|lt. 190._-AAv., 16. Jahrg. WM � MMGG ��4�1 � «bonnemen».»«« ptänum.tanbo: B I■ Bf�B B B B■( Ml» B? j �<»«tr°g. fü- di- s.ch-g°sp°l..n- K-l-n-l. «ierteliahrl. SL0 Mk., monall. t.lvMr., B I JKä B fjh DD f£ B jcU« oder deren Raum 40 Pfg., für wöchentlich LS Pfg. frei in» Hau«. jJjgk W> DD HB Hl B»M» B B) // politische und gewerlschaftltche VereinS- «inzelne Nummer S Psg. Tonulag«. U4H H M> H H H H■ B B B B I AL und Versammlung«- Anzeigen 20 Psg. Nummer mit illustrierter Sonntag«»|H W> l W>„Kleine Anseigen" jede« Wort 5 Pfg. Beilage»Die Neue Well» 10 Pfg. Post. Zf�B IM B B B(nur da« erste Wort fett). Inserate für Abonnement: ZPO Mark pro Quartal. B B BkB\ �B� �--- MBM� B>/ B die nächste Nummer müssen dt«« Uhr «iing.lragen in der Post-Zeitung«. W B. �B&\ A B nachmittag« in derExpedttion abgegeben Preisliste lür ISSS unter Sr?««). W? � � ZS B werden. Die Erpedition ist an Wochen. „.L I f. ZS|■-V�_ tagen bt, 7 Uhr abend«, an Sonn- und »renzband sur Deutschland und �----— V Festtagen dt- SUhr vormittag« g-öfsnel. Oesterreich-Ungar» L Marl, für da» �..... ft)----*- übrige Ausland 3 Marl pro M««U.. � �- �~/ Fernsprrchrri»mk I. Nr. lSo». «rsch.iuk»glich uuster»-nk-g� � � � � W � � � � � J �«Soriald-mostrat Brctin" Centvalorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Lebalilion: SiV. lv, Brulh-Slrasje 2. Menschenopfer nnd Unternehmer- gewinne. ast. 7416 Tote lind 84 91V Verwundete auf dem Schlachtfeld der industriellen Armee— so lautet das amtliche Schlachtbulletiu nach dem letzten Rechenschaftsbericht der Beri'fsgenossenschaften über die Verwundeten und Toten, die m dem einen Jahr 1897 in unfallversichcrungspflichtigen Betrieben verunglückt sind. Rund Wi Millionen Arbeiter sind in Betrieben beschäftigt, die nicht der Unfallversicherungs- Pflicht unterliegen: die von socialdemokratischer Seite be- aatragte Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle Leben und Gesundheit von Arbeitern gefährdenden Betriebe ist ab- gelehnt. Selbst die kleine Ausdehnung, die die Unfall- versicherungs-Novelle nach den im Jahre 1897 gefaxten Beschlüssen der Reichstagskommission erfahren sollte, ist von der Regierung zurückgestellt, weil der Verband der Groß-Industriellen sich gegen die Unfall-Novelle in der von der Reichstags-Kommission beschlossenen Form erklärt hatte. Die Anzahl derjenigen Arbeiter, die in Unfall- versicherungspflichtigen Betrieben verunglücken, aber vor Ab- lauf der 13. Woche gesund werden, beträgt 84 Proz. aller in solchen Betrieben Verunglückten, also mehr als das Fünffache derer, für die die Unfall-Berufsgenossenschaften Renten zu zahlen haben. Eine Statistik darüber, wieviel Arbeiter über- Haupt auf dem Schlachtfelde der Arbeit in Deutschland in einem Jahre infolge der Ausübung ihres Berufs verunglückten, besteht nicht. Legt man die eingangs angeführten amtlichen Zahlen aus den Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften zu Grunde und berücksichtigt man bei der Schätzung, daß rund 3V« Millionen Arbeiter in Deutschland unversichert und daß 84 Proz. aller zur Anmeldung gelangenden Unfälle aus unfallversicherungs- Pflichtigen Betrieben in jenen Zahlen nicht nutenthalten sind, so dürste die Zahl der durch Unglücksfälle im Betrieb in einem Jahre in Deutschland im tief st en Frieden getöteten Arbeiter mit 9000, der Verwundeten mit 500000 nicht zu hoch veranschlagt sein. Im deutsch- ftanzösischen Kriege 1870/71 wurden auf beutscher Seite insgesamt 1871 Offiziere und 26 397 andere Soldaten getötet, 4184 Offiziere und 84 304 Mannschaften verwundet. Grauenvolle Ziffern, die eine furchtbare Anklage gegen den Mangel an Rücksicht enthalten, die auf Arbeiterleben und Arbeitergesundheit von der herrschenden Klasse im Kampf um den Profit genommen wird. Aber geschieht denn nicht alles, zur Verminderung und Verringerung von Menschenopfern? Sind diese Ziffern nicht die notwendigen Folgen der Beschäftigungsarten? Mit Nichten. Abgelehnt hat die Unternehmerklasse, a b- gelehnt hat die Mehrheit des Reichstages die von social- demokrastscher Seite gestellten Antrüge, die Zahl der Unfälle dadurch zu vermindern, daß den Arbeitern das Recht ein- geräumt wird. Unfallverhütungs- Vorschriften mit fest- zusetzen und die Ausführung der Unfallverhütungs- Vorschriften zu überwachen. Angenommen hat sie aber im Unfallversicherungs- Gesetz ausnahmerechtliche Be- stimmungen, deren Folge Vermehrung der Fahrlässigkeit der Unternehmer und Vermehrung der Unglücksfälle notwendig sein muß. Wir erwähnen nur einige dieser ausnahmcrecht- lichen Bestimmungen. § 95 des Unfallversicherungs-Gesetzes entzieht dem Ar- beiter und dessen Hinterbliebenen das Recht, den vollen Schadenersatz geltend zu machen, selbst gegenüber demjenigen Unternehmer, der den Tod des Arbeiters oder die Erwerbs- Unfähigkeit durch strafbare Fahrlässigkeit herbeigeführt hat. Ein Arbeiter, ein Kutscher z. B., der durch Fahrlässigkeit einen Menschen getötet� oder verwundet hat, muß voll den von ihm angerichteten«schaden, soweit dieser überhaupt durch Geld zu ersetzen ist, ersetzen. Ein Unternehmer, der den Tod der in seinem Betriebe beschäftigten Arbeiter durch strafbare Fahrlässigkeit herbeigeführt hat. haftet nach diesem Z 95, selbst wenn er wegen der Fahrlässigkeit bestraft ist, den Hinterbliebenen mit keinem Pfennig. Das Ausnahmerecht gegen die Arbeiter zeigt klar, daß der Arbeiter als ein Mensch zweiter Klasse er- achtet wird, dessen Leben und Gesundheit nicht so schutzbedürftig ist wie das Geld des Unternehmers. Würde der Unternehmer für die Folgen seiner Fahrlässigkeit mit Geld einstehen müssen, so würde er ein größeres Jnter- esse an der Verhütung von Unfällen haben. Die Befreiung des Unternehmers von Verpflichtungen, wie sie durch das allgemeine Gesetz jedem Bürger seinem Mitmenschen gegen- über auferlegt sind, muß nötwendig die Vorbeugung von Unglücksfällen vermindern. Tie Unfallversicherungs-Gesetzgebung ist keine Versicherung der Arbeiter, sondern eine Versicherung der Arbeitgeber gegen die Lasten, welche ihnen durch Betriebsunfälle nach den allgemeinen Rechtsgrundsätzen über Schadenersatz zufallen.' Die Unternehmer der unfallversichcrungspflichtigen Betriebe bilden nach dem Gesetz in Form von Berufsgenossenschaften: Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit. Den Berufs- 1 genossenschaften zahlen die einzelnen Betricbsinhaber Beiträge, deren Höhe sich nach der Anzahl der in den einzelnen Be- i trieben beschäftigten Arbeiter, nach der Höhe der Arbeitslöhne,. Mittwoch, den 1«. Angust 18»». nach der Gefahrenklasse des Betriebs usw. richtet. Ob und wieviel der einzelne Unternehmer infolge dieser Zwangs- Versicherung spart, soll ununtersucht bleiben. Unsere Rechnung mag nur diejenigen Vorteile in Rücksicht ziehen, « die dem Unternehmertum infolge der Unfallversicherungs- « Gesetzgebung zufallen. Dieser Vorteil wird durch die Art der Bemessung der so- genannten Unfallrenten gebildet. Mit Unrecht bezeichnet das � Gesetz diese an die Verletzten oder deren Hinterbliebene zu zahlenden Beträge als„Schadenersatz". Die Unfallrcnte kann vielmehr nach den gesetzlichen Bestimmungen unter keinen Umständen auch nur entfernt so hoch sein, als ein Schaden- ersatz nach der allgemeinen Rechtsanschauung und nach den Rechtsregeln des Bürgerlichen Gesetzbuches sein muß. Ein wirklicher Schadenersatz besteht in Ersatz des Verlustes und � des infolge des Unfalls entzogenen Gewinnes, der auch « nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge oder nach den be- � sonderen Umständen mit Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann. Die höchste nach dem Unfallgesetz an den Arbeiter ge- ■ zahlte„Rente" beträgt abernach dem Gesetz und derRechtsPrechung noch nicht zwei Drittel des wirklichen Schadenersatzes. Sie beträgt nämlich selbst bei voller Erwerbsunfähigkeit des Ver- letzten nach§ 5 des Unfallgesetzes höchstens zwei Drittel des Jahres-Arbeitsverdienstes. Dies ist nur ein Vorteil der Unternehmerklasse, durch den sie von der Gewährung einer vollen Entschädigung der Verletzten befreit werden. Der zweite Vorteil liegt für das Unternehmertum darin, daß die Unfallrente nicht vom Tage der Erwerbsunfähigkeit, sondern erst vom Ablauf der 13. Woche nach dem erlittenen Unfall ab gezahlt wird. Es spart also das Unternehmertum 13 Wochen lang die volle Entschädigung. Der dritte Vorteil, den das Unternehmertum aus dem Unfallversicherungs-Gesetz im Gegensatz zu den Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches ziebt, erwächst aus den Be- stimmungen über die Hinterblieoenen-Rente. Das ticftraurige Unglück der Witwen und Waisen füllt gleichfalls den Beutel des Unternehmertums. Die Witwe des verunglückten A r- b eiters erhält nämlich nach§ 5 des Unfallversichernngs- Gesetzes nicht, wie nach§ 844 des Bürgerlichen Gesetzbuckics die Witwe eines durch Fahrlässigkeit eines anderen getöteten Unter- nehmers, vollen Schadenersatz, sondern 20 Proz. der Vollrcnte, das ist also im günstigsten Falle s/i« des Schadens ersetzt. Als selbstverständlich ist hierbei angenommen, daß ohne das Unfallgesetz- der Rechtsgrundsatz längst anerkannt wäre, daß jeder Großindustrielle für alle Unfälle zu haften hat, die in seinem Betriebe sich ereignen. Unberücksichtigt sind bei der Berechnung nocki eine Reihe von Bestimmungen des Gesetzes geblieben, die fernere Millionen in den Schoß des Unternehmertums werfen. Wir erwähnen hieraus folgende: die Kinderrenten betragen nur 15 Proz. der Vollrente, und wenn der Verunglückte mehr als zwei Kinder hinterlassen hat, noch weniger. Die Kinderrente ist nicht bis zum vollendeten 18. bis 21. Jahre, wie die Pcnsionsgelder für Beamten- und Offiziersktut r und die Schadenersatzrenten des bürgerlichen Rechts. sondern nur bis zum vollendeten 15. Jahre zu zahlen. Der Kreis der Hinter- bliebenen ferner, an welche Rente zu zahlen ist, ist weit enger als der in 844 und 845 des Bürgerlichen Gesetzbuches gezogen. Die Rente des in einem Krankenhause Untergebrachten fällt fort, die seiner Familie beträgt V10 bis 2/5 des Schadenersatzes. Ferner ist das Unternehmertum nach der Handhabung einiger Bestimmungen des Unfallgesetzes im stände, dem Verletzten den Arzt seines Vertrauens zu ent- ziehen, ihn Schikanierungen schlimmster Art auszusetzen, ihn in Heilanstalten unterzubringen, auf die der Verletzte keinerlei Einfluß hat und die von Vielen als Quälanstalten erachtet werden. Endlich ist die ungeheuerliche Erscheinung, daß das Untemehmertum in Unfallsachen als Richter in eigener Sache mitentscheidet und einen von Jahr zu Jahr wachsenden Einfluß auf die Rechtsprechung ausübt, eine große Ungerechtig- keit. Das bereits Gesagte genügt, um klar zu beweisen, daß die Unfallgcsetzgebung, so wie sie trotz allseitigen Anerkenntnisses ihrer Reformbedürftigkeit besteht, nicht geeignet ist, gegen die Vermehrung der Unfälle energisch einzuwirken. Ein außerordentlich erheblicher Teil aller Unfälle wäre ohne das einer Unfallverhütung entgegenstehende Geldinteresse des Unternehmertums zu verhüten. Die einzige amtliche Statistik, die etwas Licht auf die fahrlässige Rücksichtslosigkeit des Unternehmertums gegen Leben und Gesundheit der Arbeiter zu werfen geeignet ist, beruht auf den naturgemäß parteiischen Angaben der Berufsgenossenschaften selbst. Und dennoch ergiebt selbst diese Statistik(sie ist in den„Amtlichen Nachrichten des Reichs-Versicherungsamtes" am 15. Mai 1896 veröffentlicht), wie immens leichtfertig mit Leben und Ge- sundheit der Arbeiter in unfallversichcrungspflichtigen Be- trieben umgegangen wird. Die betreffende Statistik hat sich auf 15910 Unfälle erstreckt. Von diesen Unfällen sind selbst nach den Angaben der Berufsgenossenschaften 1122 (7,03 Prozent) auf mangelhafte Betriebseinrichtungen, 334(2,09 Prozent) auf mangelhafte oder fehlende Anweisung. 1700(also 10,64 Proz.) auf Fehlen von Schutzeinrichtungen, 38 Fälle(0.24 Proz.) auf ungenügende Kleidung der Arbeiter, 711 Fälle(4,45 Proz.) auf Fehlen von Schutzeinrichtungen und gleichzeitiger Unachtsamkeit der Ar- beiter. also 24,45 Proz. auf Schuld der Unternehmer zurück-« zuführen. Bei 6931 Fällen(43.40 Proz.) werden kurzweg 1 „sonstige, insbesondere in der Gefährlichkeit des Betriebes i Expedition: 3W. 19. Veuth-Strahe 3. ruhende Ursachen" als Ursachen der Unfälle angegeben. Mag man demnach nur 25 Proz. aller Unfälle auf Fahrlässigkeit der Arbeitgeber zurückführen, so würde die Prämie, die im Jahre 1897 das Unternehmertum für fahrlässiges Verhalten gegen Leben und Gesundheit der Arbeiter infolge der Unfall- gesetzgebung erhalten hat, noch immer eine sehr be- deutende sein. Die Beseitigung dieses Zustandes würde offenbar zu einer erheblichen Verminderung der Unfälle führen. Weshalb wird diese Bevorzugung und Begünstigung der Unternehmer- klaffe nicht beseitigt? Erlaubt das der Verband der In- dustriellen nicht?" Wem gilt deren Geneigtheit mehr als Rücksicht gegen Leben und Gesundheit der Arbeiter? polikischo Aebevflchk. Berlin, den 15. August. Der Aufmarsch. Die Konservativen haben nunmehr Stellung zur Kanal- frage genommen. Nach einer parteioffiziösen Mitteilung wurde'in der Fraktionssitzung Stellung gegen den Entwurf genommen, jedoch für die Abstimmung jeder Fraktions- zwang ausgeschlossen. Die Mehrheit wird gegen die Vorlage stimme», nur gegen zehn Stimmen werden dafür abgegeben werden. Die Stimmung war dafür, jeder Ä e r s ch l e p p u n g dieser An- gelegenbeit entgegenzutreten, namentlich aber die Absicht des Ccntrnms, wenn sie noch besteht, das(vemcindewahl- Reformgesetz alle parlamentarischen Stadien durchlaufen zu lassen und erst später die endgültige Entscheidung über die Kanalvorlage herbeizuführen, zu durchkreuzen. Gleichzeitig erklärt die„Kreuz-Zeitung" noch einmal,„daß im vorliegenden Falle die Konservativen leider nicht in der Lage sind, die Verantwortung für den Bau des Mittelland- Kanals und die daraus für große Erwerbskreise unseres Vaterlandes entspringenden und auch regierungsseitig aus- drücklich anerkannten Gefahren zu übernehmen." Diese Haltung entspricht dem, was wir über die Situation nsich den kaiserlichen Kanalreden, gegenüber den liberalen Byzantinern, dargelegt haben. Von Wichtigkeit ist, daß die konservative Partei entschlossen ist, die Gemeinde« Wahlrechts- Reform jetzt nicht Gesetz werden zu lassen. Damit aber wird die„Vorbedingung" vereitelt, von der das Centrum seine Zustimmung zu dem Kanal abhängig gemacht hat. Diese Partei sieht sich also jetzt in die Lage. versetzt, ohne Rücksickt auf eine zu erwartende Gegenleistung sich zu entscheiden. Nach den in den Centrumsblättern wieder- holt und mit aller Besiinimtheit abgegebenen Versicherungen. ohne Komnmnal-Wahlreform sei man ftir den Kanal nicht zu haben, müßte das Centrum mit nein stimmen. Indessen haben die Ultramontanen einigen Anlaß, sich ihren befleckten guten Ruf loyaler Regierungsfähigkeit zu putzen, und des- halb ist es nicht unmöglich, daß sie auf die„Vorbedingung" verzichten und zum größeren Teil für den Entwurf eintreten. Die Fraktion der nationalliberalen Partei wies in ihrer Sitzung am Dienstag der„Nat.-Ztg." zufolge einmütig und mit größter Entschiedenheit jede Verquickung der Mittelland- Kanal- Vorlage mit der Kommunal- Wahlreform zurück; beide Vorlagen seien durchaus getrennt und ausschließlich sachlich zu be- handeln. Damit bleibt das schließliche Schicksal der Kanalvorlage im dunklen.— Kaiser, Centrum und Zuchthausvorlage. Unter den Vermutungen über die Gründe der ersten plötzlichen Absage der Kaiserreise nach Dortmund verdiente die Ansicht Beachtung, es sei den Kanalgegnern gelungen, den Kaiser davon zu überzeugen, daß es unratsam sei, den Entwurf aus den Händen desselben Centrums anzunehmen, das sich soeben durch dien„bayrischen Kuhhandel" als umsturzverdächtig erwiesen habe. Diese Vermutung erfährt eine Art Bekräftigung durch die folgende Meldung der„ D o r t m u n d e r Z e i t u n g", die diese von beteiligter Seite, also wohl von dem national- liberalen Stumm, dem Abgeordneten Hilbck empfangen haben will. Hilbck wurde nämlich bei der Anwesenheit des Kaisers in Dortmund dem Monarchen vorgestellt. Ueber das dabei geführte Gespräch berichtet das genannte Blatt: „Der Kaiser habe bemerkt, als er hörte, daß Hilbck mit Hilfe des Centrums den Socialdemokraten geschlagen, daß in der Bekämpfung der Socialdemokraten alle Parteien einig sein mühten: er könne es deshalb nicht be- greifen, wie neuerdings daS Ccntrum sich mit de» Toeial- demokraten habe verbinden können. Bei einem Gespräche über die ZuchthauSvorlage soll der Kaiser geäußert haben, im Herbste müsse daS Centrnm erneut Farbe bekennen. Zun» Schluß der Unterredung konnte der Abgeordnete Hilbck dem Kaiser noch bemerken, daß bei weitem nicht alle diejenigen Leute, die in Dortmund socialdemokratisch wählten, auch im Herzen Social- demokraten feien, sondern daß die große Mehrheit der Bevölkerung durchaus loyal und königstreu sei." Herr Hilbck scheint die Konsequenz seiner letzten Aeußerung nicht beachtet zu haben. Wenn schon die socialdemokratischen Wähler zum Teil königstreu sein sollen, um wie viel mehr müßte man davon abstehen, nicht nur diese, sondern die noch rvdmmgöpcn�eilichen Wähler in der Arbeiterschaft durch die Zuchthauc-Vvrlage zu strammen Socialdemokraten zu machen. Das das Centrum Farbe bekennen möchte, dstrfte der allgemeine Wunsch sein. Aber so etwas geht ivider die Natur und Möglichkeit der Ultramoutancn. Schwarz ist ja auch eigentlich Abwesenheit jeder Farbe. «» » Deutsches Weich. DaS badtsche Revolutionsdcnkmal. Wie uns aus Offen bürg telegraphiert wird, ist die Aufstellung des Rastatter Denkmals nunmehr doch genehmigt worden.— Das liberale Ministerium hat, trotz deS Berliner Windes, wohl eingesehen, daß eS sich an gesichts der bevorstehenden Wahlen um seine eigene Existenz handle. Die Bestlmmungen der Gcwerbe-Orduung über die Er richtnng der Handwerkskammer sowie die hier anschließenden Abschnitte über die Führung des Meistertitels und die Lehrlings« Verhältnisse im Handwerk, durften mit dem 1. April 1900 in Kraft treten. Bis dahin glaubt man die nötigen Vorarbeiten für daS Jnslebenrufen dieser Organisationen erledigt zu haben. ES chird damit der letzte Abschnitt über die Organisation des Handwerks Gesetzeskraft erhalten. Wieder find drei Streiksüuder in Herne zu schweren Strafen verurteilt worden. Der Bergmann Pomdasch aus Herne soll Arbeitende damit bedroht haben, daß er ihnen die Knochen kapnt schlagen werde. Der Bergmann Stanislaus Graczyk hat au' Arbeitende mit Steinen geworfen und dem Bergmann Karl Scheibe wird als Bedrohung angerechnet, daß er Arbeitenden zurief:„Kommt mir nicht zu nahe, sonst bekommt Ihr welche drum I" Daß Urteil lautete gegen P. auf 10 Monate, G. 9 Monate und Sch. 3 Monate Gefängnis. Die Verurteilung des Sch. scheint uns am allerwenigste» gerechtfertigt, da in seiner Aeußerung gar keine rechts- widrige Drohung liegt. Beweisen nun diese hohen Strafen die Not- wendigkeit der Zuchthausvorlage Belohnte Gchnetdigkeit. Die Stadtväter von Augsburg haben den Schutzleuten und Soldaten, die bei der Unterdrückung der Unruhen aus Anlaß des Maurerstreiks thätig waren, eine Remune- ratio» bewilligt. Die Schutzleute bekommen per Abend 3 M. und für erhaltene Verletzungen noch eine Extravergütnng von 4—37 M. Die Soldaten(etwa 800 Mann) zusammen 1600M. Zudieser Extrabezahlung tragen natürliÄ die auseinander getriebenen Tumultuanten durch ihre Steuern auch bei. Das wird sehr viel zur Harmonie zwischen den dortigen Arbeitern und Unternehmern beitragen. Auch die Städte Herne und Baukau gewährten den Polizisten, die während der Streikunruhen so schneidig auftraten, Remunerationen aus öffentlichen Mitteln; gleichfalls zur Förderung der Harmonie. Socialdemokraten dürfen nicht Schulborsteher sein. Der Genosse H ü b n e r in Celle hatte Anfang Juni sein Amt als Schul- Vorsteher niedergelegt. Sein Ersatzmann, Schneider Misselhorn, ist gleichfalls Parteigenosse. Auf Anfrage be! der königlichen Regierung, ob nun dieser in den Schulvorstand eintreten könne, ist erwidert worden, daß von der Einführung M.'s abzusehen sei, weil nach dem Ministerialerlaiie vom L9. August und 19. Oktober 1898 Socialdemokraten als Mitglieder des Schulvorstandes ferner nicht zugelassen werden können. M. will sich bei dem Bescheide nicht begnügen. In der Provinz Hannover gelte daS Gesetz vom Oktober 1848, und nach diesem find nur die Personen als Schulvorsteher unmöglich, welche einen schlechten Lebens Wandel führen. Man wird dem Genossen M. schon beweisen, daß die Be- thätigung socialdemokratischer Gesinnung eben schlechter Lebens Wandel ist. Soldatenstretk. Man schreibt uns aus Marienwerder: In der Erntezeit kommen die Agrarier mit ihren eigenen Arbeitskräften, wie die Arbeiterverhältnisse in Ostelbien nun einmal liegen, nicht im entferntesten aus. ja selbst Russen können sie nicht in genügender Zahl auftreiben, so daß sie von den Militärverwaltungen Hilfe erbeten und dieselbe auch dadurch erhakten, daß eine große Zahl Soldaten zu den Ernte-Arbeitcn beurlaubt werden. Die Soldaten sind keine gar zu billigen Arbeitskräfte, da sie in den Kasernen schon ge- lernt haben in Bezug auf die Verpflegung höhere Ansprüche zu stellen, als die Agrarier ihren Arbeitern für getvöhnlich zugestehen. Doch ist die Venvcndung von Soldaten für die Besitzer in sofern praktisch und schließlich auch profitabel, weil sie nur für Tage, bis die Emte hereingebracht ist, beschäftigt werden. Indessen auch die Soldaten treiben sich die Agrarier, ebenso wie die heimischen Arbeiter, durch gar zu schlechte Behandlung von ihrem Felde lveg, wie folgender Fall beweist. Der Besitzer von dem Gute Gorken verlangte 20 Soldaten, es meldeten sich aber nur 9 Artilleristen. Und auch diese arbeiteten nur eine Woche, dann streikten sie. Als sich der Inspektor in der Kaserne erkundigte, weshalb die Soldaten nicht mehr zur Arbeit kämen, erhielt er zur Antwort: Die Leute wollten nicht mehr auf Görke» arbeiten, weil man sie dort mit st i n k i g e m F l e i s ch ge- pflegt habe; wenn sie schwer arbeiten sollten, machten sie auch An- spruch auf anständiges Esten. Da werden Chinesen wohl schließlich die einzige Rettung sein. Ostpreustische Wahl-Vordereituugcn. Aus Königsberg i. O. wird uns geschrieben: Auch die Konservativen halten eS nicht für ausgeschlossen, ja sogar für ziemlich wahrscheinlich, daß die Wahl des Grafen Dönhoff- F r i e d r i ch st e i n, der im Kreise Königsberg-Land in die Stichivahl gegen den Socialdemokraten gewählt wurde, vom Reichstage für un- gültig erklärt wird. Sie rüsten bereits und weisen ihre Vertrauensleute im Kreise Fischhausen in einem Cirkular, welches sie an diese ver- schickt haben, auf die Eventualität einer Neuwahl dringe,� hin. In dem vom 9. Juli datierten Cirkular heißt tS: „Der Kreis Fischhausen gehört noch immer zu denjenigen Teilen der Provinz Ostpreußen, in welchen der„Preutz. Volks- freund'(das konservative Landarbeiterblatt. D. R.). das Organ zur Bekämpfung der Socialdemokratie unter der Landbevölkerung am wenigsten verbreitet ist. lDesto mehr der socialdcmokratische „Landbote. D. Red.) ES ist dies um so bedauerlicher, als unser KreiS in allernächster Zeit wieder den Ansturm der Social- demokratie bestichten muß, nachdem die von der Reichstags- kommission für gültig erklärte Wahl des Grafen Dönhoff vom Reichstage nochmals zur Beratung an die Kommission zurück- verwiesen worden ist." Also die Herren sehen selbst ein, daß die vorgekommenen Wahl- deeinflussungen derart sind, daß die Kassierung der Wahl sehr wohl erfolgen kann, und zwar schon in allernächster Zeit, wie sie in ihrem Cirkular hervorheben. Es wird deshalb bereits jetzt der ganze konservative Agitationsapparat, mit Einschluß des behördlichen natürlich, der in dieser Partei ja die Hauptrolle spielt, in Bewegung gesetzt, um den bösen Socis entgegenzutreten. Da heißt es z. B. am Schluß des Cirkulars: »Die Herren Vertrauensmänner der konservativen Kreis- abteilung werden deshalb zunächst dringend gebeten, ihren ganzen Einfluß, besonders auch in den Gemeinden, dahin geltend zu machen, daß dem»Preußischen Volksfreunde" beim Beginn de» neuen Quartal» zahlreiche Abonnenten zugeführt » werden.' Diese» Cirkular ist natürlich auch an zahlreiche Amts- und Gemeindevorsteher gesandt, von denen man also verlangt, daß sie ihren ganzen Einfluß. also auch ihren amtlichen, der nicht am geringsten zu veranschlagen ist, ausüben sollen, um dem»Volks- freund" Abonnenten zuzuführen. Man sagt wohl kaum zu viel, wenn man diese Ausübung des ganzen, also auch des amtlichen Einflusses der konservativen Vertrauensmänner zur Verbreitung eines konservativen BlatteS als Mißbrauch des amtlichen Ein« flusse« bezeichnet. Heiteres vom indirekten Wahlsystem. Aus Badeit wird uns geschrieben: Zu welch' heiteren Kon- seqnenzen unser herrliches indirektes Landtogs-Wahlsystem unter UiMtänden führen kann, dafür im folgenden ein iicnes Beispiel! Der Wahlbezirk O s f e n b u r g- S t a d t war seit einer Reihe von Jahren im Landtag durch den Führer der badischen Freisinn- Dcinvkraiie, RechtSanwall M n s e r, vertreten gewesen. Bei den Neuwahlen des Oktober 1397 erklärte Herr Muscr jedoch, aus Gründen gesundheitlicher und geschäftlicher Natur eine Wieder« Wahl nicht mehr annehmen zu können. An seiner Stelle empfahl er die Kandidatur des Professors H eimb nr g er aus Karlsruhe, der bereit? früher als Mitglied der demolratisch-freistnnigen Gruppe dem Landtag angehört, infolge einer Wahltungüsiigkeits> Erklärnng aber sein Mandat verloren hatte. Die demokratische Parteileitung in Oisenburg war sich nun wohl bewußt, daß sie mit der lictudidainr des 5tarlSrliher Professors an Stelle derjenigen von Mnser, der in Offenburg selbst ansässig ist und sich als Mitglied des BürgerausschnsteS um die städtische Verwaltung mannigfache Verdienste erworben hat, im Wahlkampfe in erhebliche taktische Nachteile gerate» würde, nmsomehr als die socialdemokratlsch« Partei in der Person Adolf Gecks dem demokratischen Bewerber ans LiarlS ruhe eine Persönlichkeit gegenübergestellt hatte, die auS deuselben Gründen, wie es bei Milser der' Fall, sich in der Stadt großer persönlicher Beliebtheit erfreuü Um nun diese Ungleichheit der Wahlchancen auszugleichen und das von den Socialisten stark bedrohte Mandat der Freisinn- Demokratie zn retten, führte sich Herr Mnser in seinen Wahlreden. die er zu Gmisten seines Parleigeilosien Heünburger hielt, als den eigentlichen Kandidaten, Herrn Heimburger aber als seinen einst- Iv'eiligen Substituten ein, der. sobald eS Herrn Muser mög- sich werde, seine parlamentarische Thätigkcit ivieder aufznnehmen, zu dessen Gunsten von seinem Mandat zurückzutreten bereit sei. Und zivar solle Herr Heimburger bei den im Herbst 1899 statt findenden Erneucrungswahlcn in dem früher von ihm vertretenen Wahlkreise Lahr-Land wiederum sein Glück versiichcii, um, falls er dort geivnhltivcrde, sein unterdessen fürdieFreisiim-Demokratie hübschwarm gehaltenes Offcnburger Mandat niederzulegen und seinem Parteigenossen Muser dort Platz zu machen. In der Thai war daS Offenburger Wahlglück der Freisinn- Demokratie nochmals günstig: sie eroberte 30 von den 48 Wahlmäimern des Bezirks. während auf die Social- demokratie. allerdings mit einem Mnuis von nur zwei U r Iv ä h l e r st i m m e n, deren 13 entfielen. Heimburger war also gewählt und vertrat als eine Art doIeKatus eventualis seit Herbst 1897 die alte Reichsstadt Offenburg im Karlsruher Rondell. Nim, da die Erneiierungswahlcn vor der Thür stehen(der badische Landtag wird bekanntlich alle 2 Jahre zur Hälfte erneuen, die 1397 erneuerten Mandate, worunter auch das Offenburger, bleiben also bis 1901 in Kraft), hatte die freisinn-demokratische Partei- leitung von Offenburg das der Wählerschaft gegebene Versprechen bezüglich deö Wiedereintrittes von Milser in sein früheres Mandat zu erfüllen. Professor Heimburger konnte sich jedoch nicht wohl als Vertreter der Stadt Offenburg, also bereits im Besitze eines bis zum Jahre 1901 gültigen Mandates, um seinen diesmal zur Wahl stehen den früheren Landtagssitz Lahr-Land bewerben, mußte also wohl oder übel schon vor der dorfigen Wahl sein Offenburger Mandat niederlegen. Dies ist nun, wie wir einer Mitteilung der„Straßb. Post" entnehmen, am Mittwoch thatsächlich auch geschehen. Die freisinnig- demokratische Mehrheit deS Offenburger Wahlmänner- Kollegiums, das nach den Bestimmungen unseres Wahlgesetzes bis zum Ablauf der vierjährigen Wahlperiode, mithin bis 1901 im Amte bleibt, wird also, unbekümmert um die Stimmung und den Willen der Urwählerschaft, das von ihr zu vergebende Landtags- Mandat wieder auf Herrn Mnser übertragen, indeß Herr Heimburger das kühne Wagnis unter- nimmt, in seinem heimatlichen Wahlbezirke Lahr-Land in heißem Strauß gegen die nationalliberal-konscrvative Koalifion sich seine parlamentarische Würde erneuern zu lassen. Gelingt eS ihm nicht, dort die Mehrheit der Wahlmänner auf seine Seite zu belommen, so hindert ihn nichts daran, bei der Abgeordnetenwahl im Einverständ- nis mit seinem Parteifrennde Mnser gleichzeitig auch in Offenburg sich wieder zur sicheren Wahl zu stellen. So ward das von den badischen Nationalliberalen so heiß ge- liebte indirekte Wahlsystem dazu ausersehcn, der verhaßten Freisinn- Demokratie daS Offcnburger Mandat in schweren Zeitläuften zu retten und dem Führer der bürgcrlich-demokratischen Opposition nach einer für seinen Gesundheitszustand hoffentlich von günstigem Erfolg be- gleiteten Ruhepause die Rückkehr zur parlamentarischen Thätigkeit auf die denkbar bequemste Art zu ermöglichen. Aus Furcht vor der Sorialdemokeatie. Den Litauern Ostpreußens ist, so wird uns aus Königsberg geschrieben, von der preußischen Regierung in letzter Zeit bemerkensivertes Entgegenkommen gezeigt worden. � Lange geäußerte Wünsche in Bezug ans den Gebrauch der litauischen Sprache in Kirche und Schule sind erfüllt worden. Bemerkenswert ist das deshalb besonders, weil gegenwärtig gegen das Däncnfiim inSchleSwig-Holstein ein rücksichtsloser Kampf geführt wird und weil nicht die geringsten Aussichten dafür vorhanden sind, daß den berechtigten Wünschen der polnischen Bevölkerung wenigstens etwas entgegengekommen lvürde, Bei den Wünschen der Litauer in Bezug auf Respektiernng ihrer Nationalität hätte die Regierung mit einer geiviffen Berechtigiing ageu töiilien, daß es unnötig sei, darauf viel einzugehen, weil die Thatjachen beweisen, daß das Litauertum schnell im Abnehmen be- griffen ist.... Ein großer Volksstamm, der eine nationale Blütezeit, der eme bemerkenswerte Geschichte hatte, sind die Litauer nie gewesen. Dem oftpreutzisckien Litauer ist sicher noch niemals der Gedanke gekommen, daß es möglich oder zu erstreben sei, ein litauisches Staatsgebilde zu schaffen. Unter solchen Umständen mußte die Germanisieruiig nach und nach ohne großen Widerstand fortschreiten. Die jetzt in Ostpreußen geschaffenen besseren Verkehrswege, welche den litauiichen Bauer aus seiner Abgeschiebenheit herausführe», ihn mit� der weiteren deutschen Nachbarschaft und mit der Stadt in öftere Berührung brinaen, ferner nicht zum geringen Teil die Verschickung der strammen litauischen Rekruten in die Garde-Regiinenter, be- chleunigen den GermanisierungSprozeß außerordentlich. Wie die amtlichen Erhebungen ergeben haben, nimmt die Zahl der litauisch 'prechenden Kinder in den Schulen schnell ab. Trotzdem hat sich nun die Regierung bereit finden lassen, Ver- ordnuiigen zu erlassen, welche geeignet sind, die weitere Germans- ierung Litauens erheblich aufzuhalten. Die konservative»Elbinger Zeitung" hat kürzlich ausgeplaudert. weshalb die Litauer so wesentlich anders behandelt werden als Dänen und Polen. Das Blatt bestättgt jetzt nur, was der „Vorwärts" im vorigen Jahre kurz vor den Wahlen sagte, als der Kultusminister Bosse in Litauen war. um persönlich die Wünsche der Litauer anzuhören. Dan, als sagten wir, daß der Minister nur in Ostpreßen sei. um auf seine Art Wahl- agitation zu betreiben. Die„Elbinger Zeitung", die sich nicht eltcn als gut unterrichtet gezeigt hat, teilt nun ebenfalls init, daß das Entgegenkommen des Herrn Bosse auf rein politische Gründe zurückzuführen ist. Das Blatt schreibt: „Bei den socialen Bewegungen, die mächtig durch unserii Staat gehen, und bei der kritischen Lage, in der sich unsere Landwirtschaft 'efindet, muß uns daran gelegen sein, gerade im Osten ein au- pruchSloses, gottesfürchtiges und konservatives Bauerntum zu erhalten, ganz gleich, ob es deutsch oder litauisch, ist. Und gerade diese alte, kernige Volksart der Litauer läuft Gefahr, durch ein zu schnelles Germanisieren unterzu- gehen." Diese Ansführnngen sind köstlich. Dieselben Leute, die sonst nicht genug in Deutschtum und GermanisieruiigSbestrebungen machen können, die jede Spur von Nationalgefühl bei Polen und Dänen mit Stumpf und Stiel ausrotten möchten, haben gegen das Litauer- tum und die Konservierung desselben nichts einzuwenden, wenn diese Litauer nur»anspruchslos' und»konservativ" bleiben. Polen und Dänen brauchen also wohl mir dieselben Eigen« schaften nachweisen und sie könnten darauf rechne», weniger eifrig drangsaliert zu werden. Den Liiauern sind in erster Linie aus Furcht vor der Socialdeutvkratie Zügeständnisse gemacht worden. Schon hat die Socialdemokratie in Litauen festen Fuß gefaßt. . Das Elbinger konservative Blatt sagt: „Der Litauer isst von Haus aus nicht nur königstreu, sondern auch als Bauer konservativ; er war stolz darauf, Molkt« als seinen Vertreter in den Reichstag entsenden zu können. Leider lassen sich aber in ncnrrtr Zeit auch in den überwiegend litauischen ländlichen Bezirken die Fortschritte derSocialdemokratie nicht verkenne n. Daß in Mcmel-Stadt der Socialdemokrat bei der letzten Reichstagsivahl fast so viel Stimmen bekam, wie seine drei Gegenkandi- daten znsanimen, ist ja vielleicht nicht verwunderlich. Wenn sich aber im Landkreise Memel in vielen Dörfern das gleiche Sfimmen- Verhältnis zeigte, ja wenn gerade in den nördlichen Dörfern um Meinel auf den Socialdemokraten eine größere Stimmenzahl fiel als auf den Deutschkonservativen, den Litamschkonservativen und den Freisinnigen zusammen, so giebt das doch zu denken. Je schneller der Litauer gernianisiert wird, desto leichter fällt er diesem dem Ursprung nach natürlich deutschen Soeialdemokratismus oder anderen politischen unllarcn Strömungen in» Netz. Was ihn davor bewahren kann, ist allein sein Volkstum." Wir haben hier eine echt nattonal-konservative Aeußerung vor uns. Weg niit allen Gerinanisiernngsbestrebungen heißt es, mag der Litauer ruhig Litauer bleiben, ivenn er nur kein Social- demokrat wird. Wird es von Polen und Dänen auch noch einmal so heißen?—_ Dritter Ziouisteu-Kongreß. Aus Basel, den 14. August wird uns berichtet: Zu dem dritten Zionisten-Kongretz siiid gegen 300 Delegierte von Ziviiisten-Vercinen aus fast allen Teilen der Welt eingetroffen. Am zahlreichsten ist Rußland und Rumänien vertreten. Auch aus England find viele Delegierte anwesend. Sehr viele Delegierte haben ihre Frauen und Töchter mitgebracht. Die Verhandlungen finden in einem hocheleganten Saale des Stadtkasinos statt. Dieses hat zwei schöne blan-weiße Fahnen, angeblich die Nationalfarbe der Juden vor Zerstörung, des Salomonischen Tempels, aufgehißt. In der Mitte der Fahnen erheben sich auf weißem Felde die goldgestickten Schilde de» Königs Dabid. Selbst die Kongrcßdiener tragen niit dem goldenen Schild Davids geschmückte blauweiße Bänder um den Arm. Sonntag fand eine mehrstündige Sitzung des Aktionskomitees statt, in der Redactenr Dr. Herzl(Wien) den Vorsitz führte. Ueber die Verhandlungen und Beschlüsse wird Stillschweigen beobachtet. Montagvormittag fand in einem der Nebensäle eine Sitzung der weiblichen Delegierten statt. Die Berhandlungen wurden in deutscher und französischer Sprache geführt. Frau Profestor Dr. Gottheil betonte, daß eigentlich jeder Jude Zionist sein müsse. Der Zionismus sei eine sociale Bewegung. Die Juden dürfen sich nicht länger ihrer Religion unb Abstammung wegen von den anderen Völkern unterdrücken lassen. Frau Dr. C a h a n(Wien) pflichtete der Vorrednerin bei und tadelte eS. daß in Wien die jüdischen Frauen der vornehmen Welt. weil eS ihnen gut gehe, sich nicht um ihre unterdrückten Glaubens- genossen in Galizien, Rußland und Rumänien kümmern. Im übrigen habe der Zionismus mit der Politik absolut nichts zu thün, es sei eine reine humanitäre Bewegung. Fräulein I m a s(Nikolajew. Rußland) meinte dagegen: Die Zionisten-Bewegung sei eine eminent politische Bewegung. ES sei eine proletarische Bewegung. Die Juden seren seit zwei- tausend Jahren die Proletarier, die von den anderen Böllern zumeist wie Sklaven behandelt werden. Di« Juden wollen diese Sklaven- ketten endlich zerbrechen, sie wollen Gleichheit, Freiheit und Brüder- lichkeit. In dieser. Beziehung begegnen sich also die Bestrebungen der Zionisten niit denen deS Proletariats überhaupt. Dies« Auffassung wurde ganz besonder» von Frau Professor Dr. Gottheil bekämpft.— Ausland. Eine Spiouage-Affatre. Dem„Berliner Lokal-Anzeiger" werden über die Veranlassung zur Verhaftung des Ober-Revidenten im Eisenbahn-Minifterwm, Mosetig, solgciidc nähere Einzelheiten mitgeteilt: Im Juli dieses Jahres brachte die östreichische Regierung in Erfahruna, daß der französiichcn Regierung ein Mobilisierungs-Plan zum Kaufe angetragen worden war; die vorsichttgen Erhebungen führten zu dem Verdacht gegen den Ober-Revidenten im Eisenbahn« Ministenunl Mosetig. Im Februar sei dem Eisenbahn-Ministerium ein ganz neuverfaßtcr Mobilisierungsplan übergeben worden, der einen Truppentransport mittels der Stadtbahn in Betracht zog. Mosetig lebte trotz des Gehaltes von 2800 Gulden mit seiner Familie in den gedrücktesten Verhältnissen und hatte Schulden. Luch besaß man ein Schriftstück, das ihn kompromittieren konnte. Als ihm alle VcrdachtSgründe vorgehalten wurden, gestand er sofort seine ganze Schuld. Im Februar, wenige Tage, nachdem der MobilisieruiizSplau im Ministerium eingetroffen war, hatte ihin ein pensionierter Staatsbahn» Beamter von Przyboroivski 200 Gulden für die Abschrift des Plans angeboten. Mosetig stahl den Plan, ferfigte eine Abschrift an und übergab sie Przyboroivski, der Tags darauf verschwand und ihm den Sünden- lohn bis heute schuldig blieb. Przyboroivski hatte sechs Monate ~eit, bell Plan zu verwerten. Die Regierung eruirte, er sei� bis uni in Brüssel gewesen, wohin er seine Pension bezog. Seither ist er in Köln gewesen. Jetzt ist sein Aufenthalt unbekannt. Der ehemalige Generalstabs- Offizier Przhbitzer wurde nur verhastet, weil er in der kritischen Zeit intimen Umgang mit Przyborowski gepflogen hatte.—_ Zur TransvaalkrisiS. In der Traiisvaalsrage ist, allem Anschein nach,«ine Wendung eingetreten. Die letzten vorliegenden telegraphischen Meldungen lauten wieder friedlicher, und eine Verständigung zwischen England und Transvaal erscheint nicht mehr als ausgeschlossen. So berichtet z. B. das„Wolffschc Bureau" auS London, daß Londoner Blätter auS Johannesburg. folgendes Telegramm veröffentlichen: Mit Zu- stnnmung des Ausführenden RateS hat Präsident Krüger der englischen Regierung amtlich mitgeteilt, daß er bereit sei, auf den Vorschlag einer genreinsamenPrüfung des neuen Wahlgesetzes einzugehen, vorausgesetzt. daß die Unabhängiglett der Südafritanischen Republik dadurch nicht angetastet werde. Ohm Paul hat also— vorausgesetzt, daß sich die Meldung be« stätigt— nachgegeben. Wie es heißt, soll dieser Entschluß ans Ein- Wirkungen aus Bloemfontein zurückzuführen sein. Die Regierung des Orangefreistaates hätte zur Annahme des englischen Vorschlages auf Einsetzung einer gemeinschaftlicken Prüfungstommission geraten. Vorläufig wird übrigens noch auf beiden Seiten mit allen Kränen ge- rüstet. In London wird'fiir die Kap-Infanterie geworben. Die Löhnung ist ziemlich hoch. Der Staatssekretär Transvaals, Reiy, soll nach einem Telegramm der»Daily Mail" gestern in einem offenen Meeting in Fondsburg erklärt haben, daß wenn nicht in Kapstadt daS Böndlnüiisterium Schreiner ias Ruder in der Hand gehabt hatte, Südäftika längst im Blut gebadet wäre. Nach einer späteren Meldung des„Renterschen BnreauS' ist bisher in Kapstadt noch keine Antwort der Transvaal-giegierung eingetroffen, eine Mitteilung, die jedoch nicht ausschließt, daß man in Pretoria zum Einleiikeii geneigt ist. Gewisses wird erst die offizielle Erklärung bringen. Vorläufig müsien noch alle Meldungen mit einer gewissen Vorsicht aufgenommen werden.— Rußland. Schamlose Ausbeutung russischer Arbeiter. Mit welcher väterlichen Fürsorge die niistsche Regierung für ihre hungernden Laudleute besorgt ist. dafür aiebt folgender Vorfall ein Beispiel. ©et dem Bnu der MoSkHu-Windauer Bau hatte kürzlich die Regierung mehrere hundert Bauern ans den« Gouvernement Pskoiv angestellt, die auf die elenden Bedingungen— mau bot ihnen bei freier Eifcnbahnfnhrt einen Monatslohn voit 1ö Rubeln— ca. 34 Mark— im« der Hungersnot in ihrem Dorfe zu entgehen, bereitwillig eingegangen waren. Ein„formeller" schriftlicher Kontrakt«vnrde nicht ausgefertigt, hingegen den Leuten die unentbehrlichen polizeilichen Pässe abgefordert. Als die Zeit der Hcn-Ernte nahte, kündigten die Bauern, der ntüNdlichen Vereinbarung geinäst, zwei Wochcit vor Sankt Peter. Sie hatten bisher unter beständigen Vertröstungen für zweimonatliche Arbeit noch keinen Lohn erhalten. Nun erklärte die Bahnverwaltimg, dag sie bis zun« t. Oktober einfach bleiben mühte», widrigenfalls sie keinen Pfennig Lohn erhalten würden. Als die schliehlich unwissenden Bauern den Beantten unter Händeringen auf den Knien bestürmten, sie zu entlassen, da ihr Heu-Besitztun« sonst verdorren«vürde und ihre Familien ohnehin des Hungers stürben, fühlte die Behörde ein„wenschlichcS Erbarmen" und erklärte ihnen, daß sie, falls sie noch ivcitcre acht Tage, bis zum Schluß des Baues der Teilstrecke, bleiben ivolltcn. ihnen der Lohn ausbezahlt»Verden solle. Nach Ablailf der uirrcchtmäßig ansbednngcnen ackit Tage»vurde nur dem kleineren Teil der Landlente ungefähr die Hälfte ihres Lohnes ausgezahlt, den übrigen»vurde die freie Rückfahrt anheimgestellt mit der Zusicherung, das Geld»vürde ihnen inr Dorfe zugestellt »Verden. Bisher ist die Auszahlung jedoch nicht erfolgt. Ohne emen Groscheit kehrten die Leute zu ihren halbverhungerten Frauen und Kindern zurück. Bulgarien. Resultat der Tepartcmeutorats-Wahle». Wie unter den bestehenden Verhältnisse» nicht anders zn erwarten»var, sind die am Sonntag stattgefundenen Wahlen der Departcmentnlräte überall zu Gunsten der Regierungspartei ausgefallen. Ruhestörungen sind nicht vorgekommen. Die Bulgaren in Maredonien. Nach einer Meldung der „Jntentationalen Korrespondenz" aus Saloniki sind uunmehr un- anfechtbare Nachiveise dafür erbracht, daß die Anstifter und Thätcr bei der Ermordung des bulgarischen Schuldirektors N a n m o lv in Serres Bulgaren warm,»velche die That bcgairgen haben, weil Naumoiv verdächtigt»Vörden»var, er»volle von der bulgarischen Partei zur serbischen übergehen. Desgleichen steht fest, daß der am 4. August in Saloi»«ki ermordete Schriftenverkänfcr ebenfalls von Bulgaren getötet»vurde, weil man ihn als einen©er- räter an ihrer Sache ansah.—'Des»veiteren»vird gemeldet, daß die Bulgaren in Kumanotvo,»velche an die dortige serbische Genieindc für Ucberlassung der Kirche 710 türkische Pfund bezahlen sollen und dieses Geld weder von dein bulgarischen Exarchat in Koustantinopel, noch von der bulgarischen Regierung erhalte» konnten, sich an den Papst mit der Bitte um Gelvährung eines entsprechenden Darlehns gewandt haben. Sic versprachen dafür den Papst als Beschützer ihrer Kirche anerkeniten zu»vollen.— Serbien. Warum das Attentat gegen Milan verübt wurde, hat sein Söhnchen Alezander entdeckt. Jin„Aintsblatt" veröffentlicht er ein dllrch»eine Naivität erheiternd»virkendes Schreiben an den Minister- prafidenteit, welches besagt, die seit 1897 in der VeNvaltung er- zielten Erfolge seien die Ursache der Unzufriedenheit der Feinde Serbiens, dte ihren Haß in dem gegen Milan verübte»« Attentat ausgedrückt hätten. Serbien habe beiviesen, daß es als unabhängiger Staat bestehen werde. Das Schreiben erklärt schließlich, der König »verde sein Leben dein Wohle des Volkes und der Verivirklichung des StaatSprogrammes widmen und sich hierbei auf die Regierung und den Patriotismus der BollSvertretung stützen.— China. Vorschriften für fremde MinenbetriebSnntcrnebmunge«. Die neuen Vorschriften, welche vom Tsung-li-Iamen in Bezug auf Minemlnternehmungcn in Chma erlassen»vorden sind,»vurdcn den fremden Gesairdtschaften mitgeteilt. Die Hauptpunkte derselben sind: Der Bereich jeder Minenkonzession muß künftig scharf umgrenzt sein. Konzessionen für alle Minen in irgend' einer Provmz oder in irgend einc>n Distrikte dürfen nicht erteilt werden. Der An- teil deS chinesischen Kapitals an je einem Unter- nehmen»nuß mindestens fünf Zehntelan st att drei Zehntel betragen. Die Kontrolle der Uiitcruehmuligen bleibt gänzlich in ch« n e s i s ch e n Händen. Diese Vorschriften werden»vahrscheinlich den Gegenstand von Vorstellungen von feiten der fremden Gesandten bilden, weil sie die Veteilig«ing auslvärtigen Kapitals thatsächlich unmöglich machen würden.—' Ausstand in Süd-China. Wie das„Reuterfche Bureau" meldet, haben amtlichen Nachrichten aus Kanton zufolge 1000 Räuber 500 Soldaten in Cotkon(?) am Wcstfliiß umzingelt, angegriffen und geschlagen. Bon den Soldaten, welche sich vexzivcifclt wehrten, wurden 250 getödtet und 100 verivundet. Eine Abteilung von 2000 Mann ist gestern von Kantoi» aufgebrochen.— Der Kongreß in Epernay. Epernay, 15. August.(Priv.-Dep.) Der Kongreß der fran- zöfifchen Arbeiterpartei billigte einstimmig die(vom „Vorivärts" seiner Zeit»viedergegebene) Erklärung deS Nationalrats und erkennt sie als übereinstiunuend mit dem Prograinm. Der Koi«greß ist der Meinung, daß die Arbeiterpartei unter der Eroberung der politischen Macht immer die politische Ex- propnation der kapitalistischen Klaffe verstanden hat und die Ge- »viiinung von Wahl-Mandaten nur mittels eigener Kraft, d, h. durch die organisierten Arbeiter selbst zuläßt. Als Klassenkampf-Partei auch in Zukunft überläßt der Kongreß dem Nationalrat die Sorge, zu prüfe»», ob nach Gelegenheit und Uinständen auch andere Positionen eiiigenominei«»Verden können, ohne daß daS Feld des KlaffenkampfeS verlassen»vird. »» » Solveit mau a«ls dem Wortlaut dieser uns aus Guesdisten- kreisen tclcgraphisch übermittelten Resolution Schlüsse ziehen kam«, scheint dieser Beschluß gegen Kompromisse selbst daS Produkt eines Kompromisses zu sein. Statt der allgemeiu crlvartctci« scharfen Erklärung gegen Millerands Eintritt ins Ministerium hat n«ai« sich damit begnügt, die Entscheidung der taktischen Frage„nach Gelegen- hat und Umständen' der Parteileitung zu überlassen. Welche Debatten diesem Beschluß vorangegangen sind, können »vir leider nicht beurteilen. Die Verhandlungen fanden uäinlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Selbst unser Pariser Korrespondent, der sich in unserem Auftrag nach Epernay begeben hatte,»vurde nicht zugelassen. Wir»verde»« also nur auf die offiziösen Mitteilungen angeiviesei« sein. Da«vir in Deutschland ge- Ivöhnt sind, die absolute Oeffentlichkeit als demokratische Forderung aiizuerkeiincu und zu erfüllen, fällt eS uns schwer, das entgegen- gesetzte Verfahren unserer französischen Genossen zu begreifen. In- dessen, das ist eine Angelegenheit, die wir den Freunden in Frank- reich überlassen müssen. » •• Die„Petite Ripubktque" berichtet über den Kongreß: Der 17. Jahreskongreß der französischen Arbeiterpartei wurde gestern in Epernay eröffnet. Die erste Sitzung fand nachmittags zlve« Uhr unter dem Vorsitz des Genossen Delory. des Bürger, ncistcrs von Lille statt, dem die Genossen Zövaös nnd Krauß assistierten. Als Schriftstthrcr fungierten die Genossen Gabriel Farjat, Gabriel Bertrand. Dcsliniöres und Bonnicr. ES sind 135 Delegierte anivesend. Sie vertreten 15 Departe- mcnts-Födcrationen, 403 Städte, 783 politische Gritppen. Unter den. hervorraizenden Persönlichkeiten der Partei bemerkte man die Deputierten ZevaeS, Benözech, Krauß. Dufour, Antide Boyer, Carnaud, Pastre, Ferroul; die früheren Deputierten Jules Guesde, Paul Lafargüe, den Bürgernieister von Jvry: Roussel, Pedro», Delory. den Bürgernieister von Lille, Eamellc, Adjunkt des Bürgermeisters von Bordeaux, Ghesquiöres und Dcvcrnay, Gcneralrätc von Lille, Dclesckuze, Generalrat von Calais, Coi«stanS, Maire von Möntlutzoi«, Arigs. Moire von Romme, und andere. G«>adclotlpe ist durch zlvei Neger, Martinique durch einen vertreten. In der ersten Sitzimg gab Jules Guesde einen Bericht über die Thätigkeit der Partei feit dein Kongreß von Montlutzvi«, und Genosie Krauß, Deputierter für Lyon, verlas einen Bericht über die parlamentarische Thätigkeit der aus der Organisation Gelvählten. Dann«vurde die Sitzung mit GeschastsordnungSfragcn aus- gefüllt. Sie»vurde um 7 Uhr abeus ausgehoben. Ei»« letztes Wort der Abivehr zur Diskussion mit Genoffen Liebknecht ist meinerseits notwendig, weil er seine neuesten, die Sache gar nicht berührenden Bemerkungen in dem Bor- »vurf auSklingen läßt, ich hätte durch meine»vahrheitsgemätzen Darlegungen— was er freilich„Animosität" nenitt—„das EinigungSwcrk sicher nicht gefördert" und„jedenfalls Jaurss einen sehr schlechten Dienst geleistet". Der Vorivurf»vürde auch dam, in der Luft schweben, wenn ich so anmaßend wäre, meinen Artikeln einen entscheidenden Ein- fluß ans die französischen Parteivorgänge zuschreiben zu wollen. Dem« sämtliche von mir vorgebrachten Thatsachen sind den französi- schen Eenossen aller Richtungen«vohl bekamit. Und wenn das SpaltiingSmanifest Gnesde-Vaillant, foivie die dadurch in der ftan- zöfifchen Parteipresse verursachten Polemiken daS Einiguugsiverk nicht gestört haben,— das Manifest hat sogar direkt die Ein- bcrufting deS EinigungSkongreffcS beschleunigt— desto weniger können meine Artikel der Einigung schaden. Insofern aber sie' in Frankreich von Einfluß sein mögen, so nur zu»n Bor- teil der Einigung, indem sie, wie ich annehmen darf, zur Aufhellung der Grundfrage, deren Lösunc d i e V o r b c d i i« g u>« g der Einigung, in mancher Hiiifichi beigetragen haben. Daß ich ferner die Eiuig»lng von jeher als das v i t a l st e Interesse des französischen Socialisnms betrachte und die französischen Parteivorgängc von diesen» GcsichtSpinitte aus beurteile, ist jedem Leser meiner Artikel und Berichte bekannt. Ist aber einmal von Schädigungen des Einigungswerkes durch auswärtige Artikel die Rede, so könutc ich diesen Vommrf mit unendlich größerem Recht den« Genossen Liebknecht zurückgeben. Seine bekannte Erklärung hat in Frankreich allerdings bis in die Reihen der Generalstabspresse großen und freudigen Wiederhall gefunden. Auch«st sie iin„Socialiste", dem guesdistischen Wochenblatt, voll- inhaltlich vcröffeiitlicht worden— wohl kaum zum Ziveck, dem Genossen Janrös einen„sehr guten Dienst" zu leisten.... Damit erübrigt es sick», auf den„sehr schlechten Dienst", den ich JauroS geleistet haben soll, einzugehen. Jin übrigen versteht es sich von»elbst, daß es sich für mich nie darum handeln kann, diesem oder jene«» französischen Parteigenosse» gute oder schlechte Dienste zu erlveisen. Was ich über den französischen Socialismus schreibe, beruht einzig und allein ans meiner eigenen uim, ittelbaren und objektiven Beobachtung und steht im Dienste der Gesamt- i nieresse n der Partei, wie ich dieselben verstehe. Liebknecht hätte sich also seine gereizten persönlichen Vorwürfe wirklich ersparen können. Durch die Noilvendigkeiten eines Rückzugsgefechts lassen sie sich höchstens erklären, nicht aber rechtfertigen. Damit ist für mich die Diskussion erledigt. Paris, 11. August. B. KritschewSky. Und da man NückzngSgefechte nicht stören soll, für mich auch. Weimar, 15. August 1899. W. Liebknecht. Ein„socialdeinokratifcher Stadtrat" soll nach hiesigen bürger« lichcn Blättern an der Begrüßung des Kaisers in Solingen teil- genommen haben, was die„Deutsche Tageszeitung" zu der Frage veranlaßt, ob der„hinausfliegen" wird. Wir können die Mitteilung natürlich nicht auf ihre Richtigkeit prüfen; aber davon abgesehen, kann es natürlich für unsere Beurteilung der Handlungen eines Patteigenossen ganz gleichgültig sein, wie die„Deutsche TageSztg." darüber denkt. Gesamt- Parteitag der Socialdemokratie OestreichS. Bekanntlich«var der Gesanu-Parteitag für die Psingsttage dieses Jahres euibenifen, mußte aber des Briinner Streiks«vegen verschoben werden. Die Gtsamtexckutive im Einve« nehmen mit den socialdenio- kratischcn Abgeordneten meinte am besten zu thittt, wenn sie den Parteitag, da er schon nicht zur festgesetzten Zeit abgehalten«Verden konnte, i» die Zeit kurz vor der Einberiiftmg des Parlament» verlegte. So«vird er Gelegenheit haben, die politische Lage zu prüfen und seine Entscheidungen zu treffen, unmittelbar bevor die Abgcord- »eten in Aktion treten. Der Parteitag«vird demgemäß«n der letzten Septemberivoche tagen nnd ist ans den 24. September einberufen. Seine Tagesordnung«st nicht geändert worden. Pvliiciliches, Gerichtliches ustv. Vom Schöffengericht zn Halberftadt«vurde der frühere Redacteur des„Delmrnhorster Bolksblattes" Genosse Patzer zu 2 Monaten Gefängnis und der jetzige Ltedacteur desselben Blattes, Genosse Meyer, zu 50 M. Geldstrafe, sowie beide zur Tragung der Kosten,«vegen Beleidigung deS FirmcninhaberS der Hoyerschcn Cigarrcnfabrikcn, Heiligenstadt und Delmenhorst, verurteilt. Die Beleidigniiae» waren in Artilel» begangen«vorden, welche sich mit dem Streik der Cigarreuarbeiter der genannten Fabriken be- schäftigten._ GvmevkfrlzAftlirhes. Berlin nnd Umgegend. Z,ir Lohiibeweanng der Bautischler J>n Laufe de» heutigen Tages haben in Berlin bcivilligt 22 Unternehmer mit 470 Arbeiter, sodaß insgesamt bewilligt haben 51 Unternehmer mit 75öj Arbeiter. Ausständig sind noch 748 Arbeiter in 82 Werkstellen, von denen der größte Teil in Uitterhandluugen steht. In Steglitz haben 2'llnternchmer mit 13 Arbeiter belvilligt. 11 Werkstellen mit 51 Arbeiter sind ausständig. Lichterfelde und Zehlendors haben sich der Steglitzer Belvegung angeschlossen. Das Bureau für diese drei Orte befindet sich in Steglitz, Ahornstr. 15 bei Schellhase. In RummelSburg hat Kettner belvilligt. In Köpenick stehen 23 Mann im Ausstand. R i x d o r f. Hier haben 9 Unteritehmer mit 100 Arbeiter be- »villigt. 4 Werkstellen mit 39 Arbeitern sind ausständig. JnNicderschönhansen haben belvilligt Mnder und Seeger. Wir ersuchen die Kollegen nochmals, insbesondere diejenigen, welche ihre Forderungen belvilligt erhallen haben. Melduitg an das Blireau der Streikleitung, Alte Jakobstr. 75«Feuerstein) gelangen zu lassen. Die Ortsverwaltung. Zur Lohltbeivcguug der Steinarbciter. In dem Schreiben der Steimnctzmeister-Jlinung an das Berliner EiingungSamt, worin diese es ablehnt, mit den Altsstüitdigen in Verhandlung zu treten, wird wieder behauptet, daß für Verlin ein zwischen der Innung und den Gesellen ausgearbeiteter und noch bis März 1900 gültiger Lohn- und Accordtarif besteht, und daß er noch in der Sitzung am 21. Juli von dem Gesellenausschuß ausdrücklich anerkannt worden sei. Diese Angaben entsprechen nicht der Wahrheit. Der hier gemeinte Tarif wurde im Jahre 1896 vereinbart und sollte zwei Jahre, bis Ende Februar 1898 gelten. Die im Jahre 1893 geführten Tarifverhaitd- lungen waren resultatlos,»veil die von den Arbeitern jetzt wieder aufgestellten Forderungen, Beseitigung der Accordarbeit, 70 Pf. Mindestlohn pro Stuude und achtstündige Arbeitszeit, abgelehnt und die Arbeiter mit ihren Forderungen auf eine bessere Zeit ver- tröstet wurden. Die alte Innung hat sich mittlerweile aufgelöst und mit der neu gebildeten Innung sind bisher überhaupt keinerlei Abmachungen getroffen worden, so daß von einem Vertragsbruch der Arbeiter und NichttnnehaltuNg der Ab« machungen keine Rede sein kann, umsomehr, als sich auch die Unternehmer in Berlin um den früheren Tarif gar nicht nichr künnnerten. Anders liegen die Dinge in den Bmtzlauer Steinbrüchen, deren Besitzer Berliner Unternehmer sind. Hier besteht allerdings ein gemeinsam vereinbarter Lohntarif, der bis zum 1. März 1900 Gültigkeit haben sollte. Hier sind eS aber auch nicht die Arbeiter, die den Tarif gebrochen haben, sondern die Uitternehiuer haben fortgesetzt versucht, die einzelnen Positionen in den Berel»»- barnngen zt» Ungunsten der Arbeiter auszulegen, so daß diese, da eine Einig,»tg über die strittigen Punkte nicht erzielt werden konnte, zum Aus- stand gezlvungen»varen. Die unrichtigen Angaben der Unternehmer, die sie nicht nur dem Berliner Einigungsamt, sondern auch den Bauver- »valtuiigcn gegenüber gemacht haben, köimen lediglich den Zweck haben, ihr gehässiges Borgehen gegen die Arbeiter in der Oeffentlichkeit zu ent- schuldigen. Gegen die verhältnismäßig minnnalen Forderungen läßt sich eben nicht gut etwas einwende«, zumal die Unternehmer sie ja bei früheren Gelcgeitbeiten als berechtigt anerkannt und die Gesellen nur auf bessere Zeiten verwiesen haben. Die Arbeiter haben nun die Zeit für gekommen erachtet und wie es scheint, haben sie sich nicht verrechnet. Die Innung, die in so protziger Weise alle Berhandlungen mit der Lohnkommission bezw. dem Gesellen- auSschusse und auch dem Einigungsamte ablehnte, schlägt in dem Schreiben an die Bauverwaltungen einen recht demütigen Ton an, um sie z»» einer Termin- Bcrlängerung für die Fertigstellung der Arbeiten zu veraltlassen. Auch in dem Rundschreiben deS Verbandes deutscher Steinmetzgeschäfte wird die Situation der voin Streik betroffenen Unternehmer als eine sehr unangenehme geschildert, doch werden nicht etiva Verhandlungen zur Beilegung des Kampfes gelvünscht, sondern die auSivärtigen Unter- nehmer aufgefordert, keine zugereisten streikenden Steinmetzen ein- zustellen, bezw. die Eingestellten zu entlassen. Zu Gegendiensten bei ähnlichen Borkommniffen ist man natürlich gerne bereit. Bon den Streikenden im Btinzlauer Distrikt hat ein größerer bei den Ernte- Arbeiten Beschäftigung gefunden. Das hat die Unternehmer ver- anlaßt, sich an den Landrat zu»venden, um die Entlaffüng der Arbeiter zu bewirken. Der Landrat soll sich aber den Wünschen der Uiiternchnier gegenüber ablehiicud verhalten haben. Ebenso»vie für die Bunzlauer ist auch für die Berliner Stein- metzen die Sittiation eine recht günstige. Nach Angabe der Innung arbeiten 150 Man»! bei den vom Streik betroffenen Berliner Stemme tzfirnten. Die Zahl kann, wenn auch nicht ganz, so doch an- nähernd stimmen. Der Unterschied ist aber der, daß außer den Polieren und Lehrburschen und beut geringen Teile der Steinmetzen, »velche sich dem Streik nicht angeschloffen haben, hierbei auch Platz- nachtivKchter,„StaatSkutscher", Arbeitsleute usw. mitgezählt sind, die allerdings jetzt als„Steinmetzen" beschäftigt»verden. Daß diese Leute mit den gegeiuvärtigen Arbeitsverhältnissen zufrieden sind, mag zugegeben werden, denn die Unternehmer haben alle Ursache, ihre Helfer in der Slot zufrieden zu stellen. In die Berliner Gewerkschaften spielt gegenwärtig eine Streitfrag« hinein, die geeignet erscheint, die bisher in der Gewerk- schafts-Kommtssion aufrecht erhaltene genteinsame Aktton aufzuheben. Die Streitfrage betrifft die Vertretung zu den Versammlungen des Grtverkschafts-Kartells. Bisher»var die Vertretung so geregelt, daß die Geiverkschaftcn unter 500 Mitglieder einen Delegierteit, die über 500 bis 1000 zlvei Delegierte«litd die über diese Zahl hinaus- gehenden drei Delegierte entsenden können. Mit schwacher Majorität»vurde nun vor einiger Zeit ein An- trag, der die Vertretung der Gewerkschaften nach der Zahl der organisierte» Arbeiter regeln will, abgelehnt, jedoch später nach nochmaliger Erörterung der Angelegenheit dieser Be- schluß wieder umgestoßen. In nächster Zeit soll nun die Be- ratung eines Entwurfs auf der Grundlage vroporttonaler Ver« tretung erfolgen. In einzelnen Gewerkschaften ist die Verstimmung hierüber so groß, daß sie schon vorher, noch ehe die Frage zum Ab- schluß kommt, ihre Delegierten zurückgezogen haben. ES sind dieS nur kleine Organisationen, aber es ist nicht ausgeschlossen, daß andere dem Beispiel folgen. Im Interesse der Berliner GewerkschastS« bewcgung möchten wir doch vor übereilten Handlungen warnen; zu- nächst sollte man ruhig den Verlauf der Angelegenheit ablvarten, und nicht einen Gegensatz konstruieren, der auf Vorurteil beruht. UnS scheint die vielfach ausgesprochene Meinung, daß zwischen den großen und kleinen Geiverkschaftcn Gegensätze bestehen, irrig. ES »vird Mittel nnd Wege geben, die Differenzen zum Ausgleich zu bringen» das kann geschehen,»venu von beiden Seiten etwas nach- gegeben»vird. Eine Zersplitterung der Kräfte der Gewerkschaften muß vernncden werden. Gerade der Berliner Getverkschaftsbewegung fehlt in vielem die einheitliche Gestaltung; diesen Zustand noch zu verschlimmern, läge geiviß nicht im Interesse der Arbeiterbewegung. Noch mehr sollte uitS aber das eifrige Bemühen unserer Gegner, die ZnchthauSvorlage zu neuem Leben zu entfachen, die Weisung geben, unsere Kräfte zu sammeln. Ueber socialdcinokratische» Terrorismus»vußte vor einigen Tagen die.Märkische Bolks-Zeitung", das Organ des Kaplan Dasbach, ihren Lesern eine schaurige Geschichte zu erzähle»«. In der Zuverlässigkeit der Berichterstattung solcher Vorgänge wetteifert daS Blatt mit der Denkschrift des Herrn v. Posadowsty und man ist im -jiveisel,»velchem von beiden die größere Geschicklichkeit im Fabulieren gebührt. Die Bemühungen deS CentrumSorgan», seine dem „Arbeitcrschntz" angehörigen Mitglieder als Verfolgte und Märtyrer einer heiligen Sache darzustellen. ist sehr durchsichtig, jedoch steht die Propaganda mit der Wahrheit auf gespanntem Fuß. Der neue Fall socialdemokratischcn TerroriSmus sollte fich in dem Geschäft von George u. Nikolas, Fr.inkfurterstraße, ereignet haben. Wie das CcntnimSblatt berichtet,»ollten hier die Zimmerer die Entlassung eines Kollegen durchgesetzt haben, der dem katholischen Verein„Arbeiterschutz" angehörte.' Wie wir durch eigene In- formationcil feststellen können,»veiß Iveder der Meister noch der Polier etivaS von einem derartigen Vorgong. Der Mann»vurde als„Jüngster" entlassen,»veil es an Beschäftigung fehlte. Die ganze Geschichte ist also erfunden, viclleich/ von dem Mitglied des „Arbeiterschutz", uin sich eine Unterstützunj.' im Verein zu ergattern. Sollte Herr v. Posadowskh in Verlegenheit seilt, nettes Material 'tir die Zuchthausvorlage herbeizuschaffen,»vir könnten ihm die Mit- arbeiterschaft deS Kn Plans Dasbach empfehlen, am nötigen Talent ür solche Dinge fehlt es ihm nicht: fast scheint es, als ob er sich bemüht, dem Flugschriftfabrikanten Halle den Rang abzulaufen. Spa»«dau. Wegen der Nichtbeivilligung des Stundenlohnes von 50 Pf. legten am Dienstag bei dem Baumeister Perrin hierselbst 29 Zimmergesellen die Arbeit nieder; während eine ganze Reihe anderer Zimmern, eister bereits den von den Gesellen geforderten Stundenlohn zahlen, zahlte Herr Perrin bisher trotz aller gütlichen Vorstellungen nur 45 Pf. Stundenlohn. Wie»vir kürzlich bertchteten, erhalten die Maurer gesellen Spandaus jetzt allgemein den 50 Pfennig- Stundenlohn. Teiitsches Reich. Die Lohnbewegung der Flaschner(Klempner) in Stuttgart ist beendet, die Arbett ist am Montag»vieder aufgenommen worden. Die schriftlich vereinbarten Friedeltsbedingungen lauten: 1. Die Vertreter der Arbeiter verzichten für jetzt auf die Ein- Ühriing einer kürzeren Arbeitszeit als zehn Stunden, werden aber auf die Forderung zurückkomme»:, wenn bei den Maurem, Stein- metzen oder Zimmerern eine verkürzte Arbeitszeit vereinbart wird; die Vertteter der Arbeitgeber erklären sich ihrerseits bereit, eine Ver- kürzung der Arbeitszeit zuzugestehen, sobald solche auch im ge- amten Baugewerbe Platz greift. 2. Für Ueberstunden»vird bis v Uhr abends 25 Proz., nach 9 Uhr abends, sowie für SonntagSarbett 50 Proz. Lohnzuschlag be- zahlt. 3. Auf die zur Zeit deS Ausbruchs deS Streiks bezahlten Accord- und Tagelöhne wird«ne Lohnerhöhung von 10 Proz. gewährt. 4. Es»vird ein Minimallohn in Höhe de» jeweiligen ortsüblichen TagelohnS bezahlt. 5. Es wird achttägige Lohnzahlung verabredet' dieselbe hat je Freitagabend sofort nach Schluß der Arbeit ,u«folgen. 6. Bei auswärtigen Arbeiten wird ohne Uebcrnachten ein Lohn Zuschlag von 20 Proz,, mit Uebernachten von 45 Proz. gewährt. 7. Es wird gemeiuschastlich eine für sämtliche hiesigen Flaschner- und Justallativusgeschäfte giltige Werkstattordnung aufgestellt. Mit dieses Vereinbarungen erklären beide Parteien den streik für beendet. Eine Benachteiligung oder Belästigung wegen des Streiks oder wegen Vorkommnissen während desselben darf beiderseits nicht stattfinden. Zwei Maurer in Lüneburg wurden zu je einer Woche Ge- fangniß verurteilt, weil sie einen Arbeitswilligen bedroht haben sollen. Der Bedrohte hatte keine Anzeige erstattet. Der Staats- anwalt hatte auch Anklage erhoben wegen Hausfriedensbruchs, weil sie neben dem umfriedeten Besitztum des Unternehmers gestanden Ihatten, wo sie ihr Verbrechen begingen. Von dieser Anklage wurden Ne icdoch freigesprochen. ' Ausland.- Streikbrecher nach Dänemark gesucht. Im oberschlesiichen �®reiizboten" sucht ein Fabrikant Gedde in Kopenhagen Vorrichter. Wir werden durch die Organisation der dänischen Arbeiter darauf aufmerksam gemacht, dag bei dieser Firma gestreikt wird. Es wird deshalb davor gewarnt, auf die Inserate des Fabrikanten hinein- zufallen. Die Partei- und Gelverlschaftsblälter werden gebeten, von vicser Mitteilung Notiz zu nehmen. . Im Kladomer Kohlenrevier(Böhmen) macht sich neuerdings eine Bewegung bemerkbar. Ein Teil der Arbeiter vom Adalbert- schachte der Poldihütte, insgesamt 363 Personen, blieben der Arbeit fern. Dienstag früh versuchte ein Trupp von 300 Personen die zur Arbeit gehenden Arbeiter davon abzuhalten. Die Gendarmerie schritt daher ein und verhinderte dies. Da erwartet wird, daß der neu ausgebrochene Ausstand einen größeren Umfang annehmen werde, imtd die Gendarmerie um weitere 20 Mann verstärkt. Gendarmerie ist naturlich immer billiger wie die Bewilligimg der Forderungen der Arbeiter. Reimes. In Am Dienstag hat wegen eines katholischen Feiertags keine Sitzung des Kriegsgerichts stattgefunden. Die hat sich durch die verbrecherische Beseitigung Laboris zu Ungunsten des Angeklagten verschoben. Der Aufmarsch der Kriegsminister, villot, Cavaignac, Zurlinden, Chanoine, die sämtlich durch ihr Ver- kalten im Amt die Mitschuld an dem Justizverbrechen tragen, scheint i.tchc ohne Eindruck auf die Richter geblieben zu sein, obwohl sie kerne neuen Thatsachen, keine Beweise vorbrachten, sondern nur ihre subjektive Ucberzcugung von der Schuld Dreyfus äußerten. Der Verteidiger Demange war der Sittiation nicht gewachsen. Er stellte, der„Franks. Ztg.* zufolge, fast gar keine Fragen an die Zeugen. Durch das Attentat gegen Labor» ist die Verteidigung desorganisiert. Demange, der nicbts voir der Kampfriatur Laboris besitzt, scheint machtlos gegen die streitbaren Gegnar von der Militärpartei. Man sagt allerdings, Demange sei so»mzureichcnd gewesen, weil alle für das Verhör MercierS vorbereiteten Nöten sich in der Mappe Laboris befanden. aber manche Mitglieder der Drcysus-Partei machen Demange zum Vorwurf, daß er nicht sofort eine Unterbrechung des Prozesses herbei« zuführen gesucht hat. Mehrfach wird verlangt, daß diese Unter« drechung noch jetzt stattsinde. Freilich bleibt es sehr fraglich, ob die Eigenliebe Demanges sich dazu verstehen wird. Auch Dreyfus machte keinen guten Eindruck. DaS Attentat auf Labori. Die Nachrichten über das Befinden Laboris schwanken und widersprechen sich. Wie durch das Gutachten des DoktorS Reclus festgestellt sein soll, ist die Verwundung nicht lebeusgefährlich. Die Kugel sei im Fleische stecken geblieben und habe keine edleren Organe verletzt. Bon dem Thäter fehlt jede Spur. Nach der Aussage eines Zeugen wurden Montag früh gegen ö Uhr drei Personen von ver« dächtigem Aussehen in der Nähe der Wohunng Laboris gesehen. Labor» hatte zahlreiche anonyme Drohbriefe erhalten, zwei enthielten Bedrohungen mit dem Tode. Der auf dem Bahnhof in Le Maus verhaftete Marinemaschiuist Gallain. welcher verdächtig war, das Attentat auf Labori begangen zu habe», konnte sein Alibi nach- weisen und wurde in Freiheit gesetzt. In R e n n e S fahndet man noch immer auf den Attentäter. Das Gebüsch, in das letzterer»ach der That flüchtete, wird noch von der Gendarmerie umzingelt. Allerlei abenteuerliche Gerüchte werden kolportiert. So ivird versilbert, ein Lcichcugräber habe den Attentäter, niit einem Revolver bewaffnet, hinter einein großen Leichcnstein gesehen. Eine hochangeschcne Persönlichkeit soll jedoch den Leichengräber angelviesen haben, über diese Entdeckung nichts verlauten zu lassen. Das Pariser Blatt„Radikal*, Ivelches diese Meldung bringt, glaubt versichern zu können, daß die betreffende Persönlichkeit der Pfarrer eines benachbarten Dorfes sei. Die„Pctite Rspublimie* meldet: Als man Labori auf einer Tragbahre»ach Hause schasste, sagte er, da er sich tötlich verwundet glaubte, zu seiner Umgebung: Sie können M e r c i e r und den an« deren sagen, daß, Ivenn ich auch verschwunden sei, ihr Verbrechen bleibe und der Kampf fortdauern werde. Wie es heißt, weigerte sich F r a u Labori, General Mercier zu empfangen, als er in ihrem Hause erschien, um fein Bedauern über das Attentat auszrisprechcn. Eine Stimme zum Attentat.. Eine Meinungsäußerung, die man sich für künftige Fälle merken wird, liefert die Berliner Parteigäugerin der französischen Nationalisten. Sie schreibt: „Zur Zeit haben sich diese Elemente als Ziel die Befreiung eines jüdischen Staatsverbrechers gesetzt und zur Erreichung dieses Ziels wird die Regicrungsgewalt skrupellos gemißbraucht. Mit Geiv alt weiß sich das Drcyfussyndikat aller Gegner zu entledigen— Deroulöde und die Patriotculiga iverden in dem Moment ins Gefängnis gebracht und unschädlich gemacht, als die Aussagen vor dem Kriegsgericht für den jüdischen Märtyrer belastend und gefährlich' werden. Der Schlag gegen die französische BolkSstimmung— denn diese ist nach wie vor und nach den Aussagen des Generals Mercier mehr denn je von der Schuld des Drehsiis über« zeugt— ist durch die Verhaftung der Führer der Patrioteuliga und durch die versuchte Einschüchterung des Volkes in ungesetz« sicher Form mit feiger Gcivalithat geführt worden. Kein Wunder, weun aus der veräagstigteii und empörten VolkS- maffe der Gcgenschlag erfolgt, ebenso gesetzlos, feig und brutal, ein Mordanschlag auf den Verteidiger dcS Vaterlandsverräters, auf den Advokaten Labori." Wenn man boshaft sein wollte, so könnte man den Verdacht aussprechen, der Verbrecher habe die bildlichen Lehren des Dreschgrafen Pückler allzu buchstäblich genommen. Indessen es genügt uns, daran zu erinnern, daß die„Staatsbürger-Zeitung" und ihre Preß-Sippe jedesmal über socialdcmokratische Verteidigung des Mordes geiferte, wenn in unserer Presse der psychologisch-söcialc Untergrund anarchistischer Verbrechen gezeichnet wurde. Jetzt findet das Blatt die Meucheluug Laboris begreiflich. Das ist sein gutes Recht, es kann aber der guten politischen Erziehung und sittlich-intellektuellei» Klarheit seiner Gegner dankbar sein, wenn aus dieser E r k I ä r»> n g eines politischen Mordes nicht seine Begünstigung abgeleitet tvird. Ein Ausnahmegesetz gegen Militaristen. Chauvinisten, Anti- semiten wird übrigens in der reaktionären Presse trotz der sonst übliche» Leichenpolitik iinmer noch nicht gefordert.— Allgemein glaubt man. daß die Tage de? scharfen Nationalismus vorbei find, und daß wir vielleichr von diesen moralischen Krank- heilen, die seit einigen Monaten für das Land so drohend geworden sind, geheilt werden. Nichts hat an dem Zeugnis Merciers das Publikum so frappiert, als die absolute Nichtigkeit>eiuer Angaben. Er versuchte in dieser Sitzung, vor Soldaten das Gespenst eines Krieges mit Deutschland vorzuführen, und nichts störrte die Seelenruhe der Zuhörer; sie merkten, daß sie einen bösartigen Narren vor sich sahen, der ver- wirrt log, um die Dunkelheit, die seine Verbrechen bedeckt und die Strafe verzögert, zu vermehre». In den nationalistischen Kreisen der Stadt ist man betäubt. Was! Das sind die geheimen Akten des Generals Mercier? Das ist alle?,»vas er den Nichtern des Dreyfus zu sagen hatte? Das sind die ganzen Beweise, die er liefern konnte? Die Zähesten sagen, dieS sei noch nicht alles; sie behaupten, Mercier besitze noch cm entscheidendes Schriftstück und bewahre dieses für den Schluß auf, Die Anhänger DrchsuS' sind seit langem guten Mutes. Sie fürchteten Mercier nicht; denn es siegt nichts gegen den Verurteilten von 1894 vor. Und jetzt, wo sie diesen armseligen General auf einer Bank zusammengesunken gesehen haben, gleichsam zerschmettert durch die Nichtigkeit seiner eigenen Aussage, preisen sie den Umstand, der gerade Mercier zum Hau'ptanklägcr gemacht hat. Denn er hat den Feinden der Gcrechtigteit den letzten Stoß versetzt. Die Gegner Dreyfus' haben ihre Niederlage vor dem Kriegs- gerichte sehr wohl begriffen»md wollen versuchen, sich draußen wieder zu erholen. Mit den Verstärkungen, die sie gestern Abend in der Gestalt von Pariser Ballonmützen bekomnien haben, haben sie den ganze» Heerbann des Antisemitismus gesammelt und zwei Kundgebungen von je bundertundfüuszig Menschen veranstaltet, welche die gegenwärtig in Rennes weilenden bekannteren Verteidiger DrcyfuS' verhöhnen sollten. Wie stets, wurden jedoch die Socialisten durch die Arbeiterposten. die allabendlich in der Stadt patrouillieren. benachrichtigt. Sofort wurde eine Gcgcnkundgebung organisiert und die Antisemiten wurden ariseinander gejagt. Bemerkenswert ist, daß die Bevölkerung die Ruhe absolut be- wahren will, und daß nur einige erhitzte Nationalisten die Un- ordnung wünschen. Dies ist in so hohem Grade der Fall, daß viele Personen unsern socialistischen Freunden, welche die Straßen durchzogen und die antiscistitischen Schreier in die Flucht schlugen, aus den Fenstern der Häuser Beifall klatschten und ihnen zuriefen:„Hoch die Socia- listen." *** ReuneS, 15. August. Die Labor! behandelnden Aerzte sind über dessen Zustand augenblicklich befriedigt und hoffen, derselbe werde binnen kurzem seine Thätigkeit wieder aufnehmen können. ReuneS, 15. August. Bei Beginn der morgigen Sitzung des Kriegsgerichts wird wahrscheinlich Demange im Namen von Dreyfus verlangen, daß die Verhandlungen ausgeietzt werden, damit Labori, welcher, wie man hofft, in drei bis vier Tagen wieder hergestellt sein wird, den Prozeßverhandlungen folgen könne. Die Aerzte sind der Ansicht, der Verwundete werde am nächsten Montag seine Thätigkeit wieder aufnehmen können._ Das Komplott gegen die Republik. die Republik berichtet Ueber die unser Sonnabend-Sitznng Berichterstatter noch autz ReuneS untern, schreibt uns 13. August: Die gestrige entscheidende Sitzung, in der General Mercier so jämmerlich abschnitt, rief in der Stadt den stärksten Eindruck hervor. Ueber die geplante Verschwörung gegen die„Petite Republique": Es ist immer sehr schwer, offizielle Nachrichten über die Ver- Haftungen und das royalistische Komplott zu erhalten. Im Ministerium des Inner» und auf der Polizeipräfektur erklärt man einfach, daß man die Resultate der eingeleiteten Untersuchung ab« warten muß. Der Umersuchungsrichter Fabre setzte vorgestern von 7 bis S Uhr das Verhör der Verhafteten fort. Bis jetzt haben diese ihre Elten» und Freunde noch nicht sprechen diirfen. Während des gestrigen Tages kam eine große Anzahl Personen i»S Untersuchungsgefängnis und blieb in seinen Vorräumen, um den Untersuchungsrichter Fabre um die Erlaubnis zum Besuch der Angeschuldigren anzugehen. Doch war ihr Warten vergeblich; der Richier erschien in seinem Zimmer nicht vor ein Uhr nachts. Uebrigens hat er die Bittsteller nicht enipfangen, sondern in Gegenwart der Angeschuldigten mit der Prüfung der konfiszierten Papiere begonnen. Gerüchtweise verlautet, daß Favre, sobald er festgestellt hat, daß es sich um ei» Komplott zur Veränderung der Staatsform handelt, seine Ermittlungen dem Generalstaatsanwalt Arhalin mit- teilen ivird, worauf dieser die Entscheidung treffen wird, ob die Angeklagten vor den Staatsgerichlshof gestellt werden.— «Gestern meldeten wir, daß gelegentlich des Plebiscits für oder gegen die Republik, das vom„Petit Franoais* veranstaltet war. dessen Direktor Maillard, der Sohn des Generals Maillard, verhaftet worden ist. Der Kommissar Martin führte Maillard ins Untersuchungsgefängnis. Dann begab er sich in die Druckerei des„Petit Franyais* und beschlag« »ahmte dort mehrere Nummern des Blattes, Abonnentenlisten und eine große Zahl von Antworten, die auf das von dem Blatt ver- anstaltete Plebiscit von Offizieren eingegangen waren." Die Gusrin-Posse. Da Guerin, seitdem der Haftbefehl gegen ihn erlassen worden ist, Widerstand leistet, sind strenge Befehle gegeben worden, jeden zu verhaften, der versuchen würde, in das Haus in der Rne Chabrvl einzutreten oder dasselbe zu verlassen. Drei Genossen GuerinS, welche Dienstagmorgcn das HauS verließen, wurden infolgedessen verhaftet. Sie trugen Revolver und Beile bei sich. Die Scene, da Guerin Sturm auf seine Festung angekündigt wurde, wird vom„Lotal-Anzcigcr" wie folgt geschildert: Um halb vier Uhr morgens erschienen in der Rne Cbabrol die Ambulanzwagcn der Stadt und Fräulein Samson als Pflegerin. Das weiye Habit mit rotem Kreuz, welches Fräulein Samson trägt, kündigt an. daß cS ernst werden wird. 20 Minuten nach 4 Uhr er- scheint Konimissar H a n» a r d, zieht die Hausglocke und r»lft:„Ist Herr Guerin da �* Guerin am Fenster:„Was wollen Sie?" H a m a r d:„Ich bin der Posizeilommissar, kommen Sie herab, ich habe mit Ihnen zu sprechen." Guerin schreit leidenschaftlich:„Ich weigere mich! H a m a r d:„Dann erkläre ich Sie als Rebell I" Guerin:„Das ist mir gleichgültig. Sie wollen uns fangen, und Frankreich wird Euch packen I* Da Hamard, nachdem er den VerHaftbefehl durch die Thür gesteckt hat, sich cnt- fernt, ruft ihm Gusrin nach:„Wir werden asio kämpfen I Adieu, meine Herren!" Eine Dame wirft Guerin ein Vvuquet zu, und dieser schließt das Fenster. PariS, 15. August. An dem Lokal des.Nntijuif*. in welchem Guerin sich aufhält, zogen gestern Tauieiide von Kungebern vorbei. Als der Afrikareisend'e, Kapitän Mouteil, von ihnen bemerkt wurde, veranstalteten sie eine Kundgebung zu Gunsten der Armee. Einen General, der in einem Wagen erschien, be« gleitete man ein Stück Weges. Für heute abend, noch Ablauf der 24stüiioigcn Frist, welche die Polizei G'usrin und seinen Genossen gestellt bat, werden wichtige Ereignisse erwartet. PariS, 15. August. Bei dem heutigen Pankett der bona- partistifchen Parte» anläßlich des Napoleonlagcs verlas der frühere Oberst Mignot als Präsident ein Telegramm de« Prinzen Victor, in welchem dieser äußert, er rechne auf die Thatlrast der plebiöcitären Komitees unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Ein zweites Bankett wurde von feiten der rohakistischen Jugend zur Feier des Namenstages der Herzogin von Orleans veranstaltet. In den Ansprachen, welche gehalten wurden, protestierten die Redner gegen die Maßnahmen der Regierung. ES wurde beschloffcn. an den Herzog und die Herzogin von Orleans eine Adreffe zu richten. PariS, 15. August. Als heute nachmittag gegen 6 Uhr ein Trupp Antisemiten den Treffpunkt des Faubourg Saint« Denis und der Rne Valenciennes passierte, rief ein Vorübergehender„Nieder mit den Jesuiten*. Die Manifestanten umringten den Rufer und bedrohten ihn. Dieser, von dem man glaubt, daß er Anarchist ist, gab auS einem Revolver mehrere Schüffe ab und verwundete drei der Angreifer. Die Person, welche die Schüffe abgegeben hatte. wurde verhaftet. Onerin ließ abends 7 Uhr aus dem Dache des tauies tu der Rne Ehabrol, in dem er sich verschanzt hat, eine ahne annageln, welche die Inschrift trägt:„Frankreich den Franzosen"._ Sociales. Bauarbeiterschutz. Tie Polizeiverwaltuug der Stadt Biele- feld hat eine dankenswerte Verordnung belreffeud die Einrichtung der Baustellen und Baugerüste erlassen. Tarin wird die Errichtung von Baubuden und Aborten auf den Bauten vorgeschrieben unter Aufstellung von Mindestbedinzungen, die dabei zu erfüllen sind, und außerdem werden Vorschriften über die Beschaffenheit der Gerüste erlassen. Für Nichtbeachtung der Vorschriften wird außer der Be- slraftmg auch die Untersaguug des Wcitcrbauens augedrobt. Die Hauptsache ist nun aber die Ausführung der Verordnung. Daz»i ist eine sorgsältige fachmännische Keutrollc erforderlich. Darüber sagt die Verordnung nichts. Vorschriften zum Schutze der Arbeiter haben wir auf dem Papier mancherlei, aber ausgeführt werden sie nur sehr mangelhaft. Das wird nicht eber besser werden, als bis neben einer ausreichenden Anzahl von Aufsichlsbeamten die Gewerkschaften stark genug sind, um den Arbeitern jedes einzelnen Betriebes selbst die Kontrolle zu ermöglichen. Schutz den Kindern. In verschiedenen Städten haben die Behörden, wohl meistens gedrängt durch die berechtigten Klagen der Lehrer über die geistige Verkümmerung der Schulkinder, polizeiliche Anordnungen erlassen, daß Schulkinder vor Beginn de? Unterrichts nicht gewerblich beichäisigt werden dürfen. Eine solcheVerordmmg besteht auch in Gera. Aus Grund dieser Verordnung wurden Bäckermeister, die trotzdem. ihre Backwarc weiter durch schulpflichtige Kinder austragen ließen, mit Geldstrafe belegt. Einer der Bestraften beantragte richrcrlichc Eni- schciduug. In letzter Instanz hat das Oberlaude-gcricht Jena den Bäcker freigesprochen, weil die Polizei kein Recht habe. in die freie Vcrsüguug über die freie Zeit der Schulkinder einzugreifen, zumal deren Beschäft'gnng durch Reichsgesetz geregelt werde. Es mag zugegeben werden, daß di-- Entscheidung formell richtig ist und die Polizei in der auf Grund der bc- siebenden Gesetzgebung kein Recht hat, derartige Anordnungen zu erlassen, obwohl man sonst in der Bejcbränkung polizeilicher Befug- nisse durchaus nicht so entschieden ist; dann dürfte dies aber nur einen Ansporn bilden, durch Reichsgesetz dieser Kiiiderast'sbeutung entgegenzutreten. Die Notwendigkeit des Schutzes der Schulkinder auch außerhalb der Fabrik ist längst anerkannt durch zahlreiche Er- Hebungen von Schulmännern und. wie gesagt, durch zahlreiche be- hördliche Anordnungen. Wird nun die Reichsgesetzgebung dieser an- erkannten Notwendigkeit Rechnung tragen? Sociale Vechkspftege. Die verfolgte Strciksammlung. Gelegentlich des S a m m e t« weder st reiks in Krefeld wurden einer größeren Anzahl Personen Zettel in die Wohnung gebracht, auf denen diese Dritte beauftragen sollten, aus ihrer Wohnung Beiträge für die Streikenden abzuholen. Die Polizei, die anscheinend den Staat wanken sah, schritt hiergegen ein. Es regnete dann Strafmandate. Mehrere der Zettelausträger, Müser und Genossen, wurden be« schuldigt. sich gegen eine Regierung«« Polizeiverordnung vom 29. August 1879 vergangen zu haben, indem sie ohne Genehmigung de? Oberpräsidenten eine öffentliche Kollekte veranstaltet hätten. Sie beantragten richterliche Entscheidung, wurden aber von dem Land« gericht ebenfalls für schuldig befunden. In ihrer Revision machten die Angeflagten dann geltend, daß das Vorliegen einer Kollette schon deshalb nicht anzunehmen wäre, weil es infolge deS Einschreitens der Polizei gar nicht zum Einsammeln der Beiträge gekommen sei. De» Strafsenat des Kammergerichts hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt: Eine öffentliche Kollekte, die der Genehmigung deS Oberprästdenten bedurft hätte, liege hier thatsächlich nicht vor. ES sei indessen fraglich, ob nicht der 8 5 der Regierungsverordnung, der sich mit dem Einsammeln von Zeichnungen zu VereinSbeittägen befasse, anzuwenden sei. ES wäre dann festzustellen, ob die Angeklagten thatsächlich nur Boten« dienste verrichtet, d. h. nur Zettel ausgetragen oder ob ste auch Gelder eingesammelt hätten. Lehke Tlschvichken und Depeschen. Frankfurt a. M.» 16. Aligust.(B. H.) Die„Franks. Ztg.* meldet aus Rem Vork: Aus San Domingo wird telegraphiert: Die Revolutionäre gründeten hier eine Junta. Dimincz ist angeblich unterwegs, um den Oberbefehl in Bälde zu übernehmen. Bamberg, 15. August. Stadtkämmerer Räumer, der auch für uns allezeit unlcrstützungsbereit war, ist gestern durch einen Velocipedsturz venmgliickt und heute gestorben. PariS, 15. August.> t»-®ruWe.Bekleidung", wenigstens für die männlichen Lehrnnge: von 1639 männlichen Lehrlingen 1031= 64,1 Proz., 5* bou 1687 weiblichen nur 90— 3,5 Proz. Zugehörigkeit i a m t 1 1 ch e r Lehrlinge zum Haushalt des Arbeitgebers kam nur tn einer emzigen Gruppe vor, im.Wasserverkehr", mit 93 Lehrltngen. Zukunftsstaatliches. � Die Dienst boteit bewegt! ng hat unter dem Publikum eines hiesigen Echarfniacherblattes eine Wirkung hervorgerufen, auf die selbst der kühnste Optimist unter unseren Parteigenossen wohl kaum zu rechnen ivagte. In den„Bcrl. N. Nachr." schlägt nämlich ein geängstigtcr Leser vor, sich gerades- weg» dem soclaldemokratischen Zukunftsstaat anzuschließen, sowelt seine Spuren unter der göttlichen Wcltordnung schon auf- stndbar sind. In der beweglichen Klage heißt es: �«ES liegt namentlich ein Mangel au guten Köchinnen vor, ei ist daher den Müttern dringend zu empfehlen, daß sie ihren Töchtern Unterricht im Kochen erteilen lassen, damit, wenn die Köchin krank wird, beurlaubt ist oder davon läuft, die Familie mit dem Mittagessen nicht in Verlegenheit kommt. Vielleicht entschließt man sich auch in Berlin. ähnliche Einrich- tungen zu treffen, wie in Paris. London und Amerika. wo es große S p e is e« L nsta lte n giebt, in denen die Familie täglich für ein Billiges eine nahrhafte und billige Kost findet. Wenn früher von socialdemokratischer Seite darauf hingewiesen wurde, wie unökonomisch sich das Familienleben in der bürgerlichen Welt gestalte, wie die Sorge und Mühe um Erhaltung des Heu- tigen Familienlebens die Hausfrau zwinge, den größten Teil ihrer Zeit und dazu eine Menge Geld in der Küche zu verschwenden— dann kamen die bürgerlichen Kämpen mit dem Schrcckbild des großen ErbscntopfeS, aus dem die socialdemokratischen Zerstörer der Familie zuchthausmäßig die beklagenswerten Angehörigen des Zwangsstaates der Zukunft abgefüttert wissen wollten. Und heute empfiehlt ein geängstigtes Ordnungsgemüt der Familie im vollen Ernst und mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die ökonomischen Vorteile, sich aus die Benutzung„großer Speise-Anstalten" einzurichten! Vielleicht schwenkt der Leser der.Neuesten Nachrichten" vollends ms socialdemokratische Lager ab, wenn wir ihm das Versprechen geben, daß seine nicht allein in Französisch und Klavier, sondern auch in der Kochkunst approbierten Töchter in der Speisc-Anstalt des ZukunftSstaate« eine lohnende und in jeder Beziehung angenehme Stellung finden sollen. Ter Kampf gegen daS Korsett, den dieNefonner der Frauenkleidung fuhren, scheint die Berliner Korsettindustrie bisher wenig behelligt zu haben. 1398 bestanden in Berlin außer zahlreichen Gc- schäften, die neben anderen Artikeln Korsetts führen, über 150 Special- Korsettgeschäfte. Es bestehen hier zwölf bedeutende Korfettfabriken, die ihre eigenen Betriebswerkstätten haben und daneben viele Heimnäherinnen in Berlin und den Vororten beschäftigen. Die Gesamt» Arbciterzahl der Berliner Korsettindustric beträgt ca. 4000.—- Bezüglich der Reformer der Frauenkleidung bemerkt der Jahresbericht des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller für das Jahr 1898/99 schlankweg:„Es hatte den Anschein, als ob sie (die Refonner) das Geschäft selbst»lachen wollten. denn jeder hat seine eigene Ansicht und verkörpert sie durch eigene Systeme. Einige Tupend Aerzte haben Erfindungen gen, acht, die sich aber meist nur durch winzige, niemals durch charakteristische Abänderungen von den herkömmlichen Arten unterscheiden."— lieber den AutomobilismnS in Berlin entnehmen wir der „Dtsch. Vcrkehrs-Zlg." folgende Angaben: Die Allgemeine Berliner Omnibus- Aktiengesellschaft hat die probeweise Einführung des elektrischen Betriebes für September in Aussicht genommen. Zu« nächst sollen zur Bedienung der Motorwagen- Ausstellung vier Wagen regelmäßig in der Zeit von morgens 9 Uhr bis abends 9 Uhr zwischen dem Anhalter Bahnhof und dem Ausstellungsplatz verkehren. Nach Schluß der Ausstellung ist die Einstellung von acht elektrisch betriebenen Omnibussen zwischen dem Anhalter und Stettiner Bahnhof geplant. Das einen Zeilraum von höchstens 13 Minuten beanspruchende Laden der Accumulatoren soll während des Betriebes der Ausstellung am Anhalter Bahnhof, später auch am Stettiner Bahnhof stattfinden. Zu diesem Zweck werden auf den Vorplätzen dieser Bahnhöfe besondere Ladestellen errichtet, die ihren Anschluß an die ElektricitätSwerke mittels unterirdischer Kabel erhalten.— Auch die Neue Berliner Omnibus-Akttengesellschast hat beim Magistrat den Antrag gestellt, die probeweise Inbetriebnahme eines aiito« mobilen Omnibuswagens für Aceumulatorcnbetrieb auf der Linie Krenzberg— Stettiner Bahnhof für die Monate September und Oktober zu genehmigen. Der Wagen ist für 12 Sitzplätze im Innern, zwei Stehplätze auf dem Perron und 14 Decksitzplätze ein- gerichtet.— Am 7. d. M. ist in Berlin ein Automobilklub für Deutschland mit etwa 100 Mitgliedern ins Leben getreten. Der Klub bezweckt die Hebung und Förderung des Automobilsports. Es ist die Gründung einer Fahrschule auf einem zu diesem Zweck zu er- werbendertzGrundftück, die Einrichtung eines geordneten Karteuwesens und die Abhaltung und Ueberwachung von Wettfahrten in Aussicht genommen. Zur Durchführung der Vorarbeiten hat der Klub, dessen Mitgliedschaft auch Damen erwerben können, bereits einen großen Garantiefonds gezeichnet. Die städtische höhere Webeschule beginnt ihre neuen Unter- richtskurse in der Tagesa bteilung für Weberei, Mnsterzeichnen, Wirkerei, Posamentiererei, Stickerei und Färberei am 10. Oktober.— Die Abend- und Sonntagsabteilnng, in welcher Unterricht erteilt wird für Weber und Wirker, Musterzeichner, Posamentierer, Sticker und Färber, eröffnet ihre neuen Unterrichtskurse bereits am Sonntag, den 8. Oktober er. Nähere Auskunft erteilt der Direktor der Schule, Herr Professor Gürtler, Markusstr. 19. Ueber de» Stand der Museums-Neubautc» am Kupfer- graben berichtet die„D. Bauztg.", daß das Pergamon- Museum im Aenßcren vollendet ist. Ueber den Gipfel des Haupt- portals an der Spree sieht man reich durchbrochene mit Figuren geschmückte Akroterien, die den Originalen vom Trojaneum und vom Theater in Pergamon nachgebildet sind. Im Innern werden die ersten großen Platten des Pergamenischen Frieses im Zusammen- hang aufgestellt, eine schwierige, italienischen Modelleuren übertragene und auf mehrere Jahre berechnete Arbeit. An den großen, die Tiensttrcppe» aufnehmenden Pylomen des Altars wird nian auf Grund neuerer Ausgrabungen vielleicht den Versuch machen, die ehe- maligen, die Plattform oben abschließenden Säulenhallen wiederzugeben. Zur Zeit ist man damit beschäftigt. die Giebelivand der Stoa der Athcna- Polias aufzu- richten, wofür die alten Bauteile dieses interessante» Werkes alle» gewünschten Anbalt bieten. Die Banaussührung, bei welcher mit sehr knappen Mitteln z» rechnen war, erfolgte unter der künst- lerischcn Oberleitung des Herrn Banrat Professor Fritz Wolff, dessen Entwurf für die Bebauung der Museunisinsel seiner Zeit preisgekrönt wurde.— Ter Bau des unumgänglichen, durch Geh. Hofbanrot Ihne geleiteten Kaiser F r i e d r i ch- M u s e u m s, nördlich der Stadtbahn, ist erheblich vorwärts geschritten und läßt an de. Stadlseite schon wesentliche Teile der vornehmen Front- Architektur erkenne». Der ungünstige Boden hat beträchtliche Summen beansprucht und gegenwärtig noch ist man damit beschäftigt, in- mitten der zukünftigen Kuppelhalle des Eingangs an der Spitze der Insel mittels großer Senkkästen einige Hanptpfciler künstlich zu fundieren. Im Hanptgcschotz sind die Sockel der Pilaster versetzt. Die ursprüngi.ch aufgenommene und von verschiedenen Seiten wiederholt angeregte Idee, an der Seite nach der Stadtbahn zu ebenfalls emen Eingang anzulegen, scheint nicht durchgedrungen zu sein. Die Vollendung des Museums, das rund 5 Mill. Mark tosten soll, wird noch etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Die Nnnähmestcllcn- Inhaber der Berliner Paketfahrt- 'Aktiengesellschaft ivaren Montagabend in der Brauerei Moabit versammelt, um über eine Petition an den Reichstag um Ent- schädignng auch der Annahmcstellen-Jnhaber Beschluß zu fassen. Es wurde folgende Petition cmpfoblen: .Falls der Reichstag die Postvorlage im Sinne der RcichSpost anzunehmen beabsichtigen sollte, bittet die Versammlung, daß die An- »ahme dieses Postnionopol-Gesctzes nur unter der Bedingung erfolgt, daß von dem Tage an, wo dieses Gesetz in Kraft treten soll, allen bisherigen Inhabern von Annahmestellen der Privat-Bcförderungs« anstalten amtliche Verkaussstelleil von Postwertzeichen mit Gc- Währung einer entsprechenden Provision übertragen wurden und daß ferner von dem Tage an alle Postkonsumvereine und Post- Warenhäuser ihren Berkauf ehrstelle», bczw. solche aufhören zu existieren, damit von Staats wegen ans dicie Weise dem bedrängten Handel und Gewerbe treibenden Mittelstand ein Acquivalcnt geboten wird dafür, daß ihnen durch daS Gesetz 1. das Porto verteuert wird und 2. die Einnahmen durch den Verkauf der Wertzeichen entzogen werden. Diese Gegenleistung von feiten der Rcichspost an den Handels- und Gewerbestand wäre'n der Tbat ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit." In der lebhaften, bis iwch Mitternacht währenden Diskussion wurde die Petition, obwohl der Redacteur Mannes vom Central- verein der Handel- und Gewerbetreibenden und einige andere Mit- gliedcr dieses Vereins für sie eintraten, von der Mehrzahl der Redner für zu weit gehend und in ihrer Verquickung der Enrjckädigungs- frage niit der Aufhebung der Postkonsumvereine und Postivaren- hänser als schädlich bezeichnet. Das werde man niemals erreichen und es habe mit der Entschädigungsfrage der Stclleninhaber auch nichts zu thun. Der Vorstand wurde beauftragt, die Petition nur auf die Bitte um Entschädigung der Annahmestellen- Inhaber zu beschränken, ihm aber anhcim gegeben, in der Begründung auch auf die Schädigungen hinzuweisen, welche den Gewerbetreibenden neben der Verteuerung des Portos auch aus der Förderung der Post- konsumvercine und der PostwarenHäuser erwachse. Ter Vorstand ivurde außerdem beauftragt, auch mit der Packetfahrt- Gesellschaft ivegen einer etwaigen Entschädigung der Annahmestellen- Inhaber sich in Verbindung zu setzen. Der frühere(shefrcdactcur Freiherr v. Hammersteiu soll gegenwärtig im Süden Italiens weilen. Dort hat der Sohn des Zreiherm eine kleine Besitzung. lieber die Schisföunfällc auf den Berliner Gewässer» läßt sich die„Nat.-Ztg." aus und kommt dabei zu recht verständigen Schlüssen. Nachdem das Blatt die Meinung ausgesprochen, daß es mit den technischen Vorkenntnissen bestimmter Schifföführcr nicht zum besten bestellt sein müsse, schreibt es weiter: Die Gehälter dieser Leute sind so gering bemessen, daß sich in den meisten Fällen schwerlich Scclentc von Beruf und tüchtigen Kennttitsien finden iverden, um den Käpitän oder Steuermann auf einem Spree- d a m p f e r zu spielen. Zudem liegt ein weiterer Grund darin, daß diese.Stellungen nur während der Sommermonate ihre» Mann ernähren. Unseres Erachtens trifft der hier den Dampsschiffahrts-Gesell- schäften gemachte Vorwurf auch auf die Straßenbahn zu. Die un- genügende Ausbildung und schlechte Bezahlung, die diese reiche Ge- sellschaft ihren Angestellten zu teil werden läßt, tritt in deren Betrieb noch viel verderblicher hervor, als auf den Berliner Dampfern. Auf dem Wasser sind Zusammenstöße trotz allem ver- hältnismäßig selten und die Vernichtung von Menschenleben bildet eine ganz ausnahmsweise Erscheinung. Im Betriebe der Straßen- bah» sind folgenschwere Kollisionen dagegen etwas alltägliches. Biel belacht wird in der Gegend der Besselstratze daS Miß- gefchick, das ein Hauswirt an der Ecke der Befiel- und Markgrafen- traße mit seinen Gastwirtschaften gehabt hat. Auf dem Grundstück Besselstr. 13 bestand früher eine Gastwirtschaft, die einigermaßen ihren Mann ernährte. Da fiel es dem Hauswirt ein, auch den Eck- laden, in dem ein Kaufmann zu Grunde gegangen war, der höheren Miete wegen ebenfalls an einen Gastwirt zu vergeben. Nun konnte der erste nicht mehr bestehen und blieb die Miete schuldig. Im Austrage seiner Wirtschafterin, die ein vollstreckbares Erkenntnis wegen Lohnforderungen hatte, pfändete der Gerichtsvollzieher, und der Hauswirt ging leer aus. Seit mehr als einem Jahre steht der Laden leer. Aber auch der Wirt im Eckladen kam nicht auf seine Kosten. Der erste Mieter zog sich aus der Geschichte, indem er das Geschäft verlauste; sein Nachfolger aber rückte gestern morgen in rüher Stunde, als der Hausivirt noch schlief. DaS sind die Folgen der Konkurrenz, die der Eigentümer seinem eigenen Mieter auf den Hals geholt hatte. Ein Todesfall während des Schulunterrichts. Ein seit- sanier Todesfall beschäftigt augenblicklich die Behörden. Auf dem Hofe der 229. Gemeindeschule in der Grünthalerstr. 19/20 spielten gestern in der Vormittagspause mit den anderen Kindern auch der nahezu 14 Jahre alte Sohn Max des Arbeiters Böhlendorf aus der Stettinerstr. 12 und der ebenso alte Sohn Karl des Droschken« kutschers Speer aus der Völkerstraße 12. Speer stieß den Böhlendorf wiederholt in die Rippen und die Seiten und ließ davon auch dann nicht ab, als andere Kinder ihn wiederholt auf- forderten, den Knaben, der von ihm nichts wissen wollte, in Ruhe zu lassen. Nach der Beendigung der Pause suchte Böhlendorf die Schulklasse wieder auf, setzte sich auf die Bank und legte den Kopf auf beide Hände. So saß er da. als der Unterricht wieder begann. Der Knabe blieb durchaus teilnahmslos, hörte und achtete auf nichts, was um ihn hier vor sich ging. Dann rief man den Rektor herbei, aber auch dieser erhielt keinerlei Ant- wort. Nun wandte man den Knaben etwas auf die Seite und da sah man, daß er tot war. Alle Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhause überwiesen. Ob zwischen dem Stoßen und dem plötzlichen Tode ein ursächlicher Zusammenhang besteht, wird erst die gerichtsärztliche Leichenösfining feststellen können. Beide Knaben standen kurz vor der Konfirnialion. Zur Flucht des Juwelendiebes Ernst Wunderlich wird der„Voss. Ztg." mitgeteilt, daß der Verbrecher, obgleich sich die hiesige Kriminalpolizei erboten hatte, ihn durch eineiig eigenen Beamten aus Zürich abholen zu lassen, ohne Wissen der Kriminalpolizei mit einem sogenannten Sammeltransport von der Schweiz ans befördert wurde. Von der Flucht des Wunderlich erhielt die Berliner Polizei erst Nachricht durch hiesige Zeitungen. Die Geliebte des Wunderlich, die mit diesem in Zürich verhastet wurde, ist heute in Berlin eingetroffen. Es hieß, daß der Ge- fangencntransporteur den Berliner Behörden auch die in Zürich mit Beschlag belegten Jutvelen überbracht habe und daß die dem Minister Grafen Eulenburg gestohlenen Wertgegenstände nahezu vollständig zur Stelle geschafft worden wären. Dem ist aber nicht so. Es sind nur etwa 40 Perlen, die dem Wunderlich schon in Hannover abgenommen worden sind, mit Beschlag belegt und hierher gebracht worden. Der Transporteur selbst hat keine Juwelen überbracht; man erwartet diese vielmehr durch Postsendung. Jedenfalls sind noch keineswegs sämtliche gestohlenen Juwelen im Besitz der Behörden. Von dem entsprungenen Wunder- lich fehlt bis jetzt noch jede Spur, trotzdem seine Verfolgung schnell ausgenommen ivurde. Die Gepflogenheit, schwere Verbrecher mit sogenannten Sammeltransporten durch Gefangcnen-Transporteure lGefängnisbeamte) weiter zu schaffen, hat sich wieder nicht bewährt. Wunderlich, der schon verschiedene schwere Einbrüche auf dem Kerb« holz hat, dürfte den Behörden noch viel zu schaffen machen. Eine Antomobilfahrt hat am Montag in der Nähe von Freien Wälde ein furchtbares Ende genommen. JiaS Ehepaar ?h o ma s aus der Karljtraßc in Berlin, ein Fräulein A r l t, sowie die Witwe Dr. Heinriei unternahmen Montag unter Führung des Kutschers S l a g e von der Motorkutscherei Schiffbauerdamm 11 eine Vcrgnügungstour. Bei der Nieder- fahrt von dem 130 Meter hohen Semmelberg bei Freienwalde ver« ungkückte aus bisber unaufgeklärter Ursache das Automobil. Frau Dr. Heinriei fiel so unglücklich aus dem Wagen, daß sie auf der Stelle getötet wurde.. Die Wucht des Sturzes hatte ihr das Rückgrat gebrochen. Der Förster Schulz vom Torgclowcr Belauf eilte zunächst zu der Unglücks« stelle und sorgte dafür, daß den übrigen Teilnehmern der Fahrt, die sämtlich bewußtlos waren, Hilfe zu teil wurde. Bei ihnen wurden Brün e und mehr oder weniger erhebliche Verstauchungen und Haut- abschürfungen festgestellt. Der Förster brachte die Verletzten nach Freiemvalde, wo sie in eincni Hotel darisiederliegen. Die Leiche der Frau Dr. Heinriei wurde ins Freienwalder Krankenhaus geschafft. Dem Motorführer war von dem ausgeströmten Benzin das Gesicht verbrannt worden. Die durch Amtsrichter Schmid eingeleitete Unter- suchung ergab, daß der Wagen an der verhängnisvollen Kurve um- gekippt und infolge dessen erst in Brand geraten ist. Eine Explosion des Benzins hat überhaupt nicht stattgefunden. Eine Verzweifinngsthat. Auf dem Bootplatze hinter den Zelten Nr. 1»uielcle am Sonntagabend gegen VelO Uhr eine etwa 30 Jabre alte, anscheinend den wohlhabenden Ständen angehörige Frau, die einen etwa 4 Jahre alten Knaben bei sich führte, eine Gondel und ruderte nach der Lutherbrücke zu. Dort soll sie sich, wie Augenzeugen gesehen haben wollen, ins Wasser gestürzt haben und mit deni Knaben ertrunken sein. Die Leichen sind noch nicht gefunden. Strastensperrnng. Die Cuxhavenerstraße von der Klopstock« bis zur Bachstraße einschließlich des Kreuzdammes der letzteren wird behufs Pflasterung vom 17. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Selbstmordversuch cineS Dienstmädchens. Angeblich wegen schlechter Behandlung durch die Herrschaft sprang das 21 Jahre alte Dienstmädchen Margarete S. am Engelbecke» in den Kanal, wurde aber sofort wieder ans Land gezogen und auf ihren Wunsch in daS .Mädchenheim" am Bahnhof«Börse" gebracht. Ein gefährliches Feuer brach Montagabend gegen 9 Uhr in dem Kolonialwarengeschäst von Dreßler, Kottbuseritraße 11, ans. Durch Unvorsichtigkeit geriet beim Abfüllen von Petroleum»in größerer Behälter dieser Flüssigkeit in Brand und im Nu stand der gesamte an den Verkaufsladcn angrenzende Lagerraum in Flammen, so daß dem Gcschäftspersonal kaum Zeit zur Flucht blieb. Glück« lichcrweise war die Feuerwehr schnell zur Stelle und verhinderte durch reichliches Wassergeben eine Explosion der am Brandorte lagernden Pettoleumfäfier und Benzinbehälter. lver Experimentalphysiker Professor Gustav Ilmberg wird am 23. d. M. abends im Auditorium der Treptow- Stcnrwatte einen Vortrag über die Wärmelehre mit besonderer Berücksichtigung der mechanischen Wärme- theorie halten. Die im Programm vorgesehenen Experiment« versprechen einen sehr belehrenden und genußreichen Vortrag. Theater. Im Lessing-Theater wird die nächste Novität, wie wir erfahren, ein Schauspiel von Hans L Arronge.Daö alte Kind" sein. Die Erstauftllhrung findet bereits am kommenden Sonntag statt. In der zweiten Hälfte des September wirb im Lessing-Theater Eleonore Duse mit ihrem belannten Ensemble ein zehntägiges Aastspiel absolvieren. Das Re- pertoir wird sür Berlin teilweise neu sein.— Die Wintersaison deS Deutschen Theaters beginnt am 1. September mit einer Aufführung des„Fuhrmann Henschel" tn der alten Besetzung. Am 3. September wirb dann Georg Engels an der alten Stätte setner Erfolge zum ersten- mal austreten, die Antrittsrolle ist der„Kollge Erampton«. Derselbe Künstler wird auch, wie wir hören, die Haupttolle in einem Lustspiel von Hermann Faber.Ei» glückliches Paar" spielen, das noch in der ersten Hälfte der Saison zur Aufführung kommt. Am 16. September wird daS Ehepaar Sommerstorff zum erstenmale auftreten und zwar im.Cyrano von Bergerac". Welches neue Drama Hauptmanns, der zur Zeit an mehreren Werken arbeitet, im Laufe der Wintersaison heraus- gebracht werden wird, ist noch nicht bestimmt. Auch Sudermann, Georg Hirschfeld und, wie bereits mitgeteilt, Halbe werden mit neuen Stücken vertreten sein.— Heule. Mittwoch, singen Adele Borghi und Benedetto Lucignani in der Marwitz- Oper im Schtllertheater zum letztenmale„Carmen" und werden Freitag gemeinschaftlich im„Troubadour" auftreten. Der Donnerstag bringt neu einstudiert„Die Hugenotten" mit Hemiy Borchers, Josephine Vettori, Janka Major, Otto Schröter, Laupett, Fanta, Carlhof je. Die nächste populäre Vorstellung zu halben Preisen findet am Sonnabend statt:„Wilhelm Till", große Oper tn 4 Akten von Rosstnt. Orgelkonzert. Den Orgelvortrag des Musikdirektors Otto Dienel kn der Marienkirche am Mittwoch, den 16. August, mittags 12 Uhr, unterstützen Fräulein Hedwig Reuter, Herr Dr. Fr. Grimm, der Violmist Herr Bruno Schremmer und Herr Franz Schmidt. Der Eintritt ist irrt. Slus de» Nachbarorten. Tie Parteigenossen in den Vororten werden dringend er- sucht, Mitteilungen über Skenderungen der Lokal liste nicht an die Redaktion des„Vorwärts", sondern an den Parteigenossen Karl Scholz, Berlin 30.. Wrangelstr. 110. pari, zu adressieren, der dann das weitere veranlassen wird. Alle Mitteilungen in Lokal- angelegenheiten, die uns direkt zugehen, überiveisen wir dem ge- nannten Mitglicde der Lokalkommission. Die Redaktion. Tie Spandauer Lokalkommission giebt bekannt, das; die Restaurateurc Hcubek in PichelSberge sSechserbrücke) und Reinke in Spandau. Ncumeisterstr. 15, kein Pichelsdorfer Bier mehr ausschänken. Der VertranenSuian» von Steglitz, Gen. F r i t s ch, teilt »US mit, daß der in dem vor acht Tagen unter„Grox-Lichterfelde" veröffentlichten Ausruf genannte Spediteur Ahlcrt sein Gewerbe privatim ausübe und in seiner Berufsstcllnng mit der socialdemo tratischcn Partei in keiner Beziehung stehe. In Banmschulenweg ist von seht ab das„Ackermannsche Lokal wieder frei, dagegen sind die Lokale von„E. Schulz" und »Vetter N e h s e" nach wie vor streng zu meiden. Die Lokalkommission. In der bekaiiuten Schöueberger Schulafsaire hat nunmehr der Vater deS am 11. Oktober 18S7 verstorbenen Schulknaben Rudolf Fischer bei der Staatsanwaltschaft deS Landgerichts II Berlin abermals den Antrag auf Strafverfolgung des � eh r ers Richard gestellt, weil dieser durch die Ausführung einer Züchtigung den Tod des Knaben verschuldet habe. Ein gleicher Antrag war bereits am LS. Oktober 1897 gestellt, damals jedoch von der Staatsanwaltschaft abgeivicsen worden mit der Begriindnng, ®?B der Knabe»ach ärztlichem Gutachten an einer allgemeinen Banchfelleiitziindung, verbunden mit einer Zerreißung des Wurm« sortsatzcs des Blinddarmes, verstorben sei und- die Ermittelungen kemcn Beweis dafür ergeben hätten, daß die Todesursache niit der Züchtigung in ursächlichem Zusammenhang gestanden habe. Auch die Frage, ob in der Züchtigung„an und für sich' der That- bestand einer strafbaren Handlung zu finden gewesen sei, wurde von der Staatsanwaltschaft verneint, da in der Art der erfolgten güch. tigmig keine lleberschreitung de» ZüchtigirngSrechtcS des Lehrers er» blickt wurde. Auf die gegen diesen Bescheid bei der Ober-Staats- anwaltichast erhobene Beschwerde wurde in ebenfalls abschlägigen, Bescheide jene Begründung bestätigt und namentlich abernials' er- klart, daß der ursächliche Zusammenhang zivischen der Züchtigung «Hb dem Tode deS Knaben zu verneinen sei. Diesen Erklärungen der Staatsanwaltschaft gegenüber ist nun in dem neu gestellten Strafantrage ausgeführt: In der mit der Angelegenheit zusammenhängenden Beleidigungsklage Schoneberger Lehrer gegen den Redacteur Brüning und Genossen, welche vor dem Landgericht II am 27. und 28. März diese» Jahre» Ä�'�Ül��ldung gelaugte, ist vor Gericht durch Zeugenaussagen, tchristlichc» Gutachten der oberen Medizinalbehörden und die ganze Verhandlung der Beweis erbracht worden, und e» ist im Erkenntnis ausgesprochen, dah 1. der ganze ZüchtignngSakt, wenn nicht die nn- mittelbare, so doch die nnttelbare Todesursache des Knaben gewcien ist, und daß, wenn die Züchtigung nicht geschehen iväre, bor Knabe beute noch am Leben sein würde: 2. der Lehrer Richard überhaupt keine Veranlassung hatte, eine Züchtigung vor- zunehmen; und 3. der Lehrer Richard objektiv widerrechtlich gehandelt hat, indem er das zulässige Maß der Züchtigung überichritt. Zur Charukteristtk deS JnmrngsweseuS. Der Streit um das groge Vermögen der Charlottenburger Schlächter- in n u n g dürfte demnächst entschieden werden. Infolge günstiger GrundstückSverkäufe in Tegel verfügt die Innung, wie seiner Zeit benchtet worden ist, über ein Vermögen von weit über eine Million Mark. Um nun an dem Genuß der beträchtlichen Zinsen dieses Kapitals Teil nehmen zu können, haben die der Innung nicht ange- hörigen Fleischermeister CharlottenburgS den Antrag auf Errichtung einer Zwangsinnung gestellt. Der Magistrat hat jcht diefen An- trag dem Minister für Handel und Gewerbe zur Genehmigung empfohlen._ Schon im Frühjahr, als die Innung satzungs- gemäß ihren Haushaltsplan dem Magistrat zur Genehmigung einreichte, wurde dieser vom Magistrat beanstandet. Die Innung hatte beabsichtigt. LOOOO M. an ihre 17 Mitglieder zu vcr- teilen, 1000 M. für die Ausschmückung bei der Feier des Geburts- tag» des Kaiser» aufzuwenden. 1000 M. für technische Zwecke, Rciseii zc. auzuweisen, dagegen nur 300 M. für die Fort- b 1 1 d u n g s s ch u l e zu bewilligen. Der Magistrat stellte der Innung anhcim. für genicinnützige Zwecke und gewerbliche Anstalten, für eine KühlhanSanlage, für die Fortbildungsschule, den Bau cineS JnnungShauseS einen Teil der verfügbaren Zinsen zu verwenden, den Rest derselben aber wieder in Grundstücken anzulegen. AIS die 120 Fleischermeister, die der Innung nicht angehören, die Be- gründung einer ZwangSiiuiuiig verlangten, suchte der Magistrat anfänglich zu vermitteln. Die Mitglieder der bestehenden Innung wollten durch ein Eintrittsgeld von 500 M.„Zuzug fern halten", ivorauf der Magistrat nicht eingehen wollte; dagegen stimmte er der Einführung einer Meisterprüfung zum Eintritt in die Innung bei. Die Innung nahm noch zwei Mitglieder neu auf, ließ fich aber auf weitere Zugeständnisse nicht ein. Die Charlottenburger Stadtverordneten. Versammlung trat Montag in außerordentlicher Sitzung zusammen, um über eiiieii Eiusprnch gegen die Richtigkeit der Wählerlisten zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl Beschluß z» fassen. Der Einspruch war von einem Schlosser erhoben, der seit dem 1. Oktober v. I. in Char- lottenburg wohnt»ind in der Meinung, daß er, da die Wahlen erst im November stattfinden, wahlberechtigt sei, seine Eintragung in die Liste verlangt. Die Versammlung wies nach kurzer Debatte den Einspruch als nach ihrer Meiimng unbegründet zurück. Ein Einbrecher nnd Revolverheld ist Montagabend in Charlottenburg vor dein Hause Gucrickcstr. 3 in vcr Person eines 25 Jahre alten aus Stettin gebürtigen Glasmachers Magnus Schwarv festgenommen worden. Am Sonntagabend zivischen 5 und 0 Uhr suchten Einbrecher das Komptoir der Holzhandlung von Nackivitz in der Cauerstr. 30/32 heim. Sie kletterten über einen Zaun, drückten eine Scheibe ein, gelangten dann durch das Fenster in die Räume und machten sich an da« Gcldpnlt. Da sie dieses mit einem Stemmeisen nicht erbrechen konnten, so zerschlugen sie den Deckel mit einem Hammer. Im Pulte fanden sie nur eine Rolle mit Pfennigen im Werte von 4M., einen Revolver und eineii Dolch. Zufällig aber hatte der Auweiser Schüttle 82 M. in einer Büchse auf dem Pulte stehen lassen. Bei dem Hämmern klangen die Münzen in der Büchse und so fielen auch sie den Spitzbuben zur Beute. Auf eine eigene Art wurde einer der Thäter bald ermittelt und dingfest gemacht. Am Montagabend um 8 Uhr sahen zwei Knminalbeamte einen Menschen vor dem Hause Guerickestraße 3 mit einem Revolver hautieren. Sie erfuhren, daß es Schwarz war, der hier bis zum 16. v. M. bei einer Witwe K. gewohnt hatte, da»» aber hinauSgewiese» worden war. AuS Rache wollte Schwarz die Witwe, die er unter dem entschiedenen Widerspruche der Frau für seine Geliebte erklärte, erschießen. Die Beamten entwanden ihm die Waffe und nahmen ihn fest. In dem Revolver aber er- laimten sie bei genauerer Besichtigung den bei Rackwitz gestohlenen. und so erfuhren sie, daß sie zugleich einen der Einbrecher erwischt hatten, der denn auch ein Geständnis ablegte, von einem Helfers- Helfer aber nichts wissen wollte. > gericht Charlottenburg l zugeteilt werden. beziehungsweise dem Landgericht III|iSciIiii Tie Verhaftung zweier Junge» ans Berlin es ein Die „schivercu____ ist der Polizei iii E b e rs>v a l d e geglückt. Bei dem dortigen Gast wirte Pinnow logierte sich am Soiuiabeud ein Fremder ein, welcher dem Wirte als ein gewisser Stein bekannt war, da er schon einmal unter diesem Namen bei ihm Wohiniug genommen hatte. Als aber gestern ans Bezahlen gehen sollte, mußte der Gast gestehen, daß er keiiieu Pfeunig Geld bei sich hatte. Polizei verhaftete den Zechpreller nud fand in seinem Befitze eine ganze Samniluiig von Dietrichen und sonstigem DicbeS« und Ein- brccher- Handwerkszeug vor. In die(jnge getrieben,»mußte der Verhaftete endlich zngestchen. daß er Ludwig Reich heiße und in der Muskauerstraße 19 m Verlin wohne. Wie ivciter ermittelt wurde, wird der Festgeiiommeuc schon seit längerer Zeit steckbrieflich gesucht, denn er hat sich bis jetzt der Verbiihnng einer ihm wegen schwtreii Diebstahls auferlegten Strafe von längerer Dauer durch die Flucht entzogen. Kaum war Steiu-Reich abgeführt, so erkundigte sich bei dem Gastwirte ein etwa 30 Jahre aller Manu nach ihm. Dieser wurde ebenfalls verhaftet und entpuppte sich auf der Wache als Diebesgeuosse des Reich, denn auch bei ihm wurde eine Aus wähl vorzüglicher Diebeswerkzeuge vorgefunden und mit Beschlag belegt. Beive haben sich vermutlich auf einer„Gastspielreise befunden, hatten aber keine Gelegenheit gehabt, ihre.Kunst" zu bethätigen. Eiue Belohnung von ZOO Mark hat die Staatsanwaltschaft des LaudgerichrS II auf die Ermittlung des Mörders der Witwe Fielitz aus Alt-Buchhorst ausgesetzt. In der Bekailutmachuiig die au den Berliner Auschlagsäulen zum Aushang gelaugt ist, wird von der Behörde darauf aufmerksam gemacht, daß der Mörder eine grüne Börse sowie einen Geldbeutel in der Art wie Prodcbeutel von Getreide sich angeeignet habe. Etwaige Beobachtuiigcu, die seitens des Publikums gemacht und vielleicht zur Erinittlung des Mörders führen könne», sind dem ersten Staatsanwalt des Land gerichts II oder der Polizeibehörde in Erkner»ützuteileii. Wie bereits kurz erwähnt, ist der Kutscber W., da die Verdachts gründe gegen ihn hinfällig geworden sino, aus der Untersuchung entlassen tvorden. Der Beerdigung der Ermordeten wohnten mehrere Kriminalbeamte bei, die die Traucrvcrsaniniluug überwachte», jedoch ohne Erfolg. Leider haben die bisherigen Recherchen, wie wir gegen- über anderen Bchauptnugeii mitteilen iöuneu, noch nicht den geringsten Anhalt über den mutmaßlichen Thäter ergeben. Die Nachforschungen sind ganz wescutiich dadurch erschwert, daß leine Zeugen vorhanden sind, welche am Tage rcsp. in der Nacht vor dem Morde eiue fremde oder verdächtige Person bemerkt haben. Eine Fahrradstenrr beabsichtigt die Stadt S p a n b a u ein- zuführen. Die am Donnerstag tagende Stadtverordneten- Ber sammlimg wird fich bereits mit einer entsprechenden Vorlage be� schäftigcii. Böse Zungen behmipten, daß ans den Erträgnissen dieser Steuer das übclberü'chtigte Straßenpflaster von Spandau enieucrt werden solle. Eine nicht beerdigte Leiche. Auf dem Rauch fang Werder befindet sich ein Begräbnisplatz für Leichen, welche im Wasser aufgefunden und nicht relognosciert worden sind. Am Sonn- abend wurde eine derartige Leiche, die schon einige Tage vorher in Schmöckivitz augeschwemmt war. mittels cincs Hundewageus von dort nach dem bezeichneten Begräbnisplatz befördert. Der Leichnam der schon einen starken Verwcsliiigsgcrnch verbreitete, war in einer einfachen, länglichen, nicht verschlossenen Kiste verpackt Da die Ankuiift der Leiche nicht gemeldet war, so konnten für deren sofortige Becrdigmig nicht sogleich die erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden. Die' Kiste mit dem Leichnam wurde also auf dem offenen, jedermann ungehindert zugänglichen Begräbnisplatz hingestellt, welcher sich in unmittelbarer Nähe eines viel besuchten Lokals befindet. Die zahlreichen Ausflügler, die am Sonntag in diesem Lokal weilten, wurden durch den Berwesmigs- genich, den der Wind herüberwehte, in der unangenehmsten Weise belästigt. Man forschte nach der Ursache des Gestanks, und als die- 'elbe bekannt wurde, räumten fast sämtliche Gäste das Lokal und zogen von bannen. Ganz davon abgeseben, daß die Art, wie man in diesem Falle mit einer Leiche umging, den landesüblicheii Anschauungen von Pietät gegen die Toten nicht entspricht, müßten derartige Vorkomm- niffe schon auS sanitären Rücksichten vermieden werden. Wenn eine bereits in Verwesung übergegangene Leiche an einem verkehrsreichen Orte unter freiem Himmel unbewacht längere Zeit stehen kann, so beweist daS. daß im AmtSbczirl Schmöckwitz nicht genügende Vorsorge für die rechtzeitige Beerdigung aufgefundener Leichen ge- troffen ist. Wir erwarten, daß solche skandalösen Vorfälle in Zu- kunft vermieden werden. Eine von der Berliner Kriminalpolizei gesuchte Hoch- laplcrin»ainciiS Frida Schmidt ist am Sonnlag in einem Ver- gnügungSlokal zu Spandau verhaftet worden. Die sehr elegant gekleidete Person hielt sich schon seit drei Monaten unangemeldet in den westlichen Berliner Vororten auf. nachdem sie in Berlin in einem Hotel einem Herrn ca. 500 M. gestohlen hatte. GeviMs-Ieikung. Ei» häßliches Sittenbild lag der Anklage zu Grunde, die gestern den Kaufmann Richard Altmann aus Moskau vor die ziveite Ferien-Strafkr.iMc r des Landgerichts I führte. Der Au- geklagte, ein geborener Russe, der in Preußen naturalisiert ist, war auf einer Geschäftsreise hier angekommen und im Central-Hotel ab- gestiegen. Auf einem abendlichen Gange durch die Fricdrichstraßc kam er in ein Gespräch mit zivei kleinen Blumenhäiidlerumeii. deren älteste noch nicht 14 Jahre alt war, aber in der Art, wie sie ihre Ware anbot und in ihren Fragen und Antworten eine vcrbiüsiende Keckheit bewies. Bald darauf bestieg der Russe eine Droschke und fuhr mit den beiden Mädchen, denen ein Knabe vergebliche Warnungen zurief, davon. Der Knabe lief der Droschke mit seltener Ausdauer nach und bemerkte, daß die drei Personen vor einem Gasthofe in der Borsigstraße aus- liegen und in das Haus gingen. Er suchte sich nun einen Schutz- mann aufl aber auch der GasthofSbesitzer hielt es nach einiger Zeit für notwendig, nach der Polizei zu schicke», da ihm das Treiben des anständig gekleideten Mannes, der mit den beiden Mädchen ein Zimnier verlangte und erhalten hatte, unheimlich vorkam. Die Folge der polizeilichen Intervention war, daß A. sofort verhaftet und die Anklage wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit gegen ihn erhoben wurde. Nur mit Rücksicht darauf, daß an den Mädchen nicht mehr viel zu verderben war und dem Angeklagte» geglaubt wurde, daß er Morphinist sei. billigte ihm der Gerichtshof mildernde Umstände zu und verurteilte ihn nur zu einem Jahr Gefängnis. Wilmersdorf. Wegen eines eigenen AnitSgerichts für Wilmers« dorf petitionierte vor einiger Zeit die hiesige Gemeindeverwaltung an daS Abgeordnetenhaus. Gleichzeitig wurde in der Petition ge- beten, die Ueberwcisung der ganzen Gemarkung Wilmersdorf an das AmlSgericht Charlottenburg zu veranlaffen. falls die Errichtung eines eigenen Amtsgerichts nicht ausführbar ist. Die Regierungsvorlage wollte nämlich den Teil westlich der Kaiser-Allee nach Charlotten- bürg, den östlichen dagegen nach Schvnebcrg verlegen. Nach den KammissionSbeschlüssen soll nun die gesamte Gemarkmig dem Amts- Ein Mnster-HauSwirt. Wegen arger Ueberschreitung der zu- lässigen Grenzen der Selbsthilfe hatten sich gester» der Haiiseigen- tümcr Fabrikant Rege und sein Hausverwalter Wilhelm Knörrisch vor der 7. Fcrien-Sirafkammer des Landgerichts 1 zu verantwerten. Als der im Hause des ersten Angeklagten wohnende Kellner P. eines Abends nach Hause kam, fand er seine Wohnung in einem höchst un- gemütlichen Zustande vor: die Thüren und die Fenster waren auS« gehoben, so daß der Wind unbehindert durch die Hallen strich und lu der Küche hatte sich ein Maler iiistalliert, der die Decke weißte. Der entsetzte Mieter hörte von seiner mit ihm zusammen wohnciideii Braut, daß im Laufe deS Tages der Hauswirt mit seinem Verwalter in die offen stehende Wohnung gedrungen sei und die Mieterin gefragt habe, wann er denn endlich die Zahlung der rückständigen Miete er- warten könne. Auf die Antwort, daß es augenblicklich noch a» dem nöttgen Gelde fehle, hat dann der HauSwirt den Befehl zum Ausheben der Fenster und Thüren gegeben, dieser Befehl wurde sofort ausgeführt und so saßen denn die Mieter in unbewohnbaren Räumen. Sie halfen sich die erste Nacht damit durch, daß sie Feuster und Thüren mit Tüchern verhängten, da aber alle Reklamationen bei dem Hauswirte nichts halfen, dieser vielmehr androhte, die in der Wohiiuiig stehenden Möbel auf die Straße stellen zu wollen, mußte der Mieter in der Kelliicr-Kontrolle ein Uiiterkonmleil suchen imd dort auf einem Sofa eine Woche hindurch nächtigen, während seine Braut nach außerhalb ging. Beide Angeklagte behaupteten, daß es ihnen nur dariun zu thun gewesen sei, genügend frische Luft f!) in die übel riechende Wohnung zu lassen, sie hatten damit aber kein Glück beim Gerichtshofe. Beide wurden wegen versuchter Nötigung und zwar Rege zu 100 M. eveut. 20 Tagen Gefängnis. Knörrisch zu 20 M. event. 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Ju Sache» des Grafen Eglossstci» und Genossen hat der Verteidiger des Stallmeisters D ie te l, Rechtsanwalt Dr. Davidsohn für seinen Klienten Dietel das Wicderaufiiahme-Vcrfahren gegen das verurteilende Erkeiuitnis beantragt. Es haben sich nämlich nachträg- lich mehrere einwandsfreie Zeugen gemeldet, welche bekuiiden wollen, daß der Zeuge Schlächtermeister Lochstcdt seiner Zeit selbst erklärt hat, daß das vielbesprochene WageiigeschäftseS handelte sich bekanntlich um ein bares Darlehn an den Grafen E. gegen Unterlage von 4 Wagen, die erwiesenermaßen in dem Besitz des Stallmeisters Dietel waren) kein Kaufsgeschäft, sondern ein Darlehnsgcschäft war. Lachstedt hat das geliehene Kapital nebst Zinsen zurückerhalten. Sollte dem An- trage de» Verteidiger« stattgegeben werden, so dürfte fich auch die Lage für den edlen Grafen Cgloffstein vielleicht günstiger gestalten. „DaS grüne, das so ausgeschnitten. Du ziehst mir nicht daö grüne an l" Do sie ungemein mager war. so war es wobl weniger die Hitze als die Aufregung, die ihr den Schweiß wie sauft fließende Bächlein über das eckige Gesicht rieseln ließ. Es war die 48jährtge Marie P., unverehelicht und uilbestraft, die auf der Anklagebank sich befand, weil sie ihre 18jährtge Nichte, Marie P.. in grober Weise gemißhaudelt haben sollte. Der Vorsitzende des Schöffengerichts ermahnte sie, einfach die Wahrheit zu gestehen, wenn sie sich etwa durch ihr heftiges Temperament zu einer linübcrlcgteii Haudlung habe hinreißeir lassen. A n g e k l.: Wenn ick ooch nicht verheiratet bin, so weeß ick doch, wat sich fürlli junget Mächen passen dhut un wat uich, ick kann die olle tveibliche Radelei, wo die Mächens uf det Jestell sitzen ivie'n Maim, nu mal auL der iniiersien Seele»ich leiden. AuS drei Häuser bin ick schon ausjezogen. weil da Nadlerimieii wohnten; un wenn ick mal an die Luft ntußte, �deun habe ick mir die abjelejcutsicn Jejendcn ausjesncht. Aber die Sorte komnit ja iebcrall hin. Ick werde aus Berlin ausziehen.— Vors.: Nun gut, Sie können die Radle rinne» nicht leiden, das sind An- sichten, ich sehe aber nicht ein, was das mit der vorliegenden Sache zu thu» hat.— A» gell.: Davon is die janzeJeschichte ja herjekommen. So jejen Ostern rum. fragte mein Bruder, der in Neustadt ver- heiratet is, bei mir an, ob ick nich seine älteste Tochter Marie uf een halbct Jahr zu mir uchmen wollte, sie sollte hier etwas Bildung lernen. Ick sollte ihr aber een biLkeu kurz in'n Zügel halten, indem sie Neijung hätte, über die Stränge zu schlajeu. Ick schrieb ihm retuhr, sie sollte man kommen, bei mir sollte sie et jut haben. Sie kommt denn ooch un ick hole che von'n Stettiner Bahn- Hof ab. Soweit een janz ncttet Mächen. Aber ick beule, ick soll uf'n Rücken falle», als der Jepäckdräjer niit'n stoßen Koffer un een Rad ankommt. Marie? frage ick: Du r a d e l st?— Jawohl liebe Taute, antwortet sie mir, un Du wirst Dir freuen, wenn ick man so durch die Straßen flitze.„Nu— sage ick denn janz brocken, det tverde ick wohl nich zu sehen kriejen, denn solange Du bei mir bist, wird nich geradelt. Een Frauenzimmer, wat uf'n Rad 'cht, kommt mir vor, als wenn sie mit den eenen Been det AnstandS- efiehl un mit den andern det Ehrjcfiehl in Jrund un Boden tritt." Ick dulde aber doch, det die Ilnsittlichkeitsmaschine oben uf die Troschle ufjeladeu wird. Als wir vor unserem Hause halten, sage ick zu ihr, sie soll man noch een paar Minuten warten. Ick nn bei de» Koosmann, der unten wohnt, un stage ihn, ob er nich een weiblichet Fahrrad in seiner Remise unterbringen könnte. Jawohl, det könnte er. Ick lasse denn det Rad in die Remise bringen, denn in meine Wohnung wollte ick et nich haben. So, mein Mächen, sage ick, als wir oben sind, nu händije mir mal Deine janze kurzröckige Radlerkledasche aus. Haste vielleicht ooch Pumphosen? Na, die hatte sie nu zum Jlllck nich, nur kurze Röcke un lange Schnürstiefeln un bunte Strümpe. Ick nehme alle diese unmoralischen Kleidungsstücke über den Arm, ver- chließe sie in meine Kammer im stecke den Schlüffel in die Tasche. So, sage ick, wenn Du»ach Reustadt zurückreist, denn kriegst Du alles wieder. In der ersten Zeit weente sie häufig, dann gab sich det aber un sie wurde recht freuudlich un verjnügt. Ick ließ ihr nach- mittags een paar Stunden Zeit zum Wegjehn, denn sie hatte hier»och mehrere Familicnbekanntschaften, wo sie ooch jerne jesehen wurde, denn sie wurde häufig unten beim Koosmann an't Telephon crnfcn. Sie kam denn immer zurtick mit den Bescheid, det sie bei Bekannten injeladen wäre. Eines DageS jeschah det ooch wieder un sie bat mir, ob sie nich bis 11 Uhr fortbleiben könnte, da wäre eeiie jrößere Jesellschaft, Ick hatte nischt dajejen, denn et waren ordentliche Leute, die sie injeladen hatten. Als sie det Abend» fort« jehen u» mir Adieu sagen will, sehe ick sie an un krieje eeiicn Schreck. Wat? sage ick— schämst Du Dir jar nicht, mit det jriine Kleed willste in Jesellschaft jehn? Unten der uffallend kurze Rock un oben bis hierher auSjeschintten? Warum jehst Du»ich lieber jleich barfuß bis an den HalS? Sofort ziehst Du een änderet Kleed an l Sie fing denn ooch wieder in hre Kammer und als sie dann fortjing batte sie'n Rejemnantel an. Ick»ahm an, det sie een änderet Kleed angezojen hatte. So nach'ncr Stunde krieje ick doch allerlei Bedenken. Ick sehe ihren Kleiderschrank nach. Ivo mein Schlüffel znfällig ooch zu paßte— det riine Kleed war»ich da. Nu jing mir n Licht uf l Ick ziehe mir m un jche hin zu die Familie, wo sie injeladen ind sollte. Doch nich een Fenster war erleuchtet. Det war also Falle jeivcsen. Ick jche wieder nach Hause un verstecke mir hinter die HauSthür. Jejen 11 Uhr kommen zioee p s r R a d nn, een junger Mann»n— denken Sie bloß— meine schöne Nichte. Sie hat det jrüne Kleed an. hat über die Schultern aber een Tuch. Als sie rnnterspringt, jicbt ihr der Bejleiter een Packet, sie nimmt ihren Regenmaniel heraus, hängt ihn um un lacht, wobei sie sagt:„Ru steht mir keener die Radlerin an". Der junge Mann stägt noch besorgt:„Wird Ihre Tante ooch nischt merken? Ach wat, sagt sie. wie soll ich es anders machen, wenn ich mal radeln will, die olle Schraube is ja wunderlich." Un denn bittet sie ihn noch, det er ihr Rad, wat sie jcliehen hatte, wieder zurückbringen soll, sagt ihm jute Nacht— in allen Ehren, det will >ck zujeben— und macht denn die HauSthür offen. Ick trete so'n biSken zurück, det sie mir nich sehen kann un als sie dann die Thür wieder znjeschlosien hat, da Hab ick ihr denn begrüßt, Vors.: Das war ja eine lange Geschichte. Haben Sie ihr gegen 10 Ohrfeigen gegeben?— Angekl.: Jezählt habe ,ck sie nich.— Vors.: Ist da« junge Mädchen am folgenden Tage zum Arzt gegangen?— Angekl.: Nee, der Doktor iS zu ihr jckonnnen, aber er kam ooch per Rad, io'n Manu is in meinen Oogen uich jlaubivürdig,—Vors.: Ist Ihre Nichte noch bei Ihnen?— Angekl.: I bewahre, sie is längst wieder in Neustadt.— Vors.: Ihr eigener Bruder ist über Ihre Handlungsweise so empört, daß er gegen Sie Strafantrag gestellt hat.— Angekl.: Wie ick man jehort habe, soll er ooch radeln, ick mag nischt mehr von ihm wissen. Die Radlerfeindm soll IS M. Strafe zahlen. Versammlungen. Eine Versammlung der Schmiede, die am 12. August tagte, beschloß für die Wahl zmu Geselleuausschuß der am 15. d. Mts. ins Leben tretenden Zwaiigüinnung ihres Gewerbes eine eigene Kandidatenliste aufzustellen. Bestimmt wurden hierzu: Andre, s, Albrccht, Bischoff, Gust, Iwan, Lauge, Jasick. Liebelt, Michaelis, Möde, Strubclt. Timmermann, Witthans, Wolff, Weidner. Die Ver- sammlung kritisierte sodann das Verhattcn des Herbergswirtes Bluhm, Mulackstr. 9. Wie berichtet wurde, hat Herr Bluhm sich er- boten, während des Streiks der Schmiede in Chqrlottenburg Streik« brechcr anzuwerben. Es wurde einstimmig eine Resolutton angenomiiien. die die' es Verhcilteil des Herrn Bluhm tadelt. «nd verpflichteten sich die Amvcscndcn, bci'diesem Wirte, der sich als ein Feind und Gegner ihrer Bestrebungen erwiesen hat, in Zukunft nicht mehr zu verkehren, sondern den Arbeitsnachweis der organi- sierten Schmiede, Stialauerstr. 48, zu benutzen. Hierauf berichtete J>er Delegierte zur Gewerkschafts-Kommission über die Vorgänge betreffend die Abänderung des Abstiinmungsmodus. Nach eingehen- der Debatte wurde einstimmig beschlossen, dem Delegierten auf- zutragen, wenn ein Abstimmungsmodus beschlossen würde, welcher geeignet sei, die kleinen Gewerkschaften rechtlos zu machen, sofort seinen Austritt aus der Gewcrkschafts-Kommission zu erklären. Ju Rüdersdorf fand am Sonntag eine gut besuchte Bersamm- lung der Bau-, Erd- und verwandten Hilfsarbeiter statt. Nach einem Vortrage des Herrn G. W a g e n e r erklärten 30 Mann ihre» Beitritt zum Ceutralverbaude und bildeten sofort eine Filiale. Tchöueberg. Morgen, Donnerstag, abends 8 Uhr, findet bei Obst, Grunewaldstr. 110, die Generalveriammluiig des Vereins zur Genossenschasts- gründung statt._ VevmijAzkes. Kaiser Wilhelm II. hat sich, als er dieser Tage bei Krupp in Elsen zum Besuch war, von einein Mäimergesangverein Lieder vortragen lassen. Gesuugen wurden u. a. t„Der Choral von Lcnthen" und„Die Toten des JltiS". Als ein anderes Lied auf Verlangen des Kaisers äa. capo gesungen wurde, vollführte der Monarch leb- Haft mit der rechten Hand während des ganzen Vortrages die Takt- bewcgungen. Sodann sagte der Kaiser, wie die„Rh. Wests. Ztg* mclt'ct, er freue sich, dajj in Essen neben der Fabrikation von Kanonen auch die G e s a it g s k u n st gepflegt werde. In Biilotv wurde der vom Felde heimkehrende Bauer Klauke vom Blitz erschlagen. Seine beiden neben ihm gehenden Kinder im Alter von 30 und 12 Jahren wurden schwer gelähmt. Das ältere Kind ist am Dienstagabend noch gestorben, während das jüngere sich wieder erholt hat. ThPhnS in Delitzsch. Eine ansteckende Darmkraukheit ist unter den Zöglingen der Delitzschcr Präparandenanstalt infolge des Ge» uusseS schlechten Trinkwassers und unreifen Obstes ausgebrochen. In der Stadt Delitzsch sind Typhuserkrankungen festgestellt. Keine Nachricht von Zludrse. AuS Tromsö wird berichtet: Das Fangschiff„Cccilia', Kapitän Nästme, ist von Ost-Grönland hier eingetroffen. Der Kapitän berichtet, er habe an der Sabine- Insel bei Ost-Grönland 7ö Grad nördl. Br., die N a t h o r st sche Expedition angetroffen. Letztere habe bisher von Androe keine Spur gesunden. Die Expedition setzt ihre Reise bis zur Williams- Bay fort. Ein Roheitsbergehen dürfte seinem Urheber in Peine sHannover) teuer zu stehen kommen. Ein Unbekannter hat dort de« Nachts die zu Ehren des Fürsten Bismarck auf dem Spielplatze am Herzberge gepflanzte Eiche zerstört. An einem Zweige der Eiche befand sich ein Zettel, der Beleidigungen gegen Kaiser Wilhelm I., Kaiser Wichelm II. und Bismarck enthält. Das Geschreibsel schlieft mit den Worten:„Hoch lebe die Anarchie und Republik." Dem Thäter ist man, wie der„Hann. Cour." schreibt, auf der Spur, da er zu dem Zettel die Hälfte einer Einladung benutzte, die ihm kürzlich in einer Armensache vom Magistrat zugegangen ist. Der Direktor Jcrke und der Kassierer H o ffm a n n vom Spar- und Vorschußverein zu Kahla, E. G. m. b. H., sind unter Hinterlassung nicht unbedeutender Kassenfehlbeträge verschwunden. Altpreustisches Gräberfeld. Aus Sdorrcn am Spirdingsce sOflpr.) schreibt man: Bor ungefähr zehn Jahren wurde in der hiesigen Gegend von Herrn Professor Bujak ein ausgedehntes Gräber- feld entdeckt, welches auS der Zeit von 200 n. Ehr. stammt. Es wurden damals verschiedene Urnen mit allerlei Schmucksachen und Kriegsgeräten gesimden, doch wurden die weiteren Nachgrabungen durch den inzwischen erfolgten Tod des genannten Professors für längere Zeit unterbrochen. Erst in neuester Zeit hatte der Lehrer Sch. in Sdorren Ausgrabungen auf eigene Faust unternommen und dabei verschiedene Funde gemacht. Der- selbe nahm Berar.lasiung, bei seiner Anwesenheit in Königsberg die Direktion des Prussia-MuseumS daselbst für die Funde zu interessieren und hatte denn auch insofern Erfolg, als seitens derselben Herr- Rektor Hollack mit weiteren Untersuchungen des Gräberfeldes beauftragt wurde. Dieser hat denn auch das Unternehmen mit größter Ausdauer, Fleiß und Sachkenntnis durchgeführt und erfreuliche Resultate erzielt. Es wurde bei dieser Gelegenheit noch eine zweite Begräbnis- stätte bei Wiskakrug entdeckt und teilweise durchforscht. Im ganzen »llrden an 200 Urnen gefunden, welche Schmucksachen, wie Bernstem- perlen, Ketten und Broschen enthielten, welche durch ihre schöne Form und Ausführung ein interessantes Bild von der Kunstfertigkeit der damaligen Einwohner Masuren« bieten. Die Fundstelle ist durch diese Nachgrabungen noch lange nicht erschöpft und dürften spätere Nachforschungen noch schöne Resultate zeitigen. Aus Orsowa wird gemeldet: Im Kohlenschachte der Staats- bahn-Gesellschast bei Mehadia wütet ein großer Grubenbrund. Der Betrieb mußte teilweise eingestellt werden. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) fit soeSen daS 47. Heft des 17. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir her- vor: Moralischer Irrsinn.— Bernstein und dt« Wissenschaft. Von S. Gunter. — Zur llrlti! des MilirartömuS. Von S. Schulz. II.— Grundlinien des neuen Gesetzes für böhe« Öffentliche Schulen in Norwegen. Von Otto Andersicn, Gynmafialdirektor in Christiania.— Litterarische Rundschau: Dr. Stegemann. Regierungsrat, Tanne und Wieda.— Notizen: Gedichte von HanS Lenk. Von F. Mehring.— Feuilleton: Ein Blatt aus dem Leben der Enterbten. Von Rob. Schweichel.(Gchluff.) Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 17 des 9. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Aufruf des Partetvorstaiides.— Zur Dienstboteiidewegimg.— Di» Invalidität�- und Altersversorgung der Lebrerimien. Bon ktl. X.— Aus der Bewegung. — Feuilleton: Meifidor.(Ernte.) Bon Algernon Charles Swinhurne. (Gedicht.)— Notlzenteil von Ltlv Braun und Klara Zetkin: Frauenarbeit auf dem Gebiete der Industrie, des Handels und Verkehrswesens.— Weib- liche Fabrikinspektore».— Gewerkschasilich« Arbettcrinnen-Oiganisation.— Arbeilsbediiigimgen der Arbeiterinnen.— Dicnstbotenfrage.— Sociale Gesetzgebung.— Socialistische Frauenbewegung im Aus lande.— Frauenbewegung. WiUeriiiigSiiberficht vom IS. Anglist 180». morgens 8 tthr. Stationen Swiiicmdc. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien c e „ 6 Ii »«= ca-U «M|S 70« Still IfilsSO 7ö5>SW 768® 764® tili Weiter Ihlb.bed. — iNcbet 2 wvlkenl 1 heiter 8 heiter -Iwolfenl iti Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Part« SB "o E Ii 763 N 703 N 700® 704 O Weiter LhlL.bed. 3 hlb.bed. 4h>b.bed. 1 heiter af |» c � Wetter-Prognose für Mittwoch, de» Ii». August 1800. Sehr warm, vielsach heiter, zeitweise wollig bei schwacher beweguug! Gewitter nicht ausgcschlotien, sonst trocken. B e r i i u e r W e t t e r b u r e a u Lust- Marktpreise von Berlin am 14. August 189V nach Ermiltelungen des kgl. PoltzetprSsioiums. D.-Ctr. ')Weizcn »)Roggcn Fuitcr-Gerfle Hnfer gut „ mittel „ gering Nichistroh. Heu fsErbse» ftSpeiscbohneu fsLlnsen Kartoffeln, neue Rindficisch, Keule 1kg do. Bauch„ *) Ermittelt pro Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,00 1,60 1.50 2,40 4- 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12- },— 1- 1- 2,- 2,20 2,— 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2.- 16.80 14,70 14,70 13,70 13,30 12,80 16,60 Ib.- 14,90 14,40 14,30 13,80 4,50 3,32 6,60 3,70 40,- 25,- 50,- 25,- 70- 30,- 6,- B,- 1,60 1,20 1,20 1,- ______, Tonne von der Ccntralstell« der Preith. Landwirt- schdftSkammer— Notiennigsstelle— und umgerechnet vom Poltzeipräsidtum für den Doppel-Centtter. f) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom Ib. August. Die dauernd festeren Tendenzberichte aus New Kork uud Chicago übten«ine stimulierende Wirkung aus, doch war bei sortgesetztem Angebot aus dem Gelände, welches insolge mangelnder Unternehmungslust keine Aufnahm« findet, das Geschäft an fich wieder so minimaler Natur, daß die Preisbewegungen keinen großen Umfang annehmen konnten. Etwas nachgefragt war nur September- Roggen, welcher 1,25 M. anzog. Weizen stellt« sich 0,75 bt» 1 M. über gestern. Haser konnte seine letzten Preise behaupten. Am Spiritus markt schlugen die Preise infolge überwiegenden Angebots ein« weichende Richtung ein. Loco 70er wurde mit 43,40(— 0,20) gehandelt. Umsatz 20 000 Liter. Termine warm 0,20 bis 0,30 M. billtger offeriert. Kartoffelfabrikate. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack und Mehl 19,10 M. Eierbericht vom 14. August. Normale Eier je nach Qualität von 2,60—2,95 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,05—2,15 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— ,— M. per Schock. Tendenz: Ettvaö fester. Briefkasten der Redaktion. Dt« juristische Spreckistnnde ivtrd DicustogS, Donnerstags und Kreitog» abend« von V bis 8 tthr abgehalten. Wörther Platz. Nennung ihres Namms ist notwendig; Diskretion selbstverständlich. E. K. Auch Sie, verehrt« Genossin, beunruhigt also die große Frage. wann da« neue Jahrhundert ansängt. Die Widersprüche in dieser Hinsicht werden so lange andauern, als bis wir uns glücklich im Jahre 1902 be- finden, und den nach st« n Streit werden wir dann glücklicherweise nicht mehr erleben, also auch nicht zu entscheiden haben. Die Frage wird eben verschieden beantwortet, je nach dem Gesichtspuiltt, unier dem sie erwogen wird. Die Zweifel beginnen schon damit, ob Neujahr 1 den Anfang oder den Schluß des ersten Jahres bedeutet. Das dekadische Zahlmftistem beginnt nicht mit 1, sondern mit 0. Deshalb, so meinen die Mathemattker, die das neue Jahrhundert schon Svlvester 1899/1900 feiern, ist das Jahr 1 der Zeitrechniinz eigentlich schon das zweite Jahr, wie das Jahr 1 des individuellen Lebens das zweite ist. Von diesem Standpunkt kommt man dazu, den Ansang des Jahrhunderts gemäß der„Orthographie der Zahl" dann zu feiern, wenn die neue Zahl zum erstenmal geschrieben wird, also 1900. Und diese Auffafsung entspricht auch der volkStümllchm Met- nung, der es schwer fällt, den Beginn des neuen Jahrhunderts erst zu feiern, wenn man es ein Jahr lang geschrieben hat. Wollen Tie nun auch die Gründe für diese Auffassung wissen, warum das neue Jahrhundert erst Neujahr 1901 anfängt'? Doch Sie sind ja Anhängertn dieser zweitm Auf- faffung und werden Ihre Gründe ebenso gut angeben können, wie es der „Vorwärts" gethan Hai. Uebrigens möchten wir das Problem für keine socialdemokraiische Prineipiensragc halten, und es ist deshalb kein Unglück, wenn in dieser Hinsicht die Partei heftig gespalten ist. Briefkasten der.Expedition. Dievenow. Pro Monat 2 M., pro Woche 50 Ps. KMir den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedattion dem Publikum gegenüber keinerlei Veranttvortung. Mittwoch, 16. August. Rene« Opern> Theater(Kroll» Die Fledermaus. Anfang 7>/, Uhr. Lessing. Im weißen Röß'i. Anfang 7�ulr' Neues. K-wito. Anfang 7'/, Uhr. Westen. Der Mikado. Anfang 7V- Uhr. Schilt er. Carmen. Anfang 7'/, Uhr. Er« trat. DerHeiratsmartt. Anfang S Uhr. Friedrich- WilhelmstädtifcheS. Germ mal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. «lexaudcrplatz. Gastspiel Turpfa. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die Subanertn. Ansang .» Uhr. Luisen. Gthkerlon. Hierauf! Der Kamnierkater. Anfang 8 Ubr. Metrapol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Belle-Sllltance. Specialitäten-Bor- steltiina. Anfang 8 Uhr. 3tM(p. Frau Lima. Spcciaiitäten- Vcuiicttung. Anfang 7-/. Uhr. Ne.riiolmllen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Poji.igr. Panoptikum. Speciali- läien-Vorsieltnna. ttrani.i. Juvalidenstr. iiv/as. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. Tonbeiiftr. 48/-tV. Im Theater: Das Land der Fjorde. Ansang 8 Uhr. �chilltr-Thtliler (Wnllnrr-Dheater». Uorwltz-Oper. Mittwoch, abends 7'/, Uhr: Gastspiel Btoi-glil- Lincignanl. C n r in e n. Donnerstag, abends?>/, Uhr: VI« Hugvnntten. Freitag, a b e» d s 7>/. Uhr: Gastipiel Adel» Borghi und BenedsUo Lucignanl. I»ep Tronbailour. Sonnabend, abends 7t/z U h r: Vollirtllmllcde Opornvoreteliung bei halben Preisen: IV II Ii e 1 n, Teil. Schluß der Opern-Spielzeit am Mittwoch, den 30. d. Mts. (LrutOLil TIzrcitev Direktion: Soeö lerencip. Lnstspiel-Ensemble(Fri.Mllly Krause vom kgl. Schauipielhans, Herr Otto Nablau vom Schifler-Thcater, Herr Nick. Ewald vom Thalia Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank tu 3 Akten v. G. Okonkowökt. Anfang 8 Uhr. Morgen" d folgende Tage: Die- selbe Vors..... ng. Friedrilti-Wilhelmst.Theater Chausseeatr. 25 26. Zum 9 Male! Abends 8 Uhr: „Gerulinnl"oder: TerTtreik der Bergarbeiter. Sensationsstück in 6 Auszügen nach dem gleichnamigeii Roman v.EmileZola. Regtet tteonh.Ottomeyer. 1. Bild: In Not tmd Elend. 2. Bild t Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- werksditektor. 4. Bild: Brot! Brot! Bröl! 5. Bild: Am Rande des Ab grimdes. 6. Bild: DerZusammeiisturz. Im Erledrlcli-Wtliielmet. Konzertpark: Jeden Abend ungeheurer Lachersolg der Scnsationspoffe: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lona Barrison. Mlle. topolalr, ßvette Guitbert, Prosejjor vengali. Leonhard Harttnaim ai? „Zigeuner". Miß Darnett, Salon-Arhletin, hebt u. a. ein Piano mit dem Piontsten. Patty Frank-Truppe, Akrobaten, 5 Personen-c. Außerdem 20 Spectalttäten Entree 30 Pf._ Urania Tanbenistraaue 48/40. Uro 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. InTiilldcnutr. 57/0%: Tagl, Sternwarte. Lsttuil-Carl Wkisj-Thtattt. Er. Frincksiirterstratze IZL. Täglich: Die Kttbanerin. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillcts haben Gültigleit. Im Garten: SpeclalttStenvorstollung. 27 Nummer«. Ansang 5 Uhr. Heute: Kindcrfreudenjest. Gr. per- guügte Storch-Pantomime. Passage-Panoplicun) Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Xeiik Xea! Das urkomische Bückeburyep Bauern- Ensemble. Ansang der Vorstellung 6 Uhr abends. Prater-Tlieäter Kastanien-Allee 7/9.' Täglich: Dorn« Kesl. VoNssiück mit Gesang it. Tanz». Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Koffümlsubrette Fränl. t-ucle 8arow. Gebr. dlllardo, Grot. Duett. Tauma-lZuartett, Gesang nnd Tanz. Die 3 Schönbrunns, hu- moristijches Bilderbuch. The4Etashes, Ercentrics. Ballettgeiellschast Döring. Vendarc-Trlc, fircicttieit am Hnnd- Trapez. Daniel-Truppe, Pantomime. Konzert und Ball.'TB® Eintritt Sonntags und wochentags Z0 Pf., nüm. Platz 50 Pf. Kaihv. Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. OrttMnter SalBon-flrfol«!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclellt-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhuthlma Truppe. Wemer-Amoros- Company etc. etc. AmfaneS Chr. Apollo-Theater. _ Abend« 9 Uhr; Frau Lima mit dem Luftballett„Crlgolatle". «Otto Rentier« Der Kosmograph Neu! Die ErllfTniins Neu! des Dortmund Ems-Kanals am tl. August 1899 durch Se. Maj. d. Dentschen Kaiser. Garten- Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf tlgllch im Theater und beim„KUnatlerdank", Unter den Linden 69. " CASTANS PANOPTICÜMi Die«cni-ationcllcn gsr lebendenm Photographien!| In Lebensorösso. Die russische llirrnAM" Damenkapelle„nUyilUIl In moskowltlschen Kostümen. Viele neue plasttBctae Gruppen und 1 Igr Neichshalleu. Garten r e« p. Saal td> l i ck i Stettiner Sänger kMetzsel. Pictro, Priito», Tleidl, Krone, 5t i r ch in a y e r, Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, SouutagS 7 Uhr. Vorher: lieasEert. Entree 50 Pf., Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 7b Pf. bis 2 M. laden Freitag: Neues Programm. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" floniertprtcii u. PrMsiilt Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badetr. 16. Täglich: Gr. Promettadc»- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzevt. Sonntags: Groster Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meineSäle'zu allen Fest- lichkeuen. 8. Ballschmleder. Victoria-Brauerei Lützowstroffe 111/112. Im jKdturgurten oder Saal: Täglich Hnmoristtsche Soiree der Horddeutsetieo Säuger tFUhrmann, »erst, Walde». Auf. SounlagS pröc. 7, machen- lag» 8 Ubr. Entree 50 Pf. Vorvert. 4« Pf. Familienbillets S- 1 M Sonntag und Donnerstag nach der BorsteUniig: Dan v le r liaae Ii en. I-n!>>inu»n>i Vaudeville. Theater Inhaber F. Lehuimin, Schöuh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Konzert, Theater n, Specialitäteu-Vorstellnng. Odilia im-Park iiermunn Iniba 71 Rüdcrsdorfcr Straße 71, am K ü Ii r i n e r Platz. Täglich: Konzert. Theutcr- nud Speeiolitäteu-PorstcUnng. Nur erstklassige Nummern. Anfang: SoiiinagS 4 Uhr. EiNrcellOPf. Stinber 10 Pf. Sperrfitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochen», b Uhr. Entree 10 Pf. Sünder 10 Pf.«perrsitz Nachzahl. 10 Ps. Jeden Dienstag: fiforddentMche Silnjjer. Hermanv Jmvs. Direktor. kslsst-fltoidoi' früher lax_ Feen•'Palast. Burgstrafte LA. Direktion: Winklsr und Fröbel. Sonnabend, 3. September: S Eröffmmg �51 :chweg wunderbar renovierten Ritsell-Pl'chtriiilme. «revae» j7Z78L» Speclnlitaten- Programm. Vom Besten das Beste I Zum 1. Male: Spure-Dottchen! Große Original- Ausstattung«-Posse. 30 hnchchk Chordamen können sich melden vormittags von 11—12 im Bureau deS Palast-Theater, Burgsiraße 22._ W. Koacks Theater, Brunjienstraße 16. Täglich: Theater- u. Tpecialitäten- BorsteUuug. Die Lindenwirtin. Liederspiel w 1 Akt von O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. Das Blumeumädchen vom Moritzplatz. Volksstück mit Gesang in 2 Alien von Johann Eißn«. Im Saale: Tanzkräuzchen. W. Grupes Tanz-Institut, Annenatr.lO(früher Klubhaus). SonniagS-KuriuS per Monat 3 M., DienSlagabenb-KuriuS p. Monat 4 M. Säle und Vereinszimmer für Ber- sammlungm u. Festuchletten. l2S27L Schweizer-Garten Am Äiniigsthor(Ringbahn) Am Nriedrichshai». Täglich: Theater- und Specialttäten-VorSellung. Jeden Mittwoch: Großes uith Vinhevfestt. Auftreten de» neuen K ilnatler-Envemble». Jede» Abend von 10—11 Uhr:' Novität. aber Novität! Ober-Bonze von Klautsclioii. AuSstattungS-Burleste mit Gelang in 3 Bildern von I. EtSner.- Mustk von Max Schmidt. Volksbelustiqungen aller Art. Im Saale: üfgiIlM Hoaenhelde 14—15. Max Kliems Sommer-Theater Artistische Leitung: Paul Milbitz. M Agiilh: AchiS Eniiii-Hoiiiit. Zg Auftreten des gesamten Schauspiel- u. Specialitäteu-Persouals. Nur erstklassige Kräfte.-WW Georg Fischer(Ltedersänger), Emst Kühne(Eharakter-Komtker), Frttxl Verrt (Koschm. Soubrette), Ploeti Carella-Troupe(Melange-Akt), Klara und Paul Clement(Transformations- Duo), ding» Fulng(Chinestsche Akrobaten), The Covas(Originai-ExcentrtcS).. ÜKenes gedlesfcne« i'ainilien- Progjranini. Entree: WochenUgs 20 Pk.| Entree: Sonntag» 26 M. Numerierter Platz 40 Pf| Numerierter Platz 50 Pf. Anfang daa Konzert» täglich 4 Uhr.| Anfang der Voratelluno 6 Uhr. Die I« den Feftsäleu: Kaffeelüche ist geöffnet. Srofter Ball. Hau�lUem. HaseuHeid«. plt« Has«nh«ide. Heute, Mittwoch, 1«. August» S. Grones Ernte-Fest mit Gratisverlosung, Fackelzug durch den Garten, Bondonregen und sonstigen Ueberraschungen. Außerdem Groaves Konzert mit Speclallttltcn-Torstellane. Austreten des gesamten Mnsiler- Personals.— Anfang 4 Uhr. f2332Lj A. Froelich. Jedes Kiud erhält ein LoS, sowie eiue Stocklaterne. Möbel und Polsterwaren.««0««�. «anze Einrichtungen zu billigen Preisen. l2336L» rraiu, Datzaaer,«runuenftrafte 153. Char(Ottenburg l ZotillldetMraMcher Walilverein fit TeltoW-VttskoW-ZtorkoV-Eharlottenburg Donncrötag. den t7. Slugust. abends S Uhr: in der»Gainbrinus-Branerei". itSallstrasre N4. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Bnrchardt über die beiden Volksmänner SchnItzeiDelitzsch und Lassalle. 2. Diskussion. 3, SBeteins: angelegenheiten und Verschiedenes._ 250/8 Btttin socialdemliKwMcr Galt- und Schnnluimte Derlins und Umgegend. Freitag, den 18. Zlugnst, nachm. SV- Uhr, beim Kollegen KUngonderg, Pankow, Kaiser Friedrich- Strafte Sir. IS: Vevskiininlnilg."MW Tagesordnung: I. Vortrag über: Auf was wir stolz sind. Referent: A. Holt tnann. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereins� angelegenheiten. söS/15s Pol» Vorstand. r Heute Mittwoch, de« 16. August, beginnt der \ Gänzliche Ausverkauf Deutsch. IHjetallarbeiter-Verband Verwaltnnesstelle Berlin. Donnerstag, de» 17. August t899, abends 8>/2 Nbr. im Lokal« des _ Herr» Fischer, Beusjelstraste 9: Vevstmunlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Rcichstags-Abgeordneten Frlt-i Skiidell über:»Tic Ilmiindernng deS Alters- und Fiivaliditätsvcrsichernngs-(ilcscnes. dessen Ao�teile und Nachteile." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegen- heilen und Verschiedenes. 113/11 Nichrmitgliedcr haben als Aaste Zutritt. Zahlre.ches Erscheinen ist notniendig. Tie Ortsberwalrung. Achtung, Rabitzputzer! Mittwoch, den 1v. August er., abeuds 8 Ilhr, Liudenstraste Ivv: Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. �2/14_ G. A o 1 1; r 1, Bevollmächtigter. Acbtong, Steioarbeiter! S?!ittwoch, den 16. August, abends 7 Uhr. im(Englischen Garten. Alexanderstraste Nr. Ä7 c: Oeffezitl. Steinarbeiter- Versammlung. 274/3 TageS-Ordnung: Bericht der Lohnkoulinisüo».— Verschiedenes Jeder Steniarbeiter muh anwesend sein. Tie Lohnkoinmission. der 123358 Sktipon-MeuheiketT in , Volle, Leide und Waschstoffen J zu enorm billigen Preisen. T. Weissenberg, Berlin 0., 125 Gr. Frankfurterstraße 135 Ecke Koppenstraße. Spttiai-GeslliM für Umtil-Wtiiierstsfft. 2260L» Görliber Bahnhos, Plal, 6. Billigste Bezugsquelle für Press-». ditelnkol'.len. I Dr. med. 8cbaper yf i cyf f-j dtautuJlmuemn Franen-Iirunkhcitcu. Schäl eberger Ufsr 25. Spr. 9-1. 4-7, Homöopath. Poliklinik: Mortag. Mittwoch, Sonnahend, Ab. 7—8: Friedrichstrasse»4, I. Br.SimmelÄÄ *,»1•*. I III III Wl 2 �V(,lH,cu rcrt)tg Zbeeialarzi f.Hanl-ii Harnleiden. 10—2,5—7. Lauutagö 10—12, 2—4.» Achtung, M'emptter! Niitttvoch, den 11». August, abends 8V, Uhr: Oeffentliche Bersamnilung der Klempner in Cohns Aesttälen, Benth-Ttrcste ÄO— St. t Treppe. Tagesordnung: 1. Bericht der AgitatioiiS-Kommission. 2. Welche iveiteren Mastnahme« sind zur Tnrchführung des Minimallohiies vo» Sv Pf. pro Stunde zn ergreife«? 3. BerschiedeueS. Äollegen. die auberordentlich wichtige Tagesordnung bedingt das Erscheinen aller. Agitiert deshalb überall für regen Besuch der Versammlung. 110 6____ Oer Vertrancnmiiniin der Klempner; Pansch, Eimeonstr. 4. Jedermann um st besitzen die in fünfter ülnflage erschienene Broschüre: Dir Rechte m.d Wichten k« Mieters nach dein neuen Bürgerlichen Gesetzbuch. Kommentar zum Mietrecht von Rich. Lipinski. Tie Broschüre ist auf Grund der Motive und Denkschrift zum Bürgerlichen Gesetz- buch bearbeitet, giebt in St Abschnitten klaren Ueberblick über das Mietrecht, ist gut ausgestattet, 32 Seiten stark und kostet SV Pfennige» Porto 3 Pfg. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure, sowie durch die Verlags- buchhandlung von Rich. Lipinski, Leipzig, Reudnitzerstr. II. Tüchtige Kolporteure werden noch vom Verlag allerorts bei hohem Verdienst gesucht. 22451.* Maler und die im Malerbetrieb beschäftigten Arbeiter. Am TonnerStag, den 17. August, abends 8> z Uhr. findet im Lonisenstädtischcn tzonzertliaus. Alte Jakvbstr. 37. die Wahl von 4 Mitgliedern und 4 Ersavuiännern zum Inniings-Schiedsgericht statt. Wablberechtigt sind alle im Malerbetriebe beschäftigten Maler, Anstreicher, Arbeiter und verwandte Bern'sgenosi.n. 1s71b Ter GehilfenauSschust. Der Boritand der Malerinnung. u ßfHtrßl'tafenfnfc der Cittler iiub Sfruisgenop DeiltschlilsiiS„ Sonoabeiid, den 19. August er.; iSrrosses Nommerfeist unter Mitwirkung des neu gegründeten Gesangvereins der Sattler zum Besten der ausgesteuerten Mitglieder in Pnhlmanns Vandeville• Theater, Schönhauser Alle« 148. ü&P Thrater-Borsiellung."W Auftr. sämtlicher Specialitäten. KInder-Fackelpolonalsa u. SommemacMsbtll. Eröffnung 3 Uhr. Eintritt 30 Pf. Konzertanfang 6 Uhr. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf, nach, Die Kaffeelüche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Jedes Kind erhält eine Stockiaterne umsonst. Programm an der Kasse gratis. SßF" Das Kassenlokal sowie die Zahlstellen bleibe» an diesem Tag« geschloffen.__ 18486 Todes-Anzeige. Cttttral-Smken- v. Sterbe- kW der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. crtsverwaltung Berlin H. Am Sonntag, den 13. d. M., ver- schied nach langem Leiden das Mit- glied unserer Kasse, der Zimmerer Heinrich Menzel im Alter von 48 Jahren. Tie Beerdigung findet heute nachm. 3 Uhr vom Trauerhause Lübbeuerstr 23 auS nach dem Ein maus-Kirchho! statt. Um rege Beleiligung ersucht s184/I5 Die Lrtsverwaltuiig. Deerdlgnngsvtrein Berliner Zlmmerleute. Unser Kamerad, der Zimmerer Herr Heinrich Menzel ist nach langjährigem Lungenleiden verstorben. Die Beerdigung findet Mittn-och, den 16. August, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause Lübbener- straffe 23 ans statt. 1922b Ter Vorstand. m 14/ August, morgens i/«8 Uhr, starb nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Kollege 2333b Lrnst äugu5! Haase aus Neuendorf im Alter von 54 Jahren, Berlin, den 14. August 1899. Das Personal der Unlondruckereri. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. August, nachm. 5 Uhr, vom Trauerhause Sd)werinsir. 6 aus auf dein Neuen Zwölf Apostel- Kirch- hos statt.__ Ä Schnecjelsbergs Festsäle Uaaenhelde X o. 21— Juhnstrasse Wo. 8. Jnh.: Max Schindler. Telephon: Amt IV 1132, Empsehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken ,c. meine Säle, 300 u. 12oO Personen safiend(mit Bühne), zu Versammlungen und Festllchkeileit jeder Art. Mittwoch u. Sonntag:«rosser Hall mit Schlangen- und Bonbonregen und diverse» Ueberraschungen. Täglich: SSpeelalltiUen-> orstellnnjx. Entrce frei. Das best» und im Gebrauch billigste und bequemste WastbmisicldtfVffi, �thompson'�� KTaehrur. Am Sonntagabend entschlief nach kurzem, schwerem Leiden unser Ehren- Mitglied, der Maschinenmeister Herr Krnst Knnst. Wir verliere» w dem Verstorbenen ein treues eifriges Mitglied und Mit- begründer des Vereins, Sein An- denken wird uns ein bleibendes sein. Männer-Lesangvereln Notenmappe. Von der Reise zurück. 98/4 Dr. A. Frendenberg. Spandau. Plcheisdorferstr. 39. Wehes Restauranl. Arbeiter- Verkchrslokal mit Saal und Garten. Franz. Billard, Gute Speisen und Getränke. 2334L Sein PichelSdorfer Bier. .monatlich 10 M. liefert elegante .«errengarderobe n. Maß, Tomporowskl, Schneidermstr., Neanderstr. 16, H, an der«nnenstr. 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Wiesens«. 14. L. Dechand, Ruheplatzstr. 24. H. Bogel. Demminerstr. 32. A. Tietz. Jnvalidenstr. 124. Pierdsvesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. liitidveesten: F. Lhnesorge.»Bergmaunstr. 23, H II. H. Schröder, Krenzbergs«. 15. 80den: San» Baake. Dresdenerstr. 52 53� . Gutschmidt. Kotlbmer Dam... 8. tötidesten: Fritz Thiel. Slalitzerstr. 35. W. Gesche. Wrangelstr. 58. »Marti«»Mescha, Adalbertstr. 24. Ccntrnni: P. Harsch, GipSsn. 27. Charlotteiibnrgf; Gust. Schornberg, Schillers«. 941. A. Tietz, Kaiser Friedrichs«. 37 b. Frieden»»: H. Bernsee. Kirchs«. 15. Frledrlehsherg-: Anton Kopp. Friedrich Karls«. 4. Pnnltove: Kümmert. Kaiser Friedrichstr. 15. Hlxdorf: E. Ostermann, Ercks«. 6. E. Retzerau, Hennannstr. 50. lächUnehers: Wilh.Bäiimlcr.ApofielPauluSstr.13. Wcissenseo: Heinrich Bachmann. Lehderstr l Julius Schillert. Köniachauffee 3'.'». Rob. Liebschwager. Gustav-Adols- straff« 16. Verantwortlicher»Redacteur:»Robert Schniidt in Berlin. Für den Inseratenteil verontwortllck,: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verla» von Mar Badina in Berlin.