Nr. 191. Adsmument»• Kedlngunzen: Cbonnement«- Preis pränumerando: vierteljährl. ZLV Mb, monall. l.lo Mk., wöchentlich 28 Pfg. sret in» Hau». tlinzelne Nummer 8 PI». Sonntag»- Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»- PretZliste für 188» unter Bc, 7830. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erschehil läglich»ukjer Moni«»«. Devlinev Volksblettk. 16. Jahrg. Dt» Jnftrtions- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum«o Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jedes Wort ö Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag« in derExpedltton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen blssuhr oormittag» geöffnet. Fernsprecher: Ami l, Br. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorialdemokrat Berlin" Centraiorgan der fociatdemokratischen Partei Deutschtands. Redalttinn: SW. 19, Benth-Straste 2. Expeditivn: 19. Veullz-Strasze 3. Krone, Kanal nitd Jnnker. Es giebt absolutere Mächte in unserem Jnnkerstaat als den absoluten Willen. Mit diesem Satz charak- tcrisicrten wir am Sonntag die innere Situation gegenüber der ebenso würdelosen wie knrzsichtigen Ausbeutung der kaiscr lichen Kanalreden durch die liberale und freisinnige Presse Niemals haben die Junker sich der Krone unterworfen, wenn ihr Interesse auf dem Spiele stand, und durch ihre Zähigkeit und Mannhaftigkeit hat sich diese Klasse stets der gnade- wimmernden Bourgeoisie überlegen gezeigt. Tie Worte des Monarchen haben ihre Schranke an dem unbeng samen Willen dieser starken und machtbewußten Selbstsucht, wie denn unsere Junker nur deshalb Monarchisten sind, weil sie unter dieser Regierungsfonn mit Recht ihre Interessen am kräftigsten gefördert glauben. Wie thöricht war es, zu meinen, eine energische Kund gebung des Kaisers und der Regierung zu Gunsten der Kanal- Vorlage werde die junkerlichen Gegner plötzlich in Freunde verwandeln! Wer ist denn diese Regierung, von der man verlangt, daß sie gegen die konservativen Rebellen ein- schreiten solle? Sind das etwa die vergänglichen Minister? Tie Regierung kann gegen die Junker nicht vorgehen, weil diese selbst in Preußen die Regierung sind. Ihre Sippe sitzt an allen einflußreichen Stellen, ihre Verwandtschaft beherrscht die ganze Staatsmaschine. Mögen die ministeriellen Beamten in Berlin neuen, neuesten oder allerneuesten Kurs steuern, draußen im Lande beharrt man ruhig im alten Kurs, so wie ihn Bis marck eingeübt hat. Gleich der Beginn der Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses am Mittwoch zeigte die Richtigkeit unserer Ausfassung. Die Konservativen begnügten sich nicht damit, ihre Gegnerschaft gegen den Kanal zu erklären, sie schickten zum Trotz ihren Haupt-Frondeur vor, den Geniaßregelten des Eaprivi- Kurses, den Grafen Limburg- Stirum, bei dem sich jüdisches und holländisches Blut so er- folgrcich gekreuzt hat, daß er die benifene Stimme — wenn auch nur im höchsten Diskant— altpreußischer Junkertraditionen geworden ist. Hatte der konservative Herr v. Levetzow erst bei der Beratung der letzten Militärvorlagc erklärt, die Abgeordneten verstünden alle zusammen nichts von militärisch-technischen Dingen und man müsse sich des- halb blindlings auf die Beteuerungen der Sachverständigen verlassen, so erklärte der Graf Limburg-Stirum sehr kühl, der Kriegsminister habe in der Kommission zwar wunderschön die Notwendigkeit des Mittelland-Kanals für die Landesverteidi- gung erörtert, aber seinen Darlegungen habe eines gefehlt: die überzeugende Kraft. Wetteiferte neulich die konservative Presse darin, das Telegramm des Kaisers an Hinzpcter unter Berufung auf den rettenden Absolutismus für die Zuchthausvorlage zu ver- wenden, so mündete die heutige Rede des Grafen Limburg- Stirum in eine recht nette Belehrung über konstitutionelle Rechte gegenüber absolutistischen Anschauungen, eine Belehrung, die er zudem als Fraktionserklärung abgab: »Da die Regierung für diese Vorlage mit ganz außergewöhn- lichem Nachdruck eintritt, haben wir nochmals unsere Haltung ge- prüft und sind zu dem Schlüsse gelangt, daß es sich um zu schwer wiegende Jiitcrcssen handelt, als daß wir der Vorlage zustimmen könnten. Tie konservative Partei hat stets daran festgehalten und wird stets daran festhalten, daß die verfassungsmäßigen Machtbefugnisse der Krone gegenüber den Paria- in e n t e n unvermindert bleiben.'Wir wollen ein starkes Königtum, denn nur eine machtvolle Monarchie ist im stände, unser Vaterland ohne Erschütterung durch kritische Zeiten zu führen. Aber nachdem die Verfassung den Parlamenten in wirtschaftlichen und finanziellen Fragen eine mitstimmende Stellung gegeben hat, ist auf uns ein Teil der Verantwortung übergegangen» welche im absoluten Staate allein bei der Krone beruhte. Das Gefühl, daß jeder von uns mit- verantwortlich ist für die Entwicklung Preußens, ver- bietet uns, einer Vorlage zuzustimmen, welche wir wirtschaftlich für bedenklich halten und welche in ihren Wirkungen die jetzigen Grundlagen unserer Finanzen erschüttern müßte. Daher werden wir gegen die Vorlage stimmen, und wir werden der weiteren Entwicklung der Dinge nihig entgegensehen in dem Bewußtsein der erfüllten Pflicht." Wie k o n st i t u t i o n e l l so ein Jünkergemüt denkt, wenn es ihm gerade gefällt und sein Interesse es fordert! Diese Ab- sage an den Absolutismus ist eine Art Rechtfertigung und Verherrlichung der Revolution von 1848, und die plötzliche Erkenntnis von der Mitverantwortlichkeit des Parlaments ist keine geringe Ehrung der Märzgefallenen durch das— Junker- tum. Dafür treiben denn jetzt die wackeren Liberalen den Kultus des persönlichen Willens. Die Mittwoch-Sltzung im Abgeordnetenhaus War äußerlich ein„großer Tag", sogar ein unglaublich großer Tag, wenn man die Weißglühhitze dieser Hochsommerzeft bedenkt. An der Kartenausgabe prangte der seltene Aushang:„Karten ver- griffen." Die allgemeinen Tribünen waren voll besetzt, die Bänke der Journalisten ivaren so stark überfüllt, daß eine Anzahl Obdachloser den Sitzbesitzenden durch ihre ragenden Gestalten die Aussicht verstellen mußten und dabei kaum so viel Bewegungsfreiheit hatten, um ihr Taschentuch an Stirn und Wangen zu führen. Unten im Hause auf dem moosgrünen Teppich wimmelte es. Es war fast wie eine theatralische Premiere nach Ablauf der toten Saison, wenn sich die Fcrienreisenden wieder zum erstenmal in der„Gesellschaft" treffen. Die Gesichter waren durchweg mit der sommerlichen Urlaubsbräune behaftet, die selbst dem Amtsstubcnhocker der Großstadt für kurze Zeit bäuerliche Art und Frische verleiht. Nur sind diese Bauern der Haut äußerst gesprächig. Sie stehen gruppenweise umher und konversieren. Den Konservativen sieht man die von den Liberalen entdeckte Zerschmetterung keineswegs an. Sie treten ebenso lebhaft wie selbstbewußt auf. Vollzählig sind die Führer da: der Graf Kaiiitz. der mit den Jahren iülmer nichr das Modell zu eineni Don Quichotte abgebeil kann, Liebers advokatisch-jkniffliche Erscheinung im altftänkischcn Rock, der ntassive, im Schweiß gerötete Eugen Richter, dem sein Urlaub während der Beratung der Zuchthausvorlage sehr gut be konimen zu sein scheint, Rickert, der sanfte Jmmcr-Rcgsame usw. Schärfere Beobachter vermissen eine Anzahl Landrätc. Nicht minder reichlich besetzt ist die Ministerbank. Vorn versucht Fürst Hohenlohe sich völlig in das dünne Polster seines Ledersessels zu verkriechen, die Augen gesenkt, das welke Haupt bald auf die rechte, bald auf die linke Schulter, schließlich tief auf die Brust gesenkt. Nur einmal erivacht er aus seinem sorgenvollen Nachdenken, in dem Augenblick. als das HauS in tosendes Gelächter ausbricht. Aufgeschreckt erkundigt er sich bei seinem?Zachbar Miguel nach dem Grund des Lachens und der offenbart es ihm, sich zu dem Kanzler beugend: Das hohe Haus hatte die Komik empfunden, daß der halbe Holländer Limburg-Stirum den Holländern die Vorteile vom Mittellnud-Kanal nicht gönnen wollte, ja sogar einen kleinen Ausbruch a n t i holländischen Nationalgefühls zu entfesseln bemüht war. Miguel selbst sah recht rüstig aus, aber er war ernster als gewöhnlich, fast finster; das häufige Fuchslücheln. das ihm eigen ist, fehlte, nur als der Graf Limburg von den drohenden neuen Steuern sprach, fauv der alte Bauernauflviegler sein Lächeln Ivicder, das man aus den Kariknmren der Witzblätter kennt. Sonst war noch Thielen da, der Landwirtschafts- minister v. Hammerstein, ferner Herr v. d. Recke, kreuzfidel, den Schädel so peinlich genau halbiert wie nur je. Brefeld, immernoch ein wenig böse von den Zilchthausdebatten her; der Kriegs- minister war durch einen Kommissar vertreten. Die kampslustige Stimmung der Konservativen zeigte, sich gleich darin, wie nian den Eisenbahnminister, den Eröffuungs- redner, gar nicht anhörte, sondern lauter und lauter sich unterhielt. Auch Herr v. Miqircl verschwand während der Rede Thielens, der niit dem Teniperament eines gemischten Zuges und der Gleichmütigkeit eines Billetknipsers seine Gründe für die Vorlage darlegte. Miguel erschien erst wieder, als Graf Limburg begann, und jetzt herrschte Ruhe im Hause. Sie verschwand wieder, als Herr v. Eynern namens der National liberalen für den Kanal sprach, und mit der Ruhe verschwand ein großer Teil der Konservativen selbst. Auch der andere ministerielle Redner, Herr Brefeld.— Miguel schwieg und Hohenlohe erhob sich zwar mehrmals, aber nicht, wie man erwartete, zum Reden, sondern Ilm zu probieren, ob er nicht entweichen könnte, was ihm bei seiner letzten spannungsvoll beobachteten„Erhebung" denn auch glückte— Brefeld wurde gleichfalls mit Unaufmerksam- keit wahrhaft überschüttet, was ihn in steigende Erregung versetzte. Er schien die Herren anzuflehen, doch ihm zu Liebe der Regierung keine Schwierigkeiten zu machen, sie sollten doch einsehen, wie fatal die Lage sei. Die Herren Agrarier blieben aber ungerührt. Sie haben's ja dazu! In konstituttonellen Staaten kann die Re- gierung auftrumpfen, wenn sie die Mehrheit der Bevölkerung auf ihrer Seite weiß! In Preußen geht das nicht; ohne die kleine, aber mächttge Partei" könnte sie selbst nicht bestehen. Es ist eine Zwickmühle: die Junker sind die Stütze des Ab- solutismus, aber der Absolutismus will hier gegen die funker. Was soll die arme Regierung thun? Sie ist, ach! nach eiden Seiten verantlvortlich. Dazu wirkt die Haltung der Agrarier diesmal sogar sympathisch, wenn man sie mit der des knochenerweichten Liberalismus vergleicht. Graf Limburg schloß seine Rede mit dem Hinweis auf die konstitutionellen Rechte. Der national- „liberale" Herr v. Eynern endigte die seinige mit einer ver- zückten Anbetung der„weitausschauenden Politik der Hohen- zollern". Der Liberalismus läßt sich von einer Uniform die militärische Rechtgläubigkeit seiner Stellung bezeugen, die Konservativen erklären: die Militärverwaltung könne hier nicht maßgebend sein. Es ist uns Socialdemokraten nicht gerade angenehm, in der Gesellschaft dieser Liberalen für den Kanal einzu- treten. Noch läßt es sich nicht sagen, wie die Entscheidung schließ- lich ausfallen wird. Ehe die Abstimmung über den grund- legenden§ 1 stattfindet, muß noch eine gewaltige Anzahl von Rednern erledigt werden. Die Argumentation erhebt freilich nirgends den Anspruch, überzeugen zu wollen. Wirklich angehört wurde außer dem Grafen Limburg, der sachlich nichts Ernsthaftes bot, nur die Redendes Grafen B a l l e st r e m, der mit derselben originellen Sorglosigkeit, mit der er im Reichstage seine Präsidiums-Kollegen abzu- schütteln pflegt, hier die stehenden Wünsche der Minister und die energischen der Krone abschüttelte. Graf Ballestrem sprach für die entschiedenen Centrums gcgner des Kanals, während Fritzen für die Kuhhandels- richtung der Ultramontanen in Lieberschen Orakelsprüchen „ohne Festlegung" die Angelegenheit erörterte. Am Donnerstag wird zuerst Richter für den Kanal sprechen. Wird er Ge- legenheit nehnicn, die elenden byzantinischen Spekulationen der liberalen und freisinnigen Presse zu geiseln? Ter jetzige Kanlpf ist jedenfalls für die Socialdemokratie von großein Interesse. Es liegt im Wesen des Kapitalismus, daß er überall Widersprüche erzeugt, Gegensätze schafft, Jnter- essen zersplittert. Das Agrariertum ist stark durch die preußische Tradition, durch persönliche Beziehungen, durch seine re- aktionäre Vorkämpferschaft für das herrschende Regiment und nicht zum mindesten-durch seine rücksichtslose Eni- schloffenheit. Wirtschaftlich ist es im Niedergang. Umgekehrt ist der liberale Jndustrialisnms ohne allen politischen Einfluß, feige, kurzsichtig, immer in irgend einer kläglichen Selbst- Verleugnung begriffen, aber die wirtschaftliche Entwicklung wägt ihn empor und macht ihn als Gebenden der Regierung angenehmer als die ewig fordernden Junker mit ihrer ans- sässigen Brutalität. Gerade Preußen ist berufen, die Eut- scheidungskämpfe zivischen Industrie und Landwirtschaft in immer schärferer Fonn zu erleben, und daran wird keine diplomatische Sammclpolitik etwas ändern. Der Kapitalismus spaltet durch seine eigenen Kräfte die kapitalistischen Parteien — und dieses Zerstörungswerk beobachten wir im kleinen bei der Kanalvorlage, um es demnächst im großen bei den Handelsverträgen wiederholt zu sehen. Zpolikische Mobevstchk. Berlin, den 16. August. Zur inneren Lage der Freisinnigen geht endlich ein Licht auf, daß sie— hypno- tisiert durch die kaiserlichen Kanalredcn— die politische Situation gänzlich falsch aufgefaßt haben. Die Unterschätzung der realen Macht des Junkertums, wie sie von den National- liberalen bis zu den Demokraten grassierte, ist ein Beweis einer unglaublichen politischen Verständnislosigkeit, die man in diesem Unisang selbst bei niedrigsten Ansprüchen nicht hätte für mög- lich hallen sollen. Unsere Vorhersage hat sich bereits erfüllt. Alach dcil Siegcshymnen, den schönen Spottliedern von demUmsall der Konservativen wimmern nun die Klagegesänge der„Düpierten". Die„Frankfurter Zeitung" hatte sich aus Berlin versichern lassen, in den beliebten„parlamentarischen Kreisen" gelte die Annahme der Vorlage für sicher. Die„Frei» sinnige Zeitung" säbelte von einer durch die Kaiser» reden bewirkten„Bestürzung der Kanalgegner". Und heute findet des Organ Eugen Richters die Lage plötzlich ver- worren: »Die Aussichten der Kanalvorlage sind viel ungünstiger, a I S b i s h e r a n g e ii o m m c n w n r d e. Das Wahrscheinlichere ist, daß aus der Vorlage nur der Dortmund-Rhein-Kanal zur An- nähme gelangt und daß der Mittollaiid-iVaiial abgelehnt wird. Auch für den' Dortmund-Rhciu-Kaiial ergicbt sich voraussichtlich nur eine knappe Mehrheit." „Als bisher angenommen wurde"— angenommen nämlich von den Naiven des Freisinns und den Byzantinern des Nationalliberalismus. Die Hochgefühle nach dem Tag von Dortmund schlagen nun in das entgegengesetzte Extrem um. und verzweifelt schreibt die„Freisinnige Zeitung": »Wie die Dinge liegen, glauben wir nicht, daß eS zu einer Auflösung kommen wird. Die Regierung wird sich löblich vor den Agrariern unterwerfen, sich mit der Bewilligung des DorUnund-Rhein-Kanals begnügen, Mini st er Thielen. der in diesem Falle zurücktreten wird, opfern, und weiterhin fortwursteln nach dem Herzen der Agrarier und der Parole des Bundes der Landwirte." Sollte nicht soviel Freisinn noch in diesen Leuten stecken, daß sie bei aller Begeisterung für den Kanal, die wir ver» stehen, nicht auch eine gewisse Genugthuung empfinden, daß die Angelegenheit sich so gestaltet hat? Freilich sie sind die Blamierten und dies Gefühl trübt den Blick. Im Grunde liegt in diesem Ausgang des Kanalhandels ein F o r t s ch r i t t; denn der Mittelland-Känal ist in der formalen Art seiner Entstehung, trotz des Gegensatzes im In- halt, genau so zu beurteilen, wie die— Zuchthausvorlage.— Gegen das Koalitionsrecht. Die Scharfmacherci für die Zuchthausvorlage ist bereits dahin gelangt, offen die Beseitigung der bestehenden Koalitions» freiheit zu fordern. Die neueste Nummer der Stummschen „Volkswirtschaftlichen Korrespondenz" sucht unter dem Scheine juristischer Objektivität nachzuweisen, daß die bestehenden Strafgesetze nicht ausreichten, um alle„Aus» schreitungen, die bei Koalitionen und Streiks vorkommen", zu bestrafen. Mit sophistisch- halsbrecherischer Logik, die Sinn in Unsinn verkehrt, kommt sie zu dem Schlüsse, daß der§ 152 der Gewerbe-Ordnung gar nicht alle Koalitionen der ge» werblichen Arbeiter freigebe, daß namentlich alle Machtmittel- streiks, überhaupt alle solche Streiks, die nicht unmittel- bar auf die Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingnngen gerichtet sind, nach wie v«r unter die noch be- stehenoen oder neu zu schaffenden landesrechtlichen Koalitionsverbote fallen. Das Organ erklärt ausdrücklich, die Einzelstaaten wären trotz des Z 152 der Gewerbe-Ordnung kompetent, neue Verbote und Strafbestimmungen gegen Koalitionen zu erlassen,„sofern nur die Freiheit der Verabredung und Vereinigung zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedinaunaen unberührt bliebe". Und die„Rechtsprechung" fordert sie auf,„festzustellen",„wie nach Z 152 der Gewerbe-Ordnung der Machtmittclstreik zum Beispiel in Preußen noch heute unter die landrechtlichen Verbotsbestimmungen fällt". Man richtet sich also für den Fall bereits ein. daß die Zuchthausvorlage vom Reichstage im Herbst abgelehnt wird, um dann von willfähigeren Faktoren noch mehr zu er- reichen, wie durch die Zuchthausvorlage. Deun wenn sich eine Regierung fände, die sich diese Jesuitenlogik aneignete und ihrem Landtage in der That eine nach diesem Plane auf- gebaute Vorlage machte, und wenn sich ein Landtag bereit fände, sie zu apporticren. und ein Gericht, die gewünschte Fest- stellung zu machen— dannwäre dieKoalitionsfreiheit thatsächlich vollständig beseitigt: denn so könnte sich die„Rechtsprechung" ebenso gut noch zu der weiteren Feststellung aufschwingen, daß jeder Streik ein„Machtmittclstreik" sei, insofern er die Unternehmer zwingen will, sich der Macht der Arbeiterkoalition zu beugen. Und was ist nicht alles möglich im Reiche der Social- reform I Wenn eine Regierung fähig ist zu behaupten, durch die Zuchthausvorlage werde die Koalitionsfreiheit nicht an- getastet, sondern die Rechte der Arbeiter im Gegenteil geschützt, Iveshalb soll sie nicht fähig sein, sich die Verdrehungslogik des Scharfmacher- Organs abermals anzueignen und eine Vorlage zur Beseitigung des Koalitions- rechtes an ihren Landtag zu bringen? Und beim preußischen Landtage könnte sie auf verständnisinniges Ent- gegenkommen wohl ebenso gut rechnen wie beim sächsischen. Und die„Rechtsprechung"? Was ist bei der nicht möglich! Bietet doch ihre neueste Geschichte Beispiele in Hülle und Fülle, daß ihr kein Ding zu schwer ist. So gut es in Deutschland möglich ist, daß das Organ maßgebender politischer Kreise die Schaffung neuer Koalitions- Verbote durch die Landcsgcsetzgebung fordert und die Gerichte zur Gültigerklärung der durch Reichsgesetz aufgehobenen Ver- böte auffordert, so gut ist es auch möglich, daß man die AuSfiihrung solcher Pläne versucht. Wir müssen auf alles gefaßt sein und wir sind gefaßt. Russische Reklamen? In Rußland scheint Herr Witte sich mit neuen Plänen zu tragen. Während sonst die russische Regierung sehr besorgt ist, daß über die Finanzlage des Zarenreichs nicht zu viel in die Oeffentlichkeit dringt, während sie sonst alle wirtschaftlichen Schäden möglichst zu vertuschen sucht, selbst wenn, wie bei der jetzigen Hungersnot in den Gouvernements Samara und Gerson, dadurch ein rechtzeitiges Entgegenwirken gegen die Notlage verhindert wird, hat sich Herr Witte plötzlich ver- anlaßt gefühlt, im offiziellen„Rcgierungsboten" ein längeres Communiquv zu veröffentlichen, in welchem er versucht, den Fall der russischen Staatsrente und verschiedener Dividenden- Papiere an den russischen Börsen als harmlos hinzustellen und ein gar wunderliebliches Bild der heutigen Wirtschaftslage zu zeichnen. Sogar der offenkundige schlechte Stand der Staats- finanzen wird schlechtweg abgeleugnet, und die diesjährige ärmliche Ernte, die einzelne der südrussischen Gouvernements mit einer noch schlimmeren Hungersnot bedroht, als die vor- jährige Ernte, wird ungeniert als„im allgemeinen befriedigend" bezeichnet. „In letzter Zeit", so heißt cs in dem Aktenstück,„wurde auf den russischen Börsen ein starkes Fallen vieler Papiere, besonders Dividendenpapiere, wahrgenommen. Tie Ursachen dieser Erscheinungen liegen zum Teil in der allgemeinen Lage des europäischen Geldmarktes überhaupt, zum Teil in den letzten Ereignissen des russischen handelsgewerblichen Lebens. Unter dem Einfluß des überaus bedeutenden Abflusses von Kapitalien nach dem fernen Osten und anderen Gebieten Asiens, Afrikas und Australiens und infolge der Belebung der industriellen Thätigkeit in den westcuropnischeu Staaten, die nicht wenig Kapitalien absorbiert, erfahren die Geldmärkte eine Beengung, die sich äußert im Preis st urz eines großen Teile's der Wert- Papiere, sogar erstklassiger, und in der Erhöhung des Diskonts. Der „Rea°eruugsbote" weist durch Ziffern und Belege auf ähnliche Ver» Hältnisse im Auslande hin und fährt dann fort: Eine derartige Lage auf den westeuropäischen Geldmärkten hat natürlich auch auf uns zurückgewirkt, doch nicht in dem Umfange, wie zu erwarten wäre. Der Preis der vierprozentigen Staatsrente ist gegen den höchsten Stand im März 1898 nur um 2l/4 Proz. gesunken, während sich der Diskont für Dreimonatswechsel von 4Vs Proz. im Juli 1897 auf.W., Proz. erhöhte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn Rußland bei der Papierwährung verblieben wäre, die gegenwärtige Lage des Weltgeldmarktes weit schroffer auf den russischen Geldmarkt rückwirken würde. Unabhängig von den erwähnten Ursachen allgemeinen Charakters haben auf unsere Börsen in allerletzter Zeit G e I d s ch w i e r i g- leiten einiger großer Unternehmer eingewirkt. Diese Schwierigkeiten erscheinen als natürliche Folge vorausgegangener Uebertrcibungen: die kürzlich erfolgte Belebung unserer Handels- gewerblichen Thätigkeit wurde von Börsenspekulationen und durch Gründung einiger Unternehmen begleitet, welche in ihrem Umfange den finanziellen Kräften d-r Gründer nicht entsprach. Anläßlich der augenblicklichen Sachlage bemerkt daS Finanzministerium, daß sich die Staatsrentei und die Staatsbank in aus- gezeichnetem Zustande befinden. Die Ernte ist nach den vorliegenden Meldungen im allgemeinen befriedigend. Freilich wird die dargelegte Lage der europäischen Geldmächte auch in Zukunft auf unfern Handel und unsere Industrie einwirken: allein in Anbetracht der an- geführten günstigen Bedingungen unseres inneren wirtschaftlichen Lebens kann nicht die Rede sein von der Möglichkeit deS Bestehens irgend welcher allgemeinen handelsgewerblichcn Krisis."— Und nicht nur dies. Fast zugleich mit dem Comnniuiqu< des Finanzministers ist ein kaiserlicher„Befehl" an letzteren erschienen, in welchem, nach einem Hinweis auf die in Bau begriffenen russischen Eisenbahnen, die„allen Nationen unzähligen Gewinn" bringen, die Eröffnung von Talienvan als Freihafen angekündigt wird mit den Worten: „Unermüdlich Sorge tragend ftir die allgemeinen Vorteile haben wir es für notwendig gehalten, nach Beendigung der Eiscnbahulime bis zu dem Hafen von Talienvan, diesen als Frei- Hafen für den ganzen Zeitraum des am 27. März 1898 zwilchen Rußland und China abgeschlossenen Pachtvertrages für die Handels- schiffe aller Nationen zu erklären und neben dem genannten Hafen eine neue Stadt„Dalnij" zu erbauen." Weshalb plötzlich diese unverlangte Rechtfertigung der russischen Wirtschaftslage, weshalb die väterliche Besorgtheit für den„Gewinn" und die Vorteile„aller Nationen"? Eine Besorgtheit, die sonst bei der russischen Regierung am allerwenigsten zu finden ist. Hat sie doch erst vor einiger Zeit die Verfügung erlassen, daß die Fahrten zwischen den europäischen und asiatischen Häfen Rußlands als Küstenfahrten anzusehen und als solche den unter russischer Flagge fahrenden Schiffen vorzu- behalten seien. Woher also mit einem Male die so ostentativ verkündete Wendung zu liberalen handelspolitischen Grund- sätzen? Sollte etwa Rußland in seinen Geldbeklemmungen an eine neue größere Anleihe denken, und die letzten Ver- öffcntlichungen im„Regierungsboten" nichts anderes sein als vorgeschobene„Börsen- Prospekte"? Dann würde so manches politische Manöver, das seitens der russischen Presse in letzter Zeit beliebt wurde, seine Erklärung finden, und auch Herrn Delcasses Reise erschiene im neuen Licht. Frankreich hat die zweifelhafte Freundschaft des russischen Kolosses schon so manches Milliönchen gekostet, vielleicht ist es dazu ausersehen. noch einmal den russischen Beutel zu füllen.— «» Deutsches Hieich. Geknickte Lieder. Patriotischen Sangesbrüdern in Solingen, die cS sich durchaus nicht nehmen lassen wollten, ihre treuen Unterthanengefühle in rauschenden Akkorden zum Himmel zu schreien, ist dabei etwas passiert, das zu den unvergeßlichsten Erinnerungen ihres Lebens zählen wird. Die dortigen Gesangvereine hatten gleich vielen andern zu Ehren des Kaisers manches schöne Lied einstudiert; natürlich, um sie dem Kaiser vorzusingen. Des Kaisers Ohren hatten aber an diesem Tage schon so viel Reden, Toaste, Hurras, Hochs, Musik- geschmetter und Kanonendonner ertragen müffen, daß der Monarch den begreiflichen Wunsch hatte, diese Genüsse auf das physisch er- trägliche Maß reduziert zu sehen. Als die Sänger eines oder zwei Lieder heraus hatten aus der patriotisch geschwellten Brust, bat der Kaiser um Schonung. Dem Dirigenten wurde das mitgeteilt. Doch der war nichr zu halten. Immer aufs neue gab er in seiner Gefühle Uebcrschwaug das Zeichen zum Singen. Und sie sangen! Eben soll es wieder losgehen, da fällt dem todesmutigen Dirigenten der Vertreter der Polizeibehörde in den Arm und ruft, unserem Elberfelder Parteiblatt zufolge: Wenn Sie jetzt noch nicht hören und das Singen nicht sein lassen, dann lasse ich Sie mitsamt ihre» Sängern ver- haften! Das war radikal, aber wirksam; der Ton im Halse blieb den Armen stecken und soll bis heut noch keinen Ausweg gefunden Kaden. Wenn der verhaltene Patriotismus nur nicht nach mncn ins Geblüt tritt und VergiftuiigSerscheinungen hervorruft I Eine Umrcdigiernng der letzten Kaiserrede stellt die„Rhein.- Wests. Ztg." fest: Danach hat der Kaiser in Dortmund nicht davon gesprochen, daß die Sorge wegen des Befindens seiner Frau„ihn zuerst zu dieser geführt" hätte, wie es beim„Wölfischen Bureau" heißt, sondern: „Ich wäre gern schon früher gekommen, wenn nicht der Un« fall meiner Frau mich verhindert hätte, früher nach hier zu fahren. Erst als ich mich überzeugte, daß ich sie ruhig verlassen durfte, habe ich mich entschließen können, diese Stadt zü besuchen." Wichtiger sind die Stelleu. die sich mit den scharfen Person- lich gehaltenen Auslassungen des Kaisers befassen. So sagte der Kaiser: „Er ist nur so aufzufassen in Verbindung mit dem großen Mittelland-Kanal, den in Angriff zu nehmen' und durchzuführen meine Regierung fest'und»nerschütterlich entschlossen ist," während es im offiziösen Wortlaut heißt: „Er ist aufzufassen in Verbindung mit dem großen Mitelland- Kanal, den zu bauen und zur Durchführung zu bringen m eine Regierung und ich fest und unerschütterlich entschlossen sind." Am Schlüsse sagte der Kaiser: „Den Rückhalt, der damals der Hansa fehlte, das in einem Willen geleitete Volk, besitzen wir durch die Gnade des Himmels und durch die Führung meines Großvaters. Daß dieses Werk mit voller Wucht durchgeführt werde, dafür werde ich stehen!" In der offiziösen Uebermittelung lautet dagegen der Schluß: „Was damals als Rückhalt der Hansa fehlte, ein starkes ge- cintcs, einem Willen gehorchendes Reich, haben wir durch die Gnade des Himmels und die Thaten meines Herrn Großvaters wieder errungen, und diese Macht soll auch für dieses große Werk mit voller Wucht eingesetzt werden, dafür werde ich stehen!" Einer der ältesten Parlamentarier, R. v. B e n d a, ist ge- starben. Er war— 1816 geboren— schon 1859 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und blieb sein Leben lang der ge- borene Mittelparteiler. Dem Reichstage gehörte er als National- liberaler seit seinem Beginn an. Er saß stets vorn auf der ersten Bank und zierte das Haus durch seine würdige Greisenerscheinung. die man fast als Greisen anmut bezeichnen konnte. In den beiden letzten Legislaturperioden fehlte er. Im preußischen Abgeordneten- hause hatte er es 40 Jahre lang auSgehalten.— Den triftigsten Grnnd gegen den Mittelland-Kanal /hat de hessische Landwirt Wiegand eurdeckt und die„Slaatsbürger-Zeitung" teilt es mit: „Vergrößerung der Umstmzgefahr durch das Ausbreiten der socialdemokratische» Ideen in den Wahlkreisen, die der Kanal be- rührt." Ergo: Durchschlagendes �Mittel gegen die Umsturzgefahr: Man schütte alle Kanäle, Flüsse, Seen und Meere zu. Eine staatsrcttcrische That hat die Polizei in Dresden wieder vollbracht. Dort hält sich zur Zeit ein Fräulein Jmle auf. eine ge- bildete Dame, die sich als Anarchistin aufspielt und in der letzten Zeit in verschiedenen Orten Deutschlands Versammlungen veranstaltet hat, in denen sie unter gewalttgem Wettern gegen die„versumpfte Socialdemokratie" für den Anarchismus die Werbetrommel rührte. Dieses harmlose Thun der noch sehr jungen Dame hat die DresdenerPolizei in Harnisch gebracht. Wie die„Sachs. Arbeiter-Ztg." berichtet, wurde Frl. Jmle am Montag früh, als sie noch schlief, durch den Besuch zweier Polizisten überrascht, die die Dame, nach- dem sie sich eilig angekleidet, mit zur Wache nahmen. Dort wurde sie einem langwierigen Verhör nicht nur über ihre Person, sondern auch über die' Verhältnisse der anarchistischen Bewegung und anderer Anarchisten befragt, dann heftetemanihr eine Nummer auf die Bruft undphotographierie sie wie einen gemeinen Verbrecher! Wo nimmt die Polizei das Recht zu solchem Vcrfobreu her gegen Personen, die nicht das Geringste ver- brachen haben? Gemütvoller Agrariersttl. Die„CamminerKreisztg." brachte vor einigen Tagen in ihrer Nummer 92 folgendes Inserat: Suche 20 Arbeitsleute für die Dreschmaschine, Tagelohn 8 M., Soff und Fraß frei. Franz Krüger in Pribbernow. Wenn Soff und Fraß dem Stil angemessen ist, dann Gnade den annen Opfern!—_ Dritter Ziontstcn-Kongrest. Aus Basel. 15. August, wird uns berichtet: Gegen 10Vs Uhr vormittags wurde der Kongreß durch Redacteur Dr. Herzl-Wien eröffnet. Der Kongreß wolle über das Wohl der gesamten Judenheir beraten, es set das nicht bloß das Recht, sondern auch die Pflicht der Judenschaft.(Stürmischer Beifall.) Gerade als der vorjährige Kongreß tagte, sei der be» kannte FriedenSruf des Kaisers von Rußland erschienen. Der Zionisten- Kongreß sei die erste Körperschaft gewesen, die dem Kaiser von Rußland für diese seine hochherzige That den Dank äibermittcln konnte. Es sei auch bekannt, daß im vorigen Jahre der deutsche Kaiser die Gnade hatte, eine Abordnung derZionisten-VereiNigung zu empfangen.(Stürmischer Beifall.) Schon diese Thatsache allein sei von größter Bedeutung. Der geniale deutsche Kaiser habe nicht die Abordnung eines Koloni- sierungSkomitees, sondern eine Abordnung deS Zionistischen AktionS- komitees empfangen, von den Besttebungen der Zionisten Kenntnis genommen und eine Förderung dieser Bestrebungen zugesichert. (Stürmischer Beifall.) Durch den Empfang einer Abordnung des Zionistischen Aktionskomitees habe der Zionismus eine Legalität erlangt, die man bei dem Sultan gellend machen miiffe. Die Bemühungen der Zionistischen Leitung feien darauf ge« richtet, einen Charter von der türkischen Regierung zu erlangen, einen Chatter unter Souveränität des Sultans. Das Massen- elend der Juden habe einen fürchterlichen Umfang an» genommen. Die große Not habe sittliche Vewahrlosuug sowie den Verlust von Ehre und Freiheit im Gefolge. Die jetzigen Zustände der Juden können nach drei Wegen führen. Ter eine wäre das dumpfe Ertragen von Schimpf und Not. Der andere die Auflehnung, die Feindschaft gegen eine stiefmütterliche Ge- sellschaft. Unser Weg ist der dritter Aufschwingen wollen wir uns zu einer höheren Stufe der Gesittung. Wohlfahrt verbreiten, dem Verkehr der Völker neue Straßen bauen, und für die sociale Gerech- tigkeit einen Turchbruch suchen. Und gleichwie unser lieber Dichter aus seinen Schmerzen Lieder schuf, so bereiten wir auS unseren Leiden einen Fortschritt der Menschheit, dem wir dienen.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Es wurden hierauf Herzl(Wien) zum ersten Präsidenten, Reverend Dr. Gastcr(London) zum ersten, Prof. Tr. Mandelstamm (Wien! zum zweiten Vicepräsidenten gewählt. Max Nordau- Paris sprach hierauf über die a I l g e n: e i ne Lage der Juden. Er äußert die Ueberzeugung, daß die Eiszeit der Juden noch sehr lange dauern werbe. Der Zionismus ist das einzige Machtmittel, das der Verfolgung und Rechtlosigkeit der Juden ein Ende machen kann. Wenn alle Juden, d. h. 10 Millionen Menschen, wenn auch über die ganze Erde zerstreut, ihre ganze sitt- liche Kraft für den Zionismus in die Wagschale werfen, dann ist das eine Macht, mit der realistische Staatsmänner rechnen müssen. Den größten Feind hat der Zionismus unter den Juden selbst.(Stürnnscher Beifall). Ich will aber den Kleingeistern und Kurzsichtigen verzeihen und auch den jüdischen Aut.iemiien mildernde Umstände zubilligen, die mit demselben Heldenmut, mit der ihre Vorfahren die Folterbank und den Schettrrhaicfey. betreten haben, um für ihren Glauben zu sterben, ihre Religion verleugnen, um auf einem adligen Ball tanzen oder einem verschnldcten Herzog Darlehen gewähren zu können.(Stürmischer Beifall.) Wir wollen laut und vernehmlich unsere Stimme erheben und allen Miseren Glanbensgenossen zurufen: Schatt Euch um daS Banner des Zionismus, dann kämpft Ihr für die Gleichberechtigung. Freibeit und die Ehre des jüdischen Volkes.(Stürmischer, laug anhaltender Beifall und Hochrufe aus Nordau.) In der N a chni i tt a g s- S i tz un g wurde der Bericht deS Aktionskomitees erstattet. Diesem war zu entnehmen, daß die zionistische Bewegung um 25 Prozent, in Rußland um 30 Prozent sich vermehrt haöe. Der sehr umfangreichc Bericht ichließt mit dem nochmaligen Hinweis auf die ausdrückliche Versicherung des deutschen Kaisers, die zionistischen Bestrebungen unterstützen zu wollen. Ai« den Bericht schloß sich eine sehr lange Besprechung. Zu be- merken ist noch, daß 120 ZeitungSbcttchterstatter ans allen Teilen der Welt auf dein Kongreß aiiwefeild sind. Ausland. Serbien. NlexaudcrchcnS Großmut. König Alexander hat aus Anlaß feines Geburtstages 117 wegen verschiedener Verbrechen verurteilte Personen begnadigt.— Amerika. Aufstand auf Haiti. Nach Telegrammen, die aus Pottonco in New Pott eingelaufen sind, soll bei der Regierung der domini- kanischen Republik die Meldung eingegangen sein, daß die Regierungs- truppen die Insurgenten völlig geschlagen und vernichtet haben. Die Regierung betrachte den Kampf'als das Ende des von Jimenez an- gestifteten Aufstandes. Die Nachricht ist mit Borsicht aufzunehmen. Selbst wenn die Insurgenten eine größere Schlappe erlitten haben sollten, darf daraus nicht ohne weiteres auf eine Beendigung der Unruhen geschlossen werden. Es giebt auf Haiti wie auch in der nordamerikaniscben Union sehr einflußreiche Elemente, die auf eine Amicktion der dominikanischen Republik seitens der Vereinigten Staaten hindrängen und die deshalb ein lebhaftes Jnteresic daran haben, die aufständische Bclvegung nicht zur Ruhe kommen zu lassen.— Afrika. Die TranSvaalkrisiö. NaS den letzten Nachrichten bleibt die Lage unveräudett. In Kapstadt ist noch immer keine Antwort der Transvaal- Regierung eingetroffen. Wie das„Reutersche Bureau" meldet, hat der„Ausführende Rat" gestern vormittag in Portorico eine Sitzung abgehalten, doch verlautet bisher nichts über die Be- schlüsse, die gefaßt worden find. Unterdessen setzen die Transvaal- Republik und England ihr« Rüstungen fort. AuS Pretona ist an die Feldkornets der Befehl ergangen, die Mattini- Gewehre gegen Mauser-Gewehre einzutauschen. Ebenso trifft England weitere Vorbereitungen. Wie schon gestern unter„Letzte Nachrichten" gemeldet wurde, ist General Frederick Forestier- Walcker, Kommandeur der Truppen von Devouport, früher Befehlshaber der britischen Truppen in Aegypten, zum Kommandeur der Streitkräfte am Kap ernannt worden. Er wird sich unverzüglich nach der Kapstadt begeben. Die Nachttcht, die portugiesischen Behörden hätten 15 000 Ge- wehre, die der deutsche Dampfer„Reichstag" für Rechnung Trans- vaals an Bord gehabt hätte, mit Beschlag belegt, wird jetzt für unrichtig erklärt. Der Dampfer hatte überhaupt keine Gewehre au Bord.'400 Kiste» Patronen, die er mitbrachte, wurden ohne jede Beanstandung gelöscht.— China. Französische Annrktio».„Daily Mail" berichtet aus Hang- long: Der„Macaocr Zeitung" zufolge besetzte Frankreich die westlich von Macao gelegene Insel San-tschou zur Geltendmachung seines Rechtes auf die Provinz Kwaugtung, falls die Teilung Chinas stattfinden sollte. Macao liegt in nächster Nähe des btttischen Hongkong. Dia Insel San-ffchou bcherricht die Mündung des Hsi-kiang. der den Zugang zu der chinesischen Provinz Kwangtnng bildet. Durch die Besetzung der Insel San-tichou sichert sich Frankreich diesen Zugang. Ucbrigens ist»Daily Mail" wenig zuvcrlüffig.— In der Majcstäts- BeleidigungSsache des Genossen Müller in Magdeburg macht das Hamburger„Echo" auf zwei wertvolle Beweismittel für die Schuldlosiglcit Müllers aufmerksam. Es sind dies zwei Ansichts- Postkarten, die Müller vom Harz aus an den Genossen Philipp Hoock in Hamburg gesandt hat, und zwar zu der Zeit, als die inkriminicttcNummer der„Magdeburger Volksstimme" erschienen ist. Die erste Postkarte wurde am 24. 7. 98 vom Brocken abgesandt und enthielt die Mitteilung Müllers, daß ihm seine Ferien gut bekommen und er in Elbingerode den alten Partei- genossen Mattbies angetroffen habe, von dem er einen Gruß be- stellen solle. Die zweite Postkatte ist von Müller und Metzger, die sich auf dem Brocken befanden, gemeinsam unterzeichnet, vom 1./8. 98 datiert und mit dem Posteiulieferungsstempel„Brocken 2./8. 98" versehen. Diese Ansichtspostkarten unterstützen die Bekundungen Metzgers über dessen Zusammentreffen mit Müller im Harz in der Zeit kurz nach dem Erscheinen des inkriminietten Artikels und be- weisen, daß Müller sich zur Zeit des Erscheinens des Artikels im Harz befand, denn der Artikel ist erst einige Tage nach dem 24. Juli, an welchem Müller die erste Karte aus dem Harz schrieb, veröffentlicht worden. Im Wahlkreis Frankfurt-LebuS beruft der Vertrauensmann die diesjährige Kreiskonferenz auf Sonntag, den 20. August, mittags 1 Uhr, in Neu-Langsow ein. Auf der Tagesordnung steht: 1. Berich! deS Kreis-VettraueiismanneS. 2. Bettcht der VertraucuSlcure der einzelnen Orte in, Kreise. S. Agitation. 4. Stellungnahme zur Provinzialkonferenz in Berlin. 5. Stellungnahme zum Parteitag in Hannover. 6. Wahl eines KreiS-Vertraucnsnianncs. Die internationale Zusammenkunft von Socialdemokratru, welche an, Sonntag in St. Gallen stattfand, war aus der Schweiz, Baden, Württemberg, Bayern und Vorarlberg von zu- sammen etwa 200 Genossen besucht. Genosse Greulich, der am Vormittag die Festrede halten sollte, konnte leider nicht erscheinen. Es sprachen dann mehrere andere Genossen in kurzen Worten, be- sonders wirkungsvoll Genosse K e i l« Stuttgart, der St. Gallen als historischen Ort in der Geschichte der deutschen Socialdemokratie feierte, da 1887 hier resp. im benachbarten Sckiönenwegen unter dem Socialistengesey der Parteitag abgehalten wurde. Dann sprach er von der internationalcn Verbrüderinig dcr Arbciterschaft aller Länder und über den Jndisserentiömus als hartnäckigsten Feind gegen die Ausbeutung der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Schließlich forderte er die freie, unentgeltliche Schule bis hinauf zur Universität, die jedem Strebsamen offen stehen soll, denn eine gute Schulbildung sei das beste VcrniächtNis, daS Unbeniittelte ihren Kindern hinter- lassen können. Es sprachen noch von schweizerischen Genossen die St. Galler BezirkSrichter Kellenberger und !kantonSrat Oswald und von den erschienenen ausländischen Genossen Krohne-Kon stanz. Der Nachmittag wurde in ge- inüilicher Unterhaltung verbracht.— In Rennes. lieber die Ereignisse am Montag berichtet unS unser Korrespondent aus RenneS vom lt. August: Ei» düstrer Morgen! Und wie düster sind gleich die ersten Nachrichten! Kaum hat man den Saal betreten und sich gegen- seitig begrüßt, als der Präsident der Preffcvcrcinigung am Eingang erscheint und um einen Arzt sür einen Verwundeten bittet. Es handelt sich, fügt er hinzu, um den Meister Labori, der soeben das Opfer eines Mordanjchlags geworden ist und eine Kugel in den Nücke» erhalten hat. Der ganze Saal hallt wieder von einem einzigen Schrei der Entrüstung und des Schmerzes. Jeder wendet sich gegen die vcr- autwortlichen Urheber dieses Attentates, gegen die Mitglieder der nationalistischen Preffe, die unter der Verachtung der ehrlichen Leute schier zusanrmeubrechen. Aber es verlautet, daß die Wunde des hervorragenden Advokaten schr leicht ist. Und man hofft fest, ihn zu sehen, als daS Kriegs- geeicht inmitten einer unbeschreiblichen Bewegung eintritt. Aber die Bank der Verteidigung bleibt leer; nur Meister Dcmange erscheint nach einigen Ptinulcn in Begleitung seines Sekretärs. Der Oberst Jouaust spricht sich zuerst mißbilligend aus über die Kundgebung gegen den General Mercier vom vorigen Sonnabend. Seine Drohung, selbst die Prcssebank räunien zu lassen, bleibt ohne Wirkung; aller Augen wenden sich nach der Bank des Meisters Labori und aller Gedanken fliegen zu dem Opfer des abscheulichen Attentats. Meister Demange erzählt das draußen begangene Ver- brechen mit zitternder Stimme und verlangt die Unterbrechung der Sitzung. Das Kriegsgericht zieht sich zurück. Man umrnigt die Leute, die von draußen kommen, und fragt sie ängstlich aus. Die widersprechendsten Gerüchte laufen um. Schließ- lich berichtet ein Kollege offiziell über den Zustand des Verwundeten: Er ist schlimm. Eine Kugel hat ihn in den Rücken getroffen und ist in der Gegend des Rückgrats zwischen dem fünften und sechsten Wirbel eiiigcdrungen. Man befürchtet, daß die Lunge getroffen oder das Rückenmark verletzt ist. Man berichtet, daß der große Advokat Blut speit. Bei ihm befinden sich mehrere Aerzte, u. a. Paul Reclus und Briffot. Die Entrüstung wächst bei diesen Nachrichten. Man umringt Arthur Meyer, den Direktor des„Ganlois", der bleich auf seinem Sitze den Eindringenden zu erwidern versucht, daß alle Welt vcr- antwortlich sei. Aber alle Jounralisten schreie» ihm zu: Sie sind verantwortlich, S i e sind der Mörder. Die Stöcke werden erhoben, und der kahle Schädel Arthur Meyers ist stark bedroht, als die»vacht- habenden Gendarmen dazwischen treten. Auf der Straße schießen die Antisemiten mit Revolvern, und drinnen entwaffnet man die Journalisten deS Kriegsgerichts selbst von Regenschirmen. . Bei per großen Erregung ist eS leicht begreiflich, daß der Wieder- eintritt deS Kriegsgerichts inmitten allgemeiner Unaufmerksamkeit geschieht und daß man der Gegenüberstellung von Casimir Perier mit General Mercier nur geringes Interesse entgegenbringt. . frühere Präsident der Republik wendet seinem früheren ÄriegSminister geflissentlich den Rücken; er betrachtet ihn verächtlich und entlarvt einige seiner Lügen mkt großer Bitterkeit. Für einen Socialisten ist daS wirklich ei» interessanter Anblick, wie diese beiden Personen, der�eine, Casimir Perier, der Vertreter des industriellen und Finanz-Feudalismus, der andere. General Mercier, der Vertreter des Militarismus, wie sie sich vor dem Publikum mit den Augen verschlingen und sich gegenseitig die Masken abreißen, da doch ihre Privilegien wie die bürgerliche Gesellschaft, in der sie leben, ihre Kraft und ihr Gedeihen nur in ihrem Einverständnis finden können. Das ist ein Zeichen des Verfalls der bürgerlichen Gesellschaft, das wir aufzeichnen wollen. Erwähnt sei hinsichtlich des Briefes von DrehfuS, von dem ich gestern sprach und worin DreyfuS über das Versprechen des Präsidenten der Republik wegen des Ausschlusses der Oeffentlichkcit sprach, daß hierüber Casimir Perier von Demange Genugthnung erhält. Ter Advokat hatte dem Angeklagten Versprechungen gemacht, lind der einzige Schuldige ist er. Ter General Billot wird dann vorgerufen. Er erzählt die Geschichte der Affaire Drevfns, wobei er einige Bosheiten gegen den Oberstleutnant Picquart einstreut, und zum Schluß läßt er seine Zweifel an der Schuld des Angellagten durchblicken. Für ihn kommt feine Zeiigenschaft zu früh; denn noch ist der Ausgang des Prozesses »ngetvlß, und er mag sich nicht sür das eine oder das andere der beiden feindlichen Lager entscheiden, um sich mit den Siegern ver- tragen zu können. Der frühere Minister Cavaignac erscheint, finsterer als je. und erörtert seinerseits die Gründe, weshalb er an die Schuld des DreyfuS glaubt. Natürlich spricht er nicht von den drei Fälschungen, die er auf der Kanimertribüne vorgetragen. Seine Ueberzeugnng beruht jetzt auf dem Bordaeau, und er stützt sich auf eine neue »och unbekannte Tumnihcit des Sachverständigen Bertillon. Das meist« ist erfunden, und man kann von ihm sagen: Er versteht zu lügen, tvie ein General. AIS er schließt, fährt DreyfuS heftig aus ihn ein und schreit ihm zu:.Da Ihre Meinung ans drei Fälschungen beruht, bin ich erstaunt, wie Sie es wagen können, heute noch als Ankläger aufzutreten 1" Er h a t eS gewagt, der frühere Minister Eovaignae. Dann kommt Z urlin den, straff, wie auf der Parade, und giebt Erklärungen ab. Von der Verteidigung gedrängt, gesteht er schließlich ein, daß daS Bordcrcau erst nachträglich, nach der Ver- urteilnng von 1Sö4 ernsthaft geprüft worden ist. Das ist unbewußte Dummheit. Und jetzt der General Chanoine-Jaonac I Man sieht neugierig auf diesen Neinen General mit dem hüpfenden Gang, wie er lächelnd auf den Zcugensland erscheint. Als er mit jenem Genie- streich in verräterischer Weise daS Kabinett Brisson verließ, erklärte er. daß Drrhftis schuldig sei. Heute weiß er nichts, hat er nichts gesehen, ja er lennt nicht einmal daS geheime Dossier, Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte erklärt, er höre jetzt den Namen DreyfuS zum erstenmal«. Die Haltung aller dieser Generale ist abscheulich. Haben sie denn gar nichts Menschliches, daß sie es wagen, hier aufzutreten und beständig einen Mann zu belasten, von dem sie wissen, daß er un- schuldig ist; ergreift sie nicht ei» Zittern angesichts dieses leidenden Menschen, der dort auf einem Stuhle sitzt und Gerechtigkeit und Wahrheit verlangt? Wahrlich I Der Ehrenname Mensch ist mit dem Berufe solcher Soldaten nicht zu vereinigen. De Hanotaux, der früher« Minister de««iiSwättigen. hatte nickts zu sagen. Er erklärte sich über den diplomatischen Zwischen- fall von 1804, und versuchte ein wenig Gift in seine Aussage zu streuen; seine gewöhnliche Unbedeutendheit. seine Unbeholfenheit in der Rede hat ihm den ganzen Geschmack au seiner Aussage ver» dorben. ?i» Summa: Dieser Tag. von dein man so viel erwartete, ast nichts gehalten. Die Ursache ist das Attentat auf Labori. Dieser hervorragende Verteidiger hätte ein zermalmendes Kreuz- Verhör mit dem General Mercier angestellt. Man sah voraus, daß der ftühere Minister durch die Dialektik des Verteidigers geradezu zerstückelt werden würde. Und die Nationalisten wußten das sehr wohl. Das ist das Geheimnis ihres Verbrechens. Sie hatten 1894 die Verteidigung unterdrückt, heute beseitigen sie die Verteidiger. Man glaubt an ein vorbereitetes Komplott. Der Mörder, der von hinten auf Labori schoß, hatte sicher Mitschuldige. Die drei Individuen, welche die einsame Stelle passierten, Ivo Labori lag und die bei seinen Hilferufen taub blieben, waren sicherlich Mit- schuldige. Auch der Stroch, der sich als Student der Medizin ausgab und sich über den Verwundeten neigte und ihm die Papiere aus der Tasche stahl, war ein Mitschuldiger. Die öffentliche Meinung hat sich nicht täuschen lassen. Als man gegen Mittag ans dem Kriegsgericht herauskam, wurden ge- wisse' Journalisten angespieen und Mörder gescholten. Gegen Jndet vom„Petit Journal" ging man vor, und nur unter dem Schutz von vierzig seiner Kollegen gelang es ihm, mit zwei gleich- gesinnten Wichten sich zu flüchten. DrehfuS wirb sicherlich viel verlieren, wenn er nicht durch die kraftvolle Beredsamkeit und unwiderstehliche Dialektik Laboris ver- tcidigt wird. Seine Gegner wußten das wohl. Aber schließlich muß die Wahrheit durchdringen. •• Am Mittwoch wurden die Verhandlungen des Kriegsgerichts fortgesetzt. Keine Vertagung! Die Sitzung wurde um 6>/s Uhr eröffnet. Nachdem DreyfuS Platz genommen hat, bittet sein Verteidiger Demange ums Wort und erklärt, daß man vorgestern, als sein tapferer Kollege durch die Kugel eineS Mörders verwundet worden sei, nicht wissen konnte, wie ernst die Verwundung sei, daß aber heute die Aerzte hoffen, Labori werde am nächsten Montag soweit hergestellt sein, daß er an den Ver- Handlungen wieder teilnehmen könne. Demange beantragt deshalb, die Sitzungen bis Montag zu vertagen. Ich habe, so erklärt er, nicht nur einen Ankläger vor mir. Wir haben schon zwei Anklagereden gehört und werden' noch weitere hören, es ist daher natürlich, daß die Ver- teidignng geteilt wird. Der Ncgicrungökommissar erividerte, daß ihm das Gutachten der Aerzte Laboris vorliege. Dieselben hielten eS nicht für unmöglich, daß Labori am Montag wieder zu den Verhandlungen kommen könne. Die Vertagung bis Montag würde für daö öffentliche Interesse von Bedeutung sein, selbst wenn Labori bis Montag wieder hergestellt sei. Die ganze Welt warte. Man könne die Affäre nicht bis ins Unendliche verlängern. Die Verteidigung sei in guten Händen, was auch Dcmange sagen möge. Er beantrage daher den Fortgang der Verhandlungen. Demange entgegnete, Labori trage einen Teil der Ver- antwortlichkcit für die Verteidigung und er könne nur dann nützlich in die Debatte eingreifen, wenn er alle Zeugen selbst ge- hört habe. Das Kriegsgericht zog sich zur Beratung zurück. Nach dem Wiedereintritte teilt der Vorsitzende mit, daS Kriegsgericht habe einstimmig beschlossen, die Verhandlungen nicht zu vertagen, die übrigens nach dem Gesetze auf höchstens 48 Stunden ausgesetzt werden könnten. Der frühere Kolonialminister Lebon erschien in Begleitung von Delaroche-Vernet. DaS Zeugenverhör wird fortgesetzt. Der frühere Justizminister Gueri» teilt mit, wie er Ende 1894 zum Ministerpräsidenten Dnpuy gerufen wurde, bei welchem Mercier iveilte und das Verschwinden von Schriftstücken ans dem General- stab mitteilte. Nach einer Untersuchung sei der Verdacht auf Drcyfus gefallen. Der General war überzeugt, daß DreyfuS der Verräter tei und er gründete seine Ueberzeugung aus drei That- sackien und zwar ersten«: das Bordereau: zweitens: die Art der ausgelieferten Dokumente; drittens: das Diktat Du Paty de ClainS. Guerin erzählt sodann, wie durch Schriftvergleichung der Ur- Heber des BordereauS gesucht worden. Diese Nachforschung habe noch kein Ergebnis gehabt, als Oberst Fabre ausgerufen habe:„Daß ist ja die Schrift des Hauptmanns Dreyfus!" Weiter erzählte Gusri» die bekannten Vorgänge bei der Schristenprüfting. In einem be- sonderen Ministerrat am 1. November verlangte General Mercier die Ermächtigung zur Einleitung des Verfahrens gegen Dreyfus, machte jedoch nur von dem Bordereau Mitteilung. Der Minister- rot war einmütig dafür bis auf Minister Hanotaux, der einige diplomatische Vorbehalte machte. Es wurde beschlossen, daß, falls das Verfahren mit der Verweisung vor ein Kriegsgericht enden sollte, keinen Namen zu nennen, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Von geheimen Schriftstücken habe er in dieser Zeit niemals gehört, sondern erst während des Zola-Prozesses; ebenio wußte er nichts von den Geständnissen des DreyfuS gegenüber Lebriin-Renault. von denen er lediglich durch die Blätter erfahren habe. Mercier habe darüber dem Ministerrate nichts mitgeteilt. Der Vorsitzende fragt: Haben Sie den Schriftexperten Gobert bezüglich der Trcyfus-Affaire bei sich empfangen? Gobert soll Sie, aiif die Uhr zeigend, darauf auftnerksam gemacht haben, in dieser Stunde begehe man einen schweren Fehler. Sie sollen nicht geant- wortet, beim Weggehen jedoch Gobert gegenüber beinertt haben, daß er völliges Schweigen beobachten solle, da die Regierung die VerratSaffaire geheimhalten wolle; da man Indiskretionen, besonders von der»Libre Parole" befürchtete, weil der verdächtige Offizier Jude sei. Guörin crividert, er könne sich nicht entsinnen, ob er Gobert empfangen habe, habe jedoch die ihm zugeschriebene Aeußcrung nicht gemacht. Es folgen die Aussagen des früheren Kolonialministers Lebon. Der Rrgicrnligskommifsar erklärt, er habe Lebon laden lassen. weil er Millrilnngen von moralischem Wert machen könne und auch weil seinem Erscheinen wegen der gegen ihn gerichteten Prcßangriffe Interesse beigemessen werde. Lebon: Er und seine Kollegen seien, als sie bezüglich des RevisionS- verlangen« um ihre Intervention angegangen wurden, dafür ge- wesen. daß sie ihre Rechte als Mitglieder der Regierung nicht an die Stelle des Gerichts setzen dürften. Seine Achtung vor der ab- gcurtcilten Sache und vor dem Urteil des Kriegsgerichts von 1894 ;ei auch durch seine persönliche Meinung über die Schuld des An- geklagten gestützt worden. Bezüglich der gegen den Gefangenen auf der Teufels-Jitzel ergriffenen Vorsichtsmaßregeln erklart Lebon, daß er m i t b e st e»i G e w isfe n, wenn er diese Maßregeln noch einmal z u ergreifen hätte, nicht zögern würde, dieszuthun. Lebon sagt weiter aus: Den Wehler- Brief habe ich ftir authentisch gehalten, ebenso Picquart; erst lange nachher hat Picquart die Ueberzeugung erlangt, daß er eine Fälschung sei. Ich habe Weisung gegeben, die Briefe des DreifuS in Abschrift mitzuteilen. Major Carridre fragt, ob Dreyfus Briefentlvürfe gemacht habe. Lebon: Das ist richtig. DreyfuS machte vielfach Entwürfe. bevor er den endgültigen Brief schrieb. Demange: Eine Ueberraschnng folgt der anderen; gestern klagte ein Zeuge an, heute verteidigt sich ein anderer, indem er sagt, daß fem Gewissen ruhig sei. Ich überlasse ihn dieser Gewissens- ruhe, aber ich muß fragen, ob eS denn so erstaunlich ist. daß dieser Mensch auf der einsamen Insel täglich seine Gedanken zu Papier brachte. Ich frage, warum man Dreyfus den alten Weyler-Brief in einer Imitation zuschickte? Lebon: Ich konnte da« Original nickt hergehen. Ich erkläre. baß kein Beamter der Kolonialverwaltung einen Augenblick daran gedacht hat, den Angeklagte!« die Grausamkeiten erdulden zu lassen, von denen man gesprochen hat. Vorsitzender zu DrcyftlS: Haben Sie den in Frage stehenden Brief erhallen, und welchen Eindruck hat er auf Sie gemacht! DreyfuS: Ja, aber ich habe nichts davon verstanden.(Be wegung.)*'■- Der Gerichtsschreiber verliest darauf den bereits veröffentlichten Brief des Kolonialministeriums, der auf die Zuhörer großen Ein- druck macht. Lebon bestreitet den Inhalt dieses Dokuments nicht, aber er sei parteiisch. Man spricht von der aiigegriffencn Gesundheit des Angeklagten. Der zuständige Arzt hat nnr hiervon niemale Mit- teilnng gemacht, sonst würde ich nicht gezögert haben, anzuordnen, daß Dreyfus behandelt werde, wie jeder andere Kranke. Man hat mich mit Ueberlegung„Henker" geuamit.(Anhaltende Bewegung.) Vorsitzender zu DrehfuS: Haben Sie noch etwas zu sagen? DreyfuS: Nein, ich will hier nichts von den abscheulichen physische» und moralischen Leiden sprechen, welche ein Franzose einen Unschuldigen hat erdulden lasse».(Lebhafte Bewegung.) Ich bin hier nur, um meine Ehre zu verteidigen, werde also nicht von meinen Leiden sprechen. DreyfuS spricht diese Worte mit erhobener Stimme. Lebon setzt sodann die Gründe auscinauder, weshal er so strenge Vorsichtsmaßregeln ergriffen habe. Ein Telegramm nach Guyana sei nicht an seine Bestimmung gelangt. Es stellte sich heraus, daß es auf einer englischen Linie verschwunden war. Dieser Vorfall und noch andere zeigten an. daß man zu Gunsten deS Drcyfns etwas unternehmen wollte. Schließlich wurde angeordnet, daß bei der geringste» verdächtige» Bewegung auf DreyfuS geschoffen werde» solle.(Vcivcgimg.) Frau Henry sagt, ihr Mann habe eines Tages eine Rolle durchsichtigen Papiers gezeigt und sei bald darauf mit einem wiederhergestellten Schrift« stück aus dem Nebenzimmer gekommen. Am nächsten Morgen sagte er, daß er schnell zum Obersten Sandherr müsse. Auf Frage des Vorsitzenden erwidert Frau Henry, ihr Mann habe nicht gewußt, von wem das Bordereau war. Den Namen DreyfuS habe er nicht genannt; er bemerkte indessen, daß ich vor- läufig nicht von der Sache sprechen solle; eS handle sich um einen unglücklichen Familienvater. Vorsitzender: In den« letzten Brief, den Ihr Mann vor seinem Tode an Sie richtete, sagte er: Welches Unglück, so einem Elenden begegnet zu sein! Fron Henry: Nein, das hat er nicht gesagt, sondem: Du weißt wohl, in wessen Interesse ich gehandelt habe. Vorsitzender: Wen»»einte er da»«it! Fran Henry: Er meinte niemand. Er hat im Jnteresie deS Landes handeln wolle». Seit 33 Jahren hat er nur im Interesse des Landes, des Vaterlandes, gehandelt. Wenn er eine Fälschung be- ging, so geschah eS wegen der Treibereien des Obersten Picquart und um die Ehre der durch das Ucbelivollen ihrer Feinde kompro- «nittiei-tcn Annce zu retten.(Andauernde Bewegung.) Vorsitzender: Haben Sie von einem Brief Henrys an Esterhazy gehört? Fran Henry: Nein l Die Zeugin kehrt, den Angeklagten fest anblickend, auf ihren Platz zurück. Der nächste Zeuge, Geueral Noget, erklärt, gegen Esterhazy liege keine andere Beschuldigung vor als die Aehnlichkeit der Schrift. Das Urteil des Kassationshofes stütze sich auf das Geständnis Esterhazhs als � Urheber des Bordcreaus, aber die Geständnisse Esterhazhs seien wechselnd. Welin Esterhazy dem Nachrichtendienst Dienste� leistete, so müßten die Spuren davon in den Abrechnungen zu finden sein. Das sc« nicht der Fall. Erst später sagte Esterhazy. daß er das Bordereau auf Befehl des Obersten Sandhcrr geschrieben habe. Ich kannte Sandherr und behaupte, das ist falsch. Sandherr war absolut un- fähig, einen solchen Befehl zu erteilen. ES ist ferner unmöglich, weil Sandhcrr die letzte Person wäre, welche von den« Bordereau Kenntnis erhielt, welches aiif dem gewöhnlichen Wege hcrbeigebracht wurde. Das Bordcrcau tvurde Henry übergeben nnd von diesen« den« Nach- richtcnburean mitgeteilt, nachdem er es nach der Wiederherstellung dem Major Laut und Grivelin gezeigt hatte. Esterhazy hat auch erklärt, daß das Schriftstück in eiuer freniden Botschaft geftniden und von dem Pförtner derselben überbracht worden sei. DaS«st falsch. Das Nachrichtenbureau hat niemals mit dem Psörtiier dieser Botschaft Bezichuiigen gehabt. Es ist möglich, erklärt Rogct. daß Esterhazy uns noch Ueberraschungen«in Verlaufe des Prozesses bereitet. Diese werden aber mcht mehr auf- regen, als die übrigen. Rvget bespricht sodann die Komplizität HcnryS«nit Esterhazy. Wenn Henry der Mitschuldige Estcrhazys gewesen«väre, wie koi«nte dann Esterhazy das Bordereau mitbringen, welches ihn hätte verdächtigen können? Redner blickt fortwährend auf Dreyfuß, um den Eindruck seiner Aussagen zu beobachten. Numnehr tritt eine Pause ein. General R o g e t erklärt weiter: Die Schrift des Bor- d e r e a u ist die v e r st e l l t e S ch r i f t d e s D r e y f u s. Man ivird Zeuge» hören, welche materielle Beweise liefern werden, daß das' Bordereau von Dreyft«» geschrieben ist. Ich will die Gntgläubigleit der Zeugen, welche gehört wurden, nicht verdächtigen; ich halte darauf, dies zu erklären, damit kein Jrrtu»« cutstche und meine Worte nicht falsch gedeutet«Verden. Rogct konstatiert, daß in seiner Aussage vor dem Kassationöhofe Easimir Perier gesagt habe, daß am ö. Januar 189ö ein Batschaftcr im Namen seiner Rcgiernng ein amtliches Dementi forderte infolge der Nackricht. daß wichtige Dokumente«m Papierkorb dieser Botschaft geftniden worden seien. Diese Botschaft wnßte indeffen, daß die Tbatsache wahr fei nnd selbst zugegeben, daß sie es nicht wußte, so wäre die Sacke nickt überraschend gewesen, da die Leichtfertigkeit, »,tt welcher Attachs A..— den Namen nenne er nicht, weil der Nichter es verboten habe— kompromittierende Schriftstittke »mhcrliegcn ließ, bekannt ist. Ich habe einen solchen Brief gesehen, ftigt Sioget hinzu,«velcher für eine Person, deren Ramcn ich natürlich verschweigen werde, sehr kompromittierend«st. Wenn der- attige Briefe verschwinden konnte», warum sollte nicht auch das Bordereau haben verschwinden könne». Roget betont die Thatsache. daß die Agenten A. und B. fast täglich gemeinsam arbeiteten, und citiert eine Stelle eincö ztvischcn ihnen ausgewechselten Briefes, in dein sich der Name Dreyfu« befindet. In tcincm der ziviichcn ihnen ausgetauschte» Briefe, sagt Rogct, bin ich dem Namen Estcrhazys begegnet und doch habe ich sie alle gesehen. Keiner be- zieht sich auf Esterhazy. bis auf das„Petit Bleu", welches überdies von Picquart entdeckt ist. Ich habe bezüglich des Schrift- stückcs„cetts canaille de D." lebhafte Unruhe empfunden. In der Korrespondenz eines Militärattaches befindet sich der Name D u b o i s. Dieser Dubai« wollte das Geheimnis des raiich- losen Pulvers verkaufeil»»d weil nian ihn nicht ernst nahm, hatte er«nit seinem Angebote keinen Erfolg. Wenn»na«, keine andere Person kennt, mif'die der Buchstabe D. anzuwenden ist. wer bleibt dann übrig? Roget blickt hier zu DreyfuS hinüber, die Achsel zuckend. Er weist min auf die in dieser Hinsicht von Traricux gemachten Er- klärungen hin nnd sagt mit du in pfer Stimme: Angesichts einer uninteressierten Mitteilung wie die meine, begreife ich nicht, daß man Mitteilungen von Personen denBorzug giebt, die au» dem Berrat Nutzen gezogen haben. Nach' diesen Worten weint Roget. Die Schuld de« DrcysilS. erklärt Roget weiter, geht anßerde,,« au« jedem Satz« de« Bordereau« hervor. Ueberall befinden sich die Spuren seines verrate«. Dreyfus allein und nicht Esterhazy konnte den TnlppenbedeckungSplan kennen. Esterhazy hatte niemals da« Geschütz 12V kennen gelernt. Roget bemüht sich weiter darzuthun. daß Picquart z« bctrügertschen Mitteln seine Zuflucht genommen habe, um an die Seite des Angeklagten einen anderen Schuldigen zu setzen. Roget erklärt, Piequart habe nicht gezögert, mehr als 100 000 Franks auszugeben, um einen unglücklichen Offizier übertvachen zu lassei«, Ivelchcr keineSivegS schuldig war. Dieses Vorgehen sei um so tadelnswerter, da diele 100 000 �rlS. eine vom Oberst Sandhcrr angelegte Reserve bildeten. Roget wirft Picquart vor, ein Dreyfus belastendes Schrift- st ii ck unterdrückt und es seinen Vorgesetzten verborgen zu haben. Der Vorsitzende schlägt dann dem Zeugen vor, seine Aussagen zu unterbrechen, da er augenblicklich ermüdet ist. Hierauf fragt der Vorsitzende Dreyfus, ob er auf diese Aus- sagen etwas zu erwidern habe. Dreyfns: Es ist furchtbar, dast man mir täglich stunden- lang Herz und Seele zcrreist, ohne daß mir die Möglichkeit gegeben ist, zu antworten. Es ist eine schreckliche Q.ual, welche einem Nnschuldigcn anferlcgt wird!(Lebhafte Bewegung im Auditorium.) Der Vorsitzende erklärt: Ich gebe Ihnen das Wort am Ende dieser Zeugenaussage. Die Sitzung wird auf morgen 6Vs Uhr vertagt. Drehfus wird abgeführt. Sein Gesicht ist sehr bleich. Das Publikum räumt ohne Zwischenfall den Saal. »* # Bemerkenswerte Einzelheiten aus der Mittwochsitzung tragen wir nach den Blättertelegrammen nach. Besonders bezeichnend scheint die schroffe Art, wie der Ncgierungs- lommissar Carriöre die Vertagung des Prozesses bekämpfte. Er sagte: Die Erklärung der Aerzte, die mir vorliegt, besagt, daß es nicht unmöglich ist, daß Labori im stände ist, am Montag zu erscheinen. Es wäre schon ernst, eine Vertagung bis Montag auszusprechen, ivenn nicht eine bloße Möglichkeit, sondern die Gewißheit hier- für vorläge. Die ganze Welt wartet, die citierten Zeugen sind hier. Es war das nationale Interesse, das mich getrieben, mich, der noch vor zwei Monaten von der Affaire Drehfus am wenigsten wußte, meine Arbeit zu beschleunigen. Dieses nationale Interesse würden wir kompromittieren. Die Verteidigung ist in guten Händen. Mein Gegner kennt die Affaire seit fünf Jahren, ich kenne sie seit zwei Monaten. Vielleicht sind manche der Zeugen gefährlicher als ich. Da also die Verteidigung, wie gesagt, in guten Händen ist, glaube ich, daß trotz des Ereignisses, das ich tief bedauere, und das man nicht genug geißeln kann, der Vertagnngsantrag abzulehnen ist."— Die Privatmeldungen heben hervor, daß der Verteidiger D e m a n g e auch am Mittivoch alles zu wünschen übrig ließ, erst als Kommissar Carriöre Lebon fragt, ob es wahr sei, daß Dreyfus für seine Briefe von der Teufelsinsel selbst an Verwandte oft bis zu dreißig Entwürfe machte, das zeige einen merkwürdigen Charakter, protestierte Demange gegen diese an eine Frage angehängte V e r- d ä ch t i g u n g und zugleich gegen die ivie von den vorigen Zeugen, so auch von Lebon befolgte Methode, sich zu verteidigen, statt zu b e z e u g e n. I o u a u st fragt Drehfus, ob er Lebon ausfragen wolle. Dreyfus:«Ich will nur feststellen, daß mich Lebon ganz grundlos peinigen ließ. Ich that nichts und bin unschuldig." Als die Witwe Henrys ihre Zeugenaussage beendigt, bemühten sich General Zurlinden und Mercier eifrig um sie. Das Befinden Laboris. Labori geht es besser. Er verbrachte die Nacht zum Mittwoch gut. Die Kugel ist bisher nicht gefunden. Er hofft, in einigen Tagen den Verhandlungen des Gerichts wieder beiwohnen zu können, was im Interesse von Dreyfus sehr wünschenswert erscheint, da der zweite Verteidiger Demange das Material sehr unvoll- kommen beherrscht. Der Attentäter ist bisher nicht gefaßt. Der„Franks. Ztg." wird aus Rennes telegraphirt: Sehr beachtet wird hier der Passus in der Aussage des Generals Zurlinden, worin er sagt, in Vcrratsaffairen sei es schwer, den Schlüssel zu finden, da dieser sich stets in den Händen der betreffenden auswärtigen Regierung befinde, zu deren Gunsten Verrat begangen sei. Man könne diese natürlich nicht um Aufklärung bitten und sie werde diese auch nicht geben, um den Schuldigen zu retten. Diese Bemerkung des Generals Zurlinden bestätigt aufs neue, daß die definitive Aufklärung der Drehfns-Affnire nur von Deutschland kommen kann. Unter den hiesigen und auswärtigen Korrespondenten, die die großen Blätter der ganzen Welt vertreten, herrscht darüber nur eine Stimme und es ist sicher, daß in diesen Tagen in hervorragenden englischen und russischen Zeitungen Ar- tikel erscheinen werden, die die deutsche Regierung auffordern werden, die in ihrem Besitz befindlichen, auf die Dreyfus-Affaire bezüglichen Dokumente zu veröffentlichen und so endlich die Entdeckung der Wahrheit in dieser Affaire, die die ganze Welt bewegt, zu ermög- lichen. (Bekanntlich hat die deutsche Regierung bereits im Reichstag in aller Form erklären lassen, daß sie mit Dreyfns niemals etwas zu thun gehabt hat.) » 4t Köln, 15. August. Die„Köln. Ztg." schreibt zu den von meh- reren Seiten kommenden Aufforderungen, Deutschland möge aus seiner Zurückhaltung in der DreyfnSaffaire hervortreten, die deutsche Regierung werde, aller Voraussicht nach, sich nicht dazu entschließen, von ihrer bisherigen Politik der Enthaltung abzugchen. Der Grund liege nicht nur in dem Grundsatz, sich nicht in innere Angelegenheiten der französischen Republik einzumischen, sondern auch in der praktischen Nutzlosigkeit einer solchen Einmischung. Wer heute als verständiger und gewissenhafter Mensch den Verlauf des Falles DreysiiS verfolgt, kann auch nicht einen Augenblick darüber im Zweifel fein, daß Dreyfns mit der deutschen Regierung nicht das geringste z» thun gehabt hat, also, da hier nur Deutschland in Frage steht, DreyfuS ohne Zweifel unschuldig ist. Rennes, 16. August. Der Oberstlieutenant Picgnart wird morgen dem Schriftsachverständigen Bertillon gegenübergestellt werden. Aus diesem Anlaß erwartet man für morgen Zwischenfälle. Paris, 16. August. Der General Mercier hat verzichtet, den Journalisten Bourdos vor Gericht zu ziehen, weil er ihn während seines Verhörs„Mörder" genannt hatte. Die Dreyfus' freundlilben Blätter wollen daraus ersehen, daß General Mercier sich durch den Prozeß blosstellen würde._ Das Komplott gegen die Republik. Das Ministerium Waldeck-Rousseau ist klug genug, aus den Guörin und Genossen keine Märtyrer zu machen. Iluscre Schneidigkeitsapostel— diesmal treiben sie in der Freisinnspresse ihr Wesen— verstehen das nicht»nd reden von Schwächlichkeit. Zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Polizei- prä selten Lop ine fanden im Laufe des Dienstag Be- sprechungen über G u s r i n statt; Wolbeck- Rousseau und Löpine kamen zu dem Entschlüsse, daß kein Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden, und daß daher Gusrin die Wahl zwischen freiwilliger Jnternierung und Verhaftung gelassen werden solle. Der Deputierte L a z i e s begab sich im Einvernehmen mit Waldeck- Rousseau zu Guorin, um ihn auf die Folgen seines Widerstandes aufmerksam zu machen. Lazies verhandelte dreiviertel Stunden mit Guorin und begab sich sodann nm lOVellhr abends zu Waldeck- Rousseau, den er jedoch nicht antraf. Er wurde vom Kabinetschef empfangen. Beim Verlassen des Ministeriums erklärte Lazies auf Befragen, er habe Gusrin die Folgen eines eventuellen Zusammen- stotzes' vorgestellt: Guerin und seine Gefährten seien ersch öpft durch die fortwährende Wachsamkeit der Polizei, und er habe von Waldeck-Rousseau erreicht, daß man die Belagerten diese Nacht schlafen lasse. Heute werde Waldeck-Rousseau über die Bedingungen der Ergebung sich äußern. Lazies erklärte weiter, er habe nicht nur in seinem eigenen Namen, sondern auch in dem Drumonts und der ganzen Gruppe der„Libre Parole" gehandelt. Voranssichtlich wird Waldeck-Rousseau gegenüber den Gefährten Gnvrins Nachsicht walten lassen. Gusrin wird verlangen, nicht als Ge- fangen er über die Straße geführt zu iv erden, sondern sich selbst im Kabinett des Untersuchungsrichters als Ge- Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Mr den Ins« fangener stellen zn dürfen. Man ninimt an, Waldeck-Ronff eau werde auch das bewilligen. Paris, 16. August. Nationalistische Abgeordnete haben an den Vorsitzenden der Kammer einen Brief gerichtet, worin sie angesichts des revolutionären Charakters, den die Ereignisse nehmen, denselben auffordern, die Kammer einzuberufen. Paris, 16. August. Vor dem Hanse der Antisemitenliga versammelte sich heute nachmittag eine zahlreiche Menschenmenge. Eine Abteilung berittener Munizipalgarde mußte einschreiten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Freunde Gusrins glauben, daß derselbe sich frcilvillig der Polizei ergeben werde. Paris, 16. August. Der Deputierte Lasies begab sich, nachdem er heute Morgen im Ministerum des Innern vorgesprochen hatte, zu Gusrin, »nd konferierte lange mit ibm. Beim Fortgehen erklärte Lasies, daß seine Mission gescheitert sei. Gusrin und seine Genossen scheinen entschlossen weiter Widerstand zu bieten. GemevKMAfklichvs. Berlin und Ningegend. Zur Lohnbewegung der Bantischlcr. Es gingen gestern Bewilligungen der Forderungen von 22 Unternehmern mit 300 Arbeitern ein. Bewilligt haben bis jetzt 73 Unter- nchmer mit 1053 Arbeisern. Ausständig sind noch 682 Tischler in 57 Werkstcllen. In R i x d o r f hat ein Unternehmer bewilligt. Bei K u r z h a n, Mühlenstraße, stehen die Tischler im Streik. Zuzug ist fernzuhalten. In W e i ß e n s e e hat der Unternehmer S t ü ck l e r s bewilligt. Bei telephonischen Meldungen oder Anfragen an das Bureau der Streikleitung ist folgende Nummer'zu benutzen: Amt la. 5106. Zur Lohnbewegung der Steinarbeitcr. In der öffentlichen Versammlung der Steinarbeitcr, die gestern, Mittwoch, im„Englischen Garten" tagte, berichtete die Lohnkonimission über den gegenwärtigen Stand der Bewegung. Nach den Ausführungen von Thomas, der im Auftrage der Geschästsleitung das Bunzlauer Streikgebict besucht hat, herrscht unter den Ausständigen in Schlesien völlige Einmütigkeit. Sie werden unter keinen Umständen von den Forderungen ablassen, die sie erst gestellt haben, nackdcm sie durch die Unteniehmer in den Ausstand gedrängt worden sind. Sie wollen jedoch den Unter- nehmern soweit entgegen kommen, daß sie die Einführung des Miuimallohncs von 55 Pf. pro Stunde und Beseitigung der Accordarbeit erst zum 1. März nächsten Jahres verlangen und wenn dies bewilligt ivird. bis dahin zu den alten Bedingungen arbeiten. Die Situation istjjfür die Ausständigen in Schlesien eine sehr günstige. Von den 500 am Streik Beteiligten sind über 200 abgereist, die anderwärts bereits Arbeit gefunden haben. Streikbrecher sind überhaupt nicht zu verzeichnen. Die Ausständigen in den schlesischen Brüchen haben erklärt, nur gemeinsam mit den Berliner Steinmetzen zu handeln. Nach dem Bericht, den Schauerhammer erstattete, hat sich auch die Lage für die Berliner Steinmetzen nicht verschlechtert, son- deru eher verbessert. Die Unternehmer, ivelche in so protziger Weise den Friedensschluß ablehnten, machen den einzelnen Arbeitern alle möglichen Versprechungen, um sie für sich zu gewinnen. Sie befinden sich' in einer sehr unangenehmen Lage, da die Arbeit überall drängt und Streikbrecher sich nicht gefunden haben, was die Unternehmer allerdings nicht vermuteten. Thatsächlich arbeiten nämlich nur 65 Steinmetzen in sämtlichen Betrieben zu den alten Bedingungen, beziv. die sich an den Streik nicht beteiligt haben. Außer denjenigen, die abgereist sind, befinden sich noch 263 Mann im Ausstande, lieber 100 Steinmetzen arbeiten zu den neuen Be- dingungen. In der hierauf folgenden Diskussion wurde das Ver- hallen" der Unternehmer einer herben Kritik unterzogen. Insbesondere wurde es verurteilt, daß die Unternehmer das Einigungsamt ablehnten. und der Meinung Ausdruck ge- geben, daß sie dies gethan haben, weil sie die Oeffentlichkeit scheuten. Entsprechend gewürdigt wurden auch die bekannten Rund- schreiben, die die Innung und der Verband deutscher Steinmetz- gcschüfte erlassen hatten. Von allen Rednern wurde unter lebhaftem Beifall der Versammelten die Aufrechtcrhnltung des Streiks empfohlen und die Ansicht geäußert, daß der Kampf bestimmt mit dem Siege der Arbeiter enden wird. Einstimmig gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die am 16. August im Englischen Garten tagende Versammlung der Steiuarbciter Berlins ersieht, da die jlnternehmer den Einigungs- versuch des Berliner Gcwerbegerichts strikte ablehnen, daß eine fried- liche Lösung des Streiks, Berlin-Schlesicn, von sriten der Unter- nehmcr nicht zn erivarten ist. Die Berliner Steinarbeiter erkläre», fest auf ihre berechtigten Forderungen: Tage- lohnarbeit, achtstündige Arbeitszeit und 70 Pfennige Miuimallohn zu bestehen und den' Kampf mit allen ihnen gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln weiterzuftihren." De» Unverheirateten wurde dringend aufgegeben, wenn die Unternehmer nicht noch diese Woche den Kampf beilegen, Berlin zn verlassen. Arbeit kann den Abreisenden genügend von der Konnnission nachgewiesen werden. Die zu den neuen Bedingungen Arbeitenden sind verpflichtet, 10 Proz. von ihrem Verdienst an den Streikfonds abzuführen. Mit einem begeisternden Hoch auf den Sieg der Ausständigen erfolgte der Schluß der stark besuchten und von kampfesfrcudigem Geiste beseelten Versammlung. Die Lohnkonimission der Maurer RdlcrShofs unterhandelte mit dem Maurermeister A. Pförnier in Adlershof um den Neun- stundentag und 55 Pf. Stundenlohn. Die Forderungen ivurden bewilligt. Deutsches Reich. Bei der Gcncralkommission der Gewerkschaften Teutschlands gingen für die ausgesperrten dänischen Arbeiter bis zuin 8. August 56 860,68 M. ein. Zur Lohnbewegung der Holzarbeiter in Forst i. L. Am Diensiagabend fand eine Versammlung der Arbeiter statt, in welcher dieselben in geheimer Abstimmung einstimmig beschlossen, die Forderung der 59 stündigen Arbeitszeit aufrecht zu erhalten. Sollten die Meister diese Forderung nicht bewilligen» dann soll am Montag die Arbeit niedergelegt werden. 13 Meister haben die Forderung bis jetzt bewilligt. Die Bewegung der Metallarbeiter in Halle für die Ver- kürzung der Arbeitszeit stehr günstig und der Mcrallarbeiter-Verband hat ganz bedcnleude Fortschritte gemacht, seitdem sich die hier noch bestehende Lokalorganisation aufgelöst hat. Die Industriellen weigern sich hartnäckig, den geforderten Zuschlag von 20 Pf. für die Ucber- stunden zu zahlen, infolge dessen die Metallarbeiter in den meisten Betrieben die Ueberstnnden konsequent verweigern. Die Industriellen sind darüber sehr erbost und drohen niit Aussperrungen wie in Dänemark. Sie haben einige söge- nannte Hetzer gemaßregclt, dieselben sofort aber wieder eingestellt, als die Metallarbeiter mit Stellungnahme dagegen drohten. Der Organisation ist eine Quittung des Direktors Kom- nierzienrats Riedel von der Halleschcn Akticn-Maschiiicnfabrik in die Hände gefallen, wonach jener Herr in einem Jahre eine Tantieme von 105 000 Reichsmark bezogen hat. Herr Riedel ist ein Freund der„Gewinnbeteiligung" der Arbeiter am Geschäft. Daß das Geschäft den Zuschlag von 20 Pf. für die lleberstunden zahlen kann, geht aus der Tantieme hervor. In einer Woche haben die dort beschäftigten Arbeiter 4900 Ueberstunden geleistet. Kellnerstreik in Norderney. Am 11. August legten sämtliche 15 Kellner des Hotels„Kaiserhof" in Norderney die Arbeit nieder. Das einmütige Handeln der Kellner ist um so bemerkenswerter, als sie nicht organisiert und erst kurz zuvor aus allen Himmelsgegenden dort zusammen gekommen waren. Die Ursache waren die Lohn- und Kostverhältnisse und die schlechte Behandlung. Sie haben von früh 6 Uhr bis nachts 12 Uhr Dienst, dafür 12 Mark Lohn pro Monat, jämmerliche Kost, Schlafstelle über dem Maschinenraum und rücksichtslose Behandlung. Da der Ober- kellner alles kassiert, so haben sie auch' wenig Trinkgelder. iteuteil verantwortlich: Th. Glocke tn Berlin. Druck und Verlag von Maz Der Vermittlung des Bürgermeister» gelang e», ihnen z»r Bewilligung ihrer Forderungen zu verhelfen, worauf sie am Mitt- woch die Arbeit ivicder aufnahnien. Am Sonntagmittag legten auch die 16 Kellner des kgl. Strand-Etablissements die Arbeit nieder. Ihre Forderungen wurden nach einer Stunde bewilligt. Im Kladnoer Kohlenrevier(Böhmen) beläuft sich die Zahl der Streikenden auf 320 bei der Poldihütte und 195 bei der Adalberthütte. Die Ausständigen erbaten die Intervention der Bczirkshauptmannschaft. Die Hütten- Verwaltungen lehnten jede Unterhandlung mit den Aus- ständigen ab und gaben ihnen bis Donnerstag Frist, die Arbeit wieder aufzunehmen, widrigenfalls sie als aus der Arbeit getreten angesehen würden. Ausland. Der Streik der Wiener 5lupfcrschmicde dauert unverändert fort. Beteiligt sind au demselben 105 Mann, davon 56 verheiratet mit 88 Kindern. In den sieben Wochen, die der Streik andauert. hat sich noch kein Streikbrecher gefunden, mit Ausnahme von vier Mann, die sich dem Streik nicht angeschlossen haben. In der Haupt- fache bestehen die Forderungen in Einführung der neunstündigen Arbeitszeit, Festsetzung von Miuimalwochenlöhncn, 18 st. für jüngere »nd 21 fl. für ältere, über 5 Jahre freigewordene Gehilfen: Ab- schaffung der Accordarbeit: Beitritt der Meister zur Unfallversicherung und Regelung des Lehrlingswescns. Die Hoffnung der Unternehmer, die schwache östreichischc Gehilfcnorganisation zu zerstören, wird durch das thatkräftige Eingreifen der deutschen Kupferschmiede zn Schanden werden. Dieselben verfügen über gefüllte Kassen und werden eine Ehre darin suchen, den Wiener Kollegen zum Siege zu verhelfen. Circa 800 italienische Bauarbeiter haben beim Bau der neuen ftaatlilben Pflege-Anstalt in Rheinau bei Schaffhausen die Arbeit eingestellt, weil ihnen die Unternehmer die geforderte Lohn- erhöhung von 30 bis 32 Cts. pro Stunde auf 35 Cts. für die Hand- langer und von 38 bis 41 auf 45 Cts. für die Maurer nicht be- willigten. Ferner beschwerten sie sich über große Ausbeutung durch die von den Unternehmern betriebenen Kantinen. Leider ließen sich die unorganisierten und ungcschultcn Italiener zu Ausschreitungen verleiten, sodaß ein größeres Polizeiaufgebot notwendig wurde. lieber den Ausgang des Konfliktes ist weiteres nicht bekannt. Ein Verband cidgeuössischcr Tclcphonarbcitcr hat sich in Bern konstituiert. Er verlangt die feste Anstellung der Monteure, Vorarbeiter und Gruppenführer, Ausstellung einheitlicher Vorschriften für die Lohnzahlung während des Militärdienstes, einheitliche Arbeitszeit auf allen Netzen, Abschaffung des Bußenwesens, Er- höhung der Zulagen für auswärtige Arbeit zc. Tie Warschauer Streikbewegung, über welche wir schon berichtet haben, nimmt immer größere Dimensionen an. Zur Zeit streiken beinahe 30 000 Arbeiter in den verschiedenen Fabriken und Werkstätten und die Zahl der Streikenden nimmt noch immer zu. Anfangs streikten nur die Handwerker, später aber begannen auch die Fabrikarbeiter zu streiken und zwar in den größten Fabriken Warschaus. Man hat die Arbeit niedergelegt bei Lilpp, Rudzki. Norblin, Rau, Borman, in allen Werkstätten der Wiener Eisen- bahn usw. Die Arbeiter verlangen den Ästiindigcn Arbeitstag und eine gewisse Lohnerhöhung. In den Arbeiterbezirkcn patrouillieren Gendarmen und auch die Kosaken sind konsigniert. Bis jetzt verhalten sich die Arbeiter ganz ruhig und folgen dem Rate der Parteileitung, sich nicht provozieren zu lassen._ Socio les. Arbeiterrisiko. Auf den Farbwerken in Höchst a. M. verunglückte am Freitag ein Arbeiter in gräßlicher Weise. Er arbeitete ganz allein in einem Räume mit Säuren. Bei der Entleerung eines Säure-Apparats kam er gegen 9 Uhr abends zum Stürzen und die kochende Säure ergoß sich über ihn. Erst um 11 Uhr nachts wurde der Mann aufgefunden, er lag vollständig gekrümmt, den Kopf an den Füßen, auf dein Bode» und hat sich anscheinend, durch die gräßlichen Schmerzen in Verzweiflung, in der Säure gewunden; sämtliche Kleider waren teils verbrannt, teils abgerissen, nur einen Strumpf hatte er noch an einem Fuße. Er lvurde, ohne noch ein Lebenszeichen von sich zu geben, vorerst ins Krankenzinnner gebracht. Nach Eintreffen des Arztes stellte der- selbe Lebcnsvcrsuche an, infolge deren der Bedauernswerte wieder zum Bewußtsein kam und noch angeben konnte, wie das schreckliche Unglück sich ereignete. Nach Anlegung von Notverbänden fuhr man ihn ins Krankenhaus, wo er am Sonntag früh seinen Verletzungen erlegen ist.— Bei derartig gefährlichen Arbeiten sollte niemals ein Mann allein beschäftigt werden dürfen. Sociole Mrifzkspflege. Wer ist Arbeiter im Sinne des Unfallversicherungs- Gesetzes? Der Ackerer Schmidl half aus Gefälligkeit in einem Gemeindcwalde einen Eichenstamm verladen. Hierbei ver- unglückte Schmidt. Demnächst verlangte er von der betreffenden Gemeinde 162 M., indem er sich auf den Z 10 des landwirtschaft» lichen Unfallversichernngs-Gesetzes berief, worin es heißt: Während der ersten 13 Wochen' nach dem Unfall eines Arbeiters hat die Gemeinde, in deren Bezirk der Verletzte beschäftigt war, demselben die Kosten des Heilverfahrens in dem im§ 6 Absatz 1 Ziffer 1 des Krankcnversicheruugs- Gesetzes bezeich- neten Umfange zu gewähren. Der Bezirksausschuß zu Trier wies den Anspruch ab uiid berücksichtigte hierbei besonders, daß der Kläger ein 6 Hektar großes Grundstück besitzt und daraus jährlich ein Ein- kommen von 1000 M. bezieht. Der Kläger könnte nicht zu den Arbeitern gerechnet werden, da er einer der bestgestellten Ein- wohner der Gemeinde sei.— Auf die Berufung des Klägers bestätigte das Ober-VerwaltungSgerichldie Vorentscheidung. Ans den Urteilsgründen ist hervorzuheben: Es sei hier enlscheideud, ob der Kläger den Unfall während einer Beschäftigung als Arbeiter erlitten habe. Nur in diesem Falle stehe ihm ein Anspruch an die Gemeinde gemäß ß 10 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 zu. Der Vordcrrichtcr habe nun mit Recht angenommen, daß der Kläger zur Zeit des Unfalles nicht als Arbeiter thötig gewesen sei. Aller« Vings sei bei der Unfallversicherung die Lohnzahlung nicht ebenso, wie bei der Krankenversicherung, eine unbedingre Voraussetzung für die Vcrsicherungspsticht der Arbeiter. Kenn- zeichnend für' die Stellung eines Arbeiters sei, daß derjenige, welcher eine für gewöhnlich von Arbeitern geleistete Thätigkcit für einen Dritten vollführt, sich diesem Dritten gegenüber in gewissem Grade seiner Selbständigkeit begiebt und damit in das Abhängigkeitsverhältnis eineS Arbeiters tritt. Das sei hier nicht der Fall gewesen. ITetzke MttiszviLztvn und DepePlszen. Brüssel, 16. August.(W. T. B.) Der Gcneralrat der weialtsttschen Partei hielt heute früh eine Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, den Vertretern im Parlament freie Hand zu lassen bezüglich der von ihnen zur Verhinderung einer Abstim- muitg über das Wahlgesetz und zur Erlangung der Auflösung der Kammer zu befolgenden Taktik.— Die Parteien der Rechten des Senats und der Kammer hielten eine Versammlung ab, in welcher die Regierung bekannt gab, daß sie bezüglich der Wahlvorlage die slabinettSfrage stellen werde.— Die verschiedenen Sektionen der Repräsentanteukammer prüften heute nachmirtag die Wahl- vorläge der Regierung. Von sechs Sektionen sprachen sich vier für und zwei gegen die Vorlage aus. sJm ganzen wurden bei 12 Stinim- enthalttmgen 66 Stimmen für und 51 Stimmen gegen die Vorlage abgegeben. Badiug in Berlin. Hierzu S Beilagen und Ilnterhnlt.iiigsblatt. 8t. 191. 16. 1. Kiligt des Jotmärts" Ktrlm BollisHütt. s«-*«■»»' 1899. NbgeovdnekenhÄUS. 89. Sitzung vom 16. August, 11 Uhr. Am Ministertische: Fürst zu Höhen lohe, Thielen. Dr. v. Miquel, Frhr. v. d. Recke. Frhr. v. Hamm erst ein. Brefeld. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Kanal- Vorlage. Das Wort nimmt zunächst der Eisenbahnniinistcr Thielen: Diese Vorlage ist die wichtigste, welche seit langer Zeit auf dem Verkehrsgcbiet in den Vordergrund getreten ist. Itachdcm die Vor- läge bereits so eingehend erörtert worden ist, werde ich � viel Neues_ heute über dieselbe nicht sagen können, ebenso wenig wie alle die anderen Herrn Redner.' sHciterkcit.) Die Staatsregierung ist durch alle neueren Verhandlungen in der Kommission nur in der Auffassung befestigt worden, daff dieser Kanal eine Laudcsmelioration der allcrbedeutsainsten Art ist. ollen Zweigen der Volkswirtschaft Segen bringt, die Wehrkraft des Landes stärkt und unsere Eisenbahnen in wirksamster Weise entlastet. Der Land- tag von 1886 hielt diesen Kanal bereits für notwendig, und wir hoffen, daß der heutige Landtag derselben Auffassung um so mehr sein wird, als die Gründe für den Kanal sich inzwischen noch verstärkt haben. Dah der Verkehr seit 1886 einen nie geahnten Aufschwung ge- uommen hat, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Daß der Nhcin-Elbe- Kanal einem wirklichen Bedürfnis in wirksamster Weise entspricht, das beweist auch der Kompensationssturm, der sich gerade dieses Kanals wegen in anderen Landesteilcn erhoben hat. Aber auch im Interesse der Landwirtschaft ist der Kanal ein immer dringenderes Bedürfnis, zumal sich der Betrieb der Landwirtschaft in den letzten zehn Jahren immer intensiver gestaltet hat. Auf die Dauer läßt sich mit den jetzigen Mitteln ein geordneter Verkehr nicht aufrechterhalten. Und was für einen Verkehr wir nun gar erst nach Ivciteren acht bis zehn Jahren haben werden. das läßt sich heute noch gar nicht übersehen. Ich bin für meine Verwaltung verpflichtet, immer wieder darauf hinzuweisen, wie ernst die Situation ist. Ganz besonders im Kohlenrevier, und welche Verantwortung daher der Landtag bei Ablehnung der Vorlage übernehmen würde.«Wegen zeitlveiser Unruhe im Hause sind die Ausführungen des Ministers teilweise nur schwer zu ver- nehmen.)� Ich wiederhole, daß aus landwirtschaftlichen Gründen der Kanal keine Gegner haben sollte, im Gegenteil, auch gerade viele landwirtschaftlichen Gründe sprechen zu Gunsten des Kanals. Eine Benachteiligung der Wasserinteressenten durch den Kanal, wie sie befürchtet worden ist, wird keineswegs eintreten.(Im Fortgang dieser sachlichen Ausführungen wird die Unruhe imnier größer, so daß der Präsident wiederholt zur Glocke greifen und um Ruhe ersuchen muh.) Was die Kompensationsfordermigen anlangt, so wäre die Staatsregierung in der Lage ge- Wesen, noch weit mehr solcher Forderungen aufzustellen. die ebenso begründet gewesen wären. Tie Slaatsrcgiernng hat aber dazu keinen Anlaß gehabt, sie hat vielmehr an ihren Grnndsätzcn festgehalten. Auch das, was sie an Schlesien zu gewähren bereit ist, ist keineswegs eine„Kompensation", vielmehr handelt es sich da um Maßnahmen, welche die Staatsregiernng an und für sich für notwendig hält und zu denen sie ohnehin über kurz oder lang schreiten würde. Diese Vorlage ist nach jeder Rickitung eine bedeutsame für das Wohl des Landes, erst kommende Geschlechter werden dieselbe so recht würdigen können. Die Staatsregierung kann Sie nur bitten, die Vorlage unverändert anzunehmen.(Beifall links.) Abg. Graf Limburg-Stirum(k.) erklärt, daß die überwiegende M e h r h e i t seiner politischen Freunde, der Konservativen, gegen die Vorlage stimmen würden. Dieselbe bedeute einen Bruch mit dem bisherigen System unserer Eiscnbahnpolitik, und nicht einmal die Industriellen in ihrer Ge- saintheit seien Freunde dieses Kanals. Seine politischen Freunde seien nicht principielle Gegner des Kanalwesens, aber sie wollten nicht eine so einseitige Förderung desselben. Der vorliegende Kanal sei nur geeignet, den Handel der Holländer zu stärken.(Heiterkeit links.) Auch 1886 habe man in diesem Hause nur an einen Küsten- kanal gedacht, das Haus habe also auch nicht einmal eine nioralische Verpflichtung zur Bewilligung der Vorlage. Die Frage der Landwirtschaft komme hier eigentlich nicht in Betracht, er müsse aber doch sagen, nach Ansicht seiner landwirt- schaftlichen Freunde bringe der Kanal der Landwirtschaft weniger Vorteile, als Nachteile. Diejenigen, die darüber anders urteilten, ständen zumeist gar nicht in der Landwirtschaft drin. Aber er wiederhole, seine Freunde seien hauptsächlich deshalb Gegner des Kanals/ weil dieser innerhalb der Industrie selber einen Konflikt herbeigeführt habe. Auch technische Bedenken macht Redner sodann geltend; im Jntereffe der Heeresverwaltung lägen nicht Kanäle. sondern Eisenbahnen. Aber maßgebend seien und'bleiben Wirtschaft- liche und finanzielle Bedenken. Die Eisenbahnen könnten viel besser als durch Kanäle dadurch entlastet werden, daß man den Eisenbahnbau weiter fördere. Er sei auch überzeugt, daß uns neue Eisenbahnforderungen für den Westen nicht erspart bleiben würden. Und welche einseitigen Verkehrsverschiebungen bringe der Kanal! Bei der Kanalreise habe er gefunden, daß sehr viele Jntcresfenteu dort den Kanal gar nicht wollten, weil derselbe, er wiederhole das, nur dem Handel und der Schiffahrt Hollands zu gute komnien würde. t'u';:rdcm nur noch den unmittelbaren Interessenten, den Adjaccnten. D.e Kompensationsfordermigen entsprächen allesamt dem richtigen Standpunkt, daß der Kanal einseitig Landesteile begünstige, andere benachteilige. Wir wollen keinen Sprung i n S Dunkle thun. Auch die einseitige Berücksichtigung obcrschlesischer Interessen könne ihn und seine Freunde nicht umstimmen, noch veranlassen, diesen Bruch mit unserer bisherigen Eisenbahnpolitik mitzumachen. Redner schildert dann noch die Bedrohung unserer Eisenbahn-Ueberschüsse durch den Kanal, die daraus entstehende Gefahr für die Staatsfinanzeu. Es sei doch wohl nicht zu befürchten, daß die Regierung etwa für die Ablehnung der Kanalvorlage das Land strafen werde durch Vor- cnthaltung der Sekundärbahn-Vorlage. Redner verliest dann noch eine das Vorstehende znsanmicnfassende formulierte Erklärung zur Rcchlfcrligung des ablehnenden Standpunktes seiner Freunde. Minister Thielen weist die Unterstellung zurück, als wolle die Regierung diejenigen Landcstcile, deren Vertreter die Kanalvorlage ablehnen, durch Vor- cnthaltung der Sekundärbahnen strafen. Die Herstellung der Sekundärbahn-Vorlage habe diesmal mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, sie könne aber in dem restliche» Teil der Tagung noch sehr wohl zur Verabschiedung gelangen(Heiterkeit). Er' wiederhole, daß er jene Unterstellung entschieden zurückweisen nniffe. Abg. von Eyncr»(ntl.): Diese Vorlage ist eine für die nationale Wohlfahrt hochbedeut- same, ein für die politische Sicherheit Deutschlands hochwichtiges Werk. Wir werden heute oder morgen erfahren, ob wir wirklich durch die Schuld der Volksvertretung in unserem wirtschaftlichen Leben zurückgedrängt werden sollen. Graf Limburg bestreitet, daß der Kanal den landwirtschaftlichen Interessen förderlich sei. Nun, ich dächte, der Herr LandwirtschaftSniinister. der doch für den Kanal eintritt, ist doch wohl einer der berufensten Vertreter der Landwirt- schaft. Wenn Graf Liniburg behauptet, der Kanal fördere nur die Hol- länder, ja— glaubt er denn, Brenicn gicbt Millionen Mark aus, nur um holländische Interessen zu fördern?(Beifall.) Weiß denn Graf Limburg nicht, wie fchr der Kanal der Landwirtschaft im Westen durch Melioration zu gute kommt? Ebenso aber auch der Land- Wirtschaft im Osten! In dem Berichte der Kommission findet Graf Limburg verschiedentlich, wie die landwirtschaftlichen Adjaccnten namentlich ans der Weser sich durch diesen Kanal entlastet glauben. Graf Limburg befürchtet auch von dem Kanal eine Abwanderung ländlicher Arbeiter nach dem Westen, dabei will er aber Eisenbahn- bauten bewilligen. Glaubt er denn, daß diese nicht ebenfalls Leute erforderlich machen würden? Doch gewiß eher noch mehr als der Kanalbau. Und noch dazu auf die Dauer! Denn die Eisen- bahnen erfordern doch für die Dauer Streckenarbeiter, weit mehr, als ein Kanal! Der Verkehr im Westen, im Kohlenrevier, ist jedenfalls derart, daß Abhilfe geschaffen werden muß! Und nun die finanziellen Folgen: wie sehr beim Kanal im Vergleich zu den Eisenbahnen eine Ersparnis an Personal stattfindet, das sieht doch jeder, der sich vergegenwärtigt, wie groß die Fahrzeuge auf dem Kanal sind. Ein einziger Kahn faßt einen ganzen Eisenbahnzng! Im Gegensatz zum Grafen Limburg haben wir aus den ausführlichen Darlegungen der Heeresverwaltung die Ueberzeugnng gewonnen, daß der Kanal für die Landesverteidigung von allerhöchstem Werte ist. Wenn ferner der Herr Finanzminister Miquel sagt— wie er das gethan hat—, daß der Staat in keinem Falle bei diesem Kanal ein gefährliches Risiko läuft, und Ivenn dagegen Graf Limburg behauptet, der Kanal treibe uns unrettbar in das Deficit— so ist mir denn doch die Autorität dc§ Herrn v. Miquel eine größere. Herr v. Miquel hat auch erklärt, daß sich die Interessenten zu Garantien in einem Unifange bereit erklärt haben, wie das noch niemals bei einem ähn- lickwn Anlaß der Fall war. Und da sollten wir dieses Werk scheitern lassen? Ter Knstcnkanal der Herren Konservativen würde die Aufgaben, die dem Mitlelland-Kanal gestellt sind, auch nicht entfernt lösen. Wir sind überzeugt, daß nur der Mittelland-Kanal diejenigen ergänzenden Leistungen leisten kann, zu denen unsere Eisenbahnen nicht entfernt mehr fähig sind. Deshalb treten wir für den Kanal ein. Daß er Verkchrsvcrschicbungen zurFolge hat, erkennen wir an. Aber nnt welcher Munterkeit in der Kommission zuni Teil unerhörte Kompensations- forderungen laut geworden sind, das hat uns geradezu überrascht. Wir betrachten diese KompensationSforderungen als Bausteine für die Zukunft, wir werden sie später zu prüfen haben, aber wir können doch nicht alles auf einmal machen. Die Vorlage ist nach Ansicht meiner Freunde ein Knltnrwerk ersten Ranges.(Beifall.) Oberst Bndde: Die Militärverwaltung legt ans st r a t e g i s ch e n Rück sichtenden allerhöchste» Wert auf den Kanal. Die Wasserstraßen sind ein außerordentlich wertvolles Hilfsmittel für Massemrausporte, sei es nach dem Kriegsschauplätze, sei es von dort zurück. Die Wasserstraßen sollen die Eisen- bahnen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Deshalb ist auch der Streit, was besser sei, Eisenbahnen oder Wasserstraßen. ganz hinsällig. Die Eisenbahnen sind allerdings bedeutend wertvoller iNuse rcchtS: Hört, hört!) aber die Wasserstraßen müssen sie ergänzen. Ein Beispiel: der Rhein mit seinen Mühlen und Speichern ist vorzüglich geeignet, unsere Magazine füllen zu helfen. Zu einer Zeit füllen zn helfen, wo unsere. Eilen- bahnen von ganz anderen Aufgaben in Anspruch genommen sind und deshalb jene Aufgaben nicht erfüllen können. Li ebner exempli- fizicrt auf den 1870 er Krieg und fährt fort: Ter Mittelland-Kanal ist für uns ein Zubringer ersten Ranges nach unserer Operations- basis hin. Er erschließt uns für diese nicht nur den Westen, sondern auch den Osten. Die Eisenbahnen müssen wir überdies in Kriegs- zciten für den öffentlichen Verkehr um so länger und intensiver sperren, je weniger uns Wasserstraßen zur Verfügung stehen. Und wenn die Eisenbahnen schon jetzt den Verkehrsönsprüchen kaum genügen, wie soll es dann für den öffentlichen Verkehr erst werden in Kriegszeiten! Ich bin überzeugt, dieser Verkehr muß dann ganz stocken, und gar manche Industrie wird vor dem Thürschlnß dann überhaupt nur bewahrt werden können, wenn wir genügende Wasserstraßen haben. Redner beruft sich sodann auf das Gutachten Moltlcs vom 16. August 1874. also vor gerade 2S Jahren, dasselbe befürwortet dringend Pflege der Wasserstraßen neben den Eisenbahnen. Der Standpunkt, den die Militär- Verwaltung heute einnimmt, ist genau derselbe, den Moltle vor 25 Jahren einnahm. Auch der General von Blume(auf den sich Graf Limburg berufen hat) hat ausgesprochen— Redner verliest den Passus wörtlich—, daß Wasserstraßen unter Umständen sogar mehr zn leisten vermögen, als Eisenbahnen. Das Gutachten Moltkcs betrachten wir geradezu als ein teures Vermächtnis. Namens der Armcevcrwaltnng habe ich zu erkläre», daß dieselbe in der Annahme dieser Vorlage eine Stärkung der Wehrkraft des Vaterlandes er- kennt.(Beifall.) Abg. Rcwoldt(frk.) beginnt ntit der Erklärung, die überwiegende Mehrheit seiner Freunde stehe nach wie vor der Vorlage ablehnend gegenüber. Handle es sich um einen militärischen Kanal oder um einen Wirt- schaftlichcn? Eins von beiden könne doch nur sein! Wenn aber um einen militärischen, dann hätte doch die Vorlage dem Reichstage gemacht werden müssen! Wenn dagegen um einen wirtschaftlichen Kanal, dann müsse man sich auch lediglich von wirtschastlichen Erwägungen leiten lassen. Was hier von militärischer Seite angeführt worden sei. sei ja ganz richtig, aber hier bei dicfer Vorlage nicht am Platze! Redner führt weiter ans, Kanäle hätten heutzutage den Bahnen gegenüber nur sekundäre Bedeutung. Werde niit Annahme dieser Vorlage der erste Schritt gethan, so sei überhaupt kein Halten mehr. Und ivas würde das für Kosten niachcn! Die ganze Bedeutung der Kanäle liege nur in der Verbilligung der Frachten, aber welche Rück- Wirkung müsse das auf die Eisenbahn-Einnahmcn und damit auf die Staatsfinanzeu ausüben? Auch die Tarife der Privatvahucn würden damit beeinflußt. Wir können nicht anerkennen, daß ein solches Verfahren des Staates berechtigt ist. Hnndelsminister Brefeld: Das Bestreben der Freunde des Vorredners ist darauf gerichtet, zunächst die Frage eines Kanals vom Dortmtmd-Ems-Kanal nach der unteren Wcscr zu prüfen, wie das in der vorliegenden Resolution Arendt und Genossen gefordert wird. Das hat nun zunächst zur Voraussetzung, daß die Herren den Dortniund- Rhein- Kanal bewilligen, denn ohne diesen hätte die Strecke Dortmund- Weser keinen Zweck. Allein in der Bevölkerung hat dieser sogenannte Küsten-Kanal bedeutend an Sympathien verloren; man ist auf den- felbcn überhaupt nicht mehr zurückgekommen, denn der Hauptzivcck einer besseren Verbindung des Westens mit dem Osten wird durch den Küsten-Kanal nicht erreicht; dieser ist dcni Mittelland-Kanal gegenüber durchaus minderwertig. Der Minister führt dann ein nn'ifangreiches Zahlenmaterial an. um zu beweisen, daß die Befürchtung, die Vorteile des Kanals würden der belgischen und holländischen Schiffahrt zu gute komnien, nicht begründet ist. Bei dem Küsten-Kanal würde jedenfalls die Landesmelioration nicht so berücksichtigt werden könne», wie bei dem Mittelland-Kanal. Man fordert Kompensationen an allen Orten; aber geben Sie uns eine Frist von dreißig Jahren, so können alle diese Kompensationen geschaffen werden, ohne daß es bindender Resolutionen bedarf. Daß die Aufwendungen für den Mittelland-Kanal eine Erhöhung der bestehenden Stenern erforderlich niachen könnten, sei aus- geschlossen. Lehnen Sie die Vorlage ab, so stören Sie die systematische Entwickelung unseres Verkehrs.(Beifall.) Abg. Fritzen(C.): Ein Teil meiner Freunde, der sich henke noch nicht entschließen kann, für den Mittelland- Kanal u stimmen, sind doch bereit, den Dortmund- Rhein- tanal zu bewilligen. Di« kanalfreu ndlichcn Mitglieder des Centrums beantragten ans rein sachlichen Gründen nochmalige Kommissionsbcratung, ohne welche damals die Vorlage gefallen wäre. Heute ist ein Teil des Centrums für die Vorlage und zwar in seiner ganzen Ausdehnung. Bezeichnend aber ist, daß die Landwirte aus dem Westen nicht der Meinung sind, daß Vorteile für sie mit dem Kanal verbunden sind. Ein anderer Teil meiner Freunde ist gegen den Kanal und zwar wesentlich aus den Gründeii, die der Redner der Konservativen dargelegt hat. Zwischen diesen Gegnern und Freunden steht noch eine Anzahl meiner Freunde neutral, welche auf die Wünsche ihrer Wahlkreise Rücksicht nchmcn. Dieselben wünschen natürlich die Annahme in der zlvcitcn Lesung, behalten sich aber ihre endgültige Stellung- nähme für die dritte Lesung vor.(Aha I Heiterkeit.) Da ja die Dortmund-Rhein-Strecke voraitssichtlich auch von einzelnen Konservativen genehmigt wird, so gelangt die Vorlage ja jedenfalls in die dritte Lesung. Eine etwaige Auflösung des Abgeordneten- Hauses würde meiner Partei nicht schaden; dennoch wäre sie sehr zu beklagen, denn aus Anlaß wirtschaftlicher Fragen ist bisher eine solche Auflösung nicht vorgekommen. Minister Brefeld verwahrt sich gegen eine Anregung des Vorredners, als würde sich die Regierung'niit der Strecke Rhein-Dortnmnd zufrieden er» klären. Abg. Graf Vallcstrcin(C.) erklärt sich als ein eutschicdcnrr prineipiellcr Gegner der Vorlage; das niodenie Verkehrswesen könne nicht auf Kanäle aus- gebaut werden, sie seien mangelhafte Verkehrsstraßen; jede Rc« paraiur stört den Verkehr und wenn nicht repariert wird, dann fehlt den Kanälen oft das Wasser.(Heiterkeit.) Es soll kein Platz für Bahnen da sein. Ich meine, wo Platz für einen Kanal ist. da ist auch Platz für eine Bahn.(Heiterkeit.) Wenn der Minister die Verantworiung für den Verkehr nicht übernehmen kann, nun, dann übernimmt sie ein anderer!(Heiterkeit.) Die Armee- berwaltuiig wird gewiß alles Mögliche ans dem Kanal machen, aber mit Eisenbahnen würde sie sickicr noch besser fahren.(Heiterkeit.) Redner geht dann ans die von Schlesien geforderten Kompensationen ein; die dem fchlcfischcn Bergbau durch den Kanal droheiiden Schndigmigcii sind bedeutende und mich die Handelskammern fordern vollwerlige Kompensationen; die Sainmlung der wirtschaftliche» Parteien' in Schlesien hat sich bereits vollzogen gegen die Kanal- Vorlage. Man sagt, die Vorlage sei ein Kampf der Industrie gegen die Landwirtschaft.' Das ist falscki! Sie ist ein Kampf der Industrie des Rnhr-Gcbieies gegen die Industrie in den östlichen Provinzen. (Beifall und Widerspruch.) Entschädigungen, die erst nach 10 oder 1b Jahren stattfinden sollen, sind inimer sehr prekär; die bekannt« Formel lautet: Entschädigtingen finden nicht statt! Nicht dt« deutsche, sondern die holländische Schiffahrt auf dem Rhein würde Vorteil von dem Kanal haben.(Heiterkeit.) Im Interesse der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels werde ich gegen dit Vorlage stimmen.(Heiterkeit.) Negicrungskommissar Oberst Budde erklärt, daß die Armee- Verwaltnng zwischen Rhein und Elbe eine Vermehrung der Eisenbahnen nicht nötig hält, Ivohl aber in einem Mittelland-Kanal eine wesentliche Unterstützung des Bahn- Verkehrs für ihre Zwecke erblicken würde. Ein Küsten-Kanal wird dieser Aufgabe nicht im gleichen Maße genügen. Abg. Dr. Barth- Kiel(frs. Vg.): Es sei erfreulich, daß die Konservativen bei dieser Vorlage Gelegenheit gesunden haben, zu erklären, daß sie nach Pflicht- mäßiger Priistmg diese Vorlage ablehnen müssen. Bei anderen Gelegenheiten haben sie anderen Parteien aus solcher Haltung schwere Vorwürfe gemacht. Man stelle sich vor, die Rc« gierung wollte den Reichstag anflöse» ivegen Verweigerung neuer Getreidczölle, welche» Applaus fände die Regierung bei den Konser- vativen.(Sehr richtig! links.) Besicht die Regiming fest auf der Vorlage und schreitet sie nötigenfalls zur Auflösung, so wird sie den Kanal' auch bewilligt erhalten. Wenn man leugnen will, daß dieser Kanal der Land Wirtschaft nütze, dann wird man überhaupt darauf verzichten müssen, ein Verkehrsmittel ini Interesse der Landivirtschaft vorzuschlagen. Ter größte Teil der früheren Argumente gegen die Vorlage ist heute schon aufgegeben; daß der Kanal die Landwirtschaft schädige— wie man friiher sagte— das hört man nicht nichr, nimi sagt nur noch, die Landwirtschaft habe keinen Nutzen von dem Kanal. Hätte man den Gedanken der Kom- pensationcn stets durchgeführt, ,o hätte keine einzige Eisenbahn, ja keine Ckanssce gebaut werden können, denn jeder Bau dieser Art beeinflußt die Nachbargcbicte. Auf das Allgcmeiiiintcresse kommt es bei diesen Vcrlchrsangelcgenhcitcn an. Unter diesem Gesichtspunkte haben sich denn auch die meisten Handelskammern und Verkehrs- inftilute für den Kanal ausgesprochen. Die Regierung kann und soll sich nicht iiinmiern um einseitige agrarische Interessen, wie der Abg. Rcwoldt anzudeuten schien, sie soll höhere Gesichtspunkte auch in der Verkcbrspolitik verfolgen.(Beifall und Zischen.) Weiterberatimg Donnerstag 11 Uhr. Schluß 4V4 Uhr._ VorlettnenkAvifches. Komnmnal-Wahlrcform. Jm Abgcorduetenhause war Mittwoch- vormittag eine Stunde vor der Plenarsitzung die Kommission zur Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Bildung der Wähler- a b te il'n n g en bei den G e m e i n d e w a h l e n, zusammen- getreten, uni die zweite Lesung vorzunehmen. Es wurde zunächst nur Z 1, wie in erster Lesung! unverändert nach der Regierungs- vorläge einstimmig angenommen. Im übrigen bezog sich die Debatte aus verschiedene in der Kommission noch nicht erörterte Punkte, ins- besondere Einfügung eines bcftinnntcn Termins für das Inkrafttreten des Gesetzes und einer Bestimmung darüber, wie es unterdes mit außerordentlichen Ergänzungswahlen zu halten sein wird— endlich über die Kompetenz des Bczirksausschiisfcs nnd des Provinzial- rctts(als der letzten Instanz) hinsichtlich der Bestätigting des in dem netten g 2a(Fritzcn-Sattlcr) vorgesehenen Ortsstntuts, durch welches in Gemeinden vor mehr als 10 000 Einwohnern die Zwölftelimg eingeführt werden kann. Diese Erörterung gelangte nicht zum Ab- schlnß, die weitere Beratung wurde auf Donnerstagabend vertagt. Uolmluss Ein alter Zopf der Berliner Gasanstalten, wie überhaupt der - nnd Wasserrohrleger, der uns allerhand Achtung vor alt- ehrwürdigen Einrichtungen des hochanschnlichen Schlosscrgewerks einflößt, ist die vom Tunnbau zu Babel auf uns gekommen« streng kubische F e l d s ch in i e d e, die aus dein bekannten schwer- fälligen eisernen Kasten bestehend auf vier kleinen eisernen Voll- rädern befestigt und mit einem Schmiedcfeuer zum Warnimachen und Abbiegen der Gas- nnd Wasserrohre versehen ist. Das kleine Kastenungetnm wird seit Jahrhunderten in der heutigen Klotzgestalt ans den vier Rädern durch die Straßen bewegt, die Räder sitzen starr und notdürftig beweglich an diesem Rollfuhrwerk, aber man hat es bis jetzt in der edlen Schlosscrkunst nicht übers Herz bringen können, die Vorderräder des Kastcnklotzcs auf eine bewegliche Axc mit Lenk- ftange zn setzen, sondern hält es auch heute noch für zeitgemäß, in den Schraubstock des Kastens ein Stück Gasrohr einzuspannen, das während der Fahrt von einem Arbeiter mit großer Anstrengung, gleichsam als Schwanzstencr der Feldschmiede, hin und her gezogen werden mutz. Das vorgespannte Pferd ist tvegeii der fehlenden Lenkvorrichtung nicht im stände, mit der kastcnklotzförnngcii Feld- schmiede auszuweichen, deshalb muß der Arbeiter, auf dessen Schweiß es ja gar nicht ankommt, mit Hilfe des Gasrohrstücks den Kalten durch Rutsch bewegnng lenken. Gegenüber dieser techmfih reizvollen Einrichtung verdient die Feucrtonne auf Holzschlittcu, wie sie heute z. B. noch in Buckow zu sehen ist, entschieden den Vorzug. Denn solchen Schlitten kann das Pferd noch einigermaßen lenken, während die Kastenklotz-Fcldschmicde teils rollend, teils rutschend durch die Straßen getreidelt und am Schwanzsteuer festgehalten tverden mutz, um das vorgespannte Pscrd nicht zu iiüemnncn. Wir sind neugierig, wann die Gildcmcistcr dcS Schlossergcwerks einer ??eldschniiede-Vauanstatt fügen kund und thun zu wissen, datz es Zeitaller der Elekiricität recht erfreulich tväre, derinaleiust eine Feld schmiede zu konstruieren, ein klein wenig nwdernisiert durch lenkbare Bordcrräder, Wir fürchten keinen Ucbermut des Arbeiters durch die' TraiiSport-Erlcichteruiig I--- Auf chic dreißigjährige Thiitigkrit kann in diesem Monat eine Behörde zurückblicken, von deren wichtigen Aufgaben das große Publikum wenig oder nichts erfahrt: die N o r m a l- A i ch u n g s- f> o m m i j s i o n. die ihren Sitz im Gebäude der Sternwarte, Clicke�lntz Sa., hat. Die Bestellung einer solchen Kommission war durch Artikel 18 der Maß- und Gcwichtsordnung für den Nord deutschen Bund vom 17. August 1863 angeordnet und derselben als Aistgabe vorgezeichnet, darüber zu wachen, daß im gesamten Bundes- gebiete das Aichungswesc» nach übereinstimmenden Regeln und dem Interesse des Verkehrs entsprechend gehandhabt werde. Ihr liegt die Anfertigung und Verabfolgung der Normale, soweit nötig auch der Aichuugsnorniale an die Aichungsstellen ob, sie hatte die näheren Vorschriften über Material, Gestalt, Bezeichnung und sonstige Bcichastcnhcit der Maße und Getvichte, ferner über die von feiten der Aichungsstcllen inne zu haltenden Fehlergrenzen zu erlassen. Sie bestimmt, welche Arten von Wagen im öffentlichen Verkehr oder zu besonderen gewerblichen Zwecken verwendet werden dürfen und sie hat auch alle die technische Seite des Aichungswesens betreffenden Gegenstände zu regeln. Am 26. August 1869 traten deren Mitglieder zur ersten Plenarversanimlung zusammen. Die Kommission, welche seit ihrem Bestehen neben einer sehr umfangreichen praktischen Thatigkeit zur Durchführung der Maß- und GcwichtSordmmg zahl reiche wissenschaftliche Publikationen hat erscheinen lassen, hat leiner Zeit auch die Vorarbeiten geliefert für das Gesetz, de treffend die Abänderung der Maß- und GewichtSordnuiiq von» 11. Juli 1884. Die nächste Volkszählung. Unter Vorsitz des Stadtrates Dr. Münsterberg fand am Dienstag im Statistischen Amt der Stadt Berlin eine Besprechung mit den Vertretern der an Berlin an grenzenden Gemeinden statt behufs gemeinsamen Vorgehen bei der Ende nach st en Jahres stattfindenden Volks zählung. Es waren außer Berlin(durch Stadtrath Münstcrbcrg, Stadtv. Kalisch sowie Dr. Hirschbcrg. letzterer auch für Char lottenburg) vertreten: Schönebcrg, Rixdorf, Wcißcnsce, Reiuicke» dors, Pankow, Hohen- Schönhausen. Lichtenberg. Rummelsburq Stralau, Treptow. Tcmpelhos. Nach einem Referate des Dr. Hirschberg kam man übcrcin, daß Berlin mit den aw grenzenden Gemeinden die Durchfühning der Volkszählung in der Wege bewirken soll, daß gemeinsame Fragebogen ausgegeben werden und die Bearbeitung des Materials im Statistischen Äiiite der Stadt Berlin erfolgt. Was Charlottenburg betrifft, so ist hier eine cnt sprechende Verabredung mit Wilmersdorf, Schmargendorf, Grüne wald bereits getroffen, so daß. wenn die zuständigen Staats- und Gemeindebehörden die erforderliche» Anträge gutheißen, die Volks- Zahlung am Ende des alten Jahrhunderts zum eistelinial das ganze wirtschaftliche Gebiet von Groß- Berlin umfassen wird Dem crtveiterte» Maschinen-Laboratori»,» der Technischen Hochlchnle in Berlin sind im letzten Jahre weitere demerkenstverte Zuwendungen gemacht worden. Hervorzuheben ist an erster Stelle eme neue Schenkung des zeitigen Rektors. Geh Regierungsrats Prof. R i e d l e r. Sie besteht in einem Gebläse cyltnder und einem Waffermotor, die beide für Studienzivecke mit vollständigen Versuchseinrichtungen ausgestattet sind. Die Zu Wendung hat einen Gesamtwert von mehr als 28 000 M. Die Maschinenfabrik R. Wolf in Buckau»vidmete dein Laboratorium eine 25 pferdige Verbundlokomobile niit Kondensation und aus ziehbarem Röhrenkessel im Werte von 10 000 Mark. Mit der Inbetriebnahme des erweiterten Laboratoriums haben die Hör- und Zeichensäle der Hochschule elektrische Bc leuchtung erhalten. Im Laufe dieses Jahres hat die Vcr Wendung des elektrischen Stromes noch eine erhebliche Zunahme er- fahren durch vielfache Ainvendung elektrischer Projektionseinrichlungcn und kleiner Accumulatorenbattcrie» für IlnterrichtSzwecke. Die Räumlichkeiten der Hochschule selbst erhalten jetzt eine Erweiterung, die insbesondere der Abteilung für Maschinen- ingenieurwesen zu gute kommen wird. Die Uebergabe des Bau Platzes, der westlich vom Hauptgebäude liegt, hat bereits stattge� snnden, und die Bauleitung hat die BorbercituiigSarbeiten für den Neubau begonnen, zu dessen Kosten als erste Rate 400 000 Mark bewilligt ivorden sind. Sehr unangenehm für den gesamten Norden Berlins wirkt die städtische Abdeckerei in der Müllerstraße, durch welche die ganze Stadtgegend bis zu einer Entfernung von über zwei Kilometer verpestet wird. Sehr schwer hat das Krankenhaus Paul Gerhardb Stift darunter zu leiden. Sobald in der Abdeckerei genügend Material an gefallenem Vieh vorhanden ist(es»vrrden täglich 2V bis 150 Tiere nach der Abdeckerei gebracht), so werde» die Kadaver aus gekocht, um das Fett und die Knochen von denselben zu gewinne». Die bei dieser Prozedur aufsteigenden Dünste verbreiten sich als- dann über die Stadtgcgend. Sie werden durch den Wind bis nach der Chausseestraße, dem Gesundbrunnen, bis Spandau und Tegel getragen und sind derartig intensiv, daß sie selbst für kräftige Menschen unerträglich, bei Nervenschwachen Krankheitserscheinungen hervorrufen. Ganz besonders haben, wie bereits erwähnt, die Patienten des Paul Gerhardt- Stiftes darunter zu leiden. So bald die Dünste auftreten, müssen die sämtlichen Fenster des Krankenhauses geschlossen werden und die an ihr Bett Gefesselten sind gezwungen, trotz der schönen, warmen Witterung die dumpfe Stubenluft einzuatmen. Die Kranken, die in dem herrlichen Garten des Stiftes weilen, müssen schleunigst aus demselben entfliehen. Am schlimmsten sind diejenigen Patienten daran, welche durch frische Lust kuriert werden sollen. Die Krankcnhaus-Verwaltung hat zu diesem Zweck Balkons angelegt, auf welchen vorwiegend Lungen kranke sich nicht nur am Tage aufhalten, sondern auch nachts schlafen. Diese Patienten sind natürlich ebenfalls gezwungen, sich in geschlossene Räume zurückzuziehen und somit die Kur zu unter brechen. Noch unheimlicher ist die ebenfalls durch die Abdeckerei herbei geführte Flicgenplage. Die Insekten schwärmen auf der Straße und in den Gärten, dringen in die Wohnungen, in die Küchen, und gegen dieses' Ungeziefer giebt' es keinen Schutz. In allen Sälen und Zimmern, in allen Räumen hat die KrankenhauS-Vcrwallung des Gerhardt-StifteS Flicgenflaschen, Gistpapier, Flicgcnstöcke aufgestellt, und die Patienten suchen ihre Langeweile durch Flicgenjagden zu vertreiben, trotzdem gelingt es nicht, die Räume von Insekten freizuhalten. Schwerkranke Patienten werden durch ein mit Gaze bekleidetes Vogengestell vor den Be- lästigungen der Fliegen geschützt. Natürlich verursachen die Fliegen, die auf den Kadavern der gefallenen Tiere gesessen haben, auch in anderer Weise schädigende Wirkungen. So wurde im Paul Ger- Hardt-Stist ein Kaufmann behandelt, der durch einen Fliegenstich an Blutvergiftungen erkrankt war und schwere Operationen durchmachen mußte. Aber auch als Infektionsträger wirken Fliegen außerordeut- lich schädigend und cS ist nicht auSgcichlossen, daß so mancher an- steckende Erstankungsfall im Norden Berlins durch die Insekten über- tragen und herbeigeführt ist. Beim etwaigen Entstehen einer Seuche dürfte sich diese Thatsachc in noch weit verhängnisvollerer Weise zeigen. Auch das Kaiser Friedrich und Kaiserin Auausta Kranken- Haus in der Rcinickendorferstraße hat durch die Abdeckerei zu leiden. wenn auch nicht ganz in dem Maße, wie oben geschildert, weil es in einer etwas günstigen Windrichtung liegt. d eS geordnet, daß die Apotheker in Zukunft jede arztliche Verordnung auf dem Arzueibehältnis abschristlich zu vermerken haben. ES wird dazu die Rückseite der Signaturfahne, der Schachtel oder Pulvev kastchen zu benutzen empfohlen. An Salbentöpfen wird ein zweiter Zettel mit der Abschrift befestigt. Auf Schachteln, welche äußerlich anzuwendende Mittel enthalten, sind von jetzt an nur Signaturen von roter Farbe anzubringen. Ucber die hygienische Behandlung der Kundschaft in den Berliner Barbier- und Friseurgeschäften haben die Bor stände der Berliner Barbier«, Friseur- und Perrückenmacher-Jnnung (Obermeister Wollschläger) und der Barbier-, Friseur- und Heil gchilfen-Jnnung(Obermeister John) neue Vorschriften erlassen. Da nach dürfen in den Geschäften keine Personen bedient werden, die mit einer Bartflechte oder sonstigem Hautausschlag behaftet sind. In jedem Geschält muß durchaus reine und saubere Wäsche gebraucht werden. Das Einseifen mit einem gemeinschaftlichen Pinsel ist ebenso unbedingt zu verwerfen, wie beim Abwaschen die Benutzung eines gcnicinschaftlichen Schwammes. Auch die gemein schaftliche Puderquaste ist abzuschaffen. Känime und Bürsten sind nach jedesmaligen! Gebrauch auf das sauberste zu reinigen usw. Diese Vorschriften sind sämtlichen Berliner Barbier- und Friieurgeschäften, gleichviel ob deren Inhaber einer Innung angehören oder nicht, mit einem Rundschreiben zugegangen, worin ihnen die strengste Beobach tung dieser Vorschriften anempfohlen wird. Z»vri bcachtrnStvcrte Fälle hat gegenwärtig die Tollwut Schntzstation zu verzeichnen. Bor einigen Wochen wurden in Nieder mahllau in W.stprcußcn von einem Hunde mehrere Ochsen und eine Katze gebissen. Den Hund und die Katze tötete man sofort und die Schntzstation stellte durch Untersuchung des Gehirns bei beiden die Tollwut fest. Nach und nach erkrankten auch mehrere Ochsen unter verdächtigen Umständen. Sieben Stück wurden getötet. Beim Zerlegen des Fleisches zogen sich der Förster Gustav Lange, der Schmied Gustav Bahr und der Arbeiter Rudol* Meyer kleine Verletzungen an den Händen zu. Da die Wunden schivcr heilen und auch ohnehin der Verdacht besteht, daß die Tiere wutkrank gewesen sind, so haben die drei Verletzte» die Schutzstation aufgesucht, um sich impfen zu lasten.— Leim Husaren regunent Fürst Blücher von Wahlstadt in Krojauke er- krankte am Sonnabendvormittag ein Dienstpfcrd. Das Tier biß sich selbst und ein Ncbenpfcrd ins Vorderbein und schnappte nach einem Stock und nach dem Husaren, der ihm diesen hinhielt. Am nächsten Tage verendete er unter Kolik- und Tollwuterscheimingcn. Beim Eingeben von Arznei hatte der Roßarzt T. an die rechte Hand, an der ein Finger etwas verletzt ist, Speichel bekontmen. Vorsichts- halber hat er sich daher ans die Schutzstation begeben, um alle Vor- bengungkmaßregcln zu treffen und daS Gehinr des verendeten Pferdes untersuchen zu lassen. Einen Brillantschmnck im Werte von lIlttlVV M. hat am letzten Sonnabend ein Kammerherr v. Bachmcyer aus Potsdam im Straßenbahn- Wagen vergessen. Er hatte nach der Rückkehr von der Sommerreisc den hier in Berlin in einem Banlhanse deponierten kostbaren Schmuck, welcher arrS einem Diadem nebst Aigrctte sowie aus einem Collier mit Brosche be- starid, und ferner ein Packet Aktien in Höhe von 14 000 Mark von dem Bankhause wieder abgeholt und zur Fahrt nach dem Potsdamer Bahnhof einen Straßenbahn- Wagen bc- nutzt. Beim Verlassen des letzteren hatte er jedoch sowohl die Aktien wie auch das Etuis mit dem Schmuck in dem Wagen liegen lassen, dessen Schaffner dann die beiden Fundobjckte der Straßenbahn-Verwaltung ablieferte. Hier stellte sich der Kammer Herr dann ein und nahm Schmuck und Aktien wieder in Empfang und ließ dabei für den Schaffner Brichweiz, dem als Angestellten der Straßenbahn ein nach dem Wert der Fundobjckte zu benicsscndcr gesetzlicher Finder lohn leider nicht zusteht, einen Betrag von 100 Mark zurück. Dieser„Fund" ist der wert- v o l l st c, der in den Wagen der»Großen Berliner" bisher jemals gemacht worden ist. Ter Berliner Touiincrmarkt ist gestern in den Straßcnzügcu vor dem Halleschen Thor eröffnet worden. Das schöne Weiler harte schon am Bornrittag zahlreiche Kauflustige angelockt, und namentlich die Töpfer und Porzellanhändler in der Schleiermacherstraße machten recht flotte Geschäfte. Auch die zahlreich erschienenen Schnitt- und Weißwarenhändler sahen Kauflustige an ihren Buden. Lebhafte Nachfrage ivar nach billigen Resten. Die Böttcher in der Gneisenau und Barutherstraße hatten dagegen noch wenig Absatz, auch bei den Korbniachern in der Nostizstraße sah es»och still aus. Die Kupfer schmiede haben wieder den östlichen Teil der Gneisenaustraße ein- genommen. Die nur in geringer Zahl anwesenden Schuhniacher, für die der Augustmarkt eigentlich das Hauptgeschäft bringt, stehen in der lZork- und Großbeereustraße. Vom Hitzschlag getroffen wurde gestern nachmittag um 4 Uhr der 31 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Binding ans der Marienburaer« traße 33, der bei der dritten Bahnmeisterei der Stadtbahn beschäftigt ist und auf dem Geleise am Schiffbauerdamm arbeitete. Er siel plötzlich um und blieb bewußtlos liegen. Die Aufsicht übergab den Kranken einem Schutzmann, der ibn in eine Anstalt brachte. Hier Der Zustand deS ManneS ist sehr DaS ArzneibchältniS muß jetzt stets eine Abschrift Neceptes tragen, wie dies schon oft nach dem Vorbilde anderer Länder gewünscht ivorden ist. Nachdem die Wissenschaftliche Depu- tation für das Medicinalwesen ebenso wie die Technische Kommisfion für pharmaceutische Angelegenheiten sich zu Gunsten dieses Ver- fahrens ausgesprochen haben, welches in vielen preußischen Apotheken schon seit längerer Zeit geübt wird, hat der Kultusminister jetzt an« stellte man einen Hitzschlag fest. bedenklich. Von den Teilnehmern an der unglücklichen Fahrt dcS Benzin- Motorwagens nach F r e i en>v a l d e hat, wie jetzt bekanntwird, Herr Thomas sich den rechten Fuß verstaucht. Von den beiden Damen, die außer der getötete» Frau Dr. Heurici die Partie mit- machten, hat Fräulein' Gippert eine Schulrerquetschimg und eine Kopfcrschüttcruiig davongetragen, Fräulein Arlt, llllitglied deS Metropol-Theaters, schwere Verletzungen im Gesicht und an den Armen erlitten. Die Gattin dcS Herrn Thomas hat an der Fahrt nicht teilgenommen. Der Kutscher Slage ist nur wenig verletzt worden. Frau Dr. Henrici ist infolge Bruchs der Wirbelsäule gc- storben. Sie wohnte mit Fräulein Arlt in der Pension des Fräulein Gippert, Karlftr. 38. Frau Dr. de Eamp, die Gattin eines Ingenieurs der chemi- che» Fabrik vorm. Schering, welche am Soiniabend durch das Um- türzen eines Spiritusapparates verunglückte, ist gestern Abend ihren schweren Brandwunden erlegen. Als Frau de Eamp mit ihrer Frisur beschäftigt war, fiel der Brcnnapparat um und setzte die Kleider der Dame in Flammen. Letztere konnten von herbeigeholten Personen zwar gelöscht werden, doch hotte die unglückliche Frau bereits starke Lrandwunden davongetragen. Nach Anlegung eines Verbandes durch die Samariter der Feuerwehr wurde sie nach dem Augusta- Hospital befördert, wo sie nun ihren Verletzungen erlegen ist. Eine auS junge« Kaufleuten bestehende Epielrrgescllfchast wurde gestern nacht von der Kriminalpolizei bei der„Arvert" über- rascht und aufaeboben. Als ständiges Klublokal diente die Wohnung de« Glasermcisters T. in der Lothrtngerstraße. Dort versammelten ich allabendlich seit mehreren Monaten etwa 80— 40 junge Leute, meist Kaufleure, teils harmlosen Genres, teil» prosesstonierie Spieler: eS wurde meistens»Meine Tante— Deine Tante' gespielt. Hoch Pflegte eS in der schernbar so ehrsamen Hinterstube Z.'S herzugehen, und Gewinn wie Verlust wuchsen bisweilen zu recht ansehnlichen Summen an. DicuStag nun hatten sich m T.'s Abwesenheit wieder etwa 20 junge Leute zum gemeinschaftlichen Jeu eingefunden, als plötzlich die unwillkommenen Gestalten dreier Kriminalbeamter in der unverschloflcnen Thür erschienen und»im Namen de» Gesetzes' störend in das Vergnügen eingriffen. Eine Panik entstand umer den Spielern. Mehrere sprangen zum Fenster hinaus; einigen gelang es sogar, durch die Thür däs Weite zu(je- Winnen. Die Zurückbleibenden mußten ihre, den Beamten vielleicht Liebeskummer, weil feiner ehelichen Verbindung mit seiner An- gebeteten Hindernisse im Wege stehen. Als er eines Mittags auf dem Lager zu thrin hatte, zog er plötzlich einen Revolver auS der Tasche und legte ihn auf sich an. Obwohl ein Mitangeslelltcr ihm die Waffe entrrcß, bevor er abdrücken konnte, fiel der Verliebte dennoch um und war vor Schreck so krank, daß man einen Arzt holen mußte, der ihn ins Bewußtsein zurückrief und nach Harrje bringen ließ. Auf der Polizeiwache furchtbar verletzt hat sich am Mittwoch- morgen die 33 Jahre alte Marie VcrgriS, die wegen eines Vergehens gegen die Vorschriften von der Sittenpolizei schon längere Zeit gcjucht, endlich in dem Hause Landwchrftraße 16, i» dem sie sich unangemeldet aufhielt, ermittelt und aufgegriffen worden war. Nachdem man sie auf der Wache des 13. Reviers in der Lictzmann- straße in die Zelle gebracht hatte, hörte man sie plötzlich schiver stöhnen. Beamte fanden sie dann in einer Blutlache daliegen. In der Wut über ihre Festnahme halte sie sich mit einem Finger den Unterleib vom Geschlechtsteil bis zum Nabel aufgerissen. Die Schwerverletzte wrirde mit einem Liickschen Retlungswagen in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Durch Unachtsamkeit eines Kindermädchens schwer»enmgTcki ist vorgestern Abend der zwei Jahre alte Sohn Fritz deS Destillateurs Frank ans der Lützowstraße in Charlottenburg, Das Mädchen fuhr nrit einem Sportwagen, ans dem der Knabe saß, die hohe Böschung der Havelstraße hinab. Dabei rutschte ihr der Wagen aus der Hand, fiel um und verletzte den Knaben lebensgefährlich am Kopfe. Unter de» Linden plötzlich vom Tode ereilt wurde gestern. Mittivoch, nachmittag um 3',» Uhr, der russische Generalmajor Wladimir von Jercliow, Gouverneur von Orenburg und Heynann des Orcnbrrrgischcn Kosakcnhccrcs. Ter General befand sich aus der Durchreise von Bad Nauheim nach der Heimat in Berlin lind ivoonte nrit seinen Angehörigen in einem Hotel. Gestern nachmittag ging er allein Unter den Linden spazieren und ließ sich, anscheinend etwas ermüdet, auf eine Bank nieder, um auszririihcn. Plötzlich brach er in sich zusammen, glitt von der Bank herab und blieb tot liegen. Der Angnst-Monat eignet sich wegen der warmen und klare» Abende besonders zur Beobachtung der M o n d b e r g e. Die auf der Treptower Sternwarte von Direktor F, S. Archenbold zusamiuenges.'elllen Be- obachlmigSzeiten des Mondes für den Riesenresrakto� sind: DoimerStag Montag 11—12 Uhr nachtS, Ter Bund der StandcSvercine der deutschen Kranken- Pfleger teilt mrs mit. daß vom 24, bis 26. August in Berlin bei Hähnel, Luisenstr. 36. der erste Kongreß der Kranken- Pfleger, Masseure n»d Heilgehilfe» Deutschlands abgehalten wird. Sämtliche Annieldrmgen zur Teilnahme sind, und zivar spätestens bis zum 22. August, an Herrn Dr. Paul Jacobsohn, Berlin W., Maaßenstr, 25, zr! richten. Alexandcrplatz- Theater. Als deutscher Fregoli tritt im Alexanderplatz-Theater ein Herr A, K. Turpsa auf. Faßt dieser Herr den Namen deS berühmten italienischen MimikerS kollektivistisch auf in dem Sinne, ivie man etwa den Postboten als„Stephan' begrüßt, so mag dem süddeutschen Gast der Titel, den er sich beigelegt hat, zu gute gehalten werden. Im übrigen erinnert Herr Turpsa nur insoweit an den Italiener, als er in notgednmgener Gemüt- lichkcit versucht, es so zu machen wie dieser. Verwandlungen giebt es in den nicht gerade durch hervorragenden Geist aus- gezeichneten Stücken des Herrn Turpsa genug, aber desgleichen auch Pansen von teilweise recht peinlicher AiiSvehnung. Während der Znscharicr bei dem Hexenmeister Fregoli vor Verblüffung gar' nicht zu sich selber kam, hatte er bei Herrn Tnrpsa Muße genug, darüber nachzusinnen, ob die Wachs- nasc, die der Verivandlringsküiistler sich für die folgende Rolle hinter der Sccne aufsetzte, konservativ an der Scholle hasten oder coram publice mit fester Hand in ihren freiziiglerischcn Mucken gebändigt werden müsse. Immerhin wußte Herr Turpsa durch aller- Hand kleine Künste das Publikum zu unterhatten j und die hübschen Späße, die er als Alhlct. Zauberer und mristkalischer Komiker zum besten gab. fanden reichlichen und auch verdienten Beifall. Aber ein Fregoli ist er nicht. Fcucrbcricht. Mittwochmittag wurde die Feuerwehr nach Schutzenstr. 18 gerufen, wo die Schaldecke Feuer gefangen hatte. Am vorhergehenden Abend erfolgte ein Alarm nach L r n d en st r. 31, dem eine eigenartige Veranlaffung zu Grunde lag. Eine von ihrem Manne mißbandette Frau schrie in ihrer Angst»Feuer l' Ein vorübergehender Soldat eilte zur Feuerwehr und bewirke ein Aus- rücken der Wehr, die selbstverständlich keine Neigung verspürte, in den häuslichen Zrvist einzugreisen. sondern schleunigst wieder abrückte. Kurz daraus kam eine Feuermeldung von P r i n z e n st r. 80, Zur Verrilguug deS Ungeziefers war hier eine im zweiten Stock belegene Vordcrwo'hiiuiig arisgeschwefelt, wobei Matratzen und Möbel Feuer gefangen hatten. Der dicke Schwefeldamps belästigte die Löschmann- schafle» ungemein, doch konnte der Brand leicht gelöscht werden. Ans den Nachbarorten. Zur LokaMste. Da» Lokal von S cb u l z. früher Liedecke in M a I ch o>v ist gesperrt, da der Wirt sich geweigert hat, seinen Saal zu einer Versammlung herzugeben. Das Lokal von Barkel in Malchow hingegen ist frei. Bor allem wollen die Parteigenossen, ivelchc in der Heilstätte zum Krankenbesuch erscheinen, diese Mit- teilring beachten. Charlottenburg. Die Parteigenoffen werden darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag, den 20. August, eine Flug- blattverbreitung stattfindet. Treffpunkt um 7 Uhr in den bekannten Lokalen. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. AdlerShof. Die Parteigenoffen werden hiermit auf die am Freitag, den 18, August, abends 6 Uhr, bei Schnrauser ftattsindende V o l k s v e r s a m nr l r, n g für Männer und Frauen hingewiesen. Prof. Dr. Albert G e h r k e spricht über:»DaS Christentum in aller und neuer Zeit'. Zur Agitation für diese Versammlung wird heute. Donners- tagabend 7 Uhr. ein Flugblatt verbreitet. Die Parteigenossen werden ersticht, sich zu diesem Zweck zahlreich im Lokal von Schnrauser einzufinden. Immer rückwärts! Das scheint die Parole der nur von Dividendengedanken, aber keineswegs von Rücksichten auf das Verkehrsinteresse erfüllten Pierdcbahnvcrwaltung zu sein. Erst der Profit und dann alles andere I Die Geduld des Publikums, so 'chreibt der»Schörreberger St.-A.', wird täglich von feiten dieses VerkehrS-JnstitutS auf eine harte Probe gestellt und bei uns in Schönebera nicht minder als wie in Berlin, Wer die Strecke Militärbaynhof— Moabit zu befahren häufiger Gelegen- Heft hat, wird bald finden, in wie schreiendem Widerspruch die Anordnung auf dieser Linie zu dem steht, was man gemeinhin gesunde Vernunft nennt. Die Wagen der genannten Strecke, welche trotz aller Reklamationen überdies nur alle zwölf Minuten ver- kehren, treffen gewöhnlich auf dem Kaiser Wilhelmplatz kurz vor dem Wagen der Linie EberSstraße— Alexanderpiatz ein. Da aber dem elektrischen Wagen die Vorfahrt gestaltet werden muß, ö wartet der Pferdebahnwagen pflichtschuldigst, selbst dann, wenn wr elektrische Wagen noch in weiter Ferne ist. Ist der elektrische Wagen nun endlich heran und vorüber, dann muß wieder gewartet 'unh w i werden, bi« dieser an der Kolonne,.straßen-Ecke seine hier meist zahl nicht mehr unbekannten Namen angeben und bur.uu bann ebenfalls ftafiroüf»-» nufn-nnmm-n fint Sckon cinioe mritn heimgehen. Beuteloö zo� zum Schluß auch�dre Polize, ab; denn außer den verräterischen Karten war nichts KonfiScierdareS in ihre Hände gefallen. Sogar die ziemlich gefüllte Kasse hatte der Bank- halt« zu retten vermocht. Eine LiebeSkomödie führte kürzlich ein j, inaer Verkäufer T. in«wem Geschäft in der Tpandauerstraße auf. Der Mann hatte reichen Fahrgäste aufgenommen hat. Schon einige Schritte weiter wird wieder Halt gemacht, denn am Bahnhof werden die Pferde ge- wechselt! Die Sache macht einen geradezu krähwinkelhaftcn Ein- druck. Um diese Verkehrsmisere zu beseitigen, wäre es doch daS einfachste, entweder da» Umspannen am Kais« Wilhelmplatz oorzu- nehmen oder die Abfahrtszeiten um einige Minuten zu verlegen. Aber auf diesen Gedanken scheint man noch imm« nicht verfallen zu das IpittiHTuiu wird deshalb sich dadurch selbst helfen müssen, daß es— andere Fahrgelegenheiten benutzt. Ein schweres SittlichkcitSvcrbrcchcn ist vorgestern abend in Charlottciivnrg verübt worden. Der Werkzeugmacher F. von den EtcktricitätSivcrkcn in der Waldstraße seicrtc vorgestern seinen Geburtstag. Mehrere Arbeiter und Arbeiterinnen, die an der Feier teilgenommen hatten, gingen abends nach dem Bahnhofe Jungfern- Heide, von dem aus die Arbeiter nach Hause fahre» wollten, wahrend ihre Begleiterinnen zurückkehrten. Die 22 Jahre alte aus Stciilbriick gebürtige Arbeiterin Lina H. aus der Orange» str. 2a gu'g gleich»ach lv Uhr»och mit dem Arbeiter Putzke die Spree entlang nach der Schloßbriickc zu und ließ sich mit ihm ein. Dann kamen sechs von de» anderen Arbeitern dazu, warfen mit Ein Verständnis des Putzke das Mädchen nieder, hielten ihm den Mund zu und vergewaltigten es alle sechs. Putzke und drei andere snid bereits gcstcms verhaftet worden, die übrigen werden noch gciucht. Von seinen drei Lehrlingen wurde der in der R h e i n st r a ß e zu Friedenau wohnhafte Schlnchtenncister M. fortgesetzt be- stohicn. Flcischwarcn. Schinken und Wurst verschivanden in größeren und kleineren Mengen, ohne daß es gelang, des DicbeS habhaft zu werden. In der Rächt zum Freitag Verschivanden zwei Lehrlinge, und es wußte niemand, wohin sie sich gewendet hatten. Man schöpfte nunmehr Verdacht, und als der Meister dem dritten Lehrling die Diebstähle auf den Kopf zusagte, Ivar dieser auch geständig. Er hatte in Gemeinschaft mit den beiden anderen Lehrlingen die Waren entwendet und zu einem an der Ecke der Becker- und Menzelstraße ivohncndcu Gastwirt gebracht, der für billiges Geld die Waren er- stand. Tie beiden ausgerückten Lehrlinge sind inzwischen in Sprottau ergriffen worden. Rnö Rixdorf. Auf dem Tempclhofcr Felde verunglückte der Satilcr Hcnnann Kühr aus der Hcrrfnrckhstraße dadurch, daß er au c»icn Stein trat, ausglitt und den linken Unterschenkel brach. K. wurde zunächst nach der Unfallstation XII und von dort aus nach Anlage eines Verbandes nach dem Britzer Krankenhaus gebracht.— Unsere Stadt erhält die königliche Polizei nicht schon zuni I.Oktober. wie ursprünglich in Aussicht genomnien war. sondern erst zum 1. No- ticnwer d. I., da die Mietsräume für BureauS zc. erst zum 1. Oktober frei werden, aber»och verschiedener Abänderungen bedürfen. Das neue Polizeigcfängnis wird auf dem Grundstück Hermannstr. 225 eingerichtet. während die Polizeidirektion die Grundstücke Hermannstr. 225—227 umfassen wird.— Eine nette Pflegemutter ist die Nichardstraße 14 wohnhafte Frau Bertha Hattke, welche gestern wegen zahlreicher Tiebttähle und Verleitung zum Diebstahl in Haft genommen wurde „S» dem von der H. bewohnten Hause befindet' sich ein Fleisw- Warengeschäft von Strauß, welches in letzter Zeit in unverschämter Weise bcstohlen ward. Vorgesten, nun ward die H. schließlich auf frischer That bei Veriibung eines Flcischdicbstahls abgefaßt und daraufhin zur Anzeige gebracht. Die Diebin gab zu. sämtliche Diebstähle ausgeführt und auch die Ladenkafle des Nachts aus geräumt zu haben, gestand auch, daß sie die zehnjährige Pflegetochter Elisabeth N. gleichfalls zur Verübung derartiger Diebstähle abgenchtet habe. Das genannte Mädchen sowohl wie ein zweites Pflegekind der H. wurden dem Waiscnhause übergeben, die H. selbst aber in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Reinickendorf. In der letzten Gemeindevertreter-SItzung gab der Vorsitzende bekannt, daß bei Genehmigung des mit dein Ingenieur Smreckcr bezüglich der Erbauung des Wasserwerkes ab zuschließenden Vertrages die Kommission sich am Montag in einer fünfstündigen Sitzung mit der Angelegenheit beschäftigt, einige redaktionelle Aenderungsn des Vertrages vorgenommen urio die ein- seinen Positionen des Kostenanschlages geprüft habe. Der Kostenanschlag beläuft sich auf 968 000 M. exklusive Grundcrwerb. Nach- dem der Kostenanschlag sowohl wie der Vertrag von der Gcnicindc- vertrewng eingehend besprochen worden war, beschloß sie, Herrn Sinreckcr die Ausführung des Wasserwerkprojektes zu übertragen. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, daß eine Kabelverbindung seitens des Polizei- Präsidiums nach der städtischen Irrenanstalt Dalldorf durch die Bcrlinerstraße gelegt werden soll. Die Gemeindevertretung ge- nehmigt die Verlegung mit der Maßgabe, daß solche Arbeite» der Gemeinde, welche durch die Verlegung des Kabels erforderlich iverden, auf Kosten des Polizeipräsidiums vorzunehmen sind.— Im Schäfer- See ist die Leiche deS beim Postamt 37 in Berlin beschäftigten Posthilfsboten Max Raband gefunden worden. R. hat auf der West- lichcn Seite des SeeS an unerlaubter Stelle ein Freibad gcnonune», wobei er vom Schlagfluß getroffen wurde. HennSdorf.»Not, Elend ohne Ende haben mich in den Tod getrieber, nachdem ich monatelang ohne Stellung bin und feit dem 1. Juli ohne festes Obdach im Freien zu nächtigen gezwungen war und meinen Unterhalt durch Betteln»erwerben" nmßte. 2. 8. öS. Adels R.... f auS Krotoschin, Kaufmann ohne Stellung und Obdach I" Einen Zettel, der die>vorstchcnden Worte eines Lebens- müden enthielt, fand man an einer Kiefer angeheftet in der Henns- dorfer Forst. An der andcm Seite deS BaumcS hing die Leiche eines etwa 30 Jahre alten dürftig gekleideten Mannes, der sich an einer Zuckerschnur erhängt hatte. Auf der Hauptlinie der westlichen Vorortbahn Zoologischer Garten- Nollendorfplatz— Schöneberg— Steglitz ist mit der Einführung des elektrischen Betriebes die Fahrzeit der Wagen so er'- heblich vermindert worden, daß dadurch für den Verkehr jetzt die größten Unzuträglichkeiten erwachsen und die Klagen des Publikums hierüber kein Ende nehmen. Solange auf der Linie noch der Dampf- und Pferdebetrieb bestand, hatten die Wagen für die ganze Strecke Zoologischer Garten— Schöneberg— Steglitz eine Fahrzeit von 47 Minuten und für die verkürzte Strecke Zoologischer Garten— Friedenau-Lautcr- ftraße 34 Minuten Fahrzeit. Als dann aber im Mai d. I. der elektrische Betneb eingerichtet und zugleich auch alle Wagen, die früher nur bis zur Lautcrstraße fuhren, in regelmäßigem 10 Minuten-Verkehr bis Steglitz durchgeführt wurden, erhielt die Fahrzeit für die ganze Linie Zoologischer Garten— Schviieberg— Steglitz eine Ver.minderung von 47 auf 84, also um nicht weniger als 13 Minuten. Da nun ferner die Linie 32 Haltestellen besitzt, so kommt aus fast jede Minute Fahrzeit eine Haltestelle. Und die Folge davon ist, daß namentlich bei stärkcrem Berkehr von einer Einhaltung de» Fahr- planes überhaupt keine Rede mehr sein kann und die Jfahr- gaste oft zwanzig Minuten lang auf den nächsten Wagen warten müsien, wenn vor ihrem Eintreffen an der Haltestelle gerade ein Wagen diese passiert hat. Ja, es ist sogar vorgekommen, daß nach Sieglitz fahrende Personen hier schon an der Albrechtstraße von dem Schaffner gebeten wurden, die Wagen zu verlassen und weiter— zu Fuß zu gehen, weil der Wagen soviel Verspätung hatte, daß er nicht mehr bi» zum Ende der Strecke am Schloßparke durchfahren, sondern bereit» an der Albrcchtstraße um- kehren und schleunigst zurückfahren muhte. Auf die Beschwerden des Publikums über diese Zustände wird jedoch von den Schaffnern er- widert, daß«s ibnen bei der geringen Fahrzeit und den vielen Haltestellen unmöglich sei, an diesen pünktlich einzutreffen, wobei auch die Schwersälligteit der Accumulatorenwagen sehr wesentlich mitspreche. ES dürfie daher dringend nötig sein, daß die Fahrzeit a»f der Linie sobald wie möglich wieder entsprechend ver« l ä n g e r t würde. mordung der Frau Ficlitz teilgenommen zu haben. Aber auch nach anderer' Liichtung lvird einem Lokalblatt zufolge die Untersuchung von der Behörde mit großem Eifer fortgesetzt. ES sind nämlich noch gegen eine zweite in der Umgegend wohnhafte Person Verdachts- Momente rege geworden. Wegen vorsätzlicher Brandstistnng ist gestern in Spandau eine wohlhabende Hanseigentümerin, dw nahezu 60 Jahre alte Witwe H a u ck e. Sceburgerstraße. verhaftet worden. In ihrem Hause kam Feuer aus, das, wie alsbald festgestellt wurde, angelegt worden war; allenthalben war Petroleum verschüttet worden, und es brannte nnt einem Male an allen Ecken und Enden. Die Besitzerin machte sich von Beginn an verdächtig und hat nach ihrer Verhaftung auch ein Geständnis abgelegt. In einer Woche sollte das schon alte Gebäude abgerissen und dafür ein Neubau aufgeführt werden; der Frau war es also darum zu thun gewesen. noch die Bcrsicheriliigssnmme einzuheimsen. Dasselbe Haus wurde schon vor Jahresfrist zu einem Drittel vom Feuer zerstört; die Sache erschien auch dainals verdächtig; ein Anhaltspunkt bot sich indes nicht. Als die Frau während des neuen Brandes verhastet wurde, sagte sie, ihr ganzes Bargeld wäre verbrannt; später wurde es in ihren Taschen vorgefunden. Der Ttralaucr Fischzng findet, wie jetzt durch eine Bekannt- machung der Ortspolizei und der Fischeretgemeinschaft zu Stralau bestätigt wird, in diesem Jahre nicht statt. Die Veranlassung hierzu sind die äußerst umfangreichen Arbeiten der Pflasterung, Kanali» sationS- und Bahnanlage in der Dorfstraße. Da diese der einzige Verkehrsweg des OrteS ist, würde bei einem so großen Fremden- besuch, wie'er zum Fischzugstage üblich, das Passieren der Straße mit Lebensgefahr verbunden sein. In der Mordaffaire in Erkner ist jetzt eine neue Verhaftung erfolgt, und zwar ist in Alt-Buchhorst ein dem Baugewerbe an- gehörender Mann sestgenommen. der verdächtig ist, an der Er- Govichks--Zettimg. Unzulässige Ausdrücke, die der Agent Georg Noske in einem Schreiben an den NcchtSanivalt Stubenranch gebraucht hatte, waren Eegenstcrnd einer Anklage wegen Beleidigung, die vor dem Schöffengericht mit der Verurteilung Nosles zu 50 M. Geldstrafe geendet hatte. Der Angeklagte hatte für den Fabrikanten Dr. Solt- mann den Verkauf mehrerer Grundstücke vermittelt, wofür ihm laut Vereinbarung eine Provision von 6080 M. zu- stand. Als auf Zahlimg dieser Summe Anspruch erhoben wurde, erhob Dr. Soltmann Einwendungen und erteilte dem Rechts- anwalt Stubenranch den Austrag, die Äiigelegenheit mit Noske zu regeln. Der letztere bot dem Angeklagten eine Proviston von 3000 M. In dem Antwortschreiben wies NoLke das Anerbieten mit Entschiedenheit zurück. Er bezeichnete die HandlnngSweise des Dr. Soltmann als eine schmutzige, zu der der Rechtsanwalt Stuben- rauch hilfreiche Hand leiste. Es liege ein ga»z gemeiner Wort- und Rcchtsbruch vor. In diesen Ausdrücke» wurde sowohl in der Forni wie in der Absicht eine Beleidigung gc- fundcn, obwohl anerkannt wurde, daß der Angeklagte berechtigte Interessen wahrgenommen habe. Die zweite'Instanz verwarf die vom Angeklagten eingelegte Bcrnflina, beim Kanimer« gericht hatte er aber mit seiner Revision Erfolg, denn die Sache wurde zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück- gewiesen mit der Begründung, daß doch des Näheren auf den Sach- verhalt eingeganacn werden müsse, um festzustellen, ob es an- zunehmen sei, daß der Altgeklagte bewnßtcrweise die Grenzen des Erlaubten überschrittet» habe. Im gestrigen Temiine ver- sicherte der Angeklagte, daß ihm jede' beleidigende Ab- ficht ferngelegen habe. Er habe nur die Handlnngs- lveise der beiden Herren kennzeichnen wollen, und er meine nicht, daß er die zulässige Form überschritten habe. Obgleich die Beweis- aufnähme zu Gunsten des Angeklagten ausgefallen»rar, kam der Gerichtshof doch zu einer nochmaligen Verurteilung des Angeklagten, da die gebrauchten Ausdrücke zweifellos beleidigend seien, und der Angeklagte auch die Absicht gehabt habe, die betreffenden Herren in ihrer Ehre zu kränken. De» guten Vorsatz, ein ehrlicher Mensch zu werden, hat der Schlosser Otto B o r ck, der gestern vor der ersten Ferien-Straf- kanmier sich zu verantworten hatte, trotz aller Mühen nicht zur Ans- stihrung bringen können. Er ist ein sogenannter Spccialist, der mit Vorliebe messiiigene Ofenthüren ans Hänsern zu stchlcn bestrebt ist. Er hat erst vor kurzem eine ihm wegen eines solchen Diebstahls auferlegte längere ZiichihaiiSstrafe verbüßt und ist sehr bald wieder in' den alten Fehler verfallen. Er schlich sich in ein Hans der Warschaucrstraße. klingelte an der Thür des ersten Stockwerks und da ihm nicht geöffnet wurde, zog er einen Dietrich ans der Tasche, öffnete sehr geschickt die Thür und drang in die Wohnung, Als er hier einige Ofenthüren aus- gehniigt und zum Transport anfeiiiander gelegt hatte, wurde er überrascht und festgenonnnen, noch ehe er seine Beule in Sicherheit bringen konnte. Er stand deshalb unter der Anklage des wiederholten Diebstahls nach mehrmaliger Vorbcstrasnng und spielte sich vor Gericht als daS Opfer seiner Vorstrafen auf. Er habe, so versicherte er, als er wieder in Freiheit kam, den festen Vorsatz' gehabt, den alten Adam auszuziehen, sich zu bessern und«in ehrlicher Mensch zu iverden. Mit dieser guten Absicht sei er in das Leben znrückgelcbtt, habe aber gesehen, daß seine Bemühungen vergeblich seien. Er habe alles Mögliche aufgestellt, um tii ein Arbeitsverhältnis zu gelangen und Geld zum Lebensunterhalt zu verdienen, bei seinen Vorstrafen habe er aber keine Beschäftigung gefunden nnd da er nicht Hunger» ivollte, habe er tvicdcr zu seinem verbrecherischen Metier zurücklehren müssen.— Der Gerichtshof verurteilt« ihn zu e i n e m I a b r e Z» ch t h a u S. Giebt eS nicht einen Verein zur Fürsorge für entlassene Ge- fangen«? Der technische Direktor der deutschen Ttahlivrrke, Herr Ferdinand Theodor Franke, halte sich gestern wegen Vergehens und ivegcn Ucbertretnng der R e i ch S- Ä e w e r b e« Ordnung vor der zweiten Fenenstrafkanimer am Landgericht ll zu verantworten. Der Gcwerbe-Jnspektor Hölzer revidierte unlängst die in Reinickendnrf belegene, von dem Angeklagte» geleitete Favril und erfuhr hier von einem 14jährigen Lehrlinge, den er befragte, daß demselben die gesetzlich vorgeschriebene Frühstücks« nnd Vesper- pause von je einer halben Stunde nicht gewährt würde. Außerdem waren die gesetzlichen Schntzbestimnmngen für jiigend- liche Arbeiter vorschrrftswidrigcrweise in den Fabrikräumen n i ch t a n g e s ch l a g e n. Der Angeklagte erklärte, daß er slrenge Anordnungen gegeben habe, daß die Bestiimnuiigen der Gewerbe- Ordnung über den Schutz der jugendlichen Arbeiter beobachtet würden, er selbst sei als Erfinder des Verfabren», welches die Fabrik ans- beute, dermaßen wissenschaftlich beschäftigt, baß er sich um derartige Details nicht zu kümmern vermöge. Obendrein habe er in der Zeit, in welcher die Delikte begangen worden feie», an Lungen- entzündung schwer krank darniedergelegen. Den Lehrlingen einen Aufenthalt außerbalb der Fabrikräume während der Pausen zu gewähren, ei gar nicht möglich gewesen, da sich die aus kleinen Anfängen hervorgegangene Fabrik so rapide entwickelt habe, daß fortwährend Erweiterungsbauten vorgenommen werden mußten. Das Urteil des Gerichtshofes lautete dahin, daß der Angeklagt« zwar die Anordnung gegeben habe, die Schutzbestimmungen sollten beobachtet werden, ein Verschulden liege jedoch darin, daß er sich nicht überzeugt habe, ob seine Anordnungen erfüllt wurden. Die gesetzlichen Vorschriften würden auch nicht durch Bauten außer Geltung gesetzt. Der An- geklagte sei daher wegen der Ucbertretnng sNichtaushängen der Plakate) zu zehn Mark und wegen deS Vergehens zu dreißig Mark Geldstrafe zu verurteilen. Aus der Frauenbewegung. Zur Berliner Dtcnstbotenbewegung schreibt die„Gleichheit: „Unseren Genossinnen in Berlin und anderwärt» weist die in Fluß gelommene Bewegung der Dienstboten aber eine neue, ernste und schwierige Aufgabe' zu. Sie haben mit Verständnis und Energie dafür zu wirken, daß die junge, unklare Bewegung möglichst rasch Ziele warme, thatkräftige Unterstützung zn theil werden lasten. Sie haben das Solidaritätsgefühl der Dienstmädchen zu stärken, ihr Klassenbewußtsein als Proletarierinnen zu ivecken und zu schulen. Indem sie ihrer Ucberzengung gemäß für die Interessen der Hans- sklavinncii eintreten und diese zur Auflehming wider ihre unwürdige Lage aufrufen, sie zur Erkenntnis ihrer Zlisammengehörigkeit mit allen Ausgebeuteten und Entrechteten erziehen, gewinnen sie den» SocialismuS neue Bekeimcrinnen. dem Heere des klassenbewußten Proletariats neue Kämpferinnen." Die Arbcitcriiincu der Buchbindereien und Druckereien Von Manchester besitzen eine eigene Organisation, die 1896 gegründet wurde und zwar mit nur 22 Mitgliedern. Bis Ende des Jahres waren dem Verein 120 Arbeiterinnen' beigetreten, 1887 zählte er 140, 1898 aber 170 Mitglieder. Die erste Jahresabrechnung, die im April 1897 erfolgte, ivies Eingänge im Betrage von 837 M. auf und Ausgaben in der Höhe von 489 M. Der Organisation gehöre» zu- nieist Falzerinnen und Hefterinnen an; die Verwaltung wird im wesentlichen von den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Buchbinder geführt, die auch in anderer Beziehung den Verein der Arbeiterinnen thatkräftig fördern. Zum Wahlrecht für den Handels- und Arbeitsrat hat die oberste ArbritSkamnier in Belgien alle über 25 Jahre alten in Hüttenwerken beschäftigten Frauen zugelassen. dafür zu wrrlen, daß d,e junge, unllare Bewegung mogucy,r ra,cy zur Klarheit gelangt, daß sie ihre Kraft nicht auf den öden Pfaden einer unfruchtbaren Harmonieduselei verzettelt, vielmehr alS Kampfes- bewegung deutlich erkannten und entschieden erstrebten Zielen zu« strebt: der Aufhebung der Gesinde-Ordnung. der Zuerlennung de» vollen Koalitionsrechts, der Gleichstellung der Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern und der sinngemäßen Anwendung der gesetz- lichen Schutzbestimmungen auf die häuslichen Arbeiter. Die Ge- nossinnen müssen der'Dienstbotenbewegimg im Kampfe für diese Vevmifrtzkes- Der Chemiker Prof. Bnnfcn ist gestern vormittag. 88 Jahre alt, an seinem Wohnort Heidelberg an Altersschwäche gestorben. Die Bedeutung dieses hervorragenden Gelehrten behandelt ein Artikel in der heutigen Unterhaltungsbeilage, auf den wir unsere Leser ver- weisen. Walfische in der Ostsee. Auch in Leba ist ein großer ver- endeter Wal ans Land geworfen worden. ES scheint dies derselbe Wal zn sein, der die Badegäste auf Rügen auf längere Zeit bc- unruhigt hat. Diese Ansicht wird, wie die„Lcbaer Kur- und Liv- land-Blätter" schreiben, dadurch bestärkt, daß er einen Teil vom Fischemetz am Halse trägt. Bon Rügen wurde seiner Zeit gemeldet. daß der Wal sich dort aus einem Netze befreit habe. Durch die jetzt herrschenden starken Westwinde ist er an den Strand von Leba hinailsgeworfen worden. In Halberstadt wurde Dienstagnachmittag bei dem Bahn- Übergänge Hcudeber ein Erntewagen von der Maschine des Schnellzugs Wernigerode-Berlin erfaßt; ein auf dein Wagen sitzender Arbeiter wurde getötet, einem anderen Arbeiter wurden beide Beine abgefahren. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Liegnitz wurde gester» die 83 jährige. ans Patschiau stamniende Frau Marie Berndt, geb. Grötzner. verhaftet. Sie ist die Frau des Rittmeisters a. D.. Rittergntsbesitzers Berndt in Nieder- Schützendorf und hielt sich vorübergehend mit ihrer 14jährigen Tochter in Breslau auf. Die Inhaftierte ist verdächtig, ihrem Gatten soivie mehreren Haus- bewohnem durch Strychn in vergiftete Speisen vor- g e s e tz t z u h a b e n. Als Mitschuldiger wurde bereits kürzlich der 26jährige Gntsinspcktor Markivitz in Untersuchungshaft genommen. welcher mit Frau Berndt intim verkehrt haben soll, worauf Berndt durch dritte Personen aufmerksam gemacht wurde. Ein großes Fcncr ist gestern früh 6 Uhr in Schwerfens ausgebrochen, durch das bisher acht Häuser zerstört sind. Wegen des herrschenden Mangels an Wasser kann die Feuerwehr nicht Herr des Feuers werden, zumal sie, weil die Straßen sehr eng sind, nicht mit Erfolg vorgehen kann. Bis jetzt, nach 12 Uhr mittags, greift der Brand noch immer weiter um sich. Durch die Uiivorfichtigkeit eines RrzteS und eines Apothekers wurde in Budapest das vier Monate alte Söhnchcn deS Grafen Szechcnyi getötet. Der Arzt verschrieb für das Kind eine Medizin zur Einspritzung und Karbolsäure zur Desinfektion. Der Apotheker verwechselte die Etikettes auf bei» Flaschen, und der Arzt benutzte das Karbol zur Einspritzung,»ack welcher daS Kind unter den fürchterlichsten Schmerzen verstarb. Gegen den Arzt und den Apotheker ist die Untersuchung eingeleitet. Ans Gerd(inen wird berichtet: In Altendorf ist die Ruhr a n ö g e b r o ch e n. Die Krankheit ist in das Dorf eingeschleppt und hat in kurzer Zeit eine erhebliche Ausdehnung angenommen. Um der Wcitervcrbreitung eiitaegcnzutreten, sind zweckmäßige Anordnungen getroffen. Die Rnhrbäuscr sind durch Tafel» bezeichnet, der Verkehr ist cingeschrünkt. 13 Personen waren am 12. er. erlrnnkt. zwei sind bereits verstorben. In der Oberfürsterei Hagenort, Försterei Reußberg, fand am Sonntag ein größerer Waldbrand statt. Ein ganzes Jagen wurde ein Raub der Flammen. Nur der Thätigkeit der Forstbeamten sowie dem Umstände, daß eS windstill war. ist es zu verdanken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt wurde, Ueber ciue folgenschwere Bootsfahrt wird der„B. Ztgt anS Stettin, 14. August, folgendes geschrieben: Gestern hatte sich eine kleine Gesellschaft, bestehend au« dem Bäckermeister Höhnke, dessen 24 jähriger Tochter Ida Höhnke, dem Briefträger Hain, dessen 23 jähriger Tochter und Sohn, soivie dem Fischhändler Robert Ulecht, aus Räpitz in einem Boot nach Groß-Ziegenott begeben. wo der Ziegenorler Gesangverein die Fahnenweihe feierte. Am Abend um 9 Uhr trat die Gesellschaft die Rückfahrt nach Köpitz an. Da ein mäßiger und günstiger Wind wehte, wurden die Ruder ein- gezogen, und der Bäckermeister Höhnke machte sich daran, ein Segel aufzusetzen. Da daS Segel frisch gestrichen war und die jungen Mädchen befürchteten, ihre Iveißen Kleider zu beschmutzen, be- gaben sie sich schnell auf die andere Seite dcß Bootes, wo bereits mehrere Personen saßen. Die hierdurch bewirkte ungleiche Belastung brachte das Boot zum Kentern, und alle sechs Personen fielen ins Wasser. Auf das Hilfegeschrri eilte ein mit seinem Kahn in der Nähe ankernder Schiffer in seinen, Anhang hinzu, und es gelang ihm, den Briefträger Hain, dessen Sohn und den Fischhändler Utecht. die sich am Rande des Bootes festgehalten hatten, zu retten. Die übrigen, der Bäckermeister Höhnke, dessen Tochter, sowie die Tochter des Hain sind leider ertrunken. Noch einer Meldung auS Jnowrazlaw wurden die drei ältesten Söhne des Wirtes Kociekowski in dem Dorfe Kronschkowo unter dem Verdachte verhaftet, ihren Vater ermordet beziv. um den Mord gewußt zu haben. Kociekowski, der 54 Jahre alt war. wurde zwei Tage vor seiner beabsichtigten Wiederverheiratung erschossen aufgefunden. Ergreifung«lnrS RandmSrderS. Wie die„Pojener Reuesten Nachrichten' an» Jnowrazlaw melden, ist der Raubmorder, der am 31. Mai auf dem Wege von Bütow in Pommern nach Berent in Westpreußen einen Knecht namcnS Czarnowski ermordet und be« raubt hat, ergriffen worden, da er sich vaaabondierend umhertrieb. Der Staattanivalt hatte auf seine Srgreisuiig eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt. In Oporto find, nach der offiziellen Liste, in den letzten neun Wochen 29 ErkranlungSfälle und 10 Todesfälle an Beulenpest vor- gekommen. Am 14. d. M. haben die Aerzte zwei neue Erkrankungen festgestellt, und zwar bei einem Manne, der noch cm demselben Tage verstorben ist, und bei einem Kinde. Die Seuche soll durch den englischen Dampfer„City of Eork' au» Bombay eingeschleppt, der erste Erkrankungsfall bereits am 4. Juni erfolgt fein.— Der spanische Sanitätirath beschloß, die Provenienzen aus den Häfen PorttigalS einer vierzehntägigen Quarantäne zu unterwerfen und an der Grenze gegen Portugal Quarantäne- Anstalten zu errichten. Bi» zur Einrichtung dieser Quarantäne- Anstalten soll jeder Verkehr zwischen Spanien und Portugal eingestellt werden. Die brasilianische Regierung ordnete Quarantäne an für Herkünfte au» portugiesischen Häfen des Atlantischen Meeres und dem spanischen Hafen Vigo für Schiffe, welche die genannten Häfen seit dem 1. August verlassen haben. MtNkiptcise von Berlin am IS. August 1899 »ach Erinitteluna«! des kal. Dol»eivräsidill»is. »)We>zen D�-Ctr� »)Nogacil Nutter-Gcrste Hafer gut „ mittel„ gering Nichtstroh Heu lOErvscn f)Speifekolinci> T)üi»fcit Kartoffeln,»rite giindflcisch, Keule 1 kg 60. Bauch„ *) Enuittclt pro Tonne von der Centralflelle der Pre»(j, Landwirt- f chaftSIaminer— NotienmgS stelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ccntncr, ch) Kleinhandelspreise, Produktenmarlt vom 16, August. An den GetreidedSrsen Nordamerikas ist nach mehrtägiger vorwiegend fester Stimmung ein un- erwarteter Umschlag der Tendenz eingetreten, der auch bei uns einen preis- drückenden Einstust ausübte, zumal da der hiesige Marli infolge des schönen Wetters und des anhaltend starken Angebots stets zur Abschwächung neigt, Außerdem kamen heute bedeutende LiesemngSabgaben der hiesigen Spekulation, eine direkte Folge gestriger spekulativer Käufe hinzu, Ge- drückt war namentlich Weizen, der über 1 M, nachgab, während Roggen bis 1 M. villi ger zu haben war. Hafer behauptete seinen letzten Preis- stand. Am heutigen Spiritusmarkte zog loco TOer 0,10 M, an. Gehandelt wurden 10 000 Liter mit 43, 60. Das Termingeschäft war ganz be- langlos bei nominell unveränderten Preisen. Kartofselfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack—. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack und Mehl 19,10 M. Supra trockene Kartoffelstärke— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto—. Prima Kartoffelmehl 19,10 M. per 100 Kg. Städtischer Schlachtviehmarkt. Es standen zum Verkauf t 580 Rinder, 2162 Kälber, 1319 Schafe, 9864 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kg. Schlachtgewicht in Mark(bezw. für 1 Pfund in Pfennigen): Für Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 00— OOM.; d) junge fleischige, nicht aus- gemästete und ältere ausgemästete 00— OOM; c) mäbig genährte junge und gut genährte ältere 00—00 M.; d) gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachiwerteö 00— 00 M.; d) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00—00 M.; o) gering genährte 47—50. — Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachlwerts 00—00' M.; b) voll fleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts, höchstens 7 ausgemästete Kühe und weniger gut Jahre alt, 00—00 M; c) ältere entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00—00 M.: d) mäßig genährte Kühe und Färsen 48—50 M.; o) gering genährte Färsen und Kühe 43—46 M.— Kälber: a) feinste Mast-(Vollmilch- mast) und beste Saugkälber 68— 70 M; b) mittlere Mast- und gute Saugkälber 64—67 M; o) geringe Saugkälber 60—63 M.; d) ältere, gering genährte(Freffer) 42—45 M.— Schafe: a) Mastlänimer und jüngere Masthammel 63—65 M.; b) ältere Masthammel 58—62 M., c) mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 50—55; d) Holsteiner Niederungsschafe(Lebendgewicht) 27—32 M.— Schweine: a) vollfleischige, der feineren Raffen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1»/« Jahren 47— 48, b) Käser 46— 47, o) fleischige 46—47, d) gering entwickelte 44—45; e) Sauen 40—42 M. Verlauf und Tendenz. Vom Rinderauftrieb wurden knapp die Hälfte verkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich langsam, der Markt wird kaum ganz geräumt. Von Schafen wurden nahezu 1000 Srücke verlauft. Der Schweinemarkt verlief nratt und schleppend und wird auch nicht ge- räuuit. Schwere, fette Schweine, viel am Platze, waren schwer verkäuflich. evlttcriliigsübersicht vom 19. Anglist I«S». morgens 8 Uhr. Stationen 2= o 2 Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 760 NW 760® 761!@SO 763.SW 767$® 764Still Wetter Aheiter Iwolkig 2!wolkig ichlb.bed. 2Regen -swolkig e'■* dB 1« Stationen SS S£ Is cS e«■ 20 Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 757�SW 76? NNW 761:®® 764OSO Wetter öS u _ ö 2 wolkig Iheiter Shlb.bed. lihlb.bed. Wetter-Prognose für Tonnerstag, den 17. August 1890. Etwas kühler, vielfach wolkig, zeitweise heiter mit uiäßigen Nord- westlichen Winden und leichten Regenfällen. Berliner Wetterb u reo n. Briefkasten der Redaklion. Tie juristische Sprechsliinde tvtrd Dicuötags, Douuerstags und Freitags abends von K bis 8 Uhr abgehalten. O. K. 100. 1. Auf leichte Erlernbarkeit kommt eS bei einem steno- graphischen System weniger an, als auf praktische Verwendbarkeit. Wir raten Ihnen, eines der bekannten Systeme, Gabelsberger oder Stolze, jedoch nur für den Fall zu erlernen, daß sie praktische Verwendung dafür haben. 2. Im Adreßkalender finden Sie derartige Vereine. W. S. Steglitz. Die Frage ist im Briefkasten beantwortet. A. V. Eine Erziehungsanstalt, in der die Kinder frei von Muckerei erzogen werden, ist uns unbekannt. So etwas gedeiht in Preußen schwerlich. — Sch. 1. Nur, wenn sie einen gerichtlichen Beschluß erwirkt, durch welchen der Frau gestattet wird getrennt vom Hause zu leben. 2. Ehebruch ist ein Scheidungsgrund. Der Beweis des Ehebruchs kann auch durch Indizien geführt werben. Ob w Ihrem Falle die Beweismittel ausreichen werden. läßt sich nicht vorhersagen.- P. H. S. 1. und 2. Das hängt davon ab, weshalb und wie hoch der Betreffende bestraft ist.— Kirschke. 1. Vom 1. Januar ab ist ein Testament ohne Zuziehung des Gerichts möglich. Aus- kunst über die Art der Einrichtung eines solchen erteilen wir nicht vor dem 1. Januar, um andere nicht zu verwirren. 2. 10 Jahre lang. 1000. 1. und 2. Ja. 3. Nichts. 4. und 5. Soweit ohne nähere Kenntnis des Sach- Verhalts ersichtlich ist: nein.— H. I. 79. Die Bescheinigung muß er- folgen, kann aber jederzeit nachgeholt werden.— A. N. 1000. Nein. — C. L. Grünau. Sprechen Sie eventuell mit der Aufforderung in der juristischen Sprechstunde vor.- A.«. 17. Klagen Sie beim Gewerbe- gericht auf Entschädigung für 14 Tage.- 1000 E. 5t. Nein. Die Polizei- Verordnung besagt für Berlin nur, daß die Räumung einer aus höchstens zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnung am ersten Quartals- tage beendigt sein muß.- O. R. 9. Solches Recht haben Sie.- A. K. 91. Der Bertrag ist bindend.— II A. F. 1. Wir geben Adreffeü nicht an: nehmen Sie den Adreßkalender zu Hilfe. 2. Auf der linken Seite.—31. Z. Skr. 50. Wenden Sie sich direkt an die Polizeiverwaltuug in St.— P. S. LO. Nein.—(£. G. X 3. Das ist möglich, die Ent- scheidung hängt von dem Ermessen der Kasse, beziehentlich des Gerichts, ab. — O. S. Sosort.— Otto Schulze. Briefliche Antwort erteilen wir nicht. 1. Verjährung liegt nicht vor. 2. Das kann nur ein Techniker, nicht wir, entscheiden. 3. Der Hauswirt kann dann auf Zahlung der Miete Nagen.— W. B. Mietsverträge unterliegen der Stempelpflichr, falls die Jahresmiete mehr als 300 M. beträgt. Die Stempelsteuer beträgt bei einem Jahresmietspreis von 300— 500 M: 50 Pf., von 500— 1000 M: IM, 1000-1500 M: 1,50 M, 1500- 2000 M: 2 M. Die Mielöstempelsteuet wird seit dem 1. April 1896 nicht mehr durch Stempelmarken entrichtet, vielmehr hat seit dieser Zeit der Vermieter ein Mietsverzeichnis zu führen und in diesem die Stempelmarke zu verwenden.— A. T. 14. Nein. — Lauge. Schriftliche Autwort erteilen wir nicht. Ihre Klage auf Ehescheidung hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Wollen Sie sie versuche», so müssen Sie zunächst beim Amtsgericht Sühnetermin anstellen, sich dann das Armenrecht bewilligen und die Klage durch den Ihnen dann beigeord- neten Anwalt einreid>en lassen.— G. Q. 34. Leider läßt sich in dem be- treffenden Fall nichts mit Erfolg unternehmen.— Sl. V. 43. Nein.— H. S. 58. Der Bater.— Weber 27. Sie können sich beim Bezirks- tommando oder bei einem Regiment melden.— H. 3)1. 42. Ohne Kenntnis des Testaments und ohne zu wissen, welches der letzte Wohnsitz der Erblasser>var, ist Ihre Anfrage nicht zu beantworten. Sprechen Sie eventuell mit dem Testament in der Sprechstunde vor.— W. W. Nein. — Dante. Pnnkolv 8. 1 und 3. Nichtdeutsche müssen bei der Polizei- beHürde ihr Naruralisationsgesuch einreichen oder zu Protokoll erklären. Ein Nichtdeutscher hat auf Naturalisation in Deutschland kein Recht. Die Naturalisation hängt von dem Ermessen des Regierungspräsidenten, be- ziehentlich des Polizeipräsidenten, ab. 2. 50 Mark.—<£. K. 30. Nein. Nierlich. Ja, falls nicht aus dem Vertrage das Gegenteil folgt.— Frei- hcit. 1. Wenn der Sohn minderjährig ist: ja. Das Gesuch um An- beraumung eines Auseinandersetzungstermins ist an das Amtsgericht zü richten. 2. Nein.— L. F. Nein.— H. 33. Das Recht hat der Hauswirt. I'odcs-�.nztvlß;«. Teile allen Kollegen, Freunden und Bekannten mit, daß der Putzer Paul Sommerfeld am Montag, den 14. d. M, nach schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am 18. d. M, nachm. 5 Uhr, vom Krankenhaus Bethanien aus nach dem Emmaus- kirchhof statt. 1943b Die trauornckon Ulntordllobonen. Frau Sommerfeld nebst Kindern. Donnerstag, den 17, Angnst, abends 8*3 Uhr, in der Kessonree, Kommattdantenstr. 57 Oeffentl. Uolk Nersammlnng. Tliges-Orduung: „Die Dienstbotenbewegung, ihre Ursache und ihr Ziel". Referentin: Frau I-IIIj� Brann. 1/16* Alle weiblichen und männlichen Personen sind eingeladen. Volle, uneingeschränkte Redefreiheit!! Tie Vertrauenspcrson. «lld Umgegend. Ä itz t u n g! Arbeltmeckkttr Derlms Am Donnerstag, den 17. Sluguft. abends 8Vz Uhr. bei Bnske, Grenadierstr. 33: Oeffentliche Versammlung derjenigen Arbeitervertreter, welche auf Grund des Unfall-. Juvalidltäts- und Slltersversicherungs- und des Krankcnversicheruiigs- Gesetzes gewählt sind. Tages-Ordnung: 1. Die Organisation der Arbeitervertreter Deutschlands. 2. Diskussion. Z. Wahl eines VertrueuSmannes. 4. Verschiedenes. Fugen Simanowskl, Gartenstr. 78 II. Louisenstädtisolios Konzertliaiis Alte Jacobstr. 37. Fernsprech-Anschl. 4a, 6224. Im September und Oktober habe noch Sonnabende und Sonntage unter coulanten Bedingunzen zu vergeben. 1935b E. Lange. Arbeiter-Berufsartikel«.Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Specialität: Arbeiter- Berufs- klciduiig: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend je nach Grüße um 10 Pf., blau kittet Hosen, in allen Längen, M. 1,65. Arbeiterhcmdcn, Blusen, Maler- Köper-u. Montenrhcmdcn. B. Wurzel& Co., Wrangelstr. 17. iom ZA wff. Flora-Säle, Weberftr. 17. Sonnabende und Sonntage üflF"' frei.*�8®[23068* Vereinszimmer 20—150 Personen.— Versammlungen:c.:c._ Cohns Festsäle, Beu thsirasse 20 Empfehle meine Festsäle mit Bühne, zu Versammlungen und Festlichkeiten. Sonnabende und Sonntage im September und Oktober noch zu haaell. Amt I, 1722. von 100—1000 Personen fassend, tsmpsehle allen Freunden u. Bekannten viiiein Weiss-, Bayrischblcr- und gr. Speiscgcschuft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch a la carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* II. Stramm, Rest., Ritterslr. 133. ll. lfrupes Tanz-Institut, Annenstr. 10(früher Klubhaus). Sonntags-Kurius per Monat 3 M, Dienstagabend-Kursus p. Monat 4M. Säle und Vereinszimmer für Ver- sammlungen u. Festlichkeiten.[23278 MrräDer, Tcilziihlnng, coulante Bedingungen.[2300Sl> Oranlenstrasse 33, II. auf Teilzahlung. J. Kellermann, Prlnzenstr.97, parterre, Eingang vom Flur.[* Große Ketten 12 M. (Cberfutt, Untnbett, zwei Mfien) mit gereinigte»»»»c» Keder» det «ustad Lustig. Berti»»..Prinzen- ftraie 46. vreteliste toNensrei. viel« l II»erkenn»» gasrbreibe». j Teilzahlung; monatlich 10 M liefert elegante Henrengarderoba n. Maß, Tomporowski, Schneidermstr., Neanderstr. 16, II, au der Annenstr. (Auch baar Caffe billigste Preise.) Jedes Wort.' Pfennig, _ Wiir das ersti Wort fett, Worte mit mehr als 16 Buchstaben zählen doppelt, ftleine ßn Anzeigen in den Annahmestellefi für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr,3 bis 4- Uhr angenommen, iste A rden tin jm m Verkäufe. Eckbaustelle, Vorort, 1 Morgen, giebt 2 Baustellen, der ganze Morgen 1200 Mark, 10 Minuten von der Bahn, verkauft Pankschlößchen, Ze- pemick, Stettinerbahn._ 19446 Milch-, Backwaren-, Kolonial- waren-Geschäft zu verkaufen Wallner- Theaterstraße 30._ f65 Eckdcstillatiou wegen Todesfall sofort billig zu verkaufen. Sturm, Neu-Weißensee, Parkstraße 9a. f27 Destillatio» wegen Krankheit so fort billig zu verkaufen. Pückler- straße 33. 1947b Testillatiou mit voller Konzession sofort zu jedem annehmbaren Preise zu verkaufen. Zu erfragen Zossener- straße 7, Räucherwaren-Geschaft. Wirtschaft, Plüschgarnitur, ver- stellbarer Polsterstuhl, Arbeitsplatte verkäuflich. Boeckhstraße 7, Papier- geschäst._ 1940b Schwarzdrossel, laut pfeifend, 5 Mark, Brückenstraße 1, Special- geschäst._ 121 Eichhörnchen, junge, 2 Mark, Brückenstraße 1. fingerzahm, t21 Dompfaffen, junge, zum Anlernen, 2,50, Brückenstraße 1._ f21 Papageien, aus erster Hand, größte Auswahl echter Harzer Kanarien- vögel. Restaurant, Kommandanten- straße 52._ 19306 Möbel, baar und Teilzahlung, billigst. Frankfurter Allee 110, I, Ecke Königsbergerstratze._ 14K* SRnhniaschinen, Ringschiff, Adler, obin, Teilzahlung ohne Anzahlung, Sauppe, Swinemünderstraße 3. Bc- stellung Postkarte._ 1897b Zweirad, gebrauchtes, verkauft billig Liebers, Neue Königstraße 78. Teppich, prachtvoller, Mauerhoff, Große Frankfurterstraße 9._ t43* �Schlag- und Streichzither billig zu verkaufen. Soukop, Pücklerstraße 54, 4 Tr., abends.__ 1946h �Pofamentier-Waren, 2 Schränke, 1 Ladentisch, Gaseinrichtung. Kalk- rcuthstraße 19.__ 19316 Betten, Schlafdecken, Steppdecken, Portieren, Kleidungsstücke, Teppiche, Tischdecken, Reisekoffer, Regulatoren, Remontoiruhreu spolthillig. Pfand- ln>-:'i'Ndcrstraße 6. 97/1* Möbelverkauf, Oranienstraße 73, zwischen Moritzplntz und Alexandrinen- straße, in meinem vier Etagen hohen Fabrikgebäude, großes Möbel-Sveeial- geschäst für Wohnungs-Einrichtungeu. Brautleute, welche«ine dauerhafte und billige Einrichtung kaufen wollen, bitte ich, ohne jeden Kaufzwang mein kolossales Lager vor Einkauf zu besich- tigen. Verlangen Sie mein größtes Plusterbuch gratis und franko. Durch größere Masseneinkäufe und Ersparung der teuren Ladenmiete bin ich im stände, hübsche und geschmackvolle Wohnnngseinrichttlngen schon für 150, 200, 300, 400 Mark, hochelegante von 500 biS 10 000 Mark zu liefern. Fertige Mnsterziinmer zur Anücht. Wohnnngseiurichtungen auf Teilzah- lung unter den koulanteste» Beding- mige». Beamten ohne Anzahlung. Eigene Tapezier- und Dekorateur- Werkstatt. Brautleute erhalte» hübsches Luxus-Möbeistück als Zugabe. Kleider- spind 20, Waschtoilette, Küchenspind 18, Kommode 15, Spiegel 7, Muschel- kleiderspind 35, Sopha 30, Bettstelle mit Matratze 18 Mark, Nußbaum und Mahagoni fournierte Äleiderspinden, Vertiiow 32 Mark, Muschelbettstelle mit Sprungfederbodeu 40, elegante Tnimeaux 45 Mark, Salon-Garuitur 60, 75 und 105 Mark, Paneelsophas mit Satteltaschen 75, Herrenschreibtisch 45, reichgeschnitztes Buffett 100 Mark. Zu ganz billigen Preisen werden die großen Vorräte verliehen gewesener, zum Teil sehr wenig benutzter Möbel verkaust, darunter ganze Speisezimmer, SalonS und Schlafzimmer. Täglicher Eingang gebrauchler, einfacher und feiner Möbel. Gekaufte Möbel werden 3 Monate kostenfrei aufbewahrt, durch eigene Gespanne in die Wohnung ge- bracht und aufgestellt, auch außerhalb. sermisevle Anzeigen. Zeugen gesucht. Diejenigen beiden Herren, welche am Sonntag, den 13. August, abends zwischen IO-KP/j Uhr im Restaurant Aschinger, I. Etage, amMilteleingang rechten Tisch, gesessen, werden gebereu, ihre Adresse an Adolf Schlesinger, Neue Künigstraße 14/15, abzugeben. Merkmal: Der eine der Herren wurde durch Herabfallen des Schinneö belästigt. Elektro. Berliner Elektrotechnikum Prinzenstraße 55. Einzige und älteste Anstalt Berlins auf wissenschaftlich- praktischer Grundlage eröffnete Mitte August einen neuen Abendkursus für Elektromonteure. Anmeldungen per sönlich. Prospekt gratis._ Vereinszimmer, 40 Personen fassend, frei. Gustav Ladewig, Koni- mandantenstraße 65, nahe Alte Jakob- straße. 19628* Kegelbahn. Die beste im Norden, Stunde 0,80, Wernau, Schwedter- straße 23._ t 37« Elektrotechnik. Neuer Abend- kursns. Jackson, Alte Jakobstraße 24. Elektro. Prinzenstraße 55. Prak- tische Ausbildung in allen Elektro- monteur-Arbeiten. Abendkursus. Auf- nähme jederzeit. Prospekt gratis.[86K* Vermietungen. Schlafstellen. Saubere Schlafstelle für 2 Herren, September, gesucht, unter X. S. 102 postlagernd Pücklerstraße. 1945b �rbeitsnmrkt. Stellenangebote. 3,50 Feuerversicherung Bautzener- straße 3._ 93/1* Ein junger Portefeuille- Arbeiter findet dauernde Beschäftigung auf Tresors.(Reisekosten vergütet.) I. Löffler, Lübeck, Lederwaaren- Fabrik. 1920b Grundierer straße 24. verlangt Elisabeth- 1925b Dirigent sucht Gesangverein Donnerstags Kremmenerstraßc 1. Schulz. Ehreiierklärung. Die über Herrn Albert Neumann ausgesprochenen Beleidigungen nehme ich zurück und erkläre denselben für einen Ehren- mann. Georg Rölke. Farbigmocher verlangt Barnim- straße 41. 1937b Farbigmacher verlangt Andreas- straße 10. 1937b Eine» Grundierer auf Goldleisten und Arbeitsburschen verlangt Werk- meister, Schmidstraße 8a._ 19346 Vergoider für bessere Politur- arbeiten verlangt Müller, Goldleisten- sabrik, Fruchtstraße 63._ 1932b Former verlangt Adalbertstraße 70. S- Äneiiel, 1939b Drechsler auf Hartgummi verlangt Emil Müller u. Co., Große Frank- furterstraße 44._ 19336 Geübten Einballierer auf Gold- leisten verlangt A. Werkmeister, Schmidstr. 8a._ 19386 Schloffer auf Apparate, genaue und zuverlässige Arbeiter, für dauernde Beschäftigung bei hohem Lohn gesucht. „Panzer" Aktiengesellschaft, Bad- straße 59. 94K* Tüchtigen Verfilberer auf Barock- kanten bei hohem Lohn verlangt Joers, Skalitzerstratze 28._ iü4 Klempner auf Acetylenapparate gesucht. Lichtenberg, Herzberg- straße 31/32._ 29t Drei gute Korbmacher, zwei auf Gestellarbeit, einer auf Scheenarbcit, nach Ausland verlangt. Näheres A. Moritz, Berlin N., Kastanien- Allee 26. 96K Mamsells auf Damenjacketts außer dem Haule verlaugt Herzberg, Neue Äönigstraße 78. 130/17 Blouscn. Tüchttge Arbeiterinnen auf bessere konfektionierte wollene Blousen, die bei sauberster Ausführung Posten liefern können, finden dauernde Beschäftigung zu guten Arbeitspreisen. Meldungen unter Borlage von Probe- arbeit bei Orgler& Fidelmann, Kur- strahe 47/48, III. 1905b Schuhmacher auf umgewendete Arbeit und Leder-Reiseschuhe verlangt Schuhfabrik, Au der Stadtbahn 41.* Sticker suchen bei hohem Wochen- lohn oder 4,75 Mark für«/« 3 f. per 1000 Stiche Maitis söhn u. Fiedler, Landsbergerstraße 16. 1941b Baroctvergolderiu verlangt P. Klinke, Eisenbahnstraße 14. 1942b Hemdbluseu. Tüchtige Arbeite- rinnen auf Hemdbluseu, die bei sauberster Ausführung Posten liefern können, finden dauernde Beschäfti- guug zu guten Arbeitspreisen. Mel- düngen unter Vorlage von Probe- Arbeit bei Orgler u. Fidslmann, Kurstrabe 47/48. III. 1906b Silberpoliereriuneu werden ver- langt Ritterfttaße 6, Silberwaren- Fabrik. 19016 Mamsells auf Jacketts. Schwarz, Bernauerstraße 47o I._ 19396* Mädchen für leichte Lederarbeit verlangt Schönberg, Dunckerstraße 18. Mamsells auf wattierte und Stoff- räder verlangt Mebes, Diessenbach- siraße 35, vorn III. 19486 Mamsells. Krimmerkragen, gute Preise, verlangt Syländer, Graun- straße 16, III._ 147* Junge Mädchen finden dauernde Beschäftigung bei leichter Arbeit und gutem Verdienst. Export-Gasglühlicht- Geiellschaft Neu-Weißensee, Friedrich- straße 4E_ Jü7 Im NrbeitSmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» tosten 40 Pf. pro Zeile. p. sofott in dauernde Stellung ge- sucht. Offerten mit Gchaltsanspr., Alter u. Zeugnisabschriften Ad. Qocurliv, Magdebnrg, Wilhelmatr. 13.[107/4 Tüchtige Schlosser zum Ansohlaffen von Geld- schränken werden verlangt. „Panzer" Aktlengeaellschaft, Berlin, Badstr. 59. 98/5 Achtung, Tischler! In der Möbelfabrik vvn Fiegel. Wasserthorstr. 14, haben sämtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. 108/12* Zuzug fernhalten! Geübte Belegerinnen auf Gold- leisten ge-ücht Liegnitzerstr. 15.-j-34* Lehrmädchen bei hoher Vergütung und dauernder Beschäftigung sucht Blumen- und Fedenifabrik Härtung u. Kriener, Leipzigersiratze 86. 1935b Mädchen zum Leisten machen ver- langt Bluutenstraße 32. Auch. 1938b Stuccatenre! Bei der Firma dablanslrl find wegen Nichtiimehaltung der tarif- mäßigen Vereinbarungen Differenzen ausgebrochen. Xuzne ist fern zu halten! 188/1 Der Vertrauensmann. Achtung! Kistenmacher! In der Werkstatt von 97/5 Binsporn, Retchenbergerstrafte, sind unsere Kollegen ausgesperrt. In der Kistenfabrik von Voigt, Melchiorstratze 30, sind die Kollegen wegen Lohndifferenzen �i» den Ausstand getreten. Zuxng ist fernznhalten. Die Lohnkommission. Achtung! R i x d o t* f. In der Bautischlerei von Knrtzabn, Mahlenstrasse 6, sind die Forderungen nicht be- willigt. Zuzug ist fernzuhalten. Annahme-Stellen fiir„Kleine Anzeigen". Ostsn: Robert Wengels, Fruchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe., Koppeustr. 83. Ehr. Schultz, Blumenstr. 14. IVordoston: I. Reul, Barnimstr. 42. forden: W. Gahma»», Grünthalerstr. 65. Karl Mars, Kastanicu-Allce 95/96. Emil Stolzeuburg, Wiescnstr. 14. L. Dechand, Ruhcplatzstr. 24. H. Bogel, Demminerstr. 32. A. Tietz, Juvalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Slnders. Salzwcdelerstr. 8. Siidsveuten: F.Ohueforge, Bcrgmannstr. 23, H.II Schröder. Kreuzbergstr. 15 Süden: HanS Sänke, Dresdenerstr. 52 53. F. Gutschmidt, Kottbuser Dann» 8. SüdoHten: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35. W. Gesche, Wrangelstr. 58. Marti» Mescha, Adalbertstr. 24. Ccntnam: P. Harsch, Gipsstr. 27. Cbarlottenbaarg: Gust. Scharuderg. Schillcrstr. 941. A. Tietz, Kaiser Fricdrichstr. 37 b. Friedenau: H. Bernsee, Kirchstr. 15. Briedriebrabea-g: Anton Kopp, Friedrich Karlstr. 4. Pankow: Kümmert, Kaiser Friedrichstr. 15. Kixdorf: C. Ostermann. Erckstr. 6. E. Reuermi. Hermannstr. 50. Scliöneberg: Wilh.Bäumler.ApoftelPauluSstrlZ. Welssensee: Seiurich Bachmanu. Lehderstr. 1. IulinS Schillert, Köuigchaussee 39». Rod. Liebschwager, Gustav-Adokf- straße 16. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlm. Für den Inseratenteil verantivortlick: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Nr.>Sl. 16. 2. KrilM des„Nmiick" Kerüml KllÄIM. >. 17. AilgH 1869. Wohnniigsclcnd in Kicl. In Kiel herrscht zur Zeit eine Wohnungsnot, die weit über das Mafc dessen hinausgeht, was sonst unter der gegenwärtigen Pro- duktionsweise als normales Elend gilt. Die Entwicklung Kiels ist in den letzten Jahren eine ganz rapide gewesen. Auf den grossen Werften am Kieler Hafen ist in den letzten beiden Jahren die Arbeiicrzahl um 12— 1500 vermehrt worden. Beim Bau der beiden grotzen Trockendocks werden unzählige Arbeiter beschäftigt; das hat eine außerordentlich starke Nachfrage nach kleinen Arbciterwohnungcn hervorgerufen. Hinzu kommt, daß in- folge des Umbaues der Kruppschen Werft eine ganze Reihe von früheren Arbciterhäusem abgebrochen sind, für die kein Ersatz ge- schaffen wurde. Das alles hat dazu beigetragen, daß in Kiel der Weizen der Hausbesitzer blüht. Nie hat man diese anspruchsvolle Gesellschaft anspruchsvoller gesehen, wie jetzt. Mictssteigerungcn sind erfolgt in kaum glanblickwr Weise, und allen nur irgendwie niißliebigcn Mietern ist gekündigt worden. Ist doch Ersatz für dieselben genügend vorhanden. Reicher Kindersegen ist jetzt zu einer besonders schweren Plage für die Arbeiter geworden. Gerade die große Zahl von Kindern ist für manche Arbeiterfamilie die Ursache der Wohnnngslosigkeit ge- worden. Tage- und wochenlanges Mühen um eine Wohnung ist vergeblich gewesen, immer ist ihnen wieder die Antwort geworden: «Sie haben zu viel Kinder!" Die Stadt Kiel hat ja nun für diese Acrmsten, die sie um Obdach angingen, gesorgt: wie sie das aber gcthan hat, das verdient über die Grenzen der freisinnig regierten Stadt hinaus bekannt zu werden. Die„Schleswig-Holsteinsche Volkszcitung", unser Partciblatt in Kiel, hat darüber Erhebungen angestellt und die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse hat derartig alarmirend gewirkt, daß sich auch dw Stadtvcrrretnng gezwungen sah, die skandalösen Zustände zu er- vrtern. Das Blatt erzählt: .Die steinerne Obdachlosen-Baracke nun, die wir zunächst be- treten, zählt 12 kleine Zimmer, von denen jedes eine Familie samt ihrem Hansrat beherbergt. Da, wie mitgeteilt, sämtliche hier unter- gebrachten Familien sehr viel Kinder besitzen, so müssen in jedem dieser Zimmerchen 6— 8 Personen mit einem Raum vorlieb nehmen, der vom hygienischen Gesichtspunkt aus kaum für einen Erwachsenen genügen würde. Als einziges zu der.Wohnung" gehöriges Aus- stattungsstück lveist jedes Zimmerchen einen kleinen' eisernen Ofen auf. In demselben Raum wird gekocht, gewohnt und geschlafen— von sechs und mehr Menschen!--- lind doch sind die Insassen der Steinbaracke noch die Aristokraten unter den städtischen Pensionären. In der hölzernen Cholera- baracke— man sollte es nicht für möglich halten— herrschen noch schauderhaftere Zustände. Hier sind die Räumlichkeiten zivar etwas größer als in dem Steinbau, aber es kampieren in ein und dem- selben Raum mehrere Familien. Wir haben uns persönlich davon überzeugt, daß in ein cm dieser Zimmer drei Haushaltungen untergebracht sind. In jeder Ecke steht ein Bett und um das Bett herum lagert in Bündeln verpackt das Hab und Gut dieser Armen Wenigstens sind die Bewohner der Holzbaracke vor Feuersgefahr be- wahrt— ihre Räume besitzen nämlich keine Oefcu. Zun: Kochen steht dieser Kategorie städtischer Mieter insgesamt eine einzige alte Kochniäschine in einem Zimmer des Steinbaucs zur Verfügung. Der Polizeibeamte mit seinem Säbel hat mittags das Kochen zu überwach en. damit unter den Frauen keine Streitigkeiten ent st eben.... Und für diese Behältnisse in der Obdachlosenbaracke müssen die Insassen auch noch Wohnungsmiete zahlen. . n der That! Für das kahle Behältnis, dos knapp noch die von uns gewählte Bezeichnung.Zimmerchen" in Anspruch nehmen kann, müssen die Bewohner der Steinbaracke pro Woche 1.50 M., d. i. 6,50 M. pro Monat Miete zahlen und daS Geld wird am Ende jeder Woche rücksichtslos eingetrieben. Für diesen Preis sind in der Stadt sogar Kellerwohnungen mit mehreren Räume», die hygienisch min- bestens so viel wert sind, wie die.Zimmer" der Obdachloscnbaracke, zn haben, von einzelnen Stuben ganz zu schweigen. Die Stadt ver- einnahmt also für die 12 Räume des Steinbaues insgesamt 70— 80 M. pro Monat." Ja selbst die in der hölzernen Cholerabaracke untergebrachten Familien sollen, wie den: Berichterstatter versichert worden ist, wöchentlich 1,50 M. zahlen. Im Stadtvcrordnelen-Kollegium hat man, wie gesagt, über die Zustände verhandelt. Man konnte sie nicht leugnen— zu ihrer Be- scitigung ist aber nichts geschehen. Der Magistrat beantragte zum Bau neuer Baracken die Bewilligung von 40 000 Mark. Nach den zur Begründung der Forderung gegebenen Miiteilunge» sind in einem kleineren Raum der Cholcrabaracke 2 Familien init 15 Kindern, in einem anderen 6 Familien mit 15 Kindern unter- gebracht. In einem dritten Raum wohnen gar 4 Familien, dar- unter 6 Frauen mit 20 Kindern. In der steinernen Baracke kommen auf ein Zimmer, in welchem im Durchschnitt 8 Personen Hausen und in welchen: zugleich gelocht und geschlafen wird, 10 Kubikmeter Luftraum. Einen Tag vor der Stadtverordneten- Sitzung hat der Stadtbaurat veranlaßt, daß in diesen Räume» die Lagerplätze der einzelnen Familien wenigstens durch spanische Wände abgetrennt werden, im Interesse der Sitte und Moral. Das sind aber bloß Palliativmitttel, im Wiiiter müßten die Baracken, welche keine Heizvorrichtungen« besitzen und der Feuer- gcfährlichkeit wegen auch keine besitzen können, ohnehin geräumt werden. Die erleuchteten Stadtverordneten konnten sich jedoch nicht einigen, wie dem Nolstandc an: besten zu begegnen sei, und so ist vorläufig »och gar nichts beschlossen. Sociale Llcrfzkspflege. Vom opferwilligen Unternehmertum. Eine wichtige Ver- Handlung des SchiedSgerichls in Sachen eines nnfallverlctzten Möbel- poliers wider die Norddeutsche Holz-Berufsgenosienschaft förderte recht sonderbare Tinge zu Tage. Es ist allbekannt, daß viele Unternehmer in der Möbel- und Holzwarcufabritation die Kosten der Unfall-, Kranken-, sowie der Jnraliditäls- und Altersversicherung dadurch von sich abzuwälzen suchen, daß sie» M e i st c r" für die Möbelpolicre, Bildhauer, Drechsler usw. einstellen, die dann nach außen hin als scheinbar selbständige Unternehmer gelten, dcmzuiolge die von ihnen be- schäfligtcn Arbeiter zur Krankenkasse, sowie zur Unfall- Versicherung anzumelden und auch den entsprechenden Beitrag für diese Arbeiter zu zahlen haben. Bezüglich der Unfall- Versicherung erspart aus diese Weise der eigentliche Arbeitgeber die Beiträge für einen oft großen Teil der lhatsächlich nur von ihm beschäftigten Arbeiter, d. h. er unigeht dadurch die ihm obliegende VersickcrungSpflicht. So hatte auch der Möbelfabrikant Equitz gehandelt, indem er den Möbclpolicrer Q u a d e als Meister einstellte, der von ihm in seiner Fabrik einen Rmini gemietet und in diesem mit den an- geblich nur bei ihm beschäftigten Möbclpolierern die Arbeiten fiu Equitz herzustellen hatte. Wären diese Möbclpolicrer nun direkt bei Equitz beschäftigt worden und nicht bei dem angeblich selbständigen Möbclpolicrer Qiiade, so wären sie der Unfallversicherung unterstellt gewesen. Da sie aber angeblich in einem anderen und' durch seine Natur nicht der Versicherun'gsvflicht unterliegenden Betrieb arbeiteten, so ersparte der eigentliche Arbeitgeber Equitz die Beiträge zur Unfall- versichening für diese Arbeiter. Auch bezüglich der Kranken- vcrsichcnuigs-Pflicht trifft solches zu. Nun erlitt aber am 7. Juli 1898 einer der angeblich bei dem Miibclpolierer Ouade bcschäst'gten Arbeiter dadurch einen B c- triebsunfall, daß er beim Sägespähneholen mit der rechten Hand in die Kreissäge geriet, wodurch ihm drei Finger abgc- schnitten wurden. Der Verletzte wendete sich an die Norddeutsche Holz-Berufs- genossenschaft und verlangte Entschädigung für seinen Unfall. Die Berufsgenossenschaft lehnte den Antrag jedoch mit der Begründung ab, daß der Verletzte bei Ausübung seiner Thätigkeit nicht Arbeiter des der beklagten Berufsgenossenschaft angehörigen Betriebs-Untcr- nehmers Equitz, sondern des nicht katastrierten selbständigen Unter- nehmers Quade gewesen und als solcher nicht versichenings- pflichtig sei. Der Verletzte ließ nun durch seinen Vertreter beim Schieds- gericht gegen diesen Entscheid der Berufsgenossenschaft Berufung einlegen und behauptete, daß der Möbelpolicrer Quade nicht als selbständiger Unternehnier, sondern als Borarbeiter oder Meister für die Möbelpoliererei des Unternehmers Equitz anzusehen sei, und es seien daher die bei Ouade beschäftigten Arbeiter dem Eqnitzschen Be- triebe zuzuzählen. Nachdem ein, infolge dieser Behauptungen des BernfnngsklägcrS, eingeleitetes Ermittlungsverfahren ergeben hatte, daß der vom Kläger hehauptete Sachverhalt den Thatsackien entspricht, beschäftigte sich auch das Schiedsgericht mit der Angelegenheit und entschied: „Die beklagte Berufsgenossenschaft wird verurteilt, den Kläger gemäß§ 5 des Unf'allvcrsicherungs-Gesetzes, für den Unfall vom 7. Juli 1898 zu entschädigen. Aus der Begründung des schieds- gerichtlichen Urteils ist folgendes hervorzuheben: „Auf Grund der durch die Zeugenvernehmungen erfolgten Fest- stellungen hat das Schiedsgericht unbedenklich die Ueberzeugung gewoniicn, daß es sich bei dem Möbclpolicrer Ouade um keinen selbständigen Betrieb gehandelt hat, daß vielmehr er sowohl wie die unter seiner Aufsicht thätigen Arbeiter lediglich als Arbeiter des Eqnitzschen Betriebes anzusehen sind. Für diese Art der recht- licken Beurteilung sprechen namentlich die übereinstimmenden Bekundungen beider Zeugen lEquitz und Quade, die in der münd- lichen Verhandlung dieser Sache vom Schiedsgericht vernommen wurde») darüber, was ihres Erachtens eingetreten' sei» würde, wenn sich Ouade einmal geweigert haben würde, die ihm von Equitz zn- gegangenen Möbelstücke zu bearbeiten. Hierüber sagt Equitz, er würde alsdann dem Ouade eröffnet haben, er könne ihn nicht mehr brauchen und es würde alsdann nicht nur ihr gegenseitiges Arbeits- Verhältnis alsbald aufgehört haben, sondern es dürfte auch nut diesem Moment das angebliche Mietsverhältnis hinsichllich des Quadeschen ArbcitsraumeS im Equitzschcn Hause sein Ende erreicht haben. Diese Angaben hat auch Quade mit dem Hinzufügen bestätigt, daß er sich für verpflichtet gehalten habe, die ihm zugewiesenen Arbeiten auszuführen. Thatlächlich hat Quade auch nur für den Eqnitzschen Betrieb allein Arbeiten ausgeführt. Bei einem mit einer derartigen wirtschaftlichen Abhängigkeit verknüpften Vertragsverhältnis hat das Schiedsgericht die Eigenschaft Quades als eines selbständigen Unternehmers nicht anzuerkennen vermocht, denn gerade hierin dürfte ein wesentliches Merkmal zum Unterschiede eines Unternehmers von einem Arbeiter, mag der letztere auch bezüglich der Aufsicht und Handhabung der Diseiplin anderen Arbeitern gegenüber eine gewisse Selbständigkeit besitzen, zu erblicken sein. Dem widerspricht auch nicht der Unistand, daß, wie die Beweis- aufnähme ergeben hat, Onades Thätigkeit teiliveue mit einen: Risiko verknüpft war, denn ein solches ist nach der sachkundigen Ansicht des Schiedsgerichts häufig auch mit der Tbötipkeit unselbständiger Möbelpolicre verbunden, deren Versicherungspflicht ebenso wie die- jenige der unter ihnen beschäftigten Arbeiter zweifellos feststeht." Hoffentlich werden nunmehr eine ganze Reihe von Tischler- meistern resp. Möbclfabrikantcn gezwungen werden, sich von dein holden Brauche der socialen Pflichtverletzung abzuwenden. VcclÄnttttluttgett» Der Wahlvcrcin für den ersten Wahlkreis hielt am Dienstag eine Versammlung ab, die leider nur schwach besucht war. Vor Beginn der Tagesordnung machte der Vorsitzende Felgen- r r e f f bekannt, daß das bisherige Mitglied des Wahlvercins, der öeizer Friedrich Lehmann sMiigliedsbnch Nr. 21) ans dem Wahlverein deshalb ausgeschlossen worden sei, weil er i: ach iv eislich seit Jahren polizeiliche Spitzel- dien st e geleistet habe. Bohne erinnerte hierbei an das bekannte Dichterwort:„Der größte Lump im ganzen Land, ist und bleibt der Denunziant!" Tätcrow kennzeichnete das ganze Verhalten dieses Herrn, der seit fünfzehn Jahren im vierten und ersten Wahlkreise„sehr eifrig" für die Partei tbätig gewesen sei. Für die Genossen werde cS sich jedenfalls empfehlen, auch fernerhin auf die„rege Thätigkeit" solcher„ehrenwcnen Genossen" ein wachsames Auge zu halten, um vor Enttäuschungen bcwabrt zn bleiben.— Von dem angekündigten Referat des Gen. Z u b e i I wurde wegen des schwachen Besuchs Abstand genommen. Felg entrcff machte noch darauf ausmerksan:, daß inan sich vom Besuch der Versammlungen in den„Arminhallen" wegen des Boykott? gegen die Pichelsdorfer Brauerei nicht abhalten lassen solle, da in den Versammlungen niemals Pichelsdorscr Bier geschenkt werde Ferner machte der Vorsitzende bekannt, daß in der Versammlung des Wahlvereins im September Genosse Liebknecht referieren werde über„Kommunismus und Fraucurcchte in der EntirncklungS qcschichte der Menschheit". Am 15. Oktober d. I. findet ein gemeinschaftlicher Besuch der Sternwarte in Treptow statt, wozu Eintrittskarten an den bekam:ten Zahlstellen zu haben sind. Mit der Mahnung des Vorsitzenden, eine regere Agitation als bisher in: ersten Wahlkreise zu entfalten, wurde die' Versammlung ge- schlössen. Der Wahlvcrein im vierten Berliner RelchStags-Wahl- kreise(Süd-Osten) tagte am Dienstag, den 15. d.M., im Lokal von Brüder, Waldenmrstraße. Vor Eintritt in die Tagesordnung niachte der Vorsitzende Weiße die traurige Mitteilung von dem Ableben eines braven Mitkämpfers, des Möbelpolicrers Hermann S u i t n e r. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Referent in dieser Versammlung war Karl Lankow, welcher über platonischen und nrchristlichen Kommunismus sprach und sich durch die interessante und fesselnde Art seines Vortrages den Beifall der Anwesenden erwarb. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich Peterund Mermuth. Zu Vereinsangelcgenheiten teilte Weiße :::it. daß die von vielen Mitgliedern gewünschte Besichtigung der Untergrundbahn in Treptow von der betreffenden Gesellschaft nicht mehr gestattet werden könne. Es wurde sodann der Wunsch aus- gesprochen, falls die Ausschließung eines Wahlvercinsmirgliedes vor- genommen werde, auch dessen Name. Stand und Wohnung an- zugeben. Dies sei nicht geschehen bei den: in der letzten Ver- sammlung ausgeschlossenen Heinrich Wallmann. Tischler, Grünauersiraßc 26. C. Scholz spricht darauf über die Angelegen- heil mit der Pichclsdorfer Brauerei und teilt nut, daß der Aufsichts- rat der Brauerei laut Zuschrift geneigt ist, mit der Lokalkommission in Unterhandlung zu treten. Ter Wahlvcrci» für de» sechsten NeichstagS-Wahlkrcis hielt am Dienstag in Fischers Saal, Beusselstr. 9, eine Versammlung ab. Unter lebhaftem Beifall der Zuhörer sprach Genosse Markivald über die Socialdemokratie im roten Hause. Er schilderte die Wirk- samkeit unserer Parteigenossen in der Siadtvcrordnelcn-Versammlung, beleuchtete das arbeiterfeindliche Verhalten dcr Gegner und forderte chließlich zu reger Agitation für die bevorstehenden Kommunal- wählen auf. Eine Diskussion entstand nicht. Der Vorsitzende gab bekannt, daß am Sonnlag eine Flugblatl-VerbreiMng stattfindet und ersuchte die Genossen, sich zahlreich an derselben zu beteiligen. In der öffentlichen Versammlung für Arbeiter und Arbeiterinnen, die am 15. August in: Kolbergcr Salon tagte, berichtete zunächst der Delegierte W. Funk über die Thätigkeit der Gcwerkschaftskommission. Bezüglich der Vertretnngsfrage ist Redner der Meinung, daß die größeren Gewerkschaften mit' gutem Recht verlangten, mehr Delegierte in die Kommission entsenden zu dürfen. Die jetzt angestrebte Regelung der Vertretung in der Kommission erklärte' Funk für unbedingt notwendig. Die jetzige Verteilung der Delegierten wäre durchaus un- gerecht. Er wünsche, daß sein Nachfolger verpflichtet werde, dieselbe Auffassung in der Kommission zu vertreten.— An Stelle Funks, der aus der Gewerkschaftskon:mission ausscheidet, weil er erster Be- vollmächtigter der Berliner Zahlstelle des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands ist, Ivurde Opitz in die Gewerkschaftskomnussion delegiert. lieber den Ausstand der Arbeiter der Humboldt-Mühle in Tegel berichtete Funk folgendes: Im genannten Betriebe sei jetzt der Stundenlohn von 30 Pfennig, der im vorigen Jahre bewilligt worden sei, auf 27 Pf. herabgesetzt worden. Die 15 Arbeiter der Mühle hätten darauf die Arbeit niedergelegt. Ihre Arbeit werde bedauerlicherweise von den 15 gelernten Müllern mit verrichtet. Neuerdings verlaute, daß die Müller bis auf zwei eine Lohn- erhöhung von 5 Pf. pro Stunde fordern wollten. Näheres wäre zur Zeit' nicht bekannt. An: Freitag finde in Tegel eine öffent- liche Versammlung statt.— Einer der beteiligten Arbeiter bezeich- nete die Lage der Tegeler Mnhlenarbcitcr» als eine sehr traurige. Er machte darauf aufmerksam, daß es sich um die sehr schwere Arbeit des Säcketragens handele, die die Inhaber der Mühle mit einem Stundenlohn von 30 Pf. noch für zu hoch bezahlt erachteten. Redner verurteilte das Verhalten der Profcssionisten, wie er die Müller nannte, und sprach den Wunsch aus, daß der Verband und der„Vorwärts" den Streikenden zur Seite stehen möchten. Im„Vorwärts" möge vor Zuzug nach Tegel gewarnt werden. Die Mitgliederversammlung fällt diesen Donnerstag aus und findet dafür Tonnerstag den 24. d. M. statt. Eine besondere Be- kanntmachnng erfolgt nicht. Der Zwcigverci» Berlin des Verbandes dcntscher Barbier-» Friseur- nud Perrnckenmachergehilfc» hielt an: 10. d. M. bei Schiller. Rosenthalerstr. 57, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Es handelte sich un: die Einführung einer Arbeitslosen« Unterstützung für Berlin. Eine sicbengliederige Konmüssion hatte einen Enrwurf ausgearbeitet, der in der Versammlung vorgelegt und angenommen wurde. Daß diese Unterstützung allen Mitgliedern des Zweigvcreins Berlin ohne Beitragserhöhung gewährt wird, beweist, wie rege gearbeitet wird, un: den Mitgliedern möglichst viel Vorteile zu bieten und darum ist es Pflicht jedes Kollegen, der Organisation beizutreten. Die nächste Versammlung tagt am 24. d. M., abends IO'/s Uhr, in obengenanntem Lokal. Die Berivaltnngöstcllc Berlin des„Tentschcn Metall- albeiter-Berbandes" hielt Montag, den 14. August, ihre ordent- liche Generalversammlung bei Martens, Friedrichslraßc 236, ab. P e tz o l d gab den Kassenbericht für das II. Quartal vom 1. April bis 30. Juni 1899. Die Einnahmen betrugen 30 488,83 M., die Ausgaben verteilten sich wie folgt: Reisegeld 463,29 M.. Rechtsschutz 238,16 M., Streikunterstützung 12 267,45 M. lhierbei 3000 M. für die dänischen Kollegen). Unterstützung nach§2 310 M., außerordentliche Agitation 300 M., an die Hauptkasse gesandt 11 440 Di.. Lokalausgaben 6495.96 M. In Summa 31 614,86 M. Der Gesamtbestand der Lokalkasse betrug am 30. Juni 98 796,22 M. Der Hauptlasse sind zu überweisen vom 2. Quartal Einschreibe- gelder, 25 Proz. von den Beiträgen und für 157 646 Exemplare der„Mctallarbciter-Zeitung" a 2Ü2 Pfi: 11 561,23 M. Nach den Berechnungen des Hnuplvorstandcs 10 Wochenbciträge pro Quartal, beträgt d:e Mitgliedcrzahl der VerivaltuiigSslelle Berlin 14 116 Personen. Die Revisoren erklärten Kasse, Bücher sowie sämtliche Belege geprüft und in Ordnung befunden zu haben. Auf Antrag wurde der Rendant entlastet. Von den Revisoren wurde zugleich be- antragt, dem Rendantcn Mankogelder zu gewähren: durch d:e Gleich- stcllnug dcr Beamren im Gehalt sei derselbe benachteiligt, da die Mankos, welche bei einen: derartigen Kafsenumsatz, wie in der Verwaltung Berlin unausbleiblich find, von seinem Gehalt bisher gedeckt worden sind. Tic Generalversammlung beschloß, den: Rendanten pro Quartal 25 M. Mankogcld zu gewähren. Sodann lag ein Antrag vor auf Anstellung eines werteren Beamten, derselbe ivurde in letzter Konferenz der Vertranensnränncr des Ostens gestellt und von den Vertrauensleuten des Nordens unterstützt. Begründet wurde der Antrag damit, daß seit vielen Monaten bezüglich der Agitation vom Bureau aus nicht genug gcthan werden könne, weil die jetzt vor- handcnen Beamten nüt Bnrcau-Arbciten überhäuft seien. Es sei un« bedingt notwendig, daß für die Agitation mehr geschehe. Durch Anstellung eines weiteren Beamten, welcher sich der Agitation zu widmen hätte, würde nichts Neues geschaffen, denn bereits im Vor- jähre hatten die Berliner Metallarbeiter fünf Kollegen, welche be- soldcl wurden. Es habe sich aber herausgestellt, daß durch die Re- duzicrung der Kräfte die Agitation vernachlässigt worden sei. Eine längere Diskussion fand zu diesem Antrage statt. Die meisten Redner erkannten die Notwendigkeit an. daß in Bezug auf die Agitation mehr geleistet werden müsse: ein Teil derselben hielt aber den jetzigen Zeitpunkt für nicht recht geeignet zur Anstellung eines lvetteren Beamten. Dem wurde entgegengehalten, wenn man die Notwendig- keit anerkenne, man auch dem Änirage schon jetzt seine Zustimmung nicht versagen könne. Es sei zu bestätigen, daß sehr viel Arbeit zurückgestellt worden. welche längst hätte erledigt werden müssen; irotzden: habe man schon jetzt zur Ausführung schriftlicher Arbeiten Hilfskräfte ans den Reihen der arbeitslosen Kollegen herangezogen. Nach beendeter Debatte fand die Abstimmung über diesen Antrag durch Stimmzettel statt: das Resultat ergab, daß sich 254 für und 193 gegen Anstellung eines fünften Beamten erklärten. Der Antrag ist demnach angenommen. Die Wahl des neu einzustellenden Beamten erfolgt in einer be- schließenden Versammlung, welche in nächster Zeit einberufen werden wird. Es erfolgten nunmehr die Neuwahlen für die aus der Orts- Verwaltung ausscheidenden Kollegen. Wiedergewählt wurde Schlegel als 2. Bevollmächtigter, Petzöld als Rendant und Zaleysky als Revisor. Alsdann gelangten Anträge zur Vcrhaudluug. Beantragt wurde, den„dänischen Kollegen" aus den: Lokal- fonds der Verwaltungsstelle„Berlin" 5000 Mark zu überweisen, die Gcneralversamnünng stimmte diesem Antrage zu. Mitgeteilt wurde, daß bis jetzt cä. 10 500 M. abgesandt und in den nächsten Tagen weitere 3000 M. aus Sammlungen abgehen werden. Weiter wurde beschlossen, daß die Verwaltungsstelle Berlin für die Agitation in den Provinzen Brandenburg und Ponunern pro Jahr die Summe von 1000 M. beisteuern soll. Von L i t f i n war der Antrag gestellt, daß in seiner Sache ein Sckiiedsgcricht gebildet würde, weiches die ganze Angelegenheit noch- mals prüfen solle. Dasselbe soll zusammengesetzt sein aus vier Ver- trauenslcuten der polittsckien Partei, vier Personen der Gcwerkschaftskommission und vier Personen des Metallnrbeiter-Verbandcs. Die Generalversammlung erklärte sich mit dem Antrage ein- verstanden und ernannte die Kollegen Pieschel, Kaiser, Büchner und Winter als Mitglieder für das zu bildende SchiedS- gericht. Die Portefcnille-Nr'bcikcr tagten am Dienstag bei Grau- m a:: n in der Nannynstraße, un: einen Vortrag von Aldi n Körsten zu hören. Der Referent besprach besonders die Schäden der Heimarbeit, die::nn:cr weiter um sich greife. Dem mit Beifall ausgenommenen Vortrag folgte eine eingehende Diskussion. Von den Rednern wurde festgestellt, daß die Konjuuktür eine durchaus gute ist. Einzelne Wcrkstelleu wollen bereits in eine Lohnbewegung eintreten. Die Fabrik von Schlosser. Dresdener- ftraße, habe schon eine Lohnerhöhung von fünf Prozent zu- g.'sagt. Doch habe der Fabrikant zwei seiner Arbeiter t,e:na{jrcgclt, als sie an einer Werkstuben- Sitzung teilgenommen hatten. Wenn sich die Portefeuille- Arbeiter das ruhig gefallen liegen, so würden andere Fabrikanten es ebenso machen. Eine Aus- sperrung sei allerdings nicht zu befürchten, da die Fabrikanten dazu wohl nicht stark genug seien. Ferner wurde festgestellt, das} die Löhne seit 18L6 wieder stark gesunken sind und viele lässige Fa- brikantcn m, gelernte Arbeiter beschäftigen, die wohl billig, aber auch sehr schlecht arbeiten; manche Heimarbeiter können dadurch die Preise drücken, daß sie mit 5 bis ö jungen Burschen arbeiten. Nach der Diskussion wurde folgende Resolution mit allen gegen eine Stimme angenommen:„Die heutige Vcrsanimlung beschließt: In Erwägung, daß eine äußerst günstige Konjunktur herrscht und daß seit 183ö die Preise rapid gesunken, die Lebensmittel jedoch teurer geworden sind, in allen Werlstätten, wo sich die Kollegen stark genug fühlen, mit Forderungen vorzugehen. Die Formulierung der Forderungen überläßt die Versammlung den einzelnen Werk- stellen, da die Verhältnisse zu verschieden sind, um gleiche Forde- rungen aufstellen zu können. Notwendig ist jedoch, daß der Ver- trauensmann W e i n s ch i l d. Oppelncrftr. 34. benachrichtigt wird. Zur besseren Durchführung der Lohnbewegung uiid zur Aufrcchterhaltung des Erreichten verpflichten sich die An- wesenden, der Organisation beizutreten. Ein Antrag, die Werkstatt von Schlosser zu sperren, wurde zurück- Sezogen. Tie Lohnkommission soll vorerst noch einmal mit deren »Haber unterhandeln. Da es unmöglich ist, daß zur Einberufung einer Versammlung erst jeder einzelne aufgefordert werden kann, wurden die Versammelten dringend ersucht, die Arbeiterpresse zu verfolgen. Sfuf eine Anfrage wurde mitgeteilt, daß die Re- solution der letzten Vcrsannnlung noch nicht an die Gewerbedeputation abgeschickt worden ist, da die Stadtverordneten, denen die Resolution auch übermittelt werden soll, noch in Ferien sind. Auch wurde die baldige Rücksendung der ausgestellten Fragebogen gewünscht und be- kannnt gegeben, daß bei Z e l l e r in Wien gestreikt wird, also lein Lederarbeiter unsolidarisch handeln dürfe. Die Zinkgicster und Stiirzcr hielten am Dienstag bei Jünger, Manteuffelstraße, eine öffentliche Versammlung ab. Nach dem Be- richt, den die Aaitationskommission erstattete, wobei auf die vor- gekomnienen Differenzen in den einzelnen Werkstätten hingewiesen wurde, hat die Kommission eine recht rege Thätigkeit entfaltet. Wenn es auch nicht gelungen ist, eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit einzuführen, so konnte doch wenigstens die neunstündige Arbeitszeit trotz dem beständigen Bestreben der Unternehmer, dieselbe zu verlängern, aufrecht erhalten werden. Die Einnahmen der Kommission betrugen in der Zeit vom L4. Mai 18S8 bis 15. August 1893 inkl. des alten Bestandes von 195,20 M. ins- gesamt 340,05 M. Die Ausgaben, darunter 150 M. an die lokal- organisierten Maurer, betrugen insgesamt 247,75 M., so daß ein Bestand von 92,30 M. verbleibt. In die Kommission wurden, da die alten Mitglieder eine Wiederwahl ablehnten, Wagner. Preußer, Stiele, Pell und Walter gemählt. Als Ver- trauensmann bezw. Stellvertreter wurden R. Wagner und M. Schulz gewählt. Hierauf berichtete M. Schulz über die Streitigkeiten in der Berliner Gewerkschafts- Kommission be- züglich des Abstimmungsmodus. In der hierauf folgenden Diskussion wurde von allen Rednern das Vorgehen der Vertreter der großen Zcntralberbände. das darauf hinaus- gehe, die kleinen, insbesondere die lokalen Gewerkschaften recht- los zu machen, entschieden gemißbilligt und ausgeführt, daß die Beziehungen zur Gewerkschasts- Kommission zu lösen sind und der Anschluß an ein Kartell der lokalorganisierten Gewerkschaften er- folgen soll, wenn keine befriedigende Einigung in der strittigen An- gelegenheit erzielt wird. Folgende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme:„Die öffentliche Versammlung der Zinkgießer und Stürzer erblickt in dem Vorgehen der Verbändler betreffs des Abstimmungsmodus eine Machtfrage und hält es für geeignet, die Bewegungsfreiheit der kleinen Gewerkschaften zu hemmen. Sie protestiert ganz energisch gegen das unverantwortliche Ansinnen der großen Verbände, die Ge- wcrkschaftsbewegung in Verkennung der thatsächlichen Verhältnisse zu schablonisiercn und erachtet es als ihre Pflicht, die einmal als richtig erkannte und erprobte Kampfesorganisation hochzuhalten. Die Versammlung beaustragt ihren Delegierten, sich einer Gesamt- erklärring der durch Vertrauensmänner zentralisierten Gewerkschaften anzuschließen, um eventuell die Beziehungen zur Gewerkschafts- kommission zu lösen." Unter„Verschiedenem" wurden die Arbeits- Verhältnisse in der Werkstatt des Herrn Kaufmann, Dresdener- straße, und dessen Verhalten der Organisation gegenüber, der er früher selbst angehörte, einer sehr herben Kritik unterzogen. Ocffcutl'che Pantischler- Verfammlnug in Rixdorf am 15. August. Zur Lage des Bantischler-Strciks berichtete Kollege Tost, daß dieselbe bis heute gut verlaufen, z. B. hier in Rixdorf bis nachmittags 5 Uhr in 10 Werkstätten mit 108 Kollegen die Forderungen bewilligt sind, während blas 3 Werkstätten nnt 31 Kollegen sich noch im Ausstande befinden. Es wurde hierauf folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den streikenden Kollegen von Berlin und Umgegend solidarisch und ist jeder Kollege bereit, jede Woche 50 Pf. zu zahlen, um die Ausständigen reichlich zu unterstützen. Wciffensce. Eine gut besuchte, von der Kommission für den Anstritt aus der Landeskirche einberufene Versammlung hörte einen kulturhistorischen Vortrag des Herrn Professor Dr. Gehrke über das Thema:„Das Christentum in alter und neuer Zeit." Zu der Versammlung waren die Geistlichen der verschiedenen Religions- gemeinschaftcn brieflich eingeladen und zunr Teil auch erschienen. Nach dem nrit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag des Referenten erläuterte Adolf Hoffmann die hier geplante neue Kirchensteuer und forderte alle diejenigen, welche innerlich nichts mehr mit der Religion gemein haben, auf, auch dann den Namen abznlegen, der ihnen nicht gehöre, und aus der Kirche auszuscheiden. In der darauf folgenden Pause wurde dieser Aufforderung Folge geleistet; es er- klärten>1 Männer und 9 Frauen ihren Austritt aus der Landes- kirche. Die Diskussion gestaltete sich, wie bei der Anwesenheit der Geistlichen zu erwarten war, äußerst lebhaft. Als erster Redner trat der katholische Pfarrer Dr. Stephan auf. Dieser er- klärte es für eine Ungerechtigkeit, daß man die Austritts- erklänmgen entgegengenommen habe, bevor die Versammlung ihn gehört habe. Der Referent habe Hypothesen auf- gestellt' und sei die Beweise für seine Behauptungen schuldig geblieben. Nur wer auf religiösem Gebiete sich praklisch bethäti'ge, sei zur Erörterung derartiger Fragen gewissermaßen prädestiniert. Dem Herrn Pfarrer sekundierte ein Anhänger des- selben. Der Referent sowie Hoffmann polemisierten gegen Herrn St. in einer Weise, daß letzterer noch einmal das Wort ergriff und den Antrag stellte, die Diskussion über diese Frage in einer späteren Versammlung fortzusetzen, da er sich heute als den schwächeren Teil fühle. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Erkner. Hier tagte am 9. August eine Versammlung, der eine eigenartige kommunale Angelegenheit zur Besprechung vorlag. Im vorigen Jahre war unter den Schulkindern eine epidcnusche Augenkrankheit emstanden, für deren Bekämpfung der Rcklor der Schule ärzlliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Den Eltern wurde der Bescheid, daß ihnen Kosten hieraus nicht erwachsen. Jetzt haben aber die Eltern die Rechnung für die ärztliche Behandlung zu- geschickt erhalten. Die Gemeinde hat sich geweigert, die Kosten zu tragen. Darüber ist natürlich eine große Er- reguiig. in der Bevölkerung, da den armen Leuten die Begleichung des Anspruches sehr schwer wird. Hinzu kommt noch, daß, während zwei Acrzte viel Rücksicht nehmen, ein anderer sehr energisch die Forderung eintreibt. Die Versammlung, die sich mit der Angelegenheit beschäftigte, war gut beincht und zeigte sich allenthalben eine erbitterte Stimmung gegen die Gemeindevertretung. die hier eine ihr zukommende Verpflichtung ablehnte. Ter Geniciiide- Vorsteher war, trotzdem man ihn eingeladen hatte, nicht erschienen. Das Verhalten wurde selbst von einigen Gcmcindevertretern. die an der Versammlung teilnahmen, mißbilligt. Es wurde sodann be- schlössen, die Angelegenheit einem Rechtsanwalt zur Prüsung der rechtlichen Ansprüche der Aerzte zu unterbreiten. Bruchmiihle bei Alt-LaudSberg. Am Sonntag den 13. d. M. fand hier in A. Nagels Gasthof eine hauptsächlich von Landleuten besuchte Volksversammlung statt, in der Genosse K o tz k e� einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über den Kampf gegen das Unrecht hielt. Hierauf sprach Genosse Gebauer über� die Notwendigkeit einer Schule ini hiesigen Orte. Bis jetzt existiert eine solche hier nicht und müssen die Kinder,»och der eine Stunde entfernten Stadt Alt-Landsberg laufen, um am Untcrri-bt teilnehmen zu können. Zu bemerken ist noch, daß in kurzer Zeit hier eine politische Organisation ins Leben treten wird, über deren Gründung wir später ausführlich berichten werden. A'ir den Inhalt der Inserate ilbernlmnit die Redaktion den, Publikum gegenüber keinerlei Beranlwortnng. Donnerstag, 17. August. NeneS Opern> Theater(Kroll). Die Fledermaus. Anfang 7r/z Uhr. Lessing. Die sittliche Forderung. Die Erziehung zur Ehe. Anfang 7»/. Uhr. Neues. Kiwito. Anfang 7»/, Uhr. Westen. Der Mikado. Anfang 7V, Uhr. Schiller. Die Hugenotten. Anfang 7'/, Uhr. Central. Der HetratSmarkt. Anfang « Uhr. Friedrich. WilheluiftiidtifcheS. Gemiinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. «lexanderplat?. Gaslfpiel Turpfa. llnfang 8 Uhr. Oftend. Die Kubanerin. 8 Uhr. Anfang Luisen. Glykerion. Hierauf: Der Kammerkater. Anfang 8 Uhr. Mctropol. Berlin lacht! Ansang 8 Uhr Belle-Alliance. Specialitäten-Vor- steNun». Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Luna. SpecialitSten- Vorstellung. Anfang 7»/, Uhr. Reichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Vasjage- Panoptikum. Speclall- täteii-VorsteNiiiia. Urania. Jnvalidenftr. 57/03. Täglich abends von S— 10 Uhr: Stermvarte. Taubenftr. 4«/»9. Im Theater: Das Land der Fjorde. Ansang 8 Uhr. Schilltr-Thellter (Wallner- Theater). lllor witz-Oper. Donnerstag, abends 7»/, Uhr: Die llngcnottcn. Große Oper in 4 Alten von Gtacomo Mcyerbeer Freitag, abends?>/, Uhr: Gastspiel zäels Borgbl und Benedetto Luclgnanl. Der Troubudonr. Sonnabend, abends? V, Uhr: Volkatllmllche Opernvorstellung bei halben Preisen: Wilhelm Teil. Schluß der Opern-Spielzeit am Mittwoch, den 39. d. Mts. Crntvnl T lsrntev Direktion: loaä Borencrx. LustsPiel-EnsentblclFrl.INillvItrauso vom kgl. Schauspielhaus, Herr vito Balilan vom Schiller-Theater, Herr Bloh. Bwald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okonkowski. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Lßenh-Clirl Wkisj-Mter. Gr. Fraukfnrtcrstrasje 133. Täglich: Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Im Garten: Speelalitiltanvorstollung. 27 Nuumlem. Ansang öy, Uhr. Metropol-Theater. Behrenatr. 55 57. GrUaster Sainon-KrColK t!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu; Neues Speclallt-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushlma Truppe, Werner-Amoros- Company etc. etc. Anfangs Uhr. Urania Tanbcnstrasse 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. InvaltdeiiMtr. 57/03: Tagl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Fassaije-Panoplicuin Geöffnet von 9 Uhr früh vis 19 Uhr abends. X«n! STcu! Das urkomische Böckaburger Lauern- Ensemble. Anfang der Vorstellung 6 Uhr Apollo-Theater. Abends 9 Uhr: FranLiuna mit dem Luftballett„Grlgolatls". 9» Otto Reutter« Der Kosmograph Neu! Die Erttlfnnng Neu! des Dortmund Ems-Kanals am II. August 1899 durch Sc. Ma.j. d. Dentschen Kaiser. Garten- Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vcrvcrkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden ö'J. Friehrillj-MWst. Theater Chausseestr. 25 26. Zum 10. Male! Abends 8 Uhr: Germi»al"oder: TcrStrcik der Bergarbeiter. Sensationöstück in 6 Aufzügen nach dem gleichnamigen Roman v. Emile Zola. Regie: Leonh. Ottomeyer. 1. Bild: In Not und Elend. 2. Bild: Der Schwur. 8. Bild: Beim Berg- werlsdirettor. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild: Am Rande des Ab- grundes. K.Bild: DerZuiannnensMrz. Im Frledrlck-WIIhelmst. Konzertpark: Jeden Abend ungeheurer Lachersolg der Sciisalivnspossc: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lona Barrison, Mlle. Popolair, Uvette Guilbcrt, Profestor Svengalt. Leonhard Hartmann als „Zigeuner-, Miß Darne::, Salon-Athlctin, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patty Frani-Truppe, Akrobaten, 5 Personen zc. Außerdem 20 Sp ecialitäten. _ Entree 30 Pf._ Pnhlmanna Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148. Kaslan.-Allee 97/99. Täglich: Xon�ert, ruestsr o. Spcmljtaten-VtU'stcllniix. Ostbahn-Park Hermann Imbs 71 NiiderSdorfer Straffe 71, am Küstrtner Play. Täglich: Hundert. Theater- und Specialitäten-Borftellung. Nur erstklassige Nummern. Anfang; Snnn!ags4Uhr. Glittet 20 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrst» Nachzahl. 20 Pf. Ansang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden D: e:: s: a g: Korddeiitschc Säinger. Hermann Imbs, Direltor. ckSTkns PANOPTICUffi Die senMatlonelleu mr lebenden Photographien! In Lebensgrosse. Die russische Damenkapelle in moskowitischen Kostümen. Viele nenc plaNtlsche Gruppen und Uigiircn. Neichshallcn. Garten resp. Saal täglich: Stettiner Sänger (Metz sei, Pictro, Britto». Steidi, Krone, « irchmayer» Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vorher: Itnn�ert. Entree 60 Pf,, Boro erkauf für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. Jaden Freitag: Neues Programm. Palast-Theater früher TSMS Feen-Paloat. Vurgsirasie 22. Direktion: Winkler und Fröbel. Sonnabend. 3. September: ifm der durchweg wunderbar renovierten ..TT?«C II, es. fISr Eröffnung Zer durchweg wunderbar ren Gro»«ea[7278C* Spoclatilftten- Programm. Vom Besten das Beste 1 Zum I Male: Sproe-Uottchen! Groffe Original- Ausstatlungs-Poste. 30$6% Chordamen können sich melden vormittags von 11—12 im Bureau des Palaft-Theater, _ Vnrgsirabe 22._ Pr a ter-Tli eater Kastanien-Allee 7/9. Täglich: Dorns Real. Volköstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Mustl von A. Kerstcn. Kostümsoudrette Fräul. Lucle Sarow. Gebr. Mllardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 Schönhrunns, humoristisches Bilderbuch. ThedFlashes, ErcentricS. Ballettgeieltschaft Döring. Vendaro-Trlo, Exerciticn am Hand- Trapez. Danlei-Truppe, Pantomime. Konzert und Ball.-Vv Eintritt SonntagS und wochentags 30 Pf., nmn. Platz 50 P, Kalho, W. Hoacks Theater. Brimnenstraße 16. Täglich: Theater- u. Svccialitätcn- Borftellung. Die Lindenwirtin. Ltederlpiel in 1 Akt pon O. Richter u. E. Braune. Musik von R. Thiele. Das Blumenmädchen vom?)!ori«Platz. VolkSstück mit Gesang in 2 Atten von Johann Eibner. Im Saale: Taiizkräuzchen. R. LaUZLkMisäkrZ „Xsstsmeuvaldcdsa" KoMtgarteil v. PrMsiilt Badsir. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grosier Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichlciten. It. Ballschmleder. Victoria-Brauerei Lützoivstraffe 111/112. Im Katiirjerurten oder Saal: Tätlich Humorlstische Soiree der Noniltentsekell Sänger (Fuhrmann, Horst Walde), f? Ans. Sonntags ptäc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverk. 40 Pf. Familienbillets 3= 1 M. Tonntag und Donnerstag nach der Borfteuung: Tanxkrllnzcben. Achtung% 1 Kösliner Hof Käsliuerstraffe 8. Empfehle meine 2 Säle, 2 Kegelbahnen, 1 Vereins- zimmer an Bereine und Ge- fellfchasten zum Abhalten von Konzerten und Tanzkränzchen. kritt Hoffmann 22888»] Reftanratenr. Schweizer Garten Am Köiiigsthor(Ringbahn) Am Friedrichshai». Täglich: Theater- und Spetialitäten-vorstellung. Jede» Mittwoch: GroZzes Fhtnilicn"" und MinVerfeZk. Auftreten des neuen K ünsfler-EnscmbleB. Jede» Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität! von Klantscliou. AuSstattungs-Burleske mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.- Musik von Max Schmidt. BolksbelustiZttNIen aller Art. Im Saale: EsSsBa Max Kliems Sommer-Theater llascnheldo 14—15. Artistische Leitung: Paul ivkilbit». � Täglich: Crchts Cilrteil-Aonztrt._ Anftreteii des gesamten Schauspiel-». Specialitäten-Personals. Sjimr* Nur erstklassige Kräfte. �-ML Georg Fischer(Ltedersäiiger), Ernst Kühne(Charakter-Komiker), Frltzl Verrl (Kostüm- Soubrette), Ploetz Carella-Tronpe(Melange-Akt), Klara und Paul Clemens(Traiisformatious- Duo), Ung-Fulng(Chinesische Alrobaten), The Cowas(Original-El eentricS). Aenes ffedlegene» Jb amilien- Programm. .Entree: Wochentags 20 Pf. Numerierter Platz 40 Pf Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr In den Festfäten: D i e Kasteeküdie ist geöffnet. Entree: Sonntags 25 Pt. Numerierter Platz 50 Pf. Anfang der Vorstellung S Uhr. Grofjer Ball.-3*0 TIuv Klicm. Kottbnscr- 4a. 22792» Sanssouci�"'1-"*»"' Glänzend renoviert! Eröffnung: «onuabcnd, den 26. Angust. abends 8 Uhr ttoffmanns Norddeutsche Sänger. Darnellcr: Adolf Hoffmanu, Hcrm. Müller LiPart, Rudolf Steinhardt. Haus Bär. Bruno Gritnebcrg. Georg Hirfchel. Karl Leonhardt, Theodor Mensel. E«U Tesch. Paul Wolfgang. Gleichzeitig empfehle die Säle zu Festlichkeiten."THJ' Mecifiiiig- Parle nullerBtraHoe 178. Am Wcddlng-Plati. Heute Tonncrstag. den 17. August: Grosses Prute-Dsmlifest. Im Saale: Cai'ossei' Ball. Anfang 4 Uhr. Emrec 10 Pf. 7 verdeckte souiiner-Kegelbahneu, von denen noch einige zu per- geben sind. Volksbelustigungen aller Art.— Kaffecküche täglich von 3—6 Uhr geZstnet. Jeden Dienstag: Xorddent*eIie Sänger. Jeden Sonnlag: Erel-K.on-ert und Dali. 1924C* W. Trapp. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloset Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Tellzahl, wöchentl. 1 M. IKaliuarzt Wolf, Lelpzlgerstr. 22. Sprechsc. 9-7. Essig selbst zu bereiten ist höchst einfach und hochpraltisdi mu Keichcl« Fxtrn-ctarher E»«ig-Es«enz. Giebt solort mit frischem Waner den gesündesten Speise- Essig und mit abgelod,lem Wafler vorzüglichen Einmache-Eisig. von dem- selben Wohlgeschmack und Aroma wie guter Welnessig und ist viel bester, reinlicher und billiger wie anderer Eisig. Dieser selbsthereitete Eisig ist ahiolur rein und klar, verdirbt nie und bleibt frei von Essig-Aalen. In solchem Essig eingemacht« Früchte Halten sich großartig. In Oriainalilaichen mit Maßstab, jeder Teilstrich auf eine Weinflaiche voll. Zu 12 oder 6 Wein- flaschen Eisig M. a 1,- u. 0,50. 28208« Tie Selbstbereitung von Eognac, Rum und iänitlichen viqueuren mit den Kombinierten Original Reichel- Essenzen.(Patentamtl. gesch.) Echt nur mit meinem Namcnszug und einzig und allein nur direkt erhältlich bei Otto Reichel, Berlin. Eisen- bahnstr. 4. Amt IV. 8190. Verkaufsstellen nirgends. Zusendung durch meine Gespanne frei Haus, auch einzelne Flafchm. Pro'pckte mit Rezepten gratis und franko, nebst Rezepteii zu hochfeinem Eier-Kognak und lüstlichem R u m- K o m p o t._ Verantwortlicher Redacieur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratemeil verantworttich: Tv. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.