Anterhaltimgsblatt des Horwärls Nr. 113. Freitag, den lt. Juni. 1897. (Nachdruck vcrbole».) 4] Gokklieb Adlev und Sohn. Von Boleslav Prus. Autorisirte Nebersetznng aus dem Polnischen von I. La» d. Der alte Adler war erstaunt ob diesen Ernstes, der Auf richtigkeit und Ueberzeugungsfestigkeit seines Sohnes, und Böhme gab zu, daß die Besserung Ferdinand's, die sich im Auslande anscheinend vollzog, mehr als 70 000 Rubel werth sei. Nach einiger Zeit setzte sich der Pastor mit seinem Freunde und dessen Fran zn Tische; man trank eine Flasche Wein und sprach von den Kindern. .Weißt Du, Gottlicb/ sagte Böhme,.ich beginne. Deinen Ferdinand zn bewundern. Aus diesem Taugenickts ist, wie ich sehe, ein wahrer Manu geworden. Er denkt sehr vernünftig, hat gesunde Ansichten...." „O ja/ versetzte die Fran Pastor,„er erinnert jetzt ganz an unfern Josef. Erinnerst Du Dich, Martin, wie der voriges Jahr unter den Ferien da war, da schwänute er ebenso von den Engländern/ Ferdinand ging inzwischen mit Anna, der schönen achtzehn- jährigen Tochter des Pastors Böhme, im Garten spazieren. Beide kannten sich von Kind ans. Sie unterhielten sich eine Stunde vielleicht, da es aber noch immer sehr heiß war, bc- kam Anna heftige Kopfschmerzen und mußte sich auf ihr Ziuiuier zurückziehen, und Ferdinand kehrte zur Gesellschaft zurück. Er sprach jetzt sehr wenig und war sichtlich schlecht gelaunt, was aber niemand wunderte, da ihm doch selbstverständlich die Gesellschaft eines schönen, jungen Mädchens angenehmer sein mußte als die der alten Leute. Als die Adlers nach Haus zurückkehrten, sagte Ferdinand dem Vater, er müßte morgen nach Warschau fahren. „Wozu?!" schrie der Alle,—„ist Dir denn nach 18 Stunden schon das Hans zum Ekel geworden/ „O nein, vergib aber nicht, daß ich niir Wäsche und Kleider kaufen muß und einen neuen Wagen, in dcni ich Besuche ab- stalten kann/ Dies alles überzeugte aber den Vater nicht. Er sagte, einen Wagen würde er bei einem bekannten Fabrikanten schon selbst besorgen; Wäsche und Kleider könnte man auch brieflich bestellen, und es würde genügen, wenn man einen Anzug und ein Hemde nach Warschau als Größcmnuster schickte. Ferdinand ließ aber nicht ganz von seiner Ansicht ab. Wenn schon nicht nach Warschan, so wollte er wenigstens in das nächstgelegene Städtchen fahren, um sich die unumgänglich nothweudigcn Sachen anzuschaffen. Und er fuhr auch wirtlich am nächsten Tage schon um zehn Uhr früh fort. Knrz nachher erschien im Arbeitszimmer des alten Adler Pastor Böhme. Er war«„gewöhnlich auf- geregt.„Ist Dein Ferdinand da?" rief er, sobald er ins Zimmer trat. Adler erstaunte; er bemerkte, daß Böhme's Stimme zitterte. .Was willst Du von meinem Ferdinand?* fragte er. .Er ist ein Lump, ein Pharisäer!... Weiß Du, waS er gestern meiner Anna sagte?* Ter Fabrikant schaute ihn fragend und erstaunt an. „Eine Frechheit!" fuhr Böhme iveiter fort,„eine Un- anständigkeit sondergleichen? „Aber was ist denn geschehen, Marti«?" fragte Adler. „Was sagte eigentlich Ferdinand?" „Er sagte... sie soll... das Fenster ihres Zimmers ihm in der Nacht öffnen!"... Von Dingen, die mit seinem Geschäfte in keinem Zu- sannneuhangc standen, verstand Adler nicht viel; sein Herz konnte den dem jungen Mädchen angclhancn Schimpf nicht mitempfinden. Soviel begriff er aber sofort, daß, wenn Anna den Rath seines Sohnes befolgt hätte, dieser sie dann hätte heiralhen müssen. Ja Heirathen i Das stand bei Adler fest, ciuen anderen Ausweg aus einer solchen Affäre sah er nicht. Also etliche Stunden nach seiner'Heimkehr und etliche Minuten nach solch einer brillanten Rede über Besserung, beging Ferdinand eine Unvorsichtigkeit, die er eventuell durch die Heirath mit der Tochter des Pastors hätte büßen müssen. Er. der Sohn des Millionärs mit der Tochter des armen Pastors. Er, der doch an der Seite seines Vaters genießen sollte, wild und toll? Böhme war schon längst beruhigt, als Adler sich erst zu ärgern begann: im alten Weber erwachte der Tiger. „So ein Bengel; vor einer Woche zahle ich für ihn 50 000 Rubel, und heute macht er mir solche Geschichte:,!" Er hob beide Arme nnd schwang dieselben ähnlich wie Moses im Momente, als er die Steintafeln an den Köpfen der An- beter des goldenen Kalbes zerschnictterte. „Mit einem Stock werde ich den Burschen durchprügeln!" Als Böhme Adler's Aufregung wahrnahm und befürchten mußte, daß er wirklich zum Stocke greifen würde, der in seinen fänden bedenkliche Folgen haben konnte, da glaubte er, seinen reund ein wenig besänftigen zu müssen. „Mein lieber Gottlieb/ sagte er,„das wäre ganz über- flüssig. Ueberlasse nur mir die Regelung der ganzen An- gelegenhcit; ich werde den Ferdinand ersuchen, er möge unser Hans entweder meiden, oder, wenn ihm unsere Gesellschaft angenehm ist, sich anständig benehmen/ „Johann!" schrie der Fabrikant, nnd als der Diener er- schien, sagte er:„Schicke sofort jemand ins Städtchen»ach Ferdinand; Prügel bekommt der Bengel/— Der Diener sah seinen Herrn erstaunt an, der Pastor winkte ihm, und Johann verschwand. „Mein lieber Gottlieb," begann Böhme wieder,„Ferdinand ist schon zu alt,»m geprügelt zu iverden. Allzu große Strenge wird ihn nicht mehr nicht bessern, sie könnte ihn zur Ver- zweiflnng bringen... Er ist ein ambitiöser Jnngc... Er könnte unter Umständen gar einen Selbstmord begeben". Das wirkte ans Adler.„Was sagst Du, Martin? Einen Selbstniord?... Johann? Eine Flasche Wasser!"... Johann brachte das Wasser, und der Fabrikant trank ein paar Glas; dann begann er sich allmälig zn beruhigen. Er befahl, die nach Ferdinand entsandten Boten aufzuhalten. ** Erst spät am Abende kehrte Ferdinand nach Haus zurück. Er befand sich in rosigster Laune, suchte in der ganzen Villa nach dem Vater, ließ dabei alle Thüren offen, schlug wie auf eine Trommel auf alle Tische nüt seinem Stocke und sang dabei mit seinem schönen Bariton: Allons enfants de la patrie Le jour de la gloire est arrive."' Endlich fand er den Alten in seinem Kabinet. Er blieb vor ihm stehen, die Mütze schief auf dem Kopfe, die Weste ausgeknöpft, nnd er sah sehr verschmitzt ans und roch nach Wein. Als er in seinem Liede zn den Worte» kam: .Vax armes, citoyens!... da verfiel er in solch eine Begeisterimg, daß er den Stock über dem Haupte seines Vaters zu schwingen begann. Ter alte Adler war an so etwas nicht gewöhnt; er wurde wüthrnd.„Du bist besoffen, alberner Tropf!" Ferdinand entgegnete kühl:„Lieber Papa, ich bitte Dich, mich nicht so zn nennen. Wenn ich zu Hanse mich an derartige Ausdrücke gewöhnen werde, dann wird es miranchbaldgleichgiltig sein, wenn irgend ein Fremder nnch so nennen wird.... Ter Mensch gewöhnt sich an alles." Diese Rede gefiel dem Allen, nnd er sprach in einem schon bedeutend versöhnlicherem Tone weiter:„Du bist ein Lump! Du wolltest Böhme's Tochter verführen." Ferdinand begann zu lachen.„Ja, wolltest Du vielleicht, ich sollte die alte Frau Böhme verführen?" „Na, na; Witze verbitte ich mir. Heute war der Pastor hier mit dem Ersuchen, Du möchtest sein Haus mit Deinen Besuchen verschonen." Ferdinand warf inzwischen Stock und Mütze auf den Boden und streckte sich auf der Chaiselongue ans.„Na, das thnt mir wirklich leid," sagte er ironisch.„Aber aufrichtig gestanden bin ich sehr zufrieden, von diesen langweiligen Bc- '»che» befreit zn sein. Eine Familie, lauter Sonderlinge! Der Alte glaubt, er sei ein Missionar unter Menschen- ressern nnd will immer jemand bekehren x die Alte hat Wasser im Kopfe, in dem nur diese gelehrte Schenke Josef schwimmt, und die Junge, die ist heilig,— ein Altar, auf dem nur Pastoren die Messe zu halten erlaubt ist. Psni Teufel? Abscheuliche Pedanten!" „Na ja, Pedanten/ unterbrach ihn hier der Vater,„mit diesen Pedanten würdest Dn aber gewiß keine 7ö000 Rubel in zwei Jahren ausgegeben haben." „Ah, Tu kannst, wie ich sehe, diese paar tausend Rubel durchaus nicht vergessen!" „Natürlich, daß ich sie nicht vergesse!" schrie der Alte, „wer hat je gesehen, daß ein verständiger Mensch so eine Masse Geld verschwendet! Das wollte ich Dir schon gestern sagen!" Ferdinand wußte, daß dieser Zorn nicht aufrichtig war. Er stand von den» Ruhebett auf, setzte sich auf einen Stuhl dem Vater gegenüber und begann ruhig zu sprechen:„Lieber Vater, ich sehe, daß Du mich für ein Kind hältst..." „Ein Narr bist Du!" brummte der Alte. „Also lieber Papa, Tu wirst zugeben, daß ich nicht anders sein kann, als mich die Natur gemacht hat. Ich habe eben alle die Eigenschaften, die unser Geschlecht besitzt. Mir genügt nicht die kleine Provinzstadt, ich brauche die weite Welt.- Meine Kraft verlangt nach zu überwindenden Hindernissen, nach ent- sprechender Bethätigung oder— nach Lumperei, denn sonst müßte ich zerplatzen. Leute mit meinem Temperament werden Staatsrcgeuten oder Verbrecher. Bevor Bismarck Frankreich zerschmetterte, hat er Bierkrüge an den Köpfen deutscher Philister zerschlagen. Für mich giebt es hier nichts, für meine Kraft ist kein Bcthätigungsfeld vorhanden. Tu, Papa, hast hunderte von Leuten in Deiner Hand, baust Maschinen, kämpfst um Geld, was soll ich thun?" „Wer verbietet Dir denn, Dich ebenfalls in der Fabrik zu bethätigen, Leute zu dirigiren und das Verniögen zu ver- größer«?... Das wäre bedeutend besser als diese vorzeitige Verschwendung!" „Aber mit dem größten Vergnügen." rief, plötzlich ans- springend. Ferdinand,„gieb mir einen Theil Deiner Arbeit ab, und gleich morgen mache ich mich daran. Ich fühle ein Bedürfniß nach Arbeit. Also— übergiebst Du mir die Leitung der Fabrik? Gleich morgen beginn ich damit! Dieses inhalts- leere» Lebens bin ich schon überdrüssig." Der Alte weinte fast vor Freude. Er drückte dem Sohne etliche Mal die Hand. Ferdinand wird sich in der Fabrik be- thätigen; ,vas für ein Glück! In etlichen Jahren wird sich das Vermögen verdoppelt haben, und dann, dann fort von hier, hinaus in die weite, schöne Welt! Der Fabrikant schlief in dieser Nacht schlecht. Am nächsten Morgen ging Ferdinand wirklich in die Fabrik und begann, alles zu besichtigen. Die Arbeiter bc- trachteten ihn mit Neugierde und überboten sich in Erklärungen und in» Erfüllen seiner Befehle. Der lustige und freundliche Bursche machte auf sie im Vergleich mit seinem strengen Vater einen guten Eindruck. Aber schon gegen zehn Uhr kam in Adler's Komptoir ein Werksührer und beklagte sich, daß der junge Herr den Weibern den Kopf verdrehe und sich zwischen den Arbeiterinnen un- anständig benehme. „Blödsinn!" brummte der Alte nur. Eine Stunde später kam aber ein zweiter Werksührer: „Herr Prinzipal!" rief er in höchster Erregung,„Herr Ferdinand erfuhr, daß wir die Löhne gekürzt haben und er will die Arbeiter zu einem Streik bewegen." „Ist der Kerl verrückt geworden?!" fuhr der Alte auf und eilte in die Fabrik. Hier traf er den Sohn bei eincni Wollemagazin, eine glimmende Zigarre im Munde. „Was machst Du hier mit einer Zigarre! Wirf sie sofort weg!" „Wie, mir ist nicht erlaubt, zu rauchen, mir, mir?"... „Niemand ist in der Fabrik erlaubt, zu rauchen!" schrie der Alte.„Tu wirst mir noch ein Feuer anrichten! Du hetzest mir die Leute aus! Verschwinde sofort, ich will Dich hier nicht mehr sehen!" Dieses Gespräch hatte mehrere Zeugen, und da fühlte sich Ferdinand beleidigt.„O," rief er,„wenn Du mich in solcher Weise behandeln willst, so ist es aus. Von nun au wird mein Fuß die Fabrik nicht mehr betreten!" Er that einige kräftige Züge aus der Zigarre und ging dann in die Villa, ohne den Vater auch nur eines Blickes zu würdigen. Beim Mittagessen trafen sie sich wieder. Der Alte be- gann zuerst zu sprechen.„Na, verschone Tu mich mit Deiner Hilfe. Ich gebe Dir dreihundert Rubel monatlich, einen Wagen, Pferde, einen Diener, thue was Dir gefällt; nur in der Fabrik zeige Dich nicht mehr." Ferdinand schaute ihn etliche Augenblicke an. Dann sagte er:„Lieber Papa, ich kann hier in dieser Villa nicht leben. Ich wollte Dir bisher, um Dich nicht zu betrüben, nichts davon sagen, daß ich Anlagen zum Spleen habe, und die Aerzte mir befahlen, Langeweile möglichst zu meiden. Hier ist aber ein so monotones Leben, daß ich befürchten muß, genmthskrank zu werden." Der Alte erschrak. „Ich gebe Dir doch dreihundert Rubel monatlich!" rief er. Ferdinand machte nur eine verzweifelte Handbewegung. „... Na, also vierhundert..." Der Sohn schüttelte nur traurig den Kopf. (Fortsetzung folgt.) Ein Abendbesuch am Miefen�Fievitvolzv in Treptom. Sehr gern folgte ich am 4. Juni der liebenswürdigen Ein- ladung des Direklors Archenhold zu einer Besichtigung des Treptower Niesen-Jnstrnmentes. Es dürste bekannt sei», daß die Konstruktion dieses Fernrohres sich dadurch von den bisher üblichen unterscheidet, daß der gewaltige Kuppelbau in Forlfall gekommen ist; dafür hat das Rohr als Schutz einen cylindrischen Mantel be- kommen, der mit ihm auf derselben schweren Eisentraverse befestigt ist und sich mit ihm nach alle» Seile» bewegt. Durch diese grundlegende Aenderung, die der Billigkeit wegen beschlossen wurde, sind die anderen Eigenthümlichkcite» des Instrumentes bedingt, die größtentheils Verbesserungen gegenüber de» bisher üblichen Ko»- struktionen bedeuten. So ivnrde dadurch ermöglicht, daß das Rohr an einem Ende anstatt wie bisher in der Mille aufgehängt wurde. so daß das Instrument sich um den Kopf des Beobachters dreht, der einen festen, unverrückbaren Standpunkt einnimmt. Eine Fülle anderer Einzelheiten, die Möglichkeit der großen Brennweite, der Schutz gegen Durchbiegung, die eigenthümliche Ablesungsvorrichtung, und anderes, das man sich am besten am Instrumente selbst erklären läßt, hängen ebenfalls mit der grundlegenden Idee der Be- seitigung der Kuppel zusammen. Ueberwäliigcnd ist der Eindruck der sich bewegenden riesigen Massen, die durch Elektromotoren angetrieben leicht und sicher in diejenige Stellung geführt werden, in der man das Rohr zu haben wünscht. Durch einen Druck des Fingers kann ein Kontakt geschlossen werde», durch den noch eine besonders seine Be- wegnng veranlaßt wird, sodaß man bei größeren Objekten, wie Sonne»nd Mond, die einzelne» Thcile nach Belieben ins Gesichtsfeld zur Beobachtung rücken lassen kann. So interessant übrigens die Besichtigung dieses inechanstchen Wunderwerkes ist, interessanter noch war es, seine Entstehung im vorigen Soinmer während der Gewerbe- Ausstellung verfolgen zu können; die einzelnen Stücke, die allmälig a» ihre Stelle gebracht ivurden, gewährten eine bedeutend klarere Einsicht in de» Plan und die Idee des ganzen Baues, als es heute bei einer einmaligen Besichtigung des fertigen Jnstrnnientes, wo viele Theile dem Auge verborgen sind, möglich ist. Dafür kann man jetzt, wenigstens bei schönem Wetter, das Rohr gegen den Himmel richten und die Sternenivelt dem Auge näher rücken. An dem genannten Tage schien es in den Nachmiltagsstnnden sehr ziveiselhaft, ob ein Besuch der Sternivarte sich lohnen würde; gegen Abend ivar es jedoch klar geworden, am westlichen Himmel prangte die Mondsichel in schönem Glänze. Vielfach ist die Meinung verbreitet, daß man zur Beobachtung des Mondes die Zeit des Vollniondes abwarte» müsse, da er da»» in seiner ganzen von der Erde aus zu erblickenden Ausdehnung erleuchtet sei. Das ist ei» Jrrlhum. Die senkrecht auf den Mond fallenden Sonnenstrahlen lassen starke Schatte» der Höhen nicht zu stände kommen, so daß das Relief, durch das der Mond sein eigenthürnliches Aussehe» erhält, nicht deutlich zu erkennen ist. Vielmehr ist die Zeit des erste» und letzten Viertels die günstigste zur Beobachtung, den» da geben die Berge lange tiefe Schallen»nd lassen das Relief deutlich hervor- treten. Da der Mond im letzten Viertel erst»ach Mitlernacht auf- geht, während er im ersten Viertel zu dieser Zeit schon nnter« geht, so bietet er sich im erste» Viertel bequemer der Beobachtung dar. Als ich ihn durch das Riesen- sernrohr betrachtete, fehlten noch einige Tag« am erste» Viertel; er erschien nur als eine schmal« Sichel. Aus dieser aber zeigte sich eine außerordentlich große Fülle von kleinen Krater», die ja dem Monde ein so eigenthürnliches Aussehen verleihen. Nach ihrem äußeren Anblick könnten sie sehr wohl vnlkanischen Ursprungs sein, wie sehr viele Forscher auch annehmen; da sie zedoch nicht selten Durchmesser von!t) bis Iii Meilen, einige selbst bis zu 30 Meilen zeigen, so haben andere Sachverständige erhebliche Zweifel an ihrer vulkanischen Entstehung angeregt. An dem elektrische» Knopfe drückend, ließ ich den Mond lang- sam durch das Gesichtsfeld rücken, bis das Horn seiner Sichel in voller Schärfe vor meinem Auge stand. Wie überall auf dem Monde der Uebergang von den hellen zu den dunkeln, im Schatten liegenden Stellen ein jäher ist, so bricht auch hier die glänzend erleuchtete Sichel ganz plötzlich ab. ohne daß sich die Spur eines Dämmer« lichtes i» den benachbarten Partien geltend macht. Es ist dies einer der Gründe, aus denen wir schließen müssen, daß dem Mond««ine Atmosphäre fehlt, wodurch er also das Aussehen einer leblosen, ab- gestorbenen Welt erhält. Von der kalten Nachbarivelt unseres Mondes wurde das Nohr auf den weiter südlich schiimnernden Jupiter gerichtet, den größten Planeten, der unsere Erde a» Masse ölt) Mal, an Raum- inHall gar 1230 Mal übertrifft. Seine glänzende Scheibe zeigte sich, wie stets bei der Betrachtung durch ein großes Fernrohr, i» der Richtung des Aequalors von wolkigen Streife» durchzogen, Die beständige Veränderlichkeit dieser Wolken sowie einige andere Erscheinungen, namentlich die spektroskopische Untersuchung des Lichtes, das er uns sendet, deuten daraus hin, daß der Jupiter von einer sehr dichten und hohen Atmosphäre umgeben ist, die einen selbstlenchtenden, Licht und Wärme ausstrahlenden Körper ein« schließt. Als vor neunzehn Jahren, im August 1878, ein Heller rother Fleck auf dem Jupiter entstand, der nur ganz langsam und allmälig in den nächsten fünf bis sechs Jahren wieder ver- schwand, mußte man annehme», daß auf dem Körper des Planeten eine gewaltige Umwälzung vor sich ginge, daß das heiße Innere die erkaltende Oberfläche in einer Europa an Ausdehnung über- treffende» Fläche durchbrochen habe und der Widerschein der hervor- brechenden glühenden Gase in der Atmosphäre sichtbar würde. Solche gewaltsamen Vorgänge erinnern an diejenigen, die uns auf der Sonne in de» Protuberanzen und Flecken entgegentreten, und in der Thnt ist der Jupiter eine kleine Soune, die ebenso, wie die größere, von Planeten umkreist ivird. Fünf Monde umkreise» ihn und empfangen von ihm Licht und Wärme, so daß auf einem der Jupitermonde sich möglicherweise auch organisches Leben ent- wickelt hat, Nachdem wir de» Jupiter betrachtet, wurde das Fernrohr nach Süden gedreht, wo der Saturn aus den Wolken hervorgetreten war. Nächst Jupiter ist dieser Planet der gewaltigste unseres Systems; sein Durchmesser übertrifft de» der Erde neunmal, sodaß er den 720fachen Raum der Erde einnimmt: freilich ist seine Masse so locker, wie etwa Petroleum, sodaß er trotz seiner ungeheuren Größe nur S3 mal so viel Masse besitzt, als die Erde. Im Fern- rohr bietet er ein sehr interessantes, unter de» Planelen einzig dastehendes Bild dar, weil er von einem freischwebende» Ringe umgebe» ist. Zuerst erblickte Galilei mit dem eben erfundenen Fernrohr im Jahre IKIt) den Ring, und zwar schien es ihm, als ob der Saturn aus drei sich berührenden Slerne» zusammengesetzt sei; als der Ring später der Erde seine schmale Seite zukehrte und infolge deffen in den damaligen lichtschwachen Fernrohre» nicht sichtbar war, glaubte Galilei, er hätte sich getäuscht. Später erschienen jedoch die wunderbaren„Henkel" des Saturn wieder, und erst Hugghens deutele sie 1659 in richtiger Weise dahin, daß der Planet von einem frei schwebenden Ringe umgebe» sei. Doch ist dieser giuig kein einfaches Gebilde; schon 1675 bemerkte Cassini in seinen äußersten Ende» duutle Stellen, und 1792 erkannte Herrsche! mit seinem stiiesen- teleskop, daß sich ein dunkler Streife» durch den ganzen Ring hindurch- zieht, so daß der Planet also von zwei konzentrischen Ringe» umgeben ist. Außer dieser sog, Cassun'schen Trennung wurde in unserem Jahrbunderl noch eine iveilere, nicht so deutlich ausgeprägte Trennung gesunden, und in de» moderne» Rieseufernrohren wurden noch iveilere Trenninigslinien in den stiingen gesehen, so daß es sich bei dem Salnrnring unstreitig um ein außerordentlich komplizirtes Gebilde handelt. Bon seinem Wesen sich eine deutliche Borstellung zu bilden, ist sehr schwer; der innerste Rand dreht sich in wenig mehr als fünf Stunden um den Saturn, während der äußerste Rand fast vierzehn Stunden hierzu gebraucht. Dadurch müssen so gewaltige Spaunuugen hervorgerufen werden, daß eine feste zusammen hängende Masse sie nicht aushallen könnte, sondern zersprengt iverde» müßte. Befände sich der Ring in flüssigem oder gassörmigen Zustande, so könnte er sich ivohl in eine Reihe einzelner Ringe sondern, doch würden in ihnen durch die acht Monde des Saturn sehr starke Störungen und ans und ab wallende Bewegnugen hervorgerufen werde», so daß man diese Annahme kaum festhalten kann. Di« meisten Astronomen neigen heule der Ansicht zu, daß die Ring« ans Milliarde» sehr kleiner fester Körper bestehen, die als kleiusle Monde den Planeten umkreisen; die Treunungslinien sind nach dieser An- ficht durch den Einfluß der äußeren Monde hervorgebracht. Wir waren am 4. Juni leider vom Wetter nicht so begünstigt, daß wir die feinen Einzelheilen in den Ringen wahrnehmen konnten; nur die Cnssini'iche Trennung sähe» wir nngedeulet. Im übrigen zeigte» sich am Rande des Ringes sowohl als des Planeten beständige Be- wegung, Ausbuchtungen und Einschnitte, die von den Wallungen in unserer Atmosphäre herrührten, Man hegt die Hoffnung, daß das Institut im Treptower Park durch das Eintrittsgeld des zahleuden Publikums gehalten werden könne. Diesen Glauben theilen wir nicht. Die Berliner Urania hat früher astronomische Abende auf ihrer Sternwarle veranstaltet, wie sie jetzt in Treptow geplant weeden, dieselben aber bei der Tbeilnahmlosigkeit des Publikums seit Jahren schon wieder«in- gestellt; und die Urania ist immerbin für sehr viele bequemer zu erreichen als Treptow, Auch scheint uns, offen gestände», das Treptower Instrument zu dedeutend, als daß es nur dem Publikum gezeigt werden sollte, ohne im direkten Dienst der Forschung zu stehen. Vielleicht tritt die Stadl Berlin dem Gedanken näher, in Treptow«ine städtische Stermvarte ersten Ranges zu errichten, die neben der Wissenschaft auch der Belehrung des Volkes zu dienen hätte. Wir glaube», daß ein solcher Plan der freudigen Zustimniung de« Bevölkerung gewiß wäre.— Lt. Nlemes FeuMekott. — Wovor sich die Menschen fürchte». Ein englischer Ge- lehrler hat unlängst ein Buch veröffenilichl, in dem er über die Berschiedenarligkeil und Eigenthümlichkeil des impulsiven Furcht- gefühls im Menschen schreibt. Die anfinerksamsten Beobachlunge», die er bei ungefähr 2060 Personen angestellt hat, haben ergeben, daß die meisten Leute eine nicht zu bezwingende Furcht vor starke» Gewittern hegen. Allerdings ist die Zahl der gewilterschenen Frane» bedeutend größer als die der Männer. Hiernach rangirt dieser Ge- lehrte gleich diejenigen Personen, die eine geradezu kindische Furcht vor kriechendem Geihier empfinden. Ungefähr der zwanzigste Theil der 2600 Untersuchten fürchtet sich am meisten vor der Dunkelheit, und etwa 12 pCt. vor Sturm. Rallen und Mäuse sind der größte Schrecken vieler Frauen, während Männer sich mehr vor un- angenehmen Insekten fürchten. Nicht weniger als 3 pCt. ge- standen sreimnthig ein, daß der Mond ihnen eine ganz nnbeschreib- liche Scheu einflöße.— — Mittlere Entfernungen anf Tampferwegen in Seemeilen. Im Auftrage der Direktion der deutsche» Seewarte hat Kapitän F. Hegemann im Laufe der letzten 15 Jahre eine große Anzahl(etwa 3000) Entfernungen zwischen verschiedenen Seeplätzen berechnet, eine Arbeit, die für die Reichspost- und andere Behörden und ebenso für viele Privatleute von größtem Werth« ist. Sie ist jetzt als Beiheft I zu de»„Aunalen der Hydrographie" erschienen. Mit einigen Ausnahmen gelten die angegebeneu Entfernunge» für Dampferwege. Die Dampfer nehmen in der Siegel für die Hin- und Rückfahrt denselben Weg, und zwar so viel als möglich den kürzesten. Auf dem Nordatlantischen Ozean liegen indeß die Ausreisen vom Englischen Kanal nach Nord- amerika oder Westindien und die Heimreisen je nach der Jahreszeit mehr oder weniger weit auseinander, und seit einigen Jahren be- stehen unter den Dampferliuien fest vereinbarte Routen für beide Jahreshälften. Auf manchen Dampferlinien geht die Ausreise ans einem anderen Wege, über andere Häfen vor sich als die Heimreise. dann sind oft auch nur die wirklich befahrene» Wege berechnet und angegeben unter Beifügung der Zahl von Zwischenstationen. Am zahlreichsten sind die Angaben für die Dampferwege mit dem Aus« gangspunkte Hamburg. Viele dieser Enlfernungsangaben haben allgemeines Interesse, einige mögen hier Platz finde». Der Dampfer- weg von Hamburg nach Antwerpen beträgt 385 Seemeilen, nach Bahia über'Lissabon 4890, Baltimore 3905, Bib»ndi(mit lO Zwischen- stalionen) 5665, Borna(15 Zwischenstalionen) 5440, Buenos- Aires über Montevideo 6630. Groß-Popo(13 Zivischenstalionett) 4416, Hongkong 10 155, Kamerun(7 bis 16 Zwischenstationeu) 4950, Cap- stadt 6495 Neapel 2625, Ncw-Orleaus(über Havanna) 5419, New- Jork 3530, Port Said 3600, Tenerifa 2020, Walfischbai 6730, Joko- Haina 11 705.— Völkerkunde. ic, Schnecken als Kriegspropheten. Wie der eifrige japanüche Mitarbeiter der Londoner Zeitschrift„Nature" au» einem japanischen Werke des vorigen Jahrhunderts entnimmt, gab es früher eine merkwürdige Sitte in diesem Lande, um bei Aus- brnch eines Krieges sich über den Ausgang desselben vorher zn unterrichten. Tie Japaner bedienten sich dazu der Tanischi, gemeiner schwarzer Landschncckcn, die in Japan in den sumpfigen Reisfelder» gesammelt und gegessen werden. Wen» ein Krieg ausgebrochen ist, so nimmt man 4 oder 6 von diesen Schnecken und theilt sie in zwei Parteien, die man in die entgegen- gesetzten Ecken eines Gesäßes setzt, jede dieser Gruppen bedeutet eine der kriegführenden Parteien. Diejenigen Schnecken, welche zuerst auf ihre Gegner losgehen, stellen die künstigen Sieger im Kriege dar. Diese Art der Prophezeihnug wurde nach der Erzählung des japanischen Schrislstrllers Juasa Shimbei z. B. im Jahre 1615 angewandt bei der Belagerung der Stadt Osaka, und der Ausgang dieses Schneckenkampses svll bei mehreren Versuchen hintereinander stets ein gleicher gewesen sein und den Ausgang des Krieges richtig prophezeiht haben, denn die drei Schnecken, welche die Herren der Burg darstellten, wurden stets von den anderen Schnecken in die Enge getrieben. Dadurch ist erwiesen, so schließt der japanische Schriftsteller, daß es kein besseres Mittel giebt, um die Entscheidung eines Krieges voraus zn erfahren. Uebrigens scheint es, daß diese Sitte in Ostasien ziemlich weit verbreitet ist, wenigstens erzählt Ayinonier etwas AehulicheS ans Cambodja. Wenn ein fremdes Heer in das Reich einfällt, so nehmen hier viele Ein- wohner ein paar Khehau, das sind Muscheln, wahrscheinlich von der Gattung Paludina. Diese werden in ein Gefäß geseht, deffen Boden mit Saud bestreut ist, sodaß eine kleine Arena enliieht, worauf dann etwas Wasser über den Boden gegossen wird, gerade so viel, daß die Muscheln davon bedeckt sind. Dann werden rundherum Kerzen und wohl- riechende Hölzer angezündet, und das Volk betet zu den Schutzgöttern des Reicvcs, daß sie ihm den Ausgang des Krieges offenbaren möchten. In dem Gesäße entspinnt sich nun eine kleine Seeschlacht, die nicht früher beendet wird, bis eine der Muschel» kampfunfähig geivorden.— Während des deutsch. französischen Krieges machte ein deutscher Heger auch so ein« Probe auf den Kriegsansga'ng. Bis zur Schlacht bei Sedan ließ er jeden Abend zwei Porzellan- fignren, von denen die eine Napoleon, die andere Bismarck darstellte, mit einander raufen, lind stets gewann Napoleon. Nach Sedan ließ der Heger die Geschichte sei».— Aus Sxm Pflanzenlebeu. t. D i e Z« 6, t von Lilien unter elektrischem Lichte wird in der nmerilaiiischen Zeitschrift„Gar6en and Forest" besprochen. Die Versuche, welche mit der sogenannten Osterlilie (Lilium Harrisii) angestellt wurden. waren folgendermaßen au- geordnet: Eine beträchtliche Zahl von Zwiebeln dieser Pflanze wurden in eine Naballe gesetzt, die i» drei Abthcilnnge» gelhcilt wurde. In der ersten Rbtheilung wurden die Pflanzen des Nachls direkt von den Strahlen einer IM- verhnlllen eleklrisd>en Bogenlampe getroffen, in der zweiten Ab- theilnng mußten die Strahlen, noch«he sie die Pflanzen erreichten, durch eine Scheibe gewöhnlichen GlaseS gehen, während die dritte Abtheilnng durch dichte Borhänge gänzlich von der künstlichen Be- lenchtung ausgesperrt war. Die Zwiebeln der Lilien waren im Oklober in Töpfe gesetzt, im Dezember wurde» sie in das Beet ge- pflanzt und am I. Januar d. I. begannen die Versuche mit der elektrischen Beleuchtung, welche täglich von 5 Uhr abends bis 6 Uhr morgens dauerte. Tie Ergebnisse sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Merkliche Unterschiede zwischen den Pflanzen der drei Abtheilungen zeigten sich erst nach sechs Wochen, die belichteten Pflanzen waren länger aufgeschossen und schlanker, die nicht be- lichteten dagegen mehr untersetzt, besser proportionirt und kräftiger gewachsen, die letzteren schienen auch vor Krankheiten besser ge- schützt zu sein. Nach Bildung der Knospen zeigten sich weitere Unterschiede. Bei de» tanernd belichteten Pflanzen traten die Blüthe» früher auf, hatten aber ei» schattenhaftes, fleckiges und ver- branntes Aussehen. Die Pflanze» unter GlaS blühten 4 Tage später als die direkt von dem elektrischen Lichte gelroffene», und ihre Blülhen waren in gutem Stande und hatten eine Dauer von SV* Tagen, während die Blüthe» der erstem» Pflanze nur 9 Tage dauerten. Tie Pflanzen, die überhaupt kein elektrisches Licht empfangen hatte», blühten»vieder»och 9 Tage später als die in der zweiten Abtheilung(also 13 Tage später als die direkt belichteten), und ihre Blüthen hielten II Tage lang aus. Es geht aus diese» Ergebnissen also hervor, daß die direkten Strahlen eines Bogenlichtcs während der Nachtzeit auf die Eutivirkelung von Pflanze» in de»» Sinne einen schädlichen Einfluß aus- übe», als dieKrast des Geivächses unddie Schönheit derBluthen darunter leiden. Dieser Schaden»vird fast ganz gehoben,»venu man die Pflanzen vor der direkten Bestrahlung durch ei» Glasseniter schützt, »vobei die Amvendung des elektrischen Lichtes den Vorlheil behält, daß die Blüthen der Pflanzen früher zur Ent»vickelung kommen.— Geographisches. — Im Aprikheft des„Geogr. Journal" berichtet Coilway über feine im Sommer 1893 ausgeführte Dnrchquerung und Er- forsch» ng Spitzbergens. Die Expedition, an der sich außer den» Better Comvay's noch Dr. Gregory, Trevor-Batlye und Garivood betheiligten, landete an der Adve»t-Bai, einer Bucht des Eisfjords, von Ivo ans die Erforschung der Insel»nternommen wurde. Während Trevor-Battye und H. Conivay den Nord- sjord und die Dicksou-Bai, zwei tieie Ausbuchtungen des Eisfjords, untersuchte» und kartographisch ausnahmen, unter- nahm Comvay einen Zug in das Innere der Insel, ans dem er interessante Beobachtungen über Erosion des fließenden Wassers und über Thalbildnng anstellen konnte. Während die nördlichen und südlichen Theile Spitzbergens, mit Ausnahm« der Westküste der Wijde-Bai. größteutheils von Schnee- und Eismasse» bedeckt sind, find die Gletscher in dem Gebiet südlich von» Eisfjord im Rückzug begriffen»»id die erodirende Thätigkeit der Gletscherschmelzivässer ist hier in den verschiedenen Stadien der Entwickelung zu beobachten. Durch dieses Gebiet zog Conivay bis zur Agnrdhs- Bai a» der Ostküste und vollendete damit die erste»vest- östliche Durchquerung der Insel. Nach seiner Rückkehr zur Advent- Bai unternahm Conway mit de» übrigen Theilnehmer» der Ex- vedilion aus de»» kleinen Dampfer„Expreß" eine Küstenfahrt um die Insel, auf der Nordostland und die Sieben Inseln besucht, die Hinlopen-Straße ziveimal durchfahren und fast alle größeren Buchten Spitzdergens angelaufen wnrden. Nach Beendigung der fast 2000 Kilometer langen Fahrt besuchten Garwood und Trevor-Battye den Hornsund»»nd bestiegen dort die Hornsund-Spitzc(1390 Meter), den höchsten gemessene» Berg in Spitzbergen.— Astronomisches. ie.. Die Umdrehung des dritten I n p i t e r m o n d e s. der den Namen Ganymed trägt, ist nach einem vor einigen Tagen in Kiel eingetroffenen Telegramme aus Amerika auf der Loivell- Stern, varle scstgeftellt worden. Dieser Planet soll sich danach in einem Zeiträume von 7 Tagen 3,1 Stunden um seine Achse drehen, »vobei der mögliche Fehler ans 1.2 Stunden angenommen»vird.— Technisches. u. Als S p r e I» g n» i t t e l»vird seit einiger Zeit in England gebrannter Kalk v«r»v«»det. Das Versahreu. beruht auf der Eigenschaft d«S Kalks, wen» er mit Wasser benetzt»vird, sich be- deutend auszudehneu. Der gebraunte Kalk»vird unter Amvendung starken Drucks in Slaugensonn gepreßt und jede dieser Kalkstaugen»vird mit einem gut passende» Stahlrohr»ungebe», welches mit zablreicheu kleinen Löchern versehen ist. Nachdem nun in die zu sprengende Felsmaffe ein Bohrloch gelegt ist, wird die Kalkstange mit drm Stahlmantel in das Bohrloch eingesetzt und nunmehr, ebenfalls uuter Amvendung starken Drucks, die so gestaltete Kalkpatrone»nit Wasser umspült. Letzteres dringt durch die kleinen Löcher zum gebrannten Kalk, und sogleich dehnt sich dieser, unter lebhafter Dampf- entwickelung, so stark aus, daß eine ge>valtige Felsfprengung erfolgt.— Humoristisches. — N a s s r- e d- d i». der türkische Enlenspiegel, brachte eines TageS seinen Esel auf den Markt»md übergab ihn dem Auktionator. Dieser führte den Esel umher und pries ihn mit den Worten au: „Ein Esel, so hellfarbig, so gut gehend, ein junger, kräftiger Paßgänger!" Darauihin thate» die Kunden auch Gebote. Als der Meister sah,»vie sein Esel durch die Hervorhebung solcher Vorzüge im Kurs« stieg, sprach er: „Ei.»veini mein Esel so vortrefflich ist,»varum soll ich ihn nicht kaufen?" Und sogleich begann er, auch seinerseits zu bieten. Schließlich blieb der Esel den» Meister. Der Meister bezahlte sein Geld, nahm seine» Esel, führte ihn »ach Hause und erzählte die Geschichte seiner Frau. Nun halte seine Frau gerade au diesem Tage nach Schlagsahi-e verlangt, und»vährend sie von dem Händler Schlagsahne kaufte, halte sie mit den Worten:„Es muß»och mebr Schlagsahne darauf," das Zlrmband von ihrer Hand gezogen und heimlich auf die Seile der Waage des Händlers gelegt, auf der die Gewichte»varen. Als dem Meister seine Frau ebenfalls diese Geschichte erzählt haue, sagte der Verewigte: „Nun deuu. Weib, so»vollen»vir die Verwallung dieses Haus- ivesens in der Weise eiurichteu, daß ich von draußen arbeite und Du von iuue»."— Vermischtes vom Tage. — In Breslau hat man in der alten Oder drei Störe gc> fangen, von denen der größte 2>/« m»naß und 174 Pfund wog.— — Erhängt hat sich i» W i e s b a d e u ein Lljäyriger Bursche, weil er nickt,»vie es sein Wunsch»var, zu de» Husaren, sondern zur Fußarlillerie ansgeunrstert»vorde» ist.— — Ii» der Auitshauplmaiiuschast O e 1 s» i tz i. Vogts,»vurde:» seit 1889 22 684 Krenzolteru gefangen. Im letzten Jahre allein wurde» 3294 Stück unschädlich gemacht.— — Einen weiblichen Rechtsanwalt hat Friede- b e r g a m Q u e is niifzniveisen. Frl. Johanna Diltrich vr. zur. macht bekannt:„Nachdem ich in Zürich das Doktordiplvni rite, n»d zivar summa cum laude, erworben, habe ich mich hierselbfl im Hole!„Zum schwarze» Adler" als Rechlsauivalt iiiedergelaffen."— — I» D ü ß»i a n g. Kanton Tdnrgan, ist das oslschiveizerische Wörishofe» verkracht. Passiva: V2 Million Franks. Der Gründer war ein katholischer Pfarrer. Ein paar Dutzend„kleine Leute" sind hineingefallen.— — In den letzten Tagen wurden in der Wiener Sroßmarkt- Halle 20 000 Kilogramm verdorbenes Fieifd» konfiszirt.— — Im Theätre de la Republique zn Paris»var ein Besucher der oberen Gallerie»»ach Schluß der Vorstellung schlafend zurück- geblieben. In der Nacht siel er ins Parterre hinab und brach das Genick.— — Große Unter schleife sind in Madrid in der Teleoraphinverwaltnng entdeckt»vordcn. Die zur Bezahl», ig der Telegrmnme dienenden Marken wurden betrügerische, iveise nicht sofort dnrcbstvchen, sondern abgelöst„nd dnrd, bereits gesieinpelte, die man sich zu versckaffcn wußte, ersetzt. In Madrid wurden zwei, i» den Provinzen acht Beamte verhaftet.— — Genua. 10. Juni. Vierzig Arbeiter, welche im Kanal von Kap Martin Reparaturen vornahmen, wurden dnrch herabstürzende Felsblöcke„nd Erdreich Verschüttet. Zivei Arbeiter waren sofort tobt, 14 wnrdei, schwer verletzt und eine Anzahl wird noch vermißt. — Petersburg, 10. Juni. Wie die„Nowoje Wremja" ans Siniferopol meldet, setze» beständige Platzregen Taurien förin- Ud, unter Wasser, die Flüsse treten n»? den Usern und verheeren Felder»nd Wiesen. Dcr Schaden an Getreide ist sehr belräcktticb. Zahlreiche Mensche» sind i» den Flnthen nmgrkoninien. Bachtschisarai ist Überschweinwt, Häuser und Magazine stehen unter Wasser.— — Wahrscheinlich untergegangen ist das norwegische Walfischiang- fahrzeug„Jarlen". Es ging am 3. April von Hanges, rnd(Norwegen) nach Island, ist aber dort nicht eingetroffen.— — y. 8000 Pferde waren vor einigen Tagen auf den, Pferde- markt zn H j a l l e r» p(Antt Hjörring. Nordjülland) ausgetrieben.— — In einem Buche will ein Amerikaner die Geschichte und die Bildnisse der Millionäre in der alte» und i» der»ene» Welt bring«,,. Er wird es doch nicht„Verbrecheralbmi," be- titeln?!— — In P n e b l a(Mexiko) sind bei einer Explosion 20 Personen „ms Leben gekommen.— Die nächste Nniinner des Unterhallnngsblaltes erscheint So»»- tag, den 13. In, li._ Verantwortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.