Hlnterhaltnngsblatt des Worwürls Nr. 206. Mittwoch, dcn 20. Oktober. 18O7. (NachdrinI verbole». Dev Äouran rrneL Vcrsdjwövnng. 8] Von A. 91 a u c. JnZ Deutsche übertragen von Dt a r i e K n n e r t. „Ja, schon," begann Tegrange.„Ich bin ibr von dem Augcnt'ticke an gefolgt, als sie von Ihnen kain, fügte er mit einer gewissen Nachlässigkeit hinzu,„bis zu ihrer Wohnung. Diit dem Mädchen ist nichts zn machen. Geben Sie sich nicht mehr damit ab, das ist meine Sache. Ich habe offenes Spiel mit ihr gespielt. Sie ivill sich nicht verkaufen, und leicht zn erschrecken ist sie auch nicht. Sie hat einen Plan, aber welchen? Wir werden später sehen. Für jetzt wollen wir an ernste Tinge denken. Es ist unnütz, das; Sie heute, wie Sie beabsichtigten, nach der„Heimsuchung" gehen, um lltochercnil und den Abbe Gcorgct zn verhören. Warum ivollcn Sie sich bemühen, den beiden beizubringen, daß Sic nichts wissen und ihnen Gelegenheit geben, sich über Sic lustig zn machen? Rühren Sic sich nicht eher, als bis Sie neue Befehle haben. Wenn ich ctivas habe, iverde ich Sic benachrichtigen. Ucbrigens liegt der Knotenpunkt der Sache nicht da, Ivo wir vcrmnthcten. Wir haben von Ansang an eine falsche Richtung eingeschlagen." „Sie glauben.. sagte Trault, mir um ein Wort an- znbrineen, denn der arme Richter war von dieser Reihe von Kcnlenschlägcn, die er über den Kops bekommen hatte, ganz betäubt. „Ich bin dessen sicher," fuhr Tegrange fort.„Wir dachten, daß Rochcmiil der erste Führer, der„Zensor", wie sie sagen, der Zivilseltion der„blauen Brüder" wäre, ebenso wie Malet der Militärzensor war. Wir irrten uns. Rochcrenil und Abbe Eeorget sind wahrscheinlich nur die Häupter der Zentnrie des Westens. Beweis ist, daß der Rath der Gesellschaft kürzlich zusammengetreten ist und daß die Zensoren dabei waren. Wir haben einen genauen Bericht." „Nach der Verhaftung von Rocliercnil?" fragte Dranlt. „Ja, nach seiner Verhaftung. Ueber einen einzigen Punkt waren wir gm unterrichtet, darüber, daß der Sitz der Zensoren nach Poiticrs verlegt worden ist. Von hier ans beabsichtigten sie zn handeln. Ich brauche die Polizci-Kom- Mission der Stadl nicht zn sehen, noch will ich von ihnen ge- tauut sein. Verlangen Sie genaue Notizen von ihnen über alle Fremden, die sich in Poitiers befinden könnten. Nach den- selben Gesichtspunkten sollen sie Nachforschungen in der Um- gcgcnd veranstalten. Das übrige ist meine Sache. In einigen Tagen werde ich wieder bei Ihnen vorspreche». Ah, ich vcr- gaß, geben Sie in der„Heimsuchung" den Befehl, daß man Rochercuil mit dem Abbe Gcorgct zusammen kommen läßt. Ihr ergebener Diener, Herr Untersuchungsrichter." Und Tegrange ging hinaus, Herrn Dranlt ganz zer- schmettert zurücklassend.— � Herr Dcscosscs, der Oberinspektor des Departements- Gcsäugnisscs in Poitiers, hielt sich jür einen kreuzbraven Mann. Im Sommer mit einer so blendenden Weste augethan, daß sein Gesicht darüber kupferfarben erschien, im Winter in einen Mantel mit vierfachem Kragen gehüllt ans Furcht vor Zugwind, so trottete er durch das Gesängniß, bewaffnet mit dein klirrenden Schlüsselbund und die Vorsehung bittend, über das Departement Vicune in reicher Fülle Verbrechen und Ver- gehen auszugießen. Denn Herr Tcscosses halte für die Kost der Gefangenen zn sorgen. Er behandelte die wohlhabenderen unter ihnen ganz nach ihrenVerdiensten, das heißt, nach dem Stand ihrer Börse, und wachte darüber, daß die andern nicht Hungers starben. Beispielsweise gab es: des Morgens eine magere Suppe, oder richtiger, ein wenig Kraut in heißem Wasser und ein Pfund Schwarzbrot; nachmittags einen Topf voll Erbsen, in Wasser mit etwas Salz gekocht. Mitunter war das Salz lheuer; dann that Frau Tcscosses, die Leiterin der Küche in der„Heimsuchung", keines in den Topf. Herr Descosscs bc- vorzugte die Gefangenen, die Geld hatten, aber er verabscheute auch die gewöhnlichen Sträflinge nicht. Er hatte bemerkt, daß er im Lause des Jahres, wenn ein Linrd") zum *) Liard, kleine allfranzösische Kupfermünze. andern, ein Son zum andern gekommen war, aus dem heißen Wasser, dem Kleicnbrot und den un- gesalzenen Erbsen einen beträchtlichen Nutzen zog. Hilda- dann forderten die Selbstbcköstigcr immer mehr; sie waren nie zufrieden. Sie knauserten dazu. Die armen Teufel dagegen beklagten sich nicht aus Furcht vor der Dunkelzelle, oder wenn sie sich beklagten, hörte man sie nicht an. Wie die Zeiten sich geändert haben! Jetzt hat man es in den Gefängnissen viel besser. Wenigstens haben es die Reichen besser, denn sie werden nicht mehr vom Gcfängnißinspcktor ausgebeutet, sie fordern ihre Portion aus der Weinhandlung an der Ecke oder aus dem nächsten Restaurant. Aber die Armen! Ach, bei den Armen ist die Sache immer dieselbe.' Jinnicr Wassersuppe, immer Kleienbrot, das, an die Wand geworfen, dort kleben bleibt, immer schlecht gekochte Erbsen! Tie mit der Revision beauftragten Inspektoren behaupten allerdings, daß die besagten Erbsen in vortrefflichem Fett schwiinmeu. Ich vergaß eine Verbesserung: früher erhielten die Gefangenen die geschmälzte Suppe nur des SoNntagZ, jetzt aber zweimal wöchentlich. Dcscosscs halte keinerlei politische Ansicht; aber im gründe fühlte er sich zum alten SHegime hingezogen. Im Beginn seiner Laufbahn hatte er als Hilfsinspektor einige Söhne ans hochstehenden Familien zn beköstigen gehabt und niemals ähnliche Einnahmequellen wicdcrgesundcn. Dcscosses war sehr wachsam und ließ nie einen andern die Runde machen. Er hatte drei Runden pro Tag angesetzt und um nichts in der Welt hätte er sein Reglement überschritten. Doch wagte er sich, da er eine feige Memme war, nicht allein auf den Weg, um die Runde zn machen. Sich jenials in der Nacht ans dem Gesängniß heraus zu wagen, zu einem solchen Akt von Heroismus hätte ihn niemand ge- bracht. Wovor fürchtete er sich? Er hätte es nicht zu sagen gewußt. Er fand, daß die Umgebung seines lieben Ge- fängniffes düster und schwarz war. Es gab dort große Gärten mit riesenhaften Bäumen, deren Anblick Herrn Descosses Furcht einflößte. Herr Tescosses liebte aber auch den Scherz. Er war sanft und nachgiebig gegen die Gefangenen, die Geld hatten. Strenge Maßregeln zerrissen ihm das Herz. Gewiß, er befolgte das Rcgtenieiit nach dem Buchstaben, aber er milderte die Härten desselben durch schöne Redensarten. Er fürchtete stets, seinen Pensionären gegenüber nicht zartfühlend genug zu sein; wenn er sie traurig sah, blutete ihm das Herz, Thränen und Abschiedsszenen konnte er nicht ertragen.'Als z. B. nach dem Attentat des Nivose*) der Vater Rochercnil's nach den Seychellen transportirt werden sollte, wartete er, der der ganzen Sache fremd gegenüberstand, von Tag zn Tag auf seine Freilassung. Statt dessen traf der Befehl zur Deportation des ehemaligen Konventinitgliedes ein. Als der treffliche Dcscosses die Ordre er- hielt, war Frau Rochercuil, die ihren Gatten täglich besuchte, gerade in der„Hcimsnchnng". DeScosscs hätte sie benachrichtigen können, aber dann wäre er Zeuge des Schmerzes der Gattin gewesen, er bätlc ihrem herzzerreißenden Abschict) beiwohnen müssen, Vielleicht wäre Frau Rocherenil auch nach der Präfcktur ge- eilt, um die Erlaiibniß zn erbitten, daß ihre Kinder den Vater ein letztes Mal umarmen könnten. Das gefühlvolle Herz Descosses' hätte bei einem solchen Anblick zn sehr ge- litten. So behielt er den Befehl für sich und thcilte ihn 9iocherenil erst im Moment der Abreise mit. 9iochcrciiil, der so niivcr- nmthet dadurch überrascht wurde, war ohne Geld, ohne Mantel und fast ohne Wäsche.„Ach der arme Mann," rief Descosses da, wer! hätte auch ahnen können, daß er sein Gepäck nicht bereit hatte?" Kurz, wenn Descoffes bei einem Angeklagten die „peinliche Frage" in Anwendung zn bringen gehabt hätte, so würde er ihm die Beine ausgerenkt und die Knochen ohne Zandern gebrochen haben, aber er hätte dabei Thränen im Auge zerdrückt; und als er den Auftrag erhalten hatte, Pichcgrn im Gefängniß zn erdrosseln, bat er ihn, bevor die Schlinge zugezogen wurde, seine Entschuldigung und die Ver- sicheriing seines aufrichtigsten Bedauerns entgegen zu nehmen. Jni übrigen war er, wie man sieht, der beste Mensch von ') Nivöse, eigentlich Schnecinoiiat, ein Monat des französischen NevolulioiisrnlenderS vom 2t. Dezember bis zum IS. Januar. der Welt imb das Muster eines Gefäugnißinspektors. Er ha� Schule gemacht. ** » Das Gefciuguiß„pr Heimsuchung" war, wie sein Name sagt, ein ehemaliges Nonnenkloster. Bevor es diesen frommen Damen gehörte, trug dieses Haus den Namen Hotel Irland oder Hotel des Ecossais. Es soll von einem gelehrten Schotten namens Robert Irland erbaut worden sein, der Professor an der Universität von Poitiers und ein vertrauter Freund Ra- belais' gewesen war. Die Ueberlieserung berichtet, daß die beiden gern gemeinsam zechten. Älls die Nonnen einige Sons zusammengespart hatten— Poitiers ist stets ein gesegneter Boden für die geistlichen Orden der verschiedensten Farben gewesen— kauften sie das Hotel von der Familie Irland und vergrößerten es beträchtlich. Dort, ver- sichert man, erfanden sie ein feines Konfekt, das sie Engels- konfckt nannten. Wahr ist es allerdings, daß die Heim- suchungsschwestcrn von Niort ihnen diese Ehre abstreiten. Wie deni auch sei; in der Revolutionszeit wurde das Kloster in ein Gefängniß umgewandelt. Schlimm war es für die Gefangenen, daß die Nonnen ihre Möbel mitgenommen hatten. So blieb nichts übrig als die Höfe, in denen das Gras so hoch ivuchs, daß man es abinähen konnte, die vergitterten Fenster und die kalten, nackten Zellen. Die„Heimsuchung" ist ein ungeheures Gebäude, das zu der Zeit, in der wir uns damit beschästigen, fast vollständig von riesigen Gärten umgeben war. Alle diese Gärten er- streckten sich in mehr oder weniger steilen Abhängen bis zum Boulevard du Grand Cers, dem Faubourg Pontachard und dem Sumpf von St. Hilarius, der jetzt aus- getrocknet ist. Das Gefängniß war auf einer Seite von einer sehr schmalen Straße, der Rue de la Visitation und auf der anderen von einem kleinen Theile der Ruelle des Ecossais be> grenzt. Am äußersten Ende der Rue de la Visitation, dort, wo die Straße sich in eine Art Treppe verwandelte, fiel die Umfassungsmauer so steil ab, daß man hier die Aufstellung eines Wachtpostens selbst in der Nacht unterließ. Tie Ruelle des Ecossais bildete in ihrem an das Gefängniß anstoßenden Theile. den Weg der Runde, und des Abends verriegelte man beide Thore am Ende des Gäßchens, das sich so während der Nacht vollkommen abgeschlossen befand. Die rechte Seite des Gäßchens wurde durch Gärten und die Nebengebäude der Häuser in der Rue des Hautcs-Treillcs gebildet, die linke Seite durch eine Mauer von 4—5 Meter Höhe. Diese Mauer war von einigen Thüren durchbrochen, durch die man in die Gärten eintreten konnte. Am Fuße der Hügel und Gärten der„Heimsuchung" befand sich, ivie bereits erwähnt, jenseits der Boulevard du Grand- Cerf, der Sunips von St. Hilarius, eine schlanimige, übel- riechende Fläche, welche diesen Thcil der Stadt sehr ungesund machte. Eine große Zahl von Arbeitern war dort beschäftigt. Kurz, die Gärten, welche die„Heimsuchung" umgaben, standen mit einem Theile der oberen Stadt durch die Rue des Hautes- Treillcs und mit dem anderen durch den Boulevard und den Faubourg du Erand-Cerf in Verbindung. Es war der erste Sonntag im September, der Tag, für den der alte Herr mit den zimnietfarbenen Beinkleidern Julictte Lefrancois in der St. Hilariuskirche um eine Zu- sammenkunft gebeten hatte; derselbe Tag, an dem Degrauge, der Direktor im Prwatdienste des Herzogs von Rovigo, dem Unters, ichnngsrichtcr anheim gestellt hatte, Pierre Rochereuil und den Abbo Georget mit einander verkehren zu lassen. Rochereuil befand sich in seinem Zimmer, das ziemlich geräumig, aber sehr wenig möblirt und stark vergittert war und dessen einziges Fenster auf den Gefängnißhof hinausging. Er ging nachsinnend auf und nieder, schien aber weder traurig noch sorgenvoll zu sein. Dieser Verschwörer, der hier eingekerkert und zur Unthätigkeit vcrurtheilt war, schien sich dessen gar- nicht bewußt zu sein. Er dachte nach, nicht wie ein Denker, der sich in sein Inneres zurückzieht, sondern wie ein zum Handeln entschlossener Alaun. Im übrigen war er sehr ruhig und schien fast gut gelaunt. Ohne hübsch zu sein, besaß Pierre Rochereuil doch etwas Anziehendes. Die nach der Mode der Zeit von einigen Locken bedeckte Stirn war nicht sehr hoch, aber sie hatte von einer Schläfe zur anderen eine ausfallende Breite. Das Auge— dieses klare, blaue Auge, welches beide Rochereuil's von ihrer Mutter hatten— war je nachdem zärtlich oder von kalter Härte im Ausdruck. Der schön gezeichnete Mund zeigte ein jugendliches, fast kindliches Lächeln, obgleich Rochereuil schon dreißig Jahre alt und vom Schicksal hart geprüft worden war. Die Lippe war ein wenig sinnlich, das starke, eckige und fast rechtwinklige Kinn deutete auf eine unerschütter« liche Festigkeit, einen ausdauernden Willen, den nichts be- zähmen konnte. Ziemlich sonderbar war es, daß Rochereuil, der sich ge- wöhnlich sehr einfach kleidete, im Gefängniß elegant ge- kleidet ging. Er trug einen Ucberrock mit kleinem Kragen und gefalteten Aermeln, hirschlederne Beinkleider und Stiefel mit Aufschlägen und gefälteltem Schaft. Zwei Filzhütc, der eine sehr doch, der andere außerordentlich klein, hingen an der Wand. Seit dem Morgen war er so gekleidet. Seine Tbeorie war, daß er erstens im Gefängniß stets wenigstens zwei Pläne zur Flucht bereit haben und daß er zweitens immer zum Ausgehen bereit sein müsse, wenn ein Zufall sich bieten sollte. Rochereuil's Promenade im Zimmer wurde durch Herrn Descosses unterbrochen, der eintrat, nachdem er mit zwei bescbeidenen Schlägen angeklopft und vorher draußen ge- horcht hatte. „Guten Tag, lieber Herr, wie geht es denn mit der Ge« sundheit?" fragte er, sich in der Thür zeigend. „Nicht schlecht, Herr Descosses, nicht schlecht. Sie wissen, es giebt nichts Gesünderes als das Gefängniß. Das besänftigt, das beruhigt, das beruhigt fast zu sehr. Wenn Frau Descosses mir nur von Zeit zu Zeit ctivas Gesellschaft leisten wollte..." „Immer Keiter, immer liebenswürdig, dieser gute Herr Rochereuil! Ach, welch' angenehmer Gefangener sind Sie doch! Meine Gattin kann, wenn es ihr gefällt, gern zu Ihnen kommen. Gott sei Tank, sie ist ans den» Alter heraus, wo... Gleichviel, Sic sind mir sehr angenehm. Ach, wenn man nur solche Gefangenen wie Sie hätte! Ich beklage mich nicht etwa über den Herr» Abb«, aber er ist nicht so gesprächig wie Sie, er ist stolzer! Da fällt mir ein, finden Sie nicht, daß ich heute Morgen so scherzbaft vin und so zufrieden aussehe?" „Wirklich, Herr Descosses, in der That. Sind in der Nacht etwa viele neue Gefangene angekommen, die Sie zu be- köstigen haben 1" „Nein, mein Herr, nein. Aber ich habe Ihnen eine gute Nachricht mitzuthcilen." (Fortsetzung folgt.) (Nachvrull verboten.) Zimurcvlufk unv Heizung» Durch das Heize» soll den Wohnräumen nicht nur eine höhere Temperaiur verscvafft iverden, sondern es sollen dabei auch die ftesundheitlichen Verhältnisse inöglichkt giinstlg für die Bewohner gestaltet werde», und von diesem Standpunkt aus betrachtet ist das Heizen nicht sowohl eine Leichtigkeit als vielmehr eine kleine Kunst. Die Hanptregcl für die Knnst des Heizens ist die, daß die Zimmer eine Temperatur erhalten, die nieder ei» Frostgefuhl der Bewohner auskommen läßt, noch auch eine Nebererwärmung derselbe» herbeiführt. Nn» ist aber das Wärinebednrfniß der einzelne» Personen je nach ihrem'Aller, ihrer 5törperb-schasfe»heit und ihrer Be- schäftigungsart sehr verschieden. Trotzdem gicbl es Temperatur- höhen, die den durchswiiiltlichen Wärme-Anfordernnge» befriedigend enlsprechen. Für das Wohnzimmer ist eine Temperatur von l 7 Grad bis l9 Grad Celsius am geeignesten, für das Kinderzimmer passen am besten 18 Grad bis 20 Grad, für das Schlafzimmer 14 Grad bis lOGrad, 'nr das Krankenzimmer IL Grad bis 20 Grad und für Räume, in denen körperliche Arbeiten verrichtet werden, je nach der damit verbundenen Anstrengung 10 Grad bis 17 Grad Celsius. Daß diese Tempera- luren in de» entsprechenden Räumen wirklich vorhanden sind, dafür bürgt nicht eine ungefähre Schätzung, sondern nur eine iviederholte Beobachtung des Thermometers. Aber auch dieses wird nur dann richtig die mittlere Temperatur eines Zimmers angeben, ivenn es zweckentsprechend aufgehängt ist. Zunächst soll es in einer Höhe von 1,6—1,8 Meter über dem Boden, also etwa in Kopshöhe, seinen Zlatz finden. Hängt es höher, so wird der Quecksilberstand durch die oberen, wärmeren, hängt es tiefer, so wird er durch die unteren, kühleren Luftschichte» beeinflubt. Ferner soll es 2—3 Meter von den, Ofen entfernt sein, damit es nicht von der strahlenden Wärnie desselben getroffen wird. Auch die Wand, an der daS Thermometer befestigt ist, ist nicht gleichgiltig. Außenwände, die also mit der einen Seite an die freie Luft grenzen, werden im Winter stets stark abgekühlt und lassen daher das Quecksilber sinken. Deshalb ist es am empschlenswerthen, das Thermometer an einer Wand anzubringen„ deren Rückseite an ein nicht geheiztes» aber trotzdem nicht übermäßig kaltes Zimmer stößt. Eine zu hohe Ziimiiertenipcratur wirkt in mehrfacher Weife schädigend auf den Organismus ein. Erstens wird durch sie die Haut verweichlicht, so daß sie leicht zu Erkältungen neigt, wenn der Körper unvermittelt niedrigeren Temperaturen ausgesetzt wird. Man zieht sich also gerade das zu, ivas mau durch das Heizen vermeiden will. Sodann aber bringt die Ilebcrheizung auch eine zu starke Austrockuung der Zimmerluft mit sich. Die trockene Zimmerlust nimmt zu ihrer Sättigung Feuchtigkeit aus den Schleimhäuten der Luftwege, deren Widerstandsfähigkeit bei sorlgesetzter Austrockuung lierabgesekt wird, so daß an diesen Stellen die-Äinsiedelniig von Krankheitskeimen leichter vor sich geht. Außerdem ist es besonders die Trockenheit der Lnfl, die Unbehaglichkeit»nd nervöse Reizbar- keit hervorruft. Man ist nicht selten der irrthäinlichen Ansicht, daß es der zu niedrigen Temperatur zuzuschreiben ist, wen» man sich in einem Zimmer unleidlich fühlt. Es wird dann immer noch mehr eingeheizt. aber statt daß das Uebelbesinden schwindet, steigert es sich. Der Austrocknung der Zinimerkufl läßt sich dadurch vorbeugen, daß man mit Wasser gefüllte Gesäbe in den Ose» setzt. deren Wasser infolge der Erwärmung allmälig verdunstet. Noch be'ser ist ein öfteres Oeffnen der Fenster, damit die feuchte Außen- lnft eindringen kann. Eine Erkältung durch den kalten Lnftstrom ist nicht zu befürchten, wenn man sich während der zeitweiligen Oeffnung des Fensters in der Mitte des Zimmers anshält. Wer besonders empfindlich ist. kann auch noch die Vorsicht gebrauche», nur den oberen Fensterflügel zu öffnen. Die kalte Lust wird dann, während sie herabsinkt, erwärmt, bevor sie mit den Beivohnern des Zimmers in Berührung koimnt. Ueberhanpt soll die Lüftung stets die Gegenforderung zu der Heizung bilden. Selbst da, wo es sich nicht«in eine übermäßige Anstiocknnng der Zimmerluft handelt, ist die Zufuhr von frischer Anßenlnft nölhig, um der Verunreinigniig der Zimmerluft entgegenzuarbeiten. Schon die Menschen, die sich in einem Wohnraum aushalten, verursachen eine Verunreinigung der vorhandenen L st durch die Aus- athnmng, die Gerüche, die den Kleidern und Speise» anhaften, und die Staubcntwickclnng, die mit den verschiedenen Beschäslipnngs- arten verbunden ist. Im Winter verstärken sich alle diese Faktoren, da hier die Venntznng der Wohnräume größer ist als im Sommer. Außerdem trägt aber noch die Heizung zur Vernnreinignng der Luft bei. Während der Luflstrom durch die Brennstoffschicht streicht, wird anfänglich Kohlensäure gebildet, und ein Theil davon durch Wieder- ausnähme von Kohlenstoff ans glühender Kohle wieder in Kohlen- oxyd zurnckgesnbrt. Tiefe Verbrenniingsprodnkle sollen eigentlich gänzlich i» den Schornstein abgeleitet werden, hänsig aenng ist dies aber nicht der Fall. Die Oeicn zeigen Risse und Sprünge, und dnrck diese tritt der sogeiiannte Kohlendunst in da? Zimmer. Maltig- keit, Uebelkeit, Schwindel und Zittern sind die ersten Folgen dieser Liistvernnreinignng. Man sucht die Ursache hierfür überall, nur nicht in der fehlerkaflen Beschaffenheit des Ofens. Dort, Ivo sieb die genannten Erscheinungen einstellen, sollte man daher den Ofen aus etwaige Undichtigleiten prüfen und diese beseitigen. Aber auch abgesehen hiervon, so wird der Ofen auch noch anderweitig die Veranlassung zur Lustvernnreiiiignng. Denn aus dem Ofen lagert sich Staub pflanzliche»»nd thierischen Ursprungs ans, der sich bei den ver- schicdenen Tenipcratnre» mehr oder weniger rasch zersetzt. Bei Tcmpe- ratnren, die über lnv Grad Celsius liegen, werden die organischen Staub- theilchcn versengt. Tic Verbrennung dieser Slaubldcilchen, wie sie namentlich bei eisernen Oefen, die oslinals bis zur Rothglntk erhitzt werden, erfolgt, erzeugt einen brenzlichen Geruch, der eine Belästi- gnng der Alhmungsoigane, der Lippen und Augenlider nach sich zieht. Es soll nun nicht wenig Hausfrauen gebe», die jedes Staubtheilchen mit'ängstlicher Peinlichkeit von den Möbeln entfernen, die aber an eine Abstänbimg des OfenL nicht im geringste» denken, obgleich er es recht nölhig hat. Wie jedes Ding, so hat eben auch das Heizen seine zwei Seiten. Erst wenn es richtig gehandhabt wird, bringt es uns die angestrebten Norlhecke, und wird uns der Ofen in des Wortes weitester Bedenlung thatfächlich— ein warmer Freund.— L e o n h a r d F i» l. TUemes Fettilletan- c. e. Eine Komödie von Menander. Menander, der im vierten Jahrhundert v. Cbr. in Athen lebte, war der Schöpfer der Eharäkierkomödie. Er ivar«in Muster von Wahrbeil und Anmnth, ein witziger, sinnreicher und doch gutherziger Philosoph. Terenz und Plantns waren seine Nachahmer, ja gewissermaßen nur seine Uebersetzer. und der Typus, den er der Komödie verlieh, dauerte Jahrhunderte lang, fast bis zu Moliere»nd Goldoni. Leider hat sich von Menander keine Komödie erhalten. Die Vernichtung aller seiner Werke schreibt man der ersten christlichen Kirche zu. die seine Moral beanstandete, welche nicht gerade allzu locker»nd frei, aber doch etwas„weilärinelig" war. Im„Journal de Geueve" theilt nun Herr Nicole mit, daß er in einem egyplischen Papyrus ein schönes Stück einer der berühmtesten Komödien von Menander ge- fnnden habe, die„Der Landwirlh" betitelt ist. Nicole hat die ganze, vo> Meisterhand geführte Szene veröffentlicht. Sie hat folgenden Inhalt: Ein Sklave theilt der nach kurzer Abwesenheit nach Hause ziirnckgekehrten Gattin des Titelhelden mit, daß ihrem Gatten ein Unglück zugestoßen sei. Er hat sich mit dem Spaten vmvundet, nnd eine schwere Erkrankung ist eingetreten. Die gute Frau wird vor Schmerz fast ohnmächtig nnd beweint und beklagt den armen Mann. Bald aber beruhigt sie der Sklave, indem er ihr erzählt, daß ihr Mann bereits auf dem Wege der Genesmig. ja fast ganz geheilt sei. Nun ist die Frau plötzlich wie umgewandelt nnd beschimpst den Mann wegen seiner Eselhaftigkeit, seiner Grobheit nnd seiner verruchten Streiche. Es ist eine hochkomische Szene, die viit der menschlichen Natur durchaus im Einklang sieht.— Theater. — MaxDreyer's neuestes Werk„In Behandlung'', das bei seiner Erstaufführung in Dresden eiueu so großen Erfolg davongetragen, wird im„Berliner Theater" noch in dieser Spielzeit gegeben werden.— — Frl. Agathe Barsescn, früher an der Wiener Burg, dann am Raymnnd-Theater, ist für das D c u t s ch e Theater ans drei Jahre engagirt worden.— — Das„ T h e a t e r U n t e r d e n L i n d e n" ist vom 1. Anglist 1898 an ein Konsortium, an dessen Spitze Direktor Richard Schultz steht, auf sünf Jahre verpachtet worden. Das Theater wird künftig den Namen„Metropol-Theater" führen. Die Bühne wird um- gebaut. In den Sommermonaten sollen auch„Spezialitäten" ans- treten.— Im Winter nicht?— Kunst. — Schwarz- nnd W e i ß-A n s st e l ln» g. Der seit einem Jahre bestehende Verband deutscher Illustratoren veranstaltet im April des nächsten Jahres in Berlin im Akade in iegebä ude eine Schwarz- und Weiß-Ausstellnng.— Medizinisches. t. öl) Fälle v o n Erkrankung durch X-Strahlen sind von den drei Pariser Aerzten Oudi», Barthelemy nnd Daris beobachtet nnd neulich vor der Pariser Akademie der Medizin besprochen worden. Es ivnrden zwei Arten von Hauterkrankung unterschicdeii: Eine langsam eintretende, sich allmälig entwickelnde, aber mit einer Neigung zum Chronischen verharrende. Sie wirft sich ans die Haut der Finger nnd Hände, welche roth, dick nnd schmerzhaft wird. Meistens treten Wassergeschwülste hinzu, nnd die Hanl tch»ppt sich ab. Auch die Nägel verändern sich, neigen zur Spaltung und scheinen lose zu werden, fallen aber seilen wirklich ab. Bei der nöthigen Vorsicht und Unterbrechung der Anweudimg der X- Strahlen verschwinden diese Erscheinungen allmälig, kehren aber schnell zurück, jedoch in leichterer Form als das erste Mal. Die zweite Art der Erkrankung ist akut und ist leichter zu beben. In diesem Falle handelt es sich entweder nur um eine leichte Röthmig der Haut oder auch um Abschuppuug derselben. Blasen« und Schorsbildnng.— Aus dem Thierreiche. — Leuchtende Regen w ü r m c r sind wiederholt sowohl in Europa als auch außerhalb unseres Erdtheils beobachtet worden. NenerdingS berichtet, wie man der„Tägl. Rundsch." schreibt, I. Lloyd Bozward von der Auffindung einer Kolonie solcher Würmer in dem geschützten Winkel eines Grasfleckens in der Stadt Worcester. Die dünnen, durchsichtige», gelbliche» stiegenwürmer sind etwa zwei Zoll lang und leuchten sehr stark. An Abenden, wenn sie nicht herum» kriechen, kann man sie durch Stampfen ans dem Boden hervor- locken. Sie kommen sogleich an die Oberfläche und fangen an zu leuchten, als ob sie einen Kampf aufnehmen wollten, anstatt sich, wie andere Würmer, davon zu machen. Das von ihnen ausgestrahlte Licht ist grünlich; wie die älteren Beobachter vergleicht Lloyd Bozward es mit dem der Leuchtkäfer. Auch sonst stimmten seine Wabrncbmungen mit denjenigen übercill, die früher an solchen Regeillviirmern gemacht worden sind. Es ist erst wenige Jahre her, dab der Berliner Oberlehrer Dr. Matzdorff in einem an der nördlichen Wcichbildgrenze Berlins gelegenen Garten eine Kolonie von leuchtenden Regeiiwürmern beobachtete. Sie zeigten sich immer in den Monaten Juli bis September; dies scheint eine allgemeine Regel für das Auftreten dieser Thiere zu sein, denn die iKiigabeu anderer Beobachter beziehen sich auf dieselbe Jahreszeit»nd Lloyd Bozward hat seine leuchtenden Würmer augenscheinlich auch während der letzten Wochen oder Monate beobachtet. Das Licht wird ohne Frage von einem Schleim ansgesendcl, der die Haut der Würmer nnd dann auch den von ihnen zurückgelegten Weg bedeckt. Wenn man die leuchtenden Streifen und Punkte untersuchte, so fand man oftmals keine Würmer, sondern eben nur ihre Spuren. Auch bedeckten sich Stiefel, Pinzette, Hand nnd Glasgesäße mit der leuchtenden Absondernng, wenn die Würmer mit ihnen in Berührung gekommen waren. Wurden die Thiere gelödtet, so hörten sie zu leuchten auf, sobald der Schleim eingetrocknet war. Wenn es auch feststeht, daß die Lenchtfähigkeit im Winter nicht erlischt, so scheint doch nach Matzdorff's Beobachtungen eine freiwillige Absonderni von leuchtendem Schleim im Winter und im Frühling nicht zu'erfolgen und auch innerhalb des Bodens nicht einzutreten. Die von Matz- dorff zweimal eingewinterten nnd im Blumentopfe bei reichlichem Futter nnd unter offenbar günstigen Lebensbedingungen gehaltenen Würmer kamen im Winter weder aus dem Boden hervor, noch leuchteten sie irgend einmal freiwillig. Die bis jetzt beobachteten leuchtenden Regenwürmer gehören verschiedenen Arten an. Ihr zerstreutes Auftreten in Europa und Australien, wo man sie anscheinend immer nur in Gärten, Gewächs- hänsern oder an Topfpflanzen gefunden hat, läßt darauf schließen, daß sie mit Erde, wahrscheinlich ans Südamerika, eingeschleppt worden sind.— Ans der Pflanzenwelt. — Die Kultur der V e i l ch e u w u r z e l, des zu Par» fümeriezwecken und kosmetischen Präparaten der verschiedensten Art mit Vorliebe verwendeten Wnrzelstockes verschiedener Jris-Arten, ist — so schreibt die Frankfurter„Unischan"— trotz der Beliebtheit und Wichtigkeit der Droge bisher noch immer in ein gewisses Dunkel gehüllt worden. Die folgenden, von der Leipziger Firma Schimmel u. Co. in Italien cittgezogene» Jnsormalioneii bieten deshalb wohl allgemeineres Jnleresje. Danach besteht die Kultur der Veildien. wnrzel in Italien schon seil mehr als zweihundert Jahren. Man pflanzt die Jriswnrzel auf den Hügeln und Bergabhängen. niemals im Thale, zumeist i» großen sonnigen Waldblößen oder streifenweise zwischen Weingeländen an, selten auf ausgedehnte» Felder». Sie gedeiht besonders ans steinigem, möglichst trockenem Bode». Sind die Pflanzen einmal gesetzt, so bedürfen sie leiner besonderen Pflege mehr und werden sorglos auf 2—3 Jahre ihren» Schicksale überlassen. Dann aber erfordert der Ausschnitt der starken, steigenden Wurzelstöcke, sowie die Reinigung und Herrichtnng derselben für den Marli viel Arbeit. Geivöhnlich ivird die Wurzel nach dreijährigen» Wachslhiin» geerntet, doch schneidet mau sie,»venu der Preis gerade ein hoher ist, auch schon nach dem ziveiteu Jahre aus. Bei niedrigerem Preisstande lohnt es besser, noch ein Jahr zu warten, da dreijährige Wurzeln üppiger und größer als die jüngeren erscheinen. Das Alter der Wnrzel bedingt umgekehrt eine geringere Ausbeute a» trockener, versandserliger Droge, da die jungen ziveijährigen Wurzel» eliva 40 pCt., die dreijährige»» nur eliva 30— 3ö pCt. Ertrag an trockener Wurzel liefern. Die frisch geschnittene»» Beilchenwurzeln»verde» erst in Wasser gelegt, damit die äußere, braime Haut sich abtös», dann auf Terrassen ausgebreitet und etiva l4 Tage lang getrocknet. — Die Wiederpstanzung geschieht entiveder sofort oder enva 14 Tage nach den» Schnitt, und zivar in anderen», ausgeruh. et» Boden. Das eben abgeerntete Feld muß mindestens ein Jahr Ruhe habe», kann aber»vährend dieser Zeit mit Getreide bebaut»verde«. Die große Bedeutung, welche die Veilchenwurzel für die i»> Frage kommenden Distrikte(Toskana und Verona) besitzt, erhellt am besten daraus. daß im Jahre 1803 aus den toskanischen Distrikten eliva 1000 000 Kilogramm und ans de» Veroneser Ortschaften etwa 150 000 K»lo- gramm getrockneter Veilchenivurzel ausgeführt Ivordc» sind.— Astronomisches. — Neber die G e s ch»v i n d i g k e i t, mit der sich die Fix- sterne auf uns zu- oder vo>» uns sorlbeivegen,»var es nach lang- jährigen vergeblichen Versuchen ans der Gree»>virf»cr Steruwarte neuerdings auf dein Potsdamer Observatorium gelunge»», durch photographische Aufnahme» der Steruspektra sehr genaue Ergebiüssc zu erzielen. Von einer große» Zahl der helleren Fixsterne ist es danach bekannt geivorden, ni»»vieviel ttilometer sich diese Hinimels- körper in jeder Sekunde von uns eutserneu. oder um»vieviel sie sich uns nähern. Co ergab sich, daß der hellste Stern am Himmel, Sirius in» große» Hunde, sich»ins i» jeder Sekunde um 10 Kilometer nähert, und Procno» im kleinen tunde uiii S Kilometer. Dagegen entfernt sich der hellste lern im Stier, Aldebaran um 40 Kilometer in jeder Sekunde von»ins, und die helle Capclla im Fuhrmann»in» 24 Kilometer in der Sekunde. Der Polarstern nähert sich nns»n» 20 Kilo- meter in jeder Sekunde, während sich der helle Stern in der»örd- lichen Krone, Gemma, in» 32 Kilometer von»ins entfernt. Die helle Spica in der Jungfratl nähert sich nns»in» 10 Kilometer, der hellste Stern im Adler, Ärair sogar um 37 Kilometer in der tselnnde. Vor kurzen» ist es ni»»» aber den» Amerikaner I. E. Keeler gelungen, diese Fortschritle in der Kenniuiß der Beivegungcn der Himmels- körper noch dedentend dadurch zu erweitern, daß er zun» ersten Mal diese Untersttchnngei»»iit bestem Erfolg auf jene ferne» Nebeln>cllen ausdehnte, die man als BildungSstätlen neuer Weltkörpcr betrachlet. Diese schirnerigen Messungen der durch die Gc- schivindigkeit verschovenen Spektrallinie» gegen ihre vtorinnl- läge haben bei dem»ornidervollste» Gebilde am ganze» Himmel, dem berühmten Orioimebel, erkenne» lassen, daß sich dies Objekt mit einer Geschivindigkeit von 13 Kiloineler» in der Seknnde von»ins entfernt, und zwar beträgt die Unsicherheit dieser Bestimm»», g nicht viel mehr als I Kilometer. Dies Ergebniß ist noch besonders dadurch nierkivürdig, daß es feststellt, der Orionnebel deivegt sich mit der- selben Geschivindigkeit von»ins fort, die de» helle» Orioiisteriieu im Durchschnitt znkommt. Bei mehreren andere» von Keeler gemessene» Nebelflecken sind aber noch bedeutend größere Gesctnvlndigleitei» z» Tage getreten; so fand er bei einem eine Forlbeiveginig von 48 Kilo- Metern, bei einem anderen eine Annäherung an unser,, Etandpnnkl vo» 05 Kiloineleri» in jeder Seknnde.—(„Voss. Ztg.") Bergbau. — Die Entdeckung der Kohle fällt in das Jahr 1197. Da Holz»ind andere Breiinniaterialie» zu dieser Zeit sehr lheuer waren, kam ein Schmied an» Lüttich auf die Idee, eine Art schwarzer Erde, die er gesunden, zum Heize» zu verivendei»._ Dieser Maim hieß Hullioz, und daher wird im Französische» Steinkohle auch houillo genannt. Nach authentische» Dokumente»» befände» sich den» auch in Belgien bereits 1223 Sleinkohlenminen im volle» Betriebe. In manchen andere» Länder»»vollte man jedoch von diesen» Brenn- Material lange nichts wissen, in England galt es für gesährlich, i» Frankreich begann die Ausbeute erst in» 14. und in Oesterreich sogar erst im 13. Jahrhundert. Norddentschland dagegen machte sich sofort die Entdeckung zu Nutze und begann schon kurz nach 1200 die Ausbeutung feiner Kohlenschütze,»venu auch viele der Läger,»vie die fchlesische», sächsischen»nid die an der Ruhr, erst in unsere!» Jahr- hundert«ine große Ausdehnung genommen haben.— Technische?. — Vernickelung. Eine für die Jndnsirie recht wichtige Entdeckung hat, nach der„Köln. Vollsztg.", Professor Förster in Dresden peniacht. Nickel konnte man bis jetzt aiif Eisen und anderen Körpern elektrolytisch nur in Schichte» niederschlagen, deren Dicke einige Bruchtheile eines Millimeters nicht überstieg. Versuchte man dickere Schichten zu erzeugen, so begannen diese i» Forin dünner Plältcbe» sich vo» den» zu vernickelnde» Körper»vicdcr ab- zulösen. Die Folge war, daß die dünne Nickelfchicht auf Gegenständen. die däufia gereinigt werde» müsse», z. B. den Speichen eines Ziveirades, Säbelscheiven u. dergl. bald durchgerieben»var mit, der beiressende Gegenstand von neuein vernickelt werden mußte. Professor Förster bat nn» gesunden, daß nin», bei Berivcndnng eines ans 50 d,s 90 Gr. Ccls. erivärniten Nickelbades beliebig starke Schichten von zähc»», glänzendein lind politnrsühigem Nickel her« stelle» kann. Humoristisches. — N ü ck s i ch t s v o l l. Einem Wiener Börsenbesnchcr»vnrde vor einigen Tagen der Ueberrock gestohlen. Als der Herr nach Schluß der Vorbörse seine» Rock»ehniei»»vollte, fand er an dessen Stelle ein Konvert, in dem sich ein Psandschei» soivie ei» Bricschcn mit folgenden» Inhalt befand:„Lieber Freund! Da ich»ivlh- »vendig Geld benöihigte, habe ich Deinen Nock verpfändet; ich hätte, falls ich ihn verkauft haben»vürde, fünf Gulden dafür bekommen, »in» Dir aber nicht»vche zu thuii, versetzte ich ihn nur.'(Unter- schrift fehlt.)— — Ein luftiger Auftritt brachte vor einiger Zeit in San Francisco einc Spirilisten-Versannnlung zu einen» unerivartet«»» Abschluß. Eine schlanke, in Trauer gekleidete Dame, die der von einem prosessiouelien Mediuni arrangirle» Aersaiinnlung beiwohnle, wünschte»iit ihrem dahingeschiedenen William in Verbindung gc- bracht zu»verde»,, und das Medium versprach, William's Geist erscheinen zn lassen. Wenige Minute» später zeigten sich die schalten- hafte,» Umrisse einer Gestalt, und, bebend vor Freude und Furcht, fragte die Wittive:„Bist Du es, Willi?"—„Jawohl, Gelieble!" lautele die»iit Grabesstimme gesprochene Antwort.—„Das ist ein Schunndel," rief»niimehr die Frau in entrüstete»» Tone, „Betiiig und Huinbug ist es, denn mein William war— tanb- stuun»!"— — Stoßseufzer. Alter Lebemann:„Die Weiber sind Luft für»»ich. Ohne Luft kann ich nicht leben."— („SiinplicissimnS.") BerulifchteS vom Tage. — R e k l a m e- N a d f a h r e r i»» n e n. In einen» hiesigen Blalt fand sich dieser Tage folgendes Inserat:„Hübsche, junge Damen, die in ihrer freien Zeit ein hochelegantes, neues Fahrrad gratis lliellaiiie fahre», erhallen solches dafür umsonst»nit elegantem Kostüm. Offerten»inler„Fahrrad" sc.— — E i n P r e» s a n s s ch r e i b e n. Der Vorstand des allgemeinen deutschen Sprachvereins Berlin- Charlolteiibnrg hat zehn P-eise von je 5 M. für die besten Verdeulschnnge» folgender Worte ausgesetzt: l. Cocon, 2. Conditor(Comlitorwaaren), 3. Confituren, 4. Ga- lanteriewaarcn. 5. Materia Iwaaren, 6, Paiiuinericn(Parfüm, parfumireu), 7. Quincaillerien(Qnincaüleriervaaren), 8. Maculatur (maculiren), 9. Jet, 10. Kinetograph. Tie Verde»lsct»»igsvoi schlage sind bis zun» 30. November, mil einem Kennivorle versehe», an den Vorsitzenden, Direllor Gardemii», Chartollenbiirg, Berlinerstr. 138, zn sende». Beizufügen ist ein v«rschlosf«»rr Brief mil demselben Kennivorle, der de» Namen des Absenders enthält.— kr. Der Euenbahn-Stalionsassistent K ü»> m e l in H a in bürg »vnrde von» Schwurgericht wegen Körperverletzung im Amlc nnd Vteineides zu einen» Jahr und fünf Monaten Zuchlhans vernrtheilt. Er hatte in einer dienstlichen Meldung einem Komioirbole» fälsch» lich des Widerstandes gegen die Staatsgeivall, der Beamtcnbeleidi- gniig und der Verübnng groben Unfugs bezichtigt n»d, als der Bole darauf angeklagt»vnrde, diese falsche Meldung vor den» Schössen« gcricht eidlich bestätigt. — I» G l e i>v i y ist ein Z i e g e l o f e n e i n g e st ü r z t. Der Besitzer und drei Arbeiter»vurdei» gelödtet.— — Bei den Baggerarbeiten»m Flußbett der Lippe»viirdc»,»rie der„B. Z." nns Wesel gemeldet wird, zwei M a n»»» n t h- z ä h n e von je sieben Pfund Gewicht gefunden.— — In den» Jahresbericht des Schiveizer Handels- nnd Industrie- Vereines»vird die immer geringer werdende Qnaliläl des Schweizer» käses(Einmenthaler) auf die vermehrte Berivendung von Kiast- futtermitteln zurückgeführt.— — Aus Brüssel»vird gemeldet: Ein Spieler, der in der Spielbank von S p a a eine große Summe geivan»,»vnrde nachts ans den» Heimwege ermordet und beraubt. Die Leiche»vnrde ins Wasser geworfen.— — Neapel. 19. Oktober. Der Wiener Student Hisam»vnrde als Leiche im Meere aufgefunden. Er soll von zive» Burschen überfallen, seiner Baarschaft beraubt, gelödlet nnd ins Meer geivorfen»vorden sein.— — N e w- I o rk, 19. Oktober. Ans der Elsenbahnstrecke Nock- Island»vurdej ein Zug von vermummten Personen angehalten: die Reisenden»vurden ausgeplündert.— Veranlivortlicher Redakteur: Ana»st Jacobe») in AcrUn. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.