Anteichaltimgsblatt des Horivärts Nr. 161. Mittwoch, den 18. August. 1897. (Nachdruck verdolen.) 2Z Die Schuldige. Von C. Viebig. Das Mädchen hatte sich mit einem dumpfen Laut �erhoben und schritt zur Thür; nun wendete es sich halb um. .Ne, Bauer— de Küh brüllen, et es Fudderzeit!" Ihre Stimme klang tonlos, und doch saß ein verborgenes Grollen darin.„Et es Zeit, dat ech giehn!" „Jao, dat glauwen ech aach." Der Bauer lachte höhnisch und stieß sein Weib in die Seite.„Sag emaol, Mädchen, wie sticht et dann eweil met Deiner Verkälduug, has jao heit kein Tuch om? Thät's besser eins omzubinnen— ech sagen der, zom ersten Mai kannste giehn, ech laaden ke lidderlich Fra- mensch in meim Haus, verstann?" Barbara gab keine Antwort; sie stand wie gelähmt, die Arme hingen ihr schlaff zur Seite. Es war so still in der düstern Stube, daß das leise Ticken der grellbemalten Stand- uhr in'At Ecke wie Getöse klang. Keiner regte sich. Ter Bauer stand am Tisch, die schwielige Faust auf die Platte gestützt; das Weib saß und strich halb verlegen die saltige Schürze glatt; der Bursche zwirbelte seiuen Schnurrbart und trat von einem Fuß aus den anderen. Die Menschen konnten sich kaum mehr sehen; ein trauriges graues Abendlicht machte sich in dem niederen Raum breit. Nur die Gesichter tauchte» wie hellere Flecken aus dem Dunkel. Bon der Thür her kam ein zitternder Athemzug, dann sagte die Stimme des Mädchens rnhig: „Ech ziehn net zom crschden, Bauer, ech ziehn zom fünf- zehnten Mai, vierwöchentliche Kündigung es afgcmach. Dir därft uicch net vorher rausschmeißen. Ech bleiwen bis zom fünfzehnden; äwer ziehn ech ehnder, müßt Dir wer Kost on Lohn gäwen; dat es mei Recht." „Wat, wat?" Ter Bauer schlug ans den Tisch, daß die Schüssel tanzte.„Seid Dir gäckig?! Sich einer dat Framensch an, et will nwr Vorschriften gäwen! Halde Maul, sei Du e su froh, dat ech Tech net morgen rausschmeißen!" „Versucht et!* Das Mädchen kreuzte die Arme über der Brust und trat einen Schritt näher.„Wat haon ech gedahu, dat Dir mech schimpft?" „Tau— Tau—" Der Bauer schnappte nach Luft, und nun mischte sich das Weib niit gellenden Tönen ein. „Fressen on saufen on net satt ze kriehn on ncist mieh arweiten können on cini en Bankert uf den Hals setzen— e ne, e su ebbes schreiwt Sankt Paulus net; schämen muß mcr sich vor de Leut, mit de Fingren weisen se uf ons Magd— c ne, e ne, dat es net anners, erans muß se!" „Ehrlich on rmschullig sein ech ze eich kommen," stieß das Mädchen jetzt zwischen den Zähnen hervor,„on nau, nau — waor sollen ech giehn, dreiwt Dir mech in't Wasser?" „O Dan mein Heiland," die Bäuerin kreischte laut auf und bekreuzte sich dann,„e su en frech Mensch, hör aner, e su «n frech Mensch!" Und der Mann rief mit dröhnender Stimme:„Ehrlich on unschullig?— Haha! Willste vielleicht gor sagn, in onsem Haus haste Dein Ehr on Unschuld verloren? Duh kriehn ech et äwer saat— wän von uns hat se der geholt, sag, wän?" Er schrie sie an, und dabei flog sein Blick wie ein scharfes Messer zu dem Sohn hinüber, der den Kopf gesenkt hielt und unverwandt auf seine Schuhspitzen starrte. Des Burschen Wangen brannten, sein Herz klopfte un- gestüm.— Wenn sie sprach, wenn— aber nein, sie fuhr sich jetzt mit dem flachen Handrücken über die Augen, als wische sie dort etwas fort und sah den Bauern fest an: Ech han net gesaot, dat mer jemand von Eich de Ehr ge- holt haot." „No, wann dann? Red!" „Ech sein Eich dao drüwer kein Rechenschaft schullig, mein Ehr es emal weg on kemmt net widder. Bauer, Dir braucht net e su ze schrein, ech ziehn am erschden Mai— guden Awend." Tonlos verklang ihre Stimme; die Thür fiel hinter ihr in's Schloß, fort war sie. Langsam schlorrten draußen ihre Holzpantoffeln über das Steinpflaster. Wie ein armer Sünder schlich Lorenz Pfalzel am späten Abend desselben Tages den schmalen Pfad zu feiten der Kyll entlang. Er kehrte von Ramstein heim. Der Ramstein ist eine alte Burgruine, die sich auf ver« einzeltem Hügel, unweit Ehrang, im lieblichen Kyllthal er- hebt. Neben dem verwitterten Gemäuer mit seinen hohen Fensterbogen und begrünten Zinnen liegt das weiße Haus, in dem Pächter Clässen wohnt, der Vater der hübschen Anna. Er ist ein wohlhabender Mann, hat fette Aecker und Weiden; die Gastwirthschaft, die er betreibt, bringt reichlich ein, die Städter von Trier kommen im Sommer in Schaaren. Die hübsche Anna mit den Grübchen in den Wangen und den sanften Augen ist eine begehrte Partie. Der schöne Lorenz und die hübsche Anna machten ein ansehnliches Paar, wenn sie nebeneinander standen; warum sollten sie nicht eins sür's Leben werden? Wenn der Lorenz auch kein Geld hatte, er war fleißig und stattlich, kein Mensch konnte was gegen ihn sagen; sein Ruf war goldklar, das war die Haupt- fache auf dem Ramstein. Der Pächter und seine Frau waren arg fromm, und die Anna noch viel frömmer; die hielt was auf sich. Sie schlug die Augen nieder, wenn der Lorenz kam, und reichte ihm kaum die Fingerspitzen; sie trug sich städtisch und war so sein, so fein—'s war ein Mädchen wie eine Heilige. Seit ein paar Wochen schien der Lorenz Pfalzel auch gern des Heiligenscheins theilhastig werden zu wollen; fast alle Abend stieg er zum Ramstein hinüber, saß dort in der Gaststube auf der braungcbeizten Bank, schwatzte klug mit dem Pächter, uiachte sich bei der Mutter angenehm und sah sich die Tochter mit beredten, schwimmenden Augen an. Die hübsche Anna sagte meist nicht viel. Sie stickte, wie sie's bei den Nonnen gelernt, an einem Röckchen für unsere liebe Frau in der Kirche zu Ehrang; das war ein Gott wohlgefälliges Werk, und sie hob die Augen nur, wenn der Blick des Burschen gar so brennend auf ihr ruhte. Dann lächelte sie verschämt, und ein tiefes Roth stieg bis in ihre reine Stirn. Heut Abend hatte der Lorenz sie wenig angeschaut, er hatte zerstreut vor sich hingebrntet und war bei jeder Anrede zusammengefahren. Die hübsche Kleine wunderte sich, als sie den Verehrer zur Hausthür geleitete- sonst benutzte er immer die Gelegenheit, ihr ein par Schmetcheleieu zuzuflüstern, die er so extrafein bei den Soldaten gelernt; beut nichts von alledem. Er sagte hastig„gute Nacht" und stürmte davon wie ein Besessener. Lorenz Pfalzel raunte durch die Nacht neben der rauschen- den Kyll daher, als wollte er niit der um die Wette laufen; dann stand er plötzlich wieder still oder setzte einen Fuß zögernd vor den andern. Es war sehr dunkel, am Himmel kein Stern; mau konnte kaum den Weg erkennen. Feucht ging's nieder, von den Zweigen fiel es wie Thränen. Man hörte es tropfen. In den Büschen zur Seite rauschte es, der Bursche fuhr zusammen und sah sich scheu um— nichts— niemand! Wie drohende Riesen streckten sich die Bäume des Hochwaldes, die Eichen noch kahl, aber au den Buchen trieb's und schwoll es in den Knospen; hie und da schon Keim und Blatt. Hier, hier hatte er mit der Barbara gesessen— und hier bei dem Steinbruch zweigte der Pfad ab in die enge Schlucht, durch die es einsam und verborgen hinauf ging zur Genofeva- höhle, wo er mit ihr geweilt in schwüler, wetterdnrchleuchteter Nacht. Der schöne Lorenz stöhnte und schlug sich vor die Stirn. Das war heut Abend wie ein Verhör beim Vater gewesen.— Jesus Maria, wenn sie nicht schwieg und im Dorf unten zeterte!— Dann war's vorbei mit der Anna und der Hochzeit und dem Geld. Der Bursche knirschte mit den Zähnen und beschleunigte seine Schritte— heut noch mußte er sie sprechen, sich ihr Schweigen sichern um jeden Preis. Dem Marder gleich, so leise und vorsichtig, strich der Lorenz an der bröckligen Mauer des Pfalzelhofes entlang, er schob sich durch's Thor und beschwichtigte mit geflüsterten Worten den Hund. Im Haus brannte kein Licht mehr, kein Laut zu hören; sie schliefen alle. Wie ein Dieb schlich er dem Stallgebäude zu; neben dem Kuhstall, in dem kleinen Ver- schlag, schlief die Barbara. Tap— tap— verstohlen'hallte des Lorenz Tritt auf dem Pflaster, die Stallthür knarrte leise, er zog sie behutsam hinter sich ins Schloß; eine warm dunstige Luft schlug ihm entgegen. Die Kühe schnauften, die eine brüllte dumpf im Traum. Stockdunkel war's, durch das spiunvcrwebte Fensterchen fiel kein Schein zitternden Mondlichts. Der Bursche lauschte— nebenan alles still— kein Athemzug! Er tastete zu dem Bretterverschlag. Er stolperte, er stieß sich den 5!opf, nun faßte seine Hand nach dem Griff des niedrigen Thürchens, er drückte ihn nieder— es ging nicht, drinnen ein Widerstand. „Barbe, Barbara!" Heiser klang das Raunen durch die Dunkelheit.—„Barbe, maach uf, ech sein et!" Keine Antwort. Stärkeres Flüstern, Rütteln an den schwachen Brettern. „Uf, Barbara, maach uf, ech sein et, dän Lorenz— maach— Kotz Donner, sie verstellte sich.—„Dau mußt mich Heren, ech muß met Der sprechen— gif Antwort, Barbe, Barbe— Barbara!" Drinnen raschelte der Strohsack, die Bettstatt krachte, schwacher Lichtschein glomm auf, eine verweinte Stimme ent- gegnete: „Jao, wat lärmste e su?" „Barbe, maach uf, cn einzig Word, ech gieh» gleich widder — ech muß Dech sprechen." „E su wart!" An der Thür ward gebastelt, sie gab nach, der Bursche drängte hastig hinein. Die trüb brennende Stalllaterne auf dem Schemel neben dem Bett warf ihren Schein über die Gestalt des Mädchens, das im kurzen Unterrock mit nackten Füßen auf dem Estrich stand. Die Hand hielt den Strick, mit dem das Thürschloß festgebunden gewesen, die blonden Haare hingen zerzaust um das blasse Gesicht und fielen lang über die bloßen, schön gewölbten Schultern. Barbara's Augen starrten den Eintretenden groß und düster an: „Wat willste von mir?" „Barbe," der Bursche griff nach ihrer Hand, sie riß sich los,„Barbe, et muß sein, Dän Badder merkt ebbes— Dn mußt weg." „Ech giehn jao." „Jao, äwer ganz weg mußte— bleiwste im Dorf, kömnit alles an den Dag, on et darf net erans kommen, et darf net! Barbe, ech hau kein ruh'ge Stund mieh, duh mer't ze lief, maach weg!" „Waorum?" „O Jeß, waaß ech et— Jesscs, Jesses!" Der Lorenz faßte seinen Kopf in beide Hände; sie trat dicht an ihn heran und zischelte ihm in die Ohren: „Sollen ech in't Waasser, in de Kyll?" Er fuhr auf und starrte sie entsetzt an, er stammelte: „Ne, e ne, net e su, net e su— bat maanen ech net." (Fortsetzung folgt.) Die GoMichke der Vevliner GÄsdeleuchkuns. Von P. M. G r e m p e. Als die Regierung im Jahre 1080 für die Stadt Berlin Be- stiunnnngen über die Einrichtung einer Baupolizei, der auch die Sorge für die Reinigung und Pflasterung der Straße» übertragen wurde, erließ, protestirte die Berliner Bevölkerung lebhaft gegen die Ausführung derartiger Bestinnnungen. Es erscheint uns heute kaum glaublich, daß sich ein gleicher Widerspruch der Berliner gegen die Einführung der öffentlichen Straßenbeleuchtung richtete, die vom Jahre 1879 bis 1682 vorgenommen wurde. Bis zum Jahre 1826 wurden die Straßen in Berlin mit Oel- lampen beleuchtet. In diesem Jahre begann man damit, die größeren Straßen und Plätze mit Gaslicht zu bllenchten. Nach längeren Ver- Handlungen hatte die„Konti»e»lal-Gas-Assozialion". die heute im Volksmunde den Namen„Englische Gasanstalt führt, auf die Dauer von 21 Jahren die Verpflichtung übernommen, die Gasbelencdtung in Berlin innerhalb der Ringmauer gegen eine jährliche Entschädt- gung von 93 000 M. nach und nach durchzuführen. Nachdem sich die Gesellschaft vor dem Halleschen Thor eine Gasanstalt erbaut hatte, förderte sie ihre türbeitc» so, daß sie schon im September des Jahres 1826 die Straße Unter den Linden mit Steinkohleugas beleuchten konnte. Schon 1829 halte sie ihre Auf- gäbe erfüllt; 1783 Gaslampeu erhellten die Straßen und Plätze und nur noch 930 Oellampe» verblieben für die Beleuchtung der kleineren Nebenstraßen. Da aber schon im Jahre 1827 Private begannen. Gas zur Beleuchtung ihrer Geschäftsräume zu benutze», mußte die Kontinenlal-Gas-Assoziation 1837 ihre Gasanstalt vergrößern. Trotz« dem nun die tägliche Gasproduktion auf 23 000 Kubikmeter stieg, reichte auch diese Leistung nicht mehr aus, den bedeutend ge- steigerten Gaskonsnm zu bewältigen. Im folgenden Jahre wurde daher eine zweite Gasanstalt in der Holzmarktstraße erbaut. Der 2ljährige Vertrag zwischen der Assoziation und der Stadt Berlin wurde nicht verlängert. Die Stadtgemeinde hatte schon im Jahre 1845 mit dem Bau zweier Gasanstalten— die eine am Stralauer Platz und die andere in der jetzigen Gitschinerstraße— begonnen. Während nun die Gemeinde durch Kabinetsordre das ausschließ- liche Recht erhielt, Gasröhren zur Versorgung der öffentlichen wie privaten Gasbeleuchtung in allen Straßen zu legen, wurde die Gasversorgung durch die englische Gasanstalt auf die Straßen und Plätze beschränkt, in welchen sie bis zum Jahre 1846 Gasleitungen eingerichtet hatte. Durch die Konkurrenz sah sich die Continental-Gas-Assoziation veranlaßt, ihre Gaspreise bedeutend zu ermäßigen. Von 1847 an kostete der Kubikmeter 25 Pf.; schloß man aber einen siebenjährigen Vertrag mit der Gesellschaft, so ermäßigte sich der Preis pro Knbik- meter aus 21 Pf. und bei einem I4jShrigen Vertrage sogar auf 18 Pf. Im Juli 1862 trat abermals eine Preisermäßigung um 10 pEt. ein und seit Juli 189S kostet der Kubikmeter Gas, der als Industrie- Gas— gewöhnlich Heiz-Gas genannt— verwendet wird, pro Kubik« meter 10 Pf. Wenngleich nun der Kontinental-Gas-Assoziation durch die städtischen Gasanstalten ein Theil des Absatzgebietes entzogen wurde, so bewirkten doch die bedeutenden Preisermäßigungen eine solche Erhöhung des Konsums, daß wiederholt Vergrößerungen der beiden Gasanstallen vorgenommen werden mußten. Nachdem die Gesell- schast schon im Jahre I8S3 und 1855 die Gaslieferung für die Vororte Alt- und Neu-Schöneberg und in, Jahre 1878 auch für die Geineinde Tempelhof übernommen hatte, schloßsie im Laufe der folgenden Jahre noch Gaslieserungs-Verträge mit einer ganzen Anzahl anderer Vororte ab. Als die Stadt Berlin mit der Errichtung ihrer beiden ersten Gasanstalten vorging, gedachte sie zunächst Gas zur Speisung von 6140 öffentliche» Laterne» und 20000 Privatflammen zu produziren. Man durfte annehmen, mit diesem Gasquant«»» auf Jahre hinaus allen Ansprüchen zu genüge», da ja die englische Gasanstalt im Jahre 1845 erst 1842 Laternen und 8000 Privatflammen speiste. Die Gasanstallen der Stadt übernahmen bei ihrer Eröffnung im Januar 1347 die Gaslieserung für 2019 Laterne» und 823 Privat- flammen. Die städtischen Gaspreise waren dieselben wie die der englische» Gesellschaft, nur daß letztere noch einen Rabatt von 5 pCt. ge- währte, der sich bei«inen, halbjährlichen Gaskonsnm von mehr als I Million preußischer Kubikfuß— etwa 31 000 Kubikmeter—»och besonders um 5 pCt. erhöhte. Die Produktion der zwei städtischen Gasanstalten reichte bald nicht mehr aus. so daß zunächst eine dritte Gasanstalt in der Müllerstraße erbaut wurde, die im Dezember 1859 ihren Betrieb eröffnete; diese war von vornherein so eingerichtet, daß sie allein eine tägliche Produktion von zivei Millionen englischer Kubikfuß— etwa 57 000 Kubikmeter— zu bewältige» vermochte. Nachdem die Stadt in den Jahren 1872 bis 1874 eine vierte Gasanstalt in der Danzigerstraße erbaut hatte, deren tägliche Leistung auf 300000 Kubikmeter normirl wurde, sah sie sich gezwungen, in de» Gasanstalten der Müller- und Gitschinerstraße verschiedene Um- daiite» in den Jahre» von 1376 bis 1385 vorzunehmen. Aber schon 1889 lag abermals die Nolhwendigkeit vor, zur Befriedigung aller Ansprüche die städtische Gas- Prodnklion durch dcil Bau einer fünfte» Gasanstalt zu ergänzen. Bei Schmargendorf wurde«in passendes Grnndstück gekauft und von 1890—1893 der erste Tbeil der Gasanstalt, deren tägliche Leistungsfähigkeit 350 000 Kubikmeter betragen wird, erbaut. Die Gasanstalten habe» zu ihrer Ergänzung i» den verschiedenen Stadt- Iheilen Gasbehälter erbalten. Die Stadt Berlin ist nach dem vollen Ausbau seiner vierten und fünften Gasanstalt in der Lage, in24Stuiide»übereineMillionK»bikmeterzu produziren. Die Gesammt- Produktion aller Gasanstalten ist so vorgesehen, daß sie aus Jahre hinaus den Bedarf vollkommen zu decken vermag. Die Gesaiinntausgaben für die städlischen Gaswerke mit den Rohrleitungen und dem Erwerb der Grundstücke betrugen bis zum Jahre 1895 über 66 Millionen Mark. Ii» Anfang des Jahres 1896 wurde» 21 518 Laternen und 933 722 Privat flamme» gespeist. Unter den öffentlichen Laternen befanden sich über 6600 Jntensivbrenner, deren stündlicher Verbrauch zivische» 400 bis 1600 Liter Gas schwankte. Im Lause der beiden letzten Jahre hat man mit der Einführung der Gasglühlicht begonnen; dagegen werden einige Hauptstraßen schon seit Jahren mit elektrischen Bogen- lampen beleuchtet. Erwähnensiverth ist noch, daß die städtischen Gasanstallen im Jahre 1895 Gas für 1134 Gasmotoren, deren Leistnng zwischen>/« bis 60 Pferdekräften schwankt, lieferte». Der Gesammt- Gasverbrauch ist seit dem Jahre 1850 von 8 479 000 Kubikmeter bis 1895 auf rinid 150 Millionen Kubikmeter gestiegen; auf den Kopf der Bevölkerung berechnet stieg also der Verbrauch von 20,2 auf 89,3 Kubikmeter. Wenngleich aber die erfreuliche Thatsache konstatirt werden kann, daß in Berlin aus dem Gebiete der öffentlichen Gasbeleuchtnng ein ganz bedeutender Fortschritt zu verzeichnen ist, so darf anderer- seits nicht vergessen werden, daß das Gas im Haushalte der Familie lange nicht die Rolle spielt, die ihm mit recht zukommt. Wiewohl auch der sogenannte„kleine Mann" die Vortheile einer Gas- beleuchtung wohl zu würdigen weiß, so hindern ihn doch die Kosten, welche das Legen der Rohrleitung ic. verursacht, wie auch die Kaution, die für den Gasmesser gestellt werden muh, die wunschenswerthe allgemeine Einsükirung des Enses. Mn» darf endlich nicht vergessen, daß der Wohmmgswechsel namentlich in Berlin bezüglich der kleine» Wohnungen, die für den Arbeiter imd Handwerker nur in betracht kommen, ein so häufiger ist, daß sich die Einrichtung einer Gasbeleuchtung kaum reutiren ivürde. Achnlich liegen die Verhältnisse bezüglich der Verwendung des Gases zu 5toch- zwecken. Die meisten Hausfrauen würden wohl gern die Annehmlich- leiten des„Koche mit Gas" genießen, aber auch hier sind die Kosten der entsprechenden Einrichtung bisher zu bedeutend gewesen. Es wird daher der Hinweis auf England angebracht sein, wo schon seit dem Jahre 1890 Gasnutomaten in Gebrauch sind, die sich besonders bei de» Arbeitern großer Beliebtheit erfreue». Ende 1896 waren in Liverpool über 13 060 Gasautomaten in Betrieb; die Gaswerke der Stadl Manchester führten vor 3 Jahren das Automaten- System ein und konnten in einem Jahre allein eine Zunahme von über 2400 Stück Gasaxtomaten verzeichnen. Der Gasautomat, eine gewöhnliche geaichte Gasuhr, hat eine entsprechende Einrichtung zum Einwurf von 10 Ps.-Slücken und gestattet erst dann de» Durchgang der bezahlten Gasmenge. Es ist möglich bis 20 Zehnpfennigstücke hintereinander in den Automat zu bringen. Bevor die bezahlte Gasmenge ganz verbraucht ist, verringert die Gasuhr den Gasdurchfluß so, daß die Flamme kleiner brennt und erst nach etwa 10 Minuten ganz erlischt. Durch die geringe Hellig- kcit wird also dem Konsumenten angezeigt, daß das bezahlte Gas- quantum ziemlich verbraucht ist, und dieser hat nur nöthig,«in oder mehrere Groschen zu opfern, uni die Gasbeleuchtung wieder in der ursprünglichen Helligkeit zu habe». Selbstverständlich kann der Automat auch bei dein Velbrauch von Judustriegns zur Verwendung kommen. Da der Automat auf einem Zifferblatt den Gasverbranch »»zeigt, so ist man z. B. beim Kochen bequem in der Lage, de» Gasverbrauch zu einer bestimmte» Mahlzeit abznlesen und die Koste» zu berechnen.— Nleinos Fettillekon ie. Die ältesten ivifsciischaftlichc» Laboratorien. Bei Gelegenheit der Eröffnung des neue» Laboratoriums für klinische Medizin in Philadelphia hielt Professor Welch einen sehr interessanten Vortrag über die Entstehung und Eutivickeluug der wissenschaftliche» Laboratorien. Die ältesten, von denen ma» Knude hat, waren die von den ersten Ptolemäern in der Stadt Alexandria erhaltenen Institute. Eine ganz neue Richtung erhielt die Naturwisjenschast durch Galilei, der durch die Einführung der experimentellen Methode physikalische Laboratorien zu einei» Bedürsniß machte; Galilei's Ideen gaben auch den Anston zur Gründung solcher Institute wie der Akademia bei Lincei in Rom(1609), der Akadeinia del Cimento in Florenz(1657), der Akademia Naturae Curiosorum in Deutsch- land(1652 von dem Arzte Bausch in Schweiusnrt gegründet) n. s. w. Schon zu jener Zeit wurde eine ganze Zahl klassischer Apparate ge- schaffen, die»och heute bei physikalischeil Experimenten in Gebrauch sind. Die eigentliche» modernen Laboratorien für Physik sind allerdings recht spät entstanden, als erstes ist ivohl das Institut zu bezeichnen, welches der berühmte englische Physiker Lord Kelvin, damals Sir William Thoinson. 1345 an der Universität Glasgow in dem Speisekeller eines alten Klosters einrichtete. Erst 1363 wurde das physikalische Laboratorium in Berlin von Magnus geschaffen, heute steht Deutschland»lit bezug auf die Einrichtung seiner physikalischen Laboratorien nuter den europäischen Staate» am höchste» da, was auch vom üluslande anerkannt wird. Der Ur- sprung der chemischen Laboratorien ist weit schwieriger nach- zuweiseii, er beginnt eigentlich mit den geheininißvollcn Werkstätten der Alchimisten, die Einrichtung von Laboratorien nach lniseren heutigen Begriffen von solche» fällt aber erst in eine späte Zeit. Selbstverständlich besaßen auch Männer wie Scheele, Berzelius, Gay- Lussac n. a. ihre Laboratorien, diese waren aber so primitiv eingerichtet, daß die Nachwelt darüber staune» muß, wie diese Forscher so gewaltige Eutdeckuiige» mit so unzulänglichen Mitteln ausführen konnten. In der niodernen Enlwickeluug ivird gewöhnlich das 1824 von Justus Liebig in Gießen begründete chemische Laboratorium als das älteste aiigeführt, denn seine Gründung bedeutele einen Wendepunkt in der Geschichte der Wissenschast. Unter den physiologischen Laboratorien ist ivohl dasjenige von Ludwig in Leipzig das erste und fruchtbarste in seinem Einfluß gewesen. Das erste Institut für Pathologie wurde bekanntlich 1856 von Virchow in Berlin gegründet lind hat für die meisten ähnlichen Institute in Deutschland lind iin Auslände als Vorbild gedient. Das Verdienst, das erste hygienische Laboratorium geschaffen zu haben, gebührt dem Münchener Gelehrten von Petten- kojer(1372).— — Ei» TodcSnrtheil. Man berichtet aus Loudo»: Die lang bestrittene Frage, ob der Sperling inehr Schaden anrichte oder mehr Nutzen stifte, scheint endlich durch eine kürzlich erschienene Broschüre der Ornithologen Mr. Tegelmeier und Mrs. Ormerod endgiltig entschieden zu sein. Jahre laiig haben Beide Sperlinge sezirt und alle möglichen Informationen über den Vogel gefammelt. Sie können nunmehr nicht umhin, das Todesurtheil über den Sperling zu verkünden. Die Sperlinge, sage» sie, treiben viele Vögel, wie z. B. Schwalben, fort, die nur von Insekten lebe». Selbst die Nahrung junger Sperlinge bestehe nur zur Hälfte aus Insekten, während ansgeivachsene Sperlinge fast gar keine Insekten fressen. Ihre Speise besteht aus Sainen und kleinen Vegetabilien aller Art. Das landwirthschaftliche Amt der Vereiiiigten Staaten will eine Strafe darauf gesetzt wissen, wenn jemand Sperlinge beschützt, und der kanadische Minister der Landivirthschaft erlaubt jedem, Sperlinge zu schieße».— — Der Konsum tropischer Früchte in de» Vereiuigte» Staaten ist dank der nnmiltelbarcn Nachbarschaft der echten Tropen- landschasten viel stärker als in den Ländern Europa's. Die Banane gehört beinahe überall zu dem täglichen Brote und ist dem Tische des Aermste» so wenig fremd wie dem des Reichen. Im Jahre 1393 führte die Union bereits 12,7 Millionen Bananenbüschel im Werth von 3,3 Millionen Dollars aus Westindien und Mittelainerika ein, und es läßt sich nicht verkennen, daß die fragliche Rimesse de» Handelsbeziehungen der Unionhäfen nach diesen Länder» sehr förderlich gewesen ist. Der erste Baiiaiien- Importhafen war 1893 Neu-Orleans(mit 4,5 Million Büscheln), das die Vertheilung der Früchte in dem größten Theile des Mississippi« gebieles und in dem oberen Lorenzogebiete übernommen hat, der zweite New-Pork(4 Millionen Büschel), der dritte Philadelphia (2 Millionen Büschel), beide Städte mit einem gewaltigen Eigen- konsuni, der vierte Boston, der sünste Baltimore, der sechste Sa- vaniiah». s. w. In der Folge hat sich die Bananeneinsudr noch weiter gesteigert und 1894 beiverthete sie sich auf 4 528311 Dollars, 1895 auf 4 533 621 Dollars und 1396 auf 4 201 864 Dollars. Aus Mittelainerika(besonders aus Honduras, Costarica und Nicaragua) kamen 1895 für 1.6 Million Dollars, aus Britisch-Westindien(be- sonders Jamaika) sür 1,1 Million und aus Kuba(Baracoa, Baues, Santiago u. s. w.) sür 0,9 Million.(„Geogr. Zeitschr.") Theater. — Das„Deutsche Theater" bringt Ende nächster Woche zum erste» Male unter der Direktion Brahm Goethe's„ F a u st" mit Kainz als Faust und Hermann Müller als Mephisto zur Auf- führung. Frau Elise Pank wird als Gretchen ihr Engagement antreten.— — Fulda's neuestes Werk ist ein vieraktiges Lustspiel und führt den Titel:„Die Freunde". Der Dichter hat das Stück dem„Deutschen Theater" übergebe».— Musik. — Eine Monographie über Johannes Brahm's Lebe» und Wirken aus der Feder des Mnsikforschers Heinrich Rei- in a n n wird Ende September im Verlag der Gesellschaft „Harmonie" erscheinen. Dem Werke werden zahlreiche Porträts. Origiiial-Jllnstraiionen, Notenbeispiele. Facsimiles und»ine An« zahl Radirungen aus der„Brahms-Phantasie" Max Klinger's bei- gegeben.— Erziehung und Unterricht. K. V Ii ch st a b i r t man in i t d e in A u g e oder m i t d e m Ohr? In dem diesjährigen Bericht der englischen Schul» Inspektoren richten sich diese einstiminig gegen das laute Buch- staviren der Schulkinder. Das Buchstabiren. so heißt es, ist eine Verrichtung des Auges, und eine Hauptursache des fehlerhasten Buchstabirens bei den Kindern ist das laute Neben desselben. Wir sollen nicht, so wird übercinstiinmeiid geratheu, an die Stelle des Augengedächtnisses das Gedäcktniß des Ohres setzen. Wenn eine erwachsene Person z. B. ein Wort im Augenblick nicht zu buch- slabire» weiß, so wird sie dasselbe niederschreiben, nicht aber es sich laut vorsagen, um das Richtige zu finde». Vo» mehreren Seiten ivird vorgeschlagen, Konkursexamen zu veranstalte», um die Unter- schiede zwischen der Orthographie normaler Schulkinder und solcher Kinder zu sehen, welche taub sind und das Gedächtniß des Ohres beim Buchstabiren nicht zu Hilfe nehmen könne».— Aus dem Thierreiche. — Milben in Süßweinen. In der letzten Sitzung der Akademie der Wissenschaslen kam eine Mitlheilung des Dr. Trouessart über die Milben, die sich in den süßen Weinen vorfinden, zur Sprache. Wie es scheint, haben die Weiuhändler sich in de» letzten Jahren öfter über die schaumartigen Bildungen aus dem Muskateller, den Weinen von Granada, Banyals und anderen ähnlichen beklagt und sie für Pilze gehalten. Dr. Trouessart erklärt aber, es sei nicht ein Pilz, sondern eine Milbe, der aearus passularam, der sich ans den Korinthen festzusetzen pflegt. Wo er im Weine vorkomme, da dürfe ma» sicher annehmen, daß der Wein gefälscht, d. i. mittels Rosinen gepanscht sei.— Aus der Pfiauzeuwelt. K. Blausäure in de» Kernen der Eberesche!» und O u i t t e Ii. In dem„Brilletin de la societe botanique de France" berichtet Dr. Lutz über Untersuchungen der Sainen ver- schiedeuer Pomaceen. in der beschreibenden Botanik die Abtheilung der Apfelfrüchte, auf ihre» Gehalt a» Cyanwasserstoff oder Blau- säure gebenden Substanzen. Für die Abtheilung der Amygdalacecn, in welche». a. die Mandel gehört, ist durch die Chemie seit langem in den Fruchtkernen einer Reihe von Pflanzen die Anwesenheit zweier Körper, des Amygdalin nnd des Emulsiu nachgewiesen worden. Das Amygdalin wird, ivenn es unter Zutritt von Wasser mit dem Emulsin in Berührung kommt, gespalten, das heißt, es wird in drei einfachere Körper zersetzt, in Bittermandelöl, Traubenzucker und Blausäure, oder wie der wissenschaslliche Ausdruck lautet, Cyan- wasserstoffsäure, eines der stärksten und schnellsten wirkenden Gifte, welche wir kennen. Die tödtlich wirkende Eigen- schaft dieses Giftes war schon den alten Juden be> kannt, welche ihre Ehebrecherinnen zum Trinken eines Bechers Bittermandelsaft verurlheilten. Von der Familie der Pomaceen, der Aepfelsruchtler. war die Anwesenheit der obengenannten, blau- säureliefernden Substauzen nur bei den Apsellernen bekannt. Die Untersuchungen des Dr. Lutz haben die Anwesenheit des Amygdalin und Enmlsin auch in den Samen der Eberesche(Sorbus aucuparia) und der Quitte(Cydonia vulgaris) nachgewiesen. 100 Gramm Ebereschensamen geben 32 Milligramm Cyanwasserstoffsäure.— Astronomisches. es. Das mächtige Teleskop des Lick-Observa- toriums auf dein Hamilton-Berge in Kalifornien bei San Jos« hat leider nicht die Erwartung erfüllt, welche man gehegt hat. Und was noch schlimmer, es kann sie nicht erfüllen. Prof. Barnard, früher beim Lick- Observatorium und jetzt erster Astronom auf dem Ierkes-Lchservatoriui», berichtet über seine Voraus-Beobachtungen, daß er dieselben nicht scharf genug durchführen konnte, weil die dunstige, unreine Atmosphäre des Berges Hamilton es nicht zuläßt. Das Teleskop ist für eine LOOOfache Vergrößerung konstruirt, giebt aber infolge jener getrübten Atmosphäre gewöhnlich nur eine 360- bis SOOfache und allerhöckstens, aber sehr selten, eine 700fache. Dieser fatale Znstand des Observatoriums nimmt der prachtvollen Anlage und dem gewaltigen Fernrohr leider fast den ganzen wissen- schaftlichen Werth. Verantwortlich dafür ist niemand, diese Fatalität sah man nicht voraus. Aber sie giebt eine Warnung, daß man bei der Anlage von Sternwarten die lokalen atmosphärischen Verhält- uifse aus das genaueste zu untersuchen hat.— Bergvnn. — Die Erzlager der Insel Sardinien. In den reichen Erzlager» der Insel Sardinien liegen noch ungeahnte Schätze, die der Hebung harren. Die Zeitschrift„Stahl und Eisen" berichtet darüber, wie wir der Frankfurter„Umschau" entnehmen: Herr Berg- assessor Slockfleth in Altenivald- Snlzbach, der im Januar ds. Js. die neu bekannt gewordenen Fundstätten besucht und die einzelnen Eisenerzvorkommen einer eingehenden geologisch- bergmännischen Untersuchung unterzogen, hat die Bauwürdigkeit einer beträchtlichen Anzahl reicher Lagerstätten feststellen könne». Außer Eisen- erzen wurden Zink- und Blei-Erze gesunden und es ist nach Ansicht des genannten Herrn als sickier anzunehmen, daß das ausgedehnte Rotheisenerzvorkomme» von M. Sissini de Montis auf einem reichen Lager edler Zink- und Bleierze steht. Ueber die natürlichen Grundlagen des Erzbergbaues aus der Insel Sardinien und den gegenwärtigen Stand der Montauindustrie plant Herr Slockfleth eine ausführliche Darstellung. Bemerkt sei hier nur, daß bei Jglesias der alle Bleierz- und der neuere Galmet-Bergbau»och in voller Blüthe steht. Die ersten Anfänge des Erzbergbaues auf der Insel Sardinien reichen bis in die frühesten Kulturzcilen hinaus. Bereits die Phönizier auf ihren kühnen Seesahrlen und die ältesten geschicbtlichen Besitzer der Insel, die Karthager, haben die reichen Mineralschätze Sardiniens gekannt und mit allen ihren dainaligeit technischen Mittel» gewonnen und nutz- bar gemacht. Zahlreiche kulturgeschichtliche Funde, vor allem jene punischen Gefäße und Münzen, welche in ihrer künstlerischen und dabei praktischen Ausbildung noch heute unsere Bewunderung her- vorrufe», legen ein beredte? Zeugniß hiervon ab, und bestimmte geschichtliche Ueberlieserungen der ältesten lateinischen Schriftsteller, welche des öfteren den Reichlhum an edlen Erzen und fonstige» Bodenschatze» der Insel zu preisen wissen, geben uns, im Berein mit dem Auffinden alter großer Bleischlackenhnlden, sowie mit der Deutung mancher Ortsnamen, mehrfach zuverlässige Kunde, in welch hohem Maße es die alten Römer verstanden habe», diese Schätze Sardiniens zu heben.— Technisches. — DasgrößtekünftlicheWafser-Reservoirder Welt soll im Auftrage der Bundesregierung für Wyoming an- gelegt werden, wofür ein großes nalürliches Becken im Herzen der Rocky Mountains, nicht sehr weit von Laramie, Wym. benutzt wird. Dieses Reservoir wird nicht weniger als zehn Meile» breit sein, bei einer Maximaltiefe von 150 Fuß. Die Regierungs- Ingenieure berechnen, daß es 20 000 Millionen Knbikfuß Wasser hallen werde! Die Mauern dieses ungeheuren Reservoirs sind schon von Natur aus sehr vollkommen, ohne eine einzige Bruchstelle und der Boden ist völlig undurchdringlich für Wasser. Es ivird aber lange Zeil in Anspruch nehmen, dieses Becken zu füllen. Der Big River und der kleine Laramie sollen zu diesem Zwecke angezapft werden. In diesem Riefenbehälter kann Wasser genug aufgespeichert werden, um das ganze östliche Wyoming und das westliche Nebraska in den trockenen Jahreszeiten mit Wasser zu versehen.— Humoristisches. — Wie Aniiie heirathet.„Der Zug war auf ver- schicdenen Slationen so lange aufgehalten worden, daß er endlich mit zwei Stunden Verspätung in Richmond Junction eintraf," er- zählte in lustiger Gesellschaft ein Freund aus Amerika.„Als wir erfuhren, daß wir dort wieder 30 Minuten zu warten hätten, gerieth ein junger, mir uns fahrender Mann in die größte Aufregung und wandte sich schließlich mit der Frage an den Schaffner, ob er wisse, wann wir Buffalo erreichen würde».—„Das kann ich Ihnen nicht genau sagen, mein Herr, es wird ivohl zehn Uhr abends werden." —„Großer Gott, zehn Uhr!" rief der andere verzweifelt aus.— „Vielleicht kommen wir auch eine halbe Stunde früher au, haben Sie denn solche Eile?"—„Ich dächte doch, um sieben Uhr sollte meine Trauung sein."—„Es lhnt mir leid um Sie, aber sieben Uhr ist schon längst vorüber. Telegraphire» Sie, daß der Zug Verspätung hat."— Es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Aber welch' ein Durcheinander! Die Gäste sind wahrscheinlich schon alle versammelt, meine Braut liegt sicherlich in Weinkrämpsen und mein Schwiegervater reitet das hohe Pferd. Tausend Dollars gebe ich darum, wenn dies nicht passirt wäre."„Leider ist dies nun nicht mehr zu ändeni, gehen Sie nur und telegraphiren Sie."— Dies that der junge Mann, und gerade als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, erhielt er die Antwort. Da verschiedene von uns Mitreisenden dem Gespräche zugehört hatten, wußten wir, um was es sich handelte. Zweimal las der Empfänger das Telegramm lang- sam durch, dann legte er sich auf den Boden, schob seinen Ueber- zieher als Kissen unter �de» Kopf und schien bald fest eingeschlafen zu sein. Als sich der Schaffner kurze Zeit darauf wieder zu uns gc- lellte, hob er die dem Schlafenden entfallene Depesche auf und las sie uns vor. Sie war mit„Annie" unterzeichnet und lautete folgendermaßen:„Habe zehn Minuten auf Dich gewartet und dann Fred Davis geheirathet".„Armer Kerl", sagte» wir bedauernd, aber der junge Mann schnarchte vergnügt in seinem Schlummer und lächelt« dabei.— — Heimgeleuchtet. Kamen da letzter Tage einige Zürcher Polytechniker aus der Ingenieurschule in den Kanton Zug und trafen ein Zuger Bäuerlein, mit dem sie sich in ein etwas neckisches Gespräch einließen.„Ja", meinte da einer der angehenden Ingenieure, „i euem Kantönli chan sich ja kum ä Chue nmcherä."„Jä so", ver« setzte der Zuger Bauer,„jetzt begrif i's, warum Ihr nur d'Chalber mit gno händ!"— »vermischtes vom Tage. — Der Typhus ist auch in K a t t o w i tz und Rogau bei Zopten aufgetreten. Im letzteren Orte bringt man die Er- krankungen mit den Ueberschwemmungen in ursächlichen Zusammen- hang.— y. Die S t ö r f i s ck, e r in der Unterelbe haben dieses Jahr mit so wenig Erfolg gearbeitet, daß die meisten von ihnen diese Beschäftigung aufgeben«vollen.— — In M i t t iv e i d a hat ein Schleifer seine beiden Töchter und dann sich selbst umgebracht; in K r i m m i t s ch a u hat ein aus der Strafanstalt entlassener Mann seine Mutter und seine 20jährige Schivefter mit einem Hammer erschlagen.— — S a»i in e l>v u t h. Ein C h e m n i tz e r hat folgende Anzeige veröffentlicht:„Wer mir am 14. Auguit zu meinem Geburtslage eine Ausichtsknrle seines Ortes sendet, erhält eine solche von hier." — Von A n d r ö e. Der Kapitän der Hämmeriester See- h u n d s- D a ch t„Alken" soll zwischen dem Nordkap und den Sieben Inseln eine Brieftaube geschossen haben. Die Taube habe eine geschlossene Depesche getragen niir der Anfschrift:„Zu besorge» an das Stockholmer Aftenblad." Der Inhalt habe gelautet: „62. Grad passirt. Gute Fahrt nordivärts. A n d r v e." Das Datum war nicht lesbar.—„Alken" ging nordivärts und kehrt erst im Herbst zurück. Die Nachricht von der ge- schosseneu Brieftaube brachte die Mannschaft eines anderen Dampfers nach Hammersest, sie will sie von der Besatzung des„Alken" haben.— — Eine Prager Lehrerin ist im Riesengebirge ab- gestürzt und hat sich tödtlich verletzt.— — Nach der„Reichswehr" befinden sich im Wiener all- gemeinen Krankenhause zwei Lepra-Kranke.— — k. Das österreichische Unterrichtsministerium hat er- klärt, daß es die Ernennung von klinischen Assistenten in Zukunft ablehnen wird, wenn die Anstellung derselbe» an einem Institut erfolgen soll, dem der Vater des betreffenden Kandidaten vorsteht.— — Der Züricher Stadtralh hat in dein neuen Fahrreglement für die Straßenbahnen die Bestimmung getroffen, daß die Damen auf die Sitzplätze das Vorrecht haben.— Wird den höheren Töchtern gefallen! Und sie werden das Vorrecht auch ans- nützen.— — In einem Dorfe bei St. Malo in der Bretagne(Frank- reich) hat ein 14 jähriger Knabe einen 64jährigen Schäfer im Schlafe überfallen und erstochen. Der alte Mann Halle den Jungen beschuldigt, er hätte sein(des Schäfers) Bett beschmutzt.— — In Australien hat die„Tickpest' furchtbar unter Rindern und Schafen aufgeränmt. Die„Tick" ist eine kleine Zecken-Art.— k. Einen Preis von 20000 Mark hat die Regierung von Victoria für die Erfindung einer wirksamen und nicht zu kostspieligen Minen- Ventilation ausgesetzt—_ Beranlwortlicher Redakleur: August Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.