Anlerhallungsblatt des vorwärts Nr. 125. S-.?? Dienstag, den 29. Juni. 1897. tNlichdruck verbotin.) Crssvine. Von Jean Richepiu. Uebersetzt von L. Ich dagegen fand den Kapitän jetzt schon n?nrdig, die ganze Garde zusammen befehlig! zu haben. Tos Zeichen von Eyvipatliie und Vertrauen, das er mir soeben gegeben hatte, nahm mich vollends für ihn ein. Ich glaube, ich empfand jetzt selbst weniger Dankbarkeit dafür, daß er mir gestern das Leben gerettet hatte, als daß er mich heute an die Spitze von fünfzig Manu stellte— m eine Leute, den Leibgardiften nnt eingeschlossen. Aber selbst abgesehen davon, was war das für ein tapferer Mann, dieser Kapitän! Welche Autorität! Welche kaltblütige Energie! O! Wenn wir nur lauter solche Offiziere gehabt hätten! Und der Wunsch erfaßte mich, daß wir angegriffen würden, um mich unter seinen Augen schlagen zu können. Gleichzeitig stieg etwas von Groll gegen meinen Freund Paul in mir auf. Was! Tiefen Helden nannte er ein Thier, eine Bulldogge! Etwas barsch und schroff ist er, das will ich nicht bestreiten, und er spaßte nicht mit der Instruktion. Aber ist man ohne dieses ein guter Soldat? Und was wollen diese kleineu.Fehler bedeuten gegenüber den schönen Eigenschaften des Kapitäns? Wahrhaftig, Paul war im Unrecht, daß er sich mit einem solchen Vater nicht verständigen konnte. Mein eigener Vater freilich ist sanft und zärtlich und hat mich ohne Zweifel immer verzogen, aber mir scheint, daß ich ihn nicht weniger lieben würde, selbst wenn er dem Kapitän ähnlich wäre. Ja, ich zürnte Paul; es ist ein Jammer, daß er seinen Vater nicht zu nehmen wußte, wie er ist, daß er ihn nicht ver- stehen konnte, ein alles in allein so beionndernswerther Mann, ein Maiin. der mich für sähig hielt, fast eine halbe Kompagnie zu befehligen. Als wir am Abend in unsere Quartiers einrückten, wagte ich es gar nicht nichr, den Kapitän zu fragen, ob Paul von Roncicux sein Sohn sei. Ich hätte geglaubt, ihn damit zu beleidigeil, jawohl beleidigen, ivenn ich diese Frage an ihn gerichtet hätte. Ich konute mich sogar einer gewissen Scliam nicht erwehren, der Freund, der Vertraute dieses Sohiies ge- wesen zu sein, der mich so lange seine ungerechte Abneigung gegen einen Mann hatte tdcilcn lassen, den ich jetzt achtete, den ick immer mehr und mehr verehrte. Plötzlich kam ich auf den Gedanken, daß vielleicht der Kapitän doch nickt Paul's Vater sei. Ich marschirte den ganzen folgenden Ptorgen, indem ich fortwährend die tröst- licke Annahme in mir herumwälzte. Sie hatte sich in mir so eingefressen, daß ich bei einem Halt an den Leibgardisten herantrat und ihm, obwohl er mich mit abstoßender Kälte be- handelte, lächelnd und mit liebenswürdiger Miene ins Ohr flüsterte: „Er will es wahrscheinlich nur nicht eingestehen, daß er bei der Garde gestanden hat, wegen dieser Hallnnken von Republikanern. Aber er ist es wohl selbst, den Sie bei den Gcude-Schützen gesehen haben müssen." Seine ganze Antwort war nnr: „Der bei der Garde gedient haben?? Pah Und er wandte mir den Rücken, indem er sich verachtungs- voll in die Falten seines rothen Mantels hüllte. Noch ein Tag verfloß, ohne daß ich mich entschließen konnte, dcii Kapitän geradezu zu fragen. Und doch hatte ich eine wirb liche Beklemmung, so im Zweifel bleiben zu müssen. Denn wenn ich anfangs Paul rundweg vernrtheilt halte, waren mir nnn nach ,ind nach in betreff seiner Gewissen� bisse ausgestiegen, als ich mich seiner Sanslmutd und Milde erinnerte. Nein, das war ganz undenkbar, daß dieser liebevolle, edle Knabe eine ungerechte Abneigung gegen seinen Vater habeil konnte. Offenbar war der Vater, von dem er mir mit solcher Bitterkeit gesprochen harte, ein böser Mensch Armer Paul! Und gewiß konnte andererseits dieser schlechte Kerl nicht der Kapitän sein. Aber— ich kam wieder auf nicine Annahme von vorgestern— dann ist der Kapitän gewiß Roncicux' Onkel. Das ermuthigte mich endlich, ihn zu frage». Zum Ueberflusse näherten wir uns jetzt Besangon; morgen»lußten wir dort ankommen; und wer konnte wissen, ob ich nicht dann für immer von meinem Kapitän getrennt sein würde, weil man aller Vorans ficht nach in der Stadt die Korps in einer mehr ordunngs» mäßigen Weise organisiren würde. Soll man an Ahnungen glauben? In Wahrheit, ich bin versucht, ja zu sagen, wenn ich mich an das laiige und un» erklärliche Zögern erinnere, ehe ich den Kapitän über eine so natürliche Sache befragte. Es schien mir, während ich so zögerte, als ob ein dunkler Instinkt mir verböte, in das Leben dieses Mannes einzudringen. Der Zufall halte es gewollt, daß er mich nicht hörte, als ich ihn in der vorvergangenen Nacht bei der Nennung seines Namens gefragt hatte. Vielleicht sollte ich diesen Wink des Zufalles für eine Warnung nehmen! Weil ich diesen Baun zn zerreißen suchte, weil ich mich darin ver- bissen hatte, zu erfahren, ob Paul wohl der Sohn des Kapitäns sei, sah ich mich in der Folge in verhöngnißvoller Weise in dieses Drama hineingezogen, das.. Doch davon später! In fünf Minuten sollten wir unsere letzte Etappe erreichen, als ich mit dem Kapitän folgendes entscheidende Gespräch anknüpfte: „Sie haben also thatsächlich nicht bei der Garde ge- standen?" „Aber nein doch! Warum, zum Teufel, wollen Sie, daß ich bei der Garde gestanden haben ioll?" „Sir habe» aber doch gedient?" „Ich kann nicht nein sagen." „Und das ist schon lange her, Herr Kapitän?" „Sehr lange. Aber, was geht Sie das eigentlich an?" Sein Gesicht war dunkelroth geworden. Der Schlußsatz hatte fast grob geklungen. Ich fuhr aber hartnäckig fort, und diesmal ließ ihn das kindliche meiner Frage auflachen. „Ihr Name," so sagte ich,„schreibt sich in der That mit einem x?" „Jawohl." antwortete er, mit einem x, von Roncieux mit einem x." Und dann wieder in seinen barsche» Ton verfallend! „Und nun, zum Donnerwetter?" „Herr Kapitän," fügte ich hinzu, indem ich— ich weiß nicht warum— plötzlich ganz langsam sprach,„Sie habe» Ihren Abschied genommen, nicht wahr?" „Ja!" antwortete er mit plötzlich rauher Stimme. Er athniete schnaufend, und eutgegnrte mit zusammen- gebiffenen Zähneu: „Wer hat Ihnen das gesagt?" Sein Gesicht drückte in dieiem Augenblicke sichtliche Angst aus. Aber ich bemerkte sie erst in dem Augenblicke, als sie im Verschwinden ivar und sein blaß gewordenes Gesicht sich plötzlich wie im Zorn wieder mit lebhaftem Roth überzog, als ich ihm entgegnete: „Mein Freund Paul de Roncieux, Ihr Sohn, hat eS mir gesagt." „Ah!' schrie er,„das ist Ihr Freund, dieser Schlingel? Nun, ich mache Ihnen kein Kompliment darüber. Und wann hat er Ihnen von meinen Angelegenheiten erzählt? Wann?" „Oh, nicht von Ihren Angelegenheiten, Herr.Kapitän. Er hat mir nur gesagt, daß er der Sohn eines verabschiedeten Offiziers sei." „Aber, wann, wann?" Die Angst halte ihn wieder gepackt. Er hatte meinen Arm gefaßt und drückte ihn, als wenn er ihn zerquetschen wollte. Ich antwortete ihm sehr rasch: „Als wir Kameraden auf dem Lyceum waren, vor vier Jahren." Er ließ meinen Arm wieder loi, athmete tief aus, wie ein Mann, der beinahe erstickt wäre, und fragte mich: „Und Sie haben ihn seitdem nicht wiedergesehen?" „Nein, Herr Kapitän!" Er drückte mir die Hand, wie wenn er mir danken wollte. „Sie haben recht gethan," fügte er hinzu.„Suchen Sie ihn nicht wieder auf. Das ist ein verkommener Kerl." In diesem Augenblick erscholl das Signal zur Formation in Zügen. Der Kapitän nahm sein Käppi ab und wischte mit der Hand seine Stirne, auf der große Schiveißtropfen perlten. Er schwankte zwischen der Erfüllung seiner Pflicht und der offenbaren Lust, mir noch etwas zu sagen. Und dann sagte er, schon im Begriff mich zu verlasse«: .Auf unsere Posten, Donnerwetter! Wir kommen darauf «och zurück." Ader er ging noch nicht und rasch fügte er noch hinzu: „Ein lctzrcs Worl noch! Aus dem Lyccum babeu Sie von einer gewissen Ccjarine sprechen hören, nicht wahr?" „Ja!" Er drehte sich auf den Hacken und ging� Und wieder bc- gann der Marsch.— (Fortsetzung folgt) Dio EleKkronrctnlluvgie.*) Die Eleklroineiallnrgie arbeilct»och zwei ganz verschiedene» Methoden, indem sie zur Behandlung der ihr»nicnvorfenen Nod- stofse entweder, wie die älteren hüttenmännischen Verfadren ebenfalls, die Wärme in Anwendung bringt, oder aber sicb zur Trennung der gewünschte» Metalle aus ihren Erzen oder Verbindungen rein chemischer, von der Erwärmung unabhängiger Einwirkungen bedient. Die erslere Melhode, bei welcher die bekannte Fähigkeit des elektrische» Stromes in Anwendung tritt, unvollkommene Leiter beim Durchgange zu erhitzen, scheint dem früher allein üblichen Verfahren, die Dtelalle durch Fenersglntb ans ihren Verbindungen zu erschmelzen, am nächsten verwandt zu sein, im Grunde aber ist gerade sie am weitesten vom üblichen Wege entfernt. Benutzt man doch die elekmschc Schmelzung fast nur zur Erzeugung einiger Elosfe, welche die frühere Metallurgie überhaupt nicht, oder nur in Proben darzustellen vermochte! Da die Alnminiumgewinnnng unter diesen Prozesse» obenanstchl und S'uchzeitig bis jetzt— wenn auch nicht mehr auf lange— über- npt die erste Rolle iii der Elektrometallurgie spielt, so sei mit ihr der Anfang gemacht. Sind doch der Gewinnung des Aluminiums die elektrischen Ströme die beiden bedeutendsten, bis jetzt in de» Dienst der Industrie gestellten Wasserkräsle, des Rhein- und Niagara- Falles, zum großen Theile gewidmet. Den Alumininmbednrs der alten Welt decken zumeist die aus der Berschmelznng einer schweizerischen und einer deutschen Gesellschaft entstandrnenAlnminium- werke zu Neuhause» am Rheinsall, deren große elektrische Anlage jetzt ihrer Vollendung entgegengeht. In Amerika dagegen sind die gewaltigen Anlage» der Pillsburg Reduktion Comp., theils an den Niagaraiverlen, lheilS in den Kohlen- distrikle» Peuiisylvauiens gelegen, die einzige Alnminiumfabrik und gleichzeitig die bedentendste der Welt, da ihre jetzige Ausdehitung sie desähigt. fast jedes vom Wellniarkt gewünschte Quanluin Aluminini» zu liefern. Ihre Jahresprod, lktion, die für 1890 ctiva 28000 Kilo- gramm betrug, war fünf Jahre später aus mehr als das Zehnfache gestiegen, und im vorigen Jahre hat die Reductio» Comp, ungesähr !>/, Millionen Kilogramm oder sür 4— b MillionenMark'Aluniin>»m erzeugt. Die Fabriken der Gesellschaft, welche an de» Niagara- fälle» mit einem Strombedarf von etwa 3000 Pferde- krästen arbeilen, erzeugen das Alumininm aus reiner Thon- erde, die sich in allsgezeichneter Beschaffenheit in den Staate» Georgia und Alabama findet. Die Erde, ivclche nichts weiter als das Oxyd des AlumintttUis ist, wird in gußeiserne», mit Kohle ausgekleideten Tiegeln durch die Gluth eines sehr starke» hindurch- geleiteten Stromes geschmolzen und scheidet dabei das reine Alu- minium an der Obezfläche aus, wo es mit Kellen abgeschöpft wird. Obwohl die Stärke des Stromes, der das Thonerdebad in der Schmelzgluth erhält, ungeheuer groß sein»inß, so ist doch seine Spannung so gering, daß derselbe Strom von 160 Volt 20 Tiegel hintereinander dnrchlänst und ihre» Inhalt in der Schmelze erhält, bevor seine Kraft erschöpft ist. Die pennsylvanischen Aluininiuiu- werke derselben Gesellschaft erzeuge» ihre» Elektrizilätsbedars durch Dampskrast in der Stärke von 2000 Pferden; aber obwohl sie so günstig inmitten eines der reichsten ftohlenlager der Union liegen, daß ihnen der Zentner Steinkohle kaum aus ISPs, zu stehen kommt, «rhält die Anlage an den Niagara-Krastwerken die Elektrizität doch noch billiger, so daß die geplante» Erweiterungen der Reduclion Eoinp. ebenfalls am Niagara liege» werden. Außer dem Alunuiuum gicbl es noch eine Reihe anderer, ebenso leicht oder»och leichter oxtzdirender Metalle, die sich eben dieser groben Verwandlfcdaft zum Sanerstoff halber nirgends i» der Natur im reinen Zustande, dagegen in unendlichen Me> gen als Salze oder erdige Veibindnngen finde». Das Natrium, der Haupt- bestandtheil des Kochsalzes, das Kalium, Magncsiilm und einige andere Elemente gehören dem Reiche dieser sogenaiinte» leichte» Metalle an, doch wird»»ter ihnen biS jetzt nur das Magnesinm in größeren Mengen elektrolylisch geivonnen. Seine Hcrstellliiig aus alkalischen Saizen und Erden wnrde früher ziemlich lostipielig aus rein chemischem Wege betrieben nnd zwar hauptsächlich in England. Neuerdings stellt es eine elekiro- chemische Fabrik zu Hemelingen aus ähnliche Weise, ivie das Alnminium zu stände kommt, inittels elektrischer Ströme her. lind dieses Vcr- fahren scheint das frühere langsam z» verdränge». Freilich ist die Erzeuguug des Metalles im reinen Zustande auch so eine schwierig«; «ine Pserdeklaslstniide, in Elektrizität»mgesctzt. vermag nur 4S Gramm Maguesiunr zu erzeugen. Doch ist schon das bei der großen Leichtig- keit und dem hohen Preise des Metalls ei» Erfolg, der zur Nach- ahmimg reizen wird. •) Ans der„Kölnischen V o l k s- Z e i t u n g". Kommen wir nun zu denjenigen Zweigen der Metallurgie, wo die Elektrizität nicht durch ihre Wärme-Erzeugung, sondern durch stille trennende und vereinigende Wirkungen in bestimmten Bädern und Lösungen die i» Frage sleheiiden Erze bewältigt, so ist es vor allem das Kupfer, dem sich das Interesse der Elektrotechnik schon seil langer Zeit zugewandt hat. Vor nahezu 20 Jahren, nämlich 1873, wurden von der Firma Siemens u. Halske im Konnnunion-Hütleniverk zu Ocker am Herz die ersten Ver- suche gemacht, die Elektrizität mit Nutze» in den Betrieb der dortigen Kupferraffinerien einzuführen. Der Ziveck dieser Neuerung war, die nach dem rein chemischen Verfahren sehr schwierige nnd lhenre Herstellung von Reinkuvfer aus dem schon einmal verhütteten Rohinarerial zu erleichtern. Die Scheidung des pure» Kupfers von den ihm stets beigemischten edleren oder unedleren Metallen, sowie von Schwefel und anderen Beimischungen ist nämlich nur bei großer Erfahrung und mit erprobten Einrichtungen, sowie billigen Arbeitskräften vortheilhast genug zu bewirken, um die Kupfer- rassinerie lohnend z» machen. Dcsbnlb ist der größte Theil der amerikanischen Kupfererze stets zur Verwandlung in Feinkupfer nach Europa gebracht worden, nnd besonders di- deutsche, in allen chemi- scheu Gedeimniffen stets am besten bewanderte Industrie bat immer große Mengen deS amerikanischen, wie auch des spanische» Rohkupfers mit Vorlheil rasfinirt. Das elektrische Verfahren bot nun ein Mittel, die Gewinnung von Fenikupfcr ganz wesentlich zu ver- einfachen, und in den letzten Jahren besonders, nachdem die anfänglichen Mängel verschiedener rasch nach einander auftauchender Systeme durch die Praxis beseitigt waren, hat die elekirolytische Kupfergewtnnuiig eine grobe Ausbreitung erlangt nnd steht auf dem Punkte, die ältere» Rasfinaiionsmelhoden ganz zu verdrängen. Das elektrische Versahren i» mit kurzen Worten folgendes: Das bereits z» Rohkupfer erschmolzene, aber noch mit vielen Beimischungen be- haftete Erz wird in dünne Platten ausgewalzt und in großen Kupservitriol-Bndern eben solchen Platten von reinem Kupfe> blech gegenüber gehängt. Ein elektrischer Strom von sehr niedriger Spannung wird dann durch diese Bäder hiudurchgeschickt, löst die Rohkiipferplalte» langsam anf und lagert ihren Gehalt an reinem Kupfer auf den eingekäiiglen Blechen, den sogeunnnlen Kathoden, ab, die beständig an Dicke wachsen u»d, so- bald sie ein bestimmtes Gewicht erlangt haben, durch neue ersetzt werden. Die Dynamomaschinen, welche sür solche Prozesse Verwendung finden, sehen natürlich ganz anders aus, wie diejenigen, die zur Erzeugung der hochgespannte» Ströme sür die Beleuchtung oder gar Kraftübertragung dienen. Die von Siemens sür das Konnnunio»- Hüttenwerk im Harz gelieferten Dynamos gebrauchten, odrvohl sie 1000 Arup, oder eincu Strom von derselben Stärke gaben, wie ihn die zweihundert- bis dreihundert- pierdigcn�Dampf-Dynamos großer Elektrizitätswerke liefern, nur sechs Pferdestärken zum Antrieb bei einer so geringen Spannung, daß man für den Betrieb von Glühlampen 30— 40 solcher Ataschinen hintereinander hätte schallen müssen. Ihre Magnet- nnd Anker- Bewickelung bestand nicht aus Drähten, sondern aus einer einzigen Lage dicker Kupserstangen. Der Strom einer einzige» Maschine genügte aber sür zwölf große Knpfcrbäder Die in den Rodkupfer- platten enthaltenen Beimischungen, die zwischen Silber und Schwefel eine lange Reihe der verschiedenste» Stoffe umfassen könne», werden bei der Auslösung der Anoden in Gestalt von Schlamm in der Kupservitriol-Lösling gefällt nnd können, wenn ihr Prozentsatz oder. wie beim Silber, ihr Wcrih dessen verlohnt, durch weitere elektrische Prozesse in reiner Form abgeschieden werden. Uebrigens kann man das reine Kupfer auch aus dem rohen Erz anf elektrischem Wege in einem einzigen Piozesse gewinnen, und Uvar wird diese Art der Rnffinalion meist nach dem Marchese'schen Versahren geübt. Diese Dl-thode der Metallgewinnung würde, wenn sie sich auf alle Erze vom Eisen bis zum Silber anwenden ließe, eigentlich die ideale Form der Erzbehandlung darstellen. An- statt aller langwierigen, Kodle verzehrenden, viele werthlose Abfälle ergebenden nnd die Luft i»it schädlichen Dünsten füllenden Ver- Hültnngs-Prozesse wird das Kupfererz einfach zu Rohsteinplatten verschmolzen, welche als Anoden in ein Bad von verdünnter Schwefelsäure und einer Lange desselben Erzes kommen, während ihnen gegenüber wiederum dünne Kupferbleche als Kathoden aufgehängt werden. Ein Strom von einem Volt Stärke ist fähig, die Erzplallen in reines Kopfer zu übersühre», nur bedarf es dazu einer langen Zeit, denn erst in drei Monate» ist eine Erz-illnode völlig aufgelöst. Es gehören also viele Zellen dazu, um die? Verfahre», nach welchem in der Stephaushülte in Ungar» täglich 1200 Kilogramm Fcinkupfer niedergeschlagen weiden, im großen Maßstab z» delreiben. Dennoch ist es sehr wohlseil, besonders wen» zur Elektriziiälscrzeugung Wasserkräfte zu Gebote stehen, wie in der eben erwähnten Hülle, wo das Verfahren schon seit sieben Jakren mit Erfolg geübt wird. Auch hier lassen sich aus dem Schlamme der vor- vereinigten Bäder die werthvolleren Stoffe auf elektrischem Wege aber- »lals scheiden, und besonders bei Erzen, die neben dem Kupjer noch Gold- oder Silberipureu enlhallen, ist das elektrische Verfahren vom größten Nutzen. Es war zu erwarten, daß dieser Umstand nirgends stärker.ausgenutzt werden würde, wie in den Vereinigten Staate», wo neben»»geheueren, billig z» erschließenden Kupfer- Erzlagern, besonders in der Nähe der großen Seen, Wasserkräfte genug vorhanden sind, die nur der Ueberfüdrnng in die Gestalt der eleklri- scheu Energie zu harren scheinen. Wenn es schon lohnend war, die zu Rohkupfer erschmolzenen amerikanischen Erze»ach Europa zu I bringe», so mußte es in viel höherem Grade gewinnreich werden, sie auf den verzweigten Binnen-Wasserslraßen des eigenen Landes in die Nähe der großen Krafizentralen zu schaffen, die eben an den Niagara-Fällen und anderen Plätze» des Landes zu enlstehe» im Begriffe find. In der That baden sich in Amerika rasch mehrere große Kupferraffinericn auf eleklrolytischem Wege gebildet, und in der Fachpresse der Vereinigten Staaten wurde schon froblockend von der Aussicht gesprochen, bald das europäische iltohmatcrinl zur ge- winnreichen giasfination nach Amerika z» holen, aiistatl uns das ihrige, wie früher, zu senden. Auch die Geiviunung des so wichtigen und koslbaren Nickels ans elektrischem Wege steht in naher Aussicht. Eine Reihe anderer Meialle, deren elektrische Geivinnnng wegen mancher, den bieln raren Ans- bereilnngs-Methoden anhaftender Mängel ebenfalls gen iinscht wird. hat sich bisher dem elektrischen Strome iveniger zugänglich gezeigt. Endlich spielt die Elektrizität eine Rolle in der Gol> gewimiung. Durch geeignete Verfahre», Mnschiiie» nnd Avparate hat man es schon mehr wie einmal dazu gebracht, daß Golderze, die früher als nnverwcrihdar beiseite geinolfe» wurden, noch Millionäre gemacht haben. Der sogenannte Cyanir-Prozeß, bei dem die unergiebigen, feingemablenen Erze durch eine EyamLösuiig behantell iverden, um die letzten Goldspureii oarans aufziilöien und in Cyan-Gold z» verwandeln, ist die jüngste Phase in diesem Weltsticit. Aber auch dieses Verfahren bat wieder seine Grenze, denn die Konzcntration der a»zuiveude»den CyaN'Lösiing muß eine hohe sei», und schließlich kaun der Werth des erforderlichen kostspieligen Ena» denjenige» des Goldes, das ans arme» Gesteinen»och heraiiSzudolen wäre, übersteigen. Auch hier Hai man zuletzt wieder, nnd zwar an den amerikanischen Goldiunie» ebensowohl wie in deueii von Transvaal, zur Elektrizität gegriffen, um selbst anße, ordentlich goldarme E>ze noch mit Bortheil. ver- arbeiten zu lönncii. Sas von der Firma Siemeiis ausgearbeitete clcktrolytische Golbgeivinnuiigs-Vers hren, we es u.a. auf einer großen Btine in Transvaal für Erze im Gebranch ist, die in 100(1 Kilogr. nur noch 8 Gramm Gold soder in jedem Zcntner Erz noch nicht mr eine Mark Gold) enthalten, wird folgendermaßen gehand« habt. Das Erz— es kommen auch wohl goldarme iliückstände anderer Anfbereilnngsmethoden zur Verwei duug— n ird fein gemahlen nnd in einer Lauge von Cyao-Kali, die nur schwach z» fei» braucht, so lange durch Maschinci krast gerührt, bis das Gold sich in der Flüssigkeil gelöst hat. Der Schlami» wird beseitigt, die Lösung aber kommt in große Behälter von 20 000 Liter Inhalt, wo ihr Gold- geKall sich durch die Einivirkmig elektrischer Ströme ain dliime, eingehängte Bleiplatten niederschlägt, die dann endlich zun. Schmelzen nnd Verdampien gebracht werden, ivobei das Go>d im Tiegel zurück- bleibt. In den Minen der Rand Central- Ore- Red. Co. zu Johannesburg iverden jährlich 200 000 bis 800 000 Zentner Goldsande und Erzrückslände, deuen auf andere Weise kerne llnze Gold mehr ahzugeivinne» ist. clcltroly'isch bebniidelt mit einem Gewinne von 200 Kilogramm Gold oder 450 000 M.— Vleines Ilettillvko»» — Ein Verein znr Förderung der Kunst will sich in Berlin austdu». Nach den, an die Blä>ler vei sandte» Ausruf be- zweckt der Berein Pflege n»b Förderung der Kiinst zunächst ans dem Gebiete der Literatur, des TuaierS und der Musik durch Hebung des Tbealer- und floiizcrlbrsuchS, Belämpfnng tbealerschädlicher Einflüsse. Unteistötzuiig künstlerisch geleiteter Bühnen und Mosikauf- sührunge». a) Tnich Erwerbung von Aboinieinenls n. f. w. zu gunste» seiner Mitglieder, b) Durch sreiinülhigcS Eintreten in Wort und Schrift für die Jn>er>ssen der Knust, Schaffung eines»in- abbäugigen Organs(wenn auch in Verbiutung mit einem schon er- scheinenden), c) Durch Belbciliguiig am Besuche guter Thcaier und Konzerte zc. bei bedeutsame» Eislanssührniige». ivichlige» Wieder- holungen und liinstleiisch inleressanten Gast spielen hervorragender Schauspieler und Cnnger. Tonkünsller w. zc. ä) Durch Einwiikcn aus Wahrung einer ernsten und würdige» Hallnug des Publikums bei Erstanssührnngen, im Gegensatz zu de» oft bei solchen Anlässe» zu tage getretenen Vorkommnissen, e) Durch nncigenuütziges H»i>veisen ans werthvolle neue oder ältere, in Vergessenheit geralhene Werke, ans talentvolle Autoren und darstellende Künstler(kosten- lose Vermittelung). k) Durch Veraiistaltnng von Unter- hallimgs- und Vortragsabenden, zur Aufführung solcher unter e genannte» Werke. Zur Erreichung dieses Zweckes ist bereits die Verbindung mit der„Dramatischen Gesell- schaft", drr„Freien literarischen Gesellschaft" und dem Verein „Deutsche Tonkiinst" in die Weg« geleilet, g) Durch kostenlose Pri'iung dramatischer Werke und anderer liierarischer. smvie musikalischer Arbeite», namentlich unbekannler Autoren, in einer aus Fackileiite» nnd nriheilSfähigen Laien zusammengesetzte» Kommission. Ter Verein bezweckt aber auch die materielle Unterstützung schaffender Künstler. Zur Verfolgung dieser Zwecke bat der Verein bereits die Züsliiunrung von zahlreichen Frauen und Männern aller Gebiete der Kunst und Litcrnlnr erhalte». Als Ebrenprästdinm zeichnen: Theodor onlane, Dr. Ludwig Fulda, Gerhard Hauptmann, Josef Kainz, iegfried Ochs, Hermann Eudermau», Hof- Kapellmeister Richard Strauß, Ernst v. Wildenbrnch; als Borftaud: Heinz Wolfradt, Fabrik- besitzer(1. Vorsitzender), H. Lissauer, königl. Kommerzienrath(2. Vor- sitzender). Otto Erich Hartleden(l. Schriftführer), Otto Plöcker- Eckardt(2. Schriftführer), H. Seckel, Kaufmann(1. Schatzmeister), Dr, med. L, Zippert(2. Schatzmeister), als Beisitzer sungiren: Henri Bersny, Komponist, Dr. Mar Dreyer, Schriftsteller, M. v. Egidy, Oberiilieulenant a. D.,'Ad. Göllinaun. Kapellmeister. Josef Jarno, Schauspieler, Eduard Krämer, Schriftsteller, Hr. phil. P. Livpert, Binlioibekar, Siuinar Mehring, SchrlslsteUer, Paul Moos, Musik- icbrifisleüer.— Wie man sieht, ist es eine recht„gemischte" Gesell- schast, die sich da zlisaininengefunden hat. Ihr Speisezettel ist sehr laug; es fragt sich nur, was wirklich auf den Tlsch kominen ivird. t. Gefrorenes Geflügel. Die französische Zeitschrift„Ckasso et Päche" vrröff litlicht einen interessanten Artikel über de» Handel mir gesioreuei» Geflügel auf deni Londoner Markte. Dieses Ge« fli gel, dessen Größe und Qualität im allgemeine» von mittlerer Güte ist»nd das daher gewöhnlich mit Nachlaß des Preises ver- kauft wird, foniml aas den Vereinigten Staaten. Es wird in ge- froreuem Zustande über den Ozean geschafft und komint so in tadel- loser Erhallung i» London an. wo es soiort verkaust wird. Einige Zufuhr des gefrorenen Geflügels erhält die Wellstadt auch aus Australien, je och können die Sendungen dieses Erdtheils weren der weiieren Entfernung das amerikanische Produkt nicht vom Markte verdrängen.— Theater. — Nene f r e i e V o l k s b ü h n e. ,. Der letzte Brief/, Lustspiel i» 3 Aufzügen von Victorien Sardou. Das technisch sauber gearbeitete Tbealeistnck des witzigen Franzosen hatte trotz des Sonniagsuachniiltaas»nd der großen H tze ein zahlreiches Publikum nach dem Friedrich Wilhelmilädtischen Thealer geführt. Da die Haupt, ollen des Stückes entsprechend besetzt ivare» und das Zu- sanimenspiel glatt vor sich ging, fehlte es auch nicht an Beifall. Bon den Cchansp.elein wögen hier die Herren Haid und Possanßky und das Fräulein Lenz besonders hervorgehoben werden. Es ist nichts dagegen cinzuivenden, daß die Volksbühne auch Stücke wie „Ter letzte Brief" zur Aussührnug bringt. Wenn die Mitglieder gegen das Sardon'sa.e Opus die ihi eu früher gebotene Komödie von Auzeiigruber ,,'s Jnngserngifl" halten und vergleichen, werden sie schnell entscheiden können, welches von beiden das Werk eines Schrislstellers nnd welches das eines Dichters ist.— — Auch in M fi n ch e n wurde die öffentliche Ausführung des B j ö r n s o»' s ch e u Stückes:„ U e b e r unsere Krast" von der Zensur verboten.— Aus dem Thierlebei«. — Verständigung von Insekten. Ueber eine inter- essante Beobachtung aus dem Leben der Insekten berichtet Hans Bischoff im„Piakiischen Ralbgeber im Obst- und Gemüsebau". Vor einem Dackisenstcr, 12 Meter über dem Erdboden, befand sich ein großes wohlauSgearbcileles Spinnennetz. Der Beobachter kam nun zn'ällig dazu,>vie sich eine große schwarze Waldameise in den aus- gespaunle» Faden verfing. Die sonst sehr freßgierige Spinne ließ sich nicht blicken. Längere Zeit mühte sich die Ameise vergeblich ab, sich des umstrickenden Gewe, es zu entledigen, ohne jedoch zum Ziele zu gelangen. In der Beirachlnng begriffe», wie wohl jene Ameise in dies Netz gelaugt sein möge, und begierig, zu erfahren, wie sie sich aus dieser umstrickenden Gefangenschast be- freien werde, wurde die Ausmerksainkeit plötzlich auf drei weitere Ameise» derselben Art gelenkt, die eifrig de» Fensterrabme» um» krochen. Nachdem die genaue Nekognoszirung vollendet war, postirten sich selbe an die zwei Haupibefeslignngsfäde», die das Netz an dem Fensterrabnlen festhielte»»nd bissen dann gleichzeitig die Haltefäden durch, infolgedessen sich das ganze Netz an einer Seite des Holz- rahmens nmlegte, so daß sich die gefangene Ameise durch den nun gnvonnene» feste» Stützpunkt an dem Holzwerke herausarbeiten konnte. linziveifelhast muß aber das gefangene Thierchen durch irgend ein Signal die Genossen zur B-f>e»>ngsarbeit herbeigernseu haben, nnd auch das gleichmäßige Abkneipen der Besestigungsfäde» erfolgte wie auf ei» uns nicht ivahrnekmbares Kommando prompt»nd sicher. Die Spinne besserte das zerstörte Netz nicht wieder ans, so daß weitere Versuche mit bereit gehaltenen Ameisen unterbleiben mußten. Ein ähnliches, einen hohe» Grad von Intelligenz verrathendeS Stückchen beobachtete der genannte Forscher gleichfalls im Laufe dieses Jahres. An einem jungen, freistehenden Birnbaum, woran die Ameisen in Straßen aus nnd ab marschirle», wurde um den Hand- gelent starken Stmim ein Klebegürtel gelegt. Darob erst allgemeine Bestürzung»nid Unruhe»nter den Ameisen. Oberhalb und unterhalb deL Ringes versammelten sich die kleinen braune» Gartenamrisen, offenoar»IN zu berathen. Einige Hitzköpfe versuchten in die klebrige Masse vorzudringen, und wurden, als sie mit den Vordersüßen hängen blieben, von den zurückgebliebenen am Hinlerkörper und den Füßen gepackt n»d herausgezogen. Plötzlich machten die unterhalb deS Klebe- ringes bcfindlickien Kehrt und eilten den Stamm hinunter. Die Erde nute» an der Baumscheibe war trocken und krümlich; die kleinen Thierche» schleppten mit ihren Vorderfüßen kleine Partikelchen davon in die Höhe nnd legten dieselben i» ganz geordneter Weise ans den Klebering ab, und bildeten so gleichsam eine Brücke. Nachdem der- gestnlt der Uebergang hergestellt war, erhielten die oberhalb befind- lichen ihre Freiheit wieder. Als nach einigen Stunden Nachschau gehalten wurde, war keine einzige Ameise mehr auf dem Baume. Auch für die Folgezeit blieb der Baum von den Ameisen gemieden. Der Klebering wurde erneuert, aber keine Ameise ließ sich mehr blicken. Der Brückenbau scheint de» Thieren zu viel Mühe ver- ursacht zu habe».— Geographisches. — Ucbct d i e unterirdische» Waffe rläufe der Sahara berichtet E Lippmann folgendes: Die Sakara ist nicht. wie man irrig annahm, ein versandeter und ausgeirockaeter Meeres- arm. In der Urzest war die hnuige Wüste zweifellos ein fruchl- bares, bevölkertes und von zatilreichcn Wasseradern durchzogenes Land.'Olilem seit den große» geologische» Veräudernnge», deren Ergebniß die Erhebung der enropäiscven Gebirgs- kellen war, blieben in dieser Gegend die atmosphärische» Niederschläge ans, die mit den Winden ans der eisigen Zone des Nordpols dem natürlichen Znge gegen die Tropen am Acqnator folge». Die Lnfturöinnngeu vom Südpol hin« gegen, die eine weit größere Meeresoberfläche durchziehen,«he sie zum afrikanischen Konlinent gelanaea, koudensiren ihre wasser- reiche» Wolken ans den hohen Gebirgen dieses Erdthcils und bilden die mächtigen Ströme des Niger, Kongo und Nil. Gleich diese» uiußten auch die ehemaligen, nun verschwundenen Wasser- läuse hauptsächlich ans südlicher Richtnng konunen. Sei-dein die almosphürifchen Niederschläge ausblieben, verwitterten die Felsen unter der Einivirknng der Luft und der Sonnengluth; es entstand der seine Sand, mit welchem die trockenen Winde den Boden der Sahara-Sleppe nivellirle»; nur spärliche Oasen erhielten sich an kleinen Wasseradern im Sande oder an Stelle», wo man in geringerer Tiefe Wasser zu schöpfen vermag. Aber auch der artesische Brunnen ist oasenbildend, wie dies die Er- fahrungen der letzten vierzig Jahre bestäligen. lös« wurde von der französischen Militärverwaltung Algeriens der erste Bohrversnch bei der Tamerna- Oase durchgeführt, und nach dceiundzivanzigtägiger Arbeit gelangte man ir. der Tiefe von 62 Metern zu einem Wasserbecke», welches«inen Hochsirahl von mehr als 4000 Litern in der Minute lieferte. Seit dieser Zeit wurden die Sondirnngsarbeiten in dem der französischen Herrschaft unterworfenen Gebiete unablässig fortgeführt und hier« durch bewässerte Strecken der Kolonisation zugänglich gemacht. In der heißen Jahreszeit, von Ende Mai bis Anfang November, iverden die Arbeilen ausgesetzt. In de» vierzig Jahren von I85S bis 1. Juli 1896 führten die M ilitär-Detach eine n ls in der Provinz Constantine allein 772 Bobrungen in einer Gesa»nn>länge von 34 114 Metern aus; es wurden dadurch 462 nutzbare Brunnen und 320 Hochstrahlqu'llen erschloffen, von denen die letzteren allein täglich 3 175 000 Llter befruchiendes Springwassec liefern.— Medizinisches. — Im Ferghan-Gebiet(Turkestan) und besonders in der Stadt K h o k a n d und Umgegend tritt der Kropf unter der «ingeborenen Bevölkerung geradezu epidemisch aus; er entwickelt sich derartig, daß er häusig bis zur Brust geht, und daß manche Ein- geborenen sich nicht anders zu helfen wisse», als daß sie sich für ihren Ausivucbs eine» Korb anfertigen lassen und den Korb mit seiner Last mittels eines um den Hals gehenden Strickes beständig mit sich tragen. Trotz aller Forschungen habe» die Aerzle die Ursache dieser Krankheit noch nicht ermittelt; die meisten neigen der Ansicht zu. daß das Wasser im Ferghan-Gebiet Mikroben enthalten muß. welche die Bildung der geradezu kolossale» Kröpfe befördern. Der Umstand, daß die russische Bevölkerung, welche das dortige Wasser fast nur in ge- kochtem Znstande genießt, beinahe gänzlich von dieser Krankheit ver- schont bleibt, spricht stark für die Richligleil dieser Hypothese. Ber- einzelt sind nur einige russische Soldaten am Kropf erkrankt, doch ist es noch immer gelungen, die Krankheit in ihrem elften Entstehen durch einige Jodeinreibuugen zu beseitigen. Die örtliche Be- völkeruitg zeigt sich aber ganz gleicbgiltig gegen alle ärztliche Hilfe. Der Erkrankte geht zum Mullah, läßt über sich Gebet« aus dem Koran lesen und ergiebt sich dann ge- duldig in sein Schicksal, um so mehr, als die Krankheit keine Schmerze» bereitet, und die von ibr Betroffenen noch oft ein hohe? Alter erreichen. Nur einmal ließ sich ein angesehener Eingeborener, der seinen Kropf in einem Korbe mit sich trug, von den russische» Aerzten zu einer Operativ» bewege»; er blieb aber infolge starke» Blutverlustes unter dem Messer des Operateurs, und seitdem will man im Ferghan-Gebiet von der russische».Heilung des Kropfes nichts mehr wisse» Ganz rälbfelhaft ist, daß fast ausschließlich nur der männliche Theil der örtlichen Bevölkerung nnier dieser Krank- heit zu leide» hat. Daß auch Frauen an ihr leiden, gehört zu den größten Seltenheiten.— Technische?. — Die Eisenbahnen der Erde. Das Eisenbahnnetz der Erde hat in der Zeit von Ende 1891 bis Ende 1895 im ganzen einen Zuwachs von 62465 Rilometern oder 9,8 pCl. er- halten und am letztgenannten Zeitpunkt eine Ausdehnung von 698 356 Kilomeiern erlangt. An dieser Länge sind bethciligl: Amerika mit 369 685 Kilometern, Europa mit 249 899 Kilo- meiern. Asien mit 43 279 Kilometer», Australien mit 22 349 Kilometer» und Afrika mit 13 143 Kilometer». Das Eisenbahnnetz Europas bat sich in dem Jnhrsünst(1891 bis 1395) nur um 22 104 Kilometer oder um 9,2 pCt. erweitert. Das größte Eisenbahnnetz ist das Deutschlands mit 46 413 Kilometern und einem Zuwachs von 2989 Kilometern oder 6.8 pCt. Den bedeutendsten Zuwachs weist Niißland mit 6675 Kilometern oder 21,4 pCt. auf. In Frankreich ist das Etsenbahnnetz um 2476 Kilometer(6.5 pCl.), in Oesterreich- Ungarn um 1980 Kilometer(7 pCl.), in Spanien um 1892 Kilo- ineier(18.3 pCl.), in Italien um 1805 Kilometer(13,7 pCl.) und in Schweoe» um 1476 Kilometer(17,7 pCt.) gew>,chsen. In de» übrigen Erdiheilen hat vie Essenbahn Länge in folgender Weise zugenommen: In Amerika um 27 356 Kilometer oder 7,9 pCl., in Asien um 7838 Kilometer oder 22.1 pCl., in Afrika um 2647 Kilo» meier oder 25.2 pCl., in Australie» um 2520 Kilometer oder 12,7 pCt. Das Gesamintanlagekapiial der Ende 1895 im Betrieb« gewesenen Eisenbahnen der Erde beträgt ru»d 146 732 Millionen Mark, somit für einen Kilometer rund 210 000 M.— Humoristisches. — Das Echo. In einer Provinzialnadt wird der„Freischütz� anfgestthrt. Da die Operngkscllschafl sehr klein war, so Nilißle der Theaterinipezienl auch den Maschinisten bei den Berivandlililge» in der Wolsssevliichiszene unterstützen. Der Juspezicnl wandte sich des« halb an einen der Statine» und bat ihn. beu» Kugelgieße» KaSpars dessen Alisrufe mit dem Echo zu begleiten. Ter Statist war ein Sartsse. Als Kaepar nun in die Swauer der Nacht die Kugelzahl hiueiurief. svlgie dem biimpsgrollenden Eius ein Eins, dem Zwei ei» Zwei und so fort, bi» Kaspar im tiesen Baß Fünf hervorureß. Da schrie der Sachse hell und schmetternd: Fiuse.— Natürlich war das Hall oh fertig.—- Vermischtes vom Tage. — Der Kaiser hat nach den„M. N. N." den Professor Dr. Bsittner-Pfänner zu Thal autorisirt, drei seiner allegorischen Zcichnimge» zu eiiiem patriotischen Stück z» verarbeiten und als Schlnßbilder oer Hauptscene» vorzuführen.— — Die zur Erforschung der Pest unter Führung der Professoren Dr. Koch und Dr. Gaffky von ReichSwegen nach Indien entsandle Kvimnissio» hat Daselbst ihre Arbeiten beendet lliid beabsichtigte, am 25 Jiini die Hssinressc anzutreleii. Bor der Rückkehr nach Deutschland wird die Koinmilsioii mit Rücksicht auf Ausbruch der Pest in Djeddah, der Hafenstadl für Mekka, noch in Egypten Aufeiiihalt nehmen.— — Die Stadtverordneten von B r a u u s ch w e i g erklärten sich grundsätzlich mit der Einfnhrniig einer Fahrrad. Steuer einverstaiidcn, die ohne Unterschied 5 M. jährlich für das Rad be- trage» soll.— — In Cosel wurde am Sonnabend die neue Petroleum- Raffinerie i» der Vorstadt Rogau durch Exvlosion des Kessels, ivelcher über 2�00 Kubikmeter Inhalt hat. voilnändig zerstört Ein Ingenieur, ein Techniker und drei Monteure sind lobt, drei Monteure schwer verletzt.— — In Wiener-Nenstadt und M ü r z z» s ch l a g hat ein Unwetter an Häusern. Bäumen und Gnrtenkullure» großen Schaden angerichtet.— — Die Stadt tt o 1 o M« a in Galizicn ist überschwemmt. Zahl- reiche Häuser sind zerstört. Am Sonntag ist die Brücke zwischen Kolomea und Turka linler«iiiein darüber fahre, Ide» Personenzuge z»sami»c»gebrochen. Die Lokomotive, der Postwagen und ninf Waggons stürzten in die Fliithc». 120 Personen waren im Zuge. Mai, nimmt aii, daß 9 Personen getödiel oder ertrunken sind; bis- ber sind nur zwei Leichen aus dem Wasser hervorgeholl worden. Zwei Personen wurde» schwer lind 12 Personen leicht verwundet. Die Post- und Werthsendlnigen sind zum größten Tyeil ans dem Postaiiibiilanzwagen hervorgeholt.— — Budapest. 28. Juni. Zwischen E g e r e s und Magyar- G o r b o auf der Bahnstrecke Grobivarvein-Klausenburg trat eine Bergrutschnng in der Ansvehnuiig von 1300 Meter» ein. durch welche der Bahnkörper»»d die Telcgraphcnliiiie zerstört wurde»; auch ist ein Wächterhaus eingestürzt. Mensche» sind bei dem Elementarcreignib nicht verrniginckt. Der Verkehr auf der be- schädigten Strecke ist gänzlich eingestellt.— — Jnsolge Hochwassers der Donau ist die Stadt G a l a tz (Rnmänien) ernstlich bedroht. Die Schutzdämme drohen einzustürzen, wie es in Braila bereits geschehen ist.— — Brüssel und Umgebung wurde in der Sonnabendnacht von einem snrchlbare» Gewitter heimgesucht. Mehrere Personen wurden vom Blitz erschlage».— — Brüssel, 27. Jnni. Der Gemeinderath beschloß, Personen unter 18 Jahren die Führung von Antoniodilen in den Straßen der Stadl gänzlich zu verbieten nnd für ältere Personen die librnngsberechtigiing von einem Spezialexamen abhängig zu mache». »ch dürfen Antoinobilen nicht schneller fahren, als gewöhnliche Droschken. Gewisse, steile Straßen dürfen Automobilen nicht heruiiterfahren.— — Das„Pall Mall Magazin" in London hatte seinen Lesern die Frage vorgelegt:„Wer bat während der letzten zehn Jahre unter den englischen Tagesschriftstellern den reinsten englischen Stil geschrieben?" Die meisten Stimmen entschieden sich für Walter Pater.— Verantwortlicher Rebaklenr: August Jacobcy in Verl»». Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.