Wnterhaltungsblatt des Horwürts Nr. 85. Freitag, den 30. April. 1897. 2!) den Ciderkrug neu zn füllen, so viel wurde getrunken. eleste brachte die Schusselu aus der Küche, ein Hammelragout mit Kartoffeln, einen gebratenen Lapin mit Salat. Dann stellte sie eine Schale mit Kirschen vor uns, die ersten im Jahre. Da ich sie waschen und abkühlen wollte, bat ich die kleine Magd, mir einen Topf reines kaltes Wasser zu holen. Nach fünf Minuten kam sie zurück und erklärte, der Brunnen ei versiegt. Obwohl sie den Eimer, soweit das Seil reichte, herab- gelassen hatte, war er leer wieder heraufgekommen, dennoch hatte ie deutlich gesehen, wie er den Boden berührt hatte. Mutter Lecacheur wollte sich durch den Augenschein überzeugen und ging selbst, in dem Schacht nachzusehen. Sie kam zurück und berichtete, fit sehe etwns in ihrem Brunnen, ivas nicht natürlich wäre. Ein Nachbar hätte offenbar Strohbündel hineingeworfen, um sich zu räche». Ich wollte auch nachsehen, da ich hoffte, daß ich es besser unter- scheiden könnte, und neigte mich über den Rand. Ich sah undeutlich etwas Weißes. Aber was? Ich hatte gleich die Idee, eine Laterne an dem Seil herabzulassen. Das gelbliche Licht tanzte auf der Steiniinirahnuliig und verkleinerte sich zusehends. Wir hatten uns alle vier über die Oeffnung gebeugt, denn Sapeur und Celeste waren dazugekommen. Die Laterne hielt über einer undeutlichen, schwarz und weißen, eigenthünilichen unbegreiflichen Masse. Sapeur meinte:„S' is'n Pferd. Ich siech den Huf. S' ivird in Vera Nacht rin gefallen sei, nachdems von der Wiesen entwischt is." Doch plötzlich erzitterte ich bis ins Mark. Ich hatte einen Fuß, dann ein ausgestrecktes Bein erkannt, der übrige Körper und der andere Fuß verschwanden unter dem Wasser. Ich stammelte kaum hörbar und zitterte so heftig, daß die Laterne wie verloren über dem Schuh tanzte: „Es ist eine Frau... da... da, drin... Miß Harrtet." Sapeur zuckte mit keiner Wimper. Er hate so viele i» Asrika so gesehen. Mntter Lecacheur und Celeste stießen durchdringende Schreie aus und flüchteten, so schnell sie konnten. Man mußte die Todte berge». Ich besestigte haltbar de» Knecht um die Hüsten und ließ ihn mittels der Winde langsam herab. Ich sah, wie er im Dunkel verschwand. In der Hand hatte er die Laterne und ein anderes Seil. Bald ertönte seine Stimme, die aus dem Zentrum der Erde zu kommen schien,„Halt", und ich sah, wie er nach etwas im Wasser fischte. Ich zog ihit heranf, aber ich fühlte mich in den Armen wie zerschlagen, die Muskeln abgespannt und fürchtete, die Kurbel nicht halten zu können und den Mann herabfallen zu laffen. Als er am Rande erschien, fragte ich ihn:„Nun?", als ob ich erwartete, er würde mir etwas Neues über sie, die da in der Tiefe lag, sagen. Wir stiege» beide zu der Winde hinauf und begannen über die Oeffnung gebeugt, den Körper heraufzuheben. Wir trugen sie in ihr Zimmer und da die beide» Frauen nicht erschienen, brachte ich ihre Leichengewandung mit dem Stallknecht in Ordnung. Ich wusch ihr armes, verunstaltetes Gesicht. Unter meinem Finger öffnete sich ein Auge ein wenig, das mich blaß, mit kaltem Blick, nur dem schrecklichen Blick der Leichname ansah, der»nr von jenseits des Lebens zu kommen scheint. Ich ordnete so gut ich konnte niit meinen ungeschickten Händen ihr ausgelöstes Haar und brachte auf ihrer Stir» eine neue eigenthümliche Frisur zu stände. Dann ging ich Blumen suche», Klatschrosen, Kornblumen, Gänseblümchen und frische dustende Kräuter, mit denen ich ihr Todtenbett bedeckte. Dann mußte ich die gewöhnlichen Formalitäten vornehmen nachdem ich allein mit ihr geblieben war. Ein Brief, den ich in ihrer Tasche fand und der im letzten Augenblick geschrieben war, bestimmte, man solle sie in dem Dorse, in dem sie ihre letzten Tage verbracht hatte, begraben. Ein schrecklicher Gedanke schnürte mir das Herz zusammen. Wollte sie etwa meinethalben an diesem Orte bleiben? Gegen Abend kamen die Gevatterinnen der Mntter Lecacheur aus dem Dorfe, um sich die Verblichene anzusehen. Ich wehrte ihnen aber de» Eintritt und wollte allein bleibe». So wachte ich die ganze Nacht. Ich sah beim Kerzenscheine die armselige, allen unbekannte Frau, die so fern in so beklagenswcrther Weise gestorben war. Hinterließ sie Freunde, Verwandte? Wie war ihre Kindheit, wie ihr Leben gewesen? Woher kam sie so ganz allein umherirrend wie ein Hund, den man von der Thür weggejagt hat? Welch Geheimuiß von Leiden und Verzweiflung war in dem häßlichen Körper eingeschlossen, dem Körper, den sie schamvoll ihr ganzes Dasein durch wie eine Last getragen hatte, eine Umhüllung, die jede Zuneigung und Liebe verscheucht hatte? Was für unglückliche Wesen es doch giebt! Ich fühlte auf diesem menschlichen Geschöpf die ewige Ungerechtigkeit der unversöhnlichen Natur lasten! Für sie war es zu Ende gegangen, ohne daß sie vielleicht je die Hoffnung, die die Enterblesten des Glückes aufrecht hält, gehabt hätte, einmal noch geliebt zu werden! Denn warum verbarg sie sich sonst so, warum floh sie die andern? Warum liebte sie mit so leidenschaftlicher Inbrunst alle Dinge und lebenden Wesen, nur nicht die Mensche»? Und ich begriff, sie glaubte an Gott und hatte in einem andern Lebe» auf einen Entgelt für ihre Leiden gehofft. Sie wird sich jetzt umwandeln und eine Blume werden. Sic wird im hellen Sonnen- licht blühen, von den Kühen abgeweidet werden, als Korn von den Vöglein verspeist werden und als Fleisch von Thieren wieder ein menschlicher Leib werden. Aber was man Seele nennt, daß war im Grunde des schwarzen Brunnens geblieben, ausgetilgt. Sie wird nicht mehr leiden. Sie hat ihr Leben gegen andere Leben, die sie entstehen lassen wird, gelauscht. Die Stunden vergingen ernst und schweigend bei diesem Zu- sammensein. Ei» bleiches Licht kündete das Nahen der Morgen- röthe, dann glitt ein rother Strahl bis zu dem Bett und warf einen feurigen Streifen auf die Decken und ihre Hände. Das war die Stunde, die sie so sehr liebte. Die Vögel sangen erwacht auf de» Bäumen. Ich öffnete das große Fenster und schob die Vorhänge zur Seite, damit der ganze Himniel uns sah. Dann neigte ich mich über den erstarrten Körper, nahm ihr verunstaltetes Gesicht in beide Hände und drückte ohne Furcht und Abscheu langsam einen Kuß, einen langen Kuß aus die Lippen, die nie einen empfangen hatten. Leon Chenal verstummte. Die Frauen weinten. Man Hörle, wie sich auf dem Bock der Graf d'Etraille mehrmals schnaubte. Nur der Kutscher war eingeschlafen. Und die Pferde, die nicht niehr die Peitsche fühlten, hatten ihren Schritt verlangsamt und zogen lässig. Und mühsam kroch der Break vorwärts, er war plötzlich schwer- fällig geworden, als ob Kummer auch ihn drückte. Inkerntttimmle Nunlkausflelluttg zu Vevlin. Die Berliner Künstlerschaft hat in diesem Jahr von vornherein auf jeden Mitbewerb im größeren Stil verzichtet. München und Dresden werden diesmal die reichere», deutschen�Knnstausstellungen beherbergen. Die Berliner Ausstellung, die am Sonnabend feierlich eröffnet wird, kann nur als lokales Ereignib betrachtet werden. Diesen Eindruck gewinnt man nach flüchtiger Vorbesichlignng. Als internationale Kunstausstellung, wie sie sich nennt, kann man sie am allerwenigsten gelle» lassen. Den» unter den 2080 Kunstwerken— so viele sind ihrer leider—, die da zu sehe» sind, entsällt weitaus der größte Theil auf Berlin. Von fremdländischen Nationen fehlt fast alle Kunstproduklion. Weder die modernen Franzosen, noch die Engländer und Schotten sind vertreten, nur V i l l e g a s, der vielgeschätzle Spanier, der in Rom schafft, hat eine Sonderausstellung seiner Werke veranstallet. Die wenigen Sondcrausstellnngen sind überhaupt fast das einzige charakteristische der Kunstschau in Moabit. Von älteren Malern hat Karl Becker so eine» Saal mit seinen Gemälden gefüllt. Sein Schaffe» gehört bereits der Geschichte berlinischer Malerei an. Er hatte in Zeiten grauer Ernüchterung wiederum etwas Farbenfreude nach Berlin gebracht. Das war das wesentliche Verdienst dieses Novellen- und Anekdolenmalers, daß er koloristische Empfindung wecken half. Neben Becker ist es der jüngere Max Liebermann, der kraftvolle Naturalist, der eine dankenswerthe Sammel- ansftellung seiner Gemälde veranstallete. Im übrigen herrscht in der Berliner Kunst ein wahlloses Durcheinander. Es ist, als wäre eine heftige Erschlaffung eingetreten. Sein Kampf, kein Ringe» mehr; im ganzen eine Genügsam- keil, die eine verdammte Aehnlichkeit mit Stillstand besitzt. Vom phantastischen Zug, dem man noch vor ein paar Jahre» ergeben war, findet man nur bei Hendrich etwa nnd bei einzelnen anderen wenig Spuren mehr. So sehr ist das meiste auf glattes Mittelmaß eingerichtet, daß sich schon die gediegene, gesunde, aber durchaus nicht geniale Porträtkunst K o n e r' s vom Durchschnitt lebhast abhebt. Bei den Berlinern findet nian auch das Kolossal- gemälde„Die Hochzeil von Cana" von Brandis wieder. Man mußte diesmal der Roth gehorchen nnd konnte die Säle nicht nach einem bestimmten Plan gruppiren. Nur das stille Düsseldorf, von dessen ruhig gehallenen Gemälde» die Kriegshistorie„1812" von Arthur Kämpf, ein Triumphgesang über die Niederlage des„Erbfeinds", anspruchsvoll absticht, und die strebende arbeitstüchtige Künstlerschaft von Karlsruhe mit der markanten Persönlichkeil Leopold Kalkreuth's haben einige geschlossene Säle für sich erhalten. Das hängt eben damit zusammen: München, Wien und Dresden fehlen beinahe gänzlich. L e n b a ch hat wieder ein neues Bismarckbild gesandt; eine Porträlstudie mit landschast- lichem Hintergrund. Im sogenannten Ehrensaal sind ein paar breite Deklamationen von Werner Schnch und ein Koloffalbild Moltke's Leichenfeier von Westphalen aufgestellt. Ueber die Skulptur> Abtheilung läßt sich noch nicht berichten. Manches ist noch nicht ausgepackt, manches wird erst anfgestelll. Es scheint auch hier das Armliche vorzuwiegen. Alles in allem: zum Gloriarufen scheint wirklich kein Anlaß zu sein; und wenn man schon eine Nothausstellung zu stände bringen mußte, warum wird dann der große Rahmen beibehalten nnd warum die überflüssig hohe Zahl von mehr als zweitausend Kunst- objekten?—_ Kleines Feuilleton — Das Institut für Pflanzenphhsiologic und Pflanzen» schntz an der Berliner l a n d iv i r l h s ch a f t l i ch e n Hoch- ffch u l e wird, um den unmittelbaren Bedürfnissen der praktische» Landwirthe in erhöhtem Maße zu dienen, noch mehr als bisher, der Erforschung der Krankheiten der Kulturpflanzen und deren Gegen- mittel seine Aufmerksamkeit schenken. Jeder Landwirth, bei dem eine Beschädigung oder Erkrankung der Kulturpflanzen auftritt, soll von jetzt ab nach Einsendung einer Probe der kranken Pflanzen an djeses Institut(Berlin X., Jnvalidenstr. 42) vollständig unentgeltlich mög- lichst raschen Bescheid erhalten. In solchen Fällen, wo ein allgemeines Interesse die Untersuchung des Feldschadens an Ort nnd Stelle wnnschenswerth macht, wird daS Institut auf seine Kosten, also nn- entgeltlich für den betroffenen Landwirth, durch einen der fach- verständige» Beamten des Instituts eine Besichtigung an Ort und Stellt vornehmen laffen. Auch sonst, d. h. wenn auch kein all- gemeines Interesse vorliegt, ist das Institut bereit, einen Beamten zu entsenden, für den dann aber die Kosten der Eisenbahnfahrt ge- zahlt werden müssen. Das Institut ist endlich auch bereit, i» Wirth- schasten, die von besonderen Beschädigungen betroffen werden, zu etwa wünschenswerthen Feldversuchen behufs Erprobung von Gegen- Mitteln die Hand zu bieten.— Is. Wirkung der Röntgen'scheu Strahlen auf die Herz- thiitigkeit. Nach einer Mitlheiluug des bekannte» Physiologen d'Arsonval habe» zwei Pariser Gelehrte Gaston Seguy u. F. Qusnisset gleichzeitig festgestellt, daß ein Mensch, der sehr lange der Wirkung der Röntgen'scheu Strahlen ausgesetzt wird, cigcnthümliche Störungen der Herzthäligkeit empfindet, welche sich durch unerträgliches Herzklopfen und sehr heftige und sehr unregelmäßige Schläge äußern. Seguy hat diese Be- odachtung in zahlreichen Versuchen an sich selbst gemacht. Qusniffet kam zu derselben Feststellung, als er eine Person lange Zeit einer Behandlung mit Röntgen'scheu Strahlen unterwarf, um deren therapeutische Wirkung zu untersuchen. Diese Person fühlte zunächst eine große Beklemmung in der Herzgegend, dann sehr heftige und unregelmäßige Schläge, welche vollkommen unerträglich und bedrohlich wurden, sobald die Strahlen den Brustkorb durch- drangen. Quoiiisset war daher genöthigt, bei der Fortsetzung seiner Untersuchungen die Herzgegend durch eine ziemlich dicke Metallplatte gegen die Wirkung der Rönlgeu'schen Strahlen zu schützen.— Theater. — Hermann S u d e r m a n n hat seine neue dramatische Dichtung„Die drei Reiherfeder n" vollendet und am Wiener Burgtheater zur Annahme gebracht.— — I b s e n' s Werthschätzung im Vaterlande. Seit Bestehen des Theaters in Christiania wurde»„Das Fest aus Solhaug" Ist mal,„Nordische Heerfahrt' 100 mal.„Die Kronprätendenten' 55 mal,„Der Bund der Jugend' 116 mal,„Die Komödie der Liebe" 72 mal,„Frau Inger">S mal,„Peer Gynt' l 59 mal,„Die Stützen der Gesellschaft' 50 mal.„Nora' 72 mal, „Der Volksfeind' 27 mal,„Die Wildente' 56 mal,„Romsersholm" 16 mal,„Die Frau vom Meere" 27 mal,„Hedda Gabler" 29 mal, „Baumeister Solncß" 29 mal,„Klein Eyols" 34 mal und„John Gabriel Borkmann' 18 mal gegeben.— B s ö r n s s o n gelaugte mit„Maria Stuart" 100 mal, mit„Ein Fallissement' 86 mal zum Wort.— Erziehung und Unterricht. — Preußische Schulpaläste. Der„Voss. Ztg." wird unterm 28. April ans Gerswalde in der Uckermark geschrieben: Gestern Vormittag um'ßd Uhr brannte das altersschwache, mit Stroh gedeckte Schulhaus in Gr.-Frede» walde gänzlich nieder. Leider hat dabei die junge Lehrerfrau de» Tod in den Flammen gefunden, während die Schulkinder, der Lehrer und sein kleines Kind gerettet wurden. Das alte Schulhans war kaum noch be- wohnbar, trotzdem blieb es im Gebranch, weil der Patron, Herr v. Nr»im-Gr.-Fredenwalde keine Beitragspflichten zu einem Neubau zu habe» glaubt, die nur aus Büdnern und kleinen Eigenthümern bestehende Gemeinde dagegen zu arm ist, um einen Neubau anszu- führen. In dem Dorfe Fergitz, Post Gerswalde, Patronat v.Arnim- Suckow, befindet sich auch noch ein solch' fragwürdiges, mit Rohr gedecktes Schulhaus, dessen Dach bequem von einem Manne mit der Hand zu erreichen ist.— Medizinisches. — Die Tuberkulose und die hohlen Zähne. Man berichtet der„Franks. Ztg." aus Paris: Daß die hohlen Zähne Ge- ichwülfte und sehr schmerzliche Neuralgie» hervorrufen, ist genugsam bekannt. Der hiesige Arzt Strack beschuldigt sie jetzt außerdem, den Tnberkelbazillen den Eingang in den innere» Organismus der Menschen zu bahnen. Dieser Bakteriologe hat Kochbazillen in hohle» Zähnen entdeckt und von 114 Kindern, die eine Anschwellung der Drüse» zeigten, hatten 41 verdorbene Zähne, die Dr. Strack als Kraukheiiserzeuger bezeichnet. Oft folgt die Drüsenanschwellung einem einfache» Zahnschmerze.— Meteorologisches. t. Ein eigenartiges meteorologisches Phänomen wurde am 2. April in Paris beobachtet. Um die Mittagsstunde ging ein sehr kalter und starker Regen nieder, der etwa eine Viertel- stunde dauerte. Kurz daraus begann die Sonne sehr kräftig zu scheinen. Alle Spaziergänger, die um diese Zeit die Umgebung der Place de la Concorde passirten, konnten einen leichten Nebel beobachten, der sich aus zahlreichen kleinen Wolken bildete, die vom Boden aufstiegen, von einander getrennt waren und etwa je 50 Zentimeter im Durchmesser besaßen. Diese kleinen Nebelballen wurden von dem Winde dicht über dem Boden hingetrieben und verschwanden nach wenigen Augen- blicken. Die Erklärung dieser Erscheinung ist verhältnißmähig ein- fach. Die Wölkchen bildeten sich auf allen benäßten Oberflächen von dunkler Farbe, besonders auf dem Asphalt und auf den Dächern. Die Luft war kalt und die Sonnenstrahlung bedeutend, letztere erhöhte die Temperatur des dunklen BodenS an allen Stellen, wo sie denselben traf, rasch. Dadurch verdampfte daS Wasser auf demselben, der Dampf verdichtete sich jedoch in der kalten Luft alsbald wieder zu Nebel, der jedoch ebenfalls bald verschwand, da die kräftigen Sonnenstrahlen auch die unteren Lufschichten nach kurzer Zeit genügend erwärmten, um die Wölkchen wieder aufzulösen.— Humoristisches. — Ein Ganzschlauer. Der jüngsten Verordnung de? ersten Staatsanwalts vom obersten spanischen Gerichtshofe gegen pornographische Schriften ec. mit aller Energie einzuschreiten, kam der Bürgermeister von Villamelin in folgender Weise nach. Ein Lokaldichter dichtete ein Lied, das„in vier Zeile» acht Schamlosig- leiten' enthielt— so versichert„La Epoca'— und daher dem für „Zucht und Sitte" wachsamen Bürgermeister nicht gefiel, obwohl es durchaus populär war und selbst im Rathhause von den Unter- gebenen des Bürgermeisters gesungen wurde. Diesem wurde es endlich zu arg, und er beschloß, dem Unfng ein Ende zu machen. Er rief Stadlräthe, Polizisten, Beamte zc. zusammen, sang ihnen den von ihm wegen seiner Unsittlichkeit beanstandeten Vers vor und befahl ihnen folgendes:„Gehen Sie jetzt durch die Stadt und singen Sie diesen Vers. Der Ausrufer wird hinzufügen:„Im Namen des Bürgermeisters und bei einem Monat Haft ist es verboten, folgenden Vers zu singen!" Gesagt, gethan!— Im Nu waren die Stadtväter und ihre Untergebene» von einer jubelnden Volksmenge umgeben; der„originelle" Gedanke des Bürgermeistees, die„Zucht und Sitte im stillen Dörfcheu" zu beschützen, verfehlte seine Wirkung nicht.— — In der Landapotheke. Provisor(zum Lehrling): „Hier, dieses Kilo Schweinefett wird in vier Theile getheilt; der eine Theil wird gelb gefärbt, der zweite grün, der dritte grau und der vierte brau». Dieses hier sind die Büchse» dazu. Gelb ist Löwen- fett, grün Schlangenfett, grau Elephantenfett und braun Bärenfett — so wolleu's die Bauern haben."— Vermischtes vom Tage. — Der B r e s l a» e r städtische Schnlausschuß hat mit 2/s Mehrheit beschlossen, den städtischen Verwaltungsbehörde» die Errichtung eines Mädchengymnasiums zu empfehlen.— — Ornithologen stellen auch in diesem Jahre eine neuerliche Abnahme der Schwalben fest. Thatsächlich ist in Thüringen jetzt kaum eines dieser nützlichen Thierchen zu sehen.— — Rostock, 29. April. In den Holzlagern an der Warnow ist während der Nacht ei» großes Schadenfeuer ausgebrochen, bei welchem auch der schwedische Schoner„Axel" in Brand gerieth. Der Sachschaden wird auf 6—700 000 M. geschätzt.— — In Paris verspielte eine 27jährige Frau ans Münster erst ihr ganzes Vermögen am Totalisator, dann erschoß sie sich. Sie hinterließ ein dreijähriges Kind.— — Ueber eine gefährliche Fälschung von Anis wird aus Rotterdam berichtet. Gegen Ende Februar d. I. wurden dort durch die Firma Scitz n. Zublin i» Bari drei Ballen Anis ein- geführt. Bei der vom Gesundheitsinspektor in Haag vorgenommenen Untersuchung stellte sich heraus, daß die Waare 10 v. H. Schier- l i n g enthielt, weshalb der Vertrieb in Holland verboten wurde. Das Haus Jansen n n d v. d. H o e p e r in Rotterdam hat nun den mit Schierling versetzten Anis nach Deutschland aus- geführt, ohne daß bisher ermittelt werden konnte, welchen Weg die Waare hier weiter genommen hat.— — Mit Dynamit sollte am Sonnabend in Bouchont, Provinz Antwerpen, der Thurm der Kirche in die Lnfl gesprengt werden; 23 Minen waren mit einer elektrischen Batterie verbunden worden. Als die Explosion erfolgt war, stand der Thurm noch aufrecht, aber eine Mine war in wagerechter Richtung abgewichen. Mächtige Steine wurden umhergeschleudert und weithin getrieben. Vier Ein- wohner wurden verletzt und zahlreiche Fensterscheibe» zertrümmert.— — In B u d a p e st wurde der städtische Ingenieur Kardos unter dem dringenden Verdachte, seine Frau ermordet zu haben, verhaftet.— — In der Donau bei O r s o v a wurde vor einigen Tagen von serbischen Fischern ein Hausen von zwei und zwei Drittel» Meter Länge und 90 Zentimeter Breite gefangen. Er wog 280 Kilogramm und enthielt 38 Kilogramm Kaviar. — M e t h u s a l e m i t e n. Die vier Gebrüder Barr in Wiven- hoe(England) zählen zusammen 352 Jahre. Der älteste, John, ist 93 Jahre alt, Thomas und Samuel sind 88 Jahre und das„Baby", William, ist 83 Jahre alt.— — In Oklahama(Nordamerika) ist der Cimarron-Fluß über seine Ufer getreten n»d hat das Thal meilenweit über- schwemmt. Der Verlust an Menschenleben wird zwischen 50 und 200 angegeben.— cs. Die wichtige Frage, ob ein Rechtsanwalt vor Gericht weinen darf, wurde jüngst von dem obersten Gerichtshofe in Tennesiee(Nordamerika) endgillig entschieden. Die Richter kamen zu dem Schlüsse, daß es dem Rechtsanwalt nicht nur erlaubt ist, vor Gericht Thränen zu vergießen, sondern daß dies sogar als feine Pflicht erachtet werden kann, wenn er willkürlich über feine Thränen zu verfügen vermag.— Verantwortticher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.