Anterhalilmgsblatt des Vorwärts Nr. 146. Mittwoch, den 28. Juli. 1897. (NachSriul verboten.? 28] Cefsrvine. So« Jeou Richepin. Uebersetzt von H- L. Auch um uns herum war alles fröhlich. Die Kinder spielten und jauchzten. Es waren etwas weniger da als zu gewöhulicheu Zeiten und besonders weniger von den gut gekleideten, den aufgedonnerten, von denen, die ihre Mamas, elegante Bürgerfrauen, oder die Ammen mit langen flatternden Bänden überwachten. Aber die kleinen Kerle, die sich des Gartens bemächtigt hatten, machten einen Lärm jeder für vier. Das Bassin war mit kleinen Booten ans Zeitnngspapier bedeckt, deren rasche Schissbrüche mit Ge- schrei begrüßt wurden. Kein Wächter behinderte die ungewohnten lärmenden Sceuen. Selbst alte Spaziergänger wurden nicht verdrießlich darüber, sie waren vielmehr belustigt von diesem Einfall der Straßenjugend, deren zerrissene Hosen und deren Strnwelköpfe eine eigenartige wilde Schönheit und Anmuth hatten. Uebrigens hätte auch nichts häßlich und gemein erscheinen können au diesem warmen, berauschenden rühlings« Nachmittag, der die Sperlinge zwitschern und die anben girren und zärtliche Gedanken in den verjüngten Herzen erstehen ließ. Denn jetzt halten Paul und Cesarine das Aussehen zweier Verliebter. Allmälig hatte er seinen Arm immer weniger auf de» meine» gestützt und dann ließ er ihn endlich ganz los, nni sich ganz auf sie zu stützen. Auch sie lehnte sich niit Ent- zücken an ihn. Ich hielt mich etwas abseits. Wir schwiegen alle drei. Ihre Blicke senkten sich ineinander. Ihre Seelen flössen ineinander über; alles versank»m sie herum, selbst ich. Cesarine schien mir ein unbekanntes Wesen, das ich zum ersten Male sah, so verwandelt erschien sie mir. Ich bewunderte die geschmeidige Grazie ihres Ganges, in dein sie sich wiegend be. wegte, und wie ihr ganzer Körper in hingebender Zärtlichkeit erschauerte. Ich war erstaunt, in ihren halb erloschenen Blicken, in ihrer Blässe einen fast wollüstigen Reiz ans- gedrückt zu sinden. In diesem Augenblicke war sie nicht blas hübsch; sie war in Wahrheit schön, von einer berückenden, fremdartigen Schönheit. Alles an ihr und selbst ihr armseliges Kleid schien erhöht. Es ging etwas von ihr darauf über und ließ es ebenfalls ocrivandclt erscheinen. Ich hätte mir nichts vorstellen könuni, was ihr zu ihren langsamen Be- wegungcn besser gestanden hätte als dieser bis zum Halse heraufreichende Kittel mir seinen geraden Falten, der nur wie das Gewand einer Priesteri» erschien; und ihr räthscl- Haftes Gesicht unter der banalen Kapottc drängte mir unwiderstehlich den Gedanken au ein Sphinxgesicht mit dem hieratischen Kopfputz auf. Ich war nicht der einzige, der sie schön fand und der von dem allmälig immer enger in einander verschlungenen Paare gerührt lvurde. Mehr als einer der alten Spazier- gängcr bewunderte sie ebenso beim Vorübergehen und sie sahen sie mit der nachsichtigen Lust an, die alte gute Leute, die auch einmal geliebt haben, für Verliebte enipftnden. Cesar�tc bemerkte es zuerst und erröthete plötzlich ganz verwirrt. Als Paul das sah, strahlte sein ganzes Gesicht und er wurde ganz bewegt. Sein Herz schlug heftig vor Freude. „Welch' herrlicher Tag!* rief er aus.„Oh! Ich habe nie einen schöneren erlebt. Ich wollte, er dauerte ewig.* Cesarine mußte die Miene einer scheltenden Mama auf- setzen und ihn daran erinnern, daß es bald fünf Uhr schlagen würde, daß der Ausgang für das erste Mal lange genug ge- dauert habe, und daß es veruünstiger wäre, heimzukehren. Als er darauf bestand, noch ein Weilchen zu warten, sagte sie: „Nein, nein, keine Thorhcitcn, mein lieber Paul. Es ist Zeit heimzugehen und für Sie sogar, zu Bett zu gehen. Ich will es unbedingt. Und Ihr Freund wird nur verzeihen, wenn ich ihn bitte, heute Abend nicht mehr zu uns herauf» zukommen. Ruhe, vollständige Ruhe ist jetzt nothwendig." Sie niachte mir ein Zeichen und fügte hinzu: „Sie werden indessen aber doch so gut sein, uns bis au das Haus zu begleiten, nicht wahr?* Zch begriff» was sie damit jagen wollte. Offenbar dachte sie an die unbekannte Ursache, die mich zu ihnen geführt hatte, und sie wünschte sie zu erfahren. Ich antwortete also: „Gewiß, Fräulein. Ich steige sogar mit hinauf, wenn es Ihnen recht ist. Ich bleibe so in Pauls Gesellschaft so lange als möglich. Aber ich werde ihn nicht ermüden. Ich verspreche es Ihnen." Und ich machte ihr gleichfalls ein Zeichen, um ihr zu ver- stehen zu geben, daß ich nicht gehen würde, ohne vorher allein mit ihr gesprochen zu haben. Sie dankte mir mit den Augen, und sie preßte sich lebhaft an Paul, wie wenn sie ihn soeben aus einer Gefahr errettet hätte. Er hatte in diesem Augenblick wieder den verzückten Ausdruck von vorhin. Bei einer Biegung der Allee waren wir an dem Gitter angelangt, das dem Pantheon gegenüber liegt, und ehe wir es durchschritten, wandte er sich noch ein- mal nach dem Garten zurück und betrachtete ihn. Es war, als wollte er sich noch ein letztes Mal die Brust, die Seele, sein ganzes Wesen von diesen. Frühlingsgrün, von dieser so balsamischen Luft, von diesem warmen Sonnenschein, von diesen Kinderliedcrn, von diesem Liebesathmcn vollsaugen. „Lassen Sie mich noch einen Augenblick diese schönen Dinge genießen und einen guten Vorrath mit nach Hanse nehmen. Was ich hier athme, ist Gesundheit, ist Leben, ist Glück." Sanfte Thräueu, ohne einen Tropfen Bitterkeit flössen ihm ruhig und leicht über das Gesicht, das die Strahlen der scheidenden Sonne überglänzte. „Warum weinen Sie?" fragte Cesarine. „Ich weine vor Freude," antwortete er. Und dann fügte er hinzu, indem er mit beiden Armen dem Garten einen Abschiedsgruß zuwinkte: „Und auch ans Bedauern. Diese Stunden sind so köstlich gewesen. Wer weiß, ob ich viele solche haben werde. Es scheint mir, als ob ich das irdische Paradies verließe." „Auf jeden Fall," fiel Cesarine mit zärtlicher Lustigkeit ein,„wird der Erzengel, der seine Pforte bewacht, Sie nicht bindern, wieder einzutreten. Sehen Sie, er hat kein böses Gesicht." Es war ein alter Föderirter, mit den Augen eines Straßen- jungen, die inmitten des grauen Bartes lachicn, indem er den Himmel betrachtete, wo eine rothe Wolke die Schärpe der Kommune auszuspannen schien. Darüber vergaß er sein Gewehr mili- tärisch zu halten. Er hielt es mit beiden Händen vor sich wie eine Kerze, mit einer linkischen Bewegung des„Präsentirt das Gewehr". Und an der Mündung des Laufes steckte an Stelle des Bajouuetes ein großer Fliederstrauß.— XVI. Nachdem Panl die fünf Treppen in die Höhe geklommen und erst einmal auf dem Fantenil in, Salon untergebracht war, fühlte er eine große Müdigkeit und äußerte den Wunsch, zn Bett zu gehen. Ich drückte ihm die Hand und Cesarine begleitete mich, nachdem sie ihm noch höfllich gesagt hatte: „Werden Sie nicht ungeduldig, wenn ich nicht gleich zurückkonimc, um mich neben Ihr Bett zn setzen, wie Sie es gewohnt sind, Sic verzogenes Kind. Aber ich muß einen Äugenblick zusehen, ob uiein anderer Kranker nicht irgend etwas bedarf." Ich verstand, daß sie so sprach, um Zeit für eine kurze Unterredung mit mir zu gewinnen. Denn ihr anderer Kranker bedurste nichts anderes, als daß man seinen tiefen Schlaf nicht störte; beim Vorübergehe» hatte ich sein lautes musikalisches Schnarchen gehört. Kaum auf dem Korridor angelangt, antwortete ich sogleich ohne Einleitung aus den Gedanken Cesarinen's. Das rasche Zwiegespräch, daS zwischen uns stattfand, wurde mit leiser Stimme geführt: „Ich habe einen Brief von Herrn vou Roucieux!' „Was schreibt er?" „Ter Brief ist an Panl adresstrt." „Und Sie wollen ihn ihm übergeben?" „Ganz gewiß." „Aber Sie müssen sich Rechenschaft darüber geben, daß der Augenblick schlecht gewählt ist, daß es eine Grausamkeit wäre." ,Jn der That." „Also? Was beschließen Sie? Noch einige Tage zn warten, nicht wahr? Ja, ja, ich bin dessen sicher, daß Sie nichts anderes tdnn werben. Sie sehen, wie Paul gesundet. Bald wird er alle seine Kräfte wiedergewönne» haben. Es wird nicht lange dauern. Dann, aber nur dann können wir mit gutem Gewissen.. Dieses„wir", das mich von neuem in die Mitschuld hineinzog, machte mich böse. Ein Bedenken stieg in mir auf. Ich suchte nach einem Einwand. Ich fand einen. „Aber, Fräulein, wenn dieser Brief eine gute Nachricht enthält?" „Das ist wahr", erwiderte sie.„In diesem Falle wäre es umgekehrt eine Grausamkeit, ihn ihm nicht zuzustellen. Aber glauben Sie, daß er eine gute Nachricht enthält?" „Ich weiß es nicht." Sie dachte einen Augenblick nach; dann sagte sie mit voller Enlschiedenheit: „Wir müssen das wissen." „Wie das?« Sie blickte mich starr an, als wollte sie mir schweigend etwas suggeriren, was sie nicht auszusprechen wagte. Als sie sah, daß ich meine Augen abwandte, um mich der niagnetischen Wirkung ihres Blickes zu entziehen, sagte sie traurig: „Oh, wie wenig Muth hat doch Ihre Freundschaft! Sie halten es also für niederträchtig, was ich Ihnen vor- schlage?" „Was denn?" „Aber, diesen Brief zu lesen!" „Das wäre in der That niederträchtig. Ich habe kein Recht dazu... nichts autorisirt mich..." Ernst und stolz mit einer ruhigen Kühnheit, die mich be- troffen machte, sagte sie: „Ich, ich autorisire Sie dazu." „Aber Sie selbst," rief ich ans, haben kein Recht dazu!..." „Doch!" unterbrach sie mich,„doch, ich habe das Recht dazu!".. Und als ich sie fragend anblickte, antwortete sie: „Ich kann Ihnen nicht hier das Wie und Warum anS- ein and ersetzen. Erwarten Sie mich morgen Vormittag bei Ihnen zu Hause. Ich werde Ihnen dann alles ausführlich sagen... Uebrigens hatte ich es Ihnen schon bei Ihrem ersten Besuche versprochen. Es ist ivahr, seitdem hat sich manches ereignet... Nun, um so schlimmer... Aber ich habe auch das Bedürfniß, mich mit Ihnen auszuspreche». Ich will, daß irgend jemand auf der Welt es weiß. Auf Wieder- sehen morgen, morgen!" Sie war brennend roth und dann plötzlich wieder bleich geworden, als sie mit abgebrochener Stimnie sprach; und die Hand, die sie mir gab, als sie sich rasch zurückzog, zitterte und war glühend heiß.--- Aber als sie mir ani folgenden Tage beim Eintritt in mein Hotelzimmer die Hand reichte, war sie fest und ohne Fieber. Ich fühlte in ihrem Händedruck einen solchen Freimuth und eine solche Entschlossenheit, daß von vornherein mein Herz gefangen genommen wurde. Der Abend und die fast schlaf- los verbrachte Nacht, während der ich ruhelos auf und ab gegangen war, hatten eine angstvolle Beklemmung in mir zurückgelassen, die mich gegen Cesarine eingenommen hatte. Aber mit einem Schlage war ich wieder zu ihren gunsten ge- stimmt, und ich hegte nicht den geringsten Zweifel, daß die Beichte, die sie mir ablegen wollte, ausrichtig sein würde. Es war wohl in der That eine Beichte. Die ersten Worte Cesarinen's waren eine Selbstanklage. „Vor allem," sagte sie mir,„müssen Sie wissen, was von Schuld in meinem Verhalten gegen Bochard liegt. Ich habe Sie gezwungen, mein Mitschuldiger zu sein, indem Sie Paul veranlaßte», das Geld dieses Menschen anzunehmen. Schon seit langem leben wir von diesem Gelde. Ich habe schon mehrere tausend Franken aus dieser Quelle gezogen. Ich muß Ihnen gestehen in welcher Weise." Ich wollte ihr die Scham eines Geständnisses, daS ich errieth, ersparen und ich schnitt ihr kurz das Wort ab. „Nicht nöthig, nicht nöthig, laffen wir das." „Im Gegentheil!" rief sie aus. Und heftig, mit stolzer Empörung fuhr sie fort: „Sie täuschen sich übrigens. Es ist nicht das, ivas Sie zu glauben scheinen. Ich bin ein anständiges Mädchen, ich schwöre es Ihnen." Ich verstand sie nicht mehr. Ich hatte mir eingebildet, daß sie mir zugab, die Maitresse Bochard's gewesen zu sein. Ich sank von meiner erhabenen Höhe herab, als ich vernahm, was sie unter Schuld in ihrem Benehmen verstand. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Eiserne Vogenb rücken. Von Robert W. D a h n s. Durch die kürzlich erfolgte Einweihung der Riesenbrücke, die zwischen Solingen und Remscheid die tiefgeschnitteue Schlucht deS Wupperthales überspannt, ist im Bau eiserner Brücken wieder einmal ein neuer„Rekord" geschaffen. Es bandelt sich nicht nur um einen „Rekord" in de» geometrischen Verhältnissen und in den Leistungen der Jngeuieurbanknnst, sondern in erster Linie um einen neuen Fort- schritt des Bestrebens, Geschmack und Harmonie in die anfangs so ungefüge Technik des Eisens hineinzutragen. In der neuerbauten Eisenbahnlinie Solingen— Remscheid, die die bisher etwa 50 Kilometer betragende und gegen 3 Stunden Fahr« zeit aus Sekundärbahnen erfordernde Schienenverbindnng beider Städte aus Vs ihrer Länge verkürzt, ist die Brücke über das Wupperthal das wichtigste und kostspieligste Glied. Um die starken Niveau- unterschiede zwischen Solingen. Remscheid und den» Wupper- spiegel. die im ganzen über 300 Meter betragen, bis zur Möglichkeit eines Normaleisenbahn-Betriebes herabzumindern, mußte man sich entschließe», das Flußthal weit über dem Spiegel zu kreuze». Die kühnen Brückenkonslruktionen, die sich bei Levensau und Grünenthal über den Nord-Ostsee-Kanal spannen, und die, um die großen See- schiffe ungehindert passiren zu lassen, eine bisher in Dentschland nn- erreichte Höhe über dem Wasserspiegel erhielte», bekommen neben dieser Hochbrücke einen ziverghaslen Anstrich, denn sie erhebt sich L'/s Mal höher als jene über dein Boden ihres Thales. Das schönste aller Brückensqsteme, aber auch gleichzeitig bei bedeutenden Längen das schwierigste in der Ansführung, daszenige der Bogendrücke, ist auch hier angewandt. Die Baueiurichtnngen, die getroffen werde» mußten, umdiegewallige Konstruktion mit voller Sicherheit und unter der in Wirklichkeit erreichten Schonung von Menschenleben glücklich durchzn- führen, sind bewunderungswürdig und einer Schilderung iverth. Zuvor aber werfen wir einen Blick auf die bedeutendsten unter den früher erbauten Bogenbrücken, deren Konstruktion für diese neueste, kühnste imd schönste als Musler dienen konnte». Die von Eiffel, dem bekannte» Schöpfer des gewaltigen Thurm- gebäudes in Paris, vor gerade zwanzig Jahren vollendete Maria- Pia-Brücke über den Duero bei Oporto war die erste der großen modernen Bogenbrücken und ist lange Zeit die größte geblieben. Ihre Spannweite beträgt 160 Meter, und 62 Meter liegt ihr kolossaler Bogen, 10 Meter ihr Geleise über dem Spiegel des Stromes. Eine von demselben Konstrukteur 1334 vollendete Brücke bei St. Flour in Frankreich überspringt inil einem gewaltigen Satz von I6ö Metern das Grabilhal, und 150 Meter spannt der Bogen einer 1380 gebauten Brücke über die Schlucht der Adda bei Paderno. Auch die amerikanische Technik, so wenig Werth sie sonst aui Schönheit legt, hat in der jüngste» Zeit eine Bogen- brücke von ähnlicher Spannweite, die in St. Louis den Mississippi überschreitet, nach Plänen von Ends geschaffen. Deutschland endlich, wo man früher bei Bogenbrücken die Weite von 100 Meter nicht zu übersteigen pflegte, besitzt seit 3 Jahre» in de» beiden oben erivähntcn Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal zwei herrliche Bau- iverke, von denen das eine hinter der Dncrobrücke wenig zurücksteht, das andere aber sie an Spannweite übertrifft. Nun zurück zur Riesenbrücke von Müngsten. In 7 Oeffnungen. deren Gesammtlänge beinahe Kilometer erreicht, überschreitet die Brücke das ganze Thal der Wupper, mit ihrem Geleise deffe» obere» Rand haltend. Zwei Sockel»nd sechs stählerne Pfeiler, 25. 45 und 65 Meter hoch, führen de» Bau in 6 Jahren von 30— 45 Meter Spannweite bis über de» mittelsten und tiefste» Theil der Schlucht. Die längste» Pfeiler baben ihre Sockel, die 40 Fuß im Geviert messen, noch immer 30 Meter über der Sohle des Thales, wo ihre Qnadermassen, tief in den Abhang gesprengt, sich zwischen den Wipfel» grüner Waldung verstecke», während die Stahl- lhürme, nach oben sich rasch verjüngend, wie mächtige Dom- spitzen aus dem Blättcrdach hervorbrechen. Noch höhere und näher zilsammengerücktc Pfeiler wagte man in dem tiefsten, den lieber- schweininungcn ausgesetzten Thrl der Schlucht nicht zu errichten, und so blieb»nr übrig, die ganze Mitlelöffnung durcb einen Boge» von 170 Meter Weite zn überwölben, dessen Scheitel 107 Meter oder 314 Fuß über dem Spiegel der Wupper liegt. Es war keine leichte Arbeil, die gewaltige Last des Mitlelbogens ohne Stützen und Rüstung in den schwindelnden freien Raum der Mittelöffnung hinein zu fügen. Die beide» Füße deS Bogens wurden innig mit den Sockeln der beiden höchsten Thürme verbunden und bilden mit ihnen gleichsam ein einziges Stück. Sie liegen also gleich den Pfeilersockel» bereits 100 Fuß über der Thnlsohle, und von ihnen aus galt es nun ohne jede äußere Stütze 35 Meter weil in den freien Raum und gleich- zeitig 65 Meter nach oben vorzudringen: Dan» mußten sich die End- punkte beider Konstriiklionshälfte» in schwindelnder Höhe über der Tbalsohle begegnen. Oben war die Fahrbahn bereits über de» seitlichen Pfeilern bis zu der klaffenden Oeffnung des Mittelbogens fertig gestellt. gewallige Krahne waren hier hart über dem Rande des Abgrunds aufgestellt und reichten den unten klebende» Arbeitern Stück für Stück der Eisenkonstruktion hinunter. So schob sich der imposante Bogen, mächtig ansteigend, Meter um Meter in den leeren Raum der Mittelöffnnng vor, ohne eine andere Stütze zu finden, als die hinter ihm liegenden, gewaltig verankerten Sockel. Obivohl die letzteren durch das mächtige Gewicht der 200 Fuß hohen Pfeiler. die darauf lasten, noch stärker beschwert werden, so war doch vor- auszusehen, daß die schließlich biS gegen 10 000 Zentner wachsende Last der frei schwebenden Bogenhälften zuletzt das Uebergewicht dekomuien und Sockel und Pfeiler gleichzeitig gegen die Mitte über- tippen imitöcn. Vier kolossale Drahtseile, von denen jedes einzelne im Nothfall zur Sichernng ausgereicht hätte, hielten deshalb jeden Bogensuß in seinem unleren Theile fest und verankerten ihn mit der entsprechende» Thalwand. Um diesen mächtigen Trossen, an denen nun die ganze Sicherheit des Bauwerks hing, wiederum eine entsprechende Sicherung zu geben, wurden in die steilen Fels- wände 40 Meter lange Stollen getrieben, an deren Ende eine große Arbeitskammer in den härtesten Fels gesprengt war und die Ver- ankerung der einzelnen in ihre Litzen aufgedrehten Seile enthielt. Hier wurden diese. von großen Stahlblöcken sest eingehüllt, i» einzelne Löcher des Felsens vergossen. Erst als die beiden Bogen- halsten sich in dem riesigen Scheitelgelenk der Brücke begegneten, wurde diese Drahtseil- Verankerung wieder gelöst. Weil vorauszu- sehen war, daß sich dabei die beiden Schenkel des Bogens beträchtlich senken, und die ans ihrem Sockel ruhenden mittleren Thürme gleich- falls um ctivas gegen einander neigen würden, so trug man auch diesem Umstand von vornherein Rechnung. Beide Thürme wurden beim Beginn des Banes um soviel schräg gestellt, wie sie sich voraus- sichtlich beim Schluß des Bogens gegeneinander senken mußten, und so stand während der ganzen Bauzeit ihr quadratischer Fuß nur mit der äußeren Kante fest auf seinem Sockel, während die Innenkante in der Luft oder vielmehr ans den Stempel» einer Reihe von hydraulische» Presse» schwebte. Unter dem Zug der Stahllrossen von einer und dem wachsenden Druck des sich an- schließenden Bogens von der anderen Seite schwebten die Pfeiler länger als ei» Jahr wie riesenhafte Akrobaten auf einer Kante ihres Sockels, bis sie sich beim Schluß des Bogens endlich senke» durften und nach Entfernung der Pressen verankert wurde». Das ganze Gewicht der Brücke beträgt rund S000 Tons und da ihre Koste» sich auf über llVe Millionen stelle», so betragen sie aus jedes Kilo- grau»» der Eisenkonslruktioneu reichlich S0 Pf. Nicht lange aber wird die Riesenbrücke von Müngste» die weitestgespanute des deutschen Reiches und der Erde bleibe», denn schon im nächsten Jahre soll die neue Nheiiibrücke bei Bon» sie durch die Länge ihres ungeheuren Mittelbogens erheblich übertreffen. Bei de» Entwürfe» dieser neue» Straßenbrücke, die de» Strom zwischen Bonn und Beuel überschreitet, war die Herstellung einer möglichst großen Mittelöffnung für die Schiffsahrt und die Rücksicht auf eine schöne, künstlerische Form gleich maßgebend. Die im vorigen Jahre begonnene und bereits stark geförderte Brücke sollte ursprünglich»eben zwei kleineren Seitenöffnnngcn nur eine» Miltelbogen von ISO Metern erhalte». Die Rücksicht auf die Symmetrie hat aber bei der einseiligen Lage der Schisfsahrtsrinne dahin geführt, eine Mittelöffnung von ISS Metern zwischen zwei seillichen Bogen von je 100 Metern Länge zu wähle». Trotz seiner flachen Wölbung steigt der schöne, von SO Meter hohen Thürme» flankirte Miltelbogen reichlich 40 Meter über den Spiegel des Rheines empor. Schlanke Bänder halten die Fahrbahn an ihm aufgehängt, und flacher und wuchtiger schließen sich ihm die beide» kleineren Seitenbogen mit ihre» Brückenköpfen an. Die Hochbrücke bei Grünenthal, die Riesenbrück« von Müngsten und bei Bonn die stolzeste aller Rheinbrncken werden alsdann die schönste» Denkmale der Eiscnarchiteklur in Dentschland sein.— ZHvines Feuilleton — Tie„Hnndsnote". Der„Franks. Ztg." wird ans Bern geschrieben:'Als vor sünfzig Jahren in der Schweiz von nichts Anderem als von den Jesuitc» und dem Sonderbnnd die Rede war, da ereignete es sich, daß der damalige sonderbnndsfreundliche Ge- sandte Bois-le-Comte ivcgen eines Hundes eine Note an den Vorort Bern richtete. Den Gegenstand der Ungnade bildete der lrnmm- beinige Dachshund des Redakteurs Jenni in Bern, Herausgebers des sogenannten„Guckkastens" und Mitglied des Große» Rothes. Ei» Freund Jenni's hatte den Einfall gehabt, das Halsband des Jenni gehörenden HnndeS mit zwei bleiernen Krenzen zu zieren. Ei» Späher des Gesandte» bemerkte es. Er hinterbrachte ihm, was er gesehen und fügte bei, die Bleizeiche» des Dachs- Hundes des Großrathes Jenni hätten auffallende Aehnlichleit wit den Ordenskrenzen der französischen Ehrenlegion! Die Zeitungen jener bewegten Tage bestreiten dies. Wie dem sei, der französische Gesandte wußte nichts Eiligeres zu thn», als eine Note a» die Berner Regierung zu richten. Das de»k«ürdige Aktenstück, von der„Berner Zeitung" die„Hnndsnote" genannt, lautet � „Ich erfahre soeben, daß Samstag, den 17. Juli(Im Jahre 1647) ein Mitglied des Großen Rothes von Bern, Herr Jenni, seine» Hund in der Promenade der Enge zu einer Zeit, wo diese Promenade am meisten besucht ist, die Dekoration der Ehrenlegion öffentlich habe tragen lassen. Ich ersuche Sie, meine Herren, mir wegen dieser Handlung, welche ich nicht näher bezeichnen mag, Ge- nngthniing zu verschaffen. Da ich au dem Gefühl, welche? ich Ihne» selbst einflöße, nicht zweisein kann, so überlasse ich es Ihne», zu benrlheilen, welcher Weg deshalb einznsiblagen ist, sei es. daß Sie von Amteswegen gegen Herrn Jenni einschreiten, oder daß S>e üch derjenigen Vollmachten nedienen, tvelche das Gesetz der Voll- ziehungsbehörde überträgt, oder daß Sie bei dem Großen Rath die Anwendung von Disziplinarmitteln reklamiren, welche jede Versammlung über ihre Mitglieder besitzt." Die Bcrner Regierung antwortete, sie könne in der Sache ans amtlichem Wege nicht einschreiten, da kein Gesetz ihr das Recht daz» gebe. Wenn der französische Gesandte ein Ehrenrecht verletzt glaube, so möge er beim bernischen Gericht klagen. Einige Zeit nachher schrieb Bois-Ie-Comte der Berner Regierung, er habe sich überzeugen müsse», daß die Bleizeiche» des Dachshundes nur von einer über- reizte» Phantasie für das Kreitz der französischen Ehrenlegion ge- hallen werden konnten. Die„Berner Zeitung" vom 26. Juli 1847 bemerkt zu dem Ausgang des diplomatischen Zwischenfalls:„Die Würde des Herrn Bois-le-Comte, dessen Kreuz- und Quersahrle» schon an einen bekannten Ritter erinnerten, hat natürlich noch außer- ordentlich gewonnen, und Frankreich darf sich wirklich glücklich schätzen, einen Vertreter in der Schweiz zu besitzen, der sich durch solche Händel die Zeit verlreibt."— Theater. —„Die Komödie der Wahrheit' betitelt sich ein drei- aktiges Lustspiel, das Edwin B o r m a» n. der bekannte Leipziger Humorist, eben vollendet hat. Das Stück wird im Herbst im Leipziger Stadttheater zur Aufführung gelangen.— Kunst. — Die Jury der internationalen Kunstausstellung zu München 1897 brachte 20 erste und 74 zweite Medaillen zur Vertheilnng. Die erste Medaille erhielten: die Maler Prof. Stuck, Prof. Habermann, Pros. Oberländer, Adam Kunz, Prof. Firle, Sorolla y Bastida, Tito Lessi. Josselin de Jong, Breitner, Bustert, John Swan, Bnrne Jones, Charles Shannon, Verstraete, Rumpler, Cazin, Weeks. Hobler, Csök; der Architekt Cuypers.— Zwei zweite Medaillen fielen nach Berlin; die eine erhielt der Maler R. Friese, die andere der Bildhauer Peter Breuer.— Gesundheitspflege. — k. Die Schularztfrage auf dem diesjährigen Merzte tag. Die beiden Referenten vr. meä. Thiersch-Leipzig und Gymnasialdirektor Professor Dr. Deltweiler-Bensheim haben sich geeinigt, folgende Thesen ans dem Aerztelage über die Schularztirage einzubringen: 1. Die Mitwirkung der Aerzte zur Lösung schul- hygienischer Frage» ist nothwendig. 2. Den beamteten Aerzten ist überall die Begutachtung von Schulbanplänen, sowie die hygienische Aussicht über die Schulgebäude zu übertrage». 8. Nach den bis- herigen Erfahrungen ist die Einrichtung offizieller Schulärzte in Anlehnung an die Funktionen des beamtete» Arztes für Volksschulen großer Städte zu empfehlen. Die Thätigkeit solcher Aerzte hat sich, unbeschadet der Befugnisse der beamteten Aerzte, zu erstrecken ans die Hygiene der Schnlgebäude und der Schulkinder. 4. Die Regelung der Hygiene des Unterrichts, ein- schließlich der Frage der Ueberbürdung, erfolgt durch die obere Schnlbehörde, ivelcher ein Arzt als ständiges Mitglied angehört. 5. Die bisherigen Forschungen über Ermüdung von Schulkindern habe» noch nicht zu einem abgeschlossene» Urtheil hinsichtlich ihrer praktische» Verwerthnng für die Schnle geführt. Zur weiteren ördernng der Frage empfehle» sich fortgesetzt von Aerzte» und chulmänner» gemeinsam auszuführende Versuche, denen überall die lhatsächliche» Verhältnisse des Unterrichts zu Grunde zu lege» sind. 6. Es ist dringend ivünschenswerth, daß die Lehrer aller Schul- gattungen, insbesondere die Leiter der Schulen, sich die Grundsätze der Schulhygiene zu eigen machen, nm deren praktische Durchführung zu sichern.— Archäologisches, — Unter der großartigen Ansgrabnngsthätigkeit, welche im ver- gangenen Jahre vornehmlich von Frankreich, Preußen und Oester- reich mit Genehmigung der ottomanischen Regierung i» Klein- a s i e n entfaltet rvurde, nehmen die Arbeite» an dem Apollo- tempel der Brancdiden in Didyma, jenem einzigen ge- waltigen Bau, der einmal freigelegt, sich als die großartigste griechische Ruine ans kleinasiatischem Boden darstelle» dürfte, das höchste Interesse in Anspruch. Während die in früheren Jahre» an« gestellte» Untersuchungen der Ueberreste jenes Bauwerks nicht über bloße Anekundnngen hinausgekommen waren, sind im vergangenen Jahre die Arbeiten»nler der Leitung des Archäologe» Hanssonliers und des Architekten Pontreinoli— in Didyma ist Frankreich am Werke— zum ersten Male in einer Weise i» Angriff genomme» ivorden, die bereits zu erwähnens- Werth«» Ergebnisse» geführt hat. Haussonliers hat jetzt hierüber dem kaiseilichen denlscheu archäologische» Institut eine kurze Mit- tdeilnug übersandt, die im nenesten Hefte des„Jahrbuches" wieder- gegeben wird. Danach erhob sich der Tempel aus sieben hohe» Sinsc». ivelche eine Treppe bildeten, die zu zwei großen Haupt lhüren führten Die inleressaiiteste Entdeckung, die bei de» Rusgrabungs- arbeiten gemacht wurde, war die von znsammengesetzten Kapitäle», die mit zwei Götlerköpfe» verziert waren. Zwischen diesen i» der Milte des Kapitäls hob sich ein Stierkopf ab. Es ist dies das erste Mal, daß solche mit Götlerköpfe» geschmückte Kapitäle gefunden wurden. Die drei Köpfe— Apollo, Zeus und ei» Stier— sind benierkenswerthe Stücke dekorativer Bildbauerkunst, kräftig und schön behandelt, so daß sie an die Schule von Pergamo» er- iiinern. Der Fries war gleichfalls nitt Skulpturen von demselben Stile geschmückt; es ivareu dies kolossale Mednsaköpse abwechselnd mit Blnmenzierrathen und Laubwerk; ein Medusakopf befand sich über jedem Kapitäl. Die Kälberzähne hatten ebenfalls die Vorderseite mit Motiven verzier», die der Flora entlehnt warein Auch die gefundenen Inschriften sind beinerkenswerth; die inter- essautefte dürfte die sei», welche die Rechnungen über die Kosten für die Errichtung des Tempels enthält. Eine andere zeigt, wie die Arbeiten hierbei geregelt wurden, eine dritte giebt die Namen der verschiedenen Theite des Tempels an. Endlich liefert noch eine Inschrift einen schätzbaren Anhalt für die Frage, zu welcher Zeit das Bauwerks ausgeführt worden. Die Arbeiten waren in vollem Gange um die Milte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. Um diese Zeit setzte man die Pfeiler und die Oberschwelle der Thür des Vor- tempels. drei Jahre später daS Gesimse. Die Arbeiten wurden während des ganzen ziveiten Jahrhunderts fortgesetzt.— Naturwissenschaftliches. — Die berühmte Vogelsammlung des Naturforschers Alfred Brehm, die bisher in seinem Geburtsorte Renthendorf bei Neustadt a. d. Orla aufbewahrt wurde, ist, wie verlautet, von Rothschild angekauft worden, der sie einem Londoner Museum überwiese» hat. Die Sammlung ist größtentheils von Brehin's Vater, dem Pfarrer Christian Ludwig Brehm, zusammen- gestellt worden. Er allein brachte schon mehr als 9000 Stück fast ausschließlich europäischer Vögel zusammen. Diese Sammlung ist besonders deshalb von hohem Werthe, weil sie ein und dieselbe Art in allen Abweichungen je nach Alter. Geschlecht und Wohnkreis in sich vereinigt.— Ans dem Thierlcben. »-Wie vermehrt sich die Stubenfliege? Unsere unversrbämte, lästige und doch wieder hnniorvolle Stubenfliege ver- mehrt sich durch sehr zahlreiche, weißglänzende, spiyivalzeniörmige Eier. Diese werden überall abgelegt,>vo das Gedeihen der Maden nicht ganz und gar unmöglich ist. Mit Vorliebe erfolgt die Ablage ans den Dünger der Ställe und Mistftätten; Pferde- und Hühner- dünger wird bevorzugt Aber auch ans todten Thierleibern und sonstigen faulenden Stoffen findet sie statt: auf Kompost- und fcnchleu Kehrichthaufen; in Schmutzwinkeln der Straßen und Gebäude; in den�Dielenritzen unrein gehaltener Stubendöbe»; in den Schlacht« abfallen der Fleischereien; in de» nicht sauber gehaltenen Berstecken der Milchkammern, Kausläden, Ausschänken; i» den Spucknäpfen der Wirthshäuser, der Fabriken, Kranken- Häuser, Wartesäle; im menschlichen Sputum(Speichelans- wnrf) nicht peinlich gereinigter Kirchen». s. iv. Ueberall da — auf dem ganzen Weltall— finden sich dann die nach Stunden auskommenden weißen, weichen, köpf- und fußlosen Maden. die etwa 1 Zentimeter lang werden, ihre Nahrung mit einem Mund- Häkchen anfnehme» und sich nach etwa 14 Tagen in ei» etwa 7 Millimeter langes, braunrothes Töunchen verpuppen. Dieses dunkelt nach und wird bald fast so hart wie ein Samenkorn. Je nach Witterung, bei warmer schon in 14 Tagen, sprengt die fertige Stubenfliege in einiger Zeit eine kleine Kappe ab, steigt feucht, mit fast»»sichtbar kleinen Flügeln heraus. Diese schwellen erst in einigen Minuten— ähnlich wie beim Schmetterling— zur völlige» Größe heran. Dann schivirrl sie ab. um vielleicht in den nächste» Sekunden schon die Nase eines Zeitungslesers zu ärgern! Im Herbst bleiben viele Tönnchen zur Ileberwinterung liegen. Die fertige Mmsoa domestica L. ist 6—8 Millimeter lang und kann mehrere Wochen, ja Monate leben.— Geographisches. — Ein Petrolenmsee. In Alaska hat man einen großen Oelsee entdeckt. In de» Gebirgen fanden mehrere Gold- sucher«inen von hohen Berge» umschlossenen See. der eine ölige Flüssigkeit enthält und von Oelqnelleu gespeist wird, die am llser und am Boden des Sees hervorsprudeln. Die umliegenden Berge führen riesige Steinkohlenlager. Die Untersuchung der uiitgebrachtc» Proben von der Flüssigkeit ergab, daß der See aus Erdöl vorzüg- licher Qualität besteht, wie es besser noch keine pennsrilvanische Petroleumquelle geliefert hat. Die abgeschickte» Sachverständigen haben an Ort und Stelle weitere Nachforschungen vorgenonnnen und bringen jetzt die Nachricht, daß jene Gegend von Alaska Erdöl und Steinkohle in ungeheurer Menge enthält und die dort von der Natur aufgespeicherten Vorrälhe dem ganzen Bedarf der Welt auf lange Zeit genügen. Ter Oelsee sowie die Kohlenlager liegen dicht an der Küste, und Ocl quillt selbst aus dem Meeresstrande hervor. Die Standard Oil Company soll bereits ihre Finger nach jenen Erdschätze» im fernen Norden ausgestreckt haben.— Astronomisches. — Eine ringförmige S o» n e n f i n st e r n i ß ivird am 28. Juli siir einige Gegenden der Erde eintrete». Ihr« Sichtbar- keil wird sich auf die Westlüste Afrika's mit Ausnahme des nördlichen und südliche» Theils derselben, auf den atlantischen Ozean. die südliche Hälfte Nordamerika's. Zentralamerika und die nördliche Halste Südamerika's erstrecken. In Europa wird die Erscheinnng, die nach ntilleleuropäischer Zeit um 2 Uhr 2 Minuten uachmiltags beginnt und um 7 Uhr b2 Minuten abends endigt, nicht zu beobachten sein. In diesem Jahre findet keine iveitere Sonnen- sinsterniß statt. Die erste Sonnensinsternib dieses Jahres am l. Februar war auch«ine riugförmige. Als seltene Ausnahme muß Verantwortlicher Redakteur: Angnst Iacobry in B es aber bezeichnet werden, daß in diesem Jahre gar keine Mond- finstenliß eintritt.— Humoristisches. — Der Schritt der Heroine. In« Theater der Stadt Barletta in Apulien wurde jüngst ein ausregendes Melodrama ge- geben. Ei» junger Schauspieler, der die Rolle des Erzschurken spielte, gab sich die erdenklichste Müh«,«ine hervorragende Szene gut herauszubringen. Seine» Dialag mit anderen Schurken hatte er gerade beendet und gab nun das Stichwort für die Heroine. .Fort! Sie kommt! Ich höre ihren Schritt!" rief der junge Künstler mit großem Pathos. I» demselben Augenblick ließ jemaiid— ob aus Versehen oder mit Absicht, konnte nicht festgestellt werden— hinler den Kulissen eine» etiva zwanzig Pfund schwere» eisernen Reqnisitengegcnstaiid ans der zu den Garderobe» hinnusführendeil Treppe niederfallen. Der Gegenstand war ziemlich rund und rollte daher mit furcht« barem Gepolter von Stufe zu Stufe, bis er unten hinter einer spanischen Wand liegen blieb. Krach auf Krach folgte in so gleichmäßiger Reihenfolge, daß mau ivirklich glauben konnte, die Fußtritte eines schreckliche» eisenbeschuhte» Riesenniigeheuers zu ver- nehmen. Das Publikum, welches sofort die drollige Seite der Situation erfaßte, brach in schallendes Gelächter ans und rief stürmisch nach der sich so geräuschvoll anmeldende» Heroine. Der junge Schauspieler stand wie nngeivurzelt und wußte nicht, ob er lache» oder sich ärgern sollte. Unglücklicherweise war die Dame. welche die Heidi» vorstellte, sehr korpulent. Als sie das entsetzliche Getöse und das Lache» des Publikums vernahm, weigerte sie sich entschieden, vor die Lampen zu trete». Sie war außer sich vor Wnlb und wollte darauf schwören, daß die ganze Sache ein abgekartetes Spiel sei, um sie zu blamiren. Der Vorhang mußte fallen, und die Zuschauer konnlen»ach Hause gehe».— Vermischtes vom Tage. — �525800000 Liter Bier tvnrden im Jahre 1394/Sö in Deutsch- land getrunken.— — Hamburg, 27. Juli. Heute Morgen ging hier ein schiveres Gewitter nieder. Zur'Arbeit gehende Leute suchten unter einem Bauine Schutz, in welchen der Blitz einschlug. Ei» Mann wurde erschlage», ein anderer gelähmt.— y. In Rostock sind seit dem 1. März 14 ErkranknngSfälle an Genickstarre vorgekommen; außerdem tvnrden noch zwei Patienten von auswärts in Behandlung genommen. Bo» den Erkrantte» sind 10 gestorben.— — Sti lbl üth e ans Peter Al t en b er g's„A sh n n tee". „Er spürte es direkt wie Thräne» in de» Nerven, im Cerebral- systeme, im Rückeiimarke, im Gangliensysteme, überall preßten sich Thräne» hervor, bis in die 5tniee hinab weinte eZ, durch die Röhren der Knochen hindurch preßten sich Thräne», in den Schulter», in den Ellenbogengelenken rieselte es durch; wie Thränenregcn rieselte es an der Haut herab."— — B üb a p e st, 27. Juli. Im R e s ch i h a e r Bergwerk, einer Domäne der österreichisch-nngarischen StaalSbahn, fand eine große Erdabrntschnng statt, durch welche mehrere Arbeiter verschüttet wurden. Ein Arbeiter blieb todk.— — In einem großen Brüsseler Gasthofe ging unlängst der Hausdiener in der Nacht mit achtzig Paar Stiefel imo Schuhen durch, die vor den Zimmer» standen. Es soll am nächsten Morgen ein schönes Geschrei gegeben habe».— — Den Gipfel der Reklame hat«ine holländische Caeao- Firm« erreicht, indem sie mit einen» internationalen Mimiker und Personendarsieller einen Vertrag abschloß,»velcker den Künstler verpflichtete, allabendlich, gleichviel au»velchem Orte er austritt, neben den Persönlichieile» seines Repertoirs auch de» In- Haber der Cakaofirma„uatilrgetrcn" darzustellen. Der Holländer stellt die entsprechenden, a»f sei» Geschäft bezügliche» Dekorationen und zablt dem Mimiker«in jährliches Honorar von 1200 holländischen Gulden!— — In B o n r g e�s(Frankreich) ist«in größerer Theil des Knaben-Seminars, des bedeietendsten Gebäudes der Stadt, nieder« gebrannt.— — Am Sonntag Bormitlag»vurde nahe der Ortschaft Bel P a ss o(Sizilien) die Post von acht beivaffneten Männern angefallen. Die Räuber nahmen säimnlliche Bricsschajte» au sich und plünderten die Reisenden pollständig ans.— — Petersburg. 27. Juli. Die„Nmvoje Wremja" meldet ans Simferopol: Ein entsetzlicher Platzreg«» setzt« F e o d o s i a und K e r t s ch unter Wasser. I» de» tiefer gelegenen Gegenden beider Städte»vurde» die Magazine und Häuser überschlveninit und in Kertsch Häuser fortgerissen. In Feodosia»vurde die Berbludung mit den» Bahnhofe unterbrochen.— — Nach einen» Neiv-Iorker Telegramin der„Köln. Ztg." ist das Son«i»«r-Theater zu P a d»» c a h im Etaale Kentucky(Nord- anierika) iiiedergebrailnl. 150 Personen sollen umgekoniinen sein.— c. e. Der Millionär Creede, nach dem die Stadl Crecde in Colorado(Nordamerika) benannt wurde, hat sich, weil sieb seine Frau nicht vo» ihm scheiden ließ, erschossen. Creede«nldeckte die reichen Silberaderu des seither berühmt gewordeneu Bonanza-Berg- »verks.— rlrn. Druck lind Verlag von Max Vading in Berti».