom t. t. Bezirksgerichte Taxenbach. bekannten Wohn- oder Aufenthaltsortes, wegen wiederholter Uebers tretung des Vagabundengeseges in die Zwangsarbeits- Anstalt ab In den Asylen des physischen und moralischen gegeben wurde. Kinderelends, in den von den Ländern, Vereinen oder Privaten erhaltenen Befferungsanstalten und Waisenhäusern, tommen wohl sehr häufig Findel- und weggelegte Kinder vor, welchen von den Findelanstalten, um den Geist der daselbst Angestellten zu illustriren, Namen wie zum Beispiel: Fensterbant, Kyrieeleison, Abendläuten, May, Paternoster, Dritterhof und dergleichen beigelegt wurden, aber daß ein Mensch in Desterreich oder, beffer gesagt, in Mitteleuropa, Militär das ist hier noch nie gewesen. Das sieht ja aus wie dem Lenz zieht sich das Herz zusammen unter der Bezeichnung Johann N., beiläufig 50 Jahre alt, unStrafeinquartirung! Aber nicht lange hat er Zeit, darüber nachzudenken, da schleichen vier Bermummte aus einem Heuftadel, der einem Haberer gehört, heraus. Sie tragen einen schweren Körper einen Todten oder Verwundeten, in scheuer Eile nach der entgegengesetzten Richtung zu. Lenz beklemmt es die Brust mit einem nie gekannten Gefühl. Er öffnet ein wenig das Fenster und schielt ihnen nach. Noch immer dringt widerlicher Rauchgeruch von draußen herein. Ein troftloses Bild! Darf er sich noch freuen? das feine überschüssige und schleufsige Kultur in alle Welttheile exportirt, fünf Decennien seines Lebens namenlos in der Welt herumläuft, das ist mir in meiner Praxis noch nicht vorgekommen. Ich konnte, ich wollte solches nicht glauben! Um nun nicht das Opfer einer Fopperei dieser Sorte, im ewigen Kampfe mit der Gesellschaft stehenden Menschen zu werden, habe ich, nach dem Grundsatze der Bureaukratie:„(Juocl non est in actis, non est in mundo"(Was nicht in den Alien ist, ist nicht in der Welt, d. h. existirt nicht), die Notionirungsakten über diese namenlose Existenz einer eingehenden Prüfung unterzogen." Folgen im Wortlaut Aus- kunftstabelle» der Bezirksgerichte Zell am See und Taxenbach, in denen über einen Johann N. berichtet wird. Schöffe! fährt dann fort: „Aus dieser Notiz(der Taxenbacher Auskunftstabelle) geht hervor, daß der Richter in Taxenbach aus Mitleid mit dem armen, von Kindheit bis zum Greisenalter maßlos gehetzten„Namenlosen". demselben sechs Monate Haft diltirte, dann ihn in die Zwangs- arbeits-Anstall einlieferte, um dem Müden die ersehnte Ruhe auf längere Zeit zu verschaffen. Der Direktor der Zwangsarbeils- Anstalt, bezüglich der Aufführung des Namenlosen während seiner Jnlernirung in der Anstalt dcsragt, gab a»:„daß ihm noch nie ein Mensch von so seltener Gutmülhigkeit, Willigkeit und Bescheiden- heil vorgekommen sei wie dieser Namenlose! Derselbe verrichte jede ihm aufgetragene Arbeit ohne Murren, ist in jeder Beziehung verläßlich— friedfertig und zuvorkommend gegen seine Haftgenoffen — gehorsam gegen seine Vorgesetzten." Nachdem ich alle Auskünfte über den Namenlosen eingeholt und geprüft hatte, ließ ich ihn vorrufen, um seine Bitte entgegen- zunehmen und durch freundschaftliche Rücksprache unter vier Augen zu erfahren, ob der Mann doch nicht vielleicht, wie so viele andere, einen Grund habe, seinen Namen zu verheimlichen. Herein trat ein Mann mit schneeweißem Haar, seinem Ans- sehe» nach eher 60 als öv Jahre alt, von kleiner Statur, zartem, ja graziösem Körperbau, blauen Augen und einem Gesichtsausdruck voll Duldung und Milde. Derselbe erzählte über meine Aus- forderung, zu seinem eigenen Nutze», um ja nichts zu verheimlichen, über seinen Lebenslauf folgendes: „Ich habe nichts zu verheimlichen und habe auch nie etwas verheimlicht. Wo und wann ich geboren wurde und wer meine Eltern waren, weiß ich nicht. Soviel ich mich zu erinnern vermag, war ich als Kind bei einer Koinödiantentruppe, welche aus drei Männern und drei Weibern bestand. Wie ich hingekommen, weiß ich nicht. Die Komödianten nannten mich„Johann" und erzählten mir, daß sie mich als Kind in ihrem Wagen aufgefunden hätten. Ob ich getauft wurde, weiß ich nicht, glaube es jedoch nicht, da die Komödianten, nicht wie die Bauer», mit welchen ich in Berührung kam. betete» oder an einen Gott glaubten. Ich wurde von den Komödianten zum Seiltanzcn abgerichtet. Eines Tages stürzte ich bei einer Hebung vom Seil und brach mir den Fuß. Ein in der Nähe wohnender Schinder richtete mir den Fuß so ein. daß die Ferse schief steht. Da ich dadurch zum Seiltanzen nicht gebraucht werden konnte, mußte ich für die drei der Gesellschaft gehörigen Pferde um Heu und Hafer zu den Bauern betteln gehen. Brachte ich wenig oder kein Futter nach Hanse, wurde ich von de» Komödianten geprügelt und ebenso wurde ich anderntheils von den Bauern geprügelt, die ich um Heu anbetlelte. Halb verhungert und wund gehauen ging ich den Komödianten, die mich schließlich gewiß todt geschlagen hätte», durch. Ich zog nun in der Welt herum, suchte nach Arbeit und Brot, wurde jedoch überall abgewiesen, weil ich keinen Namen und deshalb keinen Ausweis hatte. In Baiern, in Salzburg, in Tirol, in Italien, wo ich herumzog, fand ich hie und da Beschäftigung als Viehhirte. Kaum war ich aber einige Tage im Dienst, mußte mich mein Brotherr im Auftrage des Gemeindevorstehers fortjagen, damit ich nicht, wie man mir sagte, als Ausweisloser der Gemeinde als zuständig zugewiesen werde. Es blieb mir daher, um nicht zu verhungern, nichts Anderes übrig, als zu betteln. Als Bettler und Landstreicher wurde ich unzählige Male abgestraft. In Salzburg, in Zell am See, in Liezen, Zell am Ziller, in mehreren anderen Orten in Bayern saß ich behufs Erhebung meiner Zuständigkeit in Haft, wurde jedoch überall nach mehrmonatlicher Hast laufen gelassen. Bei einigen österreichischen Gerichten haben die Richter, wie man mir versicherte, sich ineinetwegen bittend an die höchste» Stellen um eine Namensverleihung gewendet, jedoch vergebens! Ich bettelte auch in vielen Pfarrhöfen, unter Hinweis darauf, daß ich wahrscheinlich nicht getauft bin und auch keinen Religions- Unterricht genossen habe, um die Taufe und um einen Namen. Man wies mich an die Bczirkshauptmannschaft. Diese übergab mich der Schubstation, und so ging es fort, durch, wenn ich recht rechne, mindestens 50 Winter und 50 Sommer. Ich war nie krank, trotzdem ich, außer in Arresten, im Sommer und Herbst in Wäldern, im Winter in Ställe» und Tristen übernachtete und oft das Futter mit Schweinen und Hunden theilte. Ich habe nie eine Schule besucht, keinen Religionsunterricht genossen, weiß auch nicht, was Religion ist, wurde nie zur Stellung berufen. Ich habe nie in meinem Leben jemanden beschädigt oder mich an fremdem Eigenthum vergriffen— ich glaube, ich bin zu dumm dazu— ich habe nie jemanden beleidigt oder wehe gethan, obzwar man mich oft ärger als ein Thier verfolgt oder mißhandelt hat. Jetzt bin ich nach SOjährigem Herumirren hierher geschickt worden und bitte, um meinem namenlosen Elende ein Ende zu machen, um einen Namen!"--- Ter Landesausschuß Schöffel, also ein Mitglied der nieder» österreichischen Landesverwaltung, schließt seine Erzählung mit de» Worten: „Das ist die Geschichte eines Menschen, der, namen- und heimathlos, dem grenzenlosesten Elende und unausgesetzter Ber- folgung preisgegeben, ohne Erziehung, ohne Schule, ohne Glaube» sein Leben bis ins hohe Greisenalter, frei von jedem Laster, von jedem Verbrechen in vollkommenster Sittenreinheit erhielt, ein glaubensloser Märtyrer zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts, inmitten einer Welt, die eine verkörperte Lüge ist! Durch diese wahrhaftige Geschichte wird das Unglaublichste wahr, nämlich, daß in einem Reiche, wo nicht weniger als 17 gesetz- gebende Körperschaften Jahr aus, Jahr ein, mehr Gesetze und sorg- loser in die Welt setzen, als ein Insekt seine Eier, Menschen, kraft der bestehende» Gesetze, Arbeit, Unterstand, Brot verweigert wird, weit sie namen- und heimathlos sind, während sie zugleich auf grund des Gesetzes verfolgt und gestraft werden, weil sie arbeits- und unlerstandslos herumziehen und nicht den Muth haben, Hungers zu sterben. Diese wahrhaftige Geschichte liefert ferner den Beweis, daß in einem Reiche, wo sich die Bureaukraten bemühen, Staat und Volk krumm und lahm zu administriren und zu diesem Zwecke so viel Papier verschmiere», daß man damit den Erdball wie eine Zitrone einwickeln könnte, keine Behörde sich kompetent findet, einem Namenlosen den nölhigen Name» zu verleihen. Der Staat zieht alljährlich nahezu eine Milliarde aus seinen Unterthanen, er verwendet diese Unsummen zu allen erdenklichen Zwecke», nur für das Elend von Kindern, die von der Eltern-, Vormünder- und FindlingSpfiege vernachlässigt werden, was noch ein grausameres Sterbenlassen, als die Kinderaussetzung und der Kindesmord der Wilden ist, hat er kein Auge, kein Herz und keine» Kreuzer, ja, er nimmt das, was er diesen armen, vernachlässigten Kindern ausgesogen, auf grund eines faulen Rechts für sich in An- spruch und überläßt sie dafür der Pein oder erklärt sie, wie den „Namenlosen", für vogelfrei!"— Nleines Fenillekon — Die neuesten Mode- Narrheiten. Als besonders feiner Hutaufputz gelten jetzt Radiesche». In Wien ließ sich vor einigen Tage» Eine sehen, zu deren Schirm waren tausend Meter Bändchen verwendet worden. Inwendig sah das Ding aus wie ein Hornissen- »est oder eine Kalksteingrotte. Für Ohrringe lautet die allerneueste Mode: In jedes Ohr kommt ein anderer Ohrring, er ist ans Gold- draht gewunden und zeigt womöglich in japanischem Stile die Anfangsbuchstaben des Namens. Man wählt für das linke Ohr denjenigen des Taufnamens, für das rechte den des Familiennamens. Die Frauenstrümpfe sind dieses Jahr zu kurzen Socken geworden, die nur um ein weniges den Sliefelrand überragen. Dafür reichen die neuesten Gigerlstrümpse bis weit über das Knie hinauf. An dem achteckigen Frauentaschenluch ist ein Täschchen angebracht, und in diesem steckt ein kleines Riechkissen.— Müssen sehr gute Mägen haben, die Männer solcher Modeweiber!— — Warum heißen die Apotheker SSer? Die eine» sagen, weil sie 99 pCt. Gewinn nehmen. Das stimmt in vielen Fällen nicht: Sie nehmen noch weit höhere Prozente. Andere wieder be- Haupte«, der Beiname stamme von etwas ganz anderem. Bezeichnet man die Buchstaben des Alphabets mit Zahlen, so ergiebt sich beim Namen Apotheker folgende Zusammenstellung: A- 1 p— 16 o— 15 t— 21 h- 8 e— 5 k— 10 e— 5 _ r— 18 Apotheker— 99. Literarisches. n. Karl Kieninger: Eine Posaune znrFriedens- bewegung! oder: Wie haben sich die wahren„Christen" bei der geistigen Revolution von oben und bei den hieraus entspringenden eventuellen inneren Kämpfen zu verhalten? Schwäb. Hall, 1897.— Eine kitzliche Frage, die der Verfasser vom Standpunkte eines ehrlichen Christen ganz konsequent beantwortet. Wir müssen uns allerdings versagen, diese Antwort klipp und klar wiederzugeben, denn ohne die Anführung von einigen hundert Bibelstellen könnte sie etwas seltsam lauten, so selbstverständlich sie auch an sich ist. Nur soviel sei erwähnt, daß der Verfasser unseren„christ- lichen" Ordnungshelden einen recht netten Spiegel vorhält und ihre Heuchelei rücksichtslos an den Pranger stellt. Was er in den vielen Abschweifungen von seinem eigentlichen Thema sonst noch zum besten giebt, ist ziemlich harmloser Natur. Auf die Sozialdemokraten ist er nicht gut zu sprechen, wenn er sie auch nicht mit den„Revolutio- nären" von oben" direkt in einen Tops wirst. Dafür werden ihn alle„Christen von oben" wahrscheinlich in den allgemeinen Um- stürzlertops werfen.— 316 Kunstgewerbe. - Neuere Richtungen der modernen Keramit. Aus dem Thierleben. Von der Ausdauer eines Hundes erzählt J. Nirgends zeigt sich der Impressionismus im Kunstgewerbe so stark, Theodor Bent in The Nineteenth Century". Bei einer fleinen als in der modernen Keramik und der Glasfabrikation. Die neuere Forschungsreise an dem Westufer des Rothen Meeres und dem Berg Richtung kommt, wie R. Borrmann jüngst im Verein für deutsches Erba verloren wir unseren kleinen Hund, der allenthalben mit ge Kunstgewerbe ausführte, weniger zum Ausdruck in der Bildsamkeit wandert war, und gaben ihn nach vergeblichem Suchen auf. Das des Materials, als in der malerischen Behandlung. Sie ist weniger fluge Thier lief jedoch, wir wissen nicht wie, auf seiner Fährte in ausgegangen von strengen Fachmännern, als von Dilettanten, Damen, fünf Tagen zurück nach Mohammed Gol ohne Futter, mit sehr wenig Chemikern, Künstlern. Die moderne Keramit ist eine Liebhaberkunst Waffer auf den Wüstenwegen, die wir benutzt hatten, eine Entgeworden, der praktische Gesichtspunkt ist mehr zurückgetreten. Die fernung von über 120 Meilen. Der Hund ging bei seiner Ankunft Anfänge der neuen Richtung liegen in Japan, das nun zum zweiten geradewegs dem Hafendamm zu, schwamm zum Schiff und wurde Male auf uns einwirkt, früher durch Bermittlung der Portugiesen von unseren arabischen Schiffsleuten mehr todt als lebendig an und Holländer, jetzt durch die Weltausstellungen. Dem künstlerischen Bord gezogen. Nachdem er hier zwei Tage lang geruht und geKönnen der Japaner, das sich nirgends so deutlich zeigt als auf fressen batte, sprang das Thier wieder ins Wasser und machte sich dem Gebiete des Steinguts- hier viel mehr als beim Porzellan, nach den Bergen auf, um drei Tage lang nach uns zu suchen. Als bei dem immer noch China nachgeahmt wird öffneten sich zuerst das vergeblich war, tehrte es um, erreichte das Schiff einen Tag die Kabinete der Kunstfreunde. Die eigentlich japanischen Sachen vor uns und konnte uns bei der Ankunft mit wild- freudigen Be erregten zuerst Aufmerksamkeit auf der Pariser Weltausstellung grüßungen empfangen." von 1867. Erft feit der 1878er Ausstellung wandte sich ihnen eine allgemeinere Vorliebe, namentlich in England und Amerika, zu. In Frankreich war es Jean Carriès, der, von der Bildhauerei zur Keramik übergegangen, sich der modernen Richtung annahm. Er liebte mehr eine farbige warme Patina als die leuchtenden Emails. Dalpagret und Lesbros, Alexandre Bigot, Delaherche und Lachenal in Paris folgten seinen Bahnen. Ihnen folgte in Deutschland zuerst Friedrich Stahl. Auch das Porzellan ist von dieser modernen Richtung berührt worden. Hier ist es namentlich Seger, der durch die Wiedereinführung des Kupferoxydits gewirkt hat. h. S. Erziehung und Unterricht. Humoristisches. Ueberlistet. Vor vielen Jahren hatte einmal Einer mit den Gerichten zu thun und er fürchtete, er würde hängen bleiben oder recht viel Strafe zahlen müssen. In seiner Noth ging er zu einem Rechtsanwalt und fragte ihn um Rath. Und diefer sprach: „ Ich werde Dir sagen, wie Du ohne Schaden und Kosten loskommen fannst, aber Du mußt mir für meinen Rath und meine Arbeit vier Thaler geben. Der andere war einverstanden. Also gab ihm der Rechtsanwalt den Rath, wenn er mit ihm vor Gericht täme, so sollte er keine andere Antwort geben, als das einzige Wort: „ Mäh!" Da fie nun vor das Gericht kamen, und der Ankläger fonnte man ber tüchtig gegen den Angeklagten loszog, fein Eine künstlerische Ausschmückung der tüchtig gegen Gemeindeschulen wird in Antwerpen angebahnt; so anderes Wort aus diesem heraustriegen als:" Mäh!" Also lachten berichtet das fürzlich begründete wissenschaftliche Organ des deut- die Richter und sagten zu dem Rechtsanwalt:„ Was willst Du für ihn schen Lehrervereins, Die deutsche Schule". Es sollen dort jährlich antworten." Da fagte der Rechtsanwalt:„ Ich kann nichts für ihn reden, 3000-5000 Fr. aus Gemeindemitteln bewilligt werden, um durch denn er ist ein Narr und kann mir auch nicht sagen, was ich reden talentvolle junge Künstler, die ihre Studien an der Akademie foll. Es ist nichts mit ihm anzufangen. Er soll, wie es nur billig Die beendigt haben, einen oder zwei Räume der Gemeinde ist, für einen Narren gehalten und freigelassen werden." schulen künstlerisch in der Weise ausschmücken zu lassen, Richter hielten Rath und ließen den Angeklagten laufen, wohin er daß ein Architekt und ein Maler gemeinsam thätig sind, wollte. Nach ein paar Tagen fam der Rechtsanwalt zu ihm und um ein harmonisches Ganze zu erzielen. Beispielsweise soll ein verlangte feine vier Thaler. Der aber fagte nichts als„ Mäh". Gegenstand aus der Geschichte Belgiens unter der Römerherrschaft Oho!" schrie der Rechtsanwalt, Du wirst mir das nicht abmäb'n, ergänzt werden durch eine griechisch- römische Verzierung, eine Szene ich will mein Geld haben!" Und er ging hin und verklagte ihn. aus der Geschichte Antwerpens durch eine gothische Darstellung 2c. Als sie beide wieder vor Gericht standen, sagte der zum zweiten Der Antwerpener Lehrerverein Diefterweg" hat beantragt, daß die Mal Angeklagte wieder nichts anderes als: Mäh!" Da sprachen Entwürfe der historischen Gemälde soviel als möglich der örtlichen die Richter zum Rechtsanwalt:„ Was wollt Ihr von dem Narren? Und der RechtsGeschichte entlehnt werden, und wünscht Nachbildungen derselben Ihr wißt doch, daß er nicht reden fann?" für alle Schulen. anwalt mußte ohne die vier Thaler abschieben. " Völkerkunde. " -Bermischtes vom Tage. Die Menschenfresserei ist in Afrika noch sehr verbreitet, besonders unter den Stämmen, die in den Urwäldern längst des Kongo und seiner Nebenflüsse wohnen. Als Stanley den Auch der Kölner Oppenheim hat jetzt für sein Pferd Kongo und Aruwimi hinaufzog, um den von den Mahdisten be- Saphir" einen eigenen Transportwagen bauen lassen. Bis jetzt drängten Emin Pascha zu befreien, wanderten Dußende seiner besaßen in Deutschland so ein Kulturmöbel nur der Bleichröder und Sansibaritischen Träger und Soldaten, die sich von der Kolonne ent: ein Graf Henckel. fernten, um Lebensmittel zu sammeln, in die Kochtöpfe der Wilden. Am 1. Dfterfeiertag ertranten im Rhein bei Mainz zwei junge Leute, die eine Vergnügungsfahrt unternommen hatten. Bergsturz. Aus Klausenburg( Siebenbürgen) wird unterm 21. April gemeldet: Von einem bei der Ortschaft Dant belegenen Berge löfte sich ein etwa 120 Morgen großes Stück des Abhanges los und riß einen großen Theil des Ortes mit sich fort. Alles, was im Wege lag, Häuser, Hürden, Menschen und Thiere, wurden unter den Erdmassen begraben. -Am Charfreitag wurden in Münchenbuch fee( Schweiz) Bierlinge, 2 Mädchen und 2 Knaben, Kinder eines Malers gleichzeitig fonfirmirt. Redakteur Derksen von der Niederrh. 3tg." in Emmerich Bei diesen Fällen handelte es sich hauptsächlich um Thaten von wurde wegen Unterschlagung von 150 000 m. verhaftet. Er war Menschen, die der Hunger, oder doch wenigstens der Fleischhunger Rentmeister eines großen Waldbesizers, hatte im Einverständniß. plagte. Bei andern Kongostämmen scheint das Menschenfressen mehr mit den Förstern niederschlagen laffen, was nur möglich war, ein Sport zu fein, ein Sport, der seine Wurzeln vielleicht in einer und das Geld eingesteckt. In seinem Blatte pries er sich bei Fetischvorstellung hat, eine Leistung, die Ehre und Ansehung bringt, jedem Quartalsschluß als den einzig wahren Jakob der Zentrums und zu der man absichtlich erzogen und angeleitet wird. Der preffe an. Kongostaat hebt einen Theil seiner Armee und die Besayung seiner Schiffe aus dem Stamme der Bangala. Diefe Bangala find leidenschaftliche Menschenfresser. Vor einiger Zeit unternahm der Kongostaat einen Feldzug gegen die Araber, die in Innerafrika den ganzen Handel beherrschen. Diesen Striegszug machte der englische Arzt Hinde von Anfang bis Ende mit. Er hat darüber ein Buch geschrieben. Und was er nun darin von der Menschenfresserei der Bangala erzählt, klingt geradezu schauerlich. Schon auf den Jagden zeigen fie ihre Grausamkeit. Sie tödten nicht das getroffene Thier, sondern zerbrechen ihm Flügel und Glieder und lassen es langsam verenden, damit das Fleisch mürber wird. Dasselbe Zerbrechen der Glieder wenden sie bei Gefangenen und Sklaven an, die sie auf- ce. Ein geben zu verkaufen. Jm Petit Parifien" freffen wollen. Auf dem Dampfer, den Hinde zur Rückkehr nach fand sich vor eingen Tagen folgende Annonce: Leben zu verkaufen. der Küste an den Stanleyfällen bestieg, mußten sechs Bangala in Gin fleiner Beamter, von tadellosem Ruf, dessen Gehalt Eifen gelegt werden, weil sie zwei erkrankte Matrosen, auch Bangalas, Frants jährlich aber nicht ausreicht, um eine frante Frau und verspeist hatten. Die meisten Kongostämme huldigen der Menschen- fünf unmündige Kinder zu ernähren, möchte die Lage seiner Lieben Er bietet daher frefferei und jeder Stamm hat eine Vorliebe für bestimmte durch ein legtes Opfer weniger traurig gestalten. Theile des menschlichen Körpers. Nirgends wird das Fleisch sein Leben zum Kauf an.( Durchaus ernstlich.) Antwort wird nur rob gefreffen; es wird gekocht, gebraten, geräuchert. Wochenlang ertheilt auf Offerten, die nicht ehrenrührig sind und die einen während des arabischen Feldzuges waren die Weißen ohne Fleisch, würdigen und nugbringenden Tod in Aussicht stellen, wie der Tod aber sie wagten es nicht, auf den einheimischen Märkten geräuchertes auf Forschungsreisen, bei Bergbesteigungen, bei Versuchen mit Fleisch zu kaufen, da es Menschenfleisch sein konnte. Ani Ubangi medizinischen und giftigen Substanzen u. f. w. herrscht ein vollständiger Handel mit Menschenfleisch. Wollen die Kapitäne der Dampfer Ziegen, Elfenbein oder andere Erzeugnisse faufen, so fordern die Eingeborenen dafür Sklaven, da das Fleisch immer Enapper wird". Auch bei den Bafongo, im Aequatorbezirte, am Tumbasee überall Handel mit Menschenfleisch. Mit einem Wo: te: die Menschenfresserei ist am Rongo allgemein. Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin. -1100 - Der Waldbestand des eigentlichen Rußlands und Polens beträgt 176 Millionen Desjätinen. Davon sind 68 pet. Wird Kau oder 119 Millionen Desjätinen Eigenthum der Krone. tafien mitgerechnet, so steigt der Kronbefit an Wald auf 126 Millionen Desjätinen, eine Fläche, die den vereinigten Arealen der Staaten des Dreibundes nahezu gleichkommt.