Anterhastungsblatt des Vorwärts Nr. 202. Dotmerstag, dc>l 14. Oktober. 1897. ruck verbole».) Der Voman rincv Verschwörung. Von A. R a n c. Ins Tcntsche übertragen von Marie K n n e r t. Jntictte Lcfra»?ois sprach diesen letzten Satz in tranrigem Tone wie in Resignation. Während sie sprach, betrachtete der lhitcrsuchnngsrichtcr sie mit brennender Neugier. Eine Weile schivicg er noch. „Mein Fräulein", sagte er endlich,„sind Sie aufrichtig? Wenn Sie es sind, wenn Herr Rochercnil Ihnen nichts anvertraut hat, so schätzt er Sie geringer, als Sic es werth sind. In meiner Eigenschaft als Untersiicknngsrichtcr weiß ich vieles, nnd ich habe da, halt! eine Notiz, die Sie betrifft. ES wird darin gesagt, daß Sie Herrn Fernand Roy gefolgt sind, als er im Jahre 1805 aus Gründen der össent- lichen Sicherheit auf der Insel Oloron intcrnirt wnrde. Sic waren damals noch sehr jung, noch nicht zwanzig Jahre alt, und doch war die Festigkeit Ihres Charakters nnd die Entschlossenheit Ihres Geistes schon derart, daß die Jnter- uirtcn, neben denen Sie lebten, Ihnen nichts oder nur sehr wenig verbargen. Andererseits hatten die Behörden der Insel kein Mißtrauen gegen Sie, Sie waren so heiter und so lind- lich! Sie haben die Freiheit zu gehen und zu kommen, die Ihnen bewilligt worden war, benutzt nnd sogar etwas mißbraucht. Sic haben die Flucht vorbereitet, dank deren mehrere Jntcrnirtcn ein englisches Schiff erreichen konnten. Die Thräncn kommen Ihne» in die Augen, uicin Fräulein? Verzeihen Sic mir, wenn ich eine so schmerzliche Erinnerung in Ihnen wachrufe, aber es ist uölhig, damit Sic be- greifen, daß keine Handlung Ihres Lebens der Behörde unbekannt ist. Vergessen Sie aber nicht, daß es nicht der Untersuchungsrichter, sondern der Landsmann, beinahe der Freund ist, der zu Ihnen spricht. „In dem Augenblick, als die Jnternirten sich einschifften", fuhr Dranlt fort,„wurden sie von den Küstciuvächtern und den Zollbeamten überrascht, die Feuer gaben. Fernand, der der letzte auf dem Laude war, ivnrde von zwei Kugeln gc- troffen. Nach dem Zollamt gebracht, starb er dort am nächsten Tage. Sie haben seine letzten Worte entgegen- genommen, und ivie Sie eben zugegeben haben, sind Sie nach Poiliers gekommen, um sie seinem Freude Pierre Nochereuil zu überbringen. Dieser hat Sic empfangen, nicht nur als eine uuglücklichc Frau, sondern als die, welche seit vielen Jahren mit den Gedanken, Plänen nnd Hoffnungen Fernand Roy's vertraut war. Seitdem hat er nicht aufgehört, Sic zu besuche», Sic sogar oft zu besuchen. Es ist uumög- lich, daß das Vertrauen, das die Gefangenen ans der Insel Olöron Ihnen schenkte», nicht von Herrn Nochereuil fortgesetzt worden sei. Dranlt sprach diesen Sah in fragendem Tone. Jnlictte Lesranaois verharrte regungslos; ihr Gesicht blieb unbcweg- lich. Sie autivorletc nur: „Sie haben mir gesagt, daß nicht der Nulcrsuchnngsrichtcr in diesem Zimmer wäre." „Und ich habe die Wahrheit gesagt, mein Fräulein. Ter Untersuchungsrichter würde Ihnen nur eines geantwortet haben, daß es nicht in seiner Ata cht stände, Ihnen einen Besuch bei Herrn Nochereuil zu erlauben. Nur der Herr Unlerpräsekt Bourgnon hat infolge höherer Befehle, denen ich mich anpasscn muß, dieses Recht. Der Untcrsuchiingsrichler würde Sic zu dem Herrn Unterpräsckten geschickt haben. Ich kann Ihre Bitte nur unterstützen. Aber ich muß einige Gründe haben, um es zu thun. Ich muß Ihren Besuch mit irgend etwas motivircn. Mißtrauen Sic uns nicht, mein Fräulein Herr Bourgnon nnd ich. die wir ans der Stadt sind, haben nur einen Wunsch, nnd der ist, uns dieser traurigen Angelegenheit z» entledigen. Herr Rochcrenil und. seine Freunde gehören zu den besten Familien der Stadt. Sie fühlen wohl, daß ein Prozeß eine Quelle von Verdruß und zwar von großem Verdruß für uns sein würde. Andererseits führt die Ünterslichung zu nichts. Herr Nochereuil bewahrt absolutes Schweige». Vis jetzt hat er sich geweigert, auf die Fragen, die wir an ihn gerichtet haben, zn antworten. Glauben Sie, daß er in Freiheit gesetzt wird, wenn wir ihm selbst keine strafbare That zur Last legen können? Nein, die Notizen der Polizei sind z» belastend. Der Gencral-Polizehninister ist überzeugt, daß Herr Nochereuil im Besitze eines großen Thciles von Malet's Geheimnissen ist. Man ist in Paris überzeugt, daß er, wenn er reden wollte, alles, was an der Affäre vom 23. Oktober dunkel nnd unerklärlich geblieben ist..." Herr Dranlt tonnte blicht vollenden. Jnlictte Lcfrauyois hatte sich erhoben und grüßte kalt mit den Worte»:„Adieu, mein Herr." „O," begann der Richter, schmerzlich überrascht scheinend, „thnn Sie mir nicht die Kränkung an, mein Fräulein, zu glauben, daß ich Herrn Rochercnil zu einer niedrigen Handlung ralhe. Ich weiß, wer er ist, ich weiß, wie sein Charakter ist,.ch würde ihm nichts vorschlagen, was seiner unwürdig lväre. lind gestatten Sie mir, es auszusprechen: Herr Rochcrenil ist keiner von den Männern, welche ihre Freiheit um den Preis schimpflicher Schwäche erkaufen. Allein Malet nnd seine Mitschuldigen sind todt; nichts kann ihnen mehr schade», nnd Herr Rochcrenil ist ihnen gegenüber von seinen Verpflichtungen entbunden. Könnte er nicht, ohne sich zu kompromittircn, ohne eine lebende Person zu kompromittircn, uns die Ptittcl geben, wenigstens bis zn einem gewissen Grade den Anforderungen der Verwaltung zu genügen? „Die kaiserliche Regierung würde ihm für die geringste Auskunft Dank wissen. Wissen Sie es denn, mein Fräulein, Herr Rochercnil hat kein anderes Mittel mehr, und wenn er Werth legt auf seine Freiheit, muß er sprechen. Die Staatsgesängnisse sind voll von weniger schuldigen Leuten... Ich will sagen, von solchen, die nicht wie er erklärte Feinde des Kaiserreichs sind. Wenn er schweigt, wird seine Haft bis ins Unbestimmte aufrecht er- halten; wenn er spricht— und ich wiederhole Ihnen, man verlangt keine herabwürdigenden Geständnisse, die seinem Ge» wissen widerständen— dann wird er frei sein. O, ich ver- spreche Ihnen keine volle und ganze Freiheit: vielleicht wird er gezwungen werden, das Reichsgebiet zn verlassen. Er ist reich; er wird unter einer zeitweiligen Verbannung nicht zu sehr zn leiden haben. Es ziemt mir nicht, Verpflichtungen zn übernehmen, aber ich glaube Ihnen versprechen zn können, daß, wenn Herr Rochcrenil meinen Rath- schlügen folgt, der Herr Unterpräsekt Bourgnon, der Herr Gcncralproknralor und ich seine sofortige Befreiung durchsetzen werden. Er wird dann Frankreich verlassen, und Sic können ihm folgen. Ist das nicht auch Ihr Wunsch, Fräulein Lcsran?ois, und würden Sic nicht glücklich sein, wenn Sic Paris verlassen könnten unter der Bedingung, daß es mit Herrn Rochercnil geschähe? Nun, das hängt unr von Ihnen ab. Was Sie auch sagen mögen, Sie haben viel Einfluß ans den Geist des Herrn Rochcrenil. Wenn Sie mir versprechen wollen, mit ihm in dem angegebenen Sinne zu reden, wenn Sie ihn dazu bestimmen wollen, werde ich sofort ein Wort an den Herrn Uuterpräfekten Bourgnon schreiben, nnd zweifellos wird er Ihnen die Erlaubniß, um die Sie bitten, bewilligen." Ter Richter hatte diese kleine Rede in einem Athen» hcrunlerge haspelt, ohne Juliclle Lesranaois Zeit zn lassen, ihn zu unterbrechen. Als er geendet hatte, antwortete sie: „Sie sind in einem großen Jrrthnm, mein Herr, bezüglich der Dienste, die ich Ihnen leisten kann. Ich würde mich viel- leicht dazu entschließen, zn thnn, was Sie wünschen, wem» es nicht ganz unnütz wäre. Niemals hat Herr Nochereuil wjch zn seiner Vertrauten gemacht, niemals hat er mich um Na th gefragt. O nein, ich würde es gar nicht wagen! Beim ersten Wort würde er mich unterbrechen. Ich brauchte diesen kalten, harten Blick, den er bat, wenn er will, aus mir nur zu fühlen, und die Stimme würde mir versagen... „Nun, mein Fräulein, Sie haben Ihr Köpfchen für sich und halten Ihr System ganz gut aufrecht. Ich würde nicht geglaubt haben, daß Rochcrenil Sie so in Schrecken versetzt. Was nun die Unkenntniß seiner Angelegenheiten betrifft, so gestatten Sie mir, rundweg daran zu zweifeln. Sehen Sie— unter uns gesagt—, was wir wissen wollen, brauchen wir nicht gerade nothwcndig von Rochcrenil selbst zn haben. Es ist vielleicht nicht unmöglich, ihn durch einen anderen zu ersetzen. Denken Sie darüber nach. Sie haben mich jetzt ver» flaildcn, tmb trotz JhrcZ EigensiinlZ netziue ich nichts von dem zurück, Ivos ich gcsngt habe. Haben Sie Vertrauen zu uns, und Ihre Hosfimug wird iiida getauscht werde». Sie sind eine kluge Fran. Retten Sie Rochcrcnil gegen seinen Willen. Es liegt ja auch ein ivenig in Ihrem Interesse, mein Kind. In Poiticrs sind Sie unmöglich. Angenommen, wenn Sie wollen, daß Rochcrcnil sich in Freiheit befindet nud hier bleibt, so kann Ihr Vcrhällniß zu nichts Dancrudem führen. Sie rechnen doch nicht darauf, ihn in seinem Laude und gegen den Willen seiner Familie zu heiratheu, nicht wahr? Im Auslande dagegen wird er, wenn er Sie liebt, ganz der Ihrige sein." Julictte Lefrangois lächelte bitter. .Endlich," sagte sie,„sind Sie so weit. Sie find sehr langsam in Ihrem Entschlüsse gewesen. Sie schlagen mir ganz einfach vor, Rochcreuil zn verralhcn, ihn zn verkaufe». Aber wenn ich auch so erbärmlich sein würde, so halten Sie mich denn doch für zn dumm. Denken Sie denn, daß ich Vertrauen habe zn Ihren Versprechungen, den Versprechungen des Untersuchungsrichters? Sie versprechen Dinge, die Sie garnicht hallen können! Ter Kopf Rocherenil's ist's, den Sie von mir fordern. Wie konnten Sie daran rechnen, daß ich ihn ausliefern würde? Im übrigen," fügte sie, sich erhebend, Hinz»,„verlieren Sie Ihre Zeit; ich weiß nichts." Richter Dranlt erhob sich ebenfalls. „Es sei!" sagte er,„ich habe meine Zeit verloren. Aber bevor Sie gehen, hören Sie zn und behalten Sie ivohl, was ich Ihnen sagen werde, unverehelichte Juliette Lcfrangois, genannt Fernande. Tie Polizei hat ein Auge auf Sie. Sie sind obne Existenzmittel. Sie sind die Konkubine von Fer- uaud Roy gewesen, Sie sind jetzt die Geliebte von Pierre Rocherenil.. „Das haben Sie gelogen! Ich liebe ihn, aber er ist nicht mein Geliebter!" „Sie beschimpfen mich! Hinaus! Sunde! Sunde! Werfen Sie dieses Franenzimmcr hinaus!" „Run, nun, beruhigen Sie sich, Herr Dranlt; ich werde ganz allein gehen. Sic brauchen nicht zn rufe», um Ihre... Wie sagten Sie doch eben in Ihrer Gerichtssprache?" „Elende, ich werde Sie verhaften lassen! Ich werde Sic in das Bessernngshaus schicken." „Nun, das iverden Sie nicht wagen." Und Jnliette Lesrangois ging, von Gnnde bis zur Thür begleitet, die krachend hinter ihr zuschlug. Dann trat Gnnde in das Zimmer ihres Herrn, der mit großen Schritten nnd ab ging und lachte ihm ins Gesicht. „Das ist recht! Das wird Sie künftig abhalten, solche Franeuzinuuer zu empfangen."(Fortsetzung folgt.) Von dev Seife. „Nie vorher habe ich so sehr eingesehen, welch großartige Er- findung Scise in Wirklichkeit ist", sagt Nansen in der Schilderung seiner Nordpolfahrt, als er beschreibt, welche Versuche er mit seinem Begleiter Johannsen in der lange» Wintcrnachl anstellte, um ihre Körper nnd Kleider, die von Fett und Schmutz starrten, zn reinigen.„Wir machte» allerlei Versuche", heißt es weiter,.de» schlimmste» Schmutz fortzuwaschen, sie waren aber alle gleich erfolglos. Wasser übte auf diese Schmiere keinen Einfluß aus; besser war es, sich mit Moos und Saud zn scheuern. Die beste Methode war, unsere Hände gründlich mit warmem Bärenblut und Thran einzuschmieren und mit Moos wieder abzureiben. Wenn von diesen Toileitegegenständcii nichts zn haben war. hielten wir es für die ziveitbeste Methode, die Haut mit einem Messer ab- znkratzcn. War es uns schon schwer, de» Körper zu reinigen, so war dies bei nnsereii Kleider» eine reine Unmöglichkeit. Wir versuchten es aus alle mögliche Weise; wir wnschen sie sowohl»ach Eskimo-, als auch nach unserer eigenen Weise, aber beue»ntztan nicht viel. Wir kochten unsere Hemden stmideulaug im Topfe und»ahmen sie wieder heraus, uni zn finden, daß sie noch ebenso voll Fett waren, wie wir sie hineingelegt hatten. Dan» versuchten wir, den Thran heraus- zuwinde»; das ging ein wenig besser. Das einzige, was wirklich einige Wirkung that, war aber, sie zu kochen und, so lange sie noch warm waren, mit einem Messer abzukratzen. Wenn wir sie dann mit den Zähnen und der linke» Hand festhielten und ausreckten und sie mit der rechten Hand überall abkratzten, dann gelang es uns, erstaunliche Mengen von Fett herausznbekoninieii; wenn wir sie wieder aulegten, nachdem sie getrocknet waren, hätten wir sie für rein halten können." Wie wenig diese Methoden aber ein wirkliches Waschen ersetzen konnten, liegt auf der Hand. Der Znsiand, in dem sich Nansen befand, als er ans Franz Josefs-Land mit Jackson zusammen- stieß, legt hiervon sehr deutlich Zeugniß ab. Nansen schreibt darüber:„Auf der einen Seile der zivitisirte Europäer in einem karrirten englischen Anzüge und hohen Gnmmistiefeln, ordentlich rasirt, fristrt nnd den Dust parfümirter Seife verbreitend, den die acschärflen Sinne der Wilden gleich bemerkte», auf der anderen Sei:« der Wilde, bekleidet mit schmierigen Lnmpe», schmutzig von CM und Rn». mit langem ungekämmtem Haar nud zottigem Bart. schwarz von Nandi, mit einem Gesicht, in welchem die natürliche blonde Farbe unmöglich zu erkennen war durch die dicke Schicht von Fett und Ruß. die die Bemühungen eines ganzen Winters mit warmem Wasser, Moos, Lumpen und schließlich mit einem Messer vergeblich zn entfernen versucht hatten." Nicht mit Unrecht wird der Grad der Kultur, den ein Volk erreicht bat, zuweilen an der Menge der Seife gemessen, die es verbraucht, nnd Nansen nennt sich einen unkultivirlen Wilden, weil er Vj-i Jahre den Gebrauch derselben entbehren mußte. Worauf beruht die eigeuthüinliche, reinigende Wirkung der Seife? Wasser allein reinigt, wie wir an Nansen's Beispiel sehen konnten, durchaus nicht, und es ist ja eine allen wohlbekannte Erfahrung, daß man einen schmutzigen Körper sehr stark mit warmem oder kaltem Wasser abreiben kann, ohne auch nur eine irgendwie erhebliche Wirkung zn verspüre». Das Wasser nimmt den Schmutz eben nicht vom Körper ab und löst ihn nicht auf. Ist denn aber die Wirkung der Seife eine schinuylöscnde? Wenn wir de» Körper tüchtig einseifen, also mit Hilse von ein wenig Wasser mit Seife beschmiere», nnd dann unter Ztihilsenahme weiterer Wassermengen die Seife tüchtig auf ihn verreiben nnd schließlich ordentlich mit Wasser abspüle», so ist der Körper ganz sauber, aller Schmutz ist von ihm gewichen und befindet sich nunmehr im Scifeinvasser, das daher eine schmutzig dunkele Farbe angenommen hat Ist er aber darin gelöst, so wie Zn.cker oder Salz im Wasser gelöst enthalten sein kann, so daß i» jedem Wasterparliketche» auch etwa? Zucker resp. Salz enthalten ist? Das ist durchaus nicht der Fall; denn läßt man das schmutzige Seifenwasser eine zeitlang stehen, so setzt sich der größte Theil des Schmutzes am Boden nieder. Man erkennt also, daß die Schmutz- nnd Staubtheilchen nicht gelöst waren, sondern in dem Seifenwasser frei schwebte», so daß sie sich am Boden ablagern können. Den Unterschied zwischen Lösung eines Stoffes nnd Suspension, d. i. freies Schweben seiner Theilchen in einer Flüssigkeit, kann man sich an einem einfachen Beispiel klar machen. Das in jedem Drognen« geschäst käufliche Kalkwasfer, in welchem Kalk gelöst ist, unterscheidet sich im äußeren Anblick in keiner Weise von gewöhnlichem reine» Wasser, obwohl man am Geschmacke den Zkalkgebalt deutlich wahr- nimmt; bläst man aber v.'rmiltels eines Strohbalms kräftig hinein, so bemerkt man, wie sich das Wasser milchig trübt. Die von uns ansgeathmele»nd durch das Blafen dem Wasser zugeführle Kohlen- säure verbindet sich mit dem Kalk zu der im Wasser nicht löslichen Kreide, deren kleinste Theilchen überall schwebend die milchige Farbe hervorrufe». Läßt man das Wasser ruhig stehe», so schlägt sich die Kreide am Boden nieder, so daß das darüber stehende Wasser ivieder klarwird. Ebenso verhält es sich mit dem am Körper abgewaschene» Schmntz und Staub im Seifenivasser. Wenn nun das Seifciuvasscr den Schimitz nicht löst, worauf beruht denn aber dann seine reinigende Wirkiiiig? Betrachten wir zu nächst, wie es koinnit, daß der Schmntz so fest am Körper klebt. Der Mensch sondert benändig eine fette Flüssigkeit, den Schiveiß, ab, der im Laufe eines Tages ganz beträchtliche Mengeii erreicht; bei normaler Beivegniig verliert ein Mensch durch Ansdünstnng täglich','61 seines Gewichts, also mehr als ein Kilo, nnd den größten Theil dieser nicht unerhebliche» Menge bildet der Schiveiß. Der Staub, der sich, wenn auch oft in mikroskopisch kleinen Theilchen, stets überall in iniserer- Umgebung befindet und vielfach unserem Körper anfliegt, wird durch den fettigen Schweiß scstgehaltcn, so daß er wie angeleimt aus dem Körper sitzt. Wasser Hilst gegen eine solche durch den Schweiß sestgehallene Staubschicht sehr wenig; denn da das Fett sich im Wasser nicht löst, so rinnt das Wasser ohne erhebliche Wirkung über de» Körper. Anders ist es jedoch mit dem Seifenivasser. Die im Wasser lösbare Seife löst ihrerseits das im Wasser»ichl lösliche Fett; es ist daher ein ganz ralionelles Verfahren, den Körper tüchtig mit Seife einzn- reiben und dann mit viel Wasser nachzuspülen. Dadurch löst sich das Felt vom Körper ab und geht in der Seife in Lösung, die dann durch das Wasser vom Körper iveggenoinnien wird. Der Stand und Schmutz verliert so das Bindemittel, das ihn am Körper fest- hält, er fällt ab»ild wird vom Wasser weggespült, in welchem er »speiidirt bleibt. Was die Knnst ankangt, Seife z» verfertigen, so ist dieselbe 'choir uralt, jedenfalls bedeutend älter, als die Kenntniß von ihrer Wirksamkeit, sowie von der Natur der einzelnen dabei in betracht kommenden chemischen Vorgänge. Erst in nnserem Jahrhundert wurde» vo» dem französische» Ällmeiner der Chemie, Chevreul, der 1889 als fast ICgjäbriger starb, die Nalur der Fette und das Wesen des Verseifungsprozesses erkannt. Man läßt ans die verschiedencii Fette wie Siearin, Palmitin, Olein ätzende Langen(Lösungen von Aetzkali oder Aetznairo») einwirkeii und erreicht so ihre Zersetzung(Verseifiing). indem sich slearin- resp. palmitin- oder ölsaureS Alkali und Glycerin bilden, deren Gemisch eben die Seife ergiebt. Wenn man die Felte bei einer Temperatur von 170 Grad unter einem Druck von 8—10 Atmosphären erhitzt, so erreicht nian schon bei Anwendung von ivenig Prozent Kalk eine ziemlich vollständige Verfeifnng. Bei noch höheren Drucken und wen» die Temperalur noch höher steigt, so daß sie sich de» Schmelz- punkte» der schwere» Metnlle»ädert, wird die Zersetzung der Fette, d. i. die Verseisnng, schon durch remes Wasser ohne iUmoeiidung vo» Sllkalieu erreicht; doch geschieht die Verseifung bei der Eeisenfadrikation nicht durch Aiiwendung reine» Wassers. Man kocht das Fett und die ätzende Lauge in großen eingemauerten schmiedeeisernen Kesseln, die »ach»ntc» zu verjüngt sind. Oben sind sie mit einem ans dein Mauerwerk hervorragenden Aufsatz, dein toge». Sturz, versehen, durch den das Uedersteige» der siedenden, schällinendeil Masse ver- hindert wird. Die Verseisnng der Fette ersokgt nicht sofort bei ihrem Zusammen- kommen mit dem Aetzkali; es bildet sich vielmehr eine emulsionsähnliche Mischung des Fettes mit der Lauge, worauf fettsaure Salze entstehen, die»och nnzersetztes Fett snspendirt enthalten, das erst all- Niälig verseift wird.?liif die schließlich erhaliene gleichartige Mtschnng von Seife mit nberschiissiger Lange und Glycerin, de» sogenannten Seifenleim, übt das Kochsalz eine eigentliümliche Wirkung aus. Scdv» bei geringem Zusatz desselben wird die Seife als weißlictie, flockige Masse abgeschieden, so daß das„Aussalzen" das beste Mittel ist, die Kernseife auS dem Seifenleiin ausznscheiden. Doch könne» wir auf die Bereitnng der verschiedeiien Arten von Seife hier natürlich nicht eingeben. Wenn auch die Verferligmig der Seife seit sehr langer Zeit be- kannl ist, so reicht sie doch nicht bis in die graneste Vorzeit hinein. Sicher verbürgt ist durch Pluaus, der im Jahre 79 nach Christi Geburt bei denl großen Atlkbrnch des Vesuv ums Lebe» kam, daß die Gallier im ersten Jnhrhiindert der christlichen Zeitrechnung ans Zicgentalg und Bnchcnasche feste und flinsige Seife bereiieien, die sie als äußerliches Arzneimittel bemitzten. Cb die Seife schon in früherer Zeit den Phöiaeiern bekannt war, ist sehr ziveifelhast; »vahrscheiulich handelt es sich in den Berichten, die ihnen die Keuntniß der Seife zuschreiben, nni Ve>ivechseli»igen mit Pollasche, natür- lichem Soda und anderen Substnlizen, die im Alierihm» zur Reinigung benutzt wurden; den» man muß nicht denken, daß z. B. die hoch zivilisirlcu und fein gebildeten Griechen, weil sie keine Seife kannten, schnintzig herumliefen. Mancherlei Pflanzeiiabkochnnaen, besonders aber gefanllcr Urin bewährte» sicti als vorzüglicbe Reinigungsmiltel; nach der Reinigung salbten die Grieche» bereit? znr homerischen Zeit den Körner mit ivohlriechendeu Oelen, auch ei» Zeichen ihrer höheren Gesittung. B. B. Nleittes Llenillokon. — Spioncuricchcrci. In Frankreich macht man wieder viel Aufhebens vo» der Berdaflung eines Schweizers, der in Toulon um die Erlanbniß ansuchte, das lildmiral-Panzerschiff„Brennus" be- sichtigen zu dürfen, was ihm gestaltet wurde. Da er einige Notizen geschrieben uud einige Skizzen gezeichnet halte, wurde er verhaftet und gab an, nur zu seinem Vergnügen einige Aufzeichnungen ge- macht zu habe». Er wurde in kurzem Wege über die Grenze ge- bracht. Robert Mitchell macht sich im„Matiu" über die Spionen- riecherei lustig und»leint, was mau im Auslände über die französische Armee erfahre, seien öffentliche Geheimnisse, welche die Spatzen von allen Dächern pfeifen. Man habe ungeheures Aussehen über den Diebstahl eines Lebel-Gewehrcs gemacht, das an Teutschland verkauft ivorden sei. Und dock hätte» zu derselbe» Zeit sümnilliche Pariser Blätter eine Annonce enlballen, in der die Fabrik in St. Etienne Lebel-Gewehre zu herabgesetzte» Preise» für Jedermann zum Kauf anbot. Weiter erzählt er solgende» Voriall:„Vor einige» Jahren fand ich in den Auslagen der fliegenden Buchhändler an de» Seinequais ein„.Äjdo-meinoirö dartillerie", das ich kaufte, ohne mir was dabei zu denken. Als ich nach Haus« gekommen, das Buch näher ansah, bemerkte id, zu meinem Schrecken folgende drohende Aufschrift auf dem Deckel des Bäudchens:„Jeder- man», in dessen Besitz man dieses Werk finden sollte, hat die aus Spionage gesetzte» Strafen zu erivarten" Ich eilte sofort auf das Kriegsministerii»» und wurde auf mein Drängen vom Minister empfange». In größler Aufregung hielt ich ihm de» Band entgegen; er nahm ihn, sah ihn an, runzelte die Brauen und schellte. Etil Adjutant trat ein. „Hier ist ein„.Adde-ineinoirs", den der Herr hier bei einem fliegeiiben Buchhändler an den Quais gefunden hat," herrschte der General deuselbeu an. „Herr General," erwiderte der Adjutant,„Sie sehe» mich sehr erstaiinl darüber. Dieses Buch ist nur für eine geringe Zahl von höhereii Offizieren bestimmt, die es niemandem mitlheile» dürfen, uud ich bin überzeugt, daß keine Indiskretion..." „Indessen ist mir der Band hier, wie Sie sehen, nicht von einem höheren Offizier übergeben worden." „Ick, iviedcrhole Ihnen, Herr General, daß lvir mit peinlichster Strenge darüber wachen, daß kein Exemplar des Buches in Hände gelaiigeii kann, sür die es nicht bestimiiit ist." „Sind Sie sicher, daß es niemand außer den Ossizieren des Generalstabes erhält?" „Nur zwei Personen: S. M. der König Oskar von Schweden und der italienische Militärattache!" Tableau.— Theater. So groß war die Novilätenfülle dieser Tage, daß wir darüber beinahe die Novität des Charlottenburger„Goethe-Theaters" vergaßen; und sie sollte gar eine soziale Satire bedeuten.„Die Tyrannen des Glücks" heißt das soziale Lustspiel von F. v. Z o b e l t i tz, da? am Sonntag zum ersten Male gegeben und am Dienstag wiedelholt wurde. Menschen sind keine Versuchskaninchen. So ungefähr könnte man die satirische Idee der Komödie kennzeichnen. Dagegen läßt sich ganz entschiede» nichts einiveneeu. Nur führt der Verfasser seine» Bciveis den» doch wohl»ach allzu trivialer Methode. Die Verhältnisse werden ins Unsinnige verzerrt, und ans der Karrikalur verschwinde» die Züge des Lebensmöglichen, ivorauf sich doch die satirische Uebertreibung ebenfalls ausbauen muß. Sonst gehen die Hiebe des satirische» Fechters in die Lust. Zabeltitz arbeilet seinen Plan so ans: Auf der einen Seite flehen ein paar sozialistische Ideologen, die ihre Welt absolut donqnixotisch beglücken inöchieu. Auf der anderen Seite eine völlig verstumpfle, nahezu verthierte Banerngesellschast, die durchaus beglückt werden soll. Die komischen Gegensätze, die aus dem Gegensatz vo» Ideal und Wakl.chkeit eulsteheu können, wären feiner und die Satire bitlerer geivorden, wären die idealistischen Vertreter nicht eitel wahnwitzige Narren und die anderen nicht solche Cretins. Der Baron Cnnstanlin v. Diltmar ist plötzlich aus einem armen proletarischen Referendar, der nie recht weiß, wovon er am nächste» Tage leben soll, zum Majoratsherrn und Millionär ge- worden. Sein Vetter, der bisherige Grundherr, ist ans der Rennbahn ,n Carlshorst verunglückt uud jäh gestorben. Der neugebackene Millionär will nun„seine Bauern" beglücken und nimmt zum sozial- reformatorische» Werk zwei Freunde ans den Tagen der Roth, einen Arzt ohne Patienleu, und einen Architekten ohne Auftrag ans sein Gut mit. Der eine soll die hygienischen Verhnllnisse umgestalte», der andere baut Arbeiterpaläste, Bäder und Volksdibliotheken. Was nütze» aber Vollsbibliolhekeu, wenn der bäuerliche Arbeiter nicht lesen kann? Was nützen alle Reform- versuche, wenn der Arzt immer mault, wer nicht parirt, der fliegt heraus. Kurz die Kommune, die durch widersinnige Tyrannei beglückt werde» soll, bricht jämmerlich zusammen, und ein gut bürgerliches Publikum hat die srendig« Genugtbnung, sagen, zu lönnen; Ja, ja, so muß es in jeder kommunistischen Gesellschaft kommen. Allerdings, wenn die Kommune aus Vieh und Viehtreiberu besteht!— Nebenbei ent-»nd verlobt mau sich im Stücke nach ältesten Schwaulrezepten. Es wird im allgemeinen ganz lustig gespielt, ohne daß einer der viele» neuen Schauspieler»auchast hervor- — In München Halle die dreiaklige Oper„ S a r« m a" von Alexander Zemlinszky bei ihrer ersten Anfführiliig einen großen Eisolg. Ter Komponist ist ein 24jähriger junger Mann und lebt in Wie».— Völkerkunde. — Der Dalai-Lama bildet in Tibet die Spitze deS hierarchischen Systems. Mit der stolzen Behauptung, daß ihr Ober- Haupt Träger der Persönlichkeit Bnddha's sei, die i» ihn hernieder- steigt, um zum Heile der Menschen unter ihnen zu weilen, traten die Priester zuerst im 14. Jahrhundert ans. Der Glaube an diese Behauptung fand Eingang, und der Träger dieser Inkarnation, dem man de» Titel Penchen Einponche(„kostbares Priesterjuwel") beilegte, erlangte ein Ausehe», gegen das der Glanz des Königs zurück- trat Im Kampfe i»it dem Könige rief der fünfte Penche» die Koshat-Mougole» zu Hilfe. Sie kamen und setzten de» Penchen als Kirchenfürste» ei». Dies geschah 1L4<1, und damit begann die well- tiche Herrschaft des Dalai-Lama über das ganze östliche Tibet. Als zweithöckister„Buddha" gilt der Teschu-Lama im Kloster Teschu-Jambo bei Schigat; doch besitzt der Dalai-Lama eine weit größere geistliche Autorität und eine» Einfluß, der sich in ganz Zentralasien»nd China fühlbar macht. Große Bestürzung herrscht im Lande, wenn der Dalai-Lama oder vielmehr dessen Seele die Hülle des Körpers abgestreift hat. Dnmps tönen ans allen Tempeln die Attribute des buddhistischen Gottesdienstes: Trommeln, Becke», Glocken und Hörner. Die Gebetsräder iverde» gedreht, als drohe die Welt unterzugehen. Die Perle» des Zlosenkranzes rollen Tag»nd Nacht. Eine Unmasse vo» Kerzen n»d wohlriechendem Harz wird verbrannt. Durch ganz China und die Steppen Transbaikaliens ist alles i» Aufregung. Ueberall rauchen Opferaltäre, und hunderttausende vo» Hammeln müsse» mit ihrem Lebe» den Glauben ihrer Herren bezahle». Da ma» glaubt, daß der Dalai-Lama iu einem männlichen Kinde wiedergeboren wird, das kurze Zeil»ach seinem Tode unter wunder- bare» Himmelserscheinuiige» daS Licht der Welt erblickt, so müssen die Name» säinintlicher um die Zeit, zu ivelckier der Dalai-Lama gestorben ist, geborenen Kinder männliche» Geschlechts in das Tempel- kloster von Labreng eingesandt werden. Um de» goltbeguadclen Knaben nun ans der Reihe derer n»sfi»dig zu machen, die zu der- selben Zeit uiiler gleichen Umständen geboren sind, müssen sie vor einem Gerichtshofe, der ans den höchsten Priestern, den weltlichen Würdenträger» des Landes und dem chinesischen Gesandten besteht, welch letzterem dabei eine entscheidende Rolle zufällt, eine Prüfung bestehen. Man fragt sie in feierlicher Versammlung nad; Ereignisse» ans dem Leben des verstorbenen Dalai-Lama, nach der Art seines Todes. Man legt ihnen Bücher, Kleider»nd namentlich heilige Geräthschafleii vor, die er in seiner früheren Verköiperung besonders gern gehabt hat. untermischt mit anderen ganz gleich aussehenden Dinge» derselben Art. Nur die Knabe» komineu i» die eugere Wahl, welche die Hand verlaugend nach den richtige» Heiligthümer» ausstrecke». Die Namen dieser Kinder werden auf Papierstreifen geschrieben n»d in eine goldene llrne gelegt Dem chinesischen Gesandten lutrb dann die Ehre z» Theil. da» Loos zu ziehen, was»nier feierlichen Gebete» der versainmelten Priester geschieht, woraus der Name des»enen Dalai-Lama verkniidigl ivird. Im Aller von 4 Jahren wird dag !Uiid in mönchische Gewänder gekleidet und unter Entsallnng ander» ordenllichen Pompes auf de» Thron des Dalai- Lama gesehl. Nach der Thronerhebnng ivird der Dalai-Lama als Novize in da- Naingyal-Kiofter von Polala aufg«»on»»en. Ivo er bis zu seinem achlen Lebensjahre Unterricht in dei> heiligen Schrisle» erhält. Dan» niunnl er de» Rang des Abtes dieses Klosters ein und gilt von diesei» Zeilpnlikl als das cigeiiiliche Haupt der Kirch« seines Landes I» bezug ans die iveltliche Herrschaft iit der Dalai-Lama bis zu seinem 13. Lebensjahre minderjährig Dieselbe ivird an seiner Ctclle durch de» Regenten ausgeübt. Nur seilen aber erreicht der Dalai-Lama jeucS Aller: denn ein t bat kräftiger,«»»mschräiikter,>>»- fchlbarer Gebieter über so viele Millionen Menschen könnte der chinesische» Regierung leicht unbequem werden; auch herrscht die nächste Umgebung, die nur aus Priestern besteht, lieber selbst im Nmne» Puodha's. als dag sie sich, sei es auch von einei» sleisch- geivordenen Gölte, beherrschen liehe. So kommt es. daß weiiige dieser wie zum Spott mit götlUcher Macht nnd Herrlichkeit be- kleidelen, bedaiiernsiverlheu Jünglinge ihren k8. Geburtstag er- leoen.— e r- Jena über S ü d b r a s> l i e» auf gruud der Be- o dacht un ge», die er zwecks botanischer Jorschungeu in Bahia»nd dem Calinga-Gebiele gemacht hat. Der Osten Südbrasiliens ist nicht. >»ie gewöhnlich aiigcnomine» wird, gebirgig; er bildel vielmehr eine Hochfläche von istiv— l0i)l) Meiern Höhe, deren lies eingerissene Thäler freilich den Eindruck des Gebirges hervorrufe». Die Kütten- gcgcnd ist mit einer prächtigen Pflanzenwelt bedeckt, deren Eni- ivickelnng durch Licht, Wärme und Fenchligkeit gleich sehr de- gllnstigt wird und die sich— nanientlich im Thnle des Ri» Vermejo bei Bahia— durch grosicn Blülhenrcichthum vor den anderen wärmere» Gegenden anszeichnel. Ein durch- aus hiervon abweichendes Bild trat dem Borlragenden ans einem Zuge entgegen, den er landeiiiivärls unteruabi». Er folgte dabei zunächst dem Paragasn, einein ivege» seiner tandschasltiche» Schönheiten als der Rhei» BcasilienS gefcierten Flusse. Am Paragasn liegt die Sladl Sau Felix, die Heimath der bei uns vielgerauchtc» Felix-Brasil-Zigarren. Die Eisenbahn steigt schlieji- lich aus dem Flnßthale aus die Hochfläche, zunächst in sninpfiger. reizloser Laubschall; daan befindet ina» sich plötzlich in dem für den Botaniker überaus daiikdaren Calingagedieie, dessen grau- gelber Sandboden dicht mit Sträucher» und niedrigen Bäumen besetzt ist. Vo» März bis Dezember fällt hier kein Rege»; die Pflanzen sind deshalb ans das Ertragen langer Dürre ciugerichtel Entweder sie speichern die Fenchtigkeil in sehr sieischigen Geweben ans, oder sie werfen die Blätter ab, um weuiger Wasser z» verdunsten. Es sieht deshalb in der Trockenzeit dort entsetzlich kahl ans. Auffallcnderweise sind die Pflanzen mit furchtbaren Schntziniltel» gegen Thiers ansgcrnstet, mit Dornen, Brenn- haaren, scharfen Milchsästen». dgl.. trotzdem keine Pflanzenfresser in der Caliuga Hansen Man nimmt deshalb an, dag früher das jetzt nur spärlich vorkommende Reh dort massenhait verlrelen gc- ivefen ist. oder daß jene Schntzivehren»och aus der Dilnvialzeit herrühren, wo ein grobes Fanlthier die Pflanzenbestände des Landes verwüstete. A» den Flüssen und au der Küste herrscht noch vielfach der tropische Ihivald.— Medizinisches. fe, Lepra in Spanien. Die spanische Zeitung..El Pneblo" bringt eine Notiz über die Lepra in ihrem Baierlaiide, ans ivelchcr hervorgeht, daß diese Krankheit daselbst gegenivärlig eine ganz nuberordenllichc Berbreilung besitzt. Besonders an derOstknste Spaniens soll der Aussatz an vielen Orten auftreten. In den Provinze» Balenria nnd Alicanle soll es sogar Dörser geben, in denen zede zehnte Familie von der Lepra heimgesnchl ist. Die Obrigkeit bekümmeit sich nm diesen Zustand vorläufig beinahe garnichl. und nur in dem einzige» Orle Olleria im südlichen Theile der Provinz Balmian befindet sich ein Asyl sür Aussätzige Die genannle Zeüschnsl nennt eine grobe Anzahl von Orlen, in welche sich Leprakranke befinden. «. a. in Valencia selbst, in Calarroza. Alcira, Algemesi, Candia, Liria, Tabernes, Carcagente, Alberique. Pakerna«. zc.— Technisches. — Aluminium» Industrie. Tie Erzenzung von Aluminium ist in der letzten Zeit von Jahr zu Jahr gewachsen. und nach dem Umfange, den dieselbe bis jetzt erreicht hat. ist ans einen bedeutenden Preisrückgang dieses Metalls zu schlieben. Die größte Erzeugung hat die Schweizerische Alummium-Jndustrie zu Neuhausen aus ihren Werken zu Re» Hausen und zu Froges in Frankreich. Im vergangenen Jahr« betrug deren tägliche Pro- duktion etwa 5000 Kilogramm, nach einer Aufstellung des amerikanischen Konsuls in Zürich wird sie in diesem Jahre auf über 15 000 Kilogramm anivachsen. Die Erzeugung der Ber- einigten Staaten umfaßt jetzt etwa ein Drittel der Ge- saininlerzeugung der Erde: l39S bezifferte sich dieselbe auf 650 000 Kilogramm gegen 450 000. 409 000. 156 000. 148 000 und 84 000 Kilogramm in den 5 Borjahre». Diese Produktion rührt last gänzlich her von der Pilsbnrg Rediiclro» Company, die de- kanutlich die Wasserkraft der Niagarasälle ni ihrem Betrieb ver» wendet und als Rohinaterial Bauxit von dem Barnsleq Estate in Barlow Counlry bei Nalroua im Staate Penuiytvauia benutzt. Deutschland hat in den ersten acht Monate» des lanjeiidcn Jahres 7l 300 Kilogramm Rohalummium ans den Bereinigten Slaaie» be- zogen, dagegen 540 400 Kilogramm ans der Schweiz: die Eiiijuhr ans Frankreich belief sich auf 33 300 Kilogrami» Jnsgesammt hat Deutschland während des genaiiiileil Zeilrauuis 669 000 Kilogramm Rohaluminium aus dein Auslände eingeführt gegen 360 300 Kilo- grauim li» gleichen Zeitrauni des BorjahrcS. Aus diesen Ziffern geht hervor. welche gewaltigen Mengen von Aluminium in Deutschland verarbeilet werden. Der größte Theil wird zur Herstellung von Legirmigen verwandt, während ber andere Theil hauptsächlich zur Verstellung von lleinereu Hau-?- geräthen. Werkzeugen, wissenschaftlichen Instrumenten, zu Gegen- ständen für den Heeresdedarf n. s. w. dient. Neuerdings hat nnch der Ansschivnng der Fahrradinoustrie zu einer verstärkte» Ber- ivendniig von Alumutinm beigetragen.— Hinnorisiischcs. — Der erste Regenschirm im 5k a n t o n?l p p e n z e l l. Pfarrer Engster erzählt in seinem Weile„Die Gemeinde Herisau" i» launiger Weise, wie um 1760 der erste fliegenschiim i» dieses Dorf kam.„Tamier, der Besitzer einer Bleiche, halle von einem Geschäftsfreunde„diese zeutrisugale, oppositionelle'Ausbreitung be- spanuler Walsischrippen gegen oas rücksichtslose Eindringe» himm- lifcher Fliiisigleil zmn Geschenk erhalten. Es war eine gewaltige Maschine mit Quaste» an der Seile und erregte großes Erstaune». Denn so etwas ivar in Herisan bis dahin noch nicht gesehen worden. Tiefes erste fliegendach wurde sehr in Ehren gehalten. Wenn es am Sonntag„ruch Wetter" war, so iniisite Tanner's iknecht im„SonntagS- gerast" mit dein„Dache" ausrücken. Dieser im stolzen Bewnßlseiu auf das ivichlige'Amt. das ihm anvertraut mar, schritt gemessenen Schrittes, das kostbare Möbel in seiner nervigen Hand haltend, ein- her. Zuerst wurde Landaminaun Schieß in seinem Hanse abgeholt nnd inner dem Schutze des„Paraplnie" vor einer zahlreichen Znschaner» menge feierlich zur Kirche begleitet. Hernach kam die Reihe an den siinkiionirendeii Pfarrer ims an den Negenschirinbesitzcr. Im Anfange sprach man gewiß in allen Hänsern von dieser neuen Ersindnng»nd hin nnd wieder mochte einer den Kopf schütteln über eine verderbte Zeit, die sich den fliege» des Hunniels ans solche Weise vom Leibe zu halte» inchte."— — A ii n o n c e n. Ich zahle nur hundert Thaler Ladenmicthe und kann deshalb billiger verkansen wie jede Konkurrenz. Schreier, Schuhwaarenbans. Ich habe schon seit drei Monaten überhaupt leine Mielhe mehr bezahlt und kann deshalb am ollerbilligsten verlause». Ilcberschreier, Schuhivaarenhans. Vermischtes vom Tage. — Tie Granulöse(Angenkranlhcii) hat im König?- berger Landkreise einen besorgnißerregenden Nnisang an- genommen. Mehr als 25 pCt. der Schnlkiuder des Kreises und von der Seuche befalle», nnd in ähnlichem Umfange herrscht die Krank- heit unter den Familienangehörigen.— — In Leipzig ist eine 76jähr!ge Frau von einem Bettler, der es ans eine Beraubung abgesehen hatte, erdrosselt worden.— — Ertappt Ju Ebers dors(Sachse») kam vor einig«» Tagen Einer inil einem Kürbis unter dem Arm» daher. Hinter ihm gehende Leute bemeikleii. baß sich Schrislzeiche» aus dem Kürbis befanden. Bei näherer Ansicht lasen sie:„Bei der Pseifferjelle ge- maust!" und wußlcu nun genau, ivvher der Mann seine Beute bezogen hatte.— — 40 Personen zum Duell gefordert hat in Lugos(Ungarn) der Stuhlrichler Jarinny; beim zireiten Duell wurde ihm die rechte Hand verhauen.— — In einen mit siedender Lauge gesnllle.i Kessel g e- stürzt ist dieser Tage i» Krapina(Kroatien) ein Selsen- sadrikant. Er starb nach wenigen Minuten.— — In R a g u s a(Dalmaiie») stehen Mclnstöcki in zweiter Blülhe.— — Im Velodrom zu Lille veranstaltete ein Unteriiehmer Stiergesechle Das Publikum zischle die istiersechler ans und bewarf sie mit allen möglichen nnappeiilliche» Dingen— — In B e l l e y bei Lyon wurde«in junger Bauer sestgenomme». der eingestand, sieben Hirtenknaben und-M ä d ch e n nnd eine alle Frau ermordet und v e r st ü m in e l t zu haben.— — In der Stadt Ahns(Schweden) hat eine F e u e r s b r u» st sehr großen Schaden angerichtet.— — I» London predigte unlängst ein Pastor über das Thema:„Eva»nd der Apfel. Warum gab der Teufel dem Weibe den Apfel?" Die Antwort laulele:„Der Tensel gab den Apfel dem Weibe und nicht dem Mann, weil er ivohl wußte, daß der Mann ihn allein essen, das Weib ihn aber tbeilen würde."— — Auch die jungen Kasferu in Rhodesia(Süd- Afrika) radeln schon.— Beraulwortlicher Redakteur: August Jarobcy in Berlin. Druck und Berlag von Max Vading in Berlin.