Hlnterhalluttgsblatt des Horwärls Nr. 80. Freitag, den 23. April. 1897. (Nachdruck r erboten.) � Ein nlkev Skveik. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von W i l h e l m i n e v. H i l l e r n. Wiltraud rührt sich nicht und schaut vor sich nieder. Es ist, als iväre ihr Blick nach innen gekehrt, um in ihrem eigenen Herzen zu lesen. „Braucht's denn da so a B'sinna V fragt Lenz, dem es die Brust zusammenschnürt.„Wenn i komm' und sag', geh mit mir zum Vater und sei mei Weib! Braucht's denn da was anders als ja sagen?" Wiltraud schweigt. Lenz verblaßt:„Wiltraud, bei Dei'm tobten Vater bitt' i Dich, spann mich nit so auf d' Folter— Du willst mich doch noch zum Mann?* „Nein l" „Nein?— Um Gottesheiligen willen, was fallt Dir ein — hast mich denn nimmer lieb?" „Nein!* „Und dös sagst mir so kalt hin, hent erst?* „'s ist erst seit hent!* „Seit heut! Also weg'n'm Sebald? Bist mir bös, daß der Baldl wegen mir ins G'fängniß kommt?* „Nein, bös bin i Dir nit— i mag Dich blos nimmer!" „Dös ist-ja viel ärger als bös sei!" stöhnt Lenz und ringt die Hände:„Wenn ma ei'ni bös ist, kann ma wieder guet werd'n aber wann ma ein'» nimmer mag— da ist alles vorbei!* „Ja, das ist's auch—" flüstert das Mädchen leise, aber so deutlich und bestimmt, daß kein Mißverstehen möglich ist. Lenz muß sich an die Wand lehnen, ihm schwindelt, und es wird ihm so schwarz vor den Auge», wie damals, wo sein Vater ihn schlug. Aber heute ist's ein anderes Gefühl— ein Gefühl, als müsse sein Herz und die ganze Welt um ihn stillstehen!„Jetzt ist's g'fehlt!" stammelt er wie ein zu Tod Getroffener. Wiltraud zuckt die Achseln:„'s thut mir leid— aber i kann nix derzu!" „I Hab' g'meint, i kunnt alles gut machen—" versucht Lenz sich zu entschuldigen. „Da möcht'st thu», was D' wollst. dös kannst nie mehr von Dir abwaschen, daß D''n Unschuldigen für Dich leiden laßt— und—* die Stimme versagt ihr—„noch dazu'» Kranken!" Ein dumpfes Stöhnen aus Schmerz und Scham ent- ringt sich den Lippen des jungen Menschen und er schlägt sich vor die Stirn, wie einer, dem die Erkenntniß— zu spät kommt. „Sei barmherzig! I thät's ja auf der Stell' sag'n, daß i's war— aber schau, wenn D' mein Vater sähest, wie er da liegt— dann thätst es begreifen. Geh'naus mit mir und schau'n an, den zittrigen Mann, wie er sich an mich klamnicrt in seiner Hilflosigkeit, dann wirst und mußt mir's verzeihe», daß i ihm's Messer nit selber ins Herz stoß." „I hätt's halt vorher nit gelhan— nachd' hätt's dös alles nit'braucht!" Lenz sieht Wiltraud an mit einem Blick, daß es ihr tief ins Herz schneidet.„Ja, d a hast recht— dös wär' freilich Keffer g'wesen— und's war a große Sünd', die i büßen muß und büßen will!— Aber w a r u m' s g'schehen ist— dadran denkst scheint's nimmer, und i will Dich auch nit dran erinnern.—* „Wegen meiner ist's g'schehen, i weiß es wohl, und deßderwegen Hab' i Dir ja mein Bruder aufg'opfert. So samer quitt und Du kannst Dich nit beklagen. Aber damit ist's auch fertig und drüber'naus, bin i Dir nix mehr schuldig." „Schuldig, nein, schuldig bist mir nix— nur i Dir. Aber a rechte Lieb, fragt nit nach der Schuldigkeit.— Wann D' mich je wirklich gern g'habt hättst, na hältst nit so abg'rechnet — na bättst's aus Lieb' gethan!" „Dös ist ja dös Kuriose—* sagt das Mädchen einfach und offen:„Aus Lieb Hab' i's auch'than— und wie's than war, da war die Lieb' weg— wie wegblasen." „Und jetzt thust es ohne Lieb, grad nur, damit wir quitt sind— weil i für Dich in die Lag kommen bin! Und i, elender Mensch, i muß es annehmen und's dulden, daß D' mich dersür veracht'st und mir noch Vorwurf machst.* „I mach' Dir keine' Vorwürf— Du bist halt— wie Tu bist! Aber wie D' bist, kann i Di nimmer gern hab'n.— I hätt' g'wiß kei Wort g'sagt, wann D' mi nit g'sragt und mi meiner Weg hättst geh'n lass'n!" „Und i Hab' mi so g'frent und g'meint,'s knnnt' no alles gut werd'n—! Wie haben wir's ersehnt und bet't und g'hofft und g'meint,'s könnt nie was werd'n! Und jetzt wär's so über alles Erwarten gut ganga und der Vater und i— alles im besten Einvernehmen— jetzt willst Du nimmer!" „Lenz, mach mir's Herz nit noch schwerer als es eh' ist.— Wenn i denk', ivie gern i Di g'habt Hab'— lind jetzt ist's grad als wärst mir ansg'wechselt, und i mein alleweil, i müßt'rnmgehcn und mein alten, braven, ehrlichen Lenz suchen."— Allmälig quellen die Thränen her- vor, aber nicht um den, der vor ihr steht, sondern um den Verlorenen! „Trandl," sagt er und nähert sich ihr schüchtern,„meinst nit,'s ging doch noch?" Er legt sanft den Arm um sie: „Probier's doch, ob i's nit wieder sein kunnt', ob Dein' alten Lenz nit wieder in mir finden möchtft?" Sie steht still vor ihm und hört ihn mitleidig an. „Traudl! Jeder Mensch kann fehlen, ohne daß er des- wegen ganz schlecht ist. Du hast ja so a gnat's Herz— Du hast Di um an todten Vogel erbarmt und'n zu Dei'm Vater ins Grab g'legt, wie mir der Habermeistcr derzählt hat— und um mich,'n lebendigen Menschen, dem's Herz bricht— erbarmt's Dich nit?" Traudl schlägt die Hände vors Gesicht und macht sich ans seinem Arm los.„'s geht nit, i wollt ja gern, aber i tau» nit! O Lenz— um Dich ist's schad'!' „Und niein armer Vater, der sich ans Dich freut und's nit erwarten kann, bis i Dich bring? O Traudl, wär's denn nit schön g'wesen?" „Freili, wär's schön g'wesen," nickt Wiltraud, und die hellen Thränen laufen ihr über die Wangen,„aber, sag' selber, könnt' i mir's mit Dir Wohlsein lassen und glücklich sein, während niei kranker Bruder für Dich im G'fängniß verküm- mert? Müßt i mi nit vor mi schäme? Sei ehrlich— wann d' überhaupt noch a'n ehrlichs Wort reden kannst— thätst mi achten, wann i so handeln möcht'?" Lenz senkt die Blicke zu Boden.—„Dei Bruder soll kein' Mangel leiden, da sorg' schon i dersür— und wenn er dös große Opfer, was er mir bringt, durchführt, hilst's ihm auch nix, wenn Du Dei Leben allein vertrauerst,— im Gegentheil, er wär' froh, wenn Du glücklich wärst." „Ja— er scho, er denkt nie an sich, nur an mich! Um so mehr muß i an i h n denken!* Sie reicht Lenz die Hand:„B'hnat Dich Gott, Lenz— laß mi jetzt gehen. I thu' ja alles für Dich, Du kannst Dich auf mich verlassen, mag kommen was will— i verrath Dich nit, solang D' ans'n alten Vätern z' schauen hast. Aber's Vertrauen ist hin und wo dös hin ist,— da ist kei Lieb' mehr möglich!" Lenz bält ihre Hand, als könne er sie nimmer lassen, der starke Bursch bebt vor Schmerz, und Wiltraud wendet sich ab, um das stumme Flehen in seinem Gesicht nicht mehr sehen zu müssen. „Also ist's wirklich Ernst, soll's so a'n End mit uns nebnia? Wiltraud— mög's Dich nie reuen—" er kann nicht weiter reden. Als sie nichts mehr sagt, läßt er ihre Hand los. „I muß es trag'n als a verdiente Büß. Aber, daß die Straff von D i r komma muß— von Dir?" Wieder wartet er ans ein Wort, aber vergebens.„Dann sei wenigstens so gut und rath mir— was i iiiei'iu Vater sagen soll?" fragt er tonlos. Wiltraud schüttelt den Kopf.„Dös mußt Du wissen— 's wird Dir schon was einfallen! Du wirft jetzt über- Haupt so viel lüagen müssen, daß es ans a Luag mehr oder weniger nit ankommt.— Mei Vater hat immer g'sagt: A Luag ist wie a Körndl Unkraut, dös wuchert zehnfach! Gott helf Dir—!* 318 Und ohne sich umzusehen, geht sie von ihm, wie sein| Sag' mir kei' Wort weiter – er trauernder Schutzengel. " er war bei meine Schinder er hat mich martern helfen, wie noch kei' Mensch auf der Er ruft sie nicht mehr zurück. Er ahnt eine Größe Welt g'martert worden ist, und ich sag' Dir, wer mir das in der Seele des Mädchens, zu der er den Blick nicht mehr an'than hat und wenn's mei eigner Sohn wär', i erheben kann. Er fühlt, daß er ihrer nicht werth ist und thät ihm nit verzeihen und er fönnt weg'n mir auf'm Schindes wäre doch so einfach gewesen; er hätte ja nichts zu sein anger verfaulen, i hätt' kei Mitleid! gebraucht, als ein gnter, rechtlicher Mensch. Daß die wenigsten Lenz ist es, als müsse er ohumächtig werden. Es saust das begreifen und es gerade deshalb so schwer ist, das Ein- ihm in den Ohren alles Blut weicht ihm zurück. Zum fache zu thun! Lenz fängt an, es zu verstehen. Die erste Glück für ihn ist der Alte von der Aufregung überwältigt in große bittere Erfahrung seines Lebens lehrt ihn denken. Aber die Kissen zurückgesunken und ringt nach Luft. Ein Herzkrampf er ist wie vernichtet. Er muß einen Augenblick Athem schöpfen droht ihn zu ersticken.- Halb besinnungslos reißt Lenz das und den Schmerz ein wenig versurren" lassen, ehe er zum Fenster auf, hebt den Röchelnden empor, flößt ihm Branntwein Vater hinaufgeht.-- Was hat sie gesagt? die Saat der Lüge ein, reibt ihm die Pulsadern und gewinnt so Zeit, sich zu ist wie das Unkraut das zehnfach aufgeht! Wie wenn er faffen, bis der Vater wieder zum Leben kommt. sie nun ausreutete mit einem einzigen Spatenstich, seinem Vater ,,, o, mei Lenz mei Bua! Wann i Dich nit hätt', die Wahrheit eingestände und den armen Baldl befreite? Das Jesus, wenu i dent', daß Du an so eine kommen - er fühlt es wohl, das wäre der einzige Weg zu Wiltraud's wärst". er stöhnt laut ,, wie schwach ist doch der Herzen! Der Alte ist weich und gebrochen, wenn er sich zu Mensch, wenn er so elend ist, wie i heut, jetzt hätt' i Dich ums seinen Füßen würfe und um Verzeihung flehte? Ein Wort- Haar die Wiltraud heirathen lassen!" Die Athemnoth und das ganze Gespinst, das sein besseres Sein zu ersticken wird wieder stärker." Geh', Lenz, hol' mir' n Doktor. I fürcht' droht, wäre ausgerottet für immer. Ach, wie wohl müßt bei mir ist's am Letzten! Du wirst sehen, die hab'n ein'm da sein!" seufzt er tief auf und mit einem plötzlichen mir den Treff geben! Geh' g'schwind. Der Bräumeister Entschluß springt er die Treppe hinauf zum Vater. soll derweil kommen, i muß mit ihm reden, wegen' ma andern Sud!" Der hat eben seinen Morgenimbiß genommen und fühlt sich etwas gestärft und wohler. Du kommst g'schwind wieder war sie nit daheim?" fragt er und sieht dem Sohn verwundert in das schmerzlich zuckende Gesicht. ,, Geh' naus, Leni!" befiehlt der und wartet bis die Magd abgeräumt und das Zimmer verlassen hat. Lenz eilt, dem Befehl zu folgen. Jezt ist sein Ver derben völlig! Jede Möglichkeit eines offenen Bekennt nisses zerstört, die Lüge muß durchgeführt werden! Das Mädchen, das er liebt, nun doppelt für ihn verloren und der Fluch, der ihn treffen sollte, auf das Haupt eines Un Du schaust mir nit guat drei? Das ist kei Hochzeiter- schuldigen gewälzt. Das arme ungeübte Gehirn des Burschen mien'!" ,, Nein Vater fie will mich nit!" " " ,, Will Dich nit? Dich, deu Lenz vom Hochbräu?" ruft der Alte und eine dunkle Röthe steigt in seinem gedunsenen Gesicht auf. Aha, das ist, weil bei mir heut Nacht trieben worden ist das ist sogar so einer Betteldirn a zu große Schand! Da sieht man's schon- 3'lezt nimmt tei Hund tei Stückl Brot mehr von uns und' s G'schäft dös geht nachher au nimmer wir sind ruinirte Leut'!" Er bricht wieder in jenes tindische Schluchzen aus, das Lenz in der Nacht so erschüttert hat. " Bater, beruhigt Euch,' s ist nit so schlimm!" Er kniet am Bett nieder. Wir werden schon wieder zu Ehren kommen dafür laßt nur mich sorgen so viel Manns bin i mir jetzt scho selber! Dös mit der Wiltraud ist auch nit wegen dem, sie sie hat halt' n Kummier, und da will sie jetzt nit heirathen." Der Alte sieht ihn erstaunt an:„ Warum druckst denn so' rum? Sag's doch' raus was hat's für a Bewandtniß mit dem Madl?" " Der Sebald, ihr Bruder den haben s' heut Nacht fortg'führt!" Was, den Sebald,- den Lungensüchtigen? Warum denn?" " ' s heißt halt aber, wer weiß, ob's wahr ist- er wär beim Treiben g'wesen." 〃 〃 Beim Treiben war der?" Baterii glaub's nit!" " tann es nicht ausdenken! Als ob ihm das Rückgrat gebrochen sei, schleppt er sich die Straße hinunter, nach dem Hause des Arztes. Er hofft, der Gang durchs Dorf solle ihm gut thun. Aber der ist gerade am wenigsten geeignet, ein krantes Gemüth aufzurichten. Unterdessen ist es völlig Tag geworden, wenn man die fahle Dämmerung mit Regen und Schnee so nennen will. Die Einquartirung hat die müden Leute grausam aus dem Schlaf geweckt. Niedergedrückt schleichen kummervolle Gestalten aus ihren Häusern, das heitere, wohlhäbige Dorf ist in einen Ort der Heimsuchung und Trauer verwandelt. 場 Der Pfarrhof liegt in Asche, nur noch die leeren Mauern bis zum ersten Stockwerk sind stehen geblieben. Auch vom Nebenhaus ist das Dach halb verbrannt und verkohlte Balken ragen heraus. Auf dem schlüpfrigen Boden sieht das Auge mit Widers willen einzelne vom Regen verschwemmte, röthliche Lachen. Sind es Reflere der Morgenröthe? Nein, an dem grauen Wolkenhimmel leuchtet kein Strahl eines Sonnenaufgangs. Was heute den Boden färbt, ist- Blut.( Fortsegung folgt.) ( Nachdruck verboten.) Das Muliziren der Insekten. Von Dr. Ludwig Staby. In dem großen Naturkonzert, das an jedem schönen Frühlingsund Sommertage in Wald und Feld stattfindet, spielen die gefiederten Sänger naturgemäß die Hauptrolle; aus Busch und Hain erklingen die lieblichen Weisen der Finken, der helle Ruf des Pirols, der schmetternde Gesang der Drossel und das schmelzende, sehnsuchtsvolle Lied der Nachtigall. Aber allmälig, wenn nach dem schönen Monat Mai ernſte, häusliche Sorgen an die fröhlichen Sänger herankommnen, da ein schmetterndes Lied ertönt, so treten doch im allgemeinen die verstummt ihr Gesang immer mehr, und wenn auch noch hier und Bokalkünstler etwas zurück, um in dem großen Konzert jetzt die Vers treter der Instrumentalmusit mehr zu Worte kommen zu laffen. Aus dem schattigen Walde, wie aus der blumigen Wiese tönt uns jetzt an warmen Tagen tausendfach die Musik der Insekten, der Instru mentalisten entgegen und überall hören wir ihr Summen, Brummen Der Kranke setzt sich im Bette auf, seine Augen irren un- und Birpen. Es ist nun sehr interessant, die kleinen Künstler nebst heimlich hin und her, seine Finger spielen nervös auf der ihren Instrumenten näher kennen zu lernen, und wir wollen daher Bettdecke:" Da ist's schon gut, daß die Fräulein Wiltraud im folgenden die hervorragendsten unter dem Heere dieser Musiker einer furzen Betrachtung unterziehen. Der Hochbräu schüttelt den Kopf:' s wird scho so sein! Dös sieht dera Nation da draußt ganz ähnlich! Die hab'n mich von jeher g'haßt, und aus dera Quell sind auch die von der todten Mühl, denn dös hat Vers g'flossen ja gar fei Mensch wiss'n könne, als die zwei selber er und sei Schwester.- Was hätten denn d' Haberer für' n Interesse an der G'schicht g'habt, wenn er nit einer von die Ihrigen wär'!- Dös is ja so klar, daß es a Kind durch schaut." -" Lenz fühlt bitter den Hohn in dem Wort, Fräulein" ,, selber so g'scheit ist und nit ins Haus geht. Denn wenn i dös nach träglich erfahren hätt' und sie wär' schon Dein Weib g'wesen - ich hätt' sie eigenhändig erdrosselt!" das ,, Vater!" schreit Lenz entsetzt auf und sieht mit Grauen den lächelnden Ausdruck in dem Gesicht des Alten, Lächeln kalten unversöhnbaren Hasses! Ihr könnt ja nit wissen, ob man ihm nit uner tann ja auch mit' ma andern verwechselt word'n sein!" stammelt Lenz mit bleichen Lippen. ,, Bater recht thut ,, Er war dabei, sonst wär' er uit verhaftet worden! An schönen Sommertagen ertönt aus jeder sonnigen Wiese unaufhörlich das Gezirpe der Grillen und Heuschrecken, die denn auch als Hauptmusiker unter den Insekten anzusehen sind. Die Heu schrecken, unter denen das braune und grüne Heupferdchen am be tanntesten sind, tragen an der Innenseite der Oberschenkel der Hinterbeine eine hervorragende Leiste, die unter dem Mikroskop eine Reihe von ungefähr neunzig äußerst zierlicher, lanzettförmiger 3ähnchen aufweist, die wie feine Lanzenspißen aus der Haut hervor. ragen. Mit dieser sogenannten Schrillleiste streichen nun die Heufchrecken an den Längsadern der Flügeldecken hin; durch die rasche Reibung werden die dünnen Flügel in schwirrende Bewegung gesett und erzeugen den schrillenden Ton, genau in derselben Weise, wie 319 etwa eine durch Streichen in Schwingung versetzte Biolinfaite. Die Heuschrecken sind also in dem Feldkonzert die Violin spieler und sie haben vor den menschlichen Geigern noch den Vortheil, daß sie zwei Instrumente zugleich spielen können, sie geigen mit den Hinterbeinen an jeder Seite des Körpers und zwar ziehen sie mit erstaunlicher Schnelligkeit die langen Hinterbeine, die etwas lose vom Körper abgehalten werden, herauf und herunter, abwechselnd erst das rechte, dann das linke Bein. Die Töne, welche die Thiere hervorbringen, sind nun durchaus nicht von einer Höhe und Stärke, sie geigen alle verschieden, und zwar haben die größeren Musikanten einen tieferen Ton als die kleinen, wie man bei gefangenen Exemplaren festgestellt hat. In der großen Familie der Heuschrecken, besonders bei den ausländischen Arten, ist der Tonapparat auf die verschiedenste Weise ausgebildet. So ist z. B. bei einer südafrikanischen Art Pneumora an jeder Seite des Hinterleibes eine fleine, schräg hervorspringende, mit zahlreichen Einschnitten versehene Leiste vorhanden, gegen welche die Hinterschenkel gerieben werden, außerdem ist bei den Männchen, die allein den Tonapparat besitzen, der ganze Leib zu einer großen Blase aufgetrieben und so zu einem vorzüglichen Resonanzboden umgewandelt. Ju etwas anderer Weise als die Heuschrecken geigen die Grillen, deren Musik ja ähnlich flingt. Die Feldgrille( Gryllus campestris) trägt auf der unteren Seite der Flügeldecken eine Alder, die mit un gefähr 130 feinen, erhabenen Querleisten oder Zähnchen besetzt ist. Diese gezahnte Ader, Schrill- Ader genannt, wird nun mit großer Schnelligkeit quer über eine vorspringende, glatte Ader auf der Oberfeite des entgegengesetzten Flügels gerieben und erzeugt auf diese Weise den schrillenden Ton, dabei werden zur Verstärkung des Tones beide Flügel etwas in die Höhe gehoben. Mit breitgestellten Beinen, nach unten gebeugtem Vorderkörper und gehobenen Flügeln steht die Feldgrille vor dem Eingang ihrer kleinen Erdwohnung und siedelt die lustigsten Weisen, um die Weibchen zu rufen und anzulocken, die selbst stumm sind. Mit denselben Jnstrumenten wie die Feldgrille ist ihre nahe Verwandte, die Hausgrille oder das Heimchen, ausgerüstet, und das Konzert, das wir in alten Häusern an ruhigen Abenden oft an der warmen Heerdwand ertönen hören, wird von den Heimchen auf dieselbe Weise hervorgebracht. Im Süden unseres Erdtheils, sowie in den Tropenländern tritt ein anderes Infekt als Haupttonangeber in den Naturkonzerten auf, es ist die Cifade, auch Singcikade genannt, die wie heute noch bei den Chinesen, früher bei den alten Griechen ihres Gefanges wegen häufig in Käfigen gehalten wurde und in so hohem Ansehen stand, daß sie vielfach in Gedichten verherrlicht wurde; Anakreon widmet ihr sogar eine ganze Ode, in der er das Glück einer Cikade besingt. Die Cifade geigt aber nicht, sondern dieser niedliche Musikant bedient sich kleiner Pauken. Die Thiere, etwa von der Größe eines Maitäfers, haben nämlich am Anfang des Hinterleibes eine kleine, fuglige Höhlung, über die eine zarte Haut, ein Trommelfell gespannt ift, das durch einen Muskel in Bewegung gesetzt wird und wie eine fleine Kesselpauke flingt, allerdings wegen der Winzigkeit des Instrumentes in sehr hohem Tone, der aber nichtsdestoweniger ziemlich laut und weit zu hören ist. Heutzutage wird der Gefang der Cikaden nicht mehr so hoch geschätzt, manche Reisende klagen bitter über den unausstehlichen Lärm, den die Citaden in den Wäldern der Tropen oft hervorbringen. Außer diesen Paukern weist das große Reich der Jufekten auch Trommler auf, ein solcher ist z. B. der Troßkopf oder Klopstäfer. Gewiß hat mancher Leser schon abends oder in der Stille der Nacht plöglich im Zimmer ein regelmäßiges Klopfen, etwa wie das Ticken einer Uhr, gehört. Dieses Geräusch rührt von dem Klopftäfer her, dem abergläubische Leute den Namen„ Todtenuhr" gegeben haben, da sie in dem Wahne waren, er zeige durch sein Klopfen die letzte Stunde eines Menschen, etwa eines Kranken in dem betreffenden Hause an. Der Käfer flopft aber nur, wie vielfache Versuche er wiesen haben, um andere Genossen, vor allem seine Weibchen herbeizulocken. Wenn man etwa mit einer Nadel, die man gegen den Tisch stößt, den Ton in etwas nachahmt, dann antwortet der Käfer häufig durch wiederholtes Klopfen, das er dadurch hervor: bringt, indem er Fühler und Vorderbeine etwas anzieht und mit dem Kopf und dem vorderen Theile des Halsschildes gegen den Boden schlägt. Manche Käfer geben, wenn man sie anfaßt, einen Ton von sich, wie man fehr gut an dem großen Zimmerbock, der manchmal mit dem Bauholz in die Häuser gelangt, beobachten kann. Sie reiben den harten, hinteren Theil des Vorderrückens und erzeugen dadurch einen Inarrenden Laut. Unser großer, allerdings ziemlich seltener Nachtschmetterling, der Todtenkopf" giebt einen pfeifenden Ton von sich, wenn man ihn anfaßt, er stößt durch eine enge Spalte im Rüssel Luft aus seinem Iuftaugefüllten Saugmagen heraus, wodurch der pfeifende Ton entsteht. Offenbar geben diese Thiere die Töne von fich, um etwaige Angreifer abzuschrecken. Aber außer den zuerst genannten nehmen noch andere Thiere theil an dem großen Musikfeste, das im Sommer auf jedem Haag, jeder Wiese gefeiert wird. Außer den Grillen und Heuschrecken eilen die Hummeln, Bienen, Wespen, Horniffe, Fliegen und Müden herbei, um die Musikkapelle vollzählig zu machen. Wer hätte nicht das Brummen der Hummeln und Wespen, das Summen der Fliegen und Mücken in allen Tonarten oft beobachtet! Wohl jeder ist schon gestört worden durch das Gesurr einer zum offenen Fenster hereingeflogenen Wespe, die sich eine liege oder etwas Zucker bolen wollte und nicht gleich wieder herausfindet, und wohl jeder hat auch schon den feinen, in sehr hohen Tönen gehaltenen Gefang eines Mückenschwarmes vernommen. Alle diese verschiedenen Stimmen werden zum größten Theil durch die heftig schwingende Bewegung der Flügel hervorgebracht, die ähnlich den Zinten einer Stimmgabel tönen. Die Fliegen und Mücken haben außerdem hinter den Flügeln noch kleine Anhängsel, die sog. Schwingtolben, kleine geftielte Köpfchen, die durch die Bewegung der Flügel mitschwingen und den Ton erzeugen oder verstärken. Wahrschein lich werden die ganz hohen Töne der Mücken durch die Schwingfölbchen allein hervorgebracht. Daß die Stärke und Höhe des Tones von der Größe des Thieres abhängig ist, braucht nicht näher hervorgehoben zu werden. Bei den Hummeln, Bienen, Fliegen und ihren Verwandten kommen bei den musikalischen Leistungen außer der Flügelbewegung noch einige in der Brust liegende Luftröhren in betracht, an deren Ausgang kleine blattförmige Chitinplättchen hängen, die durch die ausströmende Luft in tönende Bewegung gesetzt werden. All das Gesumme, das Brummen und Surren, dient auch bei diesen Insekten offenbar nur dazu, sich bemerklich zu machen, sich gegenseitig zu rufen und zu locken. Haben z. B. mehrere Fliegen einen guten Futterplag gefunden, so rufen sie durch ihr Gesumme immer mehr Kameraden herbei, um sie auch an dem Mahle theilnehmen zu lassen. Einst sah ich an einem warmen Mai- Abend un zählige Maikäfer von allen Seiten sämmtlich in grader Richtung einem tiefer gelegenen Wäldchen zufliegen, das fie sicher nicht sehen konnten, dessen Vorhandensein aber trotz ziemlicher Entfernung durch das Gesumme einer ungebeuren Menge von Maifäfern verrathen wurde, die in großen Massen alle Bäume bedeckten. Durch das Summen herbeigerufen, finden sich auch die Mückenschwärme zusammen, die durch den stetigen Zuzug oft zu einem Umfang anwachsen können, der ihre Züge als Wolfe erscheinen läßt. Die Musik der Insekten steht in einer Beziehung in gewissem Gegensatz zu dem Gefang der Vögel, denn dieser ist Vokalmusik, während die Insekten alle Instrumentalmusik ausüben. Der Zweck beider ist aber derselbe, denn wie der Vogel durch seinen Gesang sein Weibchen herbeilockt, es ruft, unterhält und vergnügt, so dienen auch den Insekten die Töne dazu, sich zu rufen, zu verständigen und zu unterhalten. Wie bei den Vögeln das Weibchen nicht fangesfundig ist, so sind auch bei den musizirenden Insekten die Weibchen stumm, was den alten griechischen Dichter Xenarchos zu dem Ausspruche veranlaßte: Glücklich leben die Cikaden, denn sie haben stumme Weiber." Kleines Feuilleton. Ergebnissen der Volkszählung giebt es in Deutschland 34 LandRiesendörfer nud Zwergstädte in Deutschland. Nach den gemeinden, die über 10 000 Einwohner zählen. Es sind nach der Altendorf 40 299, Größe geordnet folgende: Schöneberg 62 684, Rigdorf 59 937, efsen 20 984, Neu- Weißensee 25 048, Herne 19 321, Löbtau 19 106, Borbeck 34 807, Lichtenberg 28 852, AltenBeed 18 800, Baborze 18 395, Schalte 18 328, Bottrop 18 019, Langenbielau 17 613, Steglit 16 522, Buer 16 127, Giebichen Dudweiler 13 467, Sulzbach 13 275, Laurahütte 11 485, Sterkrade stein 15 072, Langendreer 15 057, Alt- Zabrze 14 016, Bredow 13 545, 11 315, 10 225 Bogutschüß 10 779, Reinickendorf 10 667, Weitmar 10 283, Bilich Lechhausen 11 019, Ruda 10 996, Langerfeld 10 898, Diese Riesendörfer liegen, abgesehen von den der Eingemeindung Altwasser 10 212, Nowawes 10 055, Bensberg 10 006. Stettin( 1), Halle( 1), Augsburg( 1) und Dresden( 1) aus harrenden Vororten von Großstädten, wie um Berlin( 7), nahmslos in falens( 7) und der Rheinproving( 9). Das Gegenbild zu diesen den Bergbaugebieten Oberschlesiens( 7), WestRiesendörfern sind die ganz kleinen Städte, die noch aus alter Zeit ihnen haben es noch nicht auf 1000 Einwohner gebracht. Die kleinste die Stadtgerechtigkeit erhalten haben. Nicht weniger als 139 von Stadt im Deutschen Reiche ist Hauenstein im badischen Kreis und Amtsbezirk Waldshut, die Hauptstadt" des Hohenlandes: sie zählt 160 Einwohner. Die nächst größeren Zwergstädte sind: Bavelstein Blumenfeld in Baden 350, Lißberg in Hessen- D. 353, Staden in in Württemberg 301, Berneck 343, Fürstenberg in Waldeck 350, Hessen- D. 400, Hering in Hessen- D. 450, Lagow in Branden burg 454, Neufreiftett in Baden 470, Pfirt im Elsaß 485, Waldeck in Waldeck 486, Teichel in Schwarzburg- Rudolstadt 495. Literarisches. " er. Goldschmied Leonor: Die Kaufleute". Berlin 1896. August Deubner. Ein zwanzigjähriger Kommis, der sich für einen großen Dichter hält; seine Chefs, zwei Börsenschwindler, die einfältigen Leuten ihre Ersparnisse abnehmen, und ein ehemaliger Kleinstadtkrämer, der Vater des erwähnten Kommis, der aus Aerger über die Dichteritis seines Sohnes plöhlich überschnappt: das sind die Haupthelden dieses in stammelndem Deutsch geschriebenen sozialen Dramas". Der Inhalt ist beinahe noch ftimperhafter als die Form. Je tragischer sich der Verfasser geberdet, um so spaßbafter kommt einem die Geschichte vor, und nur an Ende, wenn der Vater des an Größenwahn leidenden Jünglings sein bischen Verstand verliert, wird man dem Verfasser beistimmen 320 tönnen, denn unter der Gesellschaft, die er uns vorführt, bleibt| inneren Organen gefunden werden. Zritt Eiterung der einem halbwegs vernünftigen Menschen wirklich nichts anderes übrig. Bubonen ein, so gehen, wenigstens der Regel nach, die BestDem armen Leser dieses fidelen Trauerspieles wills um ein Haar bazillen sehr bald zu grunde; es kommt dann aber nicht ebenso gehen. Theater. Die Wiener Hofoper hat einen Jahres Etat von 1 300 000 Gulden, das Burg Theater einen solchen von 800000 Gulden. Die vom Raiser gegebene Subvention beträgt für das Burg Theater 200 000, für die Hofoper 300 000 Gulden jährlich. Die Gefammt Ausgabe beider Theater beträgt also 2 600 000 Gulden ( 4 420 000 M.). Beide Hoftheater tönnen gewöhnlich ihren Jahres Etat nicht aus den eigenen Einnahmen und der Subvention be ftreiten, so daß immer ein Defizit zu decken ist. In diesem Jahre betrug das Defizit der Hofoper 50000 Gulden, daß des Burg- Theaters 0 70 000 Gulden. Aus dem Alterthum. t. Rosinenkuchen und Schminke aus den ältesten egyptischen Gräbern. Ein Franzose, Amélineau, hat bei Abydos in Ober- Egypten Ausgrabungen gemacht, die zu vielen interessanten Ergebnissen geführt haben. Einige der gewonnenen Gegenstände, deren Alter noch hinter das Jahr 3000 v. Chr. zurückgeht, überwies er dem Pariser Chemiker Friedel zur Untersuchung auf ihre chemische Zusammensetzung. Ein interessanter Bericht über die letztere gelangte in der Sitzung vom 5. d. M. an die dortige Akademie der Wissenschaften. Zunächst waren da verschiedene Stücke von fettähnlichen Substanzen, die im Innern der Gräber in Thon gefäßen gefunden waren und zweifellos den Todten als Mundvorrath mitgegeben wurden. Nach der Analyse bestand diese Substanz hauptsächlich aus Palmitinsäure, daneben aus Glycerin- Verbindungen, die zu mehr als der Hälfte sich im Laufe der Jahr taufende in Seife verwandelt hatten. In einer der ihm anvertrauten Proben entdeckte Friedel eine ziemlich große Zahl von dunkleren, fehr zerbrechlichen Körnern, die durchaus das Aussehen von Traubenkernen befaßen. Er glaubte aus seinen Beobachtungen den Schluß ziehen zu können, daß diese Substanzen die Ueberreste von Rosinenkuchen darstellen, die mit den Todten beigesetzt wurden und von denen der größte Theil der organischen Substanz durch langfame Oxydation zerstört wurde. Außer diesen merkwürdigen Gegen ständen erhielt der Chemiker noch eine Reihe kleiner Gefäße theils aus Marmor, theils aus Anhydrit von bläulichgraner Farbe, von denen einige mit einem kleinen Deckel von Scheibenform verschloffen waren. Mehrere dieser Vasen enthielten noch ein wenig von einer Substanz, welche nichts anderes war als vulverifirtes fchwefelfaures Blei mit einer mehr oder weniger großen Menge von Fett vermischt. Dies war augenscheinlich damals ein beliebtes Cosmétique", wie noch heute im Orient das schwefelsaure Antimon als solches angewandt wird.ition sch 48] Geographisches. felten noch zu gefährlichen sekundären Infektionen, zumal mit Streptokokfen. In den leichten Fällen bilden sich die Bubonen auch erwähnten Pestkranken höchst wahrscheinlich erst dann, wenn die ohne Eiterung zurück. Für ihre Umgebung gefährlich werden die Infektion des Blutes erfolgt ist, wobei, zumal infolge zahlloser fleiner Blutgefäß- Zerreißungen, die Krankheitserreger sowohl mit den Darmentleerungen als auch mit dem Urin den Körper verlassen fönnen. ist durch die höchst wahrscheinlich primäre Betheiligung der Lungen, Eine zweite, bei weitem kleinere Gruppe von Erkrankungen in einzelnen Fällen auch der Mandeln charakterisirt. Im ersten Fall kommt es zur Entwickelung von entzündlichen, mehr oder weniger ausgebreiteten Herden in den Lungen, in denen Peſtbazillen in großer Menge gefunden werden. Die Bazillen, welche von solchen Kranken wit dem Lungenauswurf entleert werden, gefährden offenbar die Personen der Umgebung in um so höherem Maße, je rücksichtsloser die Entleerung des Auswurfs auf den Boden, die Wände 2c. erfolgt. Ein Fall, in dem eine primäre Infektion vom Verdauungskanal aus hätte angenommen werden müssen, war der Kommission bisher nicht zur Kenntniß gekommen. N Physikalisches. ie. Verwandlung von Diamant in Graphit Als der englische Physiker Crookes feine berühmten Untersuchungen über die Vorgänge anstellte, die sich unter dem Einflusse eines elektrischen Wechselstromes in den nach ihm benannten Röhren mit verdünnten Gasen abspielen und die von ihm mit den oft wiederholten Namen Bombardement der Moleküle" belegt wurden, damals wurde bereits von ihm festgestellt, daß fleine Diamanten, die man in eine folche Röhre brachte, bald ihren Glanz verloren und sich mit einer schwarzen Schicht bedeckten. Diese Thatsache wurde jetzt von Henri Moissan, dem großen Pariser Chemiter, näher untersucht, und er ermittelte( nach einem Berichte an die Pariser Akademie der Wissenschaften), daß diese schwarze Substanzen, in die sich der Diamant unter folchen Umständen verwandelt, nichts anderes ist als Graphit. Dieses Produkt zeigt eine ähnliche Beständigkeit wie der Graphit, den man unter dem elektrischen Bogen erhält, d. h. bei einer Temperatur von etwa 3600 Grad. Humoristisches. - Ein gescheidter Bürgermeister. In Meerbeck bei Bückeburg wurden unlängst die Schulmädchen bezüglich ihrer Fertigkeit in Handarbeiten geprüft. Einige Tage vorher ließ der Bürgermeister des Ortes, der auch noch dazu Landtags- Abgeordneter ist, folgenden Utas los: Wegen den Handarbeitsunterricht in der Schule, wird in nächfter Zeit eine, Lehrerin kommen und die Mädchen von 9. Jahren Prüfen, Die Prüffung ersträckt sich auf, daß Stopfen, Fliden Striden Daß Stofen muß in der form eines, Siebe- Bodens gemacht werden. Der Flicken muß auf das Loch erft Aufgehäftet werden. denn wier bei der Prüfung herreinfallen kriegen wir die Arbeiten in die Schuhle. Meerbeck, den 27. März 1897, Krömer, Vorsteher." Vermischtes vom Tage. Ersteigung des Zubungato. Nach einem Bericht des„ Daily Chronicle" von Vacas in Argentinien ist es dem zur Fizgerald'schen Expedition gehörigen Geologen Stuart Dines, der von dem Schweizer Führer Burbriggen begleitet war, gelungen, die Spitze des noch nie erflommenen Berges Tubungato zu ersteigen. Zwischen dem 25. März und 8. April wurden drei Versuche ge= macht, den Berg zu erfteigen; die Expedition wurde aber stets durch die Ungunft des Wetters zurückgetrieben und mußte nach Inca zurückkehren, um sich zu erholen, da alle Theilnehmer außer Zurbriggen, Mr. Stuart Dines und drei Träger, von der Kälte und noch mehr der dünnen Luft schwer zu leiden hatten. Am 11. April Der Vorort der deutschen Schiller stiftung hat im letzten wurde ein neuer Aufstieg versucht. Die Partie bivouatirte über Jahre 40 691 M. Unterstügungen gezahlt; davon entfielen 13600 m. Nacht in der Höhe von 17 000 Fuß. Das Thermometer fant auf auf lebenslängliche Pensionen. Die Leistungen der Zweigstiftungen 5 Grad Fahrenheit und ein furchtbarer Sturm wüthete. Der beliefen sich auf 10 056 m. Morgen des 12. war aber hell und windstill. Um 7 Uhr wurde- Jn Kreuzburg( D. Schl.) feuerte ein Wertführer auf der Aufstieg weiter in Angriff genommen. Als die Höhe von seine im Wochenbette liegende Frau einen Schuß ab und verwundete 20 000 Fuß erreicht war, wurden alle Träger von der Berg- fie. Hierauf richtete er die Waffe gegen sich. frankheit" erfaßt und mußten umfehren. Zurbriggen und Dines In Halle stahlen am Sonnabend zwei Spitzbuben ein Pferd flommen allein weiter und erreichten den Gipfel, der als von einem Pferdebahnwagen, als der Kutscher sich auf einen Augen vulkanischer Regel sich erwies, um 4 Uhr. Sie hatten bei flarem blick entfernt hatte. Wetter eine wunderbare Fernsicht über die Cordilleren, aus denen majestätisch der Aconcagua hervorragte. Gegen Westen bemerkten fie in der Entfernung von etwa 8 Kilometer einen Vulkan in voller Thätigkeit. 8 Medizinisches. " Um nicht der Heimathsgemeinde zur Laft zu fallen," ver suchte sich in Herzogenbuchfee( Schweiz) ein arbeits- und mittelloſer 67jähriger Müllerknecht durch Deffien der Pulsadern das Leben zu nehmen. Ein französisches Geschäftshaus ließ sich das Züricher Adreßbuch kommen und versandte danach seine Zirkulare. Eines derselben trug folgende Adresse: Monsieur Armenpflege siehe III. Theil Zürich. London. Im letzten Jahre sind im Vereinigten Königreich über 22 000 Patente auf Belosipede und was damit aufammen hängt ertheilt worden. Nach einer aus Wellington( Neuseeland) in London eingegangenen Depesche ist das englische Schiff Buleita" beim Rap Palliser untergegangen. Von der Besayung wurden nur 9 Mann gerettet. -O Die deutsche Kommission zur Erforschung Der Pest, die feit 8. März in Bombay weilt, ist in der Lage gewesen, sich über die Art, wie der spezifische Krankheitskeim, der Befibazillus, in den menschlichen Körper eindringt, und über die Wege, auf welchen er den Körper verläßt, auf grund eigener An schauungen und Untersuchungen ein vorläufiges Urtheil zu bilden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sind es kleine Verlegungen, Kragwunden und dergl., welche dem Bestbazillus als Eingangs pforte dienen; bei derartig entstandenen Erkrankungen pflegen die bekannten primären Drüsenschwellungen( Pestbubonen) beobachtet zu werden. Solange das von den Drüsen gebildete Filter nicht durch brochen wird, tommt es nicht zur Entwickelung der wohl fast stets tödtlich verlaufenden septichämischen Form der Beft, bei welcher die Bazillen überall im Blut und dementsprechend in den Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin. " Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint Sonn tag, den 25. April.