Anterhaltuilgsblatt des vorwärts Nr. 143. Freitag, den 23. Juli. 1897. (SJadjtmid verboten.) 25] Cossvinr. Von Jean Richepi». Uebersetzt von H. L. „Ihr Geliebter ist ganz wieder hergestellt. Sie begreifen also.. Er hatte keinen Anstoß an dem Wort„Geliebter" ge- nommen, ivie wenn ihm die Sache bekannt wäre und er sie ganz naturlich fände. Ganz einfach wiederholte er nur: „Um so besser! Um so viel besser!" Und dann erwiderte er mit einem von Freude und Be- wundernng aufgehellten Gesichte: „Sie verdient es, glücklich zu sein! Und auch ihr Vater. Zwei große Gelehrte, verstehen Sie, die Ungarn Ehre machen. Und Herr Paul ist gleichfalls ein großer Gelehrter, wie mir Viiklosch sagte. Und so haben sie und Miklosch wohl daran gethan, daß sie ihn ans der Zahl ihrer Geliebten erwählten." „Halt!" dachte ich,„da hätten wir ja noch einen, der wie der Vater Heurtault eigenthümliche Gesichtspunkte hat. Vorausgesetzt, daß das Wort„Geliebter" für ihn nicht gleich- bedeutend mit„Verliebter" ist." Um darüber keinen Zweifel zu belassen, fragte ich: „Sie hatte also noch andere Geliebte?" Er lachte laut auf. „Allerdings," erwiderte er.„Den Herrn Bochard, den Herrn Gavarot; und schließlich alle Abonnenten." „Die sind in sie verliebt, wollen Sie sagen." „Verliebte oder Geliebte, was weiß ich. Im Ungarischen ist das dasselbe Wort. Aber in Eurer verteufelten fran- zösischen Sprache verwickelt man sich so. So unterscheide ich niemals..." „Kurzum," unterbrach ich ihn,„um das Ding genauer zu bezeichnen, Cesarine ist Ihre Maitresse gewesen? Ihre Maitresse, ihre Frau, so meinen Sie das?" Endlich begriff er und plötzlich ausspringend schrie er: „Was sagen Sie da? Weder die anderen, noch sonst jemanden, da sie noch nicht verheirathet gewesen ist." „Potz Blitz!" erwiderte ich,„das hindert doch nicht...* „Nun!" rief er, indem er mich hart an den Arm faßte. Seine kleinen zwinkernden An�en waren starr geworden, und er hatte nicht mehr das Ausichcn eines guten Kindes, sondern einen fast wilden Ausdruck, als er mich fragte: „Warum denken Sie so etwas?" „Weil man das glaubt." „Wer? Wer?" „Aber Louis zum Beispiel, und Herr Jougnin. Sie scheuen sich nicht zu behaupten, daß Herr Bochard.. Augyal ivarf mir einen verachtenden Blick zu und mit den Zähnen knirschend sagte er: „Die ganze Clique im Cafe. Und was Ihren Bochard anbetrifft, so ist er gewöhnlich ein Schwein. So ist es!" Und indem Augyal bei diesem Punkte unser Gespräch mit einer Mine abbrach, die nichts weniger als einladend war, ihm zu folgen, drehte er mir den Rücken und entfernte sich. Seine Beine schlenkerten nach rechts und nach links, wie wenn er allen Verleumdern Cesarinen's unzählige Fußtritte aus- theilen wollte. XIV. Ich hatte es satt, mich überall umzusehen, und dabei nichts zn sehen, ich hatte es satt, mich abzuquälen, mir alles zu erklären und nichts zu begreifen. Um so schlimmer! Ich werde von Paris unverrichteter Sache weggehen! Durch Vermittclnng eines alten Freundes meiner Familie hatte ich mehrere Briefe meiner Eltern er- halten. Sie beunruhigten sich meinetwegen und flehten mich an, zu ihnen zurückzukehren. Der Vater Heurtault kann mir durch Vermittelung seines ehemaligen Kollegen, der heute bei der Polizripräsektur ist, einen Geleitschein verschaffen, damit ich niich nach Vinceniles begeben kann. Ich werde davon Nutzen ziehen. Ja, ich werde unverrichteter Sache als dummer Hans, wie ich gekommen bin, wieder abreisen. Ich werde das Gcheimuiß Cesarinen's nicht erfahren. Und noch weniger werde ich das Geheimniß Pauls kennen lernen, sein doppeltes Geheimniß: das seiner Liebe zn diesem seltsamen Geschöpf und das seines unversöhnlichen Hasses gegen Herrn von Roucienx. Und ebensowenig werde ich das Ge« heimniß der Revolution kennen lernen. Und so entschloß ich mich denn, wegzugehen, die Stadt zu verlassen. Und doch blieb ich, ohne selbst die Entschuldigung einer leidenschaftlicheil Parteinahme dafür oder dagegen zu haben, sondern nur ans eitler Neugier, als Amateur. Denn wenn ich mich zur Abreise entschloß, hätte ich ja das Schau- spiel verpaßt. Ebenso erging es mir in bczug auf Paul und Cesarine. Ich redete mir ein, daß ich mich dafür nicht mehr zu interesftren hätte, und nichtsdestoweniger mußte ich unausgesetzt an sie denken. Meine Neutralität als Bürger und als Freund fiel mir schwer auf das Gewissen. In dieser aufgeregten und grämlichen Stimmung saß ich eines Tages auf einer Cafe-Terrassc am Boulevard. Obgleich ich gelangweilt war, lächelte ich doch über das Bild, daß sich meinen Augen bot. Ein alter Italiener mit einem Apostel- köpf, der das Entzücken inaiuheWHeiligenmalers gewesen wäre, fiedelte schmachtend die Marseillaise im wollüstigen Rhytmus der Tarantella, zwei kleine Kinder tanzten und riefen von Zeit zu Zeit mit hohen Fistcltönen: „Evviva Garibaldi!" Alle drei als Pifferari gekleidet, waren mit rothen Schärpen umgürtet, von einem schreienden Roth, dem man es ansah, daß sie filnkelnagetneu waren. Die des Alten ging beinahe bis an die Achseln hinauf; er sah aus, als wenn er sich in eine Legionsfahne eingewickelt habe. Nach jeder Strophe schlug er die Augen mit verzücktem, weltentrücktem Blicke gen Himmel auf, stellte sich wie ein Modell in Positur, legte seine Hand auf das Herz, schwang darauf seinen Fidel- bogen mit einer majestätischen Geste und murmelte dann mit tiefer, friedlicher und langsamer Stimme in den Bart: „Evviva la Commune!" Die beiden Kleinen sammelten dann, alle Zähne zeigend, mit lachenden Augen und mit Bewegungeil wie kleine Affen die Spenden ein; und während der Regen von Sous-Stücken in ihren Hüten klimperte, wiederholte der Alte immer wieder mit seiner hohlen Stimme, die wie eine tiefe Orgel- pfeife klang: „Evviva la Commune, la bella Commune!" Ein Dutzend Gaffer, die im Kreise um sie herumstanden, applandirten enthusiastisch, und auf mehr als.einem Gesicht las man den Gedanken. „Italien ist für uns!" Mair war so aufgeregt, und außerdem gab es bereits so viele UniformenDauf dem Boulevard, daß niemand außer mir von der geräuschvollen Ankunft eines übrigens sehr auffallenden Reiters Notiz nahm. Auf einem riesigen Vollblut-Fuchs, dessen Nüstern bei dem plötzlichen Halt schnaubten, saß ein breitschultriger Mann von hoher Statur. Er war bekleidet mit Wildleder-Hosen und hohen Reiterstiefeln; der Rumpf war in einen blauen Waffenrock eingeschnürt, die Brust war mit Litzen und Fangschnüren überladen; aus dem Kopfe saß ein Dreimaster mit einem großen Busch scharlachrother Federn. Aber wie reich auch seine Kleidung war, so schien der ver- wegen ausschauende Reiter durch sie weder behindert zu sein, noch machte er den Eindruck, sich in einer Verkleidung zu be« finden. Dieser da machte den Eindruck eines veritablen Soldaten. Man sah das sofort an seiner Haltung, an seinen stramm ge- haltenen Schultern, und schon' allein an der Art lind Weise wie er mit vorschriftsmäßiger Bewegung und mit einer Eleganz, wie sie nur die Gewohnheit giebt, absaß, ohne dabei mit der Scheide seines riesigen Schlachtschwertes in Kollision zu kommen. Das einzige, woran ich Anstoß nahm, war sein großer Voll- bart. Er hätte vorschriftsmäßiger und, malerisch gesprochen, „wahrer" ausgesehen, wenn seine Backen rasirt gewesen ivären, und ein schmales langes Gesicht unter dem Schnabel seines Dreimasters hervorgeschaut hätte. Trotz alledem war er ein soldatischer Kopf; und seine Haltung war korrekt,„gedrechselt", wie der Kapitän gesagt haben würde. Ich betrachtete ihn also wohlwollend; und meine Be- wunderung spiegelte sich auch ans seinem Gesichte wieder, denn er winkte mir mit den Augen und dem Kops, wie um mir zu danken. Ich war darüber erstaunt und dachte sogar einen Augenblick, daß er irgend einem Gaste hinter mir zugenickt habe! Aber nein! Nachdem er die Zügel einem Straßenjungen anvertraute und ih>n befohlen halte, auf daS Pferd Acht zu haben, blickte er mich von neuem mit herzlichem und vertraulichein Ausdrucke an. Und wie groß war mein Er- staunen, als ich ihn plötzlich mit ausgestreckten Händen auf mich zukommen sah. „Wie," sagte er,„kennen Sie mich nicht mehr wieder? Und ich steige eigens dazu ab, um Sie zu begrüßen.. Bei dem Klang seiner Stimme kam mir plötzlich die Erinnerung wieder. Ja, ja, trotz des Bartes, der ihn veränderte, erinnerte ich mich seiner. Ich war kaum mehr unschlüssig und doch wußte ich ihm nicht zn ant- worten. Ich glaubte mich zn täuschen, indem ich ihn erkannte. Ich glaubte zu träumen. Daß er es sein sollte, er in Person, verdutzte mich mehr als alles andere. Wahrhaftig, diese Be- gegnung hatte ich nicht erwartet! Es war mein Freund, der Leibgardist. „Sie, Sie?" rief ich endlich aus.„Es ist nicht möglich. Seht doch, seht! Sie! Und nun sind Sie...* Ich beendete nicht. Fünf oder mehr von dem Auditorium des Neapolitaners hatten sich bei meinen Ausrufen, die sie verhinderten, die Marseillaise als Tarantella zu genießen und die Vorthcile eines italienischen Bündnisies zu cskomptiren, umgeivandt. „Gehen wir in das Cafe hinein," sagte der Leibgardist. „Dort können wir ruhiger sprechen. Ich habe Ihnen einen ganzen Haufen zu erzählen." Als wir in» Innern des Hauses waren und uns im Hintergründe eines leeren Saales niedergelassen hatten, fragte ich ihn: „Sie sind also in der Kommune, Sie.. „Schwadrons-Chef, Stabs offfzier. Ja,»nein Kleiner," er- widcrre er, indem er sich in die Brust warf.«Zum Henker, man war mir das wohl schuldig!" „Aber durch»velchen Zufall?!" „Oh, in der That ein Zufall, eine ganze Reihe von Zu- fällen kann man wohl sagen! Das ist eiue ganze Geschichte! Aber weiß man denn, was»nan von heut a»lf morgen»verde»» kann? So viel aber ist sicher, daß ich gege»nvärtig nicht mehr in der Haut eines Unterofsiziers sterben werde. Und das ist wahrhaftig nicht zu zeitig,»vahrhaftiger Gott!" Und er erzählte mir diese Aufeinanderfolge von Zufällen. Eine ganze Geschichte, in der That. Er war»vähreud der Jnternirung in der Schweiz durch einen seiner ehemaligen Karabinier-Offiziere mit dem Grafen T... bekannt geworden, der jetzt Brigade-General war. Der Graf hatte ihn, als er nach dem Waffenstillstand nach Paris zurückgekommen»var, als Wachtuieifter in Dienst genomnien. Sehr reich, und ein großer Pferdeliebhaber, hatte der General, kaum in sein Hotel in Faubourg St. Eermain zurückgekehrt, seinen Stall»vicdcr komplettirt. Dann brach der 18. März an, während der General ui»d sein militärischer Hausstand sich in Versailles best»,»den. Das Hotel und der Stall mit vier Pferden»varen uuter der Aufsicht eines alten und hinfälligen Hausmeisters zurück- geblieben. Als die Kominune mächtiger wurde, und die Ver- bindungen zwischen der Hauptstadt und Versailles unterbrochen wurden, war der General auf den Gedanken verfallen, seine»» Wachtmeister nach dein Hotel zu senden, damit er versuchen sollte, die Pferde aus Paris herauszubriugeu, oder falls dies nicht möglich sein sollte, um sie wenigsteics zu beivacheu, zu pflegen und zu verhinder»», daß»nan sie stehle. Er sollte bis zn der jedenfalls nahe bevorstehenden Rückkehr der Regierung in Paris verbleiben. In Zivil verkleidet ui»d mit laugen» Bart war also der Wachtmeister durch Saint- Denis ge- kommen und hatte keine Mühe gehabt, sich auf seilten Posten zu begeben. „Nur, verstehen Sie, hatte es seine Schivierigkeit, wieder abzurücken, nachdem man einmal drinnen»var. Hcrciukouiuieu, das geht noch; aber zurückkehren, und noch dazu mit vier solchen indischen Vögeln; leicht gesagt! Zuerst dachte ich daran, allein nach Versailles zurückz»»kehren. Aber ich hatte doch»»eine Instruktion!" „Welche Instruktion?"(Fortsetzung folgt.) Die Veelinev Leueeivehv. Von P. M. G r e m p e. Bei de» letzten groben Bränden in der Chansseestraße und am aausvoigteiplatz hat die Berliner Feuerivehr ivieder durch ihre chlagfertigkeil und nnermüdliche Ausdauer benüese». daß sie mit Recht das allgemeine Vertraue» der gesaininteu Bevölkerung geniebt. I» verhältnißniäßig kurzer Zeit hat sich die Berliner Feuerivehr aus unbedeutenden Ansängen zu«i»er großartigen und vorzüglich organisirten Institution eutivickelt, die von den Fachleuten der ganzen Welt als mustergiltig betrachtet wird. Bei der Errichtung des Berliner Polizeidirektoriuins wurden im Jahre 1742„Cornrnissaires du quartier" angestellt, die auf d.r Brandstelle die Feuerlöschordnung zu beobachten hatten. Die Polizc verfügte, daß die Schornsteinfeger-, Maurer- und Zimmermeister nur ihren Gesellen bei Bränden Hilfe zu leisten hätten, und daß die Hausbesitzer sich zum Eimerdienst und die Meister zum Wachdienst zu stellen hätten. Diese mangelhafte Orgmiifal,-»! vermochte aber auf die Dauer der Zeit nicht den berechtigini Ansprüchen z» genügen. Wenngleich schon im Jahre s84-> zwischen den staatlichen und städtischen Behörden über die E»'- richtung einer Berufs-Feuerwehr verhandelt wurde, so kain do.u dieser Plan erst im Jahre 1851 zur Ausführung. Berlin erhieir damals als erste deutsche Stadt eine militärisch organisirte Berufs- Feuerwehr unter der vorzüglichen Leitung des Regierungs-Banmeifter und Brand-Direktors Scabell. Die Wehr bestand aus 360 Spritzen- »nännern, 130 Feuerinännern, 40 Oberscuermäunern, 4 Brand- »neistern und 1 Brandinspektor. Dem Nachfolger Scabell's, Brand-Direktor Witte, gebührt das Ver- dienst.durchEinrichtnngvieler bequem gelegenerFeuermeldestellendieEni- Wickelung der Wehr um einen bedeutsamen Schritt vorwärts gebracdr zu haben. Bis zum Jahre 1375»vurde die Feuerivehr auch? Straßenreinigniig in Anspruch genommeil; es stellte sich aber d.e Nothwendigkeit heraus, die Wehr nur zu ihrer eigentlichen Be- stimmnug zur Verfügung zu haben, und so sah sich denn die Siaor veranlaßt, die Sorge für die Straßenreinigung einer besonderen Verivaltung zu übertragen. Die für die Wehr»öthigen Ge. spanne wurden von Privatnnternehmer» gegen eine jährliche Enlschädignng pro Gespann gestellt. Erst seit 1330 hat die Berliner Feuerwehr eigene Gespanne. Berlin ist in 5 ziemlich gleich große Theile zerlegt mit je einem Brandinspektor resp. Kompagnieführer. Die Feuerwachen sind So im Weichbilde der Stadt verlhcilt, daß nach jeder Feuermeldunq spätestens in etwa 3 bis 10 Minuten das Eiutressen der Wehr zu erwarten ist. Die Wasserciitiiahme erfolgt ziinicist ans den Hydranten der städtischen Wasserleitung; im Jahre 1894/95 wnrden nur diese Weise ca. 875 000 Liter Wasser verbraucht. Ist der Druck der Wasserleitung nicht mehr ausreichend, so treten die Handdruckspritzen— von welchen die Feuerivehr 13 Stück besitzt— in Thätigkeit; diese verbrauchten im gleichen Jahre auf der Brand- stelle etiva 505 000 Liter Wasser. Seit 1374 hat man mit der Etz.- führung der Dampfspritzeii begonnen. Heute sind diese Dampf- spritzen, die mit Nöhreiikessel versehen sind, so vervollkommnet, daß sie»vähreud der Fahrt zur Brandstelle geheizt werden können. In etwa 8 Minute»»vird ein Ueberdrnck von 4—5 Almospdärei» er- reicht; verivendet man aber vorgeivärmtes Wasser, so ist es muy möglich, während der Fahrt bis 3 Zllmosphären Dampf zu erbalten. Währri»d die Handdruckspritze in der Minute>20—125 Liter Wasser giebt, ist es leicht, mit der Dauipfspritzc eine Leistung von 1600 Lileru in der Minute zu erreiche». Der Gesamiiit-Wasserverbrauch betrug im Jahre 1894/95 auf 233 Brandstellen ca. 2 630 000 Liter; die 9 vorhaudeneu Dampf- spritze» verbrauchten davon 902 000 Liter. Der Wasserverbrauch stieg in 6 Fällen auf 100— 400 000 Liter. Bei vielen Bränden strahlt das Feuer eine solche Glulb ans daß die augreifende» Feiierwebrlente eiiien wasserdichte» Fenerschntz- auzug aus englischer Leiueivand anlegen müssen. Dieser liisi- dicht schließende Anzug wird durch Giunmischläuche von einer Luftpilmpe aus mit Lust versehe» und hat au» Heim eiue Vorrichtung zum Berieseln mit Wasser. Es iit ferner er- »vähnensiverth der voin Archilelten Runge und vom Branddirektor Stüde koustruirte Ranchhelm. Dieser kupferne Helm ist so ein- gerichtet, daß der niit ihm ausgernsieie Feuer, vehrmann sich längere Zeit in einen» mit giftigen Gasen angefüllte» Räume aufhallen kann. In den Füllen aber, wo die brennende» Rä»»ie i»it sofort tödllich ivirkendeu Gasen angefüllt sind,»vird der Feuerwehr»»«»» mit den» Hönig'schen Rauchapparat versehe». Die Berliner Feuerivehr hat ihre besondere Telegraphenleitung, die im Jahre 1852 von Siemens u. Halske gelegt wurde. Bis zum Jahre 1885 waren nur i» de» Bahnhöfe», Hotels je. automatische Feuermelder vorhanden. In der Zeil vom Jahre 1685 bis 1395 wurden dann die bekannten öffentlichen Feiiermelder in 109 Exeu»- plaren aufgestellt. Von den 6272 Bränden des Jahres 1834/95 wurden auf telegraphischem Wege 1563 gemeldet. In 1805 Fällen handelte es sich ivnklich um Feuersgcfnhr, darunter 69 mal Grog- feiier; 220 mal aber war blinder Fenerlärm und 14 mal Bösivillig- keit die Ursache der Alarmirung. In vielen Fällen ist die Wehr gezwungen, die Haken- leitern als Relnuigsapparate zu verwende». Die 5 Meie, langen und etwa 24 Pfund schweren Leitern iverdeu mit ihren Widerhaken in die Fensteröffiiunge» eingehakt. Ter Fenerivehrma»» ersteigt sie alsdann und schiebt sie um ein Stock- werk höher. Da aber diese Leitern bei ihrer Verwendung mannig- fache Uebekslände aufweisen, so bat die Berliner Feuerwehr in den letzle» Jahren ihre Ausrüstung durch die Anschaffung mechanischer Leiter», die ans einem Wagen mit Drehscheibe um sich selbst gedreht »verde,» können, vervollständigt. Diese»verde» nach einem Patent Witt«- Greiner von der Berti»- Anhalter Maschine»- sabrik in der Weise ausgesührt, daß die 4.5 Meter laugen »inzelnen Leitern auf einer Ansschiebevorrichtung des Wagens anfge- richtet, und die einzelne» Leitern durch Bajonett-Verschln« fest init «inander verbunden werden. Nachdem die Leiter so die nöthige Höhe erhalten hat, ilt durch eine geeignete Vorrichtung die Möglich- keit vorhanden, der Leiter eine mehr oder minder große Neigung zu geben. In den Fällen größter Noth, wenn die vom Feuer be- drohten Personen sich nicht mehr auf andere Weise retten können, kommt das sogenannte Sprungtuch zur Anwendung. Etiva 25 Mann halten straff ein starkes Segeltuch von 3,5 Metern im Quadrat ausgespannt, auf welches die bedrohten Personen einzeln herabspringen. Selbst bei den Sprüngen ans hohen Stockwerken sind schwerere Verletzungen nicht vorgekommen. Die Feuerwehr führt außerdem Rettungssäcke für Frauen und Nettungs- gurte für Männer mit. Es liegt in der Natur der Sache, daß bei Bränden häusiger leichte und schwerere Verletzungen aller Art vorkomme». Um nun den verunglückten Menschen sofort die nöthige Hilfe und Erleichterungen bis zur Ankunft des Arztes leisten zu könne», sind ein Theil der Feuerwehrleute als Sama- riter ausgebildet. Im Jahre 1892 kamen diese Samariter 242 mal in Thätigkeit; in 46 Fällen handelte es sich um Samariter- Hilfe bei Feuerwehrleuten, die bei der Ausübung ihres Berufes ver- , inglückt waren. Auf der Straße verunglückte Personen wurden in 109 Fällen behandelt. Im Interesse der öffentlichen Gesundheits- pflege haben neuerdings einige der Feuerwachen Krankenwagen erhalten. Aus den jährlichen Berichten der Abtheilnng für Feuerwehr des Berliner Polizeipräsidinnis geht hervor, daß vom Jahre 1881 bis 1399 die Zahl der Großfeuer von 36 auf 89, die der Mitlel- seiier von 62 auf 134 und die der Kleinsener von 1592 auf 3968 gestiegen ist. Die Erhaltung der Feuerwehr verursachte im Jahre 1894/95 eine Gesammtausgabe von 1,42 Millionen Mark. Die Kosten des Feuerlöschwesens, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, zeigen eine abnehmende Tendenz. Während sie im Jahre 1889 noch 1,25 M. betrugen, fielen sie im Jahre 189l/92 auf 86 Pf. und stellen sich für das Jahr 1894/95 nur auf 82 Pf. Neben der Berliner Berufs- Feuerwehr haben einige groß- industrielle Fabriken aus ihrem Personal Wehren gestellt, die so eingeübt sind, daß sie kleinere Schadenfeuer löschen können. Be- sonders gut sind die Feuerwehren der königlichen Eisenbahn-Werk- statten ausgebilder und auch mit den wichtigsten Löschapparalen zc. ausgerüstet. Während man früher resignirt betete:„Heiliger Florian, behüt' unser Haus, züud' andere an!", sind heute alle Kreise der Bevölke- rung zu der Erkenntniß gekomme», daß eine wohlorganisirte Feuerwehr der beste und einzige Schutz gegen das verheerende Element ist.—_ Mteinvs Isouillekon Ein parlameutarischer Ncnliug. In der Namensliste der ungarische» Politiker neuere» Datums gehört der Name desPrivigyerPfarrers.Titular-DomherrnundReichstags-Abgeordnete» Michael Jurils zu den in iveiteste» Kreisen Unbekannten. Der alte Herr ist einer der jüngsten Landesväter; er ist erst seil den letzten Reichstagsivahle» Mitglied des Hauses, in ivelchem er zu den neunzehn Mitgliedern der klerikalen Volkspartei gehört. Als in einer der letzten Sitzungen des Abgcordneteuhnuscs Finanzminister Lnkacs bereits eine Viertelstunde gesprochen hatte, wendete sich R Jurils an seinen ebenfalls geistlichen Sitznachbar, eine» lang- jährigen Abgeordneten, und richtete an ihn die Frage:„Nicht wabr, der Redner gehört zur stiegiernngsparlei?"— Etwas ver- blufft antwortete der Nachbar:„Aber das ist ja der Minister...." —„Ah, der Minister, ich danke."— Nach einer Pause von fünf Minuten fragt der Vertreter von Privigye abermals:„Was für ein Minister ist er denn, der Redner?"—„Der Finanzminister."— „So, der Finanzminister... ich�danke."— Und nach wieder süns Minuten kommt die letzte Frage des geistlichen Herrn:„Wie heißt er denn, der Finanzminister?..." Und?. Jurits hatte diese Frage» allen Ernstes gestellt, denn in eingeweihteil Kreise» versichert man, daß der ergraute Titular-Domherr in seinem ganzen Leben noch nie einen Witz gemachk habe.— — Den längsten Marsch in unserer Zeit haben ganz kürzlich russische Truppen absolvirt. Nach fast einem Jahre trafen das 4. und 8. oststbirische Bataillon und zwei Batterien in ihrem nenen Lager im Amurbezirke ein. Sie hatten über 7909 Werst, darunter 8999 zu Wasser, zurückgelegt. Einen vollen Monat fuhren sie mittels Flöße» auf angeschivollenen Flüssen. Die Kolonne» waren mitunter 29 Werst lang. Zwei todle und zwei kranke Offiziere, vier todle und 25 kranke Soldaten bezeichneten den Verlust während des Riesen», arschcs; die übrigen ivaren gesund und vcrhältnißmäßig Heller. Nur 290 Jahre vorher ist ei» russisches Truppenkorps ebenso lange bis an die chinesische Grenze marschirt.— Literarisches. — Das deutsche B ü r g e r t b u m und s e i» e D i ch t e r. Die„M. N. N." schreiben:„Ei» beschämendes Zeichen der Zeit ist das bisherige Ergebniß des zu gnnsten des Dichters Detlev v. Liliencrou von hervorragende» deutschen Mäuiiern erlassenen Aufrufs, der die Befreiung des Poeten ans alltäglichen Sorgen bezweckte. Mehr als 799 Zeitungen trugen den Appell hinaus in die deutschen Lande— hereingekoinmen sind baare 299 M.! So hoch also taxirt die„praktische" Gegenwart den Lebenswerth eines dichterischen Genius! Es lvird— dies ist ja wahr— heutzutage viel gesammelt und gebettelt; aber wir meinen, es ist eine be- sonders traurige Sache um die bittere Nothwendigkeit, für einen Dichter sammeln zu müssen, der taufende selbstlos mit seinem Schaffe» erfreut. Das„Deutsche Dichterheim" in Wien erläßt soeben einen entsprechenden zweiten Aufruf an den„deutschen Michel"— ob mit mehr Erfolg, möchten wir leider baß bezweifeln. Es fällt uns hierbei eine sehr traurige Geschichte ein. In den Janilartagen des Jahres 1793 fand man erfroren in den Straßen Moskau's den deutschen Dichter und Goethe-Freund Jakob Michael Reinhold Lenz. Dieser hatte zuletzt nimmer geivllßt, wohin er sein Haupt legen, womit er seinen Hunger stillen sollte. Und— 1894 kamen etliche Original-Handschristen des unglückliche» Dichters auf einer Berliner Aulographen-Auklion zur Versteigerung. Sie brachten über— 5999 M. ein. Wir haben dieser einfachen Geschichte nichts beizufügen!"— — Ein litthauisches D r a m a in fünf Akten, das die litthanifche Nationalidce verherrlicht und in litthanischcr Sprache abgefaßt ist, wurde vor einigen Tagen in Memel von Mitgliedern der seit etwa zwölf Jahren in Tilsit ansässigen litthauischeu Gesell- schast„Byrnte" aufgeführt.— Musik. — Hebet das jetzige Publikum der Bayreuther F e st s p i e l e urtheilt—ig. in der„Vossischen Zeitung" folgeudermaßen:„Als Richard Wagner vor nunmehr ein- nndzivanzig Jahren das von ihm nach Heberwindung un- säglichen Widerstandes ennchtete Festspielhaus mit einer Auf« führung des„Nibelnngenringcs" eröffnete, und als mit einem Schlage der Sieg so unzweifelhaft entschieden, der Widerspruch niedergekämpt, die neue Kunst gesichert schien,— da durfte Bayreuth sich ohne Zweifel für de» festen Mittelpunkt halten, von dem a»s überallhin die Strahlen seiner Leben spendenden und Lebe» er- weckenden Ideale dringen müßten. Hnd zwar galt es besonders, das deutsche Publikum aufzurütteln und zu erziehen; hier sollte es lernen, was es zu fordern und wie es das Gebotene z» genießen habe. Wer wollte leugnen, daß die Bayrenthcr Aufsührungen in dieser Hinsicht viel Gutes hervorgerufen haben, und daß eine ernstere Auffassung des Musikoramas infolge ihres Vorgangs allgemein in Deutschland Platz gegriffen hat! Aber jede Entivickelung hat ihre Kurve, und die von Bayreuth führte nicht in die Höhe. Als das große Weltpnblikum begriffe» hatte, daß dort auf dem Hügel an, rothen Main etwas besonderes geboten wurde, kam der Besuch der Vorstellungen in die Mode; wohlgestellte Leute strömten herzu, nicht, um an einer ernsten geistigen Arbeit lheilzunehmen, sondern um ein Vergnügen zu genießen, und der eigentliche Zweck dieser Aufführungen, für den Wagener ein ganzes Leben hindurch gerungen und gestritten hatte,— trat immer mehr in den Hintergrund. Nun hat in de» letzten Jahren das Heberhandnehmen nichtdentscher, besonders englisch- amcrikanischcr Personen unter de» Festtheilnehmern ein internationales Publikum geschaffen, das im Grunde genommen gar keinen anderen Zweck mehr kennt, als sein allerpersönlichstes Ver- glnigeu. Man besucht, wen» man das Geld dazu hat. das Bayrenthcr Theater wie ein anderes und genießt, je»ach dem Ver- ständniß und Geschmack, den überwältigenden Eindruck, den ein Wagner'sches Werk stets hervorrnfen wird. Leider hat es den An- schein, als ob die Festspielleitnng die zahlreiche» Fremden, die doch der wahren Bayreuth-Jdee keinerlei Hnterstntzung leihen können, gar nicht ungern sieht, sie fast als den sichern Stamm der zahlnngs- fähigen Festgäste betrachtet. Ist so Bayreuth in seine» künstlerischen 'Absichten und Ziele» einer Schwierigkeit versallen, die es sich selbst wenigstens bereuen half, so ist andererseits das bier versammelte Publikum von Jahr zu Jahr uninteressanter geworden. Natürlich, es gehört und wird innner zur„besten Gesellschaft" gehören; dafür bürgt schon bis zu einem gewisse» Grade der Kostenpunkt, lind man wird auch immer hier eine Anzahl„Stammgäste" aus allen Lebens- kreisen und besonders aus der Geistesaristokratie finden, die es in heiligem Eifer stets wieder herzieht, und die noch ganz im alten Sinne an den Aufführungen theilnimml. Aber auch diese Treuen haben sich trotzdem geändert; sie trete» kaum noch laut für das ein, was sie doch in ihrem Innern lebhaft genug empfinden; sie sind nicht mehr eine geschlossene Schaar, sonder» nur noch einzelne. Wen man aber jetzt beinahe vergeblich hier suchen wird, das sind die führenden Geister unseres Volkes auf allen Lebcnsgebieten, wenn man nicht etwa einige Fürstlichkeiten dahin rechnen will, die eigen- lhüiulicherweise nur aus Süd- und Mitteldeutschland ganz zahlreich erschienen sind."— Knust. — MaxKlinger ist mit der künstlerische» Ausschmückung des Treppenhauses des städtischen Museums in Leipzig betraut worden.— Völkerkunde. — Die Frauen in Tibet. Miß Taylor, die unlängst aus Tibet nach England zurückkehrte, fand, daß die Stellung der Frauen tu Tibet eine höhere, angesehenere als in allen anderen Ländern des Ostens ist, mit Ausnahme vielleicht der Mongolei. Wahrend bei den Mohamedancrn Polygamie, die Vielweiberei, an der Tages» ordnuna ist, herrscht bei den Tibelanern umgekehrt die Polyandrie, die Vielmännerei, indem die Frau an alle Bruder einer Familie verheirathet ist. Ob sich die Vielmännerei ausschließlich ans die Familienmitglieder beschränkt, wird nicht gesagt. Infolge des nomadische» Charakters dieses Volkes ist selten niehr als ein Ge- mahl gleichzeitig zu Hanse, während die übrigen Bruder zum Ver- kaufe ihrer Produkte abwesend sind. Eine lobensiverthe Eigenschaft dieses Volkes ist die, daß sie einem Weibe nie etwas z» Leide thuu, «in Umstand, dem Miß Taylor mehr als einmal ihre Lebensrettung verdankte.— Aus den» Thierleben. — Jnstinktve rändern n gen bei den T h i e r e n. Der über einen großen Theil Südafrika's verbreitete Tschakma (Babuiu chacrna) gehört zu den größeren Arten der Paviau-Grnppe und hat seine Sitten in Berührung mit der sortschreitenden Zivilisation und Kultivirung seiner Heimath sehr verschlechtert. Er hat die Gewohnheit angenommen, die jungen Lämmer zu lödten, nicht um sich an ihrem Fleische zu sättigen, sondern«in ihnen den Magen anfznreißen und die Milch zu trinken, die er darin findet. Anßer stände, die Schafe zu melken, lauert er die Gelegenheit ab, wenn das Junge getrunken bat, und schleppt dasselbe wie einen Milchbehälter davon, den er leert und wegwirft. Dabei sind diese Unholde in der Vermehrung begriffen, weil sie sich sehr sicher in den im Knplande sich ausdehnenden Kaktns- (Opuliüa-)Dickichten zu verbergen wissen, die ihnen gleich- zeilig einen sicheren Zufluchtsort und Nahrung in ihren fleischigen Blättern und Fruchten bieten. Von den Viehzüchtern erbittert verfolgt, sind sie äußerst listig geworden und wissen unter den sich nähernden Menschen sehr genau Mann und Frau zu unter- scheiden, da sie bemerkt haben, daß ihnen von de» Frauen im all- gemeinen wenig Gefahr droht. Tschakma-Gesellschaften laffen daher Frauen dicht an sich herankommen, während sie eiligst die Flucht ergreifen, sobald sie einen Mann erblicken. Der Viehzüchter muß deshalb, um wenigstens einige von ihnen zu erlege». Rock und Hut von seiner Frau borgen, um sie in dieser Verkleidung zu beschleiche»; es gelingt ihm dann wohl, zwei Stück zu erlege», bevor die übrigen außer Schußweite sind. Auch lhun sich öfters mehrere Heerdenbesitzer zusammen, um ihre gemeinsamen Schafplätze zu umstellen und sie niederzuschießen, wenn sie sich des Morgens nach allen Richtungen zerstreuen wollen.— Der Erdwolf oder Maan- haar(krotelos oristati«), der früher hauptsächlich von Ter» miten und anderen Insekten lebte, sich höchstens bis zum Raube eines Straußeneies verstieg, ist ebenfalls durch die Einführung von Hausthieren, die von Natur weniger vorsichtig sind, zum Gelegenheitsräuber geworden. Die Farmer behaupten wenig- stens, ihn wiederholt beim Raube junger Hausthiere betroffen zn haben. Ein anderes Thier dieser Gegenden, Lprso bicolor, hat seine Instinkte insofern verändert, als es aus einem Jnsektenfrcffer zum gelegentlichen Gartenplnnderer geworden ist. Die wilden Früchte seiner Heimath lockten ihn nicht, aber diejenigen, welche der Fremdling in das Land ein- geführt hat, munden ihm besser. Ohne Zweifel gehören solche Ver- änderungen der Lebensweise zu den mächtigsten Umwandlungen, die der Mensch in der Thierwelt hervorbringt, denn in der Regel be- reiten sie die Ausrottung der in schädlicher Weise sich bemerkbar machenden Thierwelt vor. Dieselbe gelingt freilich erst, wenn die menschliche Besiedlung solcher bisher frei dem Naturleben offen liegender Bezirke eine dichtere wird, und auch dann nicht immer, namentlich wenn die Plünderer kleine, nächtliche, sich leicht ver- bergende Thier« sind, wie wir an unserem vergeblichen Kampf mit Mäusen, Natten, Wieseln und ähnlichen kleinen Nagern und Raub- thiere» sehen.—(.Prometheus.'') Aus dem Pfianzenlebe«. — Der Veteran der europäischen falschen Akazien, welchen Vespasian Robin 1638 im Pariser Pflanzen- garten(zwischen den alten und neuen Gallerien der naturhistorischen Museen) pflanzte und der nach ihm seinen Namen Robiuia 3?seucUcacia erhielt, hat in den letzten Stürmen, die über Paris dahingegangen sind, so sehr gelitten, daß man trotz aller Eisen- und Holzarmaturen, Gypspflaster u. s.»v. seinem demuächstigen Unter- gange entgegensieht.— Meteorologisches. m. Die Schnelligkeit der B o r a st ü r m e. Es ist bekannt, welch« verheerende Wirkung die über Jstrien dahinbrausenden Bora- stürme ausüben, und man kann sich leicht vorstellen, daß, um eine solche Wirkung ausüben zu können, diese Stürme eine ganz eminente Geschwindigkeit besitzen müffen. Thatsächlich ist aber diese Ge- schwindigkeit doch noch größer, als man wohl meint. Herr Mazelle in Trieft hat nach zehnjährigen exakten Beobachtungen festgestellt, daß die schnellsten Borastürme in der Stunde 112 Kilometer, in einer einzigen Sekunde also 31 Meter zurücklegen, und bei zwei kürzlich erst vorgekommenen Borastürmen wurde diese Geschwindigkeit wiederum erreicht. Das ist aber nur die durchschnittliche Ge- schwindigkeit, noch größer jedoch ist die Gewalt und Schnelligkeit einzelner Stöße, die nur 4—10 Sekunden dauern und meist in Zwischenräumen von 40—50 Sekunden wiederkehren. Durch lliegiitriranemometer. d. h. durch Instrumente, welche die Wind- geschwindigkeit selbstthätig aufzeichnen, wurde die Geschwindigkeit solcher einzelnen Stöße zu Söl/e Meter in der Sekunde bestimmt.— Humoristisches. — Verschiedene Ausdrucks weisen. Ein Schwabe hörte in einer Gesellschaft einen Berliner im schönsten Jägerlatein reden. Als die Geschichte gar zu gransam wurde, konnte er sich nicht mehr halten und sagte:„Aber höret Se an, Herr Schulze, das ischt amal saumäßig verloge." Der Berliner fuhr ans und schrie nach Genugthnnng. Der Schwabe aber meinte lächelnd:„Ha, des derfet Se net für übel nehmen. Wenn mir saget:„saumäßig verloge", na ischt det grad, wie wenn Se saget:„sascht unglaublich."— —„Versetz'doch deinen Ring, Charlie!" Charles Warner, einer der zahllosen englischen Wandermimen, ist in seinem Vaterlande so beliebt, daß die zärtlichen Galleriebesncher und Besucherinnen ihn nur unter dem Kosenamen„Charlie" kennen. Kürzlich gastirte„Charlie" in Birmingham und trat in der Rolle eines von Elend triefenden, bedauernswerthcn Hungerleiders aus. Seine Maske war vortrefflich; es fehlte weder der stiere Blick des am Hungertuch Nagenden, noch die tiefen Furchen, die Roth und Elend in sein Antlitz gegraben hatten, noch der müde Gang und die matte Stimme des Beladen««, auch die Kleidung war entsprechend— nur eins störte den Gesammteindruck und brachte bei den Insassen der Gallerte den Glauben ansein Elend ins Wanken. Es war ein herrlicher Diamantring, der an seinem Finger funkelte und dessen Werth wohl eine ganze Familie Monate lang hätte nähre» können. Dieser Ring wurde auch sein Verderben. Denn kaum halte er in der Glanzszene wehmüthig ausgerufen:„O Gott! O Gott! Wenn auch das mißlingt, was soll dann werden?", da tönte es auch in breitestem Irisch von der Gallerte herab:„Versetz' doch Deinen Ring, Charlie!" Die Szene war natürlich verdorben, denn die Illusion verflog mit einem Male unter allgemeiuein Ge- lächter.— Vermischtes vom Tage. — Im Walde des Grenzdorfes B r o n c z y e bei Ostrowo wurde beim Holzfällen ein großer Thoulopf gefunden, der über vier Kilo Silber enthielt. Zum theil besteht der Fund aus Schmuck- gegenständen arabischer Arbeit, zumeist aber aus Silbermünzen des 10. und II. Jahrhunderts und zwar von deutschen, böhmischen und englischen Herrschern. Zn jener Zeit führte über Kalisch«ine große Handelsstraße von Schlesien und Oesterreich noch dem Osten.— — Rund 6 Millionen Stück Gänse wurde» 1895 ans Ruß- laud nach Deutschland eingeführt.— y. Dreizehn Seehunde hat ein Kurgast von Wyk aus Föhr unlängst in zwei Tagen erlegt.— — Ans Unvorsichtigkeit vergiftete sich in Schwel in die 27jährige Tochter einer Wittwe. Sie hatte irrthümlich eine Lösung von chlorsaurem Kali als Gnrgelwasser gegen Heiserkeit zu stark hergestellt.— — Haberer-Verhaftungen. In Bruckmühl und Vagen bei Rosenhain wurden 24 Personen wegen Verdachtes der Betheili- gung an einem Haberseldtreiben verhaftet.— — Stuttgart, 22. Juli. Ueber ganz Schwaben ging gestern ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder, welches beträchtlichen Schaden anrichtete. — St. Georgen am B o d e n s e e, 22. Juli. Der Nachzug des fahrplanmäßigen Schnellzuges Nr. 15 entgleiste gestern Nach- mittag nach der Ausfahrt ans dem Seewalde. Die Passagiere und das Zugpersonal erlitten leichte Hautabschürfungen. Sämmt- liche vier Personenwagen sowie der Tender wurden ganz oder theil- weise ans die Seite gelegt und ziemlich schwer beschädigt. Als Ursache wird berj lockere, vom Gewitterregen ausgeweichte Unter- grund angesehen.— — In Karlingen bei St. Avold fand zwischen italienischen Arbeitern eine blutige Schlägerei statt. Zwei Arbeiter wurden ge- tödlet, mehrere schwer verletzt.— — Auf offener Straße wurde in Wie n der Hof- und Gerichts- advokat Friedrich Elbogen von einem Kollegen mit der Hundspeitsche lraktirt.— — Dünkirchen, 22. Juli. Zwei Schiffe, das eine mit 9, das andere mit 13 Mann Besatzung, sind verloren gegangen.— t. Moderne Wasserbewohner. Man hat berechnet. daß auf den Waffern der Themse jede Nacht gegen 21 000 Menschen allein an Bord von Dampfern zubringen.— — Die„Frkf. Ztg." meldet ans N e w» A o r k: Drei mit Goldsuchern gefüllte Dampfer gingen von der Pazifikküste nach Alaska ab; weitere Schiffe folgen.„Evening Post" erklärt, die Ausdeute der Klondyke-Goldselder übertreffe alle Funde, die seil Jahren gemacht worden seien.— Die nächste Nummer des Uuterhaltungsblaltes erscheint Sonn- tag, den 25. Juli._ Perantworttjcher Redakteur: Attaiift Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.