Mnterhaltmgsblatl des Vorwärts Nr. Z51. Mittwoch, den 4. August. 1897. (Nachdruck verboten.) ss] Cefsvizre. Von Jean Richepin. Ueberseht von H. L. Augyal erschien mir diesmal durchaus nicht mehr komisch Er hatte heute ein zu weites und zu tiefes Käppi auf, in dem sein verdüstertes Gesicht beinahe ganz verschwand. Seine kartoffelsarbeneu Wangen waren hohl, erschienen wie gegerbt und waren fast ganz geschwärzt. Der Rand seiner von der frischen Lust noch mehr entzündeten Augenlider faßte mit einer scharlachfarbenen Linie wie aus frischem Fleische, die zwinkernden Augen mit den glanzlosen Pupillen ein. Sein fahler, sächerförniiger Bart glich einem struppigen Busch aus gedrehten, im Feuer geglühten Eisen- drahten. Als ich ihm eilends sagte, weshalb ich käme, antivortete er mir: »Ich kann nichts dazu thun." „Aber/ entgegnete ich,„Sie kennen vielleicht irgend jemanden, durch den.. „Ich kenne niemanden außer meiner Mannschaft. Und ste alle sind wie ich hier, um sich zu schlagen und sich inimer zu schlagen. Und wenn jedermann so thäte, wir hätten längst Versailles erobert. Aber wir iverden es vielleicht bald erobert haben. Beruhigen Sic das Fräulein. Sie hat nicht»öthig, Paul von hier wegzuführen. Paris wird in Bälde frei sein. Wir haben nicht mehr irgendwo aufgelesene Soldaten. Alles tüchtige Kerle." Auf einmal fragte er heftig: „Warum sind Sie nicht dabei? So jung und stark wie Sie sind, schämen Sie sich nicht, daß Sie nicht mit für die Freiheit arbeiten?' Schon die Föderirten, die mich zu Angyal geführt, hatten beim Anblick meines Erlaubnißscheines dies nur höchst wider- willig gethan. Man hatte mich nicht wie damals spöttisch ausgefragt, sondern man hatte auf mich Blicke ver- achtungsvollen Zornes geschleudert. Es war mir nicht zweifelhaft, daß sie das dachten, was mir Augyal soeben sagte. Glücklicherweise befanden wir uns beide im Hinter- räum eines Weinschankes, als er so zu mir sprach. Sonst hätten mich die Leute sicher gezwungen, dazubleiben und mich einregistrireu zu lassen. Ich begriff das und ich dachte nur daran, mich möglichst schnell aus der Affäre zu ziehen. Ich konnte hier nicht Augyal meine Gründe auseinander- setzen, die mich zwangen, neutral zu bleiben, übrigens hätte er diese Gründe auch gar nicht anerkannt. Ich ergab mich deshalb darein, daß er mich für vorsichtig und zaghaft hielt und ich begnügte mich damit, ihm zu be- merken, daß ich auf jede» Fall zu Cesarme zurückkehren müßte, die aus eine Autwort wartete. Er ließ mich gehen. Ich durchschritt wieder diese Gruppe von Männern mit ernsten Gesichtern, ich sah wieder diese allen Frauen mit den Sibyllen-Angen, diese kühnen Mannweiber mit der Haltung von Marketcnde- rinnen, diese Gassenjungen, die bereit waren, sich wie im Spiele tödten zu lassen; und ich bewunderte ihre Der- wegenheit, ihre ruhige Entschlossenheit, ihren Ueberzengungs- mnlh, und ich fragte mich traurig, durch welches Geschick alle diese schönen kräftigen Blüthen des Pariser Pflasters dazu be- stimmt sein könnten, eine blutige Ernte für die französischen Mitrailleusen zu werden.— XIX. Es war ungefähr zehn Uhr vormittags, als ich nach der Riie Tonllier zurückkehrte. Ich fand Cesarine voller Hoff- uung und voll Vertrauen, fast strahlend. Selbst die Mittheilung meiner beiden Mißerfolge beunruhigte sie nicht. Sie war schon darauf vorbereitet, nachdem ihr Henrtanlt nntgctheilt hatte, daß man jetzt keinen Passierschein erhalten könnte. Aber sie brauchte ihn nicht mehr. Sie hatte einen neuen Plan gefaßt. Was sie im gründe wollte, war ja nur, Paul den Drohungen des Kapitäns zu eut- ziehen. Nun, um dies zu erreichen, war es nicht unbedingt nöthig, Paris zu verlassen. Es genügte schon, die Wohnung zu wechseln. Sie bedauerte, nicht schon früher daran gedacht zu haben. „Wir würden so Paul die Lektüre dieses abscheulichen Briefes erspart haben. Aber ich war ganz sinnlos vor Schrecken." Cesarine wollte— was Pank nur angenehm sein könnte — einen vollständigen Bruch mit Bochard vorschützen, und ihm erzählen, daß er es ablehne, die Miethe für den Saal weiter zu bezahlen. Daraus ergäbe sich die Nothwendigkeit, das litterarische Kabinet eingehen zu lassen und wegzuziehen. Ich sollte mich sogleich auf die Suche nach einer kleinen Wohnung für sie in der Nähe des Luxembourg begeben, die wenn mög- lich, nach den Ländereie» der ehemaligen Pepmiere hinaus gelegen sei. Dort sei ein Ueberfluß an billigen Wohnungen. Der Unizug würde nicht lange dauern. Obwohl krank, würde Paul sich leicht hiuüberschaffen lassen. Uebrigens habe er eine ausgezeichnete Nacht gehabt. Er schlief noch. Nach ein oder zwei Tagen vollständiger Ruhe würde er im stände sein, ohne die geringste Gefahr auszugehen. Alles das erschien mir wohlüberlegt und von sicherem Erfolge. Schon am Abend hatte ich leicht eine Wohnung ge- funde», die den gestellten Ansprüchen genügte. Sie lag in einer zweiten Etage, und die Fenster gingen nach dem Luxem- bourg hmans, dessen Garten Paul so sehr liebte. Da konnte er bei sich zu Hause den ganzen Frühling seines irdischen Paradieses sehen und einathmen. Zwei Tage später war es Cesarine geglückt, durch ihre fromme Lüge Paul zum Wohmuigs- Wechsel zu bewegen. Die zweitausend Franken Bochard's mußten für alle nothwcndigen Ausgaben herhalten, und die Einrichtung wurde in dem neuen Domizil vollzogen. Paul erklärte sich von ihm entzückt; und Cesarine empfand darüber eine innige Freude. „Jetzt," sagte sie mir, als wir allein waren,„jetzt bin ich ruhig. Wenn Herr von Roncieux ein Ungeheuer ist, ivie Paul es annimmt und wie ich es fürchte, wenn er die Rückkehr der Truppen benutzen will, um sich seines Sohnes, seines lebenden Vorwurfs zn entledigen, wird er in seinen schrecklichen Hoffnungen getäuscht werden". Und wir klatschten uns Beifall zn unserer List wie die Kinder. Aber leider hatten wir auch wie die Kinder gehandelt, ohne Vochard in betracht zu ziehen, dessen gerechtfertigte Empörung wir hätten voraussehen müssen, wenn er von der Art der Verwendung seines Geldes Kenntniß erhielte. Nun, er hat sie erhalten, augenscheinlich durch Gavarot. Obwohl wir ihm anbefohlen hatten, niemand von der verfehlten vor- gestrigen Abreise zu erzählen, hatte sich der unverbesserliche Schwätzer höchst wahrscheinlich nicht enthalten können, davon zu sprechen. Einmal aufmerksam gemacht, hatte sich Bochard auf die Lauer gelegt und hatte ebenso seine Autorität mißbraucht, um Gavarot zum Geständniß zu bringen und von ihni den Wohnungswechsel erfahren. Mag er nun auf diese oder irgend eine andere Weise Kenntniß davon erlangt haben, die Thatsache bestand, daß er darüber in schrecklichen Zorn gerieth, da er, und nicht mit Unrecht, meinte, daß er hinter das Licht geführt worden sei. Davon benachrichtigte mich eines Tages Gavarot, der sich offenbar darüber schämte, daß seine Schwatzhafligkeit schuld daran sei, obwohl er es entschieden in Abrede stellte, den Mund nicht gehalten zn haben. „Nein, nein," betheuerte er mir,„ich habe nichts gesagt, ich versichere Sie, positiv nichts. Herr Bochard hat selbst irgend etwas gewittert. Er ist eifersüchtig, Sie begreifen. Darauf hat er Erkundigungen eingezogen. Er ist außer sich vor Zorn, positiv außer sich. Ich habe ihn nie- mals in einem solchen Zustande gesehen. Er wiederholt unaufhörlich, daß er sich das nicht bieten lasse, daß man ihn wie einen alten Schafskopf behandelt— das sind seine eigenen Worte, aber er sei keiner und man würde es schon merken, denn er würde sich rächen. Benachrichtigen Sie doch Cesarine. Ich bitte Sie. Sie soll sich in acht nehmen! Denn unter uns... mein Gott, ich muß es sagen! Unter uns, ganz unter uns, Herr Bochard ist ein schlechter Mensch positiv schlecht. Mit anderen Worten, nicht gut." Ich benachrichtigte Cesarine. Aber sie antwortete mir stolz und mit tapferer Sorglosigkeit: „Was kann er thun? Ich habe mich mit ihm aus- einaudergesetzt. Als Unterpfand für sein Darlehen hat er das spätere Eigenthnmsrecht an der Bibliothek, denn daS deckt seine Auslagen und mehr noch als das. Mein Gewissen ist frei von jeder Verpflichtung." Judessen stimmte sie mir doch zu, vorsichtig zu sein. Unter dem Vorwande. daß Paul jetzt den Luxe»,. bourg vor seinen Fenstern habe, und daß die Spazier- gcinge ihn zu sehr ermüdeten, hielt sie ihn im Hause. Was ich fürchtete, und was auch Cesarine Furcht einflößte, war der Gedanke, daß Bochard ihre Wohnung entdecken und heraufkommen könnte, um ihr Vorwürfe zu machen, die Paul verletzen müßten. Bochard entdeckte sie endlich, dank dem Vater Miklos, den man doch nicht zu ewiger Einschließung ver- urtheilen konnte, und der bei Einbruch der Stacht auf dem Boulevard Mantparnasfe etwas Luft schöpfte. Eines schönen Abends kehrte der General völlig betrunken heim, indem er den„schmutzigen Kognak" verwünschte, sich aber dazu beglückwünschte, dem Herrn Bochard einen schönen Streich ge- spielt zu haben. „Wo hast Du ihn denn getroffen?" fragte Cesarine. „Er hat mich getroffen." antwortete er,„an der Ecke gegenüber dem Observatorium. Und sogleich habe Miklosch begriffen, daß man ihn zum Sprechen bringen wolle. Aber Miklosch weiß zu schweigen. Kein Schwätzer, der alte Michi. Ein Glas über den Durst trinken, das schon. Aber sprechen, niemals. Aber das macht trotzdem Durst, nicht zu sprechen. Aber Du mußt mich auch nicht schelten, Cesarine. Zu viel Kongnak, das ist wahr. Aber um zu sprechen; Michi hat nicht gesprochen. Ungarn spricht nicht." Cesarine schalt auf ungarisch ihren Vater, und er legte sich ganz gedchmüthigt zu Bett. „Aber wozu diese Geheimnisse vor. Herrn Bochard?" fragte Paul.„Giebt es etwas, was man ihm verheimlichen muß? Was denn?" „Meine Adreffe", erwiderte Cesarine;„ich will nicht, daß er sie erfährt." „Warum?" „Weil... Darum nicht..." Sie küßte Paul zärtlich; aber er blieb unruhig. Ich verließ Cesarine»ach einigen Augenblicken— wir waren beide eine Beute der Unruhe. Sicherlich, dachten wir, war Bochard dem Vater Miklosch gefolgt und kannte nun ihre Wohnung. Ohne Zweifel würde er sich rächen. Seine Rache natfln ja schon bei Paul's peinlicher Unruhe ihren Ansang. Wie würde er sich rächen? Und wie würde Paul die unwürdigen Vorwürfe des Greises aufnehmen, der jetzt wohl nicht zögern würde, zu kommen? Denn nur dadurch glaubte sich Cesarine bedroht, durch nichts weiter. Sie und ich konnten nicht vermuthen, daß der Elende eine weit grausamere Rache vorbereitete. Nor allem bildeten wir uns nicht im entferntesten ein, daß alle unsere Vorsichtsmaßnahmen und selbst der Wohnnugs- Wechsel gerade zum Mittel für diese Rache dienen sollten. Als ich mich am folgenden Abend, nachdem ich den Luxembourg durchschritten hatte, auf etwa fünfzig Schritt dem Thor, das nach der Rne Vavin hinausführt, genähert hatte, bemerkte ich. wie der Vater Miklosch auf Posten stand. Er spähte offenbar nach mir aus. Sowie er mich erblickt hatte, lief er auf mich zu. „Kommen Sie nicht in das Haus," sagte er mir, an mich herantretend.„Cesarine hat mich beauftragt, sie daran zu hindern und Herr Heurtault lauert auf Sie in der Rue Toullier. damit Sie nicht in Ihr Hotel zurückkehren." „Warum denn?" „Weil da unten Leute zurückgeblieben sind, die sie ver- haften wollen, Sie ebenfalls." „Wie mich ebenfalls?" „Ja ebenso wie Paul" „Paul ist verhaftet. Von wem?" „Von den Föderirten. Oh, das ist schrecklich! Ich werde es Ihnen erzählen.... Und noch dazu durch meine Schuld! Nein, nein, ich werde niemals mehr den schmutzigen Kongnak trinken. Der alte Schuft ist mir gefolgt und daher ist das ganze Unglück gekommen. Armer Paul! Armer Paul! Aber bleiben wir nicht hier...." Und er zog mich in eine dunkle Allee, wo er mir im Gehen erzählte, was sich ereignet hatte. Paul und ich waren bei der Mairie denunzirt worden, daß wir uns nicht zur Waffe gestellt hätten. Die Denunziation rührte von Bochard her, der alle Details angeführt hatte, die zu unseren Ungunsten sprechen konnten; besonders gegen Paul waren erschwerende Umstände geltend gemacht worden. Er hatte be- s onderen Nachdruck auf den Wohnungswechsel gelegt, auf meine Besuche, die nur bei Nacht stattfänden, auf die freiwillige Haft Pauls; und warum das alles, wenn nicht, um sich den Nachforschungen zu entziehen? Vergebens hatte Cesarine den Zustand des Kranken eingewandt. Die Föderirten hatten nichts hören wollen. Man habe den Unglück- lichen weggeführt. Cesarine habe ihn bis an die Mairie des Pantheon begleitet, Ivo man sie getrennt habe. Hierauf habe sie sich zu mir begeben, um mich um Rath und Hilfe zu bitten. Dort habe sie die Abtheiluug angetroffen, die mich festnehmen sollte. (Fortsetzung folgt.) tNachdmck Verbots») Der Siingev vmr Denkorbsch. Von H e r in i n e V i l l i n g e r. (Schluß.) „Gott sei Dank," sagte der Bürgermeister, als er sich nach dem Konzert im Garten draußen auf eine» Stuhl fallen ließ,„wenn ich alle Tage so eine Singerei mit anhören müßt', lieber die Schwein' hüten."— Es war ein lustiges Treiben im Garten, ein bunles Gemenge; man trank sich zu. ließ leben, begrüßte sich und jeder schien froh, der langen Sitzung enthoben zu sein. Die Helden des Tages aber waren die Denierbacher; sie wurden förmlich umstürmt von Gratnlationslustigen:„Ihr habt eine n, Bürgermeister! Wetter und Hagel, der singt den ganzen Sänger- bund in Grundsboden!" Der kriegt den ersten Preis mit heim, so gewiß, als er brüllen kann wie ein Regiment!— Kreuz Bomben und Granaten, man soll's nicht meinen, aber Ihr habt den Vogel abgeschossen— hoch die Denkerbacher!" Das war ihnen noch nicht passirt, und also blähte sich der Bürgermeister nicht wenig auf, stieß mit den Männern und Burschen an und meinte, über die Sckzuller deutend:„Haben sie noch dutzend- weis daheim von der Sorte, ja. ja, ha, ha!"— und an dies„ha, ha," schloffen sich alle Umstehenden an, von den höchsten Fistel- stimmen bis zum tiefsten Baß— ha, ha— ha. ha!— Der Musikus war in der Festhalle geblieben, um über die Preisvertheilung etwas zu erlauschen. Stoffel, der bescheiden neben seinem Vater saß, suchte von Zeit zu Zeit mit dem Burgi anzustoßen, allein das Mädel saß mit dem Rücken gegen den Tisch und rührte das volle Glas nicht an. „Schau, schau," nieinte einer der Umstehenden,„was ist denn mit dem Mädel— ein Staat von einer Dir»', aber von der besten Gemülhsart scheint's nit zu sein—" „Glaub's wohl," lachte der Bürgermeister,„'s soll den da habe», den Sapvermenter, wenn er einen Preis kriegt, und jetzt ist's ängstlich,'s Mädel, gelt?" Da fuhr sie herum:„Nein, nit— zornig bin ich— ein Kerl, der so trinkt, daß er nit einmal hört, was die anderen geigen— für so einen dank' ich—" Stoffel wurde dunkelroth:„'s war nur. um Muth zu kriegen," stammelte er. „Freilich, freilich," nieinten die Umstehenden, und rückten näher, um ja kein Wort zu verlieren. „Ja, Hab' ich denn recht gehört," ereiferte sich der Bürger- meister,„'s Mädel will nit, und seit einein Jahr liegt»nr's im Ohr:„den Stoffel oder keinen"— ja, was glaubst denn von Deinem Vater, ja bin ich denn auf der Welt, um nach Deinem Kopf zn tanzen?— Behüt' Dich Gott! ich sag'. Du nimmst ihn— wie er den Preis hat, und damit Punktum!" „Recht so, recht so, Bürgermeister," ging's von Mund zu Mund? „angestoßen mit dem Mädel, Stoffel, hurtig."— Er näherte sich ihr, aber sie legte die Hand aufs Glas— wunderhübsch sah sie aus, als sie mit zornig glühendem Gesichtchen erklärte:„Und ich nehm' keinen, der einen Rausch gehabt!" „Was," schrie einer der Bursche,.bist' verrückt— wie kannst denn das von einem ordentlichen Mann verlangen?"— „Justament, das verlang ich." entgegnete das Burgi und reckte sich in die Höh', wer mit mir zum Altar geht, muß so sauber sein wie ich selber—" „Oho," hieß es allenthalben im Kreise der Männer, aber ihr Lacken klang doch etwas verlegen, als ob keiner so recht den Muth in sich fühle, es an Sauberkeit mit dem Burgi aufzunehmen. „Da hinten in Denkerbach," meinte der vorige Bursche,„da müssen sich ja noch die„Füchs' und Hasen gut' Nacht sagen, daß man so wenig dort vom Herkommen weiß—" „Wir lebe» auf demselben Erdbode»," unterbrach ihn das Burgi,„und wissen so gut wie ihr, was rechts und was links ist— wenn mir aber einer beweisen kann, daß unser Herrgott die Tugend nur für die Weibsleut' verordnet hat, dann will ich mich zufrieden geben." Niemand konnte das; Stoffel senkte das Haupt, und der Bürger- ineister, der nicht recht begriff, wollte sich nicht durch Fragen lächer- lich machen und doch auch das letzte Wort habe»; also packte er sein Glas aus und herrschte die Tochter an:„Auf der Stell' trinkst mit mir auf eine frohe Brautschafl!" Alles schrie, drängle sich mit den Gläsern herbei und umringte das Burgi— in diesem Augenblick kam der Musikus zurück; niedergeschlagen, mit einem Seufzer ließ er sich auf die Bank falle».„Ihr Denkerbacher, 's ist aus— er kriegt leinen!" sprach er .Was keinen?" fuhr Aberle in die Höh'..Reine» Preis— Warum nit?" .Die Stimm' mär schön, aber's Piano fehl'—" .Ich bin ein reicher Mann," schrie Aberle,.ich kann ihm eins kaufen—" „So geh' hin und fing's. Du kannst's—" gebot Aberle dem Sohn, aber der mar verschwunden. 's Burgi hat wieder seinen Rücksitz eingenommen und that, als ging sie die ganze Geschichte nichts an. sagte der Bürgermeister,.das ist eine andere Sach'" und rieb sich den Magen..Aberle, die obern Reben sind mir—" „Nie setz' ich den Fuß mehr in Euer Haus," schrie der Ge- meinderalh,.und es ist eine Ungerechtigkeit mit dem Piano, und ich laß es»it dabei und müßt' ich mit der ganzen Welt Krakehl anfangen—" „Vater," unterbrach ihn Stoffel, und legte die Hand auf seine Schuller,„das ist nun alles eins, ob ich den Preis Hab' oder nit. wann ich's Mädel nit krieg'— die Hauptsach' ist jetzt, daß ich von daheim weg komm', und das Mittel ist gefunden— ich Hab' da einen Herrn gesprochen, der nimmt mich mit in die Residenz und macht eine» Hofsänger aus mir, und also wollen wir gleich Abschied nehmen—" „Hofsänger." stammelte Aberle und schaute so rathlos drein, als höre er Spanisch. „Bedeutet so viel wie Sodom und Gomorrah!" schrie der Musikns. „Wie viel?" „Oder Babel— Babel—" fuhr ihn der Musikus an,„Herrgott, kann man denn mit Euch nit in Gleichnissen reden— ein Sündenpfnhl ist's— wer unter die Hofsänger geht, kann ebensogut iu die Holl' fahren, da dreh' ich die Hand nit um—" „Stoffel," jammerte Aberle—„um Gotteswillen—" „Seit nit iveich, Vater," gab der Sohn zur Antwort,„sie sollen mich nit mehr dran kriegen, und wenn sie mir den besten Wein vor- setzen, ich Hab' genug an meinem ersten Rausch." „Hör' einer den unschuldigen Teufel," schrie der Musikus und schlug die Hände zusammen, da giedt's noch ganz ander« Dinge als «ii»«» Rausch, Stoffel— laß Dir die Augen öffnen—" „Ist gar»it nöthig," fuhr plötzlich's Burgi in die Verhandlung, nahm ihr Glas und streckte es dem Stoffel über de» Tisch hin:„In «inen Sündenpsnhl sollst nit— da nehm' ich Dich lieber, denn man muh von zwei Uebeln immer's kleinere wählen; also wie der Vater sagt— auf eine frohe Braulschaft!" Wetter und Hagel und kein End', was soll denn das jetzt wieder heißen, Burgi!" schrie der Bürgerineifter. „Ich Hab' halt auf einmal bemerkt, daß ich's nit ver- tragen könnt', wenn der Stoffel unter die Hossänger ging," er- widerte sie. .Ja, und der Preis, den er nit hat— und—" „Ich bitt' Dich, Vater," unterbrach sie ihn,.fang' jetzt nit wieder von vorne an, die Lent' lachen so schon die ganze Zeit über uns—" „Oho." meinte der Stoffel, reckte sich hoch auf und steckte die Daumen in die Armlöcher der Weste,.möcht' wissen, wer da zu lachen hat— eine» Preis Hab' ich freilich nit. aber's Mädel— ich denk', da ist's Lachen auf meiner Seit'."— Vlcines Fenillvkon — AlS Allheilmittel auznsehe» ist die Beucdiktnsmcdaille, die der Abt von Maria Laach verleiht. Auf der eine» Seite zeigt sie ein Bild des Heiligen mit der Umschrift: Crnx S. P. Benedicti (Kreuz des heiligen Vaters Benedikt), ans der ander» ist ein Kreuz mit dem Jesusnamen(J. H. S.) und vier Reihen Buckstaben, die nur der Eingeweihte deuten kann, nämlich C. S. S. M. L.— Cnix sacra sit mihi lux, N. D. S. M. D.---- Non draco sit mihi dux, V. R. S. N. S. M. V.= Vade retrorsum satana, nunquam suade mihi vana, S. M. Q. L. I. V. B.= Sunt mala quae lihas, ipse venena bibas; das heißt: Das heilige Kreuz sei mein Licht, der Drache mein Führer nicht; iveich hinter mich, o Satan, sollst mir nichts Eitles rathen; sollt Böses anch im Becker blinke», Du magst sogar das Gisl'ge trinke». Die Wunderkräfte dieser Medaille sind nach der Schrift des Benediktinerabts Dom Prosper Gneranger in Solesmes(„Bedeutung, Ursprung und Privilegien der Medaille des hl. Benedikt", deutsch herausgegeben in Einsiedelu 1861 und Münster 1876) folgende: I. und 2. sie zerstört Zaubereien und alle anderen teuflischen Einwirkungen und hält sie ab; 3. sie heilt Thiere von der Pest oder Seuche oder Zauberei; 4. schützt den Träger vor den Versuchungen des bösen Feindes; 5 bekehrt Sünder; b. zerstört Gift: 7. vertreibt die Pest; 8. heilt von Steinleiden, Seitenstechen, Fallsucht, Blutspeien; 9. hilft Frauen zu leichter Ge- burt; 10. schützt vor'm Blitz und Gewitter ic.— Gegen die Sozial- demokratie wird sie leider anch nicht helfe».— — Ein thcuercs Gitter. Als im Jahre 1714 Georg Lud- wig, Kurfürst von Hannover, miter dem Name» Georg I. zum König von England, Schottland und Irland gekrönt worden war, ivohntc er zwar eine» großen Theil des Jahres in London. Aber er fühlte sich niemals in England recht heimisch, sonder» gedachte immer mit Wehmuth des Aufenthaltes in Hannover, wo er als uninnschrnnkter Monarch geherrscht halle und ivohi» er auch von England reiste, so oft es irgend anging. Besonders scheint ihn in England die Unge- uirlhcit, mit der das Volk sich i» der Nähe des Königs bewegte, peinlich berührt zu haben. So konnte er sich garnicht daran ge- wöhnen, daß der St. James-Palast, in dem er residirte. nicht abge- sperrt war. sondern als Passage benutzt wurde, und er strebte danach, dies zu ändern. Eines Tages sprach er darüber mit seinem Minister Walpole, und beauftragte ihn. einen Voranschlag machen zu lassen, wie viel ein Gitter kosten würde, das den Palast von dem Londoner Verkehr absperre.„Ein solcher Kostenanschlag ist schnell gemacht". antwortete der Minister:„Das Gitter würde Sie nur drei Kronen kosten: die Kronen von England, Schottland und Irland."— Das Gitter wurde nicht gemacht.— Literarische». Bruno Wille:„Einsiedelkunst aus der Kiefern' Haide." Berlin, Schuster u. Loeffler.— Auch unter den Einsiedlern giebt es verschiedene Sorten. Der eine hat sich vor der Welt zurück- gezogen, weil er sie fürchtet. Er kennt sie zwar nicht, aber er hat so viel von ihr gehört, daß er nicht wagt, mit ihr anzubinden. Ein anderer hat sie kennen gelernt, oben und unten, eitel und nichtig ist sie ihm erschiene»; er geht fortan einsam seinen Weg. niemand ist ihm zur Seite, es sei denn der Haß. Von beiden etwas hat der „Einsiedler in der Kiefernhaide." Ihm genügt seine kleine Well da draußen, stundenlang, tagelang, aber dann zieht es ihn doch wieder nach der großen Welt; er kennt sie, aber sie hat ihm wehe gethan. nicht einmal nur, darum lädt er all seinen Groll auf ihren Scheitel. Neben dem naive» Dichter erscheint so in der vorliegenden Gedicht- sammlung der Denker, der Rhetorikcr, der Ankläger und Vertheidiger. In einzelne» Gedichten ist der Verfasser das eine oder andere, in den meisten beides zugleich. In beide» Erscheinungen beherrscht er sei» Instrument, die Sprache, vollkomme». Ein Unterschied zwischen ihm und einem Volldichter ist aber doch. Er handhabt die Sprache wie einer, der sie mit emsigem Bemühen gelernt; um seine Ge- danken und Gefühle sitzt sie nicht wie die Haut um den Körper, sit ist um sie geworsen, wie ein gewähltes Gewand. So schreibt der gebildete Mann, der geschmackvolle Schriftsteller. Wille hat jedes einzelne Gedicht einem dekannten Schriftsteller oder Kritiker ge- widmet. Das ist Geschmacksache. Es zeigt jedenfalls von der weichen Natur des Verfassers und von der Thalsache, daß er gern nachempfindet. Die Ausstattung des Buches will nach etwas ans- sehen. In Beamteufamilien trifft man häufig die sogenannten „legirlen" Suppen. Sie werden geschmalzt mit dem Fett, das man tags vorher von einer Fleischsnppe geschöpft.—— s. — Hat sich geduckt! Herr S i t t e n f e l d(Konrad Alberti) schreibt einem hiesigen Blatte:„In Ihrer heutigen (Freitags) Nummer lese ich die interessante Besprechung eines Buches„Geschichte der deutschen Literatur der Gegenwart" von Eugen Wolff. In diesem Buche, das ich nicht kenne, soll ein Satz von mir zitirl sein:„der Tod des größten Helden stehe als dichter- ischer Stoff nicht höher als die Geburtswehen einer Kuh". Mög- lieh, daß ich vor so und so viel Jahren so etwas einmal geschrieben habe: in wohlthäliger, fommerfrischlicher Ferne von aller Literatur kann ich jetzt nicht feststellen, wo und in welchem Zusammenhang. Vermuthtich Hab« ich in Zola-Erinnernngen schwelgend sagen wollen, daß ein großer Dichter auch einem scheinbar antiäslhclischen Stoffe künstlerische Wirkungen durch die Kraft der Behandlung abgewinnen könne. Vielleicht habe ich mich sogar so exzentrisch ausgedrückt, wie Herr Wolff angiebl: in heftigem Kampfe, von allen Seiten an« gegriffen, einmal übers Ziel hinauszufeuern soll auch besseren Schütze» begegnen als ich bin. Aber ich glaube, seitdem doch Manches geschrieben und geschaffen zu haben, das in der Literatur vielleicht länger Bestand haben wird, als jene übcrmülhige Aenßerung." — Bravo! So gehört es sich für einen Liebliugs-Liebling und Feuilleton-Neisendeu!—- Theater. — Von Josef Ru«derer wird im Herbst im Deutschen Theater eine neue dramatische Arbeit„ M n m m e n s ch a»z" zur Ausführung gelangen.— — In Mailand hat sich eine Gesellschaft konstituirt, die dort ein Theater ausführe» lassen will, das„Guiscppe-Verdi-Thealer" heiße» soll.— Musik. — Als Krolop's Nachfolger an der Berliner Oper ist Herr Schauer von, Preßbnrger Sladttheater in Aussicht genommen. Er wird im Herbst auf Engagement gastireu.— — De» ersten Preis für dramatischen Gesang im Pariser Konservatorium hat eine Dänin, Frl. A'tno Acktö. er- halten. Sie wird im Oktober in der„Großen Oper" als„Mar- garethe" debütiren.— Aus dcm Thierreiche. — Abnahme der Maikäfer. Seit Jahren wird be- obachtet, daß diese gefräßige» Thier sich immer mehr vermindern. Bekaniitlid> traten qewöhnlid, in Schalijahren� die Maikäfer besonders zahlreich ans, wenigstens i» Gegenden, wo ihre Eutwicke- lung vom Ei ab vier Jahre in Anspruch nimmt; wo nur drei ynf)te dazu erforderlich sind, trifft auch die Zunahme im Schaltjahre nicht zu. Nun hat man die Abnahme der Maikäfer in den letzten Jahren vielfach auf die Nässe und Kälte der Frühlinge zurückgeführt, die ohne Zweifel anf Larven und Puppen zerstörend einwirken; in- dessen führt die„Jllustrirte Wochenschrist für Entomologie" die Ab- nähme der Maikäfer doch noch mehr auf den Bernichtungslanipf der Menschen gegen dieselben zurück, indem sie mittheile», im Leipziger- Stadtbezirk feie» bereits 1864 ungefähr 373 Millionen Maikäfer nnschädlich gemacht worden, die das stattliche Gewicht von 643 Zentnern aufwiesen. Am umfangreichsten wurde im Jahre 1363 das Ein- sammeln durch den Landivirthschaftlichen Verein der Provinz Sachsen und der aiihaltinische» Länder betrieben; hier wurden 1590 Millionen Käser zusammengebracht. Aber auch der rationellere Betrieb der Landwirthschast hat mächtig dazu beigerragen, die Mai- käfer auszurotten. Die Drei-Felder-Wirthschast' ist vielfach aufgegeben, und brachliegende Flächen von Acker- und Weideland giebt es bei weitem nicht mehr in dem Umfange, wie früher; Brachplätzc kamen aber dem Gedeihen der Maikäfer besonders zu statten, weil sie dort Nahnuig, gelockerten Boden und Ruhe zu ihrer Entwickelung fanden. Das ist bei Wiese und Wald bei weitem nicht in solchem Grade der Fall. Ueberdies wird jetzt der Boden auch emsiger bear- beitet, alS früher, und namentlich ackert man jetzt tiefer, wodurch die Bodenschichten, in denen die Engerlinge leben, durcheinandergeworfen werden und die Entwickelungsruhe derselben gestört wird. Dabei ge- rathen auch viele von ihnen an die Oberfläche und fallen den Vögeln zur Beute; viele werden anch zerquetscht und zertreten. Schließlich ist es auch der Einwirkung der Salze und der anderen künstlichen Düng- flösse zu verdanken, daß die Larven und Puppen der Maikäfer viel- jach zu gründe gehen.— Aus dem Thierleben. — Der Rabe als Retter. In der„Gazelle du ValaiS" erzählt Einer;„Ich reiste am 17. Juli durch das Dorf Conthey. Ueber mir hörte ich schrilles, wiederholles Schreien. Ich sah, wie ein gewaltiger Sperber in vollem Fluge ein junges Hub», das er in der Nähe geraubt hatte, in seine» Kralle» davontrug. Der Hühnerdieb eilte der Ebene zu, ohne Ziveifel in der Absicht, dort dieses Thier als gutes Frühstück zu verzehren. Ei» aller Rabe, der auf einem Baum. nicht weit davon entfernt, ausruhte, hörte das durchdringende Geschrei des jungen Hähnchens. In« Nu eilte er gegen den Räuber zu, und es entspann sich zwischen diese» Lnflseglern ein erbitterter Kamps. Der Sperber mußt« seine Beute fahren lassen, aber der Rabe war außer stände, denselben zu verfolgen. Jetzt eilte der Hühnervogel seiner entfliehenden Beute wieder»ach; erbost unter- nahm der Rabe einen zweite» Kamps, das Hühnchen konnte wieder entwischeu. Nun wurden auch Leute aus diesen Kampf in der Luft aufmerksam lind retteten das Huhu.— Meteorologisches. — k. Fliegende Drachen zur Wetterprognose. Die englische„Monatliche Wetter-Revue" widmet jetzt ihre besondere Aufmerksamkeit den fliegenden Drachen und ihrer Verwendung zur Erforschung der oberen Luftschichten. Eine der letzten Nummern enthält eine längere Arbeit von Professor Maroin, welche über die Theorie des Mechanismus und der Dauerhaftigkeit der Drache» handelt. Im Anschluß daran giebt der Heransgeber der Zeitschrist einige interessante Daten über die Geschichte der Drachen bezüglich des Gebrauchs von Draht zur Anfertigung der Drachenseile. Die dies- bezüglichen Mittheilnngen zeigen, daß Versuche mit an Drahtseilen befestigten fliegenden Drachen schon 1836 in Philadelphia und 1344 in England gemacht wurden. Znr selben Zeit, als die europäischen meteorologischen Bureaus die ersten Soudirballons zur Erforschung größerer Höhe» benutzten, hat das Welterbureau der Vereinigten Staaten schon Drachen vorbereitet, um große horizontale Strecken der Atmosphäre durch automatische meteorologische Instrumente zu er- forschen. Während aber das englische System für spezielle Gelegenheilsarbeiten und für Höhen bis 500 englisch« Fuß bc- piunnt ist. bezweckt das amerikanische Drachenfystem eine regelmäßige tägliche Arbeit in einer Höhe von nur 5000 Fuß. Beide Systeme dürsten der Meinung der Zeitschrift zufolge sich in nicht allzu langer Zeit ergänzen und dadurch dürften werlhvolle Anhaltspunkte für eine Vorausbestimmung des Wetters anf größere Zeiträume gegeben werden, als dies bisher der Fall war.— Technisches. — Unterscheidung des Büttenpapiers von Maschine»papier. Wenn man ans dem zu prüfenden Papier eine runde Scheibe schneidet und läßt sie auf Wasser schwimmen, so tritt folgender Unterschied hervor: Maschinenpapier krümmt sich »ach oben und rollt sich nach der Mitte zusammen. Bültenpapier krümmt sich so schwach, daß es nur eine konkave Fläche bildet, die sich aber nicht zusammenrollt.— Humoristisches. — Uebertrumpft. Dem„St. Galler Volksblatt" schreibt ein St. Galler aus Westvirginie» folgenden Appenzeller Witz: Auf dem Schiff-„Gdscogne", das mich von Havre nach New-Iork nahm, waren etliche Schweizer verschiedener Kantone. Abends, wenn das Wetter es gestattete, pflegten wir uns auf dem Verdecke etwas auf- zuheilern. Da erzählte einer, wie's in Cincinnati Wurstmaschinen gebe, wo das Schwein lebendig hineingeschoben und als wohlbereitete Würste am andern Ende herauskomme.„Das ischt»äbis no gab nütz," bemerkte ein Appenzeller,„i de Stadt. wo-»-y gsy bi, gil's Maschine, wo d'wchwy äsä lebdige inageschoppet werct, und den chöm's bim Tnsigsstrohl uf der aiidere Syle scho gab rübis und stübis gfresse n usi."— — Sie kennt sich. Vor dem Polizeirichter in Southwark stand dieser Tage eine Frau, die so sanft sprach, daß niemand ein Wort verstehe» konnte. Sie wurde ansgefordert, lauter zu sprechen, es schien ihr aber physisck unmöglich, dieser Aufforderung zu folge». Der Richter, der seine Pappenheimer kennt, lächelte und fragte: „Sind Sie verheirathet?" Die Zeugin hauchte ein„Ja".„Sprechen Sie immer in so sauftem Ton zu Ihrem Mann?" fuhr der Richter mit einschuieichelndem Tone fort.„O nein." war die Antwort, die ein Lächeln begleitete, das tief blicken ließ.„Wohlan." so lautete der Spruch des weisen Ealomo,„dann sprechen Sie jetzt gerade so laut, als ob Sie Ihrem Gemahl eine Gardiuenvredigt hielten." Die Zeugin meinte zwar:„O, lieber Herr, ich möchte das lieber nicht thun!" aber sie war fortan verständlich genug.— Vermischtes vom Tage. — In der„Vossin" schimpft der durchfallgesegnete Herr Otto Girndl über die Sennen auf der Scharitztehlalp bei Berchtes- gaben, weil sie sich, als er mit zwei Begleitern angestiegen kam. nicht gleich vor ihm auf den Bauch legten und ihm nicht einmal die Milch und das Brot nachtrugen, als er geruhte, vom Vorbau nach der Stnbe sich zu verfüge». Der gebildete Herr gebrauch! dabei in beziig ans die Senner und Sennerinnen den Ausdruck„Halb- thiere". Wenn sich die alle Taute und der geistreeche Herr aus Landsberg a. W. noch etwas anstrengen. wird es ihnen doch noch gelingen, den Süddeutschen den richtigen Begriff von der Berliner Thiergarten-Jntelligenz beiznbringe».— Ii. Der preußische Kultusminister hat gestattet, daß der Hilfsverei» deutscher Lehrer sein Bild vervielfältigen lassen dürfe. Das Bild, das demnächst jedem Lehrer zum Geschenk gemacht werden soll, trägt den Wahlspruch:„Nur treu."— Jetzt sind die Lehrer doch befriedigt?!— y. In Altona wollte unlängst eine Frau die Pfändung eines Sopha's dadurch verhindern, daß sie sich aus das Möbel setzte. Erst als sie mit dem Sopha aus die Straße getragen worden war, gab sie Fersengeld.— — Ein guter Posten. Die Gemeinde G r o si- D o»i- br owka, O.-S., sucht für 700 M. jährlich einen Gemeindeschreiber, der mit der neuen Verwaltnngs« und Steuergesetzgebung durchaus vertraut sein muß. Außerdem muß er anch gut mustlalisch sein, denn er muß dem Organistenposten vorstehen.— — In Stein bei Hechingen hat ein Ojähriger Knabe, der mit einem Gewehr spielte, ein in der Nähe stehendes Mädchen von 17 Jahre» erschossen.— — In Ungarn macht man jetzt sogar schon Wallfahrten auf dem Fahrrad.— — Paris, 3. August. Der Untersnchimgsrichter hat das Aktenmaterial über den Bazarbrand dem Gericht eingereicht. Er verlangt die gerichtliche Verfolgung des Barons Macka» und zweier Beamten des Kinematographe».— — Zwei Zigeuner habe» in Paris ein Messerdnell ausgefochten. Nach fünf Minute» blieb der eine der Duellanten todt auf dem Platze. Der andere wird wahrscheinlich nicht mit „Festung" davonkommen.— — Orange(Frankreich). 2. Angnst. Im antiken Theater wurde von Mitgliedern der Comödie Fran?aise eine Vorstellung ge« gebe». Mehr als 10 000 Zuschauer waren anwesend.— — Beim Frisireu verunglückt ist in L o n d o n eine Frau, als sie sich mit einer Flüssigkeit, die Petroleum enthielt, das Haar waschen ließ. Das Zeug gerieth in Brand, und die Frau wurde so schwer verletzt, daß sie sterben mußte.— c. e.„Nervöse Prosperität" heißt eine neue Krankheit, die ei» Jünger Aeskulaps in Philadelphia entdeckt zu haben vermeint. Es handelt sich um ein Gebrechen, welcbes sich in dem„Oberstübchen" solcher Personen luudgiebt, deren Arbeit mit großem Erfolge gekrönt wurde.— — Nach dein„Philadelphia Necord" sind am 29. Juli 40 Dampfer in N e w- I o r k gechartert worden, die von Neiv- Uork, Philadelphia, Baltimore und Newport News Getreide nach Europa besördern sollen.— — In Chicago hat man unlängst ein Beethovcn-Deiikmal enthüllt. Als die Hülle gefallen war. zeigte es sich, daß von 16 auf dem Sockel eingemeißelten Noten einer Beelhoven'schen Symphonie acht falsch waren und daß unter den neu» Worten der Inschrift zwei orthographische Fehler auswiesen.—__ Verantwortlicher Redakteur: Nngnst Jacobe») in Berlin. Druck nnd Verlag von Max Bading in Berlin.