Hnttthaltimgsblatl des Horwärts Nr. 133. Freitaq, den 9. Juli_ 1897. «Nachvruck oeiboten.) is] Ceservine. SBou Jean Nichepin. Ucbersetzt von H. L. Mein Erstaunen war so grob, daß ich kein Wort der Erwiderung fand, und Cesarine mich zum zweiten Male fragen mußte. Ich antwortete ihr also, daß ich gekommen sei, um zu erfahren, wie es meinem alten Freunde Paul de Roucieux giuge, daß ich ihm Nachrichten von seinem Vater brächte, und wer ich sei. Ihr Gesicht war zuerst plötzlich errölhet und hatte dann einen harten Ausdruck angenommen, als ich des Kapitäns erwähnte; aber önim hatte es in einem graziösen Lächeln hell aufgeleuchtet, als ich meinen Nanien nannte. „Ah!" sagte sie,„wie wird sich Paul freuen, Sie zu sehen! Er liebt sie so sehr, trotz Ihres Zerwürfnisses. Er hat mir so oft von Ihnen gesprochen! Es scheint, daß Sie sein einziger Freund ans dem Lyceuni gewesen sind. Wie lieb von Ihnen, daß Sie gekommen sind! Äreten Sie doch näher, mein Herr, aber ganz leise, nicht wahr? Er darf noch nicht aufwachen. Er hat eine sehr schlechte Nacht gehabt. Uebrigens würde ihn Ihr Besiich zu sehr aufregen. Ich muß ihn allmälig darauf vorbereiten. Nun, sie ist nicht mehr böse, trotz der verdrießlichen Miene, die sie eben noch gemacht hatte. Und ihre Slimine, die vorher iioch so kurz, fast trostlos gekliingeu, hatte setzt so milde, weiche, fast zärtliche Töne. „Entschuldigen Sie mich/ fuhr sie fort, daß ich Sie nicht in dem Zimmer empfangen kaun, das uns als Salon diente. Zch habe Panl's Zimmer daraus gemacht/ Und als ich zögerte, über die Schwelle der kleinen Stube zu treten, die ich für eine Nunipelkammer hielt, fügte Sie hinzu: „Doch, doch! Treten Sie nur in mein Zimmer ein/ „Wie, das ist Ihr Zimmer, dieser verwahrloste Raum? Oh. Kapitän, wer zum Teufel hat Ihnen Ihre Jnformatlonen gegeben? Das soll das Zimmer einer Coilrlisane sein? Meiner Treu! In Wahrheit nicht einmal das Zimmer eiiier Frau. Weder Nippsachen, noch Bänder, noch die tausend Kleinigkeiten, nichts, was den Wunsch, zu gefallen, athmet; oder n»r, um sich da wohlbehagtich zu fühlen. Nichts, was die Vorstellung erweckt, daß sich hier jemand herausputzt, Toilette macht. Ein Koffer an stelle der Kommode. An stelle eines Schrankes Büchergestelle. Auf der weißen Tischplatte keine Wäsche, sonderil Papiere und Bücher. Und Bücher selbst auf dem Kamin. Und Bücher auf den Stühlen, zivei einfachen Strohstühlcn. Und Bücher überall ver- streut, selbst auf dem Bett, das übrigens nicht einmal gemacht ist. Ein kleines eisernes Bett, auf das am Morgen bastig eine grobe, kastanienbranne Wolldecke, die fast wie eine Pferdedecke aussah, geivorfen worden war. Das ist der uiiordentliche, kauin recht saubere Schlupfwinkel— schon niehr Stall— eines armen, arbeitsamen Gelehrten. Ich bin thatsächlich bestürzt über diesen vollständigen Maugel an Koketterie, und im selben Augenblick finde ich auch in Cesarine ihren strengen oder vielinehr unaugenehmen Aus- druck von ehemals wieder. Ich betrachte sie etivas genauer mit größerer Muße und kälter, als ich es in der ersten Bewegung des Erstauiieils vermocht hatte. Und bei dieser Prüfung, zu der ich reichlich Zeit hatte, während sie zu mir sprach, verflüchtigte sich allmälig der Zauber, den sie eben noch auf mich ausgeübt halte, und nur allein ihre sanfte Stimme log nicht. Nein, offenbar ist Cesarine nicht häßlich, aber noch viel weniger hübsch. Die Stirn ist z» hoch und zu stark ge- wölbt, obwohl lange nicht so scharf herausgearbeitet, wie sie mir in dem Laden erschienen war. Es ist keine weibliche Stirn, viel eher die Stirn eines Denkers. Auch die Augen scheinen die Augen eines Mannes zu sein. Gewiß versinken sie nicht, ivie es da unten schien, in den tiefen dunklen Höhten eines Todtenschädels; indessen liest man aus ihnen doch zu viel ernstes, tiefes Nachdenken, und sie verschwinden mehr als nöthig unter dem Bogen ihrer Augen- brauen. Ihr Blick erlischt in der Tiefe dieser Höhlung. Er ist matt ohne inneres Feuer, der Blick eines Kurzsichtigen, ein Blick, dessen leuchtender Glanz über den Büchern er- loschen ist. Und von diesen selben Büchern hat anscheiiiend auch ihr Teint die bleiche Farbe des Papiers angenommen. Er ist nicht eigentlich bleich, eher verblichen zu nennen. Diese Bleichheit würde indessen nicht ohne Schönheit sein, lvenn sie harmonisch mit der Zeichnung eines feinen mageren Gesichtes zusammenstimmte. das durch eine feine, grade, stolze Nase veredelt wird. So wenigstens wünschte ich mir Cesarine, damit sie dem Ideal entspräche, das ich mir von ihr gemacht hatte, dem„verderbten, verhängnißvolle". Weibe". Anstatt dessen ist die Nase etivas aufgeworfen, ihre Wangen sind lang, schwer, sogar etwas aufgedunsen, und das fällt umsomehr auf, als deren Linien in dem kurzen Kinn, mit eiuem Grübchen von der Gestalt des Augen- winkels. keine Fortsetzung finden. Aber was mir am meisten an dem mondglcichen Gesicht mißfällt, ist der Mangel an Uebereinstimmnng zwischen seiner Fülle und der flachen Magerkeit des Körpers. Ich sah nicht einmal die geringste Andeutuiig emes Busens noch irgend welcher weiblichen Forinen an diesem dünnen, gespenstisch mageren Schattenbilde, lind was sie da an hat, dieser schwarze Schriftsetzer-Kittel, ist denn das eigentlich ein Kleid zu nennen? Es ist weit eher ein Sack, ein Sack, in dem die Leere gähnt. Der lockere Gürtel, der ihn in der Mitte abtheilt, deutet weder eine Taille, noch Hüften an, und ich frage niich unwillkürlich, warum er über diesem Futteral nicht zur Erde gleitet. Aber in dem Maße, als Cesarine spricht, und während ich diese für sie so ungünstigen Bemerkunge» und Reflexionen mache, korrigirt sie der Zauber ihrer Stimme und erobert mich«nmerklich zurück. Sie ist so sanft, so einschmeichelnd, von einer so schweren und eindringlichen Tonfarbe und sie erscheint iioch zarter, weil Cesarine sie wie mit einem Schleier dämpft, damit sie nicht bis in'das nächste Zimmer hineinklingt. Sie hat etwas GehcimnißvolleS, etwa» von so nnbestililmter Weise, von solcher Tiefe an sich. Gleichzeitig ist sie traurig und kosend; man muß an eine Mutter denken, die unter Thränen leise an der Wiege eines kranken Kindes singt. Cesarine erzählt mir in der That auch die Geschichte eines kranken Kindes; die Geschichte Pauls, der während der Belagerung beinahe vor Hunger und Kälte gestorben wäre. Ein schreckliches Elend, gegen daS er schon la>ige ankämpfte, hatte ihn ganz zuletzt fürchterlich ge> packt. W>r stehen einander gegenüber. Sie spricht mir beinahe direkt in das Gesicht, und ich fühle den Hauch ihrer raschen eifrigen Worte. Sie sucht sie wohl zu dämpfen, aber dann und wann erheben sie sich doch gegen ihren Willen, und es grollt dann in ihnen ein Schrei des Zornes oder des Mitleides, dessen Schwingungen sie nicht zurückhalten kann. Ihre Worte sind übrigens durchaus nicht auf irgend eine Wirkung berechnet. Sie erzählt die Dinge ganz einfach, durcheinander gemengt, ohne auf irgend etwas besonderen Nachdruck zu legen. Ich habe die Empfindung, als ob sie mir alles aus cininal nuseinandersetzen möchte. Und durch diese Hast, durch die fieberhaste Unordnung dieser Erzählung, dieser gefliisterte» Bekenntnisse wird die Geschichte nur um so ergreifender. „Das Schlimmste ist/ sagte sie mir,„daß ich nichts von seinem Elende wußte, und daß ich, selbst wenn ich etwa? davon gewußt hätte, niemals geivagt hätte, ihm beizllstehen. Er ist so stolz, so zurückhaltend.' Daß er für mich eine sehr starke Neigung empfand, merkte ich wohl. Mangels anderer Anzeichen zwang mich schon die Eifersucht dieser Herren, sie zn bemerken. Aber bis dahin verbarg er sie mir. Und wie hätte ich damals seine rein materielle Roth errathen können? Erst seitdem er bei uns ist, habe ich durch meine Liebe und durch nieine Bitten es vermocht, ihm seine Ge« Heimnisse zu entlocken. Ich wußte von Nichts, weder von seiner während der letzten drei Jahre schweigend ertragenen Armnth, noch von der ungerechten Vernachlässigung durch seinen Barer, noch von seinen Anleihen, noch von seinem schließlichen Elend. Seine Auleihen erschienen ihm wie eine Schande, und um sich von feinen Verpflichtungen zu lösen, hatte er sich aus das äußerste einschränken müssen; und doch kannte der Mann, bei dem er sie gemacht hatte, seine Faiiülienverhältnisse ganz genau und hatte ihm das Geld selbst angeboten. Aber ivenn es Paul bei Ausbruch des Krieges nicht absolut unmöglich ge- wesen wäre, irgend eine Arbeit zu bekommen, so hätte er dazu gar keine Zuflucht genoiiime». Er wollte nichts von seuiein Vater erbetteln, hatte er mir oft gesagt; er forderte nur, was ihm zustand. Was thnt das übrigens? Ich vertheidige ihn nicht, denn er braucht keinen Verlheidiger. Sie werden selbst sehen. Stellen Sie sich vor, daß er trok seiner so zarten Gesundheit, trotzdem er immer brnstleidend war, drei Jahre hindurch sein Leben mit Stundengeben gefristet hat. Sein Leben! Welches Leben? Gerade um zu essen zu haben. Das einzige, worauf er Werth legte, den einzigen Aufwand den er machte, war: seine Umlagen als Abonnent zu bezahlen und sich ans rein menschlicher Achtung vor diesen Herren anständig zu kleiden. Und auch das habe ich erst ganz zuletzt erfahren, ebenso wie seine Schulden, wie das übrige. Vierzig Franken, hören Sie vierzig Franken, das war alles, was er besaß, als die Be- lagerung begann. Und er war schon durch das Stunden- geben während dieser drei Jahre, was seine arme Brust vollends ruinirt hat, durch die Entbehrungen, wie sie der letzte Bettler nicht ertragen haben würde, bis zum äußersten geschwächt. Ganz zu geschweigen von den enseylicheu seelischen Qualen, deren Geheimniß ich iwch nicht kenne, die aber sicher schrecklich sein müssen, denn er spricht davon nur mit bitterm Thränen. Es besteht ein Haß zivischen ihm und den» Vater; ein thatsächlicher Haß, von dem ihn kann, meine Liebe abzulenken vermag. Und so, am Ende seiner Kräfte und seiner Hilfsquellen, mit untergrabener Gesundheit und völlig allein hat er die Belagerung ertragen müssen. Er wohnte damals in diesem Hause in der Etage über uns, in einer Mansarde, euier. wirklichen Mansarde, einer Kammer oder vielmehr einem Dienstboten- Verschlage. So ist er mitten im Winter, ohne Feuer, ohne ein Stück Brot bettlägerig geworden. Und als mein Vater, der ihn sehr liebt, zu ihm hinaufstieg, um nach ihm zu sehen, warum er nicht wie gewöhnlich m den Saal hinabkäme,>00 er sich immer an den Ofen setzte, da versuchte der unglückliche Junge sich zu erheben, um meinen Vater an em vorübergehendes Unwohlsein glauben zu machen. Vor allem wollte er, daß ich mich nicht beunruhigen sollte, imd er bat meinen Vater ausdrücklich, mich nicht zu ihm zn lassen, indem er vorgab, es fehle ihm an nichts. Nun, es fehlte ihm au allen«. Als ich am folgenden Tage trotz seiner Bitten hinaufstieg, hatte er neben seinen» Bette nur eine Karaffe mit Wasser, und auch dies war gefroren. O, Kapitän, Kapitän, wie schmerzlich und mit welchem wilden Tonfall klingen in meinem Gedächtniß die Worte nach, diese schlechten Worte, mit denen Sie den Brief Pauls be- schimpften, als ich ihn laut las. »Krank! sagen Sie, ei! ei!... Wunderbares Weib, diese alte Schlampe! Wenn er lebt, dankt er es nur ihr!. Welcher Schmutz! Weg damit!" Und Thränen stiegen mir in die Augen, aus Mitleid mit meinem armen Freunde, aus zärtlicher Bewunderung gegen dieses edle Mädchen, ans Empörung gegen dieses Thier, das die beiden so grausam verleumdet hatte. Dieser Mann erschien mir jetzt verhaßt und abscheulich. Und doch hatte auch er nicht da unten vor dem Tode gerettet, hatte auch er sich nicht gut und mitleidsvoll gezeigt? Dieses Thier, das ivar der brave Gefährte von der Landstraße und der über mich wachte, während ich im Gehen schlief, der mich in dem Gedränge mit seinen kräftigen Schultern schützte, und ohne den ich in den Menschcnstrudel mit versunken wäre, den der Schnee verschlang. Nein, das ist kein Ungeheuer. Ich, ich habe sein Herz schlagen gefühlt. Ich höre immer noch die barsche aber liebevolle wahrhast väterliche Stimme des Kapitäns, mit der er mir zurief: „Ohren steif, niein Kleiner! Noch ein wenig die Ohren steif, Donnerwetter!" (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) TUtf ven Goldfeldern Anpleoliens. Vo» Fernando Rodriguez> A l v a r e z. (Schluß.) Noch saßen wir beim Nachtmahle, als sich daS Zeltlager z» beleben anfing. Die Goldgräber kehrten von ihren Arbeitsstätten zurück, welche ein Feld von drei englische» Meilen Lange und eben solcher Breite bedeckten. Drei Männer traten mit dem üblichen „Good evening, Gentlernen!" an uns heran, fragten, ob wir Gold- gräber seien, und sordertc». als wir diese Frage bejahten, die Vor- Weisung»»serer Minors right. Denn die schon an einer Fundstelle ansässigen Digger üben eine Kontrolle der neu Zuziehenden und lassen niemand zu, der diese ministerielle Erlaubniß nicht besitzt. „AU right!" sagte der älteste von ihnen, nachdem er sich von der Echtheil der Urkunde überzeugt hatte,„Sie sind uns in Flyers Creek willkommen." Dann nahmen sie neben uns auf der Erde Platz. In der sich entspinnenden Unterhaltung mußten wir vor allen Dingen ihre Neugier befriedigen. Wir mußten berichten, wo wir herkämen, was sür Landsleute wir seien u. f. w. Zun, Schlüsse luden sie uns ein. zum Abend in das Zelt des Marketenders zu kommen, was wir auch versprachen. Eine Stunde später gingen W. und ich nach der Stelle, wo sich die meisten Zelte befanden, während T. als Wächter bei unserm Zelte zurückblieb. Hunderte von Feuern schimmerten durch das Zeltlager, das vo» einem Gemisch der verschiedensten Gestallen belebt wurde. Das Ganze machte eine» etwas unheimlichen Eindruck. Wie Dämonen nahmen sich nament- (ich die Neger, Chinesen. Inder und Afghanen aus; da- zwischen tauchten einige Gestalien von Frauen und Kindern ans. Es kam mir vor, als befände ich mich wieder in einem Soldatenlager im Kaukasus. Als wir beide den freien Platz vor dem großen Marketender« zelte detraten, wimmelte dieser von allerlei Nationalitäten. Wir drängten uns durch das Gewühl und betraten das Zelt. Inmitten desselben stand eii> großer, roh gezimmerter Tisch, an welchem einige Digger. jeder ein Glas Grog vor sich, herumsaßen. Einige würfelten, andere spielten Karten, vor ihnen lagen Gold- und Silbermünzen. Sie spielten das spanische Monte, der Bankhalter war ein Chinese. Halbwilde Gestalten umdrängten den Tisch, und wenn einer sein Gold los wurde, konnte man die derbste» Flüche vernehmen. Eine Weile schauten wir dem Spiele zu, dann widerte uns das Getriebe an, und. der unangenehmen Gesellschaft den Rücken kehrend, wandle» wir uns wieder dem Zelte zn. Bevor ich zur Miitheilnng unserer weiteren Erlebnisse übergehe, ivill ich einige allgenieine Bemerkungen über die australischen Gold- selber und speziell über das von uns gewählte einschalten. Das erste Gold wurde ans den» australische» Kontinente bei der jetzigen Stadt Orange im Jahre 1834 gefunden. Dieser Ort liegt von Sydney 185 englische Meilen entfernt und ist der Mittelpunkt des Mincnwesens in der Kolonie New South Wales. Erst bedeutend später wurden andere Fundorte bekannt, so im Jahre I88g Forest Rees. 25 englische Meilen von Orange; dann Carcoar, Cooper Reef, endlich fand 1893 ein Goldsucher Flyer Goldlagcr an unserer Arbeitsstätte, die nach ihm FlyerS Creek(Creek gleich Bach) genannt wurde. Das australische Gold ist entweder Qnarzgold oder Mineralgold. Das ersterc. auch Rnßgold genannt, sind gediegene Goldkörperchen, welche sich in Quarzgängen in verbälinißmäßig geringer Tiefe unter der Oberfläche, ja sogar an der Oberfläche selbst befinden. Wenn ein Goldsucher das Glück hat, eine ergiebige Mine dieser Art aufzufinden, begiebt er sich gewöhnlich nach Sydney, um hier ein Syndikai von Kapitalisten zu bilden, dem er seine Ansprüche verkaust und welches dann die rationelle Ausbeulung der Mine betreibt. Diese Gesell« schalten schicken eine Kommission von sachveriländigen Bergwerks« Ingenieuren an Ort und Stelle, welche die Mine auf ihren Gold» gehalt prüft. Wenn derselbe»lindeslens 4 Unze» pro Tonne beträgt, ivird der Handel adgeschloste»; je größer der Goldgehalt pro Tonne ist. desto höher ivird der Kaufpreis. Solche Syndikate prosperire» oft vorzüglich; so zahle» zum Beispiel die 4 lbäligen Minen bei Lnckeow in der Nähe von Orange eine Dividende von 120 vCt. jährlich. Andere Minen täuschen freilich auch die Hoffnuiigen ihrer Erwerber. Die Allitvialminen findet ma» erst in 50 bis 80 Fuß Tiefe. Zu ihrer Ausbeute sind kostspielige Maschinen unentbehrlich. Be- trägt bei ihnen die Ausbenie nicht mindestens zwei Unzen pro Tonne, so fängt keine Gesellschaft erst inil dem Betriebe an. Die Ersahrung hat gelehrt, daß, wen» sich das Allnvinm von Norden nach Süden zieht, das Lager eine gute Ausbenie verspricht, während die von Ollen nach Westen gehenden Adern es mehr frag- lich lassen, ob die Mine lohnen wird. Unter den Goldgräbern sind nicht nur alle Nationen vertreten, fondern auch alle Stände, frühere Offiziere neben gemeinen Aer- brechcrn. Der fleißige Goldgräber, der bei mittlerem Fnnde sparsam lebt, kann in der Zeil von 4 Monaten 100 bis 150 Pfund Sterling (2000 bis 3000 Mark) ersparen. Tausende thun«s; wenn sie dan» aber nach Sydney oder Melbourne gelange», wird meist so lange luftig gepraßt, biö der letzte Schilling verbraucht ist. Dan» ziehen sie von neuem in die Goldfelder. Ich habe Leute ge- sehe», die schon seit 25 Jahren dies Abenteuererleben führe», darunter Greise vo» 60 Jahre» und darüber. Sie treiben es so lange, bis man sie einmal in ihrem Zelte lobt auffindet, oder a»ch. wenn sie in der Mine zusainineugebrochen stiid, erst nach Monaten ihr Skelett. Es giebt ja allerdings auch viele Hunderte, die ihr Glück machen, ja die sich sogar, wen» Fortuna ihnen lächelt, in kurzer Zeit ein enormes Vermögen erwerben. Im allgemeinen kann man annehme», daß 20 pCt. vorivärts kommen, während die übrigen 80 unterliege» nud ihren Tod durch Schlangenbiß, durch Durst oder durch Strapazen sinden. Obgleich in den einzelnen Niederlassiingen oft viele Hnnderte Menschen zusammen leben, kommt es doch niemals vor, daß jemandem während seiner Abwesenheit irgend etwas entivendet ivird; der Thäter würde sofort gelyncht werden. Nur beim Spiele kommen Raufereien vor, die freilich bisweilen tödtlich verlaufen. Aber Gefahre» mannigfacher Art ist der Goldsucher gleichwohl aus» gesetzt. Sobald anfangs Oktober der Frühling ins Land zieht, wimmelt es im australische» Urwalde von Schlange». Die gesähr- kichste» dieser Reptilien heißen vssä-kesä(Todtcnkopf). Sie sind armdick und werden!>/» Fuß lang; ihr Biß ist absolut lödtlich. Diese Schlangenart dringt unter die Kleider des schlafenden Menschen ein und, ivenn er beim Erwachen sich beivegt, beiße» sie, und zehn Minuten nachber ist der Gebissene eine Leiche. Das Goldlager Flyers Creek liegt aus einer Anhöhe, die sich ca. 6 englische Meilen iveit zu einem Plateau ausdehnt. In der Tiefe des breiten Thales fließen zwei Bache zusammen. Als>vir am Morgen nach den oben erzählten Begebenheiten unseren Thee bereiteten, beschlossen wir, daß W. und T. zur Aus- wähl eines Platzes ausziehen sollten, während ich die Zwischenzeit benutzte, ein Känguruh zu erlegen. Als meine Gesährien gegen 3 Uhr nachmittags von ihrem Suchen zurückgekehrt waren, berichteten s,e, daß sie auf drei verschiedene» Stellen vergebliche Versuche an- gestellt hätten, dagegen aus der vierten Stelle in einer Tiefe von 4 Fnß auf Quarz gestoßen seien, so daß hier Hoffnung auf Gold vorhanden sei. Da sie aber den ganzen Tag außer etwas Brot und Hasenfleisch nichts genossen hätten, so hätten sie heute von der weiteren Arbeit abgesehen und wären zurückgekehrt. Am Tage darauf blieb T. zurück, während ich W. zum Arbeitsplätze geleitete, der eine gute englische Melle von unserem Zelte ent- fernt lag. Mlt srischem Muthe fingen wir ans Werk. Gegen Mittag hatte unsere Grube ein« Tieie von L'/e erreicht. Ich halle eben ineiuen Spaten ans der Hand gelegt, um mich au dem mitgebrachten kalten Imbiß zu labe», als W. in freudiger Erregung aus der Grube ein Stück weißen Quarz heraus- brachte, in welchem eine schmale Linie von kleinen Gold- körnern zu erkennen war. Ich unterbrach meine Mahl- zeit und wir machten uns sofort daran, die Goldkörnchen herausznftöbcrn. Dann ging's mit srischem Muthe von neuem an die Zlrbeit. Wir stieße» bald aus eine» großen Quarzblock, und da wir den nicht freizulegen vermochten, beschlossen ivir, für diesmal Feierabend zu mache» und den Quarzblock am nächsten Tage mit Pulver zu sprengen. Ein von T'S kundiger Hand bereitetes Reis- gericht mit Speckstücken belohnte uns für die Mühen des Tages. Da T. gern zurnckblieb. nahmen am nächsten Morgen W. und ich die Arbeit von neuem auf. Nachdem uns die Sprengung des Quarzblockcs glücklich gelitngeu war, brachte W., sobald sich der Pulverdamps verzogen baite, eniige noch recht beträchtliche abgesprengte Stücke herauf, in welchen wir zu unserer Freude Nußgoid fanden, das sich in parallele» Streifen durch das Gestein zog. Eifrig sammelte» wir unser» Schatz und als wir am Abend untere Ans- beute überschlugen, betrug sie circa 3'/� Unzen reines Gold. Ter Preis für die Unze gedieaenes Gold beträgt in Älustralien 7S bis 83 Schillinge, je nach der Qualität. Jeder Goldsucher hat aus Grund des ihm von der Verwaltung ausgestellte» Scheins pro Person ei» Anrecht ans ISV Qiiadratyard; wir drei zusammen halten also 450 Quadratyard zu beanspruche». Dies« Fläch« wurde am nächsten Morgen in Älnweseuheit des Lagerältesten abgestochen. Nach den bestehenden Bestinniiunacu mußte» wir nun auf dem nächsten Bcrgkommissariate, welches sich i» Orange befand, die Anzeige erstatten. Erst wenn dann der Platz durch den Kommissar dieser Behörde vermessen war, galt er als unser unbestreitbares Eigenlhuin. Nach 8 Tagen hatten wir etwa l3 Unze» Gold gefördert. Ich war als Zellwache zurückgebliebe» und hatte wie meist in diesem Falle zur Ergäuznng unseres bereits bedenklich iusammengeschrumpite» Pioviants eine Jagdstreife u»ter- noinmei'. Zn meinem großen Erflannen fand ich bei meiner Rückkehr von derselben nieine Gefährten bereits im Zelte vor. Sie waren beim Gruben in der Mine ans eine Quelle gestoßen. ivelche die Arbeitsgrnbe unter Wasser gesetzt und so unserer Tbätigkeit in derselben ein un'iebsomes Ende bereitet hatte. Es blieb uns nichts weiter übrig, als die Arbeit an der bisherigen Stelle aufzugeben. Wir begannen dann, in einer Entferiiung von etiva 100 Meter»«ine neue Grube auszugraben; aber obgleich wir bis zu einer Tiefe von 12 Fuß in den Boden ginge», fand sich doch keine Spur von Quarz. Jnzivischen ivar unser Proviant an Thee, Reis, Speck, Zucker»c. zu Ende gegangen. Wir übergaben T. das bisher erbeutete Gold nüt dem Auftrage, nach Orange, das 38 englische Meile» entfernt war, zu gehen, es dort zu verkansen und mit dem aus dem Erlöse angekauslen Proviant zurückzukehren. Als er uns nach vier Tage» den letzteren nebst 13 Pfund Sterl., die vom Erlöse des Goldes noch übrig geblieben waren, überbrachte, überraschte er uns mit der Mitlheilung, daß es ihm gelungen sei, in Orange eine vortheilhafte Stellung als Koch zu finde», wohin er am nächsten Tage zurückzukehren gedächte Wir theilten unfern Erlös. Doch als T. am nächsten Morgen sich von uns verabschiedet hatte, spürte auch W. keine Lust mehr, in Flyers Creek tveiler zn grabe»; er beabsichtigte, zunächst nach Sydney zu gehen. Was sollte ich allein in dieser Wildniß? Ich lud mir das Zelt und Slrbeilsgeräth für eine Person auf uud begleitete W. bis Forest Rees, um dann»ach Lucknow abzubiegen, wo ich mein Glück von neuem versuchen wollte. Als ich mich vonW. getrennt halte.lag nockj ein Weg von 45 englischen Meilen vor mir, den ich diesmal in Begleitung eines Hundes zurücklegte. Anfänglich ging die Reise wieder durch Urwald, nachher durch eine unheimlich wilde, zerrissene Felsgegend. Am dritten Tage langte ich in Lncknowan, überzeugte mich aber bald, daß hier für neue Ankömmlinge nichts mehr zu holen sei. In Balhurst. wohin ich mich vo» Lucknow wandte, machte ich ähnliche Erfahrniigen. Ich verkaufte daher kurz eniscblossen meine Habseligkeilen und kehrte per Bahn nach Melbourne zurück. In Melbourne gelang es mir, die Stellung eines Privat- sekreiärs beim russischen Konsul zn erhallen, die mir ei» gutes Auskommen gewährte. Doch verlor ich dieselbe durch den Tod des Konsuls schon nach wenigen Monaten. Ich reiste dann»ach Adelaide, um von hier aus aus die Goldfelder Westaustraliens zn gehen Hier erreichten mich ungünstige Familiennachrichlen, die mich zwangen, nach Eunova ziirückznkehien. Ich benutzte am 6. Februar 1895 de» Norddeutschen Lloyddampfer Oldenburg, mit dein ich über Colomdo und Suez nach Neapel gelangle. Vom Goldfieber war ich geheilt.—_ Klvines JTctiilhrtmt. — Nene Staatsbante». Unter dieser Spitzmarke schreibt „Vorcas" im„Kuustivarl" in bezug auf die neuen Berliner Muicumsbanten:...„So haben wir es denn der Sache nach doch wieder mit echter Hofkunst zn lhun, einer Kunst, die nicht durch den Geschmack der Hove» Herrschaften, sondern erst durch die feile Bedienienseligkcit des Schranzenihnms uud durch den Mangel an Uederzeugungslreue. der geradezu spälröinischen Umfang angenommen hat, zu einer wiiklichen Kulturgefahr wird... Das Kaiser Friedrrchsmuseum soll in erster Linie die Bildergallerie aufnehmen, anßerdciu noch klassische Skulpturen und das Kupferstichkabinet. Der Entivnrs ist im Atelier des Hofarchitelten Ihne gefertigt, von ihm selust aber kaum bis in die Einzelheiten zu vertreten, denn einige Teckenbildungen, Treppenlösungcn und statische Unzulänglich- keitc» könne» nur Schüler oder Laren lertig gebracht haben. Die Banstelle. die durch die Stadtbahn abgetrennte Spitz« der Museums- insel. ist so klein, daß die fünf Jnuenhöse durchweg ungenügend bemessen und häßlich gestaltet sind. Auf einen monumentale» Eingang an der Stadtbahn, die freilich nur in 8 Metern Entfernung bleibt, mußte eben deshalb verzichtet werden. Der Neu- ba» bleibt also ganz außer Zilsannnendang mit den übrige» Museums- bauten! Sein Zugang findet an der Spitze mittels zweier»och zu erbauender Brücken statt. Die Front ist hier bogenförmig ab- geschlossen: ein Schlnßuiotiv. uieinals ein zum Eintritt einladeudesp Gegenüber dieser znrückiveicheiiden Front soll«in Denkmal Kaiser Friedrichs aufgestellt iverden; ein herrliches Gleichgewicht nach beiden Seiten der Brücke!... Die Eingangshalle ist ringabschnitt» sörmig, also nicht abgeschlosscn-raunnnäßig wirkend; die Verbindung nach dem Hauptlreppenhause zu dunkel, dieses selbst durch eine eingestellte quadratische Brücken- Konstrnklion mit mittlerer Ocffunng um jede einheitliche Wirkung gebracht; die Treppen« läuse selbst sind halbkreisförmig, knapp bemessen, daher wenig praktisch und uninonumental. De» Hauptsaal.«ine „Basilika" von höchst unharmonischen Verhältnissen, viel zu hoch gestreckter Miitellouue, zu schmalen Seilenschiffen. von abgelreteusten, nüchternsten Einzeljorine», betritt man «beufalls von hinten durch eine Apsis, deren Wirkung ivieder durch «ine» cingestelltcn Balken verschuitte» ivird. Die anschließende zweite Hanpllreppe ist von so elenden Verhältnissen, daß sie sogar in einem Privalhanse»nmöglich wäre. Ei» lltnndsaal am Abschluß der Alittelachs« ist in den viereckigen Baukörper an der Stadtbahn eingebaut, gebe es. wie es gehe; die seillichen Fenster liege» dem- nach in tiefen und ganz schiefe» Nische». Sämmtliche Bilder- kabinetie haben keinesivcgs Nordlicht, dafür aber inmitlen des Fenslers je eine dicke Säule, die also Schallen wirst! Das findet a»scheme»v die Milselunsverivaltiliig ganz in der Ordiimig. Dabei ist diese Säule einer Architektur zuliebe eingefligt, neben der das Dresdener Fiuaitzniinifteriuui ein Geniewerk ist. Weite, gähnende AeiHällnisse, der üblich« Verlegenheitsbehclf mit Quaderungei», Archivolie», Halbsäuleiislellnnge», einem riesigen KranzgesimS nebst Allika, hinter dem sich»och ein ganzes Geschoß von Magazin- ränmen verstecken»niß; dann noch einige Poppen— und keine einzige Spur eines irgendwie neneii Gedankens. Eine zusamm«»- gestoppelte, unreife, geistlose, dreiste Arbeit!"— u. Vom Nasclu. Die als Näseln bezeichnete Sprechweise ent- stebt nach weit verbreiteter Annahme dadurch, daß der die Stiunne bildende Luststrom nicht durch den Mund, sondern dnrch die Nase attsgrstoße» wird. Diese Annahme ist unrichtig. Man kann das ganz einfach dadurch feststelle», daß man versucht, mit geschlossenen Lippen zu spreche»; dann mäßte die Stimme das vollendetste Näseln bilden; aber es ist ganz unmöglich, mit gescdlosseiien Lippen, also indem man durch die Nase ausaihmet, zn sprechen. Wenn man aildererleilS, was gut möglich ist, bei geschlossene» Lippe», also mit bloßer Nasenathminig, ohne Vokalisatio» singt, hat die Stimnie durch« aus keinen»äselude» Charakter. Tbatsächlich wird auch beim Näseln die Lust durch den Mund ausgestoßen, aber die Wände, welche die Nasen- von der Mundhöhle trenne», bilde» dabei einen kräftigen Resonniizbode», so daß auch die Lust der Nasenhöhle in Echwin- guiigen gerälh und beide Töne, der durch de» Mund und der durch die Nase gehende, vereinigen sich zu einer Klangwirkung, einem Mischklang, den man eben als Näseln bezeichnet.— Literarisches. — Ueber das Gudrun-Lied veröffentlicht Dr. J.W. Nagt im Juni.Hefle der Monatsschrift„Alt-Wieu" ein« Abhandlung, in der er de» Beweis führe» will, daß dieses Epos beziehungsweise der Stoff desselben nicht, wie man bisher allgemein der Meinung war, seinem Stoffe nach dem Sagenkreise der Nordsee angehöre, sondern daß es nationales Erbe des bayerisch-öfterreichischen Stammes sei. Das Gebiet der in Rede stehenden Sage wäre mit- hin nicht die Nordsee, sondern das Seeland in Bayern. Die Namen „Hegelinge".„Hedin".„Horand",„Wase",„Frute", Herwig" iinb wie die Helden alle heißen, wären nicht nordischen Ursprungs, sind nicht dort bodenständig, sondern seien gut bayerisch-österreichisch. entlehnt und entstellt worden. Endlich ist das Wappen des angeblich nordischen Recke» Herwig von Seinen, die Seerosen in blauer Fahne, das Stadlwappen der— bayerischen Seestädte.— Kunst. es. Der Papst hat einen Preis von 10 Ovo Lire für das beste. die„heilige Familie" darstellende Gemälde bestimmt, das auf der im Jahre 1393 in Turin staltfindenden Ausstellung für kirchliche Kunst ausgestellt sein wird.— Medizinisches. — Pferde als Ursache menfchlicherBlutarmuth. In dem Kohlenbergwerk Brennberg bei Oedenburg in Ungarn waren, wie die„Aerztl. Rundschau" berichtet, schwere Fälle von Blntarmuth «inheimisch, die lange Zeit ans die unterirdische Beschäftigung der Arbeiter, auf Mangel an Luft und Licht zurückgeführt wurden. Der Grubenarzt Dr. v. Nathonyi erinnerte sich nun, daß auch beim Durch- bohren des Goltbardt-Tnnnels häufig eigenthiimliche Erkrankungen an schwerster Blntarmuth vorgekommen waren, und zwar infolge eines kleinen, unter den italienischen Arbeitern verbreiteten, in den Tropen einheimischen Wurmes, �.irk�IoLtoinum duodonalo genannt. Dieser nur mikroskopisch nachweisbare, winzige Wurm war auch in der Berliner Kolonialansstellnng bei sänuntlichen Wilden nachge- wiesen worden, ohne daß diese krank schienen, während Europäer, die solche Würmer beherbergten, die schwersten Formen von Blut- armuth aufwiesen. Dr. Ralhonyi fand nun zu seinem größten Er- staunen, daß sämmtliche sehr gesund auesehende Pferde diesen tropi- schen Wnrm aufwiesen und auf die Menschen übertrugen, so daß es wahrscheinlich wird, daß auch anderwärts schwere Blütarmuth durch Beisammensein mit Pferden hervorgebracht werden kann, zumal die Pferde selbst durch ihr gesundes Aussehen das Vorhandensein eines den Menschen gefährlichen und mit unbewasinetei» Auge nicht ficht- baren Parasiten kaum ahnen lassen.— Aus dem Thierleben. �Ein sonderbares Nest eignete sich ein Rauch- schwalbenpaar für seine Jungen an. Ein unter eiliein Hans- dache erbautes Schwalbennest fiel mit den darin liegenden ganz kleinen Jungen auf den darunter befindlichen Balkon und zerbrach in kleine Stücke. Der Hausherr nahm sich der jungen Brut an, zerschnitt eine kleine, längliche Zigarrenkiste in zivei Theile, befestigte die eine Hälfte mit zwei Nägeln an dem Balkon und legte die Jungen hinein. Das alte Schwalbenpaar nahm diesen Liebesdienst dankbar an, erkannte aber gleich die neue Gefahr, der seine Jungen ausgesetzt waren; denn das Kistchen besaß nur zwei Seitenwände und stand nach vorn hin offen, so daß die Jungen hinausfallen konnten. Doch die Alten wußten sich zu helfen. Sie verbaute» nicht blas die offene Außenseite des Kistchens, sondern vollführten auch an den beiden Seilenwänden Schutzbauten, so daß sich die Jungen vollständig in Sicherheit befanden.— Geographisches. -�Der Baikal-See. Der russische Offizier Drishenko hat im Auftrage der Regierung bezüglich des Baikal-Sees. jenes ge- waltigen Binnenwnssers Sibiriens, hydrographische Untersuchungen vorgenommen. Die Ergebnisse liegen im neuesten Hefte des Morsk. Sbornik vor. Wir entnehmen denselben folgendes: Drishenko fand Tiefen von 670 Sashen, ungefähr U30 Meter; diese Angab« über- trifft die bisherigen nicht unerheblich. Die Länge dieses größten Gebirgssees der Welt beträgt 300 Werst(ungefähr ebenso viel Kilo- meler), seine Breite schwankt zwischen 27 bis bS Werst. Trotz seiner viele» Stürme, Nebel u. s. iv. bildet er für die Uferbewohner fast das einzige Verkehrsmittel. Denn von der Ruirdbah» abgesehen. befinden sich i» der Nähe seiner Ufer nur für Fußgänger wegsame Pfade; zuiveilen vermag man auch zu Pferde die Gebirgswege zurückzulegen, die freilich meist nur den schiveifenden Pelz jägern bekannt sind. Die Natur ist an den Ufern des Baikal nicht karg mit schätzbaren Gaben. Es finden sich Metallschäye, Wald, Vieh, Pelzthiere und Heilquellen. Der Fischreichlhum ist un- ermeßlich und bildet eine» wichtigen Handeleartikel für die Um- wohner. Zu den bereits erwähnten Gefahren, welche dem Verkehr Schranken setzen, kommen trotz der»ngeivöhnliche» Tiefe des Baikal an einzelne» Stellen Klippe» und Sandbänke. Man hofft die Ge- fahren der Stürme und des Nebels durch ein ausgebreitetes Systen, von W-ernungstafel» wirksam zu bekämpfen. Gegen Klippen und Saudbänke kann nur die genaneste Kartenzeichnung schütze». Endlich wird eine englische Firma einen gewaltigen Eisbrecher liefern, der in seiner Bauart an den berühmten Fram Nansen's erinnern wird. Er soll alle bisherigen Leistungen auf diesem Gebiete übertreffen nnd selbst mit meterdickem Eise den Kampf aufnehme». Die vor- liegende Arbeit stellt jedoch keineswegs den Abschluß der wissenschaftlichen und seemännische» Erforschung des Baikal dar. Noch im laufenden Jahre ist auf Veranlassung des Marine- Ministers ein»ener Forschungszng»nternommen worden. Tie Theiluehmer sind zehn Offiziere, ein Arzt, sechs Matrosen und Verantivortlicher Redakteur: August Jacobe» in B sechzig Arbeiter. Der Zug ist Ende April von St. Petersburg ab» gegangen. Astronomisches. t. Welche Größen lassen sichauf'dem Monde erkennen? Seitdem die Erforschung des Mondes durch dieVer» größerung von Mondphotographien in eine neue Bah» gelangt ist, hat sich zwischen verschiedenen Astronomen ein Streit entsponnen. wie groß die kleinsten Gegenstände auf dem Monde sind, die auf diesem Wege noch deutlich uuterschieden werde» können. Professor Prinz, Assistent an der Brüsseler Sternwarte, hat behauptet, daß die äußerste Grenze der Sichtbarkeit auf de» Mondphotographien, welche an der Lick-Sternwarte hergestellt werden, 2.3 Kilometer beträgt, auf den Platten der Pariser Sternwarte l,S Kilometer. Prof. Weinek in Prag dagegen, der unzählige Photographien beider Slernwarten vergrößert und untersucht hat, hat ans einer in Paris hergestellten Platte vom 14. Marz 1834 den winzigen Mirtelkrater des Mond« vulkans Linns deutlich beobachtet, der»ur l Kilometer im Durch, messer besitzt, und diese Beobachtung ist durch die Pariser Astronomen bestätigt worden. Letzlere habe» ausgesprochen:„Die Prüfung der Photographien»nter dem Mikroskope habe» in scharfer Form keine Einzelheiten unter 0,S Bogenseknnden(das sind etwa 900 Meter) gezeiAt." Prof. Weinek stellt einige der kleinsten Gegenstände zusammen, die er auf Mond« Photographien»och deutlich wahrnehme» konnte: ein kleines krater» ähnliches Gebilde auf der Lichtinsel im Jn»en> des Vulkans Cyrillus, das 1,1 Kilometer im Durchmesser hat. ein anderer Kraler ähnlicher Art auf dem Gipfel des ZentralbergcS der Mondgegend Capella 1300 Meter, ein solcher am Weitabhange desselben Beiges nur 700 Meter, ein Krater an dem Zentralberge der Gegend Albategnius 3S0 Meter, der erwähnte Linns. Krater 950 Meter. Von diesen Kräterdien ist nach der Angabe von Weinek nicht nur die Größe, sondern auch die Umrißlorm auf den Photographien dentlirb erkennbar. So erheblich diese Leistungen unserer modernen ivisienschaftlichen Hilfsinittel erscheine» nuiffe», so geht daraus doch hervor, daß unter gleiche» Bedingnngeu vom Monde ans auf der Erde kein einzelnes der i»enschlid)en Bauwerke wahrznnehineu sein würde.-- Humoristisches. —«Ein h o ni o g e n e s M i*> i st e r i» m." In einer Menagerie sah ich in einem Käfig zwei T.ger. einen Jaguar, einen Wolf, zivei Hyäne», zwei Bären und eine» Hund vereinigt. Die ivohldressirten Thierlein nnisrt lidie» einander beständig mit mord- lustigen Blicken, als siid>te jedes dem andern einen Hinterhalt abzu- gewinnen. Dann erschien der Tressrur; die Tdiere»inßien sich init ihm in eine» KreiS setzen, die Köp'e zusamiiienschiniegeii und, wie der Man» sagte,„eine zärtliche Familie" bilden. „Ein homogenes Ministerium 1" sagte einer der Zuschaiier. O. E.(„Jngend") — Das nahende Verderbe». I» einer Bromberger Volksschule deklamirle»»längst ein Schüler das Lied vom bi ven Mann. AlS er gerade die Stelle vortrug:„Scbon»abt das Ver» derben sich fürchterlich", öffnete sich die Tbüre de? Klassenzimmers, »nd herein trat der Pedell mit einem Packet— Rahrstöcken. Vermischtes vom Tage. — Gegen Insektenstiche wird jetzt von den Aerzte» Jch ty o l angeralhen. Es wird«iiiweder ans die verletzte S'elle ans- gepinselt oder in Salvenform mit Lanolin oder Bas.line verschmiert.— — Vom„Glück" der M o d e d, cb t e r. Hermann S» d e r i» a n n hat in der Nähe von Luckenwalde ei» Sälloß auf sechs Jabre gemieibet.— y. In der Nähe der Insel Falster sind infolge itentern eines Bootes vier Personen ertriinke».— — L n x n s! In A l l e n b ii r g ist Wassermangel. Deshalb sah sich der Siadlraih veranlaßt, zu verbieten, daß Walser ans der städtischen Leitung zu L u x u s z w e ck e n verwendet werde.— Haben die Allenburger in ihren Stuben etwa gar kleine„Foilenbeckeii" zu stehen?— — In Heilige nsee, Kreis Vniizlan, hat die Ortsschule geschlossen werden müssen, weil daselbst die Masern um er den Schulkindern anfs heftigste grassiren. Dasselbe ist in Ober« ße scheu geschehen, wo die Diphtherie epidemisch auigetreten ist.— — In Knpferberg bei Untersteinach(Bayern) wollte der Geschäftsführer des Bergwerks Dynamit zur Grub« tragen. Auf dem Wege kam er z» Fall und das Dynamit explvdirte. Der Mann wurde in Stucke zerrisse».— — Der Schaden, den die letzten Unwetter in Württem» berg verursachten, soll sich aus 13 Millionen Mark belaufen.— — Die Papierfabrik der Gebrüder Bühl in Ettlingen (Baden) ist gänzlich iiiedergebrannl.— — Ter durch die U e b e r s ch w« m m u n g in Süd- Frankreich angeriMlele Schaden wird ans 200 Millionen ge« schätzt. Die Zahl der Opfer dürste 300 erreichen.— — Aus der Landenge von Tehuantepec sowie an der pacifischen Küste von Mexiko und in Kalifornien sind starke Erd« erschütteruiigen beobachtet worden. Die Stadt Tehuantepec ist an» geblicb gänzlich zerstört.—_ Die näcvne Nummer des Unlerhailuiigsblatles erscheint Sonn- tag, de» II. Juli._ rlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.