Ur. 185. Abennkments-Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Vierteljährl. z,zo MI., monatl. 1,l0MI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer k Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 2,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISS9 unter Dr. 7830. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 3 Marl, für da» übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. 16. Jahrg» Erscheint täglich auster»onkng». �-s herrlichung Schulzes auf Kosten Lassallcs herauszureden, würde ich nicht weiter zurückkommen, wenn Schippe! eS nicht für gut befunden hätte, seinen Mangel an sachlichen Gründen durch eine Zitirmcthode zu verdecken, deren ausreichende Qualifikation ich de» Lesen: des „Vorwärts" überlassen muß. Nach Schippeis Behauptung in der gestrigen Nummer dcS„Vor wärts" soll in meiner Parteigeschichte 2. LS zu lesen sein:„So weit diese Schrift gegen Schulze polemisiert, thut sie der P e r s o Schulzes manchmal zu viel.... Freilich steht jeder polemischen Ausschreitung Lassallcs in dieser Zeit die Entschuldigung zur Seite, daß sie gegenüber den Sünden der Gegner ein Kinderspiel war. Aber um semer selbst und um seiner Sache ivilleu hätte Lassalle besser daran gcthan, von seinen persönlichen Angriffen gegen Schulze die Hälfte zu streiche und die andere Hälfte... in der Klangfarbe zu dämpfen. Thaffächlich steht in der von Schippe! angezogenen Stelle nieiner Parteigcschichte folgendes geschrieben:„Soweit diese Schrift, die im Januar 1864 erschien, gegen Schulze polemisiert, gilt von ihr das- selbe, wie von der Streitschrist gegen Juliaii Schniidt: sie thut der Person Schulzes manchmal zu viel, weil sie eine ganz faul Sache in dieser Person verkörpert. Freilich halt Schulze die ihm übertragene Nolle des„Königs im socialen Reiche" mit großer Selbstgefälligkeit übernommen, und war bereit, mit s ein e m Na m e n alle kapitalistische Korruption zu decken, wie denn überhaupt jede polemische Ausschreitung Lassalles in dieser Zeit die Eutschuldigung zur Seite steht, daß sie gegenüber den Sünden der Gegner ein Kinderspiel war. Aber um seiner selb st und seiner Sache willen hätte Lasialle besser daran gethan, von seinen persönlichen Angriffen gegen Schulze die Hälfte zu streichen und die andere Hälfte von der leiden» sch aftlichen-ungestümen auf eine herablassend- verächtliche Klangfarbe zu dämpfen. Die- jenigen Abschnitte seiner Schrift— und sie überwiegen durchaus—, in denen sich die ganze sieghafte Kraft seiner Dialektik noch einmal entfaltet und maiich mal hinreißender als jemals zuvor, würde ii dadurch noch gewonnen haben." Ich weise dann seitenlang im einzelnen nach, was ich in meiner neulichen Zuschrift an den„Vorwärts" dahin zusammen- faßte, daß die bürgerliche, auf die Täuschung der Arbeiter berechnete Villgärökonomie, als deren Wortführer sich Schulze gegen den „Demagogen" Lassalle aufspielte, im„Bastiat- Schulze" für immer totgeschlagen worden sei. Da ich einmal gezwungen worden bin, in dieser Sache abermals daS Wort zu ergreife», so möchte ich die Gelegenheit zu einer kurzen Bemerkung über die Briefkastemiotiz: F.Z.. TreSckoivstraße, in Nr. 182 des„Vorwärts" benutzen. Es wird darin als„Jrrnim" bezeichnet, auf den„man heute, nach mehr wie dreißig Jahren, ruhig verzichten" könne, ivenil � das„Entfesseln Sie die Bestie nicht!" oft gegen Schulze' Delitzsch in dem Sinne citiert worden sei, als hätte er damit die Arbeiter gemeint und jede selbständige öffentliche Bethätigung der» selben; Schulze habe die Sache ein paar Jahre später im Nord- deutschen Reichstage«richtig gestellt". Diese Vriefkastennotiz, die� mit einem Hinweise auf einen Auffatz Schippels schließt, wird von der„National- Zeitung" als Beweis für die Abgefeimtheit der socialdemokratischen Demagogie der- wertet. Sie meint, dreißig Jahre lang sei ein offenbarer Schwindel gegen Schulze-Delitzsch kolportiert worden, der nunmehr, da er nicht mehr ziehe, ruhig als„Irrtum" eingestanden würde. In der That wäre der Hohn der„National-Zeitung" beißend genug. wenn der Verfasser der Briefkastennotiz mit dem„Irrtum" nicht auf dem Holzwege wäre. Man prüfe die Rede Schulzes von ider «entfesselten Bestie" nach Sinn und Zusammenhang, und man wird nichts anderes herausdestillicren können, als daß mit diesem mißtöncilden Worte die beginnende Selbständigkeit der Arbeiter auf politischen Gebiete beschimpft werden sollte. Ganz ähnlich wie Schulze ein paar Jahre darauf die beginnende Selbständigkeit der Arbeiter auf gewerkschaftlichem Gebiete mit„den müssigcn Schwätzereien unnützer Buben" zu besudeln versuchte. Daß er in beiden Fälle», als ihm die unangenehmen Folgen seiner staatsmännischen Aeußc- rungcn fiihlbar wurden, sie„richtigzustellen", d. h. sie auS der Welt zu schwin— gen unternahm, ist richtig, verbessert aber seine Lage durchaus nicht und ist am allerwenigsten ein Grund, die social- demokratische Partei eines„Irrtums" zu beschuldigen, der, wenn die Thatsache selbst nicht richtig wäre, etwas viel Schlimmeres, als ein Irrtum wäre. I_ Genug, Schippel propagiert seit einiger Zeit, erst in der„Neuen Zeit" und jetzt im„Vorwärts", eine Geschichtsauffassung— die, wenn sie stimmen sollte, eigentlich den Parteivorstand veranlassen müßte, im Supplikantenfrack bei Herrn Engen Richter vorzusprechen und um geneigte Entschuldigung zu bitten. daß die Arbeiter in> den sechziger Jähren der braven, guten, lieben, wohlwollenden Fortschrittspartei so übel mitgespielt hatten. Ich werde mir demnächst erlauben, Schippels originelle Beweisfuhrmig in der„Neuen Zeit" ein wenig unter die Lupe zu nehmen; in den Spalten einer Tageszeitung lassen sich dergleichen Fragen doch nicht austragen, und für mein Teil schließe ich diese Diskussion im„Vorwärts". Steglitz-Berlin. 9. August 1399. F. Mehring. Ausland. Die Trausvaal-Angelcgeuheit ist noch genau auf dem alltcn Punkt. Der Nachricht, daß die Voeren den englischen Vorschlag gestern abgelehnt hätten, fehlt die Bc stätigung. Bis zum heutigen Nachmittag war in England noch keine Antwort eingetroffen. Der englische Kolonialminister benutzte aber den letzten Tag der Session, die heute geschlossen ward, zu einer kleinen Jingo-Vorstellung. Auf eine Bemerkung des irischen Mitgliedes O'Connor, der daS schroffe Vorgehen gegen Transvaal scharf tadelte, entgegnete Chamberlain nach dem uns vorliegenden Telegramm: Zu seinem Bedauern sei der Führer der Opposition nicht zugegen; er glaube, dieser würde mit ihm eine Debatte über Transvaal als höchst unerwünscht betrachtet haben. Die Lage sei ernst und zweifel- Haft. Die ganze Rede O'Connors gehe von der Annahme aus, daß Präsident Krüger und die Regierung von Transvaal den englischen Vorschlag abgelehnt habe, den Vorschlag, der im Interesse des Friedens gemacht sei und den O'Connor selbst als mäßig und billig anerkenne. Das Gerücht, der Vorschlag sei abgelehnt, sei zur Stunde eben nur Gerücht, und er hoffe aufrichtig, daß dieses Gerücht falsch sei. Unter diesen Umständen bcdaure er, in die Notwendigkeit versetzt worden zu sein, über eine hypo- thetische Lage' zu diskutieren. Aber O'Connor sei aufgetreten als Verfechter des Gesichtspunktes, den er als denjenigen der Boeren bezeichnet habe. Es fei aber keineswegs gewiß, daß die Boeren-Regierung die von O'Connor vorgebrachten Ansichten als genaue Vertretung ihrer Anschauungen anerkennen würde.„Ich würde", fuhr Chamberlain fort,„über alles hinweg- gehen und in meiner Rede nicht fortfahren, wenn nicht Reden. wie die O'Connors, auswärts mißdeutet werden könnten, be- sonders in Transvaal, wo eS stets möglich ist. daß eine solche Rede Unheil stiftet, zumal bei der gegenwärtigen Lage. Ich halte es für unnötig, auf die Bemerkung O'ConnorS näher einzugehen, daß nach Ansicht vieler in England jedwede extreme Maßregel, jedweder Krieg unnötig sei. Ich selbst spreche daS Wort„Krieg" nur auS, wenn es absolut nötig ist. O'Connor meint, soweit ich ihn verstehe, die britische Regierung solle sich demütig bescheiden und sich bereit er- nicht zurück- zufrieden geben." klären, zu warten, bielleicht 25 Jahre, bis die Beschwerden der UitlandcrS abgestellt seien. Es wäre ein fataler Irrtum, wenn man in England oder irgend einem anderen Lande annehmen wollte, diese' Ansicht wäre wirklich im Lande auch nur bei einer kleinen Minorität vertreten. Die Regierung hat ihre politische Stellung klar dahin dargelegt, daß die jetzigen Zustände in Transvaal große Gefahren bergen, und daß die Superiorität Englands durch das Verhalten Transvaals bedroht sei, das die Abstellung der schwerden verweigere und Wünsche, die die suzeräne Macht in ge mäßigter Sprache ausspreche, gänzlich unberücksichtigt lasse. Dieser Zustand kann nicht länger geduldet werden. Wir haben unsere Hand an den Pflug gelegt und werden sie---- ziehen. Mit dieser Erklärung will ich mich (Beifall.) Also die„Superiorität" Englands ist bedroht. Das kleine Transvaal bedroht das britische Riescnreich 1 1 Solche Sprache beweist, daß Chamberlain die Transvaal-Frage nicht zur Ruhe kommen lassen will. Auf weitere Aufragen— sagt ein späteres Telegramm— wiederholte Chamberlain, daß er keine amtlichen Nachrichten über den Stand der Verhandlungen mit Transvaal habe. Wilftied Lawson fragt an, ob es wahr sei, daß die Regierung jetzt mehreren Regimentern Infanterie befohlen habe � sich zur Einschiffung nach' Südafrika bereit zu halten. Chamberlain erwidert, die Nachricht enthalte einen Kern von Wahrheit.(Beifall.) Die Regierung Natal« habe Vorstellungen über den verteidigungsloscn Zustand der Kolonie gemacht. Dem geniäß habe die Regierung beschlossen, Verstärkungen dorthin abzu- senden. Auf die weitere Anfrage LawsonS, ob die Verstärkungen zur Verteidigung Natals bestimmt seien, antwortete Chamberlain, die Ver- stärkungcn würden abgesandt zur Verteidigung Natals und für alle Eventualitäten.(Lauter Beifall auf den Bänken der Ministeriellen.) Der richtige Chamberlam! Die Thronrede, mit der die Session geschlossen wurde, sagt über die auswärtige Politik: Die Beziehungen zu den anderen Mächten sind fortdauernd freundliche. Obgleich das Ergebnis der Konferenz im Haag nicht völlig den hohen Zielen entsprach, die zu erreichen sie berufen war, 'o gelangte sie doch zu einem ansehnlichen Maße des Erfolges. Die Thronrede erwähnt sodann den Abschluß der Nil' konvention und die Vereinbarung mit. Rußland über die Bedingiingen, unter denen jede der beiden Regierungen die Entwickelung der Eisenbahnunternehmungen ihrer Unterthanen in China begünstigen wird. Alsdann beschäftigt sich die Thronrede mit der an die Königin gerichteten Petition britischer Unterthanen in Transvaal und sagt:„Die Lage meiner Unterthanen in der Südafrikanischen Republik ist unvereinbar mit den Versprechungen gleicher Behandlung, auf die meine Bewilligung der 'nneren Unabhängigkeit für die Republik sich gründete. Die hierdurch verursachte Unruhe ist eine beständige Quelle der Gefahr für den Frieden und die Wohlfahrt meiner Herrschaftsgebiete in Südaftika. Die Unterhandlungen mit der Regierung von Transvaal über diesen Gegenstand sind noch im -Ungarn. In Budapester politischen Kreisen Gange."— O«streich Graf ThnttS neue Pläne verlautet, wie dein„Berl. Tageblatt" von seinem Korrespondenten telcgraphisch gemeldet wird, Graf Thun habe, wenn es der Obstruktion gelingen sollte, die Delegationswahl zu verhinderii, zwei Alternativ- Pläne in petto. Der erste Plan bedingt eine VersasiungSänderung. Danach sollen die Delegierten, welche ohnehin nach Kronländeru gewählt werden, nicht mehr durch den Rcichsrat, sondern durch die Landtage gewählt werden. Dieser Plan ist jedoch aussichtslos, da Ungarn ihn absolut nicht annehmen kann. Abgesehen davon daß auch mehrere Landtage die Delegationswahl durch Obstniktion verhindern würden, wäre dies gleichbedeutend mit der Födc- ralisicrung OcstrcichS. Ungarns Verfassung erkennt aber nur eine Verhandlung mit dem östreichischcn Rcichsrat, niemals aber mit einzelnen Landtagen an. Der zweite Plan st, Ungarn solle leine Delegation wählen, welche auf der Grundlage des selbständigen Berfügungsrcchts das gemeinsame Budget votiert, während für Ocstreich dasselbe auf Grundlage des§ 14 dekretiert wird. Auch dieser Plan stößt hier auf großen Widerstand, da schwere taatliche Bedenken dagegen vorhanden sind, und dies ohne Aendc- rung des AusgleichsgeietzeS von 1867, an welchen:, als der Basis des Dualismus, Ungarn so lange wie möglich nicht rühren will, unmöglich wäre. Belgien. Kaniincr-Tebatte. Wie schon in gestriger Nummer gemeldet wurde, hat daS neue Ministerium sich in der Kammer für schnellste ösiing der Wahlfrage im Sinne der proportionalen Vertretung ausgeiprochen. Nach dem Ministerpräsidenten Smet de Naver nahmen verschiedene der hauptsächlichsten Parteiführer zur Er- klärung das Wort. Zunächst der bisherige Ministerpräsident Van- denpce'rcboom, der im Namen dcS zurückgetretenen Kabinetts erklärte. daß die früheren Minister bei ihren persönlichen Ansichten beharren, doch heute im Interesse des Landes öffentlich bekennen, daß es vorzu- sehen wäre, wenn die Verhältniswahl angenommen würde.„Wir ordern daher alle Mitglieder der Rechten auf, sich um die Regierung zu scharen, wenn sie die angekündigte Gesetzesvorlage einbringen wird." Smeets-Lüttich(Soe.) stellt darauf folgende Frage:„Haben wir vor uns eine Regierung, die geneigt ist, eine Wahlvorlage einzubringen, in der die Verhältniswahl in ehrlicher Weise durchgeführt wird? Wir vcr- langen sBfortige Antwon. Die Socialisten wollen die Verhältnis- tvahl, aber nicht ohne daS allgemeine gleiche Wahlrecht Uebcr- dies muß die Kammer aufgelöst werden. Woeste, der Führer der Rechten, erklärt, daß er und seine Anhänger anderer Ansicht sei als die Regierung. Die Minderheit der Rechten. die für die Verhältniswahl eintritt, wolle dcni Lande eine unheilvolle Reform aufdrängen. Wenn das Kabinett de Smet die Verhältniswahl einführe, so werde es für Belgien und die katholische Partei ein Unglücksministerium sein, und de Smet iverde früher oder später blutige Thränen auf den Ruinen der katholischen Partei weinen. Heute habe sich die Regimmg mit Lorand verständigt, aber wenn die Verhältniswahl angenomn:cii sei, so werde Lorand für das allgemeine gleiche Stimmrecht einen Feld- zug unternehmen.(Lorand unterbricht: Ganz gewiß I Und ick werde nicht aufhören, bis das allgemeine Stimmrecht erobert ist.) Minister de Smet antwortet sodann auf Woeste mit der Erklärung, die Äe- gienmg sei weder mit der Linken, bezüglich der Verhältniswahl, noch mit dem Kriegsminister bezüglich der persönlichen Wehrpflicht Ver- pflichtnngen eingegangen. Nach einer kurzen Rede DemplonS(Socialist) erhält sodann Vandervelde das Worte, der. wie wir noch in gestriger Nummer unter„Letzte Nachrichten und Depeschen" melden konnten, erklärte, daß die socialistische Fraktion die Proportioualwahl ablehne und dann im weitere» Verlauf der Debatte die Revision des Artikels 47 der Verfassung(des Artikels über das Pluralsystcm) beantragte. Die Erklärung Vanderveldes bestätigt, wa« wir schon vor einigen Tagen berichteten, daß unter den belgischen Genossen über die zu befolgende Taktik in ihrem Kampf für das ollgemeine gleiche Wahl- recht völlige Uebereinstimmung besteht. Unsere Genossen lehnen eö strikte ab, für die Proporrtonalvertretung zu stimmen, wenn neben dieser das bisherige Pluralwahlshstem erhalten bleibt. Sie treten wohl für die Proportionalwahl ein, aber nur unter derBedingung. daß mit ihr das gleiche Stimmrecht verbunden wird.— England. Zur Wirtschaftslage in Indien. Im Unterhaus gab gestern der Staatssekretär kür Indien Lord Hamilton ein Expos« zu dem bereits bekannten Budget Ostindiens. Der Minister hebt darin namentlich hervor, wie rasch das Land sich von den Folgen der Hungersnot erholt habe, was die Behauptung. daß die britische Herrschaft für Indien nicht gut sei, völlig widcrle.-e. Das letzte Finanzjahr habe den größten Ucberschuß gezeigt, seit das Land sich unter englischer Herrschaft befinde.(Beifall.) Der Verlauf des letzten Jahres sei vom Staiidpunlte der Fiuanzeil, der Gewerbe und dcS Handels weit befriedigender, als selbst die Optimisten erwartet hätten. Wenn die nächsten Zahre normales Wetter brächten, so würde die Periode außerordentlichen Wohlstandes fortdauern. Besorgnis verursache nur die sehr hohe Zunahnie der Bevöllerung, besonders der niederen Klaffen. Die einzig mögliche Lösung dieser Schwierigkeit liege in der Erschließung des Landes durch Eisenbahnen, der Vornahme von Bewässerungen und der Ermutigung von Privat- untcriiehmungen zur Entwicklung der uugehobeilcil' Hifsquelleu des Landes, nameutlich der Hebung seiner Mineralschätze. Auch sollte die Re- gierung das britische Kapital ermutigen, die verschiedenen Formen der einheimischen Industrien in Jndicii fortzubilden und den Unterricht nach der technischen Seite hin vervollkonimueii. Was die zukünftige Entwickelung Indiens, namentlich im Hinblick auf etwaige Wünsche, dort die Anlage britischen Kapitals zu ermutigen, angehe, so gebe es keinen wirk- sanieren Weg als die Errichtung einer gemeinsamen Währung. Die Regierung würde sich nicht bemüht haben, die Goldwährung dort einzuführen, wenn sie sich nicht überzeugt hätte, daß dies für Indien ersprießlich sei. Sie werde alles aufbieten, um die Vor- schlage des WähnliigSansschiiffeS in der von diesem angeregten Weise durchzuführen.— Spanien. Kampf gegen den KlerikaliSmnS. In Spanien mehren sich in letzter Zeil die Zusaniineiistöße zwischen den Hyperklerikalen und den sogenannten„Freidenkern". Der Grund der beiderseitigen Fehde liegt weniaer in religiösen Gegensätzen als in politischen. Was die spanischen Freidenker,' die zumeist in den liberalen Berufen, sowie in der intelligenten Kleinbürger- und Arbeiterschaft ihren Anhang haben, zur Befeiiidung des Klerikalismus treibt, ist nicht der Widerspruch gegen die eigentliche katholische Lehre, sondern gegen den unheilvollen Einfluß, den der spanische Klerus, und zwar besonders die Ordensgeistlichkeit, auf das gesamte öffentliche Leben in Spanien ausübt. Besonders wird dem Klerus die Deckung verdacht, die er allen reaktionären Maßnahmen und Plänen des jetzigen Silvelaschen Kabinetts ohne linterschied gewährt, auch den lächerlichen Forderungen desKriegSministers auf Erhöhung desMililäretats und der Offizierpensionen. Wir haben schon vor einigen Wochen in einem Leitartikel über„Die politische Lage in Spanien"(Str. 162) auf die antiklerikale Richtung hingewiesen, welche die oppositionelle Volks- beweguug in Spanien zu nehmeii drohte, und die seitdem bekannt gewordenen Thatsachen haben diese Voraussage in jeder Beziehung bestätigt. Nicht nur in Barcelona, sonden, auch in Valencia und Castellon haben aiiti-klerikale Demoiistationen staltgefunden; in letzterem Ort sogar, wie wir schon in gestriger Nummer berichteten, mit blutigem Ausgang. Ueber neuere dortige Vorfälle meldet jetzt„Wolffs Bureau" aus Madrid: In Castellon zogen Trupps von Republikanern vor das Gefängnis und verlangten, daß die infolge der Borfälle am letzten Sonntag Jnhastirlen in Freiheit gesetzt würden. Die Ge- fängniSwnche gab bei ihrem Herannahen Schreckschüsse ab. Das registrierte Militär mußte die Tnipps zerstreuen. General Toralö Freisprechung. AuS Madrid wird gemeldet: General Tora! wurde vom Obersten Kriegsgericht freigesprochen und aus der Haft entlassen. Serbien. Die Skupschttna ist aus den 19. d. M. zu einer außerordent- lichcn Session cinbenifen worden; vorher begeben sich die Könige Alexander und Milan nach Risch.— Thatsachen beweisen. Antwort an W. Liebknecht.� In seiner Erwiderung auf meinen Artikel„Die Socialisten und die DrcyfuS-Affaire", beschränkt sich Genosse Liebknecht auf„einige Bemerkungen", da ihm die von mir angeführten Thaffachen bekannt gewesen seien. Mit anderen Worten, er giebt selber die Richtigkeit der Thatsachen zu, die das gerade Gegenteil seiner bekannten Erklär ting beiv eisen. Zugleich aber schreibt er. er habe von seiner Erklärung„kein Wort zurückzunehmen, kein Wort zu mildern"— von einer Erklärung. die durch unbestreitvare Thatsachen»viderlegt wurde.... Diese Feststellungen machen jede weitere Diskussion über jene Erklärimg überflüssig. Ich will daher nur noch die paar neuen Ar- gumeitte Liebknechts auf ihren Wert prüfen. Zunächst erhellt es mit aller Deutlichkeit auS meinem Artikel, wie aus allem, was ich über die Frage schrieb, daß' ich Gucsde und Vaillant nicht„politische Enthaltung" im all- gemeinen vorgeworfen habe,— daS wäre purer Unsinn— sondern lediglich ihre Enthaltung in der Dreyfus- Krise. Was sollen also Liebknechts Hinweise auf Vaillants Thätig- keil„seit seinen Studienjahren in Deutschland" und auf Guesdes zwanzigjährige aufopfernde Thätigkeit im Dienste der Partei? Wozu diese völlige Verschiebung des Dis- kuisionsgebieteS? Ihre Enthaltung aber in der DreyfuS- Krise ist eine unbe st reitbare Thatsache. Und sie wird dadurch nicht besser, daß Liebknecht die aktive Kampf- taktik der großen Mehrheit der französischen Socia- listen, die von der auswärtigen Socialdemokratie aller Länder dankbar anerkannt wird, als die„von unserem Pariser Korrespondenten bevorzugte Politik" bezeichnen zu sollen glaubt. Ucbrigens kann sich der„Vorwärts" nur dazu gratulieren, daß deffc» Pariser Korrespondent sich mit seinem Urteil über die Dreyfusfrage in so ausnchmend guter Gesellschaft befindet. Ja, selbst Genosse Liebknecht schreibt nunmehr— in erfreulichem Widerspruch zu seiner früheren Erklärung:„Wohlgcmerkt, ich sage nicht, daß Gucsde, Devillc, Vaillant zu Anfang des Drehfus-SkandalS richtig operiert haben." Aber er plädiert für mildernde Umständc, indem er auf gewisse, leider nickt näher bezeichnete„Elemente hinter den Coulisscn der Dreyfus-Affaire" hinweist. Es ist höchst be- zeichnend, was wieder einmal nachdrücklichst betont werden inuß, daß die socialistischen Enthaltungstaktiker(in der Dreyfus-Krise, nicht im politischen Kampfe überhaupt!) zur Rechtferriguiig ihrcS Standpunktes notgedrungen zu den vergifteten Waffen der Generalstabs- presse, wenn auch freilich mit mehr oder minder schonenden Um- schweifen, greifen müssen. Die besagten„Elemente hinter den Coulisscil" können gar nichts anderes bedeuten als die von den Generalstäblern der bethörten Masse vorgespiegelte Jdcntifizimnig der„Drcyftisards" mit den„Paiiamiften". ES ist hier nicht der Ort, dieses Hctzmittcl der Generalstäbler auf seinen fadenscheinigen thatsächlichen Inhalt zu reduzieren. DaS Panama-Argument hätte selbst dann mit der Sache nichts zu thun, wenn es nicht von notorisch panamistischen Preß- organen undJournalisten. wie Rocheforts„Ju.trausigcaut", Jndet- Marinonis„Petit Journal". Arthur Meyers„Gaulois". Simonds„Echo de Paris", deren BestechungskontoL bei der Panama- Gesellschaft in die Hunderttausende geht, im Interesse einer Fälscher- und Justizmörderbande ausgeschlachtet wäre, die moralisch unendlich verdorbener ist als die schlimmsten Panamisten. Wenn das Haus in Flammen steht. legt man nicht die Hände in den Schoß, weil dieser oder jener mithelfende Feuer- wchrmann eine zweifelhafte moralische Vergangenheit hinter sich hat. Man darf sich»icht von der Erfüllung seiner Pflicht dadurch abhalten lassen, daß auch ein paar Personen mit anrüchiger Vergangenheit g a nz s e lbst ä n d i g im gleichen Sinne wirken. Die Hauptsache aber ist, daß der Erfolg, der„oberste Richter in Fragen der Taktik", auch in diesem Punkte Jaurös recht gegeben hat. Das klassenbewußte Proletariat hat sich nicht durch das'Paiiama-Argumcnt beirren lassen, das insbesondere von, Panamisten Rochcfort zu niederträchtigen Verleumdungen gegen Janrös benutzt wurde und jetzt— aus Ankaß der Liebrucchtscken Erklärung— wiederum benuvt wird. Waren die socia- > . Mischen Eiithaltlingstaktiker„von manchem derselben(der be sagten„Elemente"), wie auch von manchem in der Führung der Campagne nicht erbaut", so war offenbar das einzig wirksame tvegcninlttel, nicht sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen, sondern elver die Führung zu übernehmen. JameS hat das denn auch ge- than— und mit glänzendem Erfolg. Des weiteren vergleicht Genosse Liebknecht den grundsätz l ich en.antimilitaristischen Kampf der äußersten Linken der Revlftomsten mit der Taktik„des flachen Liberalismus, gegen den Katholicismus die Unsittlichkeiten einzelner Priester ins Feld' zu fuhren". Der Vergleich ist total verfehlt, sintemalen die in der Drcyfus �ffaire an den Tag gekommenen Schandlichkeiten nicht blosi, oder genauer— nur bei oberflächlicher Betrachtungsweise als die Schuld zufälliger Einzelpersonen erscheinen können. In Wirb lichkert sind sie die notwendige Frucht des Militarismus, wie er msbeiondere seit 1870 in Frankreich emporgediehen ist, die not- wendige Fnicht der U e b e r m a ch t der klerikalen m i l i- t a r l s ch e n O I i g a r ch i e in der dritten Republik. Doch es Hiesie alle meine früheren, von Liebknecht nicht berührten Darlegungen wiederholen, wollte ich diesen übrigens allgemein anerkannten Gedankengang weiter verfolgen. Oder braucht es erst bewiesen zu werden, dasi eine thatkräftige, erfolgreiche, die Massen packende Agitation nur auf dem Boden wichtiger. das allgemeine Interesse beanspruchender E r e i g n i s s e. in einer dem betreffen den Zweck angepasiten Situation denkbar ist? Ein im Kampfe ergrauter Mann, wie Genosse Liebknecht, iveisi am besten, dasi sich keine Agitation ins Blaue hinein, in ercignisleerer Zeit hervorzaubern läsit. Desto seltsamer ist seine Behauptung dasi„diese Art des Kmnpfes", die Bekämpfung des Militarismus auf Grund der der Masse in die Augen stechenden und ihr gespanntestes Juteresse absorbierenden Ereignisse,„keinen vernünftigen Menschen uberzeugen" könne. Und wiederum ist es der thatsächliche Erfolg, der das gerade Gegenteil gezeigt hat. Die Masse, die ver- raiuftigen, aufgeweckten Elemente der Masse haben aus der Dreyfus-Agitation mehr> unendlich mehr principielle Aufklärung über das reaktionäre Wesen des Militarismus geschöpft, als in den letzten 20 Jahren zusammengenommen, d. h. seil dein Entslehen einer socialistischen Partei in Frankreich. Die von Liebknecht herangezogenen antimilitäristischcn Kammeranträge der französischen Socialisten haben mit dem Streitgegenstand' ebenso wenig zu thnn, ivie Liebknechts eigene„Programmrede gegen den Militarisiinis auf dem Nürnberger Parteitage". Was würde Liebknecht wohl sagen, wenn ein deutscher Socialdemokrat den Verzicht oilf eine Agitation gegen eine neue Milirärvorlage mit dem Hinweis auf die Nürnberger Programmrede oder auf die Milizanträge im Reichstage rechtfertigen wollte? Die Drehfus Krise � hat aber in Frankreich die erste Gelegenheit zii einer_ erfolgreichen antimilitaristischen Agitation geschaffen, während die zahllosen französischen Militärvorlagen votiert wurden ohne jede Opposition selbst innerhalb des Parlaments, von einer ausierparlamentarischen Agitation in Presse und Versamm- lungcn schon ganz zu schweigen. Und die erwähnten socialistischen Kammcranträge verhallten erst recht ganz wirkungslos in wieausicr- bald der Kammer. Wenn also diese Anträge in der gegenwärtigen Debatte etwas beweisen können, so nur die Verkehrtheit der Eut- haltungstaklik, die gerade die b e st e Gelegenheit zu einer wir- kungsvollen antimilitaristischen Agitation verpaffen läsit..... Schliesilich sei noch festgestellt, dasi es den T h a t s a ch e n iv i d c r- spricht, die„viel geschicktere Agitation der Gucsde, Vaillant:c., die sich gegen das Wesen des Militarismus richtete", der JauröSschcn Agitation in der DrcyfuSkrise entgcgenzu- stellen. DaS widerspricht den Thatsachen nicht nur deshalb, weil die Dreysiis-Agitation sich gegen das Wesen des Militarismus richtet, sondern auch deshalb, weil �aurös, ebenso wie Guesde und Vaillant, auch in gewöhnlichen Zeiten den Militarismus principiell bekämpfte. Die wirkungsvoll st en antimilitaristischen Reden wurden in der Kammer von JauröS gehalten. Ich erinnere nur an seine Rede vom 7. April 18Sö(während der Kricgsbudgct-Dcbatte). die, nebenbei gesagt, von der guesdistischen Organisation als Broschüre herausgegeben wurde. Soviel über die neuen Argumente des Genossen Liebknecht. Der Rest seiner Erwiderung besteht teils aus Wiederholungen von bereits widerlegten Behauptungen, teils aus polemischen Spitzen. Nur ein paar Worte über die letzteren. Die h i st o ri s ch e W a h r h e i t gegenüber poleniischcn, xour les besoina de la cause(um sich die Polemik zu erleichtern) ge machten Uebertrcibungen feststellen, heisit nicht den Galliffet„ver- teidigen". Ich begreife ganz gut, dasi die historische Wahrheit über Galliffets Rolle m der Kommuneschlächterei den llmtäufern de Kabinetts Waldeck-Rousseau in ein„Kabinett Galliffet" recht uii- bequem ist. Aber sie bleibt nichtsdestoweniger eine Wahrheit. Der„Scherz",„die Ermöglichung eines Kabinetts Galliffet(man fleht, Liebknecht verharrt in der haltlosen Umtaufung)... entspreche den Forderungen des Kommunistischen Manifests", dieser„Scherz ist die Frucht eines quid pro guo, einer beharrlichen Verwechselung der die gesamte Demokratie repräsentierenden Regierung mit dem Galliffet der blutigen Maiwoche. Hat man sich diesen bequemen „Scherz" konstruiert, so braucht man„natürlich nicht auf ihn ein- zugehen". Genosse Liebknecht meint ferner, ich hätte Galliffet damit„ver- teidigt", dasi er„nicht eigenhändig die 35 000 Socialisten ge schlachtet". In meinem Artikel war davon keine Rede. Ich verwies hingegen auf die h i st o r i f ch e T h a t s a ch e', daß Galliffet als Brigadegeneral lediglich für die Blutthaten einer einzigen Brigade verantwortlich ist. Die Versailler Armee zählte aber gegen 50 000 Soldaten mit zahlreichen Generalen. Da aber Liebknecht wiederum Galliffet die„Hauptrolle" zuschreibt, so kann ich ihm nur nochmals raten, die L i s s a g a r a y s ch c Kommunegeschichte, das anerkannt beste Werk über diesen Gegenstand, nachzusehen.' Ich bin kein Spiritist, ich kann den Geist von Marx nicht heraufbeschwören, um ihn anstatt jedes Arguments einen in einer schwebenden Specialfrage andersdenkenden Socialisten an den 51vpf zu werfen. Dafür aber kann ich mich auf die vom lebenden Marx verfaßte Denkschrift über die Kommune berufen, in der Galliffet nichts weniger als die„Hauptrolle" zuge- schrieben wird. Die Hauptrolle schreibt Marx, der ge- schichtlichen Wahrheit getreu, einzig und allein Thiers zu, während Galliffet von ihm durchaus nur epifo- d i s ch auf der gleichen Linie mit den anderen blutigen Werkzeugen des Oderschlächters Thiers gcbrandnmrkt wird. Siehe„Der Bürgerkrieg in Frankreich", dritte Auf läge, Berlin 1891, Seite 41, wo Galliffet fünf Zeilen gewidmet sind neben Viiioy und Desmarbt— und man vergleiche damit die seitenlangen, von gerechtem Zorn überschäumenden Geißelungen des Thiers. Also auch Marx hat sozusagen Vorlvegnehmeud den Galliffet„verteidigt". Zum Schlusi wirft mir Genosse Liebknecht„Parteinahme gegen Vaillant und Gnesde" vor. Der Vorivurf stimmt, ivenn er nur soviel besagen soll, daß ich in llebereinstimmung mit der großen Mehr- heit der französischen Socialisten und mit der auswärtigen Social- demokratie aller Länder die Enlhaltungstaklik von GueSde und Vaillant in der DreysiiS-Krise, sowie ihre Stellung zur Einigungsfrage nicht billige. Diese„Parteinahnie" ist mein Stecht und meine Pflicht. Soll aber der Vorwurf ettvas anderes besagen, so musi ich dagegen Wertvahrnng einlegen. Ich bin mir zu sehr der Verdienste von Gucsde und Vaillant um den französischen Socialismus bewußt, um mich zu einer Parteinahme gegen ihre Personen hinreißen zu lassen. »» Dieser Punkt bringt mich sogleich auf die„Berichtigung" des Genossen Liebknecht gegen meine Berichtigung(Rr. 179) der Notiz „Zum ftanzösischeu.Einigungskougresi". Auch hier heisit eS: That.- s a ch e n b e iv c i s e n. Genosse Liebknecht beschuldigt mich ganz offen der„Animosität gegen Gnesde und die GueSdistcn, d. h. die konsequentesten Vertreter des SocialismuS in Frankreich. ES freut mich, dasi er diese angebliche „Animosität gegen GueSde", dessen Person in meiner Berichtignng mit keiner Silbe berührt wurde, wenigstens auf„Principien" zurück- führt. Letzteres stimmt, ich will sagen: Es besteht wirklich eine principielle Meinungsverschiedenheit,'nur aber in schnurstracks entgegengesetztem Sinne, wie es Liebknecht annimmt. Was mir an der guesdistischen Parteith ätigkeit mißfällt, ist nicht ihre„konsequente Priucipientreue", sondern vielmehr ihre opportunistischen, auf die Gewinnung von Stimmen und Mandaten berechneten Tendenzen. Der Gegenstand ist zu wichtig, um in einer gelegentlichen that- sächlichen Berichtigung behandelt zu werden. Ich würde ihn gern ein andermal mit aller Ausführlichkeit behandeln. Es sei daher nur an das guesdistische kleinbäuerliche Agrar- Programm erinnert, das von Engels ja scharf genug kritisiert wurde, sowie an den„Pakt von Bordeaux", das dortige Gemeindewahl- Bündnis von 1896 zwischen GueSdisten und Klerikal-Monarchisten, ein Bündnis, das in jeder Beziehung eine viel schlimmere K'ompromissclci ist. als das vom Genossen Liebknecht getadelte bayrische Landtagswahl-Kartell. Und wohlgemerkt, der guesdistische Parteitag von 1897, der sich mit dem„Pakt von Bordeaux" zu beschäftigen hatte, hat es unterlassen, eine Resolution hierüber zu beschließe n. Oder sollich wieder einmal an den Fall Jourde erinnern, dessen chauvinistisch- militänsche Thätigleit in der Kammer ihn nicht hinderte, bis zum Pariser Parteitag von 1897 im guesdistischen Parteivorstand zu sitzen und in den Kammerwahlcn von 1893 auf der guesdistischen Kan didatculiste zu stehen?... Das sind alles harte That s a ch e n. die das Gegenteil von„konsequenter" Priucipientreue be weisen.... Und was kann ich dafür, dasi die von mir bezeichnete Eigen tümlichkeit bei der Aufstellung von Kandidatenlisten und Stimmen zahlen„specisisch guesdistisch" ist? Ich habe aber nur IvahrhcitS gemäß eine T h a t s a ch e konstatiert, die übrigens von Liebknecht nicht„berichtigt" wurde. Es sei gleich erwähnt, daß er meine„in allen Punkten der Berichtigung bedürfende Berichtigung" auch noch in einem zweiten Punkte„unberichtigt" lassen mußte, nämlich in Bezug auf die That fache, dasi von D e v i l I e s„Leitung" in der guesdistischen Partei nicht die Rede sein kann, da er seit etwa zehn Jahren nicht mehr dieser Partei angehört. Die von mir angegebenen Wahlstimmen-Zahlen für 1898 sollen„den nach den Wahlen gemachten und damals von niemand bestrittenen Angaben widersprechen", so sagt Genos Liebknecht. Nun habe ich aber jene Zahlen gerade meinem„nach den Wahlen" in der„ N e u e n Z e i t" veröffentlichten Artikel ent nommcn, dessen Angaben weder damals noch seither von jemand bestritten wurden. Was specicll die guesdistischen Stimmen betrifft so habe ich sie einfach auf Grund der guesdistischen Partei amtliche n Liste zusammengerechnet. Die„französischen Ge- nosfen", denen es Liebknecht„überläßt, diesen Punkt richtig zu stellen", werden also gar nichts richtig zu stellen haben Zum lleberflusi verweise ich noch auf den vor meinem«Neue Zeit Artikel in der gleichen Zeitschrift veröffentlichten Artikel des Guesdisten Charles Bonnicr(„N. Z.", 16. Jahrg. Nr. 37), der die gesamte Stimmenzahl der Socialisten auf eine Million abrundet. wonach also der guesdistische Stimmenanteil sich noch weiter von der „weitaus" großen Mehrheit entfernen würde. als nach meiner genauen Berechnung, die nur 810000 socialistische Stimmen er geben hat. Betreffs der Proteste der guesdistischen Gruppen gegen das Maut fest stellt Genosse Liebknecht meinen Angaben das entgegen, was ihm „angesehene und über jeden Verdacht der Unwahrhaftigkeit er- habene französische Parteigenossen geschrieben haben". Ich weiß nicht, ob er mich im gleichen Maße über besagten Verdacht erhaben hält. Das fällt auch nicht weiter in Betracht. Die Hauptsache ist, dasi meine Angaben den in der„Petite Röpublrque" ver ö f f e n t l i ch t e n Protesten entnommen öffcntlichnngen der„Pelite Republique" als.unwahrhaftige" bezweifelt wurden. ständig. Schließlich noch ein Wort zur Thätigkeit von D e v i l l e und Lafarguc. Ich habe nicht gesagt, daß sie„seit Jahren nicht mehr thätig seien. In Bezug auf Deville habe ich sogar aus drücklich seine zweijährige parlamcutarischcThätigkcit(1896— L8)hervor gehoben. Ferner habe ich in dem Brief an d i e R c d a k t i o» dein meine ganze Berichtigung entnommen ist, auch für die letzte Zeit aus die freilich„sehr seltenen" kleinen Artikel von Lafarguc im kleinen vierseitigen Wochenblatt„Socialiste" und den Artikel von Deville über die Dreysils-Affaire in der seither eingegangenen Revue „Dcvcuir Social" hingewiesen. Aber gelegentliche, sehr seltene Artikel kann ich nun cinnial für keine Partcithütigkcit halten Demnach schießt der Hinweis auf Devillcs ältere Arbeiten(seine populäre Darlegung des„Kapital" von Marx stammt sogar ans der Mitte der achtziger Jahre, da er noch Mitglied der guesdistischen Partei war) am Ziele vorbei. Was über Lafargucs„sehr große, unserem Pariser Korrespondenten wohl kaum angenehme Thätigkeit" betrifft, so muß ich bekennen, dasi sie nicht nur m i r sondern auch allen französischen Parteigenossen gänzlich unbekannt ist. Ans diesem Grunde kann sie mir selbstverständlich weder augenehm noch niiangeuehm sein. Ein ebenso objektiver wie d r a st i s ch e r Beweis für die Zurückgezogenheit LafargucS von der Partcithärigkcit ist die T h a t s a ch c, daß er. das nächst GueSde hervorragendste Mitglied des PartcivorstandcS, in den letzten Kammer wählen nicht kandidiert hat. Die ganze Diskussion ist wohl hauptsächlich die Folge des Um standcs, daß große wie kleine Thatsachen, die dem aufmerksnnien Pariser Beobachter genau bekannt sind, dem Fernstehenden notiveudig entgehen oder doch in unrichtiger Beleuchtung erscheinen müssen. Ein weiterer Beweis hierfür ist das Urteil des Genossen Liebknecht über die„entschieden beste socialistische Rede" Devillcs in der französischen Kammer. Es handelt sich offenbar um Devillcs Rede in der grardcbatte. Inwiefern sie die„entschieden beste" vom principientreuen, nicht opportunistischen socirn lislischcn Standpunkt genannt werden iänn, darüber habe ich aus' ührlich in einem„V'orwärts"-Artikel(Nr. 278, 2. Beilage. Jahr' gang 1897) geschrieben. Hier nur die Bemerkung, dasi Devillcs Ägrarrede noch viel opportunistischer ist als das guesdistische A g r a r p r o g r a m m. Es ist die r e i n st e K leinbürgere i. Deville sagte wörtlich:„Alle Reformen, die das Resultat herbeiführen würden, daS kleine Eigentuni wir k li ch z u sch ü tz e n,... so geringfügig sie seien und wer auch deren Urheber seien, werden unS, man mag es wolle» oder nicht, unter ihren Anhängern siuden." Und weiter:«Das wahre kleine Eigentum, d. i. dasjenige, welches hinreichend ist, um dem Besitzer ein unabhängiges Leben zu sichern,... hat keine aufrichtigeren, keine wärmeren und keine logi- scheren Verteidiger als die Kollektivisten." Dieses Probemuster mag genügen zur Kennzeichnung der„entschieden besten socialistischen" Rede. Thatsachen beweisen! Paris, 7. August. B. K r i t s ch e w S k y. sind und dasi die Der von keiner Seit DaS genügt mir voll' Ueber den zweiten Scherz des Genossen KritschewSki, daß ich die Nichtigkeit der von ihm gegebenen Thatsachen zugestehe, weil ich gesagt, sie seien mir vor meiner Erklärung bekannt gewesen, kann ich hinweggehen, wie ich über den ersten Sckierz hinweggegangen bin. Er steht auf gleicher Höhe mit der weiteren Argumentation. Mich um die größere öder geringere Schuld des Galliffet herumzuzanken, dazu habe ich ebenso wenig Lust, wie mich mit dem Unrecht zu be- >chäftigen, das ich dem biederen Bourgeois Waldeck-Rousseau an- gethan habe, weil ich sein Kabinett in ein„Kabinett Galliffet" umgetauft habe. Und was endlich das Urteil über den Nutzen der„Campague" betrifft, so wird sich ja schon in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie dem Militarismus geschadet oder genutzt hat'. Die Thatsachen haben jetzt das Wort, und zum Kannegießern verspüre ich keinen Beruf. Die von meinem Gegner angegriffenen französischen Genossen werden die Antwort nicht schuldig bleiben. Sie bedürfen meiner Ver- teidigung nicht. Daß auch auf feiten der Guesdisten und Blanquisten Fehler gemacht worden sind, habe ich nie geleugnet, das ändert aber nichts an der Thatsache, dasi sie im allgemeinen bis jetzt die konsequentesten Vertreter des französischen Proletariats gewesen sind. Die Animosität meines Gegners gerade diesen Männern und Organisationen gegenüber wird, da in Frankreich seine Parteinahme bekannt ist, das Eiuigungswerk sicher nicht fördern. Jedenfalls hat er Jaurös einen sehr schlechten Dienst geleistet. Berlin, den 9. August 1399. W. Liebknecht. DÄvkei-MNchvichten» In der MajestätSbelcidiguugösache gegen den Genossen Müller in Magdeburg, der bekanntlich zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, obwohl er Beweis für feine Unschuld an dem be- treffenden Artikel antrat, ist gestern, wie uns ein Privattelegramm meldet, der Reichstags-Abgeordnete Genosse Metzger als Zeuge ver- nommcn worden. Genosse Metzger war zur kritischen Zeit mit Müller zusammen auf einer Harzrcise in Wernigerode. Hoffen wir, dasi Metzgers Zeugnis dazu führen möge, die Unschuld Müllers über- zeugend dazuthun. Die Wahltaktik unserer Genossen bei den bayrischen LandtagSwahlen wurde in einer Mitgliederversammlung des socialdcmokrattschen Vereins in Neustadt behandelt und, wie berichtet wird, der Beschluß gefaßt, daß das Wahlkompromiß gegen die Partei- grnndsätze verstoße. Es wird verlangt, daß derartige Abmachungen nur durch den Parteitag getroffen werden. Auch in einer Partei- Versammlung in Frankenthal kam es zu Auseinandersetzungen über das Kornproniiß. Eine zweite Konferenz der socialdemokratischen Gemeinde- Vertreter Thüringens wird am 20. August in Weimar tagen. Es soll der bisher noch unerledigt gebliebene Teil des Kommunalwahl- Programms vollends beraten werden. Außerdem steht auch noch die Frage auf der Tagesordnung, ob wir bei den Gemeiudewahlen Kompromisse mit anderen Parteien eingehen sollen. In Bezug ans den bevorstehende» allgemeinen fran- zösischen Socialistenkougreß haben I a u r ö s und Gerault-Richard, der Chefrcdacteur der„Petite Republique", ein Cirkular an die bekannteren Socialisten des Auslands gerichtet mit der Bitte, sich über die Frage der Einmischung der Partei in die Kämpfe bürgerlicher Parteien über die Frage des Eintritts von Socialisten bürgerliche Regierungen zu äußern. und in In Renues. Die öffentlichen Sitzungen im Dreyfus-Prozeß werden voraus- sichtlich erst Montag wieder beginnen. Drehfus' Gesundheitszustand soll derartig sein, dasi er einiger ErholungStage bedarf. In der geheimen Sitzung des Kriegsgerichts am Mitttvoch legte General Cham vi n weitere Dokumente aus dem Geheimaltenstück vor und wird Donnerstag damit zu Ende kommen. lieber das geheime Dosster, das am Dienstag in der Gchcimsttzung vorgelegt wurde, schreibt Jaures in der„Petite Republique": Die Verhandlung wird über alle Punkte volles Licht verbreiten. Der Ausschluß der Leffentlichteit, der durch die Mitteilung des ge- Heimen Dossier hervorgerufen, ist meines Erachtens eine kindische und unnütze Formalität, die übrigens ohne jede Folge bleiben wird. Denn alles, was im geheimen Dossier sich auf die Affaire Drcyfus bezieben kann, ist bekannt. Der Hauptmann Cuignet hat es vor dem Kassationshof lang und breit auseinandergesetzt und seine Aus- sage ist veröffentlicht. Ter Rest ist ein Sammelsurium elender Papier«. Um einen Vorwand für den Ausschluß der Oeffentlichkeit zu haben und das geheime Dossier verbergen zu � können, hat der Generalstab Schriftstücke damit verbunden, die keine Beziehung zur Dreyfus-Affaire haben, die aber so gemeinen Inhalt haben, daß die Scham es verbietet, sie zu zeigen. Wenn ich recht unterrichtet bin, gicbt es im geheimen Dossier Briefe und Depeschen, die Schwarzkoppen und Pnnnizzardi zugeschrieben werden, und worin sie unter dem Namen Alexandrine, Maximiliane, Kriegshund Liebesbeteuerungen wechseln, deren'ein Louis sich schämen würde. Unsere hohen Chefs aber sagten:„Wie kann man das alles zeigen, ohne den Krieg zu entfesseln?" Alle diese albernen und schmachvollen Schriftstücke werden also die Augen der Richter und des Angeklagten während zwei oder drei Tagen passieren. Die Anklage und die Verteidigung werden für die öffentliche Verhandlung davon zurückhalten, was' ihnen passend erscheint, und der wirkliche Proccß wird sich in der Oeffentlichkeit abspielen. Ncber den ersten Tag schreibt uns unser Berichterstatter aus Rcnnes, 7. August: Gestern abend speiste ich im Hotel Moderne, wo die bekanntesten und angesehensten Streiter aus beiden Lagern Wand an Wand logieren. Arthur Meyer, der Direktor des„Gaulois", ist Nachbar von Mirbenu von der„Aurore", BarreS Nachbar von Severine ac. je. Und trotzdem plauderte man kameradschaftlich, und nichts deutete auf die langen erbitterten Kämpfe dieser letzten Jahre hin. Doch kann niau leicht voraussagen, daß die Ruhe nicht von Dauer sein wird» Es ist die Ruhe vor dem Sturm, und wahrscheinlich wird sich daß Hotel Moderne ebenso wie die meisten andern Hotels unter dem Feuer der Gerichtstage in ein Schlachtfeld verwandeln. Auf den Straßen war gestern abend alles ruhig; kein Ruf störte daS düstere Schweigen in der Stadt. Nur in den Cafes ver- nahm man die Stimmen der Fremden und Journalisten, die auf den Terrassen frische Luft schöpften und scheinbar leidenschaftslos die kommenden Ereignisse berechneten. Heute früh patroullierten berittene Gendarmen von 4 Uhr an in den dem Lyceum benachbarten Straßen, in welchen die hin- und herflutcude Menge allmählich anschwoll. Man wußte im Publikum, daß etwa 100 Plätze für Personen ohne Karten reserviert waren, und jeder wollte der Glückliche sein, den der Zufall begünstigte. Nachdem die Menge mehrnials von den berittenen Gendarmen zurückgedrängt war, kam gegen i/s7 Uhr der Befehl, die Journa- isten eintreten zu lassen. Und wir betraten alle das Lyceum ange- ichts der noch immer stillen, parteilosen Menge, die lediglich von dem Gefühl einer brennenden Neugier beherrscht ist. Der helle, hübsche Saal, in dem das Kriegsgericht tagen wird, üllt sich langsam. In wimmelndem Gewühl richten sich die Kollegen von der Feder auf den reservierten Bänken ein; jede Richtung und Sprache ist vertreten. Die Damen in Heller Toilette springen über Stühle und Bänke, um einen guten Platz zu erhalten Man bemerkt die breiten Schultern LaboriS und die feinen Züge Dcmanges, der vorzüglichen Verteidiger Dreyfus', die von Gruppe zu Gruppe gehen und freund- 'chaftlichen Händedruck tauschen, bevor sie auf der Bank der Ver- teidigung Platz nehmen, wo ihre Sekretäre in umfangreichen Akten- tößen blättern. Der Saal erinnert in seinem Aussehen an ein Kasino oder ein Theater, und die Estrade im Bordergrund, auf der alsbald die Mit- flieder des Kriegsgerichts Platz nehmen werden, verstärkt noch diesen Eindruck. Und wirklich, daS ist keine Illusion. In diesem Saale, der sonst flr die jungen Doktoranden bestimmt ist, wird sich eines der er- chütterndsten Dramen abspielen, die jemals menschliche Gemüter bewegt haben. Es ist die Tragödie selbst, die ihren übermenschlichen Schatten voraus wirft.... Indessen schlägt es 7 Uhr. Die Unterhaltung wird lebhafter, die Stimmen werden wänuer, die Augen glänzender. Die Blicke richten sich nach der Mittelthür, durch welche die Zeugen eintreten. ES kommen die Generale Boisdefire, Billot. Mcrci'er, Znrlindcn, Chanoine, Dcloye, die das Publikum inquisitorisch betrachtet. Dann der frühere Kolonialminister Lebon, der Folterer des Drehsiis; weiter der frühere KricgSminister Cavaignac, bleicher und finsterer als gewöhnlich. Dnnn kommen Ccisimir Pericr, der Hcniptmonn Lcbrun Renault, Frau Henry und audere, und schlieszlich mit elnsiischem, jugendlichem Schritt der Odcr-stleutnant Picquart. Jetzt füllt sich auch die Estrade mit Uniformen. Der Gerichts- hos tritt ein. Doch hat man für ihn nur einen flüchtigen, zer- streuten Blick. Denn alle Augen sind auf einen einzigen Punkt gc- richtet, der von zwei Gendarmen bewacht wird: die Thür, durch welche der Hauptmann D r e y fu s eintreten soll. Und die Thür geht auf; der Sargdeckel hebt sich, der bürgerliche Toto lebt wieder auf. Er tritt mit festem Schritt und militärischer Haltung ein. Nach militärischem Gruße setzt sich der Angeklagte vor seine Verteidiger, die erschienen sind, um jenes Licht zu verbreiten, das er von ganzer Seele wünschte. Nach Verlesung der Anklageschrift richtet der Präsident die feier- liche Frage an den Angeklagten. Dieser erhebt sich und spricht. Sein erstes Auftreten ist eine Unschuldsbeteuerung, die Wiederholung dieses tragischen Schreies, der nun schon durch fünf Jahre gellt, und den seine Vorgesetzten nicht haben hören wollen. Man befragt Dreyfus über das Bordereau. Die Posse des Bordereaus wird hier noch einmal aufgeführt. Jedermann weiß, daß es von Esterhazy stammt, und dennoch bringt es der Präsident des Gerichtshofes, Oberst Jouaust, über sich, den Angeschuldigten danach zu fragen, und er versucht, ihm zu beweisen, daß er von den Bestand- teilen dieses fanrosen Bordercaus Kenntnis haben und sie dem Ausland habe verraten können. Dreyfus verteidigt sich energisch mit lauter Stimme, und wendet kein Auge von den Richtern, die vor ihm sitzen. Wenn man die lügenhaften Berichte erwähnt, in denen es heißt, daß er ein leicht- sinniges Leben mit zweifelhaften Frauenzimmern geführt habe, so denkt er an Frau und Kinder, zuweilen seufzt er. Das Publikum ist bewegt. Während einer Pause bespricht man die Haltung des Kapitäns Dreyfus._ Es herrscht nur eine Stimme: Nur ein Unschuldiger kann die Energie, die Wucht, die überwältigende Beredtsamkeit finden, die er zeigt. Man spricht auch über die ausgebliebenen Zeugen, den Oberst du Paty de Clam, dessen Verhinderungsgründe man nicht kennt, den Major Esterhazy und die Dame Pays. Niemand giebt sich über diese nicht erschienenen Zeugen einer Täuschung hin. Der erstere ivird in London bleiben. Trotz des Gclcitsbriefes, den die Regierung ihm hat zustellen lassen, hat er zu große Furcht, er könnte beim Lichte des Prozesses zu deutlich erkannt werden; er wird sich in keine Dis- kussion einlassen. Was die Dame Pays betrifft, so wird sie sicherlich ihr sauberes Handwerk fortsetzen, von dem der Major früher solchen Vorteil gezogen hat. Schließlich tritt der Gerichtshof wieder ein; doch berät er nur darüber, ob der Schlußakt der Komödie mit dem geheimen Dossier bei verschlossenen Thürcn stattfinden soll. Und es wird beschlossen, daß die Prüfung der Schriftstücke, die in allen Redaktionen gelegen haben, die im Verfolg der Enquete dcsKaffatioiishofes veröffentlicht sind, im Geheimen vor sich gehen soll. Dadurch erhalten wir drei oder vier Tage Pause. Dann werden wir zum eigentlichen Drama kommen und die Zeugen hören. Wie viele unter ihnen mögen die Minute fürchten, wo sie vortreten sollen, uni die Wahrheit zu sagen, die ganze volle Wahrheit. Berlin und Umgegend. Achtnn�g, Brauerei- Arbeiter! Durch das Vorgehen der Brauerei Pichelsdorf sind 25 Mann unserer Organisation aufs Straßenpflaster gesetzt, darunter befinden sich 15 Verheiratete mit 40 Kindern. Es ist unsere Pflicht, die Entlassenen, welche stets die ihrige gegenüber der organisierten Arbeiterschaft bewiesen haben, in o raiisch und pekuniär zu unterstützen. Darum ersuchen wir Euch, Euch mit Sammellisten der Brauerei- Arbeiter zu versehen, dieselben sind bei der unten angegebenen Adresse zu haben. Für die Agitationskommission der Berliner Brauerei-Arbcitcr. I. A.: F. P r e u tz e. Neue Friedrichstraße 20. Innung s- Gesellenausschüsse. Bei der am Dienstag, den 8. August, in Kellers Festsäleu, Köpnickcrstr. 96/37, stattgefniideneu G e s e l l e n- A u s s ch u ß w a h l zur Z w a n g s- I n n u n g d e r Stellmacher ist die Liste der Organisation einstimmig gewählt. Vom Rixdorfcr Gcwcrkschaftökartcll sind als 4. Rate 80 M. für die ausgesperrten dänischen Arbeiter abgesandt. Darunter vom Arbeitcr-Gesangverein Britz 25 M. Gesammelt in der Tischlerei Hegelmann, Hasenheide, auf Liste 172 6,86. Tischlerei Emmeluth, Berlin, Dieffenbachstraße, auf Liste 169 11,26. Tischlerei Bormann, Zosscnerstraße, auf Liste 180 als 3. Rate 6,05 M. Weitere Beiträge nimmt entgegen A. Nierich, Rixdorf, Stein- metzstraße 86, H, 2 Tr. Deutsches Reich. Ein allgemcincr Banschlofferstreik ist in Leipzig aus- gebrochen. Die Streikenden bitten um Fcruhaltung des' Zuzuges. Die Kellner des Brockenhotelö batien, Ivie wir mitgeteilt, vor einigen Tagen gestreikt, wobei die Gäste eine Stunde lang ohne jede Bedienung blieben. Jetzt sind die Kellner entlaffen und' durch fiebeichzneue von Harzburg aus ersetzt worden.— Wie konnten sich auch jdie Kellner erlauben, menschliche Unterkunstsriiüme zu ver- langen: um diese hat es sich, wie mitgeteilt wird, hauptsächlich ge- handelt. Deshalb hinaus mit Leuten, die sich im Brockenhotcl als Bediente auch als Menschen zu fühlen wagen. Traurig ist es nur, daß unter den Kellnern noch ,der Zusammenhalt fehlt.' Bei solcher Sachlage durfte doch kein Kellner auf dem Brocken Stellung an- nehmen l Ausland. Die Masscuaussperruug in Dänemark. Nach einem uns soeben zugehenden Privattelcgramm aus Kopenhagen ist keine Aussicht auf baldige Beendigung der Aus- sperrung. Die Unternehmer haben die von den Arbeitern ge- forderten Garantien für die loyale Durchführung des Einigungs- Vorschlages abgelehnt und deshalb dürften die Verhandlungen über das Stadium der Einleitung nicht hinausgelangen. Paris, 9. August. In einer gestern abend stattgehabten, von 2000 Gasarbeitern besuchten Versammlung wurde einstimmig be- schlössen, im Ausstand zu verharren, bis die gestellten Forderungen bewilligt werden._ Die 16. Hauptversammlung des Verbandes der Handels- gärtner Teutschlands hat in ihrer in Braunschlveig stattgehabten Tagung beschlossen, an alle Interessenten Fragebogen wegen Ein- sührung eines Zolles auf gärtnerische Erzeugnisse zu versenden. Im weiteren soll mit den Regierungen in Verbindung getreten werden behufs einheitlicher Abwehrmaßregeln gegen die überhandnehmende Maikäfer- und Engerliugeplage. Sodann soll im nächsten Jahre das bereits einmal abgelehnte Gesuch um Ausdehnung der Eisenbahn- Frachtermäßigungen für Obst und Gemüse auf alle gärtnerischen Erzeugnisse wiederholt werden. Sociales. Arbeitslöhne und Arbcitsleistniig beim staatlichen Bergbau Preußens. Der„Reichs-Anzeiger""veröffentlicht die amtlichen Zusammenstellungen über diesen' Gegenstand für das Jahr 1898. Er- waren im ganzen 387 321 Arbeiter bcschäsligt, das sind.21667 mehr wie 1897. Darunter befanden sich 11 283 jugendliche männ- liche unter 16 Jahren und 6239 weibliche Arbeiter. Die Nettolöhne Verantwortlicher Nebacreur: Robert Schmidt in Berlin. Kür den Stuie: betrugen im Durchschnitt aller Arbeiter 1010 M. gegen 964 M. im Jahre 1897. Die höchsten Löhne wurden im Dortmunder Stein- kohlenbau erzielt, nämlich 1176 M. im Durchschnitt, die niedrigsten im Erzbergbau des Oberharzes mit 637 M. Die Lohne sind gestiegen, das ist ganz richtig; aber auch die Leistungen sind gestiegen. Der„Reichs-Auzeiger" rechnet genau auf das Hundertstel Prozent aus, um wieviel und er kann dabei erfreut konstatieren, daß die Lohnstcigerung zum Teil sogar größer ist wie die Steigerung der Arbeitsleistung. Leider geben die Zusammen- stellungen aber keine Vergleichung mit den lluternehmergewiunen, deren Steigerung die Steigerung der Arbeitslöhne wohl übertreffen dürfte. Aber davon abgesehen, so kann man doch über- Haupt noch nicht von einer auskömmlichen Bezahlung reden, wenn selbst die höchst entlohnten Arbeiter, nämlich die unter Tage arbeitenden Bergleute des Dortmunder Bezirks nur einen Schichtlohn von 4,66 M. erzielten, während in den anderen Bezirken selbst diese besten Arbeiter unter 4 M. blieben bis zu 3,16 M. herunter im Halleschen Bezirk und in Siegen-Nassau; wo weiter für weibliche Arbeiter Schichtlöhne gezahlt werden von höchstens 1,64 M. in Halle bis herunter zu 0,97 M. in Oberschlesien; wo ferner Schichten voü einer Daner bis zu 11,4 Stunden im Durchschnitt unter Tage zugegeben werden müssen. Die Löhne der Bergarbeiter müßten wesentlich höher sein, ehe von einer auskömmlichen, und der Gefährlichkeit der Arbeit wie den ge- steigerten Profiten des Unternehmerkapitals entsprechenden Bezahlung geredet werden kann. Arbciterrisiko. In Polnisch-Ostrau ereignete sich im Michaeli- Schacht des Grafen Wilczek ein schwerer Unfall, Eine Förderschale, aus der zwei Häuer saßen, wurde durch die Maschine in die Höhe gezogen, eine zweite, ebenfalls mit Häuern besetzte, gleichzeitig hinabgelassen. Aus bisher noch unaufgeklärter Ursache stieß die aufgezogeue Förderschale etwa auf halbem Wege an Gestein- massen an und zerschellte. Die beiden Bergleute, die in der Schale gesessen hatten, stürzten in die Tiefe. Der Maschinist hatte die Geistesgegenwart, die Maschine sofort zum Stehen zu bringen und dadurch die hinabgelassene Förderschale vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. Sodann schritt man an die Bergungsarbeiten. Das Resultat war ein trauriges. Der eine der herabgestürzten Häuer wurde als Toter an das Tageslicht gefördert. Der andere ist so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen ge- zweifelt wird. In den Steinbrüchen von Ciney(Belgien) wurden durch eine Explosion 6 Arbeiter getötet und 6 verwundet. Pom Menschenhandel.«Billige Arbeitskräfte für Landwirt- schaft, Ziegelfabrikation, Maurer- und Erdarbeiten, sowie auch andere Betriebe" bietet ein Agent L. I. Lindner in Dresden, Maximilians- Allee 1, hiesigen und anderen Firmen durch Cirkular an. Die Arbeitskräfte werden aus Galizien bezogen. Für landwirtschaftliche Arbeiter wird auch gleich ein Vertrag mit beigegeben, aus dem be- sonders die Lohnzahlungsbedingnngcn beachtlich sind. Es heißt darüber im Z 7: Nach Beendigung der ersten zivei Monate Arbeit wird den Arbeitern der Lohn nur für einen Monat ausbezahlt. Nach Ablauf des vierten Monats ist der Arbeiter berechtigt, sich den Lohn für diesen Monat auszahlen zu lassen, desgleichen nach Ablauf des sechsten Monats den Loh» für diesen Monat. Außerdem erhält sedcr Arbeiter auf Wunsch wöchentlich abschlägig einen Betrag bis zur Höhe von einer Mark ausbezahlt. Der übrige Teil des Lohnes bleibt als Kantion bis zur Schlußabrechnung stehen. Es bleibt also, da es sich um Feldarbeiter handelt und meist nur 6 Monate Arbeit in Frage kommen, die Hälfte des Lohnes beim Unternehmer stehen(Kost wird geliefert) und da überdies dieser nach dem Vertrage noch berechtigt ist, wegen aller Forderungen aus dem Vertrage und allen Schadeucrsatz-Änsprüchen die Sachen des Arbeiters zurückzubehalten, so kann es diesem passieren, daß er bloß und mittellos aus dem Hause gejagt wird und bei der in solchen «achcn so ivohl berufenen Rechtspflege auf dem Lande sehen kann, wie er zu dem Seinigen kommt. DaS kann ihm um so eher passieren, als er laut Vertrag sofort entlaffen werden kann, wenn er den dienstlichen Anordnungen dcS Unternehmers oder seines Stellvertreters nicht Folge leistet, wenn er zu den bedungenen Arbeiten unfähig ist, wenn er sich der Aufwiegelei schuldig macht usw. Die Entscheidung über das Vorliegen solcher Ent- lassungsgründe hat der Unternehmer. Zu den dienstlichen Obliegen- hcitcn des Arbeiters gehören alle landwirtschaftlichen Arbeiten in der Zeit von früh 5 bis abends 7 Uhr mit 2—3 Stunden Pausen und auch zu jeder andern Zeit nach Anordnung des Unter- nehmcrs. Also vollkommene Willkür des Unternehmers in den an die Arbeiter zu stellenden Anforderungen, vollkommene Willkür in der vorzeitigen Entlassung und dabei eine Bindung des Ar- beitcrs durch die Lohncinhaltung, daß er dem Unter- nehmer auf Gnade und Ungnade überliefert ist. Dabei ist die citiertc Vorschrift über die Lohnzahlung mit unvcrkcnn- barer Absicht so dunkel gehalten, daß sie dem unwissenden galizischcn Arbeiter kaum verständlich sein und ihm zum Belvußtsein kommen dürfte, wenn der Unternehmer, ans seinen Vertrag pochend, ihn entläßt und ihm sein Geld vorenthält. Er wird in solchen Fällen selten etwas herausbekommen. Socinlo Medikspflegr. Auflösung des LehrvertragcS und Zurückzahlung deö Lehrgeldes von 200 M. beanspruchten die Eltern der Lehrlinge L. und W. in einem Rechtsstreit, den sie gegen die Gesellschaft „Berliner e l e kt r o- m e ch a n i s che Werkstätten" an- gestrengt hatten. Als Beistand der Mutter des Lehrlings L. machte der Goldarbeiter H. F a b e r zur Begründung der Klage etiva folgendes geltend: Der Lebrvertrag, den die Gesellschaft von ihrem Bcsitzvorgänger, ihrem jetzigen„technischen Leiter" Wernicke übernommen habe, bestimme, daß der junge Mann in 3 Jahren im mechanischen und optischen Handwerk derartig unterrichtet werden solle, daß er darin einst sein gutes Fortkommen finden könne. Es wurde ferner in dem Lehrvertrage versprochen, daß dem Jungen alles gezeigt werden solle, was zur richtigen Ausübung des Gc- werbes gehöre. Statt dessen sei nun aber der Lehrling in den an- nähernd 2 Jahren, die er jetzt lerne, in der Optik überhaupt noch nicht unterrichtet worden. Optische Arbeiten führe die Firma garnicht aus. Aber auch der Unterricht in den Fertigkeiten eines Mechanikers sei durchaus unvollständig und ein- scitig' gewesen. Die Firma fabriziere nur billigere Phonographen und beschäftige ihre Lehrlinge mit Teil- und Massenarbeiten. Der Lehrling L. habe in den beinahe zwei Jahren nicht einen einzigen Phonographen fertiggestellt. Die Vernachlässigung der Lehrlinge sei erklärlich, denn wenn auch zur Zeit bei der Gesellschaft mehr Ge- Hilfen thätig seien, so kämen bei ihr doch, den bisherigen Jahres- durchschnitt genonunen, auf 10 Lehrlinge und 4—5 Arbeitsburschen nur drei geübte Mechaniker. Die Arbeitsburschen machten dieselben Arbeiten wie die Lehrlinge und verdienten nach einiger Zeit 10—15 Mark die Woche, während die Lehrlinge für die drei- jährige„Lehrzeit" noch 300 Mark zuzahlen müßten. Der Beistand des zweiten Klägers schloß sich dem Gesagten im wesentlichen an und bemerkte dann noch: Er habe als Fachmann den jungen W. geprüft und gefunden, daß er in den zwei Jahren das Feilen nur mangelhast gelernt habe. Die beklagte Firma berief sich auf die Aussage des technischen Leiters Wernicke, wonach die Lehrlinge genügend gefeilt, poliert, ge- dreht, gelötet und zusammengesetzt haben. Derselbe Herr hatte hin- sichtlich' der Optik ausgesagt, daß die jungen Leute hierin eine Ausbildung noch u i ch i erhalten hätte», weil entsprechende Austräge fehlten. Die Verhandlung drehte sich zum Teil um die Frage, ob nicht die Eltern der Kläger hätten wissen müssen, daß in mechanischen Betrieben der vorliegenden Art höchstens optische Neben arbeilen vorkämen, die ganz etwas anderes seien, als die eigentliche Optik. Der oon den Klägern mitgebrachte Sachverständige mußte zugeben, daß die meisten derjenigen Geschäftsleute, die sich Opttker und atentcil oerantivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Ma Mechaniker nennen, von der eigentlichen Optik nichts ver- stände». Sein Urteil ging. jedoch dahin. daß jemand, der eine Ausbildung auch in optischen Fähigkeiten verspreche, an das Versprechen auf jeden Fall gebunden' sei. Ter Vorsitzende Dr. Leo schien anderer Meinung zu sein. Thatsächlich haben°auch in einem dritten Lehrlingsstreit gegen dieselbe Firma die Kammer V des Gewerbegerichts und das Landgericht den Standpunkt ein- genommen, daß der Kläger von vornherein damit hätte rechnen müssen, daß im fraglichen Betriebe, wie in jeder mechanischen Werk- statt, die Optik nur in ganz beschränktem Maße gepflegt werden könne. Die Kammer V verurteilte jedoch diesmal die Beklagte nach den Klage-Anträgen, indem sie annahm, daß die Verträge wörtlich auszulegen seien und daß man dem Wortlaute gegenüber nicht unterscheiden dürfe zwischen„Optik" im specicllcn Sinne und„Optik verbunden mit dem Mechanikerberuf". Es sei in dem Vertrage etwas versprochen worden, was bei der Art des Be- tricbes nicht gehalten werden könne. Die Verträge seien deshalb zu lösen und das Lehrgeld zurückzuzahlen.— Nachträglich kam noch ein Vergleich zu stände. Die Firma verzichtete auf die Fortsetzung der Lehre durch die Kläger und Frau L. begnügte sich niit 60 M. und Herr W. mit 26 M.(statt je 200 M.j, um die Berufungsinstanz zu vermeiden und es zu ermöglichen, daß die Lehrlinge sofort wo anders weiter lernen können. Gevidzks-Bieiimtfl» Der Kassierer des Hafeuarbcitcr-Verbandes in Hamburg. Heinrich Steh», der seiner Zeit ca. 4000 M. der ihm anvertrauten Gelder unterschlug, wurde am 7. August zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Eine Beschwerdcschrift, die der Schlossermcister Hermann L a ch m u n d an den Amtsgerichts- Präsidenten gerichtet hatte, war Gegenstand einer Verhandlung, Ivelche gestern vor der 6. Berufungs- Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Vom Schöffengericht>var Lachmund zu einer Geldstrafe von 100 M. verurteilt worden. Soivohl der Staatsanwalt wie der Verurteilte hatten gegen dies Erkenntnis Berufung eingelegt. Der Angeklagte hatte in einer Civilklage Termin vor dem Amtsgericht unter dem Vorsitz des Assessors Kahser gehabt. Da der Kläger Lachmünd beim Aufruf nicht zur Stelle war, so erging ein Versäumnisurteil zu Ilngunsten des Klägers. Am 3. März stellte Lachmund in seiner Bcschwerdeschrift den Sach- verhalt in folgender Weise dar: An dem Tage, als der Termin vor dem Amtsgericht stattfand, habe er anderthalb Stunden nach der festgesetzten Terminszeit gewartet. Nun sei sein Erscheinen aber vor einer anderen Abteilung des Gerichts notwendig gewesen. Er habe deshalb den Assessor Kahser unter Vorzeigung seiner Ladung als Zeuge gebeten, seine Sache nocki etwas hinauszuschieben und kein Versäumnisurteil zu erlassen. Assessor Kahser habe dies auch zuge- sagt mit dem Bemerken, daß er, Lachmund, nur ruhig seiner Zeugenpflicht in einer anderen Sache wahrnehmen möge. Als der Beschwerdeführer zurückgekehrt war, habe er zu seiner Ver- wunderung erfahren, daß Assessor Kahser trotz seines Versprechens ein Versäumuisurteil hatte ergehen lassen. Es sei dicS„eine genieine Schweinerei und Schiebung". Wegen dieser Ausdrücke war die Ver- urteilung dcS Augeklagten erfolgt, während noch andere in der Bcschwerdeschrift enthaltene beleidigende Ausdrücke für straffrei erklärt wurden, weil der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Der Staatsanwalt focht diese Anschauung an und führte mis, daß der Angeklagte in zwei Fällen wegen Beleidigung hätte verurteilt werden müssen. Auch sei die erkannte Strafe zu gering, er beantragte einen Monat Gefängnis. Der Ver- leidiger, Rechtsanwalt E b st e i n, unterbreitete dem Gerichtshofe das Antwortschreiben auf die Bcschwerdeschrift des Angeklagten, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß das Veiffänmnis- urtcil nicht hätte ergehen müssen. Im übrigen sei der Angeklagte ein Mann von höchst verworrenen Rechtsbegriffen und seinem Bildungsgrade müsse zu gute gehalten iverden, daß er bei seinen Ausdrücken nicht wählerisch sei. Der Verteidiger hielt es nicht für zulässig, daß Assessor Kayser das Privatversprechen gegeben hatte, da die Gegenpartei nicht nötig hatte, diese Nachsicht des Richters zu billigen. Sei der Assessor Kayser aber nicht in seiner Amtseigeuschaft, sondern nur als Privat- person beleidigt, so sei der Strafantrag nicht formgerecht gestellt und das Verfahren müsse eingestellt werden. Gehe der Gerichtshof hierauf nicht ein, so sei die vom Vorderrichter fest- gesetzte Strafe doch jedenfalls eine ausreichende Sühne. Der Gerichts- Hof verivars die vom Angeklagten eingelegte Berufung und folgte der vom Staatsanwalt eingelegten Berufung insoweit, als das Straf- maß von 100 auf 300 M. erhöht wurde. Der Tiergarten wurde im Monat Mai durch einen Unhold unsicher gemacht, welcher besonders Braut- und Liebesleute be- lästigte. Er verfolgte dieselben mit unflätigen Redensarten, drohte init der Polizei usw. Eines Abends kam der Mensch an den Uli- rechten. Ein auswärtiger Fabrikant, ivelcher niit seiner Ehefrau von den Zelten kam, wurde in der Nähe des Brandenburger Thores von einein Manne verfolgt, der höchst anzügliche und beleidigende Be- merkungen hinter dem Ehepaare her rief. Der Fabrikant drehte sich kurz entschlossen um, holte den Beleidiger, der die Flucht ergriff, ein und versetzte ihm mit seinem Stock einen wuchtigen Hieb über den Kopf. Der Geschlagene rief um Hilfe, woraus ein Schutzmann erschien. Beide Parteien wurden zur Wache gebracht, wo der Geschlagene als der stellungslose Handlungskommis Emil Kahl festgestellt wurde. Im gestrigen Termin vor der 144. Abteilung des Schöffengerichts bestritt der Angeklagte ent- schieden, daß er schon früher Passanten im Tiergarten be- lästigt habe, die Beschreibungen der früheren Anzeigenden passen aber auf seine Persönlichkeit und es sind spätere Anzeigen nicht erstattet worden. Der Staatsanwalt faßte das Ver- halten des Augeklagten als groben Unfug auf, für den er eine Haft- strafe von einer Woche beantragte. Der Gerichtshof war der An- ficht, daß gegen derartige Personen energischer vorgegangen werden müsse, da die' öffentliche Sicherheit dadurch in hohem Grade gefährdet werde. Das Urteil lautete auf drei Wochen Haft. Uetzkv Msrszvirhken und DepesÄzen. Memel, 9. August.(W. T. B.) In Kinte» bei Memel ist letzte Nacht dem„Memel'er Dampfboot" zufolge bei dem Brande eines Wohnhauses eine aus sechs Personen bestehende Familie verbramit. Brünn, 9. August.(W. T B.) In der letzten Nacht ging zwischen Brünn und Chirlitz ein Wolkcnbrnch nieder, durch welchen der Bahnoberbau an einer Stelle unterivaschen wurde. Von einem Güterzuge entgleisten infolgedessen die Lokomotive und zwei Wagen. Verletzt wurde' niemand. Der Verkehr wird durch Unsiteigen auf- rechterhalten. London, 9. August.(B. H.) In einer heute zur Verlesung gelangten königlichen Botschaft wird erklärt, daß die den Engländern in Südafrika geschaffene Lage aufhören müsse. Die Botschaft ist eine Wiederholung der von Chamberlain und Salisbury gemachten Erklärungen, welche dahin gehen, daß England seine Hand auf Süd- afrika gelegt habe und entschlossen sei, dieselbe nicht mehr zurück- zuziehen. In gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen ist man über- zeugt, daß eine kriegerische Aktion Englands in Südafrika un» vermeidlich ist. Diese Meinung wird durch die heutige Botschaft be- stärkt. England will das Verschwinden der TrauSvaal-Republik. Der Ausbruch der Feindseligkeiten soll nur noch die Frage einigen Wochen, vielleicht nur einigen Tage sein. Belgrad, 9. August.(W. T. B.) Der Prozeß wegen des Attentats auf König Milan ist um 20 Tage vertagt ivorden. Balparaiso, 9. August.(W.T.B.) Durch eine hohe Flutwelle wurde hier gesteni abend großer, auf mehrere Millionen Dollars ge- schützter Schaden angerichtet. Die Flutwelle ritz einen Teil des Hafen- dammcs fort, Lokomotiven und Eisenbahnwagen wurden aus den Schienen geworfen, Krahne umgerissen und Tauscnde Tons von Waaren vernichtet. Die Eisenbahn zwischen Bellavista und Baron ist vollständig zerstört. � Badina in Berlin. Hierzu 1 Beilage und ttntcrhaltuiizsblatt. Nr. 185. 16. Jahrgang. Kriltzt Ks Lmiirls" KMn MlksM Donnerstag» 10. Angnst 1899. �okolles. Ter Wahlvcrcin für den vierte» NcichötagS-Wahlkreis fCftc«) veranstaltet am komuicnden©ountnrj and) dein Mixtkiel- sdilößchcn einen F a m i l i c n a n s f lu g, der sich nach dein Plan des Festkomitees zu einem Familienfest im besten Sinne des Wortes gesiailcn soll� Namentlich ist dafür»esorgt. daß der �linderivelt durch Veranstaltlingen von Wettlaufen und sonstigen mit Prämien bedachten Spielen vollauf ihr Redjt werde. Jngleichcn ist aber auch den Erwachsenen die mannigfachste Gelegenheit zur Unterhaltung und Belustigung gegeben, so daß der AnSflug nach dem an Wald und passer idyllisch schön gelegenen Etablissement einem jeden zur Freude gereichen wird. Es sei noch bemerkt, daß von den iviit- gliedern keinerlei Entree erhoben wird, und somit nur die Fahrt- und Fehikoltcn in Betracht kommen. Wir erwarten, daß unter den orgainucrten Parteigenossen in Berlin(Osten) allgemein für regen Beiuch des Festes agitiert werde. Pas Komitee. Tns Wahlrecht der Schlafburschen in Berlin regt die Muncheiier„Allgemeine Zeitung" gewaltig ans. Sie citiert unsere nenliche Darlegung über die Wahlberechtigung der Schlafburschen und ist anger stände, ,rgend einen Gnmd gegen das Wahlrecht der «chlatburichen anzurufen. Desto mehr ergeht sie sich in versteckten offenen Aufforderungen, das Wahlrecht entgegen dem Gesetz Nicht anzuerkennen, weil es den Socialdemokraten zu ante lominen würde. Wes Geistes Kind dieses Blatt ist, ergiebt sich ans leiner folgenden Leistung:„Die Socialdcmokratie denkt natürlich � �en Stadtverordneten- Wahlen im Herbst eine Reihe von „«tadtvater- Sitzen" mit Hilfe der Schlafburschen, die sie bald m dielen,� bald in jenen Stadtteil ruft, zu erobern." •i-ie Hellseherkunst der„Allgemeinen" offenbart sich in biciem Satze � ans derselben Stärke, wie ihre Kenntnis von den gesetzlichen Wahlrechtsbestiminnngeu. Zum ersten: bei der Wahlrechtsentschcidung für die diesjährigen Wahlen handelt es sich um ganze— 24 Schlafburschen. Zum zweiten: zu wählen ist bei Stadtverordneteuwahlen nicht da, wo man zur Zeit der kern �a» ivo man zur Zeit der Aufstellung der �Wählerlisten wohnt. Zum dritten: die Socialdemokratie ist viel zu gcichcit, um das zu denken, was die„Allgemeine"„natürlich" V]ilI'cr'fc®f- Im übrigen konstatieren wir, daß bei der Klarheit der Rechtslage bislang kein einziges Berliner Blatt das Wahlrecht der Schlafburscheu in Abrede gestellt hat. In Sachen Ziethen nehmen die Arbeiten des Zictheu-Komitees ihren uimnterbrochcnen Fortgang. Es ist zu erwarten, daß innerhalb ciniger Wochen die bedeutsamen Resultate seiner Bemühungen dem zustaudigen Gericht werden unterbreitet werden können. Der Einfluß der Witterung auf die Sterblichkeit tritt zu leincr Zeit so deutlich und überzeugend hervor, ivie im Sommer Hier sind es namentlich die Erkrankungen der Ber- daunngsorgane. obenan der Brechdurchfall, die eine mit dem Steigen der Temperatur raschan schwellen deZahl ü.~ f f c 1 n fordern. In dem diesjährigen Sommer ist diese Ericheinung besonders klar ausgeprägt. An'Brechdurchfall starben in Berlin in den 4 Wochen vom 2. bis 29. Juli er., nach den bis fetzt veröffcntlickften Wochenberichten des Berliner Statistischen Anits bezw.(für die letzte Woche) nach den vorläufigen ärztlichen Meldungen, �->>,.50, 81, 123 Personen— also in der letzten Juliwoche beinahe fünfmal soviel als in der ersten I In ähnlicher Weise hat die Sterb- lichkeit an Diarrhöe und an Magen-Darmkatarrh zugenommen. Die G e s a m t st e r b l i ch k e i t stellte sich in den geiiaiinten 4 Wochen auf 635. 653. 678, 732 Sterbefälle. Die Große Berliner Strastenbahu-Gesellschaft hat beim Magistrat angeregt, daß es ihr gestattet werde, da Ivo es paßt, die Haltestelleuschilder an den L a t e r n en st ä n d e r n der öffentlichen Beleuchtung anzubringen. Die vom Magistrat zur Prüfung der Frage eingesetzte Unterkommission hat unter Vorsitz des Stadtrats Voigt sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, weil sie sich durch diese Einrichtung ein leichteres Auffinden der' Tafeln verspricht, und hat zugleich den Wunsch ausgedrückt, daß Latcrnenständer. bei denen solche Tafeln angebracht iverden. durch einen lebhafteren Farben- anstrich besonders kenntlich gemacht werden sollen. An den Pfählen der Slraßenlateruen, die an den Ecken stehen, sollen ferner in nächster Zeit rote metallene Pfeile angebracht werden mit der Aufschrift: „Feuermelder" als Hinweise auf den nächsten öffentlichen Feuer- meldcr. Ter große Sternschuuppenschwarm der Perseiden, der in der letzten Nacht am Himmel erscheinen sollte und der bis zum 12. d. M. andauern wird, hat leider bisher des bedeckten Himmels wegen nicht beobachtet werden können. In der Sternwarte war Prof. Knorre. der den beurlaubten Geh.-Rat Prof. Förster vertritt, bis 1/2I Uhr persönlich zur Stelle. um bei Oeffnung des Wolken- schleiers sofort mit den Beobachtungen begiiilien zu können. Im übrigen sind unter bereitwilligster Mitwirkung junger Studierender entsprechende Vorkehrungen zu exakten Beobadstiingen getroffen worden. Vor allem will man auch die Photographie in den Dienst der wissenschaftlichen Forschung stellen. Stud. Phil. Ocstcrrcichcr will mit Unterstützung einiger Kommilitonen den Sternschnuppenfall photographisch festzuhalten suchen durch Ausnahmen mit viertel- stündlich erneuerten Platten. Indem man den Apparat auf bc- stimmte bekannte Sterngruppen einstellt, erhält man ein exakt zu hercchiieudes Bild der Flugbahnen der Sternschnnphcu. Hand in Hand mit den photographischcn Aufnahmen sollen optische Bc- obachttingen gehen, die mit chronometrischen Bestimmungen ver- bunden werden sollen. Man will so Ansang und Ende des Auf- tretens der einzelnen Schnuppen nach der Zeit feststellen und die beobachtete Flugbahn gleichzeitig in die Sternkarte eintragen. Ans der Vergleichnug mit der Photographie kann man die' identische Bahn konstatieren und genau feststellen. Klarer Himmel ist natür- lich unbedingt erforderlich. Eine Mahnung an daS Publikum. Wie unbeholfen das Publikum mitunter in besonderen Füllen ist, zeigte sich vorgestern nachmittags wieder einmal in beklagenswerter Weise. Ilm 3 Uhr nachmittags brach auf dem KLnigsplatze der 44 Jahre alte Arbeiter Fritz Strauß von einem Hitzschläge getroffen zusammen und blieb bewußtlos liegen. Zahlreiche Leute sammelten sich bald um ihn; die einen begnügten sich damit, ihn anzustauuen, die andern be- sprengten ihn wenigstens mit kaltem Wasser, aber niemand sorgte dafür, ihm ärztliche Hilfe zuzuführen. Es war ein forwähreudes Kommen und Gehen, das an der unglücklichen Lage des Kranken im wesentlichen nichts änderte. Erst um llVs Uhr fand ein Schutzmann des 3. Reviers den noch immer Bewußtlosen und brachte ihn in ein Krankenhaus. Hier starb der Mann gestern Nachmittag an den Folgen des Hitzschlages. Er wäre wahrscheinlich gerettet worden, ivenn sofort jemand für seine Ueberführnng in ein Kranleiihaus ge- sorgt oder weuigsteus die Polizei benachrichtigt hätte. Wie wenig Sinn für Humor die Polizei hat, zeigte sie wieder durch die gestern crfvlgie Beschlagnahme der anti- scmitischcii„S t a a t s b ü r g c r- Z e i t n n g". Die Sonntags- nnminer des Blattes, in der die dritte Rede Graf Piicklers des Harmlosen abgedruckt ist, hat es der Behörde angethan. Es ist das wenigste, was' man in Preußen verlangen kann, daß das Vorrecht, politischer Verfolgung ausgesetzt zu sein, ernsten Mäuiierii reserviert bleibe. Möge mau die Siede des Dreschgrafen daher ansehen als das, was sie ist: als die harmlose Leistung eines zwar nicht ganz normalen, aber sonst in jeder Beziehung gutartigen Menschen. Eine größere Anzahl Berliner Schulen wird demnächst mit Geiichmignng des Kultusministers Bosse durch hervorragende eng- lische Pädagogen besichtigt werden. Diese Exkursion der englischen Schulleute erfolgt auf Anordnung ihrer heimischen Schul- behörde und wird sich auf den ganzen Betrieb unserer höheren Schnleu und auch der Gcmcindeschnleu erstrecken. Selbstverständlich erhalten auch die größeren Lehraustalten den Besuch der englischen Herren, weshalb ihnen das Kultusministerium an die in Betracht kommenden Behörden Empfehlungsschreiben ausgefertigt hat. Untergegangen ist gestern früh um 4 Uhr im Humboldt- Hafen in der Nähe des Lehrter Bahnhofes ein großer mit Hans- nnd Straßenmüll beladener S p r e e k a h n. Er stieß beim Abfahren gegen die Quaimaner und erhielt dabei im Vorderteil ein großes Leck, dessen Znstopfung trotz aller Bemühungen nicht gelang. Die Strompolizei benachrichtigte deshalb die Feuerwehr, die den 14. Dampfspritzenziig aus der Ticckstraße entsandte, der aber den Liahn nicht mehr vor dem Sinken bewahren konnte. Als die Dampf- spritze an der Unfallstätte ankam, stand das Vorderteil des Kahns schon vollständig unter Wasser; kurze Zeit darauf war von dem Kahn nichts mehr zu sehen. Die Schiffahrt wird durch den Kahn nicht gestört. Die Hebung des Fahrzeuges dürfte wegen der Ladung viele Schwierigkeiten machen. Verhaftung eines Wüstlings. Gestern vormittag wurde in einem Hause der Kanonierstraße einer jener»Kinderfrennde" bei dem Versuch eines schändlichen Verbrechens ertappt und fest- genommen. Der Wüstling, ein fcingckleidctcr junger Mann, hatte ein etwa lOjähriges Mädchen in einen Hausflur gelockt, um ihm Gewalt auznthun. Auf das Gejammer des Kindes eilten Nachbarn und Passanten zu Hilfe, die den Schänder sicher gelyncht hätten, wenn nickst ein Kriminalbcaintcr ihn verhaftet und nach der Wache des 37. Polizeireviers in der Kronenstraße gebracht hätte. Eine aufregende Seene gab es am Dienstaguachmittag au. der Ringbahn zwischen den Stationen Jungfcrnheide und Westend Aus einem Wagcnabtcil dritter Klasse eines Zuges, der von der Station Jungfer'nheide nach Westend zu fuhr, drangen nicht weit hinter der Abgangsstation laute Hilferufe hervor. Bevor die Fahr- gäste wußten, um was es sich handelte, erschien an einem offenen Wagenfenster eine Dame und wiederholte das Hilfegeschrei. Un- mittelbar dgranf hielt der Zug auf der Strecke. Im selben Augen- blick wurde an dem Abteil, ans dem die Dame heransrief, die andere Thür aufgestoßen und ein junger, gut gekleideter Mann in der Mitte der zwanziger Jahre kam herausgesprungen und suchte das Weite. Ein Bootsverleiher und seine Leute, die sich in der Nähe an der Spree befanden, verfolgten den Flüchtling, holten ihn ein und überlieferten ihn dem Vorsteher der Station Jnngfernheide, bei dem sich dann auch die Daine und eine Begleiterin einfanden, während der Zug weiter siihr. Die beiden Damen beschuldigten den jungen Mann, mit dem sie sich allein in dem Abteil bcfnnden hatten, eiueZ SittlichleitSvergeheus. Der Festgenommene wurde der Polizei über- geben. Selbstmord eines Kaufmanns. Erhängt aufgefunden wurde gestern mittag in seinem Bureau der 46 Jahre alte Kaufmann Robert Tröge ans der Großen Frankfnrterstraße 30, der in der Klosterstraße 40 ein großes Agenturgeschäft betrieb. Nach einem hinterlassencn Briefe hat ihn ein schweres Nervenleiden zum Selbst mord getrieben. Fenerbericht. Am Dienstag und Mittwoch waren nur un- bedeutende Brände abzulöschen. Charit« st raße 1 hatte in der Küche eine Matratze Feuer gefangen, während Christinen- st r a ß e 22 a Möbel und Wanddclorationen eingeäschert wurden Ein Alarm nach M a r i e n b u r g c r st r a ß e 17 war durch das Platzen eines Dampfkcssel-Wasscrstandsglases veranlaßt, doch lag eine ernste Gefahr nicht vor. Preßkohlcnbrände waren Berg- st r a ß e 5 und C o t h e n i u s st r a ß c 19 zu beseitigen. Nach S t e i n m e tz st r a ß e 60 ivurdc die Wehr gerufen, weil hier der Fußboden und die Schaldecke Feuer gefangen hatte. In Brand geratener Teer verursachte einen Alarm'nach Gerichtstraße 21/22. Tie„Treptow-Stcrnwarte" bleibt wegen der in diesem Jahre bc- sonders günstigen Beobackiwngen der„August- Sternschnuppen" heute Donnerstag und uiorgen Freitag bis 1 Uhr nachts geöfsnet. Die„Grobe Berliner Pferde-Eisenbahn" liibt an beiden Abenden Extrawagcn geben. Um Vek Uhr geht der letzte Wagen von Treptow nach dem„Zoologischen Garten", um 1 Uhr nachts nach dem„Spittelmarkt". Im Apollo-Theater vorgestern abend großer Jubel. Herrn Linckes AussiattungSoperetteh, Frau Lnna" erlebte ihre hundertste Aufführung und dies Ereignis war bedeutsam genug, um dem im Nebenamt als Hausdichter des Apollo-Theaters fnngierendeu Herrn Otto Rentier die Leier in die Hand zu drücken. In launigen, ansprechenden Reimen verkündete der liebenswürdige Conpletsängcr: „Der Mond zieht noch weiter, das weiß ich gelviß, noch lange gicbt's keine Moiidsinsteruis." Und er mag recht haben. Textdichter und Komponist haben sich iii dieser Operette glücklich ergänzt; zu den zugkräftigen und bald populär gewordenen Melodien der„Fran Luna" gesellt sich eine launige Handlung, die durch die Augenblickseinfälle der Herren Bender, Rück und Steidl eine kräftige, direkt ans Kakau bezogene Würze erhält. Selbstverständlich gab cS am Schluß des Stückes große Bcschccrung. Zu lvahren Bergen häuften sich die Blumen und Kränze, mit denen vor allem die in der Operette mitivirkendeii Künstlerinnen beglückt wurden. Nach dem Ratschiiisse der Direktion schneidet der Lebensfaden eines Ausstattungsstückes im Apollothcater gemeinhin mit dem Schlnsie der Sommersaison ab. Es scheint aber fast, als ob die Tage der Frau Luna noch lange nicht gezählt seien. Ans den Nachbarorten. In Brnchmühle bei A I t- L a n d s b e r g findet am nächsten Somilag, den 13. d. M., nachmittags 4 Uhr, in A. Nagels Gast- Hof eine Volksversainmlung statt. Genosse Stadthagen spricht über das Thema:„Zum Kampf gegen das Unrecht." Die Genossen der Umgegend werden ersucht, für den Besuch dieser Versammlung Propaganda zu machen. Friedenau und Steglitz. Am Sonnabend, den 19. August, beabsichtigt die F r i e d e n a u c r Filiale der Lichterfclder Kranken- und Sterbekasse(Eingeschr. Hilfskasse Nr. 54) im„Hohen- zollern" zu Friedenau ein Sommerfcst zu veranstalten. Wie den Parteigenossen bekannt ist, ist dieses Lokal für uns gesperrt. Sollte versucht iverden, Billcts unter den Parteigenossen in Verkauf zu bringen, so wolle man dieselben zurückweisen. Die Lokalkommission. Zum Boykott gegen die Pichelsdorser Brauerei. Ans Spandau schreibt man uns: Mit einer verblüffenden Riickstchts- losigkeit geht die Pichelsdorfer Brauerei jetzt gegen diejenigen Restaurateure vor, welche das Unglück hatten, von dieser Brauerei ein Darlehen aufnehmen und sich dafür neben der Zahlung der üblichen Zinsen auch zur Entnahme von Pichelsdorfer Bier für mehrere Jahre verpflichten mußten. Gegen den Restaurateur W. in Spandau, der trotz seiner Abhängigkeit von dieser Brauerei den berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft Rechnung trägt und kein Pichelsdorfer Bier mehr führt. hat die Direktion der Brauerei jetzt eine Klage auf Zahlung von 300 M. Konventionalstrafe angestrengt. Hoffentlich hat sie aber hiermit kein Glück. Daß bei dem jetzigen Stande der Dinge immer und immer wieder versucht wird, den Ä r b e i t e r k o u s u m e n t e u Sand in die Augen zu streuen, ist eine bekannte Thatsachc. Vor kurzer Zeit sandte der bekannte Restaurateur Freund auf Picheis- Werder nach der Pichelsdorfer Brauerei zwei leere Ge- binde zur Füllung, welche die Aufschrift„Span- dauer Bergbrauerei" trugen. Das Manöver mit diesen falschen Gebinden wurde jedoch durchschaut.— In bürgerlichen Blättern sticht die Leitung der boykottierten Brauerei es so darzustelleu, als ob nicht die bekannte Saalverweigerung, sondern die Entlassung der Brauer und Böttcher, deren lästigen Forderungen sie sich angeblich entziehen wollte, Ursache zu dem Boykott wäre, und daß dieser auch gegen den Willen der Parteileitung nur durch die hetzerische Thätigkeit einiger Agitatoren zn stände gekommen sei. Die Arbeiterschaft, welche die Berichte im„Vorwärts" genau verfolgt hat, weiß, daß diese Darstellungen von A bis Z erfunden sind. Mit ihrer angeb- lichen„Huinanität" gegen„ihre" Arbeiter sucht die Branereileitnng besonders zu glänzen, davon aber, daß die von der Pichelsdorfer Brauerei mit' Flascheuspülen beschäftigten Frauen für ihre a n- st r e n g e n d e Thätigkeit ganze 1 M. 50 Pf. Tagclohn(ein selbst für Spandauer Verhältnisse h ö ch st niedriger Betrag) erhalten, weiß die Direktion offenbarnichts zu berichten. Unsere Parteigenossen inSpandau verbreiteten in Spandau am Sonntag und Montag ein Flugblatt, welches sich mit dem Boykott beschäftigt und welches auch eine Liste derjenigen Lokale enthält, in welchen nach wie vor Pichelsdorfer Bier aiisgeschänkt wird. Besonders fallen die Lokale von Freund auf Pichelswerder, Tcßnow in Hakenfelde, Klirntzsch und Feuer- Herdt in Spandau auf, welche bis dato noch auf der L o k a l l l st e standen, jetzt aber von derselben gestrichen werden. Wunderbare Zustände herrschten bislang bei der B ä ck e r- Innung Charlottenburg. Hier übte seitens der Innung ein Jnnnngsmitglied die Funktionen eines Sprechmeisters (Stellenvermi'ttlers) aus, wobei er sich nach Art der Kom- Missionäre 3, 5, 10. ja 15 bis 20 M. für die Vermittlung einer Arbeitsgelegenheit bezahlen ließ. Infolge der vielfach eingelaufenen Klagen hat sich der Jnnnngsvorstand endlich gemüßigt gesehen, eine gemeinsame Sitzung mit dem Gcselleii-Nnsschnß ab-. zuhalten, in'welcher die bestehenden Mißstände nun endgültig be- seitigt worden sind. Mit Zustimmung des Gesellen-Ansschusses sind folgende Gebührensätze für Arbeitsvermittelung festgesetzt worden: Werkmeister 1,50 M., Kneter 1 M.. für dritte und vierte Gesellen 75 Pf. Der bisherige Sprechmeister wurde seines Amtes enthoben und an seine Stelle der Bäckermeister Gustav Schleicher, Pestalozzi- straße 86, gewählt. Auch wurde die Errichtung einer Bäcker-Herberge beschloffen, an welcher es bislang auch gefehlt hat. Um derartigen Vorkommnissen für die Zukunft vorzubeugen, wurde fernerhin der Beschluß gefaßt, die vereinbarten Bedingungen für den Arbeits- Nachweis kontraktlich festzulegen, womit auch der neue Sprechmcister einverstanden war. Ans Rixdorf. Zahlreiche Hühner und Tauben stahl ein un« bekannter Dieb in der Laubenkolonie„Banersruh" auf den Rix- dorser Wiesen. Als er seine Beute auf einem Handwagen nach Berlin bringen wollte, wurde der Thäter von zwei Nachtwächtern getroffen. Er ließ daher den Wagen stehen und entfloh. Die ge- stohlcncn Tiere wurden der Rixdo'rfer Polizei übergeben, von wo die Bestohleneu dieselben abholen können.— Dem Grabsteinhändler Höfling in der Hermannstraßc wurden von seinem Lager- platz zahlreiche' wertvolle Grabsteinplatten entwendet. Vom Thäter fehlt noch jede Spur.— Der Fraiser Richard Leidecker aus der Erckstraße 12 wurde in Haft genommen, weil er bei einem Streite mit seiner Schwiegermutter der alten Frau einen Messerstich in die Brust versetzte)—'Ans dem Hofe des hiesigen Rathauses wurde am Dienstagnachmittag einem jungen ZNanne ein wertvolles Fahrrad gestohlen, welches der Radfahrer dort untergebracht hatte, um sich nach dem Polizcibnrcau zu begeben. Bis jetzt ist es nicht gelungen, den Dieb zu ermitteln. Auf dem RnmnielSbnrger Gänsemarkt herrscht gegenwärtig schon ein sehr lebhaftes Treiben. An den beiden Hauptmarkttagen, die, wie immer, auf die Montage und Donnerstage fallen, kommen zumeist ans Rußland, wo die Gänsezüchterci in größtem Maßstäbe betrieben wird, ganz gewaltige Transporte von Gänsen in Rummels- bürg an. Die jetzt noch jungen und mageren Tiere werden in be- sonders zu diesem Zwecke konstruierten Eisenbahnwagen befördert, von denen jeder bis zu 1200 Stück fassen kann. Am vorigen Montag langten in Ruminclsburg 50 solcher Wagen mit zusammen f a st 60 000 G ä n s e n an, und am nächsten Montag werden gegen 40 Wagen erwartet, die dem Markt ungefähr 50 000 Gänse zuführen werden'. Die meisten dieser jungen Tiere werden von den großen Mästereien aufgekauft, die sich besonders in Friedrichsberg befinden, oder sie gehen auch nach dem Oderbruch, von wo sie später als sehr begehrte Oderbrncher Fettgänse in geschlachtetem Zustande in die Berliner Markthallen gelangen. Nur ein Verhältnis- mäßig kleiner Teil wird schon jetzt von den Berliner Nestanrateuren augelauft, da das Schlachten der Magergänse sich nicht recht lohnt und das Fleisch jetzt auch noch nicht so schmackhaft ist, wie im Oktober, wenn die Fettgänse auf den Markt gebracht werden. Eine gefährliche Einrichtung besteht an der Fähre beim Spreeschlößchen gegenüber dem Eierhäuschen an der O b e r f p r e e. Die Landungsbrücke, an der die Fährkähne an der Längsseite an- legen, hat kein Schntzgeländer. Nim drängen sich bei starkem Verkehr, namentlich an schönen Sonn- und Feiertagen, oft viele Menschen, Erwachsene und Kinder, auf der Brücke, und es ist fast ein Wunder, daß es bei solchen Gelegenheiten noch immer ohne Unglück ab- gegangen ist. Ein festes Geländer und vielleicht auch ein Thor ist hier durchaus notwendig. Zn einem Zusammenstoß ans dein Waffer kam es gestern nach- mittag bei Treptow in der Nähe der Anlegestelle der Motorboot-Gesell- schuft. Dort fuhren in einem kleinen Boote die beiden Kanflente F.nnd H., sowie ein Fräulein W., die Spree strouiabwärls. Gleichzeitig kreuzte an derselben Stelle ein von zwei jungen Männern besetztes Ruder- boot, dessen beide Insassen sich als so ungeschickte Steilerer erwiesen, daß sie direkt auf den ihnen entgcgenkoliimeiideu Kahn zuftihren. Zwar versuchten F. und H. auszuweichen, da jedoch gleichzeitig das zweite Boot seinen Kurs änderte, so war der Zusammenstoß nicht zu vermeiden. Der angefahrene Kahn mit den drei Insassen kenterte, während das Boot der Schuldigen umzuschlagen drohte. Der Vorfall war von zahlreichen Zeugen beobachtet worden und so gelang es, die Verunglückten, von denen nur H. des Schwimmens kundig war, zu retten. Auf de» Schienen der Wannseebah» hat gestern abend ein junges Mädchen den Tod gesucht. Als abends der sahrplanmäßige Zug in den Bahnhof Zehlendorf einfahren wollte, sprang ein junges Mädchen über die Böschung an der Seehofstraße und warf sich direkt vor die Maschine. Obgleich der Lokomotivführer sofort bremste und den Zug in denkbar kürzester Zeit zum Stehen brachte, gingen die Räder der Maschine doch über den Körper der Unglück- lichen, diesen am Unterleib in zwei Teile zerschneidend. Der Tod trat sofort ein. Durch ein von ihr auf der Brust getragenes Eigen- bildnis und die darauf befindliche Firma des Photographen wurde die vierundzwanzigjährige Selbstmörderin als die Tochter eines in Groß-Lichterfelde' wohnhaften Schuhmachermeisters rekognosciert. Ueber die Motive der That war bisher nichts bekannt.— Dieser Selbstmord ans den Schienen der Waniiseebahii ist der dritte im Laufe eines Monats. Ei» Idyll im Militärstaat. Bei der militärischen Uebung, die Mitte dieses Monats auf dem Döberitzcr Gelände stattfindet, wird däs Garde-Fuß-Artillerieregiment aus schweren Geschützen mit scharfer Munition schießen; Angriffspunkt ist ein auf Ferbitzer Gebiet zu diesem Zweck errichtetes Fort. Das Scharfschießen mit Kanonen ist für den 16. August in Aussicht geiioiiiinen, an welchem Tage zur Verhütung von Unglück außerordentlich strenge Sperrmaßregeln zur Anweiiduiig gebracht werden. Der Landrat in Naucu macht daher bekannt, daß das östlich der Chaussee von Priort nach Kartzow liegende Gelände bis zur Westgrenze des Truppen-Uebungöplatzes zwischen Ferbitz und Vorwerk Wolfsberg, ferner der von Kartzow nach dem Königsweg am Kleinen Flachspfuhl vorbeiführende Verbindungsweg sowie das Gelände nördlich der Linie Ferbitz— Kleiner Flachspfuhl gesperrt werden; die Sperrung wird durch berittene Posten und Patrouillen durchgeführt. Vevssamurl nngott. Eine öffentliche Dtcnstboten-Versammlnng fand wieder am Dienstag statt, und zwar in der Berliner Ressource. Der Saal war gedrängt voll. Es mochten etwa 500 Personen, meistens weibliche Dienstboten, anwesend sein. Am Vorstandstische nahmen drei Herren Platz, einer derselben eröffnete die Versamm- »Ich übernehme hiernnt das Hausrecht." Mir die>er Erklärung hatte sich der Herr, dessen Name unbekannt blieb, der aber jedenfalls dem Vorstande des UnterstützungsvercinS der Diener angehört, zum Vorsitzenden der öffentlichen Versammlung proklamiert. Als erster Referent erhielt nunmehr Rektor Buchholz das Wort, ein alter Herr, der sich als Freund des Vereins Frauenwohl und der� Egidyschen Bestrebungen einführte. Er hielt einen fünf- vlertelstlindigen Vortrag über die Gesinde-Ordnung, die ihm, wie er selbst sagte, bis vor einigen Tagen unbekannt war. Die Aus- suhrungen des Redners waren zwar von persönlichem Wohlwollen gegen die den Ungerechtigkeiten der Gesinde-Ordnung unterivorfenen Dienstboten getragen, jedoch erklärte er das Dienen für eine Herr- liche Sache und meinte, mit dienen komme der Mensch weiter wie mit herrschen. Als zweite Referentin trat Anna S t e f e n h a g e n. Vorstands- Mitglied des Dienervcreins, mif. Sie sagte, so lange die Gefinde- Ordnung bestehe, sei an eine Besserstellung der Dienstbote» nicht zu denken, darum müßten sich die letzteren orgamsieren, um für die Verbesserung der Gesinde-Ordnung zu wirken. „Der dritte Referent war Redacteur Pcrlmann. Er bemerkte zunächst, daß die Presse die Dieustboteubewegung nicht mehr lächerlich zu machen suche, sondern im allgemeinen mit dem der Sache ge- buhrendcn Ernst behandele, nur einige„unparteiische",„staatstreiie" Blatter wären noch bemüht, durch lügenhafte Berichte die Bewegung zu beeinflussen. Dann führte der Redner verschiedene vor einigen -Tagen vom„Vorwärts" veröffentlichte Fälle von gerichtlich .festgestellten brutalen Dienstboten* Mißhandlungen an und sagte: Ueber das Züchtiguugsrccht der Lehrer seien Tausende empört, aber über das Züchtigungsrecht, welches die Gesinde-Ordnung den Herrschaften zuerkennt, schweigen Millionen. Die Dleiistbvteii müßten sich organisieren, sie dürsten aber keine wüste Agitation treiben, dieselbe müsse vielmehr eine anständige sein. Wenn man Maß halte, werde es gelingen, die Gebildeten von -der Berechtigung der Beivcgnng zu überzeugen.(Beifall.) Nachdem die langen, zum großen Teil recht inhaltlosen Referate lim Val2 Uhr zu Ende waren, erklärte der Vorsitzende die Rednerliste mit den bis dahin eingelaufenen Wortmeldungen als geschloffen und setzte gleichzeitig aus eigener Machtvollkommenheit die Rcdczeil für die Diskussionsredner aus sieben Minuten fest. Hiergegen wurde von mehreren Seiten heftig protestiert und von eine,»' Redner ans der Pitte der Versammlung ansgeführt: Wenn man es schon ruhig hingenommen habe, daß in einer öffentlichen Versammlung kein Bureau gewählt wurde, und der Vorsitzende sich selbst ernannt habe, so müsse man doch dagegen protestieren, daß der Vorsitzende, ohne die Versammlung zu befragen, eigenmächtig die Rednerliste schließen und die Redezeit beschränken wolle. Die Versammlung stimmte hierauf für Schluß der Rednerliste, von einer Beschränkung der Redezeit schien der Vorsitzende Abstand zu nehmen. Als erster Diskussionsredner erhielt der Vorsitzende des Unter stützungsvereins der Diener, Schröder, das Wort. Er ver herrlichte in überschwänglichen Worten die guten Herrschaften, welche dem Dicnerverciii pekuniäre Unterstützung zu teil werden ließen. Durch die guten Herrschaften müsse man auf die schlechten einwirken. Wer seine Pflicht thue, habe Anspruch auf gute Behandlung (Beifall.) Nun sprachen nacheinander eine Anzahl von Dienstmädchen sämtlich durch schwarz-weiß-rote Schleifen als Mitglieder des Diener Vereins kenntlich. Sie erzählten unter lebhaftem Beifall der Ver- sammmlung selbsterlebte und beobachtete Fälle von schlechter, unwürdiger Behandlung durch die Herrschaften. Die Zwischenrufe und die zustimmenden Kundgevungen, womit diese Ausführungen oft unterbrochen wurden. ließen erkennen, daß wohl alle Zuhörerinncn ähnliche trübe Erfahrungen gemacht hatten. Obgleich alle Rednerinnen geradezu schreiende Mißstände zu berichten wußten, unterließen sie es doch nicht, zu betonen, daß eS auch gute Herrschaften gebe und daß sie gegenwärtig das Glück hätten, bei solchen m Stellung zu fein. Ferner sprach ein Anhänger der National-Socialen, der den Dienst boten riet, eine Erhebung über Mißstände in ihren« Beruf zu ver- anstalten und zu veröffentlichen. Frau Gubela führte aus: Hier sei gesagt worden, die Frauenbewegung sei gegen die Bestrebungen der Dienstmädchen. Für die proletarische Frauenbewegung treffe das nicht zu. Die Socialdcinokratie, von der die Leiter der Dienstboten- bewegung nichts wissen wollen, sei die einzige entschiedene Gegnerin der Gesinde- Ordnnng.(Richtig I Bravo!) Die Beseitigung der Gesinde-Ordnung müsse das Ziel dieser Bewegung sein.(Lebhafter Beifall.) Hierauf erhielt Anna Stefenhagen mitten in der Debatte zu einer„persönlichen Bemerkung" das Wort. Was sie sagte, war aber nichts weniger als„persönlich", sondern ein energischer Protest gegen jede Gemeinschaft der Dienstbotenbeweguiig mit der Socialdemokratie. Ein Portier schlug den gleichen Ton an. Lily P r a u n. die sich schon während der Referate als eine der ersten gemeldet hatte, kam nun endlich gegen 1 Uhr zum Wort. Sie sagte ctiva folgendes: Es ist hier manches gegen die Herrschaften gesagt worden, aber alle diese Reden klangen aus in ein Loblied auf die guten Herrschaften. Ich gebe zu, daß eS Herrschaften giebt, die es mit ihren Dienstbotengut meinen, aber so lange die Gesinde-Ordnung besteht. kann es den Dienstboten wenig helfen. wenn es hier und da gute Herrschaften giebt. Sie wünschen eine Verbesserung der Gesinde- Ordnung. So ein Ding läßt sich nicht verbessern, es muß beseitigt werden.(Bravo.!) Die Bewegung für die Besserstellung der Dienst- boten ist durchaus berechtigt, aber tvenn die Bewegung Erfolg habe» soll, dann darf sie sich nicht auf Harmoniednselei gründen. Eine Harmonie zwischen Herrschast und Dienstboten giebt es ebenso Ivenig, wie eine Harmonie zwischen Unternehmer und Arbeiter. Soll Ihr Verein etwas erreichen, dann muß er ein Kampfverein tvcrden. Die Kämpfer müssen das Solidaritäts- und das Klaffen- licwußtscin unter den Dienstboten Ivecken und stärken, dann aber werden Sie dahin gelangen, wohin jede Klassenbewegung gelangen muß: zur Socialdemokratie.(Großer Beifall.) Hier wurde gesagt. Millionen hätten zum Elend der Dienstboten geschwiegen. Das ist nicht richtig. Lange, bevor Sie auf dem Plan ivaren, haben Millionen laut gesprochen. Das sind die Anhänger der Socialdemokratie. die von jeher, auch im Reichstage, gegen die Gesinde- Ordnung aufgetreten ist.(Zustimmung.) Das wissen auch Ihre Gegner. Diese bezeickjnen Ihre Bewegung als eine socialdemokratische. Die bürgerliche Presse mit wenig Ausnahmen ruft die Polizei zur Hilfe gegen Ihre Bewegung an. Wenn Sie auch noch so eifrig erklären: Wir sind keine Social- demokraten, Ihre Gegner betrachten Sie als solche. Mögen Sie wollen oder nicht, Sie werden in unsere Reihen gedrängt durch Ihren Kampf und durch den Druck von oben. (Anna Stefenhagen ruft: Niemals, niemals!) Die Haupt- waffe im Kampf: Das Koalitionsrecht. fehlt Ihnen_ noch. Sie dürfen sich nicht verabreden, um durch gemeinsame Arbeitsniederlegung bessere Verhältnisse zu erzwingen. Mit einem Jahre Gefängnis wird jede von Ihnen bestraft. die zu einem Streik anreizt. Das Zuchthausgesetz, welches den gewerblichen Arbeitern erst beschert werden soll, existiert für Sie schon seit ewigen Zeiten. Es wurde hier lobend hervorgehoben, daß einige Herrschaften Beiträge zu Ihrer UuterstützungSkassc gespendet haben. Ja. wollen Sie sich denn mit„Wohlthaten" abspeisen lassen?(Zuruf: Nein I) Empfinden Sie es nicht als eine Schmach, wenn man Ihnen Wohlthaten ge- währt, statt des guten Rechts? Wer sein, ganzes Leben dem Dienst der Besitzenden geopfert hat. den muß es doch empören, wenn er mit Bettelpfennigen abgespeist Ivird.(Beifall.) Wenn erst da? Klassen- bewußtsein in Ihnen erwacht, dann werden Sie sich durch die Wohl- thaten derHerrschaft mehr bedrückt fühlen, als durch die schlechten Schlaf- stellen und die sonstigen Mißstände, die hier zur Sprache gebracht wurden. Versammliingsbesncher, der t unterbrochen hatte, und schrie Jäh will SU nicht auffordern, sich der Socialdemokratie anzuschließen. Sie werden nnt der Zeit von selbst zu uns kommen.(Anna Stefenhagen: Niemals!) Wenn Sie auch von der Socialdemokratie noch nichts wissen wollen, so begrüße ich doch Ihre Bewegung mit Freuden, denn ich hoffe, sie wird dazu beitragen, daß die Dienst- boten endlich erkennen lernen, was es heißt: Mensch sein.(Stürmischer Beifall.) Nachdem die Rcdncrin ihren Platz wieder eingenommen hatte, traten mehrere Teilnehmerinnen der Versammlung an sie heran,«in ihr ihre Zustimmung auszudrücken. Hierauf nahm Rudolph Vissing, ein Bediensteter im Gast- wirtsgewerbe, der schon in der vorigen Versammlung(in unserem Bericht irrtümlich Blässing genannt) als Socialdcmokrat gesprochen hatte, das Wort. Als auch dieser Redner seiner Uebcrzcuguug dahin Ausdruck gab, daß die Bewegung naturgemäß einmal bei der Socialdemokratie landen werde, erhob sich ein männlicher den Redner schon kurz vorher lärnieud etwas in den Saal hinein. Unter der nun entstandenen Unruhe war nur soviel zu verstehen, daß der Schreier heftig dagegen protestierte, daß Vertreter ver„revolutionären Socialdemokratie" hier zum Wort gelassen würden. Anna Siefen- Hägen rief dazwischen: Schluß der Dienstboten- Versammlung. Der Vorsitzende, der völlig kopflos zu sein schien, wußte sich nicht mehr zu helfen. Unter allgemeiner Unruhe verließ ein Teil der An- wescndeu den Saal, der Rediicr, der vergebens auf die Wiederhcr- stellnng der Ruhe durch den Vorsitzenden wartete, trat schließlich ab und so endete die Versammlung um Uhr. > Beim Hinausgehen bildeten sich lebhaft diskutierende Gruppen. Ein junger Manu, der mit im Bureau der Versammlung geicssen hatte, also jedenfalls dem Vorstand des Dienervereins angehört, sagte zu einigen Umstehenden, man hätte die beiden letzten Redner (Bissiug und Lily Braun) überhaupt nicht reden lassen sollen. Von mehreren Mädchen hörten wir dagegen die Meinung aussprechen, daß gerade die Ausführungen der beiden letzten Redner ihnen am meisten zugesagt hätten. Der Centralvcrband der Maurer(Zahlstelle Putzer) nahm in der Mitgliederversammlung am 6. August die Abrechnung vom 2. Quartal entgegen, dem sich der Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern anschloß. Die Versammlung stimmte der schon in der öffentlichen Versammlung angenommenen Resolution zu. Die übrige» Gegenstände der Verhandlung betrafen interne Angelegenheiten. Ter Verband deutscher Schneider und Schneiderinnen (Filiale Berlin) hielt am 8. August in den Arminhallen eine Ver- san»«lung ab, aus deren Tagesordnung als erster Punkt stand: Wie stellen sich die M i I i t ä r s ch n c i d e r zu einer L o h n r e g u l i e r u n g hinsichtlich der neuen Mon- tierungs stücke. Hierzu nahm zunächst Stubbe das Wort. Seit geraumer Zeit habe man es nicht nötig gehabt, sich mit den kviilitärgeschästen in der Oeffentlichkeit zu beschäftigen. Es seien zwar kleine Plänkeleien vorgekommen, indeffen seien die fraglichen Streitigkeiten in Verhandlungen mit den Unternehmern zu Gnnsteii der Arbeiter geschlichtet worden, nachdem die Organ! sation eingegriffen habe. Leider würden jetzt infolge des un- genügenden Zusammenhaltes unter den Milttarschnetdeni für die nouen Wioistierungsstücke sehr verschiedene Preise gezahlt, obwohl die Pcllerinen alle nach einem Muster gemacht würden. Bei den Pellerinen mit Kapuze sei der größte Preisunterschied 2 Mark bei denen ohne Kapuze 1,50 Mark. Das dürfte nicht sein Für die ganz gleiche Arbeit müßten glich alle Firmen die gleichen Preise zahlen, und zwar die höchsten, denn was die eine Firma könne, sei den anderen Firmen nickt unmöglich. Robrecht zahle für Pellerinen mit Kapuze!) M. und für solche ohne Kapuz 7,75 M., während Trnnz u. Voß nur 8 M.(mit) und 7 M.(ohne zahlten. Die letztere Firma verlange dabei noch die allerbeste Arbeit. Es zahlten ferner Snttmann 9 M. und 6.60 M., Kühne 8.50 und 6,50 M.. der Osfiziersverein 7 M. und 7 Proz.(mit Kapuze« und 0.50 M.(ohnei. Im Ofsizicrsvercin sei es der Zuschneider, ein ehemaliger Kolloge, der die Preise willkürlich diktiere. Er habe den Preis für die Pellerinen mit Kapuze einfach von 7,60 M. auf 7 M. herabgesetzt.— Die Lohndrückern werde dadurch gefördert, daß in der Militürbranche sich ebenfalls das Zwischen nieister-Syftem breit mache. Ein eigenartiger Uebelstand sei bei der Herstellung der Litewken eingerissen. Kollegen, die diese Stücke noch nicht gemacht hatten, ihre Herstellung aber lernen wollten, seien ge ztvnngcn gewesen, vier Wochen umsonst zu arbeiten. Gestützt auf diese Gewohnheit, habe unlängst ein Zwischnnmeister von einem Kollegen der schon vier Jahre in der Militärbranche arbeite, verlangt, daß auch er für ihn vier Wochen umsonst arbeite. Solchem Treiben müsse entgegengewirkt werden, vor allem sei aber eine ein- heitlicke Lohnreaeliing zu erstreben. Es sei deshalb notwendig, daß die Militnrschneider mehr znsainnienhielten und zum Beispiel in Geschäftsdclegierten-Sitznngen ihre Verhältnisse besprächen. Es«verde dann schließlich möglich sein, vielleicht ohne Streik eine günstige Regelung zu erzielen.— Im fclben Sinne, lvie Stubbe äußerten siäi D a n z i g und Haas e. Es wurde betont, daß bei den Litewken die Kragenpreise hochzuhalten seien, da sie nach einiger Zeit ziim' Aufsetzen neuer Kragen zurückkämen. Man müise festhalten an 1,25 Mark für den Extrakragen und an 4 M. hierfür und fiir das Aufsetzen. Den eiiizeliicn Ge- schäftsdelegierten sei zu enipfehlen, dem Vertranciismaiin für die Militärbranche. Danzig,(hre Adressen mitzuteilen. Das Bureau werde sie eiitgegenuchmen.— Folgende Resolution wurde an- genommen:„Die anwesenden Militärsckiieider erklären, den will- kürlichcn Lohnzahlungen der einzelnen Geschäfte entgegentreten zu wollen. Sie ivollen dafür sorgen, daß die Kollegen von allen Militärgcsckäften Sitzungen abhalten, um jederzeit bei Neuerungen mit den Geschäftsinhabern in Verbindung treten zu können." Nachdem Schwarzer und N i e g e r aus Spandau in längeren Ausführungen für den Pichclsdorfer Boykott eingetreten waren, gab Haase die Abrechnung für das 2. Quartal 1399. Die Centraikasse hatte einschließlich eines Bestandes von 65.51 M. eine Einnahme von 2334.26 M. aufzuweisen, wovon nach Abzug der Aus gaben 18.13 M. als Bestand verblieben sind. In der Lokalkasse war am Schlüsse des vorigen Quartals ein Bestand von 3136,41 M. vor- Händen, welche Summe durch die Einnahme des 2. Quartals ans 4308,37 M. anwuchs. Die Ausgaben betrugen 1088,40 M.. sodaß das Quartal mit einem Bestände von 8219,97 M. abschloß.— Deni Kassierer wurde einstimmig Decharge erteilt.' Die Versammlung erklärte sich dann einstimmig damit einverstanden, daß der seiner Zeit ausgeschlossene Kollege Geelhaar lvicder in den Verband aufgenommen wird. ilde teilte als Mitglied des Gcsellenausschusses der Zwangs- iiinimg mit. daß der Antrag des Ausschüsse»., den JnnniigSiiachiveis durch' ein Mitglied dcS Ausschusses verwalten zu lasten. beim Jnnimgsvorstand große Bestürzung hervorgerufen habe. Vorläufig ei indessen keine Hoffnung aus ein Entgegenkommen der Innung in dieser Beziehung vorhanden. Der Obermeister habe erklärt, er verde es, so lange er Obermeister sei, nicht dulden, daß ein Ge- elle den Arbeitsnachweis führe, selbst dann nicht, wenn die) Gesellen zu den Kosten beitrügen. Eine Tapezierer-Versammlnng, die am Dienstagabend sin Luiseiistädtischen Konzerthaufe tagte, beschäftigte sich mit der Tages- ordnnng: 1. Wie stellen sich die Kollegen zu einer Lohnbewegung? und 2. Bericht über die Enquete. Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt R ü g e r- Spandau einen kurzen Bericht über den Streit mit der Pichelsdorfer Brauerei und bittet, die Spandauer Genossen in ihrem Kampfe nach Möglichkeit zu unterstützen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung ergreift dann das Wort Leo Schmidt. Der- elbe führt aus, daß eS seit 10 Jahren der Organisation nicht möglich war. einen allgemeinen Lohnkampf durchzuführen, da innere Streitigkeiten fede Thätigkeit hemmten. Erst seit zwei Jahren sei in dieser Beziehung eine Besserung cinaetretcn. Dennoch hält Redner es auch jetzt noch für verfehlt, in einen General- treik einzutreten, dagegen sei eS unbedingt nötig, daß in den Werk- «tätteii, in denen die 94 er Forderungen entweder nicht durchgeführt oder wo si» später wieder rückgängig gemacht wurden, diese Forde- rungen neu aufgestellt werden. Es seien also dort zu fordern: Neunstündige Arbeitszeit, Abschaffung der Ueberstunden und ein wöchentlicher Minimallohn von 27 Mark. Wo Accordarbcit herrscht, sind die Accorde so abzuschließen, daß bei neunstündiger Arbeitszeit durch- Ichnittlich 10 Proz. über den Minimallohn erzielt werden. Redner warnt noch einmal vor dem Generalstreik, da für einen solchen nicht nur in großem Maße die Unterstützung der übrige» Arbeiterschaft inAnsprnch ge- nominell weiden müßte, sondern auch fraglich ist. ob die Organi- sation bereits den Umfang gelvoiincn hat, der für eine so um- fassende Bewegung nötig sei. Redner faßt zum Schluß seine Forderungen in einer Resolution zusammen. K i e l in e i e r hält es für nötig, gerade jetzt mit der Lage der ans den Bauten ic. arbeitenden Kleber sich zu beschäftigen iind diese für den Verband zu gewiniien. Auch sei es im Interesse der Bewegung geboten, die Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen in die Organisation einzubezichcn. Redner ist der Meinung, daß die Kommission eine Verstärkung erfahren muß, uin ihr energischere Elemente ziiznfiihreu. In der Folge dreht sich die Diskussion teilweise um die Thätigkeit der Agitationskommission. Holzhammer führt ans, daß gerade die WerkstätteiistreikS es gewesen seien, welche die Mittel der Organisation aufgezehrt haben. Er verlangt einen Diinimaltarif fiir die Schniidgeschäfte und ist der Ueberzeugung. daß die besseren Geschäfte einen solchen mit Freuden begrüßen. Redner rechnet bei dem Eintritt in eine allgemeine Bc- tuegimg auf die Sympathie des Publikums, auch wenn die Unter- stützniig des Geiverkschaftskartells misbteibeii sollte. Ein Antrag, die Bcschlnßsaffiiiig über die Streiisrage einer öffentlichen Ver- sammlmig zu überlassen, zu der speciell die Kleber eingeladen werden sollen, wird abgelehnt. Dagegen wird der Antrag an- genommen, i n einen partiellen streik einzutreten. — Schmidt verwahrt sich schließlich gegen den Vorwurf, daß er abgewiegelt habe. Er habe die Pflicht gehabt, den Kollegen die Sache darzustellen, wie sie sei. Sei der Streik einmal beschlossen, dann werde niemand begeisterter für denselben eintreten als er. Redner wendet sich, teilweise von heftigem Lärm unterbrochen, gegen eine kleine Gruppe von Personen, welche nach seineil Ausfühmngen die Sonderinteresscn der Lokalorganisierten vertreten. In dem allgemeinen Länn wird die Versanimlung geschlossen. so daß der zweite Pnnkl der Tagesordnung nicht mehr zur Erledigung ge- langen kann. Die Bandrechölcr besprachen am Dienstag sin„Englischen Garten" ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Bemängelt wurde, daß in mehreren Werkstätten des Südostens und in Nixdorf noch nicht die sonst allgemein im Gewerbe eingeführte zweiundfüiifzigstündige Wochen-Arbeitszeit siinegchaltcii werde. Auch wurde scharf ver- urteilt, daß eine ganze Reihe von Betrieben anßerordeiitlich niedrige Löhne, besonders für das Aufstellen der Treppengeländer zahle. Die Konjunktur sei allerdings augenblicklich keine hervorragend gute, weil der Maurerstreik die Saison verschoben habe und auch die so- genannten, von Tischlern gefertigten Bretterzäune den gedrehten Geländern vorgezogen würden. Immerhin sei bei energischer Agitation nnd einmütigem gusammenschluß eine Besserung zu erzielen. Die Organisation sei gegen das Vorjahr wieder vorgeichritten und bei- nahe aus dem früheren Standpunkt angekommen. In der Diskussion wurde noch das oft gebräuchliche Ueberstundenivesen gegeißelt und verlangt, daß kein Baiidrechslcr Ueberstimdeii mache, wenn noch nicht sümmtliche Bänke besetzt n»d vom Arbeitsnachweis Arbeitslose zu haben seien- In einer einstimmig angenommenen Resolution verpflichteten sich die Versammelten, solidarisch zu wirken. Gleichzeitig wurde das Bureau der Versanimlung beauftragt, Material zur Agitation für gleichmäßige Arbeitsverhältnisse zu sammeln, und es zu verarbeiten. In Wcistensce tagte am Sonnabend eine öffentliche Versamm- lung der Arbeiter und Arbeiterinnen, in der Genosse Reuter einen mit Beifall anfgeiionimenen Vortrag, über das„Recht auf Arbeit nnd die Zuchthansvorlage" hielt. In der Diskussion suchte ein Anarchist für leine Ideen Propaganda zu inachen, wurde aber von den Genossen Ger st en berger, Weise und dem Neferenteii treffend widerlegt, worauf zum 3. Punkt der Tagesordnung:„Die Zustände in der Nudelfabrik von Max Hennigcr und das Verhalten des Werkführers Hoppe" übergegangen wurde. Hauptsächlich wurde über die Uiireiiilichkeilen geklagt, denn es soll vorgekoimnen sein, daß eine Maus in der Teigmaschine mit verarbeitet wurde. Die Abgesandten der Firma gaben wohl zu, daß die Maus mit verarbeitet]! worden ist. serklä rten aber, das; der Teig mit der Maus verbrannt wurde. Sonst wurde jede Unreinlichkeit bestritten und darauf hingewiesen, daß in der Fabrik täglich dreimal ausgefegt wird. Die Behauptung dieses Herrn toyrde jedoch in einer ziemlich erregten Diskussion vielfach angezweifelt. Es wurde angeführt, die Mäuse sollen etwas zahl- reich zwischen den Nudeln cinherspazieren. Im weiteren wurden von den anwesenden Arbciterjnneii über unsittliche Anträge seitens des Werkführers Klagen geführt. Zum Schluß gelangte eine Resolution zur Annahme, in der sich die Versanimlniig mißbilligend über die Zustände in der Fabrik äußerte. Nerbond deutscher Barbiere. Friseure und Perrückenmacher- Gehilfe» sZweigverein Berlin). Tonnerstag, dm 10. d. M., abends Ick/z Uhr bei Schiller, Rpsenthalerstrabe 57, auberordentliche G e n e r a l v e x s a in n> l u n g. Ttrafteiibäiidler imd Säiidlerinnen. Versamnilnng am Sonnlag, den 13. Anglist, 11 V, Uhr Nil Englischen Gatten, Alexandersteabe 27c. Tagesoidnnng: Sielliingiiahine gegen die Petition der Hausbesitzer in Sachen des Slrabenhandels. Vermifchkess Unwetter. Wie dem„Pos. Tgbl." mitgeteilt wird, ging da? Sturm- und Hagelwetter über Starolenka, Glnschi» und Tnlce nieder und richtete großen Schaden an Dächern, Schobern und Vännien an; die Feldfrüchw sind völlig verhagelt, Kraut, Sküben, Wiesen, Klee. welche einen mittleren Ertrag versprachen, sind vernichtet.— In G i l l e r s d o r f bei Ilmenau sind zivei Steinbruchsarbeiter und in Böhlen eine holzsnchende Frau vom Blitz erschlagen worden.— In der Gegend von Rheydt ging ein heftiges Geivitter nieder, begleitet von starkem Regen. Der Blitz zündete in zivei Gehöfte» in Glehn, in Herberath nnd in der Grevenbroicher Mühle. Zwei Scheunen und eine Stallnng wurden eingeäschert.— Auch in F u l da verursachte ein Gewitter mit Hagelwetter große Berlvüstimgen an Häusern, Anlagen. Feldern und Gärten. Z« dem Unfall des Norddcntsche»Lloydda»iPfcrs„Lahtt", der bekanntlich mit zweitägiger Verspätung am letzten Homiabend von Bremen in Neiv Dork ankam, wird noch folgendes gemeldet: Am 27. Juli, als der Dampfer sich auf 10 Grad westlicher Länge befand, brachen gegen mittag plötzlich fünf Bolzen in der vorderen Verkuppelung des Hanptschaftes. Das Maschuienpersoiial arbeitete Tag und Nacht, um den Schaden auszubessern, und zwar mit dem Erfolge, daß der Dampfer, nachdem er 31 Stunden till gelegen hatte, seine Reise fortsetzen konnte, aller- dings niit reduzierter Fahrgeschwindigkeit. Das Wetter war schön und die See ruhig. Die Passagiere be- nahmen sich sehr mutig, von einer nennenswerten Erregung war nichts zu bemerken. Die gebrochenen Bolzen maßen 17 Zoll in der Länge und 5 Zoll im Durchmesser. Außer einem gewöhlilicheii Frachtdampfer am 29. Juli wurde nach Ausbesserung des Schadens lein Schiff mehr unterwegs angetroffen.— Ter deutsche Dampfer Rio" stieß bei Leixoes mit den, engliscken Dampfer„ F e r o m e" zusammen. Die Beschädigung beider Schiffe ist unbedeutend. Seekrieg im Frieden. Aus Folkestone wird telegraphiert: Auf der Höhe von Dnngeneß wurde in einer Entfernung von drei Meilen ein französisches Fischerboot gesichtet. Das Kanonen- boot„Leda" gab einen blinden Schuß ab.»in das Boot zum Bei- drehen zu bringen. Als das Fischerboot dies nicht beachtete, gab das Kanonenboot einen scharfen Schuß ab, durch den ein Franzose getötet wurde. Uebcr das Eisenbahu-Unglück bei Jndish wird ans Paris, 7. August, noch folgendes gemeldet: Erst im Laufe des gestrigen Vormittags hat sich die Eisenbahn-Katastrophe auf der Orleans- bahn in der Nähe des Pariser Vorortes Jubisy in ihrem ganzen Umfange übersehen lassen. Der Zug 29 bis von Paris nach Nantes war ein sogenannter.Bcrgiiügungszug", der für billige Preise Handwerker und kleine Leute an den Sommersonntagen an die Meeresküste bringt. Daraus erklärt sich die große Zahl von Opfern der Katastrophe, 17 Tote, 10 tödlich Verwundete und ungefähr 60 meistens schwer Verletzte. Der reguläre Zug 29, der in den Extra- Aug hineinfuhr und das furchtbare Unglück herbeiführte, kam mit feiueu Passagieren ohne jede Schädigung davon. Tie Untersuchung hat bisher noch nicht festzustellen vermocht, ob die Störungen des Dienstes, Versagen der Signale des„Blocks", Auslöschen der Laternen und Fall der Zeichcntelegraphcn einzig auf das furchtbare Gewitter zurückzuführen sind, das gerade im Augenblicke des Zusammenstoßes Über Paris und Umgebung wütete, oder ob nicht auch grobe Fahr- lässiakeit des BahnhosSpersonals und leichtfertige Verschuldungen der Orleansbahn- Gesellschaft vorliegen. Nach gewissen Aeußcruugcn kompetenter Personen und der Haltung des Bantcuministers Bandin, der wegen seines entschiedenen Auftretens bei den Aufräiimungs- und Nettungsarbeiten und seiner unermüdlichen Umsicht während der ganzen Nacht auf dem Schauplatz der Katastrophe allgeineine belvundernde Anerkennung gefunden hat, zu schließen, scheint fürs erste die Ansicht vorzuherrschcn, daß die Gesellschaft nicht die erforderlichen Vorkehrungen für den in den Sommermonaten sehr gesteigerten Dienst getroffen hat. Das Personal des Bahnhofes Invisy besonders, den täglich über 409 Züge passieren, soll ungeheuer überlastet und für die Ucberarbeiten in der Soinmcrsaison bei der niederdrückenden Temperatur unzureichend sein. Die Untersuchung. wie die über die Katastrophe in der Kammer angemeldete Interpellation, werden darüber schon Klar- heit verbreiten. Die Toten und eine große Zahl der Vcr- wundctcn sind in gräßlichster Weise verstümmelt. Einzelne Köpfe sind ganz platt gedrückt und haben die seltsamsten, unHeim- lichsten Formen angenommen; einer toten Frau ist die Hand dicht in die Brust hineingepreßt, so daß die beiden Körperteile fest mit einander verwachsen scheinen. Auf dem Schauplatze der Katastrophe sind zahlreiche abgerissene Gliedmaßen. Anne, Beine, Schultertcile, Hände, Füße und anch ein Kopf gefunden worden, der einer Frau glatt vom Rumpfe getrennt wurde. Die Aufräumungs- und Nettungsarbeiten wurden durch das furchtbare Unwetter, das stunden- lang über dem Scinethal wütete, stark verzögert, und erst gegen Mittag des gestrigen Tages konnte der Schienenweg für den Verkehr wieder frei gemacht werden. Für de» Inhalt der Inserate Übernimmt die Redattio» dem Publikum gegenüber keinerlei Berantinortnng., Mlzvtttov. Donnerstag, den 10. August. Sienes Opern- Thoalex. Die Fledermaus. Anfang 7»/z Uhr. Lcssjng. Grohn, ama. Anfang?>/, Uhr. Neues. Die Trutzige. Anfang 8 Uhr. Westen. Der Mikado. Anfang 7V- Uhr. Schiller. Der Trompeter von Säk- kingen. Anfang?>/, Uhr. Central. Der Heiratsmarkt. Aiifang 8 Uhr. Friedrich> Wilhclmstadtisches. Gcrminal oder. Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. llllexanderplatz. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Sudanerin. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr. Belle-Alliance. Specialitäten-Vor- stell mig. Anfang 8 Uhr. Slpollo. Frau Luna. Specialitätew Borftellung. Anfang 8 Uhr. Melchshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Vassage> Panoptikum. Specialt- täteii-BorsteNuilg. Urania.?t»Palideuslr. 67/02. Täglich abends von 5—19 Uhr, Sternwarte. Schiller-TheM tWallner-Thenterf. IHl o r w i t x- O p e r. DonnerStag, a d d s. 7 V- Uhr' vor Trompvtor von Läbfcwgsa. Oper von Bictor Nehler, Freitag, abends?>/-Uhr: Gastspiel Adele Itorg;Iii und Benedetto liiieignunl. Carmen. Sonnabend, abends 7VzUH r: Volhitllmllcho Opernvorstellung bei halben Preisen: Sar und tKiuiiuerniann. Wid-lwl Wjj-Thkllter. «fr. Frankfnrlerslrasie l.'t». Novität! Novität! Die Kubanerin. Aktuelles Schauspiel in 7 Bildern o. Okonkowsky. IM- Anfaiig 8 Uhr."MW Norzugsbillets haben Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heut im Garten: Sommerfest der vercinigten Tifchlenneister. Neues August-Programm. 27 Nummern. Anfang S Uhr. Satsonlarlen haben Gültigkeit. Sonnabend: Sommcrnachlssest. Montag: Sommerfest des Hand- werkcrvereins. Crntrnl T lzentvv Direktion: soss I�erencrx. Lustspiel-Ensemble(gil.Hllly Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr klch. llwalll vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in s Akten v. G. Okonkowsli. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. GrOsster Saison-Erfolg:!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclalit.-Programm. XJ. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhuslüina Truppe. Werner-Amoros- Company etc. etc. Anfang: 8 Ii Ii r. FricW-WilhelNsl.Thtlckr Chausseestr. S5 26. Zum 3. Male! AbcndS 3 Uhr: „Ger»lmal"oder! Ter streik der Bergarbeiter. Sociales Drama i» 8 Aufzügen nach dem gleichuamigen Sioman v. Emile Zola. Regie: Leonh.Ottomever. Im Prleilrloh-Wilhelmst. Konzertpark: Jeden Abend ungeheurer tzachersolg der Sensationspofse: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lona Barriso», Mlle. Popolair, Uvette Guilbert, Professor Svcngali. Leonhard Hartmann als »Zigeuner». Mist Tarncit, Salon-Atleihin, hebt U. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patty Franf-Truppe, Akrobaten. 5 Personen jc. Außerdem 30 Specialitäten. _ Entree 30 Ps. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: Fi'atiljuiBii mit dem XiUftballott GrigoBsitis «Otto Rentier« und 10 Specialitäten. Garten- Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„Klinstierdank", Unter den Linden 60. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich- Borns Kesi. Bolksstäck mit Gesang n. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Serstcn. Kostiimsoubrelle Frä»l. lüde Sarow. Gebr. Hilardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Ble 3 Schönbrunns, humoristisches Bilderbuch. The4Flaslies, Exceuttics. VaUettgcjellfchnft Döring. Venriaro-Trio, lijcrciticu am Hand- Trapez. Daniel-Truppe, Pantomime. LM" Konzert und Ball.-3S�ä Eintritt Sonntags und wochentags ob Pf.,»um Platz äst Ps. Kalho. Neichshallen. Garten resp. Saal täglich: Stettiner Sänger «Mepsel. Pirtro, Britto», Tteidl, Krone, S i r ch in a y e r, Schneider inib Schräder). Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: Konxert. Eniree 50 Pf., Vorverlauf sür hie Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. Jeden PreUag: Neue* Programm. W. Noacks Theater, Briliinenstraste 16. Täglich: Theater- u. Specialitäten Borstellung. Die Lindenwirtin. Liedcrfpiel in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik voir R. Thiele. Das Bl»me»mädchen vom Morihplah. VolkSstück mit Gesang in 2 Akten von Johann Eißner. Im Saale: Tanzkränzchen. Der SkattonSvorstcher als Cigarrenprüfcr. Auf dem Bahnhof in Brzezinka m Oberfchlefien befindet sich unter anderen Autoinaten auch ein solcher für Cigarren. Für 10 Pf. spendet er drei Cigarrcu. Au dem Automaten befindet sich seit einigen Tagen ein mit amtlichem Stempel versehenes Schildchen folgenden Inhalts: „Von heute ab können diesem Automaten Zigarren entnomnten werden. Dieselben sind rauchbar. Der StatiouSvorstand." Marktpreise bo» Berlin am 8. August 18SS nach Srmiltelungen des kgl. Polizeipräsidiums "/Weizen D.-Clr. UNoggc» Futter-G erste„ Hafer gut „ mittel :. gering Richistroh„ Heu 4) Erbsen ß)SpeiseVohnen„ -i'/Liuseu„ Kartostcln, neue Siindilcisch, Keule I stg do. Bauch„ ») Ermittelt pro 1 kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4,- 2,- 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- 1- 1,— 1- 2,- 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,10 0,80 2,- 15,80 14,70 Schweinesleisch 14,70 13,70 Kalbfleisch 13,30 12,80 Hammelfleisch 15,60 15,- Butter 14,90 14,40 Eier 14,30 13,80 Karpfen 5,- 4,50 Aale 6,50 4,— Zander 40,— 25,— Heckte 50,— 25,— Barsche 70,— 30,— Schleie 10,- 6,— Bleie 1,60 1,20 Krebse 1,20 1,- ........... Tonne von der Centralstelle der Preuh. Landwirt- schaflslamuier- Nplieimigsstclle- und umgerechnet vom Polizeipräsidium für de» Doppcl-Cenilicr. ch) Kleiichaiidelspreise. Produkten markt vom 9. August. Am Getreidcmarkt niachte sich lebhaftere Nachfrage, namentlich für Roggen, geltend. Das schäne Enilc- wetter fand ebenso wenig Beochlmig, wie die dauernd schwankenden, vor- vorwiegend flauen Meldungen ans New Aork und Chikago. Roggen zog im Preise leicht an, Weizen konnte sich gut behaupten. Das Geschäst blieb jedoch ohne Belang. Haser war leicht abgeschwächt. Am S p i r i t u s m a r k t dauerte die feste Stimmung deS gestrigen Wer- kehrs fort. 13 000 Liter loca 70et wurde» mit 43,10(+ 0,30) gehandelt. Termine erzielten eine Avance von ca. 0,20 M. Kartosfelsabrilate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sock— ,— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 101) Kg. brutto inll. Sack und Mehl 19,20 M. Supra trockene Kartoffelstärke per 190 Kg. — ,— M. Kartoffelmehl per lOV Kg.— M. Prima Kartoffelmehl 19,20 M. per 100 Kg. Städtischer Schlachtviehmarkt. Es standen zum Verkauf: 411 Rinder, 2129 Kälber, 1801 Schafe, 7707 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kg. Schlachtgewicht in Mark(bezw. für 1 Pfund tn Pfennigen): Für Rinder: Ochsen:») vollfleischig, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt— M.; d) junge fleischige, nicht aus- gemästete und ältere ausgemästet«-- M.; o) mästig genährte junge und gut genährte ältere— ,— M.; d) gering genährte jeden Alters— M. Dullen: a) vollfletschige höchsten SchlachtwerteS— M.; h) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere— M;; o) gering genährte 47—52.— Färsen und Kühe: a) vollflciichlgc ausgemästete Färsen höchsten Scblachtwerts— M.; d) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten SchlachtwertS, höchstens 7 Jahre alt, — M: c) ältere ausgemästet« Kühe und weniger gut eniwickelte jüngere — M.: d) mästig genährte Kühe und Färsen 47— 50 M.: o) gering genährte Färsen und Kühe 42—45 M.— Kälber: n) feinste Mast-(Vollmilchmast) und beste Saugkälber 70—72 M.: b) mittlere Mast- und gute Saugkälber 65—68 M.; o)pcringc Saugkälber 60—63 M.: d) ältere, gering genährte(Fresser) — M.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mastbammel 63—65 M.; b) ältere Masthammel 58—02 M., o) mästig genährte Hammel und Tckale (Merzschafe) 00—55; d) HolstcinerNiederungsichase(Lchendgewicht) 27— 32 M. — Schweine: Man zahlte für 100 Pfund lebend(oder 50 Kg mit 20 Proz. Tara-Abzug): a) vollfleischige, kernige Schweine feinerer Raffen und deren Krenziingcü, höchstens l'/i Jahre alt: 52 M.; b) Käser—, c) fleischige Schweine 50—51 M.! d) gering entwickelte 48—49 M.; e) Sauen 43— 45M. — Verlauf und Tendenz: Vom Rinderanstnebe wurde unaesähr die Hälfte verkauft. Der Kälbcrhandel gestaltete sich ruhig. Von den Schafen wurden ca. 900 Stück verkaust. Der Schweinemarkt verlief ruhig und wird voraussichtlich geräumt; schwere fette Ware war vernachlässigt, erzielte anch Nicht die höchste» Preise. Briefkasten der Redakkion. Die nischsten juristischen Sprechstunden finden ausnahmsweise am Donnerstag und Freitag nicht von 6, sondern erst von 7 Uhr ab statt. Zur Beachtung. Wir bitten Briefe, die für Genoffen Liebknecht persönlich bestimmt sind, in den nächsten Wochen nicht an die Ncdaltion des„Vorwärts", sondern an dessen Privatadresse zu richten, da Gen. L. sich im Urlaub befindet. Groft- Lichterfelde. Es scheint Ihnen unbekannt zu sein, daß Ver- öffentlichungen dieser Art vom Vertrauensmann gebilligt und beglaubigt sein müssen. Wetter-Prognose für Donnerstag, den 10. Slugust 1899. Etwas kühler, vorwiegend wolkig mit leichten Regensällen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburean. Urania Tiinlicnsti-asse 48/49, Um 8 Uhr; Im Theater: Das Land der Fjorde. Tnvnlfdcnstr. 57/6%: Täf)!. Sternwarte. Nac hrniUafi'S tätlich 5— 10 Uhr. GAST ANS IPANOPTICUM Blc sensationellen tebssidenm Photographien! In Lebensgrösse, Die russische USrflinil" Damenkapelle„BligUUil In moskowitischan Kostümen. Viele nene plastische Gi-nppcn und Flxui-cn. R. Ballschmieders „Kastanieuwäldcben" KoilZtttgilckil n. Pralljtsiile Badstr.lS. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenadc»,- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Ttreich-Konzert. Sonntags: Grosicr Ball im nenevbauten Saal. Empfehle meine Säle zu aste» Fest- lichkcilen. R. Ballschmieder. Pulilmaniis Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee U8. Kastan.-Allee 97/09, Täglich: Konzert, Theater n. Specialitäten-Vorstellnng. Victoria-Brauerei Liihowstraste 111/11$. Im Kutursartcn oder Saal: TäffUch Humoristische Soiree der MMZchen Sänger (Führmann,, Horst, Walde), ff- Ans. Sonntags präc. 7, wache»- tags 8 Uhr, EiNree 5» Pf. Vorverk. 49 Ps FamilienbillelS » � 1 M. Sonntag und Donnerstag nach der VorsteNuiig Dan�hr-itneielien. UsttZal»»-Park Bermann Imbs 71 Niidersdorfcv Straße 71, am K ii st r i n e r P I a Täglich: Kotixort. Theutcif- und Special itäteii-Vorstcll ii»g. Nur erstklassige Nummern. Anfang; Sonntags 4 Uhr. Entree 20Pf. Kinder tO Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfaiig: Wocheut. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Akor-ddentsehe Stiaaer, Heimaiin Imbs, Direktor. Schweizer-Garten zw Könlgstliei'.— Haltestelle der elektr. Ringbahn,— Am Frledrl«h»haln. Donnerstag-, den 10. August 1899: Orosses indisches Sommernachts-Fest Mit humoristischer Gratis-Priisent-Verteilttng. Ilm 12(Ihr nachts; Grosse indische Garten-Polonaise. Große Sxtra-Festborstellnng des neuen KnnstlerpersonalS. Knossei' k'est-LsII. knans-partouts und Sommerkarten haben Gültigkeit._ —aw Vorzeiger dieses Ausschnittes zahlt nur halbes Gntrec. nnBBHBHHnHBaBBnBBsesaavnnaB Wedding-Park lUUllereiti'asae 178. Am Wcddine-Plati. Jeden Tonnerstaa: Großes Kinder- nnd Familienfest. Im Saale: OinossSn Soll. Anfang 4 Uhr. Entree 10 Pf. 7 verdeckte Sommer-Kegelbahnen. von denen noch einige zu ver- Seben find. Volksbelustigungen aller Art.— Kaffeeküche täglich von —5 Uhr geöffnet. Jeden Dienstag: Korddeut«che 811t Jeden Sonntag: Ct-el-Iionrert und Ball. 19240» W. Trapp. Inger. Max Kliems Sommer-Theater Hasenheide 14—13. Slrtistische Leitung: lpaul Milbitz. M Tiiglilsi: Krosles Arteil-Koilzert. Auftreten des gesamten Schauspiel.». SPrctalitäten.PrrsonalS. l&T' Nur erstklassige Kräfte.-MW Georg Fischer(Liederfänger), Emst Kühne(Cbarakter-Koiitiker), Frltil Verrl (Kostüm- Soubrette), Ploetz Cerelln-Troppe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(Transformations- Duo), Llng- Fulng kChweflsche Akrobaten), The Cowas(Original-Erceiitrlcs). AM" Xene» gediegenes l'umillen- Progi-amm.-MM Knti-ee: Wochentags 20 Pf. Enti-ee: Sonntags 25 Pf. Numerierter Play 40 Pf Numerierter Platz 50 Pf. Ankang de» Konzerts täglich 4 Uhr. Anfang der Veratellung 8 Uhr. In den Festsäle» t IW?» Großer Ball.-MW Die Karreeküche ist geöffnet. Max Klient. Passage-Panopticuni Geöffnet von 9 Uhr sriih bis 10 Uhr abends. Xen! Xen! Das urkomische BOckeburger Bauern- Eüsembis. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. ' M AA«« � Kösliner Hof KSSliuerstraske 8. Empfehle meine S Säle, 2 Kegelbahnen, 1 Vereins- zimmer an Vereine und Ge- scllschafte» zum Abhalten von Konzerten und Tanzkränzchen. M\i HoSTmanu 22882*] Restanrateur. Billig? knabenanziige. Billig! Mädchcnkleider in grober Auswahl. 0. Hokkmann, Veicrancnstr. 14.• Haben Sic Wanzen?? Dann ist es Ihre eigene Schuld 1 Lesen Sie das Buch über„Ungeziefer- plage», welches gratis nnd franco(als Brief gegen 20 Ps.-Markeii) an jeder- mann gejandt wird. 22991! In diesem Werkchen findet man genaue Anweisungen: KLanze», Schwaben. Ameisen. Fliegen tc. gründlich uiid dauernd zu vertilgen. B. Koffers, Berlin, Mautenffclstraste 92. MMWhtl,WNK' spottbillig Waldemarftr. 68. 1. links. Sonntag, den 6. August, ver- starb am Herzschlag unter lieber j Bater, Schwieger- und Grvstf vaier, der Schrisisetzer Friedrieff Ludwig im 60, Lebensjahre. Die Bcerdigulig findet Frei- tag, den ll. August, nachmittaas 6� Uhr, von der Leichenhalle des städtisch. Eentral-Fricdhofes (Friedrichsfelde) ans statt. Die trauernden 18t4b Hinterbliebenen. BttbH!li>!llltti!»Hll!ll>els-ilillj TrilitSPrtgmttliebeWstigt. HiissilrbeiterBttliiisil.lliHg. Den Kollege» zur Nachricht, daß unier Kollege Kemriel! Höppner, DreSdenerstraste 38, nach kurzem aber schwerem Leiden am Sonntag, den 6. d. M., verstorben ist. Ehre seinem Andenken. 75/14_ Tee Borstaufa. Krllilke»-N«terMtt!!gsbnlll> her Sijitfiöer. Unser Mitglied Fritz liiebig ist(im 7. August verstorben. Die Bcerdigmig findet am DonnerS- iagnachmittag 4 Uhr von der Leichen- halle des Hiinmelsabrts-Kirchhoies in Rosenthal bei Nieder-Schönhausen statt 166/19 Die Ortsvermaltnug. Von der Reise zurückgekehrt, st 820b DrJialui.ffifridjtftr.lT. W. Noacks Festsäle, BrnnnciiBtr. 10. Empfehle i mittle neu renovierten Säle unter conlantesten Bedingungen. Auch sind noch einige tjOIMafieUliv frei.__ 18086 Sluccateure. CharloUenburg! Stuccateure. N»?- Die Kollegen Charlottenbnrgs werden ersucht, sich Sonntag, den 13. K SUt., vormittags 10 Uhr, im Lokale von W ilke, Btsinarckstraste 35, «inzuflndeu. 173/19 Der BcrteauenSniann. Am Tage des Sängerfestes in Schlost Weistensee sind als verloren gegangene Gegenstände gemeldet worden: 2 Portemonnaie mit Inhalt, eine Lederkoffcrtqsche, ein Damenjackett. 16/18 Gefunden wurde: Eine Porzellanftgur, ein Damengürtel, eine Uhrkettc. Obige Gegenstände sind abzugeben resp. abzuholen bei Ott« Rasche, Cigarrevgeschäst, Mariannenstr. 23,_ Ält- Glienicke. Am Sonntag, den IS. August, findet auf dem Turnplatz zwischen A d l e r s h o f nnd Alt-Glie nicke ein 23051!* GroHtS öolltfM verbünde» mit KgmNel-Assschltbtll, Sternschicsten und Tanz im Freien statt, wozu ergebenst einladen die _ Gastwirte Sass, Hahn, Witte. gy Budenbesitzer aller Art können sich melden beim Gastwirt Hahn är\\ eiter-Beruf savtikelu. W äsche ausschliestlich eigenes Fabrikat.— Specialität: Arbeiter- Berufs- kieidiing! Blau Köper-Jacken M. l,65, steigend je nach Größe um 10 Pf., blau kittel Hosen, in allen Längen, M. 1,65. Arbeiterheinde», Blnse», Maler- Köper-ii. Montenrhenide». B. Wnetiel& Co., Wraiigelstr. 17. Ne«! Achtttieg! Achtttttg! Ne«! Alle» Freunden und Bekannten zur Keiintnisiiabme, daß ich von jetzt ab � goldklares Berliner Weißbier vom Fas; auSschänke. Um freundlichen Zuspruch bittet 2159jtide 108-111>«11, Welt§iiWtiii( 108-114 >9 u 11 11 n o v 11 c, Großes Sommerfest SommmlMs-W Sonnabend, den 12. Zl u g u st verbunden init veranstaltet vom Tnrn-Vereitt„IsiUtko" Großes Garte»- Konzert. Auftreten des gesamten Künstler- Personals. Große turnerische Massen-Aufführungcn, ausgeführt von den Tamen-. Männer- und Lehrlings- Abteilungen des Vereins. Jedes Kind erhält 3 Vons giltig für eine Stocklaterne, Karussell oder Rnlschbahn. Bei eintretender Dunkelheit großer Fackelzug der Kinder. Die Kassceküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Versügung, Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Borslellung 6 Uhr, des Balles 6 Uhr, Herren, welche am Tanz teil- nehmen, zahlen 50 Pf nach,— Entrer 25 Pf., an der Kasse 3v Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Lokalen, sowie bei sämtlichen Mitgliedern des Vereins und an der Kasse zu haben, 268/10 Zu freundlichem Besuch ladet ergebenst ein Du» Komitee. Unser»» Sangesbruder e-uil Wille zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! �rdoltor-vosangvoreln VorvSrt» l. (Sllllost.) 65/19 MiMuro. Unferm Veteran Vater hinter zum heutigen Wiegenfeste die herz- lichste Gratulation, 2311L Die Genossen im 7. Bezirk. Fahrcllder, Teilzahl«»g, coulantc Bedingungen, s2300L» >e iiii. II. auf Teilzahlung. «1. Kellermann, Prinzcnstp.97, parterre, Eingang vom Flur.[* Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Sonnabend, den 12. August 1899, findet das diesjährige SÜÜnngstest, bestehend in Konzert und großem Toinincrnachts-Ball, in der Brauerei Friedrichshain(früher Lipps) statt, wozu»vir die Mitglieder und Freunde mit ihren Familien gütigst einladen, recht zahlreich zu erscheinen. Während der Pausen» Komische Vorträge. VillctS a 25 Pf.(inkl. Tanz) sind vorher bei den unterzeichneten Komitccmitgliedern zu haben: Klebb, Mariendorferstr. 2; Licbetrau, Neue Königstr. 18; Krafft, Graunftr. 19, Onergeb, 4 Tr,; Schwanz, Wriezeircr- strastc 24, v, 3, Tr,( Brunzel, Wilsnackerstr 61, Scitenfl, 3 Tr,; Schileider, Plan-Ufer 31, Hos 2 Tr,; Petennann,, Reinickendorfcrstr, 65, v, 4 Tr.! Mahn, Eiscnbahnstr, 31, v, 2 Tr,; Girke, Waldeinarstr, 52, v. 1 Tr, 1 ferner bei Herrn Bandeloiv, Langestr, 13, im Restaurant, und Herrn Schmidt, Münchcbergcrstr. 28, iin Restaurant. Anfnng 8 llhr. Ende»venchs aus ist 259/9 Ha»« Komitee. iow Pech" 6, Flora- Säte, Weberstr. 17. Sonnabende und Sonntage frei,[23062* Vereiuszimmer 20—150 Personen,— Bermmmlungcn jc.:c. Böhmisches Brauhaus Telephon: Amt VII, 5088 Landsberger Allee 11/13 offeriert seine als vorzüglich bekannten Biere Telephon: Amt VII, SO88 helles und duiakles lLag>ei'biei% IVepomukhFmi, Filsener Art, Cratmhrimishräu, Münchner Art, unter den coulantesten Bedingungen. 23038* » Maurer. i Donnerstag, den 10. August, abends 8 Uhr: DSf" Zwei Versammlungen der Zahlstelleu Berlins und Ningegeild des Centralvertillndes deiltscher Maurer. 1. LoruLSis-Säle, Ackerstr. 6—7. 2. Gossmanns Festsäle, Kreuzbergstr. 48. Tagesordnung- 1 Die Arbeiten der Nchtzehuer-Konimiision 2. Slellungnahms zu dem am 2. d, M. vom Vorstand des deutschen Arbeitgeber-Verbandes gesagten Beschlug betreffend die Einführung unparilätischer Arbeits- nachweise, 137/5 Guten Beiuch erwartet vie Verbandsieitane- I. A.: K. Pauser. tz I i Ii k ß f i a i a ig! k li| f i Q i € I fi 3 I I Achtung! Mitglieder a» Freien Ifolksbfihne! Die Wintersaison des Spieljahrs 1899/1900 beginnt am Sonntag, 3. September, im Lessing-Theater Clit: Die Jonrnalisten. Lustspiel in 4 Akten v. C, Freytag. Die Vorstellungen für diese 4 Serie finden statt: Sontnag, den 3., 10., 17., 24. Sept., I. und 8. Okt. Die Vorstellungen der 5. Serie Im Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr, 132, unter Direktion Carl Weiss und der künstlerischen Leitung des Ober-Regisseurs vom Lesslng-Theator Herrn Adolph Stein ert untl Mitwirkung eines besonders für die Veremsvorstellungen kontraktlich engagierten eigenen Künstlerpersonals, bestehend aus bewährten Mitgliedern hiesiger Buhnen und namhafter Gäste. Alle Kostüme, Eequisiten etc. werden aus den kunstgewerblichen Werkstätten der Hoflieferanten Verch& Flothow entnommen. Die bühnentechnischen Einrichtungen sind allen Anforderungen der modernen Bühnendarstellung entsprechend verbessert worden. Als Erstaufführung Im Ostend-Theater beschloss der Gesamtausschuss zur Erinnerung an den 150. Geburtstag: Goethes zur Aufführung zu bringen:„Faust", I Thell. Die Vorstellungen folgen am 24. September, 1., 8., 15., 22. und 29. Oktober. Eine besondere Goethefeier findet ausserdem für alle Mitfirllcdcr gpBW am IHontag:. den 28. August, abends SVs Uhr, In Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, statt. An diesem Vortrags-Abend wird Herr Schriftsteller Dr. Rudolph Stelner einen Vortrag über „Goethe und die Gegenwart" halten. Die Versammlung ist öffentlich, der Eintritt gegen ein beliebiges Entree gestattet. Es ist Ehrensache der Mitglieder, sich zahlreich an dieser Goethefeier zu beteiligen. D D ft I* > I I I Folgende Mittellungen aus den Zahlstellen bitte zu beachten: Die neuen üHtgiiedskarten gelangen von Donnerstag, den 24. August ab zur Ausgabe. Die Anmeldung hat spätestens bis zum 15. August in einer Zahlstelle zu geschehen. Der August- und September-Beitrag beträgt je 65 Pf. Für neue Mitglieder wird das Eintrittsgeld a 65 Pf. und der September-Beitrag erhoben. Bin Juli-Beitrag wird nicht erhoben, jedoch müssen alle etwaigen Beitragsreste der alten Mitglieder beglichen werden. Umschreibungen aus einer Zahlstelle in eine andere können nur bis 15. August erfolgen. Die ersten drei Abteilungen sind geschlossen, da die Zahl der alten Mitglieder dieser drei Abteiluegen ausreichend sind. Neue Mitglieder können nur soweit Kaum ist in den drei letzten Abteilungen Aufnahme finden, daher können die bisherigen Mitglieder der drei letzten. Abteilungen auch nicht in die ersten einrücken. DM- Die Zahlstelle SS befindet sich nicht mehr C i t y- P a s s a g e, sondern im Restaurant Ladewlg. Kommandantenstr. 65. Die Mitglieder dieser ZahlsteHe werden gebeten, sich dorthin zu bemuhen. Die Zahlstellen des Vereins sind: 230/12 32. 25. 124 No. M. 1. Emst Beyer, Cigarrenhdlg., Veteranenstr. 13. 2. H. Mehnert, Cigarrenhdlg., Wörtherstr. 31. 3. A. Charlet, Cigarrenhdlg., Ackerstr. 154. 4. A. Hlntze, Cigarrenhdlg., Pankstr. 13. 5. H. Vogel I, Cigarrenhdlg., Domminerstr. 6. Goldmann, Cigarrenhdlg., Lindowerstr. bei der Müllerstrasse. 7. E. Dieke, Eestaurant, Ackerstr. 123. 8. A. Tietz, Cigarrenhdlg., Invalidenstr. MO. 9. Franz Nlemeyer, Cigarrenhdlg., Weberstr. 19. 10. J. Reul, Cigarrenhdlg., Barmrastr. 42. 11. F. Wllke, Restaurant, Andreasstr. 26. 12. C. Vogel II, Cigarrenhdlg., Koppenstr. 83. 13. Zabel, E., Restaurant. Frankfurter Allee 90. 14. Chr. Schultz, Cigarrenhdlg., Blumenstr. 14. SO. 15. Paul Nicolas, Cigarrenhdlg., Skalitzerstr. 107. 16. G. Bflhlert, Cigarrenhdlg., Mariannenstr. 5. 17. L. Tolksdorf, Restaurant, Görlitzerstr. 58. 18. Carl Scholz, Glaserei. Wrangelstr. 110. 19.]. Gaedlcke, Cigarrenhdlg., Gräfestr. 93. ,40a. No. 20. Gottfried Schulz, Cigarrenhg., Admiralstr. 21. W. Börner, Cigarrenhdlg., Kitterstr. 15. 22. G. Ladewig, Restaur., Kommandantenstr. 65. 34. H. Schurlg, Cafe, Dresdenerstr. 128/129. SW. 23. Fritz Zubell, Rest., Lindenstr. 106, Hof part. 24. A. Ochs, Cigarrenhandlung, Lindenstr. 59. 25. A. Böttger, Cigarrenhdlg., Zosseners tr. 30. 26. Werner, Restaurant, Bülowstr. 59. 27. A. Faller, Restaurant, Pallasstr. 16. MW.(Moabit). 28. Joh. Pfarr, Restaurant, Puttlitzstr. 10. C. 29. Alb. LSwenberg, Cigarrenhdlg., Neue Schön- hausorstr. 18. 30. P. Horsch, Cigarrenhandlung, Gipsstr. 27. 31. B. Schelthauer, Musikalienhandlung, Rosen- thalerstr. 64. Rixdorf. 32. C. MUnzer, Restaurant, Bergstr. 7, park. 33. A. Sellin, Strasse Charlottenbnre. , Cigarrenhandlg., Wilmersdorfer- ise 115/116. G. Winkler, Berlin-Rixdorf, Kirchhofstr. 46 II. Jedes Wort; Pfennig. Nur das ersU Wort fett. Worte mit mehr als 16 Buchstaben zählen doppelt, /Cleine ßnzeigen. 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