Nr. 186. Abomnments-Kedingungen: vbonnemenlZ-Preis pränuinsrand«: Bierleljährl. 3,30®t., monotl. I,102!It., wöchentlich 28 Pfg. frei in? Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post« Abonnement: ZLO Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeUimgS» Pr-tSltste für 1899 unter Er. 7830. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige AuSland S Marl pro Monat. Erscheinl füglich aufjer Wonkag«. Devlinev Volksbl�kt. 16. Jahrg. Die Iilftrtions-Vrbuhr betrügt für die fechSgespaltene ffoloncl« zeile oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins- und VersaminlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Klriue Ankrigen" sedsS Wort S Psg. snur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müsse» bis i Uhr nachmittags in dsrExpeditlonabgegeben werden. Tis Erpcditton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fesitagen dt» 8 Uhr vormittags geöffnet. Isernsprrcher: llnik l, Nr. 1303. Telegramm-Adresse: „Sorialdrniokrat Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratlschen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Venth-Strastr 2. Freitag, den 11. Anguft 18i>9. Expedition: SW. 19, Veuth-Stvatze 3. Zur Kritik der amtlichen Streikstatistik. ii. Tic Zahl der Koutraktbrüchigc». Ausfallen muß in der ersten Veröffentlichung der amtlichen Streitstatistik die große Zahl der kontraktbrüchigen. Unter 812g Streikenden sollen sich 31GÖ Kontraktbrüchige befunden haben. Diese hohe Zahl iiniß jedem Kenner der Arbeiterbewegung absurd vorkommen und von vornherein möchte man behaupten, die Angabe ist falsch. Man kann sich lebhaft deuten, wie die hohe Zahl zu stände gekonlmen ist. Doch davon ein Wort eist am Schluß. Aus einzelnen Streikfällcii aber, die denjenigen, der die Streikbewegung in Deutschland vcr- folgt, bekannt sein niußten, ergab sich, daß die Angaben der auit- lichcn Streikstatistik mit der Wirklichkeit in schreiendem Widerspruche standen. Wir haben daher zur Prüfung der Zahl der Kontraktbrüchigen chic Umfrage veranstaltet, deren Ergebnis die amtliche» iHilgaben der Streikstatistik vollständig in ihrer Richtigkeit erschüttern. Wir haben hier nicht den Slanm, sämtliche Fälle zu besprechen, aber an den wichtigeren wollen wir doch zeigen, zu welchen Ergebnissen die Posadowöthsche Methode bei der Ausnahme der Streikstatistik geführt hat. In einer Reihe von Fällen liegt überhaupt kein Kontraktbrüch vor, in zahlreichen Fällen ist eS mindestens zweifelhaft, ob vom Kontraktbruch gesprochen werden darf, wieder in anderen Fällen liegt der erste'Kontraktbrüch auf feiten des Arbeitgebers und der Kontraktbnich der Streikenden ist nur die Folge des ungesetzlichen Verhaltens der Arbeitgeber. Dort aber, wo Kontraktbruch unzweifelhaft vorliegt, stellt sich fast ans« nahmslos heraus, daß entweder die Arbeiter nicht organisiert waren, daß nian es also Ii ht mit socialdemokratisch„verhetzten" Arbeitern zu thun hatte— oder aber es zeigt sich, daß gerade die Organisation, also die„Hetzer" und die„berufsmäßigen Agitatoren" alles vcr- suchten, um von ungesetzlichem Vergehen abzuhalten. Zunächst einige Fälle, wo überhaupt kein Kontrakt- b r u ch vorliegt. Nach der amtlichen Statistik sind in Darm- st a d t 697 Weißbinder, Maler und Anstreicher in den Ausstand getreten, davon sollen 418 kontraktbrüchig gewesen sein. Wie verhält es sich mit diesem einige hunderte von Arbeitern umfassende» Kontrakt� bruch? Nebst den Malern und Anstreichern sind in Darmstadt an- nähernd 360 Weißbinder beschäftigt, die auf dem Lande in den umliegenden Ortschaften wohnen.' Die Leute arbeiten niit ganz wenigen Ausnahmen mir im Somnier während der Bansaison in ihrem Berufe, dagegen im Winter als Holzhacker in den Staats- Waldungen. Wenn im Frühjahr die Arbeit im Bangeschäft an- geht, wird ihnen von den Unternehmern geschrieben und sie treten dann alsbald an. Sobald im Herbste die Arbeit zu Ende geht, ziehen sie stillschweigend von bannen. Aber auch mitten' im Soinmer, wenn bei einem Meister die Arbeit zu Ende geht oder wegen schlechten Wetters einige Tage gefeiert werden muß. sucht ein jeder, ohne sich an Gesetzesbestimmungen zu kehren, anderweitig Arbeit; kurz es besteht seit' Jahr- zehnten eine aus den Verhältnissen sich ergebende freie Vereinbarung zwischen Meister und Gesellen', nach d c r m a n e i n e K ü n d i g u n g auf k e i n e r S e i t e kannte. Diese Thatsache wurde auch seitens der Meister als unbestritten anerkannt. Allerdings schrieen die Meister zur Zeit, da der Lohn- kämpf ausbrach, über Kontraktbruch und wollten die Gesellen ver- klagen, aber nicht eine einzige Klage ist erfolgt. Für die etwa 300 Weißbinder liegt also kein Kontraktbrüch vor. löO weitere Arbeiter von deucn, die kontraktbrüchig geworden sein sollen, hatten einen Arbeitsvertrag, in dem sie gegen Unterschrift auf jede Kündigung verzichtet halten, also selbst auch nicht zu kündigen brauchten. Damit sind schon 450 Kontraktbrüchig e kassiert, bleiben also rund 50 Maler, bei denen allerdings Kontraktbruch vorliegt. Wie kamen nun die übrigen 450 Arbeiter zu dem ihnen nachgesagten Kontraktbrüch? Unser Berichterstatter Ichreibt ganz richtig, er sei der Meiiinng, daß wenn die Behörde nicht niii dem Fragebogen in der Hand von Meister zu Meister gegangen wäre, niemand auf den Gedanken, daß bei de» 450 Streikenden Kontraktbrüch vorliege, gekommen wäre. Ei» zweiter Fall betrifft 44 Maurer in Markranstädt i. S. Die Maurer des Baumeisters H. sollten zur Accordarbeil gezwungen werden. Zu diesem Zwecke wurden auswärtige Maurer heran- gezogen, worauf die heimischen Maurer die Arbeit niederlegten und rechtlich auch niederlegen konnten, da ein Kündignngsverhältnis nicht bestand, die Maurer also gar nicht kontraktbrüchig werden konnten. „Wenn die Statistik das Gegenteil behauptet, so behauptet sie eben das Gegenteil der Wahrheit"— schreibt uns unser Berichterstatter. Andere Fälle liegen so. daß eine Art Vermessenheit dazu gehört, den Arbeitern rundweg Kontraktbuch in die Schuhe zu schieben. Zum mindesten heißt es in solchen Fällen: non liquet, die Sache ist unentschieden. Hierher gehörnc vornehmlich Streiks innerhalb der Textilindustrie, so in einer Bandfabrik zu B a r ni e n niit augeblich 112 Kontraktbrüchigen. Zunächst ist in der betreffenden Fabrik keine einheitliche Kündigung. Bei Abgang einer Kette konnte der Arbeiter ohne Kündigung die Arbeit verlassen und entlassen werden, sonst bestand 14 tägige Kündigung. Die Arbeiter standen nun, als sie in den Ansstaud treten wollte», im Zweifel, ob bei Uebeniahme der neuen Kette schon der neue Arbeitsvertrag geschlossen war oder wie es auf dem Zettel, der die Arbeitsangaben enthält, vor- geschrieben war, die Annahme der neuen Arbeit durch Unter- I ch r e i b e n vollzogen wurde. Ungefähr 25 Arbeiter von den 112 hatten ihre Ketie ab und brauchten demnach nicht zn kündigen. während der größte Teil wohl die neue Kette angenoimne», noch nicht aber den Angabezettel unterschrieben hatte. Wegen der Weigerung, den Angabezettel zu unterschreiben, entließ die Firma einige Arbeiter sofort. Damit stellte sich die Firma entweder gleichfalls auf den Standpunkt, sdaß vor Unterschrift des Angabezetlels der neue Arbeitsvertrag noch nicht geschlossen war oder aber, sie beging Kontraktbrüch; jedenfalls handelten die Ar- bester in gutem Glauben, wenn sie nunmehr die Arbeit ohne Kündigung niederlegten. Irrten sich aber die Arbeiter in der Auf- sassuilg der rechtlichen Lage, so bleibt die schließliche Schuld doch an der Firma hängen, die den falschen Glauben ihrerseits nährten und befestigten. Auch beim Gcwerbegcricht scheinen über die juristische Seile der Frage Zweifel obgewaltet zu haben, die dazu führten, daß das Gericht einen Vergleich anstrebte und auch erzielte, durch den sämtliche Klagen seitens der Firma zurückgenommen und die Forderungen der Arbeiter bewilligt wurden. Ebenso nnklar ist die Frage, ob bei dem Streik in der Druckerei des„Berliner Lokal- Anzeigers" Kontraktbruch vorliegt oder nicht. Auf alle Fälle ist aber die Zahl der amtlichen Streik- statistik, wonach 94 Arbeiter kontraktbrüchig gewesen sein sollen, falsch Obgleich der Streik noch in aller Erinnerung ist, müssen die Vcr- hältnisse kurz erörtert werden, weil gerade diesen Fall fast jeder Leser aus eigener Kenntnis am besten beurteilen kann, und weil er zeigt, wie die amtliche Streikstatistik schon durch die polizeiliche Berichterstattung auf Abwege gerät. Wie erst mögen die Berichte aus der Provinz und den eiitlegeiien Gegeuden zu Ungunsten der Arbeiter abgefaßt sein l In der Druckerei des„Lokal-AnzeigerS" wurden am 17. Januar plötzlich 24 Mitglieder des Verbandes unter Auszahlung des Lohnes für die Kiiiidigungszcit entlassen. Am nächsten Tage wurde eine Kommission der noch im Geschäft ver- bliebenen Verbandsmitglicdcr bei dem Gcschäftsleiter deshalb vor- slcllig, doch wurde diese ans 5 Personen bestehende Kommission ebenfalls sofort mit dcni Bemerken entlassen,„daß jeder der sich als V e r b a n d s m i t g l i e d fühle, entlassen sei." Infolge des Berichts, den die Kommission ihren Kollegen erstattete, schlössen sich sämtliche noch im Geschäft bcffudlictien Vcrbandsmitglieder den Entlassenen an und verließen das Gc- schüft. Diejenigen Gehilfen, denen seitens des Geschäfts die Kündigungszeit nicht bezahlt wurde, verklagten daraufhin die Firma auf Bezahlung derselben beim Gcwerbegericht, wurden aber von demselben mit der Motivierung abgewiesen:„Die Koni Mission wäre nicht legitimiert gewesen die Kündigung für die übrigen Gehilfen ent- gegen zu nehme n, sondern jedem einzelnen hätte von der Geschäftsleitung gesagt werden müssen, daß er die Arbeit sofort zu ver- lassen habe." Auch hier waren die Arbeiter vor der Entscheidung des Gewerbegcrichts wohl im Recht aiiz» nehmen, daß sie durch die Bemerkung an die Kommission entlassen waren. Selbst wenn man aber der später erfolgten Ent- scheidung des Gcwcrbegerichts folgen will, so ist doch die Ziffer 94 falsch. Von den 116—118 Personen,- die am 17. Januar das Geschäft verließen, scheiden zuiiächst 29— 31 aus, welche ohne Kündigung beschäftigt waren. Bon den verbleibenden 87 Personen, welche KündignngSzeil hatten, scheiden abernials 30 aus, von denen 9 nachträglich im Geschäft verblieben und 21 die KüudignngS- zeit vom Geschäft bezahlt wurde, wodurch der Unternehmer an- erkanute, daß diese Arbeiter nicht kontraktbrüchig, sondern vom Geschäft entlassen Ivarcn. Es verbleiben also nur noch 57 Per- sonen, bei denen Kontraktbrüch überhaupt in Frage kommen kann. Aber auch noch bei 7 von diesen ist durch nachträgliche Ans zahlung des Lohnes für die KüiidigiingSfrist seitens des Geschäfts festgestellt, daß sie ohne Kontraktbrüch aufgehört haben. Folgt man also selbst der Auslegung des Geivcrbcgerichts, so sind doch nur höchstens 60, nicht aber 94 Arbeiter koutrakt- brüchig gewesen, auch diese aber unter Umständen die weitcstgcheilde Milderung heischen. Weiter fanden wir eine Reihe von Fällen, wo dem Kontrakt- bruch der Arbeiter ein solcher des Arbeitgebers vorausging. Ein derartiger Fall liegt bei einem Streik in einer Färberei zu Krefeld vor. bei dem 22 Arbeiter als kontraktbrüchig angegeben wurden. Daß der Arbeitgeber seinerseits durch Kontraktbnich den Vertrag ein- scitig gelöst hatte, verlautet in der Strcikstalistik nichts. In dem aiigczogcucn Ausstand hatte ein Arbeiter im Auftrage seiner Mit- nrbeiter die Forderungen bei dem Inhaber zn vertreten. Als er deswegen vorstellig wurde, entließ ihn der Inhaber ans der Stelle. Als seine Mitarbeiter den 51ollcgen vergebens erwarteten und später ersnhren, daß er Knall und Fall' anL der Fabrik hiiiansgcwicscn war, war die Erregung begreiflich. Von beiden Seiten fielen harte Worte. Die Arbeiter erklärten, die Arbeit einstellen zu wollen, während die Angestellten resp. der Inhaber von Hausfriedensbruch und„auf die Straße setzen" sprachen. In dem allgemeinen Wirrwarr erfolgte dann die Einstellung, ohne daß nian entscheiden könnte, ob die Arbeiter gingen oder infolge der an sie ergangenen Anfforderung gehen mußten. Daß aber von der Firma selbst kein Kontraktbrüch vorgenommen wurde, dürfte daraus hervorgehen, daß sich diese mit ihren Arbeitern in der Vcrgleichssitzung des Gewerbegerichts auf den rückständigen Lohn einigte. Wo endlich in der That Kontraktbrnch vorliegt, da dürfte es den Gegnern der Socialdemokratie schwer fallen, einen Zusammen- hang zwischen den streikenden Arbeitern und der Socialdemokratie nachzuweisen. Darüber noch einige Beispiele in dem nächsten Artikel. Nolikisitzv Aebvvfickzt. Berlin, den 10. August. Ein interessanter Acrztestreik ist in Sachsen ausgebrochen. Bekanntlich hat Sachsen vor einiger Zeit Aerzte-Zwangsinnungen geschaffen„zur Hebung dos Standesbewutztseins". In Nebereinstiinmung mit ihren Kollegen im Reiche streben sie danach, auch von den Kranken- lassen Gebührensätze nach den Mindestsätzen der ärztlichen Gebührentaxe, das ist 1 M. für die einfache Konsultation, zu erlangen, Sätze, von denen die Kassenverwaltungen be- hanpten, daß sie dabei niit den bisherigen Beiträgen nicht existieren könnten. Als seiner Zeit lxei Schaffung des Gesetzes über die ärztlichen Bezirksvereine von Vertretern der Krankenkasse darauf hingewiesen wurde, daß die Vereine ihre durch das Gesetz ihnen gewährte Macht dazu benützen würden, den Krankenkassen unerfüllbare Be- dingungcn aufzuerlegen, gab die sächsische Regierung die Ver- sicheruug, daß sie das keineswegs wünsche und daß sie solchen Bestrebungen entgegentreten würde. Nach Votierung des Gesetzes wurde dann im Verordnungs- Wege noch eine„Standcsordnung" dazu erlassen und diese benützen jetzt die Aerzte in der That in der befürchteten Weise gegen Krankenkassen. Sie verbieten ihren Mitgliedern, mit einer gewissen Kasse Vertröge abzuschließen, weil sie die erwähnten Forderungen nicht erfüllen will. Der Bezirksverein Dresden-Land droht zuwiderhandelnden Mitgliedern sogar mit der Einleitung des ehrengerichtlichen Verfahrens. Das Interessante an dem Falle ist nun die Thatsache, daß es sich um die Kasse eines großen Staatsbetriebes handelt, nämlich uni diegemeinschaftlicheBetriebs- Krankenkasse der sächsischen Staatseisen- bahnen, in deren Vorstand die Verwaltung der sächsischen Staatseisenbahnen niaßgebcnd ist. Wir sprechen keineswegs den Aerzten das Recht ab, eine anständige Bezahlung ihrer Leistungen zu fordern; ob ihre Forderungen in dem besonderen Falle berechtigt sind und ob die Kassen sie bewilligen können, entzieht sich unserer Be- urteilung; wir brauchen auch hier nicht ausführlich zu wieder- holen, daß wir in der Verstaatlichung der ärztlichen Hilfe- leistung die Lösung des Konflikts zwischen Arzt und Kranken suchen. Daß sich aber die von der sächsischen Regierung den Aerzten so bereitwillig gewährte, zünftlerisch- reaktionär ge- staltete Schutzwaffe'jetzt gegen den größten sächsischen Staatsbetrieb selber richtet, das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Uebrigens können die terroristischen Aerzte von Glück sagen, daß die Zuchthausvorlage noch nicht Gesetz ist. Es würde ihnen sonst übel ergehen.— Zur schleslvig-holstcinschen WahlcntrrchtungSfragc. Die offiziöse Presse fährt fort gegen das ErkeimtiiiS des Ober- Vcr'.valtungsgerichts Sturm zu laufe», welches die ungesetzlichen Beschlüsse schlcSwig-holsteinscher Stadtgemeindcn für ungesetzlich aus Anlaß der Eckernsördcr Klage erklärte. In Betracht kommen Be- schlüsse der schleswig-holsteinschen Städte Eckeruförde, Barnistedt, Elmshorn, Glückstadt, Heide, Kellinghusen, Kiel, Krempe, Neumüustcr, Ratzdoe, Segcberg, Wandsbeck, Wilster. Eckern- förde hat sich dem Erkenntnis des Ober- VerwaltungSgerichts gefügt, das Kieler Stadtobcrhaupt hat, wie wir feiner Zeit bereits berichteten, ein längeres Rechtsgutachten, dessen Unwert wir bereits beleuchteten, losgelassen. Die Nichtigkeit dieses Gutachtens wird von allen selbständigen Zeitungen, auch denjenigen, die früher auf einem anderen Standpunkt standen, als ihn das Gesetz und das Oberverwaltungsgcricht einnimmt, anerkannt. Wir heben z. B. die rcchtsliberale„Kieler Zeitung" und die„Vossische" hervor. Die offenbare llnreife des oberbürgeriiieisterlichen GntachteuS hält den offiziösen Waschzettel aber nicist ab, in gleicher Weise gegen das Oberverivaltniigsgcricht mit der Bitte anzustürmen, im I n t e r« esse der A b iv e hr socialdemotrati scher Siege künftighin anders zu urteilen, d. h. das Recht zn beugen. In dieser offiziösen Preßpolcinik offenbart sich eine geradezu fundamentale Kciintuislosigkcit über die Grundlagen des Rechts, über den Inhalt des Einkoinmensteucr-Gesetzes und über den Inhalt der Städtc-Ordiiung. Da Ulan in den Hintermännern der„Berk. Pol. Nachr." mit Recht nicht nieinnngslose TintenkuliS, sondern Leute suchen darf, deren Beanitcugnalität fast die ihrer Kollegen vom „Dresdener Journal" erreickien könnte, so gehen wir auf einige Punkte der offiziösen Auslassungen ein. Es handelt sich bei dem Streit bekanntlich darum, ob der dritte Absatz des§ 77 des Eiiikoinmenstcuergesctzcs(„wo solche Orts- statut en— die einen höheren als Scchsmark- Steuersatz zn- lassen— nach bestehenden Konimunnlordnuugeii zulässig sind, kann das Wahlrecht von einem niedrigeren Steuersätze beziehungö- weise von einem Einkommen bis 900 M. abhängig gemacht werden. Eine Erhöhung ist nicht zulässig") auch auf Schleswig- Holstein Anwendung finde.§ 77 enthält Rechtsgaranticn zum Schutze der Wähler in dem für ganz Preußen gültigen Gesetz und kann daher nur dann an provinzielle Grenzen gebunden sein, weit» dies im Gesetz ausdrücklich festgestellt wäre. Das ist nicht geschehen. Der Wortlaut des tz 77, seine Stellung im Gesetz und sein Sinn zwingen auch dann, ihn auf Schleswig- Holstein zu beziehen, ivenn der Gesetzgeber sich dieser Konsequenz nicht bewußt war. Die offiziösen Blätter kramen nun im Anschluß an das Kieler Ober- bürgermeister- Gutachten eine Reihe von Reden einzelner Ab- geordneter und Minister aus den stenographischen Berichten heraus und deduzieren: da die von ihnen genannten Herren die Tragweite des§ 77 nicht verstanden haben oder glaubten, daß nur die Verhältnisse der Rheinprovivz in Betracht kämen, so könne Z 77 nicht auf Schlcsivig-Holstcin Anwendung finde». Ganz ab- gesehen davon, daß die Reden der durch den Besitz gewühlten Herren keinen Anspruch auf juristische Bildung und politisches Verständnis erheben können, so bald das, was sie beschlossen haben, einen anderen Sinn hat als was sie beschließen wollten, so sind im vorliegenden Fall die Reden dieser Herren, einschließlich des Finanzministers und des Ministers des Innern, um so wertloser als die Entstehungsgeschichte des§ 77 und sein Wortlaut deutlich zeigt, daß der Z 77 nicht ans diejenigen LandeSteile beschränkt sein sollte, die ein kommunales Dreicensus- Wahlsystem besitzen. Der ursprüngliche Centrumsantrag bezog sich allein auf die Rheinprovinz. Es ist diese Beschränkung auf die Rhcinprovinz ausdrücklich gestrichen. Während der Beratung dämmerte es den frcikonservativen Abgeordneten von Zedlitz auf, daß der dritte Absatz auch auf Gemeinden, in denen nicht nach dem Dreiklasscn-Systcm gewählt wird, anwendbar sei. Er kündigte daher einen Antrag auf Znsammeuziehung des zweiten und dritten Ab- satzcs des§ 77 an. unterließ aber später die Stellung des von ihm angekündigten Antrages. Aus welchem Grunde er dies unterließ, hat er nicht angegeben. Es läßt sich ivohl annehmen, daß er der Nebcrzeugiing war, ein Parlament, das durch§ 77 eine Schutzvorschrist gegen Wahlentrcchtung schaffen wollte, werde umnöglich Schleswig- Holstein von dieser Vorschrift ausschließen. Es mag aber noch ein Grund erwähnt werden, der die Iln- kenntnis der von der offiziösen Presse angcsührten Redner und der Hintermänner der Presse deutlich zeigt. Der Absatz 3 des§ 77 spricht von Kommnnalorduniigen. nach denen Ortsstatuten zulässig sind, die das kommunale Wahlrecht„von einem niedrigeren Steuersatz bezw. von einem Einkommen bis 900 M. alchängig" »lachen. Gab cö>in dcnr Bereich des Drciklassen-Wahlkystems, auf den die offiziösen Fcdcrheldcn und ihre Gcwährs- nränner die Geltung des tz 77 Absatz 3 beschränkt wissen wollen, Komniuualordnungen im Sinne des Z 77 Absatz 3. Gab eS solche Lloiunninalorduuugcn nicht, so wäre es hoch offenbar blühender Unsinn, den z 77'auf den Bereich der nicht vorhandenen Kommunal- yrdnnngen zu beschränken. � In der That liegt cS so, das; die Voraussetzungen des§ 77 Abs. 3 lediglich auf Schleswig-Holstein anwendbar waren. Den ,.Bcrl. Pol. Nachr.", deren Hintermänner man eigentlich Kenntnis der verzwackten Koininuualordnungen Preußens zutrauen sollte, diene folgendes zur Belehrung: Der erste Satz des§ 77 kann auf die lilheinprobinz keine Anwendung finden. weil die rheinische Städte- Ordnung daS ortsstatutarisch zulässige Minimum seit 1873 auf 6 M. beschränkt. Ebenso wenig läßt irgend eme andere Kommunal- orduung im Gebiete des Dreiklassrn- Wahlsystems eine orts- statutarische Ermcdrigmig des Censns unter 6 Mark seit dein 1. Januar 1875 zu. Meinen die offiziösen Schrittmacher der Rechtsbeugung wirklich, eine Gesetzesbestimmung dürfe nur für diejenigen Landesteile gelten, denen die gesetzlichen Voraus- fetzuugcn seiner Anwendbarkeit fehlen? Mit solcher Meinung stellen sie sich und die preußischen Gesetzgcbuugs- Kammern außerhalb der Möglichkeit vernünftiger Denkweise. Man sieht bis zu welcher Höhe des Unsinns unsere Offiziösen gelangen, um eine rechtliche, politische oder moralische Möglichkeit zu konstruieren, ganzen Schichten der städtischen Bevölkerung das Wahl- recht zu nehmen. Wir raten den SlaatSrettern, ihre Hand aus dem Spiele zu lassen oder etwas mehr Achtung vor dem Gesetz zu haben und lieber nach dem Rezept des Herrn Köllcr den Versuch zu machen, offen durch neues Gesetz Tausenden das Wahlrecht zu entreißen. Die Taktik, durch Rechtsbeugung seine Wünsche durchzusetzen, schlug selbst zu den Zeiten größter Reaktion nur der Hcrrcnhäuslor Graf von Pfeil vor und ihni trat sogar der urrcaklionäre Graf zur Lippe entgegen._ Ei» prätorinttisches Referendum. Aus Paris, 9. August, wird uns geschrieben: Es grollt und kocht nach wie vor im Innern der Hocharmee. Sic wagt nicht mehr, offen zu rebellieren, wie unter Meline und Dupuy und namentlich während der letzten Miuistcrkrise, aber sie thut es gcim und freudig auf Umwegen und unter dem Deck- mniitcl der Anonymität. Tie neueste und wichtigste Prä- torianische Kundgebung dieser Art ist auf die Initiative des„Petit F r a n? o i s" zu stände gekommen, eines kürzlich gegründeten Blattes, das, trotz seiner vorsichtigen Dementis, als das offiziöse Organ der berüchtigten„Vaterlandsliga" zu betrachten ist. Das prätori- anische Blatt erklärt übrigens offen, das„politische Organ der Armee" werden zu wollen. Der„Petit Franyois" hat nun in der Armee, d. h. unter Generälen und Offizieren ein Referendum veranstaltet über die Frage:„Wollt ihr die Negier uugsform ändern?" Die Antworten sind ganz und durchweg prä- torianisch ausgefallen. Da kein Militär sich genannt hat, so sind zwar Zweifel über die Echtheit des Referendums nicht schlechtweg abzuweisen. Doch im allgemeinen entspricht daS Ergebnis durchaus den Stimmungen der Hocharmee, wie sie sich insbesondere in der Drumontschen Gcldsammlnng zu Ehren des Fälschers Henry kuudgethan haben. Kein einziger Offizier hat mit„Rein" geantwortet. Die „Ja"- Automaten zerfallen in drei Kategorien: 71 Proz. der befragten Militärs antworteten nnt einem lakonischen Ja ohne jede Begründung. 15 Proz. begründen ihr Ja in relativ „gemäßigtem" Tone. Beispiele:„Ja. wie D e r o u l e d e", oder„Ja: mein Ideal wäre eine autoritäre Regierung, die fähig wäre, der Gleichheit, Freiheit und Gerechtig- keit(sie!) Achtung zu verschaffen", oder„Ja: man verlangt einen zweiten Nögrier"... Etwa 11 Proz. der Antworten endlich sind ein heftiger Staatsstreichs- Appell. Ein Kiirassierlcutuant antwortet:„Ja. ändern, und rasch! Alle Juden zur Thür hinaus und honette Leute an die Spitze!" Ein„höherer Offizier" wütet wie folgt:„Oh ja! Gebe man uns zehn Jahre— ich sage nicht: absoluter Geivalt, sondern tyrannischer Gewalt, um alles in Ordnung zu bringen!" Ein Oberst verkündet:„Die Republik ist un- vereinbar mit dem französischen und dem militärischen Geist." Ein Dragonerhauptmann versichert:„Die Armee wartet nur auf ein Signal, um die schändlichen Kosmopoliten, die dieses Land regiereu, auszukehren und in die Kloake zu werfen. Aber wer wird in die Trompete blasen? Es giebt keinen einzigen dieses Namens würdigen Offizier, der nicht diesen Gedanken Hütte." Zwei„wahrscheinlich sehr hohe Offiziere" reifen:„Ja, mit allen Mitteln" und„Ja, möge die Armee das regierende Gesindel fortjagen und einen neuen 18. Vru- maire machen l"... Es ist kein Zufall, daß das prätorianische Referendum im Beginn des Dreyfus-Prozesses veröffentlicht wurde. Es ist eines der unzähligen Manöver der Prätorianer, darauf berechnet, einen Druck auf die„loyalen" Militärrichter auszuüben, um die entscheidende Schlacht, die im Dreyfus-Prozeß auf gerichtlichen! Boden ansgefochtcn wird, zu gewinnen. Die Regierung wird sich wohl mit dem Referendum zu beschäftigen haben, da der„Petit Franyois" unter dem wohlwollenden oder vielleicht ermunternden Auge des Gen er als M a i l l a r d in der von diesem befehligten militärischen Saint- Cyr-Hochschule verbreitet wurde. Uebrigens zeichnete der Sohn des Generals anfänglich als„Veraisiivortlicher" des genannten Prätorianer-Organs.— »« Deutsches Zteich. Wasser-Adel. Wir haben seit einiger Zeit an der Berliner Universität einen Professor der Marine, der sich von Halle»ernit. Er hat im Rainen und im Lauf schnell Cnrricre gemacht; denn vor einiger Zeit hieß er bloß Lcvy und versah irgend eine Assistentenstellc. Will man heute rasch vorwärts kommen, w muß man entweder für die Marine schwärmen, oder für die Znchthaiis-Vorlage; hat mgn aber keine Zeit mehr zu warten, so muß man beide Handwerke ver- einigen. � Herr u. Halle wählte weise Wasser— Wasser, um die Spuren seiner Vergangenheit auszulöschen, Wasser, um sich der schwiininenden Rasse der Zukunft einzugliedern. Jndeß, kein Wasser wäscht die Rasse ab, und darum verlangt jetzt der fromme„Reichs- böte" in folgendem Erguß„amtliche Aufklnrnng": In Bezug auf den neuernanuteu Berliner Marine-Pro- fessor, genannt von Halle, unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß dessen ursprünglicher Familienname L e v y ist. Das k ö n i g l. H e r o l d s a in t i st in der Lage gewesen, f e st- zu st eilen, daß der„betreffende Gelehrte dem Adelst ande überhaupt nicht angehört." Das amt- lichc Ernennnngsdckrct nannte ihn trotzdesseu schlechthin von Halle, es erweckte also jedenfalls de» Schein, daß es sich um einen An- gchvrigcil des angescheiicu Adelsgeschlechts von Halle handele, während der echte Familienname überhaupt nicht genannt war. Desgleichen führt ihn das amtliche Persunatvcrzcichnis der Universität als von Halle auf. Die Oeffentkichkeil ver- langt dringend über diese Thatsachcn eine behörd- liche' Aufklärung; denn unter allen bisher vorgcfallenencn Namen? Verschiebungen und Verdunkelungen jüdischer Abstammung ist die vorliegende doch eine von den verletzendsten. Wenn bäuer- liche oder kleinbürgerliche Kreise sich hinten einen harmlosen und leicht erkennbaren' Zusatz nach dem Orte, wo sie herstammen, geben, so ist das wesentlich anders zu beurteilen, als diese Prozedur, wo der echte Familienname nach und nach durch einen adligen Schcinnamcn ganz ersetzt wird. Sollte, wie es heißt, Miiustor Friodberg seiner Zeit dazu die Hand geboten haben, so kann dies unmöglich in dem Pinne geschehen fem, wie er später gebraucht worden ist. Was die wissenschaftliche Laufbahn des Herrn Levh betrifft, so ist er stets ein bevorzugter Schüler de-Z Geheimrats Prof. Dr. Schmoller gewesen und hat es wohl dessen weitreichender Fürsprache mit zu danken, wenn er bei der Krcirung der neuen außerordentlichen Marinepxyfesiur dem älteren Pribatdocenten v. Wenckstern, der über die Flotten- frage, die socialen Probleme anch für konservative Organe ver- schicdencs geschrieben hat, vorgezogen worden ist. Es ist kaum zu bezweifeln, daß jetzt die erfolgte Berufung von den nationalen Kreisen, von denen die deutsche Flottciibewegnng bisher getragen worden ist und allein anch getragen werden kann, mit stark gc- mischten Gefühlen betrachtet werden wird." Wir sollten doch meinen, daß ein Mann, der sozusagen mit dem Wasser des großen Weltmeers getauft ist, ei» Recht auf die Todes- erklärnng des alten Leuy erwirkt hat. Er hat seine Zukunft dem Wasser anvertraut, er ist ein glühender Apostel für die Ucbersce- Herrlichkeit, er ist Professor der Marine, solche Verdienste sind schon Adel genug, und kein Heroldsamt braucht ihn noch zu legitimieren. Sehr nett ist, loie Herr v. Wenckstern sich auf seine Ancicnniiät im Wnsscrknlt gegenüber dem Levy von Halle beruft. Außerdem fährt ja dieser in der Carriere von Lcvy überholte Privatdozenj des Zuchthouskurscs zlvcispäniiig, indem er nicht nur für die Marine, sonder» anch gegen den Umsturz wütet. Wenn es aber eines Tages Mir nicht herauskommt, daß anch dieser moderne Deutsche cigeullich nicht v. Wenckstern, sondern Jtzig Stern benamst gewesen sei. Die Ucberflüssigkeit der Zilchthanöporlagc ist indirekt anerkannt worden durch ein Gericht in Mann- hei m. Es sprach drei Zimmcrlente, die angeklagt waren, sich bei Gelegenheit des dortigen Zimincrerstreils gegen § 153 der Gewerbe- Ordnung vergangen zu habe», mit der Begründung frei, daß in dem Verhalten der Angeklagten keine Drohung im Sinne des Gesetzes sei. In dem Urteil wurde hervor- gehoben, daß der Gesetzgeber durch die hohe Strafe, die für ein Her- hiiltnismässig gcringcö lBcrgehe» in der Gcwcrbc-Ordmmg vor- gesehen sei, den Gerichten die Pflicht auferlegt habe, derartige Fälle besonders genau zu prüfen und sich bei der Aburteilung in scharfen Grenzen zu halten. Wir und alle einsichtigen Socialpolitiker haben stets darauf hin- gewiesen, daß die Arbeiter durch Z 153 der Gewcrbc-Ordnnng schon unter ein Ausnahmegesetz gestellt und Handlungen mit hoher Strafe bedroht sind, die bei anderen Personen überhaupt nicht als strafbar gelten. Für um so unberechtigter mußten wir es erklären, daß man versucht, durch ein neues Ausnahmegesetz nicht nur neue Arbeitcrsirafthatcn zu konstruieren, sondern anch noch höhere und gar entehrende Strafen festzusetzen. Es ist erfreulich, daß anch ein Gericht dieser Meinung unvcr- hohlen Ausdruck giebt. Freilich sind die Gerichte zu zählen, die nach der Ocynhauser Rede den Z 153 nicht zum Anlaß schwerster Strafen nehmen._ Dreihundert Posaunen. In den Blättern lesen wir: Eine eigenanige Huldigung wird dem Kaiser während seines morgigen Aufenthaltes in Dortmund zur Teilnahme an der Ein- weihung des Dortmund- Ems- Kanals dargebracht werden. Die Posannenchöre der Grafschaft Mark werden in einer Stärke vo» 309 Mann im dortigen Kaiser Wilhelm- Hain Aufstellung nehmen und den Monarchen hei seiner Vorüberfahrt mit einem großen Posaunenkonzert begrüßen. Der Kaiser hat bereits durch das Hof- marfchallamt die Entgegennahme der Huldigung aussprechen lassen und wird an dciii genannten Haine die Hofcqnipage für kurze Zeit halten lassen. Damit haben diese„Märker" ein Ziel erreicht, das ihnen beinahe in der Ferne entschwunden wäre. ES ist nämlich noch gar nicht lange her, da wurde das Städtchen Hombruch in der Posannen, granchaft durch folgendes Extrablatt in Angst und Schrecken gesetzt; Extrablatt. Hombruch, den 4. August, 10 Uhr vorm. Herr Pfarrer Dr. Morgenstern, der sich vekanmlich an das Hofmarschallanit mit der Bitte gewandt hatte, daß Sc. Majestät der Kaiser eine Huldigung der märkischen Posannen-Ehöre ent- gegennehmen möchte, hat von dem genannten Ainte soeben die tclegraphische Nachricht bekommen, daß vorläufig ein bestimmter Termin der Herkunft des Kaisers nicht angegeben werden könnte. Es war das erste Extrablatt, daS jemals in Hombruch ansge- schrien worden ist. Ob die Kunde, daß sie nun doch blasen können, aus dem gleichen Wege verbreitet worden ist, wissen wir nicht.— Tie ZuchthauStrcibcr setzen ihre agitatorischen Bemühungen fort. Unter dem Vorsitz des Kommcrzienrats Servaes beriet am Donnerstag in Düsseldorf die Nordwestliche Gruppe dcS Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindnstriellcr über die Frage des so- genannten Schutzes der Arbeitswilligen, d. h. über die Zerstörung der Koalitionsfreiheit. Nach einem Releratjdcs n ationalliberalcn Abgeordneten Dr. B c u m e r trat man, so berichtet Schlveinbnrg, est, stimmig dem Beschlüsse des Vereins„zur Wahrung der gemein- saincn wirtschaftliche» Jutcreffen in Rheinland und Westfalen" bei, der ans der praktischen Erfahrung seiner Mit- glicder heraus angesichts des in bedauerlicher Weise zunehmenden T e r r o r i s n, n s der agitatorischen Elemente, welche die K o a l i t i o» S f r e i b e i t der Arbeiter in einen K o a l i t i o n s z w a n g umwandeln, die Arbeitsgelegenheit verkümmern und das Nationalvermögen schädigen, strenge Be- stimmungen behufs Schutzes der Arbeitswilligen für durchaus not- wendig erklärt. Anch die Nordwestliche Gruppe dcS Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustricller hat deshalb das Vor- gehen der verbündeten Regierungen mit besonderer Befriedigung begrüßt und giebt der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß sich nach erneuter Prüfung der einschlägigen Verhältnisse in der Herbst- tagung des Reichstages eine Mehrheit zur Erreichung des genannten Zweckes finden werde. Wenn die Herren einmal für ihre Znchthnnsidcale Propaganda machen, so sollten sie es ganz thun, und sich nicht damit begnügen, in geschlossenen Zirkeln ihre Sehnsucht zu stammeln. Warum steigen ie nicht zum Volke herab und suchen die Massen aufzuklären. Die einzige wirksame Agitation liegt in der Veraiislalrnng ö f f e n t- licher Versammlungen. Warum sie wohl dies Mittel ver- schmähen? Gegen den famosen Privatdocenten V. Wenckstern, der den Bclagernngsznstand als Mittel gegen die Gewerkschaften empfahl, veröffentlicht Professor Lnjo Brentano in der„Socialen Praxis" eine längere Erwiderung, in der es zur Abwehr der Person- lichen Angriffe heißt: „Bisher, sagt man mir, hätten diejenigen, welche das. was ich z. Zt., da sie kann, die Schulbänke drückten, schon lehrte, un- vollständig und nur halb verstanden wiedergaben, mich mit „Jrrgäiigcn meines Intellekts" entschuldigt, jetzt aber beansprucht Herr' v. Wenckstern in seiner„objektiven Wisjenschaftlichlcit' gar das Recht, mich der bewußten Entstellung der Thatsachen zu zeihen. Es ist nicht genug, daß ein Man», der so wenig logisch geschult ist. daß er indirekte Wirkungen der Kartelle als direkte bezeichnet, mich über das, was logisch richtig und unrichtig sei, belehrt; nicht genug, daß jemand, der nicht einmal weiß, daß das Ziel der GewerlvereinSpolitik seit einem Jahrhundert weniger die jeweilig höchsten Löhne als vielmehr Stetigkeit der Bc>chäftio,nng bei Löhnen, bei denen sich leben läßt, gewesen ist und daß die Ge- werkvereine in diesem ihrem Streben häufig so weit gingen, daß sie von ihren Arbeitgebern geradezu den Abschluß von Kartellen, welche die Stetigkeit'der Produktion sichern sollten, verlangten, mit Kennermiene über die letzten Ziele der Gewcrkvcreine spricht; ich werde von'Herrn v. Wenckstern auch über Nntcrschiedc zwischen Kartellen und Arbeiterloalitionen belehrt, die thatsächlich ggr nicht bestehen, und weil sein eigenes Denkvermögen und seine eigenen Kenntnisse unzureichend sind, beschuldigt mich der Vortreffliche, Ivo er ans ihm fremde Anschauungen stößt, daß ich„seit Karl Marx das unglaublichste an Verdrehung, was gegenüber den klaren Thal- sacken möglich sei", geleistet habe. Diciein Niveau der Polemik entsprechen denn auch die übrigen Anschuldigungen, durch die ich vernichtet werden soll." Herr v. Wenckstern ist demnach reif, unter dem Ministcrinm Bosse eine ordentliche Zivangsprofcssur für Auti-NaiionalLkonoinie zu erhalte». Zlvci Urteile. Einige Reserve-Offiziere hatten Briefe zur Post gegeben, in denen zu einer Abschiedsfeier für den Bczirkskommandenr eingeladen war. Die Briefe versahen die Herreu mit der Aufschrift „Mllttaria"(1) und einem Abdruck des Dienstsiegels si). Von Franlatnr war nuter diesen Umständen natürlich keine Rede. Tie Obcrpostdircktion in C. fand hierin einen Verstoß gegen das Post- gcsctz und leitete gegen die Beteiligten das Strafverfahren wegen Porto- Hinterziehung ein. DaS Schöffengericht in B. hielt die Angeklagten für schuldig. Dieselben wären bei gehöriger Aufmerksamkeit ini stände gewesen, den nicht rein dienstlichen Charakter ihres Schreibens zu erkennen. Auf Berufung hob die Strafkammer in C. das Urteil des Schöffengerichts auf und sprach die Angeklagten frei, weil sie über die gesetzlichen Bcstiminnngen der Portofrcihcit sich in einem nicht' ans Fahrlässigkeit beruhenden Irrtum befunden hätten. Das Reichsgericht hat daS letztere Urteil bc- st ä t i g t. Zu gleicher Zeit geht folgende Notiz aus Karlsruhe durch die Blätter: „Die Austrägerin des„VolksfreiliideS* in Durlach hatte Anfang dieses Jahres wegen Postvergehen— sie hatte in einer Anzahl von Fällen den„Volksfrcnud" und die„Schwäbische Tagwacht" den Abonnenten auf einem Besteilgang zugestellt— ei» Strafmandat ans 1800 M. erhallen. Sie beainragro gerickt- liche Verhandlung, bei der vor der Strafkammer festgestellt wurde, daß die Frau nicht selbständige Vezceherin der beiden Zeitungen sei, fondern einerseits der soeialdeniokratische Verein Dnrlach, andererseits der Mann der Austrägerin. Der Siaaisanwalt beantragte laut„Bollsfrennd" Verurteilimg, wobei er zugab, das; die Frau aus Fahrlässigkeit und Unkenntnis des Gesetzes gehandelt habe. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 1407 M. oder 6 Wochen Hast. Nach den Entscheidnngsgründen hat der Gerichtshof die Vorsätzlichkeit der Handlung angenonnucn." Eine Zeitungöträgenn ist also so gebildet, daß sie in alle Finessen des Rechts eingciveihr seinsoll— und ein Reserve-Offizier ist nicht mit derselben Kenntnis behaftet? Wunderbar, höchst wunderbar.— Iliüsturzfördcrnng. Der„Germania" zufolge hat die weimarische Regierung es abgclehn'r, gegen mittelbare Staatsbeamte direkt ein- zuschreiten, die direkt oder indirekt iz. B. bei Wählen) die Social- dcmokratie zu unterstützen wagen. Der Fall betraf' die öffentliche Aufforderung, bei einer ReichStag-Z-Stichwahl dem Socialdemokratcn die Stimme zu geben. ck�n Weimar darf also am Ende gar ein OrtSvorstchcr eine Wohnung an einen Socialdemokraten vermictrii I Ein wtldes Land. vor dem das Berliner Ober-BerwaliungSgericht Grauen empfinden muß. Kleine Freuden haben wir in den letzten Tagen unseren Feinden bercicel, und zwar durch unsere» Druckfehler. Die„Kreuz- Zeitung" hat die Verwertungsfähigleit unseres„Kobolds" zuerst ein« deckt. lind die„Post" hat die Entdeckung noch einmal entdeckt— kapitalistische Genies beuten eben alles aus. Daneben ist die„Post" erstaunt, daß der„Vorwärts" die Freiheit der MeicknngSänßerung so weit treibt, selbst Polemiken gegen die Redaktion oder einzelne ihrer Mitglieder zu veröffentlichen. Diese Verwnudcrnng begreifen wir; die Leute der„Post" würden es allerdings für den Gipse! des Wahnsinns halten, wenn ihnen jemand zumutete, eine Auslassung gegen ihren Ehefredacleur, Herrn v. Stumm, zu bringen.— Nene Art Trinkgelder. Im„Ncichsboten" empfiehlt ein Pastor, sich der Kellner anziinehinen, indem mau ihnen reichlich Traktätchen dediziert.„Ein gutes Buch, das man ihm beim Ab- schied reicht, hat höheren Wert als ein glänzendes Trinkgeld". Dieser Vorschlag. Trinkgelder in einer Art Naturalien zu be- zahlen, hat den Nachteil, daß diese beglückten Kellner kaum in ihren Hosentaschen den nötigen Raum finden werden, täglich einige hundert dieser Geistcspeödnkte zu bergen. Außerdem sind Antiquaro schleckite Zahler und mit Makulatur läßt sich weder der Hauswirt noch Bäcker und Schlächter honorieren. ' Jmnnerhin verlohnt es sich, wenn einmal beispielsweise im Eafs National zu Berlin dieser Vernich einer Trinkgeldzahlung in Büchern probeweise unternommen wird.— Sehr gemütlich faßt die„Kölnische Volkszeitung" die Stenogrammänderung des Bureandirektorö Knack auf: „Wir denken, man könnte die Sache nachgerade ruhen lassen, nachdem doch längst als feststehend betrachtet werden darf, daß alle die kühnen Vermutungen, die man an die Fälschung geknüpft hat, leere Phantastereien gewesen sind. Daß es sich um einen bloßen Mißgriff ohne böse Absicht seitens des BureandircktvrS handelte, ist von Anfang an, trotz der Schlvcigsamkeit des Präsidenten in kundigen parlamentarischen Kreisen angenommen worden. Der Direktor hat ja tvohl schon auch sonst einmal kleine Eigenmächtigkeiten begangen, die hinterher zu Verdrießlichkeiten führten. Jiisolae einer solchen mußte z. B. der Abg. Trimborn um Pfingsten eine ziveite berichtigte Ausgabe des Äonmüssions« bericbts über die Gcwerbegcrichte veranstalten." Mißgriff, kleine Eigenmächligkeiren— Herr Knack hat Ivirklich gute Freunde, deren Verhallen ihm den Mut geben wird, seine Ümke'hrungen parlamentarischer Aeußerungcn fortzcyctzen. Im Temmciauten-Ehrgeiz laufen sich die„K o n s e r v a t i v- Korrespondenz" und das Hof-Kompromittierungs-Organ des Herrn Leon Leipziger, eines erfolglosen TingeltangelreimcrS. das „Kleine Jonriial", den Rang ab.' Beide fallen über ein kleines derbes Gedicht des„Wahren Jacob" her, in dem die Gestalt des großen Kurfürsten in der satirischen Beleuchtung historischer Wahr- hcit— die Karikatur ist viel porträtähnlicher als die sich ivissen- schaftlich nennenden Legenden— grotesk erscheint. Darüber läßt sieh nun der destillierte Deutsche des„Kleinen Journal" Ivie folgt ver- nehmen: „In diesen wenigen Worten ist ein ganzer Berg von Nieder- tracht und Gemeinheit der Gesinnung aufgehäuft. Alles, was jedem anständigen Preußen bisher an jenem großen Hohenzoller erhaben und bewunderungswürdig dünkte, ist mit der ätzenden Jauche des frivolsten Spottes beschmutzt. Die Heve der Socialdemokratie schreckt nicht vor dem Grabe des Mannes zurück, der uns Deutsche erst zu Deutschen gemacht hat. In gewaltiger Zahl verbreitet das Blatt sein Gift durch die Volks- massen. Was der gewohnheitsmäßige Majestätsbeleidiger im stillsten Winkel seines Kämmerleins sich kaum zu denken getraut, ist hier offen mit cynischen Worten ausgesprochen— am Ende dieses Jahrhunderts, dessen ruhmvolle Ereignisse daS Werk dcS großen Totcii krönten. Wahrlich, ivenn man dieses ekle Pamphlet liest, dann muß man fast von Herzen bedauern, daß deutsche Männer ihr deutsches Blut für die Einheit ihres Vaterlandes hm- gegeben haben. Denn wenn deutsche Männer fähig sind, so schändliche Gedanken auszudrücken, dann war Teutschland nicht wert, da« Deutsche Reich zu werden." Wer nun noch an dem schwcrtMrrcndcn Deutschtum Lson �eU'z.gers zweifelt, der verdiente nnndestens— der Onkel dieses Dentschcsteu zu sein. Dach mit der brünstiaen Verehruna dcs Grotzeii Llursiiesten �laulit der Mann sein Dcutschimu noch nicht ge»ül;e»d rrhärtct zu haben. Für die heiligste cicrmauische Tugend scheint er das SDcmmcicrcii zu halten und darnin fährt er fort- „Wenn sich die w«komine»e Gelegenheit bietet, jenseits der Paragraphen� des Strafgesetzbuches die Vergangenheit zu besudeln IN her Absicht, d i e G e g e n lv a r t z u s ch IN ä h e II, wenn es gilt, die Hetze gegen Thron und Altar zu betreiben, die Eninicrungen zu zerstören, welche bisher an jedem deutschen Herde für heilig>«lten. den Bau zu untergraben, dessen Grund- festen nach dem Grundsätze„Mit Gott für König und Vaterland" nnfgebnul waren— ja dann kennen sie keine Schonung und stürzen mit roher Hand die h e i l i g st e n Altäre der Nation in Tri! m in e r. Wir. sind schon längst der Ansicht, daß es gegenüber dieser Kr iegführnng der Socialdemokratie kein Pak- t i e r e n mehr gievt. Wollen wir nicht die Errnngenschasten eines Eroszen Kurfürsten und eines Wilhelm des Großen ver- liereii. dann müssen endlich die Mittel gegen die Socialdemokratie ergriffen werden, welche diese oaterlaiidslosen Gesellen verdienen. Man fasse die Verführer und man belehre die Ver- führten. Aber man führe den Kampf mit aber Härte und mit aller Strenge, lind die Parole mögen die Worte des Großen Kurfürsten sein:„Bedenke, daß Du ein Deutscher bist!" Das ist sehr schön gesagt. Leon Leipziger hat bedacht, daß er cm Deutscher ist. Cr sollte seine Enipörnng nun in hübsche Reime bringen und sie in den Amorsäleu oder sonstigen vaterländischen Lokalen als.Polka spielen lassen. Daß Leon Leipziger aber das ungünstige Urteil über den Großen Kurfürsten für eine Specialität der Socialdemokratie hält, ist. so gut ivie ein Offenbnrungseid seines Bildungsvermögens, eine erschütternde Pleite. W i r find in der Auffassung über jene verstorbene Fürstlichtelt lediglich Schüler, und müssen die uns gewidmete Denuneianten- Pvlka an die Historiker, denen wir unser Wissen verdanken, zurück- geben, den allen Schlosser an der Spitze, der sich noch gröber ans- gedrückiDhat, als der„wahre Jacob".— Ostcibischer Uingaug mit Menschen. Aus Graudenz wird uns geschrieben: Ein Scitcnstück zu der kürzlich mitgeteilten Lioheit des Besitzers Basteck aus Kl.-Krebs brachte die letzte Strafkammersitznng hiersclbst ans Tageslicht. Aitf dem Gute Hohen- eichen war von dem Pächter Paul Ncichelt der verheiratete Schmied Wenzel angenommen worden, und zwar bezog W. als Einkommen außer Bargeld noch Deputat und freie Wohnung. Am 2V. Juli v. I. machte Neichelt dem Schmied Vorhaltung darüber, daß er eine ihm aufgetragene Arbeit nicht gut genug ausgeführt hatte. Hierüber wurde Wenzel, der die feste Ueber- zeugung besaß, die Arbeit sei doch gut. auf- gebracht und soll sich, wenigstens nach der Behauptung des Neichelt, derartig benommen haben, daß jener sich veranlaßt sali, den Schmied zu entlassen, obgleich dieser nach seiner Angabe halb- jährliche Kündigung vereinbart hatte. Bei der Entlassung befahl Neichelt außerdem noch, daß Wenzel seine Wohnung innerhalb acht Tage räumen solle. Am 4. Angnst, also n o ch'v o r Ablauf der acht Tage, kam Neichelt mittags nach der Wenzelschen Wohnung und ließ durch iniigebrachte Leute, und zwar i n A b- Wesenheit dcs W., dessen sämtliche Mobilicn zc. hinaustragen. Die Gegenstände, unter denen sich auch eine Wiege mit einem fünf Mo nate alten Kinde befand, wurden teils vor der Thür, teils auf dem Duughaufen untergebracht und dann die Wohnung verschlossen. Infolge dessen war die Familie, bestehend auS Frau, zwei ganz kleinen Kindern und dem später zurückkehrenden Manne, ge- zwungen, die Nacht im Freien zuzubringen, was umso unangenehmer war, als sich um diselb« Zeit ein schweres Gewitter mit strömendem Regen entlud, wodurch Betten und Möbel teilweise verdorben wurden. Einen tiefen Eindruck machte eS auf die Zuhörer, als die Frau Wenzel unter Thränen erzählte, daß ihre Betten und Aus- steucrgegcnstände vernichtet worden wären, und wie sie mit ihren beiden kleinen Kindern, an einen Zaun gekauert, die Nacht zugebracht haben. Der Pächter wurde nun wegen dieses Vergehens angeklagt. Er behauptete vor der Strafkammer ganz ruhig, daß er den Wenzel zu seiner eigenen Sicherheit habe entfernen müssen, weil jener verschiedentlich Drohungen gegen ihn, Reichelt, ausgestoßen habe. Außerdem habe er sich auch zu dieser Handlungsweise berechtigt gefühlt. Auf Vorhalt mußte B. aber doch zugeben, daß der Gendarm ihn direkt auf das Strafbare seiner Handlungsweise auf- merksam gemacht hatte. Ganz eigentümlichen Eindruck machten bei der Verhandlung ferner die sich direkt widersprechenden Zeugen- aussagen. Während nämlich ein Teil behauptete, die Sachen hätten nicht auf den Duughaufen gelegen und Wenzel habe niit seiner Familie auch nicht im Freien, sondern im Hausflur über- nächtigt, sagten drei andere Zeugen unterm Eide gerade das Gegenteil ans. Der Gerichtshof sah das Vergehen der Nötigung als erwiesen an und verurteilte schließlich den Angeklagten doch zu 30 M. Geldstrafe. Teukschriftliches. Im Frühjahr fand zu Aurich ein Maurer- streik statt. Vor etiva 14 Tagen kam zu dem Vorsttzeilden der dortigen Zahlstelle de» Deutschen Maurerverbandes ein Polizei- beamter. mit einem Fragebogen, um über den Streik der Maurer Aufschlüsse zu holen. Es waren etwa 14 Fragen, die zu beant- Worten der Leiter der Maurerorganisation ersucht wurde. Es wurde» u. a. folgende Fragen gestellt und beantwortet: Frage 1: Ob der in diesem Frühjahr stattgefundene Maurerstrcik sich allein auf Altrich beschränkt, oder ob die umliegenden Ortschaften in Mitleidenschaft gezogen worden?— Anttvort: Der Streik war auf Aurich beschränkt. Frage 2: Wieviel Maurer waren bei dem Streik beteiligt?— Antwort; 55 Maurer, darunter 10 unter 21 Jahren. _ Frage 3: Hat die Polizei Arbeits ivillige beschützen müssen?— Antwort: Nein! Frage 4: Hat die Staatsanwaltschaft einschreiten müssen? — Antwort: Nein! Frage 5: Ist an die Streikenden Unterstütziing ausgezahlt worden und ivober ist das Geld gekommen? Antwort: Ja, aus dem Centraistreikfonds der Maurer Deutschlands. Frage 6: Ist es richtig, daß jeder Streikende pro Woche 10 M. Streiknnterstützung und die Verheirateten für jedes Kind 1 M. mehr bekommen haben?— Antwort: Ja! Es ist ein unverkennbarer Fortschritt, daß jetzt die Arbeiter selbst befragt werden._ Zur Frage der LandtagSwnhl-Taktik unserer Parteigenossen tu Baden wird uns von dort geschrieben: Die Vertreter der socialdemokrati- scheu Partei Badens haben, wie seiner Zeit mitgeteilt, zu Anfang vorigen Monats ans einer in Durlach stattgehabten Konferenz, dje zum Zwecke der Festlegung der bei den bevorstehenden Landtags- wählen einzuhaltenden Taktik zusammeiibernfen worden war, sich mit Einstimmigkeit dahin ausgesprochen, daß die weitere Schwächung der nationalliberalen Kammer- f r a k t i o n als das erste Ziel des Kampfes zu betrachten sei und den Wahlvorschlägen der bürgerlichen Oppositionspartei«!! deshalb in allen jenen Bezirken von vornherein Misere Unterstützimg zu teil werden solle, Ivo ans einen selbständigen Erfolg unserer Anhänger noch nicht gerechnet werden könne. Vor einigen Tagen hat nun der„dienstälteste" Vertreter unserer Partei im LnndeSparlament des„Mnstersiaaies", Abg. D r e e s b a ch- Mannheim, sich des näheren über die Dnrlacher Beschlüsse geäußert in einer Versammlung unserer K o n st a n z e r Parleigenoisen, die bei den kommenden Wahlen, ähnlich wie eine Anzahl weiterer Bezirke, vor die Alternative gestellt sind, entweder dem Wahlvorschlag der klerikal-demokratischen Koalition von vornherein ihre Unter- stützung zu leihen, oder aber, da wir aus eigener Kraft in Konstanz heute noch keine positiven Erfolge zu er- ringen vermögen, durch Aufstellung einer selbständigen Liste oder durch Wahlenthaltung dem nationalliberalen Bewerber zum Siege zu verhelfen. Dreesbach kennzeichnete die Bedeutung der bevorstehenden Landtagswahlen dahin, daß es sich um einen Kampf auf Leben und Tod gegen das Ministerium Eisenlohr und die nationallibcrale Partei handle. In diesem Kampfe sei der Eoeialdemokratie ihre Stellung genau vorgezeichuet: Da, wo sie eigene Mandate zu verteidigen habe oder aus eigener Kraft neue zu erobern sich stark genug fühle, gehe sie allein und nur auf ihre eigenen Machtmittel vertrauend in den Kampf. Wo sie aber keine Kandidaten aufstelle, weil ein Erfolg für sie' heute noch ausgeschlossen sei, da müsse sie ohne jegliches Kompromiß, ohne voraus- gegangene Verhandlungen und ohne jedeRücksicht daraus, Ivas die übrigen Oppositionsparteien in anderen Bezirken thun, mit der größten Energie für den O p p o s i ti o n s k a n d i d a t e n, sei es nun eln Klerikaler, ein Freisinniger oder Demokrat, eintreten. Die Oppositionsparteien müßten ihre Anstrengungen darauf richten, die Nationalliberalen so zu schwächen, daß'die Opposition die Zweidrittels- Mehrheit in der Zweiten Kammer erhalte, oder wenigstens doch so, daß man oben endlich einmal einsehe, daß sich die Regierung fernerhin nicht mehr auf die National- liberalen stützen könne. Aus dieser Erwägung heraus forderte Drcesbach unsere Konstauzer Parteigenossen auf, bei der Wahl für den Kandidaten der bürgerlichen Oppo- sition, Rechtsanwalt V e n e d e y, mit derselben Energie ein- zutreten, wie wenn er von der eigenen Partei aufgestellt wäre. Die Versammluug sprach durch lebhaften Beifall ihre Uebereinstimmung mit den Ausführungen Drcesbnchs aus. Wie wenig der badische Nationalliberalismus auf seine Aus- sichten bei den kommenden Wahlen vertraut und deshalb bei seinem TZidcrstaud gegen die freiheitlichen Forderungen des Volkes, ins- besondere die Einführung des direkten Landtags-Wahl- rechtes, mehr und mehr auf die„verfassungsmäßigen Kautelen" seilte Hoffitimg setzt, die ihm die Keane in Berbtitdtiiig mit der Ersten Kammer zu bieten scheint, das geht aus einer Aeußcruitg des bekannten Karlsruher Geheimrats-Korrcspoudcnte» der„Straß- burger Post" hervor. Der kundige Herr weist darin mit höhnischer Schadenfreude auf die parlamentarische Machtlosigkeit einer even- tuellen Zweidrittels-Mehrheit der Opposition in der Kammer hin, da selbst im Falle der Verwirklichung dieses„großartigen Gedankens" die „ r a d i k a l e n M a s s e n w a h l e n" für den Landtag nicht zu haben seien. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß die imtionalliberale Partei Badens die Fühlung mit dem Volke vollständig verloren hat und im Wcrzweiflimgslampse n»i ihr bißchen Existenz sich lediglich noch lsinter die Machtmittel der Regierung zu verschanzen weiß, dann wäre er durch jenen geheimrällichen Selbst- trost sicher erbracht worden.-- Lassalle und Schulze- Delitzsch. Ich hatte bei meiner letzten Eiiisendtmg die Absicht, ans das mir zustehende Schlußwort zu verziwten. Nur der Ton, den Mehring weiter beibehält— unser Kollege fühlt sich bekanntlich seit geraumer Zeit zum Parteizensor bernfen, nicht mir gegen mich, sondern so ziemlich gegen alle Genosseii. die einmal in Wort oder Schrift das Mchringiche Berliner Brics-Monopolgcbiet zu betreten wagen— veranlaßt mich, noch kurz das folgende zu erividem: Kein bürgerliches Blatt ist meines Wissens so weit gegangen, ans meinem Artikel(der meine Ausführinigen in Nr. 176 über die socialistische tmd kleinbüegerliche„GenosscttschnftSbewegtiitg" ergänzen sollte), eine„Verherrlichung SchulzeS auf K o st e u Lassalles" herauszulesen. Und doch entrüstete sich der Kollege Mehring vom Sonntag über die„persiden"„Tricks" dieser „Chren- und Jubelgreise". Der Kollege Mehring von h e u t e ist ihnen allen bereits ivieder über! So ändert sich die„historische Wahrheit" nicht mir von einem Jahre zum nächsten—>vas immer noch menschlich entschuldbar ist— sondern sogar von einem Tage zum übernächsten I Die Auseinandersetzung über die Koalition sbewegung der 60er Jahre hat mir Mehring schon im Mai in der„Nenen Zeit" angekündigt. Ich freue mich, daß sie Wirklichkeit werden soll. Denn ich erhalte meinerseits dadurch Gelegenheit, meine vorher- gegangene Stellungnahme zu Mehrings Geschichtsschreibung des näheren zu begründen: daß man nämlich heute das Verhalten der Fortschrittspartei_„n i ch t m ehr m i e ein damaliger Durchschnittsleser von Schweitzers Lcitartiieln beurteilen könne"— Artikel, deren Be- dentimg für die Tageskämpfe ich übrigens stark genug hervor- gehoben habe. Summa Snmmariim: Wenn die Fortschrittlcr allmählich so viel gelernt haben, miserc Führer nicht mehr als„Kassettendiebe" und „Raubmörder" anzusehen, so können wir wohl ebenfall» in aller Ruhe merken lassen, daß u n s e r e revolutioiiären Köpfe auch nicht mit Cement ausgefüllt sind, dem Feuer und Waster, Zeit und Gelegenheit nichts, aber auch gar nichts anhaben können. Das ist wahrhaftig keine Herabsetzung unserer Köpfe und keine Verherrlichung der Gegner. Damit schließe auch ich die Diskussion im„Vorwärts". Verlin, 10. Angnst. M a x S ch i p P e l. Ausland. Zur Transvaalfrage. Die äußerst kriegerische Sprache, die England gegen die Buren führt, hat bisher zu keinen thatsächlichen Konsequenzen geführt. Ans Pretoria meldet das Bureau Reuter: Die Antwort der Regierung der Südasrikanischcn Republik auf die Depesche deS Ministers Chamberlain ist noch nicht abgegangen. Die Regierung sieht die Angelegenheit als so wichtig und weit» teagend an.' daß sie es für rötlich hält, den Gegenstand in wettere reifliche Erwägung zu ziehen. Es wird möglichertueise eine Woche vergehet, bis eine endgültige Antwort abgeht. Inzwischen heißt es, werden in Transvaal Kriegsvorbereitnngen getroffen. Die englische Spekulantenpress« überbietet sich in erhitzten Drohungen. Das' Goldland ist ihr ein allzu leckerer Bissen.— Oestrcich- Ungar». Nntiezechisch« Demonstrationen. Aus Cilli wird berichtet: Gelegentlich der Enthüllung des Grabdenkmals deS slavischen Philologen Oblak fanden vor dem slovenischen Vereinshause. Ivo eine slavische Trikolore gehißt worden war. Kundgebungen statt, die erst aufhörten, als die Fahne entfernt wurde. Als später etwa hundert ezechische Hochschüler in die Stadt einzogen, wiederholten sich die Knndgebtmgen, doch wurden durch Maßnahmen der Polizei Zu- fammeust'ilße verhindert. Ein Ausflug, welchen ezechische Studenten unternahmen, verlief ohne Störung. Nach der Rückkehr der Studenten kam es zu einer An- sammlimg vor dem slavischen VereinShaus, in welchem Konzert>uar. Der KaiserJosefsplatz wurde durch eincKompägnicLandwehrabgcsperrt. Um Mitternacht herrschte Ruhe. Nachts IVa Uhr wurden zwei Deutsche, wie es heißt, ohne Veranlassung, durch Nevolverschnsje schwer ver» letzt. Die Thäter. zwei Slovenen, wurden verhaftet. Donnerstag- vormittag sind die ezcchischen Studenten abgereist; sie wurden durch Militär'zum Bahnhöf geleitet. Ein Prager Student wurde durch eilten Steimvurf leicht verletzt. Im ganze» wurden zehn Verhaf- tungen vorgenommen. A-rankreich. Telcassä in Nusiland. Der französische Minister des AuS- wärst gei; Delcnssö ist nach Paris zurückgereist. Zuckerprämie». Im Ministerrat unterzeichnete Präsident Lonbel ein Dekret, welches die Prämicnsätze für E x p o r t z n ck e f festsetzt. Diese Prämie ist für die Campagne 1866/1900 auf 2,75 Fr. für Zucker der ersten Kategorie an Stelle des gesetzlich vorgesehenen Satzes von 3,50 Fr. festgesetzt; für solchen der zweiten Kategorie auf 3,13 Fr. statt 4 Fr. de? gesetzlich vorgoschenen Satzes und für Zucker der dritten Kategorie auf 3,55 Fr. statt 4,50 Fr.— Rußland. Der neue KnrS ln Nusiland. Die„Intern. Corresp." hört von einer wohlunterrichteten Persönlichkeit, welche vor ctiiigen Tagen aus Petersburg zurückgekehrt ist: ES ist zu befürchten, daß die etwas freiere Richtung, welche seit drei Jahren in nationaler, kirchenpolitischer und' wirtschaftlicher Beziehung innerhalb der russischen Staatsverwaltung vorherrschte, wieder vollständig verschwinden wird. In sehr kurzer Zeit dürfte der Geist PobedonoSzewS der allein maßgebende sein, der sich in der Zurückdrängung alles Nichtrussischen und Nichtorthodoxen kenn- zeichnet. Dies werden die Deutschen der baltischen Länder und der sitdrussischeii Ackerbaukolonien ebenso erfahren, wie die Finnen, Polen. Katholiken. Unierten und Juden. Desgleichen ist beabsichtigt, den ausländischen' Handel, die fremden Fabrikunternehmimgen und Kapitalistengesellschaften noch weiter zu beschränken als bisher. Das Stockrusicntum, ivelches glaubt, daß Rußband militärisch, politisch, geistig und wirtschaftlich das Ausland überhaupt nicht mehr brauche. giebt sich der Hoffnung hin, der Zar werde diese Anschauung bqld völlig zu der seinigen machen.— Aus England. London. 6. August 18gg. Hohe Eisenpreise und die Furcht vor einer Geschäftskrists.— Die Wohnungsnot in London und mit sie beiinnpst wird. Oblvohl die Blätter nichts darüber bringen, ist es außer Zweifel, daß die Maschinenbau- Unternehmer ihre Behauptung, daß der Ge- schäftsstand die von den Arbeitern geforderte Lohnerhöhung(stehe gestern unter Gewerlschnftliches. Red.) nicht zulasse, Haupt- sächlich auch die außerordentliche Steigerung im Preise ihres Rohprodukts stützen. Das Geschäft selbst geht noch flott genug, laber die Preise von Eisen und Stahl sind gerade deshalb fortgesetzt in die Höhe gegangen und verschiedentlich wird über eine ivahrhafte Eisennot geklagt. Englische Hochöfen verarbeiten heute minderwertige Eisenerze, die sie vor wenigen Jahren noch mit Verachtung zurückgewiesen hätten, bloß weil gute Erze in genügenden Quantitäten nicht aufzutreiben sind, und der Ertrag pro Ofen nimmt unter diesen Ilmständen ab statt zu. ES wird von Preissteigerungen bis zu hundert Prozent und darüber berichtet. Ans dieser Verteuerung von Eisen und Stahl folgern manche die Nähe einer allgemeinen Geschäftskrisis, unter Bernfung� darauf, daß allen bisherigen Krisen eine abnorme Erhöhung der Eisenpreise vorausging. Daran ist aber nur soviel richtig, daß bei der großen Rolle, ivelche das Eisen in der.modernen Industrie spielt, jeder Prosperitätsperiode naturgemäß mit erhöhter Nachfrage nach diesem Metall und demgemäß auch entsprechende Verteuerung verbunden ist, sobald die Produktion oder das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt. So können die Bewegungen der Eisenpreise unter Berücksichtigung der Produktioitsändernngen und abnormer Bedürf- nisse wohl als Maßstab für den HLhegrad deS Geschäftsstandes diene», aber als Wetterzeichen für die Nähe einer Geschäftskiisis sind sie durchaus trügerisch. Als Kehrseite der gegenwärtigen Prosperitätsperiode zeigt sich die Wohnungsnot in London und einer Anzahl größerer Industrie- centren. In London herrschen in den von der ärmeren Bevölkerung bewohnten Distrikten vielfach himmelschreiende Zustände. Während das Wohnbedürfnis steigt, vermindert sich das WohnniigSangebot. denn immer mehr Wohnhäuser werden niedergerissen, um Raum für Jndustriegcbäude, öffentliche Institute usw. zu schaffen, und so gehen die Mieten gerade für die Wohnungen der Arbeiter überall in die Höhe. Selbst Vororte, die noch vor kurzem ein Stück ländlichen Charakters trugen, zeigen heute alle charakteristischen Erscheinungen städtischer Uebcrvölkenmg. So geht einem Teil der Arbeiter der Löwenanteil des Vorteils ver- besserter Arbeitsgelegenheit dadurch verloren, daß sie für unznläng« liche Behausung unverhältnismäßig hohe Mieten zahlen müssen. Diesem wachsenden WohnungÄnaiiael stehen die Behörden ziemlich ratlos gegenüber. Gegen das Errichten von immer neuen Mietskasernen innerhalb der Stadt sprechen viele Gründe, und die arbeitende Bevölkerung in immer entlegeneren Vororten unter- zubringen, stößt mich ans Schwierigkeiten, zumal die Verkehrsmittel Londons für das Befürderungsbediirfnis, wie es sich unter diesen ilmständen entivickelt hat, viel zn schwerfällig und auch kostspielig sind. Zu welchen Auswegen man greift, um dem steigenden Bedürfnis abzuhelfen, zeigt das Beispiel der Great Eastern Eisenbahn, die den Verkehr Londons mit den östlichen und nordöstlichen Vororten vermittelt. Nachdem sie erst vor ein paar Jahren ihren Bahnhof bedeutend erweitert hat, baut sie jetzt breitere Waggons, weil sie absolut nicht in der Lage ist. die Zahl ihrer Lokalzüge zn vermehren. Die Verbreiterung des Bahnkörpers stößt auf die Schwierigkeit, daß sie erstens den Ankauf von sehr viel Baugrund erfordert, und zweitens, da die Bahnen durch einen großen Teil der Stadt laufe», dort Niederreißen von Wohn« Häusern und damit Vermehrung dcs Mohnmigsinangels bedeutet, ivie dies jetzt im Umkreis von Waterloo- Station der Süd-West- Eisen- bahn der Fall ist.. Um das Uebel des Ausmieten? größerer Massen zu bekämpfen, bestimmt' das Gesetz, daß, wenn zu irgend welchen Zivecken(Sanierung von Stadtvierteln, Errichtung von öffentlichen Gebäuden zc.) Wohn- hänicr in gewisser Anzahl niedergerissen werden, die betreffende Person oder Körperschaft verpflichtet ist. den Beivohnern dieser Häuser angemessene Wohngelegcnheit als Ersatz zn bieten, Veziehungsiveise Wohnungen für eine entsprechende Anzahl Mieter der gleichen Klasse herzustellen. Diese lvohlgemeinte Vor- schrift schafft aber wieder neue Probleme, wie das der Londoner Grafschaftsrat bei verschiedenen Gelegenheiten erfahren mußte.*) Um sich diesen Unbcgiiemlichleiteii zn entziehe», hat der Londoner Schul- rat seil Jahren den Kniff befolgt, in den Bezirken, Ivo er neue Schulen zn bauen hatte, immer mir soviel Häuser im Lause eines Jahres anzukaufen, daß er um gerade eines hinter der Mindestzahl zurück- blieb, und den Restkauf auf das nächste Jahr zu verschieben. Durch dieses Vergnügen hat ihm jetzt der Staatssekretär des Inneren einen dicken Strich gezogen und verfügt, daß da« Manöver zivnr sehr genial, aber migcse'tzlich ist, nnd der Schulrat nachträglich in den vetreffenden Distrilten Hausungsgelegeiiheit für die ansgemietete Bevölkerung zu schaffen hat. Mit einem schweren Seufzer denn es wird eine zicnilich kostspielige Geschichte werden-- hat sich die Schulbehörde diesem Entscheid gefügt. Aber das ist nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Auf der anderen Seite hat der Grafschaftsrat, der die Errichtung von an- ständigen mimtzlpalen Arbeiterhüusern außerhalb des hauptstädtischen GebierS in Aussicht genommen hatte, zn seinem Schrecken erfahren müssen, daß ihm das Gesetz nicht erlaubt, Boden außerhalb dieses Gebiets zu erwerbe». Eo sind aber die Bodenbesitzverhältnisse, die neben dem abnormen Umfang dieses Städte-Ungeheners einer befriedigenden Lösung des Wohnungsproblems die größte Schwierig- keit in den Weg legen. Socialisten und Bodenreformer nutzen diese Thatsache propagandistisch nach Kräften aus; aber nun koinmt das weitere Problem: die Menschemnenge, die das weite London be- wohnt, zu irgend einer großen und wirkungsvollen gemeinsamen Agitation aufzurütteln. Und daran arbeiten sie sich alle vergebens ab. A» lokalen Massenversammlungen hat es nicht gefehlt, aber sie sind schnell vergessen. Da das Uebel nicht überall gleich- mäßig empfimden wird, cs auch nicht immer die gleichen Schichten sind, die es trifft, so schläft der eine Bezirk, wenn der andere schrei, nnd umgekehrt. Und die am meisten leiden, sind oft die gleich- gültigsten, denn ihnen hat die Macht der Gewohnheit den Sinn für das, was ihnen fehlt, genommen. Nur einzelne Gemeinden haben *) Die Ersatzwohimngen, die er den proletarischen Anwohnern des sanierten Distrikts Cläre Market(innere Stadt) zu stellen hat, kommen»hm so teuer, daß er ihnen dafür richtige Villen in einem der Billcu-Vororte bauen könnte. ernsthaste Mittel ergriffen, anständige Arbcitcrwohnnngcn in nenncnS- werter Anzahl zu errichten, im großen und ganzen dominiert in London noch immer die Spekulation und die Aushilfe, die WohlfahrtS- institute bieten.—_ Mslvkei-NÄÄzvrrszfetr« Polizeiliches, Gerichtliches ustv. — Daß die Versammlungen der Polizei wegen da sind, ist die neueste Entdeckung sächsischer Behörden in ihrer Fürsorge für das Versammlungsrecht. Der Bürgermeister Dr. Polster in Hohen- stein-Ernstthal verbot eine Mitgliederversammlung eines Volksbildungs-Vereins mit der Begründung, daß die erforderliche Polizei- liche Kontrolle nicht geübt werden könne. Der Herr Bürgermeister kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, dem sächsischen Juwel eine neue Serie abgewonnen zu haben; das ist gewiß nichts Leichtes. In Rennes. In Ermangelung sicherer Nachrichten über die Geheimverhand kungen des Kriegsgerichtes bemühen sich die in Rennes versammelten Journalisten die Schätze ihrer Phantasien an ihre Zeitungen zu ver- schwenden. Es lohnt nicht, derlei Gerüchte zu verzeichnen. In der Donnerstagsitzung desKriegsgerichtshatGeneralChamoin die übrigen Dokumente des militärischen Geheimaktenstückes vor- gelegt. Paloologue' begann sodann seine Ausführungen über das diplomatische Geheimaktenstück. »* Ueber die Verhandlungen am Mittwoch erzählt die„Voss Ztg.": General C h a m o i n packte die Geheim Papiere des General st abs weiter aus und erläuterte ihre hohe Wichtigkeit mündlich. Richter und Verteidiger saßen um den Gcrichtstisch und betrachteten staunend die Papiere, die seit der Untersuchung des Strafsenats noch neue Bereichenmgcn erfahren haben. Drehs its, etwas abseits sitzend, horte mit starrem Staunen zu. Widerspruch wurde von keiner Seite er- hoben. Dieser wird erst in öffentlicher Sitzung laut werden. für welche die Verteidiger sich zahlreiche Anfzeichnungcn machen. Die merkwürdigsten Stücke werden freilich wegen ihres schamlos unzüchtigen Inhalts der Neugierde des Publikums vorenthalten. bleiben. Aber auf alles, was den Fall Dreyfus betrifft, wird man zurückkommen; nur sind Anklage und Verteidigung übereingekommen, die Eigennamen der Ättachss, Agenten usw. durch bc- stimmte AnfangSbu ch st a b e n z u ersetzen. Paty de Clam soll dem„Figaro" zufolge nun doch in RcuneS erscheinen. Einigen Blättern zufolge soll Cavaignac letzten Montag und Mittlvoch auf seiner in der N ä h e von Rennes belegenen Be- sitzung niehrere als Zeugen vor das Kriegsgericht in Reimes geladene Generale, darunter auch den General Roget, empfangen haben, was zu verschiedenen Deutungen Anlaß gab. Max Negis, der Antisemit hielt einen Vortrag über die politische Lage in Algier und die Dreifns-Angelegenhcit. Die Ver- sammlung nahm einen stürmischen Ausgang. Die Polizei schritt ein und nahm etwa 20 Verhaftungen vor, jedoch wurden die meisten Verhafteten wieder freigelassen. »« Geheimes. Aus Reimes, 8. August, ivird uns geschrieben: Ist es der Reiz des Geheimnisses, mit dem im Kriegsgericht die Mitteilung des geheinien Dossier umgeben wird, der heute früh eine so große Menschenmenge nach dem Lyceum von Rennes gezogen hat? Mehr als 1S00 Personen waren in der Bahnhofstraße gestaut; sie alle kamen aus dem Gefühl der Neugier, das die Bevölkerung der Stadt mehr und mehr quält. Uebrigens blieb alles ruhig, iind es ereignete sich keine Demonstration. Als gegen Mittag der Hauptmann Dreyfus vom Lyceum ins Militärgefäugnis überführt werden sollte, wurde durch seine Bedeckung durch das Stampfen und Schlagen ihrer Pferde ein großer Tumult in der neugierigen Menge hervorgenlfe». Doch die Aufregung ging bald vorüber, die Menge staute sich ein ivenig zurück, ivobei lebhast über die beivaffneten Ver- treter der öffentlichen Gcivalt geschimpft wurde. Wie ich Ihnen gestern schrieb, hat die Mitteilung des geheimen Dossier heute begonnen. Die Verteidiger Dreyfus sollen init dem Eindruck, den das geheime Dossier auf die Richter hervorbrachte, sehr zufrieden gewesen seien. Uebrigens ist jedermann derselben Meinung, daß die Nichtigkeiten und Gemeinheiten der Schriftstücke, die mau mit so viel Sorgfalt verborgen hält und durch die man Dreyfus vernichten will, die Nichter gerade zu Gunsten des An- geklagten stimmen werden. Die Offiziere des Kriegsgerichts kennen noch gar nichts oder sehr wenig von der„Affaire". Zum Teil haben sie von den wichtigen Verhandlungen, die bis jetzt stattgefunden haben, keine Kenntnis genommen und sogar nicht einmal die Enquete des Kassationshofes gelesen. Einige erklären mit großem Stolz, daß sie die Angelegenheit nicht kenneu. Bei ihnen ist also eine Unterrichrung von Beginn nötig, und mau begreift die Um- wälzuug, die sich in dem Bewußtsein dieser Richter vollziehen muß, wenn sich die Wahrheit vor ihnen erhebt. Die Mitteilung des geheimen Dossier hat begonnen, und man erzählt uns bereits von seinen revoltierenden Wirkungen.... Genosse Jaurös ist heute früh in Rennes angekommen. Seine Ankunft hat in der Stadt lebhaftes Aufsehen hervorgerufen. Die Zeit, die ihm der Prozeß in Stcnnes lassen wird,>vird er dazu benutzen, in der alten katholischen Bretagne eine Reihe von Vor- trägen über die Principien des SocialiSmus zu halten. Versamm- eine ein- Marke im GeivevKftszstftliifzes. Verliii und Umgegend. Nchtnng, Töpfer! Laut Beschluß der öffentlichen Inng vom 8. August ist die Marke zum Streikfonds jetzt hcitliche. Die Kollegen sind verpflichtet, jede Woche eine Werte von 50 Pf. zu entnehmen, Arbeitslosigkeit und Krankheit ent- bindet hiervon, doch haben diese Kollegen sich die betreffenden Wochen abstempeln zu lassen. Auf jedem Bau ist ein Delegierter zu ivählen, der der Lohnlommission über die Verhältnisse auf dem Bau zu berichten hat. Dieser hat auch die Sammlungen zum Streikfonds in die Hand zu nehmen. Die Lohnkommission tagt des Sonnabends von 6— S Uhr abends im Lokale von Prcuß, Neue Friedrichstraße 20, und sind dorthin auch alle Briefe usw. zu richten. Kollegen! Der Herbst naht heran und damit beginnt auch unsere Arbeitsgelegenheit bald wieder eine bessere zu werden; die Zeit müsse» wir dann benutzen, um endlich wieder in unserem Gewerbe geregelte Verhältnisse einzuführen. Der Kampf wird vor- aussichtlich ein schwerer werden, desto mehr sind aber die Kollegen verpflichtet, den Beschlüssen der Versammlung nachzukommen und der Kommission mit zur Seite zu stehen. Darum auf. Kollegen I sorgt, daß wir zur geeigneten Zeit gerüstet dastehen. Die Lob ukonr Mission der Töpfer Berlins und Umgegend. I. A.: H. D a v i d. Vertrauensmann. Achtung, Zinkaieffer und Stiirzer! Die Werkstatt deS Zwischenmeisters Kaufmann, Dresdenerstr. 124, ist gesperrt und des- halb der Zuzug fernzuhalten. Achtung, Tapezierer? Aus London geht uns die Mitteilung zu, daß mehrere große Firmen durch Agenten in Berlin und anderen Orten versuchen werden. Tapezierer nach London a n z u- werben. Wir warnen, dort Stellung anzunehmen, da die Tape- zierer einer Anzahl Londoner Firmen im Ausstand sich befinden. Ausland. Die MassenanSspcrrung in Dänemark. Nach einer Meldung des Wölfischen Bureaus teilte der Vorstand des Untenrehmervereius Mittwochnachmittag den Fachverbänden mit. daß die durch Beschluß der Generalversammlung der Fachverbändc gestellten Bedingungen unannehmbar seien. Der Aussperrung könne nur nach Vcrzichtlcistung ans jene Bedingungen ein Ende gemacht werden. Auf diese Bedingungen werden aber die Arbeiter unter keinen Umständen freiwillig verzichten. Sie bestehen nämlich darin, daß in den Werkstätten keine neuen Arbeitsordnungen ohne vorgängige Be- ratung durch Ausschüsse beider Teile eingeführt werden dürfen. Die Unternehmer wollen also den Arbeitern das Recht der Mit- Wirkung bei Festsetzung der Arbeitsordnung nicht zugestehen, ein Recht, das selbst die schwächliche deutsche Socialreform den Arbeitern. wenn auch nur auf dem Papier, zugesteht; sie wollen selbstherrlich die Arbeitsordnung diktieren. Unter diesen Umständen wird der Kampf also fortdauern und es wird von der Opferwilligkeit der deutschen Arbeiter wesentlich mit abhängen, ob die Unternehmer- Willkür oder das Recht siegt._ Der Streik der Pariser GaSarbcitcr, der am 8. August erklärt wurde, gilt in erster Linie der Forderung einer Lohnerhöhung von 3 Fr. 30 Cents, auf 4 Fr. pro Tonne destillierter Kohle. Den zunächst interessierten Heizern haben sich die übrigen Kategorien angeschlossen. Die Lohnforderung steht in Verbindung mit der neulich auf Antrag der Gelverlschaft versuchsweise eingeführten Achtstundenschicht(anstatt der Zwölfftunden). Da die Heizer in Accordlohn arbeiten, ist ihr Verdienst von 9 bis 10 Francs täglich auf 6—7 Fr. gesunken. Sie verlangen nun ein Lohnminimum von 8 Fr., Ivas noch immer einen Lohnausfall gegenüber früher bedeuten würde, den sie aber wegen der Verkürzung der Arbeitszeit bei einer so aufreibenden Verrichtung mit in den Kauf nehmen. Die Gasarbeiter besitzen eine kräftige Genossenschaft mit über 10 000 Mitgliedern, deren Stellung noch dadurch gestärkt wird, daß die Gasgesellschaft ein städtisches Monopol ausbeutet und damit vom Gemeindcrat abhängig ist, der stets die Gewerkschaft unterstützt. Auch die Einführung der Achtstundenschicht ist mit Hilfe des Gemeinderats zu stände gekommen. Der Ausgang des Streiks hängt von dessen zur Stunde noch nicht übersehbaren Ausdehnung ab. Nach den Erklärungen des Sekretärs der Genossenschast besitzt die Gesellschaft einen Gasvorrat für nur 36 Stunden. Andererseits kommt in Betracht, daß die Heizer- arbeit keine Anlernung erfordert, daß also die Streikenden leicht durch„Arbeitswillige" ersetzt werden könnten. SooiÄlles. Der kürzlich erschienene Bericht der Handels- und Gewerbe- kammer in Dresden mackt in Bezug auf die allgemeine Lage von Handel und Gewerbe verschiedene allgemein interessante Angaben. Es wird zunächst eine allgeincine Vorwärtsentivicklung am stärksten in der Metallindustrie konstatiert, während man für das Jahr 1898»ach dem großen Aufschwünge von 1896 zu 1897 Rückschritt oder doch Stillstand erwartet hatte. Die Arbeits- löhne und Gehälter sollen nach dem Maßstabe des steuerpflichtigen Einkommens um reichlich 6 Prozent gestiegen sein. Für die Arbeitslöhne allein dürfte diese Angabe nicht in der Höhe und so allgemein zutreffen. Wichtig ist aber, daß auch das Einkommen der Unternehmer in ganz gleichem Maße gestiegen ist. Den Arbeitern will man aber immer weiß machen, erhöhte Löhne kürzen den Unternehmergewiun und die Industrie vertrüge sie nicht. Wie entgegenkommend die Behörden in solchen Perioden dem Bestreben des Unternehmertums, die Arbeitszeit zu verlängern, sind, geht daraus hervor, daß im Bezirk an 4S0 000 U e b e r st u n d e n behördliche Bclvilligung fanden; noch 15 000 mehr als 1897. Das ist natürlich nur ein Bruchteil der lvirklick geleisteten Ueberstunden, zumal sich die An- gaben nur auf die Werktage mit Ausschluß des Sonnabends be- ziehen. Es haben sich ferner 1898 nicht iveniger als 21 neue Aktiengesellschaften mit einem gesamten Betriebskapital von 31 929 000 M. gebildet— eine enorme Ziffer für einen verhältnismäßig kleinen Bezirk, die das Vorjahr(14 mit 11 210 000 M.) weit überflügelt. Warenproduktion und Umsatz haben sich im allgemeinen erhöht, trotz wesentlicher Verteuerung der Rohprodukte und Halbfabrikate. Diese, letztere wird einzig der um sich greifenden Bildung von Ringen und Kartellen zugeschrieben. So soll an der Preis- Weigerung der böhmischen Braunkohlen der Ring der Kohlen- Händler schuld sein. Sehr interessant ist auch die Thatsache, daß eine Ermäßigung des Frachttarifes für schlesische Stein- kohle lediglich den schlesische» Großhändlern zu gute gekommen ist— das konsumierende Publikum hat keinen Vorteil gehabt, die Kohlenpreise sind im Gegenteil noch gesteigert worden. Unerwähnt darf auch nicht bleiben, daß der Bericht mit einer gewissen Aengstlichkeit eine derartige außerordentliche EntWickelung der Industrie konstatiert. Es lvird nämlich ganz richtig darauf hingewiesen, daß für diese auch die g c r i n g st e S t ö r u n g der Absätzverhältnisse ininier gefährlicher wird. Arbeitszeit der Eisenbahner i» Bayern. Von der bayrischen Slaatsbahn-Verwaltung sind Bestimmungen über die planmäßige Ruhezeit des Eisenbahn- Betriebspersonals erlassen worden. Die Bestimmungen kommen zunächst nur für das eigentliche Bctriebspersoual in Geltung, sollen aber auch fiir das Personal des übrigen Stationsdicnstes, z. B. in Güterhallen. Maschincnhäusern zc. inngcmäße Anwendung finden. Als allgemeiner Grundsatz für die Gestaltung der Dienstcinteilung gilt, daß einerseits jede Ucberlastung des Personals fernzuhalten, andererseiis aber auch ein Herunter- gehen der Inanspruchnahme unter das einer haushälterischen VerwendUlig des Personals entsprechende Maß zu vermeiden ist. Uebrigens soll besonderen Wünschen des Personals hinsichtlich der Dienstcinteilung. insoweit dies mit den einschlägigen Vorschriften und dem dienstlichen Interesse verträglich� ist, thnnlichst Rechnung getragen werden. Für das Stationspersonal, Starionsvorsteher, Stalionsaufseher und Stationsassistentcn, Telegraphisten. Rangier- meister, Haltestellenaufseher uird Weichensteller, soll, wenn derDienst eine ununterbrochene angestrengte Thätigkeit erfordert, die tägliche Dauer 8 Stunden, die Daner einer einzelnen Dienstpflicht 10 Stunden nicht überschreiten. Im übrigen kann die durchschnittliche tägliche Dienst- dauer bis zu 12 Stunden, die Dauer einer einzelnen Dienstschicht bis zu 14 Stunden betragen. Für die Bahnwärter und Haltepunkt- Wärter soll die Dauer der täglichen Dienstschicht 14 Stunden nicht überschreiten. Bei einfachen Vetriebsverbältnissen, wie namentlich auf Nebenbahnen, kann die Dienstschicht bis auf 16 Stunden aus- gedehnt werden. Wenn die Bahnwärter nur in größerer Ent- fernung von ihrein Posten Wohnung finden können, ist die auf die Wege zum und vom Dienste entfallende Zeit an- gemessen zu berücksichtigen. Die tägliche Dienstdauer des Zug- begleitungspersonals soll im monatlichen Durchschnitt nicht mehr als 11 Stunden betragen. Die einzelne Dienstschicht darf 16 Stunden nicht überschreiten. Dienstschichten bis zu dieser Dauer dürfen nur angesetzt iverden, wenn sie durch ausgiebige Pansen unterbrochen werden. Das Lokomotivpersonal, das den aufreibendsten Dienst hat, soll im monatlichen Durchschnitt nicht mehr wie täglich Ivstündigen Dienst zu machen haben._ VovlÄmmlungon. Zur Lohnbewegung der Bautischler nahm am Mittwoch- abend eine Vertrauensmänner-Versammluiig sämtlicher Bezirke und Branchen der Holzarbeiter Stellung. Glocke schildert zunächst die EntWickelung der Bautischlerbewegung und erörtert dann die Forde- rungen der Bautischler, die unseren Lesern ja aus früheren Berichten bekannt sind. Die Freie Vereinigung der Meister Hai auf eine Anfrage erklärt, daß ihr keine Meister angehören, die in der Bau- brauche in Betracht kämen. Die Innung hat erklärt, wegen des Jnnungstages keine L u st zu Unterhandlungen zu haben. Es wird nun Sache der Versammlung sein, sich zu ent- scheiden, ob sofort in eine Bewegung einzutreten ist, oder ob man dieselbe bis in die Wintersaison aufschieben will. In der Diskussion erheben sich aus der Reihe der Möbeltischler einige warnende Stimmen, doch werden die geäußerten Bedenken von den Bautischlern zerstreut. Die Delegierten erklären dann durch Hand- aufheben, daß sie gewillt sind, in den Werkstätten für die Bewegung der Bautischler einzutreten. Zugleich wird der Beswtnß gefaßt, dem Vorstand des Holzarbcitcr-Vcrbandes die Feststellung desZeiipnnktes zu überlassen, an dem in die Bewegung eingetreten wird. Maß berichtet alsdann über eine Anzahl Werkstattdifferenzen, die fast sämtlich in für die Arbeiter aiinstiger Weise beseitigt worden sind. Glocke teilt noch mit, daß der Vorstand in Stuttgart den Streit genehmigt hat; doch sei es Sache der Berliner Kollegen, regelmäßig ihre Streikbeiträge zu entrichten, damit man; nicht genötigt sei, die Centraikasse in Anspruch zu nehmen. Ausführlich kommen dann noch die Verhältnisse in der Werkstatt von F i e g c l, Wasserthorstraße. Herr Fiegel läßt seine Arbeiten vielfach von sogenannten Küchenmeistern und in anderen Werkstätten herstellen. Es wird also Sache der Kollegen sein, darauf achtzugeben, Ivo solche Arbeiten hergestellt werden. Die Fabrik wird andauernd von der Polizei überwacht, um das Streikposten- stehen zn verhindern. Mit einer nochmaligen Aufforderung an die Anwesenden, treu zur Sache zu stehen, schließt Glocke die Ver- sammlung. Tic Manrcr der lokalen Richtung hielten am Mittwoch eine öffentliche Versammlung bei Keller, Koppeustraße, ab. Zunächst er- läuterte ein Genosse von Spandan die Ursachen des Boykotts über die Pichelsdorfer Brauerei und ersuchte für die Durchführung der Beschlüsse zu wirken. Die Versammlung erklärte sich ohne Dis- kussion einstinimig mit den Ausführungen des Referenten ein- verstanden. Hierauf gab Fr. Kater den Geschäftsbericht der Lohnkommission, der hierbei auf die infolge der getroffenen Vereinbarungen veränderten Verhältnisse für die Maurer hinwies und ausführte, daß in diesem Jahre und zwar nur bis zum Eintritt in die allgemeine Lohnbewegung am 14. Juni bereits 85 Bausperren zu verzeichnen waren. Dieselben verursachten gemeinsam mit den Maßregelungen einen Kostenaufwand von 6763,50 M. 30 Proz. der Bausperren wurden zwecks Erhöhung des Stundenlohnes von 55 bezw. 57�/2 auf 60 Pf., der übrige Teil wurde unternommen wegen stattgefuudener Maßregelungen oder um Mißstände auf den Baustelleu zu beseitigen. Nach der Abrechnung, die der Kassierer Metzle erstattete, bc- trugen die Einnahmen des Streikfonds, inkl. des alten Bestandes von 10 574,10 M., in der Zeit vom 1. Januar bis 15. Juli d. I. insgesamt 38 052,05 M., die Ausgaben 37 259,46 M. und der Bestand 792,59 M. Die Abrechnung wurde von den Revisoren bestätigt und nach Erledigung einiger Anfragen die Diskussion bis zu einer späteren Versammlung vertagt.— Als Lohnkommission werden, einem früheren Beschlüsse entsprechend, von nun an die vier Mit- glieder der Neunerkommission fungieren. Als erster Vertrauensmann der lokalen Maurer Deutschlands wurde Fr. Kater gewählt. Zu Beitragssammlern wurde Lehmann» für den Osten, Heide- priem für den Westen bestimmt. Hierauf gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem die Schlußabstempelung des» Streikkarten bis spätestens Montag, den 21. August, zu erfolgen hat. Außer- dem wurde beschlossen, den dänischen Ausgesperrten 500 M. aus dem Streikfonds durch die Geschäftskommission zu überweisen. Von den ausgesperrten Brauern der Brauerei PichelS- dorf erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 180 des„Vorwärts" läßt die Brauerei Pichelsdorf eine Berichtigung über den Versammlungs- bericht der öffentlichen Brauereiarbeiter-Versammlung vom 30. Juli bezw. über die Versammlung selbst los, welche die ganze Schuld an der Entlassung der 25 Brauer lediglich der Spandauer Lokal- kommission bezw. den entlassenen Brauern aufbürdet. Die Brauerei berichtet, daß vor einem Jahre die Arbeitszeit von 54 auf 51 Stunden herabgesetzt wurde, vergißt aber anzugeben, daß sich die Brauer kontraktlich verpflichten mußten, die bisher in 54 Stunden geleistete Arbeit in 51 Stunden zu verrichten. Weiter berichtet die Brauerei, daß sie bis vor kurzem ihr Personal vom Arbeitsnachweis der organisierten Arbeiter bezogen habe. Hier irrt die Direktion wohl, vom Nachweis sind nur Brauer und Böttcher bezogen, alle übrigen Arbeitskräfte hat man nie von dort genommen. Weiter schreibt die Brauerei, daß sie durch die Agitation der Spandauer Lokalkommission sehr geschädigt worden sei und aus diesem Grunde mehr Sparsamkeit walten lassen müsse. Warum berichtet man hier nicht, daß bereits Mitte Mai Direktor Hoffmnnn der Berliner Agitationskommission der Brauerei-Arbeiter die Mitteilung machte, daß Lohnreduzierung und Arbeitszeit- Verläng erung eingeführt würden. Damals hatte die Arbeiterschaft doch noch keine Ahnung von den anderen Plänen der Brauereileitung gegen ihr Personal. Warum berichtet man weiter nicht, daß von 28 dort beschäftigten Brauern 25 entlassen worden sind, welche sich mit der neuen Arbeitsordnung nicht befteunden konnten? Ueberdies stehen die Löhne in den Berliner Brauereien mindestens auf derselben Höhe. wie die bisher von der Brauerei Pichelsdorf gezahlten. Die Arbeitszeit in den Berliner Brauereien beträgt 57 und 59 Stunden wöchentlich. Die organi- sierteu Brauer sowohl als auch die von der Brauerei eingegangenen Verpflichtungen dem Arbeitsnachweis derselben gegenüber waren der Direktion schon längst lästig, man suchte nur einen geeigneten Zeitpunkt, um alles los zu werden. Falls die Brauerei den Frieden will, braucht sie ja nur das Geschehene ungeschehen zu machen und alles ist wieder wie ehemals, die Arbeiterschaft sowohl wie die ent- lassenen Brauer sind bereit. Im Auftrage der ausgesperrten Brauer: Karl Böhm. Uelzte Mschvithten und Depesthen. Kiel, 10. sAugust.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Gestern abend entstanden beim Dampfer„Wilhelm Oelsner" mit Hafen- arbeitern Differenzen. Heute kam ein Deckoffizier mit Unteroffizieren und 50 Mariuesoldaten, um das Schiff zu beladen. Der Vertrauens- mann der Hafenarbeiter richtete eine telcgraphische Beschwerde an das Stationskommando und den Staatssekretär des Reichs-Marinc- Amts. Abends wurden infolge einer Besprechung mit dem Kom- Mandanten die Soldaten zurückgezogen. Breslau, 10. August. Nach einer Meldung der.Schlesische» eitung" ans Görlitz ist bei einem Brande, welcher die Villa des reiherrn v. Kottwitz in Triebe!, Niederlausitz, einäscherte, eine Tochter des Freiherrn in den Flammen umgekommen. Budapest, 10. August.(B. H.) Auf dem Lastcnbahnhof der Staatsbahn steht das große Kohlenlager der Ungarischen Allgemeinen Kohlen-Aktiengescllschasr in Flammen. Paris, 10. August.(W. T. B.) In dem Streik der Gas- arbeiter beharren nur noch die Laternenanzünder auf ihren Forde- rungen. Die mit dem Laternenanzünden beauftragten Leute werden heute abend von Friedenswächtern begleitet. London, 10. Angust.(W. T. B.) Die„St. JameSgazette" ist in der Lage zu melden, daß alle Schiffsahrtsgescllschuftcn, welche mit der Admiralität in Chnrterverhältuis stehen, gestern nachniittag Befehl erhalten hätten, alle Transportschiffe für eine plötzliche Weisung in Bereitschaft zu halte».— Diese Meldung wird von keiner offizielle» Stelle aus bestätigt. New'Zjork, 10. August.« 1. WM i>kS„Umilck" Kttlim WlKsdlÄ fm. U. 18» Juli. 1. Mnkerm nenvpken Vuvs. wcgen Erpressung D 2 w e l- Esien 4. v. Berlin. Maurer Henke« Schöncberg 4 Wochen GefäligniZ. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosie wegen Beleidigung 3 Wochen Gefängnis. Bochum. Wegen Beleidigung eines BctriebsführerS Genosse H u e- Essen 500 M. Geldstrafe. Rudolstadt. Genosse L e w y- Saalfeld wegen Beleidigung der Verwaltung der Meimnger Griffelwerke 1 Monat Gefängnis. Nürnberg. Schreiner sWe im ann- Fürth wegen Ver- gehen» gegen 8 153 der Gcwcrbe-Ordnnng 14 Tage Gefängnis. Leipzig. In der Nevisionsinstanz Genosse Schmutzler« Dessau 1 Monat Gefängnis wegen Offizierbcleidigung. Itzehoe. Je 9 Monate Gefängnis die Arbeiter Rex und M e i n e r t wegen Beleidigung und Bedrohung eines Streik brechers. Dresden. Die Genossen Beyer- Dresden und I a c o b e y- Berlin je 2 Monate und Genosse Lieniche 1 Monat Ge fängniS wegen Beleidigung der Nedacteure des»Dresdener Journals". Erfurt. 15 M. Geldstrafe Genoffe Pappe wegen un- erlaubten Sammelns. Dresden. Maurer B e I z i g wcgen versuchter Nötigung zwei Monate Gefängnis. Erfurt. Wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz die Genossen Fahrenkam in und Stegmann 15 bezw. V M. Geldstrafe. Leipzig. Wegen des gleichen Vergehens Hutmacher P a l o w s k y 10 Tage Gefängnis. Finsterwalde. 70 M. Geldstrafe Genosse Gehrmann >vegen Beleidigung eines Streikbrechers. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse S w i e n t h- Halle 300 M. Geldstrafe wegen Richtcrbeleidigung. Zwickau. Maurer Otto wegen VerÜbung groben Unfugs 30 M. Geldstrafe. „ Frankfurt a. M. 2 Wochen Gefängnis ein Bicrfahrer wegen Beleidigung eines Streikbrechers. , Augsburg. Wegen des glichen Vergehens ein Maurer 8 Tage Gefängnis. 10. Hamburg. Ebenfalls wcgen des gleichen Vergehens Genoffe W a b e r s k y 50 M. Geldstrafe. 11. Halle. Genosse S w i e n t V wegen Richterbeleidignnq 400 M. Geldstrafe. Wegen des gleichen Delikts 1 Monat Gefängnis in der Revisionsinstanz. » Breslau. 1 Monat Gefängnis Genoffe L o e b e wegen Bc. lcidigung des preustischcn Herrenhauses. „ Erfurt. Wegen Beleidigung des Polizeidirektors Genoffe Rudolph 150 M. Geldstrafe. » Chemnitz. Maurer Debell is wegen Nötigung ze. drei Monate" und 2 Wochen Gefängnis. 18. Potsdam. 3 Maurer wegen Erpressung 6 Wochen bezw. 3 Monate Gefängnis.'» � � • München. E. Schmidt und 4 Genossen je 20 M. Geld- strafe wcgen Veriibnng groben Unfugs. 16. Kiel. 10 M. Geldstrafe der Maurer S e I k- Plön wegen Be- leidigung eines Streikbrecher». , Dresden. Genosse Harnisch 10 M. Geldstrafe wegen Ver- gchens gegen das Prestgesctz. 17. Bochum. Wcgen Beleidigung des Abg. Franken Genosse W o l f 300 M. Geldstrafe. » Dresden. Maurer Pnntil wegen Beleidigung eines Streik- brechers 2 Monate Gefängnis. » Dresden.� Maler Rudolph wcgen Verstoßes gegen das Vercinsgesetz 20 M. Geldstrafe.— Tischler Haupt wegen Beleidigung von Streikbrechern 30 M. Geldstrafe. 13. Torgan. 1 Monat Gefängnis Genosse Jahn- Berlin wegen Beleidigung Göttingcr Richter. 20. Drcsdc». 7 Tage Hast Genosse Eichhorn wegen Ver- Übung groben Unfugs. » Eenthin. 3 Genossen aus Burg je 14 Tage Haft wegen Verübung groben Unfugs-c. 22. Zwickau. 16 Maurer wegen Skreikpostenstehens je 15 M. Geldstrafe. 24. Dresden. Genosse Block 30 M. Geldstrafe wegen Auf- fordernng zu einer nicht erlaubten Sammlung. Bautzen. Wegen Bürgermeister-Bcleidigung Genoffe Wies en er 6 Monate Gefängnis. „ Chemnitz. 100 M. Geldstrafe Genosse S ch ö p f l i n wegen Beleidigung der Polizeibehörde. „ Posen. Genosse G o g o w s k y wegen Verstosses gegen das Vercinsgesetz 15 M. Geldstrafe. » Bochum. In drei Terminen wurden gegen eine Anzahl am Herner Streik Beteiligter Strafen erkannt von insgesamt 14 Jahre 6 Monate und 3 Wochen Gefängnis. 28. Landsbcrg. Wegen Widerstand ec. die Genossen Schmidt und Hauff je 1 Woche Gefängnis und 10 M. Geldstrafe. 29. Drcsdc». Genosse G r u n e r wegen Nötigung:c. 10 Wochen Gefängnis. „ Lehe. 20 M. Geldstrafe Maurer Wulf wegen Beleidigung eines Technikers. . Zwickau. Wegen Strcikvcrgehcn 31 Maurer je 15 M. Geld- strafe. 31. Lüneburg. 2 Zimmerer wcgen Verübung groben Unfugs je 15 M. Geldstrafe. Insgesamt wurde erkannt auf 19 Jahre 2 Monate 4 Wochen und 4 Tage Gefängnis und 2926 M. Geldstrafe. V e r l i n, den 9. August 1899. Der Parteivorstand. 26. Mmmtmnsles. Stadtverorductcn- Versammlung. Austcrorde Ulli che i21.) Sitzung vom Donnerstag, den 10. A n g u st 1399, nachmittags 5 U Hr. Die heutige außerordentliche Sitzung der Versammlung ist not- wendig geworden, weil gegen die Nichtigkeit der Wählerlisten von 67 Personen Einspruch erhoben worden ist. lieber diese Einsprüche hat laut der Städte« Ordnung die Versammlung bis zum 15. August zn entscheiden. Letztere hat daher ihre Ferien unterbrechen niüsscn und ist heute znsannnen- getreten. Für den Fall, daß die Sitzung nicht beschlußfähig sein sollte, ist bereits auf morgen, Freitag, den 11. d. M., eine neue Sitzung anberaumt, die auf joden Fall beschlußfähig ist. Zu Beginn der Sitzung, die vom Vorstandsmitglied Sladtv. S e i b e r t geleitet wird, sind 66 Stadtverordnete anwesend fdie absolute Mehrheit be- trägt 64). Dom Magistrat sind die Stadträte Böhm und Mngdnn an- wcsend. Im SitzungSsaale sieht es sehr»provisorisch" aus; die alte Einrichtung de» Saales und die bisherige Verteilung der Tische und Sitze für die Mitglieder der Versammlung und des Magistrats sind bei er- an, den bisher u. a. daran festgehalten, daß die Schlafburschen, als des eigenen Hausstandes entbehrend, nicht wahlberechtigt sind, dagegen die Chambregarnisten das Wahlrecht besitzen; danach werden' auch diejenigen Reklamanten, die als Schlafburschen gemeldet find, aber sich nach den Ermittelungen des Ausschusses als Chambregarnisten erwiesen haben, von demselben zur Aufnahme in die Wählerliste empfohlen. Die nach dem 30. Juli er. das 24. Jahr vollendenden Personen hat der Ausschuß auch nicht als wahlberechtigt an- erkannt, und im Punkte der Krankenhaus- Unterstützung glaubt er, sich dem oberverwaltungsgerichtlichen Erkenntnis fügen zu müssen, welches diese als Armenunterstützung qualifiziert. In einigen Fällen jedoch, wo die betr. Kosten nur unbedeutend ivaren und schon längst abgetragen sind, hat der Ausschuß im Sinne der Protesterhcber erkannt. Steuerrestanten, Nichtprentzen und unter 4jM. zur Steuer Veranlagte konnten natürlich nicht» berücksichtigt werden. Stadtv. Stadthagen: Ich weiche in drei Punkten von der Rechtsauffassung des Referenten ab und glaube, überall das Gesetz und in zwei Fällen auch die Gerichtsentscheidungen auf meiner Seite zn haben. Zunächst kommt in Frage, ob es bei der Feststellung des wahlfähigen Alters darauf ankommt, ob das 24ste Jahr bis zum 30. Juli vollendet war, oder ob der Zeitpunkt der Wahl maßgebend ist. Bei einer früheren Gelegenheit hat sich für meine Auffassung eine kleine Mehrheit ergeben, obivohl der Betreffende erst im No- veinber 24 Jahre alt wurde. Im 8 21 der Städte-Ordnung heißt es ausdrücklich, daß die Wahl zur regelmäßigen Erneuerung der Stadtverordneten„im November" stattfindet. Auch im Ncichtage stellt sich die Wahlprüfungskommission ständig auf den Stand- Punkt, daß es»ichr auf den Zeilpunkt der Listenauslegung, sondern der Wahl selbst ankommt. Zweifellos ist also, wer bis zum 31. Oktober das 24ste Jahr vollendet, zur Zeit der Wahl 24 Jahre alt. Es kann sich also bloß fragen, ob gewiffe bureaukratische oder bureaumäßige Schwierigkeiten die genaue Feststellung hindern; diese Schivierigkeiten fallen aber weg, wenn man den 31. Oktober als Grenze ivählt. Danach würde der am 7. September 1875 geborene Reklamant Fränkel zweifellos Wahl- berechtigt sein. Der zweite Punkt betrifft die Frage der Kranken- hausunterstützung. Hier hat die Versammlung früher fast einstimmig der Auffassnng gehuldigt, daß die KrankenhanSpflege unmöglich der Armenunterstützung gleichzuachten ist, weil wir die Leute nicht weil sie arni, sondern weil sie krank sind, in die städtischen Kranken- anstalten aufnehmen. Diese Meinnng der Versammlung hat der Magistrat anzufechten für nötig erachtet nnd leider dem Ober- Verlvaltungsgericht ein obsiegendes Erkenntnis stritten. Nach diesem Erkenntnis kommt es darauf unter welchen Bedingungen die Austlahme erfolgt'.ist. und aus inneren Verwaltungsbeziehungen zwischen Annendirektion, Magistrat und Krankenhäuseni entnimmt das Ober- Verlvaltungsgericht, daß die betreffenden als Arme aufgenommen sind und ihnen sonlit im Sinne des Gesetzes Armenunterstütznng zu teil geworden ist. Wir können das ja jetzt nicht ändern, nicht bei dieser Gelegenheit nach andern Regulativen suchen. Ich weise aber nur auf das eine hin. daß, wenn die Auffassung des Magistrats die richtige ist, für die Unterstützten jeder Grund wegfällt, die erhaltene Krankcnunterstütznng abzuzahlen, da das ja nur deswegen geschieht, weil sich die Betroffenen das Wahlrecht erhalten wollen. Auch ans diesem rein finanziellen Gesichtspunkte, haben wir und hat der Magistrat Anlaß, der Sache näher zu treten. Jeden- falls ist die Annahme des Obcr-Verivaltnngsgerichts. daß die � Kranken als Arme aufgenommen sind, ein Irrtum, solvcit es diese Versanmilung betrifft und dcstvcgcn sind die Dar- legungen jenes Erkenntnisses überhaupt nicht überzeugend. Ständig hat übrigens der Magistrat niemals seine jetzige Praxis geübt; und da wir als Selbstvcrivaltungskörpcr keine Veranlassung haben, uns der Ansicht des Gerichts zn berigen, sondern nur nach unserem Gc- wissen zu entscheiden haben, beantrage ich, in allen Fällen, wo Krankenunterstützmig an Kinder oder Fronen von Reklamanten gc- ivährt worden ist, die Eintragung in die Wählerlisten zu beschießen. Der letzte nnd lvichtigste Punkt ist die Frage des Wahlrechts der so- genannten Schlafburschen. Es wird da— und ich bin mitschuldig daran, daß das bis jetzt eigentlich ohne Widerspruch geschehen ist— immer ans ein oberverwaltungsgerichtlickieS Erkenntnis vom Oktober 1886 Bezug genommen, welches die Schlafburschen als nicht Ivahlbcrechtigt erscheinen läßt. Ein solches Erkenntnis aber existiert nicht. In jenem Falle handelte es sich um einen Beamten, der 1200 M. Einkommen hatte, aber sich vom Einzugsgelde drücken wollte, indem er behauptete, als möbliert Wohnender keinen eigenen Hansstand zn besitzen. Mit keinem Worte wird in diesem Erkenntnis gesagt, daß die Schlafstellcnmänner nicht ebenfalls einen eigenen Hausstand haben könnten. Was fft„eigener Hausstand"? Das Chambrcgarnistentuin hat mit dem Hausstand als solchem garnichts zu thun. Es liegt hier ein Miß- verstehen des Wortlauts des§5 Abs. 5 der Städteordnnng vor, wie sich aus der Entstehungsgeschichte und der Absicht des Gesetzes klar ergiebt. Schon aus dem Zilsatz im Texte:„sofern ihm nicht das Berfügungs- recht zc. abgesprochen ist" geht hervor, daß die Art, Beschaffenheit und Einrichtung der Wohnung garnicht in Betracht kommt. Nach einem früheren Erkenntnis desselben Gerichts war ein Rittergutsbesitzer, der, da er mit der Mutter und den Brüdern gemeinsam wohnte, einen eigenen Hausstand für sich nicht gelten lassen wollte, mit dieser Auffassung ebenfalls unterlegen. Von den Kommentatoren sagt Zelle:„Einen eigenen Hausstand hat jeder, der über einen oder mehrere Wohn- räume selbständig verfügt, also auch ein Chambrcgarnist u. dgl." Er hütet sich also, von den Sckilafstellenlcuten zu sprechen, nnd fügt vor- sichtig hinzu: Eine ausreichende Definition des Begriffes findet sich lveder in den Reskripten noch in den Gerichtsentscheidungen. Die alte Städte-Ordnung von 1808 spricht von„häuslich nicderlaffcn". Erst in der oktroyierten Verfassung vom Dezember 1848 findet sich das Wort„selbständig", gemeint aber war ein bestimmter Census. In der Gemeinde- Ordnung vom 11. März 1850 finden wir zum erstenmal die Bestimmung, welcher der Z 6 Abs. 5 der Städteordnung wörtlich nachgebildel ist. Die Motive zu diesen, Gesetz sagen— nnd darauf lege ich besonderes Gewicht—, die Selbständigkeit sei notwendig, denn die natürliche Bedingung der Selbständigkeit treffe bei demjenigen nicht zu, der demHausstande eines andern angehört. Die Regierung hat also mit jener Bestimmung nichts anderes sagen wollen, als: nur der ist selbständig, der nicht einem anderen Haus- stand angehört, also sollten nur Gesinde und Lehrlinge aus- geschlossen werden. An diesen Hausstand hat man ge- dacht. Es wurde auch bei der Beratung des Gesetzes in der zweiten Kammer ein Antrag gestellt, das ausdrücklich hinzuzufügen; dieser Antrag wurde aber schließlich abgelehnt, weit er überflüssig erschien und das Verhältnis auch nicht viel klarer ausdrückte. Es hat eben nichts weiter gesagt werden sollen, als: Wer ökonomisch selbständig ist. soll wahlberechtigt sein. Nicht wer einen eigenen Herd, einen eigenen Schornstein, eine Fainilie, wer Kinder hat, soll dem Be- griff des eigenen Hausstandes entsprechen, sondern Ivcr auf eigenen Füßen stehen kann. Nun fügte die erste Kammer dein Gesetz den 2 Thaler-Ccnsns ein. In der zweiten gab es darüber lebhaften Kanipf. Der Staatsminister von Manteuffel war gegen jeden Census, aber er schien ihm doch annehmbar, weil jetzt eine Art Definition des Begriffs„Selbständigkeit" gegeben war. Da es m ch nicht möglich gewesen sei. eine durchgreifende Definition beseitigt, und das' neue Arrangenient. welches nnt Rücks'icht auf dix>.>cs Worte»„selbständig" zu geben, müsse man sich au irgend etwas Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten getroffen werden»iits;, ist noch nicht in Angriff genommen. Die Stadtverordneten nehmen ans Rohrlehnstsseln Platz,' die im Saale in freier Anordnung auf- gestellt sind. Tu» Referat über die Verhandlungen des Wahlausschusses er- stattet Stadtv. S p i n o l a. Die Mehrheit des Ausschusses hat wie Gegebenes anschließen, und da habe die erste Kammer sehr mit Recht gesägt, die Zahlung des niedrigsten Steuersatzes begründe die Vermutung, daß der Betreffende so viel am Gemeinwesen Interesse habe, um die Wahl- bercchtigung zu erhalten. So der Minister v. Manteuffel. Alle Redner' führten überhaupt aus, daß mit der Einführung des Census in das Gesetz das Kriterium des eigenen Hausstandes über- flüssig werde, so u. a. Reichensperger, der ausdrücklich dem eigenen Herde keine politische Bedeutung beigelegt wissen wollte. Es wurde auch angeführt, daß Alexander v. Humboldt damals bloß als Chambregarnist— oder gar als Schlafbursche?— (Heiterkeit) wohnte. Der Antragsteller v. Seckendorfs führte aus- drücklich ans, daß auch ein Schlafbursche, der seine Steuern bezahlt, wahlberechtigt ist. Der Antrag wurde indeß, wie gesaqt, schließlich mit geringer Mehrheit abgelehnt. Das aber« steht fest: An die Wohnräume hat man nicht gedacht; nur in dem Sinne war die Selbständigkeit verstanden, daß Gesinde und Lehrlinge nicht wahlberechtigt sein sollten, daß nicht wähl- berechtigt sein soll, wer einem fremden Hausstand angehört. Eine Schlafstelle ist doch auch nichts anderes als eine Miete, ein Mietsvertrag, der nicht ganz soviel Rechte giebt, als im allgemeinen. Der Dnrchschnittsmieter hat ja bekanntlich auch schon nicht ein Tausendstel der Rechte, die ihm das Gesetz giebt, infolge der famosen Miethkontrakte. Der Schlafstellcnmann ist juristisch genau so Miether, wie jeder andere; auch er muß z. B. bis zum' 15. jedes Monats gekündigt haben. Der Standpunkt des Magistrats führt in eine ganz unhaltbare Kasuistik hinein. Das angezogene Ober-Verwaltungsgcrichts- Erkenntnis besagt über die Schlafstcllenfrage garnichts. Nachdem die Sache einmal auf Tapet gekommen ist— ich habe an der Verschleppung zum Teil deshalb, weil ich mich auch bei diesem Citat beruhigte, zum Teil, weil ich inzwischen öfter zu meiner engeren Heimat einberufen wurde(Heiter- keit), auch einen Teil der Schuld— bitte ich Sie, meinen Antrügen stattzugeben.(Beifall.) Stadtv. Meyer: Die Entscheidungen der höchsten Gerichte müssen wir respektieren; wohin sollen wir sonst kommen? In der Kranken-. hausfrage hat das Ober-Verwaltnngsgericht trotz Geltend- machung der Gegeugründe gegen die Anschauung des Vor- redncrs entschieden.' Wir können auch nicht bei jeder einzelnen Wahl diese Fragen immer wieder sx xrokesso behandeln. In der Schläfbnrschensrage hat ja selbst die Partei des Vorredners bisher unsere Anschauung geteilt.(Wider- sprnch.) Im Punkte der Schlafburschen können tvir jetzt nicht Gesetze neu machen oder neu interpretieren; wir können nicht plötzlich sagen. wir haben unrecht mit allen unseren bisherigen Anschauungen, nur Stadthagen und seine Freunde habe» recht.(Heiterkeit.) Wir müssen an dem' Erkenntnis von 1886 festhalten, ivelches von der„aus- schließlichcn Herrschaft" über einen oder mehrere Mietsräume spricht. Stadtv. Kreitling steht bezüglich des ersten Punktes auf dem Standpunkt des Stadtv. Stadthagcn, da auch der Reichstag ständig in demselben Sinne entscheide. Die Unterstützung durch Gewährung von Krankenpflege kann trotz der entgegenstehenden Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts von uns nach wie vor nicht als Armenunterstütznng angesehen werden, die das Wahlrecht dem Unterstützten entzöge. Auch den Schlafburschen, die reklamiert haben, bitten wir das Wahlrecht zuzusprechen. Stadtv. S t a d t h a g e n: Ich habe meinen Standpunkt in der Schlafburschenfrage stets auch hier vertreten; wir haben uns lediglich bei der Behauptung beruhigt, daß es sich in dem Erkenntnis von 1886 überhaupt um Schlafburschen handle, was, wie nachgelviesen, nicht der Fall ist. Es handelte sich da bloß um die Beschwerde jenes Drückebergers, der sich von dem EinzugSgelde befreien wollte, weil er keinen eigenen Hans« stand habe. Der eigene Hausstand soll auch nach diesem_ Er- kemitnis nur in dem Sinne interpretiert iverden:„Der keinem fremdem Hausstand angehört". Bei der Krankenhaus-Unterstützung hat ja der Magistrat jahrzehntelang unseren Standpunkt geteilt.� Stadtv. B o r g m a n n: Da» Protvkoll von 1897 wird nachweisen, daß wir auch damals den heute vertrelenen Standpunft bezüglich der Schlafburschen verfochten habe». Was die Chambregarnies an« belangt, müssen auch die Volksgewohnheiten im Auge behalten werden. Wenn Arbeiter sich ein Chambregarnie mieten, werden sie eben Schlaflcute genannt, die Konimis, die Kaufleute, die Studenten heißen Chambregarnisten. Es kommt doch nur darauf an, ob der Betreffende seine Steuern bezahlt und seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt. Stadtrat Boh'm: In der Frage der Wahlmündigkcit steht der Magistrat auf dem Standpunkt, daß alle Erfordernisse gegeben sein müssen bis zum 15. Juli, dem Tage, Ivo die Listen zur Auslegung gelangen. Die Frage der Krankenhaus- Unterstützung ist ja vom Ober-Verwaltnngsgericht auf_ Grund einer Klage, die der Magistrat vor 4 Jahren gegen die Ver- samnilung anstrengte, in seinem Sinne entschieden� worden. Der Magistrat hat nie auf dem Standpunkt der Versammlung gestanden, sondern deren Auffassung immer widersprochen und schließtich, um diesem unerquicklichen Dissensus ein Ende zu nwchen, die vcrwaltnngsgerichtliche Entscheidung herbei« geführt. Zur SÄIafburschensrage stützt sich der Magistrat auf den„eigenen Hansstand" der Städte-Ordnung. Der Schlafbursche hat keinen eigenen Hausstand; schon 1865 hat der Magistrat diesen Begriff dahin definiert, daß darin die freie, ausschließliche Versügnng über einen oder mehrere Räume liegen soll, und 1386 hat das Obervcrw'altungsgcricht dieselbe Entscheidung gefällt.(Lebh. Widerspruch). Der Schlafbursche hat eben nicht die ausschließliche Verfügung über den Wohnraum wie der Chambrcgarnist.(Zuruf: Ganz falsch I) Die Citate des Stadtv. Stadthagen sind nur ein willkürlicher AuLzng aus einer höchst wcitschichtigen Parlamentsverhandlung. Damit schließt die Debatte. In der Einzelberatung werden entsprechend dem Ausschußantrage sämtliche als Schlafburschen gemeldeten Reklamanten, soweit sie sich als Chambregarnisten ausgewiesen haben, in die Wählerliste aufgenommen, ebenso. aber auch gemäß dem Antrage Stadt- Hagen mit kleiner Mehrheit sänrtliche übrigen Schlaf« bu'rschen, nachdem auch noch Stadtv. Rosenow sich in diesem Sinne ausgesprochen hat. Nur in einem Falle bleib,? der Antrag Stadthagcn in der Minderheit; es Handel» sich hier um einen Reklamanten, der bei seinen Schwiegereltern iys Schlafstelle wohnt. Auch dem erst am 7. September 1875 ge» borenen Reklamanten Krankenkassen- Beamten Fränkel_ wird von der Mehrheit das Wahlrecht zugesprochen. Bei der Abstimmung über die Anträge Stadthagcn, den vom Aus- schuß zurückgewiesenen Reklamanren, die Krankcnhaus-Unterstützung empfangen haben, das Wahlrecht zuzusprechen, wird der erste den Maurer August Borgfeld betreffend, Mehrheit für abgelehnt erklärt, die dagegen die Mehrheit. Mit Ausnahme somit die Anträge Stadthagcn durchgedrungen. Im übrigen wird nach den Ausschußanträgen beschlossen. Schluß nach 7� Uhr. derartige Antrag, mit zweifelhafter anderen erlangen von 2 Fällen sind In der gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner stattgehabten Sitzung der städtischen Schuldeputation wurde über das Resultat der Verhandlungen mit dem Provinzial-Schul- kollcgium wegen der Frage der jüdischen Lehrerinnen Bericht er- stattet, doch ist hierüber noch kein Beschluß gefaßt worden. UokAles. Freie Volksbühne. Die W i n t e r s a i f o n des Spiel« jahrcck 1899/1900 beginnt am Sonntag, den 3. September, im Lessing-Theater mit Gustav Freitags Lustspiel in vier Akten:„ D i e I o u r n a l i st e n" unter Direktion Otto Neumann- Hofer. Die Vorstellungen dieser vierten Serie folgen am 3., 10., 17., 24. September und am 1. und 3. Oktober. Die Vorstellungen der Serie 5 werden nicht mehr im Friedrich- Wilhclmstädtischen Theater, sondern int O st e n d-> Theater, Gr. Franlfurterstraße(Direktion Karl Weiß) stattfinden.� Als Erst-Anfsührung im Ostcnd-Thcatcr beschloß der Ausschuß G o e t h e' s„gauft* I. Teil zur Erinnerung an Goethes ISO jährigen Geburtstag zur Aufführung zu bringen und zwar am 24, September, 1., 8., 15., 22. und Ü9. Oktober. Eine besondere Goethe-Feier' findet außerdem für alle Mitglieder am Montag, den 28. August, abends 8Vs Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstraße, statt. Das Programm' wird kurz und würdig sein. Herr Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner hat den Bortrag des Abends übernommen„Goethe und die Gegen- war t". Da die Versammlung öfscntlich ist und der Zutritt gegen ein beliebiges Entree gestattet ist, ist es Ehrensache der Mitglieder, zahlreich zu erscheinen. In den Zahlstellen gelangen vom Donnerstag, den 24. August, ab die Mitgliedskarten zur Ausgabe. Die Wieder anmeldnug der alten sowie neuer Mitglieder muß bis spätestens 15. August in einer Zahlstelle erfolgen. lSiehe heutiges Inserat.) Der Jnli-Bcitrag wird nicht erhoben, dagegen für'alte Mitglieder August und September und von den neuen Mitgliedern Eintrittsgeld 65 Pf. und der September-Beitrag. Alle Beitragsreste müssen gleichfalls bis zum 15. August beglichen sein. _ Auch sind evenl. Umschreibungen in'andere Zahlstellen bis zu dielem Termine zu bewirken, jedoch muß die Abmeldung in der bis- herigen Zahlstelle erfolgen. Die Zahlstelle Nr. 22 befindet sich nicht mehr in der City-Passage, sondern im Restaurant von L a d e w i g Kommandantcnstr. 65. I. A.: G. Winkler. Berlin(Nixdorf). Kirchhofstr. 46 II. TaS Vorkaufsrecht. Unter den„dinglichen Rechten", welche der Stadtgemeinde Berlin zustehen, befindet' sich auch das„Vor kaufsrecht", welches für die Stadtgemeinde bei einer ganzen Anzahl von Grundstücken eingetragen ist. Damit hat es folgende Bewandtnis: Der Stadtgcmcinde Berlin gehörte in früheren Jahren (und zum Theil auch noch heute) ein bedeutender Grundbesitz in Nemufendorf, Boxhagen, Nummelsburg, Treptow, Nixdorf, sowie im Stadtteil Wcdding und Gesundbnmnen. Bei"dem Verlause des Vorwerks Boxhagen Ende des vorigen Jahrhunderts und der Erbverpachtung größerer Teile des übrigeir Gnmd besitzes im Anfange dieses Jahrhunderts hatte sich die Stadt gemeinde in den meisten Fällen verschiedene Rechte, u. a. das Vor kaufsrecht vorbehalten. Jin Laufe der Jahre sind diese Erbpachts grundstiicke in eine große Zahl von Parzellen geteilt worden, so daß zur Zeit noch 348 Grundstücke in den genannten Ortschaften und auf dem Wcdding, wovon ans Reinickendorf allein 260 entfallen mit dem städtischen Vorkaufsrecht belastet sind. Da sich für die Stadtgemcinde ein Interesse an der Ausübung des Vorkaufsrechts nur in den allerseltensten Fällen ergiebt, so ist der städtischen Grund cigcntums-Depntation die Befugnis erteilt worden, unter bestimmten Voraussetzungen in die Lösch u n g des Verkaufsrechts zu willigen Bctrens der Hohe der für die Aufgabe des Vorkaufsrechts zu ver langenden Entschädigung bestehen keine festen Normen, dieselben werden von Fall zu Fall festgestellt, wobei besonders Größe, Lage und Form des betreffenden Grundstücks berücksichtigt werden. Die � baren Einnahmen, welche der Stadt ans solcher Ablösung von Vorkaufsrechten zugeflossen sind, haben in den Jahren 1882 bis 1888 bar betragen 15 605 M., während einzelne Vorkaufsrechte auch durch Hergabe von Land abgelöst wurden. In den Jahren 1886/65 fand nur in zwei geringfügigen Fällen eine Ablösung zu Gunsten der Stadtgemeinde statt, wofür 380 M. zum Grnndstttckserweröungs-Fonds flössen, während im Jahre 1867 für Ablösung eines einzigen Vorkaufsrechts allein die Summe von 30 060 M. gezahlt wurde.— Abgesehen von dem Vor- kaufsrechte haften auf vielen Privatgrundstücken des Wedding und in Moabit noch verschiedene andere Eigentums-Beschränkungcn, welche ihnen bei der Lerleihnng von Erbpachtsrechten von der Stadtgemeinde auferlegt worden waren. Diese werden jetzt gelöscht, wenn die Eigentümer der belasteten Grimdstücke das von diesen zur Straßen- anlage oder Verbreiterung erforderliche Terrain iiiicntgcltlich bereits abgetreten haben oder Zug um Zug gegen jene Löschung abtreten. Hiervon ist vielfach Gebrauch gemacht, und sind der Stadtgcmeinde dadurch mannigfache Opfer erspart worden.— Auf Wedding grundstücken kommt vielfach die Berechtigung vor.„daß auf dem Grundstücke Gewerbe, welche üble Gerüche verbreiten, nicht be trieben werden dürfen". Diese Bedingung ist im allgemeinen so wertvoll, daß die Stadt grundsätzlich in deren Löschung nicht willigt. Einen weiblichen Hilfspräparator besitzt das Museum für Naturkunde. Die Dame, Klara Oelze, ist für die zoologische Samm- lnng lhätig und hat dort während des letzten Jahres im Verein mit männlichen Kollegen Insekten zu präparieren gehabt. Unter den wissenschaftlichen Arbeiterinnen ist auch noch Miß Pcrkins hervorzu- heben, die in dankcnslpertcr Weise die Arbeiten des botanischen Museums durch freiwillige Mitarbeiterschaft gefördert hat; sie war thätig auf dem Gebiete der Monimiaceen. Gegen den allzu häufigen Ausschluff der Ocffentlichkeit beim Gewerbcgcricht mußten wir wiederholt Stellung nehmen. Es ist, wie wir seiner Zeit berichteten, sogar vorgekommen, daß die Oeffcnilichkcit erst wiederhergestellt wurde, nachdem der fragliche Prozeß vollständig erledigt war, so daß unser Vertreter den Ausgang dcr� betreffenden Streitsache erst ans Umwegen er- fahren konnte. Jetzt wird nun bekannt, daß neulich einem Vertreter der bürgerlichen Presse dasselbe Schicksal passiert ist, nur mit dem Unterschied, daß der Herr Überhaupt nicht erfuhr, wie ein Prozeß gegen den Inhaber des Restanrants Primas endete. Der Vorsitzende der Kammer VI. Herr Dr. Krause, hatte die Ocffentlich- keit offiziell überhaupt nicht wieder herstellen lassen. So etwas dürfte doch wahrhaftig nicht vorkommen. Hier muß vom Dezernenten, dem Gewerbcrichter v. Schulz, generell eingegriffen werden. Die Einführung der Fünfpfennig- Taxe ist fortgesetzt von der günstigsten Wirkung ans die Betriebseinnahmen der Omnibus- Gesellschaften. So hatte die alte Allgemeine Berliner Omnibus> Aktien- Gesellschaft jetzt nach der Einführung der Fünspfcnnig- Teil strecken aus allen Linien im Monat Juli d. I. cinc durchschnittliche Tageseinnahme von 8114,18 M., während die Durchschnittseinnahme der Tage desselben Monats im vorigen Jabre nur 6678,09 M. be- tragen hatte. Insgesamt hat die Gesellschaft im Juli d. I. 251 536,50 M. gegen' 216 320,80 M. im Vorjahre eingenommen. . Einen Omnibus mit Acetylengas-Beleuchtnng läßt probe- weise jetzt die Neue Berliner Omnibus-Gesellschaft auf der Strecke Schönebcrg— Brunnenstraße fahren. Es brennen im Innern des Wagens drei Flammen, von denen zwei gleichzeitig zur Durch leuchtung der weiß-grünen Signallaterne dienen. Das Licht erhellt das Innere des Wagens in solchem Maße, daß man sehr gut zu lesen vermag. Der erste Halteplatz für clekrische Droschken soll anfangs September bei der Jmeniationalen Motorwagen- Ausstellung in der Karlstraße vor der Kaserne des 2. Garderegiments lzu Fuß errichtet werden. Die Droschken erhalten Fahrpreisanzeiger und fahren zu denselben Taxen wie die Droschken erster Klasse, ebenso wie die mit Benzin betriebenen Motordroschken in Stuttgart. Gegen die Verunreinigung der Anlagen durch Papier- stücke wendet sich ein Erlaß der städtischen Schilldeputation. Von der Erwägung ausgehend, daß die erziehliche Einwirkung auf die Schulkinder oft auch deren Angehörigen dircit zu gute komme, fordert sie die Schulleiter auf, daß sie die Jugend zur Schonung der Parkanlagen anweisen. Was allen Freude mache, solle nicht ver- nnziert und verunreinigt werden; die Kinder sollten sich u. a. auch daran gewöhnen, beschmutzte Papierstücke nicht auf die Wege oder Rasenplätze zu werfen, sondern lieber in die zur Auffiähme der- artiger Dinge bestimmten Körbe zu thun. Der Erlaß schließt damit, daß es nichr genüge, diese Ermahnung einmal vorzutragen, sondern daß sie wiederholt eingeschärft werden solle. Auch die Erwachsenen sollten unseres Erachtens die Mahnung der Schuldeputation dringend beherzigen und vor allem den Kindern mit gutem Beispiel voran- gehen.' Wer den papicrbesäten Grunewald betrachtet, muß sich über den Ordmuigssiirn der Berliner Ausflügler eigenartigen Gedanken hingeben. Drei-Uhrschluff der Berliner Bankgeschäfte. Die großen Berliner Bankhäuser haben ihrer Kundschaft ein Cirkular zugehen lassen, in tvelchcm sie mitteilen, daß sie gemeinsam den Beschluß gefaßt haben, ihre Kassen für die Zukunft um drei Uhr nachmittags zu schließen. Auf der Straßenbahnlinie Marheincckeplatz— Gesund- brunneu ist heute vormittag die polizeiliche Abnahme des elektrischen Betriebes erfolgt. Verkauf von Braunkohlenbriquetts nach Gewicht. Der deutsche Braunkohlcii-Jndustrie-Verein in Halle a. S. hatte sich im vorigen Jahre an den Minister für Handel und Gewerbe gewandt und auf Grund des§ 5 des Gesetzes zur Bekämpftmg des unlauteren Wettbewerbs den Antrag gestellt, daß für den Verkauf von Braun- kohleubriquetts der Handel nach Gewicht vorgeschrieben iverde. Diesem Antrage hat sich der Vorstand des Vereins Berliner Kauf- leute und Industrieller, nach stattgehabten Besprechungen mit den hier domizilierenden Grubenbesitzern und Fabrikanten, als auch mit den Groß- und Detailhändlern, angeschlossen. Schon jetzt findet der Verkauf nach Gewicht im Verkehr zwischen den Produzenten und den Großhändlern statt. Letztere verkaufen dagegen die nach Gewicht eingekanften Briquetts an die Detailhändler in der Regel nach der Stückzahl und die Detailhändler geben die Briquetts zumeist in gleicher Weise an das konsumierende Publikum ab. Die wachsende Konkiirrenz im Detailhandel und das Bestreben, möglichst billige oder billig scheinende Ware zu liefern, haben be- wirkt, daß kleinere Formate von Briquetts als das sogenannte Normalformat, das 6 Zoll lang und 35 Millimeter breit ist, her- gestellt werden. Das konsumierende Publikum, das den geringen Größcnuutcrschicd kaum beachtet, hat dabei nur scheinbar billiger eingekauft; es muß dieselbe Menge trotz der größeren Stückzahl teurer bezahlen. Die durch die Größenunterschiede bedingte Gewichts differenz ist so bedeutend, daß, was die in Berlin vorkommenden Fonnate betrifft, von sogenannten„Hausicrbriquetts" 32 000 auf die Lowry gehen, vom sogenannten„Normalbriquett" 27— 28 000 und von einem ebenfalls im Handel befindlichen 7 Zoll langen Briquett 21—22 000 Stück. Soviel Seife und doch keine Abnahme der Schwindsucht. Die Einfuhr von Toilette- Seifen nach Berlin wird für das Jahr 1863 mit 10 000 Centner im Werte von 6— 700 000 Mark veranschlagt, wovon Offenbach und Frankfurt a. M. den Löwenanteil haben. Mindestens zehn bedeutende süddeuff'che Fabriken haben in Berlin ständige Agenten und teilweise Lager; auch französische und englische Seifen sind hier stark vertreten. Als Rohstoffe kommen für die Toiletteseifen-Judustrie hauptsächlich Kokosöl und Talg in Betracht. Diese Rohstoffe werden in jährlichen Quanten von durchschnittlich ca. 30 000 Centner Kokosöl und circa 10 000 Centner feinstem Talg in Berlin verarbeitet, was einem ungefähren Wert von 850 000 M. entspricht.— Rechnet man die in den nächsten Vororten gelegenen wenigen Betriebe hinzu, so kommen ca. 30 Toilettenseifcn- Fabriken für Berlin in Betracht, welche annähernd eine jährliche Produktion von ca. 60 000 Centncr billigere Seifen und circa 20 000 Ceutner pilierte Seifen(ein Produkt, das mittels besonderer Maschinen hergestellt wird) im Werte von rund 3 Millionen Mark haben.— Etwa 15 Fabriken haben, meistens durch Dampf-, einige durch elektrische Kraft, Maschinenbetrieb. Diese stellen die pilierten Seifen her, das wertvollste, haltbarste, aber auch teuerste Fabrikat. Zum Bedauern aller Menschenfreunde hat es mit der Seife als Heilmittel gegen die Tuberkulose inimer noch seinen Haken. Vom wohlthätrgcn Kammerrat. Gegen den Herausgeber B. einer seit kurzer Zeit in Berlin erscheinenden„Zeitschrift für humanitäre Zwecke", die sich, ohne die Ermächtigung dazu erhalten zu haben, „Organ sämtlicher Wohllhätigkeitsvercine" nennt, ist eine Untersuchung wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit eingeleitet worden. B., der ich„Herr Kammerrat" nennen läßt und auS Ungarn stammt, soll ich an einem jungen Mädchen, das er, angeblich um sie zur Acqui- itiou von Inseraten für seine Zeitschrift zu engagieren, in fein Bureau bestellte, vergangen haben. Ans de» Kreisen der Friedhofsarbeiter wird uns geschrieben: ?u dem am Sonntag von Ihnen veröffentlichten Artikel wäre noch inzuzufügen, daß den Arbeitern auch die Feiertage vom Lohn ge- kürzt werden. Auch erhalten nicht alle Arbeiter 3 M. Tagelohn; auf deni katholischen Kirchhof in der Liesenstraße wird z. B. nur 2,75 M. bezahlt. Bemerkt sei noch, daß auf diesem Friedhofe auch Soldaten beschäftigt werden. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich Mittwochabend in der Weißenburgerftraße, woselbst einer der großen hölzernen Straßen- brunnen steht, die im Volksmunde den Namen„Totschlägerbrunnen" uhrcn. Ein Knabe hatte de» Schwengel des Brunnens in Be- wegung gesetzt, aber, da der Brunnen schon seit mehreren Tagen defekt ist, so flog der eiserne Schwengel mit großer Gewalt zurück und schlug einem zehnjährigen Mädchen, das hintet dem Knaben rand, gegen den Kopf. Die Kleine brach sofort besinnungslos zu- fammen. Sic hatte eine schwere Kopfverletzung und anscheinend eine Gehirnerschütterung erlitten und mußte nach dem Krankenhause Friedrichshain überführt werden. Ein mit einem Leichenwagen durchgehendes Gespann richtete gestern abend in der Gartenstraße einige Verwirrung an. Der Wagen enthielt einen leeren Sarg, in dem ein Toter gebettet werden ollte. Als er sich unter der Ueberfnhrung der Gartenstraße befand, scheuten die Pferde vor einem darüber hinwegfahrenden Eisenbahn- ziige und gingen durch. Der Sarg fiel herunter, so daß der Deckel zertrümmert wurde. Einer der Begleiter, Fritz Leerscn aus der �parrstraße, stürzte ihm nach und verletzte sich so schwer, daß man ihn in das Lazaruskrankenhaus bringen mußte. Das Gespann wurde erst nach längerer Zeit in der Gartenstraße wieder zum stehen gebracht. Abenteuer eines Millionen- Erben ln«po. In eine un- angenehme Lage geriet vor einigen Tagen der Schornsteinfegernreister Lutz aus Hermamistadt, der sich hier aufhält, um seine vermeint- lichen Erbansprüche auf den Nachlaß der Gips-Schultzen weiter zu verfolgen. Auf der Suche nach der Konditorfrau Hagenstein kam er auch in eine Gastwirtschaft in der Sedanstraße 34d zu Weißensee. Hier erhielt er, als er die Zeche bezahlte, auf einen Thaler kleines Geld heraus. Als er davon später in einer Wirtschaft in der Nähe des Potsdamer Bahnhofes eine Mark ausgeben wollte, kellte sich heraus, daß diese falsch war. Lutz kam in den Verdacht, mit Falschmünzern in Verbindung zu stehen. Zu seinem Glück hatte er einen Begleiter bei sich, der die Sache aufklärte. Nun fuhr er wieder nach Weißensce hinaus, kam aber bei der Wirtin und ihrer Tochter schön an. Die Damen wollten sich zunächst auf nichts einlassen, boten dann 50 Pfennige an und behielien schließlich, als der Meister dieses Angebot ablehnte, einfach die falsche Mark und gäben ihm garnichts. Lutz hat darauf hin die Angelegen- heit der Polizei angezeigt. Bei einem Bauunfalle ist Mitttvochabend um 10 Uhr der 35 Jahre alte Arbeiter August Drenkow aus der Gothenstr. 35 zu Schöncberg schwer verletzt worden. Auf dem Grundstück König- grätzerstr. 11 wird an dem Erweiterungsbau des Bellevue- und Tiergarten-Hotels nachts bei elektrischem Lichte gearbeitet. Mittwoch- abend waren mehrere Arbeiter damit beschäftigt, auf die beiden Pfeiler der Straßeneinfahrl einen eisernen Träger zu legen. Dieser wurde emporgewimden. Als ein Arbeiter das Seil, mit dem er ihn im Gleichgewicht halten sollte, losließ, schlug der schwere Träger! mit deni einen Ende gegen den linken Pfeiler und zertrümmerte. ihn. DaS Mauerwerk stürzte ein und die Trümmer traten Drenkotv, der in seiner Nähe stand, am Kopf, an der rechten Körperseite und an beiden Armen und Beinen. Ein Schutzmann des 37. Reviers brachte den Verunglückten mit einer Droschke nach der Unfallstation I in der Wilhclmstraße und von dort nach der Charite. Ein Schutzmannsposten bewachte gestern die Unfall- stelle, bis eine Gerichtskommission sie besichtigt hatre. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Aus Diebstählen rühren wahrscheinlich drei Uhren her, welche sich im Besitze eines fest- genommenen, wiederholt vorbestraften Mannes befunden haben. iillle drei sind Remontoiruhrcn, zwei von Silber und mit Goldrand. die dritte anscheinend unecht und ohne Goldrand. Von den silbernen trägt die eine die Nr. 61 656, die andere hinten auf dem Deckel das Monogramm C. L. und darunter 23. 8. 86, die dritte die Nr. 20 669. Nekoguoscenten wollen sich baldigst an einem Wochen- tage zwischen 6 und 12 Uhr vormittags im Pölizeidienstgebäude am Alexanderplatz, Zimnier 37 parterre, melden. Ebenda ist noch ein Glaskasten, wie sie in Schanklokalen zur-Aufbewahrung zum Ver- kaufe ausliegender Cigaretten benutzt werden, der anscheiiieiid eben- falls aus einem Diebstahle herzurühren scheint, zu besichtigen. Einen hartnäckigen Selbstmordversuch im Wasser machte gestern, Donnerstagnachmittag um 4 Uhr, die 22 Jahre alte Amanda Haasenbein, ein geisteskrankes Mädchen. Sie kam mit ihrer Mutter über den Blücherplatz nach dem Waterloo-Ufer zu, kletterte, als die Mutter sich in eine Bedürfnißanstalt begeben hatte, über den Bretter- zäun am Ufer und sprang in den Landwehrkanal hinab. Schiffer eilten in einem Kahn mit Haken und Stangen zu Hilfe und ein Schutzmann und ein Omnibus-Controleur warfen der Lebensmüden den Rettnngsball zu. Nachdem es gelungen war, sie in den Kahn zu ziehen, sprang sie wieder hinaus und hätte beinahe den Controleur und die Schiffer mit sich gezogen. Wiederum gerettet, wurde sie von einem Schutzmann und der Mutter niit einer Droschke in das Krankenhaus am Urban gebracht. Von hier soll die Kranke nach der Irrenanstalt Herzberge übergeführt iverden. Ihre» Verletzungen erlegen ist die 84 Jahre alte Rentnern, und Hauseigentiiinerili Klara Mann aus der Bruimenstr. 21, die vor acht Tagen'in Abwesenheit ihrer Angehörigen, die sie dem Hans- Verwalter in Pflege gegeben hatte, aus einem Fenster des Erd- geschosscs auf den Hof hinabspraug und schwer verwundet in das Lazaruskrankenhaus gebracht wurde. Straßensperrung. Die Königin- Augustastraße vom Hause Nr. 17 bis zur Grenze zwischen Nr. 19 und 20 wird behufs Um- Pflasterung vom 11. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ferner bleiben gesperrt die S tettin e rstra ße von der Bad- bis zur Bellermannstraße, sowie die Dorfstraße in Stralau in der Nacht vom 12./13. August vom Hause Nr. 13 an, von abends 8 Uhr ab. Eine Zollstrafe von einer halben Million Mark soll der Inhaber eines Berliner Exporthauses zahlen. Der Proceß wird in den nächsten Tagen vor dem Schatzgerichts- Hof von Kanada verhandelt werden. Ein Berliner Exporthaus, das aber inzwischen sein» hiesiges Geschäft_ verkauft hat, hatte an eine Firma in Kauada Waren gesandt, die in den Zoll- fakturen zu niedrig bewertet waren. Die Anklage wird, wie der „Konfektionär" meldet, erhoben, weil diese Finna vom Mai 1895 bis Februar 1866 116 falsche Fakturen zum Import ihrer Waren bei der Verzollung benutzt haben soll. Die von der kanadischen Anklagebehörde eingeforderte Strafe beträgt 141 763 Dollar. Die kanadische Regierung hatte vor einiger Zeit einen besonderen Ver- treter nach Berlin gesandt, um die Angelegenheit hier an Ort und Stelle zu untersuchen. Im Garten der Bockbranerci ist ein recht hübsches Liebhaber- Theater, auf dem bisher von Dilettanten oder Salonkomikern nicht allzuhohen Ranges schlicht und recht gemimt wurde. Das ist jetzt mit einem Male anders geworden. Seit einigen Tagen steht die -Bühne im Dienste eines Patriotismus, der, wenn er nach seiner äußern oder inner» Wahrhaftigkeit beurteilt werden soll, es getrost mit der Stummschen„Post" oder dem jüdischen Hofjournal auf- nehmen kann. Es wird dort ein vaterländisches Festspiel„Theodor Körner" aufgeführt, mit dessen historischer Treue es folgendermaßest bestellt ist: Theodor Kömcr läßt sich, ganz gegen die in seinen Liedern obwaltenden Principien, von den Horden des korsischen Parvenü gefangen nehmen. Er soll seinen Patriotismus mit dem Tode büßen, ivird dann aber doch infolge Mangels an Konsequenz von seinen französischen Feinden begnadigt. König Murat aber singt in der Manier, wie der Bettclstudenr die schöne Polin feiert, das deutsche Weib an. Der König von Neapel hat allerdings Ursache zu solcher Galanterie, denn er karcssiert eine deutsche Patriotin von Adel bis in die Reihen des Lützowschcn Freikorps hinein, dessen Mitglied nämlich die Daipe ist. Ihren Patriotismus be- thätigt diese Musterdeutsche, indem sie den immerhin nicht ganz un- bedeutenden Anbeter ruhig gewähren und seines Weges gehen läßt, als er, von allen anderen unerkannt, im deutschen Lager weilt. Trotz solcher kleinen Unebenheiten qualifiziert sich der Verfasser des Festspiels— Bolle heißt er— doch als ein großer vaterländischer Dichter dadurch, daß er seinen Helden das berühmte neue deutsche Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte, Ivie es nach den Originalideen Wilhelms des Großen er- standen, im Sinne der preußischen Hofpoesie völlig korrekt vorahnen und in höchsten Weihetönen verherrlichen läßt. Welches Hoftheater später die Bolle'sche Dichtung aufführen wird, steht noch nicht fest. Ans de» Nachbarorte». Der Socialdcmokratischc Verein zu Johannisthal und Nicdcr-Schönewcidc feiert am Sonnabend sein Stiftungsfest ig, Parkrestaurant von Ran. Parksir. 12—13. Sämtliche Parteigenossen und Genossinnen ladet hierzu freundlichst ein Das Komitee. Ter Arbcitcr-Bildnngsvcrein von Obcr-Tchöncwridc und Umgegend hält Soiinaben'dabend 80s Uhr feine fällige Vereins- Versammlung ab(Haserlands Restaurant). Zum Bierboykott wird uns aus Spandau geschrieben: Die Arbeiterschaft wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Pichcls- dorfer(Stadcberger) Brauerei in letzter Zeit besonders viel Flaschen- und Kannenbier in Berlin absetzt und zwar zumeist an Kantinen, Wcrkstellcn.Bierverlcger.Grünirnmhändlerec. Tie Flaschen und Kannen führen verschiedene Bezeichnungen, wie:„Markgrafen- bräu",„Versandbier",„Tnfelbier",„Radeberger- Pilsen er"-c., und ist die Feststellung der Produzentiu deshalb etwas erschwert. Sämtliche Gefäße tragen jedoch daneben auch die Firma„Radeberger Exportbier-Brauerci. Abteilung Pichelsdorf"; das Flaschen- und Kannenbier ist also hieran leicht erkenntlich. Man beachte besonders, daß eine große Anzahl Lokale, welche aus der L o k a l l i st e stehen, noch Pichelsdorfer Bier führen. Die Arbeiterschaft wird sich weder durch die mannigfaltigen Aufschriften, als durch die bekannten Manöver mit Gebinden anderer Brauereien irreführen lassen, sondern unter allen Umständen das Pichelsdorfer Bier zurück- weisen! Von der Radeberger Exportbrauerei, Abt. Pichelsdorf, erhalten wir folgende Zmchrift: „Die Nummer des„Vorwärts" vom 6. August er. enthält folgende Notiz:„Ferner ist versucht worden. Pichelsdorfer Bier in Gefäße mit falscher Firma zn füllen und dasselbe in solcher Weise an den Mann zu bringen." Diese Angabe ist durchaus irrig; wohl hat in einem einzelnen Falle ein Kunde zwei fremde Fässer mit dem Ersuchen, ihni solche mit Bier zu füllen, uns übermittelt, welchem Ersuchen diesseits nicht stattgegeben wurde; vielleicht hat dieses Vorkommnis den obigen Irrtum, den wir hiermit berichtigen, hervorgerufen." Wir bemerken, daß diese Angelegenheit schon in der gestrigen Zuschrift aus Spandau aufgeklärt worden ist. Die Schöneberger Stadtverordneten mußten wegen der eingegangenen Einsprüche gegen die Aufstellung der Wählerliste ibre Ferien unterbrechen. Vor Eintritt in die Prüfung der Proteste gelangt die Anfrage mehrerer Stadtverordneten, betreffend die „Nahrungsmittel- Kontrolle auf den Wochen- Märkten'der Stadt Schönebcrg"� seitens des Magistrats zur Beantwortung. Bekanntlich wird diese Kontrolle von der städtischen Polizei mit einem Thierarzt im Nebenamte aus- geführt. Diese Kontrolle soll nun noch Ansicht der Antragsteller ieinc genügende Sicherheit bieten. Der Erste Bllrgcrineister be- antworlete die Interpellation dahin, daß diese Kontrolle völlig aus- reichend erscheint und als mustergültig hinznstellen sei. Er könne die vorgebrachten Beschwerden nicht für stichhaltig halten. Wolle man eine bessere Untersuchung erzielen, so möge man das dazu nötige Personal um 5—6 Personen verstärken. Siadtv. Haasc verlangt in energischer Weise Einführung der obligatorischen Fleischschan. Sei man heute noch nicht davon überzeugt, dag die Uebernahme seitens der Polizei bald erfolge, so müsse im Interesse der Bürger eine andere genügende Kontrolle erfolgen. Bürgermeister Wilde hält die geänderten Bedenken für übertrieben, kann sich aber in betreff des Obligatoriums nur dann einverstanden erklären, wenn die Errichtung eines Schlachthofes ins Auge gefaßt ivird. Stadt- verordneter Uulay hält die fliegenden Händler, welche nichtunter- suchtes Fleisch spccicll in Schmieberg verkaufen, für eine ernste Gefahr. Gerade die ärmere Bevölkerung müsse derartigen Schund kaufen. Beuge man heute diesem Ucbclstnnde vor. Aach längerer Diskussion beschließt die Versainmluug, einen dahingehenden Antrag dem Magistrat zu.unterbreiten. Es folgt die Prüfung der gegen die Nichtigkeit der Aufstellung der Wählerlisten eingebrachten Proteste. Es hatten 1t Personen Protest erhoben, deren Einwände als berechtigt anerkannt wurden. Einer der Protestierenden halte im vergangenen Jahre Armcnnuterstiitzung erhalten. Da derselbe jedoch den größten Teil der Kosten schon ge- zahlt, der verbleibende Nest dagegen gestundet ist, beantragt der Bürgermeister Gültigkeit auch dieses Protestes. Koniutnnalfiskalische Moral. Was eine Radlerfalle ein- bringt, erfährt man an folgendem: In S p a n d a u ist neuerdings der Fußgängerweg der Eisenbahnbrückc über die Havel für Radfahrer verboten worden, d. h. das Rad darf auch nicht einmal über die Brücke geschoben werden. Das Verbot ist jedoch weder durch eine Tafel noch in anderer Weise kenntlich gemacht, sodnß fast täglich eine ganze Anzahl von Nadfahrern wegen der Uebcrtretung festgestellt und in Strafe genommen werden. So sollen am letzten Sonntag dort in Summa Summarnm 258 Radier und Radlerinnen notiert worden sein. Das macht 253 X 3 M.= 774 M. an einem Tage! Bemerkenswert ist dabei noch, daß auf die Frage, warunr das Verbot nicht bekannt gemacht lverdc, von dem zur Abfassung der Radler an der Brücke postierten Bc- amten erwidert wird, das sei geschehen, in einem— Spandauer Blatte. Nachdem in den verschiedensten Orten der Umgegend von Berlin die neuen kommunalen Erwerbsquellen so kunstvoll' angelegt sind, daß der Radfahrer ihnen kann: ausweichen kann, läßt sich von einer Steuerfreiheit des Nadfahrens. die von reaktionärer Seite zuweilen bedauert worden ist, füglich nicht mehr reden. Ja, man muß gestehen, daß eine direkte Besteuerung des Radfahrens, so ividcr- sinnig und kulturfeindlich sie ist, in mancher Hinsicht immer noch er- träglichcr erscheint, als der gegenwärtige Zustand. Tie Flcischstcner in Potsdam. Eine Ivilde Jagd auf einen Schmuggler veranstalteten einige städtische Steuerbcam'teu in Potsdam in der Nacht zum Mittwoch. Der tvohlsitnicrte Schlächtermeister St. fuhr gegen Abend in seiner Equipage über die Langebrückc zum Thore hinaus Und that so, als ob er eine Spazierfahrt mache. Nim verlautete, daß St. schon öfter Fleisch nach Potsdam cingcschmnggell habe, man wollte sogar wissen, daß er. um die Sache recht unver- fänglich zu machen, eine Person in Offiziersuniform auf den Wagen gesetzt habe, weshalb die Steiierbeamtcn ein wachsames Auge auf ilm hatten. Als St. nun nachts mit seinem Fuhrwerk zurückkehrte, fuhr er im vollen Trabe bei der Stencrabsertigungsslclle auf der Langen- brücke vorüber, worauf sofort einige Steuerbeamte per Zwcirad seine Verfolgung aufnahmen. St., der dies bemerkte, hieb nun auf seine Pferde ein, um ans dem Bereich der Verfolger zu kommen und jagte wieder zum Naucnerthor hinaus. Kurz vor Nedlitz nllirde er aber wieder eingeholt und mm stellte es sich heraus, daß er zwei geschlachtete Kälber, 1 Rind und andere Fleischwaren von zusamincn über 8 Centncr in seiner Equipage hatte, welche nun beschlagnahmt wurden und ivofnr er über 306 M. Steuer zu zahlen hat. AuS Rixdorf. Die Einbrüche in den Laubenkolonien nehmen wieder überhand. In der Nacht zum Donnerstag wurde wiederum ein Dieb überrascht, als er seine Beute, bestehend ans einem Ziegen- lamm, 18 Hühnern und 11 belgischen Riesenkaninchen. mittels Wagens forttransporticren wollte. Begünstigt von der Dunkelheit, entkam der Dieb. Die Bestohlenen können ihr Eigenthum vom Polizeibureau abholen. _— Ani Mittwochnachmittag wurde in der Hermannsiraße der Pfcfferküchler Nave von seinem früheren Arbeitgeber Paul Zimmer überfallen und erheblich mißhandelt, weil N. einem Gerichts- Vollzieher, der dem Z. einen Besuch abstattete, mehrere versteckte Pfandobjektc vcrrarhen haben soll. Gegen Z. ist Anzeige erstattet worden.— Der Grenadier S ch u l z II von der 5. Kompagnie des Leibgrenadier-RegimentS in Frankfurt a. O. ivar vor kurzem von seinem Truppenteil desertiert. Gestern wurde Sch. in der Wohnung seines Schwagers, des Jägcritraße 4 wohnhaften Arbeiters Pfennig, ermittelt und verhaftet.— Ein junger Kameruner, welcher bei einem hiesigen Tischlermeister in der Lehre stand, ist gestern einem Liniaenleiden erlegen. Unser schwarzer LändSmann hatte das europäische Klima nicht vertragen können' An der Bc- erdigung wollen sämtliche in Berlin und Umgegend lebende Farbige teilnehmen. Tie Rixdorfer Tchlächtcr- Innung will kein Gewerbe- gericht. Dies klang deutlich aus de» Verhandlungen hervor, welche in der letzten Jnnungsversainmlnng geführt wurde. Von den meisten Rednern wurde offen eingeräumt, daß sich die Herren Meister von der bcabsichtigten Errichtung cinc-Z Gcwcrbcgcrichtcs keinen„Vorteil" versprechen. Es wurde auch die Behauptung aufgestellt, daß zwischen Meistern und Gesellen ein so gutes Verhältnis bestehe, daß die letzteren zu Klagen gar keine Veranlassung hätten. Tie wenigen Streitfälle, die bisher zu verzeichnen gewesen wären, hätte der Jnnnngsvorstand stets zur beiderseitigen Befriedigung gc- schlichtet. Es läge demnach gar keine Vcranlasiung vor, hier eine Aenderung eintreten zu lassen. Die Versammlung lehnte es denn auch ab. in dieser Angelegenheit von Jnnungswegen einen Beschluß h> nftihreii, überließ es vielmehr jedem einzelnen Jnnungsmit- g, nach freiem Ermessen zur Gewcrbegerichls-Frage sich zu er- reu. Wie diese Abstimmung ausfallen wird, ist nicht zweifelhaft. Ciu �jähriger Spandaner, der auf Howaldtswcrken bei Kiel angesteitte Schlosser Schare nberg, ertrank im Kricgshafen. Der junge Mann badete an einer Stelle.>wo das Fahrwasser neuer- dings durch Baggernngen erheb lt worden war, versank in den Flute» und blieb spurlos verschwunden. Raubmord. Im Dorf A l t- B u ch h o r st bei Erkner ist in der Nacht zum Mitttvoch ein Raubmord verübt worden. Die Witwe des ehemaligen Gemeindevorstehers Fielitz wurde Mitt- woch früh in ihrem Bette erschlagen aufgefunden. Frau Philippine Fielitz, geborene Kröning, war etwa 60 Jahre alt und besaß eine kleine Gastlvirtschaft an der Landstraße. Es ist anzunehmen, daß der Mörder durch ein Fenster von der Straße aus in die Gaststube eingestiegen ist und sich von dort aus in das Schlafzimmer der Frau geschlichen hat. Die Leiche zeigt obcrbalb der linken Schiäse eine tiefe, klaffende Wunde auf. Neben dem Bett wurde ein stark mit Blut besudeltes, etiva 50 Ceinimetcr langes und 15 Cciitimetcr starkes Holzscheit aufgefunden, mit dem der Mörder sein Opfer vermutlich im Schlafe erschlagen hat. Die im Schlafzimmer befindliche Geld- truhe war leer. Von sonstigen Wertgegensiänden wurde nichts vcr- mißt. Von dem Mörder fehlt bis jetzt jede Spur. Man nimmt an, daß nur ein mir der Oertlichkcit und mit den Gcwobnhcircn der Frau vertrauter Mensch der Thäter gewesen sein kann. Frau Fielitz stammte aus Berlin Ihr im vorigen Jahre verstorbener Mann war bis Anfang der achtziger Jahre hier ansässig und betrieb in der Friedrichstadi eine fast ausschließlich von Studenten besuchte Gastwirtschaft.' Auf der Nordbahn ist nunmehr mit der von den Interessenten seit langem erstrebten Reform der Fahrpreise im Personenverkehr endlich der Anfang gemacht worden. So ist z. B. der Preis der Fahrkarte dritter'Klasse Berlin— Lranienbnrg von 60 auf 55 Pf. ermäßigt worden. Die Nordbahn war hinsichtlich der Fahrpreise von Beginn an ungünstiger gestellt, als die westlichen Berliner Vorortbahnen. Eine aufregende Scenc spielte sich Mittwoch in der Gothen- straße zu Schöneberg ab. Das etiva dreijährige Töchtcrchcn des Technikers P. hatte sich in einem unbewachten Augenblicke ans den Balkon der Wohmmg begeben und einen daselbst stehenden Stuhl erklettert. Es beugte sich über das Balkongeländer, verlor dabei das Gleichgewicht und siel über das Gitter, blieb aber Ivnnderbareriveise mit seinem Kleidchen an dem Gitter hängen. Der Vorgang hatte nntcr den Passanten großes Entsetzen hervorgerufen, und sofort stürzten einige Herren hinzn, welche sich den Rock aliszoge», um die Kleine darin auffangen zu können. Mittlerweile kam auch schon die Mutter und befreite das Kind aus seiner gefahrvollen Lage. Socmlo Veitztspflegv. Accord- Hilfsarbeiter. Der Töpferträger G. war von dem Tövsermeister I e n g e für sintn' bestimmten Bau angenonimen wordeni Er sollte„dass Zeiig" zu fünfzig Oefcn tragen und pro Ofen 2 Mark erhalten.. Jxiige s sqgtx ihm beim Engagement, die Arbeit werde vier bis fünf Wochen dauern. Thatsächlich hatte aber G. fünf Wochen und vier Tage damit zu thun. Er ver- klagte deshalb Jenge beim Geiverbegcricht und machte gellend, daß er solange bei der Arbeit habe zubringen inüsscn, lveil der Meister vorher die Zahl der Töpfer auf jenem Bau verringert habe. Er sei so gezwungen gewesen, langsamer z» arbeiten, als er jonst hätte arbeiten können. Kläger vcr- langte eine Entschädigung für die mehraufgeivandte Zeit.— Die Kammer III verurteilte den Belagten, an G. 13,35 M. z» zahlen und der Vorsitzende Dr. Schalhorn führte zur Begründung folgendes ans. Der Kläger könne eine Entschädigung nilr verlangen, weil die Arbeit laiigere Zeit in Anspruch genommen habe, als sie nach dem' Vertrage habe dauern sollen. Die längste Daner habe fünf Wochen befragen sollen, daraus seien aber ohne des Klägers Verschulden fünf Wachen und vier Tage gelvorden. Für die vier' Tage sei ihm eine Entschädigung zliznbilligeii. Zur Begründung eines Entfchädignugsanspruches machte ocr Hausdiener H. vor der Kammer VI des Gcwerbegcrichts geltend, daß er von dem beklagten Nestanratcur C n s s i n geprügelt worden sei und deshalb nicht länger hätte bei ihm bleiben können. Ciissin habe auch gedroht, ihm die Knochen entzwei zu schlagen. Ans Grund der Beweiserhebung nahm der Gerichtshof an, daß der Kläger schon vorher seinen Willen, ivcgcn der schweren Arbeit nicht mehr bei C. zu bleiben, kundgegeben habe. Z. wurde abgewiesen. Der Vorsitzende führte begründend ans, daß es für den vorliegenden Rechtsstreit unerheblich wäre, wenn der Beklagte den Kläger wirklich n a ch der Arbcitsverweige- riing geschlagen hatte. Ein Lohnenti'chädignngs-Niisprnch kann ans die Schlagfertigkeit eines Arbeitgebers nur gestützt werden, ivcnn die Schläge allein es dem Arbeiter unmöglich machen, ivährcnd der vertragsmäßigen Zeit, hier der Kündigungssrist, im Arbeits- Verhältnis zu bleiben. Gevirszks��eiküng» Im Interesse der Landessicherheit wird neuerdings bei Verhandlungen wegen Munitionsdiebstahls die. Oeff'entlichkeit ans- geschlossen. Der erste Fall dieser Art ereignete sich gestern, als gegen den Arbeiter Otto Greisfenbe.g ans Berlin verhandelt wurde. G. ist ein gewerbsmäßiger Kugelsucher, der schon unzählige Male deshalb vorbestraft ist und auch zur Zeit wieder eine Gc- fängnisstrafe von neun Monaten wegen desselben Vergehens vcr- büßt. Er war am 19. August v. I. auf dem Schieß- platze Kummcrsdorf beim Samincln verschossener Munilions- teile betroffen worden. In seinem Besitze war eine große Menge Messing, Aluminium und Kupfer gefunden worden. Heber die Beschaffenheit dieser Muiiitiousteile wurde ein Hauptmann der Artillerie als Sachverständiger gehört, aber während der Vcriichmung desselben wurde mit Rücksicht ans die Sicherheit der Landesverteidigung die Ocffcntlichkeit misgeschloffen. Ans der Motivierung des Urteils, welches auf neun Monate Gc- f ä n g n i s zusätzlich lautete, ging hervor, daß sich nach dem Gut- achten des Sachverständigen unter den verschossenen Munitionsteilen solche befinden, welche im Interesse der Landesverteidigung gcbeim zu halten sind und daß rings um den Schießplatz Tafeln aufgestellt sind, durch welche das Auflese» der Mimitivnstcile unter Hinweis auf das Interesse der Landesverteidigung verboten wird. Eine vor 4 Jahre» begangene Ttrasthat führte gestern den Tischler Albert Schulz vor die zweite Ferien- Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte damals eine Wohnung im Ouergebäude des Grundstücks Turinstraße 47 inne. Als er in der Nacht zum 17. Mai 1895 nach Hanse kam, traf er auf der zu seiner Wohnung führenden Treppe ein Francnzimmer an. Gleich darauf hörte der im Erdgeschoß wohnende Zimmermann Weinkauf gellende Hilferufe. Er erkannte die Stimme seiner Ehefrau und stürzte hinaus. Er traf den Angeklagten und seine Ehefrau im Wortwechsel, die letztere behauptete, von dem Angeklagten in infamer Weise beleidigt worden zu sein. Es kam zwischen beiden Männern zu einem Kampf, Weinkanf merkte, daß er unterliegen würde nnd zog es deshalb vor, über den Hof nach dem Vorderhanse zu flüchten. Der Angeklagte folgte ihm, zog sein Messer nnd brachte dem Wcinkans zwei tiefe Messerstiche bei. Beim zweiten Stich, der die Leber traf, sank der Verletzte ohnmächtig zusammen. In diesem Augenblick erschien der durch den Lärm geweckte Hausverwalter in seiner Thür. Der Angeklagte war beim Anblick seines Opfers völlig fassungslos, er rief dem Hansverwaltcr zu:„Ich bin ein Mörder, hier ist das Mesier I" Der Verwalter nahm sich zunächst, des Schiverwnndeten an. den er nach dem Krankenbause brachte. Weinkanf hat dort drei Monate zubringen müssen, ist indessen völlig genesen. Diesem un- erwarteten Glücksnmstande har der Angeklagte es zu verdanken, daß er mit einem Jnbre Gefängnis davon kam, während der Staats- anwalt 2 Jahre Gefängnis beantragt hatte. Der Angeklagte war nach der That flüchtig und kürzlich in Lübeck ermittelt und verhaftet worden. Die beiden Hanpt-Mitglieder einer Bande von Fahrrad- diebe» standen gestern in den Personen der beiden Schlächter- gesellen Richard Nützgen und Hugo Kahrau vor der neiliiten Ferien-Strafkammer des Landgerichts I. Wenn auch die Fahrraddiebstähle in den letzten Jahren zu den täglichen Vor- kommnissen gehören, so gelangten in diesem Frühjahre doch so auf- fallend viele Fälle zur Anzeige, daß man annchmen mußte, es mit e.incr weitverzweigten Diebesbande zu thun zu haben. Dies bewahrheitete sich auch, nachdem die beiden Angeklagten zur Haft gebracht worden ivaren. Dieselben haben»ach und»ach fünf andere Personen angegeben, welche bei den Diebstählen teils als Mitthäter, teils als Hehler beteiligt waren. Dieselben befinden sich hinter Schloß und Riegel und sehen ihrer späteren Verurteilung entgegen. Die Diebe fahndeten besonders auf solche Fahrräder ,' welche von den Eigentümern ans kurze Zeit ans dem Flur desjenigen Hauses, in welchem� sie Geschäfte abzu- wickeln hatten, imbeaufsichligt stehen gelassen wurden. Die Gestelle der Räder wurden von den Dieben mit einem andersfarbigen Anstrich versehen und dann wurden die Räder verkauft. � Die beiden Angeklagten wurden sieben derartige Diebstähle zur Last gelegt, toodurch sie den Be- stohlcnen einen Gesamtschaden von gegen 2000 M. zufügten. Der StaatSantvalt beantragte gegen jeden Angeklagten 2'/s Jahre Ge- fäitgnis sowie entsprechenden Ehrverlust. Das Urteil lautete gegen R üß gen auf drei Jahre Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust, gegen Kahrau zwei Jahre ein Monat Ge- fängnis und dreijährigem Ehrverlnst. Tie Frage, ob Geschlinge Fleisch ist, hatte gestern die 2. Ferieu-Strafkammer am Landgericht II zu entscheiden. Der Schlächtermeister Bruno Pohl aus Charloiteilbnrg befand sich aus der Anklagebank. Bei ihm waren gelegentlich einer amtlichen Revision drei Kälber- und sieben Hannnelgeschlinge vorgefunden worden, welche keinen amtlichen Stempel trugen. Pohl erhielt darauf ein polizeiliches Strafmaudat über 8 M. Er erhob aber Einspruch und beantragte richterliche Eutscheidung. Das Schöffengericht in Charlottenburg sprach den Angeklagten frei, weil eine von der Direktion des Berliner Schlacht- nnd Viehhofes eingeholte Auskunft dahin lautete, daß die Geschlinge in Berlin überhaupt nicht gestempelt würden. Die Geschlinge würden mitcrsucht nnd je nachdem beschlagnahmt oder freigegeben. Nur die Jnden-Schächter stempelten die Geschlinge, aber nur mit ihrem eigenen Stempel, der nicht amtlich sei. Änf Grund dieser Auskunft beantragte der Amtsanwalt selbst die Freisprechung, nnd das Schöffengericht erkannte demgemäß. Obwohl der Amtsanwalt selbst die Freisprechnng beantragt hatte, legte die Staatsanwaltschaft doch Berufnng ein, lveil, ivie der Vertreter derselben erklärte, die Charlottenburger Polizeibehörde eine principicllc Entscheidimg wünsche. Der Verteidiger hielt die Frei- sprechnng für so sicher, daß er beantragte, auch die Kosten der Ver- teidigirng der Staatskasse anfziicrlegen. Der Gerichtshof gelangte aber nach längerer Beratniig zu einer anderen Auffassung. Die betreffende Polizeivcrordnnng befreie alles Fleisch, welches auf dem Berliner Schlacht- Hofe geschlachtet, nntersucht und gestempelt werde, von der Nach- nntersiichimg. Mögen mm auch die Geschlinge in Berlin nicht ab- gestempelt werden, so sei es doch irrig, die Geschlinge nicht als Fleisch zu betrachten.?!ach der Charlottenburger Poltz'civcrordnnng müsse alles Fleisch nicht allein unterslicht, sondern auch abgestempelt sein, nnd da im vorliegenden Falle der Stempel fehlte, so sei die Polizciverordnnng übertreten. Die Sache liege aber milde und deshalb sei nur änf drei Mark Geldstrafe erkannt worden. Vevtttifjszkes. Maffcncrkrankung unter der Brannschweiger Garnison. Die„Braiinschw. Landcs-Zeitung" berichtet: Eine Massenerkrankung ist iiiiter den Mannschaften der beiden hiesigen Regimenter seit einiger Zeit eingetreten, über deren Ursache man bisher noch im unklaren ist. Wie es heißt, sind etwa 80—100 Soldaten, zumeist Angehörige des Infanterie- Regiments Nr. 92, erkrankt im Garnison- Lazarett. Die Krankheit äußert sich bei den incistcn in gastrischen Erscheimmgen. Mehrere der Erkrankten haben Erbrechen und Fieber von 39 bis 40 Grad, doch scheint die Erkrankung einen giitartigen Verlauf nehmen zu tuolle». Ilm die Ursachen der Krankheit festzustellen, haben »infassciide Nahrimgsmiitcl-Untcrsnchungcil stattgefunden; doch haben dieselben nichts ergeben, was mit den Erkratikungen in Zusammenhang gebracht werden köiiute. Nenerdings vermutet man. dug die erkrankten Leute etwa beim Baden in der Olcr Wasser geschluckt haben und dadurch erkrankt sein könnten. Man hat daher das Baden bis ans lvcitcrcs verboten und eine Probe des Wassers zur Unter- suchnng nach Hannover gesandt. Die ZeitnngSmeldnng, daß in H a l l e n. S. der Flecktyphus nnsgcbrochen sei, wird vom doftigen Magistrat für un- richtig erklärt. Bon einer originellen Justiz wissen verschiedene Blatter ans Vandsburg(Westpreiißeii) zu berichten. Dort hatte eine Frau Holz gestohlen iind sollte dafür 1,20 M. Strafe zahlen oder einen Tag Hast verbüßen. Zahlung erfolgte nicht, nnd die Zwangsvollstreckung fiel fruchtlos aus. Daher mußte die Frau dem Gericht vorgeführt ivcrden, da sie nicht gutwillig ging. Der Gemeindediener wurde beauftragt, die Frau— es ivar seine eigene— zur Abbüßung der Strafe vorzuführen. Dies geschah. Dafür ließ sich der Mann 1,50 M. Transportkosten zahlen: von diesem Betrag zahlte er nun jene 1,20 M., so daß noch 30 Ps. übiig blieben. Neber die Heiligen der katholischen Kirche hat ein Tricntiner Blatt ein Statistik aurgemacht, knie Zmammew!. llung betreffs der in den letzten drei Jahrhunderten! cm der römischen Kirche heilig nnd selig gesprochenen Personen.<:m ,i beträgt die Zahl jener, welche, nach dem Jahre 1500 starben nnd üc. jepl kanonisiert wurden, 96, während in derselben Zeit 320 sei g gesprochen wurden. Die Majorität der Heiligen und Seligen gehört dem männlichen Ge- schlecht an. nur 58 dem weiblichen. Der Nationalität nach, nnd das ist hierbei wohl das interessanteste, waren unter den Heiligen und Seligen: '28 Heilige, 48 Selige, 76 in Summa Italiener, 17„' 49„' 66„„ Spanier. 1„ 36„ 37„„ Portugiesen. 6 8„ 14„„ Franzosen. 12„ 1„ 13„, Holländer, 4„ 1„ 5„, Belgier, 1 1 2„„ Polen und nur 2„ 2„ 4„„ Deutsche. Was haben die deutschen Katholiken in den letzten 400 Jahren verschuldet, daß von ihnen fast niemand in den.Heiligenstand er- hoben worden ist? Talton ertrunken. AnS New Dork wird telegraphiert, daß der bekannte Profcssionsschwinlmcr Dnlton wahrend eines Dauer- schwimmcns plötzlich vor den Augen einer großen Anzahl von Zu- schauern, die dachten, es handle sich um ein Kunststück, untersank. Als man Dalton aus dem Wasser zog, war er bereits eine Leiche. Er dürfte einem Schlaganfall erlegen sein. Dalton, der nun selbst im Wasser sein Ende fand, durfte sich des seltenen Erfolges rühmen, im ganzen 278 Menschen dem Tode in den Wellen entrissen zu habe». Wie man erzählt, durchschwamm er einst den englischen Kanal und vor einigen Jahren schwamm er von Blackwail nach Gravesend. Ans Hildburghanscn wird vom 7. August berichtet: In der vergangenen Nacht brannten in Steinbach bei Schlensingen f ü n f IH ä» s e r nieder. Eine achtzigjährige Frau ist in den F l a m in e n u in g e k o m m e n. In Alexandrien ist seit dem 1. August kein neuer. Pestfall mehr vorgekommen. In ävztlicher Behandlung sind nur noch drei Pefttranke._ Briefkasten der Redaklivn. Die nächste juristische Sprechstunde findet ausuahmslveise am Freitag nicht von«, sondern erst von 7 Uhr ab statt. Nr. 1777. Schippe! ist 1859 geboren und gehört dem Reichstage seit 1890 an» F. G. Für uns nicht geeignet. tgraudcnz. Nicht verwendbar. Balz: Desgleichen. Bielleicht klärt sich der Fall in der Berustmgsliistanz auf. 75 F. W. Nicht verwendbar. Flirbau. Das Oberland von Helgoland hat ZSOV Meter tm Umfang. In 40 Minuten würde also ein flotter Fußgänger seinen Spaziergang um die Insel beendigt haben. W. Post. DaS Gehalt der Mechaniker bei der Postverwaltung beginnt mit 1200'M.: das Höchstgehalt von 2000 M. wird nach zwölfjähriger etatsniäßiger Dienstzeit erreicht, also alle drei Jahre 200 M. Zulage. Pensionsberechtigt werden die Mechaniker nach einer Dienstzeit von zehn Jabren, einen Anspruch auf Pensio» haben sie, lo lange sie auf Kündigung stehen, jedoch erst dann, wenn sie eine etatsmäßig« Stelle bekleiden. Eine Versetzung, selbst auf eigene Kosten, würde auf große Schwierigkeiten stoßen, da es im ganzen Reichs- Postgebiet nur wenige hundert Stellen für Mechaniker giebt. Z. B. 280g. Sie mühten der Vereinbarung entsprechend schriftlichen Vertrag machen oder die Anzahlung zurückgeben.— Schöning. Schrift- liche Antwort erteilen wir nicht. Sprechen Sie m i t den Papieren in der juristischen Sprechstunde vor.— G. M. Nein.— Grünberg. 1. Ja, es steht ihr frei, sich zu erkundigen, ob aus Grund einer Vcrsicherungs p f l i ch t geklebt ist, und Angaben zu verlangen, welche diese Erkundigung ermöglichen. 2. Wer nicht wahlberechtigt ist(die Betreffenden sind es nicht), aber in der Wählerliste eingetragen ist, kann wählen, wenn seine Wahlberechtigung nicht angefochten ist.—<5.«. 81. Sie können gegen den Betreffenden Straf- antrag wegen wissentlich falscher Dei»mciation und wegen Verleumdung stellerr— P. R. Darin kann eine Beleidigung erblickt werden. Jndeß wKrde bei der Zwcifelhaftigleit des Ausfalls der Klage von Erhebung der Klage ab- zuraten sein.— Fr. B. Sie können nicht verurteilt werden. Nach§ 4Z Nr. 5 G.-O. ist zur nichterwerbsinnstigcn Verteilung von Druckschriften eine Erlaubnis nicht erforderlich.— W. S.(kharlotteubnrg. l. Nein. 2. Ja. —®. P. 1. Ja. 2. Soweit die Sachen unentbehrlich sind, sind sie un- vfändbar.— M. T.. Breslau. 1. Der Sohn ist Russe. 2. Schwer: es ist Genehmigung der Polizei erforderlich. 3. Dort ist es leichter, aber auch von Willkür abhängig. 4. Nach Ansicht der preußischen Behörden: ja.— Unfall. Wenn die Betreffende erwerbsunfähig ist und inindestens 235 Wochen geklebt hat, so hat sie Anspruch ans Unsallrcnte. Der Anspruch ist bei dem Landrat des Kreises, in dem die Betreffende wohnt, anzuineldett, resp. bei ihrer unteren Berwaltungsbehördc.— K. Z. Nein. — E.®. Das Mädchen befindet sich nicht im Recht. Die Tauer der Dienstzeit des Gesindes hängt von freier gegenseitiger Uebereinknnft bei der Vennietung ab. Ist nichts Besonderes verabredet worden, so läuft der Gesindevertrag bei städtischem Gesinde auf ein Vierteljahr, bei Landgesinde aus ein ganzes Jahr. Die Kündigungsfrist beträgt, salls leine Vereinbarung hierüber getroffen ist, bei städtischem Gesinde 6 Woche», bei ländlichem Gesinde ein Vierteljahr. Bei uionatsweise gemieteten Dienstboten kann noch am IS. zum Ersten gekündigt werden. Ist keine Auflündtgung erfolgt, so verlängert sich der Vertrag, und zwar bei monatlich acmictercm Gesinde um einen Monat, bei städtischem um ein Vierteljahr, bei ländlichem Gesinde um ein Jahr. Die Frage: wer ist städtisches, wer ist ländliches Gesinde? ist strittig. Nach Ansicht der einen entscheidet der Ort deS Dienstes, nach der zutreffenden Ansicht der anderen die?lrt des Dienstes. Sprechen Sie, falls Sic weitere Aufklärung haben wollen, in der juristischen Sprechstunde vor. — H. M. 1. Der Antrag auf Erlaß eines Zahlungöbeschlö ist an das Amtsgerichts zu richten, in dessen Bezirk der Vater wohnt. 2. Ja. 3. Zwei Jahren.— I. K. 101. Nein.— J(. M. 10. Gegen den Bescheid der Staatsanwallschaft können Sic innerhalb 14 Tagen Beschwerde erheben.— (?. Sri). 1. Wenden Sie sich an einen Kammerjäger. 2. Der Zahlungsbefehl ist 30 Jahre lang wirksam. 3. Einlaß begehren kann der Betreffende, er kann auch zum Verlassen des gemieteten Naumcs aufgefordert werde». Indes kc nn in der Art der Ausforderung eine Beleidigung liegen.— R. R. Nein. — H. L. 73. Der Betreffende muß weiter zahlen. Die 2 Mark gehen in dm Partcilaffe.— T. N. 70. 1. Wenden Sie sich an die Polizeibehörde mit dem Antrtzg, die Dame zum Nachklcberi zu veranlaffe». 2. UnfaNrente steht Ihnen nicht zu, weil Sic in keinem versichcrungs- Pflichtigen Betrieb verletzt sind. 3. Invalidenrente ist Ihnen zu gewähren, wenn für Sie mindestens 23S Marken geklebt sind und Sie erwcrbounsähig geworden sind. 4. Die Müglichlcil, die Dame regreßpflichtig zu machen, ist nicht ausgeschlossen, da sie verpflichtet war, den ihr bekannte» gefährlichen Mangel zu beseitigen. Lasten Sie sich vom Armenvorsteher bescheinigen, daß Sic zur Kostentragung nicht in der Lage sind, und beantragen dann bei Gericht die Ertrilmig deS Arinenrcchts.— 3t'. II. Stimmt. — C. 04., Rixdorf. 1. Die sämtlichen Kinder sind unterslütznngS- verpflichtet. Diejenige Gemeinde, in der die Mutter ohne Empfang von Anneuunterstützungen mindestens 2 Jahre lang gewohnt hat, ist unter- stützungspflichtig. Jedoch kann die Gemeinde die von ihr gemachten Auf- Wendungen gegen die Kinder geltend machen. 2. Derartige Alters- vcrsorgunge-Anstaltcn sind: Die Altersversorgungs- Anstalt der Kaiser Wilhelm- und Augnsta-Stislung, Schulstr. 91/98, A. V. A. der jüdischen Gemeinde, Jriedrich-Wilhclms-Hospital, St. HedwigS-Hospital, Haniburgcr- st raffe 5/8, Hospial fraucais, Friedrichstr. 129, H. der Parochialgemcinde, Waisenslr. 23, Hospitäler zuur Heiligen Geist und St. Georg, die Wchdingcr- scheu Stiftungen, Gr. Franksurterstr. 24, Dom-Hospital, Elisabethstr. 3S/3(5, Gertrau dt-H., Wartenburgstr. 1—7, St. Jakobs- Hospital, Oranicn- straffe 39, Jerusalem-Stist, Zenghosstr. 12— 15.— A. B. 1000. Nein. — CT. K. DaS Dresdener Gericht ist zuständig.— Spremierg. Don jeder Stempelpflicht befreit sind Kranken-, Unfall-, Alters- und Jnvaliditäts- versicherungs- und Unterstützungskaffen, denen die Versicherungsnehmer auf Grund gesetzlicher Bestimmungen einzutreten verpflichtet sind, und eingetragene Genoffenschaften, welche die Gewinnverteilung ausgeschloffen haben. Hingegen unterliegt einer Stempelpflicht von 1 M. 50 Pf. die erstmalige Feststellung des Statuts von Gesellschaften aller Art, Gewerft auch die Genehmigungen von Bender ungen der Statuten, der Steuer Pflicht, also auch Acndcrungen des Statut?, einer freien Hilfskasse. Das ist wiederholt in Finanzministerial-Rcskriplcn aus Grund des Gesetzes vom 7. März 1822 anerkannt. Das Stempelgesetz vom 7. März 1822 ist durch das vom 31. Juli 1895 ausgehoben. Dies kennt leine Besteuerung von Genehmigungen zu Statutcnnachtragungcn mehr. Das geht auS dem Wortlaut des§ 25 Ist. s des Gesetzes und aus dem Kommissionsbericht S. 48 klar hervor. Lehnen Sie also die Zahlung des Stempels ab, legen Beschwerde gegen die Aufforderung zur Zahlung beim Oberpräsidenten, sodann beim Finanzministsr ein und verlangen in dieser Beschwerde, an- zuordnen, daß eine Einziehung des Stempels unterbleibt und der etwa ein- gezogene zurückgezahlt werde. Den Bescheid des Finaiizministers teilen Sie uns wohl dann mit. C. B. in Berlin. Der deutsche Kaiser bezieht als König von Preußen......; 1> 719 296 M. Gchall der König von Bayern........ 5 403 ICO„„ ,„, Sachsen........ 3 754 383„„ „„„ Württemberg...... 2 104 958 „ Grobherzog von Baden . Hessen Mcckleiivurg-Schwerin.? „„ Sachsen-Weimar.. „„ Mecklcnburg-Strelitz. „„ Oldenburg..... Herzog von Braunschweig..... „ Sachsen-Weiura».... „„ Sachsen-Altenburg,.. „ ,. Sachsen-Coburg.,.. ,. Anhalt....... Fürst von Schwarzburg-Sondershausen „„ Schwarzburg-Rudolstadt.. „„ Waldeck........ „„ Reuh ä. L........ , Reuß j. L........ „„ Schanmburg-Lippe.... „„ Lippe......... 1 459 698, 1 331 857, {(unbekannt, aber sehr große Einkünfte aus eigenen Besitzungen.) 960 000 M. Gehalt ? 510 000„, 1 125 323. ca. 800 000 ,. 2/j d. gesamt. Tomäncnverm 300 000 M.(u. Tom.-Eink.) Domänen-Einkünfte 500 000 M. 297 012„ Domänen-Einkünfte DaS sind zusammen. 34 065 687 M. Diese Summe ist aber viel zu niedrig, da einzelne Fürsten keine festen Eivillistcn beziehen, sondern aus die zum Teil riesigen Einkünfte ans den Domänen angewiesen sind.— Der Präsident von Frankreich bezieht an Ge- halt und Rcpräscntatiousgeldenr zusammen 1200 000 Fr. Der Präsident der Vereinigten Staaten bezieht 50 000 Dollars(ca. 200 000 M.). Der Bundespräsident der Schweiz muß sich mit einem sehr geringen Gehalt, ein paar tausend Francs begnügen; die ganze allgemeine Verwaltung(National- rat, Ständcrat, Bundesrat, Bundeskanzlei, Bundesgericht) verbrauchen in der Schweiz zusammen nur 1 169 786 Fr. Die höchste Civilliste bezieht der Zar, zwischen 30 und 40 Millionen Mark. Mnrktprcisc von Berlin am 9. August 18VV nach Erniiltelungcn des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. »sWeizen »Moggen Futtcr-Gerfle. Haser gut, » mittel„ .. gering Richtstroh„ Heu„ f) Erb feit„ si/Speisebohnen„ rMnicu Kartoffeln, neue Rindfleisch, Kenle 1 kg dv. Banch„ ) Ermittelt pro 15,80 14,70 13,30 15,60 14,00 14,30 4,50 6,50 40,— 50,— 70,— 10,- 1,60 1,20 Tonne chweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Heckte Barsche Schleie Bleie Krebse 1 Ks 60 Stück Itg per schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4,- 2,- 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- I,— 1,- 1,- 2,- 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- 14,70 13,70 12,80 15,— 14,40 13,80 3,82 4,10 25,— 25,— 30,— 6,— 1,20 1,- von der Centralstelle der Preuß. Landwirt- schnftskammcr— Nolieniugsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ceiitucr. t) Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 10. August. Auf dem Getreidemarkt blieb die Tendenz der notwendigen Deckungskäufe wegen fest, die Preise zogen weiter an. Für Roggen kamen außerdem Meldungen über schlechtt Erdrusch-Resultate in den Provinzen des Geländes in Betracht. Dagegen wurden die festeren Dendcnzberichle der nordamerikanischen Getreidebörsen ebenso wenig beachtet wie in den letzten Tagen die flauen Meldungen der- selben. Roggen wurde am Frühmarkt bis v/z M. höher gehalten. Weizen zog hieran anschließend 1 M. an. Hafer verharrt' infolge des brillanten Saatenstandes in weichender Haltung. Am Spiritus markt dauerte die Kauflust fort. Loco 70er wurde mit 43,20(+ 0,10) gehandelt. Am Marke waren 5000 Liter. Termine wurden 0,40 M. besser bezahlt als gestern. Kartoffelfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack— ,— M. Prima trockene Kartoffelslärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack und Mehl 19,20 M. Supra trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. — ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg.— M. Prima Kartoffelmehl 19,20 M. per 100 Kg. Eierbericht vom 10. August. Normale Eier je nach Qualität von 2.57>/z— 2,95 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,00—2,10 per Schock. Tendenz: leblos. BSitterungsübersicht vom 10. August IbiSS. morgeuS S Uhr. Stationen £ gc 5� Swineiudc. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 764 WSW 767 N 765 WNW 767 NO 767!Still 764 NW Wetter as? c* ä Ö i e» 2cheiter üwolkenl IwoUenl Ijwoltenl -Iwolkig 3wolkenl Stattonen Haparanda Petersburg Eork Aberdeen Paris 754 Still 758 W 768 NO 76923 7S3'NO Wetter -hld.bed l Rege» 2heiter 2 heiter livolkenl i" ia W3, 10 13 16 16 16 Wetter-Prognose für Freitag, den 11. August 18i)S. Etwas wärmer, teils heiter, teils wolkig, bei mäßigen westlichen Winde«. etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetteriureau. Für de» Inhalt der Inserate i-brruimmt die Ncdakiio» de», Publikum gegenüber keinerlei Beranltuortmig. Tsienkov. Freitag, den 11. August. Lcssing. Im weißen Röß'l. Anfang 7:/z Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Anfang 8 Uhr. Weste». Der Mikado. Anfang 7Vs llfir. Schiller. Carmen. Anfang 7i/z Uhr. Central. Der Heiratsmarkt. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstndtischcs. Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Ansang 8 Uhr. AlexanderplaU. Nana. Ansang 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Ansang 8 Uhr. Nlctrovol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr Bellc-Alliancc. Specialitäten-Bor- stellung. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Lnna. Spccialttiten- Vorstellung. Ansang 8 Nhr. Reiriishallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage> Pauoptikm«. Specials- täicn-Vorstcllnng. Urania. Jnvalideuftr. i»7/liK. Täglich abends von 5—10 Uhr: Slcriuvarle._ Srfjillcrllfrtfer tWalliier-Thealcr). ]!■ o rn- i t»- O p e r. Freitag, abends 71/2 Uhr: Gastspiel zitdclv Borglii und lienedctto Bncignani. C a v 111 c 11 Oper in 4 Alten von Georges Bizat. Sonnabend, a b e n d s 7 r/z U h r: VollistUmlicbe Opernvorslellung bei halben Preisen: Zar und Ziiinncrinann. Sonntag, abends v/z Uhr: v«r Prowxeter von Säkklngen. Montag, abends T/2 Uhr: Gastspiel Adele Borghl und Benedetto Luclgnanl.(Neu einstudiert): liacrcxiu Itorgla. Hierauf: Cavallcrin llnieticana. Schluß der Opern- Spielzeit am Mittwoch, den 30. d. Mts. Crntvttl Mlzrnker Direktion: öoee ssereaorv. Lustspicl-Ensciuble(Frl.Nillv strauie vvm kgl. Schauspielhaus, Herr Otto BablmT vom Schiller-Theater, Herr Blcli. llrvald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Sitten v. G. Okonkowsli. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung._ Metropol-Theater. Behrenitr. 85/57. firttsater Salaon-ErfolB!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclallt-Prograrnm. U. a Roblnaon Baker-Trio. Japaneaen Fuhuehlma Truppe. Werner-Amoros- Company etc. etc. A n t a n g 8 Uhr. Wlii-b'llrl Wtisi-Thciittr. Gr, Fraiitsurlerstrasie 13Ä. Taglich: Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. VorzngsblNcls haben Gültigkeit Im Garten: Neues Angust-Prograinm 27 Nummern. Ansang b'/z Uhr. Groffstadtpirate» von Felsch. Saisonkarlcn haben Gültigkeit zritdritsi-Wilsitliilst.Thelltcr Cbausseeste. 25 26. Zum 4 Male! Abends 8 Uhr: „Germinal" oder: Ter Streik der Bergarbeiter. Sensationsstück in 6 Auszüge» nach dem gleichuaniige» Roman v.EmileZola.Regiei Leonh Ottomeyer. Im Frledrich-Wllhelnut. Konzertpark: Jeden Abend ungeheurer Lacherjolg der Senjalionsposie: Berlin amüsiert sich! Hailptrollen: Lona Barrison. Mlle Popolair, Uvelte Guilbert, Proseffor Svengali. Leonhard Hartmann als »Zigeuner". Miß Darnett. Salon-Atlethin, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patty Fraul-Truppe, Akrobaten. 5 Personen jc. Außerdem 20 Speeialitäten. Entree 30 Ps. Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Iloi-n« Noe-i. Volksstück niit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostümsoudreltc Fräul. luale Larva-. Gebr. Illilardo, Grot. Duett. Tauma-Onartett, Gesang und Tanz, vie 3 Leböndrunns, hn- moristiiches Bilderbuch. Tke4 5Iasbe3, Exceutrics. Bnllettgcsellschast Döring. Vendaro-Trlo, Exercitic» am Hand- Trapez. Oanlel-Truppe, Pantomime. Konzert»nd Ball. Eintritt Sonntags und wochentags litt Pf., MIM. Platz T,<> Pf. Kalbo. Pnliliiiaiiins Vaiideville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 14«. Kastau.-Allec 97/99. Tngliri,: Theater n. Speeialitäten- Vorstellnng. Neichshaklen. Garten resp. Saal täglich:« Stettiner Sänger (Meviel, Pietro, Britton, Sieidl, Krone, « i r ch>» a y e r, Sriineider und Sriiroder). Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: Konaert. Entree 50 Pf., Vorverlaus für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Ps. bis 2 M. laden Freitag: Neues Programm. Urania Tniibeiiatragso 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalidcnstr. 57/02: Tägl. Sternwarte. Nachmittass tätlich 5—10 Uhr. Passage-Panopllcum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Zkenk Neu! Das urkomische Bückeburger Lauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. C�8T�8■■ IPANOPTICUM Die sensationellen jgar lebenden-vs jPhoiographien! in lebensgrösse. Die russische Uifiiinn" Damenkapelle„nliyilüll in moskowitischen Kostümen. Viele neae plastische Gruppen und Fip-nrcn. Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: FraiiLuna mit dem I.nftballett Grigolatis B Otto Rentter$ und 10 Speeialitäten. Garten-Konzert 7 Ohr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Max Kliems Sommer-Theater Victoria-Brauerei Liiüowftraffe 111/112. Im Matiirsurten oder San!: Täglich Humoristische Soiree der Norlideulsetien Sänger (FUhrmaun, HorsL Walde), ff- Auf. Sonntags l präc. 7, wochen- lagö Ii llfir. Entree 5« Pf. Vorvcrk. 40 Pf. Famiiicnbillets U= 1 M. Soniitog und Doiiuerstng nach der BorstcUniig 1 Uanzihrän-ehen. Ilasenhelde 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Tiiglich: kroßes Klirtett-Konzert. Auftreten deö gesamten Schauspiel-«. Specialitäteu-Pcrsonals. NM- Nur erstklassige Kräfte.-ME Oeorg Fischer(Licdersänger), Ernst Kühne(Eharatter-Komiker), Fritxl Verrl (Kostüm- Soubrette), Ploetz Carella-Troupe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(Transsermatiolis- Duo), llng-Fulng(Chinesische Akrobaten), _ The Cowas(Original-Excentrtcs). DM- Xcues gediegenes Familien- Programm. Fntrce: Wochentags 20 Pf. I Fntree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Play 40 Pf I Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Ohr. I Anksng der Vorstellung 6 Uhr. I» de» �estsäle«: Die Kaffeeküche ist geöffnet. Grofter Ball. Ma??tliem. Schweizer-Garten Am KönigstHor(Ringbahn) Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und Spetjalttäten-Uorstellung. Jede» Mittwoch: GvoHes JTnmilicit- uiiti KinVevfiept. Anftreten des nenen K ttnstler-Ensenibles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität.»er Novität! Ohcr-fBoih�c tou Kiantscliou. Ausstattungs-Burlesle mit Gesang in 3 Bildern von I. Eiöner.— Musik von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: üclll» Central-Verband der Zimmerer Deutsohiands.(Zahlstelle Berlin.) Sonnabend, den 12. August 1899: 16. Sistnngs-Fest in Louis Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. Konzert» Theater, Gesang, unter Mitwirkung der Theater-Gesellschast 8tr-elewlels und des GesailgvercinS„I-'raii lioirnnug".(255/1 Die Musik wird von dem„Aiene»«eriiner Komeert-Orchester" «utcr Leitung des Dirigenten Herrn Tletz ausgeführt. Um 1 Uhr: Kaffeepause. Während derselben: Festrede. Während des KonzertS im oberen Sackle: Tanx. Nach dem IfT.. m vols« n» Herren, die daran teil- Konzert: A«I II�KAZ. A-ZI"ZI.» nehme», zahlen 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Garderobe 15 Pf. Giltree 30 Pf. Recht zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee» Btllets sind in allen Bezirks-Zahlstellcn, bei folgenden Komiteemit- gliedcni: Rich. Schröder, Tilsitcrstr. 78; Karl Schütz. Forsterstr. 44; August Wirth, Zoffencrstr. 43; F.Schulz, Gleditschstr. 28; Emil Reiulanu, Stephau- straße 39; Hermann Sovard, Kleine Hamburgerstr. 10/11; Gustav Baumgart, Burgsdorsstr. 6; Alb. Flügge. Schlicinannstr. 46; Will,. Lenz, Ecorgcnkirch- straße 56; Alb. Wrubbel, Straßmannstr. 18; Fr. Olrich. Gräfestr. 78; Max Züleke, Weidenweg 71, und im Bureau, Stralauersir. 48, zu haben. Ferner die Mitteilung, das? feilt Pichelsdorfer Bier der- zapft wird.__ Sonntag, den 13. Aug» st: CTrosse I>aiii|)fer-Extratfjihrten l. M Neue Mühle niih mch Cenpltz. Fahrpreis: Nach heue ftlühle, hin und zurück 1 M., nach Teupltz 2 M. Ii. Nach Mstenwalde mib nach Wernsdorf. Fahrpreis: Nach Fürstenu-alds 1,50 M.., nach tVernsdort 1 M. Abfahrt 7 Uhr morgens: Stralaner Brücke 5. 23148* III. Nach Menivlnke! mit Musik. ga�S:Äun6 Zlbfahrt 9 Uhr morgens: Stralauer Brücke 5(zwischen Pochhammer und Städtischer Badeanstalt). l>. Kaimt. I. V.: Johann Schnitze, Mlherbrillke 17. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" Kanzertgarten 11. Prachtsille Badstr, 16. Gesundbrunnen. Badstr. W. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Groher Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. Ballschmleder. Ostbalin-Park Hermann Imbs 71 Riidersdorfer Strafte 71, am K ü st r i n e r Platz. Täglich: Konzert, Theater- und SpccialitäteN'Borstelluug. Nur erstklassige Nummern. Ansang: Sonntags 4 Uhr. Entree20P Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 P Ansang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 PI Kinder 10 Ps. Sperrsitz Nachzahl. 10 P Jeden Dienstag: Norddeutsche 8 tinger. Hermann Imbs. Direttor. W. Noacks Theater, Brunnenstrabe 18. Täglich: Theater-«. Speeialitäten-- Vorstellung. Die Lindenwirtin. Liedcrspiel in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. Das Blumenmädchen vom Moritzplatz. VolkSstück mit Gesang in 2 Akten von Johann Eißner. Im Saale; Tauzkränzchcn. Empsehle Freunden u. Genossen mein Weiß- ii. Biiyr.-Bier-Lokal. Rotiert Dieseler, W""«.' Achtung! Allen Genossen, Kollegen, Frcuu- den»nd Bekannten zur Nachricht, daß ich das Schankgefchäft von Franz Gleiuert, Htiiler- Strasse 7a, übernommen habe. BereinSzimmer stehen zur Beifügung. Um regen Zuspruch bittet Julins Krause 22918*] Gastwirt. Haben Sie Wanzen?? Dann ist es Ihre eigene Schuld! Lesen Sie das Buch über.Ungeziefer- Plage*, welches gratis und franco(alS Brief gegen 20 Pf.-Markeu) an jeder- mann gesandt wird. 2299L In diesem Werkchen findet mau genaue Anweisungen: Wanzen, Schwaben, Ameisen, Fliege» zc. gründlich und dauernd z» verttlgen. R. Hoffers, Berlin, Mantenffelstraßc 92. Große Ketten 12 M. (Dberkett, Unl-rde». t«ei üilltn) mit gcrei» igten nen n Feder» d-t Äitftav Lustig. Beel in it..Prinzen» ftrabe 46. pre-sliste loäentr« Btele < A nrrkennuitg-ischeeibe«. j Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiitg in Berlin. St. 186. iß. mm. 2. Killlge des JurmW Kerlim NolksblM. 11. AG»? 1866. Kongreß der Ceivcrkslhast der Vnlhdrlllker rc. am k. und 7. Allgilst in ßlinnover. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende, Genosse L e h m a n n- Leipzig, der verstorbenen Mitglieder Hirsch- selder. Canow und Rosenthal; das Andenken derselben wird in der üblichen Weise geehrt. Genosse Lehmann gicbt nun einen Ucberblick über die Entwickelung der Geiverkschaft seit ihrer Begründung. Der Mitgliederzuwachs sei ein niätziger zu nennen; die Hoffnungen, den größeren Teil der TarifgemcinschaflsgegnerDcutschlands in derGewerk- schast zu vereinigen, seien infolge der Anhänglichkeit der Buchdrucker an ihre Kassen gescheitert; er bitte aber zu bedenken, daß nicht die Quantität, sondern die Qualität die Stärke einer Gewerkschaft aus- mache. An eine Einigung mit dem Verbände sei wohl kaum zu denken, da das alte System in diesem unverändert herrsche. Der Referent schließt mit der Hoffnung, daß die Verhandlungen desKon- grcfics dokumentieren mögen, daß die Gewerkschaft der Buchdrucker die richtigen Wege der klafsenbewußten, modernen Arbeiterbewegung wandele.(Beifall.) � a Genosse Opitz giebt den Kasienbericht. Danach beträgt seit Gründung der Gewerkschaft die Gesamtcinnahmc 25 923,35 M., die Gesamtausgabe 18 271,34 M, Der augenblickliche Kassenbestand be trägt 8357,91 M., der Mitgliederstand 280. Dem Kassierer wird Dccharge erteilt. B ends ch neid e r- Hamburg. Behring-Bremen und � �'6 i» Bremen sprechen sich warm für einen Einignngsversuch mit dem Verbände aus. Bolze-Bremen verliest einen Brief Kühnasts- Magdeburg, worin sich dieser in gleichem Sinne äußert. Eine Einigung ser notwendig, weil die Ideen der Tarisgemeinschafts-Gegner, wenn sie zum Siege gelangen sollen, im Verbände propagiert werden müßten. In diesem Sinne stellt Behring-Bremen den Antrag mr ?!'«.tmmunß' Sn der äußerst lebhaften Diskussion wenden sich KochanSky-Bremen. P f e i f f e r- Kassel. Haese-Har- bürg, Wulfhorst- Elmshorn, Lehmann. Leipzig, Jürgens- Bant- Wilhelmshaven, Schieb- Essen. A r e n d s e e- Berlin scharf gegen diesen Antrag. Sämtliche Redner betonen, daß sie einen lolchen Bittgang nicht mitmachen würden, umsomehr, da nicht die geringste Ursache zu einem solchen vorliege. Im Verbände sei alles das noch vorhanden, was zur Trennung geführt habe. Durch einen Uebertrltt würde man nur den Tarifgemeinschaftsgegnern den Ruckhalt, den die Gewerkschaft zweifellos darstelle, raube». Die Redner ersuchen sämtlich, den Antrag Bolze abznlchnen. Bendschneider- Hamburg erklärt, er sei falsch verstanden worden, für ihn handele es sich nur um die Feststellung der That- fache, daß die Gewerkschaft einen ehrlichen Frieden wünsche, natür- lich nur von Organisation zu Organisation. Einen Bittgang könne er hierin mcht erblicken. Nachdem B eh ring- Bremen seinen Antrag noch einmal warm befürwortet und W o I f f- Harburg und K r e s s i n- Leipzig dagegen gesprochen, wird derselbe in namentlicher Abstimmung mit 194 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Ei» Antrag des Genossen W i e h l e- Erfurt, den ausgesperrten danlichen Arbeitern 200 M. zu überweisen, wird dcbatt'elos ein- stimmig angenommen. m®.tcfet'ei:' Genosse Vollender- Leipzig über den Gewerkschaftskongreß. Nach kurzer Debatte gelangt folgende Reiolution einstimmig zur Annahme: »Der am 6./7. August in Hannover tagende Kongreß der Gewerkschaft der Buchdrucker zc. erklärt, daß weder die Stellung- ? nähme des Frankfurter Allgemeinen Gewcrkschafts-Kongresses zu der rage der Tarifgememschaften, noch die Art. wie er diese Angelegen- D eit behandelt hat, ihm die Ueberzeugung hat nehmen können, daß tang dauernde Tarifgememschaften in Zeiten guter wirtschaftlicher Konmnkturen dem Unternehmertum ein wirksames Mittel bieten, die Arbeiterschaft niederzuhalten, daß lang dauernde Tarifgemciiischaften d,e Klassengegensätze verschleiern und das Klassenbewußtsein der Arbeiter, das erste und wichtigste Erfordernis in der modernen Arbeiterbewegung, beeinträchtigen müssen. .. 9?a<$ n'le vor hast der Kongreß an der Ueberzeugung fest, daß die Eingehung derartiger Tarifgemeinschaften unvercinbar ist mit tl* clr°lut �n Aufgabe der Gewerkschaften, alle sich bietenden Wirt- schaftlichen Chancen im Interesse der Arbeiter auszimützen. t n Gewerkschaft der Buchdrucker die Eristenzberechtigung bestritten wird oder nicht, ist ohne jeden Einfluß auf ihre Thätigkeit." Die Uebergangsbestimmungen werden aufgehoben und ein Antrag des Centralkomitees angenommen, der den wegen ihrer sympathischen Haltung zur Gewerkschaft aus dem Verbände ausgeschlossenen und de» sich nnt diesen solidarisch erklärenden Kollegen die ini Verbände geleisteten Beiträge beim Eintritt in die Gewerkschaft anrechnet. Jn� anders gearteten Fällen kann diese Anrechnung nur unter Zustimmung der Centralkommission erfolgen. Diese Kommission besteht nach einem angenommenen Antrage der Hamburger Mitglieder aus drei Personen und hat ihren Sitz in Berlin. Ein Antrag, den Kongreß künftig nur alle zlvei Jahre stattfinden zu lafseii, wird angenommen. Nach Erledigung einiger Statuten- anderungcn, die eine Erhöhung der zu leistenden Unterstützungen bc- zwecken, werden einige Remunerationen bewilligt und zur Wahl des Centralkomitees geschritten. Demselben gehören nun an die Ge- riossen Lehmann. Pollender. Opitz, Ku»ath. Koppe. Meinschenk. Seyferth. Der nächste Kongreß findet in Kassel statt. Diesem Kongreß war ein Kongreß der Tarifgemeinschaftsgegner söhne Beschränkung auf die Organisation) vorausgegangen, der' sich mit der„Buchdruckerwacht" beschäftigte und der unter Ablehnung des Antrages, das Blatt der Gewerkschaft zu überweisen, beschloß, es in der bisherigen Weis» als Organ aller Tarifgcmeinschaflsgcgner wclterbestchen zu lassen.___ Versammlungen. Der Wahlverein für den L. Wahlkreis hielt am Dienstag eine Mitgliederversammlung in der Bülowstratze ab. Genosse Jahn referierte über„Welthandel und Kolonialpolitik" unter lebhaftem Beifall der Anwesenden. Eine Diskussion fand nicht statt. Unter „Verschiedenes" ersuchte Herr D u k s ch a u t- Spandau um Unter- stützung seitens der Berliner Genossen gegen die Brauerei Pichels- darf. Von Werner und Kuschle wurde ihm aber entgegnet, daß nur eine Volksversammlung, nicht aber die Versammlung des Wahlvereins sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen könne.' Im übrigen sei es wohl selbstverständlich, daß die Spandauer Genossen in ihrem Kampfe gegen die Brauerei Pichelsdorf unterstützt werden. Vor Schluß der Versammlung macht der Vorsitzende Kuschle noch darauf aufmerksam, daß zu dem am Sonntag, den 13. August, stattfindenden Besuch der Sternwarte noch Karten a 75 Pf. an den bekannten Zahlstellen des Vereins zu haben sind. Eine autbesnchte öffentliche Versammlung der Stock- und Schirmarbciter tagte am Dienstagabend bei Stechert, Andreas- straße. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab W. Scholz- Spandau einen kurzen Ueberblick zu dem Kampf der Spandaucr Genossen mit der Direktion der Brauerei Pichelsdorf mit dem Er- suchen, erstere in ihrem berechtigten Vorgehen zu unterstützen. Den Bericht über die letzte» Vorkommnisse innerhalb der Berliner GewerkschaftS-Kommission erstattete Graul, der in gedrängter Form die Debatten über den neuen Abstimmungsmodus' resümierte und das Verhalten der Vertreter der großen Verbände als unsolidarisch krittsierte. In der Debatte, die sich dem Referat anschloß, wurde von verschiedenen Rednern betont, daß die Befürworter des„neuen Modus" das gute Einvernehmen in der GewerkschaftS-Kommission zerstörten; man habe die Sache derart auf die Spitze getrieben, daß zweifellos zu erkennen sei. daß es sich um das Mundtotmachen der schwächeren Gewerkschaften handelt. Es sei an der Zeit, endlich energisch zu protestieren und den Herren entgegenzurufen: Bis hierher und nicht weiter! Die Versammlung ninimt alsdann gegen eine Stimme eine Resolution an, in der sie erklärt,„daß sie mit den letzten Vorkommnissen innerhalb der Gewerkschaftskommission nicht einverstanden ist. Sie beauftragt ihren Delegierten, wenn in Aukunst eine Benachteiligung der kleinen Verbände eintreten sollte, sofort aus der Kommission auszuscheiden". Die Diskussion über die letzten Vorkommnisse in der Fabrik von Gembicki ließ erkennen, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sich daselbst nach dem letzten verlorenen Streik zu Ungunsten der Arbeiter— vorzugsweise der organisierten— geändert haben. Erstlich versteht es der Fabrikant, nach den ver- schiedensten Richtungen hin Abzüge zu machen; aber auch Ent- lassungen sind vorgekommen unter dem Vorwand, daß Arbeitsmangel eingetreten sei. Sonderbarerweise treffen die Entlassungen An- gehörige der Organisation, während die„Arbeitswilligen" ihre Plätze behalten. Die Versammelten protestierten gegen das Verhalten des Fabrikanten Gembicki auf das encrgischte und werden weitere Schritte seitens der berufenen Kommission zu gegebener Zeit unter- nommen werden. Unter„Werkstattangelegenheiten" wurde Klage geführt, daß die Firma A. Ludwig u. Comp, in letzter Zeit gleichfalls die Löhne kürze; die Hauptschuld trifft hier jedoch einen Teil solcher Kollegen, die nach Feierabend in der Wohnung bis in die Nacht hinein Ueberstunden machen und so die Preise drücken. Nach einer längeren zuweilen sehr heftigen Debatte wurde. soweit„Heimarbeiter" anwesend, von diesen die Erklärung abge- geben, für die Folge mehr Solidaritätsgefühl an den Tag zu legen. Unter„Verschiedenes" regt Graul die Gründung eines Streik- fonds an, zu dem ein wöchentlicher Beitrag zu entrichten sei. Die Versammlung beauftragt das Bureau, in einer weiteren Versamm- lung statutarische Vorschläge zur Begründung eines Fonds zu machen, worauf Schluß erfolgte. Die Cciltralkommission der Kraukcnkasse» hatte am Mitt- woch eine Versammlung der Vorstände und Verwaltuiigsbeamten der Krankenkasse» in der Berliner Ressource veranstaltet. Vertreten waren 41 Orts-, 5 Betriebs-, 3 Jimungs- und 22 freie Hilfskassen. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung: Die Bedeutung des internationalen Kongresses zur Bekämpfung der Syphilis für die Krankenkassen. Der Referent Dr. Becher bemerkte, die Ccntralkvinmission habe von dem Organisattouskomitee des Kongresses eine Einladung zur fBeschickung desselben erhalten, und zwar— wie es in dem Eiuladungsschreiben heißt— mit Rücksicht auf die Verdienste, welche sich die Central- kommission im Kampf gegen die Tuberkulose erworben hat. Der Redner setzte dann eingehend auseinander, daß die Krankenkassen ein erhebliches Interesse an der Beschickung des Kongresses haben, der vom 4. bis 9. September in Brüssel stattfindet. Als Delegierter sei Dr. Blaschko in Aussicht genommen, der als einer der Vertreter Deutschlands nach dem Kongreß geht. Um Material für die Verhandlungen des Kongresses zu erhalten, habe Dr. Blaschko einen Fragebogen bezüglich der Geschlecktskrankheiten ausgearbeitet, der den Krankenkassen zugestellt wird. Redner ersucht im Interesse der Kassen und der Wissenschaft um Ausfüllung der Fragebogen und Rücksendung derselben an die Centtalkommission. Nach einer kurzen Debatte über die Stellung der Krankenkassen zur Behandlung der Geschlechtskrankheiten wurde Dr. Blaschko einstimmig mit der Vertretung der Krankenkassen auf dem Kongreß betraut. Hierauf referierte Dr. Friedeberq über die Sputum- Untersuchungen für die Mitglieder der Krankenkassen Berlins. Der Referent verlas einen der Centralkommission abschriftlich übermittelten Bericht, welchen die Leitung des Instituts für Infektionskrankheiten gelegentlich des Tuberkulose- Kongresses dem Ministerium über die nnt den Sputumuntcrsuchungcn von Kassenmitgliedern bisher ge- machten Erfahrungen erstattet hat. Bekanntlich hat das Ministerium auf Betreiben der Centralkommission seiner Zeit verfügt, daß auf An- Weisung derKasscnärzte das Sputum schwindsuchtsverdächtiger Patienten im Institut für Infektionskrankheiten unentgeltlich untersucht wird. In dem Bericht, der sich auf die Zeit vom 15. November 1898 bis 15. Februar 1899 erstreckt, heißt es, die genannte Einrichtung sei verhältnismäßig wenig benutzt worden, sie käme also nur einem ge- ringen Bruchteil der Kranken zu gute, daher empfehle sich die Fort- setzung der Untersuchungen nicht. Dr. Friedeberg meint dazu, es komme weniger darauf an, wie vielen Kranken die Einrichtung zu gute komme, sondern vielmehr darauf, daß der Grundsatz zur Geltung komme, der Staat habe seine Kräfte und Mittel in den Dienst der Bolksgcsundheit zu stellen. Das habe die Central- Kommission, als sie die Einführung der Spurumuntcrsuchungen beantragte, bezwecken wollen. Nun müsse man dahin wirken, daß die einmal bestehende Einrichtung nicht wieder aufgehoben werde. Der Ministerialdirektor Althoff habe sich auch dahin geäußert, daß die genannten Untersuchungen nicht nur für Berlin fortgesetzt, sondern auch an anderen Orten die gleichen Einrichtungen getroffen werden sollen. Der Redner ersucht die Krankenkassen, von der Einrichtung regen Gebranch zu macheil.— Es folgte eine kurze Besprechung dieser Angelegenheit. Ucber Untersuchungen mit Röntgenstrahlen referierte Doktor Lennhoff. Er führte aus, daß diese Untersuchungen in bcstinnnten Fällen ein unentbehrliches Mittel der Ärankcnbehandlungen seien, daher müßten auch die Krankenkassen ihren Mitgliedern die Möglich- keit verschaffen, durch Röntgenstrahlen von einem Specialisten dieses Faches untersucht zu werden. Das dürfe aber in jedem einzelnen Falle nur auf Anweisung des behandelnden Arztes geschehen, und hätten die Kassen, wenn sie die Unter- iuchungen einführen, Vereinbarungen mit Röntgenstrahlen-Spccialistcn zu treffen hinsichtlich des Honorars der Untersuchung, der Bezahlung etwa anzufertigender Photogramme zc. Ueber die Stellung der Krankenkassen zur Einfühning der Untersuchung mittels Röntgenstrahlen sollen später Beschlüsse gefaßt werden. Dr. Friedeberg richtete an die Kassenvorstände das Er- üchen, bei Festsetzung der Ausgehzeit der Kranken weniger bureaukratisch zu verfahren. In manchen Fällen hänge der Heil- erfolg davon ab, daß dem Kranken eine möglichst unbeschräntte Ausgehzcit gewährt werde. Auch mit der Verordnung von Rahrungs- mittein, ivie Milch, Eiloeißpräparate zc. dürfe, wo solche notwendig nid, nicht gespart werden. Die Versorgung des kranken Arbeiters ei noch lange nicht genügend, die Kassen müßten deshalb so viel als irgend möglich für die Kranken aufwenden, aber nicht durch Sparsamkeit auf diesem Gebiet sowie andererseits durch Herab- etzung der Beiträge oder Erhöbung des Reservefonds den Anschein erwecken, als ob in der Krankcnfürsorge alles gut bestellt sei. Die Zimmerer Berlins und der Umgegend hatten für Mittwoch zwei Versammlungen für die Angehörigen der centralen und lokalen Organisation einberufen, um über die innerhalb der letzten Wochen mit den Arbeitgebern getroffenen Vereinbarungen mit den Arbeitern Schlüssig zu werden. Die Mitglieder der Zahlstellen des Verbandes von Berlin und den Vororten versammelten sich in großer Anzahl in den„Armin- hallen". Nach Verlesung der Protokolle erbat und erhielt Schröer aus Spandau das Wort, um auf die Kämpfe der Spandauer Arbeiter- 'chaft mit der Brauerei Pichelsdorf hinzuweisen. Zimmerer K u b e erstattete nunmehr in längeren Ausführungen den Bericht über die Verhandlungen der Neuner'kommission mit den Unternehmern über die beiderseits getroffenen Vereinbarungen. Die Einleitung der Verhandlungen habe insofern besondere Schwierig- leiten geboten, als namentlich Herr Maurermeister W e st p h a l in Steglitz verlangte, daß man sich zuerst an den Unternehmerbund anstatt an das Einigungsamt hätte wenden sollen. Dies sei aber darum geschehen, weil die Unten, ehmer sich anfänglich weigerten. mit den Vertreten, der Arbeiter direkt zu verhandeln, sondem nur auf schriftlichem Wege mit diesen verkehren wollten. Die meisten Schwierigkeiten habe die Forderung des 65 Pfennig-Stundenlohnes verursacht. Anfangs der Verhandlungen mit der Neunerkommission habe nian sich auch bereit erklärt, den Lohn zu zahlen, aber sich erst eine Bedenkzeit ausgebeten, um die Liste derjenigen Firmen einzusehen, welche den Stundenlohn zahlen. Da aber die Arbeitervertretcr dieselben Bedingungen stellten, die be- reits die Maurer gestellt hatten,' worauf einzugehen die Unternehmer sich weigerten, seien die Verhandlungen wieder ein- gestellt worden. Redner verweist im Verlauf seiner weiteren Aus- fübrungen auf die einzelnen Punkte der gestellten Forderungen, unter Hinweis darauf, daß man in Bezug auf die Unfall-, Alters- und Jnvalidenrentner. wie auf die Ausgelernten(„Junggesellen"), inso- fern nachgeben mußte, als diese mit den sogenannten„Vollgesellcn", ja doch nicht gleichgestellt werden könnten. Den„Junggesellen" (AnSgelerutcn) könne nur anHeim gestellt werden, nach beendeter Lehrzeit bei einem neuen Arbeitgeber Beschäftigung zu suchen, um dann ebenfalls als„Vollgesellen" zu gelten, beziv. den vollen Lohn zu erhalten. Ferner sei auch die Vereinbarung getroffen, daß bei allen Streitigkeiten zwischen Unternehmern und Arbeitgebern die Kommissionen angerufen werden sollen und deren Entscheidung als endgültig betrachtet werden solle. Alle diese Vercinbarungen bedürften aber erst der beiderseitigen Zustimmung, um'in Form eines schriftlichen Vertrages fest- gelegt werden zu können, wenn nach Annahme seitens der Arbeiter die Unternehmer in ihrer Versammlung an, künftigen Freitag den gcttoffenen Vercinbarungen ebenfalls zustimmen. In diesem Sinne erwartet Redner die Zustimmung der Versammlung durch Annahme nachstehender Resolution:„Die am 9. August 1899 tagende Versammlung der Zimmerer Berlins und der Vororte centraler Richtung erklärt sich mit den von der Neunerkommission der Zimmerer und der Neunerkommission des Unternehmerbnndes getroffenen Vereinbarungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse für das Zimmerer- gewerbe einverstanden, in der Voraussetzung, daß die vereinbarten Bedingungen in jeder Hinsicht gewissenhaft zur Ausführung gelangen. Die nnt den bisherigen Verhandlungen betraute Kommission der Zinimerer wird von neuem beauftragt, die Verhandlungen mit den» Unten, chmerbund für die nächste Zeit fortzusetzen, mit der Bedingung, über die Ergebnisse der Verhandlungen zu geeigneter Zeit Bericht zu erstatten. All'eVorkommnisse. welche gegen die getrofsenenVereinbarungen verstoßen, sowie etwaige Differenzen mit den Unternehmern jeder Art sind der Komniissiou sofort mitzuteilen. Die Neuner- Kommission.� In der hierauf folgenden Besprechung werden von Pete reit und namentlich von Webers einzelne Punkte bemängelt und deren dauernde Festhaltung seitens der Unternehmer bezweifelt. Nanientlich hätte man einen bestimmten Minimallohn fordern sollen, da für das nächste Jahr eine günstigere Konjunktur zu erwarten sei; man hätte es ebenso machen sollen wie die Putzer. Auch solle man darauf hin- tvirken. daß die fortwährenden Angriffe und Beschuldigungen seitens des Unternehmerorgans aufhören. Rückert, Knüpfer und K u b e weisen in längeren, von Beifall begleiteten Ausführungen die von Webers erhobenen Einwände zurück, da man zunächst gar nicht wissen könne, ob in, nächsten Jahre eine größere Bauthätigkeit zu erwarten sei. Jeden- falls habe man durch die Vereinbarungen ganz bedeutende Vorteile erzielt, um auch unnütze Arbeitseinstellungen zu vermeiden, die viel- sach unnütze Opfer erfordern. Bei der nuwnehr erfolgten Ab- stimm,,, ,g wurde die Resolution mit allen gegen neun Stimmen angeno», men. Silber schmidt spricht seine Geuugthuung aus, daß es endlich gelungen sei, für Maurer und Zimmerer gleichmäßige Verhältnisse zu schaffen, um gemeinsam und geschlossen für Aufrechterhallung der erlangten Bedingungen vorgehen zu können. Ein Antrag K n ü p's e r: den Vorstand zu ermächtigen, den Aus- gesperrten Dänemarks 500 Mark zu überweisen, wurde mit Begeisterung e i n st i m m i g angenommen; desgleichen: die Stteikunterstützung in entsprechenden Raten an die Hauptkasse zu zahlen. Mitgeteilt wurde noch, daß beim Bau auf den, Nieder- ländischen Palais, sowie auf der Baustelle an der Moabiter Brücke. anstatt der bisher zehnstündigen die n e u„ stündige Arbeitszeit ein- geführt sei. Bei entstehenden Lohnstreitigkeiten auf Bauten habe man sich st e t s erst an das Bureau der Zimmerer, Stralauerstr. 48, zu wenden, ob eine Arbeitseinstellung erfolgen soll oder nicht. Mit einem begeisterten Hoch wurde hierauf die imposante Versammlung geschlossen. Die Zimmerer der lokalen Richtung tagten bei Quarg am Alexandcrplatz. In seinem ciiigehcude» Referat betonte Fischer, daß nnt der Annahme der Vereinbarungen keineswegs der Kampf gegen die Unternehmer aufhöre. Durch die Verpflichtungen, die die Unternehmer eingehen, sei ein Rcchtszustand geschaffen, der den Zimmerern den Äninpf wesentlich erleichtere und dadurch auch die Organisation stärke. Aus den weiteren Ausführungen ist besonders die folgende Lohnstatistik bemerkenswert und lehrreich: An, 1. August zahlten 415 Unlernehiner an 3631 Gesellen einen Stundenlohn von 60 Pfennige, 27 Unternehmer an 207 Gesellen 60 bis 65 Pfennige, 30 Unternehmer an 316 Gesellen unter 60 Pfennigen, 6 Tiefbau- Unternehmer an 93 Gesellen 57 bis 65 Pfennige, 9 Unternehmer von außerhalb an 75 Gesellen 45—60 Pf. Im ganzen sind also bei 487 Unternehmern 4332 Zimmerer beschäftigt. Von verschiedenen Seiten wurde verlangt, einen Stundenlohn von 65 Pf. zu fordern und, wenn er bis zun, Montag nicht bewilligt wird, die Arbeit niederzulcgc,,. Den Leitern dcr'Verhandlungen wurde der Vorwurf gemacht, daß sie die ganze Angelegenheit verschleppt hätten. Jetzt ließe sich allerdings wohl nicht mehr mit Erfolg in eine Lohn- bcwegung eintreten. Fischer und andere Redner„lachten dagegen geltend, es komme gar nicht darauf an, jetzt höhere Löhne zu erzielen, die bei», Nachlassen der Konjunktur, wie stets, von selbst wieder fallen würden. Die Hauptsache sei ein festes Lohn- Verhältnis. Mit 161 gegen 101 Stimmen wurde hierauf die folgende Resolution angenommen: Die heutige Versammlung der Zimmerer lokaler Richtung erklärt sich mit den Vereinbarungen, die zwischen der Neuner- Konimission der Zimmerer und der Neuner- Konimission des Arbeitgeberbundes über die Lohn- und Arbeits- bedingungci, für das Zimmerergewerbe getroffen worden sind, ein- verstauden und giebt ihre Zustimmung hierzu in der Voraussetzung, daß sie nach jeder Richtung hin gewissenhaft zur Ausführung kommen. Die mit den Verhandlungen betraute Kominission wird von neuem beauftragt, die Verhandlungen mit dem Unternehmer- bunde fortzusetzen und hierüber von Zeit zu Zeit Bericht zu er- statten. Alle Vorkommnisse, die den getroffenen Abmachniiqen zuwiderlaufen, sowie alle Differenzen mit den Unteniehinern sind sofort der Kommission zu melden. Ferner wurde beschlossen, von jetzt an wieder den Beittag zum Streikfonds auf 20 Pfennige zu ermäßigen, um den schlechter ge- stellten Kollegen ihre Beteiligung an den Saminlungen zu er- leichtern. Nachdem ein Genosse aus Spandau unter Beifall zum Boykott des Bieres der Pichelsdorfer Brauerei aufgefordert hatte. lvurden für die AuSges perrten in Dänemark aber», als mals 500 M. bewilligt. Eine öffentliche Versamiulung der Glaser tagte am 3. August in den Arminhallen. Sie beschäftigte sich mit der Frage des Eintritts in eine Lohnbewegung. Es wurde eine Kommission von fünf Kollegen gewählt, welche eine kräftige Agitation entfalten sollen. Danach wurde der Beschluß gefaßt, Sonntag den 13. d. M. eine öffentliche Versammlung abzuhalten, in der die Frage weiter erörtert werden soll. Der Verband der Bau-, Erd- und gewerbliche» Hilfs- Arbeiter(Zahlste III) hatte am 6. d. M. seine regelmäßige Ver- sammlung anberaumt, in der Genosse Kiesel einen mit'großem Beifall aufgenommenen Vortrag hielt. Es wurden 100 M. für die ausgesperrten Dänen und 50 M. für die Steinarbeiter bewilligt, Parteigenossen des Wahlkreises Teitow-Beeskow-Storkow Charlottenliürg. Am Sonntag, den Z. September, mittag? IS Uhr, im Lokal des Genosse» Zub eil, Berlin, Liudeustraße 106: Kreis-Konferenz. Die Tagesordnung wird später bekannt gegeben. 203/16 Gleichzeitig wird auf den§ 3 deS OrganisatiynS-StatutS deS KreifeS aufuierkfam gemacht, wonach jeder Ort bis 3 Delegierte entsenden kann, jedoch müssen dieselben politisch organisiert, in öffentlichen Parteiversamm- lnngen gewählt und mit Mandaten versehen sein. Der Kreis-Vertrauensmann. Deutscliei' Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abeudS 8V2 Uhr, bei Cohn, Bcuthstr. 20-21: Sitzung; der Orts- V er waltnng. Sonntag, den 13. Augnft, vormittags 9 llhr, bei Keller(kl. Saal), Koppenstrafje 29 Vertrattenstttänner-Bersammlttttg der W Bautischler. 108/14 Tagesordnung Beschluhfassung Uber unser Borgeheu. IV Jede Werkstatt mub vertreten sein.— Mitgliedsbuch und Ver- trauensmännerkarte legitimert."VF »le vrtavervnltnnjx. LautisoIÜSi'. Sonntag, 13. Angust, vormittags 10 Uhr, bei Keller(gr. Saal), Koppenstr. 29: � VevsQtttznlnttg. sämtlicher Bautischler Berlins» Tagesordnung: Wann stellen wir«ufere Forderungen? DV Jeder Bautischler ist verpflichtet, in dieser Versammlung zu er- scheinen.___ l>er Tertrancnamann. Achtung! Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, 13. Angust, vormittags IOV2«Hr. bei Herrn IVllke, Andreaöftr. 26: Mitglieder- V er sammliing. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bereinsangelegenhcitcn und Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 31/15__ Der Vorstand. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Bcrwaltungsstelle Berlin. Montag, de» IS. August, abends 8»/- Uhr. in Marten? Festsälen, Friedrichstr. 236: n»nlung. 113/10 TageS-Ordnung; 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahlen zur Ortsverwaltung. 3. An die Ortsvcrivaltung gelangte Anträge. £££- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!__ Die Vertrauensleute find verpflichtet, allen Mitgliedern die Mitglieds- bücher auszuhändigen.|V Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Die Zahlstelle 82 ist von Borch ert, Husfttenstr. 18 nach Acker- strafte 101 bei Abendroth verlegt. Dw Zahlstelle 11, Fischer, Anklamerstr. 34, ist aufgehoben. _ Die OrtsverwnUnng. Achtum! Stuccatenre. Achtum! Montag. 11. August, abends 8 Uhr, bei Bnske, Grenadierstr. 33: Oelientlielie Versaminluiig. Tages-Ordnung: 1. Generalabrechnung. 2. Wahl des Vertrauensmannes. 3. Unsere Taktik. Die Wichtigkeit der Tagesordnung ersordert zahlreichen Besuch derKallegen. 173/20_ Der Vertrauensmann. Verein. I Sonnabend, den 12. August, abends 8'/, Uhr, Melchiorstr. 13: MIT" Tersammlnng."WI Tagesordnung: Abrechnung vom Sommervergnügen und VereinS-An- gelegenheite»._ 108/20 Der Borstand. Achtung', Schmiede! Sonnabend, den 12. d. M» abends 8V, Uhr, im„Engl. Garten», Alexauderstraftc Nr. 27 e: ©effeutl. Vevsklnrntlung Tages-Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zum Gesellenausschuß. 2. Der Char- lottenbnrger Streik und die Thätigkeit des Herbergswirtes B l u h m. 176/8 Der Vcrtrancnsinann. Bauarbeiter! Wnni) her M-, Erb- u. gtiverbl. Hilsslirbeiter Dentschl. Zahlstelle Berlin Gruppe Rabitzspanner und Träger. Sonntag, den 13. August l«99, nachmittags 3Vi Uhr. bei Znbell, Liiidcnstrafte Nr. 106: Ätnßerordentl. Mitgliederversammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Berichterstattung vom VergnügnngS- komtte«. 3. Ergänzungswahl des ersten Kassterers, des Schriftführers und zweier Revisoren. 4. Verschiedenes. 261/3 Nach der Versammlung: Gemütl. Beisammensei» mit Damen«. Danz. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht vor Vorstand. VMlliid im Slltiler«ni> Tapezierer. Verwaltungsstellen Berlin. Tonnabend, den 12. August, abends 0 Uhr. im Lokal Engl. Hof. Nene Roftstrafte Nr. 3: Kombinierte Mitgliederversammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent: Genosse Rotrsrau über: Die Sumpfpflanzen der Ctviltsatiom 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl zum Centralvorstand. 4. Verschiedenes. 157/5 Uni pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstaud. freireligiöse Gemeinde z» Berlin. Sonntag, den 13. August 1800: Grosses Sommerfest in Wernaus Garten und Feftsälen, Schwedterstr. 23/21, bestehend tn Bokal- und Jnstrnmental-Konzert, Dheater-Aufführung und Danz. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeetüche ist von 3 Uhr an geöffnet. Programme a 2ö Pf. sind bei folgenden Komiteemitgliedcrn zu haben: O. Jänicke, Rixdors, Reuterstr. 24, Scitenfl. 4 Tr.; G, Bohne, Brmlnenstr. 141, H. 2 Tr.: Einiann, Schniidstr. 34, pt.; F, Braun, Bqrtel- straffe 13, 2 Tr.; Jocrz, Gr. Franksnrterstr. 15, pt.; E. Korvetzky, Fürsten- walderstraße 11, v. 3 Dr.; P. Kuhirte, Prenzlauer Allee 204, H. 4 Tr.; Frau Kohlhardt, Alepandrinenstr. 4l, H. 1 Tr.; Kowalszyk, Bemauerst». 70, 3 Tr.; W. Mohs, Am Oberbaum 2; H. Peege, Rüdersdorferstr. 48, Quer- gebäude 2 Tr.; außerdem in allen bekannten Verkaussstellen und im Saal. 1609B Das hiomitee. ttnfenn Sangesbruder Heinrich Dngel zu feinem heutigen Wiegenfeste«In dreimal donnerndes Hoch! sedeitor-llesangvoreln Vorwärts I (Südost.) 65/20 Als Derlolue empsehlen sich: Selnin Xoack Danl Ernst. Berlin, im August 1699.[18316 Am Mittwoch früh 5>/« Uhr ver- schied nach langem schweren Leiden mein lieber guter Mann, unser Bruder, Schwager und Onkel, derMöbelpolierer Herßmnn Suitner im Alter von 36 Jahren. 18326 Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 13. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Nixdorf aus statt. Tie trauernden Hinterbliebenen. 4. kerlmer keielistsgz- WahlkFeis(Süd-Osten). Todes-Anzeige. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß einer unserer thätigste» Genossen, der Möbelpolierer Hermann Suitner am 9. d. M. verstorben ist.(215/11 Die Beerdigung findet am Sonntag. den 13. d. M., nachmittags 4 Uhr, auf dem Neuen Jacobi-Kirchhos(Hermann- straße) statt. Um zahlreiche Beteiligung bitten Die Bertranenöpersonen. Vödes- Ansseige. Socialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner»Reichstags- Wahlkreis(Sud-Often). De» Mitgliedern diene hiermit zur Kenntnis, daß unser braver Genosse Möbelvolicrer L43/<( Hermann Snitner an einer schweren Herzkrankheit ver- starben ist. Wir verlieren in ihm einen unserer Besten und werden ihn stets tn Andenken behalten. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 13. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Halle des neuen Jakobi-Kirchhofes in der Hennannstraße aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Kranken-NnterstützungS« buttd der Schneider. Unser Mitglied 166/20 A. Sprecke ist am 9. d. M. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonn. tag, nachmittags um 3 Uhr, vom Krankenhause am Urban nach dem Kirchhofe der ChristuSgemeinde in Mariendorf statt. Die Ortsverwaltung. Aililktll- mli) KegMMO litt Berliner Viirtler inlli (B. H. Vo. 60.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß von heute ab bei dem Rcstaurateur Herrn Brlts Schmidt, flott; buser Damm 33, eine neue Zahlstelle errichtet ist und wollen die in Nixdoxf wohnenden Mitglieder hiervon Gebrauch machen. 2313L Der Vorstand. BttbMberBlw-n.gtwttbl. Hilssilrbeittt Dentsdjlllübß. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bauerbeiter Adolf Thon verstorben ist. 45/3 Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. d. M., nachmittags 4 Uhr, vom städtischen Krankenhause Moabit aus statt. Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung Berlin IIA. Tie Beleidigung des Herrn Richard Sellin nehme ich hiermit zurück und erkläre denselben als Ehrenmann. Fritz Schmidt. 1-36 1 1 dl Will HIHI III WnUBIIH l Brauerei Friedrichshain Am Königsthor. Am Könlgstlior. Sonnabend, den 26. August er.: Gr. Sommernachts-Ball 6. 8tiftnngs-Fest des 257/13 Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend unter Mitwirkung der Gesellschaft Str»eleivle». Anfang 8 Uhr._ Entree inkl. Tanz 40 Pf. Grünau! Grünau! Sonnabend, den 12. August 1899, abends 8Vs Uhr, im Lokale deS Herrn<». Lindenhayn:_ Humoristische Soiree"WD veranstaltet vom Theatcrverein„Apollo"-R>xdors. Nach der Vorstellung: 8oMMvNNS0kiS»ksII. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Btttninb der MeWittn. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege 147/3 Hermann Suitner nach schwerem Leiden am S. früh SV« Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirch- Hofes in Riydorf, Hermannstrabe, aus statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Borstaud. Centrlll-Krllilkkil- tt. Sterbe« kasse der Tischler VerwaltungsstsII« Staglltr. Todes � Anzeige. Am 8. d. M. verstarb in der Frauen- klinik zu Berlin unser langjähriges Mitglied Frau Bertha Giesning geb. Pipen Hagen nach kurze«: Leiden. 1828b Ehre ihrem Andenken. Die Beerdigung findet Freitag, abends 6 Uhr. von der Leichenhalle in Steglitz statt. Die Ortsverwaltung. Die Aeußemng, welche ich gegen den Möbelpolicrcr Herrn Albert K a r p e gethan habe, nehme ich zurück, da dieselbe von unglaubwllr- digen Personen veranlaßt»vorden ist. 1837b Robert Noster. W Verpfändet gewesene, gebrauchte, gut erhalte,, e »euttche 75/11 H�fahrMer�l Tourenrad DUrkopp, 65,00 Halbronner Imperator. 70,00 do. Naumann« Germania..,. 90,00 Halbronner StOvera Greif 99er, ganz neu 125,00 Damenräder von Mk. 60,00 Concess. Beihhaus, Neue Schöuhauserstr. 11. 3 Cchnrl ottenburg. M. Schnierberg[229011* Wllmeredo rferstrasse 127, Uhrmacher und Goldarbeiter. Großes Lager von Dhcen und Goldwaren zu äuh. bill. Preisen. Optteche Artikel. Ohrlöcher werd. schmerzlos gestochen. ophastoffe Rotte o ■1 Vi auch in Rips. Damast, ErSPe, Phantasie, Gobelin»ud Plüsch spottbillig:[16001!' UV Proben feanco t-W> gmifertlofeVSÄ" EmilLefetfre,~: Optisches Institut liOIt J* Crehhardt, Charlottenburg, 106 Bcrlinerstrasae 100. !e. 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Stiden: Hau? Baake, Dresdenerstr. 52/53. F. Gutschmtdt, Kottbufer Damm 8. Südosten: Frist Thiel, Skalitzerstr. 35. W. Gefche, Wrangelstr. 58. Marli» Mescha, Adalbertstr. 24. Oentrnrn: P. Horsch, GipSstr. 27. Oharlottenhnrg: Gust. Tcharubcrg, Schillerstr. 941 A» Tiest, Kaiser Friedrichstr. L71>. Vrlrdcnau: H. Bernsee, Kirchstt. 15. Vrledrlehsherg: Anton flopp. Friedrich Karlstr. 4. Danhow: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Itixdövf: C. Ostcrmaiiu, Erckstr. 6. E. Resterau, Hermannstr. 50. Sehönederg: Wilh.Bnumler, AposteIPauluSstr.13 TVelssensee: Heinrich Bachmann, Lehderstr. 1. Julius Schillert, Königchaussee 39a. Rob. Liebschwager, Gustav-Adolf- straße 16. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.