Ur. 188. Adomemtat»-Htdingungt«: Abonnement«-Pret» pränumerando! vterteljährl. Z,S0 Ml., monall. l.IOMt., wöchentlich SS Pf«, frei in» Hau». Einzelne Nummer K Psg. Sonntag»« Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Singelragen in der Post- Zettung»- Preisliste sür 1890 unter Nr. 7890. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, sür da» übrig»«u»land 3 Marl pro Monat. Erschein! täglich nutzer»onlag«. Centralorgcm Vevlinev VolKsblakt. dersocialdemokratischen Uartei Deutschlands. 16. Jahrg. Die Inftrtwns-VebLlsr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen SO Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort k Psg. (nur das erste Wort sett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bt» 1 Uhr nachmittags in derErpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» s Uhr vormittags geössnu. Fernsprecher: Amt I. Nr. 1308. Telegramm-Adresse: »Sorialdemokrat Berlin" Redaktion: SW. 19, Beutlz-Straye 2. Sonntag, de» 13. August 1899. Pariser Stimmungen. Paris, 10. August. Seit � dem Begimi des Trehfus-Prozesjcs lebt das politische Paris. austerhalb Paris— zum Teil in der Person der markantcreu >>li»ipfer der Dreyfus-5inse, die nach Reimes übergesiedelt sind, auch im physischen Siune des Wortes. Die kleine Stadt Remies ist für die Dauer des Prozesses der Mittelpunkt des Landes geworden. Paris,„der fiopf und das Herz" Frankreichs, ist nur noch der Sautmcl- und VcrmittelungSpunkt für die aus Renues kommenden Nachrichten. Er denkt und fühlt nicht mehr aus eigener Initiative, solidem den aus Reimes herüberzittcrnden Impulsen gehorchend. Paris ist nicht mehr die Sonne Frankreichs, es leuchtet, ein bc- scheidcncr Mond, mit fremdem Licht. In der Dreyfnssache ist olles und jedes austergcwöhnlich. So vcranlastte sie denn auch die austergewöhnliche, nur in Kriegs cite» vorkommende Erscheinung eines sozusagen politisch enthaupteten Paris. Ja, nur in Kriegszeiten! Auch der Drehfus- Prozest ist eine Schlacht, die austerhalb Paris geschlagen wird. Wird er das Scdan der klerikal- militärischen Reaktion sein? Ilm diese Frage dreht sich das ganze Denken und Fühlen der politisch regsamen Pariser. Die augenblickliche Unterbrechung der öffentlichen Verhandlungen liefert den Zeitungsschreibern von hüben und drüben die nötige Muste, wie den Zeitungen den nötigen Raum» um sich in fieberhaften Pro- phezeiungen zu ergehen. Zustandes, ist im hochcivilisierten Paris die künstliche Giftfrucht des verblödende» Chauvinismus. Unser Parteiblatt, die„Petite Republique", nennt seit langem die.Jntransigcant",„Patrie" je. treffend die„Zeitungen der Vertierten"... Alles in allem: Moral, Recht und Logik zwingen zur An nähme, dah die Militärrichter Dreykus freisprechen müstten; aber in der Drcyfns-Sache kann das Unwahrscheinliche am ehesten zur That fache werden. Hier heistt es:„Das Unglaubliche wird Ereignis" denn das«ewig Militärische" zieht alles hinab, in den Abgrund der Unmoral, des Unrechts, der Unvernunft, der Lüge und des Ver- brcchens. Es versteht sich von selbst, daß die Prophezeiungen kein bloster harmloser Zeitvertreib sind. Sie bilden jenes eigenartige Kampf- mittel»>„« i- mittel» das schasten in in der Kriegsführung wilder und halbwilder Völker- der Form von siegesgewissem Schlachtgeschrei oder Schlachtgesang angewendet wurde und im modernen kriegerischen Journalismus wenig respektvoll als„Stimmungsmache" bezeichnet wird. Man redet sich hoffnungsvollen Mut ein, giebt sich eine siegesgewisse Miene, um den Feind zu schrecken, seine Spannkraft zu lähmen» oder auch nur um des Vergnügens willen, ihn necken. Diese, wohl aber zu dann auf- zweifelhaft botzhafte vergnügen ist niibt der einzige Beweggrund, der einzige Nutzeffekt der stiminiingmachenden Prophe- zeiungcn. Im revisionistischen Lager, wo übrigens die Prophe- zeimigen nicht gernde einen siegeSgewissen Eindruck mache», giebt man sich natürlich keinen Illusionen hin über die Möglichkeit, die Militärrichter von RenneS durch Zeitungsartikel von„Feinden der Armee" im Sinne des Rechts zu beeinfluffen. Aber auch die zur Schau getragene SiegeSgewistheit der generalstüblerischcn Prcst- kosaken dürfte keinen Einfluß auf die Militärrichter ausüben. Ich meine: die letzteren sind viel direkteren und möchtigeren Einflüssen zu Gunsten deS GeneralstabeS unterworfen, von den eingelvurzelten Vorurteilen gegen DreyluS schon ganz abgesehen.... In aller Objektivität kann niemand zur Stunde den Ausgang des ProzeffeS voraussagen. Es ist eine ganz eigenartige Schlacht, wo auf der einen Seite die ganze rechtliche und moralische Kraft der Wahrheit kämpft, während die andere Seite, das Kriegsgericht, über die ganze materielle und formal- gesetzliche Gewalt verfügt. Das Kriegsgericht ist. genau wie eine Jury, der Pflicht enthoben, sein Urteil zu begründen. Es kann, aller Evidenz zum Trotz, rechtskräftig verurteilen oder freisprechen— auf Grund der„intimen Uebcrzengnng". Einen Augenblick hatte man in revisionistischen Kreisen daran gedacht, noch rechtzeitig einen Gesetz- entwnrf unter Dach zu bringen, der die Militärrichter verpflichten würde, ihr Urteil zu motivieren. Der Plan wurde gegeben, hauptsächlich deshalb, weil dessen Gelingen schien. Aber in RcnneS stehen sich gegenüber moralische Kraft und materielle Gewalt. Die Richter sind zugleich Partei. Und die erste öffcntlicha Gerichtssitzung ist keineswegs geeignet, diese von selbst sich aufdrängende Ansicht zu erschüttern. DerZGcrichtsvorsitzcnde leitete das Verhör, als ob seit dem ersten Prozeß von 1894 gar nichts ge- schchcn wäre, als ob namentlich Esterhazy sich nicht in einem an das Kriegsgericht selbst gerichteten Schreiben für den Verfasser des Bordereaus erklärt hätte. Der Gerichtsvorsitzende scheint die„lieber- zeugnng" EavaignacS zu teilen, daß DrehfnS die im Ester- hazhichen Borderenu aufgezählten Dokumente ausgeliefert hätte... Man begreift daher die Jubelstimmung der GeneralstabSpresie. Die Tintcnkulis der Fälschcrbande haben übrigens im voraus— zur größeren Sicherheit— alles darauf berechnet, ihren unheilbar verblödeten Lesern auch für den Fall der Freisprechung die patriottschc Ucberzcngung von DrcyfuS' Schuld in den Hohlschädel fester denn je hincinzufälschcn. Wer das Treiben der gewissenlosen Preß- banditen seit zwei Jahren kennt, kann sich füglich nicht mehr über deren neueste Leistungen wundem. Sie haben die Gerichtsverhand- Iniigen des in Paris spielenden Zola-ProzcffcS systematisch gefälscht, entstellt, verhunzt— warnm sollen sie nicht das gleiche mit den viel wichtigeren und austerhalb Paris stattfindenden Verhandlungen des Drehfus-Prozesses thun? Daß die verschiedenen journalistischen Fälscher widersprechende, einander aufhebende Fälschungen verüben, ist ebenfalls nicht neu. Noch mehr, man findet in einem und demselben Fälscherblatt einander aufheb---d-. Lügen, die nur durch einige Spalten getrennt sind— was vctnc,'b aber? Das Blatt— cS handelt sich insbesondere um die berüchttgte „Patric" sVaterland) des Hanswursts Millevoye— verliert deswegen doch keinen einzigen Einzclkänfer.... Es gehört zu den traurigsten, in der Drcyfus-Krise an den Tag gekomnicnen Erscheinungen, daß eine Stadt wie Paris so zahlreiche Zcitungslcser beherbergen kann, deren Urteilsvermögen buchstäblich nicht über dasjenige der Fcucrländer hinausrcicht. Was bei den armen Wilden die natürliche Folge eines Winitivcn, halbtierischen Inzwischen hat sich daS Ministerium entschlossen, das Per chtvoreruest auszunehmen. Die Antirevisionisten hatten Vorbercunngen getroffen, um einen neuen Handstreich gegen die Republik auszuführen, lieber den An- schlag läßt die französische Regierung durch die offiziöse„Agence Havas" eine Note verbreiten. Danach ist infolge einer Untersuchung, die auf Grund des Artikels 89 des Strafgesetzbuches bezüglich eines auf den Umsturz der Regicrnngsform gerichteten Komplotis eingeleitet worden ist, eine Anzahl von Verhaftungen vorgenommen worden. Die Angeschuldigten gehören den Grnvpen der royalistischen Jugend» der Patrioten liga und der Antisemiten liga an. Nach dem Prozeß be- tteffend den Vorfall in der Reuilly-Kn ferne I haben die vorgenommenen Haussuchungen und die dabei beschlag- »ahmten Papiere zu der Feststellung geführt, daß es sich im Monat Juli um ein Komplott handelte, sich mit einem Gcivalt- streiche der Regierung zu bemächtigen. Die aufgefundenen Depeschen ließen keinen Zweifel über das Vorbandeniein eines Komplotts soivie über die hanvtsächlich Beteiligten. Infolge deffen wurde eine strenge Ueberwachnng durchgeführt, welcge den Beweis erbrachte, daß diese Gruppen binnen kurzem einen neuen Hand st reich vorbereireren, welcher sofortige Maß- nahmen erforderlich machte, um Unrnben vorzuoengen. Am Soimadendinorgen wurde Dsroulide durch ein großes Aufgebot von Gendarmeu auf seiner Benvung in Croissy verhaftet. Anstel dem sind allein in Croifsh 15 andere Gesinilungsgenossen wegen Komplotts gegen die Sicherheit des Staates festgenommen worden. Ferner wurde in Paris der Vor- sitzende der Antisemiteiiliga, Guerin, verhaftet. Gegen eine Anzahl Mitglieder der Patriotcnliga und andere Mitglieder der Antisemiten- liga und der royalistischen Jugend sind Vorsüorungsbesehle ergangen. Die Räume der Patriotenliga wurden Sonnabendvormittag Polizei- lich geschlossen. Die neuesten Telegramme berichten: | Paris, 12. August. Zu den heute hier erfolgten Verhaftungen ] von Mitgliedern der Patriotenliga und der Lnriieiniien- liga wird noch gemeldet. daß sich unter den Verhafteten Barillet, Balliercs. Daniay, die Brüder Violet und Sarrazin, der Zeichner des Blattes„Antijuif" befinden. Der Verhaftungsbefehl gegen den Präsi- deuten der Anliieniitenliga, Guerin. konnte noch nicht ausge'ührt iverdcn, iveil derselbe sich weigert, die Thüre feiner Wobunng zu offnen. Er erklärte dem mit seiner Verhaftung beauftragten Polizei-Agentcn, daß er sich mit Gcivalt seiner Verhaftung widersetzen werde. Guerin hat sämtliche Thürcn und Fenster verbarrikadiert und ver- tcidigt sich mit dem Revolver, in der Hand. Er versicherte dem Agenten, er könne es 3 Wochen lang in seiner Wohnung aushalten, ohne sich zu ergeben. Die bei den Haussuchungen beschlagnahmten > Papiere lassen keinen Zweifel, daß es sich um ein neues Komplott ! handelte, das sofort nach- dem Drehfus-Prozeß in Scene gesetzt werden sollte. Paris, 12. August. Die rechte Hand Döroulödcs, George Thicbaud» ist ebenfalls in polizeilichen Gcivahrsam gcnonimen worden. Auch bei dem Vicomtc de Ramcl fand eine Hanssnchung statt. DaS Ergebnis derselben ist noch unbekannt, doch soll sie derart gravierend sein, daß auch de Ramels Verhaftung baldigst erfolgen dürfte._ Wer bleibt Sieger? Die erste Kanalrede des Kaisers in Dortnnmd liegt jetzt im Wortlaut vor; sie lautet in den wesentlichen Teilen: „Ich wäre gern schon früher gekommen, wenn mich nicht die Sorge wegen des Befindens meiner Frau zuerst zu ihr geführt hätte, und erst als ich mich überzeugte, daß ich sie ruhig verlassen kann, ohne in Besorgnis zu schweben, habe ich mich entschließen können, Ihre Stadt zu besuchen. Das Werk, das ich soeben besichtigt habe, ermöglicht hoffentlich der Stadt Dortmund, wieder ihren Flug über die See zu nehmen, wie sie ihn einstmals ge »ommen bat. Rur möchte ich glauben, daß der Kanal,>vie er augenblicklich anzusehen ist, nur fin Teilwerk ist. sLebhaftes Bravo.) Er ist aufzufaffen in Verbindung mit dem großen Mittel- land-Kanal» den zu bauen und zur Durchführung zu bringen meine Negiernng und ich fest und unerschütterlich entschloffen sind. sLebhaftes Bravo.) Es ist selbstverständlich schwierig, solche neuen großen Gesichts- punkte schnell in die Bevölkerung hineinzubringen und das Ver- ständnis dafür zu erwecken. Ich glaube aber, daß mit der Zeit auch die Ueberzcuaung sich immer mehr Bahn brechen wird, daß der Ausbau unserer großen Wasserstraßen absolut notwendig ist und für beide Teile, für Industrie und Land- Wirtschaft, segensreich sein wird. sBravo.) Der Anstoß zum Bau der Wasserstraßen ist in weiten Jahr- Hunderten zurück zu suchen. Zwei meiner größten Vorfahren, der Große Kurfürst und Friedrich der Große, sind die bedeutendsten W ass e rb au er gewesen. Der Große Kur- fürst hat weit ausgreifend seinen Blick auf Emden gerichtet und schon damals die Absicht gehabt, diese Stadt durch einen Wasserweg mit dem Märkischen Lande zu verbinden und damit zur Hebung desselben beizutragen. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß es auch dieser Stadt gelingen wird, in Verbindung mit Dortmund und weiterhin mit dem Hinterlande, welches sich daran schließt, wieder einer guten großen Zukunft entgegenzugehen. Ich weiß auch, daß in den großen Hansestädten der Nordsee bereits Bewegungen im Gange sind, die, wenn sie zur Ausführung konimen sollten, für den Dortmund-Emser-Kanal die größte Zukunft versprechen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die stets wachsenden Bedürfnisse unseres Landes auch größere und leichtere Wege ver- langen, und als solche müssen wir neben den Eisenbahnen die Wasserstraßen betrachten. Der Austausch der Massengüter im Binnenlande, der vor allen Dingen auch der Landwirtschaft zu gute kommt, läßt sich»ur auf dem Wasser bewerkstelligen, und so hoffe ich, daß die Volksvertretung, diesem Gesichtspunkt nach- gebend, mich in die Lage versetzen ivird, hoffentlich noch in diesem Jahre meinem Lande den Segen dieses Kanals zu nutzen und zu teil iverdcn zu lassen.(Bravo.) Infolgedessen hoffe ich auch von ganzem Herzen, baß diese so reich ansbliibcnde und, wie man überall beobachten kann, vorwärts faircitendc Stadt, zu einer neuen ungeahnten Zukunft sich eniporschwingcn wird, und daß' sie sich den alten Hansa- Traditionen entsprechend entwickeln wird. Was damals als Rückhalt der Hansa fehlte, ein starkes gccimcs, einem Wille» gehorchendes Reich» haben wir durch die Gnade des Himmels und die Thaten meines Herrn Großvaters wieder errungen, und diese Macht soll auch für dirscS große Werk mit voller Wucht eingesetzt werde». Taftir werde ich stehen!"(Beifall und Hochrufe.) Der Kanalredc folgte dann im Dortmunder Rathause eine ergänzende K o m p e n s a t i o n s r e d e, in der der Kaiser, wie wir schon gestern in dem größten Teil unserer Auflage mitteilten, aus- führte: „Das Werk, welches wir heute eingeweiht haben, wird hoffent- lich ein Martstein in der Wendung der Geschicke der hiesigen Stadt sein. Es wird aber auch hoffentlich der heutige Tag ein Martsteiii im Fortschreiten der Einsicht aller meiner Unterrbanen sein, daß es notwendig ist, zuweilen die eigenen Wünsche und Aspirationen dem Wohl des gesamten Staates unter- znordnen. Nicht etwa soll unsere gesamte Kraft bloß auf diese» Kanal gerichtet sein, oder er allein die Arbeit und Leistung des vrenstischen Staates für längere Zeit absorbieren. Abgesehen von ihnen sind von mir zur Arbeit befohlen und bereits in Aus- führung begriffen große Projekte, die der Oder gleich- mäßigen Lauf und gleichmäßige Tiefe verleihen sollen, un, auch die nördlichen Provinzen und einen Teil Schlesiens mit der See z» verbindell. Ancki anderweite große Wafscra.'beitcn sind geplant in unseren östlichen Provinzen, die der Landwirt- schuft zu gute komme« sollen. Nur durch das Ineinander« greifen und das Nebeneinanderbestehen von In- d u st r i e u n d L a n d w i r t s ch a f t ist es möglich, den Staat vorwärts zu briiigeii und ans gesunder Basis weiter zu führen. So hoffe ich, daß auch die Stadt Dottmund an ihrem Teile von diesem Werke reichen Nutzen ziehen wird. Ich trinke auf das Gedeihen und Blühen der Stadt."(Lebhafte Hurra- rufe.«— Die ziveite Kaualrede des Kaisers ist bestimmt, die durch die erste verletzte» Kaiialseindc zu besänftigen. Es werden den Ostelbiern große Gegengeichenke in Aussicht gestellt, ivenn auch in nicht sehr bestimmter Forin. Am Schlüsse der ersten Rede— beide werden nun doch»och im„Rcichs-Aiizcigcr" veröffentlicht— ist wieder von dem„einem Willen gehorchende» Reiche" die Rede. Es bedarf keines Nach- iveises, daß eine solche Auffassung auch dann staatsrechtlich unhaltbar wäre, wenn das Deutsche Reich kein konstitutionelles Staatswesen wäre. Denn der deutsche Kaiser ist nicht der Souverän des Reiches, sondern ist nur der Erste unter Gleichen, der Oberste unter den Souveränen der Einzelstaaten. Trotz der Bestimmtheit des kaiserlichen Willens ist die Lage in Preußen durchaus nicht geklärt. Bon den Konservativen unterwirft sich schlechterdings die»»Reichsbotcn"-Gruppe, die sich damit chloro- formiert, daß sie die heitere Entdeckung macht, der Kaiser habe ganz die Anschauungen der Kanal g e g n e r vettreten: „Durch die gestrige Rede des Kaisers wird nach alledem auch die Mitiellandkanal-Frage auf einen durchaus den Intentionen der konservativen Partei und ihrer Traditton entsprechenden Boden gestellt. Die fiaiserrede ist also keineswegs, wie es die liberale Press- unter einseitiger Hervorhebung des festen Beharrens bei dem Mittellandkanal-Projekt darzustellen beliebt, ein Affront gegen die konservative Fraktion, sondern vielmehr ein Entgegenkommen gegen die konservativen Anschauungen über die Bedeutung des Wasserverkehrs sür die Landwirtschaft und seines zusammenhängenden Ausbaues— als eine goldene Brücke für die konservativen Gegner aufzufassen. Wir glauben deshalb, daß die konservative Partei nach dem Bekanntwerden des ganzen Wortlautes der Kaiser- reden nicht einmal die gestern vorgeschlagene Beiseitestellung bei der Abstimmung über den Kanal einzunehmen braucht, sondern daß ihre Mitglieder, da ja ein Fraktionszwang in dieser Frage nicht besteht, nach dieser wesentlichen Veränderung der Frage ebenso gut für die Vorlage stimmeu könne», wie die Mitglieder anderer Parteien." Diese iruggoldene Brücke, welche die frommen Byzantiner in löblicher Selbstenttnannuna zu schlagen suchen, findet bisher in den eigentlichen agrarischen Kreisen wenig Vertrauen. Die„Kreuz- Zeitung" drückt sich zwar sehr demütig aus, scheint aber doch dabei zu beharren, daß eS den Konservativen diesmal versagt sei, mit- zuwirken: „Die Wünsche unseres kaiserlichen Herrn liegen u»S immer am Herzen, und wir empfinden stolze Freude, wenn es uns ver- gönnt ist, an ihrer Erfüllung nach Kräften mitzulvirken. Allein das verlangt sicherlich auch des Kaisers und Königs Majestät nicht, daß Männer, denen die Bevölkerung ein Abgeordneten- Mandat übertragen hat und die in Uebereinftinimung mit ihren Wählern nach bestem Wissen und Gewissen und nach reif- lichcm Erwägen des Für und Wider Gegner des Kanalsprojekts sind, gegen ihre Ueberzeugung für die Borlage stimmen sollen. In der für nächsten Dienstag anberaumten Sitzung der konservativen Abgeordneten-Frattion wird den einzelnen Mitgliedern Gelegenheit gegeben sein, noch einmal ge- Ivisseiihcift>: d der Tcnniiwortimg, die sie«bcniommcn hal>cii, sich � bewii�l. ihre Siclluii�imhme zu prüfen,.ttomnicii sie dabei— bi-Z uns einzelne Ausnahmen— zn d«m Schlüsse, dnh cS ihre Ilcbcrzcncznnii gebietet, die Kanalborlage abzn- lehnen, so wird auch Sc. Majestät der Kaiser dies sicherlich nicht als Mißachtung seines soeben in Dortmund ausgesprochenen Willens empfinde«, sondern davon überzeugt sein, daß es keinem konservativen Manne leicht füllt, cincnr allerhöchsten Wunsche gcgcnnbtr„Sicin" zu sagen." ..'c(l..r drsventich. daß diese Rohalisten hier lvicdcr einmal erklären, sie hätten es nicht nötig, dem Monarchen von Gottes Gnaden unbedingt zn folgen, ivenn auch der absolutere Jnnkcr als Bcglcit- erschenmng des lonscrvativcn Dogmas vom absoluten Fnchcn nichts Neues ist. Auf alle ssiälle wirkt der Junkerstolz angenehmer als die elende Uuterivürfigkcit unter den persönlichen Willen, worin die liberalen Kannlhändlcr fortgesetzt wcttciscru. Schärfer als die„Kreuz- Zeitung" betont das Organ des Bundes der Landwirte, die„Tcntschc Tageszeitung", das Vcr- harren in der Gegnerschaft: „Die Meinungsverschiedenheit liegt auf der Hand. Sie läßt sich nicht ans der Welt schaffen. Das Opfer der Ueberzerignng, das den Gegnern des Kanals zugemutet wird, wäre vollkommen wertlos. Der Kampf' muß durchgefochten w e r d e n. Wenn aber auf beiden Seiten die nötige maßvolle Ruhe bewahrt, wenn bie Frage nicht über ihre Einzelbcdcnwng binaus aufgebauscht' wird, dann braucht die Mcinnngsvcrschiedcuhcit nicht zum Konflikt anszuwachscn. Wenn man auf beiden Seiten im Auge behält, daß Irre» m ö g I i ch u n d m e n s ch l i ch ist, Ivenn man ferner die Worte des Kaisers recht ins Auge faßt, daß es schwierig sei, das Verständnis für derartige wirtschaftliche Fragen zu wecken, wird schon der rechte Weg gefunden werden, um zu verhindern, daß die Lage in der That ernst werde. „In anderen, viel wichtigeren Fragen— wir erinnern mir an die Umsturzvorlage, an das Verein sgejetz n. a.,— haben sich Mcinnngsvcrschicdcnheitcn zwischen der Nc- gicrnng n»d der Mehrheit der deutsche» oder preußischen Volks- Vertretung herausgestellt. Die Konflikte sind danmls veruncdcn worden, obwohl es sich, wie gesagt, damals um große. grundsätzliche Fragen der Staatsautorität handelte. Sie können jetzt, Ivo es sich lediglich um eine verkchrstcchnische Einzelfrage handelt, viel leichler vcriniedc» werden, wenn man will. Wir haben die Frage immer sachlich behandelt und bleiben dabei. Unsere Ueber- z e n g il n ist f e st n n d u n e r s ch ü t t e r t geblieben: ivir sind eines andern nicht belehrt ivorden. Ein Opfer der Ucberzeugnng zu bringen, ist uns schleditcrdiugs unmöglich." Diese Ableitung auf das Gebiet der Uinstnrzbekäiiipfnng nnd der Znchthausvorlage wird auch anderweit versucht. Die „Berliner Politischen Nachrichten", ans denen nicht selten Herr v. Miguel redet, begeistern sich bereits verdächtig für die Politik der Sammlung: „Diese kaiserlichen Worte liefern die Gewähr dafür, daß eS nach Annahme der Kanalvorlage weder Sieger noch Bc- siegte geben ivird und daß die parlamentarischen Kämpfe, welche dabei anszufechten sind, die Politik der Saminlung aller wirklich staatSerhaltrndcn Elemente um die kaiserliche Standarte zum Kampfe gegen die inneren Feinde der Monarchie und unserer ganzen Rechts- nnd Staatsordnung in keiner Weise durchkreuzen werden." In diesen Sätzen hat umn den Weg zu erkcilncn, auf welchem die Agrarier und ihr Schutzpatron im Kastaincniväldchen trotz alledem versuchen werden, dieKanalangelegenheit zu verschleppen. Auch bei der Znchthausvorlage ist ja die kaiserliche Aiikündigung weder zeitlich noch inhaltlich auch nur im Entwurf der Regiernug erfüllt worden. Aehnlich wie das Mignelsche Organ äußert sich die„Post": „Nicht ohne beträchtliche allgemeinpolitischc Bedeutung ist ferner die am Schlüsse der zweiten Kaiscrrede enthaltene nachdrückliche Mahnung, daß Landwirtschaft und Industrie fest zusammcnstehcii müssen, um den Staat gedeihlieh vorwärts zn bringen. Dieses Kaiserwort crinnert in sehr beinerkensivertcr Weise an die dauernde Bedeutung der Sammlungspolitik für die günstige Entwicklung unseres Vaterlandes und gicbt denjenigen recht, ivclcbe die Meinungsverschiedenheiten über die jetzt vorliegende Streitfrage nicht zu eiitem dauernden Risse zwischen Industrie und Laiidwirtichaft vertieft, sondern über den Irrungen des Tages die Jntercssengenrci»- schaft aller Zweige der heimischen sckiaffendcn Arbeit voll ausrecht er- halten wissen wollen. Man darf nach diesen Aenßcrniigcn annehmen, daß der Gesichtspunkt dauernder Sanimlung aller staatserhaltenden Kräfte auch für die weitere Behand- � lnng der Kanalvorlage von entscheidender Bedeutung sein wird." Alles komnit ja ans die Haltung des Ccntrnms an. ES gicbt vorläufig noch die Parole aus, daß es ohne Kommunalwahlrefonii für die Kanalvorlage nicht eintreten werde. Da nun die Konservativen sicherlich nichts dazu thnn werden, um dem Centrum seine Bor- bediliguug für die Zustimniung zum Mittellaud-Kmial erfüllen zu helfen, so ist noch keineswegs sicher, daß die Kanaluorlagc im preußischen Abgeordnetenhause oder gar im Herrtnhause die Mehrheit finden wird. Und was dann? Konseqnenterlveise müßte die Re- gierung dann daß Abgeordnetenhaus auflösen. An diesem Punkte setzt nun die Mignelsche Ablenkungs- Politik ein. Auflösen hieße den Zwiespalt nicht»ur zwischen Landwirtschaft und Industrie entfesieln, sondern auch zwischen der Krone und den Skonservativen de» Gegensatz ofsenknndig machen. DaS aber, so wird der schlaue Agent' der Agrarier im Finanzministeriuin argumentieren, hieße dem Ümsturz Waffen liesern. Die Konservativen können nicht mehr zurück, so wird man weiter geltend mache», ihre Ehre sei engagiert, also bleibe mir die eine Möglichkeit, sofern nian nicht der Social'dcmokratie das ivillkommenc Schau- spiel eines wilden Jiiteresscnhaders in den staatSerhaltciiden Parteien bieten wolle, die Angelegenheit z» vertagen; nnd dazu sei um so mehr Anlaß, als der Hochsommer nicht geeignet sei, so schwer- wiegende Entschlüsse zu fassen. Wir glauben, daß derartige Beweissührungen ihren Eindruck nicht verfehlen werden, und ivir meinen weiter, daß die liberalen Schwärmer für das absolute Rcgimeitt, die ihren Kanal schon gc- sichert wähnen, sich als die Kurzstchtigen und die Düpierten erweisen werden. Es giebt eben absolutere Mächte in unserem Junker- staat als den absoluten Willen. Volitifche Mebevfichk» Berlin, den 12. August. Der Anreger der Zuchthausvorlage. Zu den gestern gewürdigten Mitteilungen des Pastors v. Bodelschwingh über den Anlast zur Sparrenberger Rede des Kaisers bemerkt unser Bielefelder Partei-Organ: „Interessant aus diesen„Erinnerungen" ist zunächst die Aeußerung von dem Strolch, der sein Ungeziefer gar nicht loswerden will. Haben Herren aus der Umgebung des Kaisers derartige sociale Anschauungen, so erklärt sich daraus vieles. Im übrigen irrt sich Pastor v. Bodelschwingh in seinen Erinnerungen ganz gewalftg. Er glaubt, keine Klage beim Kaiser über die„Tyrannei der Streikenden" geführt zu haben. Wir erlauben uns, seinem Gedächtnis zu Hilfe zu kommen. Er selbst hat in der„ N e u e n W e st f. V o l k s-Z e i t u n g" den Sachverhalt solgendermasten geschildert: „Wir stonden hier gerade in dem Waschhaus« von� Wilhelms- darf vor dem Rcinigungsofen der Wanderarmen, dem Se. Majestät besondere Teilnahme znwaudtc. Der Kaiser sprach gegenüber einer gegeuieltigen Lnstcvr jciu« Ueberzcuaung aus. daß ichon dies eine groß« Barmherzigkeit sei und den Mut zur Arbeit ivieder neu beleben müßte, wenn ein solch armer Wanderer, von Iliigeziefcr gründlich» gereinigt, in reinen neuen Kleidern sich fühlte, und fragte,>vie lange � es dauere, bis solch neue Kleider; zu ver- dienen seien. Ich sprach von der großen Schwierigkeit unserer Lage, die rechte Mitte zu treffen, um.tzidst zn viel nnd zu wenig zu gewähren. nnd daß wir nüt der Barmherzigkeit mich stramme Zucht verbinden mikssen— ohne Zucht und stramme Ordnung sei keine Barmherzigkeit möglich. Nament- lich sei es auch Pflicht der lScsevgcbuug, daß der nationale» Arbeit voller Echnfe gewährt werden müsse grge» die Thramici derjenigen, welche den freien Mann, der. arbeiten will, durch Drohungen an seiner freien Arbeit hindern I" Man sieht, der Herr Pastor hat damals die Frage des Kaisers unbeanftvortet gelassen, anS welchem Grunde, darüber kann mau ja nur Vermutungen anstellen, wahrscheinlich ist es aber doch, dast er nicht gern von dem täglichen Arbeitslohn von 20 und 30 Piennig sprechen wollte. Statt dessen hat er gesetzgeberische Mastregeln gegen die Streikenden an- geregt. Und dabei herrschte in Bieleseld nur eine Stimme, daß der Streik der Maurer und Zimmerer i n m u st er hafter Ordnung verlief. Wenn nun jetzt dem Herrn Pastor seine Anregung unbeguem ist, und er statt dessen Schiedsgerichte bei Streiks, durch welche der Frieden erzwungen werden kann, verlangt, so be- weist er damit nur, daß seine socialpolitische Einsicht nichtsehr bedeutend ist. Und nun noch eine Nichtigstcllung. Die„Erinnerung" an den in einer öffentlichen Streikvcrsammlung gefaßten Beschluß, es dürfe unter keinen Umständen ein Vcreinshaussaal, den wir für unsere Kranken bauten, fertiggestellt werden, weil wir indem- selben Unser Kaiscrpaar cmpfaiigcn wollten, hat Pastor v. Bodelschwingh von A bis Z selbst er- sonnen. Ein solcher Beschlust ist niemals gefatzt, ein solcher Antrag niemals gestellt worden. Es war£ncs auch gar nicht möglich, weil der Streik sich gar niemals auf die Anstalt Bethel erstreckt hat. Die Fordenmgen der Streikenden sind bei den Baumeistern der Anstalt gar nicht erst, ein- gereicht worden, weil es doch total nutzlos gewesen wäre. Pastor v. Bodelschwingh wird alt, wir wollen ihm dies zu gute halten und nur konstatieren, daß er die Unwahrheit ge- sagt hat._ Das Nanmburger Ober-Landesgericht und der grobe Unfug. Wir wiesen vor einiger Zeit darauf hin. daß das Ober- Landesgericht Raumbnrg entgegen der Ausfassung niehrerer Untergerichte seines Bezirks hartnäckig darauf besteht, daß „Zuzug fernhalten" grober Unfug sei. Es hat auch, wie ivir heute in der„Halberstüdter Arbeiter-Zeitung" lesen, das in dieser Sache freisprechende Urteil des Landgerichts Halber- stadt anfgehobeu und zur nochmaligen Verhandlung an das- selbe Gericht zurückverwiesen. Das Landgericht Halberstadt hat bereits über die zurück- verwiesene Sache aufs neue verhandelt und— hat abermals freigefprocheu. Und diese Freisprechung erfolgte trotz eines andern Vor- sitzenden, da der frühere Vorsitzende, Landgerichts-Tirektor Heldberg, unterdes als Landgerichls-Präsident nach Neiße versetzt worden ist. Die Begründung des neuen freisprechenden Urteils ist in einer Weise abgefaßt, daß es dem Revisionsgericht schwer werden dürfte, das Urteil abermals aufzuheben und deshalb darf nian auf die weitere Entwicklung der Angelegenheit wirklich gespannt sein. Die Urteile sind interessant genug, um noch etwas näher darquf einzugehen. Das Ober-Landesgericht hat kurzer Hand einen Rollenwechsel vorgenommen, indem es. was Sache des Landgerichts war. eine thatsächliche Feststellung machte in dem Bauschgewande der Notorietüt. Es sagt: „Jeder Leser� emcS derartigen Aufruis aber weist aus der tägliche ii Erfahrung, was die Folgen solcher Anffordernng sind, mit welchen Mitteln die Erreichung des angestrebten Ziels versucht ivird. er weist serner, daß von der Leserwelt derartiger Blätter bei der bekannten Partcizncht und Parteileideuschast solcher Aufruf als Befehl gilt, dem st r e n g nachzukommen jeder die Pflicht hat nnd daß— eine Erkenntnis, der sich auch das Berufungsgericht nicht verschließt— zur Ausführung solchen Befehls d u r ch E i n s ch ü ch t e r u n g, A e ch t u n g und andere unmoralische Mittel der Wille anderer unzulässig gebeugt wird. Die unausbleibliche Folge, wie sie ständig beovachlet werden kann, stl die, daß> Arbeitswillige sich bereits durch einen solchen Aufruf abschrecken lassen. die verlassene Arbeit ihrerseits zu suchen, ohne es erst darauf an- kommen zu lassen, ob wirklich Belästigungen gegen sie bethätigt werden. Sie setzen sich solchen gar nicht erst aus. Diese Er- scheinung ist aber auch den durch die Aussperrung betroffenen und allen Arbeitgebern bekannt. Sic wissen sehr wohl, daß ei» solcher Auftus lähmend und einschnchlernd wirkt, und es wird deshalb auch in ihnen eine begründete Furcht vor materieller Schädigung hervorgerufen. Taraufhin erfolgte die Aufhebung des freisprechenden Urteils, und gestützt auf diese Begründung hat nun das Landgericht mit deutlicher Spitze gegen das„jedermann weiß" „thatfächlich f e st a e st e I l t". daß die Aufforderung ..Zuzug fernhalten" nicht als Befehl gilt und daher nach den Ausführungen des Ober-Landcsgerichts auch kein grober Unfuq ist. Wie wird das Ober-Landesgencht nun den groben Unfug definieren?— � � Aeutfches Aeich. Die Kaiserreise und die Polizei. Ein große? Aufgebot von Gendarmen und Geheimpolizisten ist für die westfälische Reise des Kaisers venvendet ivorden. In Remscheid allein ftuiitionierten 120 Gendarmen. Ein Heer von Geheimagenten erstreckte sich über das ganze Besuchsgebiet. Barmen und Elberfeld entsandten 100 Gendarmen cka das festliche Gelände.— Die moralische Berlumpung der„Post" zeigt sich anläßlich ihrer Mitteilungen aus der neuen Broschüre deS Korbmochers Fischer in so krasser Weise, daß die Frage austancheu könnte, ob es für ge- sittete Menschen überhaupt»och möglich ist, mit diesem Blatt zu polemisieren, dessen Hintermänner die hervorragendsten Vertreter des Geld- und GeburtSadelS sind. Das Blatt gesteht seelenruhig zu. daß die TiebstahlSbezichtigmig. die der Fischer gegen den Gc- nosien Bebel ersann, unrichtig sein mag, scheut sich aber nicht?- destoweniger uicht, weiter diesen tolle» Verleumder als ihre» Ge- währsmann zu brauche». Ja, noch mehr, sie deutet an, daß die anderen Schmntzercieu in dein nciicsteu Fifcherschcn Machwerk de» Thatsachen entsprechen möchten, weil wir sie nicht erwähnt habeilt „Weshalb erwähnt der„Vorwärts" allein den ivcnig glaub- würdigen Lorwurf gegen Bebel und nicht auch das, was die Broschüre über Singer und Stadthagen sagt? Fürchtet er etwa, diese Mitteilungen möchten auch bei den.Genossen" nicht so ganz unbegründet ericheineu?" Wir haben keinen Anlaß, unser Blatt mit den zotigen Er-- Zeugnissen der Fischcrschcu Dordcllphantasic zu bcsndclii. Wir sorbern aber die.Post' aus— die ja auf Sauberkett keinen Werl mehr legt und zudem diese obscönen Erfindungen zu glauben scheint— ihrerseits die Fischcrschcn Behauptungen unter ihrer Verantwortung w eite rzu.g eb en. Solche Gemeinschaft zwischen der„Post" und Fischer wäre ja zudem traditionell, wie denn auch Fischer sittlich und geistig ebenso befähigt wäre, in die Redaktion der„Post" ein- zutreten, als die„Post'-Leute geeignet sind, Fischersche Broschüren zu schreiben.. Den sachlichen Blödsinn Fischers nachzubeten, überlassen wir gern dem Stummschcn Organ. Erwähnt sei nur, daß das Blatt mit Befricdianng daraus hinweist, daß nämlich ein AgitotionSkomüee zur Bckämpfnna der Socialdemokratie in? Leben gerufen ist. „Beständig sollen kleine Broschüren ausgearbeitet und planmäßig massenhaft unter der Arbeiterschaft verteilt werde». Wir möchten die Arbeitgeber an dieser Stell« darauf aufmerksam machen, daß derartige Broschüren mit Enthüllungen an? den ge- Heimen Werkstätten deSSocialismns sehr geeignet sind, den verführten Arbeitern die Augen zu öffnen über daS wahre Wesen der von ihnen blindlings vergötterten Partei. Alle, zu denen sie wie zu Göttern aufblicken, sind nichts, als eitle, selbstgefällige Götzew die zum gröxtcn Teile nicht einmal helfen wollen, sondern sich sonnen im Glänze der Rolle, die sie spielen, die aber auch, selbst wem: sie wollen, niemals helfen könne n." Wir möchtcu eme. Verschmelzung der Fischerschcn Gründung mit der Hülle-Fahrenhorsischen Fälschungsfabrik vorschlagen. Oder ist das bereits das gleiche Spiel mit verteilten Rollen? llnserc Gegner sind jcbensaNS hübsch weit in ihrer Vorurteilslosigkeit gekommen, daß sie für die Verbreitung der Broschüren werben, in dtiic» sich, wie sie selbst zugestehen, Berleumdnngen bc« finden, deren Infamie nur durch ihre Lächerlichkeit gemildet wird. Zwei markante Fälle von Ausweisungen böhmischer Berg- lenke aus dem Gelsenkirchrner Revier werden uns aus Bochum berichtet. Die Bergleute und PerbaudSmitglicder Johann S ypka nnd Anton P i I l e r wohnten mit ihren Familien in Schalke, weicher Ort nicht in die AnSstandsbcivcglmg des Hemer Reviers mit hineingezogen nmrde. Die beiden waren»Iber ihre Ausweisung, die ohne jede Angabe von Gründen erfolgte, verwundert, mußten sich aber fügen und würde» ani ö. August von Gclsciikirchen aus� nach der böhmischen Grenze transportiert. Ueber die beiden Reisebegleiter, zwei Gcndarmcric-Wachtlneifter, sind sie keineswegs erbaut gewesen, sondern haben sich wegen der Behandlung beschwerdeführend an den RcgienmgSprÄsidenten zu Arnsberg gcivendet. Selbst bei zivanzig- miniitigem Anfenthalt durften sie nicht einmal aussteigen, um einen Schluck Wasser zu trinken. Während der 30 stündigen Fahrt gab es kein warmes Esten; ob sie Mittel hatten, sich selbst zu beköstigen, haben sie in ihre»» Schreiben an uns nicht bemerkt. Man ivird mit diese» Ausweisungen, die von den vielen Tausenden fremder Arbeiter doch nur eine beschränkte Zahl treffen köuncn. den Zweck der Einschüchterung dieser ausländischen Elemente schwerlich erreichen. Die RegiernngS-Kommission, die inS Hemer Streik- gebiet abgereist ist, um durch eine„gründliche Untersuchung" die Ursachen des Streiks fesiznstellen, wird' ihrer Aufgabe Nicht gerecht werden, Ivevii sie nicht auch Bergleute svcrhört; in den BureanS der Werksverivallungen wird sie nur„gefärbte" Berichte erhalten, aus deircii sich ein objektives Urteil natürlich nicht gewinnen läßt. Obwohl im Monat Juni ans Zeche„Friedrich der Große" ein Teil der Arbeiter etwa 8 Tage streikte, hat das Werk in diesem Monat doch ca. 37000 M. Nctto-Ucberschuff gemacht; die Aftionäre haben also wenig oder keinen Schaden erlitten, desto mehr aber viele Arbeiter, über denen jetzt, soweit sie nicht die Justiz gepackt hat, die Drohimg der LuStveisung schwebt. Zur Vaterschaft der Znchthausvorlage wird jetzt zur Ab- wechslung auch ein Unverantwortlicher verurteilt. Die„Germania" schreibt nämlich:„Das ist eine herbe, aber gerechte Kritik. Wie dem Schreiber dieses in Privatdocenten-Kreisen erzählt wurde, sollte Herr von Wcncksteni sich um da» Zustandekommen des verunglückten Gesetze utwurs» persönliche Ver- dien st e erworben haben. Wir würden daim allerdings begreifen, daß das Werk so ausgefallen ist."—, UmfattS-Stimmuiig gegenüber der Znchthausvorlage zeigt sich jetzt selbst in freiiinnigen Blättern. Die linlsliberale„Weserztg." die bisher gegen die ZuchthauSvorlage war, meint, daß es vielleicht eine Ucbereilung gewesen sei, daß der Reichstag die Ueber« Weisung der Bor läge an eine Kommission ab« gelehnt habe.— Tchnle und Militarismus. Weil für drei zum Militär ein- bernfenc Lehrer Stellvertreter nicht beschafft werden tonnten, meldet eine Notiz über Liebertwolkwitz kurz aber vielsagend, so muß der Unterricht in hiesiger Volksschule, der am Montag wieder seinen Anfang genommen hat. wcsemlich beschränkt werden und zwar so, daß für einzeliie Klanen der Unterricht an einem Tage der Woche für die Dauer des Monats Aug, ist ausfällt. Bester können, so bemerkt die.Leipziger VolkSzeituug". die segensvollen Wirkungen des Militarismus den Schulliuderu jedenfalls nicht den,o»stnert werden.— Ausland. Krankreich. Ein Zwischenfall. Millevoye benachrichtigte den Minister des Auswärtig», Dclcaffe, er wolle ihn darüber iitterpellier, n. welche Genugthuung er von der englischen Regierung wegen Cr- mordmig eines sraiizösischc» Matrosen durch einen Offizier der englischen Marine zu fordern gedenke.(Es handelt sich um einen aus Folkcstone gemeldeten Vorgang. Das englische Kanonenboot „Leda" gab ans ein französisches Fstcherboot, da» in englischen Gc- ivästern fischte, einen Schuß ab, ivodurch ein Matrose deS Fiichei- bootes getötet wurde.):— Rußland. Russische Rnzapfuugeu. Die„Nowoje Wrcmja" widmet ihren letzten Leitartikel der Erhebung des Grafen Münster in den Fürsten- itaud, die ihr von der französische» Telegraphenagcntur„Havas" mitgeteilt worden ist, während ihr. ivas sie ausdrücklich betont und auch zum Teil zum Gegenstände ihrer Ansfiihrnnaen macht, keine diesbezügliche Meldung des offiziösen Wolsffchen Bnreans vorliegt. Das Organ der russischen Diplomatie bringt die Auszeichnung de« deutsche» Botschafters kurz nach der Friedenskonferenz mit dieser, den Ausführungen der„Nordd. Allgem. Zeitung" und den diesbezüglichen Aenßcrungeu des Kaisers in Verbindung und erklärt sie als eine indireltc Spitze gegen den Zaren. Sie sei wegen der angeblichen Verdicnstc Münsters ans der Haagcr Konferenz erfolgt, deren Er- �olgc, nach den AnSftihrimgeir der„Nordd. Allg. Ztg.". allein darin liegen, den Belveis erbracht zn haben, daß die zarischen Ideen zur Ansführung zu bringen ein Ding der Unmöglichkeit sei.— Afrika. Zur Transvaal- Krisis. Wie die letzten ans Johannesburg cingelaufeneii Nachrichten zeigen, lehnt die Bnrenregieruug keines- wcgs den Ehamberlamlchen Vorschlag auf Einsetzung einer Uitter- nichungSkommission bedingungslos ab. Sie hält nur vorläufig mit der Antwort zurück, um gleichzeitig mit dieser einen neuen Wahl- rechtSentivurf vorzulegen, der de» Uitlanders sofort eine politische Vertretung einräumt. Inzwischen fährt England fort, für den Kriegsfall seine Maßnahmen zu treffen. So meldet das„Reulersche Bureau" aus Bombay: ES werben Vorbereitungen getrosten, 11000 odci; 12000 Soldaten von Indien nach Süd- afrika zu schicken. Zahlreiche Trausportschiffe sind in den indischen Gewäsiern bereit. Im Kriegsfälle würde die Einschiffung der Truppen gleichzeitig in Bombay. Karratschi und Ealcutta erfolgen. Asien. Ehiuesisch- japanisches BünduiS. Wie den„Times" aus Tokio vom 11. d. M. gemeldet wird, sind die Gerüchte von einem Büiidni« zwischen China und Japan völlig grundlos. Die gesamte japanische Presse spottet über den Gedanken.— Italienische Ansprüche. Der italienische Gesandte unter- breitere der chinesischen Negierung den förnrlichen Antrag, einem iialicnischen Syndikat die Konzession fiir eine Eisenbahn von der ftiisle der Provinz Tschckiang nach dem Innern des Landes und für eine andere Eisenbahn in der Umgebung von Peking zu gewähren, Man glaubt hier, daß die Antwort der chinesischen Negierung un- günstig lauten werde.— Aus England. London, 10. August 1899. (Die Thronrede und die Transvaalsrage.— Vom indischen Staatshaus- halt.— Wahltaltik der Socialdeurokratischen Föderation.) � Die Thronrede, mit der das Parlament gestern vertagt wurde, zerstört de» letzten Zweifel darüber, daß die leitenden Persönlichkeiten im Kabinett Salisbury mit Bezug aus die Politik gegenüber der Transvaal-Rcpublik durchaus zusammenhalten. So gereizt heraus- fordernd die gestrige Antwort Chamberlains auf die zur Geduld und Nachsicht mahnenden Rede des Jrländers O'Connor war, so kann sie doch in Prätoria kaum minder drohend klingen als der Satz in der Thron- rede„die Lage meiner im Gebiet der Südafrikanischen Republik wohnenden Unterthanen ist unvereinbar mit den Bersprechungen gleicher Behandlung, auf Gnmd deren ich jener Republik die Un'ab- hängigkeit ini Innern gewährte, und die dadurch bewirkte Unruhe ist eine beständige Quelle der Gefahr für den Frieden und das Gc- dcibcn meiner Besitzungen in Süd-Afrika." Allerdings ist hier der Ans- druck„Oberhoheit" vermieden, den Cbambcrlain in seiner Ikede gebrauchte, aber dieSSortc sind so gewählt, daß sie die Sache noch schärfer bezeichnen. Denn Transvaal ist die Unabhängigkeit ini Jimern nicht Vertrags- mäßig zngefichert. sondern unter bcstinnuten Bedingungen bewilligt, beziehungsweise eingeräumt l„Ar»ntoä") tvorden. Wohl konnte daher Cdamberlain mit dieser Erklärung als Deckung seine Rede mit Wiederholung der jüngst von Lord Salisbury im Haus der Lords abgegebenen Erklärung schließen, die Regierung habe ihre Hand an den Pst, ig gelegt und werde sie nicht zurückziehen, bis sie ihr Ziel erreicht habe. Es geht absolut nicht mehr an, den Handel mit dem Transvaal als eine Sache Chamberlains oder gar des Cccil Nhodcs zu betrachten. Wir haben es mit einem Konflikt zu thini, in dem, wie der„Standard" sich heute ausdrückt, das britische Niinisterium geschlossen s„solicl") für die Politik eintritt, der Chamberlain in England und Sir Alfred Miliicr in Südafrika Ausdruck geben, � Und auch darüber darf nian sich keinem Zweifel hingeben, daß die Regierung in ihren Forderungen zu Gunsten der in' Transvaal niedergelassenen Engländer die überwiegende Mehrheit der Nation hinter sich hat. Das entscheidet natürlich nichts über die objektive Berechtigung dieser Forderungen, aber zur Beurteilung der Situation ist es doch notwendig, sich vor Augen zu halten, daß die Masse der Engländer bis weit in die Reihen der Opposition hinein überzeugt ist, daß ihren Landsleutcn im Transvaal nicht die Rechte eingeräumt werden, auf die sie Anspruch haben, sie von den Boeren in demütigender Weise nach deni Rezept Steuerzahlen und Kuschen als minderwertig behandelt iverden. Daß diese Empfindung weniger stark wäre, wenn es sich lediglich um Arbeiter handelte, und sich in weniger lärmender Weise äußern tvürdc, wenn die Transvaal-Republik nicht klein, sondern groß wäre, ist ohne Weiteres zuzugeben. Aber für die augenblickliche politische Situation ist es ohne Belang. Für diese ist entscheidend, daß nach der Meinung der maßgebenden Persönlichkeiten Englands Ansehen in Süd-Afrika auf dem Spiel steht und kein Abweichen von der als Mininium ge- stellten Forderung verträgt. Ob es zum Krieg kommen wird, ist dabei immer noch fraglich Aber der Krieg ist stark in die Reihe der Möglichkeiten gerückt. Es wird immer mehr mit ihm als einer Wahrscheinlichkeit gerechnet, immer deutlicher den Boeren gezeigt, daß England gegebenenfalls nicht vor ihm zurückschrecken wird.' Die Frage ist also, ob die be- treffenden Erklärungen, die fortgesetzten Berschiffungen von Offizieren und Soldaten auf die Regierung und den Bvlksrat von Prätoria nickt im entgegengesetzten Sinne wirken, in dem sie angeblich erfolgt find. Bon einer die Empfindlichkeit und Selbstachtung schonenden Pression kann bei der gestrigen Rede Chamberlains nicht die Rede fem. Allerdings wäre die Ablehnung der von diesem vorgeschlagenen Konferenz zur Untersuchung der faktischer», Tragweite der vorn Volksrat genehmigten Wahlreform eine ungeschickte, weil nutzlose und provozierende Maßregel. Aber noch liegen bestimmte Nachrichten darüber nicht vor. Inzwischen beschäftigen sich die Blätter mit der Frage, was wohl geschehen wird, wenn sich die Meldung von der Ablehnung des Chamberlainschen Vorschlags bewahrheitet. Hier dürften die »Daily News", die in der ganzen Frage eine Art Mittelstellung einnehmen, das Richtige treffen. DaS altliberale Blatt, das offenbar Beziehungen zu Sir Mfred Milner hat, meint, daß die nächste Maßregel des letzteren, bezw. Englands die sein wird, seinerseits auf eigene Faust eine Kommission zur Untersuchung der Frage einzusetzen, ob die beschlossene Wahlreform den„Aus- ländern" eine genügende Vertretung ermöglicht. Als mutmaßliche Mitglieder nennt es Mr. Coningham Greene, den Vertreter Englands in Transvaal, Mr. Rose James, einen als ziemlich unparteiisch bc- kannten Juristen, und Mr. Hofmeyr, den bekannten Führer des Afrikander Bundes. Die Auswahl ist sehr geschickt, das Urteil eines ans diesen drei Männern bestehendes Komitee würde in der That großes Gewicht haben— vorausgesetzt, daß sie selbst zu einer Einigung kommen. Die„Daily News" haben sich in der letzten Zeit wiederholt mit Erfolg als Friedensstifter ans gc- iverblichem Gebiet versucht, warten wir ab. ob sie ans dem Felde nationaler Diplomatie gleiche Lorbeeren ernten werden. Sie treffen insofern die Durchschnittsmeinung des Landes, als sie für entschiedene Anfrechterhaltnng der Forderungen Sir Alfred Milncrs und gegen jede extreme Maßregel gegenüber den Buren eintreten.— Die letzte Sitzung des Parlaments vor der mehr formalen Schlußsitzung brachte die Diskussion des Staatshaushalts für I n d i e n. Die Zahlen desselben lauten günstig genug und zeigen jedenfalls, daß der so oft prophezeite finanzielle Zusammen- brach der englischen Verwaltung Indiens noch einige Zeit aus sich Irinnen läßt. Fast alle Einnahmeposten weisen ein Wachs- tum ans, insbesondere die der produktiven Staatsunternchninngen (Eisenbahnen, Bewässerungsanlagen). Nur die Einnahmen ans dem Opiummonopol sind im beständigen Fallen, von 5,7 Millionen Zehnrupien in 1894/95 sind sie ans 8.3 Millionen Zehnrupicn in 1893/99 gefallen leine Zchnrupie ist nach heutigem Kurswert gleich 13 M. und einige Pfennige). Unter den Ausgaben weist, neben den Kosten des Handelsamts, der Dienst der Staatsschuld den größten lllückgnng auf— eine Wirkung der gestiegenen Währung ,' welch letzterer überhaupt der Löwenanteil an den Ueberschüssen für das soeben abgelaufene und das kommende Geschäftsjahr zuzuschreiben ist. Diese Ucbcrschüsse betragen 4,7 und 4,4 Millionen Zehnrnpien und gaben dem Staatssekretär für Indien, Lord George Hamilton, die Möglichkeit, einen wahren Hymnus auf die Zustände in Britisch Indien anzustimmen. Alles wäre zum besten in dieser Riesen- domäne_ Englands bestellt, wenn— Malthus nicht wäre. Die reißend schnelle Vermehrung der ärmsten und am schlechtesten ge- nährten Bcvölkcrnngsschicht ist daS große Problem Indiens. Da das Gehair des Staatssekretärs für Indien vom indischen Steuerzahler bezahlt wird, ist die Debatte des indischen Staats- baushalts im englischen Parlament eincrcin theoretische. Einige radikale Abgeordnete, die sich speciell für Reformen in Indien interessieren, beantragten daher, dies Gehalt auf den englischen Staatshaushalt zu übenragen, sowie die Prüfung einem Ausschüsse des Hauses der Ge- meinen' zu überweisen, um so eine wirkliche parlamentarische Kontrolle der Verwaltung Indiens herbeizuführen. Sie stießen aber auf den heftigsten Widerstand nicht nur des jetzigen Staatssekretärs, sondern auch'seines liberalen Vorgängers. Sir.Henry Fotvler. Nach des letzteren Behauptung besorgt der indische Staatsrat die Kontrolle der Verwaltung in unübertrefflicher Weise. Indien sei nicht nach cnropäischcn Grundsätzen zu beurteilen, die Ilcber- iragimg des Gehalts des Staatssekretärs ans den Hanshalt des britischen Reiches würde die Vcrwaktm'.g Indiens zu einer Partei- frage in England machen, und dagegen werde er, der Redner, sich mit der äußersten Energie auflehnen. Daranshin ward der«rivähnte Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt. Abgesehen von den paar' indischen Notabeln im indischen Staatsrat hat die eingeborene Bevölkerung Indiens kein Wort in dessen Regierung dreinzureden. In dieser Hinsicht ist dieselbe durchaus asiatisch.— Am 6. und 7. August tagte in Salford, der Nachbarstadt von Manchester, die Jahreskoiifereuz der Socialdemokratischen Fördcration. Aus den sehr dürftigen Berichten der Londoner Presse ist bis jetzt nur zu entnehmen,' daß die Konferenz mit 51 gegen 31 Stimmen einem Antrag zustimmte, der als leitenden Grundsatz der Wahltaktik die Vernichtung der liberalen Partei proklamierte, und demgemäß die socialdemokratischen Stimmen überall da, wo weder Socialisten noch Vertreter des mit der Föderation operierenden äußersten Flügels der Radikalen in Frage kommen, fiir Konservative abzugeben empfahl. Eine später angenommene Re- solution snspendien die Befolgung des vorbezeichneten Beschlusses bis nach der Einholung einer Statistik über die voraussichtliche Wählerschaft der Partei und überläßt in der Zwischenzeil die Be- stimnmng der Wahltaktik in jedem konkreten Fall ihrem Vollziehungs- ausschuß.—_ Vavkei-Aathvithken. Zum Parteitage wünscht die„Leipziger Volkszeitnng" eine Ilnistcllung der Tagesordnung. Sie schreibt: In der provisorischen Tagesordnung finden wir als Punkt 6: „Erörterung über Punkt 3 des Programms", die Frage des Mili- tarismus, und als Punkt 7:„Die Angriffe auf die Grundanschauungen der Panei und die taktische Stellungnahme der Partei". Es leuchtet ein, daß jedenfalls der Punkt 7 als erster vor Punkt 6 verhandelt werden muß, da er das Allgemeine, das Grund- sätzliche, wie das Taktische behandelt, und der„Punkt 3 des Programms" als eine Einzclfrage sich logisck der allgemeinen Erörterung angliedert und ihr folgen muß. Dadurch werden zeit- raubende, ermüdende Wiederholungen vermieden, und durch die scharfe Hervorhebung der für die Partei maßgebenden Grund» anschauungen und der taktischen Stellungnahme der Specialfall fach- gemäß und unter dem richtigen Gesichtswinkel diskutiert werden können. So wäre es deshalb unseres Erachtens das richtige, wenn der Parteitag die Punkte 0 und 7 umstellte und dafür Sorge trüge, daß sie in erster Reihe auf der Tagesordnung, also nach dem Geschäfts- berichte figurierten. Der Bericht, über die parlamentarische Thätigkcit lPunkt 4) erscheint seit Jahren schon gedruckt vor dem Parteitage, und er kann ohne Besorgnis hinter 6 und 7 zurückgestellt werden, so gut wie Punkt 5:„Die Zuchtbausvorlagc vor dem Reichstage." Der Stutt- gartcr Parteitag hat sich eingehend mit diesem Gegenstände bc- ichäftigt, das Jahr 1899 hat den rapferen, großen Kampf der Arbeiter- klaffe gegen die Znchthansvorlage, die tiefgehende Kritik der Vorlage im Parlament, in der Presse, in der Agitation gebracht. Dieser Gegenstand ist jedem vertraut, und neues, wichtiges dazu wird kaum noch zu sagen sein. Polizeiliches, Gerichklichrs usw. — Der Torgnner Prozeß wegen angeblicher Richter- und Gcndarmenbeleidigung gegen unseren Parteigenossen Paul Jahn scheint sich zu einer wahren Seeschlange auswachsen zu wollen. Seit nahezu anderthalb Jahren schwebt bereits die Anklage, die im ersten Tennin zur Freisprechung ivcgen Gendarmen- und Vcr- urteilung wegen Richterbeleidignug zu 2 Monaten Gefängnis führte. Berufungsinstanz dasselbe Strafmaß wegen beider„Ber- geben". In der Revisionsinstanz: Aufhebung des UNeils; infolge- dessen neuer Termin und Verurteilung nur wegen Richter- beleidigung zu 1 Monat Gefängnis. Nunmehr haben der Angeklagte sowohl wegen der Vernrteiluiig. als der Torganer Staatsanwalt Dr. Ernst wegen erfolgter Freisprechung Revision angemeldet. > GemvvKftsMftlulzes. Berlin und Uingegend. Die Vereiubarnngeu im Zimmercrgcwcrbe zwischen linier- rnehrnern und Arbeitern sind i» der Sitzung der gemeinschaftlichen Kommission am Freitag thatsächlich zu stände gekommen. Die nun- mehrigen Abmachungen sind endgültig. Sic stehen auf der Grund- läge der neunstündigen Arbeitszeit und im Lohne ebenfalls gleich denen der Maurer. Alle Streitigkeiten sind zuerst vor die ans 9 Arbeitern und 9 Unternehmern bestehende Konnnission zu bringen. Als Berufungsinstanz gilt das Einigungsaint des GewcrbcgerichtS. Bansperren dürfen nur verhängt werden, wenn die endgültigen Eilt- scheidungen der geordneten Instanzen nickt befolgt werden. Alljähr- lich im Herbst setzt die genannte Kommission die Lohn- und Arbeits- bedingungen für die nächste Banperiode fest, lieber Baubuden und Aborte sind aussührlichc Bestimmungen vereinbart. Deutsches Reich. Bcrgarbciterbcwcgnng. Auf Grund der Beschlüsse einer öffentlichen Bergarbeiter- Versammlung in Potschappcl bei Dresden iPlanenscker Grund) sollen den Kohlcnwerken des Plauenschen Grundes/darunter ein staatliches, folgende Forderungen unterbreitet werden: 1. Für Häuer und diesen gleichstehende Arbeiter pro achtstündige Schichtzeit 4.40 M. bis 4,60 M. 2. Für Lehrhäuer und diesen gleichstehende Arbeiter 4,10 M. bis 4.30 M. 3. Für Förderlente und diesen gleichstehende Arbeiter 3,50 M. bis 3,80 M.(Ausläufer sind als Grubenarbeiter zu betrachten und soll für diese achtstündige Schichtzcit gelten.) 4. Für Tagc-Arbeirer ein 20prozeutiger Lohnzuschlag. Weiter stellt die heutige Versammlung noch folgende Forde- rungc» auf: 1. Einführung von Mannschafts-(Brause) Bädern. 2. Beseitigung aller lieber- und Sonntagsarbeit, außer bei not- wendigen Arbeiten, wo es sich um die Sicherheit des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter handelt, oder um die Gefährdung des Grubenbaues. 3. Achttägige Lohnzahlung. Wenn es bei den vierwöchentlichen Abschnitte» bleiben soll, so soll mindestens alle acht Tage, und zwar Freitags, ein entsprechender Abschlagslohn gezahlt werden." Vom Lederarbeiter-Streik tn Wilster. Bereits elf Wochen dauert der Kampf, der infolge des Vorgehens de« Unternehmenunis mit größter Erbitterung geführt wird. Der Herr Bürgermeister in Wilsicr ist aus der bisher von ihm bewiesenen Reserve hervorgetreten. Ein starkes Gendarnieriekommando ist ausgeboten. Auch die Geschäftsleute werden in Mitleidenschast gezogen, was ja erklärlich ist, wenn in dieser kleinen Stadt ca. 600 Männer die Arbeit ruhen lassen müssen. Zum erstenmale erschienen die Fabri- kanten mit einer Erklärung in der Oeffentlichkeit, die von Unwahr- heiten strotzt. Sie veröffeittlichen gleichzeitig eine Lohnliste, um zu beweisen, das ein Abzug von 15—35 Proz. leicht zu ermöglichen sei, erwähnen aber wohlweislich nicht, daß hier die niedrigsten Accord- sätze im Vergleich zu andern Städten bezahlt werden. Wie unschuldig die Herren Fabrikanten sind und wie„ftivol" die Arbeiter ihre Lebensstellung anfgaven. ersieht man deutlich daraus, daß Gebr. Böhme einen Arbeiter kündigte, der 20 Jahre im Geschäft lhätig war. Einem verunglückten Arbeiter wurde die Kündigung an das Krankenlager gebracht. Jetzt beweisen die fabrikanten ihre Großmut dadurch, daß sie eine Fabrikordnung in rast treten lassen wollen, an welcher König Stumm selbst feine Freude hätte. Wer 14 Tage krank ist, wird entlassen usw. Doch die Arbeiter stehen einmütig da, sie wissen, was! ein unehrenhafter Friede.— zu einem ehrenhasten sind sie gern bereit— zur Folge hat. Zerstörung der Organisation. Unterdrückung der Arbeiterklasse. Arbeiter, Genossen nntentützt uns in dem Kampfe. Der Sieg muß jmser werden. Verband der Lederarbeiter Deutschlands. Mntevnehmev-VevbÄnde. Ei» Nähmaschinenring, dessen Zweck die Verteuerung der Nähmaschinen ist, bildet sich. In Dresden Ivaren 26 von den 23 deutschen Nähmaschinensabriken ans einer Versammlung vertreten, über deren Abmachungen berichtet wird: Der Verkauf von' Maschinenteilen, dem hauptsächlich die Schuld an den niedrigen Preisen zugeschrieben wird, soll künftig nur den Mitgliedern unter einander gestattet sein, ausgenommen einzelne Oberteile als Ersatz oder Oberteile für Kraftbetrie'b. Die Lieferung an Beaintenvereine, Warenhäuser und Versandgeschäfte, die zu Schleuder« preisen verkaufen oder öffentlich anbieten, soll den Mitgliedern unter- sagt sein. Mitglieder, die selbst Versandgeschäfte betreiben, sollen gehalten sein, nicht unter einem vom Vorstände festzusetzenden Preise(genannt wurde der Betrag von 60 Mark) öffentlich anzukündigen oder zu verkaufen. In Aussicht genommen wird die Einführung von Mindestpreisen für Deutschland und Luxemburg, und zwar vorläufig für hocharnnge Tretmaschinen, System Singer, mit glattem Kasten 44 Mark und dementsprechend ab- gestüft für die anderen Maschinenarten. Ferner wurde ehrcnwöniich verabredet, in Anbetracht der gestiegenen Preise für Rohmaterialien schon jetzt eine Erhöhung der Preise für Ma- schinen eintreten zu lassen, mindestens insoweit, als der gegenwärtige Verkaufspreis hinter dem in Aussicht genommenen Mindestpreis zurücksteht. Die Erhöhung soll ungefähr für Tretmaschinen 2 M., für Handmaschinen 1 M. betragen.(Für einen Teil der Auflage wiederholt.)_ Socittles. Die Arbeiter-Wohnungsverhiiltnifse nach den Berichten der Gcwcrbe-Anfsichtsbeamten für das Jahr 18S8. Die Hausbesitzer-Vereine haben soeben, wie in den letzten Jahren regelmäßig, ihre Resolution gegen die Baugenossenschaften beschlossen und haben dabei in der 4. und letzten Resolution beschlossen, daß, ab- gesehen von einzelnen Fällen, eine Wohnungsnot in den Städten nicht besteht. Schon der Verband der oft- und wcstprcußischen Hausbesitzer- Vereine hat. im Juni in Grandenz eine ähnliche Behauptung aufgestellt und namentlich sich dahin geäußert, daß m dem Vereinsbezirke, d. h. in Ost- und Westprcutzcn in den Städten derartige Zustände nicht vor- Händen seien, daß eine Wohnungsaufsicht von Staats oder Gemeinde wegen eingeführt werden müßte. In diesem Augenblicke kommen die Berichte der preußischen Gewerberäte für das Jahr 1898 heraus und liefern den Beweis, daß das, was die Hausbesitzer- Vereine auf ihrem Kongresse be- schlössen haben, den Thatsachen nicht entspricht. Gerade aus Ost- und Wcstprcutzen wird von den Fabrik-Aufsichtsbeamten gemeldet, daß die WoKnnngSverhältnisse für die Arbeiter jmgünstig sind. Aus Ostpreußen heißt eS z. B.:„In den Wohnungsverhältnissen der Ar- bester finden sich vielfach noch immer sehr unbefriedigende Zustände, die meistens in dem Mangel an genügenden Wohnungen, und in Königsberg und den' übrigen Großstädten der Provinz außerdem noch in den hohen Mietspreisen ihre Ursache haben. Die Steigerung der Wohnnngsmieten in der Stadt Königsberg hat fraglos' zu einer Verschlechterung der Lebenshaltung der Arbeiter in den letzten Jahren geführt." U»v aus dem Regierungsbezirk Danzig heißt es bc- züglich der Stadt Danzig s ejl b st, daß die Mietspreise den Etat der Arbeiterfamilie sehr belasten, obgleich für hohe Preise nur ganz unzulängliche Wohnungen zu erhalten sind. Weiter heißt es:„Das hier iichweiten Kreisen hervoj-tretende Bestreben, bei der Beseitigung dieser Mißstände mitzuwirken, bleibt gegenüber den Grundstücks- preisen, welche bei den leisesten Anzeichen des gewerblichen Auf- schwunges in die Höhe getrieben werden, erfolglos. Die Gemeinde wäre iii der Lage, durch Hergabe billiger Gnindstücke ausgleichend einzugreifen; die in der Gemeindevertretung vorhandenen Haus- und Grundbesitzer bereiten jedoch einem derartigen Borgehen rnchcrordentlichc Schwierigkeiten. Auf die Dauer wird deshalb die polizeiliche Wohnungs- inspektion nicht mehr entbehrt werden können." Daß solche Verhältnisse von den Arbeitern als Wohnungsnot empfunden werden, wenn daneben auch vielleicht größere Wohnungen in den Häusern leer stehen, ist selbstverständlich. Aus Görlitz wird direkt berichtet, daß eine Wohnungsnot m,tehe für alle diejenigen, deren Einkommen 100 M. monatlich nicht erreicht. Ans Erfurt heißt es ebenfalls:„Angesichts der ungiinstigen Arbesterwohiunigs-Verhälinisse in den größeren ORen des Bezirkes, die zu nnvcrhälmismäßig großen Ausgaben selbst für ganz geringe Wohnungen nötigen, ist es erfreulich, einen weiteren Erfolg der Be- strebungen zur Beschaffung guter und billiger Wohnungen feststellen zu können." Daß die Wohnungspreise eine Erhöhung des Lohnes ausgleichen, ist schon in Bezug auf Ostpreußen berichtet worden. Dasselbe gilt für den Regierungsbezirk Magdeburg, aus dem berichtet wird:„In gewissem Grade wurden die höheren Löbne durch größere Aufwendungen ftir Lebensmittel und Wohnungen ausgeglichen. Die Behauptung ist wohl nicht un- richtig, daß die Erhöhung der Beamtrngehälter in den letzten Jahren zu einer allgemeinen Steigerung der Wohnungspreise geführt habe. von ivelcher die Slrbeiter ebenfalls betroffen worden sind, ohne daß ihnen, wie den Beamten überall, eine Erhöhung ihres Einkommens zu teil geworden wäre._ Nach den soeben erschienenen Jahresberichten der preußischen Negicrungs- und Gewcrberäte für 1893 hat die Gesamtzahl der im Berichtsjahre vorgenommenen Revisionen 74 765 betragend darunter waren 1169 in der Nacht und 2203 an Sonn- und Fest- tagen erfolgt. Die Zahl der»inmal revidierten Anlagen bezifferte sich auf 35 096, die der zlveimal revidierten auf 7299, und die der drei- oder mehrmal revidierten auf 4066. In den revidierten Anlagen waren 2 135 940 Arbeiter beschäftigt, davon männlich jugendliche 90 9l8 und erwachsene 1 726 240, weiblich jugendliche 33 214 und erwachsene 285 568. Die Zahl der Fabriken, welche im Jahre 1898 in Preußen Arbeiterinnen über 16 Jahre beschäftigt hauen, betrug 18 898(-(- 277 gegen 1897) und die der Fabriken mit jugendlichen Arbeitern 23 949(-»- 813). Die Zahl der in den Fabriken beschäftigten Arbeiterinnen hat sich wieder, und zwar von 337 504 im Jahre 1397 auf 853 629 im Jahre 1898, also um 16 125 vermehrt. Von de» Arbeiterinnen im Jahre 1893 waren 139 777(4- 4497) 16 bis 21 Jahre alt. 218 852 (-+- 11 628) über 21 Jahre. Auch die in den Fabriken beschäftigt ge- wesenen jugendlichen Arbeiter hatten eine Zunahme aufzuweisen, sie beziffenen sich 1897 auf 132 352 und 1898 auf 142 121, ihre Zu- nähme betrug 9769. Von den 1898 beschäftigt gewesenen jugend- lichen Arbeitern waren 98 935(+ 7142) männlich und 43 186 (+ 2627) weiblich. Die Zahl der in Fabriken beschäftigt gewesenen Kinder unter 14 Jahren hat unwesentlich zugenommen, sie ist über- Haupt nicht mehr bedejstend und belief sich äiif 1421(+ 62), wovon 952 männlich und 469 weiblich waren. Die Zahl der ans den Bergwerken, Salinen und Aufberestiingsanstalten beschäftigten Ar- beiterinnen über 16 Jahre betrug 8189 jmd ivar im Verhältnis gegen 1897 von 1,91 Proz. ans 1,85 Proz. zurückgegangen, die der jugendlichen Arbeiter und Kinder machte 13 289 aus und war von 2,94 Proz. auf 3,01 Proz. vorwärts gegangen. Von den männlichen jugendlichen Arbeitern wurden 11 794 über Tage und 903 unter Tage beschäftigt. In daS Schlafstellenwesen in der Stadt Zürich gewähren Erhebungen der Züricher Sanitätspolizei interessante Einblicke. Im Jahre 1897 wurden 315 Häuser inspiziert, dieselben beherbergten 3555 Schläfer, von denen etwa 1200, also nur wenig mehr als der dritte Teil, ein eigenes Bett hatten, die anderen schlafen zu zweit. Die Züricher Gesundheitspolizei verlangt für jeden Schläfer lO Kubik- meter Luftraum und für die zweischläfiaen Betten eine Matratzen- breite von 105 Centüneter, was fretstch nur als das äußerste Minimum betrachtet werden kann. Trotz dieser sehr be- scheidenen Anforderungen mußte die Polizei in 900 Fällen einschreiten. weil die Schlafstätten auch diesen Ansprüchen nicht genügten. Wir fürchten, dah Erhebungen in Berlin oder gar iu Lstelbic»� zu noch erschrecklicheren Ergebnissen sühren dürsten, Die preußischen Agrarier fordern, um den Zustrom ländlicher Arbeiter in die Städte zu hemmen, ein Wohnungsgesetz. Vorerhebungen für eine den Wünschen der Agrarier entsprechende Vorlage sollen gemacht werden. Es ivird sich empfehlen, auch Materialien über die Wohnungsvcrhältnisse der Landarbeiter zu sammeln. Nach dem, was man hierüber schon weiß, werden dann den Junkern die Augen übergehen.—_ J« Relmes. Ministerium" Dann las wenn Sie Sie dies, Entzifferung halbamtlich, mitgeteilt. Am Sonnabend begannen wieder die öffentlichen Verhandlungen bor dem Kriegsgericht mit dem Zeugeuberhör. Um 6V2 Uhr erklärte Jouaust die heutige ordentliche Sitzung für eröffnet.� Gleich darauf wurde— wir benutzen in dem folgenden Bericht die Telegramme des Wolffff'cheu Bureaus und verschiedener Berliner Blätter— Drehfus vorgeführt. Der Saal bietet denselben Anblick wie am Montag. Nach einander waren die Generale Billot, Mercier, St. Gernrain, Chamoin und ferner Casimir Perier einge- troffen. General Mercier wurde unterwegs durch Zurufe.Es lebe die Armee! Es lebe Mercier!" begrüßt Oberst Picquart wurde durch Hochrufe begrüßt. Vor der Eröffnung der Verhandlung sagte der Vorsitzende zu Drehfus, daß am 19. Januar 1896 der Kommandant der Insel Rs in seiner Tasche eine Abschrift des Vordercaus gc- funden habe. Präsident: Kennen Sic die Kopie?— Trcyfns: Ja, Herr Oberst.— Präsident: Von wem ist sie geschrieben?— Tretisus: Von mir.— Präsident: Wozu?— Dreyfus: Sie sollte mir wahrend meines Prozesses dienen.— Präsident: Warum haben Sie ne aufbewahrt?— DrcyfnS; lim mich zu erinnern, welches der Inhalt des Bordereaus gewesen sei.— Der Präsident erkennt an, daß Dreyfus dazu ein Recht hatte. Der Gcrichtsschrciber verliest den Bericht über die Auffindung der K.opw. Der Rapport ist zugleich ein Rapport über die Vor- kehrungen zur Ucbcrwachung Drcyfuö' während der Reise. Ts r.'"' unter anderem, Dreyfus sei während seines Transports ruhig, fast indifferent gewesen, nur einmal habe er zehn Minuten laug schluchzend dagesessen. fu i5" vC"}, tvird festgestellt, daß niemand mit Drehfus sprechen durfte. � Ter Botschaftssekretär. f x Icuge wird der Sekretär der französischen Bot- lcha st in B e r l i n, Dalarcche-Vernet, vernommen. Er erklärt, er habe den amtlichen Verkehr zwischen dem ftriegsmiiiifteriuni und dem Ministerium des Acnßcrn erledigt in der Zeit, als man mit der Ueber- lehung einer Depesche beschäftigt war Diese Arbeit war schwierig und die rleberietzung hypothetisch. Er habe zahlreiche Entwürfe gesehen und ichlicizlich sei ein Text festgesetzt worden. Es handelte sich um das chlorierte Telegramm von. 2. November 1894. Zuerst las das Auswärtige Amt:„DrcysuS verhaftet. Verständige» Sie das eine Lesart, die für Dreyfus schwer belastend war. mau richtig:„Ein Hauptmann Dreyfus verhaftet mit chm nichts zu thuu gehabt haben, erklären um Zeitungsbemerkungelt vorzubeugen." Die erste wurde dein Obersten Sandher: mit Fragezeichen oie zweite als endgültig lmd zuverlässig' aintiich ..... Dcr Genera Ist ab unterdrückte die endgültige Lesung und benutzte die als falsch bezeichnete. Delaroche- x>cri,ct war 1894 Entzifferungsamt oeschäftigt. Er hat seine Deutungsversuche de:. Reihe»ach Sandherr übergeben, ebenso die eudgültige Lesung mit der Erklärung, daß sie amtlich sei. Das tniigc Kreuzverhör, woran Temmige und Labori teilnehmen und das zur Gegenüberstellung Paleologues vom Auswärtigen Anite und Delnrochc-Vernets führt, betrifft die Eiitzifferuiigsmetl öde und läßt keinen Zweifel an der absichtlichen Vcachcnschaft Smidherrs, um ans der Panizzardischen Drahtung ein Beweismittel gegen Dreyins zu schmieden. Zeuge Casimir Perier. Unter großer Velvegung der Zuhörer erscheint nun Casimir Perier als Zeuge, unter dessen Präsidentschaft Dreyfus verurteilt worden ist. Mit lauter Stimme und gr ßer Sicherheit erklärt er: � Ich will sagen, was ich weiß. Ich werde ohne Zaudern und Reserve reden. Wenn man aber fortfährt, zu glauben oder zu sagen, lvas leider nicht dasselbe ist, daß ich a l l e i n d i e F a tten kenne, die geeignet sind, volles Licht zu verbreiten, s 0 ist das falsch. Ich will, daß, wenn ich diesen � leine, niemand mehr sagen kann, ich habe irgend schwiegen. Im November 1394 teilte mir General Mercier mit, daß eine fremde Persönlichkeit ihn auf das Verschivinden von Akten- stttckeu des Kncgsmiiiisteriuiiis aufmerksam gemacht habe, und daß in einer fremden Botschaft ein Schriftstück gefunden sei, das die Handschrift Dreyfus' trage. Er hat mir von der Vcr- gleichung dcr Handschriften gesprochen und gesagt, daß die Stücke. die im Äorderean erwähnt seien, ohne große Wichtigkeit scicii. Er hat mir ferner gesagt, das Schriftstück cauaillo d e D. werde den Richtern mitgeteilt werden. Ich glaube sagen zu können, daß das vor dem Prozeß geschehen ist.' Ich habe das Nicht so aufgefaßt, als ob die Richter allein das Stück sehen würden. Die Affaire Dreyfus hat dann Veranlassung gegeben zu einem Zwischenfall. Am 5. Januar 1894 übergab der Präsident des Kabinetts mir eine Depesche, welche der deutsche Botschafter von seinem Souverän erhalten hatte. Hier ist der Text dcr De- pesche. Casimir-Pcrier zieht ein Blatt hervor.(Große Bclvegniig.) „Seine Majestät der Kaiser, vertrauend in die Loyalität des Präsideuten der Republik, bitten den Präsidenten dcr Republik, zu erklären, daß die deutsche Botschaft nicht an der Affaire Dreyfus beteiligt ist, und hoffen, daß der Präsident eine solckie Einmischung nicht zulassen werde. Die Angriffe dcr Presse würden dahin führen, die Situation dcr deutschen Botschaft zu kompromittieren." Dupuy teilte mir mit. daß Graf Münster mich dieserhalb zu sprechen wünsche; ich empfing ihn und sagte ihm: Ich bin zwar un- verantwortliches Staatsoberhaupt und konnte Sie an meinen Minister des Aeußern verweisen, aber da dies keine amtliche, keine Rcgierungs angelegenheit ist, sondern eine persönliche Unterhaltung des den tschenü aisers mit dem Präsidenten der französischen dt e publik, da seine Majestät nieine Loyalität anruft, so erkläre ich Ihnen, daß das Begleitschreiben in der That auf der deutschen Botschaft gefunden wurde! Graf M ü n st e r schien sehr überrascht und sagte, so bedeutende, so wichtige Papiere lasse man auf der Borschaft nicht umherliegen. Ich erwiderte: Das Papier sei nicht allzu wichtig. Ich wollte damit nicht sagen, die abscheuliche Handlung der Spionage sei unwichtig, sondern nur, daß der vorliegende Fall glücklicherweise ohne genügende Bedeutung sei, um unsere Beziehungen zu stören. Graf Münster fragte:„Sie glauben also, daß die deutsche Bot- schaft in die Sache verwickelt ist?" Ich antwortete:.Nichts be- weist, daß Sie sich um die Mitteilungen bemüht haben. Sie sind für das, was man Ihnen freilvillig bringt, ebensowenig verantwortlich wie wir für das, was wir unter ähnlichen Bedingungen bekomnien. Graf Münster verlaugte, daß wir dies in einer bestimmten Er- klärung aussprächen. Ich sagte, eine Erklärung der Regierung ist nicht meine Sache, sondern die der Regierung, ich werde den Ministerpräsidenten damit befassen, und wenn Herr Dupny eine Note veröffentlichen wolle, so werde sie jedenfalls alle Botschaften betreffen. Denn sonst, wenn wir blos von der deutschen sprechen, würden dann der Reihe nach alle anderen dasselbe ver- laugen, und das böte Unzuträglichkeiten. Graf Münster erklärte, er werde nach Berlin berichten, und verlangte eine neue Unterredung für den zweitfolgeiiden Tag. Er kam deiin auch und erklärte, für Deutschland sei der Zwischenfall erledigt. Saal etwas ver- ver- D'.e weitere Aussage PörierS beiiifft den Bericht' L eb rn n- R en a u lt s über die angeblichen Geständnisse Trcyfus', wovon der Zeuge kein Wort zu wissen erklärt, und ein angebliches Versprechen, das er Maitre Dcmange gegeben habe, die Veröffentlichung der Gerichtsverhandlung von 1894 zu gewähren, wenn Drehfus verspreche, die diplomatische Seite der Sache diskret und ohne Nameiiiiennnua zu behandeln. In großer Erregung er- klärt der Zeuge: Ich selbst habe Brief« gesehen, die„Dreyfus" gezeichnet waren, und in denen es hieß, ich habe mich verpflichtet, daß der Prozeß öffentlich stattfinde. Ich will nicht früher diesen Saal verlassen, ehe das aufgeklärt ist(mit der Hand auf die hölzerne Barriere schlagend), ich fordere es. Präsident: Dreyfus. haben Sie solche Briefe geschrieben? Dreyfus: Niemals. Iu keiner Weise konnte es nur in de» Sinn kommen, daß zivischcn dem Präsidenten der Republik und mir Verpflichtungen ausgetauscht seien. Man hat den Sinn meiner Worte ent st'e l l t.— Verteidiger Dcmange: Wo ist der Brief erschienen?— Casimir Perier: Im„Eclair". Ich bitte den Präsidenten, die Briefe Dreyfus suchen zu lassen. Cafimir-Perier weist sodann darauf hin, daß er vor dem KaffationShose nur auf die ihni gestellten Fragen zu antworten hatte, da dort weder Verteidigung noch Ankläger vorhanden waren.„Aber die Ausdrücke, iu welchen Sie, Herr Präsident, die Frage an mich gerichtet haben, verpflichten mich, nichts zu verbergen. Ich habe einmal im Elysee den Oberst Picquart empfangen; von seinen Miitcilinigcn ist mir nur erinnerlich, daß die Darlegungen Bertillons keinen großen Eindruck gemacht haben. Erst 14 Tage nach der Verurteilung des Dreyfus erhielt ich Kenntnis von einem Dossier; ich weiß nicht, ob ich sagen darf„Dossier".(Bewegung.) Ich habe es schnell durchblättert. Zum Schluß versicherte Perier, er habe oem Botschafter Münster ohne Umschweife auf dessen Fragen erwidert. Seine Demission sei in keiner Weise durch den Zwischenfall mit Münster herbeigeführt worden. Casimir Perier schließt:»Frankreich ist frei in seinen Be- juiliiffen und Herr seiner selbst" Zeuge Mercier. Nach Casimir Perier wurde der frühere Kriezsminister Mercier als Zeuge vernommen. Er zählt vcr!chiedene Fälle von Spionage auf. von denen er im Jahre 1894 Kenntnis hatte. und teilt mit, wie er sich über die Einzelheiten des von Schioartzkoppen organisierten Spionagedienstes beim Obersten Sandherr informierte. Der Gerichtsschreiber verliest einen Brief des Militärbevollmächtigten Schwartzkoppcn, welcher sia> auf Festungsaulagen im Departement Meuse bcziebt. Mercier erklärt sodmiu, er habe es durchgesetzt, daß von feiten des Ministeriums des Aeußern Schritte beim Grasen Münster gethnn wurden, die dahin zielten, der Spionage Schwartzkoppcus ein Ende zu machen. Der GerichtSschreibcr verliest ein Aktenstück, in ivelchem es heißt:„Schwartzkoppcn muß im zweite B u r e a u e i n e n F r e 11 n d h a b e n" und:»Diese Kanaille D. hat 12 wichtige Pläne gestohlen." Während der weiteren Veriiehmuiig Merciers verliest der Ge- richtsschreiber einen Brief des italienischen Militärbevollmächtigten Ponizzordi an Schwartzkoppen. in welchem es heißt:„D. brachte viele interessante Sachen. Wir müssen uns in die Arbeit teilen: wir haben nur 10 Tage." Sodann wird ein Bericht über da? Verhalten des D r c y f v s auf der Tcufclsinsel verlesen, in welchem darauf an- gespielt wird, daß Drehfus Casimir Perier gegenüber eine Versicherung abgcgcbc i habe. Nach diesem Bericht soll Dreyfus auf seine Familie geschimpft und gesagt haben, Casimir Perier habe das ihm gegebene Wort nicht gehalten. Casimir Perier lvon seinem Platz aus): Das ist des Schrift- stück, von dein ich sprach. Mercier: Ich bin natürlich überzeugt, daß Casimir Perier nie dergleichen gethan hat. Casimir Perier(ironisch): Ich danke für das Certifikat Mercier spricht sich nunmehr über die Mitteilungen der geheimen Aktcuslücke beim Kriegsgericht von 1894 aus. Um zu verstehen, was im Jahre 1394 vorging, muß man die politische Lage zu dieser Zeit keuiien. Perier verschanzte sich hinter seine verfassungsmäßige Unvcrautwortlickikcit. um Münster nichi zu aiu.worten und dieses Hanotaux zu überlassen. Perier bat Ihnen»icht gesagi, daß Dupuy und ich bis Mitiecuacht im Elysee geblieben waren. Wir warteten auf die Mitteilung der zwischen dcni Kaiser Wilhelm uno feinem Bot- sciiafter gewechselten Depesche» und fragken uns: Soll daraus Krieg oder Frieden hrrvorgehen? Münster wartete auf den Befehl, seine Pässe zu fordern.»Anhaltende Bewegung.) Dcr „Lokalauz." berichtet hierzu: Als Mercier sagte:„Wir saßen vier Stunden im Elysee inid warteten ängstlich das Ergebnis des DcpeschcnwechselS de: Pariser deutschen Botschaft und dcr Berliner Staatskanzlei ab", da hob Casimir Perier beide Hände empor. Die Geste bedeutete:„Der Mann hat eine kühne Phantasie." Mercier erklärte weiter: Ich meiuerseits hatte Boisdcffce den Befehl erteilt, sich ständig mir einer gewissen Anzahl Offiziere im Kriegsministerium bereit zu halten für eine etwaige Mobil- machung'. Wir Ivaren nur um zwei Finger breit voni Kriege entrerut. Wir waren in großer Ungewiß- heit; wir wußten nicht, ob Rußland mit uns marschieren würde; wir fühlten, daß der Boden unter unseren Füßen unierminiert war. Im Interesse des Landes mußten wir unser möglichstes thun, um einen Krieg zu vemieiden. Mercier spricht weiter von der Geschichte, wonach der Advokat Müller im Schlafzimmer des Kaisers die„Librc Parole" und die Nachricht von der Verhaftung Dreyfus' gesehen habe. Am Rande der Zeitung hätten mit Blaustift die' Worte gestanden: Dreyftis ist gefangen I" Mercier fügt hinzu: Ich weiß, daß der Kaiser sich selbst viel mit Spionagedienst beschäftigt, also ist in der Geschichte nichts Ungewöhnliches. In seiner Aussage gicbt Mercier nach vielen Windungen die g e h e i m e M i t t e i l u n'g an die Richter ausdrücklich zu. entschuldigt sie aber damit, dcktz mau damals zwei Finger breit vom Kriege mit De 11 tschlano gewesen sei. Aus Erwägungen der LandeSrettimg habe er die Gesetzwidrigkeit begangen. Das Geständnis Dreyftis vor dcr Degradienmg habe er da- mals für„bedeutungslos" gehalten; deshalb sei kein Protokoll aufgenommen worden. Als'Freycinet Äricgsminister wurde und General Jamont ihm seinen ersten Besuch macht, sagte Freycinet zu Jamont, er wisse, daß„aus Deutschland und Frankreich 35 Millionen nach Frankreich gekommen leien, um zur Aufhebung des Urteils gegen Dreyfus und zur Ersetzung des Schuldigen durch einen andern verwendet zu werden." Diese er- taunliche Enthüllung ruft einen unwiderstehlichen Heiterkeitsausbruch im Saale hervor, dem Oberst Jouaust zum erstenmal s e l b st lächelnd bloß mit einer väterlichen Haiidbcwegung wehrt. Der Schluß von MercierS Aussage ist ungeheuer dramatisch, da Drehfus ihm»vild entgegentritt, das Publikum heult und Casimir Perier eine neue Gegenüberstellung fordert Mercier äußert sich über alle im Bordereau aufgezählten Dokumente und sucht darzulegen, daß trotz aller Ableugnungen Dreyfus er es wirklich gewesen sei. der diese Dokumente geliefert habe.»Wenn auch nur ein leiser Zweifel." ruft Mercier, „sich in meinem Geiste regte, so würde ich jagen: Hauptmann Dreyfus, ich halte Sie für unschuldig." Dreyfus erhebt sich hier plötzlich mit drohender Miene und ruft, die Faust ballend. Mercier zu:»Sie müßten dies sagen." Der Drehfus bewachende Hauptmann hält diesen zurück.(Große Bewegung.) Mercier fährt fort:„Trotz der ungeheuren Aiistrengungen. die von allen Seiten gemacht sind, trotz der eiiormcii Sninnien, die aus- gegeben sind, meine Ueberzeugung von seiner Schuld jat sich noch verstärkt" Als der Präsideut die Sitzung aufheben will, verlangt Casimir Perier» mir Mercier nochmals kontradiktorisch vernommen zu werden. Um 12 Uhr 30 Min. wird die Sitzung aufgehoben. DreyfuS scheint sehr bewegt; auS dem Auditorium werden höhnende Zurufe gegen Mercier laut. Beim Verlassen des Saales hört man Rufe für und gegen Drehfus. Eine Person wurde verhastet RemieS. 12. August. Bei der Abfahrt des Generals Mercier vom Kriegsgericht kam es zu Kundgebungen. Ein Teil der vorZdem Lyceum'-rsammelten Menge rief:„Es lebe die Armee! Es lebe Mercier!" er andere Teil rief:„Es lebe die Gc- rechiigkeit! Nieder mit den Jesuiten!" Gendarmerie zu Pferde zer- streute die Manifestanten. Soziale ATechkspllege. Nachträglicher Kiiudignngsansschlnst. Gegen eine Lohn- entschädiguiigstlage des Maurers F. wandte der Beklagte Fischer ein, daß die Kündigung ausgeschlossen gewesen sei. Durch die Beweis- erhebuug wurde folgendes festgestellt. Bei der Annahme des Klagers war nicht von der Kündiguiigsfrist gesprochen worden. Nach etwa drei Wochen ließ sich der Posier wegen der Küiidigimgssrist mit Fr. in eine Unterhaltung ein, indem er bemerkte, F. habe noch nicht unter- schrieben. Der Kläger äußerte darauf, es wäre ja jetzt eigentlich zu spät dazu, aber er verklage ja doch niemanden. Der Kläger wurde mit der Begründung abgewiesen, daß nach der Ueberzeugung des Gerichts durch jene Unterhaltung ein Kündigmigsausschluß zu stände gekommen sei. Daß das Arbeiisverhältnis zur Zeit bereits drei Wochen bestanden, wäre unerheblich. Um unbezahltes Warte» drehte siS ein Rechtsstreit, dermis Kammer VII des Ge Werbegerichts beschäftigt hat. z.er Händler Lewisohu hatte in Erkner Holz gekauft und mit d-lsen Fortschaffuiig den Schiffseigner Schulz betraut Das Ho!z sol.ie als Flößbolz nach Fiirsteuwalde geschleppt werden. Lewisohu halte sich verpflichtet, das Holz ordnungsmäßig verbinden zu lauen und die erfordersichen Leute zu stellen. Als nun Scyiilze niir seinem Dampfer bei Erkner erschien, � waren weder die Bor- arbeiten errichtet, noch fand er so viel Leute nne er brauchte. Schulz rief dann zwei fremde Arbeiter an, die sich aus eine n Bagger befanden, und fragte sie, ob er nicht Arbeiter de- kommen könne. Er erhielt eine bejahende Antwort. Zu euier näheren Aussprache kam es aber nicht. Schulz fuhr wieder tort. Die beiden Angerufenen, Luwig und Grund, besorgten sich mdeiten noch vier Kameraden und verbanden mit ihnen das Holz zu Flößen, wofür sie später von Lewisohu bezahlt wurden. Nach vollbrachter Arbcir warteten sie fünf Tage auf die Rückkunft des Dampfers und beanspruchten dann von Schulz die,e Wartezeit bezahlt. Vor dem hiesigen Gewerbegericht behaupteten sie, daß Schulz sie engagiert habe und deshalb verpflichtet sei. die Wartezeit zu entschädigen. Schulz machte dagegen geltend, daß von einem Engagement nicht geredet werden köiine.� Er habe aller- " diugs wegenUebernahme der Arbeit angefragt lmd erklärt, daß das Holz n erst verbunden werden müßte. Das Nähere hätte aber erst verabredet " werden sollen nnd zu einer solchen Engagementsabrede sei es nicht ge- kominen. Das Gericht schloß sich nach längerer Verhandlung dreier Auffassung an und wies die Kläger mit ihrem Ansprüche gegen Schulz ab. Der Vorsitzende führte begründend aus: Für das Warte« könnten die Kläger nichts beanspruchen, da sie ohne direkten Auftrag gearbeitet hätten. Die geleistete Arbeit aber sei ihnen bezahlt worden. Untcrnehmer-Terrorismus. In einem Prozeß gegen die Neue Berliner O n, n i b u s- A k t i e n g e s e l l s ch a f t kam vor dem Ge Wervegericht auch das Straf sy st em der genannten Gesellschaft zur Sprache. Der Kläger verlangte u. a. 5 M. erstattet, die er angeblich zu Unrecht als Strafe bezahlt hat. Er führte aus, daß er einmal»wegen protziger Ant wo r t 2 M. Strafe habe zahlen müssen, weil er auf eine Frage ge'agt habe:„Das iveiß ich nicht." Die Strafbestimmungeu in der Hausordnung der Gesellschaft besagen bezüglich der Höhe der Strafen für Dienstvergehen nur, daß die Höhe von der Direktion fest« gesetzt werde,' sowie daß sie bei einzelnen Fällen milde bemessen, bei Wiederholungen aber verschärst werden solle. Der Vorsitzende v. Schulz meinte zum Kläger, daß es wohl oder übel bei den Strafen bleiben müsse, weil er sich den Bestimmungen der Hausordnung unterworfen habe. Den Berlreter dcr Gesellschaft ersuchte er dagegen, doch dafür zu sorgen, daß Höhe der Strafen allgemein festgesetzt und ihre Fest- setznng nicht dem jedesmaligen Ermessen der Direksion überlayen '.verde.— Zu einem Urteil kam es nicht, da die Parteien sich ver- glichen. Kein Beteiebsimfall? Der Arbeiter Matter war eineS Tage? mit anderen Arbeitern beschäftigt. Gras zu mähen. Unter seinen Kameraden befand sich ein gewisser Rohr, der mit ihm seit längerer Zeit verfeindet war und seiner Feindschaft auch bei der Arbeft m Schimpfworten Ausdruck verlieh. Dem Matter wurde das schließlich zu viel. Er ging aus Rohr zu und fragte ihn, was er eigentlich wolle. Rohr antwortete mit Sensenschlägen und verletzte den Gegner ganz erheblich, eine Tbat, die ihm zwei Jahre Gefängnis e«n« vrachte. Der Verletzte kam vergeblich bei der landwirtschaftlichen Berussgenossenschaft um eine Unfallrente ein. Das Schiedsgericht und das Reichs-Versicherungsamt wiesen seinen Anlpruch ebenfalls als unbegründet zurück. Das Rekursgericht führte aus: Dcr Unfall habe sich zwar an dcr Betriebsstätte zugetragen und die Ver- letzungcii seien auch durch Benutzung eines Betriebswerkzcuges, der Sense, herbeigeführt worden, doch köiiue der Anlaß zu den Ver- letzniigen nicht im Betriebe gefunden werden, da es sich ledig- sich um den Austrag einer alten persönlichen Feindschaft handelte. Uetzte Ltariieidgketr und Depeslhen. Budapest. 12. Allgnst(B. H.) Anläßlich der feierlichen Ein- weihung des Hentzi-De'ukmals, welcher die gesamte Garnison bei» wohnte� veranstaltete die Unabhängigkeits- Partei eine Gegcude- monstration vor dem Honvcd-Denknial, wobei die Abgeordneten Eoetvoes und Barabas an das Volk Reden dielten. Als die Truppen von der Hcntzi-Feicr zurückkehrten, wurden dieselben von Demoilstanten. die das Kossutb-Lied sangen, bedroht und beschimpft, woraus das Militär mit aufgepflanztem Bajonett, unterstützt von berittener Polizei, die Demonstranten zerstreute. Kopenhagen, 12. August. lW. D B.) Dcr Vorstand des Arbcitqebervereiiis hat heute Abend beschlossen, baldmöglichst und zwar spätestens am 21. d. Mts. die Aussperrung ans mehrere Fachverbände, welche gegen 15 000 Arbeiter umfassen, auszudehnen� PariS. 12. Auglist(W. T. B.) Gerüchtweise berlantet, Deroulöde und Genossen hätten im Einvernehme« mit General Mercier» dessen Aussage vor dem Kriegsgericht in Reimes zu einem sensationellen Zwischenfalle führen sollte, einen Handstreich geplant gehabt PariS, 12. August.(W. T. B.) Gegen da? Blatt„Petit FrainxaiS", Organ der»Ligue de la Patrie Fran�aise" ist ein gerichtliches Verfahren eingeleitet; das Blatt wird beschuldigt, versucht zu haben, unter Soldaten ein Plebiscit über die Form der Regierung hervorzurufen. Der Redaktionssekretär des Blattes, Maillard, ein Sohn des Kommandeurs der Militärschule von Saint Cyr, ist imter der Anschuldigung, an der ftomplottaugelegenheit beteiligt zu sein, verhaftet worden. Konstantinopel, 12. August.(W. T. V.) Dcr mmanische Professor Demoni. welcher die Fauna und Flora des Kara-Jagha erforschte, wurde in Uesküb unter dem Verdachte der Spionage ver- haftet.— 1 Die Botschafter Englands, Italiens, Oeslerrcich-Ungarns und Rußlands ersuchten den Minister des Aeußen, telcgraphisch um Eröffnung einer neutralen Zone auf dem gestern geschloffenen Quai bis zur Erzielung eines Einvernehmens in dieser Angelegenheit Verantwortlicher Nedacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berliil. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierz» 3 Beilage» und llnterhaltuiigsblatt. «>. Ks. B. umi- 1. KtilM des Jotmürts" SM» llolbtilnlt.>8-9. »» V � vi/ v- L t LI) L t UVII JUClil- en der einmal zur Anzeige gebrachten Fabrikanten lassen, wird an den verschiedensten Falten be- Die Bedmer Industrie zieht sich von Jahr zu Jahr mehr nach den Vororten hin und daher gewinnen die Mitteilungen des Gelverbe-Jnspektors für den Ncgiemngsbezirk Potsdam, wie sie sich in den soeben ersckienenen Jahresberichten der preutzischeu Gewerbe-Jnspektoren für das vergangene Jahr vorfinden, ein um so lebhafteres Interesse b leich seinen Leidensgefährten beginnt der Berichterstatter Herr Dr. v. Rüdiger mit der stereotyp gewordenen Älage über die grohe Arbeitslast, die ihm und seinen wenigen j'tollegen auf- gebürdet sei und die dahin geführt habe, daß von Besichtigung haiidwcrksinäßiger Betriebe mit maschinellen Einrichtungen, Bäckereien, Konfektions» Werkstätten überhaupt Abstand genommen werden uiußte.Die Arbeit wurde den Gewerbe-Jnspektorc»»och erschwert durch die übermäßig langen Rcisewege und sclbstverständlick durch die leidigen K e is e l r e V i i i o n c n, die sich gegen das Vorjahr um lOVe Proz. vermehrten, während die Revisionen gewerblicher Anlagen nur um 4 Proz. zunahmen. Während der Gewerbc-Juspektor sich über die Frage des V e r kchrs mit den Arbeitern in der kurzen, aber bezeichnenden Wendung ausläßt, daß dieser Verkehr leider nach wie vor lahm blieb, konstatierter, daß die Stellung zu den Arbeitgebern sich von Jahr zu Jahr bessert und daß das in früheren Jahren viel- fach bekundete Mißtrauen gegen die Forderungen der Gewerbe- Aulsicht immer mehr geschwunden ist. Ja, der Gewerbe- Inspektor Itelli beim Untcruchmertum sogar ein größeres Verständnis »für unsere berechtigten Forderungen" fest. ' Wer den amtlichen Bericht weiter verfolgt, wird leider zu der Ansicht verleitet, daß das„größere Verständnis" des Unternehmer- tnms sich auf die Erkenntnis der U n g e f ä h r l i ch k e i t und Zahmheit der amtlichen Forderungen bezieht und daß die Stützen der Gcsell!chaft in solcher Erkenntnis mit dem optiniistischcn Gewerbe- Inspektor in nicht mehr schöner Weise verfahren. Der Bericht be- kündet wenige Zeilen nach der an sich so erfreulichen„Feststellung": „Sil» zwecklos hat es sich erwiesen, auf Mitteilungen der Unternehmer oder Polizeibehörde» s!) über abgestellte Mängel V e r t r a u e n zu setzen und die getroffenen Maßnahmen damit als erledigt anzusehen. Denn in zahlreichen Fällen zeigte sich durch Nachrevisionen, daß entweder garnichts geschehen oder die Acnderungen doch nur sehr mangelhaft ausgeführt waren, so daß bei erneuten Nachrevisionen unsere Arbeit wieder von vorn anfing. Der dadurch herbeigeführte Zeitverlust ist zum Teil auch der Grund gewesen, weshalb regelmäßige Besichtigungen der handwerksmäßigen Betriebe mit maschinellen Einrichtungen, der Konfektionswertstätten, Bäckereien usw. bei dem gegenwärtigen Bcamtenstande unterbleiben mußten." Die Gewissenhaftigkeit des Unternehmertums wiederum und die bekannte Milde, die preußische Gerichte den gemein- gefährlichen Verstößen''' �'----- gegenüber obwalten leuchtet. Der Getoerbe-Jiispektor in Potsdam berichtet, daß in einer mit Dampfkraft arbeitenden Zeitungsdr nckerei die jugend- Ii che n Arbeiter ungebührlich lange, zeitweise bis zu 18 Stunden taglich beschäftigt wurden. Trotzdem bei Einleitung des Straf- Verfahrens von dem Gewerbe- Inspektor darauf hingewiesen wurde, daß dies Vergehen gemäß Artikel 9 des Ge- setzes vom 1. Juni 1891»ach den Bestimmungen der älteren Gewerbe-Ordnung zu beurteilen sei, erfolgte Freisprechung, weil die Anlage nicht als Fa b r i k anzusehen sei! Gegenüber den Verfehlungen des Unternehmertums lHausarbciter?)in der Cigarren- i n d u st r 1 e konstatiert der Berichterstatter die Fällung„scharfer" Strafen, doch berichtet er nichts über die Hohe des Strafmaßes. Im übrigen enthielt dieser Teil des Berichts die trostlose Meldung, daß in der Tabaksindustrie, besonders in den kleineren Handwerks- mäßigen Betrieben die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder zunimmt,„ohne daß sich eine gesetzliche HandbaVe zur Abwehr darbietet." Dasselbe ist in der gesundheitsschädlichen Putzfedern-Jndustrie der Fall, welche ihren Betrieb mehr nnd mehr in die Hausindustrie verlegt. Während die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter gegen das Vorjahr um 25 Pro,, zugenommen hat, konstatiert der Bericht eine Zunahme der beschäftigten Arbeiterinnen über IS Jahre um 18 Proz. und der jugendlichen Arbeiterinnen um 12 Proz. Auch hier wird über Verfehlungen des Unternehmertums geklagt. In zwei D a m p f w ä s ch erei e n ist in der kurzen Zeit von acht Monaten dreimal festgestellt worden, daß die Arbeiterinnen Sonnabends über BVe Uhr hinaus beschäftigt waren. Die auf Grund seiner Strafanträge von dem Gericht verhängten Geldstrafen be- liefen sich in dem einen Falle auf 10, 15, 15 M.. in dem anderen auf 5, 50, 20 M. Hierzu schreibt der Gewcrbe-Jnspektor: „Diese Strafen stehen keineswegs im richtigen Verhältnis zu den Borteilen, die Unternehmern ans solchen Umgehungen der Gesetze erwachsen. Besonders müssen Strasfcstsetzungen b e» fremden, welche einen dritten Wiederholungsfall niedriger bestrafen als den zweiten." . In den Ziegeleien wurde mehrfach bei den Brennern fasicher Schichtwechsel der Sonntagsarbeit beobachtet. Auch läßt die Führung des nach§ 105 c geforderten Verzeichnisses Über die Ar» beitSdaner zu wünschen übrig, sodaß häufig erst aus der Lohnliste festgestellt werden mußte, ob und von wem an einem bestimmten Sonntage gearbeitet worden war. Auch trat die Klage, daß die Maschinenfabrikanten und Konstrukteure nicht genügend Wert auf Schutzvorrichtungen legen, m diesem Jahre wieder hervor. Der Gewerbe-Juspektor zu Berlin II sPolsdam) stellte bei der Untersuchung von 7 Unfällen in einer neu eröffneten Fabrik fest, daß mindestens fünf derselben durch Schutz- vorrichtiingen hätten vermieden werden könne»! Dieser Auszug aus dem Sündenregister des Unternehmertums zeigt, wie schlimm es selbst in nächster Nähe Berlins mit seiner arnisoeialen Gesinnung und seiner, das Leben des Arbeiters gering achtenden Profilsucht bestellt ist. Der Bericht lehrt aber auch, wie unfähig gerade die auf Arbeiterverfolgung abgerichteten Polizei- organe sind, gegenüber den im amtlichen Bericht geschilderten Auswüchsen der Unternehmer-Profitsucht die Interessen des Arbeiters zu vertreten. Auch wird in dem Bericht zur Evidenz dargetha», wie telbst beim besten Willen der Gewcrbc-Jnspektor nicht im stände ist, den Unternehmern die erforderliche Achtung vor dem Gesetze beizubringen. Hier kam, nur der Arbeiter selber sich und dem Gesetze Achtung verschaffen, indem er durch Anschluß an eine möglichst leistungsfähig zu gestaltende Gewerkschaftsorganisation sich einen Rückhalt anschafft und dann dem Unternehmer Respekt beibringt. Ob dem Gewerbe-Jnspektor diese Erkenntnis aufgedämmert ist. geht aus dem Bericht nicht hervor. Von einer Selbsthilfe der Arbeiter berichtet er nur an einer Stelle, indem er über vor« gekonmiene Verstöße gegen die Bestimmungen über die Arbeits« ordnungen klagt und dabei die erfreuliche Thatsache konstatiert. daß die Unternehmer vielfach davon Abstand nehmen müssen, die in den Arbeitsordnungen festgesetzten G e l d st r a f e n zu ver- hängen, iveil die Arbeiter sich Strafen überhaupt nicht mehr gefallen lassen wollen. Ist Herr Dr. Rüdiger auch weit entfernt, sich über die Not« wcndigkcit der unter dem Zucht Hauskurs in Grund und Boden verdammten Gewerkschaftsorganisation zu äußern, so scheint er doch in der oben so sehr beliebten Scharfmacherei ein Haar gefunden zu haben. Indem er nämlich die B a u a r b e i t e r- A u S st ä n d e des vorigen Jahres kurz streift und mitteilt, daß sie keinen oder nur einen äußerst geringen Erfolg für die Arbeiter hatten, empfiehlt er als wirksamstes Heilmittel gegen diese„moderne Krankheit im gewerblichen Leben" die Einrichtung von Gewerbegerichten, kommunalen oder genossenschaftlichen Arbeitsnachweisen und Volks-sAuskunsts-sBureaus. Das ist wenigstens ein erster, den Stümmlingen immerhin fataler Schritt zur Erkenntnis. UulmseSs Achtung 1. Wahlkreis. Den Parteigenossen zur Nachricht. daß die Mitglieder des Wahlvereins heute Sonntag, den 13. d. M., einen Ausflug nach Pferdebucht machen. Abfahrt vom Schlesischcn Bahnhof vormittags 9.10, 9.45, 10.45 und 11.45 und nachmittags 12.32 und 1.20 Uhr bis Köpenick, von dort zu Fuß nach Pferde- bucht. Kaffeekochen. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Der Wahlverciu für den 2. Kreis veranstaltet am heutigen Sonntag eine Besichtigung der S t e rn w a rt e in Treptolv. Die Mitglieder werden aufgefordert, sich zahlreich zu beteiligen. Der Wahlverein für den vierten Reichstags-Wahlkreis ( Cstcii) veranstaltet am heutigen Sonntag nach dem Müggel- schlößchen einen F a m i l i e n a n s fing, der sich nach dem Plan des Festkomitees zu einem Familienfest im besten Sinne des Wortes gestalten soll. Namentlich ist dafür gesorgt, daß der Kinderwelt durch Veranstaltungen von Wettlaufen und sonstigen mit Prämien bedachte» Spielen vollauf ihr Recht werde. Jngleichen ist aber auch den Erwachsenen die mannigfachste Gelegenheit zur Unterhaltung und Belustigung gegeben, so daß der Ausflug nach dem an Wald und Wasser idyllisch schön gelegenen Etablissement einem jeden zur Freude gereichen wird. Es sei noch bemerkt, daß von den Mit- gliedern keinerlei Entree erhoben wird, und somit nur die Fahrt- nnd Zchrkosten in Betracht kommen. Wir erivarten regen Besuch des Festes. Des weiteren teilen wir den Mitgliedern mit, daß die Ver- sammlung für diesen Monat ausfällt; auch können diejenige», welche die Broschüre über die Zuchthansvorlage nocti nicht erhalten habe», diese sich in den Zahlstellen einfordern. Die Mitglieder dürfen aber nicht über zwei Monate restiemt. Der Vorstand. Zur Dicnstboten-Bewcgung. Am nächsten Donnerstag. den 17. d. M t s., wird in der„Berliner Ressource" Konmiandantenstr. 57, abends 9 Uhr, eine öffentliche Volksver- fammlmig stattfinden, in der Genossin Lily Brau» über:„Die D i e n st b 0 t e n- B e iv e g u n g, ihre Ursachen und ihr Ziel" referieren wird. Wir fordern daher besonders alle Dienst- boten männlicken nnd weiblichen Geschlechts auf, sich möglichst zahlreich in der Ver ammlung einzufinden, um ihre Interessen energisch und wirkungsvoll zu vertreten. Ei» Cchlasl-ur'che als Stadtverordneter. In den letzte» Wochen wurden in bcr Presse und am vergangenen Donnerstag auch in der Berliner Stadlvcrordnetcn-Versamnilung lebhaft darüber gestritten, ob Schlafburschen nach den Bestimmungen der Städte- Ordnung berechtigt find, an den Wahlen zur Stadtverordneten- Versainmltiiig reilzunehmen. Der§ 5 der Slädte-Ordnung bestimmt, daß jeder selbständige Preuße sder den sonstige» Be- dingungen dieses Paragraphen eurivricht) das Wahlrecht erwirbt und daß als s e 1 b st ä n d i g nach vollendetem vierundzwanzigsten Lebensjahre ein jeder betrachtet wird, bcr einen e 1 g e n e n H a u S- stand h a t. Der Magistrat vertritt min den Standpunkt, daß Schlafburschen als selbständig im Sinne des Z 5 nicht zu erachten sind, weil sie keinen cigcncu Hausstand haben und daß sie deshalb anr das Wahl recht verzichten müßten. Der Stadiia Böhm erklärte in der Stadtvcrordnctcii-Vcrsaima.u.ch ua.nens: cS Magistrats: „Zur Schlufburschenfragc sriitzl sich der Magistrat auf den „eigenen Hausstand" der Städte-Orduung. Der Schlafbursche hat keinen eigenen Hansstaiid: schon 1885 hat der Magistrat dicieu Begriff dabin definiert, daß darin die freie, ausschließ- Ii che Verfügung über einen oder mebrere Räume liegen soll." Diese Behaupiung des Herrn Stadirats scheint uns eine irrtüm- liche zu sein. Thatsache ist. daß sich an früheren Wahlen, so im Jahre 1883, als unsere Partei zum erstenmal fünf Venreter in das Berliner Rathaus sandte, auch Schlafburschen durch Stiniinavgabe beteiligten, da sie in die Wählerliste aufgenommen ivaren. Aber nicht mir zur Stimmabgabe waren damals Schlafburschen zugelassen sondern unser Parteigenosse Franz Tutzauer, der zu dieser Zeit bei seinen Eltern als„Schlafbursche" ivohme. wurde uicht nur in einem, sondern in drei Wahlbezirken, und zwar im 13., 14. und 15. Konimnnal-Wahlbezirk(im 13. im ersten Wahlgange, im 14. und 15. in Stichwahlen) zum Stadt- verordneten gewählt und hat als„Schlafbursche" als Ver- treter des 15. Koinmunal-Wahlbezirks in der Stadtverordneten« Versammlung gewirkt, freilich zu einer Zeit, in der Herr Böhm noch nicht Stadtrat, dessen Vater aber Stadtverordneter war. Berliner Danzsäle im 18. Jahrhundert. Eigenartige Sittenbilder aus den, Berlin der Rokotozeit entwirft ein„Schatten- riß von Berlin" aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Da heißt es: Alle Winkel von Berlin sind von Musiksälen und Tanzböden voll die vornehmsten sind bei Poser und Tändcler, wo sich zngleich Frauenzimmer von zivcideutigem Ruf einfinden, indessen sieht man nichts unanständiges und die Wirte hallen geflissentlich auf den guten Ruf ihres Hauses. Wer nicht Lust hat, das Frauenzimmer nach Hause zu begleiten, wird nickr gezwungen und darf sich ibret« halben in gar keine Kosten setzen. Der Fremde findet, wenn er sonst nirgends hin weiß und sich gern zerstreuen will, an diesen Orten alle Bequemlichkeiten und Erfrischungen, kann für sich ganz allein sein und der Musik zuhören, zu welchem Zweck besonders der Gastwirt Poser kleine Gardinen-Logen angelegt hat. in welche man sich unbemerkt begeben und ebenso wieder weggehen kann. In dem Tändlerschcn Saale werden in der großen Fastenwoche auch Passivus musiien aufgeführt. Sonst ist in jedem dieser Häuser wöchentlich einmal Konzert. Die mehrestcn übrigen Musik- und Tanzsäle sind ein offenbarer Skandal, indessen trifft es sich nicht selten, daß sich auch da der Herr und der Bediente einander begegnen und in solchen Augenblicken zehrt jeder für sein Geld. Sehr eigenartig muß' es bei«einer der ersten Kaffeeschenkcrinnen von Berlin" zugegangen sein. Der„Schattenriß" erzählt:„Madame Schubitz hat Mädchen von feinerer Lebensart zu sich genommen und einen gewissen gesitteten Ton in ihrem Hause, das einer kleinen Fccnhütte gleicht, eingeführt. Sie leidet nichts, was ins Pöbelhafte fallt, hält auf Ordnung und Sauberkeit und begegnet ihren Kost« gängerinnen mit Achtung und Freundschaft. Alles, was gemein ist, gehört nicht in ihren Plan, sondern Leute von feiner Lebensart, vornehme Fremde und besonders Engelländer. Sie hatte es so weit gebracht. daß sie Kutsche mit ihrem Namenszug. Kutscher und geschmackvoller Livree, ihren Thürsteher und ihre Komödie hielt, allein Kabale und Neid wußten es daß ihr der Pöbel beinahe das Haus gestürmt hätte, ihre eigene Bediente in Loge in der so zu spielen, und sie ent- schloß sich selbst, wenigstens vor den Augen des Publikums, keine allzu große Pracht sehei, zu lasten." Recht interessant ist die Notiz eines anderen Berliner Blattes bezüglich dieser„ersten Kaffee- schenkerin". Im„Hantlaquantlapatli" beklagt sich der Redacteur Seyfried, daß alle Straßen Berlins im Schmutz umkämen, nur der Weg zu Madame Schubitz sei Abends erleuchtet und gefegt, wahr- scheinlich für die„Leute von feiner Lebensart". Verleihung der Doktorwürde durch technische Hochschule». Die technischen Hochschulen haben bekanntlich vor einiger Zeit um daS Recht der Verleihung der Doktorwürde nachgesucht. Die Regie« rung hat daraufhin die Universitäten zur Abgabe eines Gutachtens hierüber aufgefordert. Doch haben die Universitäten von Erstattung eines gemeinsamen Gutachtens abgesehen. Bisher lag nun einzig die Antwort der Universität Berlin vor. welche in ablehnendem Sinne gehalten war. Jetzt hat auch die Bonner Universität ihr Gutachten abgegeben. Die rheinische Hochschule erklärt sich eben- falls nachdrücklich gegen die Einführung der technischen Doktor- würde. Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle. In der Woche vom 16. bis 22. Juli fanden in Berlin 266 Eheschließungen statt. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 941(503 männliche, 433 iveibliche). Totgeboren wurden 29 Kinder(13 männliche, 16 Iveibliche). Unter den Lebendgeborenen befanden sich 128, unter den Totgeborenen 2 außerehelich geborene Kinder.— Die Zahl der Sterbefälle betrug in der Berichtslvoche 673 und betraf 377 männ- liche, 301 weibliche Personen. Unter den Verstorbenen befanden sich 301 Kinder im ersten Lebensjahre(236 ehelich und 65 außer- ehelich geborene). In Krankenhäusern sind 181 Personen(99 niänn« liche und 82 weibliche) gestorben. Auf gewaltsame � Weise endeten 13 Personen, darunter 8 durch Selbstmord.— Auf die einzelnen Stadtteile verteilten sich die Sterbefälle wie folgt: Berlin- Kölln- Dorotheenstadt 9; Friedrichstadt 7; Friedrich- und Schöne' bergcr Vorstadt 19; Friedrich- und Tempelhofer Vorstadt(westl.) 10; Tempclhofer Vorstadt(östl.) 41; Luiscnstadt jenseits des Kanals 83; Lnisenstadt diesseits des Kanals, Neu-Kölln29; Stralauer Viertel 92; Königsviertel 50; Spandauer Viertel 26; Rosenthuler Vorstadt 103; Oranienburger Vorstadt 56; Friedrich-Wilhelmstadt und Moabit(östl.) 23; Moabit stvestl.) 46; Wedding 73.— Die Eheschließungen betrugen 15,3, die Lebendgeborenen 27,0, die Tot« geborenen 0.9, die Sterbefälle 19,4 pro Mille der Bevölkerung. Die Beschleunigmig der Züge der Wannseebahn ist jetzt in dem Fahrplan zum 1. Oktober durchgeführt, wofür der erste Ent- wurf von der königl. Eisenbahndirektion fertiggestellt worden ist. Gegen de» geltenden Fahrplan beträgt der Gelvinn von Berlin Wannseebahnhof bis Großgörschenstraße 1 Minute, bis Friedenau 2, bis Steglitz ebenfalls 2, bis Groß-Lichterfelde-West 3, bis Zchlen« dorf 4, bis Schlachtcnsce 6, bis Wannsee 7, bis Ncubabelsberg, Noivaives-Neuendorf und Potsdam 8 Minuten. Zwischen Friedenau n»d Steglitz, und Neubabelsberg und Potsdam tritt somit eine Be- schleunigung nicht ein. Der nächste Berliner Jahrmarkt(der sog. Sommer-Jahr« markt) findet am Mittivoch, den 16., bis Sonnabend, den 19. d. M. Abends vor dem Hallcschen Thor in der Gneisenau-, Dork-,� Nostiz-, Schleiermachcr-, Baruthcr- und den angrenzenden Nebenstraßen statt. Mit dem Ausbau der Buden wird bereits am Dienstag begonnen. Tie mit dem neuen Postaccumulntorenwagen angestellten Probesabrten halten visver ein günstiges Ergebnis. Der Wagen ver- mittel» den Päckereiverkehr von der Posthalterei in der Köpenicker- straßc nach sämtlichen Bahnhöfen. Zur Prüfung seiner Leistnngs- fähigkcit muß das Fuhrwerk vei einmaliger Füllung der Accumulatoren eine tägliche Falirtdauer von 10 bis 12 Stunden bestehen. Der Erfolg, der mir der elektrischen Kraft als Beförderungsmittel bisher gemacht wurde, befriedigte, da die Accumulatoren auch bei stärkster Belastung des Wagens nicht versagte», so daß der leere Bcgleitwagen nicht benutzt zu werden brauchte. Trotz dieser günstigen Ergebnisse erscheint es doch»och fraglich, ob der Wagen allgemein wird eingeführt werden können. Sowohl bei Automobil- als auch bei Accumulatoren- beirwben hat man die»nangenchme Erfahrung gemacht, daß im Winter vei Glatteis und Schneefall sich die Räder häufig auf dem Platze drehen, ohne daß der Wagen vorwärts gleitet. So lange es nicht gelingt, diesem llevelstand abzuhelfen, wird auch die Post- Verwaltung von der Beseitigung ihres Pferdcmaterials zu Gunsten der mechanischen Kraft Abstand nehmen müssen. Ter bei Treptow belegene Pläntcrwald, welcher die Fort- setzimg der Treptower Parkanlagen vildet, wird durch Anlagen von Promenadenwegen lcilwcise seines Charakters entkleidet. Er� ist ursprünglich dazu bestimmt gewesen, um den städtischen Bedarf an Baume», Slräuchern k. heranzuziehen. Um nun Ersatz zu schaffen, wird das an der Spree bei Treptow belegene Grundstück von 44 305 Quadratmeter Flächeninhalt, der sogenannte Kiehnwerder, zu Baumschnlanlagen hergerichtet. Selbstniordversnch von Schulkindern. Gestern früh 7 Uhr sprang ei» 12 jähriger Knabe in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster der drei Treppen hoch im Hofe des Hauses Buchholzerstr. 2 belegenen Wohnung seiner Eltern in den Hof hinab. Der Grund zu der That war Furcht vor Strafe, weil er die Schule versäumt hatte. Der Knabe erlitt einen Schädel- und einen Beinbruch, sowie schwere innere Berletzimgen. Er wurde nach Anlegung eines Not- Verbandes in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt.— Die 10 Jahre alte Tochter des Dach- dcckers R. sprang, ebenfalls aus Furcht vor Strafe, aus dem Küchen- feilster der im vierten Stock eines Hauses der Frankfurterstraße ge- legenen Wohnung ihrer Eltern auf den Hof hinab und erlitt mehrfache schwere Verletzungen. Ein größerer Posten Abonnementsquittnngc» wurde vor- gestern einer Zeitungsauslrägerin gestohlen. Die Frau hatte die Tasche, in der sie die Zeitungen und Quittungen trug, in einem Hause in der Zimmerstraße auf die Treppe gestellt, während sie in der höheren Erage die Zcittmg abgab. Bei ihrer Rückkehr war die Tasche mit Inhalt verschwunden.' Der Dieb hatte zweifellos die Absicht, auf Grund der vorgefundenen Quittungen die Abonnements- gelder einzuziehen; dies ist jedoch dadurch verettelt, daß die sämt« lichen Abonnenten von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt worden sind. Ans der Polizeiwache tobsüchtig geworden ist gestern morgen um 8>/2 Uhr die 33 Jahre alte Almosencinpfängerin Bertha Holzapfel aus der Brumienstr. 14, die auf der Straße aufgefunden und vom 12. Revier in der Rosenthalerstr. 3 untergebracht worden war. Die Kranke schrie furchtbar, schlug heftig um sich und konnte nur mit Mühe gebändigt und in einem Koppschen Rettungswagen einer Anstalt zugeführt werden. Rufsehen erregte gestern. Sonnabendmittag, zwischen 12 und 1 Uhr ein geisteskranker Mann von 30 bis 35 Jahren in der Prinzenstraße. Der Mann wollte sich von der Bärwaldbrllcke in den Landwehrkanal stürzen, wurde aber von Leuten, die dazu käme», daran gehindert. Dann warf er sich in der Prinzenstraße vor einen elektrischen Wagen auf das Geleise. Der Wagenführer bremste jedoch sofort und ein Schntzmann riß den Lebensmüden von den Schienen herunter. Während der Schutzmann ihn auf die Wache des 42. Reviers brachte, schrie der Unglückliche, er habe zweimal auf dem Scheiterhaufen gestanden, den ersehnten Tod aber nicht gefunden. Auch die Kugeln, die in der Luft herumflögen, träfen ihn nicht. Der Mann wurde zu seiner Sicherheit auf der Wache behalten. Der SecamtS-Präsident a. D. Dr. Prien, der Freitag im Irrsinn die Blntthat in der Tauenzienstraße beging, war, wie die „N. Z." aus Charlottenburg mitteilt, in konservativen Kreisen eine sehr geachtete Persönlichkeit und wurde von seinen Parteigenossen wiederholt als Kandidat zu den Stadtverordnetenwahlen anfgestellt, ohne daß es ihm freilich gelang, ein Mandat zu erhalten. Das letztemal kandidierte er vor zwei Jahren im sechsten Bezirk der dritten Abteilung, unterlag aber hier gegen den liberalen Kandidaten. In das Militärarrestgebäude zurückgeführt worden ist jetzt der Feldwebel K 0 1 0 ch 0 w s k i von der 12. Kompagnie des Garde- Füselier-Regiments, der sich wegen mehrfacher Unterschlagung in Untersuchungshaft befindet. Kolochowski hat von Postseiidmigen, die die Angehörigen an Leute seiner Kompagnie richteten, Teile für sich behalten und nur den Rest an die Empfänger ausgeliefert. Ria» zweifekte nn seiner Geistcsgesuiidheit und ließ ihn im Garnison- �nzarcih I liier WoäMi lnnci aus seinen Zustand beobachten. Die Aerzte haben ihn jedoch fpr gesund erklärt, und der Ungetreue sieht daher jetzt seiner Vcstrafnng entgegen. Er dient im elften Jahre. Beim Verkauf von Juwelen, die von dein Einbruch beim Grafen Eulenburg herrührten, war in Zürich der Einbrecher, Schuh- niachcr Ernst Wunderlich, fcstgenormnen ivorden. Aach Erledigung der Ansliefcrnngs-Fonnalitäten sollte Wunderlich in das hiesige UntersnchnngSgcfnngniS überführt werden. Wie das Poligeipräsibinm nntteilt, gelang es indessen dcni Verbrecher, auf den, Nückrransport in Nordhansen zu entweichen. Wunderlich war nach Abreitzeir dc-Z in der Zelle befindlichen Ofens und Erweiterung der RauchabzugSLffmnig durch den Schornstein auf das Dach geklettert und hat das Freie gewonnen. Der Enrspruugcne ist 32 Jahre alt, 1.30 Meter groß, dunkelblond, hat starken rotblonden Schnurrbart, breite Nase und als besondere Kcnnzeiche«: Große Glatze und Sommersprossen. Gin Nitfall ereignete sich am Freitagnachmittag in der Fabrik der Firma Bntzkc n. Comp. Dort ivar der Rohrleger Merz, der eine Reparatur auszuführen hatte, so unglücklich von der Leiter gc- fallen, daß er sich schtvcrc Verletzungen zuzog, die später seine lieber- führung nach dem Krankenhanse notivendig machten. Der Botanische Garten säV., Potsdamcrstr. 7ö) ist am heutigen Sonntag, nachmittags von 2—7 Uhr, für das Publikinn geöffnet. Es ist nicht uinvnhrschcinlich, daß die Victoria. reZia an diesem Tage wieder eine Blüte entfalten lvird. Sport. Auf der Radrennbahn Treptow starten heute u. a.: Robl-Münchcn, Tntrcnx-Paris, Lusum-Wien, Nicodem-Prag usw.— Gelegentlich der heute»achmittags 4 Uhr im Sportpark Kur- fürstendamni am Bahnhof Charlottcnbnrg stattfindenden großen internationalen Hunde-Wettrenncn wird auch die benihnite, bisher unbesiegte Foxterrier-Hündin„Afra" einen Match über 2(Xj Meter gegen de»„Fock" des Mr. Johnston an-Zfcchten. Außer- dem wird eine Ausstellung, verbunden mit Prninicnmg für alle Arten Rassehunde, eröffnet, und ist diese Ausstellung mit wirklichen Prachtexemplaren beschickt. Ein uiitzliches Bnchelchcn, Dr. R. Freunds„Wegweiser durS das I n v a l i o e n v c r s i ch e r u n g s- Gesetz" ist soeben i» zwölfter Auflage erschienen. Die neue Auflage ist auf Grund dc� neuen, am 1. Januar läOO in Kraft tretenden Juvalideiivcrsichcrungs° Geietzcs vollständig umgearbeitet und ist in der Tbat, wie der Titel sagt, ein sicherer Wegweiser durch das Labhrint dieses Gesetzes. Ter Wegweiser zeichnet sich aus durch weise Beschränkung auf das Nob Ivendigc, klare, übersichtliche Anordnung seines Stoffes nud ein- fache, allgemeinverständliche Sprache/ Auf knapp 30 Seiten bringt er es fertig, in für den Handgebrauch ausreichender Weise die folgenden Fragen zu beantworten: l. Welche Personen müssen versichert werden und welche können sich freiwillig versichern? 2. Wo hat die Versicherung zu erfolgen? Die Vcrsicherungs- nnstalten und ihre Organisation. 3. In welcher Weise erfolgt die Versicherung bezw. die Bcitragölcistung? Die Quittiuigskarle. Die Marlen. 4. Welche Ansprüche erwachsen den Versicherten aus der Versichcrnng? Jnvalidcurciite. Altersrente. Rückerstattung von Beiträgen. Kraiikeu-Fürsorge. Sonstige Leistungen, ö. In welcher Wege werden die Ansprüche geltend gemacht? Das Büchelchcn, dessen Preis nur 50 Pf. beträgt, kann jeder mann bestens empfohlen werden. Tic lebten Znfnhriiugeii deS Verliucr Nqnarinm griffen in vcr- tanedenen Abteilungen seiner Tterbeslände ergänzend ein. Tie Gruppe ter Weichtiere wurde unter andere« vermehrt um eine prachtvolle, purpurrote .tacknchnccke, die, wie der Name besagt, kein Gchäiuc besitzt und nur ini! ciueui ichtldformigci» Mantel ausgerüsiet ist, der eine innere zarte Schale birg� und eic rechts gelegene Kieme deckt(daher die Lezcichmmg Pleurobrauckmö, aüi 8sr»er um mehrere Eremplarc der brauen bezw. rot und weihen Jakobsmuschcl, die in den Küstengebieten des Mittcimecres einen Leckerbffse» der Bevölkerung bildet, ebenso wie dic handhohe Pilgermuschel, deren Schale man auch als Teller bcinitzt. Endlich um eine Gesellschaft dcr schön orangc- 'arbigeu und durch ihren Restbau eine AuöuahniestcUiuig in dcr Klaffe dcr rrcichNcre eiiiiiehüienocn Fcileiimuschel und um verschiedene Leistcnschuecken oer Adria, welche insofern merkwürdig sind, als das Tier Purpursioss b w?""k a'� au''t'leiu Etchäusc Schiiiarvtzcr-Sccroseu angesiedelt Eine»„Wcltkongreff zur Beratung der Jmpffrage" hat der deutsche Bund der Jinpfgegner zum 24. und 25. September nach Berlin einberufen. Die Verhandlungen finden im Architcklen- Hanse statt. Straffeilsperrnng. Die Cornclinsstraße vom Grundstück Nr. 3 bis zur Hitzigstraße wird wegen klnipflasterungen, die Spandancr- straße von der Propststraßc bis zum Molkciiniarkt wegen Umlcgnng der Straßenbahngclciic mid Asphaltierimg vom Montag an bis aus tvcitcres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Fcucrbcricht. S ch>v c r e B r a n d>v u n d e n erlitt Sonn- abciidnachmittag 2 klhr die in dcr Müllcrstr. 170/71 wohnende Frau Dr. de Eamp.� Beim Anfertigen der Haarfrisur fiel dcr Brenn- apparnt um und setzte die Kleider dcr Dame in Flammen. Letztere konnten von herbeigeeilten Personen zwar gelöscht werden, doch hatte die bedauernswerte Frau bereits starke Brandwunden davon- gelragen. Nach Anlegung eines Notverbandes durch die Samariter der Feuerwehr wurde sie nach dem Augnsta-Hospital befördert. Die weiteren Alarnn'erungen, die im Laufe des Sonnabend er- folgten, waren auf ganz geringfügige Veranlassungen zurückzuführen. Aus den Siachbarovte». Stcgliü-Friedenau. Tie nächste Versammlung des hiesigen Arbcitcr-Bilduiigsvercins findet am DicnStag, abends 3l/2 Uhr bei Schollhaase, Ahornstraße, statt. Vortrag über den Dichter Nikolaus Lenau und seine Werte. Gäste willkommen. Fricdrichsfelde. Den Genossen zur Nachricht, daß das Lokal zum Lindenpark, Inhaber Herr Gesch in Friedrichsfelde, Wilhelm- straße 11, den Genossen zur Verfügung steht, da der Wirt seinen Saal zu Versammlungen hergiebt. ES findet daselbst am Mittivoch, den 18. August, abends SVp Uhr, eine Parteiversaininlung statt, in welcher Genosse Wagner über: Heilstätten und Zuckt- hänscr referieren wird. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Dcr Vertrauensmann. Unter dem drinacudcn Verdacht, dcu Randmord nn der Genrcindevorstehers-Witwe F i e l i tz in A l t- B u ch h o r st bei Erkner begangen zu haben, wurde gestern vormittag der Kutscher Paul W. ans seiner Arbeitsstelle in der Dorkstraße von der hiesigen Kriminal» Polizei iu Haft genommen. Die Radcberger G�portbraucrei, Abteilmig Pichelsdorf, sendet uns folgende berichtigende Zuschrift: Die Nummer 186 des „Vorwärts" enthält in einem Berichte ans Spandau den folgenden Passus:„Die Arbeiterschaft wird sich weder durch die mannig- falligen Aufschriften, als durch die bekannten Manöver mit Gc- binden anderer Brauereien irreführen lassen k." Wir bezeichnen die darin cuthaltene Angabe als falsch; es haben seitens unserer Gesellschaft keinerlei Manöver mit Gebinden anderer Brauereien startgefnndcn. Unhcilpolleö von dcr Wauuscebahu. Die dritte der Selbst- mörderiiinen, welche den Tod auf den Schieucn der Wannsoebahn cscfucht hat. ist inzwischen relognosciert und auch� dcr Beweggrund ihres nnheilbaren Entschlusses ist jetzt völlig klargestellt worden. ES handelt sich um daS 24jährigc Dienstmädchen Marie Sabin, die, nachdem sie ihre letzte Stelle in Steglitz aufgegeben hatte, seit dem 1. Juli dieses Jahres vorübergehend' wieder im Hause ihres Vaters, des in Groß-Lichterfelde, Stcglitzerstraße 22. wohnhaften Schuhmachermeisters August Sabin. Aufenthalt genommen hatte. Marie S. hatte seit einiger Zeit eine heftige Leidenschaft zu einem Gardcschützen gefaßt, die von diesem auch erwidert wurde. Den Eltern des Wtädckens waren die öfteren Zusammenkünfte der Liebenden— die Gardeschützc». Kaserne liegt übrigens ganz nahe der Sabinschcn Wohnung— nicht verborgen geblieben, und sie forderten von ihrer Tochter unbedingt die sofortige Lösung des nach ibrer Ansicht aussichtslosen Verhältnisses. Den Konflikt zwischen Kindesliebe und Herzensneigiing hat die Bedauernswerte dann nicht anders als durch ihr tragisches Ende lösen zu können vermeint. Man fand die Photographie ihres Geliebte» auf der Brust der Eni- sccltcii vor.— Inzwischen ist die U n g I ü ck s- C h r o n i k der Wannscebohn um eint» ncticn Fall mit tödlichem Ausgange vermehrt worden. Von dem am Donnerstag, den 10. d. M., abend» 8.57 Uhr zur Einfahrt in Zchlcndorf fälligen Wannsee- Bahnziige ivnrde der Illjährige Fabrikarbeiter Johann A d l e r cm eben der Stelle, wo Marie Savin ihren Tod gefunden(beider Ucbcrführnng des Teltow-Dahlenicr Weges) überfahren und g e- tötet. Alle Anzeichen deuten indessen darauf hin, daß es sich hier nicht um einen Selbstmord handelt; vielmehr ist anzunehmen, daß der des Terrains niilnndige Adler, welcher vor iurzem ans Koblenz nack Berlin gekommen war, um hier Arbeit zu suchen, einen früher in Benntznng gewesenen Feldweg verfolgt und so auf das Geleise gelangt ist. Die Leiche wurde in die Zehlendorfer Leichenhalle ge- schafft. Ucter einen Dampfer- Zusammeustoß im Sakrow- Parctzcr Schiffahrts-Ltaiial berichtet die„Potsd. Korr Am Mittwochnachinittag passierte dcr Dampfer„Wamisee" von der Stcrngcsellsckaft, der nntcr dcr bewährten Führung eines bereits 26 Jahre bei dcr Gesellschaft thätigeu Schiffsführers steht, zwischen 4 und 5 Uhr, auf der Umfahrt lim die Insel Potsdam begriffen, den nicht allzu breiten Sakrow-Paretzer Kanal, wo nicht mit Volldampf gefahren werden darf. Die Schleppdampfer mit den nachfolgenden Kähnen fahren dort besonders langsam; deren Schiffsführcr haben von je her eine besondere Abneigung gegen die schneller fahrenden Passagierdainpfcr, denen sie durch möglichstes Fahren in der Mitte des Kanals die Vorbeifahrt niiinöglich zu niachen suchen. So war es auch bei dem Schleppdampfer„Friedrich Wilhelm", dessen Führer trotz wiederholten Zurufs des Srerndampfcr-Kapitäiis nicht nach rechts fuhr. Als mm der Rmmr zur Vorbeifahrt clwas größer wurde, versuchte dcr„Wannsee" bei dem„Friedrich Wilhelm" vor- beiznlommen, was den Steuermann des Schleppers derartig ärgerte, daß er schnell seinen Dampfer nach link» steuerte, und mil ihm auf den vollbesetzten„Wannsee" losfuhr. Die Passagiere schrien laut auf. als dcr Anprall erfolgte, dcr zum Glück keinen Schaden anrichtete, aber innnerhin so erheblich war, daß daS Drahtseil, das den„Friedrich Wilhelm" mit den Schleppkähnen verband, riß. Von dem Vorfall, dcr berechtigte Auftcguug unter den 250 Passagieren des„Wannsee" hervorrief, ist Anzeige erstattet worden. Selbstmord iu Zehlcndorf. Die verwitwete Frau Hedwig Schmidt, die zuletzt in der Kaiserstraße in Zehlcndorf wohnte, ist gestern als Leiche in einem Sumpfe zwischen Ricmeistersee und Krumme Laute gefunden worden. Sic wurde seit dem 10. Juli vcr- mißt und muß schon lange im Wasser gelegen haben, denn der Körper war bis zur Unkeiiiitlickkeit entstellt. Als Witwe eines 18S3 ver- storbciicn Kalkulators lebte sie in bescheidenen, aber auskömmlichen Verhältnissen. Sie scheint die That in einem Anfalle geistiger Um »achtimg verübt zu haben. Gevidjts-Seikmtg. Einer der gefährlichsten Zuhälter Berlins stand gestern in dcr Person deS 24jährigcn Barbiers Wilhelm Ulrich vor dcr neunten Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hat sich seit drei Jahren von einer geschiedenen Frau H. ernähren lassen und sie zu seinem willenlosen Werkzeug gemacht. Wiederholt versuchte die H. sich ans anständige Weise zu ernähren, aber den Drohungen und Mißhandlungen ihres„Beschützers" vermochte sie nicht stand zu halten, immer wieder zwang er sie, den früheren lasterhaften Lebenswandel aufzmiehmen. Sie wagte auch nicht, ihn bei dcr Polizei anzuzeigen, denn dcr Angeklagte, dessen gcwaltthätigcn Charakter sie fürchtete, hatte ihr wiederholt gedroht, daß er sie dann erwürgen würde. Erst als eine Bekannte von ihr, deren Name dein Angellagten nicht mitgeteilt wurde. Au- zeige eistattcte, wurde die H. von ihrem Peiniger befreit. Dcr Ge- richtshof war mit dem Staatsanwälte dcr Ansicht, daß hier ein be- sonders schwerer Fall von Kuppelei. Körperverletzung und Bedrohung vorliege. DaS Urteil lautete auf 1 Jahr 6 Monate Gefängniß, Ehrverlust und Polizei-Aiifsicht. Ein schamloses Verhalten auf offener Straße hatte dem Arbeiter August Bartelt durch Erkenntnis des Schöffengerichts eine Gefängnisstrafe von einem Monat eingetragen. In der Mittagstunde des 30. April d. I. kam der'Angeklagte in Be- glciw'ug zweier Freunde ans einer Schankwirtschaft. Sie bc- anden sich sämtlich in angeheitertem Zustande. Vor ihnen ging ein Dienstmädchen, welches ein trug. Dcr Angeklagte verging sich fchlvcr beleidigender, thatlichcr Weife. Im dcr Berilfungs-Strafkaminer des Land- Angeklagte nuter Hinweis auf feine An- getrimlenheit eine mildere Strafe zu erzielen, dcr Gerichtshof be- zeichnete da» Strafmaß aber eher zu niedrig als zu hoch, da trotz aller Bestrafungen die Angriffe gegen unbescholtene Frauen kein Ende nähmen. Die Verufimg des Angeklagten wurde vcnvorfen. auf dem Biirgerstcige Kind auf dem Arme gegDi das Mädchen in gestrigen Termine vor gerichts l versuchte dcr �..�'znif-ltzkes. Gefährlichc Lustballouleuduug. Ein von Berlin komincnder Luftballon ist Freitag ein Kilometer unterhalb Massclwitz bei Breslau gelandet. Die Insassen de» Ballons waren zwei Offiziere und ein Civilist. DaS Luftschiff senkte sich dicht über dem Oderspiegcl, so daß dcr Korb Waffel schöpfte und die Lage für die Lilftschiffcr gefährlich wurde. Gliicklichcrwcise hielt starker Wind den oberen Teil des Ballons über Wasser. Schließlich flog der Ballon an Land und blieb in den Eichen der Uferwaldunge» hängen. Der Ballon wurde mittels eine» Boote» nach Mafselwitz gebracht und von dort nach der Bahn geschafft. Der achtjährige Sohu des Aufsehers Heiser in Zabrze, dessen Kleider am Dienstagabend auf der Straße in Brand gerieten, soll nach Aussage anderer Knaben eine Cigarre geraucht haben. Alö er den Lehrer kommen sah, versteckte er die Cigarre in der Hosen« tasche»nd lief weg. Die Kleider fingen Feuer und in wenigen Sekunden stand der Knabe in Flammen. Es eilten Leute hcrvci, die dem breiinenden Kinde die Kleider vom Leibe rissen und es nach der elterlichen Wohnung brachten. Ein hinzugezogencr Arzt kon- tatierte eine schwere Verbrennung dcö Unterleibs und ließ den Knaben nach dem Lazarett bringen. Aach zwei Tagen erlag(dem „Oberschl. Anz." zufolge) der Knabe den Brandwunden. I» der Nähe bou Fricdrichstadt an der Eidcr ist Freitag ein bon Seeth kommendes Fuhrwerk in den Chausieegraben gc- 'türzt. Von den vier Wagcninsaffeu waren zwei, Kaufmann Busch- Seeth nebst Schwiegermutter, sofort tot. Die beiden anderen wurden lebensgefährlich verletzt. Absturz. Ein auf Ferienreisen befindlicher reichsdeutscherHoch- schiiler Namens OlbehowSti, Sohn eines GymnasialprofefforS in Posen, ist vom Schreckenstcin bei Aussig abgestürzt; er erlitt schwere Knochen- und Rippenbrüche sowie schmerzhafte Fleischwunden. Ter Orkan auf dcu Antillen. Fünfhundert Opfer hat nach neueren Nachrichten aus Ponce auf Porto Rico der Orkan ge- 'ordert, über dessen verheerende Wirkungen wir bereits kurz be- richteten. Der Korrespondent dc§_„Evening Journal' schätzt gar die Zahl der Toten auf mehrere Tausend. Die Stadt Arroho ist gleich- falls zerstört; das, was noch übrig blieb, wurde von den Fluten unter Wasser gesetzt. Auch die Stadt Guhainä hat sehr gelitten; viele Gebäude wurden von Dieben ausgeplündert; da« Militär war nicht im stände, die Ordnung aufrecht zu erhalte». Die Stadt San Juan hat kein trinkbare» Wasser mehr; die Brunnen sind durchweg mit schmutzigem Wasser angefüllt. General Davids tele- graphicrte an die Regierung, daß nach seiner Schätzung 100 000 Be- wohncr Porto Nicos ihre gcsaintcu Subsistenzmittel eingebüßt hätten. Der General fordert sofortige Hilfe. Dos Meteorologische Institut meldet, daß daS Centnim des Orkaus sich jetzt den Bahama- Inseln nähere. Mau nahm an, daß cS hier gestern abend die Küsten des Atlantischen OccanS und die Südküsten dcr Vereinigten Staaten erreichen würde. Wie auS New Dor? gemeldet wird, brach fit O m a h a in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein große» Feuer aus. bei dem ein Verlust von vier Menschenleben zu beklagen ist, an dem das Feuer allerdings nur indirekt Schuld trägt. Vier Feuerwehrleute kamen, während sie mit dem Löschen der Flammen beschäftigt waren, in plötzliche Berührung mit einem brennenden elektrischen Draht. Sie wurden sofort getötet. Zwei andere erlitten tödliche Verletzungen. Fortschritte iu der HinrichtungSkultur. Die japanische Regierung hält die amerikanische Hinrichtungsmcthode durch Elektri- cität für überwunden. Wie ein amerikanisches Blatt berichtet, hat man in Japan eine neue moderne Art der Hinrichtung entdeckt. Sie soll schnell und völlig schmerzlos sein und das Aussehen des Toten unverändert lassen, während dcr Tod durch Elektricität die Züge verzerrt. Der Tod erfolgt im luftleeren Raum. Das„Vacniim"- Zimmer muß eine luftdichte Zelle fein, die in Verbindung mit dem Gefängnis gebaut wird. Sie ist 8 Fnß hoch, 10 Fuß breit und 10 Fuß lang. Jede dcr vier Seiten hat ein luftdichtes Fenster mit einer Glasplatte von'/* Zoll Breite. Dadurch ist deni Voll- strccker der Hinrichtung und den Gefängiiisbeamten die Möglichkeit gegeben, den Gang des HinrichtungSprozesses zu verfolgen. Die Zelle wird mit einer Luftpumpe verbunden, die die Austreibniig der Luft ans der Zelle in 1 Minute und 40 Sekunden bewirkt, so daß der Gefangene gar nicht zur Befinmma kommt und der Tod ohne jede ErsticknngSangst augenblicklich eintritt. Man hat zunächst das Experiment an einem großen Bernhardiner Hnnd versucht. Dcr Tod trat 1>/Z Minute nach Bildung des Vacmnns ein. Das Aiissehc» deS Tieres war so ruhig und nnverändert, daß man ziniachst nicht an den Tod des Hundes glaubte mid das Vacimm noch dreißig Minuten andauern ließ. Später wurde dann von den anwesenden Aerzten festgestellt, daß der Tod schon nach einer und einer halben Minute erfolgt wäre. Das Berfahren soll folgendes sein. Der Verurteilte wird entkleidet, damit die Luft, die vielleicht in den Falten des Kleides sich aiijommeln könnte, kein Hindernis der Hinrichtung bilden kann. Er wird flach auf den Rücken gelegt und die Arme über dem Kopf znsannneiigcbnnden, um eine volle Aus- dehnungsfähigkcit dcr Bnist zu ermöglichen. Wenn das Vacuum sich bildet, wird auch die durch die Kontraktion der Brust aus- gestoßene Luft aus dem Zimmer getrieben, und, da die Luft fehlt, um die ausgeatmete zu ersetzen, wird der Tod augenblicklich herbei- geführt. Seit Jubctricbsctznug dcr Kougobahu hat die Reisedauer vom Innern des dunklen Weltteils nach Europa und vre« vorsa eine Verkürzimg erfahren, welche man noch vor wenigen Monaten nicht für möglich gehalten hätte und welche noch immer zu- nimmt. Mit dem Dampfer„Anversville" trafen am 18. Juli mehrere Beamte des Kongostaotes sowie des britischen Uganda in Antwerpen ein, welche noch Ende April imnitten des afrilanischcn Urwaldes steckten. Einer derselben war nach dreijährigem Auf- enthalt in Mtowa von dort am 30. April abgereist, und nachdem er den Kongostaat in seiner ganzen Breite durchquert, bestieg er in Matadi den Dampfer nach Antwerpen, sodaß er die Entfernung vom Tanganyikasce bis zu seiner Ankunft im vorgenannten Hafen gerade in 2-/2 Monaten zurücklegte. Ein englischer Beamter, der am Nordost» ende des Albert-Edward-SecS stationiert war, reiste dort am LS. April ab, schlug den Weg über den Jturi- und den Aruwimifluß ein und kam ebenfalls noch gerade zur Abfahrt de» Dampfers„AnverSville' in Matadi zurecht._ Eingegangene Trnckschriften. Di-„Soclalistischeii Monatshefte'(Administratio»: Berlw W. Gleditschsir. 23) haben soeben das 8. Hest(Augusihest) ihres V. Jahrgangs erscheinen laffcn. Daffelbe hat solaenden Inhalt: Dr. Gustav B a u a: Der SocialiSnins In Dänemark.— Victor Fraenkli Kompromistpolttik. — JacaucS S a u b i e r: Die Krise in der franzlsischen foetatistischen ve» wegniig.— Friedrich Hertz: Soctalreforin oder sitevolMion?— Dr. Alfred N o>s i g: Transnortwesen und Agrarnot in Frankreich.— Dr. Emst G y st r o w: Nawrwiffcnschast als Sociologie.— Jean Mälia: LaUac, der Revolutionär.— Dr. Franz Oppeuhetmer: Noch einmal„prictse" Begriffe.— Rundschau._ Marktpreise von Berlin am 11. August 1800 nach Eriuitt-liiugeu des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. Mcizeu 'Moggeii Futt-r-Gerfle Haf-r gut „ mitt-l .. gering Nichtstroh Heu ff) Erbsen s)Speiscbohnen filLinfen, Sartofseln, neue Rindsleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ ) Ermittelt pro 15,90 14,80 13,30 15,00 14,90 14,30 4,32 6,50 40,- 50,- 70,- 9,— 1,00 1,20 Tonne Schweinesletsch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpse» Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebs» 1kg 00 Stück 1 kg per Schock 1.00 1.00 1,00 2,40 4.— 2- 2,80 2,00 2,40 1,80 2,60 1,40 12,- Ii: 2- 2,20 1,80 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 14,80 18,80 12,80 15,— 14,40 13,80 3,83 3,60 28,— 25,— SO,— 5,- 1,20 1,- „........... T..______ von der Cenlralsielle der Prenst. Landwlrt- schaftskainiiier— Noticruugöftelle— uud umgerechnet vom Polizeipräsidium (iii de» Dopvcl-Eentiicr. [ t) ÄleiiihaudclSprcise. Produktenmarkt vom 12. A u g u st. Der Getreideverkehr liegt noch recht ruhig, von dcr neuen Enite kommt verhältniSmäbig nur wenig heran, am bentigen Frühmarft soll neuer Weizen ans Mittel- dcntichland angeboten gewesen sein, die Qualität soll als recht gut sich er- wiesen haben. Berhältetsmähig inapp war am Frühinarkt wie im MittagS- verlehr neuer Roggen offenen. Die Preis« für Weizen wie für Roggen waren nur etwa'/e M. bäh er. Haser behauptet. Weizen ca. 155-/, M., für Roggen ca. 145-/, M. effektive Sevteinberliesermig. Kartoffelfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inll. Sack— M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. brutto inkl. Sack mid Mehl 19,10 M. Snpra trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. — ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg.— ,— M. Prima Kartoffelmehl 19,10 M. per 100 Kg. Am SpirituSmarkt war die Tendenz fest. Am Markte waren 10 000 Liter 70er, die mit 43,70(+ 0,20) gehandelt wurden. 2 trenne zogen bei stillem Geschäft 0,10 M. an. Städtischer Schlachtvieh marlt. Es paudeu zum Berkaus: 3436 Rinder, 1312 Kälber, 17 338 Schafe, 8619 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kg. Schlachtgewicht in Mark(bezw. für 1 Pfund in Pfennigen): Für Rinder: Ochsen: a) vollfleifchig, ausgemästet«, höchsten Schlatfitwevtes, höchstens 7 Jalire alt 02— 66M.; b) jiinge fleischige, nicht auS- gemästete und ältere ausgemästete 57— 61M.; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 53—56 M.; ck) gering genährte jeden Alters 50—52 M. Bullen: a) vollfleüchigc höchsten Schlachtwertes 59— 03M.; b) niägig genährte jüngere und gut genährte ältere 53-58 M:; o) gering genährte 48—52.— Färsen liild Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwcrts— ,— M.; b) vollfleifchige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts, höchstens 7 Jahre alt, 53—54 M; c) ältere ailSgeinäsiete Kühe und weniger gut cntivickelte jüngere 51—52 M.; ck) mäßig genährte Kühe und Färsen 48—50 M.; s) gering genährte Färsen und Lühe 43-46 M.— Kälber: a) feinste Mast-(Bollmilch- maft) und beste Saugkälber 69— 71•-id—.......„ 65—87 M.; o) geringe Saugkälber l 43— 46M.— Schafe: a) Mastlämmer._, 1 d) Allere Masthannnel 58—02 M, c) mästig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 50—55; ck) Holsteiner Niedeningsschafe 27—32 M.; auch pro 100 Pfund Lebendgewicht—— M.— Schiveme: Man zahlt» für 100 Psinid lebend(oder 50 Kilogr. mit 20 Prozent Tara-Abzug): a) voll« fleischige, kernige Schweine feinerer Raffen und deren Kreuzungen, höchsten« 1-/« Jahre all: 50—51 M.; b) Käser—, c) fleischige Schweine 48—49 M.; ck) gering entwickelte 46—47 M.; e) Sauen 42—44 M. Verlans und Tendenz: Das Rindergeschäft wickelte sich langsam ab und hinterläßt Ueberstand. Der Kälberhandel gestaltet« sich langsam. Bei den Schafen war der Geschäftsgang ruhig; SchlachNvare und Mager- Vieh binterlaffen geringen vebeniand. Dcr Schweinemarkt verlief langsam, zum Schluß verflautc daö Geschäft, es wird nicht getäumt. Schwere fette Ware war veruachlässtgt, und erziette nicht dt« höchsten Preise. Repertoire. Neues könig. Lpern� Theater. Lessiiifj- Theater Neues Theater Theater dxs Westeus Schiller- Theater Monvitz- Oper Sonntag 13. Die FlederiyauZ. Montag 14. Dienstag lü. Mittwoch 1K. Donnerstag 17. Iris. Grohmama. Wahrsagerin. Abschicdssouper. Wahrsagerin. Ahschiedssouper. (Gastspiel: R. Wellhvf) Der Mikado. (GaftspiÄ: R. Mellhof) Der Mikado. !t!ucrczia Äorgia. LavaUsrinI I nastieana. Ständiges Repertoire. O si c n d- C a r l W c i ß- T h a t e r Der Tronipeter von Säkkingen. Dre Fledermaus. Iris. Wahrsagerin. Abschiedssouper. ZauberfliZte. Die Fledermaus. Im weihen Röhl. Kiwito. (Nuscha Butze.) Die Fledermaus. Erziehung zur El?e. Sittl. Forderung Kiwito. Freitag 18. Sonnabend 19. Sonntag 20. Iris. l Gastspiel i R.'Wellhvf) Der Mikado. (Gastspiel: R. Wellhof) Der Mikado. ,., Gastspiel Waffenschmied.| t atmen.| Hngeuottcn.| Borghi- Lnciguani. Urania-Theater, Taubenstrahe 48/49: Das Land der Fjorde. C e n t r a l- T h e a t e r: Der LeiratSmarlt Die Kubanerin. (Gastspiel: R. Wellhos) Der Mikado. Die Fledermaus. Im weihen Röhl. Die Fledermaus. Unbestimmt. (Gastspiel: SR. Wellhof) Der Mikado. (Gaftixiel: SR. Wellhof) Der Mikado. LsilternngSnbcrsicht vom 1«. August 1«»»,»lorgeuS« Uhr. Stationen s= Ss sg 3 5 S?e --= i? Swincmde. Hamlnirg Berlin Wiesbaden Mstnchen Wien 760.NW 704. NW 7 02! W NW 707!« 707NW 7K2W Wetter 4!wollig Äheiter 4lutolkig l! Regen Ztoolkig Sswolkig -SSl! si» d II 5 «5,1 Stationen Haparanda Petersburg !Corr Aberdceu !Paris 7SSR 7ö8SW 7öS 770 700! NO W NO Wetter Lheiter (bedeckt l heiter Ihlb.bed. Lavolkenl se: d" s ö 9 14 17 18 15 Wetter.Prognose sür Sonntag, den 13. August 1899. Etwas wärmer, vielfach heiter, zeitweise wollig mit mähigen Nordwest- lichen Winden ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. B. WahBkreis. tTin Tienötag, den 15. August, abcudö SVs Uhr, im Lokale „Armiiihallcn", Kolninaudautcustrasse SV: V o vsQ in m l xx n a"MZ des Walllmms des 1. Wahlkreises. Tagesordnung:. ' Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Gcnoffen ZlalbeU über: . � prillwickelnng der Socialdemolratle nach drcihig Jahren". 2. Tis- l....am 3. Beremöangclegcnhcitett. 230/8 ___ Pc* Vorstand. Zotjaldemokratischer Wahloerein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dieustag, den IS. August, abends&U Uhr, in Fischers Lokal, Beuffclstr. 7:. 'Vei'sailiinIriKiK. Tages-Ordnnug: 1. Die Socialdemokratie im roten Hause. Referent Genosse«aelwslck. - Disknssion. 3. Acrcinsangelcgeuheiten. 247 14» Gäste haben Zutritt. Por Vorstand. aMF" Die Partie nach der Sternwarte findet sür die Genossen von Moabit und Rosenthaler Vorstadt am Sonntag, den 27. August, statt. Mtniili! Friedrichsfelde. MIsmI Partei■ Versammlung am Mittwoch, den 16. August abcuds 8� Uhr, im Lokale„Zum Lindenpark", Wilhelmstr. 11. T a ae s- O r d n u n g: � 1. Bortrag des Genossen Wosnct über: Heilstätten und Zucht- Häuser. 2. Diskussion. 4. Wahl der Delegierten ,ur«reiskonfercu». 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. 223/4 Um recht zahlreichen Besuch ersucht Por Vortranensinann. Aclitimg!"WW Wahlverein des 4. Berliner Reictistags-Watiikreises(Osten). Sonntag, den 13. August 1899 a Großer Aiisßlig der Witglieder mit Minilie nach Irikdrichshagen Wusselschlößchen). Abfahrt von:>schlesischcn Bahnhofe von vormittags 8 Uhr 4 Min. stündlich, nachmittags von 2 Uhr 30 Min. V- stündlich. Um 11 Uhr erster Aufbruch na» dem Walde mit Musik; dort Belustigungen aller Art für Jung und Alt. Nachmittags von'p/, Uhr ab: Allgemeines Kaffeelochen. 5 Uhr zweiter Ausbruch nach dem Walde. Spiele für Kinder, Geschenke für dieselben.— Die Mitglieder werden ersucht, sich recht zahlreich mit Familie zu beteiligen. Entree wird nicht erhoben. 0/18 DM- Den Mitgliedern zur Nachricht, dost die Bersommkung diesen Monot ausfällt; diejenigen, welche die üre über die Zuchthausvorlcme noch nicht erhalten haben, wollen sich dieselbe in den Zahlstellen fordern, länger als zwei Monate restieren. Broschüre dürfen aber nicht Der Vorstand. Zu obigem Ausflug ersuchen wir ebenfalls um recht rege Beteiligung der Parteigenosfeu. � Die Uevtranensleute des Ostens. Verband aller in der Kürschnerei beschMigten Ardeiter u. Arbeiterinnen Porltns und Ilm�esend. Montag, den 14. d. M. im Restaurant Feind, Welnstr. tt: Mitglieder-VersamlNg. Tages-Ordnung: 1. Vorirag des Genossen Id. Molener. (Gleiches Recht sür alle). 2. Diskussion. 3. Eriatzwahl eines Vorstands-Mit- gliedes und eines Revisors. 4. Wer- schiedenes. Uin pünktliches Erscheinen ersucht 93/10 Der Vorstand. Die als Reisemuster benutzten Damcn-Kostümröcke von 4,50—8 M., Jackenkoslüme von 6—18 M., stelle am 14. u. 15. August zum Einzelverkauf. Illorltr Slrutiod, laudenstr.ZZ II. deutscher Hslzlirbeiter-Vttbmd tDaillsteiie Perlin.) Montag, den 14. August, abends 8'/« Uhr: Bezirks- Bersammluugei». Rosenthater und Schönhauser Vorstadt: bei Viernau, Tchlvedtcrslr. 23. T a ae s- O r d n u ii g: 1. Vortrag des Genossen Völker über:.Die bildende Kunst und die gegenwärtigen Kunstausstellungen". 2. Diikussio». 3. Verbandsangelegen- Heiken und Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich um 8 s/z Uhr eröffnet. Es ist Pflicht, dah jeder Kollege in dieser Verjamiltlnng erscheint. Frauen und Nichtorganisierte Kollegen haben Zutritt. Uedding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn Paade(Kolbcrger Salon), Solbergerftr. 23. Tages-Ordnung:., 1. Die Bautischlerbewegnng. 2. Distussion. 3. Ergänzungswahl Kommission und des Schriftsübr«».'4. Bericht der Kommffsion. Tie Kollegen werden ersucht, zahlreich und jiUnlttllvl» zu ericheinen. Parteigenossell des Wahlkreises seItn«i-Bees!!n«i/-8ierIiewB!iar!nttenIinrg. Am Sonntag, de» 8. September, mittags IL Uhr, im Lokal des Gciiosscu Z» b eil, Berlin, Lindenstrahe IvS: Kreis-Konferenz. Die Tagesordnung wird später bekannt gegeben. 203/16 Gleichzeitig wird auf den H 3 des Organisations-StatutS des Kreises aufmerksam gemacht, wonach jeder � Ort bis 3 Delegierte entsenden kann, jedoch müssen dieselben polltisch'organisiert, in öffentlichen Parteiversamm- lungen gewählt und mit Mandaten versehen sei». Ter Nreis-Bertranensmann. Maler und die im Malerbetrieb beschäftigte» Arbeiter. Am Donnerstag, den 17. August, abends 8V2 Uhr, findet im Louiscnstädtischen Konzerthanö, Alte Jakobstr. 37' die Wahl von 4 Mitgliedern und 4 Ersagmäunern zum Juiiuiigs-Tchiedsgcricht statt. Wahlberechtigt sind alle die im Malcrbetricbc beschästigten Maler, Anstreicher, Arbeiter und verwandte Berufsgenoffen. Alls» ntllisrs siehe Säulenanschlag am Montag, den 14 August 1899. 18715 Der GchilfenauSschuf!. Der Vorstand der Malerimmug. RestauraiAt Willielmsberg Sonntag, den 13., und Montag, den 14. August:(S�l'Nköscsk, wozu Freunde und Bekannte einladet Nerlilluii der Gravkllre«. WM. Kriiiate P i li». Dienstag, den IS. August, abends 8V2 Uhr. im Dresdener Garten. Dresdenerstr. IS: Uersammlnttg. 1. Geschäsiliches. Heilstätten. Um zahreicheS Erscheinen ersucht Tages-Ordnung: 2. Vortrag des Herrn Dr Frledeberg über: Lungcn- Der Vorstand. der 13. Weste«««!> Ziidwesten: WM- Die Versammlung wird pünltlich eröffnet.-MW Gstra uast AgZ'hgsttA*bei»ann. Straussbergerstr. S. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr Oraet». 2. Diskussion, 3. Verbands- angclcgeiiheiten. 4. Verschiedenes. Frauen n. Nichtmitglicder habe» gutritt, letztere können sich aufnehmen lassen. Pflicht cuics jeden Kollegen ist es, sür zahlreichen und pünltlichen Besuch der Versammlung zu agittcren. Die Versammlung wird präcise um 8'/, Uhr eröffnet. Zritdrlchslikrg: Tages-Ordnling: 1. Vortrag._ 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Verbandsangelegenheiten. Es ist Pflicht jedes Kollegen zu erscheinen. Arhtnnlg!'MU UM" Mdztun�! Bttbanii l>tr Dil Holzbeiirlitttllilgs-Msllittttll beschiistigten Arbeiter Bnlins tilld Ningegetib. Montag, den Id. Augnst, abends 8>'» Uhr, im Englischen Garten, Alexandcrstr. 27e: AKKtjxltSatvR'- VvR'ssiiKinIvRiRzx. T.-O.: l. Vortrag des Genosse» f. Jahn über: May Stirner, Der Einzige und sein Eigentum. 2. DiSkm'sion. 3. Gewerkichastliches. vor Vorstand. R8. Billeis der Sternwarte zum 19. August sind in der Versammlung beim Kassierer zu haben. 83/8 23178» Trinkann, Wilhelmsbcrg. " 14718* Rolitaliak.! 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Vom August ab sind die Vezirksversammlnugen von Montag auf Donnerstag nach dem 15. verlegt, da der Besuch der Mitglieder iviontagS zu schwach ist. Ponuerstag:, den 17. Anlast er.: Irltdrilllssttdr:<-« P-w»-»«««- so, Tage»- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Carl Dick über:„Die wirtschaftliche 8age der Arbeiter-. 2. Diskussion. 3. VerbandSaugelegenbeiten u. VerichtedeneS. AM- Gäste w i ll l 0 m m e n."MS 108/17j_ Plc Ortsverwnltnng. Alktlttlg! StucClttCUVC� Alktung! Montag. U.«iignst. abcndS 8«hr, bei Pnnke, Grenadierstr. 33: OeÄSatlRvlRS V T a g- S- O r d n u n g: � 1. Generalabrechnung. 2. Wahl des Vertrauensmannes. 3. Unsere Tatttt. Die Wichtiglcit der Tagesordnung erfordert zahlreichen Besuch derKollegen. 173/20 Per Vcrtranensniann. Dlcnsta Zinkgiesser und Sfürzer! f, den 15. Angnst. abends 8V, Fhr, im Poki es Hrn. F.. Jtlngcr, Panteuirelstp. 47: de ___________ m*-" J** 4 m (Oeffentl. VevsntNtttlung. Tages-Ordnung: 1 Bericht und Abrerhinmg der Agitationstomuiission; Neuwahl der- selben 2. Bericht des VeriraueiiSmaimes und Neuwahl. 3. Bericht des Delegierte» zur GeiversschastStommijsiou. 4. Verschiedenes. 260/2 Dir AgitationStommissivu. I A.: Kax Schuir, Fürstenstr. 19. Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Krawattenbranche. Am DienStag, dcu IS. August, abends 8'/« Uhr, im Lokal des Hern« Vuske, Grcnadicrstraste SS: Verz'KttLMluzrg."MZ Tages-Ordnung: Bortrag deS Genoffen Theodor iUctxner über:„Die Schule, wie sie ist und wie sie sein soll". 2. Disttussion. 3. Vierteljahresbericht. 4. Verschiedenes. 251/4 DM- Ausgabe der Urania-Billets. Zur Aiiffbbnmg gelangt: Der Sieg des Menschen über bie Natur. Billets sind im Arbeitsnachweis von C. H e r g t, Landwehrstr. 1, sowie bei S t a n 0 w s k y, Hüchstestr. 4L, zu habe». Per Vorstand. kfo billigste Preise[17118* Max Jacoby Slrelilzerstrasse Mr. 52. Roh-Tabak. Gröble Auswahl.— Billigste Preise. P. E. 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Wir wünschen viel Glück zu seiner Fahrt nach Jerusalem. s1873b Dls Kollegen des Central-Verbandes der Maurer, Berlin II, Zahlstelle NO. __, Es wird in einer Prozevsache die jetzige Wohnung der unverehe- lichten ISiigb Lopliie Leopold, geb. 1876 zn Berlin, iiuletzt wohnhaft gewesen Brunnen- striche 38 bei Tchoeneberg, O& II C Ii t,"�8®� Etwaige Mitteilungen über den jetzigen Aufenthalt derselben wären uns sehr erwünscht. Orts-Kranlrenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Zlu der Ttadtbahn 4V. LrleliiruiiK. Mache hierdurch belannt, da» ich das Geschäft nicht verlaust habe, und ich dasselbe weiter sortsühre.[1847b Achtungsvoll Frau Ww. Agnes Range, Gastwirtin, Hasenheide 117/118. Von der Reise zurück[18585 1 Dr. Gustav HlrBclifeld, SO., Skalltzerstr. 54c. Von der Reise zurück 23248 Dr. Zadek, Tresdenerftr. 109. Tel. IV. 3630. JC. Zlnktion für Zlhileidtru Tdüihmdier Montag, den 14. 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W. Gesche, Wrangelstt. 58. Martin Mescha. Adalbertstt. 24. Ociitr-nin: P. Horsch, Gipsstr. 27. Fknt-lsttcnbncg: Gnst. Scharnberg. Schillcrftr. 941 A. Tietz. Kaiier Friedrichstt. 37 b. Fdcckcnau: H. Bernsec. Kirchstt. 15. Frlcdrlchsbcrg: Anton Kopp. Friedrich Karlstr. 4. Pankow: Kümmert. Kaiser Friedrichstr. 15. Rlxckoi-f: E. Ostermann. Erckftr. 6. E. Reüera», Hermannstr. 50. Gcböncbci-g: Wilh.Bäumler.ApoftclPanluSstr 13. WeinHensee: Heinrich Bachmann, Lehderflr 1. Julius Schillert. Königchauffee 39a. Rod. Liebschwager» Gustav-Adolf- strasse 16. Verantwortlicher Redaclcur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. sr. i88. iß. inDtpj. 2. Keilllze des„Amiilts" Kerlilltt UolksblM. i8ss. Statistisches über die Berliner Dienstmädchen. Bei der Berufs- und Ge Werbezählung vom 14. Juni 1895 zählte man in Berlin 67 089 eigentliche Dienstboten im Hause, 7171 männliche, 59 913 weibliche' außerdem 17 241 andere Dienstboten sAufwartungspersonal usw.), 1145 männ- liche, 16 096 weibliche; also überhaupt 84 330 im häus- lichen Dienst beschäftigte Personen, 8316 männ- liche, 76014 weibliche. Die 59918 eigentlichen Dienstboten Weib- lichen Geschlechts sind die sogenannten Dienstmädchen. Die Alterszusammensetzung der Dienstmädchen ist so. daß die jüngeren Altersklassen ganz außerordentlich überwiegen. Bei der Zäh limg vom Juni 1895 waren in Berlin 2841 Dienstmädchen 14— 16 Jahre alt. 5704 16-18 Jahre. 7834 18-20 Jahre. 31250 siiber die Hälfte aller!) 20—30 Jahre. 7379 30-40 Jahre. 2863 40— 50 Jahre, 1399 50 bis 60 Jahre. 470 60—70 Jahre, 113 noch älter. Außerdem wurden 56 Mädchen von 12— 14 Jahren und 4 von unter 12 Jahren bereits als„Dienstmädchen" bezeichnet. Ledig waren 57 340 Dienstmädchen, also— wie zu erwarten— die allermeisten. Es heiraten zwar alljährlich in Berlin eine große Zahl von Dienstmädchen, aber sie müssen damit— nach Lage der Sache— in der Regel aufhören. Dienstmädchen zu sein. 1895 heirateten hier 3415, 1896 3717 Dienstmädchen. Im Durchschnitte beider Jahre ist die Zahl der heiratenden Dienstmädchen, verglichen mit der Zahl der im Juni 1895 hier vorhandenen, über 15 Jahre alten, nicht verheirateten Dienstmädchen, gleich ö'/e Proz. Dar Heiratsalter der Dienstmädchen stellt sich in Berlin, nach eines früheren Berechnung sfür 1892) im Durchschnitt ans 27l'io Jahre 1,11 8 Fortzug sind bei den Berliner Dienstmädchen sehr lebhaft. Im Laufe des Jahres 1895 zogen, nach den polizeilichen Meldungen, 43 238 Dienstmädchen zu, 31(335 fort. Durch den üblichen Zuschlag für erfahrungsgemäß unterlassene Meldungen erhöhen sich die �-ortzuge auf rund 38 000. Der Zuzugsüberschuß belief sich somit au' 5-6000. Das erscheint viel, ist aber erforderlich zur Deckung des be- deutenden Abganges, der außer durch Fortzug auch durch Heirat und durch Uebergang zu anderen Berufen sFabrikarbeit usw.) alljährlich herbeigeführt wird. Die zuziehenden Mädchen kamen großen- aus den östlichen Provinzen, die aller- ihnen hinsichtlich des Lohnes und der Behandlung Unterstützung und Schütz gewährt. Der Mißerfolg, den selbst die Waisenverwaltung tnng von Dienstboten hat, zeigt mit besonderer ; es kein Vergnügen ist, Dienstmädchen mit ihrer Deutlichkeit, daß zu sein. Vevtammlungen. teils ineistcn aus Schlesien(14,6 Proz.), nächst dem die meisten aus Pommern, Ostpreußen. Posen(9.9 Proz.. 7,3 Proz., 7.5 Proz.) Uebrigens sind, entsprechend dem starken Zuzug aus Gegenden mit voriviegeud katholischer Bevölkerung(Posen, Schlesien), unter den Berliner Dienstmädchen die Katholikinnen verhältnismäßig stark vertreten,— im Juni 1895 mit 12 Proz.(7212 Mädchen), während von der gelernten weiblichen Bevölkerung nur 8 Proz. katholisch ivaren. Ueber die Häufigkeit des Stellenwechsels geben Aufschluß die Verwaltungsberichte des Gesinde-Belohuuugs- und' Uuterstütznngs- fonds, an den die Dienstboten, männliche und weibliche, bei jedem Dienstantritt 50 Pf. zahlen müssen. 1895/96(I.April bis 31. März) wurden, wenn man die noch ausstehenden Beiträge mitzählt, 82 998 Stellen angetreten, während im Juni 1895, wie gesagt. 67 089 mannliche und weibliche Dienstboten gezählt wurden. Danach hätte jeder Dienstbote im Durchschnitt mehr als einmal im Jahre die Stelle gewechselt und wäre im Durchschnitt weniger als ein Jahr in jeder Stelle gewesen. Wie lange die Mädchen überhaupt Dienstmädchen bleiben, zu dieser Frage liefern die Ermittelungen, die die städtische Waisen- Verwaltung von Zeit zu Zeit über den Berbleib der von ihr in Dienst gebrachten Mädchen anstellt, einen interessanten Beitrag. Von 51 Waisen, die Ostern 1890 aus der hiesigen Kost- pflege in Dienst kamen, waren schon 1896 nur noch 23 in Dienst, 13 waren Arbeiterinnen geworden, 8 waren bei Verwandten, 3 verheiratet, 2 erwerbsunfähig, 1 verschollen, 1 prostituiert. Der Waiscnverivaltungs-Bericht pro 1895/96 nennt es erfreulich, daß wenigstens 23(--- 45 Proz.)„dem Dienstbotenstand erhalten gc- blieben" sind. 45 Proz. ist aber sehr wenig, wenn man er- wägt, daß diese Madchen vom 14. bis 15. Jahre noch einen besonderen Hauswirtschafts-Unterricht genießen, also gleich in Den ersten Dienst schon geivifse, ihnen die Arbeit er- leichternde Vorkenntnisse mitbringen, und daß die Waisen- verwalwng noch lange nachher mit ihnen in Verbind, ing bleibt und Ländliche Armenpflege. Auf dem Gute K. in der Provinz Posen, das einem hohen Reichsbeamten gehört, das jedoch nicht, wie das benachbarte G., von ihm selbst bewirtschaftet wird, sondern verpachtet ist. machte ich zuerst Bekanntschaft mit der ländlichen Armenpflege. Da fand ich eine allciiistchende Winve, die in einer Stube baufte, die noch ramponierter war, als die Räume der Tagelöhner. Die Frau bekam jeden Monat einen Scheffel Kartoffeln und einen halben Scheffel Roggen.I Was sie sonst brauchte, bekam sie eben nicht. Eine zweite Witwe hatte eine Rente von neun Mark und fünfzig Pfeunigen. Die Gutsverwaltung hatte ihr eine Stube an- gewiesen. Da hauste das alte, nahezu blinde und taube Mütterchen mit einem Idioten zusammen, den die Tagelöhner einen„Dummen" nannten. Den mußte sie dafür, daß sie' in der Stube mit einem solchen beinahe zum Tier gewordenen Menschen zusainmenivohncn konnte,„besticken",„bewascheu" usiv., wie sich die Tagelöhner aus- drücken. Dieser„Dumme" mußte auf dem Gut im Pferdestall arbeiten; das heißt, so viel, wie er bei seinem Zustande leisten kounte. Dafür erhielt er Essen. Es kam auch vor. daß ihn seine bösen Stunden Überfielen Dann prügelte er die Alte und zerschlug ihr die wenigen Geschirrstücke und Wirtschaftsgeräte, die sie ehrfurchtsvoll behandelt hatte. Die Nachbar» mußten ihr zu Hilfe eilen und den Wütenden bändigen. Da er nur ab und zu Kleidungsstücke geschenkt bekam, sonst aber kcinei» Lohn bezog, lief er im Winter oft barfuß im Schnee herum. Eine andere alte Frau erhielt sogar nur eine Stube. Daß alte Leute auch Nahrung zu sich nehmen und auch ihre Blöße bedecken müssen, daß so ein altes Mcnschlcin eine wollene Hülle braucht, um das bißchen Wärme, das es besitzt, bei sich bchalteii zu köimeii, war gewiß vergessen worden. Da hörte ich denn etwas außerordentlich Bezeichnendes für die Armenvcrhältuisse auf den Gütern: Der Pfarrer von dem benachbarten Gute G. soll sich manch- mal der Frau erbarmen, ihr Nahrung und Kleidung zukommen lassen.... An einem sonnigen Nachmittag erlebte ich selbst eine nicht minder merkivürdige Begebenheit. Ich marschierte in das Kreisstädtchen W. ein. Eins der ersten Gebäude lvar das stattliche Landratsamt, vor dem eine Tafel stand, auf der jede Hansbettclci ausdrücklich und streng verboten war. Nicht weit hinter dem Landratsamt stand ein einstöckiges Haus mit der großen Aufschrift:.Königliches Amts- gcricht". Die leere Straße herauf kam eine alte, bar- füßige Frau. Ihr Korb, aus dem Brotstücken und ähnliches sah. verriet nur. daß sie eine Bettlerin war. Ich wollte sie tvarnc». ihr sagen, daß sie hier in einer gefährlichen Gegend sei. Aber da verschwand sie schon in einem Hause— in dem„königlichen Amtsgericht"! Vielleicht hatte sie hier Termin, dachte ich, wartete aber, um mich auf jeden Fall zu unterrichtcu. Da kamen einige Beamte» uns dem Hause, denen es aufgefallen war, ivie ich das Gebäude betrachtete. Sie fragten mich, ob ich es vielleicht phorographieren ivolle. Und al«'ich ihneil auseinaudersetzre. daß mich die eben hiiicingcgangrne Alte sehr interessiere, daß ich solche Typen(ans Liebhaberei) sammle, da holten sie Eine Tie»stbotr»versam»>lung durch den Tieuerberein gesprengt. Am Freitag hatte der Verein der Diener wieder eine öffentliche Dienstbotenversammlung einbenifen. Diesmal nach dem Airdreassaal, im Herzen des proletarischen Ostens. Wohl mit Rücksicht auf die Be- wohn er dieser Stadtgegend lautete das Vortragsthema:„Proletarier und Dienstboteukalamität". Es hatten sich deshalb auch eine Anzahl Proletarier und Proletarierinnen eingefunden, die nicht dem Beruf der Dienstboten angehörten. Das weibliche Element, und unter diesem wiederum die besser gestellten Dienstmädchen, bildeten die weitaus größte Mehrheit der Versammlung. Der Einberufer, Diener Bock, ließ diesmal, was in den früheren Versammlungen nicht der Fall war. ein Bureau wählen. Gegenüber einem Gegenvorschlage ging ein aus den Reihen des Dienervereins gestelltes Bureau durch mit Bock als Vorsitzenden. 'Die erste Referiltin Anna Steffenhagen entwickelte das bekannte Progranim der Dienstbotenbewegung. Während bisher immer nur in erster Linie eine Verbesserung der Gesinde- Ordnung gefordert wurde, plädierte die Rednerin jetzt für B e- seitigung derselben. Sie forderte zum Eintritt in den Diener- verein auf und schloß: Kolleginnen! Organisieren wir uns! Kämpfen wir! Nur durch Kampf könne» wir den Sieg errringen!(Stürmischer Beifall.)— Der zweite Referent. Redacteur P e r l m a n n, bemerkte zunächst, die vorige Versammlung sei nicht, wie einige Zeitungen berichteten, polizeilich aufgelöst, sondern durch den Vorsitzenden geschlossen worden. Dann führte er aus: Die Gesinde Ordnung und die Behandlung der Dienstboten durch die Herr schaffen seien die Ursachen, weshalb die Mädchen dcS Arbeiter standcs es vorzögen, lieber gegen unzureichenden Lohn in die Fabriken zu gehen,' als sich dem sie besser nährenden Beruf des Dienstmädchens zu widmen. Natürlich könnten Fabrikarbeiterinnen nicht so gute Hausfrauen werden, wie Dienstmädchen. Wenn weniger Mädchen in die Fabriken, und mehr in den Dienst gehen würden, so habe daran nicht nur der Mittelstand, sondern auch der Arbciterstand ein Interesse. denn den Arbeitern würden in den Dienstmädiben gute Hausfrauen herangebildet, und ferner werde infolge der Abnähine der Zahl der Fabrikarbeiterinnen die Arbeitsgelegenheit für die männlichen Arbeiter eine reichlichere werden. Redner fordert die Arbeiter auf, sie möchten, Ivo sie mit Dienstmädchen zusammenkommen, für die Organisation der letzteren wirken. Der bestehende Verein brauche nicht erst. wie es in früheren Versammlungen von anderer Seite verlangt wurde, ein Kampfvereiii werden, er sei schon ein solcher. Der Kampf richte sich aber nicht gegen Personen, sondern gegen Einrichtungen: gegen die veraltete' Gesinde-Ordnung. Es wäre schön, wcmi auch die Handwerker an den Bestrebungen des Vereins teilnähmen und Schulter an Schnltcr, aber in maßvoller Weise für die Besserung der Lage der Dienenden einträten.(Beifall.) Arbeiter und Dienende müßtest sich solidarisch erkläre» und gemeinsam vorgehen. Der Hausfraucn-Vcrein, der in einem Flugblatt seine Mitglieder ersuchte, den Dienstmädchen den Vcrsammlnngsbesuch zu verbieten, werde durch solche Maßnahme» nur die Organisation der Dienenden fördern.(Beifall.) Wie in den vorigen Versammlungen, so war auch diesmal die Diskussion eine sehr lebhafte.—' I o s e p h a Nikolaizeck schilderte ihre trüben Erfahrungen im Dienstbotenvcrhältnis, sie wurde schließlich von einem männlichen VerfamMlungsbesucher, der die Erzählung von Einzelheiten nicht hören wollte, unterbrochen und brach, durch diese Störung verwirrt, in ihren Ausführungen ab.— Heinrich E n g l e r, der nunmehr das Wort erhielt, be- zeichnete diese Unterbrechung als eine durchaus unangebrachte und führte dann aus: Die' Dienstbotenfrage könne ohne Politik nicht gelöst werden. Ein Appell an die Honoratioren sei vergeblich Nur dann könne die Dicnstbotenbewegfmg vorwärts komnwn, wenn siesich der proletarischen Bewegung anschließe und ihre Wünsche der Social mir die Alte heraus und stellten sie mir auf, so daß ich ein recht 'chönes Bild aufnehmen konnte. Die Alte knixte und verbengte sich ganz verwirrt, als ich ihr einen Nickel schenkte und zog überglücklich, fortwährend polnische Dankbeteuerungen murmelnd, mit dem, was sie im„Königlichen Amts gericht" erbeutet hatte, davon... Wie mir die Beamten erzählten, war sie eine Ortsarme aus der Umgegend. Wenn ich mich nicht irre, erzählte sie mir auch, daß sie einen Bcttclschein, also die behördliche Erlaubnis zum Betteln habe. Doch kann mir dies sonderbare Gerücht auch von einer anderen Seite zugetragen worden sein. Ich hörte und sah bei meinem Forschen soviel ungeheuerliche Dinge, daß ich einzelnes nicht mehr genau feststellen kann. Wie traurig es mit den Ortsarmen in den kleinen Ackerbürger- tädtcn und Dörfern steht, zeigte mir ein Besuch in der Armengasse der„Stadt" F., einem Ocrtchen von kaum tausend Einwohnern. Von der mit Kleinkramläden und Bauernhäusern besetzten Haupt itraße zweigte sich eine Nebengasse ab. Wer nicht wußte, daß dort Menschen wohnen, mußte glauben, hier sei eine Scheunenstraße mit dazwischen liegenden, verfallenen Ställen. Nur die vielen Kinder, die aus den Baracken sahen und vor den dürftigen Kartoffelgärtchen die Gänse hüteten, deuteten an, daß die schiefen Fachwerk- und Lehm- Hutten als Arbeiterwohnungcn dienten. Je weiter ich die Bahnstraße hinaufklinnutc, je erbärmlicher wurden die Hütten. . In die letzte, die nur aus ciuer Stube und einem kleinen Ver- chlag bestand, trat ich ein. Die Thllren waren in einem jämmer- lichen Zustand. Fingerbreite Spalten zwischen Thür und Rahmen ließen den Wind hindurch. Der Ofen rauchte; im Winter heizte er 'o schlecht, daß das Wasser im Zimmer fror. Ein abgezehrter Mann, dessen Augen vom Wetter und vom Skrophcl zerfressen worden waren, empfing mich und führte mich in die Stube. Seine Frau lag krank im Bett. Ihr Kopf war ge 'chwollen von Fieberhitze. Sie hatte in den letzten Tagen, die kalt und regnerisch gewesen waren, auf dem Felde gearbeuct, um für ihre Familie Nahrung schaffen zu können. Run wälzte sie sich, ivährcnd draußen die Sonne glänzte, unruhig im Bett hin und her. Ihre drei Kinder, die trotz der färbenden Landluft bleich und mager, wie schlecht genährte Großstadtkinder aussahen, drückten sich flieu in eine Ecke, während mir der Mann einiges aus seinem Leben erzählte. Da er vollständig arbeitsunfähig ist, bekommt er sich und seine Familie pro' Tag dreißig Pfennige. Früher bekam er sogar nur zehn Pfennige. Dock»ach viele» Ein- gaben wurde ihm sein Almosen erhöht. Außerdem hat er die Wohnung frei, wofür die Regierung jährlich vierundfünfzig Mark Miete an den Besitzer zahlt. Auf meine Frage nach dem Gemeinde-Armenhans antivortete er mir, daß allerdings' so ein Gebäude existiere; ob ich nicht das neue rote Haus unten an der Ecke gesehen hätte? Ich erinnerte mich des breiten, einstöckigen Ziegelgebäudes mit großen Fenstern und Thüren und dem dahinter, liegenden auberen Stall. „Schür Sie." wurde mir nun berichtet,„das war früher das Armenhaus. Ein reicker benachbarter Gutsbesitzer hatte eine Ziegelei im Orte. Vor acht Jahren schenkte er die Steine zum Armenhaus. Er starb dann, und bald darauf verpachteten die Bauern das Annen- Haus als Molkerei... Ja. nun ziehen sie die schöne Pacht für die demokratie unterbreite.(Rufe: Nein! Nie!" Jawohl I Lebhafter Beifall.) Ottilie Baader: Das Referat des Herrn Perlmann machte auf mich den Eindruck, als ob er für die Herrschaften und nicht für die Dienstboten agitiere. Denn obgleich er die Lage der unter der Gesinde- Ordmmg schmachtenden Dienstmädchen als eine traurige schilderte, riet er doch den Mädchen des Arbeiterstandes, nicht in die Fabrik, sondern in den Dienst zu gehen. Ich meine, wenn auch die Fabrikarbeiterin sich von Kaffee und Brot ernähren mutz, so hat sie doch am Abend einige Stunden, wo sie sich frei und als Mensch fühlen kann, während das Dienstmädchen Tag und Nacht unter der Knute steht.(Sehr richtig I) Uebrigens giebt es nicht wenige Dienstmädchen, die auch nicht satt zu essen haben, weil ihren Herrschasten jeder Bissen, den die Mädchen be- kommen sollen, zu viel ist.(Sehr richtig I Lebhafter Beifall.) Sie sagen, sie wollen nichts von der Politik wissen. Ja die Gesinde» Ordnung kann doch nur durch die Gesetzgebung beseitigt werden, und um das zu erreichen, müssen Sie sich doch an die erwählten Vertreter des Volkes wenden. Die„gnädigen Herren" in den Parlamenten werden sich hüten, die Gesinde-Ordnung abzuschaffen. Im Reichstage ist nur die Socialdemokratie für Abschaffung der Gesinde- Ordnung ein- getreten. Die Bewegung der Arbeiterinnen ist für die Bestrebungen der Dienstboten. Wir können Sie ruhig gewähren lassen. Sie werden so wie so zu uns kommen.(Beifall. Nein! Niemals!) Es hat schon mancher gesagt: Niemals, der später anderer Ansicht geworden ist. Die, welche jetzt: Niemals rufen, wissen wohl nicht, was die Socialdemokratie ist und was sie will.(Sehr richtig. Beifall.) Wollt Ihr Eure Menschenrechte erkämpfen, dann sorgt für Ab- schaffung der Gesinde-Ordnung. Organisiert Euch! Tretet der Socialdemokratie bei!(Bravo! Nein!) Wir gehören zusammen, die Arbeiterinnen und die Dienstboten. Ihr Verein wird mehr nach links gehen.(Widerspruch und Beifall.) Wer einmal angefangen hat für die Freiheit zu kämpfen, der hört nicht eher auf, bis er sie ganz errungen hat.(Stürmischer Beifall.) Hierauf sprachen mehrere weibliche Mitglieder des Diener- Vereins. Sie forderten zum Eintritt in denselben_ auf und schilderten an der Hand von Einzelfällen die Mißstände im Dienstbotenberuf. Andere Nednermnen lobten � ihre guten Herrschaften. Schier Ilcberschwängliches leistete in dieser Hinsicht ein junger Diener aus Lichtcrfelde. Bei seiner Herrschaft hätten es dio Mädchen sehr gut. Das Kindermädchen habe nachmittags nur die Kinder zu amüsieren. Sonntags dürften die Mädchen„schon" um 3 Uhr ausgeben usw. Eine Koalition würde das patriarchalische Verhältnis stören. Die Bewegung müsse von einer moralische» Partei geleitet werden.— Schröder, Vorsitzender des Dienervereins: Ich weiß kaum, was Politik ist.(Heiterkeit.) Den Parteileuten möchte ich zu- rufen: Lassen Sie uns in Ruhe. Sie stecken sonst das zarte Pflänzchen an und es wird vertrocknen.(Heiterkeit und Beifall.) Ein älterer Mann in der Livree eines herrschaftlichen Portiers drückt seine Freude darüber aus, daß auch den Dienstmädchen jetzt ein elektrisches Licht über ihre Verhältnisse aufgeht.(Beifall.)— Minna Tramps, ein junges Mädchen, betritt das Podium und sagt in pathetischem Ton: Ich frage, hat die socialdemokratische Partei seit 40 Jahren schon einmal eine Dienstboten-Versammlnng einberufen?(Nein!) Nichts hat diese Partei für uns gcthan. Darum haltet zu unserem Verein, damit wir selber eine Korporation in den Reichstag senden können.(Heiterkeit und Beifall.) Lasset uns kämpfen nach dem Wahlspruch unseres seligen Fürsten Bismarck:„Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Welt!"(Lachen und lebhafter Beifall.) — Emma B i e r i n g: Ob Jude oder Christ, wer unsere Be- strebungcn unterstützt, ist uns recht. Die Socialdemokratie hat bis jetzt nichts für uns gethan, wir verzichten auch ferner auf sie.(Bravo!)— Rektor V u ch h o l z: Dieser Verein muß sich ohne Hilfe von anderer Seite durcharbeiten.(Bravo! Ruf: Nie» Mals!) Ich habe mich auch ohne die Socialdemokratie durch» gearbcttct. Manches, was von den Socialdemokraten gesagt wurde, erkenne ich an, nicht weil es socialdcmokratisch, sondern weil es menschlich ist.(Bravo!) Glauben Sie nicht, daß alleS Heil von der Socialdmokratie kommt. Lassen Sie den Berein allein, er soll aus eigener(Kraft weiterkommen. (Stürmischer Beifall.)— Marie Zech: Folgen Sie den Führern unseres Vereins und den Leitern unserer Versammlungen, sie,»einen es gut mit uns.(Beifall.)— Vorsitzender Bock nimmt dies Kompliment dankend entgegen. Wenn er auch noch nichts von der parlmnentarischcn Leitung verstehe, so meine er es doch gut mit den || i ii Gemeinde und wir konnten sehen, wo wir bleiben. Ich mußte mit meiner Familie sechs Wochen unter freiem Himmel liegen." Die Frau hatte unterdessen einen Satz in polnischer Sprache mehrmals wiederholt. Andere Frauen, die hereingekommen waren, als sie hörten, es wäre ein Herr da, der sich»ach den Verhältnissen der Armen und Arbeiter erkundigen wolle, machten mich auf die Rede der Frau aufmerksam und verdeutschten sie:„Die Frau meint. sie verdient ini Sommer achtzig Pfennig pro Tag, im Winter aber meist nichts. Da sie keine Feuerung geliefert bekommt, muß sie dann Holz stehlen im Walde, sonst verfriercn ihre Kinder in der Stube. Wenn sie gefaßt wird, mutz sie natürlich sitzen." Es drängten immer mehr Frauen herein, alles Arbeiterfrauen. die sich wie die Kinder freuten, daß ein„Herr" sich auch mal um sie, um die Armen bekümmere. Besonders freudig erregt war ein altes, weißhaariges Mütterchen, das peinlich sauber gekleidet ging. Auf meine Frage erzählte sie:„Ach, ich habe genug durchgemacht. Aber jetzt ernähren mich ja meine Kinder. Ich habe mich ehrlich für sie gequält....Ick sollte fünf Mark monatlich bekommen; aber auf der Polizei wiesen sie mich hinaus. Jawohl, das haben Sie gemacht... Da habe ich nichts gekriegt. Wenn ich dann für die 5kiiider betteln ging, mußte ich sitzen... Ack, und die paar Groschen, die ich für die Reinlich« keit anwendete, mußte ich vom Essen abknapsen; da wurden wir manchmal nicht satt. Aber Reinlichkeit muß doch sein... Da sagte ich oft zu meinen Kindern: Helft mir bloß wieder raus! Helft mir bloß wieder raus, wenn Ihr groß seid!— Ach Gott, wie oft haben mich die Bürger vor der Thür steh» lassen, wenn ich in der größten Rot zu ihnen' kam, wenn die Kinder nach Brot schrien und vor Hunger Umfielen..." „Ja, ja, sie lassen einen bor der Thiire stehen, wenn man im Winter zu ihnen kommt, weil der Mann im ganzen Winter nichts verdient, im ganzen Winter!" „Nein, nein, im Winter ist hier gar nichts zu verdienen!" „Ja. ja, ich weiß, wie das ist, wenn die Kinder nach Brot schreien und wenn ihnen nichts gegeben werden kann," meinte daS weißhaarige Mütterchen. Dann drückte sie mir die Hand.„Ne, ne, junger Herr, das ist gar zu schön, daß Sie die Armut beachten! Gar zu schön!" Die Thränen standen ihr in den Augen. Sie drehte sich rasch um und lief hinaus, damit ich ihr Weinen nicht sehen solle. „Warum weint sie denn?" fragte ich. „Ach, sie wird wohl daran gedacht haben, wie ihr Mann so rüh ertrunken ist, und wie sie einmal vor Verzweiflung, als sie nichts für die Kleinen hatte, nach dem Wasser gelaufen ist. Sie stand schon auf dem Floß und wollte hineinspringen. Da dachte sie an ihre Kinder, daß die in fremde Hände kommen würden— und ging zurück. Na ja, man will doch seine Kinder selbst erziehen." Die Frauen sahen auf ihre Kinder, die sie auf den Armen trugen: Wer weiß, wie es denen geht, wer weiß, ob sie uns heraushelfen können?"— Als ich vom Armenberg herunterkam, ging ich zum Barbier, Er war nicht anwesend. Seine Mutter fand ihn im Wirtshaus, wo er mit dem neuen Bürgenneister zechte. Ich wartete eine halbe Stunde,— ick ging eine zweite halbe Stunde spazieren— der Barbier kam nicht. Wohl war Burcauzcit. Doch der vom Kreis angestellte Bürgermeister mußte erst den Frühschoppen erledigen. Zur Unter- 'uchung und ordentlichen Behandlung der Armenangelegenheite« blieb da eben keine Zeit.— H a n s O st w a l d. Dienenden.(Bravo.)— Vcreinsvorsitzendcr Schröder(mit sehr lauter Stimme und theatralischen Gesten): Die grobe Propiierciunn. daß mit dem Ende dieses Jahrhunderts der Kladderadatsch ein- treten soll. das sind die Versprechungen der socialdemotratischen Führer.(Unruhe.) Nur noch wenige Monate, dann ist das Jahr- hundert zu Ende. Man müßte doch schon den Donner und Blitz von dem Kladderadatsch sehen.(Unruhe. Redner schlägt krachend auf den Tisch): Halten Sie sich aller Politik fern, dann werden wir wach, en und gedeihen.(Beifall.)— Heinrich E n g l c r: Die social- demokratischen Frauen haben hier Zettel ausgelegt, in denen sie zu einer von ihnen einberufenen Versammlung einladen, die Donnerstag, den 17. August, in der Berliner Ressource statt- findet. Diese Zettel sind von Mitgliedern des Dicnervereins fort- genommen worden. Ich fordere Sie auf, diese Versammlung, in der Lily Braun über die Dienstbotenbewegung spricht, zu besuchen. — E r n st i n e R a u, mit dem schwarz-weiß-roten Abzeichen des Dienervereins geschmückt, betritt, während Engler spricht, das Podmm und winkt mit dem Taschentuch. Der Vereins- Vorsitzende Schröder giebt im Saale dasselbe Zeichen. Die schwarz-weiß-rot Dekorierten erheben sich und bewegen sich, heftig redend und gestikulierend, dem Ausgange zu. Eine allgemeine Unruhe entsteht, aber die Mehrheit der Ver- sammlung bleibt auf den Plätzen. Ein Mann betritt das Podium und ruft dem Vorsitzenden zu: Das ist eine Mache I Das war das von Ihnen verabredete Zeichen zur Sprengung der Versammlung I (Vors. Bock: Ich verwahre mich dagegen. Ich habe nichts davon ge- wüßt.) Der Redner legt mit lauter Stimme unter allgemeiner Unruhe dar, daß er gehört habe, wie vor Beginn der Versammlung von Mitgliedern des Dienervereins die Parole ausgegeben worden sei: Wenn die Socialdemokraten das Uebergewicht bekommen. dann werde mit dem Taschentuch gewinkt werden als Zeichen zum Verlassen des Saales. Aus der Versammlung wird diese Darstellung des Redners bestätigt, der darauf fortfährt, im Sinne der socialdemo- kratischen Vorredner zu sprechen. Allmählich wird es ruhiger, man hört dem Redner zu. Da macht sich aus dem Haufen derer, welche den Saal zu verlassen im Begriff sind, erneute Unruhe bemerkbar, und der Vorsitzende schließt die Versammlung. Der Verband der Bäcker hielt am 8. August seine regcl- mäßige Mitgliederversammlung ab. Kollege Höpfncr erstattete Bericht von der am 16. Juli in Kottbus stattgefundencn Gau- iönfcrenz. In der folgenden Diskussion sprachen alle Redner die Hoffnung aus, daß dieselbe zur Hebung und Stärkung des Verbandes beitragen möge, sowie zur Förderung desselben m den östlichen Provinzen. Laut Beschluß des Gautages schritt man nun zur Wahl einer Agitationskommission. Ein Antrag, derselben 20 M. zu überweisen, um damit zu agitieren, wurde an- genommen. Nun kam man zum Hauptpunkt des Tages: Die letzten Vorgänge in der Berliner Ge- Werkschafts- Kommission. Der Delegierte Kollege H e t s ch o l d erstattete Bericht über die Sitzung des Gewerkschafts- kartells am 22. Juni, wo ei» Antrag auf Ilmwandlung des Abstimmungsmodus von den größeren Gewerkschaften eingebracht und in der nächsten Sitzung mit 3g gegen 33 Stimmen angenonmien wurde. Er gab eine Erklärung für seine Stellung dazu ab, da er die Umwandlung des Abstimmungsmodus als eine Gefahr für die Arbeiter und als Störung des Friedens der Gewerkschaften untereinander ansehe, da dadurch die kleinen Gewerkschaften geknebelt und in ihrem Rechte geschmälert werden. Alle Redner waren sich einig, daß wir lebhaft Protest einlegen müssen gegen solche Handlungen. Es wurde folgende Resolution mit großer Majorität angenommen: Die heutige Versammlung des Verbandes der Bäcker spricht ihrem Delegierten zur Gewerkschaftskommissiou ihr vollstes Vortrauen in Bezug auf seine Stellung zum Abstimmungsmodus aus und ver- pflichtet� denselben, in bisherigem Sinne weiter die Interessen seiner Gewerkschaft zu vertreten. Die Versamnilung erklärt das Vorgehen der großen Gewerkschaften als eine Gefahr für die Fortennvicklung der gesamten Gewerkschaftsbewegung und bedauert den Beschluß der Gewerkschaftskommission vom 27. Juli, lehnt aber ihrerseits jede Verantwortung für die Folgen desselben ab. Nachdem noch einige Verbandsangelegenheiten erledigt waren, folgte Schluß der Versammlung. Die Handels-Hilfsarbeitcr(lokale Richtung) hielten Dienstag den 8. d. M. eine gutbesuchte öffentliche Versammlung ab. Adolf Hof f m a n n hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vor- trag über: Auf was wir stolz sind. Eine Diskussion fand nicht statt. Rein gab hierauf den Bericht über seine Thäftgkeit als Dele- gierter der Gewerkichaftskommission. Hauptsächlich behandelte er den von verschiedenen größeren Gewerkschaften verlangten neue» Ab- stimmungsmodus. Nach einer sehr lebhaften Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angenomnien: Die am 8. August in den Arminhallen tagenden lokalorganisiertc» Handelshilfsarbeiter erklären sich mit der Thätigkeit ihres Delegierten einverstanden. Das Verlangen der größeren Centralverbände nach einem neuen Abstimmungsmodus können sie als ein notwendiges Bedürfnis nicht anerkennen und halten den Beschluß der Kommission vom 6. Juli 189g als den richtigen und maßgebenden. Sie ver- urteilen des weiteren das Verhalten der Führer der Centralverbände, den rechtmäßig gefaßten Beschluß aufzuheben, aufs allerentschiedenste. In einer so enist bewegten Zeit, wo von feiten der machthabenden Faktoren der Versuch gemacht wird, die spärlichen Rechte des arbeitenden Volkes zu beseitigen, in der Aera des Zuchthauskurses sind die Macht- und Kraft- proben, wie sie von feiten der Leiter der Centralverbände vor- genommen wurden, unter allen Umständen zu verdammen. Die Versammelten beauftragen ihren Delegierten, falls in einer der nächsten Sitzungen ein Antrag eingebracht' wird, welcher dem ab- gelehnten gleicht, vor Eintritt in die Verhandlung den Vertretern der betr. Arbeiterschaft diese Resolution zu unterbreiten und, falls dennoch ein Antrag angenommen wird, welcher einen neuen Abstmnnungsmodus einführen soll, der die Bewegungsfreiheit der kleinen Gewerkschaften hemmt, die Erklärung abzu- geben, daß dann unsere Beziehungen zur Berliner Gewerkschafts- kommission als gelost zu betrachten sind. Sodann gab der Berliner Vertrauensmann die Abrechnung von den Kongreß-Sammellisten. Hiemach betrug die Einnahme 114,41 M., die Ausgabe 112 M. Nachdem Decharge erteilt worden war, trat Schluß der Versamm- lnng ein. Eine öffentliche Versammlung der Nollkutschcr und Epe- ditiousarbcitrr tagte Sonntag, den 6. d. M., bei Cohn, Beuth- straße. Der Vorsitzende des Ccntralvcrbandes der Handels- und Transportarbeiter, Schumann, referierte über die bevorstehende Lohnbewegung. Redner erörterte die Einnahmen der Spediteure aus ihren Betrieben und verglich die Löhne der Roll- tutschcr und Speditionsarbciter mit diesen. Es sei Zeit, daß sich die Angestellten der Spediteure endlich aufraffen und deshalb begrüße er den Entschluß derselben, zur Verbesserung der Lage in eine Lohnbewegung einzutreten. Das Referat, welches mit reichhaltigem Material ausgestattet war. wurde seitens der An- wesenden mit stünnischem Beifall aufgenommen.� Die Diskussion war eine recht lebhafte und förderte zahlreiche Uebelstände in den einzelnen Geschäften zu Tage. Beschlossen wurde, eine Lohn- kommission von sieben Mann zu wählen, welche die aufzustellenden Forderungen präzisieren und der nächsten Versammlung, die am 26. d. M. im selben Saale stattfindet, vorlegen soll. Am Schlüsse der Versammlung ließen sich 63 Mann in den Centralvcrband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter als Mitglieder auf- nehmen. Die Schraubendreher- Versammlung, die am 9. August bei Stechcrt tagte, bestätigte zunächst den provisorischen Vertrauensmann Fellenberg endgültig als Vertrauensmann. Dann berichtete Paschke über die Thätigkeit der Agitationskommission. Seit dem Juni hätten 8 Werkstattsitzungen stattgefunden und im Juli seien 26 Neuauf- nahmen für den Verband zu verzeichnen gewesen. Die Kommission habe auch bewirft, daß eine Anzahl Kollegen die restierenden Beiträge nachgezahlt hätten und somit dem Verbände erhalten worden seien. Die Versammlung erftärte sich damit einverstanden, daß die Agitationskommission in ihrer jetzigen Zusammensetzung be- stehen bleibe. Ihr gehören an Henkel, Henschke, Stock, Paschke und Stolle.— Unter„Verschiedenes" wurde von einem Mitgliede der Orts Verwaltung des Verbandes und von mehreren Mitgliedern der Agitationskommission festgestellt, daß der Kollege Edle, den der Fabrikant Stock wegen seines Eintretens für einen entlassenen Mitarbeiter entlassen hat, nicht als gematzregelt zu bettachten seü Damit sind die Gerüchte erledigt, wonach Edle als Gemaßregelter ungerechter- weise keine Unterstützung erhalten habe. Beim Eintreten einer dringenden Notlage soll Edle selbstverständlich unterstützt werden.— Von mehreren Rednern wurde beklagt, daß die Schrauben- dreher der Firma Schaal u. Sudicatis der Organisation wenig Neigung entgegenbrächten. Büschel machte den Kollegen Weise und Geisler'aus der Fabrik von Sudicatis wegen ihres Verhaltens der Organisation gegenüber schwere Porwürfe. Henschke ver- wies darauf, daß verschiedentlich der Versuch gemacht werde, die 1896 schwer errungene neunstündige Arbeitszeit wieder zu beseitigen. In einzelnen Fabriken werde schon länger gearbeitet, die Kollegen bätten also Grund genug, zusammenzuhalten und nicht in ihrer Masse gleichgültig bei Seite zu stehen.— Paschke teilte mit, daß bei Differenzen mit den Prinzipalen jetzt nicht gleich der Verband, sondern zunächst die Agitationskommission anzurufen sei. Nur in dringenden Fällen müßten die Kollegen sofort beim Verbandsbureau in der Annenstraße vorstellig werden.-— T e r n e hat gehört, daß die Firma Stock ncuengagierte Schraubendreher verpflichte, keiner Organisatian anzugehören.' Von anderer Seite wurde dies be- stritten.— Mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen in der neuen Butzkeschen Fabrik, die als sehr ungünstig geschildert wurden, wird sich die Agitationskommission befassen. Berichtigung. In den Bericht über die Versammlung der Schneider in Nr. 185 haben sich einige kleine Irrtümer eingeschlichen, die hiermit richtig gestellt seien. Die Firmen Luttmänn und Kühne zahlen 6.75 M.' ohne Kapuze. Die Kragenpreise bei den Pellerinen sollen hochgehalten werden; es soll festgehalten werden an dem Preise von 3,2ö M. für den Extrakragen und 4 M. mit Aufsetzen. Schöueberg. In der am 9. August bei Obst stattgefundenen außerordentlichen Gcneralversaminlung der Zahlstelle des deutschen Holzarveiler-Verbandes referierte B l e n k über die bevorstehende Lohnbewegung. In der Diskussion wurde in llebereinstimmung mit dem Referenten der Anschluß an die Lohnbewegung ausgesprochen. Der Antrag, am 12. d. M. den Meistern die Forderungen zu unter- breiten, um bis zum 14. d. M. Bescheid zu erhalten, wurde ein- stimmig angenommen. Werden die Forderungen abgelehnt, so soll sofort in den Sttcit eingetteten werden. Die weitere Regelung der Angelegenheit wurde einer Kommission von fünf Mitgliedern über- lvicsen. Rixdorf. Dienstag, den 8. August, fand die regelmäßige Mit- glieder-Vcrsainmlung des socialdemokratische» Vereins„Vorwärts" im oberen Stadtteil, in Peters Salon, Kucscbeckstraße 113, statt. Genosse Obst sprach über das Thema:„Der Wert der politischen Organisation." Er legte in einstündiger Rede die Vorteile der politischen und gewerkschaftlichen Organisation für die Arbeiter klar. Daß seine Ausführungen mit den Ansichten der Versammelten über- einstimmten, bekundete der Beifall am Schlüsse seines Referats. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, welche sich im Sinne des Referenten bewegte.— Der Spandauer Vertrauensmann, Gcnoffe Pieper, schilderte darauf die Entstehung des Pichels- dorfer BicrbopkotiS und forderte die Versammelten auf, das Bier gcuanmcr Brauerei zu meiden.— Hierauf kommt noch einmal der Autrag, uichr Agitation für den Verein zu entfalten, welcher in letzter Versammlung dein Vorstände überwiesen wurde, zur Sprache. Vom Vorstände wurd- empfohlen, eine Sechszchncr-Konnnission zu wählen, in welchen Genosse Ende als Obmann zu wählen sei. Auf Antrag Thomas werden beide Anträge abgelehnt.— Nachdem Genosse Klein bekannt gegeben, daß die Besichtigung des SprcetunncllS versagt worden ist und am 3. September der Besuch der Treptower Sternwarte stattfindet, wurde die Versamnilung ge- schlössen. Nixdorf. Der Verband der Möbelpolierer hielt am 7. August seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung bei Babenschneider, Hermannstr. 197' ab. A. Körsten besprach„die Bedeutung der Gewerbcgerichte". In der Diskussion sprachen einige Kollegen ihr Mißfallen über die niedrigen Diäten der zukünftigen Gewerbcgerichts- beisitzer aus. Außerdem' wurde uoch der Boykott der Pichelsdorfer Brauerei und der Tackschen Schuhfabrik in Burg erwähnt. Laiidsinaunschaft der Schleswig-Holsteiuer. Sonntag, 13. Augufr Faniiliennusfliig nach Schmargendorf. Trefspunkt: 2 Uhr Restaurant Sanssouci. Eentralberbaud der Elektromontcure und Berufsgenoffcn. lBerlin, Sektion II) Sitzung am Sonntag früh 10 Uhr, Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. Rabilipuncr und Plattenaufsteller. Mittwoch. 16. August, Lmden- strafe 106 s Mi'tglieder-Vcrsammlung. Allgemeine Familien. Stcrbe-Kasfe. Heute Zahltag: Ackerstraße 123 bei Diele von 3—6 Uhr. Samaritcr-Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends 0 Uhr. Uebungsstunde in der Filiale Brunnen str, 1ö0: Vortrag des Zahntechnikers Herrn Gedicke über: Zahn- und Mundttank- hellen. Nachher praktische Hebungen. Heute nachmittag ebendaselbst Herren- Kaffcckochcn. Freunde und Gönner sind willkommen. Kistenmacher. Versammlung am Montag bei Stechert, Andrcasstraye. Weistensec. Oesscnlliche Versammlung am Dienstag, den lö. August. Tagesordnüng: Die Aussperrung der Arbeiter in Dänemark. Der Ver- taucnsmann der Gewerkschaften. GentvVksÄZKftliches. Für die ausgesperrten Arbeiter Dänemarks«Ingen bei der Berliner Gewerkschastskom Mission folgende Beiträge ein: Bilderrahnien-Fabrik o. Brückner 2.90. Glassschlener Berlins d. Leutel. Vorschuf auf Liften 50,—, LuxuSpapiersabriyv. Prager u.Loida 11,80. Arbeiter- Gesangverein„Nord" 50,-. Luftig(Liste 635 verloren) 1,70.«unsttischlerei v Siebert u. Aschenbach, Homstr. 26,50. Möbelfabttk v. Höhne u. Srärner 6,85. Bergolderei A Viestädt?,-. Verband der Dachdecker Deutschlands, Filiale Berlin dlW. 10,-. Knopffabrik v. Manaffe mit Eelloluidarb. 2. Rate 9,—. Den unter dem Joche der Ungläubigkeit seufzenden, für Frieden, Gerechtigkeit und Ehre kämpfenden. Not und Verfolgung leidenden Brüdern 5,-. Tischlerei Böttcher Adalbertstr. 3. Rate 5,85. Die Kommission der Tabakarbeiter Berlins 30—. Dr. G. 3,-. Bildhauenoerkstatt v. Dinse, 2. Rate 6,—. Pech- vogel, Strelitzcrstr.6l. 10,—. Aus Zeuthen d. Krohse 3,—. Centtal-Bcrband der Konditoren, Zahlstelle Berlin 20.—. Centralverband der Konditoren, aus Listen ges. durch P. 17,80. Skatklub„Grünspan" 10,—. N. Seimann u. Co., Spwcnfnbrik 6,80. Buchdruckern Paf u. Garleb 25,10. Ämerik. Auktion eines Ricsen-Kohlrabi der Kolonie Knörgelskust 6,—. Tischlerei von Stein, Gr. Frankfurterstrafe, 4. Rate 8,—. Möbelfabttk Leimig u. Jatzki 19,35. „National- Zeitung"(Werkabteilung), 3. Rate 10,40. Möbeltischlerei von Barth, Fruchtstraße, 18,20. Hutmacher. Sptttelmarkt, durch Streich 9,10. Fr. Schipplick 24,25. Restaurant Alle Leipzigcr- straße 2,—. Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter, Zahl- stelle III Berlin 100,— Den Opsetn der Willkür b. d. Geburtstagsfeier Cuvrystr. 47 6,—. Sattler d. Riedel 53,10. Slockarbeiter d. ilstm 99,40 darunter Werkstätte Ludwig 14,40. Desnoyer 1,—, Kuntz Co. 3,-, Lawy 3,50. Kemmert 9,5. Schülke 10,—. Goldbach 15,—. Jalobt 2,25. Selig- söhn 2.60. Pfilip 4,85. Gnubicki 12,45. Mendt 21,30. Tischleret Hecht, Andreasstrafe 10,—. Tischlerei Oelschlägel, goffenerstraße 9,35. Stuhl- fabrik Cr. Heims u. Sohn 12,50. Buchdruckerei Deutscher Verlag, Accidenzsaal, 2. Rate 11,10. Durch den Verttauensmann der Stuccateure Daschütt, 2. Rat« 300. Stuccateure auf Listen von Doschütt 50. Pianomechanik- Fabrik von Köhler, GreisSwalder- strafe durch Jaeck 40. HolzbearbettungSmaschinen-Arbeiter durch Jaeck 36,10, darunter Mimel 4,50, Wagner und Dünebeil 7,95, Bellen- bäum 19,20. Valcriaiidslose Rotte deS 554. Bezirks durch F. R. 6,50. Bauarbeiter(centtal) durch Noack auf Listen 60,80. Bau Ritzmer durch Tttstensen 10,20. Cttstensen auf Ltkten 17.45. Vuchdruckerei Hempek u. Co. 20,85. Widerspenstige Posamentiere 4,25. Einige Sargmacher aus der Stralauer Allee 3,55. Ges. d. Dänen(darunter Tiichlerwerkstätte o. Weitkels Nächst, u. Hering u. Simmerlein 122,35. Tischlerei v. Kruse, Königsbergerstraße, 2. Rate, 10,50. Arbeittr-Bildungsv. Schmargen- dorf 15,—. Braueret-Hilfsarb. auf Listen d. Franke 19,65. Maurer(central) d. W. Schulz auf Listen 202,95. Tischlerei v. Siewert, Adalbettstraße, 10,—. Uebersch. d. Sammellisten d. Agitattonskomm. d. Schraubendreher 16,20. Handels- Hilfsarb., central, d. Hoffmann, 1. Rate, auf Listen 85,15. Arb. d. Bronze- warenfabrik v. R. Frister. 2. Rate 15,70. Durch den Vertrauensmann Hoff- meifter 17,25. Buchdruckerei Schrinner 10,—. Org. Hutmachcr d. Streich, 3. Rate 50,—. Uebersch. v. d. Landpattie Baumbach u. Co., Dampfbuchbinderei 10,—. Kontobuchfabrik v. A. Zumpe, Oranienstr. 10,—. Buchbind, auf Listen d. Bergmann 63,45. Buchdr.-Hilssarb. d. H. Jahns, 4. Rate 67,35. Schuh- macher Hernnann aus Listen 50,—. Landpartie d. mech. Schuhfabr. v. Wolf 5,95. Kronleuchterfabrik v. Barnewitz u. Co. 7,50. Pianofortefabr. Nieder u. Co., 2. Rate 19,55. Vom Slatklub Vier Wenzel, Hennigsdorferstrsfc, 6,—. Ges. in Navenstein d. Ottilie B. 2,40. Berichtigung auS der Nr. 184. Es muß heißen von den Bauarbeitern Berlins(central) d. Noack: Siebenbundertundfiinfzig Mark statt 7,50. Weitere Beittäge werden im Berliner Gewerkschastsbureau, Aimcnstr. 16, I, vormittags 9—1 Uhr, nachmittags 6—8 Uhr entgegen ge« uommen. Der Ausschuß der Gewerl schasts-Kommissio». Briefkasten der Redaklion. Die suristischc Sprechstunde wird DicuStags« TounerstagS und Freitags abends von K biS 8 Uhr abgehalten. A. K. Wien Ivo. Ein solches Buch besorgt Ihnen jede Buch- Handlung. K.. Mainz. Vielleicht gelegentlich verwendbar. 100 E. E. Sie könne» sich nur in einer freien Hilfskaffe versichern' Diese nehmen in der Regel nur Personen auf. die ein Alter von 40 oder 45 Jahren nicht überschritten haben. Im Erkrankungsfalle finden Tie in der Kasse keine Aufnahme. 2. Die Stadtvcrordnetenwahlen sind im November dS. IS. Der Termin ist noch nicht festgesetzt/ C. G. 52. Der Vater könnte leider nur dann einen Anspruch gegen die Berufsgenoffenschast erheben, wenn der Sohn sein einziger Er- nährcr war. H. F. 40, Eharlottenburg. Angefragtes Inserat„ApuzinerbrunS" ist uns nicht bekannt. A. B. I. Leider nicht zu verwenden. H. B. Wir werden uns hüten, uns in das Problem, wann das neue Jahrhundert anfängt, noch einmal einzumischen. Die Frage hat die innigsten Busenfreunde zu Totfeindcn gemacht, hat Liebende auseinander gettieben, und die Zunahme der schweren Körperverletzungen schreibt nch wesentlich ans den Debatten über diese Vexierfrage her. Wir halten es für notwendig, daß der nächste Parteitag die Angelegenheit endgültig entscheidet, und wir werden dann den Antrag stellen:„In Anbetracht, daß die Neugier ivegen des Anfangs des Jahrhunderts doch nur bedeutet, zu erfahren, wann wir den Beginn feiern dürfen, beschließen wir, das Jahrhundertwendesest vom Sylvester 1899,1900 bis Sylvester 1901/2 ohne Unterbrechung zu be- gehen" Es ist kein Zweifel, daß uns bei solcher zweijährigen Festdauer der richtige, eigentliche und einzige, der thcoretisch-prattische und der wllienschastllch- vernünftige Anfang des Jahrhunderts nicht entwischen kann. C. W. 1. Ob eine Zwangsinnung der Tapezierer in Charlottenburg besteht, wiffen wir nicht. Fragen Sie bei der Gemeindebehörde an. 2. Sie können Lehrlinge anlernen.- I. St. Da Sie nichts Neues zur Sache sagen, müssen mir die Veröffentltchnng ablehnen. Teiiipelhof. Sie müssen trotzdem zahlen.—0. Ja. — A. W. 7. 1. Nein. 2. Sie müssen einen Zahlungsbefehl erlassen.— A. M. Wenn Sie mit Ihrer Wirtschaftettn eine gemeinsame Schlafstube haben, so kann hieraus das Vorliegen eines Konkubinats gesolgett werden. Em solches kann' die Polizeibehörde hindern, wenn es öffentliches Aergernis erregt.- Scheidung. Auf Grund gegenseitiger Einwilligung können nur kinderlose Eben getrennt werden. Dieser Ehescheidungsgrund fällt mit dem 1. Januar 1900 in Fottfall. Daher hat, wie wiederholt von uns dar- gelegt ist, eine Klage aus dem angeführten ScheidungSgmnde nur dann Sinn, wenn sie bereits vor dem I Januar 1900 beendet sein kann. Das durchzufahren ist kaum noch möglich. — Müller, Weistw. und andere Agitationsfrageu. Die Rechtslage ist folgende: Nach S 33 der Gewcrde-Oidnung bedarf der Bettteb einer Gast- Wirtschaft, Schaukwittschast oder Klellihandel mit Branntwein oder Spiritus der Etiaubiiis. Diese Erlaubnis darf nur versagt werden, wenn gegen den Nachsuchenden ein durch Thatsachen begründeter Verdacht vorliegt, daß er daS Gewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spiels oder der Unsittlichkeit mißbrauchen würde oder wenn da« zum Betrieb des Gewerbes bestimmte Lokal wegen seiner Beschaffenbcll oder Lag« den polizeilichen An- sorderungen nicht genügt. Außerdem dürfe,! die Landesregierungen noch bestimmen: 1. daß die Erlaubnis zum Ausschänken von Branntwein oder zum Kleinbandcl mit Branntwein oder Spiritus allgemein, 2. die Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschaft oder zum Ausschanlen von Wein, Bier oder anderen geistigen Getränken als Branntwein oder Svitttus in Ortschaften mit weniger als 15000 Einwohnern, sowie ferner in solschen Ortschaften mit einer größeren Einwobnerzahl, für ivelche dies durch Ortsstatut festgesetzt wird, von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfniues abhängig ieiu solle. In Preußen ist auf Grund dieser rcichsgesctzliche» Ermächtigung die Erlaubnis zum Aus- schäuke» von Branntwein und zum Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus allgemein, die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft oder zum Ausschänken von anderem, nicht zur Gattung Branntwein oder Spitttuö rechnende» geistigen Getränken in Ortschaften mit weniger als tö 000 Einwohner nur bei ortsstatutarischer Bestimmung von dem Nachweis des yedürsniffes ab- hängig. Durch Novelle vom 6. August 1896 ist nun ferner bestimmt: daß die eben dargelegten Bestimmungen auch aufVcreineAnwcndung finden, welche den gemeinschaftlichen Einkauf an Lebens- und Wirtschaftsbedürftliffen im großen und deren Absatz im kleinen zum ausschließliche» oder hauptsächlichen Zweck haben, und zwar auch dann, wenn der Betrieb ans den Kreis der Mitglieder beschränkt ist. Und noch weiter- gehend ist durch dieselbe Novelle den Landesregierungen das Recht eingeräumt, diese Bestimmungen— aber mit Ausnahme der landesgesetzlichen Berechtigung, den Betrieb der Gast- Wirtschaft oder das Ausschänken von Wein, Bier oder zur Gattung Spitttns oder Branntwein nicht zählenden anderen geistigen Getränle» in gewissen Ortschaften von dem Nachweis deS Bedürftiisses abhängig zu machen— auch aus andere Vereine zur Anwendung selbst dann zu bringen, wenn der Betrieb auf den Kreis der Mitglieder beschränkt ist. Preußen Hat von dieser Befugnis Gebranck, gcmacht, alle Vereine in dem dargelegten Umfang tonzcsstonspflcchtig gemacht und als tonzessionssreie Vereine nur milttärische Kasino« mit«autincn zu- zulaffen. Demnach liegt die Rechtslage in Ihrem 15 000 Einwohner bei weitem nicht erreichenden Nest anders als in D. Sie könnte« uil- konzessioniert Ihren Zweck nicht erreichen, wenn Sie ihr Statut so ein- richten, daß aus Ihrem Verein ein solcher herauskonstruiett werden könnte, welcher den gemeinschaftlichen Einkauf von Lebens- und Wittschafts- Bedürfnissen im großen lind deren Absatz im kleine» zum hauptsächlichsten Zweck habe». Wohl können Sie aber Ihren auf Aufklärung, Belehnmg und Zusammenhalt gettchteten Zweck dadurch erreichen, daß Sie eine ge- schloffen« Gesellschaft, z. B. einen Bildungsverein, bilden und in dieseur nur Kaffee, Thee, Milch, Bier, Wein, oder nicht unter die Species Spitttuö oder Alkohol fallende Getränke auf gemeinschaftliche Kosten vertilgen. Diesem Verein können, auch wenn er ein politischer Verein ist. weiblichePettonen angehören, weil § 8 deS preußischen Verctnsgesetzes, soweit er solche Zugehöttgkeit verbietet, auS verfaflungsmäßigen Gründen rechtSunwirksam ist. Freilich müßten Sie sich aus vorläufiges Einschreiten von Polizei und Gericht wegen der Zu- ztehung der UnterrockSbürger gefaßt machen und läßt sich au» nie tm voraus bestimmt sagen, wie die oberste Instanz schließlich eutscheidcn wird. Reckt haben und Recht bekommen ist oft zweierlei. E£E Für den Inhalt der Inserate iiberuiinmt die Redaktion de», Pttbliknni gegenüber keinerlei Acranttnortniig. Tlzrnkev. Sonntag, 13. August. Neues Lstern- Theater(Kroll). Die Fledermaus. Anfang 7»/- Uhr. Lessing. Iris. Anfang 7� Uhr. Montag: Großmama. Neues. Die Wahrsagerin. Ab- schiedssouper. Anfang 8 Uhr. Montag: Liebelei. Abfchicdsiouper. Wcfte«. Der Mikado. Ansang 7-/- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller. Der Trompeter von Sä klingen. Anfang?>/, Uhr. Montag: Loirceris. Borgia. Cavalleria rustioana. Central. Der Heirate markt. Anfaug 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zllrxanderplatz. Nana. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Ostend. Die Kubanerin. Anfang 7V, Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Bclle-Alliancc. Specialitnten-Vor- stell ung. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Luna. Specialitäten Borstellung. Anfang 7»/, Uhr. Reichshalle».«tettincr Sänger Ansang 7 Uhr. Passage- Panoptikum. Special! »nteii-Borstellung. Urania. Änvalidenstr Urania Tanbenstrasse 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater; Das Land der Fjorde Montag: Dasselbe. Invalidcnstr. 57/08: Täfll. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Täglich abends Sternwarte. 57/08 von 5—10 Uhr TchillerThtlitel (Wnllner-Theater). fflioitertta-Opsit. Sonntag, abends?>/, Uhr: Zum letzten Male: 0»r Trompeter ton Säkklngen. Oper von Victor Neßler Montag, abends?-/, Uhr: Gastspiel �äele Borghl und Benedetto Luclgnanl.(Neu einstudiert): lincresia Borgia. Hierauf Cavalleria rnstlcana. Dienstag, abends?>/, Uhr VelKatilmllche Opern-Vorstellung bei halben Preisen, zum letzten Male »er VVaikeaselunlell. Mittwoch, abends 7-/, Uhr Vorletztes Gastspiel Borghl- Ijaclgnanl. Carmen. Schluß der Opern-Spielzeit am Mittwoch, den 30. d. Mtö. Central C heatcv Direktion: lose Terencrx. Lustspirl-Ensemble(grl.KIlIly Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto Nablau vom Schiller-Theater, Herr Bloh. Ewald vom Thalia-Theater als Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okonkowski Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die selbe Vorstellung. Hetropol- Theater. Behrenetr. 56'57. Grösstcr Saison-Erfolg!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclalib-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe. Werner-Amoros- Company etc. etc. __ A n f a n g 8 Chr. Will-Carl Ncisj- Theater. v:r. Frankfurterstrahe 1»8. Täglich: Tie Kubanerin. Anfang 7»/- Uhr. Im Garten: Bpeclalltätenvorstelwng. Die Groststadtpiraten. Operette � ooit Felsch. Anfang 1 Uhr. Montag: Souimerfesl des Bereins se.bsiändiger Handwerker. Ans. 5 Uhr. Prater-Theater Kastanleii-Allee 7/8. Täglich: Borna Real. BolkSstück mit Gesang u. Tanz p. Hugo Schulz, Miisil von A. Kersten. Kosinmionbrette Frälll. luole Larow. Gebr. Kllarde, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 Behiiiidrunns, humoristisches Bilderbuch. ThaaFlashea, StceutticS. Ballcttgclellschaft DSring. Vendaro-Trlo, Ererciticn am Hand- Tropez. Daniel-Truppe, Pantomime. äSF* Konzert»nd Ball. VUt Eintritt Sonntags und wochentags S() Pf., Iinui. Platz 50 Pf. Kalb'o. Victoria-Brauerei Lili,l»nstrns,e 111/118. Im Katnrgarten oder 8aal Täglich Hnnioristischc«oircc der Horddeutsclien Sänger //>(Führmann, Jre Horst, Walde). Auf. SountagS priic. 7, wochen- BKK, tags 8 Uhr. WdT's Entrce 50 Pf, Vorverk. 40 Pf. BIS Familienbillets Ti»= I M. Sonntag und Donnerstag nach der BorsteUung XauzkrUnzchcn. Passage-Panopticum Geöffnet von 9 Uhr früh biS 10 Uhr abends. Men! Men! Das urkomische Böckeburger Lauern- Ensemble. Anfang der Borstellung 6 Uhr abends. � CASTANS PANOPTICUM Die sensationellen SM" lebenden-«s Photographien! In Lebensgrässe. Die russische Oinnan" Damenkapelle„«llijUUU In moskowltlschen Kostümen. Viele neue plastische Grnppen und Flgnren. Apollo-Theatsp. Abends 9 Chr: FranLima mit dem I.aftballett Grigolatis »Otto Rentier$ und 10 Specialitäten. Garten-Konzert 6V, Uhr. Anfang der Vorstellung 71/, Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69. Ostbalm-Park Hermann Iinhs 71 RtidcrSdorfcr Jtraste 71, am Sllstr iiier Platz. Täglich: Hon�ert, Theater- u»d TPccialitäten.Borstelluug. Nur erstklassige Nummern. Alisa, lg: Sonntags 4 Uhr. EiitreellOPf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Ps. Anfang: Wochcnt. 5 Uhr. Entrce 10 Pf Kinder lO Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Ps. Jeden Dienstag: Korddentsehe 8änger, Hermann Jmbs. Direktor. W. Noacks Theater, Brunnen straß« 16. Täglich; Theater.«. Spceialitäteu- Borstellung. Die Lindenwirtin. Liedcrspicl in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Mustk von R. Thiele. Das Blnuienmädchen vom Morivplatz. Volksstück mit Gesang' in 2 Akten von Johann Eißner. Im Saale: Tanzkräiizchen. Reichshallen. «arten resp.«aal täglich: Stettiner Sänger Dt- Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Zwei Kegelbahnen, Vereine erhallen Eptra-Preise. Wwe. Fils© Ran, früher Skalitzerstr. 126. Hasenheide. Hascnheide. Xewe Welt. Täglich: Konmt«.Spenalttaten-Norsteilung. Jeden Sonntag und Donnerstag: Im Bai ehampötre: Grosser Festhall. Anlang 4 Uhr. Jeden Mittwoch: gpQT* Grosses Kinderfest mit Gratlsverlosnng.-WA Jede» Donnerstag: Grosses Feuerwerk. Die mit exotischer Pracht gemalten Indischen Ballen, sowie Kasfeetüche. Karussells. Marionettentheater te. täglich geoffner. Alles Nähere durch die Tagesanschläge an den Säulen. f2325L* >RW0WWMW»«W»WW«MS»A»W» A. Fröhlich.» Andreas-Festsiile, Andrej 8i Zur bevorstehenden Saison empfehle meine Lokalitäten zu Ber> fanimlnnge» und Festlichkeiten jeder Art.— Der große Saal ist per Zufall Sonnabend, den 39. September und Sonnabend, den 7. Oktober, frei geworden, desgleichen steht auch der kleine Saal noch einige Sonnabende zu Vereinssestlichkeiten zur Verfügung. s2326L]"~'" Carl Stechert. Zm gevliitlichtn zmlggestllen. ZtZRÄttZt' ZTvstÄArant, Weherstrasse 46a. Elke(SlisabelHstraste. Großer Mittagsiifch mit Bier 30 Pf. äpif Für Damen separat."Tm >fEchtrs franz. Billard. BereinSzimmer zn 46-56 Personen. Zahlstelle des Holzarbetter-Verbandes und der Schneider. Natur-Garten, 100 Personen fassend. Abends: Musikaltsohe Unterhaltung. Coulante Bedienung.__[2238g*]_ Angenehmer Aufenthalt 1 Erntefest in Niederfchönhausen am Sonntag, den IS., nnd Montag, de» 14. August. Umzug der Schnitter und Schnitterinnen durch das sestlich geschmückte Darf am MP"" Sonntagnachuiiltag 3 Uhr."MG In sämtlichen Lokalen an beide» Tagen_ 2316C* USf- Konzert nnd Tanz.-WW Alle Besucher könne» sich mit Kindern dem Festzuge anschließen? und sind Ausschmückungen aller Art, wie Seiiseii, Harle», Schleifen usw. M in den Lokalen zu haben. ja Zum zahlreichen Besuch laden ergebenst ein M Die Gastwirte: Lvitotronn und Thiele, ß I Achtung! Pankow. Achtung! Gasthof zum Nordstern, Wollankslrasse No. IIS. Haltestelle der elektrischen Bahn. 2295L* !eden Sonntag: Grosser Hall, starkes Orchester. Schattiger Garten. samtlien können Kaffee kochen.— Zu regem Besuch ladet ein Herrliche und doch billige FreuidenlogiS. Carl Blaurock, _" Achtimg;!__ R. BllWmieders KaAnikWilldcheli Badstraße 16. Gcsuudbrmiuen. Badstraße 16. Sonnabend, den IS. Angnst 18SS: Grosses Vokal- n. Instrumental-Konzert arrangiert vom Gesangverein „Nordwacht"(M. d. Ä.-S.-B.) Zum Besten der ausgesperrten dänischen Arbeiter und streikenden Former Leipzigs. rrosramm SS Pf._ Anfang 8 Uhr. Nachher: WP- Tanz. 18816 Pas Komitee. F!l*V1«t TlÖflfofl« Konzert-Garten imb IK»» i Special i tätcn-Tlieatcr Friedrichsberg. Frankfurter �haiisscc IS«. Heute Sonntag: Großes Konzert xtuh Kpecittiitaten-Theater. Kaffecküche ist von S Uhr ab geöffnet. Z verdeckte Kegelbahnen. Volksbelnstignngcn jeder Art. 22! Um zahlreichen Besuch bittet Ernst HUfllch. Victoria-Brauerei-Ausschank Stralau, Jeden Sonntag: Grones Gortenkoilzert, Theater u. Soecialitäteiivorstellililg. Im Saale: Grosser voll. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Um recht regen Zuspruch bittet l!)47L*s Hochachtungsvoll Karl mttag, Oekouom. Schnegelsbergs Festsale H a s e n h e 1 tl e X o. 21— Sa Ii»Strasse X o. 8. Sich.; Max Schindler. Telephon: Amt IV 1132. 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WS" Das Kaffenlokal sowie die Zahlstellen bleiben an diesem Tage geschlossen._'_ 18486 Kinderwagen-Kublicke Cohns Festsäle, Beuthstrasse 20 Amt I, 1722. Empfehle meine Festsäle mit Bühne, von 100—1000 Personen fassend, zu Versammlungen und Festlichkeiten. 22862* Sonnabende und Sonntage im September und Oktober noch zu haben. Tarnung t An Stelle des allbewährteti echten DB THOMPSON'S SGI PEN PULVER werden den verehrten Hausfrauen oft minderwertige Produkte verabfolgt! Man achte beim Einkauf auf den Namen „Dr. Thompson"'' Schutzmarke„Schwan". Nene Köuigstr. 53 (am Alexanderplatz) ii. Jnvalidenstr. 5. Kindern ase n 8,-, 12,- sc. Gummiräder 15, Bettstellen 6,-, 8,-, 12,- usw. Sportwagen. Niesenanswahl wie nirgends. Fahrrüiler Stets grosses Lager erstklassiger Fabri täte auf Teilzahl ohne Preiser- höhung zu den eonlaut.Zahl.- Bedingungen. �Äatal. gratis. Adonicit& Landau Eothrlngerstr. 48 I. Dicht am Noseuthaler Thor. 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Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, der Orts- Krankenkasse der Möbelpoliercr, der Central-Krankenkassen der Schuhmacher, Gold- und Silberarbeiter, Buchbinder und Zahlstelle des Wvhlocrcins für den 4. Berliner Reichstags-WahlkreiS(Osten). flSSlI. 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L..... 2 1 71-54 94 142 457 99 541 757[150] 88 971«18242 369 545 612 21 89 743 99 803 938«10052 68 142 206 74 387 444 544 96 606 98 802 36 220084 91 278 467 713 59 831 67 962 221129 303 693 706«22201 377 440 53 567 85 782 863 66 77 913 14 23«2:1310 93 414 97 557 786 934 221129 283 363 420 512 633 716 2 25000 77 124 36 201 466 548 615 rim Gcwiiinrade»rrbliebc»! 1 E-winu ,u zooi« Ml., 1 au WOOD Mk., 1 au 3000 Ml., ö zu 1000 Ml.,?»U 300 MI.• Verantwortlicher Nedacteur; Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dd. Glocke in Berlin. Dnick und Vertag von Max Babing in Berlin. s., m i« 3. foilnjc i>ts„Nmick" Sttlinct lloltelilutt. s-"»!.>8«' VolkstVirtflhcrfklirhe Nnndflhel«. Die Zlnsdehnung der �ranenarbeit im Deutschen Reiche. Unsere mit Arbeiten aller Art. auch nicht socialpolitischer Natur, so auch mit der Dampfkcsseliuspektiou überlasteten Fabrik-Aufsichts- beamten haben wieder einen Auftrag weitgehender Natur erhalten, den sie beim besten Willen nicht gut ausführen können? sie sollen die Gründe und Wirkungen der Beschäftigung der verheirateten Frauen in Fabriken untersuchen. Dies wäre ein Gegenstand für eine gründ- liche Enguete, bei der neben den Fabrikinspektoren Arbeiterinnen, Unternchnier, Krankenkassen-Vorstände, Acrzte usw. mitzuwirken hätten. Eine Erhebung dieser Art ans die Fabriken zu beschränken, zeugt von geringem socialpolitischem Verständnisse! ist es doch viel- leicht noch wichtiger, die hansindnstriclle Bethätigung der ver- heirateten Frauen genau zu untersuchen, weil über diese in � den Kreisen der Socialpolitiker noch sehr falsche Ansichten herrschen und weil eine Einschränkung der Frauen- arbeit in den Fabriken nur eine Förderung der Iveit gefähr- lichcrcn und gemeinschädlichcn hansindustriellen Arbeit zur Folge haben würde. Gerade jetzt, wo wir die Hausindustrie bedenklich zu- nehmen sehen, haben wir bei allen socialpolitischen Maßnahmen ihre Rückwirkung ans die Tendenz des UntenrehmcrtnmS, die Produktion in die hansindustriellen Betriebe zu verlegen, im Auge zu behalten. Für die Erhebung durch die Gewerbe-Aiif'sichtsbeamten sind wir auch aus einem ferneren Grunde nicht: die Berichte der Fabrik-Aufsichts- beamten wirken ans Regierung und öffentliche Meinung nicht in der Weise wie eine besondere amtliche Enguete: in den Fabrikinspektorcn- Berichten wird die Feststellung über einen speciellen socialen Schaden durch die Fülle des anderen Materials erdriiekt, in der Masse nicht allzu übersichtlich geordneter Einzelnotizen verschwindet das. worauf das Hauptgewicht gelegt werden sollte. Man sah dies erst unlängst bei den Erhebungen über die Notwendigkeit des sanitären Normal Arbeitstages. Wie sehr sich eine gründliche Erhebung über die Frauenarbeit empfehlen würde, geht schon aus der grosien Rolle derselben in der deutschen Produktion hervor. Bon der gesamten, am 14. Juni 1893 gezählten Bevölkerung waren 2lZ 361 123 weiblichen Geschlechts, von diesen 5 264 393 hauptberuflich erwcrbsthätig, einschließlich der Dienstboten waren es 6 578 350 weibliche Erwerbsthätige, so daß rund ein Viertel der weiblichen Bevölkerung— 24,96 pCt.— als erwcrbsthätig zu betrachten war, während dies bei den männlichen für drei Fünstel zutraf. 41,85 Proz. der weiblichen ErwerbSthätigen, 2 753 134 Personen. entfielen auf die Landwirtschaft, hiervon waren 2 388 148 Ar- beitcrinncn<36,3 Proz. aller weiblichen Erwerbsthätigen). 23,12 Proz. der weiblichen Erwerbsthätigen, 1 321 118 Franeii und Mädchen. waren in der Industrie thätig: 992 302 hiervon ivaren Arbeiterinnen; während unter den landwirtschaftlichen Arbeiterinnen 1 020 443 zur Familie gehörige Angehörige waren, betrug diese Unterabteilung der Ärbeiterimien in der Industrie bloß 43 974. Im Handel waren 8,81 Proz. aller weiblichen Eriverbsthätigen, 579 608 Personen, be- schäftigt, 3,56 Proz. der weiblichen Eriverbsthätigen hatten häusliche Dienste oder übten„Lohnarbeiten ivechselnder Art" ans. 19,97 Proz. waren bei der..Herrschast" lebende Dienstboten; 1 313 957, 2,69 Proz., aller erwerbsthätigen Frauen standen in öffentlichen Diensten und freien Berufen, hiervon 59 586 Personen oder 0,91 Proz. aller er- werbsthätigen Frauen waren in arbeitender Stellung. Zwischen den beiden letzten Benifszählungen, in den 13 Jahren 1882— 1895 nahm die Zahl der selbständigen Frauen um 8,55 Proz., die der„Angestellten" weiblichen Geschlechts um 123,20 Proz., die der häuslichen Dienstboten um 2,46 Proz., die der Arbeiterinnen um 27,99 Proz., die der weiblichen Erwerbsthätigen überhaupt um 18,71 Proz. zu. Die Zahl der Arbeiterinnen in der Landwirtschast wuchs um 6,05 Proz., die Zahl der in der Industrie thätigcn Ar- beiterinnen um 82,00 Proz., im Handel stieg dieser Prozentsatz sogar auf 152,81 Proz., bei den öffentlichen Diensten und freien Berufen auf 93,63 Proz., bei den häuslichen Diensten und der Lohnarbeit wech- selnder Art betrug die Steigerung 27,21 Proz. Diese Zahlen zeigen ein außerordentlich starkes Wachstum der Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte, die zu den charakteristischen Erscheinungen unserer Wirtschaftsentwickluiig gehört. Während die Zahl der weiblichen Erwerbsthätigen um 1 036 833 stieg, gaben die Arbeiterinnen mit einem Zuwachs von 914 689 Personen den Ausschlag. Betrachten wir nun die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen in'den einzelnen Berufsgruppen, so ergiebt sich das folgende Zahlenbild: Landwirtschaft, Gärnerei usw.... 2 381 175 Forstwirtschast und Fischerei....«973 Bergbau und Hüttenwesen..... 15 44g Industrie der Steine und Erden.. 37 645 Metallverarbeitung....... 31 838 Maschinen, Instrumente und Apparate 10 154 Chemische Industrie....... 14 096 Leuchtstoffe. Fette, Oele usw..... 3 920 Textilindnstrie......... 354 686 darunter hauZindustr. Arbeiterinnen 15 985 Papier............ 37 362 Leder............ 8 561 Holz- und Schnitzstoffe...... 21 163 darunter hausindustr. Arbeiterinnen 2 062 Nahrungs- und Genußmittel.... 125 190 darunter hausindustr. Arbeiterinnen 713 Bekleidung und Reinigung.... 299250 darunter hausindustr. Arbeiterinnen 4 418 Baugewerbe.......... 11695 Polygraphische Gewerbe..... 13 953 Künstler und künstlerische Gewerbe., 887 Gewerbe ohne nähere Angabe... 6 459 Handelsgewcrbe........ 144938 Versichcrnngsgewerbe...... 44 Verkehrsgcwerbe........ 6 344 Gast- und Schankwirtschaft.... 213 679 Zusammen 3 745 435 Hierzu kämen noch sogenannte„selbständige Hansindnstriclle": in der Textilindustrie 55 5�2. in der Industrie der Holz- und Schnitz- stoffe 3773, in der Industrie der Nahrungs- und Gcnnßmittcl 3522, in den Industrie» der Bekleidung und Reinigung 64 648. lieber die besonders starke Vertretung der Arbeiterinnen in einer Reihe von Berufen giebt die folgende Zusammenstellung Ans- kunft. Unter je 10 000 als im Hauptberuf thätigen Arbeitern ivarc» weiblichen Geschlechts: Näherinnen 10 000, in der Pntzmachcrci 9823, in der Wäscherei und Plätterei 9445, bei der Herstellung von Korsetts 8876, bei der Fabrikation künstlicher Blumen 8744, bei der Fabrikation von Krawatten und Hosenträgern 8630, in der Kleider- und Wäschekonfektion 8372, bei de» häuslichen Diensten(Anfivarte- fronen) 7893, in der Gesundheitspflege 7483, bei der Ausstattung von Puppen 7198, in der Häkelei und Stickerei 7127, bei der Fabrikation von Schreibfedcrn aus Stahl-6922, bei der Beherbergung und Erquickung 6794, im Zeitungsverlag 6546, bei der Fabrikation von Lederspielwnren 6395, bei der Fabrikation von Metallspielwaren 6213, in der Spinnerei und Spulerei 6.073, bei der Holz- und Strohflechterei 5864. im Hausierhandel 5608, in der Strickerei und Wirkerei 5562, in der Farbendruckerei' 5395, in der Tabakindustrie 5376, bei der Herstellung„anderer vegetabilischer Nahrungsmittel" 5243, in der Posamentenindustrie 5207, in der Bernfsgruppe Erziehung und Unterricht 5003, in der Weberei 4965, bei der Zubereitung von Spinnstoffen 4958, bei der Herstellung von Netzen, Segeln und Säcken 4816, in der Gummi- und Haarflcchterci 4735, iir der Handschuhmachcrei 4663, in der Bleicherei und Appretur 4480, in der Zündwarcnindustrie und in der Gruppe „sonstige Edelmctallverarbeituug" je 4456, in der Landwirtschaft 4347, in Bade-Anstalten 4386, in der Tnchmacherei 4336, endlich in der Gruppe Erziehung und Unterricht 4115. lieber die Verteilung der erwerbsthätigen Frauen in Stadt und Land giebt folgende Tabelle Ausschluß: Ueber die Altersvertcilung der weiblichen Erwerbsthättgen, ein- schließlich der häuslichen Dienstboten, giebt die folgende Tabelle Aufschluß: Weibliche Erwerbsthätige einschl. der häusl. Dienstboten Altersklassen Zunahme seit 1882 absolute Zahl Proz. Man erficht hieraus schon, daß sehr viele verheiratete Frauen crwerbsthätig sein müssen. Genauen Aufschluß erhält man aus der folgenden Zusammenstellung: Weibliche Erwerbsthätige einschl. der häuslichen Dienstboten verheiratet. i ledig... verwitwet und geschieden 1893 1 057 653 4 545 7H61 1882 714 060 4 827 457 974 931) Bon je 10 000 Arbeiterinnen waren verheiratet 1895 2376 ' 1882 1839 Zunahme feit 1882 absolut Proz. 343 593 48,12 693 240 14,36 in der Landwirtschaft in der Industrie 1895 1882 im Handel...... W in Landwirtschaft, Industrie 1893 und Handel..... 1882 Die Steigerung der verheirateten in 13 Jahren um fast 30 Prozent 1676 1269 2008 1689 nicht verheiratet 7624 7001 8324 8731 7992 8311 2153 1726 7845 8274 weiblichen Erwerbsthätigen ist eine bcdentuugSvvllc Erscheinung und sicherlich kein Beweis einer für die Arbeiterklasse vor- tcilhaftcn socialen Entwicklung. Sie ist im Gegenteil ein sprechender Beweis für die Behauptimg der Socialistcn, daß der Vorteil der wirtschaftlichen Entwicklung fast ausschließlich der Unternehmcrklasse zu gute gekommen ist und daß die Desorganisation der Familie, die Schäden in der Jugenderziehung reißende Fortschritte machen. Außerordentlich groß ivar der Zuwachs der in der Industrie be- schäftigten verheirateten Frauen, aber im Handel und in der Land« Wirtschaft finden wir die gleichen EntwickclnngStendcnzcn. Man niüßte schon um deswillen' eine allgemeine Enquete Über Ursachen und Begleiterscheinungen der zunehmenden Beschäftigung verheirateter Frauen vornehmen nnd sich nicht mit einer Umfrage der Gewerbe- Anfsichtsbeamte» begnügen. Freilich, vom Regime Posadowsky-Brefeld-Hammcrstein Maß nahmen dieser Art erwarten, heiße ein ungewöhnlich großes Mäß von politischer Naivetät an den Tag legen. Eher wären Maß- nahmen zu erwarten, welche die Beschäftigung verheirateter Frauen in der Landwirtschaft fördern sollten. Aber auch die Umfrage der Gewerbe- AufsichtSbcainten wird keine praktische Wirkung haben; Graf Posadowsky haßt ja jedes Eingreifen der„Polizei" zum Schutze der Arbeiter n»d wir lst- grclscn jetzt diese Animosität; braucht er doch alle Polizei nnd recht viel neue zum Schutze der Stützen seines Staatssystems, zum Schutze der Arbeitswilligen.— Die australische Gesetzgebung iibcr die Heimarbeit. Mit einer wahrhaft heiligen Scheu geht man in Deutschland seitens der Regierung an das Werk, himnielichreiende Mißstände in Gewerbe uiid Industrie anzufassen; sie zu beseitigen fällt niemandem in jenen Kreisen ein und mit den Versuchen, lie zu miloern, hat man bisher, wie mit der bnndeSrätlichen Verordnung vom Mai 1897 über die Arbeitszeit der Wcrkstattarbeiterinncn und der in Werk- stätten thätigen jugendlichen Arbeiter der Konfektion nur kläglich Fiasko gemacht, well man vor lauter Angst, den Herren Ausbeuter» irgcndivie mit Vorschriften zu nahe zu treten, die Anwendung der Verordnung an Bestimmungen knüpfie, die nur bei einer Handvoll großer Geschäfte vorhanden sind. Mit mehr Ernst und Energie hat man in den beiden austra- l i s ch e n Kolonien Viktoria und N c u- S e e l a n d die gesetzliche Regelung der Heimarbeit betrieben. Die viklorianische Regierung harte sich nach erlangter Kenntnis der zahlreichen und schiveren Mißstände in der Hausindustrie zu einer radikalen Reform, die das Ucbel au der Wurzel fassen sollte, entschlossen und nach leb- hasten parlamentarischen Kämpfen mit den Vertretern der Unter- »ehmcrinteresseu kamen sehr beachtcnswerte Vorschriften zum Schutze der Heimarbeiter zu stände. Das gänzliche Verbot der Heimarbeit konnte nicht durchgesetzt werden; dagegen gilt im Sinne des Gesetzes als Fabrik oder Werkstatt jedes Gebäude oder jeder Raum oder Platz, in welchem 4 oder mehr Personen, die nicht Chinesen sind, oder ei» oder mehrere Personen bei einer Handarbeit oder beim Zurichten oder Erzeugen von Waren für den Handel oder Verkauf dierckt oder indirekt beschäftigt sind; ferner jedes Gebäude oder jeder Raum oder Platz, in welchem eine oder mehrere Personen beschäftigt sind und in ivelchem Dampf-, Wasser-, Gas-, Oel- oder elektrische Kraft beim Zurichten oder Erzeugen von Waren für den Handel oder Per- kauf benutzt wird, oder in welchem Möbel zugerichtet oder erzeugt werden, oder in welchem Brot zum Zweck des Verkaufs gebacken oder erzeugt wird. Als beschäftigt gilt jede Person, welche für eigene Rechnung oder direkt oder indirekt, mietweise oder gegen Entlohnung arbeitet. Ehe ein Gebäude, eine Räumlichkeit oder ein Platz als Fabrik benutzt wird, ist davon unter genauer Angabe, wie sie beschaffen, der Behörde Anzeige zu machen und von ihr die Erlaubnis zur Be- Nutzung einzuholen. Jeder Besitzer einer Fabrik oder Werkstatt, der außerhalb der- selben Arbeit verrichten läßt, hat ein Verzeichnis in der vorge- fchriebenen Fonn und mit den vorgeschriebenen Angaben zu führen. Dieses Verzeichnis muß, substautiell genommen, Nachweisungen über die Art und Menge der außerhalb der Fabrik oder Werkstatt ver- richteten Arbeit, die Namen und Adressen der diese Arbeit ber- richtenden Personen sowie den hierfür in jedem einzelneu Falle ge- zahlten Lohn enthalten. Eine Uebertretnng dieser Bestimmung durch einen Besitzer ist für jeden Tag, an welchem sie ohne hinreichende Entschuldigung stattfindet, mit Geld bis zu 2 Pfd. Sterl. zu bestrasen. Die Verzeichnisse sind zum Zwecke der Information der Inspektoren zu führen, tvelche allein berechtigt sind, dieselben einzusehen und welche dieselben zu jeder passenden Zeit prüfen können, Jede Person, welche außerhalb einer Fabrik oder Werkstatt Kleider oder Kleidungsstücke ganz oder zum Teil für den Handel oder Verkauf zurichtet oder erzeugt, muß entlveder persönlich oder mittels schriftlicher Anzeige beim Chefiuspektor ihren vollen Namen nnd ihre Adresse und jede eventuelle Aenderung derselben mitteile». Jede)olche schriftliche Anzeige ist durch die Post gebührenstei zu bestellen, wenn auf dein Umschlage der Vermerk„Fabrik- und Ladengesetz von 1896" augebracht ist. Jede so ciiv- getragene Person hat alle von einem Inspektor an sie gerichteten Fragen bezüglich der Person, für welche die Waren zugerichtet oder erzeugt werden und bezüglich der hierfür Sezahltcn Löhne zu beantworten; Frauen und Mädchen dürfen jedoch icrüSer nur von weiblichen Inspektoren befragt werden. Die wichtigste Bestimmung ist diejenige über die Fest» s e tz u n g von' M i n i ni a l l ö h n e n durch Specialkommissionen. welche je zur Hälfte aus Vertretern der Arbeiter und der Unter- Nehmcr mit einem unparteiischen Vorsitzenden zusammengesetzt sind. Bezüglich der Waren, hinsichtlich welcher eine Specialkommission bestellt ist. hat die Kommission den niedrigsten Preis oder Lohn- satz zu bestimmen, welcher einer Person für die gänzliche oder teilweise Zurichtung oder Erzeugung der von der Special« tommission bezeichneten Waren bezahlt werden darf, und ein« genaue Abschrift der Festsetzungen der Specialkommission bezüglich des niedrigsten Preises oder Lohnsatzes muß in leserlicher römischer Schrift an einem auffallenden Platze an oder nebe» dem Eingänge zu jeder Fabrik oder Werlstatt, für welche die Festsetzung der Specialkommission gilt und in solcher Lage, daß sie v«n den daselbst beschäftigten Personen leicht gelesen iverden kann, angebracht sein. Eine genaue Abschrift dieser Festsetzungen muß ferner von jeder Person, die direkt oder indirekt Material zum Zwecke der Zurichtung oder Erzeugung solcher Waren außerhalb der Fabrik oder Werkstatt hiuausgiebt oder hierzu ermutigt, oder dies gestattet. jeder Person übergeben werden, welche zu irgend einer Zeit nach dem Jukrafttreten solcher Festsetzungen irgend ivelche Waren außer- halb einer Fabrik oder Werkstatt zurichtet oder erzengt. Für Arbeiten, tvelche außerhalb einer Fabrik oder Werkstatt verrichtet werden, darf nur ein Accordprcis oder-Lohn festgesetzt werden; für Arbeiten jedoch, tvelche innerhalb einer Fabrik oder Werkstatt verrichtet werden, können nach dem Ermessen der Specialkommission Stück- oder Zeitlohn oder beide Lohnmethoden festgesetzt Iverden. Die Kommission hat ferner die Zahl der Lehrlinge untet 13 Jahre» überhaupt oder im Verhältnis zu den erwachsenen Ar- bcitern in einer Fabrik oder Werkstatt sowie ebenfalls einen Minimal» lohn für sie festzusetzen. Die Uebertretnng der von den Special- koinnnssioncn getroffenen Festsetzungen wird das erstemal mit Geld- büße bis zu 200 M., das zweite mal mit 100 b i s 500 M., das d r i t t e m a l in i t 1000 b i s 2000 M. b e st r a f t und nach der dritten Bestrafung kann die Firma ge- löscht werde u. Nicht ausdrücklich erwähnt finden wir in dem viktoriauischen Gesetz das Verbot, Fabrik- und Werkstattarbeitcrn nach geleistetem Tagewerk noch Arbeit mit nach Hause zu geben; doch sind Geist und Tendenz des ganzen Gesetzes gegen eine solche Praxis gerichtet. DaS Fabrikgesetz von Neu- Seeland verbietet eine solche Umgehung der Bestimmungen über die Dauer der Arbeitszeit aus- drücklich, desgleichen Arbeiteriimenschutz- Gesetze in der Schweiz, z. B. dasjenige des Kantons Zürich. Ferner wird in der Schweiz der Ausdehnung der Heimarbeit auf Kosten der aussichtspflichtigcn Fabrikindustrie dadurch entgegengewirkt, daß, wie der Bundesrat in Bern es einmal gegenüber einem St. Gallcr Stickereifabrikante» machte, jede Wohnung, in der für den betreffenden Unternehmer gearbeitet wird, als Fabrik erklärt nnd dem Fabrikgesctz wie der Fabrikinspcktion unterstellt wird. Hinter dein viklorianischen Gesetz bleibt dasjenige in Neu- Seeland insofern sehr weit zurück, als es den Minimallohn nicht enthält, im übrigen enthält es ebenfalls wirksame Bestimmungen zum Schutze der Heimarbeiter. Beide Gesetze haben den Zweck, die schweren Mißstände in der Hausindustrie in sanitärer Beziehung, in Bezug auf die endlose Ausdehnung der Arbeitszeit und der fchäudlichcn Ausbeutung durch schreckliche Hungerlöhne Einhalt zu thnu; ferner die Konkurrenz jeuet Frauen und Töchter, welche um jeden Preis arbeiten, um ein Taschengeld für sich zu ertverben, und dadurch die Proletarieriuuen, welch« allein auf den Verdienst durch die Heimarbeit angewiesen sind. schwer schädigen. einzuschränken. Die jungen Damen aus wohl- habenden Familien, welche es nicht unter ihrer Würde finden, gegen- über ihren ärmsten Schwestern als Preisdriickcrinncn und Schinutz- konkurrentiuncn auszutreten, finden cS aber mit ihrer gesellschaftlichen Stellung nicht für vereinbar, sich als Heimarbeiterinnen amtlich registrieren zu lassen oder in die Fabrik zu gehen. Sehr richtig charakterisiert dieselben auch der HcilSarmee-Gencral Charles Booth mit dem Ausspruch,„daß diese Frauen den eingefleischten Glauben haben, daß eine schäbige Eleganz und Hmigcrlöhnc, die sie verstohlen verdienen, ihrer Stellung als„Dnn»cu" weniger abträglich sind, als es gute Löhne wären, die sie offenkundig verdienten."— lind solche„Damen" giebt es nicht bloß in London und Melbourne, sondern auch in Berlin und anderen Orten. Jene Maßnahmeit zur Gesundung der Verhältnisse in der Haus- industrie dienen indirekt dem weitergehenden und höheren Zwecke, die Heimarbeit überhaupt möglichst einzuschränken oder ganz zu de- seitigeu. In der hat die obligatorische amtliche Registrierung der Heimarbeit zu einer Einschränkung der Konkurrenz des sogenannten Mittelstandes geführt. Die Revision der Arbeitsräume der Heim- arbeitcr, die in der Regel identisch mit deren Wohnräumen sind, durch die Fabrikinspektorcn, führt zu sanitären Beanstandungen und Anordnungen, die zugleich im Interesse der öffentlichen Gcsimdheits- pflege liegen. Dem gleichen Zwecke dient die Vorschrift, auf allen hausindustriell angefertigten Kleidungsstücken nach amtlicher Bor- schrist«rstellte Karten anzubringen, welche besagen, daß dieselben in einer Privatwohnung verfertigt wurden. Die Uebertretuna dieser Vorschrift wird mit 20» bis 400 M. bestraft. Ob die Specialkommissionen für alle Zweige in der Haus- iudustrie zur Festsetzung der Minimallvhiie schon bestellt sind und mit welchem Erfolge für die Arbeiter dieselben angewandt wurden, darüber liegen unseres Wissens noch keine näheren amtlichen Berichte aus Ausstralien vor. Dagegen erklärte im vorigen Jahre der Viktorianische Ministerpräsident Turner einem englischen Journalisten, nachdem er ihm erst die Organisation der Lohnämter geschildert:„Natürlich gab es anfangs ein großes Geschrei über die Beschränkung der Freiheit des Individuums, aber trotzdem hat sich die Matzregel ganz gut be- währt. Sie ist erst einige Monate in Wirksamkeit und kann somit nur erst als Experiment betrachtet werden. Die eifrig st en Be- fürworter des Gesetzes waren die großen Unter- n e h m e r.„Sie sind auf dem richtigen Wege", sagten mir die Chefs der größten Firmen,„wir haben gar nichts dagegen einzu- wenden, unfern Leulen gute Löhne zu zahlen, im Gegenteil, wir lverden es sehr gern thun. vorausgesetzt, daß alle anderen Firmen in unserer Industrie dasselbe thun müssen und so verhindm werden, auf Grund der Ausschwitzung ihrer Angestellten uns zu unier- bieten." Das sind recht vernünftige Äeußerungen. Man darf erwarten, daß der Minimallohn, für Heimarbeit wie für die Fabrik- und Werkstattarbeit festgesetzt, zur umfangreichen Einschränkung der ersteren führt, denn bei anständigen und gleichen Löhnen muß es für den Unternehmer aus vielen Gründen vorteilhafter sein, alle seine Arbeiter in eigener Fabrik zu beschäftigen. Man vergleiche mit der australischen Gesetzgebung über die Hausindustrie die bisherigen, von der deutschen Regierung hierüber erlassenen Vorschriften sowie ihre neuesten Vorschläge über Lohn- bücher und Arbeitszettel für die Heimarbeit und man' wird sich voll- bewußt der ganzen Rückständigkeil unserer Arbeiterschutz-Gesetzgebung und des hohlen Geschreis über die„große deutsche Socialreform", mit der wir nach der schwächlichen Falschmünzerei und der Irre- führung der öffentlichen Meinung durch gewisse Leute angeblich an der„Spitze aller Kulturländer" marschieren sollen. 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