Mnierhaltmlgsblalt des Horwärts Nr. 139. Sonntag, den 18. Juli. 1897. (Nachdriil! verboten.) 2i] CefÄvinc. Bon Jean Richepi». Uebersetzt von H. L. „Paul, Paul! Ich bitte Sie!" unterbrach ihn Cesarine. „Sprechen Sie nicht so! Kann denn von Mildthätigkeit unter Freunden die Rede sein? Und hätte dann nicht auch jeder andere ebenso gehandelt wie ich? Und warum wollen Sie sich schämen, von mir einen Dienst anzNnehmen? Und dazu nicht einmal von mir, sondern von meinem Vater?" „Nein!* entgegnete Paul,„von Ihnen, von Ihnen allein. Aber doch erröthe ich darüber nicht, wirklich nicht. Und obwohl Sie eine Frau sind und ich Sie liebe. Sie können nicht begreifen, was für einen Burschen, der liebt, unannehmbar ist. Aber das sind Vorurtheile; Sie haben recht. Es handelt sich nur um eine Frage rein menschlicher Wcrthschätzung, um nichts anderes. Um zu dieser Ucberzeugnng zu gelangen, habe ich mich erst an Herrn von Roncieux erinnern müssen, an seinen engen Gesichtskreis, an seine grobe Ehre. Oh, dieser Mensch! Selbst darin hat er mich verfolgt. Der Gedanke allein daran, was er von Ihnen zu denken wagen könnte, hat manchmal sogar meine Dankbarkeit, die ich gegen Sie hege, vergiftet." Er regte sich immer inehr ans. Plötzlich ivarf er sich in meine Arme und sagte: „Aber, Du mein Freund, Du, Dn glaubst nicht, daß ich Unrecht hatte und daß ich Schani zu empfinden brauche? Denke daran, daß sie meine Braut ist, daß sie meine Frau sein wird." „Warum vcrtheidigst Dn Dich?" erwiderte ich ihm.„Habe ich Dich denn angeklagt?" „Oh, ich suchte," rief er ans,„daß dieser Mensch Dir gesagt hat, daß ich ein Elender sei, wie er die Niederträchtig- kcit hatte, es mir zn schreiben." „Er hat Dir das geschrieben?" „Ja, das war die einzige Antwort, die ich erhalten habe, nachdem ich ihm ehrlich mitgetheilt hatte, wie die Sachen stünden." „Paul, denken Sie nicht mehr an diese Antwort," warf Cesarine ein,„sie ist annnllirt durch die heutige Bestellung Da Herr von Roucienx Ihnen dieses Geld sendet, so hat er auch das Unrecht eingesehen, das er an Ihnen begangen hat. Sie müssen das vergessen, was er nur in der Aufwallung des Zornes schreiben konnte." „Da wir gerade davon sprechen," fragte mich plötzlich Paul,„wann hast Du denn diesen Menschen gesehen?" Cesarine schnitt mir das Wort ab, indem sie anstatt meiner antwortete und mir so die Lüge in den Mund legte: „Bor acht Tagen." „Ja", wiederholte ich,„vor acht Tagen." Paul athnicte tief auf. „Dann ist also in der That diese Sendung von einem späteren Datum als sein Brief und scheint ihn ungeschehen machen zu wollen. Aber warum hat er denn nicht ein Wort, nicht ein einziges Wort hinzugefügt? Denn Dn Haft mir nur dieses Bankbillet ohne sonst etwas, ohne ein Wort der Erklärung zu übergeben? Nicht wahr?" Cesarine trat von neuem dazwischen und zog mich so aus der Verlegenheit, in der ich mich befand. „Ecklärungen? Doch!" bemerkte sie.„Der Herr bringt sie Ihnen. Sie sind mündlich übertragen worden. Und Sie sind eher noch besser; denn sie drücken das Bedauern darüber aus, daß..." Ich war gezwungen, mich von neuem dem Willen Cesarinen's zu fügen. Ihre Augen hätten in diesem Augen- blick selbst den Kapitän weich gemacht. Ich fügte also hinzu: „Jawohl. Dein Vater sagte mir, daß er in der That unrecht gehabt hätte..." „Das hat er Dir nicht gesagt," schrie Paul.„Niemals in seinem Leben hat dieser Mensch so gesprochen. Er gegen mich Unrecht haben, und es eingestehen! Das ist nicht möglich. Ah, niein Freund, ich glaube Dir nicht." Umsonst ivarfen Cesarine und ich ein: „Aber doch, aber doch!" „Nein! nein!" erwiderte Paul.„Versucht nicht, mich weiter zu täuschen. Ich errathe alles. Ich danke für Eure Güte und für Eure Zuneigung. Ihr täuscht mich, damit ich dieses Geld annehme. Denn nicht aus Gerechtigkeitsgefühl sendet er es mir, nicht als Abschlagszahlung; nur aus Mit- leid handelt er so, einzig aus Muleid. Oh, endlich verstehe ich. Deine eben noch so gezwungene Miene, Dein Zögern, Eure cdelmüthigen Lügen sagen es mir." Seine Stimme erhob sich, unterbrochen von kurzem, hohl klingenden Schluchzen. „Aber ich weise es zurück!" fuhr er fort.„Ich weise das Geld zurück. Ich will kein Almosen. Von keinem Menschen, wer es auch sei. Und dazu noch von ihm, großer Gott! Ein Almosen von ihm!" Und mit einer Bewegung, in der sich ein wahrer Abscheu kundgab, warf er das Bankbillet zur Erde. Sein ganzer Körper war eine Beute dieses Abschcues, er schauerte zu» sammen, er wurde ordentlich geschüttelt. Sein Gesicht hatte eine bleifarbene Blässe angenomnicn, und selbst die rothen Flecken auf seinen Backenknochen waren verschwunden; er er- schien plötzlich ausgelöscht, ivie ivenu man ein Licht mit einein Athemzuge ausbläst. Aber sogleich trat die Reaktion ein, das Blut stieg ihm vom Herzen zurück, beklemmte seine Lungen, erstickte ihn, und ein Hustenanfall warf ihn auf den Lehnstuhl; seine Kehle röchelte, seine Brust zuckte konvulsivisch.— Während er hustete, stützte ihm Cesarine die Stirn mit ihrer Hand und nach jeder schmerzlichen Anstrengung führte sie ihm sanft ein Taschen- tuch au die Lippen und wischte ihm von dem Barte den blaß- rothen blutigen Schaum ab. „Paul! Paul!" murmelte sie gleichzeitig mit Vorwurfs- voller, aber doch so zärrlicher Stimme.„Warum sind sie so wenig vernünftig? Warum bringen Sie sich in einen solchen Zustand, Sie böses Kind? Und das gerade in einem Augenblick, wo Ihnen Ihr Vater, was Sie auch immer dagegen einwenden, eine Ehrenerklärung macht. Denn ist nicht schon sein Mitleid, sein bloßes Mitleid wenigstens etwas? Und müssen Sie ihm nicht Dank wissen? Denken Sie nun daran, mein Freund, denken Sie daran, daß Sic in allen Ihren Briefe» so hochmüthig zu ihm gesprochen haben. Denken Sie daran, wie erbittert er sein muß, weil Sie so eigensinnig diese Heirath wünschen." „Nein, nein, das ist nicht ein bloßer Wunsch von mir," unterbrach sie Paul,„sondern mein ausdrücklicher, unwciger- licher und einziger Wille." „Gerade deshalb," fügte ich hinzu, und verstrickte mich so immer mehr in meine Mitschuld mit Cesarine.„Je entschiedener Dein Wille in dieser Hinsicht ist, desto größer ist Dein Unrecht, die Sendung Deines Vaters mit solchen bösen Hintergedanken zu betrachten. Was thnt das, ob es ein Almosen oder eine Abschlagszahlung ist! Indem er Dir das Geld sandte, giebt er Dir nach. Das ist eine Art von Zustimmung; es ist der Anfang seiner Billigung. Endlich glaube ich, als ich mit ihn» über Dich plauderte, bemerkt zu haben..." Oh, wie wenig Gewissensbisse mich diese Lüge kostete! Wie ich mir darin gefiel, im Bewußtsein, meine Pflicht zu thuu; und ich hatte nicht die geringsten Gewissensbisse, daß ich die Empfindungen des Kapitäns so vollständig in ihr Gegcntheil verkehrte! Je mehr ich sprach, desto inniger dankte mir Cesarine, ich fühlte mich geweiht durch ihre Dankbarkeit, und ich sah, wie das traurige Gesicht meines Freundes sich nach und nach in Freude aufhellte! Es schien mir, als ob der Acrmste zum Leben zurück- kehrte, als ob er wirklich gesundete wie unter der Wirkung eines wuirderthätigen Heilmittels. Er lag jetzt— lang ausgestreckt in seinem Lehnstuhl, den Kopf durch ein Kissen gestützt, das ihm Cesarine untergeschoben hatte; sein Husten hatte sich gelegt. Und so ruhig, so heiter lag er mit zurückgelehutem Kopf, wie in einer Verzückung da, als ob meine Worte ein wunderbarer Balsam wären. „Du glaubst," sagte er,„Du glaubst wirklich, daß er seine Zustimmung giebt... Hat er Dir das mit bestimmten Worten ausgedrückt...?" Ich wagte nicht, ja zu sagen. Cesarine bcgriss mich und kani mir zu Hilfe, indem sie es mir ersparte, sogar noch diese Bestätigung auszusprechen. „Das ist nicht wahrscheinlich," sagte sie.„Sie verlangen zu cid, mein lieber Paul. Ihr Vater konnte sich doch nicht mit solcher Bestimmtheit ausdrücke». Ein solcher Umschlag wäre doch ganz unerklärlich." „Ohne Zweifel," fügte ich hinzu;„ich berichtete Dir nur von dem Eindruck, den ich hatte. Es schien mir... ich glaubte zu fühlen... das ist alles." Der Ausdruck Paul's änderte sich von neuem, und ich bedauerte, nicht genug Mnth gehabt zu haben und in der Lüge aus halbem Wege stehen geblieben zu sein. Aber dieses Bedauern wich sofort einem gründlichen Erstaunen, in das mich die mit blindem Zorn gesprochenen Worte Pauls hinein- versetzten: „Im Grunde ist mir das so lieber. Ja es ist mir lieber, daß er gegen mich nicht diese Herzensregung gehabt hatte, die mich gezwungen hätte, ihn gut zu finden, ihm Dankbarkeit zu schulden." Ccsariue war ebenso wie ich von dem unversöhnlichen Hasse betroffen, den diese Worte bezeugten und der in dem in Paul's Blicken ausflammcudcn wilden Strahle zum Aus- druck kam. „Wie können Sic so denken und sprechen?" sagte sie ihm beinahe streng. Gerade jetzt schienen Sie noch bc- säustigt bei dem Gedanken, daß er sich besänftigt habe. Und wie gern möchte ich Sie so sehen!" „Eben jetzt," erwiderte er mit unglücklicher Miene,„war ich feige. Ich ließ mich nur von dem Traume air ein Glück, dem sich keine Hindernisse mehr in den Weg stellen, einlullen. Ich vergaß, ich vergaß..." Ccsariue und ich schrien in derselben angstvollen Frage auf: „Was? Was?" (Fortsetzung folgt.) SonnkAgsplttttdevei. Wo kommen die vielen Eisenbahnunfälle zu gewissen Zeiten her? fragte unlängst ein Berliner Blatt. Das sei ja bald wie mit den Sternschnuppen; lange Zeit höre man nichts von ihnen, ans einmal stelen sie wieder in ganze» Haufen. Es fei wohl am beste», man stelle bei der ZentraUeilung der preußische» Bahne» einen Beamte» an. der nichts anderes zu thnn habe, als jeden Eisenbahn- Unfall nach seiner Ursache zu registriren. Dann iverde man hinter das Geheimniß wohl kommen. Wir halten das Geheimniß für kein so tiefes. Hätte daS Blatt seinen Hans-Aslronomen gefragt, so würde er ihm gesagt haben, weshalb zu bestimmten Zeiten so starke Elernschinippensälle eintreten. Mit de» Eisenbahnunglücken ist es nicht anders. Auch sie führt kein blanker Zufall herbei. Sie stelle» sich zu bestimmten Zeilen häufiger ein, weil um diese Zeil Ursachen da sind, denn sie folgen wie der Donner dem Blitze. Wenn man von Un- fällen absieht, die durch Abnutzung und Schadhastiverden des Ma- terials hervorgerufen werden, sobald die Reisezeit einlrilt, kann man sich, so wie die Verhältnisse bei den Bahne» heute liegen, stets auf Unglneksbotschaften gefaßt mache». Schon während der übrigen Zeit des JahreS hat der Betriebsbeamte nichts zu lache»; in der Zeit, um die es sich hier handelt, wird von ihm doppelte Arbeit und Anstrengung verlangt. Die Anstrengung braucht nicht einmal so groß zu sein, daß er n»fähig wird, zu dlsponiren. Sie braucht nur fein Urtheil zu verzöger», und das Unglück kann fertig sei». Wie das Menschenmaterial, so wird auch das tobte, rollende Material in diefer Zeit ausgenützt bis znin äußersten. Um Neber- schuft-zu machen, ivird auch mit dem Material gespart. Daher haS Ueberfülle» der Züge, das Verzögern der Zlbfahrt, das zu späte Anwenden jener Mittel und Vorrichtungen, ivelche die Wissenschaft anrälh. damit der Betrieb ein gesicherter sei. Zll alledem kommt noch hinzu die Rücksicht, die man Bevorrechteten gegenüber wallen läßt. Warum ist es bei so vielen Unfällen gerade ein Schnellzug, der einen andere» Train anfährt? Tie Fahrzeit ist so knapp bemessen, daß der Zugführer eher Hut und Kappen daran seht, ehe er sich bestrafen läßt. Das ist die eine Rückfichtuahme. In anderen Fällen fügt man sich dem Wunsche eines Einzelnen, oder sogar der Nachricht, daß ei» Einzelner einen bestimmten Wunsch geäußert habe. Nun ist nach der Vor- schrift der Betriebsbeamte allerdings der allein Maßgebende. Er kann, wenn man ihm dreinredet, auf seine» Anordnungen bestehen, oder jede Verantwortung ablehnen. Aber der Mann ist doch Bc- amter. Er weift, daß er, wenn er nicht parirt, fliegt, oder doch nicht vorwärts kommt. In Lübau mußte man vor Jahr und Tag ganz genau wisse», daß i» einigen Minuten ein Zug ankomme. Trotzdem schob man einen anderen Zug auf das Emfahrtsgeleise, und der Zusammenstoß erfolgte. Die zwei verantwortlichen Beamten wurden angeklagt, verurthcilt, begnadigt und pensionirt. Warum habe» diese erfahrenen Fachleute nicht»ach ihrer Vorschrift gehandelt? Um ei» Unglück herbeizuführen, doch ivohl nicht. Vor Jahren stand ein junger Mann vor� dem General-Direktor einer Eisenbahn. Und der Generalgewaltige that den Mund ans und sprach;„Es. ist ja ganz schon, wenn Sie zur Bahn tvollen. Aber auf das eine möchte ich Sie noch aufmerksam machen. Sobald Sie auf der Strecke draußen sind, stehen Sic zu jeder Zeit mit. dem einen Fuß im Grabe, mit dem andern im Znchthause."„Oder im Irren- Hanse" hätte er»och hinzufügen können. Solange die Bahnen Plusmachinstitute sind, wird sich das auch nicht ändern. Immer ivieder werden„Unglücksfälle" vorkommen, und von einer Schauerlich- keit, daß einem schier das Blut gerinnt. Und von Zeit zu Zeit werden Meldungen auftauchen wie die nachstehende Notiz, die erst vor wenige» Tage» durch die Blätter lief:„Der Zugführer des Gerolsleiner Unglückszuges, Schmitt, ist an den Folgen der Aus- regung und des Schreckens gestorben."— Der Glücksivagen des italienischen Polen, der augenblicklich die Geschäfte eines österreichischen Ministerpräsidenten betreibt, ist auf das todtc Geleise gerollt. Der letzte Schubs ist ihm von den Egerländern gegeben worden, von denen man alles andere behaupten kann, nur nicht, daß sie zuschießende Draufgänger sind. Ehe die auch nur aufstehen, muß man sonst recht viele Worte über die Zähne springen lassen. Vielleicht hat der schlaue politische Draht- zieher seinen Hebel nicht ohne Vorbedacht zuerst in Eger angesetzt und wohl mag er gedacht haben: Hast du erst ein Beispiel, daß sich die Deutsche» geduckt haben, dann kau» deine Sache nicht mehr schief gehe». Versuch's mit Eger! Ehe diese Bierdümpfel die Geduld verlieren, muß man ihnen schon etwas Starkes bieten— Und er versuchte es, nahm aber in der Aufregung die Dosis zu groß. Ans Ohrfeigen reagirt schließlich aber auch der Gutmülhigste, und so kani es, daß die egrischen Stabs- Philister, die nach 66„diesen Bismarck" am liebsten auf dem Kraut gefressen hätten,„Heilü" und„Hoch Bismarck" schreien, die„Wacht am Rhein" singe» und im Munde der halbe» Welt sind. Das Lustigste aber an der ganzen Sache ist, daß noch keines unserer deutschen bürgerliche» Blätter ein Unmuths- und Entrnstungs- wörlche» über den Boykott falle» ließ, der gegenwärtig i» Eger ans- geübt wird. Er ist von dem Bürgerlhum über Beamte und Offiziere verhängt worden und ist ein Boykott, wie er im Buche steht. Als der„Volkstag" verboten wurde, und der Bezirkshauplmann einen groben Brief an den Bürgermeister schrieb, traten alle Bürger aus dem Unterhnltniigsverein„Kasino" ans. Das geht den im Verein gebliebenen Beamten und Offiziere» an den Geldbeutel, weil sie jetzt die Lasten allein tragen müssen. Die von Prag gekomnieneir Polizisten bekamen in der ganzen Stadt weder ein Quartier noch Verpflegung; sie mußten in Waggons der Stnatsbahn kampiren. Nach dem„Tage" ist der Boykott noch verschärft worden. Dem Bezirkshauptinann hat man im Restaurant den Mittagslisch ge- kündigt, allen politischen Beamte» wurden die Wohnungen ausgesagt. Man vereinbarte, diese Herren außer Dienst nicht mehr als vor- Händen anzusehen, sie weder zu grüßen, noch mit ihnen zu verkehren. Das Gleiche soll mit den Offizieren geschehen. Und das thu» die Bürger derselben Stadt, deren Gemeindevertretung Geld über Geld pumpte, in der letzten Zeit eine Kaserne nach der anderen baute, um eine große Garnison zu bekommen. Ueber diesen Umschlag muß selbst der steinerne Röhrkasten-Wastel lachen, der ans dem Marktplatz von Eger steht und aus dem Jahre 1ä72 stamme» soll. Nur eins ist diesem zu vergleichen, das Vorgehe» des Egerer Staatsanwaltes. Dieser kluge Herr konfiszirte de» Bericht, den die Egerer Lokalblätter über die Attaque der czechischen Polizisten brachten, bis auf die letzte Zeile. So, nun weiß und erfährt die Well nichts von der Geschichte, und das Vaterland und Badeni's Rnhmeskranz ist wieder gerettet. Immer noch hatte ich niir etwas darauf eingebildet, daß ich anS einem Forsthaus stamme. Man hat gesunde Knochen und starke Glieder mitbekonnnen, hat die Thiere des Waldes, Bäume und .Slräucher und die Gräser des Weges kennen gelernt, ist im Herbst mit bloßen Füßen über die Stoppel» gerannt, im Winter ohne Strümps' und Schuh' durch den Schnee gepatscht. Es war im gründe genommen nichts als ein bische» Lebensfrische, Lebens- mnth und Euergie, das man daher geerbt, aber es hat doch seine Dienste getban im Lebenskampsc. Und deshalb hat man sich darüber gefreut, wenn man in einer stillen Stunde zurückblickte nach dem Vergangenen. Man hörte die Wipfel wieder rauschen, die Vögel singen, und sah sich selbst mit dem allgeivaltigen Büchsenranzen und der donnernde» Schrotbüchse auf Jägersteige» durch den Wald schleichen. Aber jeder Stolz und alle Freitde ist mir vergange», als ich vor ein paar Tagen eine Nummer der „Deutschen Jäger-Zeitnng" in die Hand bekam. Ein Forstmeister Rothe verlangt in dem Blatte, daß jeder Jagdschntzbeamte gesetzlich berechtigt sein soll, auch anf den flüchtigen Wilderer»ach Anruf zu schieße». Was wohl die alten Grünröcke, unter denen ich aufgewachsen, zu dieser Forderung gesagt hätten? Wohl dieses:„Zu unserer Zeit galt jeder für eine» Aasjäger, der ein Wild im Lager, den Hase» in der Fcldfurche geschossen hätte. Und jetzt sollen wir auf Menschen schießen, aus Wilderer, die auf den Anruf nicht stehen bleiben, die schon durch ihr Laufen anzeige», daß sie� sich fürchten? Pfui Teufel und Fnchsgall'! Das Wild' erfreut des JägcrS Herz, aber der schönste Hirsch ist noch lange kein Menscheuleben werth."... Solches klang an mein inneres Ohr und es war mir ganz erbärnllich zu Muthe. Ich habe nickt in den Spiegel geschaut, aber ein Gesicht muß ich gemacht wie Herr Bernhard. von Bülow, als er unlängst, im„New-Iork Herald" las, daß Hans v. Bülow, der verstorbene Kapelluwistcr, zun» Nachfolger des Freiherrn v. Marschall cruauut worden sei.-7 Öi Div TelegrÄNtzie ohne Denhk. Wenn man die Berliner Urania in der Tanbeiistraße besucht, so sieht man in einein ihrer schön ansgestatleten Säle einen eigen- thumlichen Apparat, der die Fortpflanzung elektrischer Wellen ver- anschauliche» soll. Derselbe steht neben mehreren anderen, an denen man eine Ausbreitung von Schallwellen, Lichtivellc» und Wärmewellen wahrnehmen kann. Diese drei Apparate sind in ganz gleicher Weise koustruirt. Bei dem ersten befindet sichein Hohlspiegel an der Decke des Raumes, und in einem Punkte vor demselben, seinem Brenn- punkte, ist eine tickende Uhr angebracht. Die von derselben ans- gehende» Schallwellen werden von dem Spiegel zuriickgeivorfen, so daß sie auf einen ebensolchen ans dem Tische stehenden Hohl- spiegel fallen. der sie»un»ach seinem Brennpunkt zurückivirft. Nähert man das Ohr diesen» Punkte, so vernimmt man das Ticken. während es nicht vernehmbar ist, wen»»»an das Ohr»eben de» Brennpunkt hält oder die Uhr aus dem Brennpunkt des oberen Spiegels herausrückt. Bei dem nächsten Apparat' befindet sich eine elektrische Glüh- lampe im Brennpunkt des obere» Spiegels, und in dem des untere» erblickt man sie ebenfalls. Beim dritten ist auch eine Glühlampe im Brennpunkt des obere» Spiegels angebracht; doch ist sie mit Lampeiiruß überzogen, weil so besser erreicht wird, daß Wärniewelle» von ihr ausgehen. Hält- man die Hand in den Brennpunkt des untereii Spiegels, so fühlt- man die wärniende Wirkung. Durch drei Experimcnle wird die Ausbreitung der Welle» von ihrem Ausgangs- pniikt nach allen Seiten,»nid ihre Reflexion»>oi» Spiegel»ach einer Richtung und ihre Saunnlung vom ziveilen Spiegel im Brennpunkt verdeutlicht. Wie hierdurch eine nahe Berivandtschast zwischen Schall-, Licht- und Wärmewellen jedem Besucher sich von selbst nusdrängl, so zeigt der nächste Apparat dieselbe Verivaudlschaft mit den elektrischen Wellen. Drückt man auf einen Knopf, so gehen elektrische Funken zwischen den Enden eines Induktionsapparates über. So kurz auch die Dauer jedes einzelnen Funkens ist, so findet in ibm doch ein Zluf- und Abwogen dcS eleklrischcn Zustandes statt, ein Schivanke» oder Oscillircn desselben, das sich mit»»» geheurer Geschwindigkeit im Ranme ausbreitet. Ter Träger dieser Wcllciibewegung ist dasselbe Mediuin, das auch die Wärme- und Lichlivellen weiter trägt, der sog. Aelher. Um ihre Wirkung zu erkennen,»verde» auch sie in eineiii Punkte oder einem kleinen Maunie zu konzentriren gesucht. Hinter ihrem Ausgangspunkt. also hinter der Stelle, wo die von» Induktionsapparat' er- zeugten elektrischen Funken überspringen, steht eine gekrümmte Melallmasse, die für die elektrischen Welle» als Spiegel>»>irkt. Die ans sie fallenden Wellen»verde»» sämintlich in einer Richtnng reflektirt»nid komme», nach dem gegenüberliegenden Ende des Tisches,>vo sie ans eine ebensolche Metallmasse fallen, von der sie nunmehr»vieder nach vorn in den Brennpunkt des zweiten Metallspiegels geworfen werden. Dort also, Ivo sie zusan»nentreffe» und sich in ihrer Wirkung addiren, muß dieselbe auch»vahr- iiehmbar sein. Es ist nun eine sehr eigeulhümliche Wirkung der elektrischen Welle», die die Urania dem Vesncher zeigt. I» dem Brenn- punkt des Spiegels, in dem sich die Wellen vereinigen, befindet sich eine kleine»nit nielallische» Feilspähne» gefüllte Glasröhre, die in den Stromkreis einer galvanischen Balteric eingeschaltet ist. Aber der elektrische Etroin geht nicht hindurch, ivcil die Feilspähne zu lose aneinander liegen, um ihm eine Bahn zu bieten. Fallen jedoch die eleklrischcn Wellen auf sie, so ordnen sie sich i» zusammen hängende, geschlossene Reihe», die einzelnen Theilchcn haften mit einem geivissen Druck an einander, und der Strom kann bequem hindurchfließen. Man niinmt dies ait einem Magneten, auf dem ein langer Zeiger steht, wahr; der Strom ist nn» den Magneten herumgeführt, der dadurch ei»»venig aus seiner Lage ab- gelenkt ivird und den Zeiger i» eine andere Stellung bringt. Unterbricht man das Spieien des Apparates an der ander» Seite des Tisches, so kehrt der Zeiger nicht in seine ursprüngliche Lage zurück; die Feilspähne behalte», nämlich ihre geordnete Stellmig bei und lassen den Slroin noch »veitcr durch sich hindurchgehen. Man niuö die Röhre ein ivciiig »nit dem Finger erschüttern, damit die Spähne durcheiiianderfallen, »vodnrch der Stron» nnterbrochen»vird, und der Magnet mit den» Zeiger in die ursprüngliche Lage zurückkehrt. Erzeugt man dann von neuem elektrisch- Wellen auf der audcrcu Seite des Tisches, so »vicdcrholt sich der Vorgang aufs neue. Die eben beschriebene Ausbreitung und Wirkmig der elektrischen Wellen ist vo» den» in der letzten Zeit so viel genannten Ilaliener Marconi benutzt»vorden, um die Tclegraphie ohne Draht zu erreichen. Seine Methode stimmt so wesentlich mit der eben dargestellten Methode überein, daß»na» den Apparat der Urania fast ei» kleines Modell des Marconi'schc» Apparates nennen könnte. An der Slufgabestalion der Depesche werden elektrische Welle» mit Hilfe eines kräftige» Jnduktoriuuis erzeugt; in der Empfangsstation läßt man sie auf ein Röhrchen sallen, das Feilspähne von Nickel und Silber enthält. Jndcni diese sich ordne», schließen sie einen galvanischen Strom, der dann ganz, wie bei dem geu'öhnlichen Schrcibtclcgraphen,»»»» einen Elektroinagneten herumgeführt ist, dessen Anker also angezogen wird. Dadurch»vird ein Stift oder ein vorher in Farbe getauchtes Rädchen gegen einen Papier- streise» gedrückt, de» ein Uhrwerk vorbeibeivegt. Je»ach der Tauer des Stromes cnlsleht aus de»» Papier also ein Punkt oder ein Strich, aus denen das Alphabet zusammengestellt»vird.s Um die Metallspähnchei» durcheinander zu schütteln und so de» Apparat znin Empfang eines neuen Zeichens zu befähigen, dient ein kleiner Hammer, der, vom Strome automatisch bewegt, gegen das Glasröhrchen anschlägt. In England,»vo der hervorragende Fachmann Precce, dcrselbst schon vor mehreren Jahren eine drahtlose Tclegraphie nach etwas anderen Prinzipien versucht hat, an derSpitze desPost- und Telegraphen- wesens steht, hat»in»» mit dieser Eiurichlung bereits über den Bristol- Kanal über eine Entfernung von zwei geographischen Meilen tele- graphiren könne»; auch aus andere» Orten iverden günstige Versuchsresultate gemeldet. Ob die elektrischen Wellen auch auf größeren Strecken ihre Kraft behalten, ob es niöglich ist, auf»»eilen- lange» Strecken größere, sie aus ihrem Wege treibende Metallmassen und andere schädliche Einflüsse fernzuhalte»,»miß die weitere E- fabrung lehren. Wenn es gelingt, so»vürde der menschliche Geist wohl»vieder einen schönen Triumph über die den Verkehr hindernden Elemente davontragen. Besonders die Schifffahrt»värc es, der die neue Methode in erster Linie zu gute käme. Schiffe»nit einander oder mit dem Lande in telegraphischen Verkehr zu bringen, ist ja bei der offensichtlichen Wichtigkeil ein sehr begreiflicher, lange ge- hegter Wunsch. Die crivähnten Versuche von Preece beivegten sich in dieser Richtung. Auch in Deutschlad sind vor einige» Jahren dahin zielende Versuche ans dem Wannsee bei Potsdam von den Herren Rubens und Rathenai» angestellt»vorden. Vo» dem von diesen Forschern benutzten Apparate befindet sich ebenfalls ein Modell in der Urania, und zivar dicht neben dem anfangs ge- schilderten Apparate. Die Drahtenden einer galvanischen Batterie führen zu Metall- platten, die in den See, im Modell eine»nit Waffer gefüllte Wanne, gesenkt iverden. Da Wasser im allgemeinen ein guter Leiter des elektrischen Slroines ist, so sollte man erivarten, daß die Elektrizität von der eine» Mctallplnile im Wasser zu der anderen geht, und so der Stromkreis geschlossen ist, ohne daß eine weitere Wirkung auf Schiffe im Wasser hervorgebracht»vird. Befindet sich aber aus einem Schiffe ein Telephon, dessen Drahtende» ebenfalls zu im Wasser versenkten Metallplatten führe», so erhallen diese einen Theil des elektrische» StromeS, fuhren ihn um das Telephon und bringen dasselbe zun» Tönen. Auf diese Weise gelang es. Boote auf der Havel bis zu einer Entfernung von zivei Meilen»nit einer Station am Ufer des Wannsee's in telegraphische» Verkehr zu bringen. Doch sind die Versuche später wieder eingestellt»vorden. Die jetzt durch die Bemühungen des Herrn Preece in größerein Maßstabe unter- nonnnenen Marconi'schen Experimente scheinen diesen älteren Ver- suchen überlegen,»veil sie von jeder leitenden Bahn für die Elek- trizität, die dort das Wasser statt des Drahtes bildete, frei sind; da die elektrischen Wellen, auf deren Fortpflanzung sie beruhe», sich im ganzen Raunie verbreiten, so»vürden sie auch einen Luftschiffer»n beständige» Rapport mit der Erde setze» können, eine Aufgabe, die in Zlikunst vielleicht noch eine»vichtige Rolle spielen»vird.— Lt. Mleinvs Isenillekon- — Taö Bad einer Millionenerbiu. Der ans Meckleitburg stammende Zuckcrfabrikant Claus Spreckels, der, nebenbei gesagt, als Zuckerrohr- Pflanzer auf Haivaii reich geivordc», hat in St. Franziska einen Palast bauen lasse», der nicht»»eiliger als 24 Millionen Mark kostet. Für die Bondoir-Einrichtnng seiner Tochter»»endete er allein 200 000 M. auf. Diese Tochter hat höchst« eigenhündig den Plan für ihren Badesalon cntivorsen, hat die Platten gezeichnet,»velche in Trenton unter der Aufsicht cines Künstlers hergestellt iverden. der beauftragt ist, dieselben in Enipfang zu nehme» nnd die Modelle zerschlagen zu lasse», um jede Re- Produktion unmöglich zu machen. Es waren zahlreiche und kost- spielige Versuche nöthig, bis es gelang, den Bekleidungsplatten die cigenthümliche Färbung alten Elfenbeins zu verleihen,»velche die Millionäri» verlangte; ebensoviel Mühe,»nd Kosten verursachte die 'Herstellung der Wandfläcken, von denen die postchromen Relief- figuren von ländliche Gefilde durchstreifenden Nlimphen sich ab- lfebe». An de» Längsseiten der»nassiv silbernen Badeivanne schlingt sich ein iiieigen aninnthiger Nereiden auf einen» Korallenstrande; an der Decke tuunueln sich graziöse Amoretten um eine junge Schöne, die auf einem Delphin reitet. Hahne aus massivem Golde, seltsam ciselirt, Toilcttentischche» a»ls Onyx, ausgelegt mit goldenen Platten, Toileltcngegenstände,»velche Meisteriverke der Goldschiniedekunst dar- stellen, kostbare Marmorarbeitcn und unschätzbare Teppiche machen aus diesem Gemache ein Museum voll seltener und thcurer Gegen- stände.—„Nana"-Geschinack!— Musik. —er— Ans der Woche. Als»vir kürzlich im Neuen Operntheater»vieder„Mignon" hörten, mußten»vir des feine» kunstpslichologischen Räthsels gedenke»,»vieso es gerade zivei französischen Opernkomponiste», Gounod in seiner„Margarethe" und Anibrois Thomas in seiner„Mignon" gelingen konnte, den von zartester deutscher Romantik und ergreisendster Gefühls- innigkeit erfüllten iveiblichen Gestalten Gocthe's blühendstes, von kongenialer Schöpferkraft zeugendes Leben einzuhauchen. Thomas' Werk»st in seiner»veichen nnd originellen Melodie, in setner vornehmen und charakteristischen Orchestrirting«im frische? Beispiel, daß eine ursprüngliche, von Gedanken- und Empfindungs- Müdigkeit freie Musik unverwelklich bleibt. Der zierlichen Er- scheinung und der für die Wiedergabe träumerischer Slimimmgen geeigneten kleinen aber im rnezzo forte mohllaulende» Stimme des Fräulein Wiborg liegt die Mignon weit näher, als die Elsa und Elisabeth, für deren tragische Wucht der Sängerin vor allem die Ausgiebigkeit materieller Mittel fehlt. Am liebste» hörten mir die Dame in einer Soubretteurolle; ihre lachenden Ailgeu haben wohl noch nie wahre tragische Thränen vergossen. De»„Wilhelm Meister" sang Herr Müller mit einer in den hohen Lage» prachtvollen, in der Miltellage und Tiefe unbrauchbaren Tenor st im nie, die daher erst in tüchtige gesangspädagogischc Zucht genommen werden mühte, um einheitliche künstlerische Wirkungen zu erzielen. Als Schauspieler ist Herr Müller ein Sinnbild rührender Unschuld, und seine Prosa hüllte sich in die geheimniß- vollste Undeutlichkeit. Die„Philine" des Fräulein Ditrich, sonst die vielleicht erfreulichste Leistung der Künstlerin, war diesmal ein sehnender Nothruf nach wohlverdienten Ferien.— Als „Telramund" in Wagner's„ L o h e n g r i n" trat Herr D e m u t h vom Hamburger Stadttheater sei» Sommer- Engagement au der königlichen Oper an und erwies sich als ein in jeder Beziehung bedeutender Künstler, dessen Stimmmittel zwar nichts kraflreich Ueberwälligendes, wohl aber die durch Natur und Schule verliehene Fähigkeit besitzen, einen Charakter zu gestalten und starke Leiden- schaften austönen zu lasse». Hie und da ließ Herr Demnlh musikalische Sauberkeit vermissen; darüber und über die eigentlichen gesangs- künstlerischen Qualitäten des Künstlers werden weitere Partie«» Ausschluß geben. Das Debüt eines Herrn Frank als„Heerrufer" ging vollständig in fieberhafter Aufgeregtheit des Sängers unter;. die kleine, im Klange nicht unsympathische Bariloustinnue entwickelte nicht einen vom gransamsten Treniolo freien und künstlerisch brauch- baren To».— In Lortzing's„U n d i n e", dem in seiner liebens- würdigen Volksthümlichkeit unvergänglich aumuthigeu deutschen Werke, übte Herr Wurzel vom Magdeburger Stadttheater als.Kühleborn" eine schauspielerisch und gesanglich gleich eindringliche Wirkltng aus, wahrend Herr Grosser vom Darmstädter Hofthcater seinem Kellermeister Haus die breite Behaglichkeit ilud den feuchtfrohen. sorglosen Lebenshumor des Weiugenies in Maske. Spiel und Gesaug zu verleihen wußte.— Im Spielplane des„Theater des Westens" erschien zwischen den abgespielten Opern, die Herrn Bötel seiner Enthusiasteiikolonie vorführte», und Spinelli's„A basso porto" eil» wirkliches, alle Stürme und Moden dramatischer Musik über- dauerndes Meisterwerk: Nicolai's„Lustige Weiber".?lus der mit Eiser und Intelligenz vorbereiteten Aufführung ragten die bühnengewandte, ein wenig mainrirte Frau Schnster-Wirth (Frau Fluth), der stiunngewallige, ziemlich humorbedürftige Bassist Keller(Falstaff) und der feurig charaklerisirende Herr L a u p p e r t (Fluth) besonders hervor. Einem Herr» N i c o w war der„Fanton" anvertraut, ans dessen Serenade nicht„die Lerche im Aetherblau", tonder» die Rauheit dieses trüben Jnliuwnats dem Hörer entgegen- klang.— Erziehung und Unterricht. — Die Gründung einer Universität für Frauen wird in Tokio(Japan) geplant. Der Urheber dieses Planes ist der japanische Gelehrte Niso Naruffe, der über ein Jahr lang mit allein Eifer dafür arbeitete, bis schließlich am 2K. Mai d. I. eine große Versammlung in Osaka ihre lebhaste Zustimmung bekundete und die Gründung einer Nchon-Sioschi-Daigaku(japanischen Uni- »ersität für Frauen) beschloß. An der Versammlung»ahmen die höchsten Hof- und Staatsbeamten theil. Zunächst solle,» ZOOOOONci» (6— 700 ooo M.) ans Privatmittetn gesammelt werden, und zwar 100 000 Jen in Osaka, 100 000 Aen in Tokio und die»och ver- bleibenden 100 000 Jen im ganzen übrige» Reiche.— N»s dem Thierreiche. — DieWandertanbe ist in Gefahr, ansznsterben. Noch au, Anfang unseres Jahrhunderts konnte Aududon, der die Vögel Nordamcrika's genau beobachtet und beschrieben hat, von den im- geheuren Schwärmen von Waudertauben berichten, die die Ländereien Nordamerika's verwüsteten. Den wöchentlichen Bedarf eines der- artigen Schwarmes, der gegen LO Millionen Individuen zählte, be- rechnete Auduboii aus 1712000 Scheffel Sämereien. Ihre gemein- faine» Brutplätze in den Wälder» nahmen Strecken von SO englischen Meilen Länge und 4— S Meilen Breite ein; auf manchen Bäumen befanden sich gegen 100 Nester.— Infolge der rücksichtslosen Ver- folgung durch die amerikanischen Jäger hat die Zahl der Tauben derartig abgenomnien, daß in nicht allzu langer Zeit ihr Aussterben zu erwarten ist.—(„Äatnrw. Wocheusch." Physikalisches. — k. Leuchtende Diamanten. Viele«Diamanten, welche dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, sollen, wie eine englische Fach- Zeitschrift mittheilt, leuchten, wenn sie in ein dunkles Zimmer ge- bracht werden. Wenn Diamanten in eme Vakuumröhre gebracht und der hohen Spannung eines elektrischen Stromes ausgefetzt werden, geben sie einen pdosphoreszireuden Glanz, oder spielen in verschiedenen Farben. So haben die meisten süd-afrikauischen Diamanten unter der angegebenen Behandlung ei» blaues Licht, während die Diamanten anderer Welttheile hellblau, aprikosenfarben. blaßblau, roth. gelbgrün, orange und blaßgrün leuchten. Professor William Crookes, der zahlreiche Versuche mit Diamanten angestellt hat, erklärte jüngst in einem Vortrag, den er in London gehalten hat. daß ei» schöner grünlicher Diamant, den er besitzt, in einer Vakuumröhre fast ebensoviel Licht giebt, wie eine Kerze. Das Licht ist blaßgrün, fast iveiß.— Hliiiioristisches. — Der Theaterzettel einer Wanderbühne. Das Nachstehende ist der Theaterzettel einer Wanderbühne. die im Jahre 1332 in einem sächsischen Orte dem„verehrungswürdigen Publikum" dramatische Kost servirte. Der Name des Ortes, sowie die Namen der Darsteller iverdeu aus Höflichkeit verschwiegen. Im übrigen ist der Zettel buchstabengetreu wiedergegeben: „Heuute, Dienestag, auszuführen zum Aordeil der Gesellschaft allhir Das Schmuckkästchen oder der Weg z» Herzen! Ein Sauspiel(!) in für Act, von Kozeburg, Dichter. Die Musigk von Richter und Mozard, allda. Persohn! Baton/Durkack ein guter Mann.,. Herr M. Amalie seine Gadti». jung.... Frau S. Die alte plauschette Landräthin... Frau P. Graf Esellnigen, Schwalid..... Herr B. Chrisdiana, rührender, alter Diener. Herr M. Advogad Bauermann, komisch... Herr P. d. ä. Sohm, Kammer......... Herr„ d. j. Die Handlung Spillt im Dealer. Gelibtes Publikum! Dieses Stug hatte sogar in Wien und Berlin gefallen und ist auf alle große Dealer gefallen, denn es ißt Lustige» Temperainend, die muß hie auch Beyfall finden, weilen es Lustig ißt und die ald Landrältin Viles blauscht und rädet dabei. Auch ißt Moral dabey. Preis der Plätze um 6 Uhr und mit Schlag Uhr angefangen. Die Gesellschaft allhier." — Stimmt! Eine Frau findet, als sie morgens aus dem Hanse in den Garten tritt, die Straßenlaterne herabgerissen und in ein frisch angelegtes, arg verwüstetes Beet geworfen. Sie winkt einen vorübergehende» Schutzmann heran.„Das kann nur", bemerk! dieser. nachdem er sich die Verwüstung betrachtet,„ein gebildeter Mensch gethan haben— ein ungebildeter thät sich schämen!"— Vermischtes vom Tage. — In R y b» i k, Rcg.-Bez. Oppeln, sind der Gemeindevorsteher und der Gemeinde-Kassircr. nachdem sie größere Unterschlagungen ausgeführt, flüchtig geworden.— — In F o r st i. Lausitz ertränkte sich die Frait eines Arbeiters mit ihren 3 Kindern im Alter von 3—7 Jahre» i» der Neisje.— — Milzbraudsälle unter dem Rindvieh und Wild sind in den Bezirken M i e s b a ch und Tegernsee(Bayern) vorgekommen.— — Stockholm, 10. Juli. Ueber Anvrse's Aufstieg wird noch berichtet: Die Vorbereitungen dauerten 3�/s Stunden. Der Ballon erhielt den Namen„Adler". Der Zlufstieg ging glücklich von stalten. Trotz des schwachen Windes stieg der Ballon schnell bis zu 200 Meterir, wurde aber wieder bis auf die Nähe des Meeresspiegels niedergedrückt, stieg dann ivicder nach Auswerfen von Ä-andsäcken und wurde von einem frischen südlichen Winde in nördlicher Richtung geführt. Das Wetter war hell. Der„Adler" war während einer Stunde sichtbar und ging mit einer Schnelligkeit von iniudestens 3S Kilometer» in der Stunde.— Aus dem Umstände, daß in der letzter» Woche über Spitzbergen, Norwegen und de» Eisregioucn Südwind und Südwest- wind herrschte, vemnthen die Eismeerfahrer, daß Andree's Ballon in der Richtung nach Ostsibirie» gelrieben wird.— — Zigaretten mit einer Füllung von Theeblättern raucht ina» jetzt in London, Paris und in Rußland. Das Stück kommt auf 7 Pf. zu stehen.— — In A i r d i e(Schottland) explodirle in einer Fabrik für Sprengstoffe eine größere Menge Nitroglycerin. Die Gebäude wurden zerstört, zwei Personen sind todt, mehrere andere schwer verletzt.— m,. — Tarbes(Südfrankreich). 17. Juli. Die von den Pronieren an der Stelle der durch Ueberschiveminungeu weggerissenen alten Brücke erbaute eiserne Brücke über den Adour ist eingestürzt. Zwei Lokomotiven sind in den Fluß gefallen und viele Menschen haben bei den» Unfall Verletzungen erlitten. o. s. In Barcelona(Spanien) sind mehrere hohe Ossiziere. darunter der Chef des Marinedepots, ein Oberst und ein Regiments- arzt. verhaftet worden. Es scheint sich um große Betrügereien zu handeln, die bei der Einschiffung von Expeditionstrnppen nach Kuba vorgekommen sind.— — B a k ll, 16. Juli. Heute Nacht brach in den Naphtaquellen des sogenannten Tschernyj Gorodok Feuer aus, welches eine starke Ausdehnung gewann und um ö Uhr nachmittags noch forldauerte. Fünf Naphlha-Rasstnerien und eine Hafenanlage sind zerstört. Die benachbarten Rasfinerien stellten die Arbeit ein. Mehrere Menschen sind verbrannt, acht Personen erlitten Brandwunden. Ungefähr 2 Millionen Pud 5ierosin sind verbrannt.—_ Berantivortlicher Redaktenr: Nngust Jncobcy in Berlin. Druck und Verlag von Mnx Bnding in Berlin.