Mnterhaltimgsblatl des Vorivärts Nr. 106. Dienstag, den 1. Juni. 1897. wegung, erzählt in dem Organ der Kooperationen, wie die Bäckerei in Belgien noch vor zehn Jahren eine wenig entwickelte Industrie war und das Brot in der seit Jahrhunderten Üblichen Weife an- gefertigt wurde, während heute die sozialistischen Genossenschaften die Umformung in große Brotbäckereien ermöglicht haben, die zahl- lose Mittelspersonen überflüssig machte und den Preis des Brotes herabsetzte. Die vortrefflich eingerichtete Bäckerei des Vooruit ist mit der Kohlenverkaussstclle zu einer vierten Niederlassung ver- bnnden; dort ist die achtstündige Arbeitszeit(in drei Schichten) ein- geführt, die sich durchaus bewährt hat. So imponirend alle diese Einrichtungen der Genossenschaft auch wirke», so gewinnt man doch erst den vollen Eindruck des Vooruit, wenn man die Art der Verwaltung und der Vertheilnng der Ueber- schlisse kennen gelernt hat. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis— sonst der Gewinn des Zwischenhandels— fließt in den Konsumvereinen im allgemeinen den Mitgliedern, im Ver- hältniß zu den von ihnen gemachte» Einkäufen, in Gestalt der Divi- dende zu. Beim Vooruit aber wird ein überaus großer Theil der Ueberschüffe— die besonders hoch sind, weil die Brotpreise nicht wesentlich niedriger als in anderen Läden geHalle» sind— zu Zwecken der politischen Propaganda, ein weiterer zum fernere» Ausbau der Genossenschaft vorweggenommen. Was die Lage der Angestellten betrifft, so zeigt schon die Be- schaffenheit der Werkstätten, wie man in jeder Weise bestrebt ist, den Forderungen der Gemerkschafte» zu entsprechen. Die Geivinnbethei- ligung der sog. produktiven Arbeiter, die in der englischen Genossen- schafisbewegung Gegenstand erbitterter Kämpfe war und ist, spielt in Belgien eine untergeordnete Rolle. Der prinzipielle Standpunkt ist der der Unterstützung der Gewerkschaft, denn man wünscht den Lohn auf der ganzen Linie zu heben, nicht nur bei der Vergleichs- weise immer doch kleinen Zahl der im Vooruit beschäftigten Ar- beiter. Man will keine„Elite" in den Angestellten des Vooruit ausbilden, sondern dieser soll vielmehr der Stützpunkt für die ge- sammte gewerkschaftliche Bewegung sein. So ist die Gewinn- betheiligung selbst da, wo sie noch vereinzelt besteht, ein« minimale und die Erfahrungen des Vooruit sprechen ini ganzen gegen sie. Der Anreiz, der in ihr nach der Ansicht der Anhänger liegen soll, hat sich als unwirksam und überflüssig erwiesen und man ist mehr und mehr von ihr zurückgekommen, was der theoretisch tiefer ein- dringenden Auffassung über die Konsumgenoffenschaft entspricht. Mitglied des Vooruit kann jeder, der das Programm der Arbeiterpartei anerkennt, durch Zahlung eines Eintrittsgeldes von 23 Cents werden. Der Betrag des Älntheilscheines wird durch Vorwegnahme vom Gewinn gedeckt, so daß also auch der Aermste eintreten kann. Verwaltet wird die Genossenschaft durch eine aus fünf Mitgliedern bestehende Kommission, die den Geschäftsführer wählt und bei deren öffentlichen Sitzungen alle Genossenschafter zu Anträgen berechtigt sind. Außerdem finden vierteljährliche General- Versammlungen statt. Aus der Mitte der Anwesenden heraus melde» sich auf die Frage des Vorsitzenden diejenigen, welche willig sind, die Kontrolle zu übernehmen. Charakteristisch ist die Bestimmung. daß auf Nichtbesuch dieser Versammlungen eine Geldstrafe von 23 Cents steht: wir begegnen da wieder dem bewußten Bestreben, die Mitglieder nicht nur an dem materiellen Nutze» der Genossenschaft theilnehmen zu lassen, sondern die Arbeiter in Wahrheit zu Selbstverwaltenden und Selbstregierenden heranzuziehen. Zugegeben muß allerdings werden, daß heute an der Spitze des Vooruit in Gestalt des sozialistischen Abgeordneten Anseele eine Ausnahmekraft steht, ein Mann, der in seltener Weise in seiner Person den Politiker, den Organisator und den auch im kleinsten praktischen Menschen vereinigt. Anseele fesselt nicht auf den erste» Blick; er hat nichts von dem persönliche» Zauber Vandervelde's, nichts von der lebhasten Eindringlichkeit Bcrtrand's; er wirkt zu- nächst fast erkältend, und erst, wenn der Gegenstand ihn fortreißt, begreift man, daß dieser blonde Mann mit dem ruhigen, fast bartlosen Gesicht wiederum Massen mit sich fortreißen kann. Und doch wäre es falsch, zu glauben, daß die Gcnossenschast vor allem dem Wirken dieser einer seltenen Individualität ihr Gedeihe» schuldet. Mag der Einfluß Anseele's das Unternehmen noch so sehr gefördert habe»: das, was den Vooruit groß gemacht hat, ist die Verbindung seiner gesunden ökonomischen Grundlage mit dem opferfrohen Kampf seiner Mitglieder für das ihnen vorschwebende geistige Ideal. Es ist«in Hauptvcrdicnst der Genossenschaft, daß sie für dieses Ideal nicht nur durch politische Propaganda wirkt, sondern namentlich durch Erziehung zur freien Selbstregierung, durch Ein- führnng in eine demokratische Verwaltung des wirthschastlichen Lebens. Der Vooruit ist ein Miniaturbild edler Demokratie und in allen Zentren Belgiens reihen sich ihm allmälig sozialistische Burgen gleichen Geistes an. „Wir arbeiten— wir haben keine Zeit, über uns zu berichten," erwiderte Anseele fast hochmülhig, als ich mit Erstaune» bemerkte, daß bisher wenig über den Vooruit geschrieben sei. Diese stolze Auffassung ist bei dem Handelnden. Ausführende» ivohl begreiflich. In einem Lande aber, dessen Gesetzgebung Schöpfungen gleichen Geistes hemmt, ist es wichtig, auf solche Gestaltungen in ihrer ver- heißungsvollen Bedeutung hinzuweisen. _ Adele Gerhard. Kleines Ileuillekon- Hat der Mann, oder hat die Frau grössere Geistesfähig- kciten? Diese uralte Streitfrage beschäftigte mich, als ich gestern— am Sonntag— in einem der Biergärten von Berlin Platz nahm, wo bei schönem Wetter Hunderte und Tausende am Tag verkehren. Ich sah die Gesellschaften kommen und gehen— Mäunlein und Weiblein. Etwa ein Dutzend Tische überschaute ich. Und überall dasselbe Schauspiel. Kaum sitzt die Gesellschaft und kaum ist der erste Durst gestillt, so zieht irgend eins der Männlein ein Kartenspiel aus der Rocktasche und der Skat beginnt. Kein Denken als Skat, kein Sprechen als Skat. Und gelangweilt sitzen die Weiblein daneben, unmuthig, ärgerlich, bis es ihnen gelingt, unter sich ein(mehr oder weniger) vernünftiges Gespräch in Gang zu bringen. Nur ganz selten läßt ei» Weiblein sich vom Skalteufel verführen, und versucht Männ- lein z>i sein. Bei wem aber die höhere Intelligenz ist, bei den Männlein oder bei den Weiblein— das weiß ich, und das weiß auch die liebe Leserin und der denkende Leser. Omega. Theater. — Das Schauspielhaus veranstaltete am Sonnabend den letzten Novilätenabend dieses Theaterjahres. Es ist darüber nicht viel zu sagen. Das Trauerspiel„Der Tod des Tiberius" von Wilhelm H e n z e n ist eine höchst überflüssige langathmige Umschrei- bung der gleichnamigen Ballade von Geibel. Es wäre schrecklich, wenn sicb Henkel's Versahren einbürgern und wenn wir eine drama- tisirte Bürgschaft oder die Gewissenstragödie von den Kranichen des Jbykus zu kosten bekäme». Das Liebes« und Tändelspiel„Die schöne Toledanerin" von Lope de V e g a gehört zu jenen altspanischen Dramen, die nur noch de» Fachgelehrten interessiren könne». Warum man gerade das Vergänglichste, was eine bedeutende dichterische Kraft geschaffen hat, ausgräbt? — Die Neue freie Volksbühne wagte sich am jüngsten Sonntag an ein schweres Unternehmen. Im Theater des WeftenS wurde der zweite Theil von Björnfons Schauspiel„Ueber die Kraft" aufgeführt.— Vor einigen Wochen erst erschien an dieser Stelle eine eingehende Analyse von Bjornsons Drania, einer der merkwürdigsten Dichtungen unserer Tage. Es wurde auch darauf hingewiesen, wie antirevolutionär das Drama in seinem innersten Wesen sei. Stieße sich die Zensurbehördc nicht an Aeußerlichkeiten, im zweiten Theil von Björnsons Drama also an den Epplosionen, die ein gewaltiger Streik verursacht, empfände sie den Kern der Dinge in Björnsons sinnbildlicher Dichtung, so hätte das Schauspiel für die öffentliche Bühne nie verboten werden können. Durch die Zensurschwierig- leiten war es bedingt, daß Björnsons„Ueber die Kraft" in vor- gerückter Jahreszeil und ans einer Vereinsbühne zum ersten Male in Deutschland gegeben wurde. Der Schreiber dieser Zeilen niachte sich, als er die Buchausgabe der großangelegten Arbeit für den„Vorwärts" besprach, allerhand Gedanken über die mögliche Bühnenwirkung; denn das Werk gehört zn jenen Dramen, die in ihrer wettumspannende», wnchtig-symbolischen Art de»„Bühnenrahinen sprengen", wie Goethe in seinen Shakespeare- Studien sagt. Die Bühnenanfführung hat ergeben, daß die stärkste Wirkung vom dritte» AU. einem Meisterstück an Komposition, aus- ging. Das war schon nach der Lektüre vorauszusehen. Björnsons „Ueber die Kraft" ist eine Altersdichlnng; nicht im schlimmen Wort- sinn ist das hier gemeint. Ein gealterter Mann, der über Jugend- stürm, über jugendlich gährendes Wolle», wie über männlichen Thalendurst hinaus, möchte mitunter in pastoraler Weise zur Be- sonnenheit mahnen. Klaffende soziale Gegensätze thun sich ans. Er glaubt noch immer an eine Vermittelung. Daß man noch nie in der Menschheit einem neuen Ideal nahekam, ohne daß Jugendmuth und befeuerte Sehnsucht übers Ziel geschossen hätten, wird vom warnenden Alter gern übersehen. Aber mit unerbittlicher Schärfe hat Bjöniso» die alternde Herren- weit, ihre sittliche Verkümmerung und ihren Irrwahn, den moderen Geist des Wissen, den großen sozialen Strom aufhalten zu können, erklärt. Macht seine Mahnung im stark abfallenden Schlußakt namentlich den Eindruck frommer, nebelhaft verschwimmender Wünsche: Hier ist Stimmung, hier ist Gestaltungskraft im lebendigsten Stil und hier wird ein satirisches Weltbild erste» Ranges offenbar. Dieser dritte Akt kam auch in der Gesammtausführung am energischsten heraus, wenn man von der erschütternden Echlußkataftrophe absieht, die ganz wuchtige Darstellungsinittel verlangt. Einzelne Fabrikherren waren ganz prächtig charakerisirt, so der hitzige, dicke Sprecher mit dem öiothspohnkops(Herr Rembe). Selbst dem Schauspieler, der nur die aufgeregten Worte zu sagen hat:„Reden Sie nicht vom Kapital!" sei Dank gesagt. Man kann nicht leicht anmaßender aus- sehen und reden, als in der Maske und Haltung dieses Schau- fpielers. Bewegter, reicher hätte die Todesangst, das Getümmel vor dem Zusammenbruch gespielt werden könne»; aber wenn man an die Mittel der Vereinsbiihnen denkt, so war sehr respektabel, was trotzdem geleistet wnrde. Mehr Wirknng, als er übte, versprach ich mir vom ersten Akt, der düsteren Schilderung der„Hölle", in der das entrechtete Proletariat lebt. Die Befürchtungen indessen, daß es zu viel der reflexivnsreichen Reden sein werden, daß das Drama bisweilen zur Debatte sich wandeln könne, haben sich nicht erfüllt. Es lebt doch zu viel anschauliche Kraft, zu viel nnmittelbar packendes Leben in diesen Reden. Besonderen Dank verdienen noch Herr E i s s e l d t, der Darsteller des Elias Sang, und der Re- gisseur der Vorstellung(zugleich auch Darsteller des Brett) Herr Haid. Es gehört Schwung und Takt zugleich dazu, um Exaltationen wie die Selbstaufopferung des Propagandisten der That, glaubhaft zu machen und doch die Gefahren zu meiden, durch die Tragik ins Lächerliche gezerrt wird. Das gelang Herrn Eisfeldt und das ist nicht wenig. Die Schauspieler können so dankbar sein, wenn man sie ans der täglichen, verstinimenden Schablonenarbeit zu höheren Aufgaben leitet und ach! die Kritiker auch. Geographisches. — Die russische Expedition in die Mandschurei unter der Führung von Anert und Komaroff hat nach einem Bc- richte der russische» Geographischen Gesellschaft sehr interessante Er- gebnisse gehabt, die auch in weiteren Kreisen Beachtung verdienen, da die Mandschurei zweifellos ein Land der Zukunft ist. Die Expedition ging von der Kosakenniederlassnng Poltawskaja ans und zog sich qner durch diel Mandschurei nach der Stadt Michailo-Semenowskaja, nahe der Mündung des Sungari in den Amur. Von dort wandte sie sich durch die eigentliche Gebirgsgegend des Landes in die mandschurische Ebene und die Tiefebene des Sungariflnsses. Die Gebirge dieses Gebietes verlaufen im allgemeinen von Nordost nach Südwest und bilden die kleine Chingankelte oder Dussc-Alin im Norden und die Gebirge der Halbinsel Liantung im Süden. Im Osten wird dieses Gebirge durch die Tiesebene des Ussuri und des Jalu- kiang von den Kistengebirgen, im Westen durch die mandschurische Tiefebene von der großen Chingankelte getrennt, die den westlichen Rand des mongolischen Plateaus bildet. Klima und Vegetation in diesem mittleren Theil« der chinesischen Mandschurei sind denen des Amurgebietes im großen und ganze» ähnlich. Der von Südost webende sommerliche Monsun bringt reichliche Feuchtigkeit und erzengt eine regelmäßige Regenperiode, deren Maximum in den August fällt. Im September stellt sich bereits wieder Frost ein, der bis zum April andauert. Der granitische Kern der Gebirge liefert einen fruchtbaren Tbonboden, auf dem sich die Kornfelder vertheilen, der fruchtbarste Boden findet sich jedoch auf der Oberfläche der basaltischen Lava, welcher große Strecken des Landes einnimmt. Die jungfräulichen Wälder derzMandschurei be- stehen aus Laubbäumen, sie werden vorläufig garnicht ausgenutzt, außer allenfalls in den niederen Thälern. Gegenwärtig haben ein- gewanderte Chinesen das Land fast völlig in Besitz genommen, während die eigentliche Mandschu-Bevölkerung auf die nördlichen Theile des Landes beschränkt ist. Zoologisches. — Die Fauna Borneo's fand einer ihrer neuesten Er- forscher, Herr I. Büttikofer, außerordentlich reich an bäum- bewohnenden Säugethieren. Von<56 Säugerarten, die er feststelle» konnte, sind 62 Banmbewohner. Dieser Reichthum an Arten, welche den Aufenthalt in den Wipfeln vorziehe», darf aber nicht, wie man glauben könnte, auf das Vorherrschen von Raubzeug, welche ihnen dahin nicht folgen könnte, geschrieben werde», sonder» ist die Folge einmal der weiten Ausdehnung des Waldes auf dieser Insel und zweitens der häufig wiederkehrenden Ueberschwemmungen. Die letzteren spielen die Rolle des Baumsormen züchtenden und die Aodenformen austilgenden Faktors. Humoristisches. ves. War»,, er nicht tanzte Tom hatte einen Ball be- sucht' Am anderen Tage wurde er gefragt, warum er denn nicht getanzt habe.„Ich hätte ja gern getanzt", sagte Toni,„aber die Mädchen waren mir fortwährend im Wege und die Musik hat mich hinaus getrieben." ws. Auf einem Kirchhof in New-London-County befindet sich ein Familienbegräbniß, das fünf Gräber enthält— eins i» der Mitte und je eins in jeder Ecke. Aus den Tafeln der vier äußeren Gräber liest man unter dem Namen, Geburls- und Todestag der Entschlafenen: Meine I. Frau. Meine Ik. Frau. Meine HI. Frau. Meine IV. Frau. Der mittlere Stein aber trägt nur die kurze Inschrift: Unser Gatte. Vermischtes vom Tage. — Die Magazine des Genter„Vooruit" sind, wie bereits im Depeschentheil unserer Sonntngnummer mitgetheilt wurde, durch Feuersbrunst fast vollständig zerstört. Die betreffenden Ge- bände, enthaltend die Lager für Konsektion, Schuhwaaren, Tuche ic., sind erst vor zwei Jahren fertiggestellt worden und haben mehrere hunderttausend Franken gekostet. Trotzdem alles versichert ist, erleidet die Genossenschaft doch einen nicht unbedeutende» Schade», da der Waarenverkanf für längere Zeil unterbrochen bleibt. Außerdem werden ISO— 200 Arbeiter bis zur Wiederherstellung der Gebäude wohl zum theil beschäftigungslos bleiben. Das Feuer ist kurz vor I Uhr mittags, also zu einer Zeit, zu der das Personal Mittag- zeit hatte, entstanden, beziehungsweise zuerst bemerkt worden. Die Ursache ist noch nicht bekannt; man sagt, es sei in dem Bügelraum entstanden. Kurz nach Ausbruch des Feuers waren hunderte von Arbeitern zur Stelle; in vielen Fabriken hatten die Arbeiter sich nicht zurückhallen lassen, sondern erschienen auf der Unglücksstelle, um zu helfen, ihr Heim zu retten. Verletzt ist niemand; Waaren konnte», da das Feuer sich rapid ausbreitete, fast garnicht gerettet werden, dagegen sind alle Geschäftsbücher in Sicherheit gebracht. Der„Vooruit", das Organ der G e n t e r Sozialdemokraten, hat eine Spezialausgabe erscheinen lassen, in dem die Genossenschaftler aufgefordert werde», den Schaden wieder aus- zuwetzen durch Verdoppelung der Käufe. Für de» Sonntag waren drei große Versammlungen der Genossenschafts- Mitglieder au- beraumt. — In M a l m ö(Schweden) wurde die Entdeckung gemacht, daß aus einem amerikanischen P o st s a ck, der von hier nach dem Innern des Landes befördert werden sollte. 95 rekommandirte Sendungen fehlten. Bei näherer Untersuchung wurde festgestellt, daß der Sack ausgeschnitten und alsdann wieder zugenäht worden war. — Die Stadt Namsos(Norwegen) ist Sonntag Nachmittag fast gänzlich ei» Raub der Flamme» geworden. Es herrschte starker Wind. es. EinTollwüthiger wie eintollerHnnder- schössen. Ein empörender Vorfall ereignete sich am 22. Mai in dem italienischen Flecken Monteodorisio bei Chieti. Der Bauer Antonio Reali bewaffnete sich in einem Tollwuthanfall mit einer Axt und suchte jeden, der ihm nahe kam, zu beißen und zu tödlen. Den Karabinieri gelang es, ihn zu isoliren und einzusperren, aber llteali schlug mit der Axt die Thür seines Gefängnisses entzwei und suchte zu entrinnen. Das gelang ihm aber nicht, denn die Karabinieri schössen ihn auf Befehl des Bürgermeisters nieder wie eine» tollen Hund. In der Stadt herrscht eine ungeheure Auf- regung, und man verlangt energisch das Einschreiten der Gerichts- behörde» gegen den menschenfreundliche» Bürgermeister und seine Untergebene».— — VerkürzteEise» bahn Verbindung mit Italien. Die„Franks. Ztg." meldet aus Luzern: Am Sonnabend fand die Eröffnung der nördlichen Znfahrlslinie Zug-Goldau und Luzern- Jmmensee der St. Gotthardbahn statt, wodurch die Linie Berlin- Mailand um 60 Minuten kürzer und außerdem landschaftlich ab- wechslungsreicher wird. — A u s Pisa wird depeschirt: Die Feier in der hiesigen Kathedrale, während welcher eine ungeheure Panik entstand, galt der feierlichen Enthüllung und Ausstellung des nach vielen Jahren wieder öffentlich ausgestellten Bildes, das unter dem Name» „Maäoima. cotto gli organi" in Pisa besonders verehrt wird. Die feierlichen Vorbereitungen für die Zeremonien, welche mehrere Tage dauern sollte», hatten eine große Menschenmenge herbei- gelockt. Die Lokalbehörden, darunter der Bürgermeister, welcher einen der zu dem Schrein mit dem Bildniß ge- hörenden Schlüssel hielt, waren anwesend; mehrere Bischöfe und zahlreiche Pilger aus den benachbarten Städten wurden erwartet. Kurze Zeit nach dem Beginn der Feier fiel eine Kerze herab und entzündete einen Dekorationsgegenstand der Kirche. Es entstand eine furchtbare Panik in dem betreffenden Theil der Kirche, indem die zahlreiche Menschenmenge»ach der nächsten Thür hindrängte. Das Feuer wurde alsbald gelöscht; doch wurden bei dein Gedränge 9 Personen getödtet. Die Zahl der in das Hospital gebrachten Ver- wundeten beträgt 21; die sonstigen Verwundeten sind in ihre Wohnungen überführt worden. Von den in das Hospital gebrachte» konnten I! dasselbe verlassen, eine Person ist schwer, eine andere sehr schwer verwundet, die Uebrigen befinden sich in der Besserung. Der größte Theil der Tobten und Verwundelen besteht aus Frauen.— ie. Die Zahl der Selbstmorde in den Ver- e i n i g t e n S t a a t e n v o n A m e r i k a ist nach einer Statistik, die im„Medical Examiner" veröffentlicht wird, von 2040 im Jahre 1890 auf 6420 im Jahre 1896 gestiegen, sie haben sich also in 6 Jahren mehr als verdreifacht.— — U e b e r s ch w e m m u u n g in Nordamerika. Nach einer Depesche ans El Paso del Norte ist der Rio Grande ans den Ufern getreten; gegen 500 Hänser sind zerstört; etwa 3000 Personen sind ihrer gefammten Habe beraubt.— Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt i» Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin.