Hlnlerhallungsblatl des Horwärls Nr. 95. Freitag, den 14. Mai. E 1897. 91} «l verboten.) Ein alkev Skvvik. Noniau aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von W i l h e l m i n e v. H i l l e r n. Sie schweigt, um ihren Schmerz zu unterdrücken. Aber Baldl hört das qualvolle Pochen ihres Herzens und das Ringen ihrer hochwogenden Brust. „O nein) lieb's Traudl- Da uiußt Dir kein Vorwurf mach'n. Weißt, i Hütt' mir's nit verbieten lass'n,— da hältst thun könne, was D' g'wollt hättst. I bin doch'n erwachsener Mensch und Hab' mein eigenen Willen! Und i Hab' g'fnndcn, daß wir dös'm Lenz schuldig sind, denn er istTir z' lieb in dieSach'nein komme. Und er hält' dasselbe für mich gethan, wann's umkehrt g'wesen war', daß i noch'» Vater g'habt Hütt' und e r kein'» „Baldl, o Du bist wirklich a Heiliger!* sagt Wiltraud. Sie hat dem leisen Geflüster gelauscht wie einer über- irdischen Botschaft, und ihre Lippen drücken einen zitternden Kuß ans die reine Stirne des Bruders. Aber sie fühlt dabei, wie bang und schwer er athmet, wie ihn das Sprechen erschöpft hat. „Jetzt mußt nimmer red'n, gelt?'s könnt' Dich z'viel an- strengen," sagt sie, und da der Berg erklommen ist und sie ja doch endlich heimkomnien müssen, will sie wieder ein wenig Trab fahren. Sie bettet ihn vorsichtig in seine Ecke zurück und nimmt die Zügel in die Hand. Eine Weile geht es schweigend dahin, immer näher rückt nun das ersehnte Ziel des Ausrnhens.„Wann wir nur erst daheim wär'n—! Gelt/ dös G'schüttel thut Dir weh?" „O nein!" „Ach doch, i sieh Dir's ja an! Lieber Gott, jeder Stein schneid' mir für Dich ins Herz. Aber s' ist nit zum Ver- meiden, wenn i noch so acht gib. Und zu langsam dürst'n mir an nit fahren, sonst kommen wir so spät in den Abend h'neiu." Sic versucht, ihn besser zu lagern,— er rutscht immer wieder von seinem Sitz herunter, der Körper verliert mehr und mehr den Halt. Wiltraud beobachtet ihn angstvoll:„Jesus Golt, Du kannst schier nimmer!" „O, nur a bißl müd—!" gesteht er endlich zu. Aber seine Lippen werden ganz blan. Ein seltsames Keuchen aus seiner Brust wird hörbar. Wiltraud blickt gen Himmel. Immer enger zieht sich der Kreis ihrer Wünsche:„Wann i ihn nur noch heimbring," ist ihr einziges Gebet. Die Sonne neigt sich. Schon zieht der Abendwind über sie hin, aber von ihrer Stirne perlt der Schweiß wie in der größten Hitze. Was soll sie thun— langsamer oder schneller fahren? Es kommt ihr vor wie eine namenlose Rohheit, wenn sie nicht im Schritt fährt— und doch soll sie ihn so schnell wie möglich unter Dach bringen, daß der arme, erliegende Körper in ein Bett käme und sich ausstrecken könnte.—„Nur noch a halb's Stündl,— nachcr bist erlöst," tröstet sie ihn, während ihr die Hände fast den Dienst versagen vor Angst:„Gelt, so lang haltst es doch noch aus?" „Schon recht," nickt er ihr zu. Und der keuchende Mund verzieht sich noch immer zu dem gewohnten freundlichen Lächeln, und das Auge blickt zu ihr auf, so dankbar, zärtlich,— während der Kopf kraftlos auf der Seile liegt, aber es ist der Blick eines sterbenden Reh's.— Wiltraud kann ihn kaum mehr ansehen. Nur vor sich hin starrt sie,— die Distanz bemefsend, die noch zurückzulegeil ist,— bei jedem Ruck, jedem Stoß des Wagens zusammenzuckend für den Kranken, als wär's ein Todesstoß, der sie selbst träfe. Plötzlich eine krampfhafte Bewegung mit den Armen, ein Laut des Erstickens:„Auf!" Entsetzt reißt sie den Bruder in die Höhe, damit er Luft bekommt. Da ist es wieder— das Schreckliche!— Ein heißer Guß bricht unaufhaltsam hervor— das Leben entströmt mit seinem Quell! Wiltraud steht verlassen auf der Landstraße.— Kein Haus, keine menschliche Hilfe, so weit das Auge reicht,— sie ist allein mit dem Verscheidenden.— Sie kann nichts thun, als ihn in den Armen halten nnd das geliebte Leben ohn- mächtig verbluten lassen, alle Namen der Liebe, alles Bitten nnd Flehen stillt den Bluterguß nicht mehr, bis der letzte Tropfen versickert ist.— Noch ein stummer, hilfesuchender Blick aus den gebrochenen Augen.— Dann sinkt das Haupt an die Brust der Schwester zurück. Er hat's vollendet. Noch immer hält sie ihn umschlungen. Ihren eigenen Lebensodem versucht sie ihm einzuhauchen, mit tausend Küssen ihn zu wecken— ihn zu erwärmen an ihren« heißen Herzen.—„Kannst Du so grausam sein und Tei Traudl verlassen?— Du mei Lieber, Du mei alles!" ruft sie ihm laut ins Ohr,—„kannst mir dös thun— und hast mir doch nie weh gethan in Dei'm ganzen Leben — nit mit'ma Blick, nit mit'ma Wort. Und jetzt liegst da nnd laßt mich barmen und bitten und giebst mir kei Antwort, gönnst mir kein' Blick mehr— nit'n einzigen Blick!" Ungehört verhallt das jammervolle Schluchzen auf der stillen, einsamen Straße. Die Lüfte verwehen es in die Weite. Es ist, als gäbe es nichts mehr zwischen tiimmel und Erde, als das kleine Fuhrwerk da mit einer eiche und einer verzweifelnden Leidträgcrin. Und sie richtet die thränenverdnnkclten Blicke empor zu dem goldenen Abendgewölk— ob sie die entflohene Seele nicht hinaus- flatteril sähe in die Verklärung? Sie meint— sie müsse sie erkennen da droben, wo die untergehende Sonne purpurne Berge, Thäler nnd so durchsichtige, blaue Seen an die unend- liche Wölbung malt, daß man jedes winzigste Wölkchen hin- durchschweben sieht.— Und— da— da ist ein Gebilde wie ein paar Engelsflügel mit goldnen Säumen,— langsam steigt es hinauf, mitten in die Slrahlenglorie hinein, daß Wiltraud geblendet die Augen abwenden muß.— Ob er das wohl war? Ja, gewiß ivar er's! Und sie winkt ihm nach mit wehmüthig ausgestreckten Armen.„B'hüt dich Gott, Baldl,— zieh hin in die ewige Seligkeit— und bitt für dei arme Traudl!"— Jetzt erst ist ihr die irdische Hülle wirklich entseelt: Sie weiß nun, wo der Geist ist!— In den Wipfeln der Bäume am Straßen- raild rauscht es leise und cküßt ihr die heißgcweinten Augen und Wangen. Es mahnt sie zur Heimkehr.— Auch die Sonne ist hinunter nnd die Pracht am Hinimel erlischt. Was will sie noch hier stehen bleiben? Sie muß ja den Leichnam nach Haus führen. Welch eine Heimkehr! Im Wagen liegt' der todte Bruder ausgestreckt. Wiltraud geht zu Fuß nnd führt das Pferd am Zügel. Es ist ein kleiner, unscheinbarer Leichenzug, der sich da langsam auf der Straße hinbewegt. Kein Trauergeleit als ein Schwesterherz— aber ein Herz für tausend! Wieder ein Habcrcrstreich. Die Dämmerung ist hereingebrochen, als der Wagen end- lich den Berg zur Mühle hinauffährt.— Schon von iveitcm sieht Wiltraud den Knecht mit der Geiß ivartcnd vor der Thür.— Das kleine Thier sollte das Leben erhalten helfen. das unterdessen entfloh. Wiltraud hatte sich so darauf ge- freut, wenn sie heute dem Bruder das erste Glas der gewohnten Milch bringen ivcrde, nach der er sich so gesehnt.— Wie viel Stunden hatte er dursten müssen, da unten in der trockenen Staubluft, der Arme! Und, nun die Labung da wäre, sind die schmachtenden Lippen geschlossen.— Als sie näher kommt, erkennt sie, daß nicht der bestellte Knecht, sondern der jüngere der beiden fremden' Haberer das Thier brachte. Er bindet die Geiß an, als er den Wagen herausfahren sieht nnd läuft Wiltraud freudig entgegen:„Sei mir nit Harb, i Hab' doch gern selber schauen wollen, wie's Dei'm Bruder geht und ob i enk nix helfen kann." „Nein,—" sagt Wiltraud,„mein armer Baldl braucht nix mehr!" Jetzt erst sieht der Bursche die Zerstörung in Wiltrauds Zügen und blickt scheu ans den Wagen:„Ja. schlaft er nit?" „Den ewigen Schlaf— ja!* „Lieber Gott— was ist dös Schrecklichs!" ruft der Bnrsch:„Du arme Seel', ja, s o bringst'n heim? Wie ist denn dös'gangen?" „Unterwegs ist er mir g'storben— am Blutsturz.' Wiltraud hat die Thür erreicht und hält an. Sie zieht den Schlüssel aus der Tasche und öffnet das Haus:„So— da wären wir!" Und mit einem Ausdruck sagt sie die wenigen Worte, daß es den Hörer kalt überläuft. Er will ihr helfen den Todten vom Wagen heben. „Nein, laß! I will ihn selber h'neintragen!* „Ist er Dir nit z' schwer?" „Ach Gott, er ist ja so leicht! Wenn D' so gut sein willst und fürs Pferd sorgen— dös arm Thier ist miid. Dort'rum geht's in Stall— nimm auch die Geiß mit,— auf die hat er sich so g'freut—!" Der Bnrsch thut, wie sie ihm geheißen. Sie hebt den Leichnam vom Wagen:„Komm, niei Brüderl, mei arm's!" flüstert sie zärtlich und trägt ihn hinein. In der Wohnstube, wo zuletzt des Vaters Bahre gestanden, legt sie ihn nieder.— Daun geht sie hinauf und holt alles, was nothwendig ist, herunter, um ihn aufzubahren.— Seit sie nicht mehr allein ist, weint sie nicht mehr, das ist ihre alte, stolze und keusche Art, sich vor andern zusammen zu nehmen. Schnell ist das armselige Paradebett gemacht und sie lagert den Todten darauf. Wie hatte sie gehofft, daß es ihm gut thun würde, sich aus- strecken zu können nach der beschwerlichen Fahrt, jetzt liegt er da— und!„Ach Gott, wie schön er aussieht, als ob er schlafen thät', so ruhig und friedlich!" Der junge Haberer ist indessen wieder hereingekommen und steht in andächtiger Bewunderung vor der Leiche:„Wie a Heiligenbild!" „Ja, so war er auch im Leben," flüsterte WUtraud und küßt die kleinen, abgezehrten Hände des Toten. „Jetzt sag', was kann i Dir thun? Wir Haberer müss'n uns doch uutcreinand' beistehen. Und i bin ja froh, wenn i dös von heut mittag gnat machen darf! Der Wirth hat g'sagt, alles soll i Dir z'lieb thun.— Soll i Dir ins Ort gehu und d' Leich ansag'n?" „Nein i dank Dir. Du weißt nit wie neugierig und schadenfroh d' Leut' sind. Da kämen s' alle zum Beten und zum Ansfrag'n— und schau, heut könnt' i dös nimmer vertrag'», es ist z'viel, was i ansg'halten Hab'." „I glaub' Dir's gern, arme Seel'!" Wie Du mi dauerst, dös ist nit zum sag'n.— Aber'm Doktor müss'n wir's doch melden, wegen der Leichenschau!" „Ja, aber sonst niemand!" „Nein, g'wiß nit." „Du, hör' und noch was!" ruft Willrand ihm nach. -Za!" „Wie heißt denn, daß ma Dich doch anreden kann?" „Balthasar heiß' i— aber zum Haberernamen Steub." „Da nimm ivas und geh' und kauf' Dir a Bier und a Brot— i Hab' ja nix daheim." „Ja, was denkst denn! Meinst a Haberer wird was von Dir annehme, Ihr habt scho g'nuag für uns'lhan. Du und Dei Bruder! I weiß alles jvom Wirth. Aber i will Dir was holen, denn Du mußt aa leben." „Um Gottes willen nit. I melk' nachher die Geiß, dös muß ja doch g'schchen. Geh nur, i dank' Dir." Als sie allein ist, holt sie aus dem Schrank die gc- weihten Kerzen, die an ihres Vaters Leiche gebrannt und die sie sorgfältig verwahrt hatte. Die zündet sie an. Auch Weihwasser will sie aufstellen— aber das ist leider in der langen Zeit eingetrocknet, alle Weihwasser-Tröglein sind leer. — Was thun? Soll sie noch in die Kirche und eins holen? Aber es ist zu spät, die Kirche ist jetzt bereits geschlossen. Es muß doch jetzt schon Gebetläuten vorüber sein.— Sie sieht nach der Wanduhr— die steht natürlich.— Als sie voriges Jahr hier bei der Leiche des Vaters wachte, da hatte sie ihren Bruder zum Trost, der sie mit seiner Treue und Liebe umgab. Sein süßes, liebes Gesicht lächelte sie an,— sogar sein leises Hüsteln mahnte sie, daß noch eine heilige Pflicht sie an das Leben bände. Jetzt liegt auch dies freundliche Antlitz mit ge- schlossenen Augen da,— jetzt sinkt auch die letzte Pflicht für ein geliebtes Wesen ins Grab— jetzt hält sie ganz allein die Todtenwacht und alles, was ihr gehörte, ist dahin! Sie geht hinaus in das verwilderte Gärtlein hinter dem Haus und holt Blumen für den Todten. Ja, der Steub hatte recht, er liegt da wie ein Engel. Unschuld und Reinheit breiten die weißen Fittiche über seine Stirn aus, und der Strauß von weißen Blumen, den sie ihn» bindet, ist ivie die Opfergabe ans einem Altar! Es ist wunderbar, wie ihre Seele immer mehr in seinem Anschauen hinausgehoben wird, über den irdischen Schmerz. Mit keinem Wehschrei, mit keiner Thräne würde sie mehr wagen, den heiligen Frieden zu stören, der dieses Bild verklärt.— Ahnungsvoll wogt es, ihr selbst kaum ver- ständlich, in der Brust des Mädchens und die Liebe des todten Bruders steht jetzt lächelnd neben ihr, wie einst der Lebende bei ihr gestanden, und giebt ihrer Seele die höchste Weihe. Da mahnt eine bekannte Stimme aus dem Stall, das treue, vergessene Thier will das Recht seiner Stunde.—„Ja, du arm's Thierl. I soll dich nit so verachten— weil e r dich nimmer braucht!— Wenn er noch g'lebt hätt', wie froh wären wir jetzt um dich." Wiltraud geht hinaus und die Aus- Übung ihrer kleinen, gewohnten Pflichten stört in dem Kinde der Natur nicht die leuchtenden Kreise, die jene Offenbarungen an der Leiche des Bruders um sie gezogen. (Fortsetzung folgt.) V«m Vrüsselev Lvett- MusflellunZ. in. Brüssel, den 12. Mai 1897. Endlich ist die Ausstellung nun auch offiziell ins Dasein ge- trete», nachdem sie über 14 Tage lang eine nicht gerade rühmliche, nu offizielle Existenz gefristet hat. Für ihren Ruf wäre es entschiede» besser gewesen, wenn sie diese 14 Tage lang ihre Pforten noch ge- schlössen gehalten hätte, aber eine bedeutende Konventionalstrafe stand auf dem Spiele, und so glaubte die AusfteUuugsleiluug es ihrem Geldbeutel schuldig zu sein. die Eröffnung rechtzeitig vor- zunehmen. Der Gesichtspunkt des Geldbeutels ist heutzutage ja überall der ausschlaggebende und so kann man es der AnsstellungSleilung fchlichlich nicht allzu sehr verargen, daß sie sich von diesem Gesichts- punkte leiten ließ. Weiß man doch von der Berliner Gewerbe- Ausstellung her, wie schwierig es nachher bei einem etwaigen Defizit wird, von den Garantiefonds- Zeichner» die gefchuldeien Summe» heransznbekomnien. Vorher, in der Hurrabstinnnnng, und in der Soffnnng auf eine», seilen Verdienst, sind die Herren ja mit dem eichncn verhältnißmäßig leicht bei der Hand, wen» aber nachher der Rausch verflogen n»d der Kater da ist, dann machen sie beim Zahlen die erdenklichsten Schwierigkeiten. Man muß anerkennen, daß die Ausstellung i» den verflossenen 14 Tagen in recht erfrenlickzer Weise gefördert worden ist und daß man jetzt«inen Ueberblick über das, was sie vorstellt und leistet, gewinnen kann. Wenn man ein zusammenfassendes Urtheil abgeben ivill, so wird man sagen müsse», daß die Brüsseler Wellansftellung nicht gerade eine besonders große, durch gewaltige Ausdebnung und gewaltige Leistungen iniponirende Ausstellung ist, daß sie aber in de» Grenzen, die sie sich gesteckt hat, ein« recht lobenswerthe Leistung darstellt. Man darf bei dieser Beurtheilnng nie vergessen, daß die in drei Jahren bevorstehende Jahrhnndert'Atisstellnng in Paris bereits ihre Schatten voransivirft und nicht nur das Interesse Frankreichs, sondern auch da? der nichtfranzösischen Länder jetzt in hohem Grade absorbirt. Zweifellos hat eine nicht unbedeutende Anzahl von Ausstellern— und zum theil werden das nicht die schlechteste» sein— von der Betheilignng an der Brüsseler Weltausstellung nur deshalb al'gesehen, weil sie 1900 in Paris auszustellen gedenken und ihnen die Beschickung zweier Ausstellungen innerhalb einer so kurzen Zeil des Guten zu viel schien. Ferner muß man bedenken, datz Belgien wenn auch ein anßerordentlich hoch entwickeltes, so doch sehr kleines Land ist— es ist nur wenig größer und bevölkerter. als die preußische Rheinprovinz—»nd datz Brüssel zivar eine sehr bedeutende, schöne und vom Fremdenstrom sehr bevorzugte Stadt, aber immerhin doch keine Millionenstadt ist. Wenn man diese» Er- wägungen entsprechend seine Erwartungen nicht zu hoch spannt, so wird ma» durch das Gebotene befriedigt werden. Der Haupltheil der Ausstellung— die Ziveilheilung haben wir bereits erwähnt— befindet sich im Park und speziell im Schloß Cinquantenaire. Der Parc du Cinqnantenaire ist ein elira 36 Hektar umfassendes Gelände, das in einem östlichen Vororte von Brüssel, nanienS Etterbeek, gelegen und durch elektrische Straßen- bahnen mit dem Innern der Stadt verbunden ist; die Entfernung vom Mittelpunkte der Stadt beträgt etwa 3/4 Stunde. Wenn nian das Eintrittsgeld von 1 Fr. entrichtet hat und durch die Schranke» das Ausstellungsgelände betritt, hat man ein init. Gartinanlagen»nd verhältnißinäßig jungen Bäumen besetztes Quadrat von etwa 350 Meter Durchmesser vor sich, das in der Ausstellungssprache deii ofsiziellen Titel„die Gärten" führt. Diese Gärten scheinen jedoch der schivächste Punkt der Ausstellung zu sein. Die gärtnerischen Anlagen, die man hier geschaffen hat, sind ja zweifellos recht hübsch und auch manch« botanische» Seltenheiten mögen hier ihren Platz gesunden haben. Aber das Ganze wirkt zu eintönig, ist zu übersichtlich, möchte ich sage». Es sehlt an alten Bäumen und Stränchern. Da ist kein lauschiges Plätzchen, auf das ma» sich zurückziehen könnte, um das müde Auge ansrnhen und es sich an dem Grün des Laubes erfreuen zu lassen. Bon jedem Punkte ans übersieht ma» vollständig das ganze Ausstellnugsgelände. Direkt vor sich, am Ende des Gartenqnadrals, hat der Ein- tretende die imposante Front des Hauptgebäudes der Ausstellung. Rechts»nd links sind an das Hauptgebäude, in dem architektonischen Stile desselben, zwei Gallerie» angebaut worden, sodatz der Beschauer ei» Gebäude von ganz gewalliger Ausdehnung vor sich liegen sieht. Bon de» Gallerien ans fähren in senkrechter Richtung und parallel mit einander, die beiden Seiten des Gartenquadrals, rechts und links vom Beschauer, bildend, zwei Straßen, die mit den Nebengebäuden beseht sind, bis hinunter zu den Eingnngsschranken. Wie man sieht, ist also die Anordnung außerordentlich übersichtlich getroffen, aber auch hier möchte ich wieder sagen, etwas zu übersichtlich. Die beiden geraden parallelen Straßen mit den etwas eintönigen Gärten da- zwischen, das ist entschieden nicht abwechselungsreich genug, das wirkt langweilig. Man muß allerdings anerkennen, daß»ach der Natur des zur Verfügung stehende» Platzes ei» anderes Arrangement wohl nicht recht dnrchsührbar gewesen ist. Die Gärten bieten, rvie schon erwähnt, nur wenig Sehenswerthes. Sofort in die Auge» fallend sind zwei recht hübsche, schlank empor- strebende steinerne Säulen aus de» Steinbrüchen von Quenast, die zwei vergoldete Figure». Arbeit und Handel darstellend, tragen. Ferner hat in der Achse der Hauptallee die ,?ontains lunrineuse" (der„leuchtende Springbrnnnen") A»fstell»ng gesunde», der während der Dunkelheit seine Wasser in magischer Beleuchtung spiele» läßt. Außer zwei Musikpavillons ist sonst nichts von irgend welchen Baulichkeiten aus dem eigentliche» Gebiete der Gärte» zu finden. Dafür hat man desto mehr Sorgfalt ans die Ausschmückung und namentlich aus die Illumination der Gärten gelegt. I» allen Bäumen hänge» die kleinen buntfarbigen Celloloidballons, mit denen man seinerzeit in Paris beim Einzüge des Zarenpaares sehr hübsche Effekte erzielte; in kühn geschwungenen Bogen ziehen sie sich über die Allee hin oder an den Seiten der Wege enl- lang, nnd in dichten Büschel» hängen sie inmitten der Gänge herab. Bei Tageslicht sieht diese Art der Ausschmüctung ein wenig merk- würdig und grotesk ans; wenn aber in der Dunkelheit plötzlich der elektrische Strom durch alle Drähle geschickt ivird, und mit einem Schlage all die tansende von bunten Lichten erglühen, so ist das thaisächlich ein wunderschöner,«in feenhafter Anblick. Wirklich schade, daß es nicht möglich ist, die Ballons bei Tage zu entsernen; sie können einem mit ihrem bajazzohaste» Aussehe» thatsächlich die Stimmung raube». Die beiden Seitengassen sind zum größeren Theile mit Kneipen besetzt, in denen man gut nnd verhältnißmäßig preiswerth trinken und schlecht und theuer«sseu kann Die Gebäude, die durchweg aus Holz und Pappe znsammcngellebt sind, haben ineist ein recht hübsches, anmulheiides Aussehe». Selbstverständlich findet man die verschiedensten Etilarlen vertrete». Neben einigen großen wcltstädlischen Restaurants, die mit dem crdcnklichfte« moderne» Luxus ausgestattet sind, findet nia» indische, algerische, vlämische nnd alle möglichen andercn Trinkstälte». derc» Einrichtung in dem jeweiligen Stile ge- halte» ist. Eine Reihe kleiner, gesälliger Pavillons, in denen Zigarren. Liköre und ähnliche Dinge seilgehalten werden, finden sich dazwischen verstreut. Von Schauobjekten ist hier bei iveitem das wichtigste und inier- essanteste der Palast der Stadt Brüssel. Es ist sehr zu be- dauern, daß dieses prächtige Bauwerk einen so ungünstigen Platz gc- filiiden hat; es wird von einer CbvkoladcN'Verkausshalle von einer Seite fast ganz verdeckt. Das Haus der Stadt ist im Stile des IS. Jahrhunderts ausgebaut nnd ist in scine» verschiedenen Fassaden ein getreues Älbbild allberühmler, heute nicht mehr existirender Ge- bände des alten Brüssel. So interessant aber auch das Aeußere dieses Palastcs ist, noch interessanter ist das, was er in seinem Innern birgt oder vielmehr bergen wird; dann leider giebt die Stadt den übrigen Aussteller» eines der schlimmsten Beispiele an Unfertigkeit. Wenn aber die Arbeiten erst abgeschlossen sein werden, wird der Palast der Stadt Brüssel sicherlich einer der unter- haltendsten und belehrendsten Punkte der Ausstellung sei». Den» die Stadl hat sich nicht damit begnügt, ein Bild von dein augenblicklichen Stande der verschiedeneil städtischen Ver- waltnnge» vorzuführen, sondern sie hat versucht, zu zeigen, ivie sich das Bestehende entwickelt hat. Am meisten wird die Besucher hier die Abiheiluiig des öffentliche» Unterrichts interessiren. Hier werden drei Räume zur Vergleichnng nebeneinandergestellt. Der«ine zeigt das Klassenzimmer und die Lehrmittel einer Volks- scbnle vor SO Jahren, der zweite giebt das Gegenwartsbild einer städtische» Volksschulklasse, nnd der dritte versucht es, dein Beschauer vor Augen zu führen, wie rs voraussichtlich in einer Schule der Zukunft aussehen wird. Der Brüsseler Schulrath hatte für die städtischen Lehrer eine Reihe von Preisen ausgeschrieben, um An- rcgunge» und Vorschläge zu Verbesserunge» und Steuerungen für die Schule der Zukunft zu erhallen. Leider werden all die schönen Ding« für die Schule», i» denen die Kinder des Volkes unterrichtet werden, so lange der Kapitalismus herrscht, wohl fromme Wünsche bleiben. Außer de», Palast der Stadt giebt es hier nur noch ivenig Be- merkenswerlhcs. Wenn man die linke Gasse(vom Eingange aus gerechnet) hinuiitergeht, so trifft ma» auf das Alpenpanorama, das mit seiner Bergfahrt durch das Zillerthal im vorigen Jahre die Berliner ans dem„Nassen Viereck" zu Treptow enl- zückte und das genau so hier wieder enlstande» ist. Es folgt ein von Emil Wauters gemaltes Panorama von Kairo, sodann ei» kleiner Tcmpelban, der ein von Jef Lambeanx geschaffenes Marmorrelief von riesenhaften Dimensionen„Die»ie»sch- liche» Leidenschaften" aufnehmen wird, nnd schließlich ein« Kollektion Lion'scher Couvensen mit Vorführung lebender Kinder. Wie ma» hört, soll Herr Lion bedauern, daß die Brüsseler Polizei für seine Erfindung nicht dieselbe Reklame gemacht hat wie seinerzeit auf der Berliner Gewerbe-Ausstellnng die Berliner oder Treptower Polizei — ich bin nicht so genau mit der Abgrenzung der Besuguiffe der kleine» Potentaten vertraut—. die die Vorführung lebender Kinder bekanntlich eine Zeit lang verhinderte.— X Kleines Iseuillekon. --- Die ältesten deutschen Zeituugeu. Nach Stieler's Schrift „Zeitungs-Lustu.-Nutz" aus dem Jahre 1695 gingen die ersten Zeitungen von den Posthäusern a»s.„Vor allen» anderen aber kommet der Zeitungen Ursprung aus den Posthäusern her, und eben darwu sind auch zugleich die kaiserlichen Postmeister mit so viel stattliche» Frei- heiten und Gerechtigkeiten begäbet." Bei den Postmeistern Uesen nämlich ans aller Welt neue Meldungen zusamme» nnd so machten diese sich ein lohnendes Nebengewerbe. das Fischart über das neuzeitungsgelcbige Volk und seinen Zeitungskitzel spotten ließ. Ten gedruckten sind die handschriftlichen Zeitungen voranfgcgangen. In der z, veiten Hälfte des sechzehnte» Jahr- Hunderls halte sich bereits der Brauch festgesetzt, daß Personen, die sich mit politischen Nachrichten aus aller Herren Länder versehen konnten, diese vervielfältigten nnd ihren Freunden oder Auftrag- geben» regeln äßig miltheilten. Die erste derartige handschristliche Zeitung, ein Wochei»blatt, läßt sich ans Nürnberg nachiveise»; ein Exemplar davon, von 1SS7— ISSI reichend, besitzt die Leipziger Bibliothek. Es umfaßt zrvei Foliobände und trägt de» Titel: „Neüetzeittüug soniel dero von Nornbergk von dem 26 Octobris Anno eto. 67 bis auff de» 26 Octob: Anno otc. 88 einkommen." Nachher wurden dann manche dieser geschriebenen Zeitungen noch gedruckt nnd einen»»veiteren Leserkreise mitgelheilt, nachdem die Be- vorrechligten sich den ersten Genuß davon verschafft hatten. So veröffentlichte der Bncddrl»cker Hans B>»rger zu RegenSburg 1588 eine Uebersicht über die Ereignisse deS Monats April 1587, was nicht eben als„aktuelles" Zeilungsschriftlhum aufgefaßt»verde» kann. Tie Schrift kündigt sich dafür um so volllautender an: „Neive Zeittung,»varhafftiger Bericht aus Nürnberg an einen guten Frenndt geschrieben,»vas sich im Monat Aprill dieses 1537. Jahrs zu Anlorff, Cölln, Pariß, Venedig, Ron», in Polen, Prag, vnd in Franckreich, in Engelland, Schotland, vnd allenthalben sich zugetragen vnd begeben." I» Augsburg und Wien druckten 1593 und 1595 schon zive» Buchdrucker derartige Monalsübersichten. Dann kamen nllmälig mehr und mehr selbständige Zeitungen, nicht nur geschriebene und abgedruckte Handschriften- Zeitungen, auf. Als älteste gedruckte Zeitung»vird ein Straßburgcr Unternehinen be- zeichnet, ivovo» ein Exeinplar des fast vollständigen Jahrganges 1609 in der Universitätsbibliothek erhalten ist. Nach Opel's Werk „Anfänge der deutschen Zeilungspresse" besitzt die königliche Bibliothek in Berti» einen Jahrgang eines Nürnberger Blattes (1620), ferner befindet sich aus demselben Jahre der Jahrgang einer Hildesheimer Zeitung im dortigen Ralhhausarchive.— Literarisches. n. N o d i g, Johann Andreas:„Rechtlos im R e chts st a a t e". München, 1897. Verlag von August Schupp.— Alles begreifen heißt alles verzeihen! Wir»vollen deshalb mit dem Verfasser, der sich fortivnhrend als von den bösen Sozialdemokraten verfolgte Unschuld hinstellt, nicht allzu streng ins Gericht gehe». Wir»vünsche» ihn» sogar, daß seine Spekulation den erhofften, klingenden Ersolg haben»nöge, denn das Geld der Sozialistensresser ist schon für langiveiligere Bücher ausgegeben worden. In» übrigen ist es ein trauriges Stück Menschenleben, das uns in dieser Selbstbiographie vorgeführt wird. Hunger, Arbeitslosigkeit, Arbeits- haus, Gesängniß, Entinündigung und schließlich der Zwangs- aufenthalt in einer Irrenanstalt bilde» den Inhalt. Ob der Ver- fafser allerdings das»»»schuldige und harmlose Lämmchen ist, das er gern scheinen niöchte, läßt sich auch nach den beigebrachte» Be- iveifeu schiver sagen, den» er ist Partei. Zu denken giebt jedenfalls, daß er»nit allen, die näher i»it ihn, in Berührung kamen, bald aus Kriegsfuß stand, daß er immer in» Rechte, alle andere» dagegen im Unrechte»varcn. Daß er dabei öfters an die Unrechte» gekommen ist, dürfte»vohl doch nicht immer bloßer Zufall gewesen sein.— Volkskunde. — lieber v o l k s t h ii m l i ch e N a t u r a n s ch a u u n g e u sprach in der letzten Sitzung des Vereins für Volkskunde Professor Müllenhoff. Der Redner erbrachte eine große Zahl von Beispiele». deren einzelne zeige», wie das Volk sich in der Deutung von Natur- erscheinnngen vergreife» kann, deren Mehrzahl aber von einem sehr richtige» Erfasse» des Wesens dieser Erscheinungen zeugt. Scharf und treffend ist namentlich die Beobachtungsgabe des Volkes i» äußeren Dinge» und die Kunst der Wiedergabe solcher Beobachtungen beispielsiveise in Verse»,, die auf den Gesang der Vögel anspielen und sehr glückliche Tonmalereien enihalten, oder in der Bezeichnung von Pflanze» und Thieren. Siebenstern wurde eine Blume ge- »mint,»veil sie, wie die Leute schon in uralter Zeit richtig heraus- gefunden habe», 7 Kelchblätter, 7 Blumenblätter und 7 Staub- gefäße enthält. Die Schlüsselblmne hat ihren Namen davon, daß sie,»venn man in einer bestimmte» Siichtung aus die Blume sieht, die Form eines(alterthümlichen) Schlüssels wahrnimmt. Den Acker- gauchheil(Xn-rxaUii«) nennt der Bauer faules Lieschett. weil es sehr spät blüht. Man sah, daß sich die Blätter der Pappeln am längsten Tage des Jahres umdrehen. Eichen nnd Eschen bekoinmen etwa um dieselbe Zeit Blätter. Je nachdem die eine oder die andere dieser Baumarte» früher ausschlägt, findet der Baum ein trockenes ober ein nasses Jahr a». Schon im dreizehnten Jahrhundert wußte man, daß die Misteldrossel(auch die wilde Taube) den Samen der Mistel verbreitet.„Wenn es keine Eisfahrt giebt, giebls keine Gerste." In diesem Spruche äußert sich die Thaisache, daß eine gehörige Schneedecke für den Pflanzen- wuchs und so namentlich auf das Wintergetreide sehr vortheilhast wirkt. Es ist eine alte Bauernregel, daß man im Spätherbste er- kennen kann, ob das nächste Jahr ein gutes Obstjahr wird. Man braucht nur den Zweig eines Obstbaumes am l». Dezember in Wasser zu stecken. Bin LS. Dezember wird er dann blühen, und an dem Bliithenreichthume kau» man die Obftanssichten beurtheilen. Auch das ist ganz richtig; denn das Obst setzt die Blüthenknospen schon im Herbste an. Ter Krebs, sagt man, hat zwei Steine ini Magen, damit er, ivenn er seine neue Schale bekommt, fressen kann. In der That finde» sich im Krebsmagen zwei Kalkkörner, die sogenannten Krebsauge», die bei der Bildung des neuen Panzers verschwinden. Sie werden eben zu dessen Anfban sowie znr Bildung des neuen, vor dem Magen sitzenden Kaugernftes verivendet. Gänsesterbe nennt der Bauer eine giftige (die einzige) kreuzbliithige Pflanze. Nachdem man lange Zeit über diesen Ausdruck gespottet Hai, ist neuerdings nachgeiviesen, daß die Pflanze wirklich für junge Gänse giftig ist. Schwammasche ist von Alters her als Mittel gegen Gift gebraucht worden. Da sie Haupt- sächlich kohlensaures Nalro» enthält, so versuchte die Wissenschaft- liche Medizin Soda gegen Gicht und als das nutzlos war. erklärte sie auch die Schwammasche für wirkungslos. Es erwies sich jedoch bald darauf, daß es ei» geringer Jodgehalt in der Schwammasche ivar, der ihre Heilwirkung begründet. Die Massage ist ein uraltes Tiroler Bolkoheilmitlel, dessen Ausführung schon sehr früh genau beschrieben ist. Schon in allen lateinischen Schriften findet man angegeben, daß gewiss« Pflanzen den Acker fruchtbarer machen. Diese Wahrheit wurde später und namentlich bei», Auskommen der an sich ganz richtigen Liebig'schen Düngerlehrc bestritten, bis die allerneueste Zeit den Beweis ihrer Richtigkeit erbrachte. Es handelt sich um die siickstoffsammelndeu Schmctterliugsblüthler.— Völkerkunde. ie. Welche Völker leben noch heute in einem Alter der Steinzeit? Erklärlicher Weise ist die Zahl der Beispiele eine geringe. Eigentlich gehören dahin nur noch einige Völker in Südamerika(die Botokuden und einige Fnegostämme) und einige Völker der inelanesischen und polynesischen Jnselivelr. Dies sind die letzten Vertreter der klassischen Steinzeil, die sich auf diesem Standpunkte trotz des Vorhandenseins von Mitteln höheren Grades erhalten. Außerdem giebt es freilich noch andere Stämme, die sich ausschließlich der Steingcräthe de- dienen, besonders die Eskimos, unter denen diejenigen an der Ostküste von Grünland in dieser Hinsicht die merkwürdigsten sind. Bei ihnen ist der Gebrauch von Steinwerkzeugen aber nicht im Charakter einer niederen Kulturstufe begründet, sondern in dein Fehlen von Holz»nd Metallen, sie sind also durch die Roth in dem Stadium der Steinzeit festgehalten. Eine merkwürdige That- fache ist es, daß man auch auf vereinsaniteu isländischen Ansiede- lnngen noch Slelninstrnmentc gesunden hat. In Asien ist der Ge- brauch der Mclasie seit sehr früher Zeit verbreitet. Auch die afrikanischen Böller sind bereits säm»itl>ch vom Alter der Steinzeit zu dem der Eisenzeit übergegangen, jedoch giebt es hier noch einige Ncberreste, die als Nachklänge aus der Steinzeit zu betrachten sind, z. B. gewisse Geräthc bei den Hottentotten und Buschmänner», wo steinerne Bohrwerkzeuge und Pfeilspitzen vorkoniinen, serner Am- bosse und Hämmer aus hartem und schwerem Stein.— Ans dein Thicrlcbe». t. Ob sich der Lachs ini Meere sortpslanzen kann, ist eine Frage, die bisher in verschiedenem Sinne beant- wartet wurde. Die norwegischen Fischer behaupte» mit großer Bestimmtheit, daß dies gelegentlich der Fall sei. Ilm diese Frage zur Entscheidung z» bringen, hat die norwegische Regierung an der biologischen Meeresstation in Bergen Untersuchungen au- stelle» lassen, über die O. Nordgaard in der französische» Zeitschrift„EtiurgF et Eiviferes" berichtet. Danach ist die Behauptung der uorivegischen Fischer zweifellos un- zutreffend. Es wurde festgestellt, daß befruchtete Eier in Wasser, daß L bis 3 pCt. Salz enthält, nicht zur Entivickelung gelangen. Vielleicht ist sogar die Befrnchlung unmöglich; um dies zn ermitteln, sind jedoch weitere Versuche»othivendig. In Wasser mit geringerem Salzgehalt(etiva 8 bis 9 pro Mille) komme» dagegen die Eier vom Lachs und von der Seeforelle zur Entivickelung. Diese Fische könnten sich also in brakigen Geiväffern wohl fortpflanzen, aber nicht im Meereswasser selbst.— Technisches. — Auf den belgischen Staatsbahnen sind seit dem 27. April Hospital ivagen eingestellt worden. Der Ziveck dieser Wage» ist ein doppelter. Bei einem Eisenbahuunfall bringt man schleunigst «inen solchen Wagen an die Stätte des Unglücks, um die Verletzten anfzunehmcn und in ein Hospital zu überführe»; sodann sollen sie aber auch dazu dienen, größere Abtheilungen von Leidenden, denen der gewöhnliche Eisenbahntransport Schmerzen oder gesundheit- liche Nachtheile verursachen würde, zu befördern. Ein solcher Eisenbahn- Hofpitalwagen enthält 21 niit Stahlröhren und starken Spriugfedern versehene isolirte Betten, vor denen je zwei Fensterchen sich befinden. Zu jedem Bette gehört ein längliches Tischchen und ein über demselben schwebendes Netz zum Aufbewahren leichter öfters gebrauchter Gegenstände. Ein Theil des Raumes, in welchem diese Bette» stehe», kann im Noch- falle in ein Operationszimmer verwandelt werden. Sodann enthält der Hospitalwagcn ein»nt einem Klappbett versehenes Zimmer für den Arzt, in ivelchem auch die Arzneien, chirurgischen Werkzeuge. Verbandsartikcl u. s. w. untergebracht sind. Ei» Eisschrank, sonne eine Vorrichtung zum Desinfiziren der Verbandsstoffe sind unter dem Fußboden augebracht, um Raum zn sparen. Dem Arzte stehen Gehilfen und Kraukenpfleger zur Seite. Humoristisches. — Die Höflichkeit am Biertisch. Ueber dieses Thema läßt sich ein Münchener in einem von den Münchener„Neuesten Nachrichten" abgedruckte» Gerichtssaalvericht folgendermaße» ans: „Sebgen S', Herr Stadlrichter, i bin durchaus loa Freund vom vielen Reden, nur so viel, als iner in's HauS braucht und daß d' Leul' sehen,»nseroaner is' a anständiger Europäer. Zum Beispiel, Sie kemma in a Bränhaus, setzen sich an Eahner Stammplatzl, auf a mal kimmt a Fremder, der sieht a halbes Dutzend leere Stähl' und doch sangt er mit oaner ganzen Bergpredigt an:„Erlauben S', is da frei?" Sie macha an Mucker, er nimmt Platz und sagt wieder: „Ich erlaube mir! Gestatte» Sie! mein Name is Müller!"„Meier hoaß i!"„Danke vielmals, Herr Meier. Erlaubemir, auf Ihr Wohl z» trinken! Prosit!" Sie sagen loa Wörtl mehrer, denn das Stächst« war', daß Eahner» Taufschein außazieh'gn und a Lebensbeschreibung dazu«, damit der Schwester ja alles woaß. Beim andern Trunk kimmt Eahna a Tröpferl in nurechten Schlund. Sie sprudeln und pusten und huesten, wie a Nilpferd. Da ruft's von allen Seilen: „Zum Wohl! Helf Gott! Prost! Zur Genesung!" Jetz'n sollen S' jedem danken. Da kimmt der Nachbar wieder, weil er der Feinere sein will, macht a Buckerl und sagt recht oanfaltig:„Sie haben genossen?"„Na!" schrei' i wüthend—„g'hnest Hab i mir."„Ent- schuldigen Sie dann gütigst! Bitte! Jetzt nehmen S' a Priserl." Der andere spitzt schon d' Finger:„Gestatten Sie mir auch eine Prise?"„Bitte mit Vergnügen!"„Danke recht vielmals!"„Bitte is' gern g'schehg'n." Sie ham die damische Rederei dick und vertiefen sich in Eahner Zeitung. Dann kriegen S' a g'selchteWnrst. Kaum ziehgen S'd'Haut runter, da geht's ivieder an:„Gut'n Appetit! Mahlzeit! Gnt'n Hunger!" Der Wirth kimmt eigens g'renut und fragt: „Schmeckt's Eahna?" Ans zwo Drucker is' die Wursch aus der Welt g'schafft, die Kellnerin holt ihren leeren Teller und widmer der Wurscht no' an Nachruf:„Wünfch', daß wohldekommt!" Jetz'n kimmt a Anderer, der recht grimmig schaugt, setzt sich mu an Brummer nieder, betrachtet Eahna und die ganze Nachbarschaft von alle» Seiten, dann macht er sich broar, tritt ans Eahna Stiefel a paarmal, blast Eahna von fein Bier an Schaum auf die frischg'stärkic Brust. Sie wollen grab sage»:„Lackl vergifteter!" da kommt Eahna der aber vor und sagt:„Pardon! is'»et gern g'schehg'n!" macht aber a Miene, die eher ausschaugt, als moanat er:„is' dir viel- leicht ner recht? nacher sagst es!"— Vermischtes vom Tage. — Bei einem Brande in H n n d s b e l l e bei Crossen kamen zwei Feuerwehrleute ums Leben.— — In dem Schlashause der Bergarbeiter z» B o g u t s ch n tz bei Kattowitz ist die Genickstarre aufgetreten.— — Jin Bahnhof zu Ost ende ist ei» Gerüst zusammengestürzt, ans dem fünf Arbeiter beschäftigt waren. Drei von ihnen wurden getödtet, zwei erlitten schwere Verletzungen.— — Die längste Rutschbahn dürfte jene in der Schweiz sein, die allerdings nicht dem Bergungen, sonder» zum Befördern des in den Bergiväldern geschlageneu Holzes dient. Dieselbe führt vom Pilatus- zum Lnzerner See, ist 13 Kilometer lang und aus 50 000 behaneueu Baumstämmen zusammengesetzt; Holzlaste», auf diese Weise befördert, machen die Reise zu Thal in fünf bis sechs Minuten.— — Der Wittrrungsu in schlag der letzten Tage hat in allen Alpenländern Schnee gebracht. Die Rebe», Obst und Feld- ftüchte sind arg beschädigt. In Süd- und Mittel-Frankreich, in der Bourgogne hat der Frost in de» Weinberge»»»geheuren Schaden angerichtet.— — Ihre eigene Schwiegertochter mit Arsenik vergiften wollte in W i e s m a t h(Ober-Oesterreich) eine Anszüglerin. Die Milch aber, in die daS Gift geschüttet worden, Halle eine dicke Hanl, und so blieb das Arsenik oben liegen.— — Au Bord des von New-Iork»ach Galveston bestimmten Dampfers„Leon a" brach Feuer ans. Unter dem Räume der Zivischendeckspassagiere, wo 22 Personen schliefe», fand eine Ex- plosion statt. Rur 9 Personen konnten sich retten.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblatles erscheint Eo»n> tag. den 16. Mai. Beraniwortlicher Redakteur: Robert Schmidt i» Berlin. Druck und Verlag vo» Max Babing in Berlin.