Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 96. 32] Sonntag, den 16. Mai. ( Nachdruck verboten.) Ein alter Streit. 1897. Wiltraud steht unschlüssig, ob sie's annehmen soll. Freilich ist sie hilflos und verlassen wie noch nie! Oder traust mir nit?" fragt der Bursch treuherzig. Mei! Noman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre I bin ja doch a Haberer!" von Wilhelmine v. Hillern. Sie ist lange bei den Thieren, denn auch um das Pferd, das ihn heimgeführt, ist sie besorgt. Sie hat den Steub ins Haus und ins Wohnzimmer gehen hören. Der wartet ja gerne. Als sie mit allem fertig ist, tommt sie wieder vor und öffnet die Thür zum Wohnzimmer. Aber wie gebannt bleibt sie stehen: Das ist nicht der Steub, der da kuiet bei der Leiche, ganz versunken in Schmerz, das Gesicht in die gerungenen Hände vergraben! Alles Leben weicht aus Wiltraud's Antlitz diese jugendliche, kraftvolle Gestalt fennt sie zu gut. Einen Augenblick steht sie unschlüssig, bebend bis ins Innerste, er hat nichts bemerkt, so vertieft ift er im Gebet oder in das, was seine Seele mit dem Todten zu reden hat. Wiltraud schließt mit raschem Entschluß, so leise ihre zitternden Finger es vermögen, die Thür wieder zu und flüchtet in den Stall zurück. Gott, Gott erbarm' Dich seiner!" betet sie jetzt für den Unglücklichen, der da büßend liegt zu den Füßen dessen, den er geopfert." Dann schleicht sie hinaus, um den zurückkommenden Steub abzuhalten, damit nichts die heilige Stille störe, in der eine Seele nach Gnade ringt. " Bleib heraußt bei mir, drin ist einer, den man allein Lassen muß." ,, G'wiß der Lenz?" fragt Steub. Dem hab' ich's doch sagen müss'n den geht's ja z'nächst au. Aber den hat's g'riffen! I hab' g'meint, er fallt mir grad um, wie er's g'hört hat." Steub! Sei jeht so gut und bleib' derweil da. I geh' a Zeit lang fort. I muß schauen, daß i wo a Weihwaffer krieg." " Aber dös kann i ja holen." " Nein, i muß es selber thun, i fag' Dir's aufrichtig -i kann den Lenz heut nit sehen,' 3 ist mir unmöglich! Wenn er nach mir fragt, so sag' nur, i holet a Weihwasser." In dem Augenblick aber öffnet sich die Thür und Lenz tritt heraus mit verweinten Augen und verwirrtem Haar. Sie stehen sich einander gegenüber. Keins vermag ein Wort zu sprechen. Steub entfernt sich, im Gefühl, daß hier kein dritter hergehöre; sie sind allein. " weiß wohl, daß i Dir heut nit vors G'sicht tommen sollt," spricht Lenz leise, mit mühsam erzwungener Fassung: will Dir auch nit überläftig sein. I möcht' Dich nur bitten, um Christi Barmherzigkeit willen, daß D' mir sagst, ob er noch von mir g'redt hat?" " Ja!" " Hat er mir nit zürnt?" So bleib' da!" sagt sie und reicht ihm dankbar die Hand. Aber dann geh'' nauf in d' Kammer, wo der Habermeister g'schlafen hat, und leg Dich hin, Du brauchst nit auf der Streu z' schlafen." " Solli nit beim Todten wachen?" Nein, dös laß' i mir nie nehmen, dös weiß der Sebald vom Vater her- ja so, der ist es ja selber, der daliegt! Ach, Steub,- mir ist so wirr im Kopf- i tenn' mi nimmer aus!" Sie sinkt taumelnd auf den Schemei nieder, der auch an des Vaters Leiche gestanden.„ Willst' n schmerzhaften Rosenkranz mit mir beten?" Recht gern. Aber i mein', Du kannst nimmer. Du thust Dir 3'viel auf. Bist ja ganz falt vor Müde." Wiltraud hat ihren Rosenkranz aus der Tasche geholt und einen für Steub aus dem Schränkchen. Nun wird es still im Zimmer, man möchte meinen in der ganzen schlummernden Welt und nur die beiden kindlichen Stimmen dringen im Gebet durch das Schweigen. Als sie fertig find, geht Steub hinauf in die Kammer und Wiltraud bleibt allein zurück. Es mag etwa um Mitternacht sein, da klopft es heftig und wie in großer Angst an des Schlafenden Thür. Steh auf, Steub! Ich bitt Dich, komm schnell' runter!" Es ist Wiltraud's Stimme. " 1 Was ist's?" ruft Steub erschrocken, aber das Mädchen ist schon wieder die Treppe hinunter gelaufen und wartet unten auf ihn. " I bitt' Dich," ruft sie dem Herbeieilenden entgegen; i fann nimmer allein bleiben!" " Gelt Dit fürchft Dir doch da bei der Leich"?" lächelt Steub gutmüthig. O die Leich' wär's nit. Dös Engelsbild thät i nit fürchten, aber i hab' was anders g'sehn!" Was denn?" Den Boschinger den Habermeister! Sie faßt Steub mit eiskalten Händen, wie um sich an ihm zu halten. Ihr ganzer Körper fröstelt, ihre Augen starren entsetzt in jeden dunkeln Winkel. " Du wirst a bißl eing'nickt sei und da hat's Dir traumt," fucht Steub sie zu beruhigen." Du bist halt übermüdet- i hab' Dir's scho lang g'sagt." " sag' Dir, er ist dag'wesen, er ist vor mir g'standen leibhaftig, mit' ma Stugen über der Schulter, und hat mi ang'schaut, so lang und so schwermüthig, als wollt' er was sag'n.-'s ist wahr, i fann au eing'schlafen g'wesen sein, aber i bin ja dran aufg'wachen und hab' mi aufg'setzt und da hab' i's g'sehen mit meine eigene Augen, wie er von mir Onein, der hat tei'm Menschen zürnt, dazu war er viel weg und zur Thür' naus ist." Es schüttelt sie, daß sie nicht 8' gut!" " Und hat mir verziehen?" Ja, wie' n Engel verzeiht!" weiter reden kann. " Dös hat ma ja oft, daß ma meint, ma sei wach und doch weiter schlaft. hab' scho traumt, i sei aufg'standen Lenz athmet erleichtert auf:" Gott sei Dant. So kann und hätt' mi anzog'n, und wie i wirklich zu mir kommen bin, i ruhig sein!" Dadrüber- ja!" Wieder schweigen sie- Lenz hat sie verstanden. Einen legten langen Blick heftet er auf sie, fie bleibt unbeweglich wie eine Bildsäule. Er wendet sich ab: B'hit Gott!" hab' i g'sehen, daß i no ruhig im Bett lieg'." „ Aber i bin ihm ja nach und hab' g'schaut, ob' 3 Haus offen ist, und erst wie i g'sehen hab', daß alles zu ist, daß er also nit bei der Thür' naus könnt hat, hab' i mir ang'fangt 3' fürchten da ist mir's schauerlich word'n! I fag' Dir entweder er war's wirklich und' s wieder so a Haberersput, wo ma nie weiß, wie s' reinkomme find, dann er hat sich verzeigt, und dann ist ihm a Unglück g'schehn oder er ist todt!" B'hüt Gott," antwortet sie mit matter Stimme und geht ins Leichenzimmer zurück. - Einen Augenblick steht Lenz und schaut ihr nach, steigt er langsam, in sich versunken, den Berg hinunter. " Jezt kann i beim Bruder bleiben," sagt sie zu Steub: Fahr heim mit dem Bräundl, der Wirth braucht' n vielleicht." Ja, wo denkst denn hin? Da täm' i' m Alten recht, wann der höret, daß i sein Augentrost in so' ra Lag verlaffen hätt'! brauch' aber niemand- g'wiß nit." " Dös tann ma nit wiff'n. I leg' mi draußt in d' Streu, da genier' i Di doch uit? Und wann Dir dös au uit recht ift, kampir' i im Freien vorm Haus. Aber da bleiben thu' i in jedem Fall!" oder Den Burschen läuft es nun bald selber talt über den Rücken.„ Geh, Du steckst ein' ja an mit Dein'm unheimlich'n G'schau. Er wird halt recht herdenkt hab'n! I kann mir's scho einbilden, warum! Wi Du heut mittag fort bist, da hat der Wirth mi zu Dir' rag'schickt und den andern mein' Kamerad' zum Poschinger nach Rochel, wo er seß= haft ist, daß er ihm dös vom Sebald seiner Entlassung aus' m G'fängniß b'richt't. Weil er hat g'jagt, dos that ihm auch angehu weil Du ihn doch so lang pflegt hast. Vielleicht hat er auf die Nachricht hin an Dich denkt und den Wunsch g'habt, er möcht' bei Dir sein! Jetzt 382 i glaub' nit an so Sachen, aber' s' giebt Leut, die behaupten,[ revidiren möchten, eben mit aller Heftigkeit ein. Immer darf man ' s tönn' fich einer lebendig verzeig'n." ihrer größeren Begehrlichkeit eher gewiß sein, als ihrer ZurückWiltraud steht noch immer und starrt vor sich hin: haltung; und wenn man gar so verwundert that, als die finstere glaub' bald an alles nur nimmer an was Gut's und was Vorlage zum Vereinsgesetz ans Tageslicht kam, so war im Stillen entweder geheuchelt worden oder man war rührend naiv. Glücklich's! Sei's g'wesen was's will jedenfalls bedeut's Wenn die Vorlage Gefegeskraft erlangte, da würden all die nix Guats. I weiß nit warum mir jetzt grad dös so bitteren Humore, von denen die Geschichte aller heftigen Reaktionsschauerlich war. I hab' den Boschinger so gern g'habt, epochen zu erzählen weiß das allerschönste von den Zensurwarum soll i doch erschrecken, wann i' n sieh, wenn's was stücklein wieder luftig in die Höhe schießen. Wie würde der Natürlich's g'wesen wär'? Warum wär' er denn so un- subalterne, untergeordnete Mann in seinem Selbstwerth steigen, beweglich hing'standen und hätt' mi ang'starrt und nix g'fagt? wenn er sich als noch gewichtigere Person betrachten lernte, als Und der Blick den vergess' i nie wie wie vom a jett? Wie würde er sich immer bedeutungsvoller vorkommen. je Wahnsinnigen!" mehr er sich als verantwortlichen Hüter und Beschützer des großen Im Stall wird es unruhig, Wiltraud horcht. Was ist Gemeinwohls aufspielen dürfte? Der Herrenwahn der Subalternen mag anfangs peinigen und erbittern. Wird er auf die Spize ge denn jetzt da wieder?" trieben, so verliert er am Ende seine Macht. Zum Schluß tödtet die Lächerlichkeit wirklich noch. Der gehässigste Eiferer erliegt endlich der Komit der Thatsachen, daß man einer neu aufstrebenden, jung sich reckenden Welt mit einem Polizeiwall beitommen möchte. Vielleicht ist der Bräundl loskommen!" Da müss'n wir d' Latern' nehmen und nachschauen." Sie holt die Laterne vom Sims und zündet sie an. Dann geht sie mit Steub den Weg durch die Küche und Futterfammer. Als sie in den Stall treten, pfeift ihnen ein starker Luftzug entgegen. Das Pferd reißt mit allen Zeichen der Furcht am Halfter und stampft unruhig hin und her. Siehst, dös Roß spannt au was und d' Geiß! und d' Geiß! Ma sagt ja, die Thier' thäten Geister sehen." " Die Stallthür' ist offen und schlägt im Wind, dös hat die Biecher so derschreckt," erklärt Steub. Ma " Ja, wer hat denn dös aber' than?" fragt Wiltraud erstaunt. Hast Du offen g'lassen?" J? Warum nit gar!" " Uno i weiß g'wiß, daß i sie zug'macht hab'," sagt Wiltraud kopfschüttelnd." Gott bewahr ein'n, dös ist ja a Nacht wie im Advent! Was mag sich da vor bereiten?" Sie schlägt ein Kreuz. Alle guten Geister loben Gott den Herrn!" " Steub ist jetzt selbst nachdenklich geworden nur glaubt er nicht an Gespenster. " Warum hast es denn aber auch nit ang'red't?" Wie's halt ist, wann ma so aus' m Schlaf auffahrt, ift mir gar nig eing'fallen, was ich sag'n tönnt', und schreien hätt i au nit könne i hätt' tein' Ton' rausbracht!" Jett laff' i Di aber nimmer allein!" sagt Steub, schließt und verrammelt die Stallthür und leuchtet in alle Ecken. Nur bis Gebetläuten bleibst bei mir, gelt? Nacher haben ja die bösen Geister tei Macht mehr!" sagt Wiltraud und geht wieder zur Leiche zurück. 111111 im Die Erschütterungen, die stoßweise über unseren Gesellschaftsförper kommen, bleiben auch anderswo in ähnlicher Weise nicht aus, und fie führen dann in den Parlamenten zu jenen heftigen Szenen, die vielfach schon dazu helfen mußten, den Parlamentarismus zu verdächtigen. So ist es jeht in Wien. Ein halbes Jahrhundert lang hat man dort Schaufelpolitik getrieben. Vor 1848 begann es, als man gegen Magyaren und Deutsche das Slaventhum gefliffents lich zu hegen begann. Auf der einen wohlfeilen Idee, die Nationen wider einander zu benüßen, um den Sinn von den dringendsten Zeitaufgaben abzulenken, beruhte seit Jabrzehnten die staatsfett Sabrzehnten, und männische Weisheit der Machtpolitiker Desterreichs, Neue Joeale steigen ist so viel Zündstoff dort angehäuft. auf. Schon ist der Nationalismus nicht mehr lleinherr in Desterreich. Die sozialdemokratische Fraktion im Wiener Parlament ist ein lebendiger Protest. Und als wüßte der Nationalismus, daß sein Monopol zu Ende ginge, so erhebt er sich in wilder Leidenschaftlichkeit. Was ihm an innerer Gewalt über die Massen verloren ging, sucht er durch Gewaltsamkeit im Kampf einzuholen. Auf beiden Seiten der Nationalisten, auf slavischer wie auf deutscher, sind darum die lärmenden Szenen im Parlament erflärlich. Graf Badeni muß erkennen, daß alle Hausmittel der Regierungen sich doch einmal erschöpfen. Was ein halbes Jahrhundert lang möglich war, versagt zum Schluß. Es ist nicht mehr so einfach, zwischen deutschen und Slaven zu balanziren. Eine dritte Macht ist in die Höhe ge= kommen und sie ist der Theil einer Weltmacht. Die Nationalisten Desterreichs sehen sie wachsen. Kaum irgendwo anders hat das Bürgerthum im Namen des Gesammtvolkes so absichtlich stets gesprochen, als dort wo die Nationalisten ihre Herrschaft aufschlugen. Sie sprachen in Deutsch- Böhmen von dem ganzen deutschböhmischen Volt, wie sie in den slavischen Gebieten Böhmens von der glorreichen czechischen Nation sprachen. Und nun hat dasselbe Deutsch- Böhmen Jezt kommt fein Schlaf mehr in ihre Augen, während im ganzen nördlichen Industriegebiet sozialistische Vertreter nach Wien entsandt. Die Nationalisten fühlen und wollen es nicht der Bursche auf der Dfenbant, bald in festem Schlummer liegt. bekennen, daß ihre Macht über die die Geister gebrochen sei. Sie lauscht so gespannt, daß ihr das Blut in den Ohren Noch einmal raffen sie sich auf. Noch einmal beginnt fiedet, als müßte sie auf den leisen Tritt eines neuen das alte Kampfspiel. Man veckt die Neberhebung eigenen Lager und Schrecknisses horchen. fucht das gegnerische tief herabzus setzen. Es hat das auf beiden Seiten zu abstrusen Einbildungen geführt. Die Mark und Berlin, Ost- und Westpreußen wurden als altes slavisches Kultureigenthum ausgerufen und ein Mann, wie der Pastorssohn Gotthold Ephraim Leffing wurde als eigentlich slavischer Landsmann angesehen, weil er im sächsischen Kamenz unweit von Nun wären sie vorübergezogen, die strengen Eismänner. Die Baußen, also auf altwendischem Kulturboden", geboren wurde. Der Herrschaft der Trogigen ist aber nicht gebrochen. Rauh jagt der romantische Ritt in längst vergangene Zeiten gehört zum Wind durch die Straßen, selten wagt sich ein wärmender Sonnens nationalistischen Wesen. Dies gegenseitige Abwägen von Kulturen, strahl hervor, wir leben wirklich im„ grünangestrichenen Winter." die längst durch neue Bildungen ersetzt sind, war zum förmlichen Zu den falten Nücken des Wetters will das erfältende Rückwärts- Sport ausgebildet worden. Und nun beginnen die Massen gegendrängen im öffentlichen Leben trefflich passen. Ein rauher Wind über diesem Sport fühl und gleichgiltig zu werden. Die dritte hat uns die neueste Bescheerung zugeweht, die gegenwärtig alle Macht hat sich gemeldet. Da geht es nicht mehr mit dem politischen Kreise in Preußen- Deutschland in Aufregung erhält. platten Verordnungswege. Hier die Nationen im Widerstreit. Der jüngste Angriff auf die ohnedies fümmerliche Vereins- Heute eine Verordnung zu gunsten der Deutschen, morgen freiheit in Preußen wird in der nächsten Zeit alle Welt lebhaft eine, die das Werthbewußtsein der Slaven steigert. Heute ein beschäftigen. Solche Thaten, wie sie jetzt geplant werden, leuchten Sonnenscheinchen, morgen ein Gewitterschauer für dieselbe Rasse. immer klärend in die Wirrnisse der Tage. Zu psychologischen Tüfte: Die wohlige Periode, bei der die Staatslenter nur nach hergebrachter leien ist es teine Zeit. Man zerbricht sich den Kopf und fragt ängst: Schablone zu leben brauchten, ist vorüber; und bei den Nationalisten lich, als wäre man in seinen theuersten Erwartungen enttäuscht selber entspringt die lärmende Gewaltsamkeit der geheimen worden: Wie war es nur möglich, daß der greise Hohen- Empfindung, daß die Welt mit anderen Sorgen, als mit den lohe dem reaktionären Anschlag nicht Widerstand leistete? ihrigen, sich zu erfüllen beginne. Wo so viel Verworrenheit, so viel Welche geheimnißvollen Kräfte haben ihn bewogen, zu bleiben, äußerste Anspannung herrscht, da werden eben die Aeußerungen, wenn sein Widerstand vergeblich war? Das ist charakteristisch das Thun und Treiben im Parlament ein Spiegel sein für die in unserer Unftetigkeit! Selbst der freigesinnte Bürgersmann sucht inneren Vorgänge in der Bevölkerung. Fast lebt naive Komik drin, für das„ Erstaunliche" nach geheimnißvollen Kräften. Was ihn über wenn der Präsident den Sturm im Hause damit zu beschwören sucht, rascht hat, weil er vertrauensschläfrig war, erscheint ihm wie eine daß er weinerlich ein ums andere Mal betont:„ Aber meine Herrverwickelte Räthselfrage. Er vermuthet tiefe seelische Berwicklungen schaften, bedenken Sie doch gütigft, Sie sind in den vornehmen" und allerhand Finessen bei Menschen, die einfach herben Ronflitten Räumen des Parlaments. Diefer Standal, nein, dieser Standal. ausweichen und den Weg zu klaren Entschlüffen gar nicht wandeln Was wird die Welt dazu sagen?" mögen. Wozu immer nachdenklich nach den oberen Regionen späben, und nach der Art besorgter Auguren dort das Walten dunkler Geheimnisse studiren? Das ist doch ziemlich deutlich, daß wir in einer Welt leben, wo die Gegenfäße mit jäher Leidenschaftlichkeit zugespitzt werden. Da segen diejenigen, die das geiftige Leben rückwärts ( Fortsetzung folgt.) Sonntagsplandevei. Die Welt sieht, wie sich lang aufgehäufte Erbitterung entlädt; und ein paar ganz Bornehme, die allen Böbellärm" hassen, wehtlagen über den Niedergang des Parlaments und der parlamentarischen Formen, weil gewitterschwüle Stimmung sich in jähen Stößen Luft macht. 383 Der letzte Theil der Fahrt ist vom Kapitän Sverdrup beschrieben, der das Kommando führte, nachdem Nansen das Schiff verlaffen hatte, um in Begleitung eines einzigen Gefährten auf Schlitten einen Vorstoß nach dem höchsten Norden zu unternehmen und dann auf Schlitten und in Booten nach Franz- Josephsland zurückzukehren. Die Schwüle, die über den Gemüthern lagert, wird auch in für einen tollkühnen Selbstmord erklärten, in allen seinen Theilen Italien zu lebhaften Aeußerungen von Affett drängen, wenn nur glückte. Zwar erwies fich die Strömung im Polarmeer nicht ein Theil davon wahr ist, was dem unglücklichen Frezzi widerfuhr. von solcher Mächtigkeit, wie Naufen vorausgesetzt hatte; wider Das Volksgefühl hat die Anklage erhoben, eine fürchterliche Anklage. alles Erwarten fand er das Polarmeer von außerordentlicher Das Voltsbewußtsein in Italien weiß, was es von seiner Polizei Tiefe, bis zu 4000 Metern, in welchem nur eine sehr langsame zu halten hat. Als es jüngst zu den Studentenunruhen in Italien nördliche Strömung existirt; doch trieben die Winde das Eis vorfam, da hat sich die Natur des dortigen Polizistenwesens gründ nehmlich in der von Nanfen angenommenen Richtung, so daß das Schiff, lich offenbart. Mit förmlicher Hasseswollust, nicht wie Leute, wenn auch mit vielen Zickzackwindungen, den vorgeschriebenen Weg die einfach ihre Pflicht erfüllen, griffen die Polizisten an. Sie hieben nahm und schließlich Spitbergen erreichte. darauf los, als besäßen sie die Macht und den Wahn eines Unternehmers, der armselige Samoanermädchen in Pacht nimmt, die Vertreter einer ruhmwürdigen Preffe abfüttert, damit sie für die Neugierde der Berliner eine entwürdigende Menschen Schaustellung ins helfte Licht rücke. So wenig im Ansehen gilt in Rom der Staatspolizist, daß selbst ein Mädchen, das es mit solchem Manne hält, in seinem Kreise an Respekt verliert und geringschäßig betrachtet In den Nummern 68 und 69 unseres Unterhaltungs- Beiblattes wird. Bei solchen Leuten wird natürlich Selbstwürde nicht auf haben wir einen Bericht über den Vortrag gegeben, den Nansen am tommen. Leute von feinerem Ehrgefühl werden sich nicht gerade 3. April in Berlin über seine Reise gehalten; wir gehen daher heute darum bemühen, in ein solches Gliteforps aufgenommen zu werden. nicht näher auf dieselbe ein. Wer sich überhaupt für ForschungsPolizisten dieser Gattung haben den politisch mißliebigen Frezzi reisen, speziell für Polarreisen interessirt, wird das Werk mit Ver unter ihren Händen gehabt. Zur höheren Ehre der Polizei sollte gnügen lefen und mancherlei Anregung daraus erhalten; denn es ist auf alle Fälle eine weitverzweigte Verschwörung entdeckt werden, in verständigem und lebendigem Zone geschrieben, so daß ein andie das wahnwißige Attentat Acciarito's auf den König schauliches Bild der Erlebnisse gegeben wird. Humbert hätte erklären können. Frezzi wird gefaßt und verhaftet. Man wird schon aus ihm die Wahrheit herausholen; und man holt im Polizeigefängniß die Wahrheit so träftig heraus, daß Frezzi stirbt und daß sein Körper Spuren grausamer Miß handlung aufweist. Die Polizei behauptet, Frezzi habe sich selbst getödtet. In Rom glaubt man nicht an diese Angabe. Man tennt dort seine Pappenheimer. Noch ist der Fall Frezzi nicht ganz aufgeklärt. Noch schwebt das Gerichtsverfahren, viel zu langsam für die Empörung in der römischen Bevölkerung. Aber schon hat die flammende Entrüstung imposante Demonstrationen versucht. Sozia: listen, Radikale und Leute, die keiner Parteipolitik, sondern nur der Erbitterung über so tief tief verletzte Humanität folgen, waren zum Grabe Frezzi's gewandert. Mit gefälltem Bajonnet stürmten die Karabinieri über den Friedhof, um die Menge auseinander zu treiben. Man sammelte sich wieder und demonstrirte trotzdem an anderer Stelle. Es wird nicht mehr angehen, die Sache hinauszuschieben und zu vertuschen. Das Bolt wird nach Wahrheit schreien, stets aufs neue nach Wahrheit. Alpha. Kleines Feuilleton. $ Ueber die sogenannte ,, Freiland Kolonie" in Venezuela werden seit einiger Zeit von Philadelphia aus die rosignen Schilderungen verbreitet. Wie es in der Kolonie" wirklich aussieht, darüber erzählt Ignaz Goldenberg, der in Venezuela gewesen, im " Freidenker" folgendes: Erwähnen wollen wir noch, daß auf dem Schiffe eine ziemlich weitgehende sozialistische Ordnung existirte; die Arbeit war natürlich getheilt; denn die mit den magnetischen, meteorologischen, astrono mischen Beobachtungen Betrauten konnten selbstverständlich nicht zu gleicher Zeit den Dienst eines Maschinisten oder Koch versehen. Waren aber unvorhergesehene oder nicht ständig auszuführende Arbeiten zu verrichten, wie Kohlentrimmen oder Befreien des Schiffes aus Schnee und Eis, so mußte jeder Mann an Bord, auch der Führer der Expedition nicht ausgenommen, in gleicher Weise heran. Die gesellschaftliche Achtung, die jeder Theilnehmer der Fahrt bei den Gefährten genoß, war in keiner Weise von der Art seiner Arbeit, sondern lediglich von seinen persönlichen Eigenschaften abhängig. Die Arbeit jedes einzelnen war eben Ganzen nothwendig und wurde daher ebenso bewerthet, wie die aller andern. Die vollständige Gleichheit in allen Rechten hielt Nansen für unbedingt nothwendig, wenn die freudige Stimmung unter den Leuten, die zum Gelingen einer solchen Expedition nöthig ist, erhalten bleiben follte. Man kann darin ein kleines Vorbild eines Gesellschaftszustandes sehen, in dem jede nothwendige Arbeit mit gleicher Freudigkeit verrichtet wird. Bt. Aus dem Thierleben. W Der Kuckucks Instinkt der amerikanischen Ruhvögel( Molothrus- Arten) fann, wie Widmann in Science ausführt, mit der Gewohnheit, dem Heerdenvieh das Un geziefer abzulesen, in einen gewiffen Zusammenhang gebracht und wahrscheinlich von demselben hergeleitet werden. Daß Daß die Regierung von Venezuela jedem Mann, der sich der die Kuhvögel den letzteren Instinkt nicht erit feit der EinFreiland Kolonie anschließt, bei seiner Ankunft 120 Franken als Reisekosten bezahlt und ihn von Carracas aus auf Kosten der Re- führung der Viehheerden durch den weißen Mann angenommen gierung nach Freiland befördert, ist eine Lüge, denn die venezuelanische haben, wird schon dadurch erwiesen, daß die Indianer ihnen einen Namen geben, welcher Büffelvogel bedeutet, woraus Regierung hat gar kein Geld. Die Regierungstassen sind leer Ich habe mit dem Präsidenten Crespo und allen seinen Ministern gesprochen und hervorgeht, daß sie schon die Heerden der nun aussterbenden ausgefunden, daß kein wahres Wort an allen Versprechungen ist. Büffel begleiteten, und ebenso ist es wahrscheinlich bei den In der bezeichneten Gegend ist überhaupt kein Land für die„ Frei- Heerden des schon vor Entdeckung Amerika's ausgestorbenen Frei- ferdes der Fall gewesen. Es geht dies daraus hervor, daß länder" zu haben, da die besten Ländereien schon seit Jahren ver einige südamerikanische Kuhvögel ähnliche Instinkte besigen. fauft und von den reichen Eingeborenen in Besitz genommen sind. Die Kuhvögel haben gleich allen anderen Icteriden ihren Blos ganz steile Gebirge und tiefe Abgründe find noch nicht in Berbreitungsmittelpunkt in Südamerika und von den zwölf Besitz genommen, und dort tann fein Mensch existiren. bekannten Molothrus- Arten kommen nur drei in den Vereinigten Von Sozialismus auch nur zu sprechen, würde zur Folge Staaten vor. Nicht alle diese südamerikanischen Arten legen ihre haben, daß die betreffenden wie tolle Hunde gehegt Gier, gleich den nordamerikanischen, in fremde Neſter, wie die würden. Diejenigen, welche sich durch die Versprechungen Rudude; von M. badius aus Argentinien, Baraguay und Bolivia zur Reise dorthin verleiten ließen, müssen verhungern, weiß man genau, daß er gleich anderen Vögeln Nester baut und wenn ihnen feine Unterstügung geschickt wird. Es ist eine aus 8 Köpfen bestehende Familie aus Deutschland und zwei Männer feine Jungen selbst aufzieht, und ebenso ist es bei dem schwarzen Ruhvogel( M. ater) beobachtet worden. Bei manchen anderen Arten dorthin gekommen, und wenn diesen Leuten nicht aus ihrer Heimath tennt man die Brutpflege noch nicht. Wahrscheinlich erwarben die Hilfe kommt, dann müssen sie in Carracas verhungern. Sieben Amerikaner, die ebenfalls in der Absicht, sich der Kolonie an- Ruhvögel ihren Heerden- Instinkt in der Zeit, als von Alaska bis Batagonien große Pferdeschaaren über weite Gebiete umherzuschließen, nach dort tamen, haben bereits um Unterstüßung nach Hause geschrieben. Mich kostete die Reife 300 Dollar, aber ich bin schwärmten, deren von den Knochen des heutigen Pferdes nicht sehr verschiedene Reste massenhaft in den jüngsten geologischen Schichten jetzt von Freiland" ganz und gar geheilt und möchte jeden rathen, Amerika's gefunden werden. Da diese Heerden nun in beständiger die Idee einer freiländischen Kolonie aufzugeben." Wanderung nach guter Weide, Wasser und Obdach begriffen waren, auch weite Jahreszeiten- Wanderungen unternahmen, um bessere Weide und Schutz vor periodisch auftretenden Feinden zu gewinnen, Fridtjof Nansen. In Nacht und Eis. Die nor und da die Heerdenvögel ihre Nahrungsspender begleiten mußten, wegische Polarexpedition 1893-1896. Leipzig, F. A. Brockhaus. so konnten sie nicht in der Nähe der eigenen Nester bleiben und 20 M. Das Werk, in dem Nansen die Schicksale und Ergebniffe mußten versuchen, ihre Eier in fremden Nestern unterzubringen. der von ihm geführten Polarexpedition ausführlich beschreibt, liegt Der Instinkt, Nester zu bauen und selbst zu brüten, mußte bei so jetzt vollständig vor. In dem zweibändigen, mehr als 1000 Seiten von Wanderthieren abhängigen Vögeln schließlich ganz verloren flarken Buche wird zunächst eingehend der Plan der Reise erörtert, gehen, als sich diese Fortpflanzungsart bewährte.-( Prometheus".) die erst an der sibirischen Küfte entlang und dann öftlich von den neusibirischen Inseln nach Norden gehen sollte; mit einer im Eise von ihm vorausgesetzten Strömung hoffte Nansen über die nördlichsten Gegenden in der Nähe Das Athmen verwundeter Pflanzen. des Boles hinweggetrieben zu werden und in offenem lebende Pflanze athmet, gleichwie das Thier, d. h. sie nimmt aus Meer nach der Ostküste von Grönland oder nach Spitzbergen zu der atmosphärischen Luft Sauerstoff auf und scheidet Kohlensäure tommen. Es ist bekannt, daß dieser Plan, deffen Ausführung die aus. Dieser Prozeß geht Tag und Nacht vor sich und zeigt sich erfahrensten Polarforscher für vollständig unmöglich und geradezu besonders start bei lebhaft wachsenden Pflanzentheilen, so bei sich Literarisches. Aus dem Pflanzenleben. Jede 384 Technisches. entfaltenden Blüthen und ganzen Blättern; sehr energisch ist der Athmungsprozeß bei Keimpflanzen. Mit diesem Vorgange ist eine mehr oder weniger bedeutende Erhöhung der Temperatur verbunden. Eine neue Entdeckung auf dem Gebiete der Es lag der Gedanke nahe, daß bei verwundeten Pflanzen eine Porzellanerzeugung. Die Sächs. Arbeiter- 3tg." schreibt: Steigerung der Athmung eintrete, ohne daß hierfür bisher ein In den jüngst verfloffenen Tagen ist Dresden der Schauplatz einer exakter Beweis vorlag. Nun hat Richards durch zahlreiche Er- Wiederentdeckung für Porzellanerzeugung geworden. Das neue perimente und Untersuchungen im Pfeffer'schen Institute zu Leipzig Porzellan weicht in seiner Beschaffenheit von dem Meißener den Nachweis geliefert, daß verwundete pflanzliche Organismen ab. Es läßt sich nämlich bearbeiten und eignet sich deshalb thatsächlich stärker athmen, als intakte. Er brachte an Rüben, mehr als dieses zu Industriezwecken. Ift daher auch in Kartoffeln und anderen Objekten Verletzungen an und konstatirte erster Linie bestimmt, der bereits hochentwickelten österreichisch eine beträchtliche Zunahme der Athmung, welche im Laufe von zwei ungarischen Müllerei zu dienen, dann der Keramik, Farben- und Tagen ein Maximum zeigte und mit dem allmäligen Heilungsprozesse der chemischen Industrie, der Elektrotechnik, der Knopf- und wieder abnahm. ( Umschau".) Stopfenfabrikation, der Wandverkleidung, der Bedachung, der Kanalisation, des Wegebaues u. a. m. Geographisches. Humoristisches. " - Robinson's Eiland. Im Jahre 1574 hat der Die erste Dampfmaschine im Ruhrbezirke traf spanische Seemann Juan Fernandez, der den Dienst zwischen im Herbst 1797 auf dem damaligen staatlichen Salzwert Königsborn Balparaiso und Callao verfah, die Insel entdeckt und ihr seinen aus England, wo sie in Ermangelung deutscher Maschinenfabriken Namen gegeben. Die neue Insel wurde Fernandez überlassen; er erbaut worden war, ein und wurde im Frühjahr 1898 in Betrieb führte Vieh, Ziegen und einige europäische Pflanzen nach der Insel gefeht. Sie diente dazu, das Soolwaffer aus einem neuen, 379 Fuß ein, aber nach seinem Tode wurde die Jusel verlassen und wurde tiefen Bohrloch zu pumpen. Es enstand aus Nah und Fern eine die Zuflucht der Seeräuber. Im Jahre 1675 landete Antonio de Art Bölferwanderung nach Königsborn, da jeder das Wunderwerk" Vea auf der Insel eine Meute Hunde, die die Ziegen zerfleischen sehen wollte. Die Maschine, welche im Laufe der Zeit wiederholt und die Seeräuber dieser Hilfsquelle berauben sollten. Der Plan umgebaut wurde, ist heute noch im Betrieb. Die Anschaffung der scheiterte. 1741 nahm Admiral Anson, der die spanischen Maschine, deren Transportkosten fast ebenso groß waren, wie der Kolonien verwüsten sollte, von der Insel Besitz. Spanien Kaufpreis( die Höhe desselben ist leider nicht bekannt), wurde durch sandte gegen ihn Antonio de Ulloa aus und besetzte den damaligen Leiter des westfälischen Bergbaues und Salinenund befestigte die Insel in den Jahren 1743 und wesens, den späteren Minister Frhrn. v. Stein, angeordnet. Die 1744. Einige Jahre später wurde das Fort Saint Jean zweite Maschine, welche im Ruhrbezirk zur Anwendung gelangte, Baptiste durch ein Erdbeben zerstört, immer wieder aufgebaut, aber fam gleichfalls von England und diente zur Wasserhebung auf einer endgiltig durch das Erdbeben von 1835 zerstört. Buletzt haben die Kohlenzeche des Frhrn. v. Romberg bei Dortmund. Spanier die in dem Unabhängigkeitstrieg gefangenen chilenischen Patrioten nach dieser Insel verbannt. Es giebt zwei Inseln Juan Fernandez, beide auf derselben Parallele, 34 Grab Breite und bei 81 Grad und 88 Grad westlicher Länge gelegen; sie werden mas á tierra" und„ mas á fuera" bezeichnet( mehr nach dem Lande zu und mehr nach außen). Von der ersteren Insel ist hauptsächlich die Rede. Auf ihr lebte der englische Seemann Alexander Selkirk ( Robinson Crusoe). Eine Gedenktafel trägt folgende englische In schrift: Bum Andenken an den in Largo in der schottischen Graf: schaft Fife geborenen Seemann Alexander Selfirt. Er hat auf dieser Insel vier Jahre und vier Monate in vollständiger Einsamkeit gelebt. Er wurde ausgeschifft durch die Galeere„ Cinq Ports" im Jahre 1704 und wurde wieder aufgenommen am 12. Februar 1709 durch das Kaperschiff„ Duke". Er starb als Lieutenant des Weymouth" im Jahre 1723, 47 Jahre alt. Diese Gedenktafel wurde bei der Sternwarte Selfirt's von dem Kommandanten Povell und von Offizieren des Topaze" im Jahre 1868 angebracht." Die chilenische Regierung hat wiederholt die Inseln Fernandez unentgeltlich zur Ausbeutung überlassen, aber niemand hat dort sein Glück gemacht. Die einzige Hilfsquelle ist der Krebsfang und die Züchtung der Ziegen. Die Erdoberfläche ist ungünstig. Nur die Bucht Cumberland hat eine Ebene, welche die Kolonisten insgesammt 57 Jegt will die chilenische Regierung auf der Insel eine Verbrecherkolonie errichten. " bebauen. Medizinisches. " lichen!" " " " Des municchi, verbot jüngst die Aufführung der Favoritin" von Höfifcher 3artsinn. Der Präfekt von Turin, Graf Donizetti, die zu Ehren des gerade in Turin weilenden italienischen Königspaares im töniglichen Theater stattfinden sollte. Um etwaigen falschen Ansichten über den sonderbaren Einfall des Herrn Präfekten vorzubeugen, hat die" Tribuna" die wahre Geschichte des Verbots aufgedeckt. Graf Municchi sitt in seinem Arbeitszimmer, und sein alter Diener, der nur den Fehler hat, zu sehr für Musik zu schwärmen, führt die Besucher herein. Der Direktor der„ KönigSoll eintreten!" erwiderte der Graf. Alles in Vorhänge feuersicher? Kulissen ge= Ordnung, Herr Direktor? prüft? Die" Favoritin" also? Schön!" Der auf der Schwelle stehende Diener hört das Wort Favoritin" und, von einer musikalischen Erinnerung erfaßt, singt er leise: Des Königs Favoritin. Graf Municchi springt auf: Was ist das? Was sagst Du da?" Verzeihung, Herr Graf, mir fiel eben eine Arie aus der Favoritin" ein." Weiter, weiter!" ruft der Präfekt. Eine Hand auf die Brust legend und die andere weit ausgestreckt haltend, tritt der Diener vor und singt mit einer ergreifenden Baritonstimme:" Dell' oltraggio che scende sul capo del Re!"( Der Schimpf, der herabsteigt auf des Königs Haupt.) Der Präfett erhebt sich:" Genug, ich verstehe!" und zum Direktor gewendet Herr Direktor, alles, was Sie wollen, nur die Favoritin" nicht."„ Aber Sie - Die Koch'sche Heilmethode und die Rinder- ruiniren mich, Herr Präfett!"-" Keine Widerrede.( Zum Diener): pest. Das Londoner" Echo" schreibt: Die legten vom Kap ein. Sing' noch einmal." Der Diener( diesmal im tiefsten Baß): getroffenen Nachrichten bestätigen, daß sich die Koch'sche Heilmethode Königs Favoritin!" Der Präfett hält sich die Ohren zu und für die Rinderpest nicht bewährt hat. Nicht nur von vielen Orten schreit:" Genug, genug! Es geht nicht, Herr Direktor, verstanden? im Transvaal und im Oranje Freistaat, sondern selbst jenseits des Durchaus nicht. Finden Sie etwas Anderes." Der Direktor zeigt Kordons in der Kap- Kolonie tommen Meldungen, daß geimpftes heimlich dem Diener die geballte Fauft und schleicht geknickt von Rindvieh in Menge gefallen ist. Es scheint also, daß es kein dannen. Nach zwei Stunden tommt er wieder, in Schweiß ge Mittel giebt, der Verbreitung der Seuche über die ganze Rap- Kolonie badet, drei Telegramme in der Hand haltend:„ Herr Präfeft, wir und Natal zu steuern. Der Oberthierarzt der Kap- Kolonie betrachtet tönnen" Rigoletto" geben- das geht doch?" Der Präfekt, die Impfmethode als werthlos. Er berichtet, daß in Herschell zögernd und den Diener anschauend:" Ich sage nicht nein. 2000 Stück Vieh geimpft worden und 400 davon gefallen sind. In Der Direktor: Besten Daut, Herr Präfekt." Schreitet seelenLady Grey find 3000 Stück Vieh geimpft worden, ohne daß die An- vergnügt der Thür zu, bleibt aber plöglich wie gebannt stehen, als steckung verhindert wurde. In Barrington find 43 von 118 nach er den Diener„ brummen" hört: Höflinge, feiges, elendes Bolt!" der Koch'schen Methode geimpften Stück Rindvieh an der Rinderpest Der Präfekt springt auf:" Einen Augenblick! Was ist das?" Der erkrankt. Selbst die eifrigsten Bewunderer der Koch'schen Methode Diener, bescheiden:„ Eine" Arie aus Rigoletto". Der Präfekt: bedauern, daß Professor Koch von Südafrika abgereift ist, ohne daß Also wieder eine Anspielung. Es ist nichts mit Rigoletto", Serr vorher die Wirkung seines Heilverfahrens erprobt worden. Direktor." Dann darf ich woh!„ Ernani" geben?" Der Diener, mit schrecklicher Stimme:" Ich bin der Schatten eines Königs!" Der Präfeft ist mit einem Sag in der Mitte des Zimmers und schreit: Der größte Silberklumpen, der je in einem Berg Willst Du wohl aufhören mit diesen Beleidigungen!? Was singst werke gewonnen wurde, ist im vorigen Jahre in den sogenannten Du da?" Der Diener, rubig:„ Eine Stelle aus„ Ernani". Der Smuggler- Gruben" zu Aspen in den Vereinigten Staaten gefunden Präfett pflanzt sich dem Direttor gegenüber auf, der noch im Zweifel worden. Die Bergleute stießen daselbst bei ihrer Arbeit auf einen gewaltigen Erzklumpen, der sich bei näherer Besichtigung und ist, ob er den Diener erwürgen oder lieber zum Fenster hinauswerfen foll:„ Mein Herr, wenn Sie noch einmal so etwas vorschlagen, Prüfung als ein Block des reinsten Silbers darstellte. Erst nach lasse ich Sie wegen Ruhestörung einsperren! Mich?"-„ Ja, beträchtlicher Mühe und Arbeit gelang es endlich, diesen riesigen Sie!" -Aber was wollen Sie von mir? Kann ich etwas dafür, ,, Nugget"( wie der Fachausdruck für die gediegen vorkommenden Edelmetallmaffen lautet), der ein Gewicht von 1650 Kilogramm und daß im ganzen Opernspielplan gekrönte Häupter die Hauptrollen Der Diener mit ent spielen? Bleibt mir nur noch" Macbeth". fehlicher Baßstimme: Ermordet wurde König Duncan!" Was num folgte, weiß man nicht genau. Der Direktor soll sich auf den Diener gestürzt haben aber die Favoritin" blieb verboten. V Bergbau. E3 einen Werth von etwa 144 000 m. hatte, zu Tage zu fördern. ist dies das größte Stück reinen Silbers, von dem man jemals gehört hat, und stellt den vor einigen Jahren in den„ Gibson- Werten" gefundenen Silberklumpen von 150 Kilogramm, der bisher als der größte galt, vollständig in den Schatten. " " " Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin.