Mnterhaltungsblatl des Horivärts Nr. 227. Freitag, den 19. November. 1897. vie jede gewöhnliche Petrolenmlainpe; vielleicht wird sie infolge dessen eine schnellere Verbreitung als bisher erringen. Auch eine andere Lampe ist, wie wir derselben Zeitschrift sowie den„Annalen für Physik" entnehmen, in der letzten Zeit etwas ab- geändert und für manche Zwecke brauchbarer gestaltet worden, nämlich die von Dr. Arous vor zwei Jahren konstruirle Quecksilber-Bogen- lampe. In den Schenkel» eines umgekehrten U-sörmigen Rohres, das sehr gut luftleer gepumpt ist. befindet sich Queck- silber, das durch eingeschmolzene Platinstiftchen mit der elektrischen Stromleitung in Verbindung sieht. Das Quecksilber wird durch Neigen oder Schütteln für einen Angenblick zur Berührung gebracht, so daß der elektrische Strom geschlossen ist, und dann bildet sich sofort der Lichtbogen, der nun stundenlang ohne jeden Materialverbrauch und ohne die Lust irgendwie zn verschlechtern, leuchten kann. Wenn das Licht wegen seiner grünlichen Farbe auch nicht sehr gut für Belenchtungszwecke zn verwenden ist, so eignet es sich doch außerordentlich gut für alle oplischen Messungen, bei denen man intensives Licht von einer bestimmte» Farbe verwenden will- denn die spektrale Zerlegung des Lichtes zeigt, daß es nur aus einigen wenigen sehr hellen Lichtarten zusammengesetzt ist. Wie man weiß, geschieht die Fortpflanzung des Lichtes durch eine wellensörmige Erschütterung des Aelhers, und die verschieden- farbigen Lichtarten unterscheide» sich durch die Wellenlänge der ihnen entsprechende» Bewegung. Obwohl es sich bei diesen Wellenlängen nur um iveuige Zehntausendstel eines Millimeters handelt, also um Strecken, die wir gar nicht mehr einzeln unterscheiden können, ge» hören sie doch zu denjenigen, die wir am allergenaueslen messen können, und die auch init großer Genauigkeit bestimmt sind. Daher ist mehrfach der Vorschlag anfgetancht, eine dieser Wellenlängen an stelle des Meters zur absoluten Längeneinheit zn wählen, mit der die übrige» Längen zn messen seien. Speziell die Wellenlänge einer vom glühende» Cadminmgase ausgestrahlte» Lichtart istfürdieseVergleichung mit dem Meter ansersehen. Daher hat Prof. Gumlich am Poly- technikui» in Charloltenbnrg versucht, die Lampe statt mit reinem Quecksilber mit einem Amalgam ans Cadmium und Quecksilber zrr betreiben. Es stieß das auf große Schwierigkeiten, weil schon die geringsten Mengen von Lust genügten, um das Amalganr mit einer hindernden Oxydschicht zu überziehen. Schließlich gelang es durch mehrmaliges Filtriren des Amalgams und wiederholtes Auspumpen der Luft aus der Röhre ein sehr blankes Amalgam zu bekommen, mit welchen, der Lichtbogen leicht herzustellen ist. Zwar erreichen die von, Cadmium ansgesandten Lichlarten bei weile», nicht die Helligkeit des Qnecksilber-Lichtes bei der einfachen Lampe, aber sie können doch sehr gut zn Messungen der Wellenlängen benutzt werden.— Die Ausnutzung der i» mechanische Arbeit umzuwandelnden Energie ist bei den elektrischen Maschine» viel bedeutender, als bei de» Dampfinaschinen. wodurch die ersteren von vornherein ein ge- wisses Uebergewicht über die letztere» haben. Eine Maschine ist ja nicht, wie mancher auf den ersten Anblick wohl meint, eine Vor- richtung, u», Arbeit aus nichts zn gewinnen, sondern die Arbeit kann von ihr nur geleistet werde», indem Energie in anderer Form aufgewendet wird. Bei de» Dampfmaschinen ist es die in den chemischen Kräften zwischen der Kohle und dem Sauerstoff der Luft aufgespeicherte Energie, die auf dem Umweg über die Wärme zur mechanischen Arbeitsleistung benutzt wird. Wen» ein Kilogramm Kohle verbrennt, d. h. sich mit den, Sauerstoff der Luft zn Kohlen- säure vereinigt, so enlstcht eine Wärme, die ausreicht, um 8000 Liter Wasser um einen Grad zu erwärmen. Wenn die Wärme, die einen Liter Wasser um einen Grad erwärm,, sich vollständig in mechanische Arbeit umsetzt, so kann man damit 425 Kilo einen Meter hoch heben. Durch die Verbrennung eines Kilogramm Kohle wird also Wärme ver- fügbar. mit der man 8000 mal 425, also mehr als 3 Millionen 5kilo eine!, Meter hoch heben könnte. In Wirklichkeit erhält man leider nur eine» sehr kleinen Theil dieser Arbeit; es giebt Dampfmaschinen, besonders kleinere, bei denen noch� nicht ein Prozent dieser Arbeit nutzbar wird, und selbst bei den am rationellsten gebauten großen Schiffsmaschinen und de» in den Elektrizitälswecke» zum Antreiben von Dynamos verwendeten, sind kaum mehr als. 12 pCt. der berechneten theoretischen Arbeit verwcrlhbar.> Ganz anders ist es, wie gesagt, bei de» großen Dynamo- maschinell. Schon vor IS bis 20 Jähren gab die sog. elektrische Kraftübertragung etwa 50 pCt. derjenigen Arbeit, die man der ersten Dynamomaschine zugeführt hatte, aus der zweiten in verwendbarer Form wieder, und seitdem sind die Maschinen beständig verbessert worden, so daß heute die besten S4 pCt. der zugefiihrten Slrbeit zurückgeben, und solche, die unter SO pCt. leisten, kaum noch in Ge- brauch sind. Den Dynamos wird meist mechanische Arbeit durch eine Dampfmaschine oder von fließendem Wasser zugeführt. Ii» letzteren Falle giebt die Turbine, welche den Uebergnng der Energie vom Wasser an die Dynamomaschine vermittelt, 75 pCt. der hinein- gelangenden Energie weiter, und da die Dynamo hiervon 94 pCt. verwerthet, so werden im ganzen 70 pCt. der Energie des Wassers nutzbar. Ganz anders und viel weniger rationell stellt sich die Sache bei den Dynamos, die durch Dampfmaschinen angetrieben werden. Denn da die letzlere nur 12 pCt. der in der Kohle enthaltenen Energie ausgiebt, so giebt die Dynamo schließlich nur iV/i pCt. dessen wieder, was einer vollständigen Ausnutzung der Kohle ent- sprechen würde. Daher liegt der Gedanke sehr nahe, den Versuch zu machen, die in der Kohle aufgespeicherte Energie ganz u» mittelbar und ohne de» Umweg über die Dampfmaschine zu machen, in elektrischen Strom z» verwandeln und dem Elektro- motor zuzuführen. Der erste, der in dieser Nichtnng einen Erfolg. wenn auch nur im kleinen, erzielte, war wohl Edison, dessen erstes Patent aus dem Jahre 1891 stammt. Er ließ von dem Deckel einer eisernen Retorte eine» Kohlezylinder in sie herabhängen, während sich im Innern der Retorte Eisenoxyd befand. Beim Erhitzen bildet sich Kohlensäure, während das Eiseuoxyd zu reinem Eisen reduzirt wird, und dieser Prozeß dauert so lange, als noch Kohle und Eisen- oxyd vorhanden sind. Durch diesen chemischen Vorgang entsteht nun ein elektrischer Strom, da sowohl an die Kohle als an die Retorte Leitnngsdrähle geführt sind. Auf ähnlichem Wege ist die direkte Gewinnung von Elektrizität ans Kohle in den letzten Jahren vielfach versucht worden; eine ganze Reihe neuerer Vorrichtungen sind z. B. soeben in der Zeit- schrift für Elektrochemie beschrieben ivorden. Zu einer Nnwendung im großen hat bisher»och keine geführt; doch ist kaum daran zu zweifeln, daß die Technik schließlich auch dieses Problem bewältigen wird. Dann würde der Dampf endgiltig verdrängt werden; die rauchenden Schornsteine und Fabrikschlote, die jetzt selbst noch in de» Elektrizitätswerken zn fiiiden sind, müssen verschwinden und an- mulhigere» Gebilden Platz mache».— Lt. Vlemes Fettillekon , AuS dein schivarzeu Sibirien. Haarsträubende Dinge über das Lebe» der Strafgefangenen werden neuerdings wieder aus Georgia berichtet. Georgia besitzt keine Gefängnisse und Zuchthäuser wie die übrige» Staaten der Union, sondern die Sträflinge werden hier Privatnnternehinern gegen einen bestimmte» Betrag überantwortet, die dann meistens ans den VernrlHeilten soviel wie irgend möglich herauszupressen suchen. Georgia hat sich dadurch den Namen des schwarzen Sibiriens der Vereinigten Staaten verdient: ivnS die Gefangenen in den dortigen Kohlen- gruben zu erdulde» haben, ist ein blutiger Hohn ans die Zivilisation und Humanität des Landes. Erst in diesen Tagen wurde ein Sträfling aus dieser irdischen Hölle befreit, nachdem er dort volle zwanzig Jabre zugebracht hatte, ohne während dieser Zeit jemals das Sonnenlicht gesehen zn haben. Nur einem Gnadenakte Gouverneur Atkinson's verdankt der Unglückliche seine Befreiung, denn er war ans Lebenszeil vcrnrlheilt wegen einer Brandstiftung, die er als neun- jähriger 5ittabe begangen hatte. Er und drei andere wegen desselben Verbrechens vernrtheilte Jungen wanderten in die Dade-Kohlengrube in den Lookoutgebirgen, um dort bis an ihr Lebensende die schwerste Arbeit bei der brutalsten Behandlung zn verrichte». Trotz schwerer Arbeit entwickelte sich Ryder Dillard— dies ist der Name des Un- glücklichen— körperlich schnell und ivurde im Lause der Jahre ein ungewöhnlich kräftiger Mensch, blieb aber intellektuell auf der denk- dar niedrigsten Stufe. SIls er nach seiner Begnadigung nach Atlanta zurückkehrte, waren feine drei Kameraden längst dem furchtbaren Lebe» in den Kohlengrube» erlege», und er selbst erschien wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Seine Auge» bedurften längerer Zeit, um sich an das Tageslicht z» gewöhne», die Namen der ge- wöhnlichsten Dinge ans der Erdoberfläche Halle er längst vergesse», und seine Sprache wurde nicht verstanden, da er sich nnler der Erde das Idiom der Sträflinge vollständig angeeignet halte. Er erhielt Beschäftigung auf einem Kohlenhose und zeigte sich dort als fleißiger Arbeiter. Seinen Mitlheilunge» zufolge wurde ihm am ersten Tage in der Grube eröffnet, daß er täglich zwölf Tonnen 5ivhle zn fördern oder die Peitsche zn kosten habe. Zuerst war er außer stände, das Qnantnm zu liefer», als er aber sah, wie die Aufseher seine Un- glücksgcfährten in der brutalsten Weise auspeitschten, arbeitete er »nit der 5kcast der Verzweiflung und konnte schließlich das Verlangte liesern. Um 4. Uhr morgens erhielten die Sträflinge ihr Frühstück, um sosort an die Arbeit getrieben zn iverdcn, und nach Vollendung des Tagewerks wurden sie mit lketten aneinaiidcrgesesselt, ivorauf sie nach ihrem Lagerplatz neben dem Schachte geführt wurden. Ein Verschnausen bei der Arbeil gab es nicht, denn wer die Spitzhaue auch nur einen Zlugcnblick ruhen ließ, bekam sosort die Peitsche. Ob auf der.Erdoberfläche Regen fiel oder die Sonne schien, ivnßten die lebendig Begrabenen nicht, nur eine Glocke verkündete das Herein- brechen der Nacht, wen» das Tagewerk vollbracht war.— 1/— Theater. Luisen- Theater. Da es nun einmal trauriger Brauch geivorden ist, auch über die nichtigsten theatralischen Neuheiten zn berichten, so sei in ein paar Worten der Dienstags- preinisre am Lnisen-Theater gedacht. Man gab die Erstlings- arbeit„Das verbotene Schauspiel" von Jacob Lipp« m a n n. Der Autor ist in seinem gerechten Herzen offenbar über die Zensur verärgert, und um seinem Groll Lust zn machen ersann er eine Hof- und Licbesgeschichte, deren intriganter Theil sich ans die Theaterzensur erstreckt. Die Geschichte selbst gehört zu jenen Dingen, die nicht ans lebendiger Anschauung entstanden sind, die vielmehr am Schreibtisch dilettantisch erklügelt werden.— Der Erbprinz eines kleinen Fürflenthuins hat ein Stück geschrieben, das Pseudonym aui Hoftheater aufgeführt werden soll. DasStückist abcrganz mies gearbeitet und langt nichts. Um dem Prinzen eine böseEntlänschnng und Niederlage zn erspare», steckt sich die Kousine, die den jungen Herrn liebt, hinler die Zensur, die das Schauspiel in der That ver» bietet. Der Zensor glaubt in seiner Unschuld, das Stück habe ein gewisser Thiel geschrieben. Von einem freimüthigen Regisseur erfährt der Prinz die Wahrheit, und sein Vater, der regierende Herr, hebt zum Schluß die ganze Zensur auf.— Das war sehr gnädig von dem alten Herrn. Jacob Lippmann braucht sich indessen keine Sorgen zu machen. Seine„Kampfstücke" haben nichts zu Zbesürchten. Der Unfähigkeit thnt die Zensur nichts, grundsätzlich nicht. Drollig, wie das Bemühen des Autors, war auch die Mühe der Schauspieler, die rechten„Leute bei Hofe" herauszubeißen. Ein Theil des Publikums nahm die Geschichte trotzdem recht ernst und klatschte Beifall.— — Die erste Anffnhrnng des Drama's„Barkel Turaser" von Philipp L a n g ni a n n findet am 7. Dezember gleichzeitig an» L e s s i n g- T h e a t e r in Berlin und am Deutsche»Volks- theater in Wie» statt.— Kunst. — Wettbewerb um originale Werke graphischer Kunst. Die Verlagsbuchhandlung Seemann u. Co. in Leipzig schreibt für die„Zeitschrist für bildende Kunst" einen Wettbewerb»in originale Werke graphischer Kunst aus und hat dasür folgende Preise ausgesetzt, die unter allen Umständen un» getheilt ausbezahlt werden sollen: I. Preis: 500 Mark; II. Preis: 300 Mark; HI. Preis: 200 Mark. Verlangt werden originale Werke in beliebiger technischer Ausführung (Holzschnitt, Radirung. Lithographie, diese auch mit mehreren Steine») in einer, dein Formate der Zeitschrift für bildende Kunst(25 X 34 Centimeter) entsprechenden Größe(Maximal- bildgröße 17 Centimeler breit x 24 Centimeter hoch). Die Wahl des Gegenstandes ist freigestellt, doch dürfen die eingesandten Arbeiten noch nirgends veröffentlicht sein. Die Einsendung hat bis spätestens zum 1. April 1898 anonym an die Verlagsbuchhandlung von Seemann u. Co. in Leipzig, Gartenstr. 17, zu geschehen. Von jeder Arbeit sind zwei Probedrucke(uueingerahint), nur mit Kenn- wort versehen, einzuschicken.— Völkerkunde. t. Die Jesup-Expedition zur Erforschung der amerikanischen U r v ö l k e r hat den ersten Abschnitt ihrer Thäligkeit vollendet. Diese Expedition ist ein im großartigsten Maßstäbe von dein Präsidenten des amerikanischen Nationalinnseums Jesup ins Leben gerufenes Unternehmen, welches der Reihe nach die Bevölkerung der nördlichen Küsten Nordainerika's und Asiens an» Stillen Ozean erforschen»vird. In diesen, Jahre war das Ziel der Expedition, die aus drei Anthropologen, Dr. Boas, Farrand und Harlan Smith bestand, das britische Columbien, wo besonders die Stämme der Bella Coola- Indianer und der nördlichen Kwaktutl-Jndianer erforscht»Verden sollten. Die Ergebnisse, die sich auf archäologische, anthropoinetrische und soziologische Studien erstrecken, sind sehr bedeutend und haben der Wffsenschast eine» Schatz von Kenntnissen gerettet, der sonst vielleicht in wenigen Jahrzehnten verloren gewesen»väre. Von allgemeinen» Interesse sind die Forschungen von Dr. Boas über die Mythologie der Bella Coola. Diese Indianer setzen das All aus 5 Welten zusammen. In den» obersten Himmel herrscht die höchste Göttin Quamaits, darunter wohnen zahllose andere Gottheiten, deren mächtigste die Sonne ist, die von den Indianern„Unser Vater" oder„der Heilige" genannt»vird. Die dritte Well ist ein Hans am Zenrth, das Haus der Mythen, eben- falls von Göttern bewohnt. Die Gedanken dieser Götter werden von 4 Brüder» ausgeführt, die in gelrennten Zimmern»vohnen(wahr- scheinlich die vier Jahreszeiten), daneben sind noch 10 andere Brüder, die mit den in diesem Lande besonders vielseitigen Ceremonien des Winters beschäftigt sind. Am östlichen Himmel»vohnt der „Hiinmets-Bär", der den„Dämmerungsplatz" be>vacht. Im Westen des Himmels steht ein Pfeiler, an den die Sonne anstößt, damit sie bei ihrem Niedergänge nicht in die Unterwelt hinabsinkt. 24 Wächter sind damit beauftragt, die Himmelsordiiung aufrecht zu erhalten. Von diesen müssen drei stets um die Sonne fliegen, um ihren Lau zu bewachen, an den Punkten der Sonnenwende steht»och je ein Wächter, der verhindern soll, daß die Sonne an diesen Stellen stehen bleibt. Die Erde ist ei>»e Insel in einem großen Meere. In» fernen Osten sitzt ein Gott mit einer starke» Stange in den Händen, an dieser hängen steinerne Seile, in denen die Erde ge» halten wird. Unter der Erde ist die fünfte Welt, die Unterwelt, die von Geistern bewohnt ist. Dort ist alles verkehrt, und die Geister gehe» auf dem Kopse. Wenn auf der Erde Winter ist, ist dort Sommer, wenn hier Tag ist, ist dort Nacht. Die Indianer glauben an eine Seelenwanderung, Verstorbene können wieder geboren werden, wenn aber einmal ein Geist stirbt, so geht er zur untersten Well, woher es keine Rückkehr giebt. Der Jndianerstamm der Chilcotin ist im Znstande starker Zersetzung be- griffen, da seit Einführung der Reservationen die meisten Leute dieses Stammes ihr Nomadenleben und damit den größten Theil ihrer Eigenart aufgegeben haben. Nur noch wenige Familien halten an dem alten Wanderleben im Gebirge fest. Von den Bella Coola brachte Dr. Boas eine vollständige Sammlung von Masken und Schnitzereien mit, außerdem wurden sehr interessante Studien über die darstellende Kunst dieser Jndianerstämme gemacht. Nach dem glücklichen Anfange zn schließe», wird die Jesup-Expedition eine der wichtigsten ethnologischen Ereigniffe am Schlüsse des Jahrhunderts bilden.— Ans der Pflanzenwelt. — Spargel-Salat(Lactuca spargesate) ist eine der am wenigsten bekannten Salatarten. Sie ist den Bindsalateu, der Sommer-Endivie ähnlich, bildet aber mehr Stengel- als Blätter- masse und gilt dann für werthvoll, wenn der Hauptstengel bezw. die Blattstiele recht vollkomme» ausgebildet sind. Die Stengel und Blattstiele dieser Salatart werden wie der Spargel benutzt, d. h. mau schalt sie soweit, daß die faserige Haut entfernt mid nur die markige Kerninasse erhalte» bleibt. Diese schneidet man in etwas mehr wie fingerlange Stücke, bindet sie und siedet sie in Satzwaffer gleich dem Spargel weich— sie dürfen nicht zerfallen— und richtet sie entweder warm mit brauner Butter an, oder verspeist sie kalt, mit Essigs Oel. Pfeffer:c., etwas fein gewiegten Schnittlauch als Salat. In Galizien, speziell in Krakail säuert man diese geschälten Stiele und Rippen, gleich de» Salzgurke» ein, dort bilden sie«ine» großen Handelsartikel und gelten mit recht als Delikateffe. Man baut dort den Spargel-Salat nicht blos zum Sovmierbedarf in einer sehr frühen und miUelsrühe» Sorte, fonder» auch in einer für den Winter bestimmten Spätsorte, welche dort nnter dem Namen Glonbis geht. Die Blattstiele> verde» dort in Bunden von KS Stück auf dem Markt gehandelt und finden zum Preise von IS— 2S Kreuzer per Bund reißenden Absatz. Auch in Ungarn, Slavonie», Serbien und Rumänien ist der Spargelsalat sehr beliebt. Dort schießt Kopfsalat sehr leicht und dar«» ver- wendet man auch bis zur Btüihe die Blätter zur Salatbereitung. Man verwendet den Spargel-Salat von März bis Mai. Die Be- Handlung ist die des Kopfsalates, nur verlangl er etwas mehr Wasser wie jener.—(»Hauch. Nachr.'.) Astronomisches. — Ueber die Ursache der Eigenbewegung der Sterne hat Newcomb in seiner„Populären Astronomie' unter Zugrundelegung der für den Stern löll» Groombridge als wahr- scheinlich erkannlen Geschwindigkeit von 200 engl. Meilen in der Sekunde folgende Betrachtung angestellt: Ninimt>nn» die Aus- dehnung des Universums so groß an, daß das Licht 30000 Jahre braucht. um es zu durchlaufe», die Zahl der Sterne im Wellall gleich 100 000 000 und ihre durchschnittliche Masse gleich fünf Sonueir- massen, dann würde die Masse eines so koustiluirte» Universums nur ausreichen, einem aus der Unendlichkeit zmu Zentrum angezogenen Körper eine Geschwindigkeit von 2S engl. Meilen in der Sekunde zu geben. Daraus folgt, daß entweder das Universum aus mehr Masse besteht und zahlreicher« Sterne enthält, als die teleskopischeu Prüfungen ergebe», oder daß t330 Groombridge«ine Ausiiahmegeschivindigkeit besitzt und durch das Universum mit einer Geschwindigkeit fliegt, daß die Anziehung aller Körper ihn niemals aufhalten kann.(„Nalurw. Ruudsch.") Technisches. — Kupferplatti rtes Aluminium. In der„Köln. Ztg.' schreibt ein Fachmann: In jüngster Zeit ist es einem Nüru- berger Werkmeister»amens Wachwitz gelungen. Aluminium nach einer Art Schweißversahren mit Kupfer zu Plattiren; das plattirte Blech läßt sich wie gewöhnliches Kupfer- blech verarbeiten, also leicht und bequem lölhen, salzen, verzinnen. vernickeln u. s. w. Di« Plattirmig kann man beliebig stark wählen, auch bei den dünnsten Schichte» tritt beim Walzen oder Strecken keine Trennung ein. Nach einem im„Technikerverei» Nürnberg' vom Ingenieur Sattler gehaltenen Vortrage find größere Muster- bleche für die kaiserliche Marine und sonstige größere Etablissements bereits vorgelegt worden. Standen bisher der wegen der Leichtigkeit des Metalls von aller Welt erwarteten weiten Verbreitung des Aluminiums die mangelhafte Löthfähigkeit, der Mangel an Widerstandsfähigkeit gegen zahlreiche Flüssig- keite», namentlich auch Seewasfer, und das Ncchthafteu des Anstrichs entgegen, so fallen diese Hmdernisse jetzt mit einciu Schlage. Die Industrie der leonischeu Drähte, die bskaniiilich in Nürnberg daheim ist, wird sich gleichfalls die Erfindung zu nutze machen; kupferplaltirte Drähte sind vergoldet und versilbert das beste Material für Militärgespinste und Ausfnhrwaaren für Indien u. s. hj., da gerade hier die Leichtigkeit für Fracht und Zoll besoiiders werthvoll ist. Da Alummium nicht magnetisch ist und bezüglich seiner Leistungsfähigkeit für Wärme und für Elektrizität nur von Gold, Silber und Kupfer übertroffeu wird, so ist dem kupferplattirten Aluminium auch in der Elektrotechnik eine weite Verbreitung sicher. Und so scheint es denn, als ob das»todte Metall' Aluminium, das dauernd ei»„Material der Zukunft' zu bleiben schien, sich jetzt zum„Metall der Gegenwart' enlwickeln würde.— Humoristisches. — Aus dem Leben. A.: Wer ist denn der Herr, den Sie eben so respektvoll grüßten?' B.:„Der? Das ist ein ganz gemeiner Kerl!'-(„Jugend.') — Geschäftsempfehlung und Verlob ungs- anzeige. In einem in Außersiehl erscheinenden Geschäfts- anzeiger war vor einigen Tagen folgendes Inserat zu lesen: P. Nachdem ich meine Konditorei von der Hafnerftraße nach der oberen Langstraße verlegt habe, fühle ich mich gedrungen, meinen Freunden und Gönnern im Jndustrieqnartier für das mir geschenkt« Vertrauen zn danken und sie um ferneres Wohlwollen zu bitten, indem ich damil die Anzeige meiiier Verlobung mit Fräulein X. X, von Y. verbinde. N. N. Weitere Mittheilung über die Eröffnung und den Betrieb meines neuen Gcschäfles folgt in nächster Nummer.' — B u r e a n k r a t i e in Italien. Ans einer einsam ge- legenen Eisenbahn-Station hat der Borstand sich zu seiner Unter- Haltung eine» Hund zugelegt, der dann, wie die Hunde einmal sind, einem durchfahrenden Schnellzuge ein Stück Weges kaut bellend nach- springt. Darob erhält der Vorstand von seinem vorgesetzten In- spektor folgendes Schreiben:„Es ist uns bekannt geworden, daß der Hund Em. Wohlgeboren de» Zug Nr.... wütheud angegriffen und eine geraume Weile verfolgt hat. Weil Sie solches gestatteten, er- halten Sie hiermit einen strengen Verweis mit dem Bemerken, daß solche Uugehörigkeite» sich in Zuknuft nicht mehr wiederholen dürfen.' Bestürzt ob dieses Schreibens antworlet der Gemaßregelte:„Ich habe meinen Hund streng geladelt und ihm anbefohlen, snr die Zu- krnist den Angriff nicht zn wiederholen."— Vermischtes vom Tage. —y. V i er Fischer von Norderney wurden beim Schellfischfang vom Sturme überrascht. Das Bool kenterte mid die Männer fanden ihren Tod in de» F l u t d e n.— — Eine eigenartige Sitte herrscht in der Gegend von Nachen aus dem Laude. Es ist dies das Ausrufen der Mai- schätze. Wen» im Mai sich ein Liebespaar zusammengefunden hat, jo erscheinen abends die jungen Leute vor de» Fenstern des junge» Mädchens und proklamireu es nebst dem Liebhaber z« Mai- schätzen.— — Im Magistratsgebäude zn Königsberg ist der D a ch st u h l des einen Flügels niedergebrannt. Die daruntcr gelegene» Räume haben durch Löschwasser stark gelitten. Der Brand ist wahrscheinlich durch Ueberheizuug entstanden.— — In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurden in Asch, F a t k e ii a u und Karlsbad mehrere> Heils heftig«, Iheils schwächere Erdstöße verspürt. An den Karlsbader Quellen ist kein« Veränderung zu bemerken.— Im V o g t l a n d e uetnnei, die Erdstöße a» Heftigkeit zu; die Bevölkerung beginnt ängstlich zn werde».— — E i f e n b a h n- U n g l ü ck. Ans der Station Großboi der Strecke Dndweis-Pilsen fuhr eine Lastzngslokoiiiolive von hinten in einen verspätet eingetroffene», auf der Stativ» stehen- gebliebenen Personenzug. Vier'Personenwagen wurde, i zerrrüiniiiert, mehrere andere lheilweise beschädigt. Fünf Personen sind schwer, neun leicht verletzt.— — Infolge eines heftigen W e st st n r m e s trat am Dienstag in Petersburg Hochwasser ein, welches mehrere niedrig ge- legeue Sladtlheile uberschivenniite.— Aus R e v a l und verschiedenen Orlen am Finnischen Meerbusen werden ch i s s s u n f ä l le ge» meldet. Die Dampfer„L-sly" und„Castor' sind gestrandet. In Reval wurden eme Anzahl Häuser vom Sturme beschädigt.— — Die große Oper in Marseiile ist wegen der fort- gesetzten täglichen Skandale geschlossen worden.— — Eine ganze Stadt durch einen Orkan zer- stört. Der„Rew-Iork Herold" meldet ans Guayaqml, die Stadt Loreto sei durch einen Orkan zerstört worden; nur wenige Gebäude seien stehen geblieben; der Verlust an Menschenleben sei groß.— — In S t e d o n a r d bei Qnebeck(Kanada) fand ein E r d- rutsch statt, wobei 40 Personen getödtet wurden.— c. e. Von seinen eigenen Schülern mit Steinen und Knütteln t o d t g e s ch l a g e n wurde in Wheatlaud, Hickory Conuty(Vereinigle Staaten) der Lehrer James Allen. Er halte einige Knaben wegen ungezogenen Betragens nachsitzen lassen.— Die nächste Nummer des llnlerhaltnngsblattes erscheint Sonn- tag, den 21. November. Verantwortlicher Ltedaktenr: Angnst Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.