Mnterhaltungsblatt des Worwürls Nr. 121. Mittwoch, den 23. Juni. 1897. (Nachdruck verbolen.) Cefsvine. 3� Von Jean Richepin. Uebersetzt von H. L- Eine drollige Idee, diese Häßlichkeit mit der Heurtault's in Verbindung zu bringen! Und anfangs hatte ich geglaubt, daß davon allein die Legende von Cesarinen's Bräutigam herstanunte. Aber heut, wo ich zu den„Großen" gehöre und niit den„Dlaulwürfen"— den Schülern der mathematisch- natnrwifsenschaftlichen Klassen— zu- sanimenkouime, kenne ich den anderen und ernsteren Unter- grnnd der Legende, der übrigens nicht wenig dazu beiträgt, wir Cesarine als ein außergewöhnliches Wesen erscheinen zu lasten. Der gute Heurtault, Licentiat der Philosophie steht in dem Rufe, in der Mathematik etwas los zu haben, und die „Maulwürfe" ziehen ihn bei schwierigen Aufgaben gern zn Rathe. Wenn er nun nicht im stände ist, sie zu befriedigen, hat er die Gewohnheit, in seinen Bart zu brummen: „Gut, gut, ich werde die Kleine fragen" Und am nächsten Tage bringt er die Lösung der Auf- gäbe; denn die Kleine hat noch mehr los in der Mathematik als die Kandidaten des Polytechnikums und der Normal- schule; und diese Kleine ist niemand anders als Cesarine. Hcurtanlt macht durchaus kein Geheimniß daraus, im Gegen« theil, er ergeht sich in enthusiastischen Lobeserhebnngen über Cesarine. Natürlich erhöht noch dieser Enthusiasmus Heurtault's Cesarine in unseren Augen, und sie erscheint uns als eine Art Wnnderweib, als eine Art Pascal in Unterröcken. Andere Gerüchte gehen dann noch um, die den Strahlen- kränz ihres Rubmcs erst vollenden. Nach dem, was einzelne Mistende erzählen, die bereits in das Literarische Kabinet eingedrungen sind, müßte dieses eigentlich wissen- s chastliches Kabinet heißen, oder beinahe Filiale der Akademie der Wissenschaften. Es wurde von Professoren der Sorbonne und des College de France und fremden Gelehrten besucht; und alle verlangen von Cesarine Aufschluß über gewisse Werke der höheren Mathe- matik, die sie allein geläufig zu lesen in« stände sei. Diese Bücher fehlen selbst in der kaiserlichen Bibliothek. Sie sind auch nicht französisch geschrieben. In welcher Sprache also? Man streitet über diesen Punkt, ohne sich verständigen zu können, bis uns Durost, ein alter„Manl- wurs", die Nachricht bringt, daß diese famosen Bücher ungarisch geschrieben seien. Derselbe theilte uns auch mit, daß in ihrem Viertel und besonders in einer kleinen Kneipe der Nue Cujas der Vater Cesariuens unter dem Namen „Der General" bekannt sei. Und endlich erfahren wir von Durost, daß Cesarine eine Diagnatin sei, deren Familie infolge der ungarischen Revolution von Oesterreich ruinirt und vertrieben worden sei. Ihr Vater war General der Jnsur- rektion und sein rechter Ann wäre ihm abgeschossen worden. Einzelne zweifeln daran. Aber Durost überführte sie im nächsten Augenblick durch den Augenschein. Denn als wir, von unserem Spaziergange zurückkehrend, den Pautheonplatz über- schritten, rief Durost plötzlich aus: „Da! ob ich nicht recht habe! Sebt ihn nur an!" Er zeigt uns den General in Person, und selbst die Zweifler mußten zugeben, daß der rechte Arm verstümmelt sei. „Nun?" fragte Durost mit siegesbewußter Miene, ist es etwa kein ungarischer General?" Es ist nicht zu bestreiten, das ist sicherlich ein ungarischer General. Anders hatte ich mir einen ungarischen General auch garnicht vorgestellt. Groß, dürr, sehr frisch, obwohl am Ausgange der Sechziger, hat der Vater Cesariuens mit seiner gegerbten Haut, seinen hohlen Wangen, seinen mahagonifarbenen, hervortretenden Backenknochen, dem Auge und der Nase eines Raubvogels, seinen geschwollenen und wie bernsteinfarbene Säcke herunter- hängenden Augenlidern, einem langen, weißen Schnurrbart, der wie bei einem Tiger gesträubt war, und vor allem dem Busch seiner struppigen Augenbraunen, die ihm wie ein ziveiter Schnurrbart über den Augen hingen, ein furchtbar wildes und schneidiges Aussehen. Bedeckt ist er mit einer Krimmermütze, seine Füße tragen dabei Stiefel, die seine Waden eng umschließe», und seine Beine stecken in straff an- liegenden Hosen. Militärisch bis oben herauf zugeknöpft, trägt er ein Jacket von grobem, grünem Tuch mit sehr kurzen Schößen, das fast wie ein Dolman aussieht. Die Aermelaufschläge und der Kragen sind ebenfalls mit Krimmer besetzt. Ich will ihn ganz aus der Nähe betrachten; und eines Sonntag nachmittags entlaufe ich meinem Pfleger und eile nach der kleinen Kneipe in der Rue Cujas. Ich riskire zwar dabei, daß mir einen Monat lang der Ausgang entzogen wird, aber was schadet's! Wenn ich ihn nur sehe! Meine Kühnheit wird belohnt. Der Vater CesarinenS ist da und gerade dabei, eine Partie Schach zu spielen. UebrigenS nennt ihn niemand anders als„General". Dann aber, und das ist es besonders, hat Euch dieser Teufel von Mensch eine Art, Schach zu spielen, wie sie nur ein Soldat, ein Reiter haben kann, und die den ungarischen General offenbart. Er überlegt nicht etwa lange die einzelnen Züge, indem er sich philisterhaft auf die Ellenbogen aufstützt. Er kombinirt seine Züge beim Vorwärtsgehen. Und von welcher fieberhaften Be- weglichkeit sind seine Schritte! Ich glaube jedes Mal die Sporen klirren zu hören, obwohl sie gar nicht da sind. In diesem Augenblicke tritt der Vater Heurtault ein, drückt ihm die Hand und sagt zu ihm: „Guten Tag, General." Glücklicherweise hat er mich nicht bemerkt. Zum Henker! Wie ich ihm nur entwische! Wenn er mich anzeigte! Eine» Monat keinen Ansgang! Ich bezahle meine Zeche und mache mich auf die Strümpfe. Ader nun weiß ich eS doch gewiß, daß er General ist, und ich behalte den Ruhm, Neuigkeiten und genauen Bericht über Cesarinen's Vater beigebracht zu haben. Der Ruhmeskranz Cesarinen's bereichert sich um neue Strahlen, und plötzlich werde ich etwas verliebt in Cesarine. Um die Wahrheit zu sagen, sind wir alle mehr oder weniger in sie verliebt. Aber niemand von uns ist es mehr als mein Freund Paul v. Roncieux. Da er mich zum Ver- trauten gemacht hat, übersehe ich seinen Fall sehr klar, zumal ich mich der Philosophie widme und mich mit Vorliebe als Psychologen ausspiele. Der Fall ist übrigens nicht schwer zu beleuchten. Zunächst ist Paul de Roncieux ganz versessen auf die Mathemalik, er hat sich mit wahrer Wuth auf sie gestürzt. Er geht in ihr aus, wie in einer wilden Ausschweifung, wie wenn er sich an ihr zu Tode arbeiten wollte. Nun, und ist Cesarine nicht die Muse der Mathematik? Das ist der erste und durchschlagendste Grund, weshalb er von Liebe zu diesem Mädchen ergriffen ist. Außerdem aber bringt der arme Bursche infolge seiner schwächlichen Gesundheit und sicher auch wegen seiner Exzesse in der Arbeit einen großen Theil seiner Zeit in der Krankenstube zu, und hier regt er sich uatürlich an dem Enthusiasmus Heurtault's aus. Er erblickt übrigens Cesarine ausschließlich mit den Augen seines und unseres Enthusiasmusses, und er hat gar keine Hoffnung, sie je in Wirklichkeit kennen zu lernen; denn er geht nie aus, weil er keinen Pfleger besitzt und weil ihm warme Bäder durch ausdrücklichen Befehl des Arztes verboten sind. Ihm mußte daher mehr als alle» anderen Cesarine als sagenhaftes und übernatürliches Wesen erscheinen. Er hält sie auch für unglücklich, weil sie verbannt und ruinirt ist; er weiß, daß sie ein leidendes Aussehen hat, und daß sie das Opfer ihres Geschickes ist, das ist ein Stachel mehr für ihn, sie zn lieben, für ihn, den das Lebe» selbst als Opfer- lamm behandelt hat, und wie hart! Jn der That! Das schlimmste der Loose ist ihm zugefallen: Das Unglück, ein zärtliches Herz voll tiefen Liebesbedürsnisses zu besitzen— vor dem sich aber alle fremden Herzen verschließen. Er hal mir oft anvertraut, daß meine Neigung die erste und einzige sei, die die seine erwidert habe. Wir Hungens, selbst die besten und intelligentesten, sind ihm wegen seines melancholische» einsiedlerischen Wesens, das man als Zeichen wegwerfender Feindseligkeit auffaßt, abgeneigt. Weil er schweigsam ist, gilt er für heimtückisch. Weil er sich mit Vorliebe abseits hält, beläßt man ihn in seiner Zurückgezogenheit und hält ihn fast in Quarantäne. Man vergißt, daß sein Hang zur Einsam» keit und Einsiedelei seinen Grund in den schrecklichen Quälereien hat, denen er in den untersten Klassen ausgesetzt gewesen; lange Zeit hatte er als Sündenbock gedient, weil er bei allen Spielen schwächlich, furchtsam und linkisch war. Erleidet — 482— unter diesem Haß, aber er erwidert ihn nicht. Er ist kann» darüber erstaunt; denn ach! so beklagte er sich einst schmerzlich bei mir, seine eigene Familie habe ihn im voraus für die Verfolgungen in der Schule abgehärtet. Seine Mutter war gestorben, als er zwei Jahre alt war, und er erinnert sich mit Bitterkeit an die Verlassenheit, an die Trost- losigkeit und die Martern seiner Kindheit, die er unter seiner bösen Stiefmutter, die verbittert war, weil sie unfruchtbar blieb, und seinem Vater verlebt hatte... Oh sein Vater, dieser Vater! Er war in Wirklichkeit das einzige Wesen, gegen das seine so zärtliche Seele so etwas wie Abneigung empfand. „Daß meine Stiefmutter mich verabscheut," sagte er, »das verstehe ich. Sie bleibt da in ihrer Rolle. Aber mein Vater, mein Vater, daß er mich nicht liebt...!" Wenn er davon sprach, hatte er die Augen voll Wasser. Dann fügte er rcsignirt hinzu, und etwas Zorn mischte sich in seine Traurigkeit: „Wie sollte er mich auch lieben! Wir haben so sehr ent gegcngesetzte Charaktere, und ich sehe so wenig nach seinem Sohne ans! Wenn Tu ihn kennen würdest, diesen Mann' Eine richtige Bulldogge!" (Fortsetzung folgt.) Ders UVekkev und sernv Voutzerfuge. Wie schön wäre es doch, wenn man das Wetter auch nur niit einiger Sicherheit vorher verkünden könnte. Da haben unsere Ge- lehrten herausgebracht, was am Himmel vor sich gehen wird; sie können uns bis auf Bruchtheile von Sekunden angeben, wann und wo die Sonne und der Mond verfinftert erscheinen werden, wann und wo man den Vorübergang der kleinen Scheibe der Venus an der große» der Sonne beobachten kann und andere höchst interessante und auch sehr nützliche Dinge. Was uns aber näher liegt, die Frage, ob wir morgen schönes oder regnerisches Wetter haben werde», das können sie uns noch immer nicht bc- antworten, obwohl das Wetter und die dasselbe bedingenden Elemente doch auf der Erde und nicht in den fernen Himmelsräuinen zu suchen sind. � Ja, gerade in diesen» letzten Punkt liegt die Schwierigkeit. Würde die Stellung der Sonne und des Mondes von entscheidendem Einflüsse auf das Wetter sein, so würde mau dasselbe viel genauer berechnen könne», als es in Wirklichkeit der Fall ist. Es giebt übrigens Propheten, die dem Monde einen entscheidenden Einfluß zuschreiben und das Wetter daher auf lange Zeil voransbestimmen. Noch bequemere Wetterpropheten sind die Barometer. An den meisten dieser Instrumente befinden sich die Wilternngsangaben: »Beständig, Schön, Veränderlich, Regen, Sturm", so daß man nur nöthig hat, nach dem Barometer zu sehen, um das kommende Wetter zu kennen. Hat einen dies sehr oft getäuscht, so achtet nian wohl auf die Witterungsangabcn nicht mehr, wohl aber darauf, ob das Baro- meter steigt oder fällt, und die Regel:„Bei steigendem Barometer wird das Wetter schön, bei fallenden» schlecht,"»vird jedenfalls nicht ganz so oft täuschen, als die an dein Instrument stehende An- gäbe. Dies führt uns auf die Frage,»vie das Steigen und Fallen des Barometers zu stände kommt, und»velchen Zusammenhang dasselbe mit den» Wetter hat? Das Baroineter besteht aus einer langen mit Quecksilber gefüllten Röhre, die an ihrem oberen Ende geschlossen ist und mit ihrem unteren offene» Ende in ein offenes»nit Queck- silber gefülltes Gefäß taucht oder nach oben umgebogen ist. Auf dieses offene Ende»virkt die Luft durch ihre Schivere und hält der Last des Quecksilbers in der Röhre das Gleicbgeivicht; ungefähr 760 Millimeter hoch steht das Quecksilber in der Röhre, so daß also der Luftdruck durch das Geivicht einer Quecksilbersäule von dieser Höhe gemessen ist. Nun ist aber die Luft in beständiger Beivegnng, und infolge dessen schivankt auch der Druck, de» sie an einer be- sliinniten Stelle ausübt;»vird er größer, so»vird das Quecksilber in die Höhe gedrückt, das Barometer steigt; sinkt er, so fällt auch das Quecksilber in» Barometer. Wodurch kommen nun die Schivankuugcn des Luftdrucks zu stände? Es ist eine bekannte Erfahrung, daß warme Luft leichter ist, als kalte, und daher in die Höhe steigt; so heizen sich hohe Zimmer nur sckuver, da die crivärmte Luft»ach der Decke steigt und es am Fußboden kalt bleibt. Oeffnet man im Winter eine Thür, so zieht die ivarme Luft an, oberen Ende aus den» Zimmer, während kalte »nlen hineinströmt; man bemerkt das sehr gut,»venn man ei» brennendes Licht in die geöffnete Spalte bringt; oben wird die Flamme nach außen geweht,»vährend sie. falls sich das Licht am unteren Ende befindet, ins Zimmer hinein geivebt wird. Ist nun über einem größere» Ländergebiet aus irgend welchen Ursachen, vornehmlich durch die Slrahlnng der Sonne, die Luft erheblich erivärmt, so steigt sie daher in die Höhe; der aufsteigende Luftstrom fließt in der Höhe aber seitlich ab, so daß der Luftdruck erheblich vermindert wird, das Barometer also fällt. Nun kühlen sich die aufsteigenden Luftmaffen allmälig ab und verlieren dadurch die Fähigkeit, Wasserdampf in sich zu enthalten. Je»värmer ein Lnftquantun» ist, um so mehr Wasserdampf kann es enthalten; deutlich ist dies in» Winter zu erkennen,»venu man z. B. mit einer Brille von der kalte» Straße in das»varme Zimmer tritt; die Lust, welche die Gläser berührt, kühlt sich so erheblich ab, daß sie ihren Wasserdampf nicht behalten kann, sondern ihn in der Form eines feuchten Ueberznges an den Gläsern niederschlägt. Auch die Eisblumen au den Fenstern, die bekanntlich nicht auf der nach dem Freien, sondern auf der nach dem»varmen Zimmer zu gelegenen Seite entstehen, sind ebenso zu erklären; die Scheiben, die von der kalten Straßenlust berührt»verde», sind erheblich kälter, als die Luft im Zimmer. Wo nun die Zimmerluft die Scheiben berührt, kühlt sie sich ab und muß die in ihr ent- haltene Feuchtigkeit auf die Scheiben niederschlagen,»vo sie zu Eis gefriert. So wird also auch in» allgeineinen der aufsteigende Luft- ström, der das Sinken des Barometers veranlaßt, sich abkühlen und die in der Lust enthaltene Feuchtigkeit»vird sich zu Wasser- dampf kondeusiren, der in der Form von Wolken sichtbar »vird. Denn die Wolken sind»veiter nichts, als ii» der Luft schwebende Wasserpartikelchen, die bei weiterer Abkühlung sich zu Wassertropsen verdichten und als Regen oder je»ach den Tempe- ralnrverhältnisse» auch i» gefrorene»» Zustande als Schneeflocken, oder Hagelkörner zur Erde falle». Der Grund für das Eintreten fchlechien Wetters bei sinkendem Barometer liegt also in der Kon- denstruug der in der Luft cuthaltenei» Feuchtigkeit bei der Abkühlung. Daher»vird sofort klar, daß diele Regel nicht inimer zutreffe» kann; denn»venn die Luft sehr trocken ist, sehr iveiiig Wasserdampf enthält, so kann sie sich ganz erheblich abkühlen, ohne daß eine Wolken» bildung stattfindet. Das Wetter kann also trotz sinkenden Baro- Meters sehr schön bleiben. Uingekehrl»vird das Steigen des Barometers häufig durch eine Abkühlung der Erdoberfläche, z. B. durch eine starke Ausstrahlung gegen den klaren Nachthimmel veranlaßt. Die sich abkühlende Lust zieht sich zusammen, nimmt einen kleineren Raum ein; mithin strömt in der Höhe von allen Seite» Luft zu, die den Luftdruck vermehrt. Die dadurch entstehenden absteigende» Lufiströme sind oft im stand?. bei ihrer Erivärniung in de» unteren Regionen große Mengen vo» Wasserdampf aufzulösen, so daß klares, schönes Weiler entsteht. Doch sieht»»an, daß es auch hier ganz außer- ordentlich von den» Feuchtigkeitsgehalt der Lust abhängt, was für Welter entstehen wird. Ueberhaupt ist ja das Welter garnichts anderes, als der gerade herrschende Zustand der Lust;»vir haben nicht etiva deswegen z. B. eine» kalten Frühling,»veil unsere Gegend »veniger stark von der Sonne erivärmt wird, als in anderen Jahren, sondern lediglich deswegen,»veil kältere Winde wehen, und ivenn- sie uns Feuchtigkeit bringen, so haben»vir auch einen nassen Frühling. Das Wetter ändert sich fortivährend,»veil sich der Zustand der Luft durch ihre beständige Bewegung, durch die Winde, fortdauernd ändert. Will»»all also etivas über die Ursache» des Wetters er» fahre»»,— und dies ist zur Wetterprophezeinng doch»öthig,— so muß man in erster Linie die Entstehung der Winde betrachlen und über ihr regelmäßiges oder»»»»regelmäßiges Wehen etivas zu er- gründe» suchen. � Die vorneh»»lichste Ursache für die andauernde Beivegnng in unserer Atmosphäre ist in der verschiedenen Bestrahlung zu suchen, die die verschiedenen Theile der Erdoberfläche durch die Sonne er- fahren. Ueber den» Aequator und de»» ihm benachbarten Gebieten brennt die Sonne mit sengender Glulh,»vährend die Polargcgenden die Sonnenstrahlen in sehr schräger Richtung empfange» und daher selbst im Sommer nur»venig erivärmt»Verden. Infolge dessen»vird ich die Lust an» Aequator beständig erwärmen»ind in die Höhe steigen, an den Pole» ebenso beständig sich abkühlen und zusammenziehen. Der »varme Luftstron»»vird vom Aequator in der Höhe nach den Polen abströme»,»vährend von dort au der Oberfläche der Erde dauernd ein kalter Luftstron» dem Aequator sich zuivenden»vird. Auf der nördlichen Halbkugel»vürdeu»vir aber unter dem Einfluß der Sonueustrahluug in den höheren Schichte» der Atmosphäre dauernd eine»»varmen Südwind, an der Oberfläche der Erde einei» kallen Nordwind wahrnehmen. Dieses Resultat»vird durch die Axendrehung der Erde etivas zeändcrt. Die Atmosphäre nimmt ja an der Axendrehung theil, 'odaß die Luft an» Aequator in sehr starker Bewegung von Westen nach Osten begriffe» ist, während die au den Polen befindliche ruht. Die letztere»vird daher, auf ihrem Wege nach Süden über Länder fortschreitend, die sich nach Osten bewegen, Zurückbleiben und aus östlicher Richtung»vehen, so daß statt des Nordwindes ein Nordost vorherrschen wird, die vom Aequator nach den» Pol ströinende Luft den unter ihr befindliche» Ländern und Meeren vorauseilen und sich in einen aus Südivcsten»vehenden Wind verivaudeln. In unseren Gegenden sind nun die Witterungsverhältnisse vor allen» deswegen so außerorde>»tlich wechselnd,»veil der in der Höhe wehende Südivestwind und der an der Erdoberfläche i» umgekehrter Richtung ziehende Nordost in unserer Breite, die etwa auf der Mitte zwischen Pol und Aequator liegt, sich an» meisten durch- dringen. Der Nordost, der über»veite»vasserarme Gegenden geweht hat»md daher nur»venig Wasserdainpf mit sich führt, bringt uns schönes Wetter bei hellen» Sonnenschein; diese Witterung ist aber bei uns nicht die regelmäßige, weil der warme Lnftstrom auf weiten Strecken nach unten dringt, die Oberfläche der Erde berührt und den kalten Nordost verdrängt. Da er von» Atlantischen Ozean zu uns kommt, so hat er sich niit Wasserdampf gesättigt, und bei geringer Abkühlung schlägt sich das Wasser nieder; die Südost» und Westwinde bringen uns raher häufig den tagelangen eintönigen Landregen, bei dein das Wasser schrer unaufhörlich von dein grauen Himmel herabrieselt. Haben wir nun Anhaltspunkte, zufolge deren wir ermitteln können, ans welcher Richtung morgen der Wind wehen wird, ob wir daher klaren oder bedeckten Himmel, Sonnenschein oder Regen zu erwarten haben? Man sieht sofort, daß die Beantwortnng dieser Frage schon deshalb sehr schwierig sein muß, weil der bei uns heute herrschende Wind keine Folge unseres gestrige» Wetters ist, sondern aus dem Zusammenwirken der Winde, also des Wetters in allen Gegenden entsteht, die im weiten Umkreise von mindestens 100 Meilen um uns herum liegen; ebenso entsteht Wind und Wetter, das wir morgen haben werden, nicht bei uns, sondern aus den Winden, die heute im hundertmeiligen Umkreise herrschen. Schon daraus geht hervor, daß man an eine Vorherbestimmung des Wetters nicht denken kann, wenn man nicht mit einem Blicks das Wetter in einer sehr großen Anzahl von Orten, die über ein großes Gebiet vertheilt sind, übersehen kann. Vor der Erfindung und"Vervollkommnung der elektrischen Telegraphen war dies ganz unmöglich; daher ist es nicht wunderbar, daß die wissenschaftliche Wetterprophezeiung kaum ein Menschenaller all ist. Sie konnte eine feste Grundlage ja erst erhalten, seit man begann, Europa mit einem Netz meteorologischer Stationen zu überziehen, die in beständigem telegraphischen Verkehr mit einander sich gegenseitig alle Faktoren, die das Wetter bedingen, den herrschenden Luftdruck, den Wind und seine Stärke, die Temperatur, den Feuchtigkeitsgehalt der Lust, den Beivölkungszustand des Himmels:c. mitlheilen. Alle Nationen Europa'» haben solche Stationen errichtet, so daß man auf jeder derselben über das in ganz Europa herrschende Wetter jederzeit unterrichtet ist. Indem man i» einer Karte Europa's die Orte, an denen der Luftdruck derselbe ist, durch Linien verbindet, die so« genannten Isobaren, indem man ferner an jedem Ort durch einen Pfeil die Richtung und Stärke des Windes angiebt, außerdem durch bestimmte Zeichen den Grad der Bewölkung einträgt, erhält man eine Wetterkarte, die dem Kundigen mit einem einzigen Blick eine Uebersicht über die Wetterlage in ganz Europa gestallet. Nu» fragt es sich aber, ob solche Wetterkarten auch einen Schluß darüber gestatten, wie sich für ein bestimmtes, nicht zu großes Gebiet, z. B. für Berlin und seine Umgebung, die Witterung in der nächsten Zukunft, etwa in den nächsten 24 Stunden, gestalten wird? Das ist allerdings der Fall; denn die Winde befolgen in ihrem Gange ganz bestimmte Regeln. Wo der Luftdruck gering ist, wo also ein barometrisches Minimum herrscht, auf den Welterkarten durch das Wort„Ties" bezeichnet, da fließt oben die Lust nach allen Seiten ab; unten au der Erdoberfiäche strömt daher Luft von allen Seiten zu; doch werden die Winde durch die Drehung der Erde in ihrer Richtung beeinflußt, so daß sie sich nicht im Zentrum des Minimums treffen, sondern dasselbe umkreisen, und zwar wird ein barometrisches Minimum von den Winden stets im umgekehrten Sinne des Uhrzeigers umkreist. Vergleicht man nun die in regel- mäßigen Zeitabschnitten, etwa in Zwischenräumen von 24 Stunden hergestellten Wetterkarten mit einander, so bemerkt mau, daß die barometrischen Minima, also die Stellen niedrigsten Luftdruckes, ihre» Ort verändern, und zwar ziehen sie in bestimmte» Richtungen; meistens wandern sie in östlicher und nordöstlicher Richtung. Man erkennt, daß die Wanderung des Minimums auch die Aende- rung des Windes bedingt, und daß man unter Berücksichtigung auch der übrigen bestimmenden Faktoren eine in den meisten Fällen richtige Voraussage wird machen könne». Besonders wichtig sind unter diesen die„Sturmwarnungen-, welche die Hamburger See- warte zuweilen an alle Küstenstationen erläßt, und die schon viel Unheil verhütet haben, indem die Schiffe den kommenden Sturm im sicheren Hafen abwarteten. Für den Landmann ungleich wichtiger würde freilich eine Wetter- vorhersage für längere Zeiten sein, wie sie in unsere» Gegenden der Wissenschast bisher leider nicht möglich ist.— Lt. Vleinvs FeuiUrkon. � Weitere Beobachtuuac» über die Eigenschaften der X-Strahlcu veröffentlichtProf. Röntgen in den Berichten derBerliner Akademie der Wissenschaften. Er reiht darin die neuere» Ergebnisse seiner Studien über die X- Strahle» zwanglos aneinander. Die erste Mittheilung betrifft die Feststellung, daß die Luft, während sie bestrahlt wird,»ach alle» Richtungen hin X-Strahlen aussendet. Würde uiiser Auge für die X-Strahlen ebenso empfindlich sein, wie für Lichtstrahlen, so würde ein in Thätigkeit gesetzler Ent- ladungsapparat uns erscheinen ähnlich wie ein in einem mit Tabak- rauch gleichmäßig gefüllten Zimmer brennendes Licht. Bei den Ar- beilcn mit X-Strahlen muß mit dieser Eigenschaft der Röntgen- Strahlen gerechnet werden. Sodann giebt Rölitgen von einer Vorkehrung Nachricht, die er zur Messung der Intensität der Strahlung zweier Entladungsröhren gebildet. Er nennt die Vorkehrung in Uebereinstimmung mit einer üblichen Bezeichnung aus der Lehre vom Lichte Photomeler. Wichtig ferner ist die Feststellung Rönlgen's, daß die Intensität von einer und derselben Röhre ge- lieferte» Strahlen von verschiedenen Umständen abhängig ist. Im Anschluß daran theilt Röntgen praktisch Wichtiges über„weiche" und„harte" Röntgen-Röhre» mit. Die Anschauungen über das Wesen der Röntgen-Strahlen nach dem heutigen Stande des Wissens faßt Röntgen dahin zusammen: a) Die von einem Entladnngs« apparate ausgehende Strahlung besteht aus einem Gemisch von Strahlen verschiedener Absorbirbarkeit und Intensität, b) Die Zu- sammensetznng dieses Gemisches ist wesentlich von dem zeitlichen Verlauf des Entladungsstromes abhängig, c) Die bei der Absorp- tio» von den Körpern bevorzugten Strahlen sind für die ver- schiedenen Körper verschieden, ä) Da die X-Strahlen durch die Kathodenstrahlen entstehen und beide gemeinsame Eigenschaften haben — Fluorescenzerzeugung, photographische und elektrische Wirkungen. eine Absorbirbarkeit, deren Größe wesentlich durch die Dichte der durchstrahlten Medien bedingt ist u. s. w.—, so liegt die Vermuthung nahe, daß beide Erscheinungen Vorgänge derselben Natur sind. Zum Schlüsse kommt Röntgen auf die Sichtbarkeit der X-Strahlen zu spreche». Er sagt darüber:„Die von G. Brandes beobachtete Thalsache, daß die X-Strahlen in der Netzhaut des Auges einen Lichtreiz auslösen können, habe ich bestätigt gefunden. Auch in meinem Beobachtungsjournal steht eine Notiz aus dem Ansang des Monats November 1S9S, wonach ich in einem ganz verdunkelten Zimmer nahe an einer hölzernen Thür, auf deren Außenseite eine Hittorf'sche Röhre befestigt war, eine schwache Lichlcrscheinung, die sich über das ganze Gesichtsfeld ausdehnte, wahrnahm, wenn Entladungen durch die Siöhre geschickt wurden. Da ich diese Erscheinung nur einmal beobachtete, hielt ich sie für eine subjektive, und daß ich sie nicht wiederholt sah, liegt daran, daß später statt der Hittors'schen Röhre andere, weniger evacuirte und nicht mit Platinanode versebene Apparate zur Verwendung kamen. Mit den jetzt in Gebrauch befindliche», harten Röhren läßt sich der Brandessche Versuch leicht wiederholen.— — Russische Bettlerdörfer. Im Gouvernement Pensa cxistiren ganze Dörfer, deren Bewohner sich speziell mit dem Betteln beschäftigen. Die Dörfer Siuowka, Schandas und Durassowka ent- senden fast ihre gesammte männliche Bevölkerung zum Almosen- sammeln. Hunderte von Bauern aus diesen Dörfern treiben sich in ganz Rußland umher und leben von Almosen, während die Weiber, so gut sie können, zu Haufe die Wirthschast besorgen. Diese Bettler- Partien erwählen aus ihrer Mitte einen Aeltcste» und ergänzen ihre Partien häufig durch angemiclhete Bettler, denen sie 2 Rubel monatlich zahlen und welche einer strengen Kontrolle unterliegen. Die Einnahmen eines erfahrenen Bettlers beziffern sich auf 1? bis 20 Rubel monatlich, von welcher Summe ein Theil in die Hetinath geschickt wird zur Entrichtung der Abgaben und Steuern. Diese Bettlerdörser zeichnen sich übrigens durch einen gewisse» Wohlstand aus; auf den Feldern sieht man Getreidehanfcn, auf den Höfen Vieh. Ten örtliche» Behörden ist das Treiben der männlichen Bevölkerung der genannten Dörfer allerdings kein Geheimniß, sie drücke» jedoch ein Auge zu, da die Stenern ohne Rückstände einfiieße», und das scheint in den Auge» der Lokalbehörden die Hauptsache zu sein.— Literarisches. n. R. von S e y d l i tz:„ I n Licht und Sonne". Novellen. Berlin 1307. R. Fontane u. Co.— Die fünf lltovellen sind von sehr ungleichem Werthe. Die erste,„Porto Feiice", ge- hört überhaupt nicht in die kleine Sammlung. Sie ist nichts weiter als einer jener täglich zu Dutzenden in die Welt gesetzten Schwänke im Reporterstil, deren künstlerischer Werth gleich Null ist. und die ihre Daseinsberechtigung von einigen gewaltsam herbeigeführten Verwickelungen und Entwirrungen her- leiten. In ihrer ersten Hälfte künstlerisch gelungen ist die zweite Novelle,„Die Braut des Empedokles". Der letzte Theil sinkt jedoch fast wieder auf das Niveau von„Porto Felice" herab. Im ganzen gleichmäßiger ist„Kujundschik" gearbeitet, die dritte der kleine» Geschichten, eine farbenreiche Orientphantasie. Erst die letzte» beiden Erzählungen.„Blind" und„Die letzte Nelke", beweise», daß der Verfasser literarisch werthvolles zu schaffen vermag. Der ernste Inhalt bietet ihm weniger Gelegenheit, in den allzu burschikosen Erzählerton zu versallen, der sich sonst vielfach störend bemerkbar macht.— Musik. — Die weltberühmte Pariser Gesangslehrerin Frau M a r ch c s i geht nach Amerika, um dort während sechs Monaten ihre Methode den Sangeslehrern beizubringen. Sje empfängt dafür pro Monat SO 000 Franks, für das halbe Jahr also 300 000. Außerdem werden ihr während ihres Aufenthaltes i» Amerika Wohnung, Wagen u. f. w. von de» Unternehmern gestellt. Ihre Tochter, Fräulein Blanche Marchesi, geht mit ihr und wird in New-Iork einige Konzerte geben.— Kunst. — Um Entwürfe für den U nr b a u eines R a t h h a u s e s zu erlangen, hatte der Stadtrath von Leipzig ein P r e i s a u s- schreiben veranstaltet. S1 Arbeiten waren eingegangen. Es wurden ausgezeichnet: Der Entwurf des Stadtbauralhs Professor Licht mit dem ersten Preise; die Entwürfe des Regierungs- baumeisters S t a w s k y in Karlsruhe und illrchitekten I e» n e n in München mit dem zweiten, der ÄIrchitekten S p a n n a g e l und Wünsch er, beide i» München, mit dem dritten. Franz Mendt in Stettin mit dem vierten und Max F r i t s ch e- Frankfurt a. M. mit dem fünfte» Preise. Zum Ankauf empfohlen wurden außerdem die Projekte vom Regierungsbauführer Hausmann, Architekten Richard Waller und Gustav Hildebrand, sämmtlich in Charlottenburg, Hans Freude in Bunzlan und Hermann Billing in Karlsruhe. Der mit dem vierten Preise(3000 M.( ausgezeichnete Franz Mendt ist ei» junger Mann von 24 Jnkire» und derzeit Slndirender an der techmsche» Hochschule in Char- loltenburg.— Völkerkunde. — Ueber den Ursprung der Egypter sprach i» der lehten Sitzung der Berliner anthropologischen Gesellschaft Professor Georg Schweinfurth. Die merkwürdigen Gräberfunde in der lybischen Wüste, durch I. de Morgan, Flinders Petrie n»d Amslinea» namentlich des letzteren Auffindung einer Fener-Nekropole bei Abydos und de Morgan's Entdeckung eines„Köiügsgrabes" im Nordwesten von Negada haben die Thatsache erwiesen, daß der uns bis jetzt bekannten uralten egyptischen Kultur, deren historische Zeugnisse in der Grabstätte der dritten Dynastie bis etwa 4000 v. Chr. zurückgehen, noch zwei, vielleicht drei ältere Kulturperioden vorangegangen sind, aus denen bereits hervor- ragende, von den egyptischen völlig abweichende Kunstleistnngen vorliegen. Prof. Schweinfurlh schließt sich den Meinungen der französischen Forscher a». daß Egypten eine hamitische, von Süden eingedrungene Urbevölkerung besaß, welche den in Egypten unbekannten Elephanten und Strauß und de» Esel mitbrachte, daß diese Urbevölkerung, deren letzte Reste als„Ababdes" oder„Beschärin" noch heute in den Grenzgebirgen am Rothen Meer anzulressen sind, durch aus Damen in Südarabien eindringende semitische Eroberer unterjocht und daß letztere wieder etwa um 5000 v. Chr. einem von NO einwandernden Mischvolk a»S semitischen und indogermanischen Elementen zum Opfer fiele». Dem letzteren ist die Begründung der spezifisch egyptischen Kultur zuzuschreiben; aber seine Vorgänger mußten bereits eine hohe Eutwickelungs- stufe erreicht haben, als sie den Eindringlingen in» Norden das Feld zu räumen gezivungen wltrden. Die in ihren Gräbern aufgefimdenen Kunstprodukte aus Stein und Thon vornehmlich, doch auch aus Bronze und Gold, zeigen ein eigenthümliches Gepräge, das voin historischen egyptischen Styl ganz ab»veicht. Die vorgeschicht- lichen Ornamente zeigen eine Vorliebe zum heraldischen Gestalten der Naturkörper,»vorin sich eine Analogie zu den griechischen Kunstprodukteu findet. Die häufig vorkommenden geometrischen formen lasse» darauf schließen, daß die Hauptkimstthätigkeit im lechten und Weben bestanden habe. Diese Formen sind von den europäischen sehr verschieden und schließen sich eng an die orientalischen an. Der Vortragende erläuterte an einer aufgehängten Zeichnung die sehr merkivürdige heraldische Gestaltung des Pflanzen- Wuchses, z. B. den einer AloS, dem Zeichen des Südens entsprechend. Menschliche Figuren, Tänzerinne» darstellend, in gleicher Weise stilisirt, zeigen«inen entschiedenen Gegensatz zu den egyptischen dadurch, daß sie eine Taille haben. Ein fernerer Gegensatz tritt auf bei der Dar- stellung von Thieren, z. B. Krokodilen von oben gesehen, während das historische Egypten alles im Profil darstellte, Thiere»verde» in sehr charakteristische» bogigen Linien dargestellt. Auf den Krügen waren»neist Stadtwappen gezeichnet. Einige räthselhafte Figuren wurden alS ausgespannte Thierhäute oder Segel angesprocheu.— Physiologisches. »Die physiologische Rolle der Ohrmuschel hat bereits viele Physiker und Physiologen beschäftigt, ohne daß darüber ein volles Einverständniß erzielt worden wäre. Die meiste» betrachteten das äußere Ohr als eine Art Hörrohr,»velches die Töne ailffängt, andere»vollten gar keinen Niltzen finden und behaupteten, ein Mensch, dem die Ohnnuscheln»veggeschnitten seien, höre ebenso gut»vie vorher. Savard hielt die Ohrmuscheln für eine vibrirende Membran und schrieb ihre» Fallen und Windungen den Vortheil zu, daß dadurch alle Schalllvellc» wenigstens an einer Stelle senkrecht auftreffen»vürden. Herr Fere hat nun der Pariser Biologischen Gesellschaft neue Studien vorgelegt, bei denen er eine schwingende Stimmgabel in einer nlit der Ohrmuschel parallelen Ebene beivegte. Dabei traten alsbald Verstärkungen lind Schivächungen des Tones hervor, von denen die erster«» den Windungen, die anderen den hervortretenden Leisten entsprachen. Bei schlecht ge- sormten Ohre» ließ sich schließen, daß sich mit der Veränderung der Fallen auch die Aufnahme der Töne veränderte. Es»vird daran erinnert, daß die Beiveglichkeit des äußere» Ohres bei seii»hörigen Thieren auf die Wichtigkeit der Ohrnnischel sür die Aufnahme schivacher und undeutlicher Geräusche hindeutet.—(Cosmos.) Technische?. fe. Ueber die A u s f ü h r» u g des S i m p l o n- Tunnels, der der längste Tunnel der Welt zu»verde»» bestimmt ist, erfahren wir folgende Einzelheiten. Pläne zu einem solchen Tunnel»vurden schon seit dem Jahre 1SS7 verschiedentlich ent- wor'en, aber erst die Verhairdlungen zivischen der Schwei, und Italien auf grund des von der Jura-Siinplon-Gesellschaft vorgelegten Projekts, haben das geivaltige Unternehme» gesichert. Der Tunnel»vird eine eingeleisige Bahn enthalte» und 19 731 Meter lang fein. Das eigenartige an diesem Bau ist die Herstellung eines doppelten Tunnels,»vobei jedoch vorlä»>fig nur einer zur direkte» Benutzung loinmen soll. Diese zivei Tunnils»verde,,»nil einem Ab- stände von 17 Metern von Achse zu Achse gestoßen, werde» zu gleicher Zeit gebohrt und alle 200 Meter durch eine Quergallerie mit «iuauder verbunden. Vorläufig wird,»vie gesagt, nur der eine Tunnel so erivetkert, daß er ein Geleise aufnehmen kann,»vährend der andere »ur zur Ventilation dient. Die Arbeiten müssen in N/t Iahren vollendet fein, die Kosten»verde»» auf 75 Millionen Franks veranschlagt. Abgesehen davon, baß der Simplon Tunnel so»voht den Tunnel durch den St. Gotthard(14 984 Meter), als den durch den Moni Cenis(12 349 Meter), au Länge bedeutend übertreffe»»vird, so ist er auch derjenige Tunnel, der die geringste Höhe über dem Meere besitzt, fodaß er den Eisenbahnzügen eiu« größere Fahr- geschivindigkeit gestalten»vird. Die größte Höhe erreicht der Tunnel in 798 Meter,»väbrend dieselbe beim Gotthard in 11öS Meter, beim Moni Cenis in 129S und beim Arlberger-Tunnel sogar in 1311 Meter Meereshöhe liegt.— Hnniovistisches. — Aus der Schule. Ein Mädchen schrieb folgenden Ans- sah über den Teich:„Ein Teich ist eine kleine Wasserlandsibaft, welche das Gegentheil einer Insel bildet. I» deniselbe» lebe» Fische, Krebse, Würnrer, Schilfrohr, Enten»nid Gänse, und beim Bade»» sogar Menschen. Ist der Teich groß, so heißt er See. beispielsiveise Ostsee. Ist er salzig, nennt»nau ihn Meer. Ist er saner, heißt er Sauerteig. Ist ein Teich so groß»vie ein Waschfaß,»vird er Pfütze genannt und»vird»ur von Kindern benutzt. Liegt er in der Nähe von Menschenwohnnuge»,»vird er zum Wasche». Kochen, Bleichen und zur Wieseniväfferung benutzt. In» Winter fährt man ihn thcil- weise in den Eiskeller.... zur beliebigen Benutzung im So>»i»er. Will ma» einen Teich backen und genießen, so schreibt man ihn hinten mit einem g."— — Z e i» g i n D o r a. Eine drollige Geschichte erzählt das „Nene Wiener Tageblatt" aus den» Gcrichtssaal des Bezirksgerichts Mariahilf. Adjunkt Edler v. Wirth schreitet zur Beeidigung eines Zeugen»nosaischer Konfession und sagt zu den» Justizsoldale», der gerade die Stelle des Gerichtsdieners vertritt:„Bringe» Sie die Thora l" Der Soldat salntirt, macht„Kehrt Euch," begiebt sich aitf den 5korridor und ruft:„Dora, Dorn!" Als»»irmand antivortet, erscheint er»vieder in, Gerichtssaale und»neldet stramn»:„Bitte, Zeugin Dora ist nicht erschienen!" Vermischtes vorn Tage. — In N i k o l st a d t bei Wahlstadt in Schlesien läßt ein Guts- befitzer gegenivärtig einen Schacht anlegen, uu> uach Gold zu grabe». Bis zur Mongolenschlacht bestanden in dieser Gegend Gold- bergiverke.— — In B o» n ist der Professor der Philosophie Dr. I ü r g e u Bona Meyer geslorben.— — In der Nacht zum Montag kaln es in Münch«»» vor der Kaserne der schivere» Reiter zu einem großen Tiiinult. Der»vacht- habende Uuterosfizicr machte eine» ohne Zertifikat beimkehrende» Soldaten herunter. Zivilisten»nischten sich drein. Auf die Zivilisten »vurde aus der Kaserne Wasser herabgegossen. Rasch saniuielteu sich eine Menge Leute, der Kraivall»var fertig. 14 Zivilisten»vurden von der Wachtmalnischaft festgeuoiinneu und ins Wachtlokal gebracht, aber alsbald»vieder freigelassen.— — Infolge andauernden Regens»nid starker Wolkenbrüchc ist der Wasserstand sämmtlicher g a l i z i s ch e r Flüsse bedeutend ge- stiegen. In der Nacht zum Dienstag»vurde eine Vorstadt von Brzezany vollständig überfluthel, so daß die Einivohner ausquarlirt »verde»» mußten.— — Der Koniuinnikalionsansschuß des ungarischen Ab- geordnetenhauses hat die Vorlage betreffend den Bau der strategisch »vichligen A r v a t h a l b a b»» angenommen. Diese Bahn»vird eine neue Verbindung zivischen Ungarn»nid Galizie», herstelle».— — Unter der Beschuldigung, seinen 13jährige» Sohn erivürgt zu haben,»vurde in Wartha bei Glatz ein Tischlermeister ver- haftet.— — Helsingfors, 22. Juni. Der Knstendampfer„Onni" ist ans der Fahrt von Helsingfors»ach Abo gestern fünf Meile» östlich von Ekenäs verbrannt. An Bord befanden sich 140 Passagiere; sechs derselben kamen in den Flammen»im, die übrige» wnrden gerettet, doch erhielten mehrere schivere Brandrvunden. Der Brand enlsland durch eine umgeiuorfeue Spirituslampe.— — Zwei Bäckerjungen haben bei den» Brand einer Bäckerei in R o in ibre» Tod gesunden.— — Die Königin von England, die jetzt ihr öOjnhrigeS Negiernngs-Jubilänm begebt,»vird als die