N- 187. Abomltmeitts■ Kedingungen: Abonnement»-Preii pränumerando: viertel jährt. 3,30 Mb, monatl. 1,10 Ml., rvöchenlltch 28 Pfg. frei tn» Haut. Einzelne Nummer 5 Plg. Sonnlag», Nummer mit lllultricrier Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singelragen tn der Post- Zettung», Preisliste für 1888 unter Nr. 7880, Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheinl täglich auller»onkng«. Vevlinev Volksblakk. 16» Jahrg. Die Instrttons-Aebülfr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel« «eile oder deren Raum»0 Pfg., für poltttfche und gewerkschaftliche BereinS- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knletgen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserat« für die nächst« Nummer müssen bi»» Uhr nachmittag» tn derSxpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen biSSUhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Smt l, Nr. 1503. Telegramm> Adresse: „Sorialdrmostrat Srrlin- C�ntralorgan der socittldemokratifthen Kartei Deutschtands. Redaktion: SW. 19. Venth-Straste 2. Souuabeud, den 1Ä. Angust 1866. Expedition: 3�. 19. Venth-Strafze 3. Die Kanalrede. Das wüste Jutriguenspiel, das die letzte Wochen erfüllte, hat vorläufig mit einer schweren Niederlage der Konservativen geendigt. Als es den berufenen Stimmungsmachern gelungen war, den Kaiser zu einem Verzicht auf seine Teilnahme an der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals zu bewegen und damit die befürchtete rednerische Kundgebung zu Gunsten des Mittelland-Kanals zu verhüten, rauschte es im agrarisch-kanal- feindlichen Blätterwald von Triumphgesängen. Dann kam die ebenso Plötzlich wie zerschmetternde Nach- richt, der Kaiser werde d o ch in Dortmund erscheinen und zwar alsbald, noch vor der Wiedereröffnung des preußischen Abgeordnetenhauses. Der kanalfreundliche Krupp hatte über den kanalfeindlichen Stumm gesiegt. Seitdem erfüllte wie Todesahnung Dämmerung die Preßgefilde Agrariens. Die „Krcuz-Zeitung" erklärte, die Kanalfrage sei keine Fraktions- angelegenheit, jeder könne stimmen, wie er wolle; und Drei- Stern sang am Vorabend des Tages von Dortmund ein melancholisches Schwanenlied:„Verfahren, verfahren!" Es sei nichts mehr zu retten, selbst eine Verschleppung der Angelegen- heit sei nicht mehr möglich. In der Eile prophezeite noch Drei-Stern den finanziellen Ruin Preußens. Das war sein Trostgedanke:„Verfahren, verfahren, verfahren bin i." Während aus der agrarischen Presse die Wcmut des Sterbens bitterlich tönte, war das Selbstbewußtsein jenes Blattes bis zum Bersten angespannt, das die Hof- Konservativen, die kein anderes Programm haben als das oben gefällig zu sein, sich neuerdings merkwürdigerweise als Sprachrohr geworben haben, obwohl es sonst nur für Kokotten und Sportsleute bestimmt ist. Das„Kleine Journal" erklärte wiederholt dem agrarischen Liebling Miquel, er habe unzweideutig für den Kanal zu werben oder er flöge hinaus. Herr Miquel aber blieb diesmal treu. Er ging nicht nach Canossa-Dortmund. Am Freitag vormittag sandte Herr Schweinburg, der sonst nur abends mit seinen„Berliner Politischen Nachrichten" die Zeitungen langweilt, folgendes pikante„Extrablatt" an die Redaktionen: „Der Finanzminister v. Miquel trifft schon heute hier wieder ein. Er hat die Einladimg des Magistrats von Dortmund zur Teilnahme an der F�ier der Einweihung des Dortmund- EmS-KanalS wegen dringender Geschäfte ablehnen müssen." Während der Kanzler bei den wichtigsten Reichstags- debatten ruhig auf die Sauhatz gehen kann, vermag Herr Miquel mitten in den Ferien nicht einmal einer Kanalweihe beizuwohnen l Die Wahrheit ist: der preußische Vicepräsident wollte durch seine Anwesenheit die zu erwartende Kundgebung des Kaisers gleichsam nicht gegenzeichnen. Er blieb im Kastanienwäldchen. Denkt er wirklich an Umzug oder glaubt er als agrarischer Kuhhändler schließlich doch siegreich zu bleiben? Kurz nach der Schweinburg- Miquelschen Botschaft über- mittelte dann das Wolffsche Bureau die kaiserliche K a n a l r e d e, die auf eine Ansprache des Oberbürger- Meisters Schmieding gehalten ward, in folgender seltsamer Form: Der Kaiser erwiderte hierauf, er wäre gern früher gekommen, die Sorge um seine hohe Gemahlin habe ihn zurück- gehalten. Der cbc» besichtigte Kanal erscheine als ein Tcilwcrk lstünnisches Bravo!); er und die Regierung seien fest und nn- crschüttcrlich cntschlossen, weiterzugehe« lstürmisches Bravo!), er hoffe, daß die Volksvertretung noch in diesem Jahre ihn in diese Lage versetzen werde. sBravo!) Was in dieser Rede äußerlich auffällt, ist zunächst der Umstand, daß hier, unserer Erinnerung nach zum erstenmal. wie bei einer Parlamentsrede die Beifallsbezeugungen in Klammern beigefügt worden sind— ein aus dem parla- mentarischen Leben zu Unrecht übertragener Brauch, da die ausgleichenden MißsallenSäußerungen bei derlei Kundgebungen nicht möglich sind. Außer dieser Redeskizze liegt bisher kein authentischer Text des Wortlauts vor. Ter „Reichs-Anzeiger" teilt nur mit. daß der Kaiser erwidert habe, ohne zu verraten, was. Das amtliche Blatt scheint in der That die parlamentarische Wiedergabe von Kaiserredcn dadurch verhindern zu wollen, daß es sie nicht veröffentlicht. Jedenfalls geht schon aus dieseni flizzierten Wortlaut hervor, daß der Kaiser mit unbeugsamem Willen auf der Durchsetzung der Kanalvorlage besteht. Die konservativen Abendblätter sind noch wortlos. Nur der„ R e i ch s b o t e", bisher einer der wildesten Kanalgegner, rät demütig zum Frieden. Er findet es erwägenswert, ob die konservative Partei, soweit sie opposilienell steht, nicht am patriotischsten und klügsten handelte, wenn sie gegenüber der kommenden parlamentarischen Abstimmung über die Vorlage abseits träte und sich der S tinim e enthielte. Die konservativen Gegner haben ihre Bedenken und Zweifel an der Vorlage zum Ausdruck gebracht, sie haben bei der Regierung keinen Wiederhall gefunden, dieselbe bleibt bei ihrer ent- gegengesetzten Auffassung; so haben die Konservativen ihre Pflicht gcthau und können nun das Weitere der Zuknnfl überlassen, indem sie das ropalistischc Opfer bringen, daß sie die Verantwortung für den Beschluß denen, die ihn fassen, überlassen und den weiteren Gang nicht mehr aufhalten. Manche Heißsporne niögcn über diesen ,. pflaumenweichen" Vorschlag vielleicht mit Gcspöil herfallen, uns erscheint er in einer durch die Schuld aller etwas verfahrenen Situalion noch immer als der ruhigste und gangbarste. Er böte vor allen Dingen den kürzesten Gegenbeweis gegen die Beschuldigung der Gegner, daß es bei dem Kampfe gegen den Kanal den Konservativen um eine Machtprobe gegen die Krone zu thun gewesen wäre. Wir vermuten, daß die eigentliche agrarische Presse nicht ganz so zahm sich verhalten wird. Die jetzige Entscheidung ist ein Triumph der westlichen Industrie gegenüber der öst- lichen Landwirtschaft. Die Kanalfrage ist für die Agrarier immer nur eine Generalprobe für den Kampf um die Handels- Verträge gewesen. Die jetzige Niederlage muß auf sie als ein schlimmes Vorzeichen für die künftigen Verhandlungen wirken, und sie werden sich zur Wehr setzen müssen, wenn anders sie nicht ihren agitatorischen Untergang besiegeln wollen. In liberalen Kreisen herrscht natürlich ein widerwärtig- aufdringlicher Jubel über die Entscheidung des Kaisers. Auch wir sind Freunde eines Kulturwcrks, wie es der Mittclland- Kanal ist; aber wir wünschen nicht, daß ein persönlicher Wille, selbst wenn er unsere Meinungen fördert, in den politischen Angelegenheiten den Ausschlag giebt. Der Libera- lismus hat wahrlich den letzten Rest konstitutionellen Ge- Wissens verloren, wenn er die Person des Monarchen der- gestalt für seine Interessen und Wider seine Gegner ver- wendet. Die Liberalen werden sich nicht beklagen dürfen, wenn niorgen oder übermorgen die Junker wieder eine Rede ihres Königs gegen die Partei des Großindustrialismus ausspielen. Und überdies: es heißt die natürlichen Lebensbedingungen einer reaktionären Regierung verkennen,»venu man meint, sie könnte ungestraft die Selbstsucht ihrer gebornen Anhänger mißachten. Vielleicht findet Herr Miquel doch noch einen Ausweg und Ausgleich.— Zur Kritik der amtlichen Streikstatistik. in. Kontraktbrnch und Organisation. Wir haben am Schluß des vorigen Artikels darauf hiiiaewiesen, daß, wo die amtliche Strcikstatistik wirkliche Fälle von Kontrakt- bruch anführt, der Nachweis eines Zusammenhangs nnt den social« demokratischen Orgnnisalioiicn nicht geführt werden kann. Bei einem Weberstrcik in M ü» ch c n- G l a d b a ch sollen 53 Arbeiter kontraktbrüchig gewesen sei». Wie uns mitgeteilt wird. hat es mit dem Kontraktbrnch seine Nichtigkeit. Aber es wird bemerkt, daß die größte Zahl der Arbeiter nicht organisiert war, nur einige wenige dem christlichen Textilarbeitcr-Verband angehören.„Es>var ein Streik, ivie er gewöhnlich von Unorganisierten und ohne Ucberlegnng zu stände kommt." Recht lehrreich ist auch der Streik der Stcinhaucr am N e s s e l b e r g bei Brünninghausen, der identisch fist mit dem in Altenhagcn und Springe. Die amtliche Strcikstatistik zählt diesen Streik doppelt, lieber den Ncsselberg geht nämlich die Grenze zwischen dem Kreis Hameln und dem Kreis Springe. Die Brüche gehören der Firma Plöger- Berlin; ein Teil der Stcinhaner wohnt in Brünninghausen, der andere in Altenhagcn. Wahrscheinlich hat sowohl der Landrat des Kreises Hameln als auch der des Kreises Springe den Streik gemeldet, so daß dadurch zwei Streiks entstanden sind. Die Ursache des Streiks war: Nichtinnehaltnng dc§ Tarifs und unwürdige Behandlung seitens des BnichmcisterS. Die Stein- Hauer wählten eine Kommission, die bei den Prokuristen der Finna vorstellig werden sollte. Die der Kommission angehörigen Arbeiter wurden entlassen und dabei noch bcnicrkt:„Verschiedene sollten noch fliegen". Diese Art der Abstellung ihrer Beschwerden brachte eine Erregung unter die Arbeiter und die Steinhauer am Nesselberg in Bruch 1 und II, die erst seit kurzem organisiert waren, legten, 63 Mann hoch, ohne zu kündigen, die Arbeit nieder. Dadurch wurden die Springer Kollegen in eine Notlage versetzt. Der Kontraktbrnch wäre verhütet worden, hätten die Steinhaucr in Altenhagen denen in Springe vorher Mitteilung gemacht, da letztere länger organisiert und in gewerkschaftlicher Thätigkeit bewandert sind. So mußten die Springer wohl oder übel mitstreiken. Würden sie weiter gearbeitet haben, so würden die Steine ans den Brüchen nach Springe gebracht und dort verarbeitet ivorden sein. Aus Solidarität streikten die Springer deshalb mit. Bemerkenswert an diesem Streik ist übrigens noch folgende Nebensache: Bei Ausbruch des Streiks wurde sofort ein Gcndarni nach Altcnhagcn stationiert, ohne je gegen die Streikenden vorgehen zu niüsscn. wohl aber gegen den bei den Arbeitern unbeliebte» Bürgermeister, der, um zu provozieren, allerlei Unfug verübte, der ihm eine Strafe von 20 M. ein- brachte. In diesem Falle war eS also die ungenügende, mangelhafte Organisation, die einen Kontraktbrnch möglich machte. Denn die erstarkte Organisation bietet alles auf, den Lohn- kämpf in Formen'zu vollziehen, denen gegenüber die Gegner den Arbeitern niöglichst wenig anhaben können. Besonders an- schaulich ist die Thätigkeit der Organisation bei einem Streik der Tischler in Dresden, die in einer Fabrik für photographische Apparate thätig sind. _ Es sind in Dresden drei größere Fabriken dieser Art. Infolge- dessen hat sich eine starke Konkurrenz herausgebildet. Dies hat zur Folge, daß die Fabriken, namentlich der größte Betrieb, ganz abnornie Lohnreduklionen vornahmen, um der Konkurrenz die Spitze zu bieten. Die Kollegen der beiden anderen Fabriken ver- suchten vergeblich. die im größten Betriebe beschäftigten Tischler zu energischem Widerstand gegen diese Abzüge zu veranlassen. Sobald sich ein Kollege gegen die Lohnabzüge laut vernehmen ließ, wurde er entlassen. Diesen Winter fühlte sich nun ein Arbeiter. der schon zehn Jahre zur vollsten Zufriedenheit in der Fabrik gearbeitet hatte, veranlaßt, die neuesten Lohnabzüge beim Werk- sührer zur Sprache zu bringe». Sofort wurde auch dieser Arbeiter entlassen. Diese Maßregelung schlug dem Faß den Boden aus. Die Tischler verlangten nun, daß wieder. wie es bis vor drei Jahren der Fall war, ein Arbeiter« ausschuß gewählt würde. der bei Lohnabzügen gehört und zu verniittelu habe. Dieses Verlangen wurde von oben herab ab« geschlagen, was große Erbitterung unter den Arbeitern hervor- rief. Die Organisasion am Orte griff alsbald ein und arbeitete mit allen Mitteln gegen einen Streik, den sie unbesonnen hielt, um so mehr als die Zeit zu einer Lohnbewegung ungünstig ivar. Jedoch alle Ermahnungen schlugen fehl und von 102 Tischlern legten alsbald 98 die Arbeit nieder. Aber auch hier liegt der Fall für die Arbeiter überaus milde. Finanziell werde die Firma nicht geschädigt. Die Accorde waren ziemlich groß und die Lohnabichlagszahlungen sehr klein, so daß manche Arbeiter nach Fertigstellung ihrer Accordarbciten durch fremde Arbeiter, die sehr teuer bezahlt wurden, noch kleine Beträge herausbekamen. Wenn man an diesen Beispielen erwägt, mit welch' leichter Hand die Bcrichtsbehördcn den streikenden Arbeitern Kontraktbruch zugenmtet haben, so wird nian zwar die hohe Zahl 3166— fast zicnilich die Hälfte aller Streikenden— begreiflich, aber auch direkt unhaltbar und unrichtig finden." PMitifdic Mebevfirtzk» Berlin, den 11. August. Der Anreger der Zuchthansvorlage. Es ist kürzlich erzählt worden, daß eine gelegentliche Aeußerung des Pastors v. Bodelschwingh die Zucht- h a u s v o rl a g e angeregt haben soll. Jetzt teilt nun Herr v. Bodelschwingh in der„Hilfe" folgendes mit: „Ihre Anfrage in betreff des Kaiserbcsnchs in Bielefeld vor zwei Jahren ist mir hierher nachgefolgt und ich stelle aus meiner Erinnerung folgendes, so gut ich kann, fest: In der That tobte w jenem Frühling in Bielefeld eine heftige Streikbewegung unter den Bauhandwerkcrn, die insofern auch spcciell gegen uns gerichtet war, als in einer öffentlichen Strcikversammlung der Beschluß gefaßt wurde, es dürfe unter keinen Umstände» ein VercinShauSsaal, den wir für unsere Kranken bauten, fertig gestellt werden, weil >v i r in demselben unser K a i s e r p a a r empfangen wollten. Dennoch wurde durch wenige treue Leute, die zu uns hielten, der Saal fertig. Ich gebe zu. daß die Tyrannei seitens der Streikenden härter war, als der gesetzliche Schutz, der den Arbeits- willigen gewährt wurde oder auch vielleicht gewährt iverden konnte. Doch habe ich darüber beim Kaiser k�eine Klage geführt. Vielleicht i st es aber von anderer Seite geschehen. In Wilhelmsdorf gab eS dann vor der Thür des DesinfcktionS- ofens zur Reinigung der Kleider der Arbeiter ein etwas lebhaftes Gespräch, das ungefähr so verlief. Einer der anwesenden Herren äußerte sich dahin, daß der richtige Strolch sein Ungeziefer wohl gar nicht loswerden will. Der Kaiser ergriff die Gegenpartei und sprach sich durchaus freundlich ini Sinne der arbeitslosen Wanderer ans. Ich stimmte ihm bei und ließ hierbei in Erinnerung der schweren Not, die wir die letzten Wochen durchgemacht hatten, die Bemerkung fallen, daß viele Arbeiter von Herze» gern arbeite« möchten, wen» ihnen nnr der nötige Schub gewährt würde. ES ist wohl zweifellos, daß aus diesen Worten der Kaiser seinen Anlast zu der Sparen« bcrgcr Rede genommen hat, die übrigens in ihrem Zusammenhange viel arbcitcrfrcundlichcr geklungen hat, als sie später aus« gedeutet ist. Er verlangte Schutz für alle nationale Arbeit und strenge Be- strafung aller derer, die solche Arbeit störten. Daß ans diesen meinen hingeworfenen Worten das sogenannte„Zuchthaus- gcsch" entstanden sein soll, mnst ich entschieden be- zweifeln. Hier müssen andere Fattorcn mitgewirkt haben. Das Wort des Kaisers konnte ebenso gut für und wider Arbeitgeber lvie Arbeitnehmer gedeutet werden. Ich würde für meine Person, wenn eine neue Gesetzvorlage kommt, am allermeisten dafür sein, daß bei Streiks ein Zwangs- verfahren aufgerichtet wird, welches Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichzeitig nötigt, vor einem Schiedsgericht zu erscheinen und Frieden zu mache». Die jetzigen halbierten Maßregeln halte ich in der That für unbarmherzig, aber das Gesetz darf nicht einmal den Schein haben, als ob es einseitig gegen die Arbeiter ge- richtet iväre. Auf welcher Seite das größere Unrecht liegt, ist in vielen Fällen schwer zu entscheiden; und darum sind jene unparteiischen Schiedsgerichte durchaus nötig. Die Darstellung, die im wesentlichen allerdings nur Bekanntes wiederholt, gewährt einen sehr lehrreichen Einblick in das Getriebe unserer Politik, in der kleine Ursachen immer noch große Wirkungen haben, und„ein Glas Wasser" immer noch den Anlaß zu Umwälzungen geben kann. Wir legen keinen Wert daraus, zu wiederholen, daß Herr v. Bodelschivingh jene verhängnisvolle Aeußerung gethan haben soll, um von der kaiserlichen Frage abzulenken, wie viel Lohn die in Bethel als Arbeiter aufgenommenen Handwerksburschen er- hielten— sie bekommen bei freier Station im Sommer 30, im Winter 20 Pfennige täglich— für uns ist von Wichtigkeit nur die Thatsache: die ganze Aktion der Zuchthausvorlage ist in Wahrheit jener gelegentlichen Aeußerung des Pastors zu verdanken. Er hat das Stichivor� vom Schutze der Arbeits- willigen in flüchtigem Gespräch ausgegeben, der Kaiser griff es sofort in seiner Rede auf dem Sparenberg auf, und seit- dem ist die ganze innere Politik des Reiches durch diese Ver- suche, auf gesetzgeberischem Wege Streiks unmöglich zu machen. bestimmt und gelähnit. Einen besonders starken Eindruck hat übrigens wohl auf den Kaiser der Umstand gemacht, daß gerade ein für seinen Empfang bestimmtes Gebäude durch den Streik in der Herstellung verzögert wurde. fdjon fein, daß der Gedanke der Zuchthausvorlage ziiq» direlt aus der Bodelschwinghschen Aeußerimg gekeimt j'_t. �iMr wollen dem guten Pastor diesen Trost nicht versagen. wswerden inderThat dann andere Faktoren entscheidend init- gewirkt haben, ehe in Oeynhausen die Regierung mit der Ankun- digung ihrer der Vollendung sich nähernden Vorlage überrascht �den /st- Der Wirkliche Zusammenhang ist auch ziemlich durchstchtig. Die Sparenberger Rede, die, aus dem Eindruck des Augenblicks geboren, ohne festes gesetzgeberisches Ziel den Schutz der Arbeitswilligen proklamierte, ermutigte die Stumm- leute zu erneuten Bestürmungen. Aus dem Schutz gegen Vergelvaltiguugen wurde dann ein Gesetz gegen Streiks über- Haupt, und in Oeynhausen wurde mit dem Zuchthaus be- droiht, wer sich gar unterstünde, zum Streik anzureizen. Jam_ begreift, daß unter solchen Umständen das ..Knterral, das erst nachträglich zur Begründung deS voit vornherein feststehenden Entwurfs herangeschleppt, iverden mutzte, keinen sehr wissenschaftlichen Eindruck machen kbnNte. Tee Regierung hätte sich die bittere Kritik, die ihren Be- grundnngen und Denkschriften zu teil geworden, ersparen können, wenn sie statt die Motive des Entwurfs in der Arbeiterbewegung nachträglich aussindig zu machen, einfach die Geschichte des Ursprungs der Vorlage erzählt hätte. Der Vorwaud sachlicher Begründung ist wahrlich nicht von nöten gewesen.— Schutz den Milchpantschern! Nicht bloß die oft- preußischen, mich die sächsischen Agrarier betrachten die Welt nur unter dem Gesichtspunkte ihres Geldbeutels und sie sind in der Wahrnehmung ihres Eigeninteresses genau so uu- verfroren, wie ihre preußischen Kollegen. Ebenso ist die sächsische Regierung nicht minder beflissen als die preußische, ihren Wünschen mit großen und kleinen Mitteln zu dienen. Sie hat ihnen den denkbar billigsten Kredit aus Staats- Mitteln beschafft, beim Viehversicherungs-Gesetze hat sie ihre Interessen im größten Maße berücksichttgt iisw.° ■v5n Mnz auffälliger und die Interessen des konsumierenden PubraulNs schwer schädigender Weise ist die sächsische Regierung den ungenierten Herren jetzt entgegengekommen durch eine Ver- ordnung über die Milchuntersuchnng. In sehr vielen sächsischen Städten bestehen örtliche Vorschriften über die Beaufsichtigung des Milchhaiidels, die sich als sehr nützlich erwiesen haben und das Publikum so energisch vor der Uebervorteilung durch die gut christlich-agrarischen Milchpantscher schützten, daß die Ein- richtung immer weitere Nachahmung fand. Es wird nach diesen Vorschriften die Milch allenthalben durch besonders instnnerte Polizeibeamte mit geeigneten Instrumenten auf Fettgehalt, Wasserzusatz und dergleichen geprüft: Milch mit ungenügendem Fettgehalte wird nicht zum Verkaufe zugelassen, die Verkäufer iverden bestraft oder, was noch viel wirksamer ist. ihre Namen mit genmier Angabe der Herkunft der Milch veröffentlicht.»vi � Diese Einrichtung war den Agrariern natürlich sehr un- bequem, denn die Milchpantscherei kann unter solchen Umständen schlimme Folgen haben. Tie landwirtschaftlichen Vereine haben deshalb schon seit langer Zeit das Ministerium mit Eingaben bestürmt, die„rechtliche Seite" der Einrichtung zu prüfen. Sie können sich zu ihrem Erfolge gratulieren. Das Ministerium hat eine Verordnung erlassen, wonach eS unzulässig ist, Milch wegen ungenügenden Fettgehalts vom Ver- kaufe auszuschließen; sie müsse, allerdings mit entsprechender Deklaration, auch feilgeboten werden dürfen. Ebenso sei es unzulässig, die Namen derjenigen, die minderwertige Milch zum Verkauf bringen, zu veröffentlichen. Zur Prüfung ent- nommene Proben müssen bezahlt werden. Damit sind diesen städtischen, den Interessen des Publikums dienenden Anordnungen die Zähne ausgebrochen und die Milchpantscher können ihr Handwerk ungestörter treiben.— Nationale Kämpfe. Ans Wien, 10. August, wird uns geschrieben: Die erschreckliche nationale Verhetzung in Oestrcich hat gestern wieder ebenso hnhliche als traurige Vorfalle g«zeitig:. In Cilli. der bekannten kleinen Stadt in Steiermark, ist es bei einer slovcnischeu Feier zu Massenexcessen gekommen; von den Slovciien wurde auf die Deutschen geschonen und zwei Menschen sind tödlich verletzt. Cilli ist wohl eine überwiegend deutsche Stadt, jedoch von sloveuischem Gebiet umlagert, stdnß die Wogen des nationalen Kampfes ungemein hoch gehen. Die Stadt zählt 8000 Einwohner, von denen nur etwa IlXX) Slovencn sind. Das kleine Cilli hat seiner Zeit zur Sprengung der Ltoalition und damit indirekt_ zum Sturze der Koalitioiisrcgiening geführt. Das Ministerium hatte nämlich der Forderung der Slovcnen nach- gegeben und die Errichtung eines slovcinschen Gymnasiums in Cilli beschlossen. Bon den Deutschen wurde— nicht ganz mit Unrecht— die Etablierung des Gymnasiums als ein Mittel zur Slovenificrung der deutschen Stadt betrachtet. und der„Kampf um Cilli" wurde deshalb mit der größten Erbitterung geführt, bis die Annahme des detreffenden Budgctpostens im Abgeordnetenhause den Anstritt der vereinigten Linken aus der Koalition nach sich zog. Die gestrigen Excesse sind anläßlich einer jener künstlichen Fcstfcicrn vorgefallen. in deren Arrangierung die chauvinistischen Hetzer in Ocstreich Meister sind. Die großen Männer der Vergangenheit werden nämlich hier zu Laude damit geehrt, daß man eine Hetze gegen das anderssprachige Volk insrenirrt. So war cä bei der berüchtigten Palackyfeier in Prag, zn der sich die Jungczechcn den rusiischcnFlansen-„GeneraI" Komarow verschrieben hatten, der die Feier des czechischen Geschichtsschreibers dazu beinwte, um den Vcr- nichtnngskampf gegen die Deutschen zu predigen. Die Feier in Cilli war eine Grabmalsenthüllung für den slollenischen Philologen Oblak, und wie sie durchgeführt wurde, erscheint sie nur als Vorwaud zu einer antideutschen Demonstration. Die Slovencn verschrieben sich nämlich zweihundert ezechische Studenten aus Prag, und einer ihrer Führer, der Viccpräsidcnt des Abgeordnetenhauses'Fcrjnncic, erklärte ganz offen, daß die slavische„Verbrüderung" ihre Spitze gegen die Deutschen lehre. Was nun kam, gehört in Oestreich leider zu de» alltäglichsten Vorkommnissen. Die Deutschen verhöhnten und be- schimpften die angekommenen„Gäste"; in der Nacht wurde gerauft und geprügelt und schließlich geschossen. Ein deutscher Kauf- mann und ein deutscher Arbeiter wurden durch Revolver- schllsse schwer verwundet; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Die Slovcnen verbrachten die ganze Nacht in ihren: Bereinshause; am Morgen konnten sie sich unter Militärschntz entfernen. Das Gebahren der Deutschen, die eine ganz unbeträchtliche Demonstration zu einem Ereignis herausschraubten, ist gewiß über alle Maßen kindisch und verdient den herbsten Tadel. Daß die Slovcnen in Cilli das Recht haben, ihre Feste so provokatorisch als sie wollen zu feiern, ist ebenso wahr, wenn auch der abstoßende Charakter dieser entrierten„Festfeicrii" jedes bessere Empfinden abstößt. Aber was nützt es. den Leuten Vernunft zu predigen. da sie noch in allen Lager» von den: Hasse gegen die andere Nation förn:- lich besessen sindk Die Bürger dieses einen„Vaterlandes" hassen einander mehr als Rationen, die in: Kriege leben. Die Deutschen könnten eher eine Scdanfeier in Paris veranstalten, als Czcchcn in einer deutschen Stadt Böhmens. Deutsche in einer czechischen zu einem Feste sich znsammciisindki: köimcn. Die Revolverschüsse von Cilli sind um das Echo der maßlosen nationalen Hetze, von denen unser öffentliches Leben erfüllt ist. Wie kann aber ein Staat be- stehen, dessen einzelne.Glieder einander wie grimmige Feinde gegen- überstehen! Ocstreich ist wirklich ein unmöglicher Staat, und alle Sanirungsversuche müssen scheitern an der harten That- fache, daß die Existenzmöglichkeil eines so künstlichen, durch keine gc- schichtliche oder kulturelle Notwendigkeit begründeten Staates ver- wirkt ist.— »» Deutsches Welch. Schutz dem gewerblichen Arbeitsverhältnisse. Die soeben erschienenen Jahresberichte der preußischen Fabrik: nspektoren liefern wieder einen klassffchen Beweis dafür, wie die Unternehmer die zum Schutze der Arbeiter bestehenden Gesetzesvorschrfftei: mißachten und wie wenig Nachteile das für sie im Gefokge hat. Die Beamten teilen Mit, daß sie in dm revidierten Betrieben— die nur einen Bruchteil der vorhandenen ausmachen— 13 LO? 23er« lctzungen der zum Schutze der Ivclblichen und jugendlichen Arbeiter erlassenen Borschriften ermittelt haben. Wegen dieser 12 207 Gcsctzesverletznngen wurden 880 Unter- nehmer, daS sind etwa 7V8 Pioz., bestraft. Selbst tvemt man die 4832 Ucbcrtretungen der Vorschriften über Aushänge und Anzeigen gänzlich außer acht lassen wollte, so blieben noch immer 7375 Ver- gehen gegen das Gesetz, und die Vestrafimgen erreichen daim immer erst etwas über 12 Pröz. Daß ein solcher Zustand die Uickemehnier nicht von ihren Ge- setzesverletzungen abschrecken kann, leuchtet ein.— Herr Klemm. Die Bauspekulantcn-Familie Klemm, Vater und Sohn, spielte bekanntlich in dem Zuchthansprozetz gegen die Löbtaner Bauarbeiter eine Rolle. Ihre Namen sind dann später auch noch, allerdings in wenig schincichclhafter Weise, oft in der Oeffentlichkcit genannt worden. Vor allem war es die socialdcinokratische Presse, welche die KlemmS als Baulöwen der gefährlichsten Sorte unter Anführung konkreter Thatsachen kennzeichnete— Leute, die mit dem Aerrnel mehr als einmal daS Gefängnis streiften. Jetzt hat sich nun der eine, so wird u»S aus Dresden berichtet, als ein Mensch entpuppt, der selbst die niedrigsten und gcmciusteii Banmitcriichmertricks nicht verschmähte. Er hat den aus dem be- rnchtigtcu Löbtaucr Neubau beschäftigten Arbeitern die Ortökrankcu- kasscnbciträgc zwar vorschriftsmäßig abgezogen vom Loh», sie aber für sich behalten, und dadurch die Kasse um ctiva 87 Mark geschädigt. Hier war er wegen dieser verhältnismäßig kleinen Schwindelei dem Gericht einmal ins Garn gelaufen. Er wurde unter Ausschluß mildernder Umstände zu einer Woche Gefängnis verurteilt.—_ Ohne ZnchthauSgcsctz. Der strellcnde Maurer Armin Schulze in Dresden, der als Baucomrolenr fungierte, hatte zu einem arbeits- willigen Böhmen gesagt:„Untersteh Dick nicht, zn arbeiten, es passiert etwas; Du kriegst ein paar in die Fresse." Für diese gewiß nicht zu billigende Aeußerimg wurde er von der Strafkammer unter Vorsitz des bekannten Landgerichts-Direktors Becker zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Man kam: gern zugeben, daß der Angeklagte für sein Verhalten Strafe verdiente und daß das Gericht ihn auf Grund der vestchenden Gesetze bestrase» mußte; aber andererseits darf man auch nicht außer acht lasien, daß auch in anderen Gesellschastsschickten in der Erregung Worte nicht auf die Goldwage gelegt werden. Unrer diesem Gesichts- punkte erscheint eine Strafe von 4 Monaten für eine Redensart in der That außerordentlich hoch. Wenn aber solche Bestrastmg heut schon möglich ist, bedarf es dann wirllich noch einer Verschärfung der Gesetze? Die„Post" kehrt wieder zu ihrer alten Liebe zurück, zu ihrem Korbmacker Fischer, de» einst der Post-Rcdaktc»r Fink in die litte- rarische Welt eingeführt ist. Der brave Korbmacher bat nämlick wieder eine Broschüre gegen die Socialdemokralie geschrieben. Fink ist in Kiautsckou. welcher Post-Redacteur hat also zu diesem neuesten Werke Beihilfe geleistet? Die„Post" bringt ziemlich umfangreiche Auszüge aus der neuen Strohflccklerci Fischers, unterschlügt aber dabei de» Haupteffekt ihres Vertrauten. In der Broschüre ist eine Enthüllung zu lesen, die selbst wir abgehärteten Verbrecher nur errötend wiederzugeben wagen: Gen. B c bei hat nämlich den Grund zu seinem jetzigen Reichtum dadurch gelegt, daß er bei seinem Austritt aus der frcisiunigeu Partei ein paar hundert Thaler gestohleu hat— woher sich übrigens wohl auch die bisher nicht überwundene Ebbe in der freisinnige» Parteikasse erklärt. Wir verstehen unisowcuiger, daß sich die„Post" diese vernichtende Sensation ihres geistigen Waffenlieferanten hat entgehen lassen, als das von dem Blatt sonst Wicdergcgebene reckt wenig zugkräftig ist. Korbmacher Fischer hat sich seine rege Phantasie inzwischen an der Denkschrift zur ZuchthauSvorlage verdorben. Wie diese beklagt er empört, daß die Socialdcmokraren solche Schurken sind, sich nichts zu schulden kommen zu lassen. Statt des wüsten Agitators, der sonst bei Fischer die Zähne sletschtc, sich von Arbeitergroschen mästet, säuft, faulenzt und Weib und Kinder im Hunger zurückläßt, um mit Dirnen sich nmherzutrciben— statt diese» Unholds erscheint plötzlich ein raffinierter Tugendbold: „In jeder Werkstatt«, in jedem Fabrikraum hat die Social- demokratie ihren Vertrauensmann. So überzieht sie das ganze Reich mit einem Netze von ihrem Dienste ergebenen Agitatoren, Diese Vorkämpfer sind aber durchaus nicht äußerlich erkennbar, wie die mit frechen und bedrohlichen Schlagwortcn um sich werfenden Radansocialistcn. Nein, sie sind eine Art von äußerlich harmlosen Geheimagenten und deshalb um so gefährlicher. Durch Fleiß, zuvorkommende Gefälligkeit und m n st e r h a f t c s Betragen in jeder Beziehung wissen sie� Betriebsleiter und Fabrikanten für sich zu gewinnen und jede Spur von Verdacht von sich abzulenken. Um so sicherer können sie ja dann operieren, ohne eine Beobachtung oder Ucberwachung fürchten zn müssen." Was für Canaillen sind wir doch— nur Elenden, die sich selbst nicht scheuen, Ehrenmänner zu sein I Dieser Fall mag den Unter- »chmer» zur Warnung dienen. Wo immer sie einen fleißigen. ruhigen, geschulten Arbeiter antreffen, hinaus mit ihm; denn er ist sicher ein Spion der Socialdemokratie. Die„Post" muß ein außerordentlich denknnfähigcs Publikum haben, daß sie ihm solche Kost vorzusetzen wagt. Man sollte gelegent- lich politische Forrbildungssckulcil für Schwachbegabte gründen; denn jetzt müssen diese Unglücklichen, schutzlos den Jndiancrgcschichten des Korbmachers Fischer preisgegeben, gänzlich verkommen.— Tante Voss, Laffakle und Schulze-Delitzsch. Die„Vossische Zeitung" nimmt die zwischen den Genossen Mehring:md Schippe! über die Bedeutung von Schnlzt-Delitzsch entstandene Polemik zum Anlaß, ihrer neulichen Anzapfung eine zweite folgen zu lassen, die ans noch niedrigerem geistigen Niveau steht, als die erste. Eingehend ans dieses Gedankenragout zu antworten, das aus den verschiedenartigsten unverstandenen Lesefrüchtcn zusammengesucht ist, lohnt sich nicht der Mühe, Der.Kuriosität wegen sei nur er- wähnt, daß der Herr Verfasser die Marxisten beschuldigt, sie hätten der deutschen Arbeiterschaft„den Glauben an die Allgewalt des Stimmzettels" eingeimpft, und dann unter Berufung ans Bernstein und Kaufmann mit der in letzter Zsit von der kapitalistischen Presse immer wieder ausgewärmten Entdeckung operiert, daß die Mittelschichten zivar ihren Charakter verändern, aber nicht aus der socialen Stufen- leiter verschwinde». Zum Schluß hört der allem Anschein nach mit einer recht großen Dosis Phantasie ausgestattete Verfasser„auch in der socialdemokratischen Arbeiterschaft von Jahr zu Jahr deutlicher den Ton, den Schulze-Delitzsch vor Jahrzehnten anschlug". „Er lebt ans, ruft er aus, seine Ideen Iverden noch einmal eine große Rolle spielen; er wird doch über seinen Gegner Lassalle triumphieren, der„Pflasterschmierer, der über den engen Färberganl- zirlcl nicht hinauszublicken vermag", wie Lassalle von Schulze in Leipzig im Jahre 1863 sagte, über den„mit der Bildung seines ganzen Jahr- Hunderts" Bewaffneten, wie der Vertraute der Gtäsin Hätzscldt sich selber bescheiden bezeichnete." Wir wollen den: zubersichtlichen Schreiber des ArtikelchcnS seine Hoffnungen nicht stören. Uns interessiert nur das Eingeständnis, daß Sckulze erst noch geistig aufleben soll. Demnach scheint der Ver- fasscr ebenfalls der Meinung zu sein, daß Lassalle seinen Widersacher kritisch„getödtet" hat, eine Ansicht, die sonst gewöhnlich bon der frei- sinnigen Presse bestritten wird.— Ei« neuer Gesetzentwurf ist noch dem Abgeordnetenhaus zu- gegangen; er betrifft Bestrafungen von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Erhebung von Vcrkchrsabgaben.— Zu der Nbschtvörung des konservativen Versuchs, mit dem Umsturz zu paktieren, der zu den interessantesten �Erscheinungen der bayrischen Wahlbewegung gehört, bemerkt der„Frank. Kur.": „Zwar nicht die offizielle Parteileitung der bayrischen Kon- servativcn— so einfältig ist diese doch nickst wohl aber der dieser angehörige LandtagSabg. Lutz, der politisch thätigste Führer der Kouservativcu, hat in einem an den socialdemokratischen Abg. Segitz gerichteten Brief den Socialdcmolraten ein Bündnis für den Wahlkreis Fürth vorgeschlagen � und ebenso der den Konservativen doch wahrhaftig nicht fernstehende jetzige baueru- büudlerischc Abg. Scharre r." Der Kompromiß- B e r s u ch der Konservativen mit den Social- dcmokratcn bleibt nun einmal haften. Auch die gctrcuesten Stützen der Gesellschaft erweise» sich als„Schrittmacher des Umsturzes".— Tic Aufmerksamkeit der Miillergesellen in Wahrnehmung ihrer Interessen hat ihnen zu einem Erfolge vcrholfeu. Der Bundes- rat hat bekanntlich vor einiger Zeit Bestimmungen über die Arbeits- zeit in den Getreidemühlen erlassen, die sehr deutungsfähig sind. DaS Fachblatt der organisierten Miillergesellen machte daraus aufmerksam, daß in der Verordnung den Unternehmern die Ge- Währung einer täglichen Miudestrnhczett nur hinsichtlich solcher Personen auferlegt sei, die bei der Bedienung der Mahlgänge be- schäftigt seien. Nicht allein in großen, sondern auch in mitt- lere» und selbst in kleineren Mühlen habe man neuerdings an Stelle der Mahlgänge Walzcustühle eingebaut, und auf die hierbei beschäfttgteu Personen seien die Bestimmungen nicht anwendbar. Sie kämen also nur einem verhältnismäßig geringen Teile der Miillergesellen zn Gute. Dem gegenüber hat der preußische Handelsministcr jetzt in einen: an die Regierungspräsidenten gerichteten Erlaß darauf hin- gewiesen, daß es den Absichten der Verordnung zuwiderlaufen würde, wenn ihre Vorschriften so eng ausgelegt und nicht ans die Be- dienungsmannschnft der Walzenstühle ausgedehnt würden. Die Ver- ordnung erstreckt sich vielmehr auf alle bei dem eigentlichen Mahl'prozeß beteiligten Persoucin— Socialdcmokratcn in Schulvorständen. Die„Hilfe" ver« össcntlicht folgendes Aktenstück: König!, S ch ulvtsitat orinm,... den... Juli 1883, J,-Nr... Infolge Verfügung der königl. Regierung weisen wir die Herren Schnlinspektorei: hiermit an, die in Z 3 des Patents vom 16. Juli 1864 für das vormalige Herzogtum Holstein betr. die Errichtung von Schulkollcgicn zur Vertretung der Schulkommunen vor- geschriebene Verpflichtung eines zum Mitgliede des S ch u l k o l l e g i u n: L gewählten Socialdemokrat e n so lauge a u s zusetzen, bis die Frage eingehend geprüft ist, ob gegen die Person des Gewählten, gegen die Wählbarkeit oder das Wahlvcrsahren Bedenken vorliegen, und bejahendenfalls bis das Er- gcbniö dieser Prüfung uns vorgerragcn und unsere Entscheidung ein- geholt worden ist. Bei der Wiederwahl etwaiger der Socialdemokratie ängehöriger Mitglieder der Schulkollegien ist es in gleicher Weise zu verhalten. Die Enthebung der Sociatdemokraten von ihrer Funktion als Mitglied des SchulkollcgiumS hat dann jedesmal zu erfolgen, wenn sie es unterlasse», dahin zu streben und dafür zu sorgen, daß die heranwachsende Jugend nicht nur in den ftir das bürgerliche Leben nötigen allgemeinen Kenntnissen und Fertigkeiten unterwiesen, sondern auch zu gotteSfürchtigen, sitt- lichen und vaterlandsliebenden Menschen erzogen werde. Vor Einleitung des Euthebnugsverfahrens ist jedoch unter Darlegung der näheren Umstände gleichfalls unsere Entscheidung zu beantragen... Die„Hilfe" bemerkt dazu: In dem Patent von 1864 handelt cS sich natürlich nicht um die Verpflichtung von Socialdemokraten, wie man nach dein Wort- laut der obigen Verfiigung auiiehmcn müßte, sondern überhaupt um Verpfljchlungen von Schnlvorstehern. E» kann auch noch be- merkt werden, daß die Schulvorstcher nach dem Patent von 1864 angestellt werden zur Verwaltung„insbesondere der ökonomischen Angelegenheiten" des Schulwesen», daß also in der obigen Ver- fügunq ihnen eine wesentlich andere Aufgabe gestellt wird, als die ihnen nach dem Patent von 1864 zugewiesene. � Daß die Socialdemokraten die Jugend zu sittlichen Meusckeil erziehen, dafür haben sie unendlich mehr Berns als jene gottcsfürchtigcn und vaterlandsliebenden Elemente, die selbst Kinder mir als AuSbeulungSobjekic betrachten und sie in geistigem und leib- lichem Elend verkommen lassen.— Der Kampf gegen die Konsumvereine scheint in Sachsen noch energischer beiriebeu iverden zu sollen wie bisher. Bürgerliche Blätter berichte», daß die Regierung dem nächsten Landtage eine Vorlage über eine Umsatzsteuer auf Warenhäuser und Konsum- vereine machen will. Bisher hatte man nur den Gemeinden erklärt, daß sie auf Grund der bestehenden Gesetze das Recht zur Erhebung derartiger Sondersteuern hätten. Diese Befugnis ist allerdings nur von verhältnismäßig wenigen Gemeinde» benutzt worden. Meist sind die redlichen Bemühungen an der Klippe gescheitert, daß man mir allgemeinen Bestimmungen lediglich die A r b c i t e r- Konsumvereine zu treffen wünschte. Da soll mm wohl die Regierung helfen. Man kann gespannt daraus sein, ob ein Gesetz der Art zu stande bringen wird, wie es die Gcmcuibcu nicht vermochten, nämlich die Arbriter-Konsumvereine allein bis zur Vernichtung zu treffen und doch den Schein der Rechtsgleichheit zu wahren, Vielleicht hilft das sächsische Ober-Landesgericht I— Ausrand. Die„Nowoje Wrcnija" gegen die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung". Die russische Presse beschäftigt sich eingehend mit dem offiziösen Artikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über den Erfolg der Haag er F r i c d e n s k ön s e r e n z. Beionders die„Nolvoje Wrcmja" und die„N'oivosti" drücken in sehr scharfer Form mit dem ihnen telegraphisch übermittelten Artikel der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" ihre Unzufriedenheit aus. Die„Nowoje Wremja" iveist auf den Widerspruch hin, in dem dieser Artikel zu der bekaimten Erklärung des deutschen Kaisers steht, er befinde sich in voller Uebereinstiimnung mit dem Initiator der Konferenz. Es sei festzustellen, daß das dcursche hochoffiziöse Organ den Resultaten der Konserenz feindlich gegenüber stehe. Wenn die „Nordd. Allgem. Ztg." in einer langen Tirade vor einem Mißbrauch der Besttnmiungen über das Schiedsgericht warne, so sei es klar, daß nach ihrer Ansicht die Konferenz die Gefahr bewaffneter Zusammenstöße nicht vermindert, sondern vergrößert habe, indem sie den einzelnen Staaten das Recht zugestand, den streitenden Parteien ihre Vennittlnng anzubieten. Aber das große Wort des Zaren werde trotz der An.ti- pathien der deutschen Regierung, mit der während der Konferenz nur die türkische Regierung allein beständig zusammenging, weiter geführt werden. Es sei' nur eine Frage der Zeit, wann das in dem ursprünglichen Programm der Konferenz gesteckte Ziel erreicht sein ivcrde, Aehnlich äußern sich die„Nowosti", die ihren Artikel mit den Worten schließen: die erhabenen, der Konferenz zu Grunde gelegten Ideen hätten nur von deutscher Scire ein feindliches Entgegenkommen gefunden, Ivas in Anbetracht des militaristischen Geistes der deutschen Regierung nicht Wunder nehme.— Zur deutsch-französischen Annäherung. DciS nmtlicfie Organ dcS Gcueralgonverncurs von Turkestan, �TurkeitanSkija Wiedomosti", schreibt übet die Möglichkeit einer deutsch- französischen Annäherung: Wir sind van jeglichen unruhigen Be- fürchtungcn anläßlich der Möglichkeit einer dcutsch-französischcn An- Näherung in Asien weit entfernt. Unser Optimismus gründet sich sowohl auf die mächtige Stellung Nußlands auf dem asiatischen Fcstlandc im allgemeinen, wie auch aus die grohen geographischen und militärpolitischen Vorteile der Lage unserer ceutralasialischen ' Besitzungen, welche Nuszlnud die Möglichkeit geben, seine entscheidende Stimme zur Geltung zu bringen. Einstweilen aber möchten wir bereit sein, in g c>v i s s e n Grenzen eine solche Gruppierung der Interessen in W e sta s i e n als rettende Ssch utzwchr gegen alle u f e r- überflutende Interessen Englands und dessen c g o i st i s ch e Politik zu b e g r ü h e n. Eine ähnliche politische Kombination unter Mitwirkung Rußlands hat freilich bei einer anderen Sccncrie die praktische Probe bereits im Jahre 1894 an der Küste des Stillen Occans bestanden. Außer der Aussprache über die Stellung Frankreichs zu Deutsch- land, hatte, wie dem„Bcrl. Tgb." telegraphstch aus Koustantinopel berichtet ivird, DelcasssS Reise nach Petersburg unter anderem auch den Zivcck eine seit längerer Zeit zwischen der russischen und sran- zösischen Botschaft in Koustantinopel bczichungswcise zwischen beiden Kabinetten bestehende Spannung zu beseitigen. Diese Spannung war einerseits hervorgerufen durch Nelidoivs Auftreten vergangene Ostern in Jerusalem, das der Empfindlichkeit Frankreichs als katholischer Vormacht wenig Rechnung trug, und andererseits durch den russischen Aerger über die dculsch-französische Fusion in der Bagdadbahn-Angelegenheit. Die eine Macht hätte der anderen überhaupt Mangel an Rücksicht auf die anderseitigen Interessen im Orient vorgeworfen. Delcasss solle nun einen mockus vivendi finden. Oestreich-Nngar». Autislobenische Tcinonstrntiouen. In Cilli wiederholten sich gestern die Zusammenstöße zwischen den Deutschen und Slavcn. Abends zog eine große Volksmenge vor das slavische Vercinshaus und vor die Wohnungen der slavischen Führer und des Kaplans der slavis.'en Kirche. Uehcrall wurden die Fenster eingeschlagen und Pereairuse ausgestoßen.— Belgien. TaS neue Wahlgesetz. sEig. Bcr.) Ohne Zweifel hat Ihnen dcr� Telegraph schon von den stürmischen Verhandlungen über die Zusammensetzung l?) des neuen Kabinetts Knude gegeben. Woeste richtete gegen die Regierung eine überaus heftige Anklage und brandmarkte es mit dem Namen eines R e i ch s v e r d e r b e r- Ministeriums. De Smet hat seinen Wahlgesetz-Entwurf vorgelegt. Sofort hat auch der Genosse Vandervelde einen Antrag aus Revision der Verfassung eingebracht, die daS mit 21 Jahren beginnende all- gemeine Wahlrecht enthalten soll. Ich konnte genaue Mitteilungen über den von der Regierung vorgelegten Entwurf, der morgen zur Verteilung kommen wird, er- halten. Die Proportionalvertrctung wird danach eine vollständige sein. Jedes Arondrssement soll nach seiner Stärke vertreten sein. Damit jedoch die Vertretung aller Parteien gewährleistet sei, sollen die gegenwärtigen kleinen Wahlbezirke zusammengelegt werden. Der Wähler kann sein Votum für die Liste abgeben, die ihm die politische Partei vorlegt, indem er am Kopf der'Liste votiert. In diesem Falle nimmt er die Reihenfolge der Liste an, wie sie von der Partei festgesetzt ist. Zieht er jedoch vor, für einen Kandidaten speciell zu stimmen, so wird dieser als Vorzugskandidat vor den anderen derselben Liste erwählt sein, wenn er eine dem Wahl- quotienten gleiche Anzahl von Stimmen erhalten hat. Aber diese Stimme kommt auch den anderen Kandidaten derselben Liste zu gute. Weiter wird es Stellvertreter geben, in den großen Ar 0N bisse» mrnts bis lzu fünf. Im Falle des Todes oder der Mandats- niedcrlegung eines Deputierten tritt der erste Stellvertreter an seine Stelle. Eine Liste wirklicher Kandidaten, die weniger Name» zäblt, als die Partei wählen darf, einhält die Stellvertreter, die in der Aufeinander,, ge der Liste gewählt sind. Spanien. Urteil dcS KricgSgcrichtshofcS. Das amtliche Blatt ver- öffeutlickn das Urteil des obersten Kriegsgerichtshofcs'betreffend die Uebergabe von Santiago auf Euba. Darin werden sämtliche bc- teiligten Generale und Offiziere freigesprochen; dagegen wird die Eröffnung einer Untersuchung angeordnet, um zu finden, wen die Verantwortung dafür trifft, daß in Santiago die Mittel zum Kämpfe fehlten, wodurch die Kapitulation erforderlich wurde.— Afrika. Neue Schwierigkeiten für England im Sudan. Im Sudan stehen neue Kämpfe bevor, einerseits schickt der Khalif sich an, das verlorene Gebiet inr Sudan iviederzuerobern; andererseits spitzt sich die Streitfrage zwischen England und König Menelik von Abessynicn immer schärfer zu. England fordert, daß' Menelik seine Ansprüche auf die Provinzen Gcdaref und Galabat aufgeben soll, während dieser jeden Verzicht ablehnt. Wie nun der„Vossischen Zeitung' aus London telegraphiert wird, haben nach einer Drahtung der„Daily Mail" aus Kairo 3000 Abesiynier unter RaS Tessama daS Gebiet südlich von Nassar besetzt, das am linken Ufer des Sobatflusses 430 Meilen von Chartum gelegen ist. Die Abcfsynier fordern das Land von Nafsar nach dem Natgcbirge s?) am Weißen Nil als abessynisches Gebiet. Angeblich begleiten vier Franzosen die Expedition.— Znr TransvaalkrisiS. Soweit bis jetzt bekannt, hat die Transvaal- Regierung den britischen Vorschlag, eine gemeinsame UntcrsuchungSkommisston einzusetzen, noch immer nicht beantwortet. Die Meldungen, daß gestern das Eintreffen dringender Depeschen Sir Alfred MilncrS sofort nach der Parlamentssitznng die Ein- berufung eines außerordentlichen Ministerrats nötig gemacht Hütte, werde» vom Kolonialaiul dcnicnticrt. Bisher seien keine Depeschen ein- getroffen. Wie es heißt, wird in Prätoria die Antwort auf Chaniberlains Depesche noch erwogen. Nach einem den„Bcrl. Neuest. Nachr." aus London zugegangenen Telegramm hält es der„TimeS"-Korrespondent in Prätoria für wahrscheinlich, daß die Transvaal-Rcgieruug, um sich der Annahme des Kommissionsvorschlagcs zu entziehen, die Aufenthaltsklausel in dem neuen Wahlgesetz von sieben auf fünf Jahre herabsetzen werde. Das wäre die Bewilligung des Milncrschen Minimums. In englischen Handelskreisen wird keineswegs, wie ein Teil der englischen Blätter glaubhaft zu machen sucht, das schroffe Vorgehen ChaniberlainS gebilligt. Ter Londoner Handclsrnt, welcher aus Mitgliedern der meisten britischen Handelskammern besteht, hat eine Resolution angenomincn, in tvclcher das Verhalten Chaniberlains gegen Transvaal verurteilt wird.— z�KVkei�A�viktzken. Zum Parteitage. Di-„Sächsische Arbeiterzeitung' bespricht die Aufgaben des nächsten Parteitages, gicbt dabei ihrer Genug- thuung darüber Ausdritck, daß Bebel als Ncfercnt zu den von Bernstein aufgeworfenen Fragen berufen worden ist, bedauert aber, daß kein Korreferent dazu aingcstellt wurde. Die„VolkSstinnnc" in Magdeburg schreibt:„In Parteikreisen ist die vorläufige Tagesordnung des Parteitages freudig� begrüßt worden. Seit dem Hamburger Parteitage hat sich anläßlich von Aeußerungcn Auers, Schlppels und Wolfgnng Heines und ferner infolge eines„Jsegrimm" gezeichneten Artikels von Schippe! über die'militärischen Ansichten von Friedrich Engels eine lebhafte und erregte Diskussion über die Stellung der Partei zur Frage des Militarisuttis enttvickclt. Wir sind mit der Fränkischen Tagespost" der Meinung, daß wir jetzt weniger wie je Veranlassung zu Konzessionen an den Militarismus haben und können eS nur begrüßen, wenn der Parteitag in eritster Ab- wägung aller �Umstände zu den hauptsächlich von Schippe! auf- geworfenen Fragen Stellung nimmt. Noch lebhafter und bc- deutungsvoller dürfte der von Bebel cmgeleitcte � nächste Punkt der Tagesordnung werden, der die Angriffe auf die Grundanschauungen und die taktische Stellungnahme der Partei zum Gegenstande haben wird. Vermutlich wird der Parteitag zu allen diesen Fragen Kor- referenten stellen. An Lebhaftigkeit wird es bei diesen Debatten nicht fehlen, aber auch nicht an Gründlichkeit— die Fragen sind akut und müssen erledigt werden." Die Gieffener Partcigcuoffcn haben bei dem hessischen Landcskomitee den Antrag gestellt, daß der am 10. September in Mainz stattfindende hessische Parteitag Stellung nehmen möge zu den die Partei beschäftigenden taktischen Streitfragen. Es wurde empfohlen, einen besonderen Referenten zu bestellen.' GemevKMsafilitlzes. Berlin titib Uiilgcgcnd. Die Maurer der lokalen{Richtung hatten in der Zeit voin 1. Januar bis IS. Juli d. I. für den Streikfonds, inklusive des alten Bestandes von 10 574,10 M., eine Gesnmteiiniahine von 38 052,05 M. nnd eine Gesamtausgabe von 37 259,48 M. zu verzeichnen. Unter den Ausgaben, in tvelchen auch die Kosten der allgemeinen Lohn- bcwcgiing enthalten sind, befinden sich unter anderen folgende Posten: Bansperren 5335,50 M., Maßregelungs- Unterstütziliig 1428 M., Streik-Unterstützung 8495 M., Rcise-Untcrstiitzung 875,85 M., GcrichtSkostcn itnd Unterstützung an die Familien inhaftierter Maurer 1209,46 M., Drucksachen 953,70 M. Außerdem sind den Krefelder Webern 1000 M., den Tapezierern in Bielefeld 500 M., den Maurern in Blankenbnrg 2802,10 M., den Maurern in Stralsund 1451,90 M., den Maurern in Brannschiveig 4702,50 M., den lokalorganisiertcn Banarbcitcnt Berlins 100 M., der Geschäftskommission für Streiks 3500 M. und dem ersten Vertrauensmann 1000 M. aus dem Streik- fonds übcrivicsen worden. Die Steinmetzen haben das EiniglingSamt angerufen. Die Antwort der Untcrnchincr kann vor Montag früh kaum einlaufen. Deutsches Reich. Für die KnitPPschaftSwahlcn Kaben sich bekanntlich der Deutsche Bergarbeitcr-Verband nnd der Christliche Verband geeinigt. Sie haben ein gemeinsames Programm ausgestellt, ans dem folgende Pmikte hervorgehoben seien: Eine Ailfrechniing der Ncichs-Jnbalidelirente auf die KnappschaftS- Pension sodcr umgekehrt) findet nicht statt. Unfallrcnten dürfen nur dann erst anfgerechnet werden, wenn Reichsinvalidenrenle und Knappjchaftspcnsioil zufainmeu 700 M. pro Jahr übersteigen. Ist der Reservefonds von 40 Millionen Mark erreicht, so wird die Hälfte der jährlichen Uebcrschüsse mit znr Ausbesserung der Pensionen verwandt. Abschaffung der Obcrältesten. Die Wahlen innerhalb des Knappschaftsvorstandes wie derGcncral- Versammlung sollen getrennt stattfinden nach den Vertretergruppcn. Das Gegens eitigkeitSverhältniS mit den deutschen Knappschafls- vereinen ist besser auszubauen. Die Leitung der Vorstandssitziingen und Generalversammlungen ist zwei Vorsitzenden mit gleichen Rechten zu übertragen, wovon der eine aus den Vertretern der Arbeiter, der andere aus den Werks- besitz ern zu wähleii ist. Die Leitung der Sitzungen geschieht Wechsel- seilig von beiden Vorsitzenden. Wegen„unerlaubter öffentlicher Gcldsammlnng" wurde der Zimmermann Dose vom Schöffengericht in Dresden zu 20 Mark G e l d st r a f e verurteilt. D. hatte auftragsgemäß nnd dem Beschluß einerZimmercrvcrsanvnlUng entsprechend auf dem Bauplatz am Lohntag unter seinen Kollegen— also in begrenztem Rmime nnd Personenkrcisel— freiwillige Extrabciträge einkassiert. Auch ans diesem Gebiet hat sich die sächsische Jnterpretationskunst immer weiter zu Ungunsten der Arbeiter entwickelt. Uebrigcns hier eine merkwürdige Logik. Man läßt Versmnmlmigen unter den Augen der Polizei un- beanstandet Beschlüsse fassen— da solche Beschlüsse gesetzlich zu verhindern u u m ö g l i ch ist— aber durchgeführt dürfen sie nicht werden._ MommunÄles. Bei den im November dieses Jahres stattfindenden Ergänzniigswahlen für die Stadtverordnctcu-Vcrsaminlmig kommen in der i. Abteilung und in der II. Abteilung die Bezirke 1— 16 derselben in Betracht, in der III. Abteilung die Bezirke 1, 3. 6. 7. 15. 16. 19, 20. 21. 26. 27. 30. 33. 38. 40. 43. 44. 45, 46 und 47. Unter den Stadtverordneten befinden sich gegen- wnriig in der I. Abteilung 29, in der II. Abteilung 33 nnd in der III. Abteilung 22 Hauseigentümer. Von diesen scheiden ans: I» der I. Abteilung 10. in der II. Abteilung 10 und in der III. Ab- teilung 7 Ivegen Ablauf ihrer Wahlzeil; es verbleiben demnach in der I. Abteilung 19, in der II. Abteilung 23 nnd in der III. Ab- teilung 15 Hausbesitzer. Nach den Bestimmungen der Städte- Ordnung müssen aber in jeder Abteilung 24 Hausbesitzer sein; infolgedessen ist es erforderlich, daß in der I. Ab- teilung in 5 Bezirken, in der II. Abteilung in 1 Bezirk und in der III. Abteilimg in ö Bezirken Hausbesitzer gcivählt tvcrden. Das Magistratskollegium hat nun in seiner gestrigen Sitzung die Auslosung dieser Bezirke vorgenonimeil. Es sind daraus hervorgegangen in der I. Abteilung die Bezirke 6, 9, 11, 14, 16, in der II. Abteilung der Bezirk 3 und in der III. Ab- teilung die Bezirke 6, 7. 26. 27, 30. 33. 43, 44, 46. Bon den parteigenössischen Stadtverordneten kämen als aus- gelöste Gieshoit im 33. und Vogtherr im 46. Bezirk dritter Abteilung in Betracht. Ter Magistrat als Verfechter der Wahlentrechtung. Gegen den gestrigen Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung, I n b a b e r v o n S ch l a f st e l l e n sS ch l a f b n r s ch e n> in die Wählerliste auszunehmen, hat das Magistralskollegium beschlossen, den Klage weg zu beschreiten. Zur Kciilizeichnung der allerdings ohnedies bekannten reaktionären Anschauungen des Magistrats ist auch dieser Beschluß im Wahlkampfc verwendbar. Ans der Magistratsfitznng am Freitag. Das Magistrats« kollegium hat den bereits mitgeteilten Beschluß der Unterkommission genehmigt, wonach dem Antrage der Direktion der Großen Straßen- bahn gemäß, derselben grundsatzlich gestattet sein soll, die Halte- stcllen-Schilder an den Latenienständern der öffentlichen Beleuchtniig anzubringen, jedoch soll jeder einzelne Fall unter Zu- ziehnng der Erlcuchtuiigs-Dcpntation des Magistrats erfolgen müssen. Es hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, die Erweiterimg des Waisciihauses in der Alten Jakobstraße in die Wege zu leiten. Zu diesem Behufe har das Magislratskollegium beschlossen, die Häuser Alte Jakobstr. 34 und 35 anzukaufen.'Dagegen hat das Kollegium den Ankauf eines Grundstücks zur Ver- größer» ii g der Blindenanstalt abgelehnt, es soll viel- mehr diese Vergrößerung auf dem jetzigen Grundstück der Anstalt erfolgen. Nach dem Bericht des Kuratoriums des städtischen Vieh- und Schlachthofes sind im Monat Juli 1899 auf dem städtischen Schlachthofe 54 013 Schweine— gegen 47 466 im Juli 1898— auf Trickinen untersucht worden. Davon sind zehn Stück wegen Trichinen und 15 Stück wegen Finnen als znr menschlichen Nahrung ungeeignet zurückgewiesen worden. Für das W n i s e n d e p o t in der Alten Jakob- st r a ß e soll, nach Beschluß des Magistratskolliginms, ein pädagogischer Beamter angestellt werden, welchem die Leitung der Depotschule nnd die Diüdchcn-Fortbildungsschule im Depot Übertragen werden und die Aufgabe haben soll. zur Unter- bringung der Waisenknaben in eine Lehrstelle und die Waisenmädchcn in einen Dienst. Der Stadtverordneten- Versammlung wird eine diesbezügliche Vorlage znr Genehniigung zugehen. Geviifzts�eikttttg. DaS Agraricrtnm vor dem Strafrichter. Als„Jdhll aus Ostclbien" wollte ein Artikel der„Welt am Montag" auf- gefaßt fein, in welchem einige auf dem Rittergute Cnnern im Kreise Wohlan herrschende Zustände geschildert wurden. Die lokalen Ver- Hältnisse der Schule wurden als unglaubliche und unerträgliche dar- gestellt, es wurde erzählt, daß das Ortsarmenhaus eiiien Raum enthalte, der aller Beschreibung spotte und zur Unterkunft für edleres Vieh zu schlecht sein würde, und endlich wurde behauptet, daß der Rittergutsbesitzer—„natürlich Leutnant d. Res." war hinzugesetzt worden— seinen männlichen Arbeitern im Sommer 80 Pf., im Winter 70 Pf., den weiblichen im Sommer 40 Pf., im Winter 30 Pf. Tagelohn zahle. Der NittergntSbesitzer Hamscher in Eimern fiihlre sich durch diesen Artikel beleidigt und strengte gegen den Redactcur Dr. Martin Langen die Privatklage an. Obgleich vor dem Schöffengericht der Wahrheitsbeweis für die im Artikel auf- gestellten Bchauptnngen hinsichtlich der Schule, des Ortsarmen- Hauses und der Lohnverhältnisse geführt wurde, verurteilte das Schöffengericht den Angeklagten doch zu. 25 M. Geldstrafe, da es sowohl ans der Wahl des Ausdrucks„Idyll ans Ostelbien", als namentlich ans dem ironischen Zusatz„natürlich Leutnant d. R." entnahm, daß eine beleidigende Absicht dem Verfasser des Artikels imie gewohnt habe.'„Daß die Zustände in dem Schuthanse durchaus ungehörig sind, unterliegt— so heißt es in dem Urteil— keinem Zweifel, es steht aber nicht fest, daß der Privatkläger in dieser Richtniig die ihm obliegenden Pflichten versäumt hätte, sl) Zu der betreffenden Schulgemeiude bezw. dem Lrtsarmenvcrband gehört nämlich nicht nur das ihm gehörige Gut, sondern auch die Dorfgemeinde Cnnern. Es dürfte nun nicht seine Sache sein, für die Abhilfe der gerügten Zustände zu sorgen. wciiigstcns nicht seine Sache allein, sondern Sache des be- treffenden Schulborstandes bezw. des Armenverbandes als solcher cbeutucll der vorgesetzten Behörde. Durch die Betonung der Zugehörigkeit des Klägers zu dem im allgemeinen sehr einfluß- reichen Srande der Rittergntsbesitzer. die, wenn sie ihrer Wirtschaft- lich mächtigen Stellniig den oft zahlreichen, von ihnen abhängigen Personen gegenüber genügen wollen, ein erhebliches Maß von Menschlichkcits- und Gerechtigkeitssinn haben � müssen, ferner durch die Betoiinug seiner Zugehörigkeit zum Offiziersstande— einem Stande, von dem allgemein ein bcsoiidcres�Maß von vornehmer Gcsiiinnug und Pflichtgefühl erwartet wird, besonders da, Ivo es sich nur allgemeine staatliche Interessen handelt— hat der Angeklagte darauf himuciscn ivollcn, daß Kläger im Gegensatz zu einem seiner Stellung entsprechenden Verhalten Mangel an Menschenliebe nnd Gcrcchtigkeits- und Pflichtgefühl bewiesen habe." �— Gegen das Urteil des Schöffengerichts hatte Rechtsanwalt Victor Frankel Berufung eingelegt, die gestern die 8. Ferien-Strafkammer beschäftigte. Der Pr'ivatklägcr wurde durch Referendar Dr. Frädrichs ver- treten. Auch die Strafkammer erachtete den Beweis der Wahrheit im allgemeinen für erbracht und sah in den über die Löhne angeführten Thatsachen kein beleidigendes Moment. Was die Schule und das Ortsarnienhaus betreffe, so sei nicht festgestellt, daß Kläger unbedingt und ausschließlich verpflichtet war, die Uebel« stände abzustellen; wenn er aber auch nicht berpflichtet gewesen. direkt dafür zu sorgen, so habe er doch als Rittergutsbesitzer, als Herr und gebildeter Mann, der in mnnittclbarer Berührung mit diesen Einnchtmigen stehe, die moralische Verpflichtung gehabt, für Hebung dieser Zustände zu s arge n. Es konnte also mit Recht eine m o- r ä l i s ch e Verpflichtung vorgehalten werden. Obgleich der Beweis der Wahrheit geführt worden, sei der Artikel doch strafbar, weil er eine beleidigende Form erhalten habe._ Die Bcruflmgskainmer hat im Gegensatz zu dem Schöffengericht in der ironischen Anwendung des Wortes„Idyll" eine Beleidigung nicht erblickt, dagegen ans dem sarkastischen Zusatz„nebenbei natürlich Leutiialit der Res." die Absicht der Beleidigung ersehen zu müssen geglaubt nnd deshalb auf Verwerfung der Berufung erkannt. Die Verurteilung des RedactenrS trotz solcher Begründung ist ja ans den in Bclcidigungssachen außerordentlich fein abwägenden Rechtsgepflogenheiten des deutschen Richtertitiils erklärlich und setzt das anerkannte Verdienst des„Preßsünders" nicht im mindesten herab. Vielmehr ist zu wünschen, daß unsere Agrarier öfter die Toi- patschigkcit begehen, sich ihre Sünden gegen die Bevöllernng ge- richtlick attestieren zu lassen. Tic Strafsache des„ReichsglöckncrS", Joachim Gehlsen, der sich schon seit mehr als zwei Monaten in Untersuchungshaft be- finder, zieht»ock weitere Kreise. Eine Korrespondenz meldet: In dem Wochenblatte Gehlscns, das seit seiner Verhaftung seine Frau, Hermine Gehlsen, verantwortlich zeichnet, erscheinen nach wie vor Angriffe, die sich gegen bcstinimte Charlottenburger Bürger richten, namentlich gegen solche, die gegen Gehlsen als Zeugen auftreten. Mehreren Etrafanträgcn der Beleidigten gegen Frau Gehlsen � und die Druckereibesitzer Fänger n. Heimnnn hat die Staatsanwaltschaft Folge gegeben. Die Unierslichimg ist bereits eingeleitet worden. Vernehmungen haben schon stattgesimden, andere sind angeordnet ward eil. Aus Grund eines Artikels in der letzten Nummer, in dem ein Bürger der Unterschlagung beschuldigt wird: ist gegen Frau Gehlsen nnd die Drucker außerdem Anzeige wegen Nötigung er- stattet worden._ Vevssmttrl«ngrn. Der Centralverband deutscher Maurer(Zahlstellen Berlin» und Umgegend) hielt am Donnersrag zwei Versammlungen ab, um über das von der Achtzchner-Kommission beschlossene Arbeitsregulativ zu verhandeln und außerdem um zu dem Beschluß des Unternehmer- � bundes, unparitätsscke Arbeitsnachweise für das Baugewerbe zu er- richten, Stellung zu nehmen. Der Entwurf dieses Arbeitsrcgnlotivs, das in einigen Punkten bei der Schlnßbcratimg in der Kommission einige Abändernngen er- fahren hat. wurde bereits in der Nr. 181 des„Vorwärts" im Wort- laute veröffentlicht. Auf Veranlassung der Arbcitcrvertreter ist nun positiv festgesetzt worden, daß für RüstnngSgescllcn überhaupt nicht mehr als eine Ueberstimde täglich zulässig ist und daß hierfür kein Lohnzuschlag bezahlt wird. Ferner ist der Passus, nach welchem an den Sonnabenden und an den Tagen vor den hohen Festen eine bcstinimte Zeit früher Feierabend gemacht ivird, aber der Lohn für den vollen Tag bezahlt werde» muß, sofern that- sächlich bis zu Feierabend gearbeitet wurde, dahin abgeändert Ivo» de», daß, wenn das letztere nicht der Fall, mir die nicht ge- leisteten Arbeitsstunden in Abzug gebracht werden dürfen.— Die Bestinimmigen in den 88 1 bis 5, ivelche die Arbeitszeit, Pansen, Ucberstnndcn und Lohnzahlimg regeln, treten sofort in Kraft. Die Bestimmungen in§8 6»nd 7, weiche die Einrichtung der Baubuden nnd Aborte betreffen, sind bei neu beginnenden Bauten sofort an- zuwende», bei bereits begonnenen Bauten bis spätestens am 1. November in Anwendung z» bringen, falls bis zu dieser Zeil die Novbau-Abiiahme noch nickt erfolgt ist. Die gesamten Bestimmungen Müssen im Wortlaute ans jeder Baustelle in Plakatform und für die Arbeiter sichtbar ausgchangen werden. In den„Borussia-Sälen" beschloß die Versammlung zunächst ohne Diskusston, den dänischen ausgesperrten Arbeitern eine weitere Rate von 500 M. als Unterstützung zu überweisen. Hieraus erläuterte W. Schulz in eingehender Weise die in dem Arbeiter- regulativ enthaltenen Bestimniungen. wobei er darauf hin- wies, daß es nunmehr Aufgabe der Maurer sein wird, für die strenge Durchführung der' Abmachungen Sorge zu tragen und daß anderseits für den Ausbau und die Stärkung der Organisation gewirkt werden müsse, wozu infolge der veränderten Verhältnisse jetzt erst die beste Gelegenheit gegeben ist. In der hierauf folgenden längeren Diskussion, an der sich Raab e, Schulze, Wundersee. Silberschmidt n. a. beteiligten, wurden, außer gegen die Bestimmungen, daß der Lohn für den Sonnabend einbehalten werden soll und daß für die Monate Dezember und Januar nur eine halbe Stunde Mittagspause festgesetzt ist, wesentliche Einwendungen nicht gemacht. Mit allen gegen 2 Stimmen gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, in der sich die Ver- bandsmitglieder mit den von der Achtzehner-Kommission beschlossenen Aussührungs- Bestimmungen zu den am 24. Juni vereinbarten Vertrag einverstanden erklären und für die Durchführung derselben zu wirken versprechen. Nach einem ausführlichen Referat von W. Schulz über die Bedeutung der Arbeitsnachweise und über die geeignetste Verwaltung derselben, wurde ohne Diskussion folgende Resolution einstimmig beschlossen:„Die heutige Versammlung sieht in der am 2. d. Mts. vom Vorstande des Deutschen Arbeilgeber- Verbandes angenommenen Resolution bezüglich unparitätischer Arbeits- nachweise das Bestreben der Unterjochung der gesamten Kollegen- schaft. Sie ist der Meinung, daß bei Inkrafttreten dieses geplanten Arbeitsnachweises mit Einführung von Entlassungsscheinen, das schwarze Listensystem Eingang findet, die kaum anerkannte Organi- sation der Arbeiter von' neuem bekämpft wird, und dadurch der gemeinsame Vertrag zwischen Unternehmer und Arbeiter sehr leicht illusorisch gemacht werden kann. Die Versammlung sieht dagegen in der Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises eine scgens- reiche Institution sowohl für die hiesigen Maurer als auch für die hiesigen Unternehmer. Sie beauftragt daher ihre Vertreter in der Achtzehner-Kommission, da in dem Vertrag und den Ausführnngs- bcstimmungen die Angelegenheit des Arbeitsnachweises bisher im- berücksichtigt gelassen ist, den Vertretern der Unternehmer einen den Wünschen der Arbeiter entsprechenden Antrag zu unterbreiten." Nachdem noch beschlossen worden ivar, daß die Abstempelung der Streikkarten bis spätestens am 23. August zu erfolgen hat und nach- dem R i e g e r- Spandau die Vorkommnisse mit der Pichelsdorfer Brauerei geschildert und zur genauen Jnnchaltung des Boykotts aufgefordert hatte, erfolgte der Schluß der gut besuchten Ver- sammlung mit einem kräftigen Hoch auf die Organisation. In der stark besuchten Versammlung in der K r e u z b e r g- st r a ß e berichtete Schulze- Charlottcnbnrg über die Arbeiten der Achtzehner-Kommission unter Hinweis auf die bereits innerhalb der letzten Wochen getroffenen Vereinbarungen, die man als einen be- deutenden Fortschritt und als einen Wendepunkt in der Maurer- bewcgung bezeichnen könne. Voraussichtlich iverden diese Verein- barungen dazu dienen, die von den Unternehmern und deren Preß- organen angedrohten Aussperrungen und Maßregelungen zu ver- hindern und gleichzeitig das allgemeine Solidaritätsgefühl und das Interesse für die Organisation' der Maurer zu stärken, wenn auch noch vieles unerreicht geblieben sei, was man in späterer Zeit nach- holen könne. In der darauf folgenden Besprechung werden von H a n i s ch, H o f f m a n n und Frenze! einige Punkte bemängelt und die Auf- rechtcrhaltnng der Vereinbarungen seitens der Unternehmer be- zweifelt; sie werden aber von Schulze und P a n s e r in längeren Ausführungen widerlegt. Man habe von manchen Forderungen leider Abstand nehmen müssen, um nicht die ganze Vereinbarung zu vereiteln. Hierauf werden die Vereinbarungen ebenso wie in der Ver- sammlung in den„Borussiasälen" gutgeheißen und zwar ein- st i ni m i g. Panser berichtet nunmehr über die Frage des Arbeitsnachweises. Er empfiehlt, einen c e n t r a I i st i s ch e n und paritätischen Arbeitsnachweis, am besten unter st ä d t i s ch e r Kontrolle, zu er- streben. Nach kurzer Besprechung gelangte die schon mit- geteilte entsprechende Resolution zur Annahme mit einem von Winsberger gestellten Znsatzantrage, falls dieser Vorschlag der Maurer von den Uuteruehinern abgelehnt wird, einen eigenen Arbeitsnachweis zu errichten. Für die Ausgesperrten in Dänemark wurden S00 M ark bewilligt. Ein weiterer Antrag: Die Streikkarten-Abstcmpelnng hat mit dem 23. August ihr vorläufiges Ende erreicht, weshalb alle Maurer verpflichtet werden, dafür zu sorgen, daß alle Strcikkarten bis zum genannten Tage ihre» Schlußftcmpel erhalten, wurde e i n st i m m i g angenommen, worauf Schluß cher Versammlung erfolgte. Zur Lohnbewegung der Steiuarbcitcr. Eine stark besuchte Versammlung am Mittwoch im Englischen Garten nahm den Bericht der Kommission über die angebahnten Einigungsversuche mit den Meistern entgegen. Eine ani 4. August an den Obermeister der Innung gerichtete Anfrage, ob die Innung gewillt ist, eine Einigung herbeizuführen, wurde dahin beantwortet, daß er laut Jnnungsbeschluß nicht befugt sei. zu unterhandeln, aber nicht ab- geneigt wäre zu einer persönlichen Rücksprache. Diese fand am 7. August durch drei Kommissionsmitglieder statt. Der Herr Ober- meister Ditlmer ließ durchblicken, daß er im großen ganzen unsere Forderungen bewilligen würde, nur niüßte ein niederer Lohnsatz als 7l) Pf. für die schwächeren Arbeiter festgesetzt werden. Am 3. August hat nun eine Sitzung der Jnnungsmeister statt- gefunden, welche folgenden Beschluß gefaßt und der Kommission zugeschickt hat: Dem Gcsellcnausschusie wird mitgeteilt, daß die Berliner Sleinmetzinnung auf den Abmachungen vom 27. Juli zwischen Arbeiter» und Unternehmern beharrt; darüber. daß der gegenwärtige Tarif bis zum 1. März 1900 zu Recht besteht, hat der Gcsellcn-Ausjchuß am 2l. Juli er. seine bestimmte Erklärung gegeben und betont, daß die Gesellen Berlins sich bis zum 1. März IlKX) an diese Abmachungen für gebunden erachten. Alle Redner, welche das Wort nahmen, sprachen sich ganz entschieden dagegen aus, daß die Meister einen Teil der Arbeiter als minderwertig bezeichnen. Die Mitglieder des Gcscllenausschusses protestieren ganz entschieden dagegen, eine bestimmte Erklärimg gegeben zuhaben, und bezeichnen es als eine Unwahrheit, da sie auch gar nicht dazu befugt Ivarcn und von ihren Kollegen in keiner Weise beauftragt worden sind, den Tarif anzuerkennen. Ein Ansuchen des Herrn Gewcrbegcrichts-Assessors v. Schulz, das Gcwcrbegericht als Einiglingsamt anzurufen, tvurde den Versammelten vorgelegt. Mehrere Redner sprachen sich dagegen aus mit dem Be- denken, daß bei den Verhandlungen von unseren Forderungen zurück- gegangen werden niüßte, während sie doch so minimal sind, daß nur die allernolwcndigsten Bedürfnisse jedes einzelnen gedeckt werden könnten. Der Antrag wurde gegen ein Drittel der Versammelten angenommen, jedoch niit der Bedingung, daß die Bunzlauer und Breslauer Angelegenheit gleichzeitig mit verhandelt wird. Die Ansichten der Versammelten gehen dahin, baß, wenn die Forde- rungcn von den Meistern vor dem Einigungsamt nicht anerkannt iverden, sie gewillt sind, die Arbeit nicht wieder aufzunehmen, als bis bewilligt ist. Es wurden drei Vertreter und drei Stellvertreter gewählt, ivelche die Interessen der Berliner Steinmetzen vor dem Einigungsamt wahren sollen; dasselbe wird von Bunzlau und Breslau geschehen. Zum Schluß wurden noch zwei Unterstütznngsgesuche von zwei krankeir und aus der Krankeitkasse ausgesteuerten Kollegen er- ledigt. Die Einsetzer kamen in einer am Donnerstag abgehaltenen Versainnilimg überein, daß sie ihre schon seit einiger Zeit geplante Lohnbewegung gleichzeitig mit der Bewegung der Bautischler durch- führen wollen. Es wurde beschlossen, den schon früher aufgestellten Lohnlarif drucken zu lassen und ihn den Unternehmern zu über- senden. Das weitere Vorgehen soll von den Beschlüssen der am Sonntag stattfindenden Versammlung der Bautischler abhängig ge- macht werden. Für den Fall, daß diese in den Streik eintreten, wollen sich die Einsetzer demselben anschließen. Tischler- Verein. Heute abend 8'/, Uhr, Melchtorstrahe 1B: Versammlung. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 1Z. August, vorm. 8'/- Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexanderstrahe 27o, Versammlung: Freireltgiöse Vorlesung.— Um tOV, Uhr vormittags ebendaselbst Vortrag des Fräulein Ida Altmann!„Kunst und Leben". Gäste, Damen und Herren, sehr willlommen. Der Unternehmcrbuud fiir daS Baugewerbe veranstaltet am tl). Oktober d. I. in Karlsruhe im Anschluß an die Verbandstage der Deutschen Baugewerks-Bcrufsgenossenschaften und des Jnnungs- Verbandes der Deutschen Baugewerksmeister seine erste ordentliche Generalversammlung. Auf der Tagesordnung stehen Stellungnahme zum Entwurf des Gesetzes zum Schutz des gewerblichen Arbeits- Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Verhältnisses, Lohnbewegungen int Bang""erbe Deutschlands, Stellungnabii'.e siir die weiterhin einzuschlage i. e Taktik des Bundes und die Eim.chrung obligatorischer Arbeil: uachweise ans un- paritätischer Basis unter Berücksichtigung cinheitlichcr Eni- lassungsscheine._ Sociales. Zur KrailkeiibcrsicherungS- Statistik. Nach den letzten Ver- öffentlichnnge» des Statistischen Amts bestanden in Dcntschland am Schlüsse des Jahres 1897 22 477 Krankeiikaffen sgegen 22 111 im Jahre 1896). Da nicht alle dieser Kassen das ganze Jahr hin- durch thätig waren. betrug die Durchschnittszahl der Kassen 22 006, die Durchschnittszahl der Mitglieder 8 337119(gegen 7 944 820 im Jahre 1896). Auf jede Kasse kamen durchschnittlich 379 Mitglieder. Die größte Mitglicderzahl, nämlich 3 8S0 8S3, hatten die 4548 Orts-Krankenkassen aufzuweisen; dann folgten 6974 Betriebs- (Fabrik-) Krankenkassen init 2 160 074 Mitgliedern. 858? Kassen der Gemcindc-Krankciiversichernng mit 1 370 822 Mitgliedern, hierauf 1422 Eingeschriebene Hilfskassen, deren Mitgliederbestand 730 985 betrug, alsdann in gewaltigem Abstände 593 Jnnungs- Krankenkassen mit 145 319�tmd 261 Landcsrechtliche Hilfskasscn mit 58 603 Mitgliedern. Den Schluß bildeten 92 Baukrankenkassen, deren Mitglicderzahl 19 958 betrug. Bei sämtlichen genannten Kassen kamen 2 964 937 ErkrankungS- fäll? mit 51 513 783 KrankhcitStagcn vor, so daß durchschnittlich ans 1 Mitglied 0,36 Erkrankungsfälle und auf einen Erkrankten 17.37 Krankheitstage entfielen. Wie ungünstig es mit den GesnndheitS- Verhältnissen der Bauarbeiter steht, beweisen die Bau-Kranlciikasscn, bei denen ans ein Mitglied durchschnittlich 0,52 Erkranklingsfälle kamen, so daß also über die Hälfte der Mitglieder erkrankt sind. Die Einnahmen(einschließlich der zurückgezogenen Kapitalien), betrugen im Jahre 1897 bei allen Kassen 167 810 060 M. An Bei- trägen und Eintrittsgeldern gingen allein 135 486 710 M. ei». Die Ausgaben(ausschließlich der' Kapitalanlagen) stellten sich aus 133 939 781 M., darunter die für Krankhcitskoften auf 120 487 910 M. (gegen 109 722 779 M. im Vorjahre). Von den Krankheitskosten cittfielen auf Arzthonorar 26 914 241 M., auf Arznei und sonstige Heilmittel 20 699 312 M., auf Anstalts- Verpflegung, Sterbegelder, Unterstützungen von Wöchnerinnen und Fürsorge für Rckonvalescenten 21 142 918 M. An Krankengeldern ivnrdcn 51 730 939 M. gezahlt. Durchschnittlich kam auf 1 Mitglied für KrankheitSkoftcn eine Ausgabe von 14,45 M. Auch hier hatten die Bau-Krankenkasseii diesen Dnrchschnittssntz am weitesten über- schritten, da bei ihnen ans 1 Mitglied 20,74 M. für Kiranlheitskoften kamen. Der Ueberschnß der Aktiven über die Passiven betrug bei allen Kassen 133 457 564 Rk.(gegen 120 769 326 M. im Vorjahre). Unter den Aktiven befanden sich die angesammelten Reservefonds in Gesamthöhe von 119 627 754 M. lgcgen 107 856 665 M. im Jahre 1896). Außer den bei vorgenannten Krankenkassen versicherten Personen waren im Jahre 1397 noch bei den Knappschaftskasscn 526 067 Per- sonen versichert(gegen 496 946 im Jahre 1896). In Rennes. Die geheime Sitzung des Kriegsgerichts am Freitag wurde gegen 7 Uhr eröffnet. Drcyfus war um 6�/« Uhr von einem Gendarmerie-Offizicr vorgeführt. Palsologue beendete feine Mit- tcilungen. Die nächste östcntlichc Sitzung ist Sonnabend. Die wirklichen Verräter. Die„Times" erklären in bestimmtester Form, daß außer den im Bordereau aufgeführten Miiteilungen von geringem Werte mehr als hnndert Toknincnte von beträchtlicher Wichtigkeit dem deutschen Militärbevollmächtigten Ovcrslcn v. schwartz- k oppen zu verschiedenen Zeiten von Estcrhazy als Zwischen- träger und Schuldgenossen Henrys geliefert worden seien. Eines dieser Schriftstücke erhielt eingehende Angaben über den allgemeinen Mobilisiernngsplan der französischen Arnree. Die Erträgnisse des Geschäftes teilte» Estcrhazy und Henry unter sich. In Pariser diplomatischen Kreisen war Oberst Henry schon mehrere Monate vor seiner Verhaftung und seinem Selbstmorde als der wirkliche Ver- rnter bekannt. Diese Thntsache war auch anfangs 1893 außer Deutschland schon mehr als einer europäischen Regierung bekannt. Miliiär-Jntrignen. In der P e t i t e R e p u b l i q u e bespricht I a» r ä S den Prozeß und die sonderbare Art, in welcher der Vorsitzende des Kriegsgerichts, Oberst Jouanst, das Verhör vornahm, sowohl bei den Fragen nach der Urheberschaft und dem Inhalt des Borderau, als bei den Fragen nach der Bedeutung von Dreyfns' Ausruf: In zwei bis drei Jahren wird. man meine Unschuld erkennen. Doch hält er dies noch nicht für bedenkliche Zeichen. Was dagegen bedenklich ist, fährt Jaures fort, ist der Umstand, daß die Richter die Sache, über die sie urteilen sollen, absolut nicht kennen. Man hat mir versichert, daß sie nicht einmal die Bände mit der Engnetc des Kassationsbofes zur Hand genommen haben. Diese rechnet für sie nicht mit: sie kennen sie nur durch die lügeubastcu Berichte der„Libre Parole" und deS„Echo de Paris". Die Richter haben thatiächlich alles noch erst zu erfahren, bis jetzt haben sie nur verwirrte Begriffe und Vorurteile. Aber das Gefühl ihrer Verantwortlichkeit wird hoffentlich ihr Nachdenken erwecken. Vom ersten Verhandlnngstage an haben sie mit sichtlicher Sorgfalt zugehört und sich genaue Aufzeichnungen gc- macht. Die Gefahr liegt also nicht in der UnlenntniS und den Vor- urteilen der Richter, so hartnäckig auch diese und so groß auch jene seien mögen, denn schließlich werden sie doch beseitigt werden. Die Gefahr liegt vielmehr in den permanenten Jntrigucn der Generale, die sich in der höchsten Not befinden. Sie wissen, daß sie einen Verzweiflungskampf kämpfen. und sind ent- schloffen, den Mangel an Vorbereitung bei den Richtern zu benutzen. um sie durch ihre Lügen zu blenden und durch ihb Ansehen zu betäuben. Schon versucht man, auf sie einzuwirken, daß sie das gemeine und läppische geheime Dossier ernst nehmen. Wenn sie die Enquete gelesen Härten, den Bericht Ballot-Beaupres. die Denkickmft Mornards. so müßten sie gesehen haben, daß selbst der Hauptmann Enignel nur einige wertlose Stücke aus dieser Sammlung hypothetisch ans Drcystis anwenden konnte; die einzigen, die einen Sinn haben, beziehen sich ans Estcrhazy. Während der General Chanwin 372 Schriftstücke aus dcnr geheime» Dossier die Augen der Richter passieren läßt, können die Richter sich nicht der notwendigen kritischen Arbeit hingeben. Man wird also in öffentlicher Sitzung die Verhandlung über'das geheime Dossier wieder aufnehmen müssen. Cuignet und Roget werden an« geben müssen, warum sie irgend ein Schriftstück auf Drcyfus beziehen, und die Richter müssen Zeit und Gelegenheit haben, diese ver- brechcrischen Albernheiten nach ihrem Werte zu beurteilen. Zum Schluß betont Jauräs, daß die Kämpfer für das Recht vor dem Verbrechen der Generale die Waffen nicht strecken werde». Für die bedrohte Menschlichkeit, schließt er, sind wir bereit, wenn es sein muß, unser Leben zu opfern. Schande über Frankreich, wenn es in diesem Kampfe der Wahrheit und des Rechts nicht mit un« tvidcrstehlicher Gewalt einmütig die Bande der pflichtvergessenen Generale, der Fälscher und Henker zurückschcncht. **■ » Interpellation über die Prätorianer. Der„Petite Republique" zufolge teilte Clovis HugueS dem Kriegsmiinsler mit. er werde nach dem Zusammentritt der Kammer über die Thalsache interpellieren, daß die Zeitung„Le Petit Frnityais" in der Kriegsschule von Saint-Cyr unentgeltlicki verteilt worden sei, nachdem dieses Blatt vor einigen Tagen die Offiziere aufgefordert Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und hatte, sich einem gegen die Regierung der Republik gerichteten Plebiscit anzuschließen. Wir haben gestern über die Staatsstrcichclei berichtet. lieber die Sitzung des Kriegsgerichts schreibt uns unser Korrespondent aus Reimes unterm 9. Aiigust:� „Füllen die das geheime Dossier I" sagte der General Boisdeffre zum Oberleutnant Picquart. Und die Füllung ist überreichlich gewesen. Zur Zeit des Prozesses von 1894 zählte es kaum drei oder vier Schriftstücke, als Picguart sich noch im Ministerium befand, zählie man ein Dutzend und gegcmvärtig umfaßt es dreihundert- z w e i u ii d s i c b z i g Schriftstücke. Angesichts dieser Ziffer begreift man, daß der Ausschluß der Oeffcntiichkcit nicht sobald beendigt sein wird. Siebcinmdvicrzig Stücke hat man in der ersten Sitzung durch- gegangen, ein Dutzend in der zweiten, und vielleicht wird man ebenso langsam fortfahren. Man folgt sich hier nach dem Grunde dieses eifrigen Studinins einer Sammlung von Lügen und Fälschungen, deren großartigste aus der Kamnicrtribüne durch Cavaignac vorgetragen wurden, die aber im Lichte des Tages alsbald dem allgemeinen Gelächter und der allgeiiieinen Verachtung verfielen. Nun, vielleicht war nach der Komödie des Verhörs Dreyfns' über das von Estcrhazy geschriebene Bordereau die Komödie der Prüfung eines Saminclsnrinms von Schwindeleien und Schmntzereicn notwendig l Heute nachmittag herrschte in der Stadt lebhafte Bewegung. Kollegen von der Feder haben gemeldet, daß gegen drei Uhr in der Wohnung Eavaignaes eine geheime Zusammenkunft der Generale stattfinden würde. Die Versanimlinig der Urheber des Jnstizfrevcls kann nicht in Erstaunen setzen. Sie müssen sich ins Einvernehmen setzen, ihre Taktik vorbereiten und ihre Waffen für den bevorstehenden Kampf in Bereitschaft setzen. Sie rechnen mit Recht darauf, daß die Schlacht heftig werden wird. Große Neberraschungen und stürmische Bewegungen stehen uns viel- leicht an den folgenden Tagen bevor. Auf den Straßen ist alles ruhig; die Menge flutet auf und ab. neugierig, doch keineswegs feindselig gesinnt. Urkzke TlAchvichten und Depeschen. Dortmnud, 11. Aug.(W. T. B.) Bei einem Festmahl im RathanS antwortete der Kaiser auf eine Ansprache des Bürgermeisters Schmieding folgendes:„An altehrwürdiger Stätte, in einer Stadt an Geschichte, an schönen und schweren Tagen, an Freude und Leid reich, erhebe ich den Pokal, von deutscher Schiniedekunst gefügt, gefüllt mit deutschem Naß, um von ganzem Herzen der Bürgerschaft meinen Dank auszusprechen für den überwältigenden großartigen und herzlichen, ungekünstelten Empfang, den sie mir bereitet hat. Ich glaube Ivohl aus dem Herzen eines jeden Dortmunders zu sprechen, ivenn ich sage, daß die Zugehörigkeit zu dein preußischen Staat und die unter das Haus Hohenzollcrn der Stadt Dortmund nicht zum Nachteil gereicht hat. In diesem Lande, wo schon so alte Beziehungen zu meinen Vorfahren herrschen, wo dicTreue sprichwörtlich ist, da ist selbstverständlich auch die treue Gesinnung der Bürgerschaft für mich vorhanden. Das Werk, welches wir heute eingeweiht haben, wird hoffentlich ein Markstein in der Wendung der Geschicke der hiesigen Stadt sein. Es wird aber auch hoffentlich der heutige Tag ein Marlftein im Fortschreiten der Einsicht aller meiner llnterthanen sein. daß es notwendig ist, zuweilen die eigenen Wünsche und Aspirationen dem Wohle des gesamten Staates unter- zuordnen. So hoffe ich. daß das Teilstück, dieses erste Glied, das wir heute eingeweiht haben, im Verhältnis zu dem großen Werke des Ausbaues unserer Wasserstraßen aufgefaßt und verstanden iverden wird; denn nicht etwa soll unsere gesamte Kraft bloß auf diesen Kanal gerichtet sein, oder er allein die Arbeit und Leistung des preußischen Staates für längere Zeit absorbieren. Ab- gesehen von ihnen sind von mir zur Arbeit befohlen und bereits in Ausführung begriffen große Projekte, die der Oder gleich- mäßigen Lauf und gleichmäßige Tiefe verleihen sollen, um auch die nördlichen Provinzen und einen Teil Schlesiens mit der See zu verbinden. Auch anderweit? große Wasscrarbeiten sind geplant in unseren östlichen Provinzen, die der Landwirtschaft zu Gute kommen sollen. Nur durch das Ineinandergreifen und das Nebeneinanderbestehen von Industrie und Landwirtschaft ist es möglich, den Staat vorwärts zu bringen und auf gesunder Basis weiter zu führen. So hoffe ich, daß auch die Stadt Dortmund an ihrem Teile von diesem Werke reichen Nutzen ziehen wird. Ich trinke auf das Gedeihen und Blühen der Stadt."(Lebhafte Hurra- rufe.) Dortmund, 11. August.(23. T 23) Oberbürgermeister Schmieding ist zum Geheimen Rcgierimgsrat ernannt tvorden. Zlußerdem werden zahlreiche Ordcnsauszeichnungen, besonders ay beim Kanalban beteiligte Persönlichkeiten, verliehen. Elmshorn, II. Angnst.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Unter dem Köllerkurs. Unser dänischer Genosse Ohlscil. welcher hier über die dänische Aussperrung sprechen sollte, wurde auf Veranlassimg der Regierung ausgewiesen. Kopenhagen, 11. August.(W.T.B.) Wie das Finanzininisterinm mitteilt, ist die zu den westindischen Besitzmigeii Dänemarks gehörige Insel Sainte Croix laut eiiigcgaiigciicm Telegramm durch einen Orkan heimgesucht worden, welcher großen Schaden anrichtete. 30 Personen wurden getötet. Der materielle Schaden ist so bedeutend, daß staatliches Eingreifen sich als notwendig erweist. Pariö, 11. Aiignst.(23. H.) Der Minister des Innern hat den Redacteiiren der RevisionSblätter„Rappel",„Matin" und„TempS" das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Die Anti-Dreyfns-Preffe sieht in dieser Bcvorziigimg einen Verrat des Kabinetts Waldeck-Roniiean. Lissabon, 11. August. 14 Jahren stieg um 5 männliche und 7 weibliche. Die Steigerung kommt nahezu allein auf die Industrie der Maschinen, Werkzeuge usw. mir•+■ 2,4 Proz. und der Nahrungs- und Gcilnßmittcl mit -i- 2,5 Proz., bei allen anderen Industrien ist ein Rückgang zu ver- zeichnen. Nur die Textilindustrie weist eigentümlichenveise trotz ihres Rückganges eine Zunahme der jugendlichen Arbeiter um 0,2 Proz. auf. Ter Jammer der Hausarbeit wird in folgendem dar- gelegt: Es wurde festgestellt, daß in hausindustriellen Betrieben 31 männliche und 5 weibliche schulpflichtige Kinder im Alter b i s zu 7 Jahren abwärts mit Dütenklebcn beschäftigt waren Die Kinder arbeiteten nachmittags von etwa 2 bis' 7 Uhr, häufig aber noch 1—2 Stunden länger, in den Schulferien vielfach von morgens bis abends. Verdienst 80 Pf. bis zu 3 M. wöchentlich. In der Hausarbeit ist dem Unternehmertum bekanntlich noch unumschränkte Ausbeutungsfreiheit gewährt, und daß diese Freiheit nach Kräften ausgenutzt wird, beweisen die mitgeteilten Zahlen. Für heute führen wir noch an, was der Bericht über die Sprechstunden in den Gewerbe-Jnspektionen sagt: Es wird mitgeteilt, daß die Sprechstunden von Unternehmern sehr stark, von Arbeitern verhältnismäßig wenig benutzt wurden. Die Arbeiter benutzen Fachversnmmlungeu und die Presse, um ihre Beschwerden vorzubringen. Zur Beruhigung wird die Mitteilung gemacht, daß die Gewerbe- Inspektion allen Klagen, gleichviel, auf welchem Wege sie zu ihr gelangten, nachgegangen ist. Um der Besorgnis der Arbeiter vor Verrat vorzubeugen, beobachtete Herr Dr. Sprenger die Praxis, keinen ihn aufsuchenden Arbeiter nach dem Namen zu fragen," Weiter heißt es im Bericht: Neuerdings gehen den Gewerbe-Jnspektionen von der Gewerkschafts-Ko mm i s s i o n Beschwerden der Arbeiter auf gedruckten Formularen zu; diese Beschwerden werden selbstvcrständ lich ebenso sorgfältig untersucht, wie jede andere. Hoffentlich wird über den Widerspruch zwischen diesen bestimmten Versicherungen und den Beschwerden, die kürzlich in einer Bäcker Versammlung vorgebracht wurden, gelegentlich Aufklärung gegeben werden. Bemerkt sei noch, daß der Berichterstatter an einer anderen Stelle mitteilt, daß auch auf einige im„Vorwärts" veröffent- lichte Mitteilungen über gelverbliche Mißstände eine Inspektion �vor- genommen und für Abhilfe gesorgt worden ist. Etwas ist faul im städtische» Armenwesen. Aus dem Norden Berlins ivird ein Fall von Pflichtvergessenheit ciucs ArmcnvorsteherS gemeldet, der selbst die Dinge, die anläßlich des Falles Kose zur Sprache kamen, in Schatten stellt, Im Oktober 1897 erhielt der in der Miillerstraße wohnhafte Annenvorstehcr W, den Auftrag, bei der von ihrem Manixe getrennt lebenden Frau M„ geborenen M,, die sicb mit einer Eingabe um Unterstützung an die Armenkommission gewandt halte, zu recherchieren, ob es augebracht sei. der Frau diese Unterstützung zu gewähren, W, suchte die Frau, die mit drei un- erwachsenen Kindern und ihrer alten Mutter eine Wohnung, bestehend aus Stube und Küche, in der Gcrichtstraße innehatte, iviederholt auf und versuchte in Beziehungen zu ihr zu treten, ivas ihm anfänglich versagt wurde. Frau M. erhielt die erbetene Unterstützung seitens der Arnlenkommission und mit Hilfe des Geldes, das sie sich durch Wäschewaschen verdiente, konnte sie sich und ihre Angehörigen über Wasser hallen. Sie hatte gegen ihren Mann, der sie böswillig verlassen und mit einem unter sittenpolizeilicher Kon- trolle stehenden Mädchen lebte, eine Scheidungsklage eingeleitet, die mit der gerichtlichen Trennung der Ehe endete. Der Armen- Vorsteher W. setzte seine Besuche bei Frau M. fort und wieder- holte regelmäßig seine Anträge. Frau M,, die sich m den ersten Tage» eines jeden Monats die ihr zugebilligte Unterstützung aus der Wohnung des W, holen mußte, wurde von ihn, beauftragt, anstatt innerhalb der üblichen Sprechstunden in der Zeit von 2 bis 3 Uhr zu kommen, „d a s e i» e F r a u u m d i e s e Z e i t schlafe". Im Juni v. I. gab Frau M,. verlockt durch W's Versprechen, für sie zu sorgen, seinen Wünschen nach, trotzdem sie wußte, daß er verheiratet war. Der Verkehr wurde eine kurze Zeit fortgesetzt. Inzwischen starb die Mutter der Frau M., und sie zog nach der Gerichtstraße, wo sie in, März d. I. niederkam. W,, der Vater des nunmehr fünf Monate alten Kindes, kümmerte sich nicht weiter um das Schick- salder Mutter, die darauf den Vorfall anderen Mitgliedern der Armeukommission mitteilte, wodurch die Sache ruchbar wurde, W, ist, nachdem sich die Angaben der Frau M. als den Thatsachen entsprechend erwiesen hatten, auf sein Ersuchen, die Ehrenämter frei- willig niederzulegen, suspendiert werden, da eine endgültige Eni- lassung erst nach Ablauf der Stadtverordneten-Fcrien erfolgen kann. Die Behauptung W's, der Frau aus eigener Tasche Geld gegeben zu haben, wird von der in sehr dürftigen Verhältnissen lebenden Frau auf das e n t s ch i e d e n st e bestritten. Dies ist ein neuer Beitrag zu der recht bunten Liste jener Fälle, wo Armcnkomnnssions- Vorsteher sich durch Roheit oder durch allzu große Liebenswürdigkeit auszeichneten. Wer die Gerichts- berichte der Tagespresse aufmerksam verfolgt, wird finden, daß empörende Ausschreitungen unter den Inhabern kom- mnnaler Ehrenämter der in Betracht kommenden Kategorie leider keine ganz seltene Erscheinung sind und mit ähnlicher Regel- Mäßigkeit wiederkehren, wie etwa die die Fälle von Schutzmanns- roheiten. Die Fälle Rose, Vogel, Wetzet, Osch, Schmidt, Winneke, um nur einige Namen zu nennen, geben zu denken und sind traurige Beweise der alten Wahrheit, daß ein über- großes Maß von Macht über Hilflose die Quelle des Mi ßb rauch s ist, daß eine fast unumschränkte Gewalt, mag sie gesetzlich begründet oder nur angemaßt sein, ihren Inhaber, wenn er sittlich nicht ganz fest gewappnet ist, gerado zu zum unwürdigsten Mißbrauch verführt. Insoweit ist ein prügelnder Schutzmann und der fraucnschändcnde Armen Vorsteher Kinder eines Geistes. Daß die bekannten Polizei- Ausschrcitniigcn von großem Belang wären, bestritt der Polizeiminister v, d. Recke bekanntlich in der am 17. Februar 1893 abgehaltenen Sitzung des Abgeordnetenhauses, indem er als die eigentlich Schuldige die P r e s s e hinstellte, die sich erfrechte, über Polizei-Roheiten zu berichten. Hoffentlich steht die Berliner Kommunalverwaltung auf anderem Boden und tritt in Erwägungen über die Frage ein, ob und wie weit es möglich und angebracht ist, die A l l m a ch t d e r Arn, envorsteher über ihre Schutzbefohlenen ein- zuschränken. Ein Sittenbild. Die jüdische Krenz-Zeitung, deren Be- ziehungcn zur Kokottenwelt noch authentischer sind als die zur Aristokratie, bringt folgende anmutige Enthüllung:„Im vornehmen Westen, nahe der Potsdamersiraße, hatte eine jener modernen Wohlthäterinuen der Menschheit, die mit ihren französiert-exotischen Einladungen den Inseratenteil der Berliner Blätter ans- füllen, ihr Heim aufgeschlagen, um„aAi-eablö sans douleur et de niains douillettes" die der Masjage bedürftige Herren Welt zu„behandeln". Das Institut, welches aus einer Reihe entzückender kleiner ebarnbres separees besteht, erfreute sich bald des regsten Zuspruchs der Berliner Lebewelt, zumal für„assistenoe" in Gestalt von jungen Damen gesorgt war, die die Anstaltsleiterin engagiert hatte, um sie zu„masseuses diplomees" auszubilden. Wie viele der Schülerinnen diesen Grad erreichten, ist nicht bekannt, da- gegen mußte kürzlich eine derselben, ein 18jähriges junges Mädchen zur Kur aufs Land reisen, obwohl man ihr sonst kein Leiden ansah I Die Eltern der angehenden Masseuse faßten Mißtrancn und er- statteten Anzeige, worauf die Polizei dem xrand Institut größere Aufmerksamkeit zuwandte und in diesen Tagen die interessanten Räume schloß. Wie Fama behauptet, sind dabei allerlei erbauliche Dinge ans Lickit gekommen) so gehörten alle dort beschäftigten Damen einem Verein für Reform der Fraucnkleidnng an, dessen Programm darin gipfelt, mit möglichst wenig Stoff auszukommen und' die Damen waren cnragierte'Vereinsmitglieder. Auch sonst soll es in dem Institut recht lustig»hergegangen sein, da jetzt in der Reisezeit die meisten„Kranken" zu behandeln waren. Nun ist die Inhaberin verhaftet und der Glanz und Schimmer des grand Institut dürfte wohl für einige Zeit verblaßt sein." Im Zeichen deS Verkehrs. Gestern wurde auf dem Bahn Hof Lichterfelde(Anhalter Strecke) der Vorortzug, der um 8�„ach Berlin gehen soll, nicht abgelassen. Es ist dies gerade der Zug, der von den in Berlin beschäftigten Bureau- und Comptoirbeamrcn stark benutzt wird. Man kann' daher leicht sich das Erstaunen und den Unwillen der Wartenden vorstellen, als ihnen der Stationsvorsteher eröffnete, wegen zu starken Verkehrs dürfe er diesen Train nicht befördern. Endlich einigte man sich, daß der aus Luckenwalde gegen 9 Uhr durchkommende Zug in Lichterfeldc Station machen und die Passagiere mitnehmen solle. So geschah es auch. Die Mehrzahl der Fahrgäste mußte zwar zufrieden sein, in der vierten Klasse der stark besetzten Wagen noch irgend einen Platz zu erhalten, doch war man froh, überhaupt nntznkommen, um nicht nnt allzu großer Verspätung an der Stätte seines Berufes ein- zutreffen. Ei» Revolvcrattrntat eincS Getstcökrankcn, der zwei Personen verletzte und dann unmittelbar vor seiner Fest- nähme sich s e l b st erschoß, erregte gestern vormittag im äußersten Westen der Stadt bedeutendes Aufsehen. In den, Zweiggeschäft der Mitteldeutschen Kreditbank auf dem Grundstück Tauenzicnstr. 2 er- schien gegen 110s Uhr ein älterer Herr, der Dr, zur. Prien ans der Gocthestr. 91 zu Charlottenbnrg, um einen Coupon wechseln zu lassen. Als der Geschäftsvorstcher David sich eben umgewandt hatte und zum Geldspinde ging, zog Dr. Prien plötzlich einen Revolver aus der Tasche und feuerte zwei Schüsse auf ihn ab. Eine Kugel traf David in den Rücken, die zweite in den Arm. Während der Getroffene um Hilfe rief, schoß Dr. Prien einen dritten Schuß auf den Banklehrlinq ab. Die Kugel drang diesem in den Mund ein und durchschlug die Backe, ohne den jungen Mann gefährlich zu verletzen. Dr. Prien ließ nun sein Geld in Stich und lief nach der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche zu davon, kam aber von dort gleich zurück und schwang sich auf einen Pferdebahnwagen. Als das Publikum ihn verfolgte. sprang er gleich wieder herunter und lief nach den, Zoologischen Garten. Hier stellte ihn ein Wärter. Auch nach diesen, xnerte der Verfolgte, ohne ihn zutreffen. Den verfolgenden Privat- leuten hatte sich»nittlerwcilc auch die Polizei zugesellt. Dr. Prien ah wohl nun, daß es kein Entrinnen mehr gab, wandte die Waffe )cgcn sich selbst und jagte sich eine Kugel in die Brust. Als er >a»n den Revolver gegen seine Schläfe kehrte, entriß man ihm die Waffe. Auf die Unfallstation im Zoologischen Garten gebracht, gab der Verwundete bald seinen Geist auf. Der verletzte David wurde in das Elisabeth- Krankenhaus gebracht. Aus dem Arme wurde hier die Kugel entfernt, die in, Rücken leckende konnte dagegen noch nicht herausgeschafft werden. Dr. Prien war der Schwiegervater eines Polizei-Offiziers. Eine zweite Tochter ollte sich über acht Tage mit einem Dr. B. in Potsdam verheiraten. Der Mann war schon seit einiger Zeit nervös und zeigte ein sehr aufgeregtes Wesen. Worin das seinen Grund hatte, ist den Angehörigen rätsel- Haft. Die That von gestern vormittag ist ohne Zweifel ein Ausfluß der Krankheit. Dr. Prien war früher Präsident des Seeamts in Hamburg. Das Gerücht, daß der Verstorbene verschuldet gewesen sich in den Vormittagsstunden der Uhr im Zimmer 36 des Polizei- Rekognoszcnten werden ersucht, nächsten Tage zwischen 8 und 1 präsidial-Gebändes einzufinden. I» einem Anfalle von Gcistcsgestörthcit hat der 46 Jahre alte Schankwirt Karl Hanold ans der Wcinstr. 29 Hand an sich ge- legt. Hanold, der früher Schlächter war, betrieb sein 14 Jahren eine sehr gut gehende Wirtschaft an der Ecke der Wein- und Höchste- siraße. Vor zwei Fahren wurde er geisteskrank und mußte drei Monate in der Irrenanstalt Herzbcrge zubringen. Während dieser Zeit verließ ihn seine Frau, um nicht wieder zurückzukehren. Hanold setzte nun einen Vertreter ein, der für ihn sein Geschäft führte und bei dem er wohnte. Dieser fand ihn gestern morgen im Bierkeller erhängt vor. Aus Furcht vor Strafe hat sich der 20 Jahre alte Barbier- gehilfe Paul Burmeister aus der Luckauerstr. 16 das Leben ge- iiommen. Der junge Mann Ivar seit vier Wochen bei dem Heil- gchilfen Winter beschäftigt und sollte von den Kunden, die er in ihrer Wohnung bedient hatte, das Monatsgeld einziehen. Einige Posten brachte er auch, von anderen Kunden behauptete er dagegen, den Betrag nicht abliefern zu können, da sie noch nicht bezahlt hätten. Als nun sein Meister � diesen eine Rechnung schickte, stellte sich heraus, daß der Gehilfe 28 M. ein- gezogen und für sich verbraucht hatte. Winter entließ den Gehilfen nicht, bemerkte ihm öfter, das übrige werde sich finde». Daraus hat Burmeister wohl gefolgert, daß er angezeigt werden sollte, und be- schlössen, sich der'«träfe durch einen freiwilligen Tod zu entziehen. Nach Geschäftsschluß ging er am Sonntag weg und kam nicht wieder. Die Nachforschungen hatten zunächst keinen Erfolg. Schließlich aber erkannte man in der Leiche eines jungen Mannes, der sich am Mitt- woch im Tiergarten vergiftete, die des verschwundenen Barbier- gehilfcn. EincS schweren Verbrechens beschuldigt ein junges Dienst- mädchen Anna S. seinen eigenen Vater, einen Arbeiter. S., der in zweiter Ehe lebt, zog im Januar d. I. aus der Provinz nach einen, Dorf in der Umgebung von Berlin. Hier dient seine Tochter bei einem Bauern. Das Mädchen, das erst im November 17 Jahre alt wird, sieht binnen kurzer Zeit einem Ereignis entgegen und behauptet, daß der eigene Vater es im Schlafe überfallen und vergewaltigt habe. Ob die Beschuldigung der Wahrheit entspricht, steht noch dahin. Brandstiftung. Gestern nachmittag legte der 33 Jahre alte Arbeiter Schröder in seiner Brunnenstr, 49 im Qnergebäude zu ebener Erde gelegenen Wohnung vorsätzlich Feuer an, um, wie er später gestand, von seiner Feuerversicherungsgesellschaft Entschädigung zu erhalten, da er infolge eines Lungenlcidens erwerbsunfähig ge- worden sei. Ein großer Fabrikbrand alarmierte gestern früh 2'/« Uhr die Feuerwehr nach Prinzessinneustraße 13. Fast das gesamte Quergcbäude des ersten Hofes ist hier von der Lampenfabrik von Schuster u. Baer zu Fabrikränmen eingerichtet. Das Feuer kam in der parterre belegenen Lackiercrei aus und verbreitete sich � mit rapider Schnelligkeit. Eine im dritten Stock des linken Seiten- flügels wohnende Frau sah zufällig aus dem Fenster und bemerkte in der Lackiererei ein verdächtiges Knistern. Da auch leichter Ranch durch die Fenster drang, schlug sie Lärm, und diesem Umstände ist es zu danken, daß die Feuerwehr rechtzeitig zur Stelle war. Gleich- wohl schlugen bei ihrer Ankunft bereits gewaltige Flammen aus sämtlichen Fenstern, die an den vorhandenen Oelcn und Fetten immer neue Nahrung fanden. Die Hauptaufgabe der Wehr war daher darauf gerichtet, die über dem Brandherde befindlichen Etagen zu halten. Da in der im ersten Stock befindlichen Expedition große Mengen Papier und Verpackungsmaterial lagern, war die Gefahr der Weiter- Verbreitung des Feuers sehr groß. Glücklicherweise hielt die Decke lange Stand, und als sie endlich an einer Stelle von den Flammen durchschlagen wurde, war die Feuerwehr Herr der Situation. Die Lackiererei ist total ausgebrannt und der verursachte Schaden be- trächtlich. Ueber die Entstchungsursache konnte nichts ermittelt werden. Stuf der„Treptower Tteruwortc" spttcht Direktor Archenholb ander Sonntagnachittag niu 2, 5 und 7 Uhr, heute, Sonnabendabend 9 Uhr, über „Ein AnSflng in die Stsrnenwelt". Auch an diesem Abend wird auf der oberen Plattsorn, der Steruschnuppcnschwarm der Perseiden beobachtet. Mit dein Riesenrefraktor werde» die Planeten Jupiter, Saturn, sowie der Ring- nebcl in der Leher gezeigt. Fenerbcricht. Durch Selbstentzündung verursachte Preßkohlen- brände stehen trotz der eingetretenen Abkühlung noch immer auf der Tagesordnung. Am Donnerstag waren deren drei abzulöschen und zwar S ch ü tz e n st r a ß e 42, Schleswiger Ufer 14 und Reichen berger st raße 144. Ein größerer Zimmcrbrand ver- ursachte einen Alarm nach B r e m e r st r a ß e 4 9. Möbel, Betten und Wäsche wurden hier eingeäschert. Dasselbe war der Fall bei einem Zimmerbrande, der S ch i l l i n g st r a ß e'24 beseitigt werden mußte. Außerdem mußte die Wehr noch nach Pankstraße bs, ausrücken, wo eine Kücheneinrichtnng Feuer gefangen hatte. )ei, soll unrichtig sein. TaS Jahn-Denkmal in der Hafenhcide war gestern aus Anlaß des Geburtstages des Turnvaters mit zahlreichen Kränzen geschmückt. Schon am Vorabend hielten einzelne Turnvereine am Denkmal kurze Feien, ab. Einem„Leichenfledderer" sind bei seiner Festnahme zwei Portemonnaies mit Inhalt abgenommen worden, über deren recht- mäßigen Erwerb er sich nicht ausweisen konnte und die offenbar ge- fohlen sind.— Das eine ist ein sog. Reiter- oder Radfahrertäschchen aus dunkelgrünem, genarbten Leder mit Faltenverschluß. Es enthält ein Zehn- und ein' Fünfmarkstück. Das andere ist ein gelblich- bxannes, kleines, viereckiges Damcnportemonnaie. Dasselbe enthält neben 1,55 M. in Bar. ein Stückchen Englisch Pflaster. Etwaige Ans den Nachbarorte». An die Parteigenossen deS Wahlkreises Tcltow-BeeSkotv- Storkow- Charlottenbnrg. Am Sonntag, den 3. September, mittags 12 Uhr, im Lokale des Genossen Z u b e i l, Berlin, Linden- traße 106: Kreiskonseren z. Die Tagesordnung wird später bekannt gegeben. Gleichzeitig wird auf den z 3 des Organisations- Statuts des Kreises aufmerksam gemacht, wonach jeder Ort bis drei Delegierte entsenden kann, jedoch müssen dieselben politisch organisiert, in öffentlichen Parteiversammlungen gewählt und mit Mandaten versehen sein. Der Kreis-Vcrtrauensmann. Der nächste Ausflug deS Franeii- und Mädchcn-BildungS- vcreins RixdorfS findet am Sonntag, den 13. August, nach Schmargendorf. Sanssouci, statt. Abfahrt Punkt 12 Uhr Bahnhof Hcrmnnnstraße. Der Vorstand. Ter Arbeiter- BildungSvcrcin für Mariendorf und Um- gegend hält am Sonntag in Maricnfelde bei Teutfchbein eine Ver- lammlung ab, die sich mit einem Vortrag„Moses oder Darwin" beschäftigt. Parteigenossen, agitiert für recht zahlreichen Besuch. Zahlstellen des Vereins sind: Gerth, Tempelhof; Kahl, Tempelhof; Ebel, Mariendorf, und Teutschbein, Marienfelde. Der Vorstand. An die Arbeiterschaft der Orte Mühlenbeck» Wölkersdorf »nd Buchhorst. Zun, bevorstehenden Erntefest in diesen Ort- schaften machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß sämtliche Lokale daselbst der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehen. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß in Summt bei Mühlcnbeck das Lokal des Herrn Paul für Versammlungen frei ist. Wir ersuchen dringend, dies zu berücksichtigen. I. A.: Der Vertraneiismann. Der Boykott gegen die PichclSdorfcr Brauerei wird von der Arbeiterschaft, bc>onders in Berlin, immer einmütiger durch- geführt. Demgegenüber sucht die boykottierte Brauerei, wie man uns aus Spandau schreibt, auf andere Art den Schaden wieder weit zu machen. Wie verlautet, sind kürzlich zwei Offiziere in den Aufsichtsrat gewählt worden, damit man so mit den für Militär- knittinen, Bahnhofswirtschaften ze. maßgebenden Kreisen besser Fühlung bekommt. Das Gerücht, daß die Brauerei die Kantinen- wirtschaften ans dem Döberitzer Schießplatz mit großen Geldopfern an sich gebracht hat, um dort nach Ablauf des zur Zeit mit einer anderen Brauerei bestehenden Vertrages(vom 1. Januar 1900 ab) Pichclsdorfer Bier ans- zuschenken, erhält sich. Das Bestreben der Brauereileitung, mit .„Militärnrnsik" und mit„uniformierter Kundschaft" zu prunken, entbehrt nicht einer gewissen Komik. An einen, der letzten Sonn- tage konnte man z. B.' die Mitglieder der sonst stets in dem Garten der Pichclsdorfer � Brauerei konzertierenden Lenzschen Stadtkapelle sämtlich in Husarcn-Phaiuasie-Uniformcn sehen. Der Herr Kapell- Meister mar durch einen wirklichen S ch l e p p s ä b e l be- sonders ausgezeichnet. Aber auch das scheint nicht zu „ziehen", denn trotz der vielen F r e i b i l l e t s, die zu dem letzten Militärkonzert der Brauerei verteilt wurden, ließ der Besuch viel zu wünschen übrig. Der, zumeist von social- demokratischen Wählern, ivcnn auch nicht als offizieller social- denrokratische Kandidai gewählte Stadtverordnete und Restaurateur Kl i e» t s ch hat wegen der vom„Vorwärts" mitgeteilten Differenzen sein Stadtvcrordueteu-Mandat niedergelegt.— Die Arbeiterschaft wolle beachten, daß die in der Spenerstraße zu Berlin domicilicrende„Knitnengefellschaft", welche den Vertrieb von Pichels- dorfer Bier in Kannen besorgt, der Hauptsache nach Eigentum der voni Boykott betroffenen Brauerei ist. Zum Boykott. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 18S Ihrer Zeitung befindet sich ein Artikel, der sich mit dein Boykott der Pichclsdorfer Brauerei befaßt. In diesem Artikel wird behauptet, daß der Unterzeichnete zwei leere Gebinde der Spandauer Berg- brauerei zur Füllung an die Pichelsdorfer Brauerei gesandt habe. Diese Behauptung weist der Unterzeichnete entschieden zurück. Die einzige Möglichkeit, daß die Fässer überhaupt nach der Pichelsdorfer Brauerei gekommen sind, wäre die. daß der betreffende Arbeiter, welcher die leeren Gebinde abholt, die beiden fraglichen Fässer aus Versehen mitgciiomincu hat. C. Freund. Pichelswerder. Arbciter-Nisiko. Auf dem am Tempelhofer Weg be- legencn Tertaiu der Stahlwerke von Frendenstcin u. Co. ist man gegenwärtig nut der Aufstellung eines ca. 8 Meter hohen Gerüstes beschäftigt. Hierbei hatte der am Gerüstbau' mitlvirkcnde Arbeiter Lüdemaun aus Britz das Unglück, abzustürzen, wobei er sich außer schweren inneren Verletzungen einen doppelten Schädelbruch zuzog. In hoffnungslosem Zustande wurde der Bedauernswerte in das Britzer Kreis-Kraiilcnhaus eingeliefert. AuS Rixdorf. Der bei dein Fuhrherrn K. in der Steinmetz- straße beschäftigte Kutscher Friedrich Z. hatte sich am Donnerstag Morgen mit ztvei Pferden seines Arbeitgebers heimlich nach Berlin begeben. Auf crstattele Anzeige wurde Z. schon wenige Stunden später von der Berliner Polizei verhaftet und die Pferde dem Eigen- tümer wieder zugestellt. Z. behauptet, er habe mit den Rossen,' die er für krank hakte, nur nach der Ticrarzneischule gehen wollen.— Einen Einbruchsdiebstahl soll der Hausdiener O. ans Berlin bei dem Bäckermcister L. in der Falkstraße, bei welchem er früher beschäftigt war, ausgeführt habe». Der Beschul- digte wurde daher gestern verhaftet, stellt aber jede Schuld cutschieden in Abrede.— Wie wir f. Zt. ausführlich be- richteten, hatte der Stadtberordnete Beiß mit einigen Freunden gegen die Gültigkeit der Wahl einiger unserer Genossen als Stadt- verordnete Protest erhoben, der von der Stadtvcrordncten-Ver- sammlung indessen abgeiviescn wurde. Wie jetzt verlautet, haben die Protestler gegen diese Abweisung den Klageweg inr Verwaltungs- streitvcrfahrcn beschritten. Wir gönnen den Leutchen dies kindliche Vergnügen von ganzem Herzen! AuS Schiiucbcrg. Wegen Diebstahls verhaftet wurde die Nollcndorfstr. 7 lvohnende Plätterin K. Sie hatte einer Berufs- kollcgin eine goldene Uhr und Kette und bares Geld gestohlen.— Ueberfahren und nicht unerheblich verletzt wurde von einem Wagen in der Hauptstraße unweit des alten Pferdebahn- Depots ein zehn- jähriges Mädchen. Die Verunglückte' mußte nach dem Krankenhause gebracht werden.— Schwer verletzt wurde durch den Huffchlag eines Pferdes ein Kutscher der Schloßbrnuerei. Er trug einen Briich des Oberschenkels davon und mußte nach seiner Wohnung geschafft werden. Ei» llebevfall auf einen Nachtwächter ist in der Nacht zum Freitag in der Goltzslraße zu Schöneberg verübt worden. Als der Wächter O l t o Bock gegen 1 Uhr einen Patrouillcngang durch die gcnauntc Straße unternahni, fand er die Thür des Hauses Goltzsiraße L7 offen stehen. Im Begriff, die Thür zu schließen, trat plötzlich jemand auf ihn zu und sagte in befehlendem Tone:„Die Thür bleibt offen!" Der Wächter erwiderte, seiner Instruktion gemäß müsse er schließen, und ergriff um dies auszuführen mit der linken Hand die Klinke und mit der rechten das Schlüsselbund. Im selben Augenblick aber faßte ihn der Unbekannte an der Gurgel und hielt dem Wächter das Seitengewehr fest, während aus dem Hause ein älterer Mann hinzu- sprang und niit einem Stocke auf den Kopf des Wächters eiuhieb, so daß sofort Blut floß. Nur mit Mühe konnte der Wächter die Not- pfeife ertönen lafseü, worauf ein Schutzmann dem Bedrängten zur Hilfe eilte. Den vereinten Anstrengungen decBeamten gelang es schließlich, die Männer festzunehmen und zur Polizeiwache zu bringen, wo in den Attentätern der Kaufmann Otto B r ö s e und dessen Vater festgestellt wurden. Der Wächter, dessen Uniform blutdurchtränkr war, mußte sich, da er schwere Verletzungen davongetragen hatte, auf der Rettungsstation in der Nollendorfstraße verbinden lassen und dann seine Schlüsseltasche dem Wächter des Nachbarreviers übergeben, weil er nicht mehr im stände war, seinen Dienst zu thun. Die An- gelegeuheit tvird für die Thäter ein recht böses Nachspiel vor dem Gerichte im Gefolge haben. Auf den Schienen der Wanuseebahu ist Donnerstagabend schon tvicder die Leiche eines von einem Zuge übcrfahrenen Mannes zwischen Zehlendorf und Groß-Lichterfclde gefunden und vorläufig nach der lteichenhalle des Zehlendorfer Kirchhofs geschafft worden. Durch Papiere, die er bei sich trug, wurde der Tote als der 19jährige Handlanger Johann Adler aus Koblenz rekognoscierl. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt auch hier Selbstmord vor, obgleich freilich auch nicht ausgeschlossen ist, daß der junge Mann vielleicht in der Trunkenheit vom Wege abgeirrt und auf die Schienen ge- raten ist. Aus Potödam wird berichtet: Der umfangreiche Fleisch- schmuggel des Schlächtermeisters W. Stünz in Potsdam dürfte für denselben ein recht unangenehmes gerichtliches Nachspiel haben, da sich Stünz außer der Steuerdefraudalion bei dieser Gelegenheit noch andere strafbare Handlungen zu Schulden kommen ließ. Unter den über acht Centner beschlagnahmten Fleischwaren befand sich nämlich auch ein geschlachtetes Kalb, dessen Fleisch als verdorben und gesundheitsschädlich erkannt und deshalb sofort der Abdeckerei übergeben wurde. Stünz hatte das Fleisch in dcnr Dorfe Seddin bei Beelitz gekauft und es in seiner Equipage, auf ivelcher er selber, angethan mit herrschaftlicher�Kutscherlivree, saß, verladen. In der Nacht zum Mittwoch fuhr er dann auf Umwegen über Noivawes und Klein- Glieuecke über die Glieneckerbrücke(nicht Langebrückes nach Potsdam im Trabe hinein, um seine Wohnung in der Neuen Königstraße zu erreichen. Die städtsichcn Stcuerbeamtcn, denen die Sache vorher verraten war, folgten ihm aber mit Zwei- rädern in Civilklcidcrn und min jagte Stünz wieder zum Nauener Thore hinaus, bis nach Nedlitz, Ivo sein Pferd nicht weiter konnte und er gefaßt wurde. Hierbei hieb er mit seiner Peitsche wütend auf die Steuerbeamten, selbst auf den Stcuerinspector Zech, ein und beleidigte dieselben. Das Auftreten des Stünz ist um so verwerf- licher. als er selber seit Jahren Mitglied der Schlachthofs-Deputatiou des Magistrats ist. Bei früheren Schmuggeleien konnte er niemals abgefaßt werden. Polizeilich geschlossen wurde am Donnerstag in Spandau die in der Weinbergsvorstadt befindliche Fabrik zur Herstellung ekekirischer Zünder und anderer Sprengstoffe. Der bisherige Inhaber, Fabrikant Lincke hat das Unternehmen kürzlich an einen Berliner Industriellen verkauft; gleich darauf meldete er, infolge von Differenzen mit dem Käufer, die auf seiner Person ruhende Konzession ab und erklärte, weiterhin keine Verantwortung für den Betrieb mehr übernehmen zu können. Da der neue Besitzer nun keine Erlaubnis zur Wcilerführuug des konzejsionspflichtigen Betriebes hat, so ordnete die Polizeivcrwaltung in Spandau die Schließung der Fabrik an. Um die Monilia Krankheit der Kirschbäume zu verhüten, wird gegenwärtig von den Behörden in den hauptsächlich in Mit- leidenschäft gezogenen Gegenden darauf aufmerksam gemacht, daß der jetzige Zeitpunkt, wo die dürren Zweige in den Bäumen auf- fallen, für die Entfernung kranker und toter Zweige und ihre Vernichtung durch Verbrennen ganz besonders geeignet ist. Die Vor- nähme'der erforderlichen Arbeiten wird daher dringend empfohlen. Friedenau. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 18S des„Vorwärts" ist im lokalen Teil eine Notiz enthalten, derzufolge die Filiale Friedenau der Lichrerfclder Kranken- und Sterbekasse am 19. August im„Hohenzollern" ein Sommcrfest veranstaltet. Es ist richtig, daß ein solches Fest in dem gesperrten„Hohenzollern" stattfindet, nur hat die genannte Filiale damit nicht das geringste zu thun. Es handelt sich lediglich um das Privatvergnügen einzelner Mitglieder, die ihre„gute Gesinnung" auf diese Weise dokumentieren wollen. Da eine solche Veranstaltung aber mft einigen Geldkosten verknüpft ist. würden die betreffenden Herren sehr gern �dcn Arbeitern das Recht einräumen, den Veranstaltern ihr Vergnügen zu bezahlen. Ich bitte die Redaktion, dieses zu vermerken, da ich und außer mir noch mehrere Mitglieder sehr unangenehm davon berührt sind, init jenen Herren in einen Topf geworfen zu werden. Die Filiale der Kasse hat nicht das geringste mit der Veranstaltung zu schaffen. Hoffentlich sorgt die Arbeiterschaft dafür, daß diese„Freie Bereinigung"(so nennen sich die fünf bis sechs Herren) für Unter- Haltung ihrer„Ehrenjungfraucn" selbst zu sorgen hat. VermATchkes. In Sollnitz bei Neustettin wurden gestern nachmittag 3S Gebäude durch Feuer zerstört. S1 Familien sind obdachlos. Unfall auf dem Kieler Hafen. In der letzten Nacht wnrde ein Bootführer auf dem Kieler Hafen von einem Torpedoboote über- rannt. Das Boot wurde total zertrümmert und ist gesunken. Der Bootführcr wurde gerettet; derselbe soll angeblich ohne Laternen gefahren haben. Die zu Britisch-Westindien gehörige Jusel Monscrrat ist durch einen Orkan furchtbar verheert worden. Die vulkanische. mit Zuckerrohr bebaute Insel gehört zu den kleinen Antillen, sie ist l!/2 Quadratmeilcn groß und hat ca. 12 900 Einwohner. Zahlloie Menschen sind obdachlos. Wir erhalten über die Katastrophe selbst folgende Telegramme: New Dork, 10. August. Nach einem Telegramm aus St. Thomas ist die Insel Montserrat am Montag durch einen Orkan völlig zerstört worden. Gegen 100 Personen haben das Leben eingebüßt. Viele Menschen sind obdach- los. Das Elend ist groß. London. 11. August. Durch eine beim hiesigen Kolonialamt eingetroffene Depesche wird die Meldung, daß die Insel Montserrat völlig zerstört worden sei, bestätigt. Eine grauenhafte Familieutragödie hat sich in Carspach (Elsaß-Lothringen) ereignet. Der 21 jährige, dem Trünke ergebene verheiratete Arbeiter Klein mißhandelte bereits seit einiger Zeit seine 2>/s Jahre alte Stieftochter in unmenschlicher Weise. Vor einigen Tagen kam er in angetrunkenem Zustande nach Hause und forderte seine Frau auf, das Kind totzuschlagen. Auf die Weigerung der Frau drohte er, ihr selbst den Garaus zu machen. Die Frau rief um Hilfe, und einige Nachbarn, die herbeieilten, entrissen dem Unhold das Kind. Kaum halten jedoch die Nachbant das Kleinsche Haus wieder verlassen, so machte Klein seine Stieftochter niit Stockschlögcn und Fußtritten tot. Der Mörder wurde sofort verhaftet. Vom Erbfreund, lieber die Erschießung eines ManneS be- richtet das„Mem. Dampfb." aus Nimmersatt: Der Unglückliche hatte schon vor Jahren das Schmuggclgeschäft aufgegeben und war nach Berlin gewandert, um Mittel für die zurückgelassene Faniilie zu verdienen und zu ersparen. Von dort zurückgekehrt, konnte er, da seine Auslandspapiere bereits verfallen waren, den Polanger Grenz« Übergang nicht benutzen und wogte daher den Ikebertritt über die «grüne Grenze", wobei ihn das Verhängnis ereilte. Es wird an- genommen, daß er den Halt-Ruf des Soldaten nicht hat hören können; da aber der Posten ein Entlaufen befürchtete, schoß er und traf nur allzu gut._ Marktpreise Hon Berlin am 10. Anallst 1899 nach Ermlttelungeii dcS lql. Polizeivräsioiuius. )Mcizen D.-Ctr. •)9Jofl3cn Fiutcr-Äerste„ Haser gut„ „ mittel „ gering„ Nichtslroh„ Heu„ f)Erbscli„ -f)Speiscbohnen„ t)8inftit„ Kariosieln, neue Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch 15,901 14,80 13,301 15,601 1 1,901 14,30 4,50 6,50 40,- 50,- 70,- 9,- 1,60 1,20 14,80 13,80 12,80 15,- 14,40 13,80 3,82 4,10 25,- 25,- 30,- 5,- 1,20 1,- Schiveiueflcisch Kalbfleisch Haunuelsleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse Iis 60 Stück 1 kg per Schock 1.60 1,60 1,60 2,40 4, 2,- 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12, 1 1- 1,— 2,- 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2- ») Ermittelt pro Tonne von der Centralslelle der Prenh. Landivirt- schaftskauimer— Noliernngsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium sür den Doppel-Centuer. f) Kleinhandelspreise, Produkten markt vom 11. August. In Getreide und Mühlen- sabriiaten fand kein offizieller Verkehr statt. Die festere Haltung des Marlies wurde einigerrnatzen beeinträchtigt durch die wieder matteren Mel- düngen ans New-Iork und Chicago und den günstigen Saatenstandsbericht aus Washington. Bedeutend waren die Preisbewegungen jedoch nicht.— Weizen und Roggen gingen nach einer unwesentlichen Befestigung aus ihr gestriges Niveau zurück. Haser lag gleichfalls still, nominell unverändert.— Am Spiritiisinarlt wie im Getrcideverlehr konnte von einem wirklichen Geschält kaum die Rede sein. Spiritus blieb nominell fest. Lokoware zog 0,30 M. an. Am Markte waren 15 000 Liter, welche mit 43,50 M. gehandelt wurden. Termine, die gestern noch eine unbedeutende nachbörsliche Ab- schwächung erfahren hatten, waren leicht erholt. Wetter-Prognose für Sonnabend, den IS. August 1399. Zunächst noch kühl, vorwiegend trübe mit mäßigen westlichen Winden und leichten Regenfällcn, nachher aufklarend. Berliner W e t t e r b u r e a u. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Tlieerkev. Sonnabend, 12. A u g n st. Neues Opern- Theater(Kroll). Die Fledermaus. Anfang 7Vz Uhr. Lcssiug. Iris. Anfang Uhr. Neues. Liebelei. Ansang 8 Uhr. Westen. Die Zänberflöte. Anfang "i'h Uhr. Schiller. Zar und Zimmermann. Anfang?>/„ Uhr. Central. Der Heiralsmarkt. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmitädtisches. Germmal oder: Der Streik der � Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. AlexanoerplaN. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Belle-Zllliance. Specialitäte»-Bor- stellmig. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitätcn- -Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Reichshalleu. Stettmer Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Panoplikuin. Speclali- täteu-Vorflelliing. Urania. kliivnlidenstr.»7/t>S. Tiiglich abends von 5—10 Uhr: Sleriiwnrtc. WjMMr (WaNiier-Thealer». sl u i- ,v i t oi- tt p« Sonnabend, a b e u d s 7>/, U h r: Volkstümliche Opernvorstellung bei halben Preisen: Zar und Ziininerinaun. Sonntag, a b e u d s 7�? V tj t: Der Trompeter von Säkkingen. Montag, a be n d S 7>,'z Uhr: Gastspiel Allele Borghl und Benedetto Lucignani. i Neu einstudiert): liiicvexla Boi-gla. Hierauf: Cavalleria rnstlca.ua. Dienstag, abends 71/2 Uhr: Volkstümliche Opern-Vorstellung bei halben Preisen: Von'WafTonscIsmi ed- Xaiibciistrasse 48/4U. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalldcnatf. 57, CS: Tägl. Sternwarte. Nachini ttag-s täglich 5—10 Uhr. »3 W«ij-Carl Wch-Theater. Gr. Frankfnrterüraste l'Jü. Täglich: Die Knbaneritt. Anfang 8 Uhr. BorzugSbillets haben Gültigkeit. Im Garten: Neues Angnst-Programui. 27 Nummern. Anfang b'/. Uhr. Grofistadtpirateu von Felich. Saifonlarien haben G ü l l i gleit. kteaeze-ftuiaplleij»! Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Xcn! X'eu: Das urkomische ßückeburger Bauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr abends. W. Neacks Theater. Brunnenstraße 16. Täglich; Theater- u. Specialitäten- Borstellung. Die Lindeuwirtin. Liederspiel in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. Das Bltimcttmädchen vom Morittplatz. Volksstück mit Gesang in 2 Akten von Johann Eißner. Im Saale: Tauzkräiizcheu. **** CASTANS PANOPTICUM Die sensationellen ä®r lebenden-�K Photographien! In Lebensgrösse. Die russische fiJilffTinfl" Damenkapelle„IKllJUUIl In moskowitischen Kostümen. Viele neue plastische Ciiruppen una Figuren. Pniiiiuanns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Tchönh. Allee 148, Äastnu.-Allee 97/99. Täglich: Konzert, Theater n. Siiecialitäten-Vorstellung. Seeiaclas pro Pfd. 17 Pf-, im Anschnitt Äe» Pf. pro Pfd. Braif lundern pro Pfd. 20— 25 Pf. SchcISfische pro Pfd. 15—25 Pf sowie alle andere frische, geräucherte und marinierte Seefische empfiehlt die Deutsche Dampfflseherei-Gesensehafl„Nordsee". I I | * Sio. V. Berlin V. Berlin C. 22. Uahniiof Mörse. Lüneburgerstrasse, Ecke Paulstr., Bogen 9-10._ Stadtbahnbog.388,9(Centrallagerel).l . Wllmeradorferstr. lO/U. IinScliIesisclienBahnliof,!2:v»ischeii Moritzplatz und am WUhelmsplatz.__.Tladaiwtr, LS. I Ritterstrasse. (Wedding), U.einickeiidwrfcrstr. 1, Einyang Schulzendorferstrasse. VI. l'i-iiiA.enstr. 30, Seeflsch-Kochbüclier erhalten Käufer umsonst. Vertreter für Berlin: Johs. Skorczjk. I i Schweizer Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am FriedrichShai». Asliih: Thkiittr-«»d Speriaiitätkii-Norftelliiiig. Jeden Mittwoch: Grones Jfanulien"" und Kinvevfefl. Auftreten des neuen Künstler- Ensembles. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Her Novität! Idlher-IloiM!!« toii Kiaiitscliou. Ausstattungs-Burlesle mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.- Musik von Max Schmidt. VolksbelikstiZungen aller Art. Im Saale:»2i>» Crntrnl Throker Direktion: lose Eerencrx. Lufifpiel-Ensrnible(grl.MIIly Krause vom igt. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Sckiiller-Theater, Herr »ich. Ewald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgtn und folgende Tage: Die- selbe Borstellung. Nötropol-'rhkAwr. Bebrenstr. 55/57. Grösster Saison-Erfolg:!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu; Neues Speclallt.-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe. Weruer-Amoros- Company etc. etc. Anfangs Ehr. lax Sliems Sommer-Theater Hasciihelde 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. M TöM: GnijjtS Arteil-Kouzert. Auftreten deS gesamten Schauspiel-». Speeialitäten-Persouals. JSST" Nur erstklassige Kräfte. Deorg Fischer(Liedersänger), Ernst Kühne(Charakter-Komiker), Frllzl Verri (Kostüm- Soubrette), Ploetz Carella-Troupe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(Transsormations- Duo), Llng-Fuing(Chinesische Akrobaten), The Cowas(Original-Exceinries)._ SQT* Xcnes sediegrenes Eautllien- Prosranim. 9(1 Entree: Wochentags 20 Pf. Entree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf Numerierter Platz 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In de» Festsiileu: iMT* Grosier Ball."Mg ax K Die Kaffecküche ist geöffnet. Xlax KUeiu. Wirtshaus Schmargendorf, Warncmiinder Strasse 6.(Direkt am Grunewald belegen.) Bringe hiermit allen Freunden und Genoffen mein Lolal in empfehlende Erinnerung. Irden Sonntag: VttCt» 19102* Kaffeeküch« von 2 Uhr ab geöffnet. Carl Baier. Apollo-Theater. Abends 9 dir: FpauLuna. mit dem Enftballett Grigolatis «Otto Rentter« and 10 Specialitäten. Garteii- Konzert 7 ühr. Anfang der Vorstellung H Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69._ R. Ballschmieders „Kastanieuwäldctien" KoMiM'ttil ii. PraW'le Gadstr. 16. Gesundbrunnen, Badstr. 16. Täglich: Gr. Pronienaden- Konzert. Jeden Tonnerstag: Elite-Strcich-Konzert. Sonntags: Großer Ball im neuerbauteil Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest« lichleitcn. It. Ballsehmleder. Ä. Stippekohls Rtstliimiit Cöprnilk, Schönerliudcrstr. 5.* Arbeiter- Berkehrslokal. Für gute Speisen u. Getränke ist bestens gesorgt. ''■'■■■■' � Walilverein des 4. Berliner Reiclistags-Walilkreises[Osten], Sonntag, den(3. August 1839: Großer Aussiug der MitglieSer mit MM nalh Iriedrichshogeil MWgtlschlWlUe«). Abfahrt vom«chlcsischen Bahnhof, von voruiiltagö 8 Uhr-t Min. flimdlich, nachmittags von 2 Uhr ZN Min. Vz stündlich. Um 1t Uhr erstrr Aufbruch nach dcnr Walde mit Musik; dort Belunigtptgen aller Art sür Jung und Alt. Nachmittags von 8'/, Uhr ab: Allgemeines Kasfeekochen. b Uhr ziveitcr Ausbruch»ach dem Walde. Spiele nir Kinder, Gcichenle sür dieselbeu,— Die Mitglieder loerdcn ersucht, sich recht zahlreich mit Familie ru beteiligen. Eutree wird nicht erhoben. K/18 Ter Vorstund. Zu obigem Ausflug ersuchen wir ebeufalls um recht rege Beteiligung der Parteigeuosseu. Nie Vertrauensleute des Glkeus. Hllsellhtldc 1V8-1U M'Sit ßastilhcide 108-114 Grones Sommerftst Sgmmtrnolhts-DaS veranstaltet vom Tuvtr Nrvcitl...?rU,ke" Trohes Garten- Konzert. Anftrete» des gesamten Knnstler- Personals. Grohe turnerische Masfen-Aussührungcn, ausgeführt von den Damen-, Mältncr- und Lehrlings- Abteilungen des Vereins. IedeS Kind erhält 2 Bons giltig für eine Srocklaiernc, Karussell oder Rutschbahn. Bei eintretender Dunkelheit grover Fackelzug der Kinder. Die Kaffecknchc steht den geehrte» Damen von 2 Uhr au zur Nerfüguug. AW* Ansang des Konzerts 4 Uhr, der Borsiellung ö Uhr, dcS Balles 6 Uhr Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf.„ach.—(fiitrrc 35 Pf., au der Kasse ltv Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Lotalcu, sowie bei sämtlichen Mitgliedern des Vereins und an der Kasse zu haben. 268/10 Zu freundlichem Besuch ladet ergebenst ein Ida, KomU?e. C.«Joels V ictoria-Garten SO., Kiipuicker Landstraße Nr. 4, ,. � r?/!OS8er Konzert-O arten, g-cschützte Veranden, 1896L* 'oereinc � Fesluchkeiten, 6000 Personen fassend. 11 ttegelbaytte»»� Kaffeeküche und allerlei VolkZbelustiqnngen. �»4 r**.. Haltestelle der Elektrischen Giseitbafineu(Siemens& Halste); von der Grone» Berliner Straffenbah« und der Stadt, und Ningbahn- Station Treptow S Minuten entfernt. Reichshallean täglich: Stettiaacr Sänger »'cl. Piclro, Britto», Slcidl, Krone, K i r ch i» n y c r, Tchnridcr nud Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: lionztzrt. Entree 50 Pf., Vorvcrlau; für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. lecken freltag: Neue» Programm. Victoria-Brauerei Liitionistrastc 111/11%. (ui Xaturft-arteu odei- Sual: Täglicli Hiiinoristisctic Toircc der kioi'lllieutLejien Länger lPlldrmami, ttoreh V/alcke). f} Ans. Souutago Jj ptiie. 7, wochen--*< tags 8 Uhr. Eulrer 5« Pf. Borverk. 40 Pf. FauiilieubillelS 3= 1 M. Souiitag und Tviiiicrötag nach der Vorstellung: ____ T«Ii/ U r jl ii zclio n. Prater-Tlieater Kastauicu-Allee 7/9. Täglich: Dorn, ItcMi. VolkSstück mit OJcinifg u. Tanz v. Hugo Schulz, Musil von A. Seiflcu. Kastümsoubrettc Fräul. Lucle Sarow. ßiclu. Milardo, (iirot. Duett. Tauma-Quarletl, Gcsaug »ud Tanz. Ol« Z Scliönbruims, hu iri'ovistifchc« Bilderbuch. Thc4Flashes, Exceutrics. BallcllgciellschastOiiring. Vcndarc-Trio, ffipciclticil am Hand- T i apeg. Lanlel-Iruppe, Pantomime. Konzert und Ball.'«äWJä Gi»tritt Soinilags und wochciilag? 1!lt Pf., niim. Platz 30 Ps. Kaloo. SocilltdemokraMer Mahivemn für den 6. Mriiner Reichstags-Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die 47/14 Abfahrt nach Treptow �Sternwarte) für Wedding iiiid Drauioiibnrgcr Borstadt Sonnabendabend 8 Nhr 1K Minuten vom Bahnhof Wedding, für Gesundbrunnen 8 Uhr 22 Minuten erfolgt. 247/14 Per Vorstand. Verband derVan-Frd-u.gtVerkl.Msarbeiter Trinfchlands, Zahlstelle Berlin III. Sonnabend, de» lg. August er., im Lokal von Kaldo, Berliner Prater, Kastanien-Zlller 7 0: 45/4 IS.-Fest. Auftreten sämtlicIierSpecialitiitcn. Gr. Sommeruachtsball. Bei eintretender Dunkelheit: IW Große Kinder- Dackel- Polonaise.'WO Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen von 2 Uhr ab geöffnet.— Entritt ZO Ps. Billets a 25 Pf. sind bei den im Plakat bekannt gegebenen Komitee- Mitgliedern zu haben.— Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach.— Uni zahlreichen Besuch bittet TaS Komitee. -Ä-It,-- Glienicke. Stm Sonnlag, den 13. Aiigust. findet auf dem Turnplatz zwischen A d l e r S h o f und A l t- A l i e n i ck e ein 2Z05S» Großes Volksfest Tternfchieiicn und Tanz im Freien statt, Gastwirte Sas üy5 Budcnbesitzcr aller Arl koiinen sich meiden beim Gastwirt Hahn verbunden mit wozu ergebenst einlade» die Gastwirte Sias«. Hahn, Witte. Ost Iba Im-Pa rk Hermann Imbs 71 Rüdersdorfer Strafte 71, a m» ü st r i Ii e r P l a tz. Täglich: l»»i,«ert.'fOeater» nud Special itätcn-Borstelluiig. Kur eretklaasig« Kümmern. Anfang: Souiuags4Uvr. Eiitrcc20Pf. Kinder tO Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Ps. Anfang: Wochcnt. 5 Uhr. Enlrce 10 Ps. Kinder 10 Ps. Sperrsitz Nachzahl. 10 P,. Jeden D i e ii s l a g: X«r Brauerei, Alt-'Moabit 47/48: Wa nder- Versa iiimluiig. Tages-Ordnung: 1. Dortrag deS Ingenieurs Herni Orempe:„Tic A.beitSerspartiiS auf dem Gebiete der Elektrotechnik." 2. Ziel und Zweck des Verbandes. Jleferent: Kollege Velesbubn. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Freie Diskussion. Alle in dem Gebiet der Elektrotechnik sowie maschinelle» Betrieben thätige BcrusSgcuosscn sind hiermit eingeladen. 18496 Ter Vorstand. F. Abraham, A. W e i ß h u h n, Sektion I. Sektion II. Aihlmig! Kißtitiillltlitr. Alliwg! Montag, den 14. August, abends 8'/, Uhr, bei Stechort, Andreasstr. LI: Mitglieder- V ersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag über: Die Arbeiterbewegung in Frankreich, Referent Genosse Koüke. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.! 95/6 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. I. A.: Karl Juck ei, Friedrichöberg, Parallelweg 1. DM- Das 17. Stistungsfest nndet Sonnabend, den 26. August, in demselben Lokale statt, bestehend in Konzert, Theater und humo- ristlschen Vorträgen. Zur'Aufführung gelangt u. a.„Sein Jubiläum". Billets Herren 50, Damen 25 Pf. Um zahlreichen Besuch bittet D. O. Verband der Möbelpolierer. Hf&F' Versa in iiilung"WU am Montag, 14. August, abeudö 8 llhr, Bruuueustr. läv. Tages- Ordnung: I. Vortrag deS Genossen Hoflmau» über: Himmel und Hölle und ihre Bewohner. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. 147/4 AfT' Morgen: Besichtigung der VereiuSbrauerei in Rixdorf. Tresipunlt früh ö Uhr daselbst._ Per Achtung I LedmMer! Achtung! Kortefeilillerj. Dienstag, den 15. August, abends 8 Uhr. in dem Lokal von G r a u m a n n, Slnuntinstrastc 27: jGrohe öffentliche Kersammlnug aller in her Leher- vO PasZiergalailtrnmamt-Braillsjt besiliaftigteil Arbeiter ml Arbeitrrimeil. Die Tagesordnung lautet: I. Die Schäden in der.Hnnsindustrie, und wie ist Abhilfe möglich? Reserent Genosse aiwi» Karsten. 2. Vcschlustfassuitg über unsere Lohnforderungen. 3. DiSliission und Verschiedenes. Ter überaus wichtigen Tagesordnung wegen ist eZ Ehrenpflicht aller in unserer Branche beschäftigten Kollegen und Kolleglniien, bestimmt und pünttlich in dieser hochwichtigen Versammlung zu erscheinen. D i e Vertrau«■ n stpe rMOiien. I. A.: Hermann Weiuschild, Oppclnerstr. 34 IV. IM- SirlN»'»«:.-M» Arbeiter-Sättgerbttild Berlins u. Umg. Ter Gesangverein„Sängerluit«-Lnck«npsa>de»eiert am Sonntag, den 3. S ep t e in d er IHi'J fein 15. StllXunssfest und ladet dazu sämtliche Vereine freundlichst ein. 268/11 P r o g r a m in. Souuiag früh: Empfang der von auSwärtS erschcineliden Berciue auf dem Bahnhof, Zug zum Lokal. S Uhr: Spaziergang nach Liiidcubcrg. l Uhr: Gemeinschaftliche Mittagstafel a Kuvert 75 Ps. 3 Uhr: Bei genügender Betclltguiig Fcstzug. 4 Uhr: Konzert, bei eintretender Dunlclneir grosie Fackcipolonaise und Festball. �SF~ Alle Anfragen bitten zu richten au H, Frenze!, Bilssestr. 18. Wir bitten die Vereine, welche uns beehren wollen, baldmöglichst ihre Meldung an uns gelangen zu laffen. Der Bor IIa»b des Gesangvereins„Sängerlnft"._ Meinen Kollegen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, dag ich ZLimmSnsti'ssse L4 Ausscduuk der Brauerei Germania eröffnet habe. Akt.-Ges. 17286 II Liter Bayrisch 10 Pf. (ä 1 geofte Weifte 15 Pf. Buchdrucker Heinrich Enders. Kestaurant Wilhelinsberg. Sonntag, den 13., und Montag, den 14. August: wozu Freunde und Bekannte einladet O. Trink an», Wilhelmiberg. 23178» Arbeiter-Bernfsartikel u.Wäsche auSschlieblick eigenes Fabrikat.— Specialttät: Arbeiter- Berufs- kleidung: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Grösse um 10 Pf� blau kittet Holen, in allen Längen, M. 1,65. Arvetterhemden, Blusen, Maler- Köper-lt. Montenrhemde». v. üVmt»«! A Co., Wrangelstr. 17. DankKagunK. 18526 Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner Frau Marie G leiniger, geb. Basner, sowie für die trostreichen Worte des Genossen Manaffe am Grabe sage ich im Namen der Hmterbliebenen meinen beftenDant. Ilohcrt tileinlger. Panksaenne. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres einzigen, lieben Sohnes liarl Schmidt sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank.> 16526 Die trauernden Hintcrbliebeuci:. btnwl-Arllllktil- u. Sterbe- kche der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter, Berwaltnng Berlin A. Montag, den 14. August. adendS 8 Nhr: Mitglieder-Vechiiliillllilg im Lokale deS Herrn Poll, Adalbert- strahe 21. 131/10 Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Qu. 1899. 2. Bericht des Delegierten von der Generalversammlung. 3. Verschiedene Kassenaiigelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheine» ersucht Die Ortsverwal tung. Äadsllhrer-Nrem „Berlin", Morgen 7 Uhr Gcdachtntskirche,»ach Beelitzhof. Abho.enderBrandenburger. Donners- tag: Bersaniniluug. III Schönlein- strasse 6. 12/9 Arbeiter- m Empfehle Freunden und Genosse» mein Weift- u. Bahr. Bier-Lokal, Kaffeeknche und.Kegelbahn. Hermann Hlcrtina, Johannisthal, Roonstr. 2. 184561 früher Landweh rstr. ll. lkninteltl« Freunden uns Belannteil Ur.ten»»Icks l,hy M„ nach Wernsdorf 1 M Abfahrt 7 Uhr»lorgenS: Strnlauer Brücke 3. 23142* Hl. Srt Alfftmiiilirl mit»»fit. Abfahrt 9 Uhr morgenS i Stralaner Brücke 5 fzwischen P-chhauimer und Städtischer Badeanstalt). I,. Lsdllt. I. V.: /«Kau» Sclmltze, �ischerbriicke 17. 1. Uchiing d. 2. Klasse 201. Kstl.Prenk. Lotterie. Südunj»oni II. August 1891», B.riuUtafl«. Wut die vetumne über jio Mark stnd den belreFtNdtl stummern in Pnrentheje t'eigeiüat. (Ohne Gewahr.) IIb?«4 221 340 sos 0bkr-8ekölle � Nesl. lizfei'Iäin! Voepevr. Iirb. Leddoer sedaMFer varteo. Legelbadll. Tjmms!. Kafleeküobe, Ltr. 60 Pf. Bayrisch 10 Pf. Velssbier 20 PI. r [20732* Potsdam. Z Voigts Blumengarten. 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