Mterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 216. Mittwoch, den 3. November. 1397. (Nachdruck verboten. Dev Nonran rinev VevMwörunrz. IS Von A. R a n c. Ins Deutsche übertragen von Marie Kunert. „Ja", sagte der Italiener,„wenn Bonaparte auf Sie gehörl hätte! Wenn er sich aber den Eingebungen seines un- gcheuerücheu Ehrgeizes überläßt, wacht er nichls als Dumm- heilen. Ohne Sie, ohne Sieyss, ohne Talleprand wäre er niemals etwas geworden. Sie sind die drei Hauptschuldigen> Er ist nur Ihr Werkzeug gewesen, ein Werkzeug, das Sie nicht zerbrechen konnten und das sich nun gegen Sie wendet. Sie sind vielleicht der am meisten Schuldige von den Dreien; denn Talleyrand und Sieyss besaßen keine Kühnheit, keinen Charakter. Sie aber iverden von der Geschichte strenger beur- theilt werden, weil Sie nicht eher versucht haben, mit Gefahr Ihres Kopfes Ihr Werk zu zerirünnuern... Und Sie geben ihm noch gute Äathschläge?" „Ja, wenn er wich darum bittet. Aber er befolgt sie nicht; er hat sie vor dem spanischen und vor dem russischen Kriege nicht befolgt; er wird sie auch diesmal nicht befolgen. Nach Lützen sagte er zu mir:„Ich bin Berlin näher, als die Verbündeten es dem Rhein sind." Er träumt jetzt von einem Marsch nach Berlin, oder von einem Rückzug in Angriffs- Haltung, wobei er die Verbündeten zwischen der Oder, der Weichsel, der Ostsee und der französischen Armee einzuschließen gedenkt...„Ich werde sie zur Kapitulation zwingen," hat er gesagt." „Aber hat er nicht eine Nückzngsbcwcgnng nach dem Rhein zu begonnen?" „Ja, augenblicklich, wegen der Niederlage von Vandammc bei Kulm und von Ney bei Dennewitz. Er will sich konzen- triren. Wenn es ihm gelingt, eines der feindlichen Armee- korps zu isoliren und zu vernichten, wird er wieder vorwärts warschiren. Der Plan Moreau's war vortrefflich; nämlich der, jedes Treffen mit dem Kaiser in Person zu vermeiden, zuerst seine Offiztere zu schlagen und ihn dann mit vereinten Kräften der Koalition anzugreifen. Aber Moreau ist todt, und die Verbündeten werden vielleicht zaudern, wie Sachsen und Württemberg noch zögern, sich von dem französischen Bund loszulösen. Gewinnt Napoleon noch eine Schlacht, so ist das Ende erst im nächsten Jahre zu erwarten. In jedem Falle wird er sich, als geschickter Heerführer, der er doch Verbündeten, um ihnen im Namen der revolutionären Regierung das Ultimatum Frankreichs zu über- bringen? Bedenken Sie, daß w i r den Frieden zu diktiren habe», denn wir sind stärker, als Napoleon es jemals gewesen ist. Man schreibt der Revolution keine Bedingungen vor." „Wenn Napoleon kalt gestellt ist," erwiderte Fonche, so wird der Friedensschluß keinem Hindcrniß begegnen, denn die Koalition wird sich im selben Augenblick auflösen. Der König von Preußen wird mit seinem Volke und der patriotischen Bewegung, die er in seinen Staaten angesacht hat, genug zu thun haben. Kaiser Alexander hält sich für liberal; Bernadotte verlangt nur, sein Leben in Frieden genießen zu können: die ganze Welt sehnt sich nach Ruhe..." „Mit Ausnahme von uns", unterbrach ihn der Italiener. „Wir werden wie Cincinnatus nicht eher an den heimathlichen Herd zurückkehren, als bis der Triumph der Freiheit für immer in Europa gesichert ist!" Ich will es auch; aber— um auf den Punkt, der uns beschäftigt, zurück zu kommen— meine Anwesenheit im Haupt- quartier der verbündeten Herrscher wird nicht gleich nölhig sein. Ich werde also nach Paris kommen." „Und wann hoffen Sie dort einzutreffen?" „Zugleich mit meiner Depesche; ich werde, wie Sie, am nächsten Morgen im Stadthause sein." Der Italiener machte eine Bewegung. „Oder," fuhr der Sprecher nachlässig fort,„wenn es Ihnen nicht paßt, mich zu empfangen... denn an diesem Tage werden Sie der Herr sein..." „Wir wollen uns darüber aussprechen," begann der Italiener.„Sie wissen, welches unser wohlüberlegter Beschluß ist. Unser erstes Dekret wird das Inkrafttreten der Verfassung von 1793 sein." „Das ist ein Fehler." „Nein, keine Mittelstraße, entweder die Gegenrevolution oder das souveräne Volk! Wenn Sie mit den Verbündeten ankommen, können Sie eine Oligarchie, einen Senat, eine Kammer mit einem auf dem Grundbesitz basirten Wahlrecht einführen, können Sie die Ungleichheit und den Egoismus zum Gesetz erheben. Die provisorische Kommune wird eine andere Aufgabe und andere Pflichten haben. Haben Sie nicht eben erst zugestanden, daß überall der Geist der Revolution geweckt werden müsse?" „Ja." „Wohlan! Wie sollen wir anders dahin gelangen, als daß lvir dem Volke die Verfaffung von 1793 zurückgeben? Das ist das Palladium der französischen Freiheit. Die politischen Rechte der Bürger sind darin fest versprochen, die dem Volke günstigen Aenderungen leicht durchzuführen; kurz— die Ausübung seiner Herrschast ist ihm darin gesichert, wie nie zuvor. Geben wir dem Volke seine Versamnilungen, seine Diskussionen, seine Berathungen zurück, und es wird mit uns sein. Die Verfassung von 1793 ist vom Volke angenommen worden; sie gesteht ihm offen die Ausübung seiner Macht zu, sie ist ein schnell wirkendes Mittel zur Erlangung der Gleichheit, sie ist ein nolhwendiger Ver« einigungspunkr, um von dort aus die Mißbräuch« des Adels und die Herrschaft des Egoismus zu zerstören. Was mich betrifft," fuhr der Italiener begeistert fort, so hat der Schwur, den ich leistete, das Gesetz zu vertheidigen, welches ein wahrhaft großes Volk einstimmig in den Tagen seiner Einigkeit und seines Ruhmes verkündet hat, nie in meinem Herzen verlöschen können. O meine Freunde, Goujon, Romme, Soubrany, Darthe, Babeuf, Ihr, die Ihr mich in meiner neuen Heimath so großherzig ausgenommen habt, ich werde Eurem Glauben und Eurem Andenken treu bleiben und zu sterben wissen wie Ihr!" Der Italiener hatte sich erhoben. Er reckte seine hohe Gestalt, und seine edlen, schönen Züge flammten in düsterer Gluth. Das war das Eigenartige an diesem Manne, daß er mit einem praktischen Geist, einer außerordentlichen Fein« heit und unglaublicher Klarheit des Blickes bei den Be« rathungen und der Ausführung der Beschlüffe, einen jugendlichen Enthusiasmus verband. Er träumte von der absoluten Gleichheit in einer nahen Zukunft, doch ohne daß er deshalb aufhörte, mit klarem Auge um sich zu blicken und die Menschen scharf zu beurtheilen. Als er schloß, erhoben Rochereuil, Abbe Georget und der Offizier sich ebenfalls. Sie ergriffen die Hände MichelS, drückten sie und gelobten, ihr Leben der Revolution, der Ver- breitung ihrer Prinzipien, der Vertheidigung der ungeschriebene» Rechte des Volkes zu widmen. Nur der fünfte unter ihnen war sitzen geblieben und folgte dem Schauspiel mit derselben halb spöttischen Miene, mit der er vorher die Worte des Italieners angehört hatte. Er war durchaus nicht überrascht, noch fand er das, was er iah, etwa lächerlich. Die Revolution war noch nicht so lange vorüber, als daß man ähnliche Szenen schon vergessen, und die Gefühle jeuer großen Zeit waren ihm nicht so fremd, daß sein Skeprizismus irgend etwas Auffälliges darin gefunden hätte. Sogar in seiner Seele regte sich noch ein Rest von revolutionärer Leidenschaft, und wider Willen litt er dar- unter, daß er nicht im stände war, ebenso stark zu fühlen wie diese Männer. Diese Leute sind glücklich, dachte er; selbst am Fuße bei Schassotts wird die Flamme, die in ihnen glüht, nicht er- löschen; sie würden cms Liebe zur Menschheit rubig in den Tod gehen. Ich werde nur aufrecht gehalten durch die Eitel- keit und die Verachtung der menschlichen Bornirtheit. Und dabei gelte ich für einen Mann von starkem Charakter! Das dort sind die wahren starken Charaktere! � ch brauche den Erfolg; s i e werden selbst im Untergang grog sein. Mit dem ruhigsten Tone der Welt nahm er das Wort: «Ich stehe mit meiner Meinung allein, wie es scheint, meine Herren; ich ergebe mich oder vielmehr, ich überlasse es der Zeit, zu entscheiden, ob es weise ist, alles mit einem Schlage zu verlangen, und ob Frankreich nach mehr als zwanzig Jahren noch fähig ist, sich auf der revolutionären Höhe zu hallen, zu der Sie es erheben wollen. Wir werden uns also im Stadt- hause wiedersehen. Sie, meine Herren, iverden zweifellos auch dort sein?" Diese Frage war an Rochereuil und Abbv Georget gc- richtet, die für einen Augenblick schwiegen. „O nein," antwortete der Abbe zuerst.„Wenn wir glücklich aus dem schweren Unternehmen, das wir vorhaben, hervorgehen, so kehren wir ruhig zurück und pflegen nach wie vor Roch ereuil's Garten. Wir sind friedliche Leute und wenig geschaffen für politische Agitationen. Ich besonders bin eigent- lich nur für Zeiten der Ruhe geboren. Das Schicksal hat es nicht gewollt. Gute Bücher lesen, schöne Blumen begießen, das ist das eigentliche Leben, zn dem ich bestimmt bin. Statt dessen muß ich drei bis vierhundert Meilen in einein Zuge mit der Post zurücklegen." „Sie sprechen nicht im Ernst, meine ich", sagte der Fttaliener.„Sie müssen nach Paris kommen. Es wird an Männern fehlen in Frankreich. Eine ganze Generation ist in den Bürgerkriegen und ans den Schlachtfeldern zu gründe gegangen. Ihr Platz ist in unserer Mitte." (Fortsetzung folgt.) Ein gefahvvollcv Nach Mittheilungen eines Wiener Technikers, (Schluß.) Wir betreten ein viereckiges Gebäude, das ein leichtes Holzdach hat. In der Mitte des Raumes erhebt sich, sieben Meier hoch, bis in die Sparren des Daches hinein, eine Art dicker Thurm von roth- brauner Farbe. Kapitän Nathan deutet darauf»nd sagt:„Das ist der Strümps."„Der Stolz Waltham Abbeys," sägt Freund G. hinzu,„das giebt es sonst nirgends." Dieser sogenannte Strümps ist aus Fäden gestrickt, deren jeder ein armdickes Kabeltau aus bestem Manilahanf ist. Die Stricknadel» dazu kann ich mir nur schwer vorstelle». Dieses Kabelgeivirk steht da als eine hohe spanische Wand, die zylindrisch gekrümmt scheint, aber eigentlich i» zwei spiraligen Windungen um einen Raum herumgeht, m dem die hydraulische Presse steht. Im Jnnenraum der Spirale kann ein Man» komme» und gehe». An drei Stellen sind durch die Maschen des Strumpfes Fernrohre gesteckt, durch die man das Arbeiten der Presse genau beobachten kann. Um ein Fernrohr durchzustecken, muß man eine Masche mit mächtigen eisernen Zangen so iveit auseinanderziehen: dies mag Ihnen einen Begriff von der Stärke des Strumpfes geben. Ich will mich dem Strumpfe näher», durch eines der Rohre gucken, aber es ist unmöglich, denn Kapitän Nathan hat mich sreundschaftlich am rechte» Arm genommen und läßt ihn nimmer los. Nun nimmt mich auch noch Freund G. am linken Arm und hält auch diesen fest. „Wir müssen Sie fixiren>" wispert Freund G.:„es ist Gewissenssache". Ohnehin hat mich der einzige Arbeiter, der im Räume ist, mit einem Blick angesehen, als traue er seinen Augen nicht. Er steht noch immer zwischen mir und der seitwärts ausgestellten Maschine, die die Presse bedient, als solleich nur über seine Leiche weg zum Motor vordringeit. Seine fragenden Blicke kreuzen sich indeß mit beruhigenden Winken des Kapitän, und er geht wieder an seine Arbeit. Er bewegt sich ivie ein Verschivörer oder Einbrecher; lautlos schleicht er zur Thür und dreht den Schlüssel ziveimal um, dann hantirt er an der Maschine, dann begiebt er sich in die Spirale des Strumpfes. Ick habe eine Art Vorgefühl, daß er nie wieder herauskommen wird. Er hat die Presse untersucht, geölt, in Stand gesetzt, eine von Abel erfundene Presse, an der alles in Kniegelenken laust und alles vermieden ist, was die chargo zum Explodiren bringen könnte. Die geringste seitliche Reibung, ein kleiner Zwischenraum unter dem Stempel zc. könnte das bewirke».„Ist das schon vorgekommen?" frage ich.— „O, schon wiederholt."—„Und was geschieht dann?"—„Die Explosion geht nach oben, mit einem Riesenkrach, aber ohne Flamme, und das Dach fliegt 300 Meter weit fort, darum ist eS so leicht gezimmert, blos 40 Zentner. Und das Komische dabei ist, daß das Quantum Schießbaumwolle un- verbrannt zurückbleibt. Man nennt das eine Luftexplosio». Ursache unbekannt."—„Und der Strumpf?" frage ich.—„Unversehrt," sagte der Kapitän überlegen,„und wir natürlich auch." Eben er- scheint der Arbeiter wieder, noch ganz lebendig. Er nimmt eine meterlange zylindrische Masse von Schießbaumwolle in die Arme, wie ein Kind seine Puppe; die soll nun aus Handbreite zusammen» gepreßt werden. Wieder verschwindet er in der Spirale, legt die Masse in das stählerne Aufnahmsgesäß, setzt den Stempel auf. Dann bringt er die Maschine in Gang, immer schneller gehl der Stempel auf den Sprengstoff nieder.„Sir Frederic Abel hat das Wort," sagt Colonel Nathan. Alle unsere Augen hafte» am Manometer, dessen Zeiger bald Ivo, 150, 200 Atmosphären zeigt. Mir wird etwaS schwüler, es stellen sich unwillkürliche Flnchtbewegungeu ein. Freund G. lächelt:„Was Sie da sehen, ist ja nur die erste Pressung." Ich danke! Unzersprcngt gelangten wir ins Freie.„Sie wissen, das alles können Sie nur bei uns sehen, anderswo ist es anders," sagte Freundvar es merkwürdig, daß jeder von ihnen behauptete, das andere Gebäude sei zuerst cxplodirt. Ehe wir das erste Viereck betraten, mußten wir sogenannte„Elephauten- süße" anziehen. Dies sind»»geheure Kniestiesel, ganz aus gelbem Sohlenleder, und stets absolut staubrein gehalten. Unsere eigenen Schuhe»varen verpönt, denn sie waren mit Sand von der Straße„infizirl" und dieser Sand konnte etwaige Spure» von Nitroglycerin am Boden zum Krachen bringen... Und.wieder stand ich an Bleiwannen voll verdächtiger Saucen und sah die beide» Säuren bei ihrer Vermischung i» furchtbare Brunst ge- ratben, so daß sie eine ganze Nacht brauchen, um ihr Temperament wieder zu beruhige». Und ich sah das neueste Drucklnftgebläse, mit dem das Glycerin als feiner sxraz?(Sprühregen) unter die Säure- Mischung geblasen wird, daß er perlend zur Oberfläche steigt,... jede Perle bereits eine Miiiialuibombe, die mich zerreißen ivürde,... und oben steht das Höllcnzcug dann in großen ölige» Tropfen, eine ganze Schichte, und man zieht es mit Hebern ab, wie eine» harmlosen Tischwein. Sehr harmlos sieht die Sache aus, in der That, aber man braucht nur die Aufmerksamkeit auf den Gesichtern der wenigen Wissenden zu betrachte», wie sie die in den Bleiwannen befindlichen Thermometer ablese», um hinter das Problematische des Moments zu kommen. Es ist eine förnilich fieberhafte Spannung i» ihren Zügen, den» ein unrichtiger Temperaturgrad... und alles fliegt zu den Gestirne». Darum hängen mehrere Thermometer in jedem Kessel, so daß sie einander'iontrollireu. Und nicht in Grade sind sie gelheilt, sondern i» Zehntelgrade; denn mit solchen wird hier gerechnet. Und selbst ablesen kann nur der Wissende, den» es sind Thermometer mit Geheimskalen, mit verschobene» Graden, so daß der Nullpunkt sich vielleicht auf 23�/io Grad befindet. Wer das Geheimniß dieser Thermometer nicht kennt, ist in dringendster Lebensgefahr, selbst wenn er weiß, bei welcher Temperatur er mit dem Einsprühen von Glyzerin aufhören muß. Denn hier ist alles Leben und Tod; alles. Ich hatte die Unersättlichkeit, das Lager von Cordite sehen zu wollen, um, da ich doch einmal da war, auch auf diesem Vulkan ge- tanzt zu haben. Aber da hieß es, ein Lager von Cordite gebe es überhaupt nicht. Man zeigte mir ein großes Thor, durch das eine Eisenbahn lief. Dieses Thor ist iviedernm unbetretbar, selbst für befugte Betreter von Quintvn Hill. Auf den Schienen sah ich eine Reihe menutgroth gestrichener Lastwageir stehen. Das ist einer unserer Feucrzüge," hieß es,„unser fertiges Produkt geht immer fofott nach Woolwich ab." Der Ton, in dem dies gesagt wurde. entsprach etwa dem Satze:„Wozu sollen wir die Hölle im Hause behalten?" Es war acht Uhr geworden, als ich Wallham Abbcy verließ. Silnf Stunden lang hatte ich das Gruseln genossen, mit dem ei» ufenthalt in solcher Gegend denn doch verknüpft ist. Einen Eid, nichts auszuplaudern, brauchte ich nicht zu schwören; ihre eigent- lichen Geheimnisse hatten sie mir, die Herren Mac Clintocl und Nathan ja doch nicht verrathen.— Vleinvs Fruillekon. c>. Etraßcnpflastcrung. Es ist ein trüber Novembertag. dessen graue, feuchte Lust d>e gerade Straße, deren Häuser nichts be- sonders Unterscheideudes habe»,»och eintöniger wie sonst erscheine» läßt. Die wenigen Mensche», die über die Siraße schreiten, sehen auch trübe und grämlich ans, so daß nichts anderes in der Straße zu wohnen scheint, wie graue, matte Schivermuth. Plötzlich kommen um eine Ecke mehrere Kinder im Haschenspiel. Sie kommen aus der Schule und schlenkern nun ihre vom Stillsitzen schlaffen Glieder ans. Doch in der Straße bleiben sie erstaunt stehen. Dort, wo sie gestern Abend noch übers Pflaster eilten, ist alles aufgewühlt. Mehrere starke Männer mit muskulöse» Armen breche» mit Eisenstangen das Pflaster auf, andere werfe» die losen Steine zur Seile auf einen Hausen. Zu den verwundert dastehenden Kinder» kommen nach und nach immer mehr hinzu; große»nd kleine stehen verblüfft auf dem Bürgerstcig in dichten Reihen und schauen stumm den Männern z», die trotz der kühlen Lust in Hemdsärmeln arbeiten, die sie oben- drein noch hochgestreist haben. Als ein Steinwagen die holperige Straße bis zu dem Steinhaufen entlang fährt, und vom Kutscher und einem anderen Manne die Steine mit Gepolter aus den Wage» geworfen werde», kommt in die Kinderlchaar Leben. Mehrere größere Knaben eilen in die Häuser, aber bald kommen sie ohne Schulbücher wieder heraus und springen hin zum Steinhaufen. Mit großer Anstrengung heben sie die schwere» Stücke auf und reiche» sie den beiden Männern. Sie stöhnen und keuchen bei der ungewohnten Kraftleistung, aber alle ivetteifern in der Schnelligkeit und keiner tritt müde zurück, wenn ihm auch der Schweiß von der kleinen Stirn rinnt. Nun ist der Bann des Neuen gebrochen und alle Kinder des Viertels benutzen die Straßenpflafterung als eine seltene und darum desto werthvollere Unterhaltung. Die großen Knaben helfen mit Sand nnrgrabe», kleinere verpacke» die Steine und die nllerkleinsten backen Sandkuchen. Aus den schüchternen, bleiche» Großstadtkindern, denen das Spiel im Hausflur und Hof vom Wirth untersagt ist. sind mit einem Male tebhasle Geschöpfe geworden, die mit rothen Backen und leuchtenden Augen ans der Straße zwischen den Erd- und Steinhausen fast ungehindert tummeln, denn Angst vor den Wage» brauchen sie heule nicht zu haben, und die Steinsetzer lasse» ihren kleinen hilfseifrige» Heinzelmännchen ruhig gewähren, wenn sie ihnen nicht zu sehr im Wege sind. So manches der Kinder sieht zum ersten Male soviel Erde, und das Entzücken über soviel Spiel- gelegenheit, die ihnen dadurch geboten wird, läßt die Kinder lauter und länger lärmen, als es ihnen Mutter erlaubt hat. Aber wenn es auch wegen des langen Tninmelus und der beschmutzten Kleidung einen Anschnauzer giebl, die Kinder sind am nächsten Tage doch wieder zwischen den„Bergen und Thälern" zu finden, bis die neue Steindecks ihnen diese Freuden wieder nimmt.— — Eine Lach-Charakteristik. Den Charakter eines Mannes sofort an seinem Lachen erkennen zu können— behauptet ein berühmter Nervenspezialist. Der scharfsinnige Arzt will die Beob- achtunge» gemacht haben, daß jeder Mann, der ein laitles„Ha, ha, ha" lacht, sehr impulsiv ist, unbeständig in seinen Neigungen und jäh- zornig, sonst aber offen und ehrlich handelt.„Hä, hä, hä" ist das Lachen euies schadenfrohen, zynischen Menschen, dessen Selbstsucht keine Grenze» kennt. Eine» falschen, hinterlistige» Charakter soll der Mann besitzen, der ein eigenthiimliches breites„Heh, heh, heh" lacht; klingt es schnell hinter einander und meckernd, dann ist- das betreffende Individuum meist harmloser Natur und nicht besonders geistreich. Ei» sehr schüchterner Mann, der aber ein gutes Herz und warmes Genn'ilh besitzt, wird geivöhnlich ein nicht sehr wohl- klingendes„Hi, hi, Ist" von sich geben. Hört man aus irgend einer Männerkehle ein volltönendes„Ho, ho, ho" erschallen, dann kann man sicher sein, daß der Betreffe,. de ein tollkühner Bursche ist, mit dem anzubändeln nicht recht rathsam wäre. Ein tiefes, klangvolles nicht zu lautes Lachen ist stets ein Zeichen von großer Herzensgüte und edlen, unwandelbaren Gefühlen.— — Franc» als berufsmäßige Vcrtrctcriliile» französischer Literatur im AuSlaude. Die' Thatsache, daß die französische Literatur und besonders das Pariser Schauspiel die erste Stelle in der Bühncnthätigkeit aller Kulturländer einnimmt, ist nicht nur das Ergebniß der dem französischen Drama iiinewohnende» werbende» Kraft, sondern es wirken hierbei auch recht äußerliche greisbare Hilfsmittel mit. Wie man jetzt erfährt, unterhält die Gesell- schaft der französischen Bühnenschrift st eller schon seit vielen Jahren enge geschäftliche Beziehungen mit Theateragenturen aller Länder, und das französische Kultusministerium gewährt zur Unterstützung dieser ausländischen Agenturen namhafte Beiträge, worüber jedoch bisher uiemaks etwaS in die Ocffeutlichkeit gelangte. Neuerdings tritt hierzu noch eine ideale Unterstützung seitens der Pariser Akademie durch Verleihung der großen Medaille für die Beförderung der französischen Literatur. Diese ausländischen Ver- treler der Pariser Dichtkunst sind fast ausschließlich Frauen. Auch in Deutschland sind solche in gröberer Zahl thätig; die Medaille der Akademie ist allerdings bisher nur an Amerikauerinue» ver- liehen worden.— Literarisches. g.d. Jakob Wassermann:„Die Schaffnerin". „Die Mächtigen". Novellen. München. Albert Lange».— Beide Novelle» behandeln ähnliche Stoffe. Bei beiden bildet ein Mord den Vorwurf; bei beiden ist das Weib der direkte oder indirekte Grund hierzu; bei beiden sind es Unterdrückte, die eiidlich, nachdem sie lange Zeit alle Knechtungen als selbstverständlich hingenommen, mit einem jähen Ruck die Fesseln sprengen, aber auch zugleich mit ihnen die Bande zerreiße», welche sie mit der menschlichen Gesell- schaft verlnüpjcn. Nun kann a» sich der Vorwurf des Mordes durchaus künstlerisch sein— ich erinnere nnr an Dostojewski's „Schuld und Sühne"— aber dann muß man eben verstehen, uns die That seelisch zu erklären. Doch das hat Wasserniaun in der „Schaffnerin" nicht vermocht. Die Gestalten des Unterdrückers unv des Geknechteten sind im Guten wie im Böse» zu Karrikaturen ver« zöge». Der Gulsvorsteher: eine Bestie mit einem an Wahnstun grenzenden Zerstörungslrieb. die Schaffnerin ein psychologisches Märchen, der Schwächling von Mörder ein gar zu arger Wasch- läppen. Besser begründet erscheint die zweite kleine Novelle„Die Mächtigen": doch ist dieselbe zu tendenziös, um rein künstlerisch zu wirken. Trotz der Fehler ersieht man aus beiden Arbeiten ein starkes, eigenartiges Talent.— Theater. — Ostend-Theater.„Klippen der Weltstadt" heißt ein von Karl Pauli gedichteies Berliner Sittenbild, das am Montag nnter den Frankfurter Linden zur Aufführung kam. Das Stück handelt von der Schlechtigkeit der Menschen. Man sollte nicht denke», mit was für Gefahre» junge Mädchen und jung- verheirathete Frauen in einer Stadt wie Berlin zu kämpfen haben, wenn es einein auf starke Wirkungen bedachte» Thealerdichter in den Plan paßt. Da ist das Dienstmädchen Margarethe, das sich mit Mühe ans der düsteren Jammersphäre des Elternhauses gerettet hat, uin geradeswegs einer iiifaineu Kupplerin ins Gehege zu laufen. Es ist ein wahres Glück, daß Margarethe aus de» Krallen dieser Person unbeschädigt entkonimt, aber nun bricht erst das richtige Berhänguiß über sie herein. Das gute Kind hat in dem Hause eines Photygraphen Stellung gefuiide». Was ein wirklicher Dichter ist, der keuut kein Mitleid, und so bringt Herr Pauli es zu wege, daß Margarethens neue Madame auch eine Person ist, die zufällig, und zwar ebenfalls, ohne rampouirt zu werde», mit der Kupplerin Bekanntschaft machie. Durch die Boshaftigkeit einer leichtfertigen Dirne kriegt der Gemahl von der dunkele» Affäre zu wissen, und jetzt passtrl es nicht allein, daß der Empörte sich mit Zyankali ver- giftet, nein, Margarethe wird auch von einem Polizeilieutenant, der so»»geschickt seines Zimtes wallet, daß die Behörde das ganze Stück verbieten ivollle, für die Mörderin ihres Dienstherrn gehalten und arretirt. Nach so viel schuldlos ertragenem Jammer ist es ein wahres Labsal, daß sich am Ende dock noch ei» braver»nd vor- urlheilssreier Schloffergeselle findet, der Margarethe heirathet. Die Zuschauer ivareu so beifallsfreudig, als ob es in Akkord- arbeit ginge; je schauriger eine Szene abschloß, desto energischer wurde geklatscht. Zum Glück wurde recht gut gespielt. Knust. — Ueber Bronze-Guß sprach vor einigen Tagen im' Kölnischen Kunstgewerbe- Verein Dr. v. F a l k e, der Direktor des Kölner Kunstgeiverbe-Museums. Gute Bronze ist eine Legirung von Kupfer und Zinn, und zwar im Berhältniß von St) zu 10. Wohl wird auch oft»och Zink zugesetzt, wodurch die Masse billiger und leickter gießbar gemacht wird; aber ihre Hallbarkeit und schönes Aussehen büßt dadurch die Bronze mit der Zeit ei». Während die Bronze-Tenkmäler in de» meisten Fällen gegossen werden, giebt es auch einige aus Kupferblech getriebene, bei denen es infolge ihrer Größe oder ihrer hohen Aufstellung nicht so genau auf die Detailarbcil ankommt. Derartige Denkmäler sind der Hermann im Teutoburger Walde und die Viktoria ans dem Brandenburger Thor in Berlin. Ihre Herstellung ist billiger als der Guß. aber seine Feinheiten müssen diese Werke ent- behre». Die Kunst des Gießens ist schon den Alten bekannt gewesen und zur Zeit Alexander s bereits zu hoher Vollkommenheit ans- gebildet worden. Von den Römern sind uns Fragmente von gegossenen Kolossal- Statuen erhalte» geblieben. Die Statue des Marc Aurel auf dem Kapitol-Platz zu Rom ist die einzige, die unbeschädigt sich erhalte» hat. Das Mittelaller lieferte anfangs infolge der Mangelhaftigkeit' seiner Gießtcchuik nur kleinere Werke. Erst im fünfzehnten Jahrhundert konnte.mit der Renaissance auch der Brouzeguß seine Wiedererstehnng feiern: Donatello war der erste, der(von 1444 ab)«in großes Gußwerk herstellte: das Reiter-Standbild des GattaMelata; ihm folgte Andrea del Verrocchio mit dem Reiter-Standbilde des Barlvlomeo Colleoui in Venedig, das als das großartigste Denkmal aller Zeiten und Länder gepriesen worden ist. Die Gieß-Kunst ver- breitete sich in der Folgezeit in Italien und Frankreich. Der Redner erläuterte dann die verschiedenen alten und neuen Gieß-Technikc», schilderte den heute nicht mehr geübten Guß mit Wachsverschmelzung, der neben seinen großen Vortheilen des raschen und bequemen Aufbaues des Kerns und Mantels den Nachtheil halte, daß das Werk des Modell-Künstlers unwiederbringlich verloren ging. Bei dieser Methode wurde nämlich aus den Kern(der den Hohlraum des zu gießenden Denkmals abgiebt) eine Wachsschicht in der Dicke der zu gießende» Bronze aufgetragen, auf welche der Künstler das Denkmal modellirte. Dann wurde darauf der Formsand oder eine andere feuerfeste Mischung mit dem Pinsel aufgetragen und ver- stärkt. Hierauf das Ganze erwärmt, wobei das Wachs ausfloß und sich dergestalt der Hohlraum für den Guß bildete. Jetzt beginnt man mit der Herstellung der Form umgekehrt, mit dem äußern Theil, dem zerlegbaren Mantel. Eine besondere Wichtigkeit hat die Behandlung der Oberfläche nach dem Guß. Zunächst muß die Giephaut ad- genommen werden, was in früherer Zeit durch sorgfältige Ziselirung erreicht wurde, heute durch Behandlung mit Aetzwasser oder Anwen- dung von Stahlbürsten geschieht. Einen großen Vorzug hat die künst- lich ziselirte Oberfläche: sie patinirt gut. Eine gute Patina kann sich in grünem oder braunem Ton entwickeln; sie erhält aber dem Werke jedenfalls eine glatte Oberfläche. Daß unsere Denkmäler nicht gut patiniren, liegt daran, daß man die Oberfläche nicht genügend glättet. Eine glatte Oberfläche läßt das Kunstwerk in der ersten Zeit stark glänzend erscheinen, zeigt es also zunächst in seiner nn- schönsten Erscheinung. Später, wenn die Patina ansetzt, wird es aber von Jahr zu Jahr schöner. Die mattirle Oberfläche, die das Werk bei der Enthüllung allerdings schöner erscheinen läßt, bietet aber dem Staub nnd Schmutz Poren, in welchen sich diese Unrein- lichkeiten festsetzen können, so daß man bald nicht mehr unterscheiden kann, ob man ein Werk von gemeinem Gußelsen oder von Bronze vor sich hat. Eine künstliche Patinirnng hat man beim Begas- bruinicn in Berlin versucht, aber sie hält auf die Dauer nicht vor und wird doch schwarz.— Erziehung und Unterricht. Die Zahl der Frauen und Mädchen, welche an der B erl in e r U n iv e r sitä t den Vorlesungen beiwohnen, hat noch niemals eine solche Höhe erreicht, wie mit Beginn dieses Winter- semesters. Ungefähr 2u0 ZuHörerinnen haben sich für den Besuch der Vorlesungen vorschriftsmäßig angemeldet und sind auf grund ihrer Zeugmsie zu denselben zugelassen worden. Die Vorlesungen, welche die Frauen hören, erstrecken sich auf die juristische, medizi- »tische und philosophische Fakultät.— Paläontologisches. — P a l ä o n t o l o g i s ch e r F u n d. In den vierziger Jahren »vurde in Kyme auf Euböa ein Kohlenlager abgebaut, in dem man Knochen von übermäßiger Größe fand, die für Mammuthknochen er- klärt wurden. Auf Anlaß des jetzigen Direktors des Bergwerkes hat das oryktoloaische Museum den Dr. Skuphos, der auf Kosten der griechischen Regierung in Deutschland seine Ausbildung erhalten hat, nach Kyme gesandt. Herr Skuphos hat dem athenischen Bericht- erstatter der„Kölnische» Zeitung" folgende Mitheilungen gemacht. In einer Tiefe von 1s3 Meter grub er im Kalkmergel die Knochen eines prähistorische» Thieres aus. Er fand den Schädel, dessen Länge 0,72 Meter beträgt, Schulter- blätter, leider nur wenige Wirbel der Säule, obere und untere Ex- tremitäten ganz und Rippe» sowie Brustbein vollständig. In den Kiefern fehlten einige Zähne, von denen aber Stücke gefunden wurden. Der Knochen waren so viele, daß dazu 1K5kisten»othwendig waren. Die Knochen harre» ihrer Zusammenstellung und Ausstellung im Museum, dann erst wird der Finder seine Meinung über die Art des Thieres, dessen Knochen er gefunden, abgeben könne» und sie in einer deutschen Fachschrist veröffentlichen. In der losen Kohlenschicht fand der Forscher, der zwei Monate lang 143 Meter unter der Erde suchte, den Unterkiefer eines Wiederkäuers, den er einer vorhistorischen Gazellenart zuschreibt.— Ans der Pflanzenwelt. — Neber Veredelungsversuche mit einjährigen auf mehrjährige Pfanze» und umgekehrt berichtete un- längst im Verein zur Beförderung des Gartenbaues Garleninspeklor L i n d e m u t h. Bei den Versuche» haben sich bemerkenswerthe Be- obachtungen ergeben. Das mehrjährige Lolauum»nriculatiim auf Zwiebelkartoffel veredelt, ist nicht nur selbst am Leben geblieben, sondern hat auch die Kartoffel(bis jetzt) am Leben erhalte», so daß sich hier eine Aussicht eröffnet, einjährige Pflanzen in ausdauernde umzuzüchten durch Pfropfung mit einer ausdauernden Art. Umgekehrt vermochte es die Kartoffel, auf Lol. anriculatam gepfropft, trotz der ausdauernden Unterlage nicht über ihre natürliche Lebensdauer hinauszubringen. Vor dem Absterben bildete sie an der Aeredeluugs- stelle kleine Knöllchen.— Bergbau. — Ueber die Erzlager deS M a l m b e r ge s in L a p p l a» d sprach in einem Berliner Verein Bergrath Wedding, der sie im Auftrage der Regierung einer Untersuchung unter- zogen hatte. Es handelte sich darum, festzustelle», wie groß die Vorräthe an Magneteisenstein in dieser Gegend sind. Da die deutsche Eisenindustrie das phosphorhaltige Eisen»othwendig braucht, so gehen diese Vorräthe fast ausschließlich nach Deutsch- land. Bald wird eine Jahreseinfuhr von 90 ovo Tonnen erreicht fei». Wedding hat nun ausgerechnet, daß bei einer Jahresgewinnung von«00 000 Tonnen das Erz erst in 100 Jahren erschöpft sein wird. An Ort und Stelle werden die Erze in fünf Sorten getrennt, gehen dann mit der Bahn nach dem nächsten Hafen, wo sie eiligst, da der Hafen nur 3 Monate eisfrei ist, in die Schiffe verladen werden und kommen dann fast ausschließlich nach Danzig. Interessant ist ein Blick auf die Bevölkerung, die im hohen Norden diese Schätze zu tage fördert. Daß überhaupt in diesen hohen Breitengraden noch menschliche Ansiedelungen bestehen könne»(sie liegen nördlicher als z. B. Kanada und ein Theil Grönlands), ist dem warmem Golfftrome zu danken. Trotzdem ist das Leben der Bevölkerung natürlich nicht beneidenswerlh. Jetzt arbeiten 1500 Leute dort, früher waren es mehr. Die Arbeiter sind eine buntziifammeiigewürfelte Menge. Ein Polizei« beamter, den man für sie hingeschickt halte, reichte nicht inehr aus. Da kam man auf einen Gedanken:inan ließ die Leute aus ihren eigenen Reihen sich eine Polizei bilden. Und siehe da— es bewährte sich ganz ausge» zeichnet. Diese Polizei geht sehr strenge vor und hat es z. B. dahin gebracht, daß Eigenthu ms» vergehen überhaupt nicht niehr vorgekommen sind! Vertrauen wird mit Vertrauen belohnt. Das Leben der Leute ist einförmig. In der dunklen Jahreszeit wird bei elektrischem Lichte gearbeitet.— Humoristisches. �„F rei sin n s"- I a m m e r. Frau zu ihrem Mann, der Abgeordneter ist:„Du hast Dich gestern ja wieder'mal nett auf- geführt im Landtag! Schämst Du Dich nicht, eine Rede gegen das Militär zu halten. Du, ein Faiuilieuvater von vier erwachsene» Töchtern? l"— — Dazu reicht es. Leider hat man bei dem jungen Erb« Prinzen eine abnorme Schädeldildung seststellen müssen. Ein Kon« zilinm von Acrzten befindet sich gerade bei ihm zur endgiltigen Untersuchung. Der Fürst harrt bangend im Nebengemach. Endlich erscheinen die Herren:„Königliche Hoheit— es thnt uns leid, aber es läßt sich nicht mehr vermeiden, wir müssen leider konstatiren, die Gehirubildung bei seiner Königlichen Hoheit dem Erbvrinzen— es ist fast mit Bestimmlheit anzunehmen, daß er nie zu völliger, geistiger Helligkeit.. Der Fürst:„Aber regieren wird er doch können?" Alle, einstimmig:„Jaawoohl, Königliche Hoheit." („Simplicissimils".) Vermischtes vom Tasse. — Neues P o st d e n t s ch. Auf der Rückseite der neuen Kartenbriefe steht zu lesen:„In denjenigen Berkehrsbezeich- nungen zum Ausland, w o das Briefporto 20 Pf. beträgt, ist das Franko um 10 Pf. i n M a r k e n zu ergänzen".— — Die größte R he derei-Ges ellschaft der Welt ist die H a m bnr g- A in e r i ka- L i n i e; sie ist der größten englischen Rhederei, der„Peninsular and Oriental Steam Navigation Company" um 3S0ö Tons im Brntto-Raumgehalt nnd 10 154 Tons im Neito-Raumgehalt überlegen.— — In H a m bürg mußte der Bassist W i e g a n d. der bis vor Jahresfrist an der Münchener Hofoper lhätig»var, einer I r r e n h e i l a n st a l t übergeben worden.— — In A l t p i l a n fiel ein Arbeiter in einen siedenden Thrankessel nnd wurde sofort getövtet.— — In Groß-Schelm bei Pleß fuhr ein Bauer mit seinem Pferde mit einem Radfahrer um die Wette. Er verlor, und sein Pferd verendete am Ziele.— — Dem Abtheilungschef der russischen Hof« polizei, Baro» v. AnSpach, der sich während der letzten An« wesenheil des russischen Kaisers in Deutschland ebenfalls hier befand, ist bei dem Besuche in Koburg eine kostbare Busen» nadel ge stöhlen worden.— — Am Montag Abend explodirte in Schkeuditz bei Leipzig ein Exlrakieur der Lederfabrik von Otlomar Dinkler. Ein Theil derFabrik flog in die Luft. Der Feuer« mann der Maschine und zwei Arbeiter waren sofort tobt. Vier Arbeiter werden noch vermißt. Der Körper des einen der Ge- lödleten wurde 80 Meter iveit fortgeschleudert und aus das Dach eines Hauses geworfen..— — Von eine m sonderbaren Wagen berichtet der „Seeländer Bote":„Ein eigenartiger Unfall ereignete sich am Freitag in der Elisabethenstraße in Basel in der Nähe der Kirche. Die Tram-» linie macht dort eine Kurve, wodurch der Wagen einen ziemlich starken Stoß erlitt. Er stürzte infolge des Stoßes auf die Straße und schlug sein Gesicht auf den Rinnstein auf, so daß er be» wußtlos liegen blieb. Von Paffanten wurde er nach der Elisabeth« Apotheke gebracht, wo ihm schnelle Hilfe zu theil wurde. Nachdem er sich wieder erholt, konnte er allein den Heimweg aulreten."— — In K o n st a n t i n o p e l verspürte man am Montag Nach» mittag ein starkes, drei Sekunde» dauerndes Erdbeben.— c.e. In Ehester C o u n t y(Pennsylvanie», Nordamerika) ist eine 96 Jahre alte Frau zu der Erkenntniß gelangt, daß die Ehe mit ihrem 88 Jahre alten Gatten, den sie vor drei Jahren geheiralhet hat, eine unglückliche sei; sie will sich scheiden lassen.—__ Verantwortlicher Redakteur: August Jacobe») in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiiig in Berlin.