Mttterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 223. Freitag, den 12. November. 1897. (Nachdruck oerbolin.) Vev NomKn einev Vevschwörung. 25 Von A. R a n c. Ins Deutsche übertragen von Marie K n n e r t. Der kleine Louis, der zu dieser Zeit erst zwölf Jahre alt war. wurde größer, und Pierre, bisher noch ein Jüngling. reifte zum Manne. Sie trennten sich nicht von Fran Roche- reuil. die ihnen mit ängstlichem Auge folgte und in jeder Minute zitterte, daß ihr Glück verloren gehen könnte. Denn friedlich ihren Kindern und dem Andenken ihres Mannes lebend, genoß sie, da sie die Vergangenheit nicht zurückrufen konnte, alles Glück. das die Gegenwart ihr bot. Sie lebte vollständig zurückgezogen, empfing nur den Abbe Georget und vielleicht noch einen intimen Frennd ihres Mannes, die wenigen Getreuen, die sie auch in bösen Tagen nicht verlassen hatten. ' Mitunter brachte Pierre auch einen Fremden niit, bald einen Mann von ernstem, zurückhaltendem Wesen und dnrch- dringendem Blick, bald einen Offizier eines der Regimenter. die ans dem Wege nach Spanien Poitiers passirte». Fran Rochereuil wunderte sich nicht, daß ihr Sohn so viele Leute kannte, von denen er niemals zu ihr gesprochen hatte. Sie begriff, daß es politische Glaubensgenossen waren. Eine Wolke ging über ihre Stirn, die sich indeß bald aufhellte, und der Besuch wurde auf das herzlichste einpfangen. ** * Erinnerte sie dies nicht an die Zeiten, als die Kollegen und Frenildc des Volksvertreters Rochereuil nach deu Sitzungen des Konvents in ihrem Salon zusammen kamen? Aber iven» das Mahl beendet war, der Fremde sich von ihr verabschiedet hatte und sie sah, wie ihr Sohn sich mit ihm in sei» Zimmer einschloß oder wenn sie ihnen von ihrem Fenster aus folgte. während sie in einer entlegenen Allee des Gartens lange spaziere» gingen, dann erschien die Wolke wieder ans ihrer Stirn»nd sie sprach bei sich:„Meine Kinder, meine armen Kinder, so werde ich Euch also auch verlieren!" Dann wurde sie in ihrer Angst von einem nervösen Zittern ersaßt, und sie gab sich keine Mühe, Fassung zu erzwingen, denn sie war allein. Pierre war oft abwesend. Er blieb mehrere Tage, manch- mal auch mehrere Wochen fern von Poitiers. Zuerst hatte Fran Rochereuil sich nicht weiter deshalb gesorgt. Es war zu der Zeit, als ein schnell bekannt gewordenes Verhältnis? des jungen Mannes mit der am meisten umschwärmten Dame der Stadt, Frau von Pnygarrcan, begonnen hatte. Fran Rochereuil glaubte, daß Pierre seiner Liebschaft wegen so oft abwesend wäre. Obgleich sie etwas eifersüchtig ans die Herrschasl war. die eine andere Person ans ihren Sohn ausüble, so schmeichelten doch auch imedcr diese Erfolge Pierre's ihrem mütterlichen Stolz. Denn Blanche von Pnygarreau war die reizendste Frau von Poitiers. Frau Rochereuil war übrigens zu gcscheidt, sich merken zu lassen, daß sie etivas von diesem VerhäUiuß wisse. Aber sie benierkle bald, daß sie sich betreffs der Beweggründe für Pierre's Abivcsenheil geirrt hatte. Es handelte sich iveder um Liebe noch auch»nr mii Enlanleric. Er ging alle»»»ach Paris, und Frau von Pnygarreau blieb ebenfalls allein in Poitiers. Ats sie ihn einmal bat, sie mit zu nehmen, hatte Pierre es ihr abgeschlagen. Von da ab trat eine Verstimmung zwischen beiden ei», die einiges Aussehen in der Stadt, ivo alles bemerkt ivnrdc, erregte. Da fühlte Frau Rochereuil, daß sie sich nicht länger ihren Illusionen hingeben konnte. Die Wahrheit sah sie deutlich vor sich. Das Univctter ballte sich zusammen. Die Fremde», die nnangemcldct tu ihr Hans kamen,... die plötzlichen Reisen ihres Sohnes.... Sie nnißte es sich eingestehen, daß Pierre in eine Verschwörung verivickclt ivar. Ihr Miitterinstinkt täuschte sie nicht, wie früher ihr weiblicher Instinkt sie nie betrogen hatte, iven» ihr Mann sich in Gefahr befand. Sic las in den Zügen Pierre's, wie sie einst i» denen ihres Galten gelesen hatte. daß die Stunde der große» Enl- schcidiing näher rückte. Sie fragte ihren Sohn nicht, sie bat ihn nicht, ans seine Pläne zu verzichten. Nein! sie kannte seine unbesiegliche Zähigkeit... Und dann that er ja auch, was er für seine Pflicht hielt, und sie hätte dem Gatten, den sie verloren, und ihrem Sohne im recht gethan, wenn sie versuchte, ihn zurückzuhalten. Sie achtete ihn zu hoch, als daß ihr auch nur der Gedanke gekommen iväre, er könnte zurücktreten, wenn er sich und anderen versprochen hatte, zu handeln. Pierre Rochereuil konnte also einige Zeit lang hoffen, daß seine Mutter nichts ahnte. Aber eines Tages preßte sie ihn beim Abschied mit aller Innigkeit an das Herz und küßte ihn heiß. Ganz leise sagte sie zu ihm:„Sei vorsichtig, mein lieber Sohn!" Das war alles. Von da an bis z» dem Tage, als die Thore des Gefängnisses sich hinter Pierre schloffen, machte sie nie eine Andcntnng über ihre Befürchtung oder Hoffnungen, denn noch hoffte sie. Als die Nachricht von dem verfehlten Versuch des Generals Malet ivie ein Blitzstrnhl einschlug, ivar Pierre lliochereuil nicht in Poitiers. Er war seit acht Tagen verreist. Sein Name wurde jedoch in den Zeitungen nicht genannt, er wurde bei den Debatten nicht ermähnt. Eine Woche verfloß. Zum ersten Rial fragte Fran Rochereuil Lonis, von dem sie glaubte, daß er der Vertraute seines Bruders wäre, ob er ivenigstens wüßte, was aus Pierre geworden wäre. Lonis war ebenso ängstlich wie sie. Bei der Abreise hatte Pierre ihm nichts gesagt. Endlich in einer Nacht, die Frau Rochereuil wie so viele andere in langer, peinigender Schlaflosigkeit verbrachte, hörte sie sacht an die Thür klopfe». Sie stand hastig auf und eilte binans, nm zu öffnen. Pierre trat ein Seine Mutter fiel ihm um den Hals, dann führte sie ihn an der Hand in ihr Zinnner, ivo sie ihn beim Schein einer matt brennenden Lampe betrachtete. Sein Gesicht ivar entstellt. Dir Züge trugen den Stempel furchtbarer Müdigkeit und tiefer Trauer; aber er schien seiner Person ivege« nicht im» ruhig zu fein. Er küßte seine Mutter noch einmal und ließ sich in einen Stuhl fallen, während er leise sagte: „Todt! Sie sind ladt! Alle drei!" „Fürchtest Du etwas? Wirst Du verfolgt?"> fragte Frau Rochereuil. Er machte eine Bewegung, die ausdrücken sollte, wie gleichgültig es ihm jetzt nach dem Untergang aller seiner Hoff- nungcn, nach der Niederlage und dem Tode von Malet, Guidal und Lahrin war. ob er sich in Gefahr bcsand oder nicht. „Aber ich, unglückseliges Kind," sagte Fran Rochereuil in traurig vorivurssvollem Tone,„denkst Du nicht au mich?" „Es ist wahr. Mama, verzeih mir!" Bei dem Worte„Mama" sah Fran Rochereuil die Vcr» gangcnheit vor sich aufsteigen, ihren Gatten in seiner Jugend und Kraft, den Sohn ans den Knien, der die ersten kindlichen Laute stammelte. Ste konnte eine Thräne nicht zurück- halten. „Verzeih mir," sagte Pierre,„ich bin so verzweifelt! Nein, Du hast nichts zu fürchten. Ich habe fliehen können. Dank einem wunderbaren Znsall bin ich gerettet worden, jetzt kümmert die Polizei sich nicht mehr um mich. Aber sie. sie sind todt, gefallen unter den Kugeln der Soldaten Na» poleonS!" Er stockte einen Augenblick, in bitlere Betrachlungen vcr- senkt. Frau Rochereuil ehrte Jemen Schmerz und schwieg ebenfalls. „Ach," sagte er, plötzlich aufspringend,„so nahe dem Triumph! Es ist, nm mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen! Ach! sei» Stern bleibt ihm immer treu! Alle. einer nach dem andern getroffen, nicin Vater in Anjouae, Ondet in Wagram. Malet in der Ebene von Grcnelle... Aber ich, ich lebe, und werde sie rächen..." itl m nächste»Tage erschieuPierreR ochcrettil rnhiger.Er berichtete seiner Mutter, Louis und dem Abbü Georget die Einzelheiten über die Hinrichtung Malel's und seiner Mitangeklagten. Er erzählte ihnen, wie der General nach zwei Salven noch lebte und erst mit Bajonettstichen getödtet wurde. Von sich selbst und seiner Bethcilignng an der Sache sagte er nichts. Er versicherte Frau Rochereuil nur von neuem, daß er nicht kom- promiltirt wäre. In der Thal geschah es auch erst einige Monate später, daß Rochereuil und Abbe Georget infolge von Berichten an das Generalpolizeiministcrinm. deren Versaffer mau»lcht kannte, verhastct wurden. In einer so delikaten nub wichtigen Sache traute man den Behörden von Poitiers nicht. Ein Untersuchungsrichter wurde von Paris aus geschickt. Frau Rochercnil trat nun wieder den Weg nach dem Gefäuguiß an, den sie so genau kannte. Der Zufall, wollte es, daß Pierre in der„Heimsuchung� daffelbe Zimmer bekam, das sein Vater innegehabt hatte. Als Frau Rochercnil hier zum ersten Male eintrat, wäre sie fast ohnmächtig geworden, aber tapfer nahm sie sich zusamnien. Die Tage des Opfers, der Trauer und des inneren Kampfes begannen für sie von neuem. Wieder mnstte sie ihr Lebe» in zwei Hälften thcilen, die eine voll tödtlicher Sorgen und Verzweiflung, die andere voll anscheinender Heiterkeit und Ruhe— um ihres Sohnes willen Sie wußte, wie sehr sein kräftiges Temperamcilt, feine energische Natur der freien Luft, der Thätigkeit, der Bewegung bedurften. Sie dachte nur daran. ihm das Gcfängniß zu erhellen, ihm die Traurigkeil und Ocde desselben zu erleichtern. Jeden Tag kam sie z» der Stunde, da das Sprechzimmer geöffnet ivnrde, niit einem Arm voll Blnnien. die sie am Morgen in dem Garten am Prangerplatz geschnitten hatte. Der am wenigsteii sentimentale und romantische Gefangene liebt die Blumen, die ihm mehr als irgend etwas anderes Eindrücke von außen bringen. Die Blumen erfreuen den Ge- fangcnen; sie üben eine Wirkung ans, die selbst von denen körperlich einpsunden wird, die sich keine Rechenschaft darüber ablegen. Dann erzählte Frau Rocherenil ihrem Sohn von dem, was in der Stadt besprochen, beklatscht und vcr- lästert wurde. Für ihn kümmerte sie sich um all' diese Dinge, für ihn hörte sie. die traurige, zurückhaltende Frau, die sonst alles Kleinliche verachtete, ans das Geschwätz ihres Dienst- mädchcns. Denn sie wollte Pierre um jeden Preis zerstreuen. erheitern, ihn seinen düsteren Grübeleien entreißen und von der schrecklichen Langeweile befreien, die alle die kennen, welche von der Außenwelt abgeschnitten sind. lForlsetzung folgt) A, s p h« l k. Von den»infachen Slraßen oder vielmehr Pfaden in kleinen Dörfer», die durch Regen und Schnee im wahrste» Sinne des Wortes nupasfirbnr gemacht werden. bis zu den schönen, regelmäßig an- gelegten Straßen unserer Großstädte ist ein ungeheurer Abstand, der uns gleichzeitig de» Fortschritt der Kultur sichtbar macht. Zwar treffe» wir kunstvoll angelegte Straße» schon bei den ältesten Kulturvölkern Kleinasiens und Griechenlands; so sind beute »och Reste der uralten Heerstraße am Flüßchen Nähr el Kelb, drei Stunden nördlich von Beirut, vorhanden, aus der bereits vor mehr als 3i>(K) Jahren der egyptische Eroberer Namses in Syrien vordrang; ganz nahe liegt auch die von de» Römern angelegte Heerstraße, die noch heute im Gebranch ist. Die bekannteste und großartigste Kunststraße, welche die alte» Römer er- baute», ist die sogen, via.Appia(Appische Straße, nach dem Konsul Appius, in dessen Berwaltungszeit ihre Vollendung fällt): sie siihrl von Rom nach Capua und hat eine Länge von vierzig deutsche» Meilen. Heutzutage ist nicht mir die Festsetzung der Trace einer Straße, S. i. ihres genauen Weges. eine viel sicherere. als früher, sondern auch der Ausbau und das Material sind besser geworden. Man ist von dem rauhen Pflaster aus Geröll zu dein Reihen- pstastcr und selbst zu dein Wnrfelpflaster aus regelmäßig behauencn Steine» übergegangen. Auch Holz, sowie Gußeisen hat mau in neuester Zeit mehrfach verwendet, sowie inil ganz besonderer Vorliebe Asphalt: nicht nur einzelne Straße», sondern ganze Straßen- ziigc, selbst schon eine Chailssee, die zwischen Berlin lind Charlotten- bürg, sind asphaltirt ivorden. Zwar ist die Asphaltirnng einer Straße theurer als ihre Belegung selbst mit einem guten Steinpflaster; auch kostet die Instandhaltung mehr, als bei dem letzteren. Aber der unverkennbare Bortheil. der in der Ver- meidinig des störenden, lästigen Geräusches liegt, bewirkt die iininer ausgedehntere Verwendung des Asphalts: damit ist auch eine be- deutend geringere Abnutzung des rollenden Materials verbunden, das hier fast ebenso leicht, wie aus Schiene» läuft. Freilich sind es bei dem gegenwärtigen Charakter unserer Gesellschaft nur die sogenannte» bevorzugteii Gegenden, in denen das Asphaltpflaster z» Hause ist: technische Errungenschasten zu einem Gemeingut zu»lache». ist eine Aufgabe, deren Lösung für die kapitalistische Gesellschaft z» schwer ist, und die sie daher der zukünftigen, sozialistisch organisirlen überlassen muß. Das wichtigste Rohprodukt für die gesammte Asphallindustrie bildet der natürliche Asphallstein, ein Kalkstein, der von Erdpcch oder Erdharz durchzogen ist. die ihm einen cigenthümliche» brenzligen nnd theerartigen Geruch geben. Wenn der Akphallstein auch nicht gerade ein seltenes Mineral ist. so tritt er doch nur an einzelnen Orten in solcher Mächtigkeit auf, daß sein Abbau lohnt. In Deutschland wird er in den Gruben von Limmer bei Hannover gefördert, ferner in den Vorwohler Gruben im Herzogthum Braunschweig und in den Gruben von Lobsann«»Elsaß: amberühmlesten sind die RSphaltgruben von Bal de Travers im schweizerischen Kanton Neuenbürg, wo schon zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Asphallstei» gegraben wurde, und die französischen Gruben von Seyssel im Nhouethal. wo der Asphaltstein zuerst im Jahre 1802 entdeckt wurde. Auch i» Italien und Rußland wird der Asphaltstein an verschiedenen Stellen zu Tage gefördert, während er in Amerika nicht vorkommt: doch findet sich dort der Asphalt mit Sand und Thon gemengt in de» Becke» alter Seen, wie im sogenannten Asphaltsee ans der Insel Trinidad. Zur weitere» Verarbeitung ist es nöthig, den Asphaltstein zu zerkleinern; man verwendet dazn theils die gewöhnliche» Steinbrech« Maschinen, theils Quetschwalzen mit glatter oder rauher, oder auch mit Dornen besetzter Quetschfläche. Läßt man die Walze» mit gleicher Uinfangsgeschwindigkeit gegen einander lause», so wirken sie nur pressend; lausen sie mit verschiedener Geschwindigkeit, so tritt gleichzeitig Zerreißen ein. Um den Kleinschlag in Pulversorm zu bringe», benutzte man früher die Eigenschaft des Steines, bei mäßiger Erhitzung, etwa bei 140 Grad, z» Pulver zu zerfallen. Da jedoch bei starker Erhitzung das Bitumen'), der eigentliche ASphall. sich verflüchtigt nnd nur der Kalkstein als weißes oder grauweißes Pulver zuriickbleibt, so spielt die Er- wärmnngsiiicthode nur noch eine niilergeordnete Rolle. Gegenwärtig benutzt man Schleudermühlen nnd läßt das a»S der Mühle koiniueude Pulver häufig noch ein Sieb passiren, um möglichste Gleichmäßigkeit zu erzielen. Da der Gehalt des Asphalt» steines und also auch des Pulvers au reinem Asphall zu gering ist. so setzt mall ihm andere bituminöse Stoffe zu. Als solcher sogen. Asphalttheer oder Asphaltgoudron kommt der Bcrgtheer ans Südfrankreich in belracht. der aus bitnmeuhaltigem Sande aiisgeschmolzen wird: auch wird aus besonders stark bitnincnhaltige» Asphallsteinen das Bitumen dnrch Lösüngs- niittel. besonders durch Schwefelkohlenstoff ausgezogen»nd als Goudron verwendet. Hauptsächlich aber wird natürliches Biliinien ans ergiebige» Fundstellen be»»tzt, die iiia» vielfach in den Vereiiiigleu Staate» findet; der Hanptsuudvrt für natürliches Bitumen ist die britische Insel Trinidad, gegenüber der Küste von Venezuela, wo das reichlich emporquellende Erdpech einen kleinen See von etwa 800 Metern Breite und 100 Metern Länge ansfiillt. Während der Regenzeit ist die Masse ans der Ober� fläche so fest, daß sie betreie», verde» kann, in der regenlosen Zeit dagegen wird sie von der Soiine eriveicht und kommt zum Fließe». Dieser rohe Bergtheer, der als Trinidad-Asphall bekannt ist, eilt- hält noch zum dritten Theil thonige nnd erdige Bestandtheile, nnd znin drilten Theilc Wasser: seine Reinigung, die im Schmelzen, Kochen und Durchsiebe» befiehl, wird von einzelnen große» Firmen in London betriebe», die die gereinigte Mass« in erftarrteni Zustande iveiter versende». Doch kommt auck, der rohe Trinidad-Asphalt»ach Deulschlaiid und wird in den Asphalifabrike» selbst gereinigl>l»d zu Goudron verarbeitet. Da der gereinigte Trinidad-Asphalt sehr spröde ist, setzt man ihm zähflüssigen Bergtheer, oder wie in den Fabriken zu Val de TraverS und Seyssel, die dickflüssigen Rückstände ans der Pelroleumrasflnerie und der Leuchlöl-Destillaiion aus bitiiminöseni©and hinzu. Mau erhitzt das flüssige Zusatz- maierial in große», offeiieu Kessel» und giebt allmälig Stücke des gereinigten Trinidad-Asphaltes hinzu; die Teuiperalur wird dabei einige Stunden lang aus 250 Grad erhitzt. Die so gewonnene Masse, das Goudron, wird init dem ge- pulverten Asphallsiein zusannnengcschuiolze»; es geschieht dies in halbzylindrische», horizontalliegenden Kesseln, die mit einem Duust- rohr zum Tlbsühren der Dämpfe versehe» nnd mit Deckeln versckilossen sind, Iii» Wärmcverlnste möglichst z» vermeide». An einer durchgehenden Axe bestuden sichRührarine, die bei derUmdrehung der durchMaschiuen- kraft gelriebrue» Axe ein inniges Mischen der Massen herbeiführen. Zuerst ivird die Gondronniasse emgeschmolzen n»d dann der ge- pulverte Asphaltsteü, nach einander i» Menge» von etwa 100 Kilo eiugeworfc» und ziigemischl. bis der Kessel, der 3000—4000 Kilo faßt, gesüllt ist. Die Teniperatiir darf dabei nicht unter k75 Grad sinken, damit die Masse nicht zu steisteigig wird; doch darf sie auch nicht über 230 Grad erhöht werden, weil sonst zu viel Bilumen verdiiiistet Bis zum Ferligmache» bedarf eine Kesselsülliing 5—8 Stunden Zeit. Die gewonnene, schwarz» braune Masse, die den Namen Asphaltmastix führt, wird danil mittels Handkellen in bereit gehaltene, oben und uulen offene Formen gegossen, i» denen sie zu Broten von etwa 25—30 Kilo Geivicht erstarrt. Dieser Asphaltmastix dient bei Wasserbauten statt des Mörtels, zum Bekleiden der Wände von Wasserbehältern, feuchten Kellern und ähnlichen. Unter Znsatz von grobem Sand von»euein geschmolzen, bildet er den Gußasphalt, der zur Herstellung von Fnßböven, Dachflächen, Jsolirschichlcii zc. verwendet wird. Zur Asphaltirnng der Straßen wird das Pulver aus einer gut abgeglichenen trockenen Betonlage i» einer Schicht von 10 bis 20 Zentimeter Dicke aus- gebreitet, dann mit heiße» Rammen oder Iiiittels einer heiße» Walze auf 5 Zentimeter zusanimeugepießt. durch heiße Elätteijen an der Oberfläche geebnet und nochmals gewalzt. ') Bitiinien ist eine allgemeine Bezeichnung mehrerer au? Kohlciisioff nnd Wasserstoff bestehende» Substanzen, die durch ciuen eigenlhüinlichen brenzligen oder theerartigen Geruch charallerisirt sind i außer Asphalt gehöre» z. B. Erdöl und Bergtheer dazu. Auch sonst findet der Asphalt noch ausgedehnle Amuentunig. So giebt er mit Alkohol behandelt und in Oel ausgelöst eine schöne dunkelbraune Lazurfarbe. die in der altniederlandischen Maler- schule ausgedehnle Verwendung fand. Auch heute wird sie viel- fach zur Herstellung ganz dunkler Schatlentöne benutzt; einen fast übermäßigen Gebrauch machte der berühmte Wiener Maler, Hans Makart, von ihr; wenigstens wird die Veränderung, die mit einer großen Zahl seiner Bilder vor sich gegangen ist, vielfach der starken Verwendung dieser Farbe zugefchriebew In der Photographie ivird der Asphalt ebenfalls stark benutzt; das sog. Asphaltverfahren ist dort seit 70 Jadren ununterbrochen im Gebrauch. Schon 1827 entdeckte der erste Erfinder der Photographie, Joseph Nicephor« Niepce, daß dünne Asphaltschichten gegen Licht empfindlich sind, daß sie durch die Belichtung unlöslich werden. Er überzog nun Melallplattcn mit einer Asphalt- lösnng, ließ diese trocknen und legte eine Zeichnung oder einen Kupferstich darauf; dann wurde das ganze dem Lichte ausgesetzt. Von den weißen Stellen der Zeichnmig wurde das Licht hindurchgelassen und die darunter befindliche Asphaltschicht unlöslich gemacht, von den schivarzcn Strichen dagegen wurde das Licht zurückgehalten. Wurde nun die Platte mit ätherische!» Oel Übergossen, so wurde der löslich gebliebene Asphalt weggeivaschcn, während der nnlösliche nuter den hellen Stellen der Zeich- nung hasten blieb; so bekam man eine Kopie der Zeich- nuiig in hellem Metall aus braunem Asphaltgrund. Durch ätzende Säure kann das Metall an den nackten Stellen angesressen werden, so daß man eine vertiefte Zeichnung in Metall bekomint, die auf der Kupferdruckpresse abgedruckt werde» kann; Niepce namite die so gewonnenen Abdrücke Heliographien(d. i. Souneudrucke). Dieses älteste photographische Presseiidruck-Verfahren ist heute noch im Gebrauch, und der Asphalt hat sich trotz feiner geringen Lichtempsindlichkcit— die Belichtung ersordert oft mehrere Tage— bis hente behauptet.—_ b. b, Dileines Luenillekon t. Eine spiritistische Sitzung in Indien auS dem Jahre 1674 findet sich in einem Bruchstücke der Deukivürdigkeiten des Franzosen Bellanger de Lespinnlj beschrieben, der in dem genannten Jahre in der französischen Kolonie Pondichery weilte. Dieser interessante Bericht wurde ans dem letzten Orienlalisten-Kongreß durch ein Mitglied der ethnographischen Abtheilung milgelheilt. Bellanger wünschte in Pondichery Nachricht über seine Freunde ans der Heimath zu er- halten und wandte sich zu diesem Zwecke an indische Wahrsager. „Diese sagten mir", so erzählt der Lteisende selbst,„daß sie einen Knaben oder ein Mädchen dazu brauchten. Sie suchten eines und wählten es. um ganz sicher zu gehen, ganz jung und sagten mir, daß sie bei Nacht und an einem einsamen Orte ans Werk gehen müßten. Wir verabredeten uns in eine verfallene Pagode, in deren Hinter- grund die Wahrsager einen Tisch und einen Teppich bringen ließen, ferner zivei große kupferne Gesäße, etwas Neis, Weihrauch und eine Kohlenpfanne. Dann setzten sie eines der blanken Gesäße auf den Tisch an der Mauer und fetteten es mit einem schwarzen, glänzenden Oele ein. Das kleine Mädchen trat vor dieses Becken, welches es nicht aus den Augen ließ. Hinter ihr standen zwei der Wahrsager, welche ebenfalls in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, auf denselben Gegenstand schauten. Zwei Schritte davon stand ein Greis, der leise vor sich hin»mr- melle und von Zeit zu Zeit eine Handvoll Reis in die Lust und aus die Erde ivars und dazwischen Weihrauch ansstrente." Bellanger versichert nun, daß er folgendes auf der glänzenden Fläche des kupfernen Gesäßes habe vorüberziehen sehen:„Ich sah eines unserer Schiffe, auf dem sich der Generaldirektor Baron befand, als es gerade den Hafen von Surat tau der Malabar- Küste) verließ. Einen Augenblick später sah ich dasselbe Schiff in den Hafen von Bombay eiulnufen. man sah die Engländer am Strande, die Landung der sranzöstschen Schaluppe erwartend, und das überraschendste war. daß ich unsere Leute von Angesicht erkennen konnte. Alle diese Gegenstände sah man nacheinander, wie wenn sie leiblich vor dem Auge vorübergezogen wären." Bellanger sah ans seinen Wunsch auch das damals belagerte San Thomö:„Der Bizekönig stand aus dem angegriffenen Bollwerk milsauimt dem größte» Theile der Be- satznng. und ich konnte die Gesichter unterscheiden und erkennen." Später erzählte Bellanger dieses dem Generaldirektor Baron, der ihm seinen Tadel aussprach und bat, ihn mit solchem Zeug zu ver- schone», denn all dies sei nur mit Hilfe des Teufels geschehen, dessen Künste alle Orientalen betreiben. In der Diskussion, die diesem Vortrage aus den, Orientalisten-Kongresse folgte, wurde festgestellt, daß dasselbe Versahren der Wahrsager auch unter den Arabern, de» alten Griechen sowie bei den Neger» aus den Antillen in Ucbmig war.— Theater. — r. Schiller-Theater. Alljährlich am lv. November machen Theater und Publikum vor einem Dichter, den sman unter dem Einflüsse der modernen Richtung das ganze Jahr hindurch links liegen läßt, eine Art feierlicher Anstandsreverenz. Selbst solche Bühnen, die unausgesetzt mit ödem Posscnkram wirthschaften. schwingen sich an diesen, Tage zu einer Ausführung der„Räuber" auf; vielleicht in der Hoffnung, daß Apoll mildgestimml werde nnd ihnen gnädig alle anderen Uebelthaten verzeihe. In Musenleuipeln aber, die auch sonst zeitweilig neben der Posse und dem Lieutenants- Lustspiel ein klassisches Stück zu bringen wagen, nimmt man an Schiller's Geburtstag einen ganz besonderen Anlauf. Iber dadurch, daß die Kräfte vor der Zeit versagen, nicht immer die gewünschte Wirkung hinterläßt. Das Schiller-Theater hatte vorgestern die Auf- führung von„ W a l l e n st e i n's T o d" riskirt. Das ist ein Wage- stück, dem selbst an ersten Bühnen gar oft der Erfolg versagt bleibt. In dieser Einsicht schien man sich in der Wallnertheater- straße von vornherein auf das bescheidenste eingerichtet zu haben. Der Wallenstein des Herrn P a t e g g ivar ein im Grunde honoriger Mann von bürgerlicher Gulmüthigkeit. Er hatte sich nun einmal in eine unglückliche Situation hineingeritten. wie dies etwa kürzlich Herrn Blumenreich passirt ist, der ja auch von gerichtswegen das'Zeugniß einer relativen Respektsperson er- hielt. Von gesürchteter, erschütternder Größe, von einer weltgeschicht- lichen Persönlichkeit, war in dem Wallenstein des Herr» Pategg nichts zu finden, und selbst die grübelnde, phantastische Seite des Charakters kam, wie dies ja aus der ganzen Grnndauffassung heraus erklärlich ist, ivenig zum Vorschein. Aus ähnlicher, gut bürgerlicher Höhe standen die übrigen Personen des Stückes. Terzky und Jllo waren zwei harmlose, etwas blutarme Schwadroneure, und dem Octavio des Herrn Laureu ce war anzusehen, daß er sich in den Greueln des Krieges recht unbehaglich fühlte und Sehnsucht empfand nach friedfertiger Beschäftigung. Gut durchgeführt ivar von Herr» Merten die Rolle des Bultler. und auch die Leidenschaftlichkeit, die Herrn Bach in hohem Maße eigen, kam in der Abschiedsszene zu ergreisender Wirkung. Fräulein Pauly spielte die Thekla etwas zu rührend als passive Dulderin; ganz schemenhaft gaben sich die Darstellerinnen der Gräfin und der Herzogüi. Am Freilag soll „Walleusteins Lager" und„Die Piccolomini" gegeben werde».— Kunst. Auf dem Gebiete der bildenden Künste in Berlin will es auch im Winter nicht viel reger werden, als eS den Sommer über war. Im allgemeinen hält man hier Nachlese. Die neue Kunsthandlung Keller».Reiner in der Potsdamer- straße hat auf die diesjährige Dresdener Ausstellung zurückgegriffen nnd seit Mittwoch ist in ihren Sälen eine„Ausstellung Consta» tin M e u n i e r" eröffnet. Etwa 30 Bronzen, mehrere Gipsmodelle und eine Anzahl von Zeichnungen und Gemälden find in die Ausstellung aufgenommen. Art und Wesen des berühmten belgischen Bildhauers� sind an dieser Stelle ans Anlaß der großen internationalen Kunstschan i» Dresden eingehend geschildert worden. Auch für Berlin ist Mennier längst kein Fremder mehr. Seil unter dem jetzigen Direktor auch fremdländische Kunstwerke in die Nationalgallerie Eingang fanden, besitzt unsere Gallerie eine kleine Broncegruppe Meunier's, den verlorenen Sohn, ein Geschenk Berliner Kunst- freunde. Eine Wiederholung dieser Gruppe ist ebenfalls bei Keller nnd Reiner zu sehen. Desgleichen wird nun in der jetzigen Ausstellung an die er« greifend« große Gruppe erinnert, die vor mehreren Jahren im Moabiter Ausstellnugspalast viel dewundert und ihrer realistischen Kraft wegen viel bezweifelt wurde. Ueber den Leib des Sohnes, der bei der Arbeit verunglückt ist. beugt sich in tiefer Küminerniß die proletarische Mutter. Das Bildwerk. daS ein leider alltägliches Vorkoiiimniß mit starker künstlerischer Weihe wiedergiebt, mußte all die konservativen Elemente in der Kunst aufregen, die dem „häßlich-naturalistischen Vorgang" keine„feierliche Bedeutung" zu- schreiben mochten. Zugleich deutet es daraus hin. woher Meunier's besondere Stellung in der Kunst der Gegenwart zu erklären ist, Auch er grüßt mit Ada Negri„die ehern hciudenloseu Brüste, die rauhen Leiber, muskulösen Arme, die unermüdlichen, im brüllen- den Schlachtlärm der Riesenwerkstalt". Er ist der energische Bildner proletarischer Kraft, des harten Arbeiterdaseius. Heute werden auch die stark Zurückgebliebenen dieser Arme-Leut- Bilduerei, wie man es verächtlich naunte, nicht mehr ihre Achtung versagen; und bei Meunier ganz besonders wird auch der leiden- schasllichc Nückwärtsmaun nicht von bloßer„proletarischer Tendenz- kuust" sprechen können. Von jeher schöpfte die Bilduerei ihre kräf- tigsten Anregungeu aus der möglichst gesteigerten körperlichen Aktion. Wenn alle Sehnen straff sich spannen, der Körper die höchste Energie verröth. so wird's dein Künstler willkommen sein. Nicht umsonst haben so viele altgriechifche Künstler Athleten bei ihre» Spielen. Diskuswerfer n. s. w. behandelt. Sie hatten es freilich besser. Als sie lebten, galt die Enlfaltiing größter, körper- licher Energie oft noch der Heiterkeit, der Gesund- heit. Der Künstler der Gegenwart findet sie, wenn mau vom höchst einseitigen nnd oft karikireuden Sport absieht, in den Frohn- dienst proletarischer Arbeit gespannt; der Minen gräbt und Eisen streckt, der mit der Haue hantirt und den Rmnmstock hebt und senkt, sie verweisen den Künstler, der nach der Natur schafft, auf das Problem bewegter leiblicher Aktion. Daß diese Arbeit heutzutage den Charakter der Unlust trägt, daß belgische Bergardeiter, wenn sie heimkehren, nicht wie die seligen Engel jauchzen, sondern ab- gespannt, in düsterer Einförinigkeit vor sich hinschauen: das hat der Künstler nicht verschuldet. Er ist ein Wahrheitsucher und hat ver- zeichnet, was er gesunden hat. Selbst wenn Meunier einen alten Arbeilsgaul ans den Minen zum Modell nimmt, nimmt man mit ergreifender Deutlichkeit wahr, wohin die Freudlosigkeit und Ans- beutuug der Arbeit führt. Von den übrigen Knnstsälen ist zur Zeit nicht viel zu sagein Eine junge Hainburger K ü n st l e r g r u p p e halte neulich bei G u r I i t t ausgestellt. Noch lasten ihre Mitglieder vielfach herum; manche bewegen sich in radikal- naturalistische» Versuchen, die scbo» lange überwunden sind; manche wollen um jeden Preis originell sein, und es kommt viel Gezwungenes dabei heraus. Bei Schulte sind interessante Porträts von R. Leppius, der von München nach Berlin übersiedelt ist, z» sehen. Der junge Berliner Künstler Max U t h, der rüstig vorwärts schreitet, stellt eine stiinmungsreiche Landschaft zur Schau. L. Dettmann i» Charlottenburg weiß diesmal nichts besonders Neues zu sagen. � Völkerkunde. — Die Sodawasser-Flasche als I u j u. Den „Münch. N. N." wird aus London geschrieben: Letzten Dezember sind Major Leonard und Mr. F. James, zwei Beamte des Niger- Protektorats, als die ersten Weißen bis zu der wichtigen Stadt Bendi vorgedrungen, die einige hundert englische Meilen lanv- einwärts von Opobo liegt. Bendi gilt als die wichtigste Handels- ftadt des Protektorats und ist das Hauptquartier des„langen Ju Ju", d. h. des gleichen Fetischdienstes, der i» Benin so viele Menschenopfer gekostet hat und dessen Ritus außerordentlich grausam ist. Es scheint, daß die Engländer vor haben, während der nächsten trockenen Jahreszeil eine Expedition dorthin zu schicken und daß die zwei Beamten die Aufgabe hatten, das Terrain zu sondiren. Ein Reuter-Telegramm aus Bonn» enthält einige interessante Angaben über ihre Reise, die durch sehr gebirgiges Terrain ging und sechs Tage in Anspruch nahm. Ein Negerjnnge in weißem Hemd und mit einer englischen Fahne zog ihnen voraus und i» jedem Ort, durch den sie kamen, mußten sie„Jnju" schwöre». Davon wird folgende amüsante Beschreibung gegeben:„Die bejreuudeten Häuptlinge saßen im Halbkreis den lokalen Häuptlingen gegenüber, die gleichfalls einen Halbkreis bildete». Das Bersahre» begann damit, baß das Sladt- Haupt, in der einen Hand eine» Schädel und mit der anderen wild herumsuchtelnd, im Kreis herumging und dabei alle weißen Männer und ihre Nachkommen verfluchte, salls ihr Besuch der Stadt zum Unheil ausschlagen sollte. Dann inarschirte der oberste von den der Expedition befreundeten Häuptlingen seinerseits im Kreis herum und rief schreckliche Flüche aus die Schwarzen herab für de» Fall, daß den Weißen während ihres Besuches etwas zu- stoßen sollte. Dieser Häuptling, der die Wirksamkeit eines neuen„Jnju" wohl kannte, hatte eine» Einfall, der ans die aber- gläubischcn Leute tiefen Eindruck machte. Aus seinem Marsch um den Kreis herum trug er in der Hand eine gewöhnliche Sodawasser- flasche und sprang im kritischen Moment, wen» er den Neichlhum seiner Flüche erschöpft Halle, mitten in den Kreis Imd ließ den Pfropfen knallen. Die Wirkung war jedesmal verblüffend: die Ein- geborenen ergriffen alle, Häupllinge. Männer, Weiber und Kinder, auf«inen Schlag die Flucht. Was sie„des weiße» Mannes Goil in der Flasche" nannten, machte den tiefsten Eindruck auf sie, und das Knallen der Propfe» überzeugte sie überall davon, daß das „Inj»" des weißen Mannes sehr mächtig sei. Bendi selbst war viel größer als eine gewöhnliche afrikanische Stadl und halte einen riesigen Markt.— Aus beut Thierleben. — Di« Art, wie der Orang-Utan schläft, ist nach Beobachtungen, die A. Keith im Garte» der Zoologische» Gesellschaft in London anstellte, dieselbe, die ursprünglich dem Mensche» eigen ist. Er legt sich auf die Seite, zieht Arme und Beine an, legt die eine Hand unter, die andere ans den Kops Die Richtung seiner Körpcrhaare ist dabei so. daß sie eine imnnter- brocheue Decke über ihn bilden. Beim Menschen sind die Haare genau ebenso gerichtet, ohne daß man seither eine Erklärung hierfür wußte. Jetzt leuchtet der Schutz, den die Haare so gewähre», ohne weiteres ei». Die Haare des Rückens, der Oberfeite von Arm und Bei» sind in der Schlafstelluug alle gleichgerichtet, die des LeibeS und der ihm zugekehrten Unterschenkel- und Unterarm-Theile legen sich alle um den Nabel herum, bedecken also de» Bauch. Dazu sind die Haare der Eudlheile am Ann und Bein quer gerichtet, während sonst alle Haare am Körper i» der Längsrichtung desselben stehe». (Proc. zool. See. London, 1897.) Aus dein Thierreiche. — Der berühmte japanische Riesensala in ander (Cryptobranclias japonicus), welchen daS Pariser Museum s n r N a t u r k n n d e am It. November 1359 von Dr. Pompe va» Merderwoord empfing, ist. wie der„Prometheus" mittheilt, gestorben. Er hatte seit seiner Einlieferung stark an Größe und Leibesumfang zugenommen, den» damals maß er K79 Millimeter Länge und bei feinem Tode hat er ungefähr>300 Millimeter Länge und ein Gewicht von 24 Kilogramm erreicht.—■ Technisches. — Teppiche aus Papier. Der Amerikaner W. A Maurain in Providence hat einen Webstuhl konstruirl, auf welchem präparirte Papierstreifen von ungefähr ein Dard Länge, die durch Röhren zugeführt werden, automatisch, und zwar in der Längs- richtung aneinandergereiht werden können. Diese Streifen bilden einen festen und doch elastischen Einschuß, welcher mittelst Ketten- 'UM—-—-—----- Berantwortlicher Redakteur: Anglist Jacobcy in B fäden fest verbunden wird. Nach Verlaffen des Webstuhles wird die fertige Waare mit Randverstärkungen versehen. auf beiden Seiten nochmals mit Papier überklebt und bildet in dieser Form eine praktische Unterlage für Fußböden, an stelle der Läufer, Teppiche, Linoleum ec., da es diese an Billigkeit weit übertrifft.— Httmorifiisches. — Ein Schlaukopf. Ein Jrländer übernahm kontraktlich die Verpflichtung, einen Brunnen zu graben. Als er ca. 25 Fuß gegraben hatte, kam er eines Morgens zur Arbeit und fand, daß der Brunnen eingestürzt und das Bohrloch bis zum Rande mit Erde gefüllt war. Der Jrländer schaut sich vorsichtig um, und als er be« merkt, daß niemand in der Nähe, nimmt er seinen Rock und Hut und wirft diese Sachen zwischen die Erdschollen, verkriecht sich ins nahe Gebüsch zind harrt der Dinge, die da kommen sollen.., Nicht lange währl's und Passanten entdecken, daß der Brunnen ein- gestürzt ist, und da sie die Kleider des Iren sehen, vermulheu sie, dieser sei verunglückt und liege auf dem Grunde des Brunnens... Mehrere Stunden harter Arbeit entferne» die Erdschollen aus dem Brunnen und man erreicht den Boden desselben. Gerade als mau seine Verwunderung darüber ausdrückte, daß der Körper des Iren nicht zu finden, näherte sich dieser seinen„Rettern" und dankte ihnen da» für, daß sie ihm die unangenehme Arbeil abgenommen.— — Eine glückliche Ehe. A.:„Das dort ist mein Freund Perkins. Sie kennen doch Perkins?— Vor zwanzig Jahren, bald nach der Heirath, kam er mit seiner Frau überein, daß, wenn einer von ihnen die gute Laune verlieren oder ausgebracht sein sollte, der andere zu schweigen hätte." B:„Nun, wie ging die Sache?" 31.:„Famos! Perkins hat zwanzig Jahre geschwiegen."— — Vom Storch. Lehrerin:„Was könnt Ihr mir vom Storch erzählen?" Elsa:„Es giebt gar keinen Storch, hat mein Bruder gesagt. das ist nur ue alte Frau, die heißt Älnderson."— („Jugend.") Beriuischtes Uvm Tage. — Einen„originellen Rein fall" hat nach der„Nordd. Allg. Zeitung" ein Herren-Konfekliousgeschäft in Dortmund erlebt. Es erklärte sich durch Inserat bereit, jedem auswärtigen Käufer bei einem Einkauf von 20 M. an den Preis einer Eisenbahnfnhrkarte dritter 5klasse zurück zu erstatten. Diese Anzeige inachte sich ein sindiger Kops zu nutze, lud einen Verwandten aus Ostsrieslaud, der bis dahin die theneren Reisekosten gescheut halte, zum Besuch ein, kaufte mit ihm in dein betreffenden Geschäft einen 3l»z»g von 39 M. und brachte, ii»ter Vorlegung der Rücksahrkarle, 18 M. für Reiseunkosten in 3Ibzug. 3lllcs Reden des Kailsnianues half»ichlS, der Käufer bestand aus seinen» Schein, und das betreffende Geschäft mußte 18 M. Fahrgeld bezahlen.— — Ans einem Steinmetzplatz in Dresden fand man die Leiche cincs 7Vejährigeu Mädchens.?ln dem Kinde war ein Ver- breche» verübt, und dann war cS durch Einzivänge» von Gras in den Mund erstickt worden.— — Der Volks h och schul-Verei n M ü n ch e n hat das Wintersemester am 25 Oktober begonnen. I» den erste» zehn Tage» sind nicht iveuiger als 1VS3 Anmeldungen eiilgegengenoninie» worden.— — In der Nähe von B i a l y st o k wurde ei» mit H o ch- zeitsgäsien besetzter Wagen von eineni Eisenbahiiznge Übersahren. 31 ch t P e r s o n e» wurden g e t ö d I e t.— — Bereits 25C3 Tage soll der Hungerkünstter S u c c i g e» f a st e t haben.— — An» Mittwoch 3Ibe»d wnrden Wagner's„Meister- singer" zum erste» Mate in der P a r i s e r Großen Oper ans- geführt. Dem Werke und den Darstellern ivurdc reicher Beisalt zu theil.— — Aon der Pest. Nach den letzten Nachrichlcu. die ans dem indischen 3t»ite i» London eingetroffen sind, ist die Pest i» B o in» b a q und anderen indischrii Städten in den letzte» sechs Wochen starker aufgclrele» als jemals. Ii» Juli betrug die Zahl der n» der Pest Verstorbenen 39 die Woche. Jede Woche ist sie gewachsen. Besonders heftig wüthel die Seuche in S a t I a r a. P u n a nud einem Theile von Kutsch. In Bomba>> ist die Sterblichkeit hinaus- und hinuntergegangc». I» Indien sterben gegenwärtig wöchentlich etwa 1IOO Personell a» der Beulenpesl. Davon kommen 750 allein auf Eallara— — Eine seltsame Vorstelknng vom T e I e g r a p h i r e n haben die Chinesen. Sie meinen, daß sich ei» mit der Nachricht beschriebenes Papierröllchen aus dem Drahle fortbewege und sich jedesmal aus dem porzellaucneii Jsolaior der Telegrnphriistange aus- ruhe— — In Nord- Amerika brennt mau jetzt Ziegel mit P e t r o 1 e u in- R ü ck st ä» d e». DaS Brennen von 1900 Ziegel- steinen lostet 38 Cents<1.60 M.) gegen 50 Cents bei,» Brennen mit Kohle».— Die nächste Nummer des Uulerhaltuiigsblalles erscheint Souil- tag, den 14. November. rli». Druck und Verlag von Max Vading in Berti».