Nr. 189. AdeiMtMtitt»-Kcdwgungen: AbonnemenlZ-Preit pränumerando: «Sicrtetlädrl. ZL0 SKf., monatt. 1,10 Mr.. ivöchentlich 28 Pfg. frei tnä Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonnlag»- Nummer mit illustrterler Sennlag»- Beilage„Die Neu« Will" 10 Pfg. Post- Slbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singelragen in der Post- Zeitung», Preisliste für IgSS unter Nr. 7820. linier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ansland S Marl pro Monat. Erscheint läglich»»her Montag«. Vevlinev VolksblAlt. 16. Jahrg. Die Inftrttons- Gebühr beträgt für die fechSgespallene Kolonel« zetie oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerls chaftliche Verein»- und Versammlung»- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Kiiicigen" jede» Wort S Psg. lnur das erste Wort sett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi»» Uhr nachmittag» inderExpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Frrnsxrrchrr: Amt l, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „Vorialdemoltral Berlin» Central organ der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Bedalttion: L�IV. 19, VeuNz-Strasze 2. Dienstag, den 13. August 18�9. Expedition: SW. 19, Veuth-Strafze 3. Die Verzweifelten. Die wüsten Phantasien eines Hintertreppenrowans werden jetzt in F r a n k r e i ch politische Ereignisse. Tie Ränbenomantik ist eine Macht in jenen Schichten der Bevölkerung, die unter dem verseuchenden Einfluß einer feilen, dummen und nieder- trächtigen Presse alles gesunde Denken verlernt haben. Und die Führer sind jene nichtsnutzigen Helden der Faulheit, die blasiert und matt nur danach trachten, aus ihrem elenden Leben erregende Sensationen auszupressen. Ihre Schurkereien sind lächerlich, ihre Einfälle komödiantische Albernheiten, ihre Verwegenheit Narretei. Und doch sind diese Excesse einer zugleich verwahrlosten und schwächlichen Phantasie nicht ungefährlich. Denn hinter den auf der Bühne Agierenden stehen die mächtigen llm- stürzler der Reaktion; Militarismus, Klerikalismus Hand in Hand mit den monarchischen Verschwörern spinnen ihre Netze und warten des Tages der Beute. Für den letzten Sonnabend war der große Schlag vor» bereitet. Der General der antirepublikanischcn Genossenschaft, Mercier, derselbe, der als Kriegsminister verbrecherisch Drey- fus ans Messer lieferte, sollte an diescni Tage die fürchter- lichsten Enthüllungen machen, und die Bande der Nationa- listen wollte dann die durch die Aussagen Merciers erhoffte Erregung benutzen, um die Republik zu beseitigen. Alles war vorbereitet. Indessen das Kabinett Waldeck-Rousscau-Galliffet- Millerand war wachsam. Es wußte um die Pläne und ließ Dsroulede und andere nationalistische Führer festnehmen. Zugleich aber sorgte die Regierung mit gutem Humor dafür, daß aus der gesährlichen Komödie eine ungefähr- li ch e Posse wurde. Wir haben schon gemeldet, wie der Präsident der Anti- semitenliga, G u« r i n, sich seiner Verhaftung widersetzte: Er und seine Genossen verbarrikadierten die Haus- thilr im Lokal der Antiseoütenliga mit Balken. Gusrin-erklärte, mit Revolver und Messer bewaffnet, den Polizisten, welche ihn verhaften wollten, er werde sich aufs äußerste verteidigen. Die Polizeibeamten sahen deshalb vorläufig von seiner Verhaftung ab. Um Guerin zu verhindern, sich mit der Slußenwelt in Verbindung zu setzen, wurden die Wasserleitungen, das Gas und der Fernsprecher abgeschnitten. Es soll abgeivartet werden, bis Guerin sich ergiebt, damit nicht das Leben der Polizei-Agenten aufs Spiel gesetzt werde. Am Sonntag sammelten sich vor dem Hanse der Antisemiten- liga zahlreiche Neugierige. Die Thören und Fensterladen des HanseS waren geschlossen. Auf der Dachgalcrie hielten mehrere mit Karabinern bewaffnete Mitglieder der Liga Wache. Gusrin erklärte, er sei zum äußersten entschlossen, sein Hans sei eine uneinnehm- bare Festung. 40 Mitglieder der Liga. welche sich im Hause be- fänden, seien entschlossen, dasselbe eher in die Luft zu sprengen, als sich zu ergeben. Die Polizei habe die Gas- und Wasserleitung ab- geschnitten, aber er habe einen reichlichen Vorrat von Petroleum und Wasser. Wenn gleich die Drohungen Guvrins nicht ernst gc- uomnien werden, siedelten doch bereits mehrere ängstliche Be- wohner des Hauses in Nachbarhäuser über. Um den Spaß vollständig zu machen, veranstalteten am Sonntag während des ganzen Abends etwa 50 Antisemiten, welche sich in einer Weinhandlung in der Nue Ehabrol befanden, gegenüber dem Hause der Antisemitenliga, in dem sich Jules Gusrin aufhält, Kundgebungen gegen die Juden. Guerin und seine Anhänger stimmten in die Kundgebung ein. Die Polizei sperrte die Straße schließlich ab und verhinderte so weitere Kund- gebung en. Man verniied es mit Recht, den Herrchen die Ehre einer gewaltsamen, wahrscheinlich blutigen Gefangennahme zu er- weisen und man wartet gelassen, bis es ihnen in ihrer Festung langweilig und ungemütlich wird; an tollen Plänen kann man sich zwar berauschen, aber nicht— satt essen. Im ganzen sollen bisher 48Royalisten und Nationalisten verhaftet sein, u. a. der Präsident des Ausschusses der roya- listischen Jugend Godefroy und der Generalsekretär der Patriotenliga Leminet. Vom Herzog von Orleans sollen be- deutende Geldsummen sür den beabsichtigten Staatsstreich hergegeben worden sein. Man rechnete ans die Mitwirkung der durch die Enthüllungen Merciers erhitzten Garnison. Die„Pcttte Repnblique" giebt folgende Schilderung über die Pläne: „In ihre letzten Schlupfwinkel getrieben hatten die Feinde der Republik für diese Tage einen Handstreich beschlossen. Sie mußten gleichzeitig in Reimes und Paris handeln. Tank der Agitation, zu der der Prozeß Dreyfus Anlaß bot, hofften die Führer, in Rennes wie in Paris Unruhen zu erregen, durch die das Einschreiten der bewaffneten Macht notwendig würde. Sie zählten dann auf das Einverständnis gewisser Offiziere und hofften, mit deren Hilfe die Truppen ihren freiheitsmörderischen Plänen dienstbar zu machen. Ter Handstreich ist mißglückt, und die Führer sitzen jetzt hinter Schloß und Riegel. Sie werden sich binnen kurzem vor Gericht wegen ihrer Teilnahme an dem Komplott gegen die Sicherheit des Staates zu verantworten haben. Uebrigens hatte die Regierung die Fäden des Komplotts seit langeni in der Hand. Wir haben es bereits vor mehreren Wochen gesagt. Royalisten, Bonapartisten, Eäsaristisch-gesinnte, Mitglieder der Patriotenliga und der Antisemitenliga haben sich fett Monaten- vereinigt, um ihre Mittel zur Aktion gegen die re- publikanischeu Einrichtungen anzuwenden." t Am Montag fand in Paris ein Ministerrat statt, über den folgende offizielle Note ausgegeben wird: Der Minister des Aeußern Delcasso erstattete Bericht überfeine Reise nach Petersburg und sagte, der bcrzliche Empfang die Trinlsprüche, die ausgeiauscht seien bei dem Diner beim russischen Minister des Aeußern Grafen Murawjew, bekundeten die Festigkeil der immer enger sich gestaltenden Bande, welche Frank- reich und Rußland zu ihrem gemeinsamen Besten verknüpfen. Der I n st i z m i n i st e r berichtete über die auf Grund der Artikel 87 und 89 des Strafgesetzes eröffnete Uutersnchimg ivegen des Komplotts. Die Untersiichnng werde so schnell wie möglich geführt werden. Noch furchtbarer als in Paris war die Niederlagein Rennes. Ter Retter des militaristisch-klerikalcn Vaterlandes, General Mercier, erwies sich als ein Narr, der nur eine Enthüllnng zu bieten hatte, die über die Jämmerlichkeit des Generals Mercier, der vier Stunden zitternd vor dem Ausbruch eines Krieges dagesessen, eines Krieges zudem der eine bloße Hallucination war. Der brave General ver ließ als eine lächerliche Persönlichkeit den Zeugenstand, nicht lvert des Ausbruchs innerster Empörung, mit der Dreyfus am Schlüsse seinem Henker entgegen trat. Das Spiel war verloren, in Paris wie in Rennes Jetzt blieb nur noch übrig, nachdem man das Recht zum Morde benutzt hatte, den Mord zum Recht zu erheben L a b o r i, der Verteidiger Dreyfus, ward das Opfer. Meuch lerisch wurde er überfallen und schwer verwundet. Da zugleich Briefe aus seiner Tasche geraubt worden sind, ist kein Zweifel, daß ein gedungener Bravo im Dienste der Verschwörer das Verbrechen begangen hat. Meinte man, Dreyfns abermals vernichten zu können. indem man ihm seinen ge fürchteten Verteidiger raubte? Oder war es nur der Racho akt, die letzte sinnlose Büberei der Verzweifelten, die ihr Spiel verloren geben? Die Ereignisse in Frankreich lehren, wie ungefähr eine Ro Volution der Reaktion aussieht. Sie zeigen die„Macht der Finsternis", die nach der Gewalt strebt. Sie beweisen, welche Gefahren von einem chauvinistischen Militarismus drohen, der mit Pfaffen und Monarchisten sich verbündet, um die bürgerliche wie die sociale Teniokratic zu vernichten. Und seltsam! Während nach den Attentaten auf Earnot und auf die Kaiserin Elisabeth die reaktionäre Presse aller Länder nach Gewalrmaßregckn gegen den Umsturz schne, während in Deutschland die Umsturz- und Zuchthausvorlagen aus jenen Geschehnissen Anregungen und Motive schöpften, wagt niemand das schändliche Verbrechen, das an einem tapferen Kämpfer des Rechts verübt worden, politisch auszu beuten. Ist dieses Opfer der ruchlosen Gewalr geringer denn jene?. Man weiß, warum man diesmal schweigt, während sonst der Leichenhandel als ein profitables politisches Geschäft gierig und schanilos betrieben wird. Es ist doch diesmal ein wirk- l i ch e s echtes politisches Atteittat, es ist nicht die That eines Wahnsinnigen oder Fanatikers, sondern das besoldete Verbrechen im Dienste einer Verschwörung— es ist das Musterbeispiel eines gemeinen politischen Attentats, hinter, dem große Parteien und getvaltige Einflüsse stehen. Gleichwohl rührt sich kein Versuch, dieses Attentat auszubeuten. Warum, warum? Es ist ein Attentat der Reaktiv n. Und die Reaktionäre aller Länder sind einig darin, Ausnahmegesetze nur gegen die anderen, gegen die Träger der Kultur zu fordern. Laboris Blut läßt sich für dieses Handwerk nicht verwenden._ PolMfchv Aeberstchk« Berlin, den 14. August. Der Kanalhandcl. Am 16. Aiigust beginnt im preußischen Abgeordnetenhaus der Entschcidungskampf um die Kanalvorlage, der zu Ent- scheidnngen über die ganze innereLage führen kann. Die wenigen Tage werden in der Presse zu bunten Be- trachtungcn ausgenutzt, ohne daß etwas Thatsächliches und Sicheres dabei herauskäme. Der„Hamb. K o r r e s p.", der offiziös bedient wird, faßt seine Ausführungen kurz in den Satz zusanimen:„Sieht nian die Aeußerungen der Presse als hinreichend klare Spiegelbilder der Parteistimmungen an, so ist der Schluß berechtigt, daß der Tag von Dortmund in den parlamentarischen Aussichten der Kanal- Vorlage im wesentlichen nichts geändert h a t." In der That scheinen die Konservativen in ihrer Mehr- hcit keine Neigung zu haben, sich den kaiserlichen Wünschen zu fügen. Die.. P o st" legt das Haupt g e wicht darauf, daß die Entscheidung endgültig ausfalle. Würde die Vorlage mit einer kleinen Mehrheit fallen, so würde die Negierung alsbald mit dem Entwurf wiederkommen und damit die innere Fehde fortgesetzt werden: „Aus Rücksichten der allgemeinen Politik kann daher der Vater- landsfreuiid einen Ausgang der Kämpfe um die Kanalvorlage nicht wünschen, welcher keine definitive Entichcidnng bringt, sondern mir die jetzigen Wirningen auf dem Gebiete der inneren Politik für längere Zeit ständig macht. Äblehnung der Vorlage mit ciner so große» Mehrheit, daß vorerst an die Wiederanfnahine des gesetzgeberischen Planes nicht mehr gedacht werden kann, i st daher das zu er st rebende Ziel. Gelingt es zugleich, in dem Abgeordnctenhanse durch einen Vennittelnngövorschlag, wie z. B. die Empfehlung des Küstenkanals, eine mittlere Linie zu gelvimien, auf der Regierung und Mehrheit in der Zukiinft sich vereinigen können, so wird auch der anderenfalls zu befürchtende Verlust an Ansehen für die Regierung vermieden und ein ver- söhnender Abschluß erreicht, bei dem es in Wirklichkeit weder Sieger noch Besiegte giebt." Guten Muts ist das Centrum. Es ist offenbar gewillt. seine Hingebung nur gegen höchste Barzahlung zu spenden. Das Centrum liebt die Politik der„Vorbedingungen"— eine Methode, in der sich der Schacher jeder Art mit völliger Ungebundenheit vereinigen läßt. Vorbedingung für ihre Zu- stinimnng zur Kanalfrage ist die K o m m u n a l w a h l- R e s o r in. So schreibt die„Germania": „Wir müssen cs heute nochmals den beteiligten Parteien wie der Regiernng gegenüber auf das nachdrücklichste be» tonen. daß das einzige, was die schwankenden Elemente des Ccutrilms für den Kanal gewinnen könnte, die glückliche Lösung der W a h l r e f o r m für die Gemeinden ist. Setzen die Kanal» freunde im Landtage und die Regierung nicht alles ein, damit die Wahlreform unter Dach koninit, dann wird alle Arbeit für die Kanalvorlage vergebens sein." Die„Köln. V o l k s z t g." hält den Kampf für äußerst bedeutungsvoll: „Wir halten cs für sehr gut möglich, daß die Hoffnungen der Kanalfreunde wie die Befürchtungen der Kaualgcgncr später in gleicher Weise enttäuicht werden. Einstweilen verleiht der große Kampf, der sich um sie eiitfponucn hat, der Vorlage eine Wichtig- keit, welche die der letzten Militär- und Marine- vorlagen weit übertrifft. Der feierliche Aufmarsch der Parteien von rechts und links hat die Wirkung, daß viel mehr auf d e in S v i e l e st e h t, als der Kanal selbst: ein politischer Tystemwcchscl kann unier Umständen die Folge sein. Man hat so lange gekämpft und einen so großen Apparat aufgeboten, daß es sich jetzt um weit mehr handelt, als um den Kanal selbst. Die Samoa-Juseln sind nicht von großer iiiternatjoiialer Bedeutung, wenn cs aber darüber zwiichen England und Deutschland zum Kriege gekommen wäre, so würde der Krieg doch eine ebenso große Bedcntimg ge- Wonnen haben, wie wenn er ans dem bedrohten Lebensinteresje des euren oder anderen Staates entstanden wäre. Die C ent rnm s p a rt ei darf das Bewußtsein haben, in dieser Frage alle Excesse vermieden zuhaben; sie war stets bemüht, einer Verfiäiidigung das Wort zu reden. Die anfänglich zaudernde Haltung der Regierung, besonders die Unklarheit in der Aussprache des Finaiiziiiiiiislers, dann ferner die schroffe Opposition der Konservativen haben bewirkt, daß die Frage sich zu einer solchen ersten Ranges entwickelt hat. Jetzt ist allerdings keine andere Alternative mehr möglich, als daß entweder d ä S Prestige der konservativen Partei oder die A n t o- rität der Regierung eine schwere Erichütterung erleidet. Geht der Kanal durch, so werden die Konservativen schon durch den endlosen Jubel der liberalen Parteien— jedenfalls aber auch durch andere Erscheiiiungen— belehrt werden, daß ihr politischer Einfluß in Preußen damit eine Art „inneres S e d a n" zu verzeichnen hat; wird er abgelehnt, so gilt ganz dasselbe sür die Regierung, die damit den Nimbus der„Stärke" vollständig eingebüßt hätte und als eine kaum beachtenswerle I n st a Ii z gegenüber der wirklich maß- gebenden Autorität der konservativen Land- lords erscheinen würde. Tie beiden Partner— Regierung und Konservative— hätten das vorher bedenken und den Sttcit nicht so große Dimeiisioiieil annehme» lassen sollen." Die Konservativen sind natürlich nicht gewillt, dem Centruin die„Vorbedingung" zu erfüllen. Die Konservativen hätten immer erklärt, die Kommunalwahl-Reform sei not- wendig;„allein cs handelt sich dabei um so wichtige Fragen, daß es ein Fehler wäre, diese Vorlage übers Knie zu brechen." Hält diese Stimmllng der Konservativen an, so würden in der That die Kanalredcn des Kaisers zum Zustandekommen des Entwufs nichts beigetragen haben. Das Wahrscheinlichste ist immer noch, statt eines offenen Konflikts, ein Verschleppungs- ausgleich. Die m i n i st e r i e l l e„Berliner Korrespondenz" nimmt nach längerer Pause die Verteidigung des Mittelland-Kanals wieder auf und schließt ihre Betrachtung wie folgt: „Der Mittcllaiid-Kanal kann als Prüfstein gelten, inwieweit Industrie und Landwirtschaft einander hilfreich die Hand zu reichen willens sind. Mögen auf allen Seiten die Worte Sr. Majestät ernste Beherzigimg finden:„Nur durch das Ineinandergreifen und Nebeneiiiaiiderstehen von Jndusttic und Landwirtschaft ist es möglich, den Staat vorwärts zu bringen und auf gesunder Basis weiterzuführen." Mit großem Eifer geht freilich die Regierung nicht ins Zeug. Wir haben bisher weder von gelben Kanalheften noch von Hülleschen Kanal- Flugblättern etwas gehört. Auch die Kreisblätter scheinen nicht beeinflußt zu werden. Es scheint also, daß die Regierung nicht allzu leidenschaftlich für den Kanal eingenommen ist. Vor allein ist die Haltung des preußischen Vicspräsidenten, Miguel, völlig unklar. Dieser Schlangenmensch ist eine fast märchenhafte Persönlichkeit ge- worden. Er hält sich im Hintergrunde, gebückt über den staatsmännischen Hexenkessel und braut seine geheimnisvollen Tränke. Während man auf der einen Seite seinen Rücktritt ankündigt, wird er auf der anderen Seite als Herr der Situation geschildert. Sicher ist, daß ihn nicht dringende Geschäfte nach Berlin gerufen haben, die ihn verhinderten, nach Dortinund zu reisen. Er war am Freitag gar nicht in Berlin, sondern irgend wo anders, fern von Dortmund. Kurz, die Angelegenheit ist recht dunkel. Man giebt jetzt die Losung ans, wie die Kanalfrage auch ausgehen werde, es werde weder Besiegte noch Sieger geben. In Wahrheit offenbart sich in dem Handel das ganze Elend unserer iiineren Politik. Vom höheren Standpunkt giebt es in dieser Angelegenheit nur Besiegte— wenn auch die wahren Sieger einstweilen draußen jenseits der streitenden zärtlichen Verwandten stehen.— Centrnm und ZnchthauSvorlnge. Die„Rheinische Volksstimme", das Organ der rheinischen Cenrrumsagrarier, ist von Anfang an für die Zuchthausvorlage ein- getreten. Nun schreibt sie in einer Auseinandersetzung mit einem Geistlichen, der ihr unter anderem vorgeworfen hatte, sie vertrete eine Politik, die dem Centrnmsprogramm widerspreche: „Besonders schlimm sollen wir gehandelt haben, daß wir unS gegen die strikte Ablehnung der Streikvorlage erklärten, vielmehr der Anficht waren, daß ni'an der Regierung die Mittel nicht ver- sagen dürfe, um Arbeitsivillige vor dem Terrorismus anderer Arbeiter schützen zu können. Dieser Ansicht sind wir noch heute, und wir dächten, die Geschichte der Streiks hätte unsere Ansicht als die richtige erklärt. Wir wollen aber dem Herrn Kaplan Limberg noch verraten, daß gar ein Führer des Centrnms unserer An- ficht ist, wie wir ihm durch Briefe aus Abgeordnetenkreisen bei weisen können." Weite Kreise im Centrum werden einem Knebelgesetz gegen die ausstrebende Arbeiterschaft lieber heute als morgen zustimmen. Dem ultramontanen Unternehmertum sind die Gewerkschaften und ihre Arbeitskämpfe genau so unbequem nnd verhaßt, wie dem konser vativen und nationalliberalen. Das alles steht fest. Wir haben auch nie daran gezweifelt, daß bis hoch in die Leitung der Contrumspartei hinein der Wunsch nach schärferen Mcisi nahmen im Sinne der Zuchthausvorlage besteht. Aber man hat ihn aus Rücksicht auf die katholischen Arbeiter geheimhalten müssen. Und nun kommt die„Rheinische Volksstimme" und verrät, wie ein Centrnnrs f ü h r e r im intimen Kreise geäußert hat, was öffentlich nicht laut werden durfte. Das Centrum ist nun in einem Punkte zuverlässig, in der— Uw zuverlässigkeit. An den harten Thatsachen wird aber auch schließlich seine Dreh- und Windepolitil scheitern. Die Znchthausvorlage spaltet die Centrumsmasscn. Der ultramontane Unternehmer gesellt sich genau so innig dem liberal- kulturkämpferischen Ausbeuter, wie sich der katholische Arbeiter auf seine Interessengemeinschaft mit dem socialdemokratischen Proletarier besinnt. Und das ist ein nicht zu unterschätzender Gewinn des Zuchthauskurses.—_ Zur Transvaal- Angelegenheit. Englands Haltung gegen die Boerenregierung wird immer drohen der. Zwar ist eine ablehnende Antwort auf den englischen Vorschlag der Einsetzung einer Untersnchungskommission noch nicht eingegangen; man,...... � weiß nur, daß in Pretoria der englische Vorschlag kein Entgegen- 1 diesseitigen kommen gefunden hat, die Zurückweisung aber in einer Form erfolgen soll, die eine Brücke zur gegenseitigen Verständigung bietet— doch die durch die kapitalistischen Hetzen gegen Transvaal aufgeregte� öffentliche englische Meinung sieht selbst in dieser Ant Wortsverzögerung schon eine Rücksichtslosigkeit. Es kann heute kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß es den Agitationen der ludafrikanischen Minen-Jntcressenten und ihrer seelenverwandten, nach lieuen Kolonien verlangenden Freunde völlig gelungen ist, den größeren Teil der englischen Nation für einen Krieg gegen die TranSvaal-Republik einzunehmen, und daß Ohm Panl in dem neuen, � Wahlrechtsentwurf, den er mit seiner Antwort der englischen Regierung einrerchen will, den Wünschen der Milner nnd Chamberlains sehr' ,,dJ weit nachgeben mutz, wenn ihm an einer Verhütung des Krieges liegt. Gemeinschaft mit der socialdemokratischen Partei beabsichtigt, am 20. I. M. eine 1849 er Gedenkfeier, bestehend in einer Versammlung im Saalbau, einer Feier auf dem Friedhof und einem Bankett. zu veranstalten, wird hiermit dem Vorstand des socialdemokratischen Vereins eröffnet, daß jede öffentliche Vcrsamnilung zur Feier des Aufstandes vom Sommer 1849 oder der standrechtlich Er schossenen auf Grund des§ 11 des Gesetzes vom 21. November 1867, das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend, hiermit verboten wird. Schaefer. Nun wird die ganze Amtmannschast landauf landab mobil ge macht werden, damit das dankbare Volk nicht öffentlich den Pflichten der Pietät und historischen Gerechtigkeit huldigt. Die Helden von Rastatt, der Mannesmut der bis vor die Standrechtsgewehre standhaften Bolksmänner und Freiheitskämpfer läßt den feigen National liberalismus in Baden bei dem Gedanken an seine elende Entartung zittern und bangen. Die Antwort wird der Liberalismus bei den Landtags Wahlen erhalten. Die socialdemokratischen_ Siege werden" die würdigste Ehrung der Opfer des Standrechts sei». Inzwischen meldet uns ein Telegramm ans Offenburg, daß das Ministerium die Aufstellung des fertig daliegenden Grabsteins auf dem Rastatter Friedhof trotz des eingehaltenen Vertrages zwischen dem Stadtrat und dem Komitee verboten hat. Auch Baden hat nunmehr seine Nevolutions-Denkmalsfrage. Es ist ein vernichtendes Zeugnis für den Niedergang der herrschenden Klassen, daß sie nicht einmal die Geschichte mehr zu ertragen vermögen.—_ Die Schlachtpläne. Sämtliche Fraktionen des Ab geordnete»Hauses werden vor Beginn der zweiten Lesung der Kanalvorlage Fraktionssitzungen abhalten, um über die tellungnahme während der bevorstehenden Debatten Beschluß zu fassen. Die Nationalliberalen, Konservativen, Freikonservativen und die Polen werden am 15. d. M. vormittags, die freisinnigen Frab tionen am 16. d. M. vormittags und das Centrum wird am 15. und 16. d. M. Fraktionssitzungen abhalten.— Kaiserempfang und Ueberstunden. Die königliche Maschinen Werlhütte in Dortmund beurlaubte durch folgenden Anschlag ihre Arbeiter zur Begrüßung des Kaisers: Am Tage des Kaiserbesuchs, Freitag, den 11. d. M., sind alle erkstätten geschlossen und die Arbeiter England ist entschlossen, das letzte Wort zu sprechen, wenn cS seine L."?, 1, ,7en S, j 1 Ansprüche nicht auf friedlichcni Wege durchzusetzen vermag. Es ist I Wahlrecht beraubt wirb. beurlaubt, soweit keine dringlichen Arbeiten auszuführen sind. Der Arbeitsverlust wird in nächster Woche durch U e b e r st u n d e n nachgeholt." Frcisinuige Kommunalpolitik. Bekanntlich hatte die frei sinnige Stadtverlvaltung von Kiel den CcnsuS für Gcmeindewahlen ivesentlich erhöht, das Oberverwaltungsgericht aber auf erhobene Klage die Matzregel als ungesetzlich bezeichnet. Trotz dieses Urteils hat das Stadtverordneten- Kollegium soeben, wie uns ein Privattelegramm meldet, die Auf von 3869 Einwohnern in die Bürgerrolle, die sich bei ihrer Reklamation mit gutem Rechte auf dieses Urteil berufen tonnten, abgelehnt. Die ireisinnigeu' Herren beharren also auf ihrer ungesetzlichen Wahlordnung, durch die Tausenden von Arbeitern völlig zum Kriege gerüstet und nicht gewillt, die jetzige Gelegenheit. t•» r �'e'es.' c'n für allemal seine Herrschaft in Süd- afrika. fest zu begründen, unbenutzt vorübergehen zu lassen. Man sagt sich eben, daß bei weiterer Ausdehnung des englischen Ge� mctes in jenen Gegenden es doch einmal zum Kampf mit den beiden südaftikanischen Republiken kommen muß, und daß unter diesen Verhältnissen es besser ist, ihn heute auszunehmen, wo England nicht in anderen Unternehmungen engagiert ist. Was die englischen Staatsmänner bisher noch zurückgehalten hat, ist nicht irgend welche Rücksichtnahme gegen Transvaal, sondern die offeir rundige Sympathie, welche die Boeren bei den stammverwandten Afrikandern der englischen Kapkolonie finden, sowie die Furcht vor einem allgemeinen Aufstande der Kaffernbevölkerung. Wie man in den kapitalistischen Kreisen Englands denkt, illustriert treffend ein vorgestriger Kricgsartikel der„Times", der mit Be- sriedigung konstatiert, daß, falls die Fricdenswege versagen die militärischen Operationen von einer Truppenmacht ausgeführt werden würden, in der alle Hauptteile des britischen Reiches vertreten seien. Es heiße nämlich, die Regierung werde nicht nur im Princip, sondern auch thatsächlich die aus den Kolonien kommenden Anerbieten, Truppen zu stellen, annehmen. Dagegen sollen Eingeborenen-Truppen aus Indien oder den Kronkolonien nicht verwendet werden; man sagt,«S geschehe dies zum Teil aus Rücksicht auf die in Süd- afrika bestehenden Ansichten. Die Kontingeute aus Indien und den Kolonien würden die Truppenmacht in Südafrika 25 000 Manu bringen; hierzu würden im Bedarfsfalle weitere 30 000 Mann aus England kommen. Der Artikel schließt: Wenn Großbritannien wider seinen Willen dazu getrieben würde, das mit Gewalt durchzusetzen, was zu gewähren Sache der Gerechtigkeit gewesen wäre, so würde eine gänzlich neue Lage in Südafrika geschaffen. Gegenüber diesem Kriegseifer fehlt allerdings auch nicht die Abkühlung, so berichtet der Kapstadler Korrespondent des„Daily Chronicle" seinem Blatt, er habe die sichere Nachricht erhalten, daß der erste in Transvaal abgegebene Schuß das Zeichen für einen allgemeinen Aufstand der eingeborenen Bevölkerung sein werde. Der Korrespondent versichert positiv, die RcichSregicrung sei gewarnt und verschiebe deshalb die Eintreibung der neuen Hültensteuer bei den Basutos. Auch der„Daily Mail" wird Transvaal abgefeuerte Schuß würde gemeinen Eingeboreneu-Aufstand sein. Daß bei dieser Haltung Englands auch die Boeren darauf be- dacht sind, sich für den Kriegsfall mit Kriegsmaterial zu versorgen, ist begreiflich. Wie es scheint, ist aber die erste größere Waffenicndung gleich in der Delagoabay beschlagnahmt worden, wenigstens meldet die„Daily Mail" aus Kapstadt: Telegramme aus der Delagoabay besagen, daß die am Sonnabend mit dem Dampfer„Reichstag" angekommene Sendung Kriegsmaterial für Transvaal von den portugiesischen Behörden zurückgehalten wird. Die Ladung ist größer als vermutet wurde. Es befinden sich dar- unter 15 VlX) Gewehre. •» * Deutsches Weich. Berliner Wind in Baden. Aus Baden schreibt man uns: Der Fixstern erster Güte am ministeriellen Himmel des liberalen Miistcrlandes, Herr Eisenlohr, ist ein Glücksstern erster Güte für die socialdemokratische Opposition. Als lese er uns die Wünsche an den Augen ab, so dankbar müssen wir ihm sein für die radikale Art, angesichts der im Herbste statt- findenden Landtagswahlen die Wählerschaft jetzt schon für die Gegner des jetzigen nationalliberalen Regiments zu gewinnen. Nu» revolutioniert er unsere im ehrenden Angedenken an den Heldenmut der Rastatter Standrechtsopfcr lebende Gegen- wart durch eine alle menschenfreundlichen Gemüter ver- letzende Gcwaltthat. Das Ministerium läßt durch seinen getreuen amtmännischen Diener in Mannheim die Erinnerungsfeier verbieten, ivelche für den 20. August im Saalbau in Mannheim von einem socialdemokratischen und demokratischen Lokaltomitee vor- bereitet war. um nach der Uebernahme des neuen Grabdenkmals auf dem Rastattcr Friedhof die Standrechtsopfer von 1849 zu ehren und zu betrauern. Wie� schrill und rauh klingt dieses Verbot der Ans dem Agraricrlebcn. Aus Schafstädt bei Halle wird uns unterm 13. August berichtet: Große Erregung herrscht gegenwärtig in unserem Städtchen über das Auftreten des Großgrundbesitzers und Reservelcutnants Hochheim, der vor einigen Tagen aus dem Felde mit dem Guts- besitzer Bctzold wegen einer ganz geringfügigen Sache in Streit gc riet und darauf den B. mit einer Peitsche'mißhandelte. Als sich B. darauf verteidigte und dem H. gehörig heimzahlte, lieh letzterer „seine Polackcn" holen und den B. in unmenschlicher Weise mit allere Hand Fcldwerkzcugen mißhandeln. Hochheimsolldcn polnischen Arbeitern mit den Worten:„Schlagt den Hund tot!" 3 M. geboten haben. Bctzold liegt schwer verletzt danieder. Die polnischen Ar- beiter sind vcrhaftcl und Hochheim soll ins Bad gereist sein. Die Löbtaucr Bauarbeiter, die die gleiche Redewendung brauchten, sind bis zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden!— Soldaten als Gepäckträger. Aus Köln wird uns berichtet: Daß die zweijährige Dienstzeit immer noch zu lang ist, sieht man wieder daran, daß auf dem Hauptbahnhof zu Köln seit etwa vier- zehn Tagen Soldaten des Pionier-Bataillons Nr. 7 als Gepäckträger verwendet werden. Die Leute arbeiten in Militännütze und Drillich- rock. Die Gepäckbesorgung ist in Köln, wie wohl überall in große» Städten, einem Privatunrernehmer übertragen. Deutsch bei Geldstrafe! Die Regierung drohte dem Hotelbesitzer KurczewSki in Schmiegel, und seinem Brnoer, der Haupt- lehrer in Deutsch-Presze ist, je 150 M. Geld st rase an, wenn sie nicht ihren alten Ziamen Kurze weiter führen. Der Hotelbesitzer KurczewSki beantragte dagegen gerichtliche Entscheidung. Nim wird die Regierung wohl auch dies Milte! auf den Marine- Professor Levy v. Halle anwenden!— Ultramontauer Stil. Man schreibt uns aus Baden: Einem saftigen Stil huldigen die von Kaplänen geleiteten Provinzialblütter, die auch ihren antisemitischen Gelüsten keine Zügel anlegen. In der katholischen„R a st a t t e r Zeitung" lcitartikelt eine priesterliche Feder über die Religiosität der social- demokratischen Reichstags- Abgeordneten, welche mit den christ- katholischen Liebeslireln belegt werden:„Obcrsozzen, roter General- stab, rote Edelsorte". Dann geht die Beschimpfung der einzelnen Bekenntnisse loS; an die mit der Marke„Mosaisch" in den Reichsalten eingetragenen Fraktionsmitglieder werden folgende heilige Worte gerichtet: „Am wolligsten nehmen sich bei den Sozzen die Herren aus dem Bezirksamt Jerusalem aus, die„ v o n unsere L a i t". Die dürfen natürlich nicht fehlen. Der 14. Teil der social- demokratischen� Abgeordneten besteht aus Juden I„Aaronleben. Aaron wie haißt? Hast De nicht Lust, auch ßu gain ßu de Sozze? Wo könnte wir machen ein bcsswes G'schäst? Hat Bebel, der grauße, was iss gewesen e Drechsler, e Villa gewunne am Wall- städter See in der Schweiz, nu könne m'rs aach so weit bringe! Aaron, ich mach mit." Der in diesem Stil— da wird von dem„socialistischen Kuh- zunftsstaat" geredet— fortgehende Artikel klingt aus in die Parole: Fort mit der Socialdemokratie! Die«roten Brüder" müssen weg aus den Parlamenten, sie sind Feinde der Religion. Und der Beweis wird in folgender schlagfertigen Weise erbracht: „Wir brauchen keine Religion und keine jfirche mehr: wir schaffen Gott ab I So in einer öffentlichen socialdemokratischen Berliner Versammlung." Kämen die Herren Sozzen dann aufs Land,„so verlegen sie sich aufs Lügen." Nach einer derartig anziehenden Schilderung der social- demokratischen Parlamentarier kratzen sich die Mnrgthaler Bauern hinter den Ohren und sprechen: Wir verstehen nur eins nicht: warum bei unS in Baden und erst kürzlich in Bayern die Herren von der katholischen Geistlichkeit die Wahl der Socialdemokraten pro- legierten. Auch aus dem Elsaß wird uns von solchen geistlichen Stil- kunstwerken berichtet: Der geistliche Leiter der klerikalen„Oberelsässischen Landeszeitung" zu Mülhausen i. E., dessen scltsame Beleuchtung der Darwinschen Descendenztheorie kürzlich an dieser Stelle Erwähnung fand, hat in seinem Blatte eine neue Probe ... �____________,........„ praktischen Christentums abgelegt. In einer Polemik gegen unser liberalen" Regierung! Unter dem summierenden oder integrierenden reichsländisches Parteiorgan, das mit einigen wenigen Worten der telegraphiert, der erste tn das Signal für einen all> Titel„Die Abhaltung von Revolutionsfeiern staatSrettcrislbe Ukas folgendes Veto aus: An den Vorstand dcS socialdemokratischen Vereins Hier. Mit Bezug auf die Notiz in der heutigen Abendausgabe der „Neuen Bad. Landcszeitung", wonach die demokratische Partei in betreffend", stößt der s übertriebenen Lobhudelei entgegentrat, mit welcher die klerikale Presse den kürzlich verstorbenen Reichstags-Abgeordneter Spies von Schlettstadt ins Grab geleitet hatte, bindet der Herr Abbö-Redacteur von Mülhausen den folgenden hübschen Strauß duftender Stil- bluten: „Die„Freie Prelle" hatte zum Tode des allverehrten Ab-' geordneten Spics sich vorerst einige AnstandSrücksichtcn auferlegt; zum Schlüsse aber mußte die Schweinerei kommen. Man ist eben nicht vergebens berufsmäßiger Schweinepelz. Das Geschmier der roten Kloake ist namenloser Blöd- sinn, angerührt mit Mistjauche und verrät als Schmieranten einen Stallknecht oder Latrine»Putzer. Der Ehrenmann, der unter der einstimmigen Huldigung des ganzen Elsasses dort drunten in Schlettstadt ins Grab gesenkt wurde, steht zu hoch in aller Achtung, als daß der Jammermensch aus der r o t e n K l o a k e ihn mit seinen sch m i e r i g e u Pfoten und seiner Kotbrühe erreichen könnte. Lasten wir denn das Stinktier in seinem Wüste sitzen und an seiner sauberen Arbeit sich vergnügen, nach würdiger Ver- wandten Art. Beehren wir ihn nur so obenhin mit einem kräftigen Verachtlingstritt nach seinem schmutztriefende n Affengesicht— und reinigen wir nachher unsere Schuhe!" Eine kürzlich durch die reichsländische Presse gegangene Nach- richt von dem bevorstehenden Austritt des stilgewandten Herrn Abbä aus der Redaktion der«Obereis. Landesztg." wurde von berufener Seite aufs entschiedenste dementiert. Die Welt kann sich also auf weitere Genüsse gefaßt machen.— Eine feltcuc Anklage wurde kürzlich vor der Strafkammer des Landgericht? Stratzburg i. E. verhandelt. Der katholische Pfarrvikar Lutz hatte sich wegen Vergehens gegen den Z 67 des Gesetzes vom 6. Februar 1875 über die Beurkundung des Personenstandes zu verantworten. Dasselbe bedroht Geist- liche, die zur kirchlichen Eheschließung schreiten, bevor ihnen der Nachweis der standesamtlichen Trauung erbracht worden ist, mit Gefängnis bis zu 3 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 300 M. Der angeklagte Vikar gab zu. im vollen Belvußtsein der Strafbarkcit gegen die erwähnte Gesetzesbestimmung verstoßen zu haben und beschränkte sich lediglich daraus, durch den Hinweis auf die seltsamen Unistände, die ihn hierzu bewogen, an die Milde des Richters zu appellieren. Als Thatbestand ergab sich, daß Vikar Lutz vor kurzem an das Lager einer todkranken Frau gerufen wurde, die ihn flehcuclich bat. ihr die Sterbesakramente zu spenden. Der Erschienene erklärte jedoch, diesem Wunsche nicht entsprechen zu können, weil die Sterbende in wilder Ehe lebte und die kirchlichen Satzungen es nicht ge- statteten, daß die erbetene pricstcrliche Handlung einer Perlon gewährt werde, die der katholischen Kirche durch ein Verhältnis, ivie das erwähnte, Aergernis bereite. Da die mit dem Tode Ringende aber nicht abließ,' zu bitten, so griff der Geistliche, um, wie er angievt, den letzten sehnlichen Wunsch einer Sterbenden erfüllen zu können, zu dem ihm angeblich von seinen Amtsbrüdcrn angeratenen AuSknuftsmittcl, die Frau an Ort undStelle mit ihrem ' e l i e b t e n. der damit einverstanden war. kirchlich zu trauen. Dann erteilte der Geistliche die Sterbesakramente. Die Kranke verschied bald nach der religiösen Handlung. Trotz der vor- sebrachten Gn'inde konnte das Gericht natürlich zu einem völlig "reisprechendeil Urteil nicht gelangen; es erkannte jedoch nur auf die geringe G e l d st r a f e von fünf Mark. Die von dem ver- urteilten Priester abgeschlossene Ehe entbehrt nach tz 41 des erwähnten Personenstandsgesetzes jeder rechtlichen Gültigkeit. Auskand. Eine Spiouagegeschichte. Wie dem„Verl. Tageblatt" aus Wien telegraphiert wird, bringt die„N. Fr. Fr." soeben die Nachricht, daß dort ein hoher Staats- bcamter wegen Spionage verhaftet wurde. ES ist dies A u g u st M o s e t i g. Oberrevident der k. k. SwatSbahnen im Eisenbahn- Ministerium. Er entwendete die auf die Mobilisierung bezüglichen, im Eisenbahn-Ministerium liegenden Akten, die er an Ritter v. PrziboworSki verkaufte. Dieser ist seit dem Februar flüchtig. Er ließ sich die Pension bis Juni nach Brüssel senden, seither nicht mehr. Verwickelt in die Affaire ist auch ein gewisser Przibitzer. der ebenfalls verhaftet wurde. Die Akten wurden an die französische, tvahrscheinlich auch an die russische Regierung verkauft.— Oestreich- Ungarn. Nachspiel zu de» Cillicr Tumulteu. Es war vorauszusehen. daß die Vorgänge in Cilli von den verschiedenen Parteien benutzt würden, um daraus für ihre Sonderbestrebungen Kapital zu schlagen. So suchen die Czetben ans den Tumulten in Cilli die Notwendigkeit eines engeren Anschlusses der Slowen an die ReichsratSmehrheit zu begründen, während von den Slowenen die Cillier Vorkommnisse als Argument gebraucht werden, um die Regierung aufzufordern, endlich energisch' vorzugehen und die Verfassung abzuändern. Doch damit noch nicht geiilig, die Slowenen wollen auch ihre Re- vanche habe. Am 25. August beabsichtigen sie in Sachsenfeld ein slawisches Fest zu feiern ünd vom dortigen Fe st platz auS ' ewaffnet nach Cilli zu marschieren.— England. Zusammenstöße mit der Polizei in Irland. In Irland kam es Sonntagabend in verschiedenen Stadien zu blutigen Zu- sammenstößen. In Belfast wurden die Mitglieder eines Klubs, die den Aufstand von Tosse feiern wollten, von der Polizei hieran ge- hindert. Es entstand ein großer Tumult, der sehr schnell in eine regelrechte Schlacht ausartete. Es mußten Truppen requiriert werden, und nur mit großer Mühe gelaug cS. die Tnmultuanten zu zerstreuen. von denen über hundert verwundet wurden. Auch von der Polizei und den Truppen wurden viele verwundet. Die Bevölkerung ver- tcidigte sich niit Flaschen und Steinen. Auch in Londonderry kam es zu Kämpfen zwischen Protestanten und Katholiken. Die Polizcibcamtcn. welche cinschritlcn. wurden von der Menge verletzt. Es wurde die Ausruhrakte verlesen und Truppen wurden herbeigerufen.— Italien. Ersatzwahlen. Wie aus einer telegraphischen Meldung dcS Wolfffchen Bureaus hervorgeht, sind die gestrigen Ersatzwahlen zur Depulicrtenkammcr keineswegs nach dem Wunsch der Regierung ausgefallen. Für Forli wurde Chiesi, für Mailand Turati und für Raveuna De Andreis wiedergewählt. Die Regierung hat also den Zweck, den sie mit der Kassation der Wahlen verfolgte, nicht erreicht. Serbien. Zur Kabinettskrise. Vor der Abreise des Königs nach Nisch konnte die Kabinettskrise nicht niehr gelöst werden. Alle Perfonen, denen man die Portefeuilles anbot, lehnten entschieden ab. Es lvnrde deshalb einstweilen dem ehemaligen Präfekten von Nisch, Gcntschitsch, der vor drei Jahren aus der liberalen Partei ausgestoßen worden i't, das Ministerium des Innen» übertragen. Mit der provisorischen Leitung des Handelsministeriums ist. wie schon gemeldet, Finanz« minister Petrowitsch betraut, während die Minister des Krieges und der öffentlichen Bauten, die beide Offiziere sind, auf Befehl des Königs provisorisch ihre Aemter weiterführen. Rußland. Politische Verhaftungen. In Petersburg haben, wie uns geschrieben wird, in der letzten Zeil wieder Verhaftungen aus polirischen Gründen stattgefunden, über welche uns bis zur Zeit nichts näheres belannt geworden ist. Wir sind nur in der Lage, die Namen von 9 Arbeitern der Putilowschen Fabrik mitzilteile», welche im Juli— weil sie. wie cS scheint, im Verdachte standen. Flug- blätter unter ihren Kollegen verbreitet z» haben— verhaftet imirde'n. ES find die? Nikolai Jankelfohn, Wassili Jankelsohn, Mcbacl Gawrilow, Paul Iwanow, Wassili Dtcpanow und Paul Wolkow diese sechs arbeiteten in der Eisenbahmvaggon-Werkstatt), und Kuschnikow, Kalinin und Klimentt Sjach saus der„neuen mechanischen" Werkstatt). Folgen der Studentenbewegnng. Die Rektoren der Univcrsi- täten Petersburg und Kasan haben auf ihr eigenes Ersuchen ihren Abschied als Rektoren erhalten. Siudenten- Ueberwachung. Kürzlich erließ bekanntlich derl Minister der Volksaufklärung neue Verordnungen, die eine Beauf- sichtigung der Stndcnten seilens der Lehrbehörden bezweckten. Jetzt veröffentlichen russische Blätter wieder einmal ein„allerhöchstes Manifest", dem eine weitere Maßregelung der Studenten zu Grunde liegt. Alle Studenten, die der Anstiftung von Unruhen, der Teil- »ahme an solchen oder der Begünstigung sich verdäcktig gemacht haben oder sich in der Znkunft machen werden, sollen ohne weiteres relegiert und sofort als Gemeine sdreijährige) in das Heer ein- gestellt werden. An jeder Universität soll ferner ein besonderer Rat gebildet tverden, der aus dem Rektor, sowie aus Mitgliedern des pädagogischen Kollegiums in Petersburg und je einem Vertreter der Ministerien des Krieges, des Innern und der Volksaufklärung zu- samnicngefctzt und allem Anschein nach eine Art politiscbes Jn- quisitionsgcricht bilden soll. Die deutschen Studentenverbindungen an dem Rigacr Polytechnikum und der Universität Dorpat sollen demnächst, einer Verfügung des Ministeriums der Volksaufklärung zufolge, aufgehoben werden.— Türkei. Beschwerde Bulgariens. Die bulgarische diploma- tische Agentur� überreichte gestern der Pforte eine Note, in welcher darüber Beschwerde geführt wird, daß in neuerer Zeit den Makcdonicrn nicht gestattet werde, studienhalber nach Bulgarien zu reisen, was dem mternationalcn Rechte und guter Nachbarschaft zuwiderlaufe. Eine ähnliche Note betreffend das Verbot von Reisen makedonischer Arbeiter nach Bulgarien war erst kürzlich überreicht Ivorden. füllung der Fragebogen, die gleichfalls abänderungsbedürstig sind, übernehmen und gehalten sein, bei Arbeitern und Arbeitgebern resp. dort, wo Organisationen vorhanden sind, bei diesen sich über die Verhältnisse eines Ausstandes zu erkundigen. Wir sind im höchsten Grade an einer guten amtlichen Streikstatistik im Deutschen Reiche interessiert, wir wissen auch, daß die das Material ver- arbeitende Behörde alles thut, um ein objektives Bild zu geben. Aber was nützt alle Objektivität an der Spitze, wenn man von unten her durch alle Instanzen hindurch nur anfechtbares, oft sogar tendenziöses Material erhalten hat. Kann es anders sein, wenn man dem Fragebogen einen kriminellen Charakter gegeben und zur Beantwortung derselben Behörden ausgewählt hat', die in jedem Streik ein Vergehen gegen die heutige Ordnung, gegen Recht und Gesetz erblicken? Aendert man in diesen beiden Punkten nicht, wird die deutsche amtliche Streikstatistik auch keinen Anspruch au wissenschaftliche Autorität und Glaubwürdigkeit machen dürfen. ro. In Rennes. Protest der europäische» Botschafter. Der deutsche Bob schaftcr hat sich den Protesten der Botschafter Englands, Italiens, Oestrcich-IIngarns und Rußlands gegen die Sperrung der neutralen Quai-Zone angeschlossen. Amerika. General MarrittS Ernennung zum Oberbefehlshaber der Philippiucn-Armce. Wie wir vor einigen Tagen berichteten, war in Washington in Aussicht genommen, dem Oberbefehlshaber der llnionsannee, General Mikes, das Oberkommando über die Truppen auf den Philippinen zu übertrageu. Von diesem Plan scheint man— aus welchen Gründen, ist nicht recht ersichtlich— in den Regierungs kreisen zurückgekommen zu sein, denn jetzt ist General Mar'ritt zum Oberbefehlshaber der amerikanischen philippinischen Armee ernannt worden. Dem General Otis ist, um ihn nicht zu tief zu demütigen, nur daS Amt als Militärgouverneur der Stadt Manila geblieben. Das amerikanische Heer im philippinischen Archipel soll auf 48 000 Mann erhöht werden: eine Zahl, die von allen Kennern der philippinischen Verhältnisse für völlig unzureichend erachtet Ivird, da als Besatzung für Manila allein 20000 Mann erforderlich sind, weitere S000 bis 6000 Mann zur Besetzung verschiedener wichtiger Punkte auf der VisayaS-Gruppc gebraucht werde», so daß als Operationsamree gegen die Filipinos nur etwa 20000 Mann übrig bleiben. Wie es heißt, soll General Mcrritt selbst alles mög liche in Bewegung gesetzt haben, um den Oberbefehl, der ihm bc kanutlich schon cinnial übertragen war, wiederzuerlangen. Er will die Gerüchte, die damals über feine unfähige Tnippcnfllhmng im Umlauf waren, widerlegen und sich den Ruhm erwerben, die Philippinen endgültig den Vereinigten Staaten erkämpft zu haben. Wenn er sich nur nicht in seinen Hoffnungen täusckt! Die Erobemng der Philippinen wird den Dankees noch schwere Opfer kosten.— Zum Aufstand auf Haiti. Nach den letzten eingelaufenen Meldungen ist die Stadt Montechristi auf Haiti umzingelt. Die Re volution zu Gunsten von Jimenes breitet sich aus.— Aus Portorico meldet der Gonvemeur daß hunderttausend Menschen obdachlos sind. Die beträgt wahrscheinlich mehr als taufend. Mehrere an Nahrungsmitteln werden für die nächste Zeit forderlich sein.— Asien. Auf dem Himmlischen Reich. Der„North China Herald bnngt wieder mal ein Beispiel für die Korruption der chinesischen Verwaltung. Wie er berichtet, hatte die Kaiserin-Witwc einen ihrer Vertrauten, Kang Ii, als kaiserlichen Kommissar nach Nanking geschickt, damit er dort eine Untersuchung gegen den alten Vice- könig Liu Kun Ai anstelle. Kang Di war niemals ein Freund von Liu gewesen; er hatte vielmehr jahrelang unverdrossen alles gesammelt, was sich irgendwie zu Lius Nachteil aus- legen ließ. Gleichwohl hätte Liu seinen Feind beschwichtigen können, wenn er einige Beutel voll Zechinen für ihn bereit gehalten hätte. Dies würde umsomehr Eindruck gemacht haben, als Kang Di der Kaiserin-Witwe bei seiner Abreise versprochen haben soll, er werde in den Provinzen am unteren Dangtse-Kiang binnen drei Monaten drei Millionen Tael«(etwa acht Millionen Mark) für sie sammeln. In derartigen Fällen pflegen die meiste» Mandarinen ihre Taschen dem unheimlichen Kommissar weit zu offnen, weil sie sonst nur olle begründete Angst haben müssen, ihren Posten zu ver- liercn. In Nanking sollte Kang eine bittere Enttäuschung erleben. Der Vicekönig Liu. der bereits die Mitte der siebziger Jahre erreicht hat, hat ihm keinen Pfennig gegeben. Statt deffen will er sich trotz seines hohen Alters selbst nach Peking begeben, um seiner gefürchtelen Herrin persönlich einige Milliönchen ehrfurchtsvoll zu Füßen zu legen. Das wird sie dann schon für ihn einnehmen.— General Davis, Zahl der Toten tausend Tonnen jede Woche er- Zur Kritik der amtlichen Streikstatistik. IV. Die Methode der Streikstatistik. Es ist kein Wunder, daß alle Angaben. Ivo es immer nur möglich ist. zu Ungunsten der Arbeiter gefärbt sind; wurden doch bis jetzt Arbeiter oder Arbeiter- Organisationen zur Ausfüllung der Sireil. Fragebogen gar nicht herangezogen. Zwar hat der Bundesrat vorgeschrieben, daß die Ortspolizeibehörde ein „objektives" Bild des Streiks durch Erkundigungen beim Arbeitgeber und den Arbeitnehmern zu gewinnen suche, in der Regel wird jedoch die Sache so gemacht, daß irgend ein untergeordneter Polizeibeamter, dem man ein Verständnis für die moderne Arbeiter bewegung nicht zumuten darf, für den Strcik-Fragebogen die Ant- Worten an Ort und Stelle sammelt. Da werden auch die Arbeiter vernommen, aber fragt mich nur nicht wie? Die Erkundigung gleicht mehr einem Verhör, dem sich ein Angeklagter zu unterziehen hat, als einer Feststellung des Sachverhaltes, bei der die Angaben der Arbeiter miiidestenS soviel Anspruch auf Glauben und Vertrauen verdienen, wie diejenigen der Arbeitgeber. Daß die bisher befolgte Methode einer einseitigen Polizeistatistik, wie sie Graf PosadowSky ausgcfonnen hat, verfehlt ist, wird regierungsseitig unumwunden zw gestanden. Eine Verbesserung der Resultate erhofft man dadurch, daß man bei der Nachprüfung der Nochwcisungcn die Gewerbe AnfsichtSbeamten in thunlichst weitem Umfange heranzieht. In diesem Sinne haben die Minister des Innern sotvie für Handel und Gewerbe kürzlich eine Verfügung erlassen, aus der hervorgeht, daß die bisherigen Resultate der Streikstatistik kein objektives Bild des Sachverhaltes ergeben haben. Wen» die„Berliner Neuesten Nachrichten" der Ansicht sind, daß die Presse der Arbritnehmerkreise es sicher nicht an scharfer Kritik der Statistik fehlen lassen werde und zwar deswegen, weil diese neue Statistik ihr wenig genehm sei, so täuschen sie sich, wenn sie glauben, die Feststellung der Wahrheit konnte den Arbeiteni un- ongcnehm sein. Eine einseitige Feststellung des Sachverhaltes aber zu Ungunsten der Arbeiter werde» wir allerdings bekämpfen und die „Berliner Reucsteu Nachrichten" sind ja in diesem Falle selbst ein- sichtig genug, zuzugeben, daß die Stteikstatistik noch lange nicht so ist. wie sie sein könnte. Wir verlangen in erster Linie eine grtmd- sätzliche Aenderuna der Methode, die ihrer polizeilichen und staats- anivaltlichen Nebenabsicht entkleidet werden muß. Die in der Ver- sügung der preußischen Minister des Innern, sowie für Gewerbe und Handel eingeführten Senderunge» genügen nicht; in der Hauptsache muß der Gcwerbe-Aufsichtsbeamte die Verantwortung für die Aus- DaS Attentat aus Labork. Auf den Verteidiger DreyfuS' Labori wurde am Montagmorgen auf dem Wege zum Kriegsgericht in dem Augenblick, als er Nue Chateaubriand passiert hatte, ein Schutz abgegeben. Ein zerlumptes Individuum, das hinter einer Mauer versteckt auf Labori gelauert hatte, trat, als Labori vorübergegangen lvar, aus seinem Versteck hervor, ging hinter Labori her und feuerte aus nächster Nähe einen Rcvolverschuß auf diesen ab. Labori drehte sich um, wankte und sank alsbald auf die rechte Seite. Der Schuß zog eine Anzahl Personen herbei, welche dem Verwundeten die erste Hil leisteten. Der Verwundete, welcher das Bewußtsein verloren hatte, kam bald wieder zu sich. Die Kugel ist Labori in die Wcichteile des Schulterblattes gedrungen. Nach dem Bekanntwerden des Attentats eilten zahlreiche Journalisten, Advokaten, Polizisten und Gendarmen herbei. Au Wunsch Laboris wurde der Arzt Dr. RecluS sowie ein Wagen herbe geholt, in welchem Labori sofort nach seiner Wohnung geschafft wurde. Obgleich er matt war, bestieg Labori den Wagen mit Hilfe seiner beiden Sekretäre. Der Thäter floh in der Nicht» n des einen Kanalarmes. Wäscherinnen, welche den Fliehenden sahen, gaben den ihn verfolgenden Polizisten eine ungefähre Be schrcibung. Danach ist der Mörder von mittlerer Größe, trägt schmutzige zerlumpte Kleider und eine Tuchmütze. Etwa 20 Polizisten folgten dem Mörder in der angegebenen Richtung. Bisher blieben die Nachforschungen erfolglos. Der Polizeipräsident und der Präfekt, welche von dem Attentat im Sitzungssaal des Kriegsgerichts hörten, begaben sich sofort zu dem Verwundeten. Labori war im Augenblicke des Attentats nicht allein, sondern befand sich in Begleitung des Oberstleutnants Picquart und Gasts in deren Arme er fiel. Beide verfolgten, nachdem sie den Verwundeten auf die Erde gelegt hatten, sofort den Mörder und machten die am Kanal beschäftigten Arbeiter unter den Rufen„Mörder" auf den Flüchtigen aufmerksam. Einer der Arbeiter versuchte ihn aufzuhalten. Der Mörder trat ihm mit erhobenem Revolver entgegen und rief:„Lassen Sie mich, ich habe soeben DreyfuS getötet". Der Arbeiter ließ den Mörder fliehen. welcher jedoch immer noch von den Freunden Laboris verfolgt wurde. Ein Radfahrer berichtete, daß der Mörder sich auf dem Felde au dem Wege nach dem Schlosse Diron verborgen habe und von Picquart und Gast verfolgt werde. 20 berittene Gendarmen»lachten sich zur Verfolgung des Mörders auf. Das Feld, auf dem der Mörder sich verborgen hält, ist von alle» Seiten umstellt; bisher ist der Mörder jedoch noch nicht ver- haftet. Als er sich ins Feld flüchtete, rief er„Ich gehe ins Wasser I Der Staatsawvalt ist an Ort und Stelle. Es bestätigt sich, daß die Wunde Laboris nicht sehr tief ist. Nachdem Labori zu Boden gestürzt war, wurden ihm von einer biöhcr unbekanuten Person— zweifellos einem Mitschuldigen deS Attentäters— mehrere Briefe aus der Rocktasche ge stöhlen, darunter befindet sich ein Brief ClemenceauS an JaurbS und ein Brief ReinachS an Labori. ES heißt, die Briefe seien ohne Bedeutung. Die Polizei ist überzeugt, daß Labori einem regelrechten Komplott zum Opfer fiel. Der Eindruck im GerichtSsaal. Um S Uhr 20 Min. wurde die Sitzung des Kriegsgerichts eröffnet. Nachdem DreyfuS vorgeführt war, erklärte der Vor- fitzende, wenn die Kundgebungen vom Sonnabend, die besonders von den Jountalistcnbänken ausgingen, sich wiederholten, würde er ohne Zögern de» Saal räumen oder sogar den Pressedienst unter> brechen lassen. Drmauge ersucht den Vorsitzenden, die Sitzung zu vertagen bis man über den Zustand Laboris unterrichtet sei, der durch die Kugel eines Mörders getroffen worden sei. Der Präsident drückt sein Bedauern über das Attentat aus. Dcmauge erklärt, man werde die Verhandlungen nicht fort> setzen, bevor man wisse, ob Labori daran teilnehmen könne. Hieraus zieht sich das Kriegsgericht zur Beratung zurück. Im Saale erreicht die Erregung den Höhepunkt Demauge bcgicbt sich während der Unterbrechung der Sitzung zu Labori. Zwischen den Journalisten kommt eS zu heftigen Auseinandersetzungen, besonders in der Gruppe, in welcher sich der Direktor des„GauloiS", Arthur Meyer, befindet, welcher die Ansicht ausspricht, daß alle Journalisten für das Attentat vcrant wortlich feien. Frau Severin protestiert heftig hiergegen und erklärt: „Sie allein sind für den Vorfall verantwortlich." Die Gendarmen treten dazwischen und zerstreuen die Gruppen. Alle Stöcke werden entfernt. Die Ruhe wird wiederhergestellt. Um 7V.4 Uhr berichtet ein Journalist, daß die Verwundung LaboriS nicht so ernst wäre, wie anfangs angenommen worden sei. Die Aerzte hofften, die Kugel entfernen zu können, welche ver- mutlich im Muskelfleisch stecken geblieben sei. Um 7>/ü Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Demange er- klärt, obgleich die Verwundung Laboris nicht ernst zu sein scheine, könne er doch den Verhandlungen nicht beiwohnen. Fortsetzung deS ZcugenverhörS. General Mcrcicr wird hereingeführt. Casimir Pcrier ist zu- gegen. Auf die Frage des Vorsitzende» erklärt Mercier, er beharre dabei, zu glauben, daß Esterhazy das Bordercau nicht geschrieben habe, obgleich er sich selbst als dessen Urheber bezeichnet hätte. Das Bordereau sei auf Pauspapier geschrieben und in einer fremden Botschaft gefunden worden. Auf Ersuchen des Vorsitzenden erklärt Casimir Perier bezüglich der angeblichen Geständnisse, Hauptmann Lebrun- Renaud davon Ministerpräsident Dupuy sei im Elysäe gewesen, als Lebrun-Renaud dort anwesend war. Casimir Perier verliest einen Brief Dupuys, in welchem dieser bestätigt, daß Lebrun-Renaud auf die Frage Dupuys geantwortet habe, General Mercier habe ihn, Lebrun- Renaud. zu dem Präsidenten der Republik geschickt, um denselben in der Angelegenheit der von ihm im Prozeß begangenen Indiskretionen zu sprechen. Mercier erklärt:„Hauptmann Lebrun-Renaud hat mir in Gegenwart deS Generals Ganse, der daS bezeugen kann, von den Geitändnissen gesprochen, darauf habe ich ihn zum Präsidenten geschickt." Bezüglich der am Sonnabend von General Mercier gemachten Erklärungen über die diplomatische Lage 1894 sagt Casimir Perier:„Es kam dem General Mercier nicht zu, bei diplomatischen Unterhandlungen zu intervenieren, ich würde ihn, wenn er das ge- wollt hätte, daran verhindert haben. Ich allein habe mit dem Grafen Münster konferiert. Mir blieb der Eindruck, daß völlige Ruhe bestände, andernfalls würde der Zwischenfall nicht durch die Abfassung einer Note abgeschlossen worden sein. Wir haben an jenein Abend von Berlin keine Nachricht erhalten. Graf Münster berichtete hierüber nach Berlin. Wenn man am Abend des 6. Nachricht gehabt hätte, würde man nicht bis zum 8. mit der Veröffentlichung der Note ge- gewartet haben. Es wurde keine Depesche an eine befteundete Macht gerichtet. Der Zwischenfall ist aufgebauscht worden. Andererseits, im Falle von diplomatischen Verwickelungen, würde ich mich an den Minister des Auswärtigen gewendet haben." Mercier erwidert, er sei als Kriegsminister im Elhsee gewesen und erinnere daran, daß General Boisdeffre �bezüglich der ihm er- teilten Weisungen aussagen könne. Der Verteidiger Demange weist auf diese Erklärung hin und verlangt, daß General Mercier wiederhole, daß er am 6. General Boisdeffre Weisungen bezüglich der Mobilisierung gegeben habe. Casimir Perier erklärt, er wolle auf gewisse Insinuationen Mcrciers nicht antworten. Die Umstände seien zu traurig und zu tragisch, er werde deshalb in die Verhandlungen keinen lcidenschast- lich'en Ton hineintragen. Casimir Perier fährt fort:„Ich bin mein eigener Herr und Herr meines Wissens. General Mercier ließ es sich angelegen sein, mich sobald als möglich in dieser Affäre inter- venieren zu lassen. Nun, ich behaupte, ich bin dem Gang der Unter- suchung fem geblieben." Dcmauge fordert den General Mercier auf, dem Gericht aus- einander zu setzen, wie er die durch den Verrat vcranlaßte patriotische Bewegung und die Mitteilung geheimer Schriftstücke an daS Kriegsgericht in Einklang bringe. Mcrcicr wiederholt seine Aeutzerungcn vom Sonnabend be- züglich der damaligen politischen Lage. Dcmauge fragt Mercier, warum er die zweifelhafte lieber- setzung des Telegrammes des Agenten B. den Akten von 1894 nicht beigelegt habe? Mcrcicr erwidert, daß keine der Uebersctzungen des TekegrmnmS den Richtern mitgeteilt worden sei, weil noch Zweifel bestanden hätten. Demange erklärt, daß Oberst Sandherr mitgeteilt habe:„Der offiziell« Text war richtig, ein Zweifel war nicht mehr möglich." Demange bemerkt, daß Sandherr Mercier den offiziellen Text mit- geteilt habe und fragt Mercier, warum er den Kommentar zu diesen Gcheimaktcn den Revisionsakten nicht beigefügt habe.� Mcrcicr erklärt, er habe dieses Schriftstück als ein f ü r ihn persönlich angesehen und es deshalb ver- n i ch t e t. Demange spricht sein Erstaunen darüber anS. Casimir Pcrier erklärt neuerdings, daß er Drehfus niemals etwas versprochen habe, nur Waldeck-Rousseau habe von dem Ver- urteilten zu ihm gesprochen, er protestiere deshalb neuerdings gegen den Brief des Dreyfus. Demange setzt auseinander, wie in Dreyfus der Gedanke Wurzel fassen konnte, daß Casimir Perier die Oeff'entlichkeit der Verhandlung versprochen habe. DaS habe geschehen können, nach- dem er, Demange, Waldeck-Ronssean um dessen Intervention bei Casimir Pcrier gebeten und Waldeck-Rousseau ihm erklärt habe, daß Casinnr Perier der Bitte günstig gegenüberstehe. Er habe geglaubt, DreyftiS von der Erklärung Waldeck-Rousfeaus Mitteilung machen zu dürfen. Man müsse sich auch vergegenwärtigen, daß Drehfus seinen Brief vier Jahre später geschrieben und daß seine Erinnerung an Genauigkeit eingebüßt haben könnte. Demange bedauert, daß dieser Brief veröffentlicht worden sei. Sodann beginnt das Verhör des Generals Billot. Zeuge Billot. General Billot erklärt, er habe die Dreyfus-Affaire vor seiner Ucbcniahme des Kriegsmiiiistcriums gekannt wie jedermann. Die Angelegenheit habe ihn tief bewegt, doch sei er ihr bis zu dem Augenblicke, wo er Kriegsminister wurde. ferngeblieben. Kurz nach Ucbcrnahme des Kriegsministeriums habe sein Freund Schenrer- Kcstner ihn im Senat gefragt, ob er sich nicht mit DreyfuS beschäftigen könne. Er habe darauf erwidert, er keime die Affaire nicht gut und habe Scheurcr- Kestncr Vorsicht empfohlen. Scheurer- Kcstner habe sich bemüht, ihm seine Ueberzeugung beizubringen, er habe aber die An- ficht Scheurer-Kestners über die Dreyfus-Angelegenheit nicht für ge- nügend begründet gehalten und ihn ersucht, eine ergänzende Unter- 'uchung anzustellen. Billot erwähnt sodann die Rolle Picquatts, für den er die höchste Achtung habe. Picquart sei intelligent und habe großen Scharfblick. Er habe ihm über die Organisation einer fremden Armee und deren Artillerie genaue Mitteilungen gemacht, welche ihm die Notwendigkeit einer Refonn der französischen Artillerie nahelegten. Diese Reform sei von einem Manne mit großer Initiative, nämlich vom General Mercier, begonnen worden. Billot berichtet sodann über den Vorschlag Picqnarts, Esterhazy. der ihm verdächtig erscheine, eine Falle zu stellen. Man habe Picquart' ein solches Vorgehen verboten. General Billot verbreitet sich über die Nachforschungen, die Picquart ohne Ermächtigung angestellt habe. Er sucht seine Maß- nahnien gegen Picquart zu rechtfertigen und protestiert gegen die ihm zugeschriebene Absicht, daß er Picquart, als er ihn nach' Tunis ;csaiidt,' ans immer habe entfernen wollen. Bezüglich des BordereauS 'agt Billot nichts Neues aus. Er erzählt dann, es sei zu seiner Kenntnis gelangt, daß ein Lyoner Kaufmann in Berlin ciuer Unterhaltung fremder Offiziere beiwohnte, in der Drcyfns wiederholt als Verräter genannt wurde. DreyfuS erhebt sich und erklärt, dies seien nichts als Lügen. Dcmauge verlangt, daß Billot über die an Barthou und Poincnrs gerichteten Worte sich äußere, wonach Billot eine zcitlang an der Schuld des Dreyfus gezweifelt und schlaflose Rächte ver- bracht habe. Billot erkennt die Richtigkeit dieser Behauptung an. Seine weifel seien durch das Vorgehen Picquarts und die Fälschung Henrys entstanden, aber er erkläre, daß feine Ueberzeugung von der Schuld deS DreyfuS noch itunier bestehe.(Anhaltende Be- wegnng.) Die Sitzung wird hierauf unterbrochen. er habe niemals von Mitteilungen erhalten. Rennes, 14. August. Nach der Wiederaufnahme der Sitzung wird Cavaignac vernommen. Derselbe weist auf die Aussage des Majors Attel hin. die mit derjenigen Lebrun-Renauds übereinstimme und verbreitet sich sodann des' längeren über den Inhalt deS Bordercau, welcher beweise, daß der Verrat von einem Offizier des Gcnernlstabes, der an der Quelle schöpfte, begangen wurde. In der Absickit, sein Verbrechen zu leugnen, habe sich der Angeklagte Worte entschlüpfen lassen, die sein Verbrechen unwiderleglich beweisen.(Während der Aussagen CavaignacS zeigt Dreyfus große Erregtheit, unterbricht edoch den Zeugen nicht.) Cavaignac fährt fort; Esterhazy könne unmöglich den Verrat begangen haben; selbst wenn daS Bordereau von ihm geschrieben sein sollte, könne Esterhazy nur als Vermittler. als untergeordneter Komplize, gehandelt haben. Der Verrat ickbst sei' zweifellos. Die Ueberzeugung des Zeugen von der Schuld des Dreyfus sei unerschüttert, damit habe seine Ansicht über das Bordereau nichts zu tyun. Als er das Bordereau vor Augen hatte, habe auch er(Cavaignac). gezweifelt und glauben können, daß es die Schrift von Esterhazy' sei. In dieser Hinsicht staube er sagen zu können, daß die Schlüsse Bcrtillons ihn nicht berzcugt hätten. Die Eindrücke des Zeugen hätten sich seitdem modifiziert(Bewegung), weil das seine Aussagen vor dem KassattonShofe modifiziert habe. Cavaignac fährt fort, es gebe in dem geheimen Dossier überzeugende Elemente, über ivelche er sich äußern wolle. Er werde dazu die vom Auslände zur Entlastung des DreyfuS angeführten Gründe besprechen. Inmitten lebhafter Bewegung deS Auditoriums spricht Cavaignac von den erwähnten Gründen. Die offiziellen Dementis ließen sehr leicht die Wahrheit durch die Maschen fallen. Er halte eS für sehr niogllch, dag der Nnfldlaqte Verrat begangen babe, ohne direkte Verbindungen mit den fremden Agenten gehabt ,u haben- er konnte Gehilfen haben. Uebrigens habe ein Botschafter jjugestanden, dah die fremden M i l i t ä r a t t a ch ö s ? lhrer �mniunität Nutzen zogen, um Spionage zu treiben. Cavaignac weist auf die Widersprüche hin. die zwischen den Erklärungen verichiedener fremder Persönlichkeiten beständen- er stnde dann den Beweis, daß Dreyfus in verschiedenen Kanzleien bekannt war. Bei dem Advokaten Müller habe man eine Bestechuna vcrmcht, um ihn zur Aenderung seiner Aussage zu bewegen Der Vorsitzende fordert nunmehr Cavaignac auf. sich über die Fälschung Henry's zu äußern. Cavaignac wiederholt die früher von ihn, hierüber abgegebenen Erklärungen und weist auf die mühsame Prüfung hin, welche Major Cuignet vornehmen mutzte, um die Falichung zu entziffern. Das Verhör, welchem Zeuge den Oberst Henry unterzog, liegt dem Kriegsgerichte vor. Cavaiqnac erklärt er erachte sich mit den Richtern des Kriegsgerichts von'1884. welche das Land und das Heer gegen einen Akt des Verrats zu schützen hatten, mitverantwortlich. Seine Ucberzcugung von der Schuld des Dreyfus beruhe in erster Linie auf den Geständnissen des Dreyfus gegenüber Lebrun-Nenaud; es seien aber auch noch andere Gründe vorhanden. Der Vorsitzende: Was halten Sie von der Fälschung Henrys bezüglich der Thatsachen, die uns beschäftigen? . Cavaignac führt ans. daß die Fälschung Henrys erst zur Revision geltend gemacht, vom Kassationshof jedoch unberücksichtigt gelassen wurde. Die Fälschung habe also mit den heutigen Ver- Handlungen nichts zu thun. Cavaignac verliest sodann ein zweites Schriftstück und schließt daraus. daß das Bordcrean in den Händen eines Militärattaches war und daß es von dort ins Nachrichten burean gelangte. i Demange bemerkt, gewisse Zeugen würfen sich als Ankläger auf, die Verteidigung müsse antworten. Er fragt, warum Cavaigiiac, der sich begnüge/ die Schuld des Dreyfus zu beweisen, dieses Schriftstück nicht in der Kammer verlesen hatte. Cavaignac erklärt, er hatte die Wahl dazu, er sei jedoch über zeugt, einer Politik des Lichtes und der Staatsraifou genügt zr haben. Demange macht darauf aufmerksam, daß Cavaignac behauptete, General Boisdeffre sei am 6. November von Paris abwesend gc- Wesen, während Mercier erklärte, daß General Boisdeffre dort war. Cavaignac erwidert, die Abwesenheit des Generals an diesen, Tage ist sicher, man wird diesen Punkt aufklären. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt DreysuS: Ich bin ernannt. daß der Mann, Ivelcher auf der Kammertribüne die Fälschung Henrys vorbrachte, hier die Ileberzeugung von meiner Schuld aus- sprechen kann, indem er sich auf Treibereien stützt, welche der Kassätionshof bereits erkannt hat.(Andauernde Bewegung.) Es folgt die Aussage Zurlindens, welcher darlegt, daß die Machte, welche Spionage betreiben lassen, die Verpflichtung haben, alles aufzubieten, um diejenigen, deren sie sich bedienen, zu retten. Zurlmden glaubt, daß durch Dreyfus das Bordcreau mitgeteilt wurde, welches er für ein entscheidendes Stück hält. Zurlinden legt dann Thatsachen dar. welche seine Ucberzeugung stützen. Erhält es für unmöglich, daß der Verräter anderswo als in den drei Bureaus des GcncralstabeS zu finden sei. Dort habe man ihn auch gesucht. Die Geständnisse Csterhazhs hätten seine Uebcrzeugung nickt erschüttert. Es scheine ihm unmöglich, daß einer der unter- richtetstcn Offiziere eines fremden Generalstabes sich an Estcrhazy gewendet haben sollte, um die in Frage stehenden Mitteilungen zu erlangen. Zurlinden sagt schließlich: Ich glaube bc- stinrnit, daß Dreyfus das Bordcreau geschrieben hat.(Lebhafte Vewegniig.) Sein System wird im Bureau des Gencralstabs studiert. Zurlinden schließt seine Aussage mit der Ucberzeugung von der Schuld des Angeklagten. General Chanoine folgt sodann mit kurzen Mitteilungen, welche in die lleberzeugnng von der Schuld des Dreyfus ausklingen. Hanotaux sagt aus, er habe seinen Erklärungen vor demKassations- Hofe nichts hinzuzufügen. Er habe weder als Minister des Ausivürtigen noch als Privatmann Kenntnis von irgend eine», Dossier gehabt. Die politische Lage zur Zeit des DrehfnsprozesscS sei ernst gewesen. Zeiige teilt mit, tvie er durch Mercier von der Affaire Kenntnis er- halten habe. Die von Mercier ausgesprochene Befürchtung, als er von der Affaire sprach, sei berechtigt gewesen. Mercier sei gegenüber seinen Eiiiwenduiigei, nnerschntterlich geblieben und habe die' Affaire ihren Lauf nehmen lassen. Der Vorsitzende fragt bezüglich der Erklärungen, die Hanotaux gegenüber Gabriel Monod gegeben habe. Hanotaux erklärt, er habe sich niemals Monod gegenüber über die Frage der Schuld des Dreyftls ausgesprochen, er sei erstaunt, wie dieser sein Schweigen gedeutet habe. Ueber die Unterhaltung sei in drei verschiedenen Darstellungen berichtet worden, das beweise, daß die Erinnerung Monods unsicher sei. Hierauf bittet der RegicnnigSkommissar das Kriegsgericht, Casiniir Perier. Mercier und Hanotaux zu beurlanbeir. Die Sitzung wird sodann ohne Zivischenfall geschlossen. Nächste Sitzung Mittwoch öVs Uhr. Ueber die Sonnabelld-Sitzilug schreibt uns unser Berichterstatter unterm 12. August aus RenneS: Bei heiter strahlender Sonne begeben wir uns heute früh zum Kriegsgericht. Unter dem Einfluß dieses schönen Sonimermorgens scheinen sich die Gemüter zu besänftigen. Trotz des Stampfens der Militärpfcrde, trotz des Geräusches der sich kreuzenden Kommando- rufe hört man in den Anlagen in der Nähe des LycemnS de» Gesang der Vögel. Nichts ist traurig und finster. Wird der Tag ein Tag der Gerechtigkeit werden?. Wir treten in den Saal ein, wo wir gleichsam in festlicher Stiimnung noch einmal aufatmen. Nach dem Eintritt des Kriegsgerichts, der in gewohnter Weise erfolgt, beginnt Oberst Jouaust mit' seiner harten Stimme das Verhör von DrcyfuS. Er fordert ihn auf. zu erklären, wie die Kopie des Bordcreau, die man 1894 in St. ivlartin auf Re in seiner Tasche gefunden, dorthin gekommen sei. Drehfns antwortet, daß er die Kopie aufbewahrt habe, um den Inhalt der Schriftstücke, deren Auslieferung man ihm Schuld gab, stets im Gedächtnis zu haben und von dort unten, von seiner Insel den Versuch zu machen, das Rätsel, dessen Opfer er war, aufzuklären. Dann kommt man zum Verhör der Zeugen._ Laroche Vernet, der frühere Gesandtschaftsattachs in Verlin, beginnt den Reigen. Er muß die Angaben Palsologues bestätigen und zugeben, daß man im Kricgsministeriuin vor dem Prozeß von 1884 die osficielle Les- art der Pannizardischen Depesche, die Dreyfus entlastete, kannte. Was die Uebersetzung des Generals Gonse betrifft, wo er sagt: „Wenn man Sie fragt, so sagen Sie, daß Sie niemals Beziehungen mit diesem schmutzigen Juden hatten", so bekommt man die Gewißheit, daß sie dem Ministerium niemals mitgeteilt worden ist. Dann kommt Casimir Perier, der frühere Präsident der Rcpnblick. Er erscheint aufrecht, im schwarzen Uebcrziehcr und tritt mit lebhafter Bewegung ans den Zeugcnplatz. Er ist steif, trocken. von strengem und entschlossenem Gcsichtsausdruck. Er will� alles sagen, was er ivciß, die ganze Wahrheit, und mit ängstlicher Spannung erwartet man etwas Entscheidendes. Aber Casimir Perier hat seinen persönlichen Haß nicht vergessen, und will für sich sprechen. Eine Stunde lang hörte man seine scharfe, kurze, schneidende Stimme von den Wölbungen des Lhceums widerhallen. Er erklärt von neuem, wie der Ministerpräsident ihn in Unkenntnis hielt, als er im Elysee war. Und er läßt seinen ganzen Groll dar- über hervorbrechen, daß er der einflußloseste Präsident gewesen, der je existierte. Er erzählt den diplomatischen Zwischenfall, der sich an eine Depesche Hohenlohes anknüpfte, worin gegen die Behauptungen einer gewissen Presse, daß Dreyfus Beziehungen mit Teutschland unter- hielte, protestiert wurde. Aber all das ist bekannt und erregt beim Publikum nur geringe Aufmerksamkeit. Dann berührt Casimir Perier einen interessanteren Gegenstand: Die angeblichen Geständ nisse, die DreyfuS dem Hauptmann Lebrnn-Renault gemacht haben soll. Er verliest einen Artikel des„Figaro", der nach einem Zeugen (Lebrun-Renault) den Vorgang der Degradanon erzählt, und dieser Artikel, auf Grund dessen er den geschwätzigen Hauptmann zu sich citierte, ist nur eine einzige lange Unschuldsbeteuerung des Ver- urteilten. Das Publikum ist freudig erregt, noch einmal zu vernehmen, daß der Hauptniann Lebrun- Renault vor dem Staatsoberhaupt und dem Kriegsminister, die seine Erklärungen im Elysee anhörten, kein Wort von Geständnissen gesagt hat. Die Legende der an- g e b I i ch e n G e st ä n d n i s s e i st endgültig zerstört, als Casimir Perier erklärt, vor ihm sei erst mehrere Monate nach der Degradation davon gesprochen, und zwar sei es lediglich Mercier gewesen, der davon erzählt habe. Noch ein anderes Märchen will Perier zerstören, nämlich hinsichtlich� eines von Dreyfus an ihn geschriebenen Briefes, worin gesagt war, er hätte dem Präsidenten der Republik sein Wort gegeben, über den Ursprung des Bordereaus nichts zu sagen, wenn man ihm gestatte, seine Verteidigung öffentlich zu führen. In dieser Thatsache haben die nationalistychen Blätter seit lange Gelegenheit zu der Behauptung gefunden, daß ein infamer Vertrag zwischen dem Präsidenten der Republik und dein Hauptmann Dreyfus bestanden habe. In diesem Brief fand Casimir Perier den Gedanken eines gemeinen Schachers, der nie in dem Be- wußtsein des Verurteilten vorhanden gewesen. Uebrigens hat Drehfns nachdrücklichst protestiert. Niemals, sagte er, habe ich von einem Handel zwischen dem Präsidenten der Republik und mir gesprochen. Die nationalistischen Blätter wollen die Ab- lcngnung ansbenlen und erzählen, Dreyftls bestreite die Existenz eines Briefes, der dem Kriegsgericht im Original vorliege. Aber auch diesmal wird ihre lügenhafte Berichterstattung an den folgenden Sitzungstagcn klar iverden. Das große Ereignis dcS Tages, und wie man sagte, des Prozesses, bildeteßdie Aussage des Generals Mercier. Seit Monaten schreit ihm die nationalistische Presse zu. alles zu sagen und selbst bei Gefahr eines Krieges nichts zu verschweigen. Der Elende hat alles gesagt, und doch nur Lügen und albernes Gewäsch vörgetragei!. Ein unwiderstehliches Gefühl des Ekels be mächligte sich des Saales, als diese Hoffnung der Fälscher, eine Aktenmappe unter dein Arm, mit seiner schlechlen Haliung, seinem schwankenden Schritt, seinem Vcrbrcchergesicht sich auf seinen Zeugen- platz setzte. Und er hat gesprochen! Drei und eine halbe Stunde hat er gesprochen, ohne irgend ctlvas zu sagen, ohne irgend etwas zu be� weisen, indem er nur Altweibergeschwätz, Vorurteile, niedrigen Ver dacht vorbrachte. Er hat alle seine Lügen zusammengebracht, die seit zwei Jahren in den tiefsten Tiefen der Schmutzpresse zu finden sind. Er durchblätterte unzählige Aktenstücke, denen einige Nationalisten mit den Augen folgten, nach denen sie ihre Hände verzweifelnd aus- streckten, wie der Ertrinkende nach dein Strohhalm greift, um sich anzuklammern. Und Mercier sprach mit seiner monotonen leisen Stinime, und zwar sein eigenes Plaidoyer. Und wenn er irgend ein Schriftstück dem Gerichtss'chreibcr zum Vorlesen übergab, so tvar es nicht die er- wartete neue Thatsache, sondern eines der elenden Papiere des geheimen Dossier, alleit bekannt, tausendmal besprochen und widerlegt. Und doch kam etwas beinahe Neues: die Nummer„Schneider- Einige Bruchteile dieser neuen Komödie standen bereits in der nationalistischen Presse, der sie der Gcncralstab mitgeteilt hatte. Dieser östreichische Offizier Schneider, ein Antisemit und Klerikaler, wollte den antisemitischen Parteien, die in Wien»och mächtig sind, schmeicheln und schrieb im Jahre 1887, also drei Jahre nach dem Prozeß;„Obgleich man gegenwärtig von der Affaire Drehfns spricht, so halte ich doch an der Meinung fest, die wir alle beim Beginn der Affaire hatten, und bin von' der Schuld dieses Juden, üverzcugt." Und das bestimnit die Ucberzeugung des Generals Mercier. Aber es kommt noch besser. Er stützt sich auch auf das Bordcrcan. Estcrhazy kennt er nicht, dieser existiert für ihn nicht. Dreyfus ist der einzige Offizier in der Welt, der das Bordcreau schreiben konnte. Der Be'.veis? Er findet ihn in der Narrheit des Sachverständigen Bertillon. Endlich haben wir noch das Geständnis gehört, daß der Kriegs� minister Mercier den Richtern von 1884 geheime Schriftstücke inil teilte, ohne daß der Angeklagte und sein Verteidiger darum wußten. Vis heute hat der Elende mit diesem Geständnis gezögert und jetzt behauptet er, daß er deSivegen dieses Verbrechen nicht früher eiilgcstanden habe, um dem Kassationshof die gesuchten Mittel znr Revision nicht zu liefern. In cynischer Weise gesteht er ein, daß er die Wahrheit im Interesse seiner vorgefaßten Meinungen unterdrückt habe I lind jetzt, Ivo er nicht mehr ausweichen kann, versucht er, mit einem neuen Manöver die Beranwortlichkeit von sich abzuwälzen. Er sagt:„Ich habe dem Oberst Maurel, dem Vorsitzenden des itriegsgerichtS von 1884, nicht den ausdrücklichen, formellen Befehl erteilt, diese Schrift tücke geheim nntzuteilen. Ich habe sie ihm mir für den Fall, daß er ihrer bedürfen sollte, anvertraut." Dieser lügenhafte und feige General lvill so die straftechtliche Verantwortlichkeit für seinen Banditenstreich auf einen ihm unter geordneten Beamten abwälzen. Während dieser Bekundung endloser Feigheit unterdrückte das Publikum mehrmals die Ausbrüche seines Unwillens und Zornes. Aber das Maß war voll, als Mercier sich mit erheuchelter Hitze, um sich einen guten Abgang zu sichern, glcißnerisch zu Dreyfus wandte, der stumm und starr vor Staunen über so viel Niedertracht und Gemeinheit zugehört hatte, und zu ihm sagte:„Wenn ich den leisesten Zweifel an Ihrer Schuld hegte, Hauptmann Dreyftls, würde ich mich augenblicklich zu Ihnen wenden und Sie um Verzeihung bitten." Da folgte eine dramatische tragische Scene, ohne jede Mache. Dreyfus erhob sich plötzlich und schrie:„Sie müßten es sagen. Sie müßten eS thnn, das ist Ihre Pflicht! Erbärmlicher Wevsch l" Das Publikum applaudierte Dreyftls, und Mercier verließ bleich und stumm die Estrade, während man ihm laut: Lump, Bandit, Mörder und ähnliche Schimpfworte nachrief. Die Bestrafnng der Verbrecher beginnt. Bevor ich diesen Brief schließe, will ich noch erwähnen, daß einige Lügen des Generals Mercier Montag durch Casimir Perier enthüllt werden; denn dieser hat vom Kriegsgericht eine Kon- frontation mit Mercier verlangt, die ihn, bewilligt wurde. Auf der Straße haben Ballonmützen, die aus Paris eingetroffen sind, eine antisemitische Kundgebung versucht. Einige Rufe„Hoch die Armee" wurden in der That von diesen bezahlten Individuen ausgestoßen. Doch energische Hochrufe auf die Republik haben die besoldeten Kundgebungen erstickt. Wenn diese Schreier von dem jämmerlichen Stürz ihres Generals werden gelesen haben, werden sie sich hüten, noch länger mit ihm gemeinsame Sache zu machen. * Spionage- Geschichten. Ans der Sonnabendsitznng sei noch ans der Aussage des Generals Mercier die Stelle betr. den deutschen Kaiser nachgetragen. Mercier sagte:„Der deutsche Kaiser beschäftigte sich persönlich mit Spionagc-Ängelcgenhciten und in gewissen Ausnahmefälle korrefpon- dicrten die Chefs der Spionage in den Centren. wie Paris. Briissel und Stratzburg, sogar direkt' und persönlich mit dem Kaiser. Dies gehe aus gewissen Dokumenten des geheimen Dossiers hervor und besonders aus einem Brief, der vom Vorgänger des Obersten Schwartzkoppen an den Kaiser geschrieben worden war." Selbst in der französischen Presse finden diese Räubergeschichten keine Beachtung. » Der Zenge„de Muller". Der„Advokat de Muller" aus Lille, auf deffen Ans- sagen General Mercier vor Gericht sich berief, hat dem Vorsitzenden des Kriegsgerichts mitgeteilt, daß er der Z e n g e n v o r l a d n n g nicht Folge leisten werde. Ein neuer Schlag für die Dreyfus- gegner. Der„Mr. de Muller" wollte bekanntlich im Schlafzimmer des Kaisers Wilhelm in Potsdam 1894 eine Rummer der„Libre Parole' gesehen haben, auf der mit Blaustist die Worte geichrieben waren:„Hauptmann DreyfuS ist gefangen."„de Muller" wird wissen, warum er nicht nach Rennes kommt. Die neueste» Telegramme melden: Frankfurt a. M.. 14. August. Die„Franks. Ztg." meldet aus Rennes: Der Zustand Laboris hat sich verschlimmert. Das Gerücht, das Dossier Laboris sei gestohlen worden, bestätigt sich nicht. Dagegen benutzte einer der Mordgesellen den Augenblick, wo Labor, niederfiel, zwei aus seiner Tasche gefallene Briefe zu stehlen. Es ist ein Brief Clömenccaus an Faurss und einer Reinachs an Labori. Rennes, 14. August. Heute mittag wurde über den Znstand Laboris ein offizielles Bulletin ausgegeben. Demselben zufolge ist das Befinden des Verwundeten beftiedigend. Die Acrzto konnten bisher noch nicht feststellen, ob die Kugel in den einen Lungenflügel eingedrungen ist oder ob sie das Rückgrat verletzt hat. Rennes, 14. August. Der Zustand Laboris hat sich etwas gebessert. Die Aerzte'ireffen Vorbereitungen, um durch einen opera- tiven Eingriff die Kugel zu entfernen. Aus allen Teilen der Welt treffen fortgesetzt Beileidstelegramme für Labori ein. Der Attentäter ist nock immer nicht verhaftet. Rennes, 14. August. Vor dem Lycenm wurde heute nach Schluß der Sitzung des Kriegsgerichts der Sekretär des algerischen Deputierten Morimnud, Maffon', verhaftet. Unabhängig von dieser Verhaftung erfolgte auf Weisung von Paris beute Vormittag die Verhaftung des znr imperialistischen Parien gehörigen Lorien. Brüssel, 14. Aug. Die„Jndep. Beige" erfährt aus Rennes. daß unter den Offizieren der dortigen Garniso» ein Komplott cnldcckt worden sei; die Offiziere hätten beschlossen, in corpars in den Gerichtssaal einzudringen und durch ihre Haltung den Vor« sitzenden zu bewegen, den Ausschluß der Oeffentlichkeit anzu« ordnen._ Vevpsttmnluitlgen. In, Arbeitcrvcrtreter- Verein erstattete am Dienstag, den 3. d. M., Herr Simanowski den Bericht des Vorstandes vom Jahre 1888,89. Im Laufe des Vereinsjahres sind 12 ordentliche und 2 außerordemliche Versammlungen abgehalten worden. Vor- standssitznngen haben ebenfalls 12 ordentliche und 2 außerordentliche stattgefunden. Besichtigungen von Heilanstalten waren zwei, und zwar Gütergotz und Heinersdorf. Außerdem wurde vom Vorstand die Centrale der Rcttungsgesellschaft besichtigt. Die Zahl der versandten Briefe und Karten � bclief sich auf 1354. Zur Gründung von Vereinen ist' nach verschiedenen Städten Material gesandt. Nach dem Bericht des Kassierers belief sich die Mitglieder- zahl am Schluß des Vorjahres aus 143, neu aufgenommen 49, aus- geschieden durch Tod und frcilvillig 15, verbleibt am 31. Juli eine Mit.fliederzahl'von 133. Der Kasjenbestand beträgt 350,82 M. Die Revisoren berichten, daß sie alles in bester Ordnung gefunden mit den Belegen und dem, baren Kassenbestand und stellen de» Antrag, den Kassierer zu entlasten, was geschieht. Zu- gleich stellen dieselben den Antrag, das Markensystem ein- zuführen, ebenso eine Vereinfachung der Belege herbeizuführen. Dieser Antrag wird nach längerer Debatte gegen 1 Stimme angenommen und werden deshalb bei der Wahl des Vorstandes drei Revisoren mitgewählt. Ein Antrag K ü n z e l, in den Vorstand nur solche Personen zu wählen, die organisiert sind, wird angenommen. In den Vorstand wurden gewählt: Simanowski als erster, P i e s ch e l als zweiter Vorsitzender, H u h n f l e i f ch erster.Böhm zweiter Kassierer. Warnst erster. Ahrens zweiter Schriftführer. Wolderski, Archivar. Zu Revisoren: Putzer. Zimpel und H e n n i g. G u t h e i t stellt den Antrag, von jetzt ab eine strengere Kontrolle bei den Versammlungen stattfinden zu lassen. Dem Ivird zugestimmt mit der Erklärung, daß von jetzt ab Gäste nur bei Ein» führung durch Mitglieder Zutritt haben. Zu Verschiedenem stellt der Vorstand den Antrag, die nächste Vereinsversammlung nicht Dienstag, den 5., sondern Donnerstag, den 7. September stattfinden zu lassen. Dieser Antrag wurde angenommen. Gleichzeitig wird beschlossen, in Zukunft die Vercinsversammlungen immer jeden Donnerstag nach dem Ersten des Monats stattfinden zu lassen. Der Vorsitzend« giebt bekannt, daß am 17. d. M. eine öffentliche Versammlmgz sämtlicher Arbeitervertreter stattfinde. Zum Schluß stellt Zander die Frage, warum die Ncimcrkomniission der Berliner Reltungsgesellschaft keinen Bericht abgebe, was sie doch versprochen habe. Diese Frag« ruft eine lebhafte Diskussion hervor, in welcher ausgeführt wurde. daß man mit der Rettungsgeiellschaft in dasselbe Fahrwasser gc- raten sei wie mit den Unfallstationen, und wurde das Verhallen elfterer einer scharfen Kritik unterzogen. Die Krankenkasscn-Vor» stände müßten hier energisch eingreifen, da auch das Verhalten der Neunerkommission, welche doch von denselben gewählt sei, ebenfalls nicht richtig sei. Tie in der Bnchbinderei und verwandter Branchen be« schäftigten Arbeiter und Arbeiterimicn, Zahlstelle Berlin, hielten Dienstag, den 8. d. M., eine außerordentliche Generalversammlung ab. Der Besuch derselben war ein sehr guter. Vor Eintritt in di« Tagesordnung ehren die Antvesenden das Andenken an den ver- storbenen Kofiegen Tunkcr in der üblichen Weise. Der erste Punkt der Tagcsordming: Bericht der Kommission in der Angelegenheit Christian kontra Brückner wird durch Annahme einer von derselben vor« geschlagenen Resolution erledigt. Zum 2. Punkt Neuwahl der gesamten Lrtsverwaltung und des Buieanbcamten, wird zu letzterem Berg- mann gegen einzelne wenige Stimmen wiedergewählt. Die Orts« Verwaltung fetzt sich wie folgt zusammen: 1. Bevofimächtigter: Schuh« macher; 2. Bevollmächtigter: Thielemann; 1. Kassierer: Lemser; 1. Schriftführer: Klappe; 2. Schriftführer: Gerhardt. Zu Beisitzern wurden Bär, Ladeburg, Riete, Schmitt» und Frau Stoppel gewählt. Ein Antrag Konrad auf Wiederwahl einer Vergiiügungskomniissioii wird abgelehnt. Unter Ergänzungs« wählen zum Gauvorstand und zur BibliothekSkommission werden in erstcren Bergmann und E r d t, in letztere Bold gewählt. Ja der Rechtsschntzkommission werden die bisherigen Mitglieder derselbe» von neuem bestätigt, und setzt sich diese ans Bergmann. Dust, Lemser, Schnitze und Zander zusammen. Es haben sich Rechtsschutz suchende Kollegen im Bureau, Anneiistraße 50, zu melden. Unter Verbandsangelcgenheiten giebt ein Wiener Kollege einen Bericht über den Streik der Leder- und Galanterie» arbeiter der Firma Zeller in Wien und ersucht um moralische und finanzielle Uiiterstützniig der Ausständigen. Nachdem noch mitgeteilt worden, daß am 15. August eine öffentliche Versammlung der Leder« arbeiter in Renz Ballsalon, Nannynstr. 25, stattfinden wird, erfolgt Schluß der Versammlung._ Uehke MZtchvlözkvn und Depeschen« Paris, 14. August.(W. T. B.) Um 4 Uhr nachmittags erschien Polizei in Begleitung einer Kompagnie Garde räpnblicaine und zwei Kompagnien des 74. Regiments vor der Wohnung Gusrins. Ter Präfekt benachrichtigte Gusrin. daß. wenn er sich bis um 5 Uhr nicht ergeben habe, das HanS gestürmt werde. Guerin lehnte ab. Lemans, 14. August.(W. T. B.) Ein Polizcikoimnissar ver- haftete auf dem hiesigen Bahnhofe emen Marinemaschinisten, namens Gallain. der aus Reimes kam und sich nach Hnvre begeben wollte. Das Signalement desselben stimmt mit demjenigen des Attentats auf Labori überein. fltom, 14. Angust.(B. H.) Es verlautet bestimnit, daß Pelloux die Kamnieranflösnug fallen lassen wird, weil der Ausfall der Wahlen in Ravenna, Mailand und Forti eine Niederlage der niou« archistischen Parteien bei einer Neuwahl voraussehen läßt. Lissabon, 14. August.(W. T. B.) In Oporto sind bisher 33 Pestcrkrankungcn vorgekommen, von denen 8 einen tätlichen Ausgang nahmen. In letzter Zeit ist kein neuerlicher Fall zu ver- zeichnen. Sofia, 14. August.(W. T. B.) Die gestrigen allgemeinen Wahlen der Departenientsräte sind überall zu Gunsten der Re- giernngspartei ausgefallen. Rnhestörungen sind nicht vorgekommen. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnserateiiteil verantwortlich: Xh. Glocke in Berlin. Druck und Verlaa von Mar Badina in Berlin. Hierzu S Beilage» und ltttterhaltuugsblatt. i,. im. i«. mwi. i. ßtilijc Ks Jöruiätls" Kerlim WsblÄ. w*»?■!•« 1899. Z�Ävkei�LdArhvichkett. Zum Parteitage spricht auch die„Mecklenburgische Volks Zeitung" den Wunsch aus, dag der Parteitag zu den wichtigen Fragen, zu? denen Geyer und Bebel referieren, Korreferenten er- nennen möge, 1Z Monate GcfiiugniS hat der Genosse Starosson als Rc- dacteur der„Mecklenburgischen Bolkszcitung" jetzt hintereinander zu verbüßen. Es sind ihm in vier Prozessen wegen Beleidigung 7, 2, 3 und 1 Monat zuerkannt worden. Wir hoffen, daß er diese lauge Strafe ohne allzu große Schädigung seiner Gesundheit über stehen möge. Der Kongreß in Epcrnay. Epcruay, 13. August.(Priv.-Tcp.) Sonntagbormittag wurde der 17. Kongreß der Arbeiterpartei sGuesdisten) eröffnet. 17l) Delegierte, die 403 Gruppen und 303 Städte repräsentierten, waren erschienen. Zwei Inschriften an der Tribüne erinnern an die Konimune und die 38 000 auf Befehl des Generals Galliffet erschossenen ÄommunardS._ Polizriliches, Gerlchkliches nfw. Eine Anklage»wegen Verbreitung unzüchtiger «chrifte»" hat der frühere verantwortliche Rcdacteur des„Bochumer VvIIsblattes". Genosse H. Block, jetzt in Dresden, erhalten. Die Strailhat wird erblickt in dem Abdruck eines Romans„Die Zu- : ichterin", der die Zustände in der Berliner Mäntelkonfektion zum Gegenstande hat. Tie Tendenz des Romans geht, wie nnser Aochumer Parlciblatt mitteilt, dahin. Abscheu und Entrüstung über Verhältnisse wachzurufen, die ehrliche Arbeiterinnen zwingen, ihren "cid zu verkaufen, um den Hunger zu stillen. Ter Roman ist vor mehr als Jahresfrist in verschiedenen Blättern unbeanstandet ab- gedruckt worden. .„..77 Wege» uubcfugteu Redens am Grabe verurteilte das Schoneugericht Zörbig(Landgericht Halle) zwei Genossen zu je 10 M und einen Genoffen zu 18 M. Geldstrafe. GemeeltMslftlMzes. Verl!» und Umgegend. Die Lohnbewegung der Vautischler. Nach den Beschlüssen der Sonntags- Versammlung haben die Bauttzchler Berlins und der Umgegend am gestrigen Tage ihre Forde- rungeu den Unternehmern unterbreitet. Eine Reihe von Unter- nehmer» hat die Forderungen sofort bewilligt, während bei einer Anzahl Uiiteruehmer die Bewilligung noch aussteht. Wir ersuchen die arbeitsuchenden Kollegen, während des Streiks nur in solchen Werlstellcn Arbeit zu nebmen, Ivo nach Feststellung durch die Streikleitung alle Forderungen bewillig! sind. Nachricht hierüber erhalten die Kollegen im Bureau der Streikleitung, Alte Jakobstr. 73 bei Feuerstein, geöffnet von 8 Uhr niorgens bis 7 Uhr abends, später auf dem Arbeitsnachweis des Verbandes, Annenstr. 16. Die Kollegen, die ihre Forderungen vorgelegt haben, müssen, gleichviel ob bewilligt ist oder nicht. Meldung an das Bureau, Alte Jakobstr. 78, ergehen lassen. Ferner werden die Kollegen ersucht, alle diejenigen Werkstellcn, welche sich nicht gemeldet, auch keine Forderungen gestellt haben, festzustellen und dem Bureau mit- zuteilen. Nach den bis gestern abend ciugcgaugcuen Meldungen haben bewilligt:� 27 Werkstätten mit 384 Kollegen. Nicht' bewilligt 83 Werkstätten mit 628 Kollegen? 24 Kollegen arbeiten weiter. In einem Teil der Werkstellen, die als nichtbewilligt gemeldet sind, sollen morgenjfrllh die Verhandlungen statlfindeu. Die Vororte meldeten im Laufe des Tages: Charlottenburg. Es kommen hier 7 Werkstätten in Frage: davon haben in 6 Werkstätten 73 Kollegen sämtlich die Arbeit niedergelegt. Die Meister erklärten, vor Mittwoch nicht verhandeln zu können. In der siebenten Werkstclle, wo der Stadtverordnete Sommer Unternehmer ist, legten die vier Verbandskollegen die Arbeit nieder, während die Nichtorganisierten zu den allen Bc- dingnngen weiterarbeiten. In R i x d o r f sind in 3 Werkstellcn mit 86 Kollegen die For- dernngc» bewilligt, in 7 Wcrkstellen mit 71 Kollegen ist noch nicht I uilligt. In sämtlichen nicht bewilligten Wcrkstellen sind VerHand- lungen angebahnt. Schöneberg: 4 Wcrkstellen bewilligt. W e i ß e n s e e: 6 Werkstellen mit 86 Kollegen stehen im Streik. A d l e r s h o f: 1 Weristelle bewilligt, die andere steht noch in lluterhaudlung. Köpenick: 3 Werkstellen mit 23 Kollegen sind in die Be- wcguug getreten. B a u m s ch u l e n w e g: Werkstelle von Wegener. 8 Mann stehen im Streik. Treptow: 1 Werkstelle hat bewilligt. Wilmersdorf: Sämtliche Forderungen bewilligt erhalten. Stralau: 24 Kollegen haben die Forderung nicht bewilligt bekomnien. Tie Meldungen der Einsetzer werden erst morgen zusammen- gestellt.. Kollegen, nach dem vorstehenden Bericht bleibt noch genug zu thun übrig, jedoch ist zu erwarten, wenn jeder scincrj Pflicht nach- kommt, daß bei allen Unternehmern die Forderungen bewilligt werden, nmsonichr, da die Kommission der Tischlermeistcr-Jnnung die Forderungen als berechtigt anerkannt hat. Die Ortsverwaltung. Die Nnteruehmer des SteinmrtzgrwcrbeS haben eS ab« gelehnt, mit de» Gesellen zur Zeit vor dem EiuigungSamt zu verhandeln. Die Unternehmer haben bei den Banverwaltungen eine Ver- längcrung des vorher festgesetzten Termins zur Fertigstellung der Arbeit nachgesucht und auch zugestanden erhalten. Der um 14 Tage verlängerte Tennin läuft aber in dieser Woche ab; es hat jedoch den Anschein, als ob die Junuugsmeister eine weitere derartige Unter- stüpnng von denBauverwaltuugcn erwarten, sonst würden sie kaum in so großspuriger Weise jede Verhandlung mit den Arbeitern ablehnen. Um das zu verhindern, werden sich die Ausständigen ebenfalls an die Banverwaltungen wenden und nach Klarstellung der thaffäcklichen Verhältnisse um' die Jnnehaltung der Lieferungsfristen nachsuchen. Außerdem wünschen sie, daß nur an solche Finnen Arbeiten vergeben werden, welche die von den Arbeitern aufgestellten For- dcruugcn bewilligt haben. Zu den neuen Bedingungen arbeiten zur Zeit 108 Steinmetzen bei außerhalb der Innung stehenden Firmen, Deutsches Reich. Die Lage des Steitiarbcitcr-Ttreiks in Bnnzlau ist nach wie vor die günstigste für die Arbeiter. Wenn auch augenblicklich die Verhandlungen abgebrochen sind, so ist der Sieg noch ebenso sicher, wie am ersten Tage. Die Sleiuarbeiter, die jetzt im Ausstande sind, werden mit Hilfe ihrer in Arbeit stehenden Kollegen und der Arbeiter- ichaft Deutschlands den von den Arbeitgebern zur Machtfrage ge- stempelten Streik siegreich zu Ende führen. Arbeitswillige haben sich bis jetzt leine gefunden; weder aus den eigenen Reihen noch von ft-md her. ' In einer am 11. August stattgefnndenen Versammlung, in der Kollege Thomas einen Vortrag über Streiks im allgemeinen hielt, wurden folgende Resolutionen' angenommen. Tie am 11. August in Bnnzlau tagende Versammlung der streikenden Steinarbeiter des schlesischen Brnchdistriltes erkennt das Berliner Gewerbegericht als Einignngsamt an und beschließt, ihre Interessen durch eine Kommission vertreten zu lassen. Diese Resolution wurde gefaßt, um bereit zu sein, falls das Berliner Gewerbegcricht die Sache in die Hand nehmen sollte. Die zweite wurde gefaßt, um auch in Zukunft ein genieiuschaft liches Handeln zu erreichen und lautet: Die Versammlung beschließt, nicht mehr selbständig, sondern nur noch in Gemeinschaft mit den Vertretern der Arbeiter von Berlin und Breslau mit den Unternehmern zu verhandeln. Es war dies-•notwendigh da dieselben Unternehmer, dasselbe Material und dieselben Interessen die Steiuarbeiter dieser drei Städte verbinden. Zur Lohnbewegung der Holzarbeiter in Forst. In zwei Sitzungen sind die Arbeiter und Unternehmer bis auf die Länge der Arbeitszeit einig geworden. Seit laugen Jahren fangen hier die Arbeiter Montags eine Stunde später an. Die Arbeitgeber ver- langen nun. wegen einem Bau- Unternehmer, welcher auch Zimmerer usw. beschäftigt, daß die Arbeit Montags zu derselben Zeit begonnen wird, wie an den anderen Tagen. Da die Lohn- tömmission der Arbeiter die Verantwortung für diese Preisgabe eines alten Rechtes nicht Übernehmen wollte, findet am Dienstagabend eine öffentlicheHolzarbeiterversammlung statt, inwelcher zu dieser Frage Stellung genommen wird. Zuzug ist innner noch fernzuhalten. Zimmerer i n K o t t b u s. I» einer am Freitagabend ab- gehaltenen öffentlichen Zimmererversammlung wurde eine Zahlstelle des Verbandes der deutschen Zimmerer gegründet, welcher sofort 84 Mitglieder beitraten. Ter Zimmercrstrcik in Jena ist nun doch noch nach fast zehuwöchcntlichcr Dauer zu Gunsten der Gehilfen zu Ende geführt worden. Allerdings ist ein kleiner Abzug der ursprünglichen For- derung eingetreten, indem nicht ein Minimallohn von 35, sondern nur von 32 Pf. pro Stunde zugebilligt wurde. Dagegen erhalten sämtliche Gehilfen bei Wiederaufnahme der Arbeit einen Zuschlag von 2 Pf. zu ihrem bisherigen Stundcickohn und am 18. März nächsten Jahres einen dritten Pfennig. Interessant ist dieser Ausgang des äußerst hartnäckig geführten Kampfes insbesondere deshalb.' als sich sowohl das dortige Gewerkschastskartcll als auch das Gewerbegericht als Einignngsamt zur Beendigung des Ansstandes erfolglos ins Mittel geworfen hat. Der Schiedsspruch, den das Einigungsamt nach langwierigen Verhandlungen niit beiden Parteien gefällt hat, lautete für die Unteruehnier wesentlich günstiger, als die Bedingungen, ivelcfie sie jetzt eingehen mußten. Die Herren Unternehmer, welche das Menschenmögliche gcthan haben,»im die Klasscugcgcusntze hervor- zukehren, wollten sich eben auf keinen Fall unterwerfen, Allein die Ausständigen wankten und wichen nicht und gelangten durch ihre fast undurchbröchene Solidarität zum endlichen Siege. Trotzdem nun der Kampf beendet ist, fällt es den Unternehmer» schwer, Arbeitskräfte zu gewinnen. Am 7. Juni traten etwa 1S0 Gehilfen in den Ausstand, von denen die Mehrzahl den Jenaer Staub von den Füßen geschüttelt haben, so daß jetzt nur noch etwa 80 Gehilfen zur Disposition stehen. Die Arbeiten drängen kolossal. Zuzug war erfreulicherweise so gut wie gar nicht vorhanden. Von feiten der übrigen gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind ziemlich bedeutende Summen zur Extra- Unterstützung der Aus- ständigen aufgebracht worden. Auch die Hirsch-Dunckerschcn GeWerk- verciulcr erklärten sich mit ihnen solidarisch. Ein nicht zu unter- schätzender Erfolg des Kampfes ist ferner, daß den hochmütigen Bau- Unternehmern ein gewaltiger Respekt vor einer guten Gewerkschafts- organisation eingeflößt worden ist. TaL wird in Zukunft nicht ohne Früchte bleiben. Freigesprochen wurden von der Strafkammer in Dresden die fünf Metallarbeiter, die seiner Zeit vom Schöffengericht wegen im« erlaubter„öffentlicher" Geldsammlung verurteilt worden waren. Die Verurteilung der Leute, die nur unter den Mügliedent des Metallarbeiterverbandes auf Gnmd statutarischer Bestimmungen frei- willige Exirabeiträge einkassiert hatten, war bekanntlich nur dadurch möglich geworden, daß das Schöffengericht erklärte, der Verband sei zu groß, um noch als geschlossener Verein zu gelten. Diese Rechts- auffassuug erklärte die Strafkammer für unhaltbar. ZliiSlrtttd. Die Masscnanssperrung in Taucmark. An die Arbeiter aller Länder I Kameraden! Die von den organisierten Unternehmern in Däne- mark inscenierte Massen- Aussperrmig, welche nun schon 3 Monate dauert und 30—40 000 Arbeiter umfaßt, besteht noch immer und ist alle Aussicht vorhanden, daß sie in den nächsten Tagen auf weitere 10 bis 20 000 Arbeiter ausgedehnt werden wird, sodaß. die erzwungene Arbeitslosigkeit in unserem kleinen Laude gegen 60000 organisierte Arbeiter umfassen wird. Wie Ihr bereits wissen werdet, ist das Ziel der Kapitalisten, die dänischen Gewerkschaften so zu lähmen, daß diese außer stände sind, die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen. Da es in unserem Lande nicht möglich ist, die Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften mit reaktionären Gesetzen einzuschränken, haben die großen Fabrikanten und Meister eine MasscnauShungeruug der Gewerkschafts- Mitglieder vorgenommen, um sie auf diese Weise zu zwingen, sich ihren Bedingungen zu unterwerfen, oder auch zun sie zu einer ver- zweifelten Notivehr zu treiben, damit man durch eine dadurch hervorgerufene Revolte den Anlaß bekommt, die offiziellen Macht- mittel des Staates gegen sie in Anwendung zu bringen. Keines dieser Ziele ist jedoch bisher erreicht worden. Mit einer bewundernswerten Ausdauer und Energie haben die ausgesperrten Arbeiter bis jetzt die Leiden ertragen, welche ihnen dieser Hungerkaippf auferlegt hat, und dies ist nur möglich geworden durch die Opferfreudigkcit. welche die arbeitenden Kameraden in unserem eigenen Lande bewiesen, sowie durch die Hilfe, welche wir von unseren Brüdern im Auslande erhalten habe». In der letzten Zeit haben Verhandlungen stattgefunden zu dem Zwecke, die Aussperrung zum Abschluß zu bringen. Diese Ver- Handlungen sind jedoch gescheitert nnd die Aussperrung wird deshalb fortgesetzt. Bevor die Verhandlungen abgeschlossen waren, kam es nämlich an den Tag. daß die Unternehmer beabsichtigten. Werkstcllen« und Fabrikreglements einzuführen, die im absoluten Widerstreit mit den Voraussetzungen standen, unter denen der Vergleich abgeschlossen werden sollte, ebenso wie es aufgedeckt wurde, daß die Kapitalisten in den verschiedenen Branchen Nachrichtenbureaus errichten wollten. also„schwarze Zlammern", wo ein jeder Unternehmer Anmeldung davon machen sollte, wenn ein Arbeiter seinen Platz verläßt und wo jeder Unternehmer die Verpflichtung hätte, anzumelden, wenn er einen Arbeiter in Arbeit nimmt, damit es untersucht werden könnte, ob der Betreffende mißliebig sei, in welchem Falle er sofort wieder verabschiedet werden solle. Mit anderen Worten: man wollte von Seile der Unternehmer ein vollständiges lviaßrcgclungssystcm ein- richten gegen diejenigen Arbeiter, die die Sache ihrer Kameraden vertreten. Hierzu kam noch, daß der Vorstand des Uutcrnehmer- Vereins öffentlich durch die Zeitungen diejenigen Versprechungen des- avouierte, welche seine Vertrauensmänner bei den EiniguugS- Verhandlungen gegeben hatten: daß sie gewillt wären, die Arbeitszeit später einzuschränken, ebenso daß sie den vorgeschlageneu Vergleich loyal innehalten wollten. -f. Zu Anfang der Einigungsversuche verlangten wir, daß eine Ausdehnung der Aussperrung nicht stattfinden dürfte, aber nun er- zählt die offizielle Presse der Regierung, daß eine solche Eriveiterung der Aussperrung in den nächsten Tagen eintreten wird. Die dänischen Arbeiter sind auch auf diesen Schlag gefaßt und sie werden bis zum äußersten für ihre Selbständigkeit kämpfen.' Wir betrachten unfern Kampf als ein großes Vorposteugefecht in dem socialen Klassenkampfe und wir fühlen uns verpflichtet, darin anszuhaltcn, bis wir einen zufriedenstellenden Abschluß erreichen. Die Presse der Unternehmer überfällt uns jeden Tag mit einer wahren Raserei, aber wir vertraue» auf unsere gute Sache und unsere Einigkeit, ebenso wie wir die sichere Hoffunug hegen, daß unsere Brüder in allen Ländern in der nächsten Zeit ihre Unter- stützungen für uns erhöhen werden, jetzt, da wir vor einer Erweiterung der Aussperrung stehen. Wir hoffen, daß die internationale Solidarität der Arbeiter ihre Probe bestehen wird und wir schließen diesen Aufruf mit einem Hoch auf die Organisation der Arbeiter in allen Ländern I Mit brüderlichem Gruß l Für die Ceutralisierten Gewcrkschaftsverbäude in Dänemark: I. Jensen. Geldsendungen erbitten schleunigst an unsem Kassierer, S. Svendsen, Römcrsgade 29, Kopenhagen K, Mttkevnrtzmev�VeLbiinde. Bäckerimniugssch,»erzen._ Der Verband deutscher Bäcker- iunnngen„Gennania" ist zu einem„Tage" von drei Tagen in Magdeburg versammelt, wobei er sich u. a. auch mit der Bäckerei- Verordnung, dem gesetzlichen Ladenschluß, der Sonntagsruhe, mit Bildung eines Streikfonds usw. beschäftigt. Nicht nötig zu sagen, daß man gegen den Maximalarbeitstag, gegen den Ladenschluß, gegen die Sonntagsruhe, überhaupt gegen alles ist, was man auch nur den Anfang eines Fortschritts in der jocialpolitischcn Gesetz- gebnug nennen kann. Zur Bäckereivervrdnung wurde folgende Re» solution einstimmig angenommen: „Die zum Verbandstag versammelten Bäckermeister protestieren fortgesetzt gegen die Verordnung des Bundesrates vom 4. März 1896, weil eine Berechtigung zum Erlaß derselben nicht vorliegt. Sie er- suchen den Reichskanzler, beim Bundesrat die Aufhebung der Ver- orduung zu beantragen. Sollte die Aufhebung aus Gründen, die sich unserer' Beurteilung entziehen, unzulässig oder undurchführbar sein, so wolle der Bundesrat an Stelle der jetzt zulässigen Arbeitszeit entweder Ruhezeit von 8 Stunden oder solche von 10 Stunden pro Tag »ntcr Gewährung von 80 UeberarbeitStagen verordnen. Ferner wolle derselbe bestimmen, daß die Schuldigen. welche die Verordnung übertreten, zur Bestrafung heran- gezogen Iv erden, soivie auch, daß die Verfolgung d e r ll c b c r t r e t u n g innerhalb a'ch t T a g e n nach der That zu geschehen hat". Der von uns durch Sperrdruck hervorgehobene Satz dieser Resolution ist das intercssanteste an der ganzen Verhandlung. Die Bäcker scheinen die Erfahrung gemacht zu haben, daß die Ver- fchlungen gegen die Bäckerei-Verordnung oft straflos ausgehen, wie denn auch ei» Bäckermeister Müller ans Breslau„lobend konstatierte", daß bei der Beurteilung der Verfchlimgen gegen die Verordnung „Nachsicht" geübt würde'? die Verurteilungen sind nach ihm milde, da man sich' überzeugt habe, daß den Meifter» Unrecht zugefügt werde. Beschlossen wurde dann»och die Absendung einer Petition gegen die Sonntagsruhe und eine Resolution gegen Anträge der Reichstags- kommission zum Ladcuschlusse. Zum Kampfe gegen die Gehilfen werden sich wahrscheinlich die Germania und die süddeutschen Ver- bände vereinigen._ Uolr erlese Der Wahlverein für den 4. Kreis �Südosten) hält am beutigen Tage bei Brüder. Waldemarftrnße 75. feine regelmäßig» M i t g l i e d e r- V e r f a in ml u n g ab, in der Genosse Karl Lankow über„Platonischen und urchristlichen Kommunismus" referieren wird. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der'Borftand. Arbeiter- BildnngSschule. Sonntag, den 20. August: F a m i l i e ii a u s f l u g nach Zehlendorf- Beelitzhof. Besichtigimg der Chnrlotteiibiirger Wasserwerke in Beelitzhof. Abfahrt 8,30 Uhr ! Berlin Wamisecbähiihof). Treffpunkt: Bahnhof Zehlcndorf 9 Uhr. Für Nachzügler bis 3 Uhr nachmittags: Restaurant Katzorke, Bcelitzhof. Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Die Mitglieder werden nochmals darauf hingewiesen, daß der Schluß der Bibliothek am vergangenen Mittwoch statt- gcfnnden hat. Diejenigen, welche noch im Besitze von Büchern Pud,. wollen dieselben umgehend bis Mittwoch, den 16. d. Mts., ab- liefern._ Der Vorstand. Znm Wahlrecht der Tchlafbnrschcu. Dem„Berl. Tageblatt' ist es vorbehalten, den Beschluß des Magistrats, durch Klage das Wahlrecht der Schlafburschen zu beseitigen, zu loben. Es behauptet» das Ober-VerivaltnngSgericht habe stets zu Ungunsten der Schlaf- burschcn entschieden. Das„Berliner Tageblatt" rechnet hierbei ans die Unkenntnis seiner Leser. Denn thatsächlich hat noch niemals das Ober» Verwaltuiigsgcricht eine solche Entscheidung getroffen. Im Gegenteil ergicbt sich ans den Darlegungen des Ober- Vcrwaltlingsgerichts, daß es in Uebereinstimmung mit den Motiven, dem Wortlaut, dem Sinn und der Entstehungs- geschickte der berühmten Definition in der Städteordnung; „Selbständig ist, wer einen eigenen Hausstand hat", diese Definition nicht mit dem„Tageblatt" dahin auslegt, daß es auf die Größe und die Art der eigenen Behausmig ankomme. Es bedeutet diese Definition weiter nichts, als ob dastände: Selbständig ist, wer keinem fremden HaiiSstande angehört. Das besagten ausdrücklich die Motive der Gemeindc-Ordnuug und das ist nach den zutreffendell Ausführimgen des Ober-Vcrwaltungsgerichts in seiner Entscheiduiig vom 8. Olrobcr 1886 auch bei der Beratuiig der Städtc-Ordnung ansdrücktich anerkannt. Es heißt in diesem vom„Berliner Tage- blatt" mit Unrecht zu Gunsten einer gegenteiligen Ansicht hcrangezogciieii Eutscheidiing wörtlich: Bei der Beratung der Städte- Ordnimg wurde in der Kommission der zweiten Kammer der Versuch gemacht! deniGesetzc eine andere Fassung zu geben mit dem Antrage, statt der Worte„wer einen eigenen Hausstand hat" zu setzen„wer keinem fremden HanSstande augehört".... Die Kommission lehnte aber den Antrag in Uebereinstimmung mit dem Negieruiigskommisiarius ab. Jedoch nickt etwa, indem sie den Ausführungen und der Auf- fassiing des Antragstellers entgegentrat oder solche als den Worten des Gesetzes zuwiderlaufend bezeichnete, sondern, wie der Bericht sagt, „weil sie annahm, daß sich hierbei bei Anwendung der gleichen Vor- schrift in der Gemeinde-Ordnung keine Schwierigkeit gezeigt habe." Allznschwierig scheint es nicht, aus dieser Darlegung gerade des Ober» Vcrwaltungsgcrichts zu entnehmen, daß auch dieses denjenigen für selbst- ständig im Sinne der Städte- Ordnung hält, der ökonomisch selb- ständig ist und keinem fremden Hausstand angehört. Sollt» dies dem Organ des Herrn Mosse noch immer unberständlich bleiben, so mag die' Richtigkeit nnscrcr Darlegung ihm vielleicht durch folgendes Beispiel klarer werden. Sein Chef, Herr Mosse, ist nicht als Be- sitzer seines Prachthauses geboren. ES gab eine Zeit, wo er des Tags über rastlos arbeitete, um sich selbständig zu erhalten und nur des Nachts eine Schlafstelle benutzt haben niag. Damals war Herr Moste selbständig, da er weder als Gesinde noch als Lehrling oder sonstwie einem andere» Hansstaudc angehörte. Wenn aber jetzt Herr Mosse einem seiner Angestellten einige Zimmer in seinem Hause mitsamt dem dazu gehörigen Meublement einräumen, die Stellung dieses Angestellten aber so gestalten würde, daß er nur ein Glied des Mosseschen Hausstandes wäre,.so wäre der Mann unselbständig»nd nach der Städte- Ordming nicht wähl- berechtigt. Vielleicht ist das„Berl. Tagcbl." so sreundlich, als Gegenleiswng für die ihm gewordene Aufklärung irgend eine Eni- scheidimg des Ober-VerwaltungsgerichtS zu citieren, das seiner Ansicht rncft in entflcgeiiflcfcfcfcm Sinne anszulcgen wäre. Sein Jubel darüber, daß der Magistrat den Beschluß der Stadtnerordncten-Ver- ßmnmlung angegriffen hat, bezeugt, daß ibm das Gefühl für Selb- ständigkeil und für Selbstverwaltung in nicht höherem Maße als dem Magistrat selbst beiwohnt. Der Geschäftsbetrieb der städtischen Sparkasse im Viertel- jähr April, Juni dieses Jahres war wiederum ein sehr bedeutender. Es wurden nämlich in diesem Zeitraum eingezahlt: 12 8ö4 S31,28 M., dagegen abgehoben 11 172 708, öS M.. es ergab sich also eine Mehr- einnähme von 1 Kül 822,76 M,, wodurch das Guthaben der Jnter- c, scntcn sich aus 227 ö22 743,63 M. erhöht. Dasselbe verteilt sich aus 648 34ö Sparkassenbücher. Das Gcsamtvcrmvgen der Sparkasse bclies sich Ende dieses Jahres auf 246 455 072,70 M. einschließlich cd Wertes der beiden, der Kasse gehörigen Grundstücke, Kloster- strane 68 und Zimmerstr. 90/91 in Höhe von 1 797 392,82 M. An Wechseln war ein Bestand von 11 394 644,65 M.. während im Bcnchtsvierteljahre zum Ankauf von Wechseln 13 020 777,80 M, verausgabt wurden. •. Juwelier-, Gold- und Silbcrschunedchandwerk findet rn der Zeit vom 14. bis einschließlich 27. August eine Abstimmung der das Handwerk selbständig Betreibenden darüber statt, ob für zicses Gewerbe im Bezirk der Stadt Berlin eine Zwangs- rnnung errichtet werden soll. Die Abstimmung erfolgt an den �dochcntagen von 1V bis 12 Nhr in den Diensträumen der Gewerbe- dcputation, Stralaucrstr. 3—6, vorn 1 Treppe, Zimmer 35 und kann mundlich oder schriftlich zu Protokoll gegeben werden. Qeffcntliche Auffordrrnng zum Betrug. In Nr. 363 der »Staats bürg er»Zeitung* findet sich folgendes Inserat: „Buchhaltern und Angestellten von Fabriken und Comptoiren gewährt lith. Kunstanstalt. Plakate- und Etiketten fabrik u. Buchdruckcrci fortlaufende Provision für diskrete Zuwendung von Aufträgen. Der Geschäftsverkehr wird selbst über- nomnien und strengste Diskretion gclvährt. Adrcss. u. U. N. 543 mt Haasenstein u. Vogler A.-G. Berlin W. 8.* Hoffentlich sind nicht allzu viele Handlungsgehilfen so thöricht, auf solche Anzeige hin sich einer skrupellosen Firnia wehrlos preiszugeben. Das Antiscmitcnblatt hat aber durch die Aufnahme dieses JiijeratS »einer Sache emen sehr zweifelhaften Dienst erwiesen. Oder hört bei ,hm die an sich schon ziemlich schemenhafte deutsche Biederkeit im Annoncenteil völlig auf? „-?"/ dem Waimsccbahuhof, so berichtet uns ein in Steglitz wohnhafter Buchdrucker, hatte ich am Sonnabend den Zug versäumt und wollte nun die mir gebliebene Muße zum Austreten benutzen. v selber keine Bedürfnisanstalt vorhanden ist, wollte ich mich in den Vorraum begebe» und ersuchte den Bahnsteig- schaffner, meine vor wenigen Minuten durchlochte Arbeiter- Wochen- karte als Legitimation fürmicine Rückkehr anerkennen zu wollen. Der Genüge gethan. Einige Stunden später aber fügte er seinem bisherigen Verhalten noch hinzu, daß er sich durch Äugend schein von der Wirkung seiner Züchtigung überzeugte. Aus Scham unterließ eS die T., sojort Anzeige zu erstatten. Erst am folgenden Tage begab sie sich zu dem in der Winterfeldtstratze 33 wohnhaften Samtätsrat Dr. Stolzenberg, der sie untersuchte. Er fand, dem von ihm ausgestellten Zeugnis zufolge. das Gesäß teilweise mit_ blauroten Striemen bedeckt, teilweise gänzlich blau- verfärbt und blutunterlaufen. Durch die Mißhandlung war die T., die sich unter den Schutz de« FröbelhauseS begeben hat, für kurze Zeit dienstunfähig. Jetzt hat sie gegen F., der sich mit dem empörenden Einwand entschuldigt, daß er sich nur eine„väterliche Züchtigung* gestattet habe, auf civilrechtlichem Wege ihre materiellen Ansprüche geltend gemacht, doch dürfte die Sache auch straftechtlich noch ein Nachspiel haben. Wir sind gespannt, ob die Richter bei dieser wirklich skandalösen Roheit einen ähnlich strengen Maßstab anzusetzen belieben, als er jetzt gewöhnlich bei den verhältnismäßig harmlosen Vergehen ausständiger Arbeiter in Gebrauch ist. Blutige Folgen hat ein HeiratSgesuch gehabt, das dieser Tage von sich reden machte. Durch Inserat in einem hiesigen Blatte suchte eine„junge Dame. 23. welche im stände und gesonnen ist. einen Mann zu ernähren, zwecks Heirat die Bekanntschaft eines hübschen Herrn". Wie sich jetzt heransgestellt hat, schrieb die sonder- bare„junge Dame* außerdem au viele junge Leute in verschiedenen Stadtgegenden Packetfahrl-Kartenbriefe ähnlichen Inhalts und bat die Empfänger, sich zu einer Aussprache am Sonnabendabend zwischen 8 und 9 Uhr in der Gastwirtschaft Manteuffelstraße 47 einzufinden. Gegenseitiges Erkennungszeichen sollte eine weiße Relke sein. Zu der bestimmten Zeit kamen die 40 bis 50 Mann in die bezeichnete Wirtschast. Die erwartete junge Dame blieb unsichtbar. Die meisten jungen Männer empfahlen sich bald wieder, einige aber wollten doch den Ausgang der Dinge abwarten. Als die Ver- mutung laut lvurde, daß der Wirt das Mittel angewandt habe, um recht viele Gäste zu bekommen, da ging ihnen das doch über den Spaß. Die Gefoppten machten allerhand Anspielungen, aber die Stammgäste ließen sich die Beleidigungen ihreS Wirtes nicht gefallen sind so bildeten sich bald zwei Parteien. Als um 11 Uhr das Geschäft geschlosien wurde, kam es zu einem heftigen Zusammenstoß. Auf beiden Seiten gab es blutige Köpfe, die „Weißnelken" unterlagen. Als die Polizei eingriff und einige Kämpfer auf die Wache des 64. Reviers am Kottbuser Ufer brachte, waren die„Weißn.tken* so übel zugerichtet, daß man sie auf der Rettungswache in der Adalbertstr. 10 verbinden mußte. Der Schneider T. aus oer Tilsitersttaße war am Gesicht und am rechten Ohr, der Vergolder W. am ganzen Kopfe bedeutend verletzt; der Schuhmacher Albert W. aus der Weberstrahe hatte einen schweren Tritt gegen den Unterleib bekommen, ein gewisser Josef Soltscheider mehrere'Kopfwunden. Die Kartenbriefe nahm die Polizei att sich, um den Absender zu ermitteln. Herr Ingenieur Wolter, Müllerstraße 13. ersucht uns, mit- zuteilen, daß sein zur Zeit verreister Vater, der die Würde eines AnnenkommisstoiiS-Vorstchers bekleidet, mit dem in Nr. 187 auch von uns gekennzeichneten Fall, den wir unter der Stichmarke»Etwas ist faul ze." meldeten, nichts zu thun habe. Vom Bau gestürzt ist gestern morgen der Maurer Friedrich Behrendt aus der Grolmausir. 36 zu Charlotteiiburg. Er fiel etwa acht Meter hoch von einem Gerüst eines Neubaues herab und wurde mit schweren Kopf- und inneren Verletzungen durch die Sauitäts- wache und Rettungsstation in das städtische KrauleuhauS gebracht. Durch Sturz anS dem Fenster sind binnen wenigen Stunden zwei Personen ums Leben gekonmien. In dem emen Falle handelt eS sich um einen Selbstmord, in dem andern um ein Unglück. In der Manteuffelstraße 85 wohnte im vierten Stock des Vorderhauses seit 9 Jahren der Lackierer Dietrich mit seiner Frau Klara geborenen Schicplc, Als der Maun im vorigen Jahre starb, war die 48 Jahre alte Frau auf sich selbst angewiesen und ernährte sich durch Maschineimähen, obwohl sie seit 15 Jahren unterleibskraiik war. Das Etend bat ihr den Gedaukeii an Selbstmord eingegeben, gestcrii in aller Frühe stürzte sie sich aus dem Fenster und blieb tot liege». Der zweite Fall spielte sich in wenigen Minuten ab. In ihrer Wohnung im vierten Stock des Hauses Willibald Alexisstraße ivar Somitagnach- mittag kurz nach 5 Uhr die Frau des Schlossers Thiele in der Küche beim Abwaschen deS Eßgeschirres, während ihr Mann sich schlafen gelegt hatte. Frau Thiele hatte ihr noch nicht zwei Jahre altes Töchterchen Frieda am Küchenfcnster auf einen Stuhl gesetzt. Ge- spannt lauschte das Kind einer Drehorgel, die auf dem Hofe spielte, und saß ganz ruhig da. Als aber die Musik verstummte, erhob es sich plötzlich, kletterte vom Stuhl auf die Fensterbank, lehnte sich hinaus, um zu sehen, wo der Leiermann geblieben sei, verlor das Gleichgewicht und stürzte auf das ASPhaltpflastcr des HofeS hinab. Mit gebrochenem Liückgrat blieb eS liegen und verschied auf der Stelle. Auf einem Spaziergange ber»»glückt ist vorgestern Nachmittag der ca. 30 Jahre alte Rentier Normaun aus der Berlinerstraße 59 zu Charlottenburg. Normaun war mit seiner Schwester in die Jmigfernheide gegangen, glitt auf dem Steingeröll von einem Hügel herab und brach sich einen Ami. Die Rettungsstation brachte dem Verunglückten die erste Hilfe. Unfug. Soiiiitagabciid wurde der obdachlose 23jährige Lackierer I. Chaivlcfski in der Linieustraße verhaftet. Er hatte die Feuerwehr böswilligerweise nach dem Koppenplatz alarmiert und ivar dauii entflohen. Sein Thun war aber nicht unbeachtet geblieben, so daß er, als er bclusligt zusah, wie die Feuerwehr vergebens nach der Ursache der Fcucrmclduiig forschte, ergriffen und nach der Polizei wache gebracht werden konnte. Er wird wegen Sachbeschädigung und Bcrübung groben Unfugs vor Gericht gestellt werden. TaS Konkursverfahren ist vorgestern über das Vermögen des TuchhändlerS Hermann Heinrich aus der Lindenstr. 106 verhängt worden, der sich anfangs dieses Monats ans dem Schlesischen Bahn hose durch einen Revolvcrschuß getötet hat. Die an den Selbstmord geknüpfte Vcrmlitung, daß Heinrich wegen geschäftlicher Schlvicrigkeit zur Waffe gegriffen habe, wird dadurch bestätigt. Unglücksfall bei einer Karuffellfahrt. In dem Restaurant Schiveizergarren" am Friedrichshain brach, wie der Polizcibericht meldet, ein Teil dcö Karussells während des Betriebes zusammen. Sechs in einem Schlitten befindliche Personen ivurden heraus- geschleudert, glücklicherweise aber bis auf ein Mädchen, das eine Hüftverrenkung erlitt, nicht weiter verletzt. Ein Mißverständnis. Der Polizeibcricht meldet: Als gestern gegen Abend die Frau des Tischlers Sinner von einem Ausgang in ihre Melaiichthonstraße 26 gelegene Wohnung zurückkehrte, und der Ehemann trotz wiederholten Pochcns nicht öffnete, bat sie cincii im Hanse wohuendeii Bäckergesellen, durch das offene Fenster in ihren zu ebener Erde gelegenen Wohnraum zu steigen und ihn von iiiucn zu öffnen. Der Bäckergeselle lhat dies auch, der Ehemann aber, der in einem Nebenzimmer auf dem Sofa schlief, erwachte darüber, stürzte sich in dem Glauben, einen Einbrecher vor sich zu haben. auf ihn, versetzte ihm einen Schlag über den Kopf und warf ihn durch das offene Fenster auf den Hof zurück. Glücklicherweise ist der Geselle mit einer ungefährlichen Kopfwunde davongekommen. Vermißt wird seit Mittwoch der 37 Jahre alte Ober-Tclegraphen- assistent Wilhelm Timm, der ftüher auf dem Haupt-Telegraphcnamt beschäftigt und seit einem Jahre außer Dienst war. Timm, der sehr nervös ist, war bei seinem Schwager in Liebcnwalde zu Besuch und sollte am Mittwoch mit einem Wagen nach Oranienburg gebracht werden, wo ihn seine Frau erwartete, um mit ibm heimzufabren. Als er abends vorder von der geplanten Rückkehr hörte, entfernte er sich heimlich und ist seitdem verschwunden. Der Vermißte, der in der Danzigerstr. 30 wohnte, ist 1,70 Meter groß und schlank, hat einen kleinen blonden Schnurrbart, spärliches Kopfhaar und ein blasses Gesicht und trögt einen schwarzen Gehrock-Anzug, ein weißes Vorhemd, gelbe Handschuhe und einen grauen Hut oder eine graue Mütze. Eine Explosion, die auf Selbstentzündung von Benzin oder anderen Oelen zurückgeführt wird, erfolgte Sonntagabend Chaussee straße 28 b in der' Maschinenfabrik für Hebewerke und Dampf anlagen von Karl F I o h r. Das Quergebäude des zweiten Hofes enthält parterre den sogenannte!, Farbenraum, in welchem kleinere Mengen Farben, Droguen und Ocle zum Gebrauch aufbewahrt werden. Wodurch nun die Explosion hervorgerufen wurde, ist nicht auf geklärt, es wurde nicht einmal eine erhebliche Detonation verspürt 1 Ilm so rätselhafter erscheint es, daß eine vom Brandherde nach der ersten Etage führende starke Granittreppe auf eine eigentümliche Weise zerstört wurde. Sämtliche Stufen sind nämlich derart demoliert, daß aus der Mitte je ein etwa zwei Fuß großes Stück herausgerissen wurde, wäbrend die Endstücken zu beide» Seiten hängen blieben, so daß in der Mitte eine leere Gasse entstand. Der weiter angerickitete Schaden ist nicht bedeutend, da das Feuer in kurzer Zeit beseitigt werden konnte.— Zur selben Zeit kam Elisa b et hstr. 18 im Laden eines Droguem geschästs ein Schadenfeuer aus, das glücklicherweise durch die Feuer- ivehr noch erstickt werden konnte, bevor es eine gefährliche Ausdehnung erlangte. (Sin größerer Dachstuhlbrand kam Sonntagabend l/e8 Uhr in der Kochstraße 49 zum Ausbruch. Trotzdem die benachbarte Feuerwehr aus der Lindensttaße rasch zur Stelle war, fand sie doch bereits einen ausgedehnten Brandherd vor. Unter Zuhilfenahme einer mechanischen Leiter wurde das Feuer von zwei Seiten ange- griffen und nach �«ständiger Arbeit gelöscht. Die Aufräumungs- arbeiten nahmen jedoch noch fast zwei Stunden in Anspruch. Ein großer Teil der Dachkonstruttion, sowie der Bodenkammern wurde eingeäschert. Ueber die Entstehungs» Ursache ist nichts Sicheres bekannt. Der Bürgersteig an der von der Frieden straße be- grenzten Südseite des GeorgenkirchhoseS ist nur etwa 0.80 bis 0,90 Meter breit, mit Feldsteinen gepflastert und schlecht gangbar. Auch ist die KirchhofSmauer baufällig. Der Magisttat hat jetzt bei der Stadtverordneten-Bersammlnng den Antrag gestellt, sie möge den Ankauf eines Stückes Kirchhofsterrain von 323 Quadratmetern zum Preise von 80 M. mit der Maßgabe genehmigen, daß die chadhaft gewordene Mauer seitens der Stadtgemeinde auf Kosten des Gememdekirchenrats von Georgen durch eine neue ersetzt, zu den Kosten der letzteren aber städttscherseitS ein Beitrag von 850 M. geleistet werde. Radsport. Das Radrennen im Sportpark Friedenau war namentlich durch«ine halsbrechende Motorfahrt bemerkenswert, in der die Sieger Rettig-Soibud 10 000 Meter in 9 Minuten 47>/s Sekunden zurücklegten,— Malfahren Klasse B. 100, 50, 80 M. 1000 Meter, v. d. Tuyn-Amsterdam t. 2: 01: 2. Kunze-Berlin 2. Mulder-Amsterdam 8. Ganz leicht gewonnen.— Malfahren Klasse C. 50, 30. 20 M. 1000 Meter. Siebenmann.Basel 1. 1; 85: 2. M. Diele-Berlin 2. H. Winz-Berlin 3. Siegte überlegen. Mehrsitzerfahren. 200. 100, 50 M. 3000 Meter. Fünfsitzer Mulder 1. 3: 56: 2. Deckers-Rettig 2. Mbrecht-Siebclimmin 3. Gc- wann sehr sicher.— Rennen über 1 Stunde mit Schrittmachern. 1000, 500,2S0M. EmileBonhourS-PariSI., 54,511 Kilometer. Alfred Köcher- Friedenau 2., 54,426 Kilometer. Lucicn Lesna-Paris 3., 52,780 Kilo- meter.— Motor-Tandeni-Fahrcn. 150, 60, 40 M. 10 000 Meter. Rettig-Soibud 1. 9:47:1. Miiller-Reckzeh 2. Dacier-Beurtin 3. Mit großem Vorsprung gewonnen. Nadreimen zu Treptow. DaS Haiiptfahren für Berufsfahrer über 1500 Meter gewann der Mailänder Masfi in 2 Min. 13Vö Sek. vor Schmidt und Dutrieu. In dem über 1800 Meter gehenden Präniielifahren siegte Peter iBcrlin). Zweiter wurde Schmidt, Dritter Masfi. Zeit: 2 Min. 29?'» Sek. DaS Taiidcmsahreii, 3000 Meter, sah die Italiener Masfi- Carboni vor Schmidt-Porte und Scheuern, ami-Peter über das Band gehen. In der Haupt- attraktion des TagcS, dem 50 Kilomctcr-Rcuiien, fiel der Sieg an Dutrieu, dem Robl als Zweiter folgte, während den dritten Platz Nikodem belegte. Theater. Heute wird im S ch i l l e r- T h e a t e r(Morwitz-Opcr) bei halben Preisen zum letzten Male„Der Waffenschiiiied* gegeben. Mittwoch treten Adele Borght und Benedetto Lucignani tn„Carmen* zum vorletzleu- male auf.— Herr Emil Thomas wird auch in der lmumenden Saison im Thalia-Theater aiistretcu.— Das Polizeivräfidium hat dem Nriedrich-WilhelnistSdttjchen Theater die AuffLhrmig des Schauspiels„Rabbi David" von Karl Weiser, das anstandslos am Hof- Theater in Meiningen wiederholt aufgeführt wurde, verboten. Herr Tircktor Samst ist gegen dieses Verbot klagbar geworden.— Zu dem beut im Alexandervlatz-Theater icgnmenden Gastspiel des VerivandlmigS- Schauspielers K. K. Turpsa sei»och bemerkt, datz der Ästustler daö Programm ganz allein bestreitet und m 17g Verwaudlmigcu austrete» wird. Fcnerbcricht. Somitagnnchmittag wurde die Fcucrivchr zwei- mal nach der Umgebung der Stadt gerufen. Am Verlorenen Weg war Stroh' und Gras auf freiem Felde in Brand geraten, während auf dem Exerzierplatze a» der Schwedterstraße eine Pappel jedenfalls au» Mutwillen angezündet war. Kurz vorher mußte M e h n e r st r. 23 ei» Küchenbraiid abgelöscht werden. R o st o ck e r st r. 40 wurden bei einem Zimmerbrande Möbel ein- geäschert. Ein Alarm nach Tempelhofer-Ufer 17 erfolgte, weil hier zermahlener Gummi in Brand geraten lvar. Ans den Nachbarorten. Wilmersdorf. Die nächste �Versammluiig de« Social- demokratischen Vereins findet am Mittwoch, den 16. d. M., abends 8sts Uhr, bei Witte, Berlincrstr. 40. statt. Die säumigen Mitglieder werden ersucht, ihre neuen Bücher in Enipfang zu nehmen. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Adleröhof. Den Mitgliedern des Socialdcmokratische» Arbeiter- Bildmigsvercins zur Nachricht, daß die Mitglieder«Versammlung eine Woche später am 23. August stattfindet. Der Vorstand. Ein cutsctzlicher Brand, infall hat sich Goimtagiiachmittag in Rixdorf in der Ringbahiistr. 33 zugeiragen. Die 29jährige Frau Klara deS 32 Jahre alten Fischhändlers Emil Picht wollte um 30z Uhr Kaffee kochen. Sie füllte den Spirituskocher auS einer Flasche, die über der Maschine auf dem Kücheubrett stand, machte oann Feuer und wollte nun erst die Flasche, die noch ungefähr einen Liter ent- hielt, an ihren Platz zurücksrelleii. Als sie zu diesem Zwecke einen Stuhl bestieg, geriet sie ins Wanken, und die Spirittisflasche entfiel ihrer Hand l» die Flammen des KocherS und zerbrach. Der ans- fließende Spiritus, der sich über die Maschine und auch über die Kleider der Frau verbreitete, loderte sofort hoch auf. Die Unglück- liche war im nächsten Augenblick in eine Flamme, die ihre Kleidiing verzehrte, ganz eingehüllt. Auf ihr Hilsegcschrci eilte ihr Maim, der sich mit den beiden' Kindem im Nebenzimmer befand, herbei, warf sich auf seine brennciidc Frau und suchte durch Decken das Feuer zu ersticken. Bevor ihm das gelang, ivar die Aennfte bereits am ganzen Körper verbrannt. Sie wurde mit einem Rüiizelschen RettuiigSwagen in eine Privatklinik gebracht. Pick, der sich bei der Rettung seiner Frau au beiden Arnicu und Händen schwer ver« braniite, befindet sich in seiner Wohnung in ärztlicher Behandlung. Ein Bootsunfall ereignete sich am Sonntagabend kurz nach Uhr auf der Obcrspree beim Restaurant„Kiiffhäuser*. Beim Plätzewcchseln schlug ein Boot mit fünf Insassen(4 Herren, 1 Dame) um, füllte sich sofort mit Wasser und ging unter. Alle siliif Personen fielen ins Wasser. Da schnell Hilfe zur Stelle war, konnten samt« liche Insassen gerettet werde». Das unsinnige Verhalten deS Publikums beim Besteigen der Eisenbahiicoupecs hat Sonntagabend auf dem Bahnhof Nieder- Schöne weide einen schweren Unfall zur Folge gehabt. Auf dem Bahnhof herrschte ein reger Verlehr der SonntagsauSflügler. die beim Einlaufen der Züge die Wagenabteile stürmten, jeder in dem Bemühen, für sick, und seine Angehörigen möglichst bequem Platz zu erlangen. Vielfach wurden von dem eingestiegenen Publikum die Coup'eethüren ohne Rücksicht auf die Außenstehenden zugeschlagen. um das Nachdringen weiterer Passagiere und Ueberfüllung der Wagen zu verhindern. Hierbei wurden einem zehnjährigen Mädchen, daß im Begriff war einzusteigen und die linke Hand in die Thürfüllung gelegt hatte, die Finger gequetscht und derartig schwer verletzt, dag die Knochen zum Teil zerschmettert wurden. Leider gelang eS nicht, den rücksichtslosen Urheber deS Unfalles zu ermitteln. Das verunglückte Kind erhielt Hilfe bei einem Arzt in Nieder-Schöne- weide. Zu dem Raubmord in Alt- Buchhorst. Die Berliner Kriminalpolizei hat die Untersuchung in der Morosache übernommen und den Kommissar T. mit den Nachforschungen betraut. Wieivohl der Knecht W.. der in erster Reihe verdächtig erscheint, die Blutthat verübt zu haben, bereits verhaftet ist, so wird die Untersuchung doch noch nach einer anderen Seite hin geleitet. Der verhaftete W. be- treitet entschieden jegliche Schuld, doch ist eS ihm bisher nicht ge- lungen, sein Alibi nachzuweisen. Er behauptet, am vergangenen Dienstagabend bis Vel Uhr nachts in verschiedenen Gastwirtschaften in der Belle-Alliance-, Gneisenau- und Norkstraße geweilt zu haben. Die Haussuchung bei ihm ist völlig resultatlos verlaufen. Von dem gestohlenen Gelde, eS handelt sich um 1000 M.(Banknoten und Gold), ist nicht« gefunden worden. Die Beerdigung der ermordeten Wittwe Fielitz hat am Sonnabendnachmittag auf dem Begräbnisplatz in Grünheide stattgefunden. In dieser Angelegenheit wird ferner berichtet, daß der Kutscher W. sein Alibi nachiveisen konnte und bereits wieder auf freien Fuß gesetzt ist. Ein« Einbrecherbande von Schuljungen km Alter von 13 und 14 Jahren ist in Friedenau ermittelt worden. Die Jungen ind am letzten Freitag nachmittags in die Wohnung des im Bade weilenoen RechnungSratS H.. Ringstraße 20. eingebrochen und haben dort mehrere Operngläser, Lupen, Cigarren-Etnis. ein Portemonnaie mit Inhalt, Schnallzeug, Bürsten und viele andere Gebrauchsgegenstände gestohlen, die sie in einen Sack packten und, nachdem sie mehrere Stunden in der Wohnung verweilt hatten, abends nach einer unbebauten Straße, der Hackersttatze, schleppten. Hier befinden sich die unbenutzten Möbelwagen eines Friedenauer Spediteurs, und in einem der Wagen brachten die Jungen den Raub und sich selbst unter. Sie wurden von dem Hund eines NachtwächteeS aufgestöbert und von diesem mitsamt dem Rande nach der Arrestzelle gebracht. Der Anstifter der jugendlichen Bande war der mit einem verweis bereit? vorbejttafte 14 Jahre alte W. Er hatte den Schlüssel zur Wohnung de« RechnungSratS seiner Mutter, die dort«ufwartedienste verrichtet, entwendet und zwei seiner Schullameraden zu dem Ein- bruch überredet. DaS Vorgehen, das AmtSvorsteher von Oppen in Adlershof gegen dortige Saalbesitzer zu üben beliebt, ist dieser Tage im Verein der Saalbesitzer Berlins und der Um- gegend zur Sprache gekommen. Herr Schmauser erzählte die Schwierigkeiten, die ihm bei ehrenhafter Ausübung seines BerufcS von dem focialistentötenden Amtsvorsteher vor vierzehn Tagen in den Weg gelegt wurden, genau so wie sie kürzlich im.Vorwärts" geschildert worden sind. Im Saalbcsitzerverein fand diese Darstellung anfangs eine un- gläubige Aufnahme, als man sich später aber durch die vorgelegten Dokumente überzeugt hatte, wurde Herrn Schmauser geraten, Strafanzeige gegen die Gendarmen zu erstatten. In zweiter Instanz wird satzungSmätzig der S a a I b e s i y e r V e r e i n den rcchrlicken Kampf gegen den Ämtsvorsteher v. Oppen aufnehmen und durchführen. GvviSzks-Rettung. Eine abschreckende Roheit hat der Hausverwalter Otto Kl» w e an den Tag gelegt, der gestern wegen wiederholten Betruges und Körperverletzung vor der S. Fcrienstrafkammer des Landgerickls I stand. Der Angeklagte gehört zu der Kategorie der Heiratsschwindler, er ist ein sogenannter„feicker Kerl" und es scheint ihm nicht schwer zu fallen, heiratslustige Mädchen zu bethören. Mit einem Dienst mädchen Helene Jung hatte er ein Liebesverhältnis unterhalten, welches zur Ehe führen sollte. Nachdem ihm das Mädchen 73 M. überlassen hatte, sollte am IS. April Hockzeit sein und das Aufgebot wurde in aller Fonn bestellt. Das Mädchen gab 225 M. zur Einrichtung einer kleinen Wohnung her und das Pärchen zog zuiammen. Kurz vor der Hochzeit verlangte er wieder Geld und als ihm dies verweigert wurde, kam es zu recht unangenehmen Scenen, in deren Verlauf das Mädchen einmal einen Vergiftungsversuch machte. Das Ende vom Liebe war, dag er Helene Jung uiisanst an die Lust be« förderte, ihr den Eintritt in die Wohnung verwehrte und als sie eines Tages die Herausgabe ihrer Sachen begehrte, sie mit Ohr- feigen traktierte. Inzwischen hatte er schon längst wieder mit einem anderen Dienstmädchen, Auguste Kemplas, ein Liebesverhältnis an- gefangen. Das 28jährige, bis dahin völlig ehrsame Mädchen hatte feinen LiebeSbcteuerungen und seinem Eheversprechen geglaubt und nicht nur sich selbst ihm hingegeben, sondern ihm auch noch ihre Er- sparnisse in Höhe von 180 M. zum Opfer gebracht. Als das Mädchen fühlte, hast sie Mutter werden würde, dräng sie in ihn und beschwor ihn, sein Eheversprcchcn zu erfüllen und der Angeklagte verstand es auch, ihr jeden Zweifel an der Ernsthastigkcit seiner Werbung zu nehmen und sie in dem Glauben zu lassen, dast die Trauung baldmöglichst stattfinden solle. Er redete ihr eines TagcS vor, dast er, um die Ehcschliestunq zu beschleunigen, eine Stelle in Hannover annehmen müsse, verabschiedete sich und liest sich nicht ivieder sehen. Das um ihr Glück und ihre Ehre betrogene Mädchen erfuhr dann durch Zufall, dast der Angeklagte gar nicht abgereist sei, sondern im Hause Grüner Weg 20 eine Hausverwalterstelle an- genommen und nur sein Spiel mit ihr getrieben habe. In heller Verzweiflung stürmte sie eines Tages zu ihm, forderte von ihm Rechenschaft und verlangte wenigstens ihr Geld zurück, um mit dem Kinde, dem sie demnächst baS Leben schenken würde, vor der änstcrsten Not gesichert zu sein. Der Au- geklagte hatte aber kein Erbarmen, er wies sie aus der Wohnung, gab auch ihr eine Ohrfeige und schleuderte sie. ohne auf ihren Körperzustand Rücksicht zu nehmen, mit solcher Gewalt auf daS Pflaster des Hofes, dast sie sich eine Knievcrlctzung zuzog und das Krankenhaus aufsuchen mustte. Sie bat bald dararlf eine schwere Entbindung durchgemacht. DaS Schöffengericht hat s. Z. den Angeklagten mit Rücksicht auf die Gemeingcfährlichkcit der Heiratsschwindler und auf die Niedrigkeit der Gesinnung, die er zur Schau trug, indem er ein armes Mädchen betrog und entehrte, zu einem Jahre Gefängnis verurteilt und sofort in Haft gc- nommen. In der Berufungsinstanz erstand ihm eine Helferin in der Person seiner geohcfeigten Braut Helene Jung. Diese hatte schon nach der schöffengerichtllchen Verhandlung versucht, ihm einen licbeglühcndc» Brief ins Gefängnis zu schicken, in welchem sie die thräncnfenchtcn schlaflosen Nächte schilderte, die sie in dem entsetzlichen Bewnstlsci» verbringe, dast er durch ihre Anzeige eine so schwere Strafe erhalten. In der Berufungsinstanz entlastete Helene Jung ihre» ehemaligen Liebhaber dermaßen, dast der Gerichtshof wohl oder übel den sie betreffenden Fall ausscheiden mustte. Die Strafe wurde daher auf acht Monate Gefängnis festgesetzt. Ein Betritger gemeingefährlichster Art stand gestern in der Person des Arbeiters Otto Meyer vor der ersten Fcricn-Strafi kammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hat während der Zeit vom April bis Juni d. I. ganz Berlin unsicher gemacht. Es Winden 30 Betrugsfälle gegen ihn zur Anklage, es ist aber anzunehmen, dast bei iveitem nicht alle Fälle zur Anzeige gelaugt sind. Der Angeklagte hatte sich eine Anzahl beinahe wertloser Schmuckgegen stände,� wie Ketten, Ohrringe mit Glassteinen u. dergl. besorgt. Cr wickelte einen solchen Gegenstand, in einer Schachtel ver- packt, in Papier, auf welches er dann den Preis schrieb. Nun suchte er sich einen Laufburschen auf der Strohe auf, init Vorliebe einen solchen, der eine Umhängetasche trug, woraus zu schliestcn war. dast derselbe Geldbeiträge einkassiert hatte. Er fragte den Burschen, ob er sich schnell 30 Pf. verdienen wolle. Erhielt der Angeklagte eine bejahende Antwort, so zeigte er dem jungen Menschen den Inhalt der Schachtel und den darauf geschriebenen Preis. Er bat ihn sodann, die Schachtel bei einem Herrn Schulz, der in einem benachbarten Hause wohnen solle. abzugeben und den Bettag dafür in Empfang zu nehmen. Er wolle unten auf den Boten warten, der ihm aber als Sicherheit so lange seine Tasche anvertrauen müsse. Unbegreiflichcrwcise fielen viele Burschen auf diesen Schwindel hinein. Der Herr Schulz war natürlich nicht zu finden und der Angeklagte konnte von dem Boten nicht wiedergefunden werden. Die armen Burschen sind bisweilen um recht erhebliche Beträge gekommen, die von ihren unbemittelten Eltern haben ersetzt werden müssen. Einmal schwindelte der Angeklagte einem Schneiderlehrling einen ueuenAnzug ab. den dieser abliefern sollte, in einem andern Falle hatte er sogar einem Knabe» ein Portemonnaie übergeben mit dem Auftrage, eS bei einer angegebenen Adresse ab- zugeben. Er liest sich dafür so lange die Uhr des Bote» geben. Dieser dachte nicht daran, daS Portemonnaie auf den Inhalt zu prüfen, erst zu spät entdeckte er. dast es nur S1 einzelne Pfennige enthielt. Einem besonderen Umstand hatte der Angeklagte es zu verdanken, dast er noch vor dem Zuchthause bewahrt'blieb. Er ist bereits zweimal wegen ganz gleichen Betruaes bestraft worden, das erstemal mit einem Verwesie. Es stellte sich heraus, dast diese Strafe nicht den Personalien des Angeklagten hinzugefügt worden war, ti konnte somit nur eine Vorstrafe des Angeklagten in Betracht kommen. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Gefängnis und fünfjährigen Ehrverlust. Wie der Kutscher Wilhelm Merkel einen hohen Umsatz er- zielte, kam in der Verhandlung zur Sprache, welche gestern gegen ihn vor der ersten Ferien-Sttafkammer des Landgerichts I stattfand. Merkel wurde am 1. April von einer hiesigen bedeutenden Schmalzstedcrci als Kutscher angestellt. Er erhielt des Morgens zehn bis elf Centner Schmalz in Satten ausgeliefert mit dem Aufttage, dasselbe bei alten oder neuen Kunden abzusetzen. Da Schmalz ein Börscnartikel ist, so wurde dem Angeklagten an jedem Morgen der Preis angegeben, den er beim Verlauf festzuhalten habe. Die Firma berechnete für sich nur t Pfennig pro Pfund Nutzen und er- mächtigte den Angeklagte», in einzelnen Fällen den Verkaufspreis noch um Va Pfennig herabzusetzen. Auffallcndcrweise kam der An- geklagte fast jeden Abend mit einem leeren Wagen nach Hause. Für einen Teil der Waren lieferte er das Geld ab. für den andern Teil die von den Abnehmern angeblich unterschriebenen Lieferscheine. Zwei Monate später machte die Firma die unliebsame Entdeckung, dast elf Lieferscheine gesäljcht waren. Der Angeklagte gab an, dast er das Schmalz 3 Pf. unter dem Börsenpreise verkauft habe und um einen vorliegenden Ausgleich herbeizuführen, habe er die Lieferzettel gefälscht. Obgleich die Firma einen Verlust von etlva 1300 M. erlitten hatte, behielt sie den Angeklagten dennoch in ihrem Dienste. Als Dank dafür verkaufte der Angeklagt« zwei ganze Fuhre» Schmalz für eigene Rechnung und übergab seiner Firma dafür zwei gefälschte Wechsel. Bon dem Erlös schaffte der Ange- klagte sich eine Wohnungsemrichtung an. da er demnächst heiraten wollte. Bevor er dazu kam, wurde er verhastet. Bei dem schweren Vertrauensbruch, den der Angeklagte sich halte zu Schulden kommen lassen, konnte von mildernden Umständen keine Rede sein. Das Ur- teil lautete auf anderthalb Jahre Gefängnis und Ehr- Verlust auf gleiche Dauer. VevfmmnUmgem Die Lohnbewegung der Bautischler und Einscher stand auf der Tagesordnung einer Versammlung, welche für beide Branchen am Sonntag bei Keller in der Koppenstraste abgehalten wurde. Der graste Saal und die Galerien waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Es handelte sich um die Entscheidung der Frage, wann die Forderungen der Arbeiter an die Unternehmer gestellt werden sollen. Aus den Berichten, welche Glocke und M a a st gaben, ist folgendes hervorzuheben: Am Sonnabend hat' eine Verhandlung zwischen den Vertretern der Arbeiter und der Tischlerinnnng, von der 23 Mitglieder an der betreffenden Sitzung teilnahmen, stattgefunden. Die Innung hat die Forderungen im grasten und ganzen bewilligt, nur meinte' sie, hinsichtlich der Forderung einer wöchentlichen Abschlags- zahlung von 27 M. könnren sich die Meister nicht unter allen Um- ständen festlegen, da doch sehr junge ebenso wie ganz alte Arbeiter nicht so leistungsfähig feie», um diesen Lohn in jedem Falle ver- dienen zu können. Die Kommission der Arbeiter hält jedoch grundsätzlich an der Abschlagszahlung von 27 M. fest und übcrlästr es den Kollegen der einzelnen Werkstellen, ob sie in bestiminten Fällen hierin eine Ausnahme zulassen wollen. Wenn nun auch die Jimungsmitglicdcr im allgemeinen die Forderungen der Arbeiter an- erkannt haben, so werde es— sagte Maah— doch mit der Durch- sührung derselben nicht überall so leicht gehen, denn manche Meister würden sich nicht geneigt zeigen, den Zu- sichcrungen der Innung Folge zu geben, und es könne daher wohl in verschiedenen Werlstellen zu Differenzen kommen. Die Innung habe sich bereit erklärt, in solchen Fällen, wo sich Meister und Gesellen über die Forderungen nicht einigen können, gemeinsam mit der Kommission der Bautischler die Streitigkeiten zu schlichten und eine Vereinbarung herbeizuführen. Eine Vertrauensmänner- Versammlung der Bautischler und Einsetzer, welche vor der öffent- lichcn Versammlung stattfand, habe nach eingehender Prüfung der Sachlage beschlossen, den Kollegen zn empfehlen, Montag, den lt. August, in allen Wcrkstellcn die Forderungen vorzulegen.— Es folgte nun eine kurze Diskussion, in der mehrere Redner auS der Umgegend Berlins erklärten, dast sich die Kollegen in den Vororten der Bewegung in vollem Unifange anschliesteu, nur die Kollegen in Friedrichshagcn wollten sich' nicht an derselben beteiligen. weil die dortigen Werkstellen augenblicklich nicht viel zu thun hätten, v. K i d r o w s k i. ein Mitglied des christ- lichcn Vereins„Arbciterschntz", erklärte, dast sich die in seinem Verein organisierten Bautischler dem Vorgehen ihrer Kollegen vom Holzarbeitcr-Verbaude anschliesteu und gleichfalls in die Bewegung eintreten, denn sie möchten nicht, dast man sie als Streikbrecher be- zeichne. Er ersuche die Komniission, dem.Arbeiterschutz" von dem Eintritt in die Bewegung Mitteilung zu machen. Glocke be- anftragtc den Redner, dast er scstiem Verein eine dahingehende Mitleilnng offiziell überbringe.— Die Veriaminlung beschlast, dast. am Montag überall die Forderungen der Bautischler und Einsetzer zu stellen sind.— Das Resultat des Vorgehens soll durch die Ver- ttaucnSmanncr der Werkstellen sofort an das Bureau, Alte Jakob- strastc 75 bei Feuerstein, gemeldet werden.— Die imposante Ver- sanunluug schlost mit eine in brausenden Hoch auf das Gelingen der Lohnbewegung und den Holzarbcitcr-Vcrband. Tie Händler und Händlerinnen waren am Sonittag wieder versammelt, um die seit längerer Zeit betriebene Agitation gegen das Verbot dcS Strastcnhandels fortzusetzen. G o t t f c l d betonte in seinenl einleitenden Referat, dast die neue Polizei- Verordnung v o niku Insiult der Inserate iibernimint die Ncdattio» de», Publikum gegenüber keinerlei Veranlinorlnng. Dienstag, 15. A u g u st. Neues Oper»- Theater(Äroll). Die Fledermaus. Anfang 71/2 Uhr. Lcssing. Iris. Anfang 7-/z Uhr. Neues. Die Wahrsagerin. Ab- schiedssonper. Ansang 71/z Uhr. Weste». Der Mikado. Anfang 7V2 Uhr. Schiller. Der Waffenschmied. Anfang 7-/2 Uhr. Central. Der Heirats markt. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. Nlexandcrplal!. Gastspiel Turpfa. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang 71/2 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Belle-Alliance. Specialitäten-Vor- stellung. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Luna. Specialitaten- Vorstellung. Anfang 7i/z Uhr. Nejchshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoplitiin». Speciali- tälrn-Borstcllnng. Urania. Hnpalidenftr. K7/tiü. Täglich abends von b— 10 Uhr: Stermvarle._ TchiNWU' tWallner- Theater). M o!• w 1 1 z- O p e r. Dienstag, abends 7l/z Uhr: Vvllistllmlllllis Opern-Vorstellung bei hiAbcn Preisen, zum letzten Male; Der Waffcnschinlcd. Mittwoch, abends 7� Uhr: Vorletztes Gastspiel DorsM■ I.ncignnnl. Carmen. Donnerstag, abends 71/2 Uhr: IMe Hngenotteji. Freitag, abends 71/3 Uhr: �.cyies Gastspiel Lorgbl-I-uölgnanl. Schlu« der Op er li- Spiel.) cit am Mittwoch, den 30. d. Mts. CrntvAl Tkzvnkvr Dirckllon:.lose Ferenczy. Snf<)Picl=ffiiifcm()Ic(grI.Mllly Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto Fadlo» vom Schiller-Theater, Herr «ilod. llwÄlil vom Thalia-Theater als Gaste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 8 Akten v. G. Okonkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- leibe Vorstellung. Friedrich-Mhelmst.Tiellter Cdausseestr. 25,26. Ainn 8. Male! Abends 3 Uhr: „Germinal"oder: TerStreik der Bergarbeiter. Sensationsstück in 6 Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman p. Emile Zola. Regie: Lconh.Ottomeher. 1. Bild: In Not und Elend. L.Bild: Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- Werksdirektor. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild: Am Rande des Ab- grundcs. K.Bild: DerZniamüiensturz. Im Frleckrloli-IVIlbelmst. Konzertpark: Jeden Abend ungeheurer Lachersolg der Sensationsposse: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lona Barrison, Mlle. Popolair, Uvette Gnilbert, Professor Svengali. Leonhard Hartmann als „Zigeuner". Miß Darnett, Salon-Atlethin, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patch Frank-Truppe, Akrobaten, 5 Personen sc. Außerdem 20 Specialitäten. Entree 30 Pf. Wld-Kttl Keij-TsMter. Gr. Fronksnrtcrstrasje lZ». Täglich: Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Borzugsbillets haben Gültigkeit. Im Garten: 8peo!a!ltätenvorsteIIung. 27 Nummern. Anfang o'/j Uhr. Mittwoch: Kinderfreudenfest. Vietoria-LrAuerei Lnholostrnste 111/112. im Xatnrxarte»«der Siaal; Täglich Hilinoristischc Soiree der Mlieulselien Sänger >(Fuhrmann, f Ä Horst, Walde). w Auf. Sonntags präc. 7, wachen- tags 8 Uhr. Entrce 50 Pf Voroerk. 40 Pf. Fainilienbillets 3= 1 M. Sonntag und Tonnerstag nach der Vorstellung: Tanzkrtlnzelien. letropol- Theater. Behrenstr. 55,57. Grüsster Saison-Erfolg!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-BaileU. Hierzu: Neues Specialit.-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushima Truppe. Wemer-Amoros- Company etc. etc. Anfang 8 Ii Ii r. Urania Tanbcnstrnsse 48/49. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invalidcnstr. 57/08: . Sternwarte. Passage-Panoplicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Xenk Aen! Das urkomische BOckeburger Bauern- Ensemble. Anfang der Borstellung k Uhr abends. ™ castans»»» PANOPTICÜM Die sensationellen lebenden-ve Photographien! In Lebensgrösse. u Apollo-Theater. Abends 9 dir: Fftsati£juiia mit dem Luftballett„Grigolatis". «Otto Reutter« Der Kosmograph ü Neul Die ErUlfunng Neu! des Dortmund Ems-Kanals am 11. August 1899 durch Se. Maj.(1. Dentsclien Kaiser. Garten- Konzert 7 Uhr. Anfang der VorsteUung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„Kfinstlerdank", Unter den Linden 69. Wedding-Park MUller- Strasse 178. S? Norddeutsehe Säuge?« Blegler, Wolf, Hohenberg etc. Entrce 20 Pf., Borzugsbillets 15 Pf. Die russische Damenkapelle ,, In moskowitlschen Kostümen, Viele neue plastische Gruppen und Eignren. W. Noacks Theater, Brnmienstraße 16. Täglich: Theater- u. Specialitäten- Vorstellung. Die Lindenwirtin. Lieder'picl in 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. Das Blumenmädchen vom Morihplatz. Volksstück mit Gesang in 2 Akten von Johann Eigner. Im Saale: Tauzkrüiizcheir. Neichshalleat. Gurten resp. Saal täglich: Stettiner Sänger (AieUsel. Pietro, Britto». Steidl, Krone, K i r ch 1» a y e r. Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: Konzert. Entrce 50 Pf., Vorverkauf für die Wochentage 10 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. Jeden Freitag: Neues Programm. Schmeizer-Gjirten Mm Königsthor(Ringbahn) Mm Friedrichshain. Wih: Thkatn- und SpeciallMn-Norileaimg. Jeden Mittwoch: Grones �nntilien� und Kindrrfetk. Auftreten des neuen Kiinstler-Ensenibles, Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität! von Kiantschou. Ausstattungs-Burleske mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.— Musik von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: LsII. Max Kliems Sommer-Theater Hasenheide 14—15. Mrtistische Seitnng: Paul Milbitz. Z? Aglili: Großes Gorteil-Konzert. � Mnftrete» des gesamte» Schauspiel-». Specialitäten-Personals. atF" Nur erstklassige Kräfte. WM Deorg Fischer(Liedersänger), Bmst Kühne(CHarakter-Kvmikcr), Frltzl Vorrl (Kostüm- Soubrette), Floetz Carella-Troupe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(Transformations- Duo), Llng-Fuing(Chinesische Akrobaten), The Cowas(Origtnal-Excentrics). WM Acnes gediegenes Eainillcn- Programm. Entrce: Wochentags 20 Pf.' Numerierter Platz 40 Pf Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr. In den Festsälen:&> Die Kaffceküche ist geöffnet. f Mchtung! Meinen Freunden und Gönnern zur Mitteilung, daß ich von jetzt ab boykottfreies Bier fchänke. f1916S Fritz Bierinau». Emdenerstr. 51. ü. Gnipos Tanz-Institut, Annenstr. 16(früher Klubhaus). Sonntags-KurfuS ver Monat 3 M., Dienstagabend-Kurfus p. Mouat 4M. Säle und Vereinszimmer für Ver- sammlungen u. Festlichkeiten. f2327J Kransbindcrei u. Blnmen- handlnng von 1608S* Robert Meyer, Xo. 9, llarianiicnstr. X o. 9. Widmungs-Kränze, Gnirlanden, Ball- stränßcheu, Bonquets:c. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert- Pntree: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Anfang der Vorstellung 8 Uhr, Großer Ball. Max Kllem. Prater-Tlieater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorns Resl. Volksstück mit Gesang n. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostümsoubrette Fräul. Lucie Sarow. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesimg und Tanz. Die 3 Schönbrunns, humoristisches Bilderbuch. ThetFIashes, Excentrics. Ballettgelellschaft Döring. Vendaro-Trio, Exercitie» am Hand- Trapez. Daniel-Truppe, Pantomime. WM- Konzert und Ball."NZ Eintritt Sonntags und wochentags lit) Pf., n»Ul. Platz 5V Pf. Kalbo. Pnhlnianns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, chönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Lov?ert,'kdeAtsr li. Lpeeialitätou-VorstellilNA. R. Lallsedmieäers .Aastaolellväldedell" Aonzertgartm u. Prachtsiilt Badstr.16. Gesundbrunnen. Badstr. 16, Täglich: Gr. Proinenadcn- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grosser Ball im neilerbautcn Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichleiten. R. 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Horsch, Gipsstr. 27. Churiottenhurg: Gust. Scharnberg, Schillerstr. 941. M. Tie», Kaiser Friedrichsir. Z7b. Friedenau: H. Bernsee. Kirchstr. 15. Friedrichsberg: Auto» Kopp. Friedrich Karlstt. 4. Panhosv: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Klixdorf: C. Ostermann, Erckstt. 6. E. Retzerau. Hermannstr. 50. Siehiineherg: Wilh.Bäumler.«postelPauluSstr.15. Wcissensee: Heinrich Vachmann, Lehderstr. 1. Jnlins Schillert» Königchaussee 39a. Rob. Liebschwager, Gnstav-Adols- straße 16. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlm. 5Vür den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. nt. 189. i6. M.Mg. 2. KeilWt des„Dmillts" Derlim UllütsdlM. A«M l8gs. Die deutschen Gewerkschafts-Orgauisationen im Jahre 1898. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands veröffentlicht soeben das Ergebnis der statistischen Aufnahme über die Stärke und die finanziellen Leistungen der Gewerkschaften. Gegen das Vorjahr zeigt sich wieder ein erheblicher Zuwachs in der Zahl der Mitglieder und veranschaulicht die folgende Tabelle die Entwicklung seit dem Jahre 18S1. *) Saar- und Nuhrrevier. 2) Darunter 8821 Mitglieder des aufgelösten sächsischen Verbandes. Die nebenstehende Zusammenstellung giebt einen Ueberblick über die Zahl der Mitglieder in den einzelnen Gewerkschaften und die Gesamt-Einnahmen und Ausgaben. Zugenommen an Mitgliedern im Jahre 18S3 gegen da? Vorjahr haben folgende Gewerkschaften: Die Bäcker 898. Barbiere 412. Bauarbeiter 3S27. Bergarbeiter 9300, Bildhauer 245. Böttcher 18. Buchbinder 340, Buchdrucker 1155, Buchdruckerei- Hilfsarbeiter 1333, Bureau-Angestellte 20, Fabrik- arbeiter 2533, Former 1302, Forinstecher 243, Gastwirtsgchilsen 220, Geineindebetr.-Arbelter S87, Glaser 435, Graveure und Ciseleure 97. Handelshilfsarbeiter 2384, Handlungsgehilfen 75. Handschuh- macher 177, Holzarbeiter(Verband) 8112, Holzarbeiter(Hilfsarbeiter) 57, Kupferschmiede 3, Lager- Halter 48, Lederarbeiter 690, Maler 1430, Maschinisten und Heizer 1336, Maurer 17 523, Metall- arbeiter 15 541, Porzellanarbeiter 189, Sattler und Tapezierer 134, Schiffszimmerer 141, Schmiede 310, Schneider 454, Stuccateure 675, Tabakarbeiter 662, Tapezierer 905, Textilarbeiter 6359, Töpfer 475, Werftarbeiter 73, Zigarrensortierer 223, Zimmerer 4484. In einigen Gewerkschaften ist ein Rückgang in der Mitgliederzahl zw verzeichnen. Es sind da? die Brauer 488, Gärtner 50, Glasarbeiter 424- Gold- und Silberarbeiter 10, Hafenarbeiter 963, Hutmacher 200, Konditoren 12, Lithographen 965, Müller 24. Schuhmacher 125, Seeleute 523, Steinarbeiter 1500, Steinsetzer 37, Vergolder 29. Die Zahl der in den Centralverbänden organisierten Arbeiter beträgt nach der Zusammen- stellung 493 724; rechnet man hierzu noch 17 500 Arbeiter in Lokalorganisationen, so hat sich die Zahl der Arbeiter, die den Gewerkschaften, welche auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen, angehören, auf über eine halbe Million erhöht, sie zählen jetzt 511 242 Mitglieder. Die unten stehende Tabelle giebt die Ausgaben specialisiert wieder. Die Kassenverhältnisse dürfen wir als äußerst günstige bezeichnen. Die JahreSeinnahmen be- trugen 5 508 667,64 M., denen 4 279 726,19 M. in Ausgaben gegenüberstehen. Dabei behielten die 57 Gewerkschaften noch über 4 Millionen Mark in ihren Kassen als Bestand. Das Gesamtresultat ist c-. höchst erfreuliches für die deutschen Gewerkschaften, und an unermüdlicher Weiterarbeit wird eS nichc fehlen, im Wirken und Schaffen für die gesamte Arbeiterschaft werden die deutschen Gewerk- schaften trotz aller Widersacher und Förderer der ZuchthauSpropaganda unermüdlich thätig zu sein. Znhl der Mitglieder. IasMeinnchne und Ausgalit im Jahre 1898. Aumcrkiiiiftk» zu Tabelle I.' St ist die Mitzliederzahl im Jahieöd»rchsch»ill und nicht am Ende des Jahres anaeeeben. f Die Sinnahmen für eine getreu»: gehaltene Kasse zur Kranlenuntersliiyuna find hier mit einbezogen, weil die Ausgaben für diese Unterstügung in Tabelle II und in der WesamiutauSgabe angeführt find.') Slilt 11 Mdnale ') Für 6 Monate.■) Nur Einnahm, der Jeniralfasse.') Nach Schätzung. Äusgubtn und Russeubtstund der Gmeruslsiasts-Srgunisutioiltn im Jahre 1898. Kamt der Organisation Bäder................. Barbiere............... Bauarbeiter............ Bergarbeiter........... Bildhauer.............. Böttcher............... Brauer................. Buchbinder............. Buchdruder............ Buchdrnderei-Lülfiarb.. Bureanangestellle....... Tachdeder............. Fabriiarbetter......... Former................ uormenstecher.......... isärtner................ Sastirtrlhsgebülfen..... GemeindebekrtebZarb____ Wlasarbeiter........... Glaser................ Gold- und Sllberarbeiter Sraoeure und Ziseleure Hasenarbeiter.......... Handelshülfsarbeiter... Handlungsgodülfen..... Haudschuhmacher....... Volzarbeiier(Berband). (Hülfsarb.) Hutmacher............. Konditoren............. Kupferschmiede......... Lagerhaller............. Lederarbeiter........... Lithographen........... Maler.................. Maschintfien und Hetzer Maurer................ Metallardeiter......... Müller................. Porzellanarbeiter....... Saltler und Tapeziere.. Schtffsztminerer........ Schmiede............... Schneider.............. Schuhmacher........... Seeleute................ Steinardeiter........... Steinsetzer.............. Stulla teure............ Tabalarbetler.......... Tapezierer—......... T-riiiarbetter.......... Töpfer................. Vergolder.............. Werftarbeiter.......... Zigarrensortirer....... Zimmerer.............. Zluiuersunge»;« Tabelle II.* Eiuschliehlich Gemahregeltenunterstützuna.') Einfchliehlich Anschaffung neuer Maschinen für die Druderet.>) Znfluflve Beitrag an die Senerallommisfion. «1 ZurürtgczichUeo Tarlehe». 5) Darunter jU. 2500 für internationale Agilaiio».') Für« Monaie.') Jnflufi»,«ratifilativn für den Borstand für ISS«/«?.') Für»in Quartal.') Für zmei Quartale. vie.leljährlich erschetueude» BlatteZ. >) Und Reifeunterstützuug. •s) Für eilte Nummer de» SotlaldeuMraMer Wahlverein für den L Der!. RMstags-Mahlkrejs lTüd-Lst) Heute Dienstag, den 1». August, abends 8 Uhr. hu Lokale von Brüder, Waldemarstrahe 73; Persanlmlnng. Tages- Ordnung: l. Vortrag des Genossen Karl Lankow über:„Platonischer und urchrist.-cker Hmmnunwmus". 213/7 2. Diskussiow 3. Verciii-Zangelegenheiten.« Gäste haben Zutritt. Ter Vorstand. Donnerstag, den 17. Angust, abends 8� Uhr, in der ISvR'Hnvr Ressource, Kommandantenstr. 57 Geffentl. Uollr Versamminng. Tages-Ordnnng: „Die Dienftbotenbewegung, ihre Ursache und ihr Ziel". _ Refcrcntin: Frau L,Illy Brann. 1/16* ' Alle weiblichen und männlichen Personen sind eingeladen. Bolle, uneingeschränkte Redefreiheit!! _' Tie Bertrauenspersou._ SonMemMMcher Zvahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Ttcuotag, den 15. August, abends 83/4 Uhr, in Fischers Lokal, _____ Bcusselstr. 9: Vei' Sammlung, Tages-Ordnung: 1. Tie Socialdemokratie im roten Hanse. Referent Genosse dlmliwalll. 2. Diskussion, 3. Vcrciiisangelcgenhciten. 217/11* Gaste haben Zutritt. Der Vorstand. Die Partie nach der Sternwarte findet für die Genossen von Moabit tind Rosen thaler Vorstadt am Sonntag, den 27. August, statt, und Umgegend. A rij 1 u tt q! Wkitervertttm Derlms 2kn« Donuerötag. den 17. August, abends«>/- Uhr, bei»««liv, Grenadierstr. 33: Oeffentliche Versammlung bersenigen Zlrbeitervcrtreter, welche auf Grund des Unfall-, Jnbaliditäts- und AltersversicherungS- und des Lirankenverstchernugs- GesebeS gewählt sind. T a.g e S- O r d n u n g: 1. Die Organisation der Arbcitervertrcter Deutschlands. 2. Diskussion. 3. Wahl eines BertruenSmanneS. 1. Verschiedenes. llugen SImanovskI, Gartenstr. 78 H. AAlllig! Kltlltjllltr. Alhtlttlg! Mittwoch, den 16. August, abeiids 8'A Uhr: OkfftWHeOmmilmg derMMMr in C o h«S Keftsäle», Vcuthstr. Sv— Sl, 1 Tr. Tagesordnung: 1. Bericht der Agitationstoinmission. 2. Welche weiteren Maßnahmen sind zur Durchführung des Minimallohncs von 50 Pf. pro Stunde zu er- greifen? 3. Verschiedenes. Kollegen! Die außerordentlich wichtige Tagesordnung bedingt daS Er- scheinen aller Kollegen. Agitiert dcöhalb überall für regen Besuch der Vcr- sammlung. slS/7 Der Vertrauensmann der«leutpncr: P ausch, Simeonstr. 4. Centml-Nerband der MldhlUler Bentschlands Vertvaltiingsstclle Berlin. Heute, Dienstag, abends 8'/- llhr. Köpuickerstr. 62: DM�Devsemuttlmm. Beratung über die neuen Slatistikformulare. 20/13 Utlm dtlMographkn, StklildlMer und Berufsgen. Deutscht.(Filiale Berlin 1). Donnerstag, den 17. August er., abends 8Vz Uhr, im Lokale des Herrn Hoffmann. Alexanderstr. 27c: Mitglieder- Versammliing. 1. Geschäftliches. Tages-Ordnung: 2. Vortrag des Herm vupont. richt und Neuwahl der Piatineeloutuiisston. 5. Neuwahl der kommission. � Die Versamntlung wird pünktlich erössnet. ersucht 3. Diskussion. 4. Be- U»i Di Agitations- W/15 zahlreiches Grscheincn sie Verl Verwaltung. HÜT" Einsetzer, Mittwoch, 16. Angust. abends S'/a Uftr. bei Cohn, Beuthstrafte: Große öffentliche Versammlung. 108/18 Tagesordnung: Die Situation in der Lohnbewegung der Einsetzer. De der Einbernfcr. ffßG- Kixdorf. Dienstag, den 15. August 1899, abends 7 llhr, Herrn HleinKc, Bergstraftc 137: Oeffentliche Holzarbeiter-Versammlung. Tagesordnung: Der Stand der Bautischker-Bewegung am Orte. Lokale des 108/19 TscIimK.uiMt Eutin. lflaschlnenban-, Baujewerk-, Tlefban-, Wege- nnd Itabaiaefster-Sctanle mit Praktlkara. Abiturienten anderer Bauschulen finden im oberen Kursus weitere Ausbildung. Special- kurse zur Verkürzung der Schulzeit. Programm kostenlos durch Dir. llliteboe. Blumenhandlung und Kranzbinderci von s233IL Otto Knabe 10 n Admlral- Strasse 19 a empfiehlt Widmungslränz«, Sträuße, Kotillons, Topfgewächse aller Art. Von der Reise zurückgekehrt Hr. P. Cbrlsteller An der Stadtbahn 21. ilZ0/I3 Haaksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kran ssvenden bei der Beerdigung meines lied-a uu- verveßlichen Mannes, nniereo lieben Bruders, Schwagers und Onkels, des Möbelpolierers Hermann Suitner. sagen wir hiennit alle» Genosse», Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein der Möbelpolierer unseren herzlichsten Dank. slSllb Die trauernden Hinterbliebenen. Bsiikssguiig. Allen denen, die unserem unvergeß- lichen Vater, dem Schriftsetzer ftlednck Ludwig die letzte Ehre erwiesen haben, den besten Tank. 1301b Die Hinterbliebene». N«oe freie Volksbühne. Sonntag, 27. August, nachi». 2l/} llhr, im Scbillcr-Theatcr (Morwib Oper) letite Op'crn- sind nur zu haben: 9. Lsollse, GotzkowSkystr. 9; 0. �clisemann, Jagowstr. 15, 2. Hof I f\ W. E. Springer, Bülowstr. 53, 3. Aufg. IV; S\V. J. Pech, Möckernstr. 120; H. Landgraf, Neuenburgerstr. 15; S. H. Eofasien, Kommandantenstr. 62; P. Rusch, Admiralstr. 17, Hos I; Konfum-Genoffeiischaft Befreiung, Skalitzerstr. 8; SO. Th. Stampehi, Marianncnstr. 26; H. Kaufiiold, Melchiorstr. 3 I; O. W. Schrolle, Lanilwchrstr. 3; V E. Schmidt, TreSlow- strahe 22; E. Knapp, Grüntiialerstr. 5 und beim Unterzeichneten 150/12_ I. A.; Vit, l.ttbr, Kassierer, Ackerstr. 33 II. Essig selbst zu bereiten ist höchst einfach und hochpraktisch mit Reichels Extrastarker Ksslg-Essenz. 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(Ohne weivähr.) 29 77 166 73 209 74 382 632 43 47 1249 330 95 762 *026 37 251 331 466 548 761«46 973 8215(150) 20 402 11)40(200) 83 332(«0 0(101 46 64 512 937 5036 38 148 :i25 504«8«35«7(150) 826[5001 44«014[1501 39 222 47 461 62 641 736 70 981 7250 365 524 45 69« 827 6,155 348 66 433 43 576 646 54»062 146 705 18 30 612 S«I 10878 41» 60 618 02 702 11258 661 610 43 854 1*049 67 73 289 422 567 669 741 85 928 1 8017 118»8 289 442 845 14131 60 376 430 693 747 889 997 15188 279 447 94 540 745 1 0116 281 478 17026 73 151 228 453 533 34 605 78 79 747 815 943 18036 247 388 79 429 523 46 6«8 813 1 9037 83[J501 169 315«6 476 *0295(1501 344 440 86 765 846«9*1222 45 332 f 1 50)«5 655 785 916 64**136 70 271 571 81 704 ;.'.K;56»9 170«S 212 51 611 84 885*4296 352 73 600 58 751 881(150)*5067 299 30« 30 96 518 626*«028 62 284 96 328 33 93 583 648 703 72 814 935«7000 243 357 514 615 99 962*M395 510 53 84 683 749 960 *0000 72 114[ISOi 214 85 574 721 827(450) :;,»025 771 98(1 0! 81204 300 497 75« 3*074 162 902 374 623 39«27«70 33000 26 110 18 95 261 78 !!34 1160) 35 78 574 89 760 110001 95 859 71 907 92 34023 292 304 7 48 81 88 435 89 6 7 502 977 35160 U19 355«04 TO 79 912«1 3,«114 48£ 5 754 BIO(160) »T234 96 812 68 635 837 3H011 40 12« 40 619 87 94 '.97 899 919 30287(200) 48« 529 51 98 769 912 19 ■„,112 46 407 877 917 41284 35 52 67 76 410 588 45 616 716 27 920 38 4*047 101 314 66 528 71 88«00 7 93 834 912 33 43036 108 27 71 246 559 626 844 44222 88 681 672 603 962 45040 104 22« 30 878 87 542 636 «81 989-I001I 88 135 85 8« 326 39 506 929 47208 26 363 467 679 748(300) 861 952 4H094 371 435 öti«07 32 837 49052 116 291 325 516 42 77 1300; 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Für den Inseratenteil veraulwcrtiich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin.