Hlnlerhaliungsblatt des vorwärts Nr. 100. Freitag, den 21. Mai. 1897. lNachdnick verboten.) sei Ein nlkev Stvvik. Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre von W i l h e l m i»i e v. H i l l e r n. Wiltrand schnellt empor. Sie ist»vie verwandelt. Ein eiserner Trotz liegt auf ihrer Stirn. Ihre Brauen sind drohend zusammengezogen. Eine gewaltige Bewegung verräth sich in ihrem Wesen— „Ich muß niir wiederholt jedes exzessive Benehmen als unstalthaft verbitten!" sagt der Pfarrer, einen Schritt zurück- tretend und richtet sich zu seiner vollen Höhe ans.„Ich thue meine Pflicht, wie sie mein Amt vorschreibt, nicht mehr und nicht weniger— das könnte man nachgerade von mir wissen. — Und nun aber ernstlich: Adieu!" Wiltrand verläßt das Zimmer. „Das hat amal lang gedauert— der arme Herr Pfarrer— sagt Fräulein Louis', als sie die Versicherung am Schloß der Hansthür öffnet. Wiltrand würdigt sie keines Blickes. Auf der Straße rennt sie an jemand an— eine breite Brust hält ihrem Anlauf stand— ein unbegreifliches Gefühl überströmt sie dabei— aber so schnell läuft sie, daß keine Zeit für ein Wort ist. Erst in einiger Entfernung kommt es ihr zum Bewußtsein, daß es Lenz war, daß er ihr nun staunend nachblickt. So erreicht sie die Mühle, und als sie ins Zimmer tritt, wo die friedliche Leiche und der treue Kamerad Steub ihrer harrt, sinkt sie schluchzend zusammen. Lange kann sie nicht zu Athem kommen, ihr Herz hämmert, daß nian's von weitem hört. Und als sie endlich ivicder ruhiger geworden, verfällt sie in ein tiefes Brüten. Erst gegen Mittag erzählt sie dem Freund, was ihr widerfahren.— Der ballt die Faust nach dem Pfarrhof zn. Aber, was kann das alles helfen: Sebald, der Heilige, Reine, dessen Seele im Himmel ist, wie der Himmel vorher in ihr war,— wird hinter der Kirchhofsmaner, auf dem „Wasen" liegen, dem Tummelplatz der Hunde.—„Und i sag' Dir, Steub, es g'schieht nit— es kann und darf uit g'schehn!" „Arme Trandl, was willst denn machen?* „Dös weiß i nit— i weiß nur, daß i's nit dnld', nie und nimmer— und wenn's mich mei Leben kost!" „Geh, sei g'schcit, gegen die G'walt laßt sich nix thnn!" „Wer weiß! I bin nit umsonst in der Hadererschul g'wejen—'s ivird mir schon ivas cinsallcn."— Und wieder versinkt das gefolterte Geschöpf i» ein stummes Grübeln, das dem Steub unbegreiflich und beängstigend ist. „Der Doktor war da, derweil Du fort warst." „So, was hat er g'sagt?" Den Todtenschein hat er ansg'stcllt, und dadrüber könnst Dich beruhigen, der Sebald hätt' doch nicht länger g'lebt, wann er auch nit im G'fänguiß g'wese» wär'." „Wirklich? O Gott, doch wenigstens e i n Trost, daß dös nit d' Schuld ist!" sagte sie erleichtert aufathmend.„Dn, Steub, Dn mußt jetzt ans d' Wasserschcid', der Wirth braucht's Pferd. Dn hast's g'sehen, ivas für a Unglück d'rans ent- staildcn ist, daß sie's nit g'habt haben, um dem Tenner nach- z'fahren." „Gönnen ivir ihm die Ruh'," sucht Steub sie zu trösten. „Nein, Strub, d i e Ruh', die sich a Selbstmörder erkauft, könne» wir nit»nserm Feind gönnen. I weiß wohl, der Tod ist's gröhte Unglück»it— aber f o a Tod— der ist's. Jede andre Süiid kann ma dnaß'n, iveil ma noch lebt, aber die nit, denn mit der ist alles ans!" „Trandl, er hat's im Irrsinn'than, der Doktor hat's g'sagt,— der hat'n sekzirt— da kannst'? ihm verzeihen." „Und nachd' müss'n ma noch erst'n Herrn Pfarrer frag'», ob ma dös dürfen!" murmelt Wiltrand mit bitterem Hohn. „Trandl, jetzt iverd' mir nur nit Du auch noch tiefsinnig," sagt Steub besorgt. „Sei ruhig!'n Augenblick war's mir beim Pfarrer dadriu, als wär' alles brachen in mir,— aber nacher Hab' i g'spnrt, daß es doch nit so ist. Geh' jetzt, spann ein und sag' dein Wirth'n schönen Grnß von sei'm Angentrost, der sich bal' selber nimmer z' trösten und z' helfen weiß!" „Also i geh', aber heut' abends komm' i doch wieder!" „Rein, dös darf nimmer sei. Dadrin hat der Pfarrer scho recht— es schickt sich uit, daß a lediger Bursch bei'n ledige» Madl im Haus schlaft." „Dös braucht's auch gar nit.'s ist ja der schönste Sommer. I Hab' scho oft weg'» ra Haberersach' im Winter ganze Rächt' im Freien zubracht, warum nit tvcgen Deiner?" Ohne eine Antwort abzuwarten, geht er in de» Stall, spannt ein und fährt lustig mit der Peitsche knallend davon. Denn solch' ein junges Blut trauert nicht lang und mitten in der Umgebung von Tod und Schmerz freut es sich seines Lebens. Wiltrand ist nun allein— sich selbst überlassen. Un- ablässig arbeitet ihr empörter Geist, eine Möglichkeit zu finden, das Furchtbare abzuwenden, das nicht geschehen darf. Tmisenderlci Pläne gehen ihr durch den Kopf.— Aber nach und nach gewinnt ein Gedanke Gestalt,— ein düsterer, wunderlicher Gedanke! Manchmal prüft sie sich selbst, ob sie nicht wahnsinnig ist, daß ihr so etwas ein- fällt? Dann wiederholr sie alles, was sie in der Schule gelernt und in der Christenlehre. Und was ihr Vater mit ihr gesprochen und ivie dies und jenes war,— nur«m sich zu überzeugen, daß ihr Gedächtiliß noch i» Ordnung sei. Es versagt ihr nicht den Dienst, also ist auch dieser Einfall keine Ausgeburt eines erhitzten Geblüts! Rein, nur Liebe für den Bruder ist's,— und Trotz gegen den, der ein hartes Gesetz unbarmherzig ausübt!— Aber fremdartig schaut der Plan sie an, wie die Augen des nnglückliche» Teuner sie heute Nacht anstarrten. Tenner gehörte bereits dem Tod und deshalb graute ihr vor ihm, wie vor etwas Unnatürlichem. Ebenso gespenstisch erscheint ihr auch der Entschluß, der in ihr reift. Ehrwürdige Geister steigen vor ihr ans und rufen ihr zu:„Wiltrand, was willst Dn thnn? Heilig ist der Friede des Grabes!" Sie schauert zusammen, wie eine Verbrechcriu vor sich selbst. Stunden gehen hin in schiverem Kamps. Aber die Liebe siegt. Und gilt sie anch einem Todten— die Liebe ist lebendig, vor ihr weichen alle Gespenster.„Rein, nein, Tei Trandl laßt Dich nit in nug'weihter Erd' liegen. Du guter Engel Du! Werd' draus, was will!" ruft sie ent- schloffen. Da klopft es an die Thür und ein paar alte, arme Vcr- wandte kommen, dem Todten's Weihwasser zu geben, sonst traut sich niemand heraus— iveil er nicht christlich begraben wird und— wegen dein Herrn Pfarrer! Als am Abend Steub zurückkommt, findet er Wiltrand auffallend verändert.—„Du kannst mich droben schlafen, es ist mir alles eins," sagt sie, als wäre sie mit ganz anderen Dingen beschäftigt, gegen die alle kleinlichen Rücksichten verschwinden. Steub betrachlct sie verwundert. ,J weiß nit. Du kommst mir heut Abend so groß vor. machl's die Dunkelheit da im Hansgang? Grad als wärst noch g'wachseu. Bist doch a g'waltige Dirn!" »In, ja.'s gibt an g'waltige Arbeit im Leben, wo nit a jed's thnn könnt." Sie spricht es mit einem so seltsamen Ans- druck und geht so langsam und schleppend vor Stenb her in» Zimmer, daß der Bursch kopfschüttelnd sagt:„Dn machst ja a G'sicht. als hätt'st wieder'n Geist g'sehn, oder als wär Dir's nit wohl?" „Doch, doch—'s wird alles recht werden,— der liebe Gott wird mir beistehen,»nei'm unschuldigen Bruder z' lieb, daß i's vollbring." „Wiltrand, was hast im Sinn?" .Frag' mich nit.— Ich muß noch mit mir zu Rath gehen, ob's recht ist?" Sie stützt den Kopf i» die Hand und bleibt wieder in Nachdenken versunken. „Darf i Dir nit helfen?" „Nein, wenn i's lhu, dann thu' i's allein. I will kein Mitschuldigen haben!" „Da weiß ma gar nit, was ma denken soll. Wiltrand-- mir ist angst um Dich!" „Geh jetzt in Dei Kammer und red' nimmer— es hilft Dich doch nix!" Steub gehorchte scheinbar. Doch es läßt ihn oben nicht ruhen. Auf leisen Sohlen schleicht er wieder herunter und durch den Stall, wo Teuner gestern seinen Weg genonnneu baben mochte, hinaus.— Er kann von draußen leicht durch's Fenster hereiusehen und Wiltraud überivachen.— Aber seine Sorge war unnütz. Sie sitzt die ganze Nacht regungslos bei der Leiche. Als es tagt, steht sie von dem Schemel auf und geht an ihr gewohntes Tagewerk.— Steub ist zufrieden, er hat sich überzeugt, daß sie nichts Gewaltsames vorhat,— so kann er sie ruhig verlassen. Denn heute ist Samstag, wo abends die Haberer auf der Wasserscheid zusammenkommen, da möchte er nicht fehlen, wenn es irgend geht. Den Tag über beobachtet er Wiltraud noch scharf. Er bittet sie ganz gegen seine sonstige bescheidene Art um Frühstück und Mittag- essen— und belauscht ihr Hantiren. Sie macht alles so pünktlich und gelassen, als gäbe es nichts Wichtigeres in dem Augenblick.— Sie scheint sich alle die aufgeregten Gedanken aus dem Kopf geschlagen zu haben.— Auch als der Doktor zur zweiten Todtenschau kommt, findet er sie»merkwürdig gefaßt". Der Nachmittag ist vorüber und die schwere Stunde rückt heran. Wiltraud hat ihr schwarzes Gewand angethan und steht wartend neben dem Bruder. Leise, zärtlich flüstert sie ihm zu, als müsse sie den Todten wegen eines stummen Bangens be- schwichtigen:„Sei nur ruhig,'s dauert ja nit lang— nachcr kommst in Dei recht's Betl'l zum Vater,— da sind wir dann alle drei beisammen, wenn i auf Eurem Hügel bet' und nie» mand ahnt mei still's, heimlich's Glück!" Ein schwerer Schritt naht sich der Thür— es ist Gern- ming.„Mei arm's Kind!" sagt er ernst,„jetzt hat Dich das auch noch treffen müssen.— Ich komm', um unserm jungen Freund's Geleit zu geben—" „Dös ist brav, Herr Gemrning— und sieht Euch ganz gleich, daßt's Euch nit genirt, mit uns zun» Einscharren zu gehen,— dös thät nit a jeder!" Sie reicht ihm die Hand. Gemming sieht sie theiluehinend an. „Eben drum bin ich da. I denk', in so einer schweren Stund' sollt jemand bei Dir sein." (Fortsetzung folgt.) MakuvwiZsenfckzAftlirszo VundMzsu. (Messung tiefer Temperaturen: Lnftlberinoineler; Alkohol- thermoineter; Petrolälher; Therino-Eleinent. Enthält die Sonne Sauerstoff?) Die tiefen Temperaturen sind in der letzten Zeit zu ganz be» sondcrer technischer Bedentnug gelangt; seil man nach dein Linde- scheu Verfahren die Luft auf sehr bequeme Weise in erhebliche» Mengen flüssig mache» kann, werde» verschiedene Industrien, wie die Fabrikation von Eismaschinen nnd die sie benutzenden Brauereien, Brennereien, Paraffin-»nd Stearinfabriken und andere, eine er- hebliche Förderung erfahren. Die tiefen Temperaturen, um die es sich hierbei handelt, bei der Verflüssigung der Lust beispielsweise um 190 Grad Kälte, stellten die Frage»ach einer bequeme» Meffnng derselben wieder in den Vordergrund. Bis vor kurzein war das einzige hierzu geeignete Instrument das Lusttherniometer. Bei dein gewöhnlichen Quecksilberthermomkler ivird das Volumen einer Qnectsttbermasse bei der Temperatur des schmelzende» Eises und der des siedenden Wassers festgestellt, und der Nnterschied der beiden in 100 gleiche Theile gelheilt. Dehnt sich »nn das Quecksilber infolge zunehniender Wärme»»> eine» solchen Voluincntheil aus, so sagt man, die Teinperatnr hat sich inn eine» Grad erhöht, und ebenso spricht man von der Erniedrigung der Temperatur um einen Grad, ivenn das Onecksilber sich um eine» solchen Volumentheil zusaininenzieht. Sinkt die Temperatur unter diejenige des schinelzenden Eises, den sog. Nullpunkt, so spricht man von Kältegraden und bezeichnet sie durch das Zeichen— (minus). Das sehr bequeme Q>iecksilber>Therino»>cter kann man aber nur bis etwa zu— 3S Grad benutzen, da dei einer solchen Kälte das Quecksilber fest ivird, gefriert, und sich dann bei weiterer Abkühlung nicht mehr so stark zusammenzieht als vorher. Deshalb benutzte man zur Messung lieferer Temperaturen die Znsammenziehung der Lust oder eines anderen sehr beständigen Gases, z. B. des Wasser- stoffes. Hierbei hat man eine bestiniinte Luftmenge in einem Raum, etwa einer Glaskugel, abgeschlossen, der mit einer vertikalen lltöhre in Verbindung steht, in welche man Quecksilber hineingiesit und so die Luft von der äußeren Atmosphäre absperrt. Bei Erhöhung der Teinperatnr dehnt sich die Luft aus und drückt das Quecksilber in der Röhre etwas empor; indem man noch mehr Quecksilber hinein- gießt, kann man die Luft wieder auf den vorher von ihr ein- genommenen Slam» zusammenpressen. Sie steht dann freilich unter einem größere» Druck, der eben durch die Höhe der zusammenpressenden Quecksilbersäule gemessen wird. Da zwischen dem Druck nnd der Temperatur eine bestimmte Beziehung besteht, so kann man aus dem gemessenen Druck die Temperatur mit Leichlig'eit bestimmen. Bei zunehmender Abkühlung zieht sich die Luft zusammen und das Quecksilber dringt in einen Theil des vorher von ihr ein- geiioimneiieii Raumes; damit die Luft sich wieder bis auf ihr srühercs Volume» ausdehnt, läßt man etwas Quecksilber durch einen am Boden befindlichen Hahn ausfließen, so daß die Quecksilbersäule in der Röhre»nd der Druck, unter dem die Luft steht, sinkt, bis die Luft wieder den vorher von ihr eingenommenen Raum aus- füllt. Aus der beobachteten Erniedrigung des Druckes kann man dann wieder die Erniedrigung der Temperatur berechnen. Immerhin ist das Lustthermometer ein koniplizirter und»m- ständlich zu handhabender Apparat, und es ist erklärlich, daß man ein bequemes Flüssigkeitslherinometer, in welchem die Temperatur durch Beobachtung des Standes der Flüssigkeit abgelesen werdeil kann, bei weitem vorziehen würde. Seil kurzem werden in Berlin Alkoholthermometer in de» Handel gebracht, deren Skala durch Ver- gleichung des Instruments init einein Lnftlherniometer hergestellt ist, und die daher recht zuverlässig sind. Bis zu— 79 Grad sind seine Angaben von der physikalisch- technischen Reichsanstalt beglaubigt, also ganz sicher; doch auch seine weilersu Angabe» bi? zu 120 Grad Kälte sind noch recht brauchbar. Für »och tiefere Teuiperatnre» war man freilich immer noch auf das Lustlherinouieter angewiesen. In neuester Zeit wiirden von den Physikern Holbor»»nd Wien in dem Liude'scheu Källelaboralorinm zu München mehr- fache Versuche bei tiefen Teniperalureu angestellt, und dabei in dem Gemisch von Kohlewasserstoffen, das den Nanicii Petroläther führt, eine Flüffigkcit gefunden, die selbst bei der Teinperatnr von 190 Grad Kälte, bei welcher die Luft flüssig wird,»och nicht erstarrt, sondern ihren flüssigei» Zustand beivahrt. Außerdem zeichnet sich die Flüssigkeit durch eine ziemlich große Volumänderung bei Teniperatuiänderungen ans, so daß sie sich für ein Thermometer sehr gul eignet. Quecksilber z. B. zieht sich bei der Abkühlung von 300 Grad Wärme(seiner Siedetemperatur, d. i. derjenigen, bei welcher es sich in Gas verwandell) bis zu seinein Gefrierpunkt, der bei 38 Grad Kalle liegt, also bei der Abkühlung um fast 100 Grad, nur um etwa V15 des von ihm eingenommenen Raumes zusaininen; Petroläther dagegen füllt bei 188 Grad 5iälte nur etwa 3/4 desjenigen Raumes, den es in der Nähe seiner Siede» temperatur, die bei 33 Grad Wärme liegt, einninnnt. Bei einer Temperatur-Erniedrigung um 210 Grad zieht es sich also »in V« seines Volumens, also etwa sechs bis siebennial so stark zusammen, als Quecksilber. Es scheint somit, daß man im Petroläther eine Flüssigkeit besitzt, mit der inaii auch die tiefste» bis jetzt erreichten Temperaturen bequem wird messen können. Ein anderer Weg zur bequemen Messung tiefer Teniveraturen liegt in der Benutzung der sogen, elektrischen Thermoströnie, den man in neuester Zeit ebenfalls beschritte» hat. Diese Slröme e»t- stehen in einer aus verschiedenen Dräbten bestehenden geschlossenen Leitung, sobald die Stelle», an denen die verschiedenartigen Drähte zusaininengelölhct sind, sich ans ungleicher Teinperatnr befinden; da die Stärke deS elektrischen Stromes von der Teinpernturdifferenz der Löthstellen abhängt, so kann man aus der beobackiteleu Stromstärke einen Schluß auf die Temparatnrdifferenz an den Löthstellen mache». Es ist dies eine sehr bequeme Methode, die hohen Temperaluren zuin Beispiel a» den verschiedenen Stellen einer nichr leuchtenden heißen Flamme zu messe». In dem Le Chalelier'schen Thermo- Element, das sür die Messungen namentlich benutzt wird, besteht der eine Draht aus Platin, der andere aus einer Legirung von Platin und Rhodium; dieselben sind zu einer feinen Spitze zusammen- geschweißt, die man sehr bequem an einzelne Stelle» der Flamme binbringen kann, sodaß die an den einzelnen Stelle» herrschenden Temperaturen recht genau ermittelt iverden können. Für sehr große Kälten erweist sich das Element in dieser Form als nicht sehr geeignet, weil die Platin- Rhodiumlegirnng spröde und brüchig wird. Man hat daher Versuche mit einem Thermo- Element aus Eisendrahl und Constantandraht angestellt; der letztere besteht ans einer Legirung von 60 pCt. Kupfer und 10 pCt. Nickel, die sich dadurch auszeichnet, daß ihr elektrischer Widerstand nur außerordentlich wenig von der Temperatur abhängt. Sowohl bei geivöhulicher Temperatur als in einein Genlisch von Alkohol und fester Kohlensäure bei 80 Grad Külte und in einem Bade von flüssiger Luft bei 190 Grad Kälte erwies sich das Eleincut als brauch- bar, so daß man in ihn» eine» bequemen Ersatz sür das Lnsitherino- Nieter gewonnen hat.— Durch die spektroskopische Untersuchung des Sonnenlichtes ist bekanntlich der Nachweis geführt, daß sich auf ihr eine Reihe von Elementen, die uns aus der Erde bekannt sind, als glühende Gase vorfinde». Das durch ein Prisma in ei» farbiges Speklruni ans- einandergezogene Sonnenlicht zeigt sich von vielen dunkele» Linien, den sogenannten Frnunhofer'schen Linien durchzogen, welche daher rühren, daß das Sonnenlicht durch eine Reihe glühender Gase hindurchgeht, durch die bestimmte Lichtarten stark absordirt iverden, so daß a» ihrer Stelle dunkle Linien im Spektrum erscheine». Diese Linien sind aber für die betreffenden Gase charakteristisch, so daß man viele Gase, wie Wasserstoff, Natriumdampf, Eiscndanipf u. a. aus ihnen hat feststellen können. Ei» auf der Erde sehr verbreitetes Elemeiit, das nia» in der Sonne bisher ver- geblich gesucht hat, ist der Sauerstoff, die eigentliche Lcbensluft, die wir zum Athmen brauchen, der einen Hauptbestandtheil unserer Alinosphäre ausmacht. Zwar zeigt das Sonnenspektrum zahlreiche Linie», die vom Sauerstoff herrühren; sie entstehen aber dadurch, daß der Sauerstoff unserer Luft ebenfalls Sonnenlicht absorbirt, und sind daher ein Zeichen von dein Sauerstoff der Erde, nicht aber der Sonne� Es erhellt das daraus, daß sie bei tiefem Stande der Sonne viel schärfer hervortreten, als bei hohem Staude. Wenn die Sonne in der Nähe des Horizontes steht, treffen ihre Strahlen sehr schräg ans die Erde und müssen daher die tieferen Schichten der Atmosphäre auf längerem Wege durcheilen, als wenn sie bei hohem Stande der Sonne fast senkrecht zur Erde fallen. Im ersteren Fall wird daher bedeutend mehr Licht von der Atmosphäre verschluckt, als in letzterem, weswegen die dunklen Linie» schärfer hervortreten müssen. Auch zeigte sich bei Beobachtungen ans dem Monlblanc-Observatorium, daß viele Linien mit zunehmender Höhe des Bcobachtungsortcs verschwinden, weil sie erst durch die Absorption des Sonnenlichtes in den untere», dichten Schichten der Atmosphäre entstehen. Vor kurzem veröffentlichte» die Physiker R u n g e und Pasche» i» einem Journal sür Astrophysik die Beobachtung, daß eine seit längerer Zeit bekannte dunkle Linie im Sonnenspcktrnin in Wirklichkeit ans drei sehr nahe beisammen stehenden Linien besteht, die genau mit einige» Sancrstofflinlen zilfaminenfallen, bieder glühende Sauerstoff in Geißler'schen Röhren zeigt. Ta die Stärke dieser Linien sich gleich bleibt, ob man das Sonnenspektrnm bei hohem oder tiefem Stande der Sonne beobachtet, so kan» man aus ihnen vielleicht den Schluß ziehen, daß auch Sauerstoff in der glühenden Gashülle der Sonne enthalten ist. Doch ist es nicht im- möglich, daß diese Linien von dem Sauerstoff in den obersten Schichten unserer Atmosphäre herrühren; der Beiveis, daß sie wirk- lich der Sonne angehören und diese somit auch Sauerstoff enthält, ist bindend bisher noch nicht geführt worden. Lt. Kleines Isenillekon- lieber eine» Silbcrfnnd von großer historischer Bedeutung, der kürzlich auf der Feldmark von Paatzig im Kreise Kammin ge- macht wurde, wird der„N. St. Ztg." berichtet: Der dem neunten bis zehnten nachchristlichen Jahrhundert angekörende Fund ist einer der größten Funde, die in Pommern gemacht worden sind; nur der Fund von Lupow läßt sich au Umfang und Größe annähernd mit demjenigen von Paatzig vergleichen. Der Paatziger Fund besteht theils aus Silbermünzen, tbeils ans silbernen Schmuckgegenstnndcu; die einen wie die anderen sind arabischer Herkunft und zur Slaven- zeit, ungefähr im neunten bis zehnten Jahrhundert, durch arabische Händler ins Land gebracht worden. Durch genaue Bestimmung der Münzen(meist sind es sogenannte Dirhems). deren Zahl mehrere Tausend beträgt, wird sich die Zeit des Fundes noch näher umgrenzen lasten. Die meisten Münzen sind zerschnitte«, entwedcr in zivci Hälften oder in vier Viertel oder auch in ganz unregelmäßige Stricke, eine Erscheinung, die auch bei anderen aus derselbe» Zeit erhaltenen Funden beobachtet worden ist. Offenbar hat man durch Zerschneiden der Dirhems, die etwa die Größe eines Einmarkstückes haben, dem Mangel an kleinerer Münze abzuhelfen gesucht. Die Schmuckgegenstände sind höchst mannigfacher Art: es finden sich darunter Halsringe, Spangen, Diademe, Ohrgehänge, Armringe, Broschen, Knöpfe und zahllose kleinere Gegenstände, die nur als Fragmente und zu sogenaunlem Hacksilber zerkleinert, er- halten sind. Diese Gegenstände sind entweder in Silber- filigran gearbeitet oder bestehen aus getriebenem Silberblech. Unter den Gegenständen der letzteren Art ist die reihenweise Darstellung von Pserdrköpfen als hauptsächlichstes Ornament ver- wendet. Unter den Stücken von Filigranarbeit ist besonders eine ziemlich vollständig erhaltene Brosche demerkeuswerth, welche in der Art ihrer Ausführung an nordische Arbeiten erinnert, aber doch auch wohl arabischen Ursprungs ist. Die Halsringe sind aus ge- flochtcnem Silderdraht hergestellt. Der gefammte Fund, welcher ein Gewicht von einigen zwanzig Pfund hat, befindet sich ans dem Musenni der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthnms- künde. Ein Tdeil ist von der Gesellschaft angekauft worden, der andere Theil ist von der Besitzerin des Gutes Paatzig, Frau Gräfin Flemming, dem Museum überwiesen worden. Jnlercstant ist auch die Art und Weise, wie der Fund entdeckt worden ist. Ein blinder Drehorgelspieler, der sich au dem Fundorte auf einem allen Stubben niedergelassen hatte und zum Zeitvertreib die Erde unter feinem Sitz mit den Fingern durchsurchle. fand die ersten Silberstücke und gab dadurch Veranlassung zur Ausfiudung des ganzen Schatzes.— Literarisches. — n. Jean de la Terre:„Magnetismus der Sünde". Berlin. Wilhelm Jßleib.— Scheint ihm kolossal imponirt zu habe» dieses sündige Svreebabel! Sogar in Treptow und Friedrichs- Hage» gewesen; sonst nur Studien in Kellnerinnenkneipcn gemacht. Allen crrn kenne» gelernt, selbstverständlich Rektor, alter Schwercnöther, guter «rl, heirathet junge Kellnerin,„zauberhaftes Wesen", allerdings schon Vergangenheit hinter sich. Rektor hübsche Tochter; durchgebrannt; Liebesgeschichte, Mutterfreuden ohne Standesamt. Böse Beispiele verderben lockere Sitten vollends! Junge Frau Rektor lernt Verführer der Stieftochter kennen, natürlich heimlich. Ziektor alter Bücherwurm gebliebe»;. nichts sür lebensfrohes Frauchen. Rendezvous Friedrichshagen; Waldeinsamkeit. Liebhaber plötzlich: „Ich will sterben, sterben!... Soll ich mich in die See stürzen (Müggelsee natürlich!) oder soll ich mich erschießen?— einen Revolver habe ich bei mir." Schießt. Natürlich daneben. Alter Frauenkeuner, ays solche Späße dressirt!„Das war gefehlt! Jetzt noch einmal!„Da stürzte Lotltie sich ans ihn, gab ihm einen Kuß und rief:„Liebste?) steh auf!" Kerl imponirt mir, Schwcrenöther, auf Ehre! Frau Rektor auf und davon; natürlich nicht allein, Revolverheld au ihrer Seile, Hamburg, Danipser„Fürst Bismarck". Amerika? Nein, Verhaftung. Beschützer 50 000 Mark Reisegeld mitgenommen; seine Chefs nicht einverstanden. Berlin, Gerichtsverhandlung, 1 Jahr Gesängniß. Rektor zerschmettert; Tobsucht, dann Reue, Einkehr. Verlorne Tochter nach Hause Freudeuthräue», Versöhnung, Wein und kalter Aufschnitt, Schwamm über die Ver- gangeuheit.„In dem altgewohnten Geleise des täglichen Lebens fanden Vater und Tochter allmälig ihre Ruhe wieder und sie lebten noch lange zusammen, da der Rektor ein sehr hohes Aller erreichte... Von LoUie(Kellnerin und Rektorin a. D.) hörte man nichts wieder."— Schade! Aber Geschichte noch nicht zu Ende, fängt eigentlich erst an. Rektor Neffen gehabt; seine Tochter Freundin. Neffe Student; dann Säufer geworden, mit Kellnerin zusammen- gelebt. Freundin heimliche Verhältnisse goutirt, beinahe Seele ver- darben. Zuviel böse Beispiele in Berlin; so Mode, alles verlumpt, verfault, moderne Zustände, Großstädte, Pecb und Schwefel darüber! Doch,— äh— Rettung, auf Ehre! Frische Landlnst, landwirthschaftliche Arbeit, plattes Land ewiger Jungbrunne»! Neffe und Freundin hineingetaucht und wie; besouders den Neffen! Herr von Lungwitz, Rittergutsbesitzer,„weder großes Vermögen, noch gut ausgebildeter Landwirth", aber schneidig, ans Ehre! Eigene Erziehungs- Methoden; fragen Sie Rektors Neffen!„lv mächtige Hiebe auf- gezählt" erhallen, beinahe von Doggen aufgefressen; Wirkung probat! Ordentlicher Kerl geworden, anstatt Schnaps nur noch Milch ge- trunken, keine Berliner Nachtlokale mehr besucht, abends 8 zu Bett, Freundin seiner Cousine gehcirathet, Gulsiuspektor geworden, Parole ausgegeben:»ax-se Berlm!» Jetzt, wirklich Schluß, auf Ehre!— — Der erste Band des„Dentsch-Chinesischen Industrie' Anzeigers" ist in der Reichsdruckerei druckfertig gemacht worden. Er wird schon in den nächsten Tagen im Verlage von Max Rößler in Bremen erscheinen, nach China versandt und dort zugleich um- sonst vertheilt werden. Die Uebersetzung haben der Gesandtschafls- sekretär der hiesigen chinesischen Gesandtschaft, Herr Ki»g-Gi»g-Tai, und Professor Dr. Arendt. Lehrer am hiesigen orientalischen Seminar, ausgeführt. Obwohl Herr Rößler den„Jndustrie-Anzeiger für China" gleichzeitig im Sommer 1895 mit dem für Japan angefangen hat, ist von dem„Dentsch-Japanischen Jndustrie-Anzeiger" bereits der dritte Band erschienen und der vierte schon im Satze. Auch dieser 3. Band ist, wie die beiden ersten, von dem in Berlin lhätigen japanischen Journalisten Kisak Tamai übersetzt und von Professor Dr. Lange, Lehrer am Orientalischen Seminar, durchgesehen. Er umfaßt über 100 Seiten, 116 anzeigende Firmen, und enthält neben zahlreichen Abbildungen von Maschinen und dergleichen zum ersten Male auch redaktionelle Artikel, unter andere» einen über die Entwickelung der deutschen Industrie nach englischen Urthcilen. Die japanischen Zeitungen nannten den Jndustrie-Anzeiger für Japan ein „Ehrendenkmal der deutschen Reichsdruckerei" und stellen ihn ihren eigene» besten Werken an die Seite.— Physiologisches. ».Argon i m B l u t. Es mußte großes Erstaunen erregen, als in unserer atmosphärischen Luft, deren Zusammensetzung so oft und von so hervorragenden Forschern untersucht war, plötzlich ein neuer Bestandtheil aufgefunden wurde, das Argon. Das Erstaunen über das lange Aerborgenbleiben des Argons steigerte sich, als man fand. daß dieses neue Element nicht nur in der Lust vorkommt, sondern auch au vielen anderen Orten, besonders in Heilquellen, deren Zusammensetzung übrigens ja auch vielfach bis zur Grenze der erreichbaren Genauigkeit durchforscht war. Nunmehr aber könnte es scheinen, als sei das merkwürdige Argon überhaupt fast all- gegenwärtig. In jüngster Zeit ist es wieder in einem ungemein iveit verbreiteten Körper ausgesunden, der. seitdem es eine analytische Chemie giebt, um so genauer und häufiger untersucht wurde, als dieser Körper und seine Zusammensetzung für uns selbst, für unser Leben und unser Wohlbefinden von der allergrößten Bedeutung ist, nämlich im Blut. Zwar ist am mensch- lichen Blute noch keine Untersuchung vorgenomnien worden, doch läßt die Thatkache, daß im Blute eines Säugelhieres Argon nach- gewiesen wurde, mit Sicherheit erwarte», daß dies in Bälde auch beim menschlichen Blute gelingen werde; das läßt sich daraus schließen, daß auch sonst in der Znsammensetzung des menschlichen und des Säugethierblutcs nur Unteischicde quantitativer Natur be- obachtet wurden. Die Physiologen P. Regnard und Th. Schlöstng fanden in 1 Liter Pferdeblnt 20 Kubikzeutimenter Stickstoff und 0,4 Kubikzentimenter Argon, und es wird nun die weitere Aufgabe der Physiologen sein, festzustellen, ob das Argon nur als werthloses Stoffwechselprodukt im Blule vorhanden ist, oder ob ibm irgend welche Aufgabe in der Erhaltung der Lebenslhätigkeit zugewiesen ist, und eventuell, welcher Natur die ihm zugewiesene Funktion ist.— Geologisches. is. Ein Dorf in Bewegung. Ans Monlanban, im Departement Tar»-et-Garonue, wird der Pariser Zeilschrift„La Natnre" gemeldet, daß das Dorf St. Pierre-Livro» bei Caylus in Bewegung «KVrtltjeu sei. DciS Dorf lic,it c.uf Felsl'ode», der noch dein Flnsse Bonuette hin nb«rhü»nt, durch eine Niitschmig dnden sich diele Felsen ni» etwa 100 Meter noch dein Flusse zu beivegt. 4 Häuser sind eingestürzt, der in der Nähe gelegen« Kirchhof ist zerstört, die Kirche bedroht. Die sttnlschnng dauert»och sort, alle Bewohner habe» das Dorf verlassen. i«. Erdbeben in Griechenland 1890. Nachdem Dr. Bapavasilion 1893 an dein Observaiorinin zn Athen eine Ablheilnng für Erdbebenforschung begründet und im Sommer 139Z eine» regel- niäsiigcn Beobachtungs- und McldnngSdienst in dem Gebiete des ganzen griechischen Reiches organinrt hat, werden von Athen ans monatliche Berichte über die i» Griccheulaud vorkommenden Erd« beben veröffentlicht. Diese Publikation beschloh mit der kürzlich erschienene» Ausgabe für Dezember 1890 ihren erste» Jahrgang. Ans deinselben geht hervor, dai> im Jahre 1890 in Griechenland iaSgcsammt 520 Erdbeben beobachtet wurde», d. h. etwa l'/e täglich, von diesen wurde» allein 800 auf der Insel Zante verspürt. Bergbau. — Di« Goldausbeute Australiens erreichte im letzten Jahr« die beispiellose Höbe von 2 875 000 llnzen. oder 10 000 Unzen mehr als 1895, über 850000 mehr als 1894 und 650 000 mehr als 1893. I» den Vereinigten Staaten ist die Zunahme ebenfalls bedeutend. Zwischen 1892 bis 1395 dehnte sich die britische Goldprodnklion von 1 000000 Unzen bis auf 2 250000 ans. Die reichhaltigen süd- afrikanischen Goldbergioerke zeige» gleichsalls«ine große Zniiahm« des Fördernngsqnantluiis. In der mit 1894 endigenden Dekade ver- doppelle sich fast die jährlich« Goldansbenle, d. h. von 5 100 000 ans 9 800 000 Unzen. Stach einer Schätzung beträgt die Gold- ausbeute der Erde seit 1492, als man die westliche Hemisphäre ent- deckt«, bis 1305 425 000 000 Unzen, davon prodnzirle die westliche Hemisphäre nahezu 200 000 000 Unze», oder etwa 70 pCt. feit 1840.— Technisches. — Eine Legirung für M e ß i» st r u», e n t e, die den donpellen Vorzug bietet, an der Lust ivenig veränderlich und in der Wärme wenig ausdehnbar zu sei», hat Herr Gniltanin« in einem Nickelstahl gefunden, der 36 pCt. Nickel enthält. Znr Herstellung der Normal-Melerstäbe hat man bekanntlich eine Legirung von Platin und Iridium verwandt, die äußerst kostspielig ist. aber nicht dnrch eine andere ersetzbar schien, weil man kein« kannte, die bei eben so kleiner Ausdehnung und gleich»nveränderlich a» der Luft ist. Die Ausdehnung beziffert sich bei der»eilen Legirung ans'jiwa mm für den Wärmegrad. Sie scheint demnach für wissenschafiliche Instrumente, die der Meteorologie und Ehronometrie dienen sollen, äußerst geeignet. (Compbo« rendus de l'Academie de Paris 25. Januar 1897.) — Tclegraphie ohne Draht. In seiner Vorlesung über Elektromcchanik machte Herr Geheimer stlegiernngsrath Proseffor Dr. Slaby in der Technischen Hochschule Mulheilling von den Versuchen mit.Telegraphiren ohne Draht", denen er in vergangener Woche i» England beigewohnt dat. Diese Versuch« iverde» seitens der englische» Telegraphenverwaltniig angestellt, deren Chef, Herr Preec», sich ans diesem Gebiet bereits große Verdienste erworben hat. Herr Geheimralh Slaby ivar der einzige Ausländer, der bei den interessaiite» Experimente» zugegen war. Die bisherigen Versuche sind vollständig geglückt, man tonnte ans Sa/4 Meile» durch die Lust ohne Draht tclegräphirc»,»nd es ist nichi mehr zweifelhaft, daß man auch größere Entfernungen wird überivinde» lönneu. Die Versuche finden an der englische» Küste bei Bristol zwischen dem Leuchtlhunn Flal Holme»nd dem an der Küste gelegene» Laveriiock stall. Beide Punkte waren früher durch ein Kabel verbunden, das aber infolge sehr starker Ebbe und Flnlh, sowie durch ankeriverfend« Schiffe häufig verletzt wurde. Die Einrichtung der neue» Art Telegraphie ist nun»ngefähr folgende: 91» dem einen Punkt wird durch Wechselstroinvorrichtungeu ein starkes clellrifches Feld erzeugt. Die elektrischen Welle» gehen wie Lichtstrahlen nach nlleii Richlnngeu i» die umgebende Luft und pflanze» sid, mit(«tu großer Geschwindigkeit fort. Man stellt sich diese Welle» als Schwingungen eines alles durchdringende». für uns unsichtbare» Stoffes vor. Je nachdem mau solche elektrische Welle» erzeugi oder die Erzeugung uulerbricht, giebl man in die»»igedende Luft Zeiche». die a» einem anderen Orte, der Empsangsstatiou der Depesche, dnrch folgende Vorrichtung erkennbar geuiacht werden: Verbinde! man die Enden einer mit Eiienseilspänen gefüllte» Glashülse dnrch Drähte mit einer schwachen Batterie, so kann wegen des außerordentlidz großen Widerstandes der Eisenfeilspäne kein Strom entliehe». Run hat maii entdeckt, daß«ine solche Glashülse ihren Wider- stand plötzlich enorm verringert, wenn man sie einer«lellrische» Strahlung aussetzt. Selaugeu also die am erste» Ort erzeugten elektrischen Welle» und Slrahleu durch die Luit zu dieser Glaobülse an der Empsaugsstalion, so entsteht ciu Strom in de« Drähien, der ein Läutewerk iu Beweguug setzt. Das Zeichen, daß man telegraphiren will, ist also gegebe». Wird uuu die elektrische Strahlung au ihrer ErzeugmigSstelle unterbrochen, so behält die Glashülse mit den Eisenfeilspänen ihren geringen, elektrischen Widerstand bei. Es wäre also ein neues Zeichengcbe» nicht mög- lich. Rüttelt man aber nur«in wenig an ihr. berührt man sie nur. so wächst ihr elektrischer Widerstand wieder außerordentlich. Schaltet um» statt des Läutewerks, das nur zum Anrufen dient, eine» Morse'schcn Tel-graphen-Appnrat in den Stromkleis ein, so kann man von neuem ein Zeichen geben. E? ist nun das Verdienst des Italieners Marroni. eine Einrichtung getroffen zu haben, mittels der nach jedem Zeichen an die Glashülse gerührt wird. Man kann dadurch also beliebig wieder Zeiche» nacheinander geben, je nachdem man an der Urspningssteve die elektrische Strahlung unterbricht, d. h. man kann durch die Luft von einem Orte»ach dem anderen telegraphiren, ohne daß beide durch einen Draht verbunden sind. Der Versuch ist auch bereits zwischen zwei englischen Kriegsschiffen mit gleichem Erfolg auf zwei Meilen Entfernung ansgefnhrt worden.— Verkehrswesen. ie. D i e Läng« der Telegraphenlinien au fder Erde erreicht nach der neuesten Statistik etwa 7 900 000 Kilometer, iu ivelche Zahl 292 600 Kilometer untermcerisch« Kabel nicht ein- gerechnet sind, llutrr de» verschiedenen Erdtheile» besitzt Amerika iveitaus das längste Telegraphennetz, in einer Länge von 4 050 000 Kilometer», in bedenleudeni Abstand« folgt Europa mit 2 840 000 Kilo- meiern. Die anderen Erlheil« haben dem gegenüber nur ver- schwindende Zahlen anfzuiveise», nämlich Aste» 500 000, Australien 850 000 und Afrika 160 000 Kiloineter. Hnnioristisches. — Der Doktor und das B ü r l i.(Schwäbisch.) Der gnet Bnr het d'r Backe völli verbünde, er bet en hoble Zahn, in'r könnt en Ruß nischoppe. Bim Dokier klopft er a. Herein 1 Aha! Den wollen wir gleich bans habe», sait der Dokter. Mi arnds Bürli sitzt ns's Marierstnekli, der Dokter macht sell Käschtli uf an d'r Wand. H». do het's Messer, Zange, Zwinge und Hämmerli; dem Bursina golh'S kalt nud heiß d'r Buckel»nf. Jetzt geht's los! Eins, zivo, drei, rrratsch! Do isch d'r Stuinpe, en Kerli ivie e Runkelrnebe! A— ah— an! macht im Bnr, aber d'r Zahn isch bus! Mi Dokter halt e» Krallet, was wotl e» Hofralh si im Mllfe»»i, er spienzlet mit dem Zahnflumpe und sait zn dem Bürli: „So. im» trinken Sie im Löwen einige Viertel Steinesladter, dann »eilt das Zahnlod) schneller!" Mi Bürli macht si Knuipliuient, zahlt sitti sechzig Pfennig und marschirt ivaidli in Löwe, wie's d'r Herr Doktor verordnet het. Im Löive loßt mi Bursuia sich ei» Viertili noch'in andere schmecke. Ebe het'rs dritl uStrunke und rennt d' Löwnuirthi wieder her, sie ivill ibm's viert schon ivieder lenge. s' isd> g'nueg!" sait im guet's Bürli.„i mneß mache, daß i heim kilinm, d'r Dokter wird's scho zahle, was macht d' Rechnung Fnnfescchzig Pfenuig! sait d'Frau Löivewirlhi. und kridei's uf d' Echiefertafle. Adie, Löwewirthi!— B'hüet Gott, Landsma! Z' Obed kuuunl mi Dokier znm Zeko-Spicl an, Stammtisch iui Löwe. s' crsdit isch. daß d' Löwewirlhi ihr Schiefertnfle im Dokier präsrntirl: „Herr Dokler! es is au e Ma do gsi, der het drei Viertili und r Brölli g'nniume, er het g'sait: d'r Herr Doktor zahl!'-!" Dnnder »»d Dorla l hat der Dokler g'ivettcrl! Was, snr's Zahiiansrciße» soll i»och zahlen! Da soll doch ein Donner...... Grusig bet der Dokler deberet, aber endli bet er'» zahlt, und sidher verschribl er sine Zahnpalienle keini Viertili meh;»>» Zahnlöcherusheile!— BerniischteS vom Tage. — Standesgemäß. In der.Frankfurter Zeitung" befindet sich folgendes Inserat:.Prinz, ans vornehmster fürst- lich er Familie de- Kaiserstaaies wnnscht sich standesgemäß mit Dame ans bürgerlicher Familie zu verheiralbe». Anträge iverdeu mir ans direkter Hand berücksichtigt und znr Weiterbesördernng an Haasenstein u. Vogler, Wien, rrbelen."„Slandesgeinäß" beißt also l>i«r mii.viel Geld behaslet". Da der Prinz dieses standesgemäße Geld offenbar nicht hat, sucht er e- durch eine„Bürgerliche" zn de- kommen.— — Z u in fürchterlichen Eisenbahnunglücke meldet die„Köln. Ztg." ans Gerolstein: Der Smatsanwalt Melcheis ans Trier leitete den ganzen Tag hindurch die Uiilerfnchiing auf der N»- glücksstelle. Ueber das Unglück selbst meldet das Blatt: 17 Wage» waren losgekoppelt und rannten an- einer Eiilsernniig von 200 Meiern das sallcnde Geleis« hinab ans den getrennte» ersten Znglheil, wo- dnrch die furchtbare Zertrüuilneruug der znnächst aufeinander stoßen- den Wage» verursacht wurde.— — In de» savoyischen Alpen ereignete sich, wie ans St. Jean de Manrienne bei Chambery gemeldet ivird,«in llnsall, der mehreren Personen da? Leben kostete. Drei Gendarme, die sich mit zwei Bauern zu den Sch>vllrgend,lssihl»igci> in Chambery begeben wolltc», batten auf der Bergstraße no» Arves das Unglück, infolg» eines über den Weg liegenden StanimeS mit den, Wagen »inzliivcrsen; es stürzten mit Ausnahine des Gendarmen Orsiui, der mit dem Schrecken davonkam, in die Tiefe, wobei sie sämmtlich schwer vermiliidet wnrdeu.— — Das M n s e n m für Naturkunde zu New-Hork hat beschlossen,»od, in diesem Jadr« eine amerikanische Expevilio» anszurüsten» welche die Erforschung des prähistorischen Mensche» in allen W- l t t d e i I e n bezweckt. Für die Reifen und Arbeiten dieser Expedition ist die Zeildancr von sieben Jahre» in Aussicht genommen.— Die nächste Nnniiner des Unlerhallungsblatles erscheint Sonn- tag, den 23. Mai._ Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Beil»'. Druck»nd«erlag vo» Max Vading in Bert»».