Anterhaltungsbl Nr. 156. Mittwoch, de (Nachdruck verboten.) i] Jimmer Mv. 13. Von Ernst von Wolzogen. Friedlich une ein braver Kleinbürger, der des abends vor seiner Hausthür mit der Pfeife im Munde eindrnsselt, ließ der Vesuv sein weißes Rauchwölkchen in die klare Luft steigen. Still und unschuldsweiß, wie die Strohblumen in einem Todteukranz, hoben sich die hellen Häuser von Neapel gegen das zarte Graugrün der Hügel ab, an die sie sich anlehnen. Wie ein Göttcrweib des Alterthums, das, himmlisch nackt und satt von Nektar und Ambrosia, die üppigen Glieder im ruhigen Bewußtsein seiner Schönheit auf bunter Blumenau zum Schlummer ausstreckt, so lag vor meinem entzückten Blicke still, selbstbewußt und göttlich heiter die berühmte Landschaft des Golfes von Neapel, in hellem Sonnenglanz gebadet, da. Unser treffliches Schiff, der Dampfer„Sumatra", der uns von Genna hergeführt hatte, durchschnitt mit sanftem Rauschen das spiegelglatte, wunderbar blaue Meer, zwischen Kap Miseno und der Insel Procida hindurch, dann an dem kleinen Eiland Nisida nüt seinem unheimlichen Bagno vorbei und nun schräg durch die Bucht hindurch dein Hafen zu. Und immer noch drang kein Laut vom Lande zu uns hinüber, der die feierliche Sonntagsstille entweiht hätte. Besonders unser, der Deutschen unter den Fahrgästen, hatte sich angesichts dieses berühmten Rundblicks eine gewisse aufgeregte Ergriffenheit bemächtigt. Wer sein Gepäck noch nicht vorher in Ordnung gebracht hatte, der ließ das auch jetzt noch bleiben, um nur ja von dem herrlichen Schauspiel nichts zu verlieren, das eine solche Einfahrt in den Golf von Neapel an einem solchen Tage darbietet. Während die Italiener immer lauter, nnrnhiger und geschäftiger wurde», je mehr sich das Schiff dem Lande näherte, wurden wir An- gehörige gernianischcr Völker immer stiller, lehnten hoch- klopfenden Herzens über die Brustwehr und sahen mit be- waffneten und unbewaffneten Augen die schöne Partbenope allmälig den weißen Schleier von ihrem glänzenden Antlitz wegziehen. Und nun waren wir also wirklich in Neapel. Welch ein unsanftes Erwachen ans einem so lieblichen Traum! Welch eine schöne Stadt— und die garstigen Menschen! Welch aller- liebste Pferdchen— und wie gräuliche Kutscher! Und welch ein unnützes, wahnivitziges Geschrei erfüllt die Lust— oh!!— aeschwängcrt von Dust— ohh!! Das Iah eines Esels, der sonore Pfiff eines Dampfschiffs werden dem erschrockenen Ohre zu wohlthnenden Rnhepunkten. Das Auge, von der reinen Mittclmcerbläue noch erinnerungslrunken, schaut grausam ernüchcrt auf Lumpen, Schmutz und häßliche Gebresten. Der ängstliche Fremdling, umdrängt und umtobt von dieser stimm- begabten, heftig gestikulirendcn Pienge, klagt den Schöpfer an, daß er ihm nicht sechs Hände verliehen, zwei, um die Ohren, zwei, uni die Taschen zuzuhalten, und zwei, um sich, gelinde vorwärts boxend, einen Weg zu bahnen! Aber endlich fitze ich mit heilen Gliedmaßen, mein Bischen Gepäck vollzählig bei mir, und nur um ein halbes Pfund Kupfer leichter, in einem netten Halbchaiscchen und rolle der auf warme Empfehlung hin erkorenen Pension zu. Da wären wir also Santa Lucia! Nach Oswald Achenbach's herrlichem Nachtbilde mit dem Feuerwerk hatte ich mir die berühmte Uferstraße eigentlich ein klein wenig anders vorgestellt. Aber— na....! Die Eigenthümeriu der Pension, eine recht hübsche, zier- liche Schweizerin, mit einer bescheidenen Warze auf der linke» Wange, empfing mich recht artig und ließ mir durch eine ininderschöne Zimmcrkellnerin sichern Allers und in gediegenen Verhältniffen ein Zimmer anweisen. Eigentlich war es nur eine Kammer, ohne Fenster, aber mit einer mächtigen Flügelthür auf einen winzigen Balkon hinaus, sehr hoch, der Boden mit grün glasirteu Kacheln belegt, ein eisernes Bett wie überall in Italien, ein dürftiger eiserner Waschständer, eine wacklige, etwas schmierige Kommode und ein ebenso schmieriger Stuhl mit einem Sitz aus Strohgeflccht— das war alles. „Na!" sagte ich wiederum einigermaßen bedenklich auf die treuherzige Frage der Schweizermaid, ob nur das Zimmer gefalle. Sie riß ihre grauen Aeugelchen, über meine Un- bescheidenheit erstaunt, so weit ans, als die Fettwülstlein, die itt des Vorwärts 11. August. 1897. ihre Lider umlagerten, dies gestatteten. Ich wollte die gute Seele nicht kränken und fügte daher entschuldigend hinzu:„Für eine Nacht möchte es ja wohl angehen; aber sehen Sie, ich werde doch wohl mindestens eine Woche hier bleibe»— und da will man's doch ein bischen gemüthlicher haben: einen Tisch zum Schreiben und einen Kleiderschrank, vielleicht gar ein Sofa mit einem Stückchen Teppich davor— man kriegt ja kalte Füße, wenn man dieses Kachelparkctt nur anschaut." „Jo freili,'s isch scho rächt!" erwiderte sie nachdenklich. „Mer harn jo an noch e wnnderschöns Zimmer, grad' wie Sie's wünsche;'s isch nur... Na, i will als mit der Madam rede." „Schön, thun Sie das, nieinc Beste, und wenn ich das immer bekommen kann, dann schaffen Sie mir, bitte, meine iebensachen gleich dahin." Tie wackere Maid zögerte noch einen Augenblick an der Thürschwclle, räusperte sich, als wenn sie noch irgend ein Be» denken äußern wollte, ließ es aber dann doch bleiben und zog sich mit einem unverständlichen Gemurmel zurück. Ich packte nur das Nothwendigste aus, machte ein wenig Toilette und begab mich dann nach den: Speisesaal hinüber, um mich ein wenig zn orientieren. An der Fensterscite des hohen, weiten Raumes stand ein großer Tisch, mit Zeitungen und abgegriffenen, zerleseneu Zeitschriften-Bändcn, Reise- werken, Fahrplanbücheru und dergleichen darauf. Ein merk- würdig niedriges Sofa und ein paar recht fadenscheinige Polsterstühle erhöhten die Tranlichkcit dieses Lesewinkels. Auf dem Sofa saßen, so tief versnnke», daß sie nur eben mit den Köpfen über den Rand des Tisches hervorragten, zwei Damen, eine ältere und eine jüngere, in die Lektüre der deutschen Zeitungen vertieft. Am Fenster standen, leise mit einander plaudernd, zwei hagere, lange Ge- stalten in schwarzen Soutanen, junge Priester aus der französischen Schweiz. Ich begrüßte sie mit einer stummen Verbeugung, die sie durch kaum merkliches Kopfnicken er- widerten. Die Damen dagegen hatten bei meinem Eintritt sogleich ihre Lektüre fortgelegt und erwiderten meinen flüch- ligeu Gruß mit außerordentlicher Freundlichkeit. Besonders die ältere gerieth bei dem lebhaften Bestreben, mich licbenS- würdig zu begrüßen, förmlich ins Hüpfen. Sie war eine recht stattliche Dame, in den Vicrzigen, mir einem starken Schatten auf der Oberlippe, den sie mit Würde zu tragen wußte, ebenso wie das schwarze Spitzentuch, das in venctianischer Art ans ihrer Frisur befestigt war, und den vielen, etwas plumpen altmodischen Goldschmnck. Das junge Mädchen an ihrer Seite, offenbar die Tochter, konnte eben noch für hübsch passiren, ein wenig starkknochig, mit sanften, hellblauen Augen und frischen Farben im Gesicht,— einfach, aber gesund.— Ich nahm stehend eine Zeitung zur Hand und warf einen Blick hinein. Sie war bereits vier oder fünf Tage alt. Sogleich bot mir die freundliche Dame die ihrige sowie die ihrer Tochter an. Ich lehnte dankend ab, indem ich mich scherzend eines sträflichen Mangels an Theilnahme für die heimischen Ereignisse anklagte, sobald ich in der Fremde sei. „Gerade wie meine Tochter!" rief in unverkennbar sächsischem Tonfall die stattliche Mutter ans, indem sie dabei lebhaft aufhüpfte und einen zärtlichen Seitenblick auf daS kräftige junge Mädchen warf.„Ich bringe sie kaum dazu, sünf Minuten täglich auf die Zeitung zu verwenden. Immer studirt sie ihren Bädekcr und ihre Kunstgeschichte, damit sie nur ja mit rechtem Verständniß die Knnstschätze alle ge- nießen kann. Im Museo nationale weiß meine gute Camilla—(d. h. sie sagte natürlich Gamitta)— Bescheid wie so ein Professor, und wenn Sie einen zuverlässigen Führer brauchen, mein Herr, dann kann ich Ihnen meine Kleine nur empfehlen." Und laut lachend wie über einen ausgezeichneten Witz, klopfte sie der verlegen lächelnden und erröthenden Camilla auf die Schulter. Ich verbengte mich— ich fürchte, mit einem etwas faden Lächeln— vor Mutter und Tochter und erkannte solch schönen Bildungseifer mit einigen dürren Redensarten an. Dann trat ich durch die offene Thür auf das altanartige, flach». Dach eines direkt aus dem Wasser des kleinen Boothasev.Ä von Santa Lucia aufsteigenden Anbaues hinaus, um mir die nähere Umgebung des Hauses zu betrachten. Es war mir ausgefallen, daß sowohl die Mutter wie auch die Tochter ver» stohleiieriveiss meine Hände mit so scharfen Blicken gestreift hatten. Jetzt besah ich mir diese Hände genau im hellen Sonnenschein. „Aha!" dachte ich und lachte leise vor mich hin.„Ob sie ihn mohl schon entdeckt haben? Machen wir einmal die Probe." Und ich zog mit einiger Anstrengung meinen Tran- ring vom Finger und verbarg ihn in der Westentasche.-- Es war ein eigenthümlich anziehendes Schauspiel, das sich meinen erstaunten Sinnen darbot, ein Schauspiel, über dem ich bald Camilla und ihre Mutter gänzlich vergessen hatte. Bon der anderen Ecke des Hafens ans sollte nämlich ein Luftballon aufsteigen, und eine ungeheure Menschenmenge strömte herzu, um das billige Vergnügen zu geniesten. Ter schmale Streifen Strandes sowie die Violen des Boothafens waren mit einer Kopf an Kopf gedrängten Menschenmenge be- setzt, und auf der Straße Santa Lucia strömten noch unablässig neue Massen herzu, geputzte Leute im Sonntagsstaat, zum theit kleine Familientrupps bildend, und arnics Volk, das für den Festtag keine anderen Lumpen wie für der» Alltag bereit hatte. Und durch die langsam vorwärts fluthenden bunten Menschen- wogen schnitten mit scharfem Kiel, gleich stolzen Seglern und lustigen Gondeln, die Tramwagen, unablässig die warnenden Trillerpfeifen ertönen lassend, die flinken, leichten Fiaker mit ihren kleinen, schmuck ausgeschirrten Pferden, deren Lenker ihre Peitschen den Fußgängern um die Ohren knallen ließen, große, zweirädrige Frachtkarren, von phantastisch aufgeputzten, eins vor das andere gespannten Manlthieren gezogen und von wahrhaft beängstigend hoch aufgethümten Menschenpyramiden besetzt, endlich auch etliche brave Grauthiere, die gleichfalls ganze Familien ans ihrem geduldigen Rücken spazieren schleppen mußten. Kein Karabiniere, kein Guardia Municipalc störte in diesem wahrlich lebensgefährlich genug anzuschauen- den Getümmel die öffentliche Sicherheit. Klein und Groß, ein jedes gab auf sich selber acht und wußte, von Kindes- deinen aus an solchen Trubel gewöhnt, sich durch alle Fährlich- leiten sicher hindurchzuschlängeln. Dabei vollführte die völlig friedliche und vergnügte Menge ein so gewaltiges Geschrei, daß man bei uns zu Lande zum mindesten etliche Bataillone Soldaten feldmarschmäßig in den Kasernen bereit gehalten hätte, um den drohenden Aufruhr niederzuschlagen. Diese lungeukräftigen Neapolitaner aber pflegten einer ganz gemttth- lichen Nachmittags-Unterhaltung, wahrscheinlich über das Thema der Luftschifffahrt, und fliegende Händler priesen mit etwas lauteren Stimmen in dem Gedränge ihre Waarcn an. Das war alles. Und in rührendem Gegensätze zn diesem ebenso tollen wie harmlosen Lärin lagen auf der Quaimauer einige echte Lazzaronigestalten lang ausgestreckt, pflegten des süßen Schlummers und ließen sich die warme Sonne durch den offenen Mund in den Magen scheinen— sie mochten wohl sonst noch nichts Warmes genossen haben— während unten einige andere Genossen der würdigen Brüderschaft sich eine ebenso einfache wie billige Mahlzeit aus dem tinlen- schwarzen Gewässer des Hafens herausfischten. Die leinenen Beinkleider hoch heraufgestreift, standen sie bis an die Schenkel im Wasser und tasteten mit den Händen im Schlamme herum, wo an alten Pfahlstümpfen und Steinen lhitti di mare, Muscheln und andere kleine Seethicre zu sitzen pflegten. Die leichtgewonnene Beute verzehrten sie behaglich auf der Stelle, ohne Brot und ohne Zitrone, immer eine Muschel mit der Schale der anderen aufbrechend— und dann ging's wieder mit zufriedenem Gesichte und neuem Eiser an die Arbeit.— Der Luftballon liest diese Philosophen offenbar gänzlich kalt, und über die aufgeregte Neugier der drängenden Massen da oben fühlten sie sich hoch erhaben. Es war sechs Uhr geworden, ehe endlich Böller- schüsse daS Zeichen zur Entfesselung des Ballons gaben. Das Geschrei, welches den stolzen Aufstieg der grünwcißroth bc- flaggten Riesenbirne begleitete, würde zu seiner Hervor- bringung bei uns zu Lande zum mindesten einer Million Kehlen bedurft haben. Hier genügten deren einige ganz wenige Tausend! Meine Sinne waren so verwirrt von dem ungewöhnlichen Schauspiel, daß ich gar nicht bemerkt hatte, wie inzwischen auch andere Gäste der Pension auf das Dach hinausgetreten waren, und mein Gehör insbesondere derart betäubt, daß mir die freundliche Anrede der Mutter Camilla's gänzlich ent- gangen war. Als ich die Damen gewahr ward, stammelte ich einige verworrene Entschuldigungen hervor und entfernte mich dann in wenig höflicher Plötzlichkeit, da mich ein Gelüst packte, mich selbst kopfüber in das Menschengewühl hineinzustürzen und ans dsese Weise wirklich in nächster Nähe das Volk zn stndiren.(Fortsetzung folgt.) tliachdruck verboten.) Von Theo Seelmann. Das Nah des Himmels, das der Landnianu so oft sehnsüchtig erwartet, hat in den letztverflossenen Tagen gezeigt, daß es auch Ver- derben und Tod mit sich bringen kann. Das spielende Kind, das die sprudelnde Quelle mit seinen Händchen zu verschließen vermag, jauchzt laut auf, der durch die Regenfluthen geschwellte Strom, der über seine Ufer dahin braust, die Siedelungen zerstört und die Fluren verwüstet, versetzt tausende von Menschen in Roth und Ver- zweiflung. Wenn schon der Augenschein uns lehrt, welch' kolossale Regen» »lassen unter Umständen niedergehen können, so lassen die wissen» schafllichen Messungen die möglichen Unterschiede noch um vieles deutlicher erkennen. Die Niederschlagshöhe beläuft sich im ganzen Jahre für Berlin auf 590 Millimeter, für Wien auf ebenfalls 590, sür Brüssel auf 710, für Bozen auf 750 und für Graz auf 790 Milli- meter. Bei einem Gewitter, das am 4. Juni 1839 über Brüssel tobte, stieg in einem Zeitranni von nur drei Stunden die Niederschlagshöhe auf 83.0 Millimeter, d. h. es fiel in diese» wenigen Stunden mehr als der zehnte Theil der souftigcn jährliche» Regenmenge. Vom 28. bis 29. Juli 1382 ergab sich für Wien eine Regenhöhe von 104,2 Milli» meter», so daß also der in 24 Stunden gesallene Regen bald einem fünftel der jährlichen Niederschlagsmenge gleichkam. Von, 15. biS 18. September desselben Jahres gingen in Südtirol und tkärnthe» gewaltige Regeumnssen nieder, die ein verheerendes Hochwasser zur Folge halten. Beispielsweise belief sich in Trieft in diesen vier Tagen die Regenhöhe auf 291 Millimeter, während sie sonst in einem ganzen Monal nur aus 439 Millimeter zu veranschlagen ist. Bei allen diesen Messungen entspricht 1 Millimeter Regenhöhe 10 Kubikmetern Wasser für den Hektar. Es gingen demnach an den erwähnten Tagen auf jeden Hektar des Triesler Stadlgebietes 2910 Kubikmeter Wasser nieder. Die«norme Steigerung der Wasserzufuhr erklärt die Kraft- entwickelnng des Hochwassers und die Furchtbarkeit seiner Ver» heerungen. Die Erhöhung der Druckkraft prägt sich schon aus in der Fortbewegung des fließenden Wassers. Während die mittlere Geschwindigkeit der Flüsse und Ströme bei große» Gerinuen selten mehr als 3 Meter i» der Sekunde beträgt, steigert sie sich bei Hoch- ivasser auf 5— 6 Meter. Der damit verbundenen Stoßkraft vermag das Erdreich nicht zu widerstehen, so daß daraus ein Massen- tränsport der Bestandtheile der Erdoberfläche entspringen muß, der die unter den Hochwasserschäden so gefürchteten Abreißungcn, Versandungen und Verschlammungen nach sich zieht. Die Flüsse der mitteleuropäische» Ebene sind für gewöhnlich durchweg schlammari», dagegen führen einige Alpenflüsse schon fast 1 Kilogramm Schlamm auf 1 Kubikmeter Wasser. Eine gänzliche Veränderung erfahre» diese Verhältnisse bei Hochivasser. Brciteiilohnrr fand am 16. bis 19. September 1882 i» dem Hochwasser der Rienz im Pusler- Ihale dnrchschntlllich 47,920 Kilogramm, gelegentlich sogar 75.544 Kilogramm Schlamm in einem Kubikmeter Wasser. Am 17. Sep- tember maß er im Reischachbach bei Bruneck 104.926»nd im Mühl» graben bei Lorenzen sogar 145.107 Kilogramiii Schlau»». Immer wieder erweckt es Staunen, mit welcher Leichtigkeit das' Hochwasser Gebäude niederreißt, Brücken zerstört und Dämme sprengt. Es liegt dies a» der Verlenming des Kraftvorraths, den die fließenden Gewässer besitzen. Ei» richtiges Urtheil über ihre Krasteiitwickelmig gewinnt man erst, wenn man sich die Geröll- mengen vergegenwärtigt, di« die einzelne» Flüsse mit sich fort- wälzen. Nach den Beobachtung«» Pestalozzi's wandert im Rhein bei Ragaz ununterbrochen ei» Geröllnrom von über 8 Meter Tiefe. Nach Heim führte die Reuß 1651—1879 jährlich 146 187 Kubikineler Geschiebe in de» Unier See»nd in 152 Jahre» hat nach Strecker die Kander seit ihrer Einleiluug in den Thuner See 56 Millionc» Kubikmeter Geröll abgelagert. Weg berechnete die vom llihei» jährlich in den Bodensee geschüttete Geschicbemcnge auf 47 000 Kubikuieter. Sichtbarer gestaltet sich die Klaftentwickeliiiig des Wassers au den l» den Flußbette» aufgetbürmtc» Sandbänken. Die Bänke wandern in ganz regelmäßiger Weise stromabwärts. Am mittleren Rheine verschiebt sicv jährlich eine Bank 200— 400 Meter weit abwärts, in Hochivafferjahren dreimal so weit. In entsprechender Weise ändern die Bänke in der regnlirten Donau de» Ort; sie sind in 7 Jahren 700—1000 Meter stromab gewandert. Die Abtragung des Erdreichs, die sich durch die Einwirkung der Wasserthätigkeit vollzieht, läßt sich am besten er- kennen bei den Flußkorrektionen. So hat die Kander die Sohle ihres Bettes von der Stelle aus, wo die Ableitung nach dein Thuner See beginnt, seil 1714 um 45 Meter vcrtiefi und diese Vertiefung erstreckt sich 9 Kilometer aufwärts. Seit der Rhein- korrektio» in der mitlelrheinischc» Tiescbene ist die Stromsohle zwischen Rheimveiler und Neuenbürg um 2 Meter vertieft worden. Unter den natürliche» Verhältnissen läßt sich die Arbeitsleistung eines Hochwassers kaum berechne». Dagegen liegt ein zahlenmäßiger Nach- weis vor für ei» Hochwasser, das bei der Stegulirnng der Weichsel» Mündung im Jahre 1895 sozusagen künstlich zu wege gebracht wurde. Man hatte hier zwischen dem Endpunkt des neue» Weichselbettes und dem Meere eineu Dünendamm übrig gelassen, zu dem nur ei» Leilungsgrabeu von 50 Meter Breite hinführte. Die Wegräumung des Düneiidammes sollte der Strom selbst übernehmei». Ain Nochmittag des 31. März wurde dem Strom freier Lauf gelassen. Be- reits am Morgen des 1. April war der Leitgraben auf 300 Meter verbreitert. Eine Berechnung ergab, daß der Strom in 16 Stunden 200 000 Kubikmeter Dünensand ins Meer geführt hatte. Für die Größe dieser Leistung erhält man einen Maßstab, wenn man erfährt, daß die größte Abtragungsinenge an einem Tage, während 7 Trockenbagger und 3 Handladeschächte arbeiteten, nur 19 0S1Kubik- meter Erdreich betrug. Zur Vorbeugung von Hochwasserschäden sind die verschiedensten Vorkehrungen vorgeschlagen und getroffen worden. Hierzu gehört die Aufforstung der Quellgebiete der Wildbäche. Denn der Wald verlangsamt die Fortführnng der niedergegangenen Wassermaffen. Den gleichen Zweck verfolgen Thalsperren aus Stein oder Holz und Flechtwerk-Etagen, die das Abslurzgebict der Wilddäche quer durchziehen. Von verschiedenen Seiten ist ans die Anlegung von Sammelbecken hingewiesen worden. Doch dürften diese in Wirklichkeit so gut wie unausführbar sein. Denn schon um ein drei Tage anhaltendes Hochwasser eines größeren Stromes von 4000 Kubikmeter Waffer in der Sekunde auf 3000 Kubikmeter zu erniedrigen, müßte ei» Sammelbecken mit einem Fassungsraum von 259 Millionen Kubikmeter angelegt werde»! Das größte kirnst- liche Wasserbecken Europa's zu Seltous an der Drmne besitzt aber nur eine» Fassungsraum von 24 Millionen Kubikmeter und hat trotzdem Uttsummcn gekostet. Den wirksamste» Schutz verleihen immer noch die Deiche. Doch auch sie unterliegen dem Anprall des Hochwassers, wie verschiedentlich die letzten Tage gezeigt haben, ivenn nicht stetig für ihre Befestigung und Erhöhung Sorge ge- tragen wird.— Mlemes Isenillekon Fr. Unter der Peitsche. Das Treiben der Großstadt hastet geräuschvoll durch die Straßen. Mensche» jagen an Menschen vor- über, ohne einander zu beachten, ohne sich»m den andern zu kiiinniern. Jeder eilt nach einer bestimmten gebundenen Marschroute seines Weges dmthin und dahin. Was haste» sie alle so. n>as treibt sie alle, warm» jagen, warum eilen sie aneinander vorbei, wie die Figuren in einem Schnellseher? Alle die da eile» und jage», werde» von ein und derselben Peitsche angetrieben, allen heflen sich die- selben Furien auf die Fersen und jagen sie in wildem Tanze durch das Leben.„Die Jagd nach dem Glsicke" sagt man, es wüßte aber heißen, die Jagd nach dem täglichei/l Meter hoch), aufweist. Es ist bei weitem noch nicht gelungen, olle die einzelnen Knochen zu bestimme», wobei in betracht kommt, daß die Formen vielfach durch eine Kittmasse ausgeglichen und abgeändert sind, was natürlich die Erkeuuuiig des Knochens sehr erschwert. Reste einer Bekleidung, die beispielsweise auf den Rippen sitzen, bestehen aus Stücken vom Riudspanse».— Literarisches. — Akademie G o n c o u r t. Sofort nach dem Urtheil de? Gerichtes, welches das Testament Gonconrl's für giltig erklärte, ivnrde Alphonse Daudet von Reportern bestürmt, die Nachrichten über die künftige Akademie Goncourt verlaugten. Goncourt hat bekanntlich in seinem Testament acht Sessel seiner zehngliedrigen Akademie selbst besetzt. Die acht Namen sind Daudet, Heninque, Huysmans, Mirbeau, Geffroy, die beiden Brüder Rosny und Paul Mnrguerille. Die Akademie wird zunächst die zwei sehlenden Mitglieder ernennen, und hierfür fehlt es ihr nicht an Kandidaten. Daudet nannte ihrer vier: Alexis, Descaves, Lorrain und den Belgier Roden- dach, ohne sich über ihre Aussichten auszusprechen. Was die finan- zielle Frage betrifft, so ist zwar das Hans Goucourts' in Auteuil noch nicht verkaust; aber Daudet glaubt, daß die Akademie nach Ab- zng aller Kosten über ein Kapital von anderthalb Millionen ver- süge» werde. Daudet erklärt, daß er, so viel an ihm liege, alle gespreizte Feierlichkeit fernhallen würde, um den Sitzungen jede» Zwang zu nehmen. Seine erste Sorge werde sein, ans die Verleihung des 5000 Franken- Preises zu dringen, den Goncourt für das literarische Werk eines Ansängers ausgesetzt habe. Das sei wichtiger, als daß die zehn Akademiker den JahreSgehalk von 6000 Franke» erhalten, bis Goncourt ausgesetzt, aber für welche die Zinsen noch nicht ausreichen werden. Augenblicklich find die acht Akademiker fern von Paris, und ihre erste Bereinigung wird wohl kaum vor dem Herbste stattfinden. Nach dem„Ganlois'" ist mir die Wahl von Descaves, dem Versaffer des Roniaus der Blinden „Les EniimireS", sicher. Für den andern Sitz spricht man stark von dem berühmten Geographen Elisve Reclus, der seiner anarchistische» Gesinnungen wegen in der Acadömie Franyaise unmöglich ist. Ma» spricht aber auch davon, die ausländische Literatur in ihren hervor- ragendsten Vertretern auszuzeichnen, und nennt die Namen Tolstoi und Ibsen.— Musik. — Die GroöeOper in Paris wird in der kommenden Saison Richard Wagner s„Meistersinger" in ihr Repertoire ausnehmest.— Kunst. — Der Kunstverei» für die Rheinlaude nud Westfalen veröffentlicht ei» Ausschreiben, betreffend die AuSschmückimg des Rittersaales in Schloß Burg ander Wupper. Für die Ausschmückung sind 50 000 M. ausgesetzt. Die Ausmalung der Schloßkapelle ist dem Düsseldorfer Maler Willy Spatz vom Staate übertragen worden.— Geographisches. — Die belgische Südpol-Expedition bricht am 15. August auf dem Schraubeubarkschiffe„Belgica" unter Leitung ihres Führers de Gerlache ans Antwerpen auf. Der Weg der Expedition geht über Las Palmas, Rio de Janeiro. Montevideo, Punta Arenas. Der Hauplort im Feuerlande, an der Magelhaens» straße, ist ihre letzte Kohlenstation, von wo aus der Kurs iu süd- licher und östlicher Richtung nach dem Grahamlaude. nach de» Enderby-Jnseln. nach Wilkesland bis zu dem Biktorialande genommen wird. Im Viktorialande soll die Ueberwiuterung erfolgen und eine ganze Reihe wissenschaftlicher Beobachtungen vorgenomiueu werde». Der belgische Staat hat 160 000 Fr. für dieses Unternehmen be- willig!; die übrigen Unkosten in Höhe von 130 000 Fr. sind durch öffentliche Sammlungen ausgebracht worden.— Aus dem Thicrlebeu. — Es ist eine allen Fachleuten bekannte Thatsnche, daß der aus der W i l d n i ß kommende Löwe viel zuverlässiger, ehrlicher und leichter z n d r e s s i r e n ist, als der im Zoologischen Garten oder in der Menagerie geborene. Dieser letzlere ist an den Anblick des Menschen gewöhnt und läßt sich daher nicht so im- poniren. Der Wustenlöwe dagegen erschrickt derart vor der Plötz- lichen menschlichen Erscheinung, daß ihm das durchs ganze Leben in der Gefangenschaft hindurch nachgeht.„Niemals bin ich von einem aus Asien oder Afrika eingeführten Löwen angefallen worden," erzählt der Löwenbändiger Julius Seeth,„wohl aber von den Kinder» auS den Zoologischen Gärten Enropa's, die ich aufzog, aus der. Armen trug u»d täglich liebkoste." Am schwierigsten ist es, die Löwen, die täglich mit Pferdefleisch gefüttert werden, von einem Angriff auf die vor und»eben ihnen hergehenden Ponies ab- zuhalten. Bei der Dressur trage» die Pserdchen schützende Decken, die dicht mit Nägeln besetzt sind. Schlägt dann das Raublhier»ach seinem harmsosen Begleiter, so zieht es rasch die verletzte Tatze zurück»nid»nacht nicht so bald wieder einen Versuch.— Atis der Pflatizentvelt. — Die Wälder Australiens bedecken, einem unlängst ausgegebene» offiziellen Bericht zufolge, von dem im„Prometheus" ein Auszug vorliegt, ungefähr IS bis 20 Millionen Hektare. Als nutzbare Waldbäume ersten Ranges werden 35 Arten aufgezählt, von denen die Hälfte dem Euealyxtuz-Geschlechte zn- gehören, außerdem sind 7 Banksia-, 3 Casuarina- und 3 Acacia- Arten hervorzuheben. Die stärkste Ausfuhr erreicht zunächst das Sandelholz und das Jarrahholz. Das letztere, auch„falscher Mahagoni" genannte Holz, welches dem Teakholz an Unzerstörbar- keit fast gleich kommt, stammt von einem sehr wenig malerischen Bannie. der monotone Wälder bildet. Dies« Bäume werde»>u dichteren Beständen nur etwa 36 Meter hoch und bilden die ersten Zweige in lö bis 13 Meter Höhe, doch erreicht der Baum, wenn er frei steht, wohl 45 Meter, bei einer 24 Meter über dem Boden erhobene» Krone. Als den im Mittel die größte Höhe erreichenden Bann» dieser Gattung bezeichnet Herr Broivn, der Verfasser dieses Berichtes, den Karri-Banm(Eucalyptus diversicolor), ohne indessen bestinnnte Maaße zu geben. Der unlängst verstorbene deutsche Botaniker Ferdinand von Müller hielt E. amygdalina für im allgemeine» höher ivachsend. obivohl er Karri- Stämme von 120 Meter gemessen hatte, die erst in 90 Meter Höhe die ersten Ziveige anssandten. Man sieht diesen auch der Schön- heit nicht entbehrenden schnell wachsenden Baum nicht selten i» Europa neben dem Blaugummi- Baum, der des Rufes ge- »ließt, Fiebergegenden gesund zu inachen, angepflanzt; man giebt ihm dort den Namen E. colossea. Sehr harte Hölzer liefern ferner E. cornuta, E. leucoxylon(von dem das so- genannte Eisenholz der Kolonisten stauiml), E. gemphocephala, E. Sieberiana, schöne getigerte oder rothe Fournirhölzer, die ge- schecklen Gumdäume, der rothe Mahagonibann» und Blutholzbanm, beide in Queensland ivachsend. Die im Süden heimischen Arten würde» sich theiliveise zum Waldbau in den afrikanischen Kolonien sehr eignen, und Herr Broivn iveist dabei mit recht aus das nn- gemein schnelle Wachsthum dieser ausgezeichneten Forstbännie hin. Ein Karri-Wald könne alle 30 bis 40 Jahre bei regelrechter Forst- »virthschaft geschlagen»verde»,»vas für ein so eiseusestes, unver- wüstliches Nutzholz eine ungemein kurze Frist»väre.— Technisches. — Motorwagen auf Bahngeleisen. Seit einem Monat verkehrt allnächtlich von 2 bis 4 Uhr ein Motorivage» auf der französischen Nordbahn zrvische» Ereil nitd Beauvais. Früher wurde statt des Motorwagens ein kleiner Bah»,»ig benutzt, der jedoch »vegen der vorgerückte» Nachtstunde niemals Passagiere führte, trotz- dem aber nicht aus dem Fahrplan gestrichen iverden konnte, da seine Beibehaltung»vegen der zu befördernden Postsachen nolhivendig war. Der Betriebsingenienr der Gesellschaft suchte daher nach einem Mittel. daS erlauben»vürde, diese Postbefördernng beizubehalien, dagegen der Bahngesellschaft die unnölhigen Koste» zu ersparen, die sich aus der Einstellung eines wirklichen Zuges mit all seinem Personal ergaben. Man beschaffte daher einen Motorivage», dessen Räder die Spurweite der Bahmvaggons haben. Auf ihm befinden siel» eine Plattform, eine kleine Kammer sür den Postbeainten und der Raum zur Unterbringung der Postsachen selbst. Auf der Plattform. aus der der Führer des Wagens steht, sind alle zur Lenkung der Maschine erforderlichen Hebel angebracht,»vährend die Zylinder der Maschine in der Mille unter dem Wagen lieg»»», also bei der Fahrt n»»r»venig seitliche Schwankungen verursachen. Der Kessel hat ein Gewicht von 2350 Kilogramm. Die Maximalgeschivindigkeit der „Automobil« postale".»vie man den Wagen genannt hat, beträgt 70 Kilometer in der Stunde, doch soll für gcivöhnlich die Ge- schivindigkeit von 35— 40 Kilometer» nicht überschritte» iverden. Die Ingenieure der Nordbahngesellschaft mache» gegemvärtig, da diese „Automobile postale" gute Resultate ergeben hat,»veitere Studie» in betreff der Verlvendung von Motorivage» aus Bahngeleisen.— — Telegraph«»»stanzen aus Papier. In Amerika werden gegemvärtig die meiste»» Telegraphenstangen auS Papier an- gefertigt. Die Papierinasie»vird mit etivas Borax, Talg und anderen Bestandtheilen geinischt. Dann wird ein hohler Zylinder gegossen. ES heißt, daß die papierenen Telegraphenpfähle nicht nur den Borzug der Leichtigkeit besitzen, sondern auch stärker und»vetter- beständiger find als die hölzernen.—__ Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in B Humoristisches. — Ei» Radfahrer-„Marterl". Man schreibt dem „Tiroler Tageblatt" aus Fieber b runn in Tirol, 3. August: Ein Bürger Kitzbühels, welcher gestern ans dem Rade einen Ausflug nach Fieberbrnnn unternahm und abends nach Hause zurückfahren»vollte, stürzte so unglücklich, daß er infolge einer Verletzung an der Schläfe mehrere Stunden nicht zum Beivnßtsei» gebracht werden konnte. Die anfangs gefährlich scheinende Sache verlief indessen glücklich, so daß der Beschädigte heute»vieder»ach Kitzbühel zurückfahren konnte. Dieser günstige Ausgang ermuthigte einen Spaßvogel zur Anbringung eines„Marterls" an der Unglncksstätte mit folgendem Texte: „Hier lag der Meister Zwirn Mit einem Loch im Hirn, Und deren zivei im Rade. err. stopfe sie in Gnade, ieß'!iraft in seine Wadeln Und lass' ihn»veiter radeln!"— — Drohung. Ei» Kadettlein ist von einen, Straßenjungen furchtbar verlobackt»vorden. Als der Junge endlich davonläuft. richtete sich der Berpcterte halb auf und schreit den» Sieger„ach: „Na»vart',»venu ich General bin. und es giebt eine Revolution, Dich laß ich zuerst todtfchießen."—(„Simplicissimus.") — Eine Schlaue. A.: Wie läßt sich Deine Frau mit dem Esse» au? I u n g e r M a n n: Ich»veiß noch nicht, bisher hat sie iinmer nur kalten Aufschnitt gekocht.— Bermischtes von, Tage. — In S a» g e r h a u s e n und in Pforzheim herrscht der Typbus. In der letztere» Stadt sind bereits 123 Erkrankungen und 13 Todesfälle vorgeloinmeu. Man schiebt die Schuld aus da? Triukivasser.— — I» 3t i t t e r s h a n s e n bei Dillenburg erschoß, nach einer Meldung der„Franks. Ztg.", der Laudwirth Lamvke auf der Jagd versehenilich den Jäger Hiebke. Lanipke halte Hiebke sür einen Wild- died gehalten.— Hat Lampke vielleicht auch„versehentlich" sei» Leben für bedroht geballen?— — Der»i» Heidelberg verstorbene Chemiker Professor Victor Meyer soll sich,»vie die„Boss. Z." mittheilt,, vegen häuslicher Zerivürfnisse mit Blausäure vergiftet haben.— — Prag, 10. August. Der Umschlagsverkehr in Laube»vird heute»vieder in vollem Unifange aufgenonimen, dagegen bleibt der Elbe-Umschlagsplatz in Telschen bis zur Wiederherstellung der be- schädigten Brücke gesperrt.— — Die Strecke E b e n s e e- I s ch l ist für einen beschränkten Personenverkehr»vieder eröffnet worden.— — I» C h r i st i a n i a ist B j ö r n s o n' s Mutter gestorben. Sie»vnrde fast 39 Jahre alt.— — In L ü t t i ch»vnrde vor einige» Tagen ein Insekten- regen beobachtet. Millionen»veißer Fliegen bedeckten in» Mittel- punkte der Stadt den Boden der Straßen.— — Ans den Weizenfeldern au» San Joaqiiin-Flnsse in Kali« f o r n i e n ist gegemvärtig eine Erntemaschine in Thätigkeit, die in jeder Minute drei Bushcls Weizen entkörnt in die Säcke bringt. Mit Hilfe dieser von acht Menschen zu bedienenden Maschine könne» in einem Tageiverke von zehn Etunden 100 Acres völlig abgeerntet, 1500 bis 1800 Sack Weizen für den Markt fertig ge- macht»verde».— — Ei» 3!adfahrer namens Jerome Miirif hat an der Ueberlands-Telegraphenlinie entlang A u sl r a l i e n von Süden nach Norden durchquert. Er legte die fast 3000 englischen Meilen der meist völlig psadlose» Strecke in»veuiger als zehn Woche» zurück.— y Die Seeschlange ist todt, es lebe der Riesen- fisch! Aus Hauiburg schreibt man: Ueber einen riesigen Fisch berichtet der Kapitän E Midgly, Führer des im hiesigen Hast» eiugelroffenei» engtischen eiserne» Vollschiffes„Scollish Glens" in» Schiffsjournal solgendes: Gingen am 18, September vorigen Jahres in Newcastle(Neu-Süd-Wales) in See und trafen an» 7. November in Valparaiso ei». Am 6. November sichtete der ziveite Steuer- mann, d«r sich ans dem Halbdcck aus Wache befand, einen Gegen» stand, den er ansaugs für zwei Böte hielt. Als der betreffende Gegen« stand ans etwa bOOJards herangekominen»var, bemerkte der Sleuer- inaun, daß sich das, was er sür die Segel der Böte hielt, bewegte und drehte; er rief infolge dessen den Kapitän Midgly an Deck. Bei näherer Besichtigung mittels Ferngläser überzeugten wir uns immer mehr, daß»vir einen riesigen Fisch vor uns hatte». Kopf und Schivanz des Thieres»varen sichtbar, ebenfalls sahen wir zivei Flossen, die ganz»veiß und ca. 20 Fuß lang»varen und die sich hinter dem unteren Theil des KopfeS befanden. Die Länge deS Thieres wurde aus viermal so groß, als die Länge eines ge- »vöhnlichen Walfisches geschätzt. Die Breite z, vischen den Flossen betrug 30—40 Fuß. Der Fisch schwamm mit großer Geschivindigkeit südwärts, ein großes Kielivasser hinter sich lassend.—_ rlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.