Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 229. Dienstag, den 23. November. 1897. waren, setzte Rochereuil ihnen die Lage auseinander, ohne etwas zu verbergen. „Meine Herren," sagte er zum Schluß,„Georget und ich ver- treten hier die Zensur der Gesellschaft. Die Statuten ermächtigen uns, allein eine Entscheidung zu treffen, aber der Fall ist zu ernst, und Sie sind zu sehr dabei betheiligt, so daß wir dies- mal von unserem Recht keinen Gebrauch machen werden." Einer der blauen Brüder nahm das Wort. „Bürger Rochereuil," sagte er,„es sind zwei Punkte in betracht zu ziehen, zuerst die Sache selbst und dann unsere persönliche Lage. Ich glaube, wir müssen über beide Punkte getrennt verhandeln. Bürger Rochereuil, Sie haben bis jetzt die Leitung des Unternehmens gehabt. Sie kennen seine Stärke und seine Schwäche. Es ist also an Ihnen, Ihre Meinung abzugeben." „Es sei," antivortete Rochereuil.„Wohlan! Was die Sache selbst anlangt, so ist alles in Gefahr, alles verschoben, aber nichts verloren. Bis zu Napoleon zu gelangen ohne die Hilfe, ivelche wir hier bei einer mächtigen Persönlichkeit finden sollten, ohne den Freund, den wir verloren haben, ist un- möglich. Decius ist todt, meine Herren, er ist bei Möckern getödtet worden. D�r Marschall verräth uns. Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben, die Thätigkeit in der Armee und durch die Armee ist uns künftig unmöglich gemacht. Sehen Sie den Offizier, der dort, von Müdigkeit überwältigt, auf dem Bette schläft? Er ist der letzte, der uns von unfern Militär- sektionen bleibt, der letzte, hören Sie wohl: es bleibt uns niemand als er!" Hier bebte Rochercnil's Stimme wider Willen. Man sah, daß er sich Gewalt authat, um seine scheinbare Unbeweglichkeit zu bewahren. „So besteht also", fuhr er fort,„über den ersten Punkt kein Zweifel. Alle unsere Anstrengungen müsseil sich jetzt auf Paris richten. Es ist ein beträchtliches Stück Arbeit, eine schwierige Ausgabe! Alles muß von vorn angefangen, werden." „Aber", fragte der blaue Bruder, der schon gesprochen hatte,„sollten die Pariser Sektionen nicht zu gleicher Zeit mit uns vorgehen?" „Glücklicherweise nicht; der Führer des Aktionskomitees wird sich nicht eher rühren, als bis er Nachrichten von uns erhalten hat. Es wird sogar gut sein, Bürger, daß einer von Ihnen sich aufmacht und ihm mittheilt, was wir eben be- schließen. Ach, alles versagt mit einem Male, und wir sind ausschließlich auf unsere eigenen Kräfte angewiesen! Die französische Armee kann sich nicht mehr halten. Sie wird sich an den Rhein zurückziehen. Die Bataillone, die in diesen drei Schlachttagen vernichtet worden sind, waren die Reserve Frankreichs. Es giebt keine Männer, keine jungen Leute mehr. Frankreich ist erschöpft. Es hat den letzten Mann und den letzten Sou hingegeben. Bonaparte wird keine neue Armee aus der Erde stampfen können. Wenn selbst Männer dazu vorhanden wären, so würde ihm die Zeit dazu fehlen, denn die Verbündeten werden ihn nicht Alhem schöpfen lassen. Sie wissen jetzt, wie man niit diesem Gegner umgehen muß. Sie sind im stände, erst vor Paris Halt zu machen. Ein neuer Feldzug wird vielleicht ge- nügen. In dieser Stunde ist Napoleon besiegt; er wird sich nicht wieder aufraffen. Die Marschälle und Fürsten des Kaiser- reichs suchen schon das Hinterpförtchen. Heute Morgen sprach niaii in einer Gruppe von Offizieren darüber, daß Murat die Armee verlassen und nach Italien zurückkehren würde. Ja, Bonaparte ist verloren, und um seinen Sturz mit anzusehen, brauchen wir nur ruhig die Arme zu verschränken und zuzusehen. Doch wenn Bonaparte vom Auslande besiegt ist, so bedeutet das soviel wie die Zerstückelung Frankreichs und die Reftau- ration der Bourbons! Wollt Ihr das? Kämpfen wir für dieses Resultat seit zehn Jahren?" „Nein, nein!" riefen die blauen Brüder wie aus einem Munde. „Wir sind einig, Bürger. Unerwarteter Verrath ver- urtheilt uns hier zur Uuthätigkcit. Es sei, die blauen Brüder werden jetzt in Paris selbst vorgehen. Eine Uebcrrnmpelung ist dort ebenso leicht wie hier- Aber, meine Herren, bevor wir weiter gehen, müssen wir in unserem lind der Sache Interesse an uns denken, die hier auf verlorenein Posten stehen. Ich verhehle Ihnen nicht, unsere Lage ist ernst. „Ja, unsere Lage ist ernst. Männern, wie Sie es sind, ver- hehlt man die Wahrheit nicht. Für den Augenblick haben wir hier nichts zu fürchten. Aber in einigen Tagen, morgen viel- leicht schon, wird es nicht mehr so sein. Sie wissen, daß wir überwacht wurden und zwar durch die Polizei des Herzogs von Rovigo und die! des Kriegsministers. So vorsichtig wir gewesen sind, so kann unsere Reise dnrch Frankreich und einen Theil Deutschlands doch signalisirt worden sein. Aber hier liegt nicht die größte Gefahr. In dem- selben Augenblick, da wir uns auf den Weg machten, ließen fünf unserer Brüder sich freiwillig verhaften, um die Polizei auf eine falsche Spur zu leiten in dem Falle, daß unser Plan und unsere Abreise signalisirt worden wären. Dieses Manöver, das vor der Ausführung unseres Planes vortrefflich war, wird jetzt, da wir gescheitert sind, eine lästige Fessel. Unsere Freunde werden sich genau an die Instruktion halten, dessen bin ich sicher. Nichtsdestoweniger hat die Polizei durch sie den ersten Ring unserer Kette in der Hand. End- lich, und das � ist die größte Gefahr, genügt ein Zufall, ein unbedeutender Zwischenfall, um unsere Flucht ans dem Ge- fänguiß bekannt zu mächen. „Mit diesen verschiedenen Thatsachen hat die Polizei genug Material in Händen, um uns einen Prozeß zn machen und vor ein Kriegsgericht zn stellen. „Unter diesen Verhältnissen, Bürger, ist es für Sie das Richtigste, ins Ausland zn gehen. Das wird nicht schwer sein. Philopoemen wird Ihnen die Mittel angeben, wie Sie durch das von den Verbündeten besetzte Gebiet kommen. Einer von Ihnen nur wird nach Paris gehen— Gcorgct und ich sind zu bekannt, zu sehr kompromittirt. Es ist unerläßlich, daß das Aktionskomitee benachrichtigt werde. Wählen Sie unter sich, Bürger, wen Sie mit dieser gefährlichen Mission be- trauen wollen, ich werde ihm Anweisungen geben, mit deren Hilfe er im Komitee empfangen werden wird." Die drei blauen Brüder beriethen sich einen Augenblick durch Blicke. Dann nahm einer das Wort: „Wir haben nicht zu wählen, Bürger Rochereuil, sagte er. „Wir gehen alle drei nach Paris." „Warum alle drei? Einer genügt; der opfert sich schon...." „Haben Sie nicht eben erst gesagt, Bürger Rochereuil, daß Paris künftig das Aktionsgebiet werden soll?" -Ja." „Unser Platz ist also in Paris, und wir gehen alle drei So gut und leicht verbirgt man sich nirgends als in der großen Stadt, und nach England gehen und mich dort lang- weilen, nein! Es ist also abgemacht, Rochereuil, wir reisen alle nach Paris ab, denn ich denke nicht, daß Sie Lust haben, nach Poitiers zurückzukehren und dem Wolf in den Rachen zu laufen, und ich kenne Sie zu gut, als daß ich mir vorstellen könnte, Sie wollten auf die Mitarbeit verzichten und den Kampf fliehen. Also, meine Herren, vorwärts nach Paris, bleiben wir nicht erst lange hier. Seit Bonaparte seinen Einzug gehalten hat. wimmelt es hier von Gendarmen." Die blauen Brüder gaben dnrch Zeichen ihre Einwilligung zu verstehen. Rochereuil stand auf und druckte seinen Gefährten die Hand. „Die Republik sagt Euch Dank für Eure Hingebung, für das, was Ihr noch einmal für unsere Sache wagen wollt. Es ist ein Kampf ohne Rast und Erbarmen; entweder gehen wir unter oder ivir siegen! Reist also ab; ich werde noch in dieser Stunde mit einem von Euch sprechen und ihm meine Vollmacht übertragen, denn, Bürger, ich werde Euch nicht folgen: ich kehre nach Poitiers zurück. Bestürzt nahmen die blauen Brüder diese Erklärung auf. Nur Abbö Gcorgct nickte zum Zeichen der Billigung. „Denken Sie wirklich daran, Rochereuil?" sagle einer der blauen Brüder.„Das heißt ja, einem gewissen Tode entgegen laufen." „Rein," antwortete Rochereuil.„In jedem Falle liegt der Schwerpunkt der Frage nicht da. Die Pflicht ruft mich nach Poitiers. Unsere Freunde, Bruder, sind auch in Gefahr. Was ist seil unserer Abreise geschehen? Ich weiß es nicht. Aber sie können in Todesgefahr sein. Sie würden für uns büßen müssen, und das will ich nicht. Ich allein kann sie retten, und ich werde sie retten!" „Sie werden sie nicht retten, Rochereuil; Sie opfern sich unnütz. Wenn die Polizei Bonaparte's einmal Hand an Sie legt, sind Sie verloren ohne Rettung. Sie werden zu gründe gehen und Ihre Freunde nicht retten." (Fortsetzung folgt.) Iwei LDttcklevpeÄttnks/) Es ist allgemein bekannt, daß der Bansclnvindel nirgends dreister und raffinirter blüht, als in Berlin, wo eine neue Straße nach der andere» mit prnnkcndeii Miethspatästen nur so ans ver Erde wächst »nd heute gewaltig ausgedebnte, hochelegante Stadtviertel mit vornehmen Avenue», stolzen Kirchen und reichgeschmnckten Plätze» sich erheben, wo noch vor wenigen Jahren sandige Felder und dürftige Wiesen mit Sumpfgräden lagen, an denen zerzauste Erlen und Weiden ihr Leben vertrauerten, durch die Großstadtluft ver- dorbene Reste der ernsten, schönen, märkischen Haide. Die Tages- blättcr ergehen sich fortwährend in bitteren Klagen über den Schwindel, der bei diesnn Banfieber täglich mit unterläuft. Er ist auch schon längst eine stehende Rubrik in den Gerichtsverhandlungen geworden. Er ist eins der Krankheitssymptome des über« mäßig schnellen Wachsthnms des Großstadtlörpers. Wer den Schaden davon trägt, das sind aber sehr oft nicht die mit ihrem Kapital bei den Ballten Betheiligtcn, sonder» die kleinen Leute, die Banhandwerker, die Schweiß ilnd Mühe und lheucr erkauftes Material hergaben. Sie haben das leere Nachsehen. Außer, der Bauherr war ihnen persönlich gut bekannt. Wie selten ist das aber der Fall! Die S6)lvindlermethode, nach der die Bedanernsiverthen rninirl werden, ist zwar im Einzelnen manchmal ctivas abiveichend, in den Grund- zügen aber immer sich gleich. Es giebt Bauunternehmer, die keinen Pfennig besitzen«md nur vom Schwindel leben. Durchlricbeu schlüpfen sie zivischcn allen Paragraphen deS Strafgesetzes dnrch und beginnen ihre Manöver »ach jeden»„Geschäft" wieder an irgend einein anderen Punkte der riesigen, viele Meilen umspannenden Peripherie Berlins mit seinen zahllose« Vororten. Eine ihrer schändlichstul Komödien besteht darin, daß sie den Reichen und den Armen spiele». Vor Beginn eines Baues fahren sie in feiner Kutsche bei den Bauhandwerkern vor und empfangen sie dann in einer vornehme», mit augenfälligem Luxus ausgestatteten Wohnung. Haben die Handiverker dann in fröhlicher Hoffnung einige Wochen gebaut und auch ihre Bezahlung immer richtig erhallen, so stellt der reiche Bauherr plötzlich unter allerlei glanbhasten Borwänden die Zahlungen ein. Die Handiverker arbeiten aber trotzdeni fort, um das Hans rasch unter Dach und Fach zu bringen, weil das halbfertige Haus bei einein Zivangsverkanfe zu einein Spott- preise versteigert würde, bei dem sie nicht zu ihrem Geldekämen. Bevor sie jedoch ganz fertig werden, tritt der Konkurs ein. Das halbfertige Haus fällt dem Manne zu, der die erste Hypothek auf das Grundstück besaß, und zivar nur für den Betrag dieser Hypothek. Er war der Hintermann des Bauherrn lind halte ihm die in der Hypothek cinbegriffenen ersten Baugelder gegebe». Natürlich bezahlt er seinen Kumpan, den Bauherrn, gut. Die Handiverker haben fast unisonst gebaut und können noch froh sei»,>ve»n der neue Besitzer durch sie, aber aufs billigste, den Bau vollenden läßt. Kominen sie bei der Koiikurseröffiiung mit ihren Rechnungen zn dem Bauherrn gelaufen, so empfängt der sie i» einer elenden Stube mit traurigem Stuhl, Tisch nnd Bett lind erklärt sich selbst senszend für völlig vernichtet. Die kostbare Wohnung, die glänzende Kutsche gehören mit zum unantaslbaren Vermögen seiner Frau, der er alles Erbeutete übertragen hat. Gerichilicli läßt sich der Betrug nicht festgreifen. Die Flüche der oft zu Grunde gerichteten Banhandwerker lasse» den srcchen Gauner kalt. Diese rafsinirte» Schwindeleien in Berlin vom Ende des IS.Jahr- Hunderts sind jedoch im Grunde nichts Neues. Sie wurden in der- selben Weise, nur auf anderem Gebiete, schon vor mehr alz hundert Jahren in Paris betrieben. Der Berliner Bauwucher erinnert lebhaft an ein höchst interessantes Buch, an des französischen Schriftstellers Louis Sebastian Mercier Tablsau de Paris(12 Bände, 1781— 88), eine ungemein fesselnde Schilderuiig der Sitte» vor der Revolution, und zwar von solch' treffender Wahrheitstreue, daß der Verfasser, von der Polizei verfolgt, nach der Schweiz und nach Deutschland fliehen mußte. Erst nach acht Jahren, beim Ausbruch der Revolution, konnte er nach Paris zurückkehren. Ein Kapitel dieses„Gemäldes von Paris" schildert die sogenannten„Wochenglänbiger". Diese Wucherer, die, gerade ivie die kapitalistischen Hintermänner der Berliner Bauschwindler, selbst ihr Gewerbe für zu schändlich hielten, als daß sie selbst offen es zu betreiben ivagten, bedienten sich meistens besonderer Makler bei ihren Spekulationen. Sie wohnten sämmlich in der Umgebung der Frnchthallen. De»» ans die„Damen der Halle" hatten es die Wochengläubiger abgesehen. Diese Markt- sranen handelten im kleinen mit Früchte», Zugemüsen, Fischen und dergleichen. Um nun ihren geringen wöchentlichen Bedarf an Makrelen, Erbsen, Johannisbeeren, Kirschen, Birnen nnd anderen gerade marktgängigen Waare» einkaufen zu können, Ans der„Kölnischen Zeitung". bedurften sie hüufig des Vorschusses von 6 Livrcs(un- gesähr 4,50 Mark). Tas lieh ihnen der Wucherer durch Ver» mitllung der Makler, aber unter der Bedingung,'dajz ihm die Schuldnerin am Ende der Woche dafür 7 Livres und 4 Sous zurück- bringe. So trugen ihm die 6 Livres, ivenu er damit sortarbeitete, das Jahr hindurch fast 60 Livres, also das zehnfache ein. Und cS gab damals in Paris sogar sehr reiche Herreu, die ihr Geld aus solche Weise wuchern ließe». „Was muß ivohl," sagt Mercier,„hierbei am stärkste» auf- fallen? Die nußerordenuiche Bedräng»»« dieser Kleiuverkaufe- riniien. die nicht einmal 6 Li»>rcs zu erspare» vermögen, oder das sich immer gleichbleibende Glück eines so abscheuliche» W»lchers? Diese Darleiher»vissen recht gilt,»vie sehr die Seltenheit des ge- münzlen Geldes von Tag zu Tag unler uns ziinimml, seitdem die zahlreichen össenllichc» Slnlcihen dessen Umlauf gehemmt haben. Sie verkaufen also ihr Geld, so hoch sie es verkaufen können. Hierbei ist die Thatsache eben so geivichtig, daß man desto iveniger ohne baares Geld e'.ivas ailszurichte» vermag, je ärmer man»st. Für den Dürftigen giebt es keinen Kredit. Und aus demselben Grunde, aus dein grade er den Weil» und das Fleisch theurer als der Prinz von Geblüt bezahlen muß, ist er auch gcnöthigt, sechs Livres für einen himmelschreienden Preis zu erkaufen. Eben hierin liegt der Grund,»varüm der Arme so schiver und seilen aus dem Abgrunde sich»vieder herauszuarbeiten vermag, in den er einmal versunken ist. Er gleitet mit Händen und Fügen ab,»venu er sich heransivinden»vill. Denn es»st»virklich schlverer, mit fünf Sous sechs Franken vor sich zu bringen, als mit zehntausend Livres eine Million zu geivinnen. Jene Wucherer verlassen sich nicht immer auf ihre Makler oder sonstigen Mittelsmänner allein. Sie sind neugierig genug, den Haufen ihrer eivigen Schuldnerinnen, imrch die sie bereichert»verde», selbst zivei- bis dreiinal des Jahres zu sehen, um sich aus eigener Ansicht smvohl von der Lage dieser Personen, als auch von der Thätigkeit der Makler z» nnlerrichle». Der Mann, der ein scharlachrothes Kleid, goldene Tressen, eine» Stock mit goldenem Knopfe trägt, nicht anders als in seiner eigenen Equipage fährt, einen kostbare» Diauiantcn am Finger schimmern läßt, tas Theater besucht und in vornehme Gesell- schafte» gehl,— derselbe Mann zieht zu gcivissen Tagen im Monat eine» abgeschabten Rock, alte Schuhe und geflickte Slrüinpfe a», läßt seinen"Bart ivachsen, färbt die Haare und macht sich weiße Augenbrauen. Dann begiebt er sich in ein abgelegenes Hai»s, in einen Saal, i» dem uichls als eine elende Tapete, ei» llieise- betlchen. drei Stühle und ein Kruzifix sich befinden. Hier giebt er gegen scchszig Fischiveiber», Krämerinuen und Obslhökerinne» Audienz,»vorauf er ihnen mit cnlscheidendein Tone sagt:„Ihr seht, gute Leute, daß ich nicht reicher bin als ihr. Hier sind meine Möbel. Da ist mein Bett, in dem ich schlafe, ivenn ich nach Paris komme. Ich gebe Euch mein Geld auf Euer Geivisscn und ailf Eure Religion. Ich habe keine andere Handschrist. Und ihr»vißt es, daß ich euch gerichtlich nicht belangen kau». Ich leiste euren» Ge- »verde den besten Dienst. Und da ich so freigebig»nit»»»einem Zu- trauen bin, so muß ich auch uieine Sicherheit haben. Ihr iniißt demnach alle für einander bürgen ui»d mir vor diesem Kruzifix, dem Bilde unseres göttliche» Erlösers, schivörei», daß ihr mich»»»cht in Verlust bringen, sonder» mir das redlich»vieder erstatten»vollt, das ich euch anvertrauen»verde." Hierauf hebe» dann alle Fischiveiber und Obsthökeriuncn die Hände empor und schivören, daß sie die- jenige»lntcr ihnen erdrosseln»volle», die mit der Bezahlung nicht redlich Wort hallen»verde. Der schlaue Wucherer fragt dann nach den Namen der Weiber und giebt jeder sechs Livres mit den Worte»:„Ich geivinne das»icht,»vas»hr geivinnt. Das versteht sich." Die Bersaminlung geht auseinander und der Menschen- freund bleibt mit zwei Kundschaftern allein, denen er»ach abgelegter Rechnung ihren Lohn auszahlt. Am andern Morgen fährt er in einem schönen Wagen durch die Hallen. Kein Mensch erkennt ihn»vieder, denn er ist ei» durchaus anderer Mann. Bon Glanz unigebcii,»vird er in der besten Gesellschaft a>»fgenoinmcn, und hier spricht er oft an der Ecke eines»narnlornen Kamins von den Freuden der Wohlthäligkeit und des menschlichen Erbarmens. Niemand streitet ihn» die Redlichkeit, die Ehre und sogar eine ge- wisse Freigebigkeit ab. Und ivährend so über ihn gcurtheilt»vird, schröpft und saugt er, bald unsichtbar, bald gegaiivärtig. auf vier bis fünf verborgenen Schlupfivinkcli» das Mark und Blut des arme» Volkes aus." Nach solche» Schilderungen versteht»»an erst das haß- und wutherfüllte Treiben der„Damen der Halle"»vährend der Revo- lutio». Es»var nur Rache a>» ihren Peinigern und deren»Vahren und vermeintlichen Helscrshelsern.... Mloinrs Lsottilleko»». — Nebcr die Flora Japanö sprach in der letzten Versa»»»»- limg des Botanischen Vereins in München Dr. O. L v»v, der vier Jahre lang als Professor der Agrikulturchemie an der Universität in Tokio»virkte. Die Flora von Japan stellt ein Gemenge von sub- tropischen und nördliche» Formen dar; der Reis»vächst»eben der Gerste und Kartoffel, Thee und Bambus neben Fichten- und Pflaunienbänmen. Während der Sommer im Juli und August heiß und fellcht ist und der Südivind»veht, herrscht monatelang im Winter ein heftiger, trockener Nordivind, lommei» Spätfröste im mittleren Japan»och im Mai manchmal vor,»velche den Manlbeer- und Theepflai»zungen sehr großen Schaden zi»fügen. Man muß sich ivuudern,»vie bei de» so rauhen Wintern subtropische Forme» über- Haupt möglich sind. Unser Flieder und Roßkastanie nach Japan ver- pflanzt, kommen bei Tokio nicht zur Blülhe, vielleicht»vegen zu großer Trockenheit des Frühjahrs. Wiesen in unseren» Sinne giebt es im Flachlaude nicht;»vo keine Felder»vege» zu unebenen oder steinigen Terrains angelegt»verde»» können, sind entiveder kleinere Waldungen von Erriptaueria oder Bambus angelegt oder»vächst ei» hohes steifes Gras, �runckioario. japonica, welches als Futter für Thiere»icht zn brauchen ist und lediglich als Streninittel dient, oft auch einfach weggebrannt»vird. Dieses GraS verbreitet sich durch Ausläufer sehr rasch und»vird vielfach sehr lästig, indem gutes Filttergras ver- drängt»vird. Erstaunlich ist die Blüthenfülle der Kirschbäume; an eine>»l'Ziveig von 23 Zciltiinetern wurden 152 Blüthen gezählt. Diese Blüthenpracht steht mit dem Slusbleibe» der Fruchtbildung im Zu- sauinienhang, indem die Reservestoffe sich in sehr hohem Grade an- fammeln. Die japanische Gärtnerknust hat jene Blüthen zu gefüllten nmgcsialtet und sehr vergrößert. Viele japanische Baumarten ge- deidei» an der atlantischen Küste Nordamerikas weit besser, als die entsprechenden europäischen Arten. Staunen ninß man über d.? große Sorgfalt und Mühe,»velche der japanische Bauer auf seine Felder verivendet;»ver die rationellen, auf Drainage und Durchlüftung des Bodens, foivie auf den Schutz gegen die mecha- nischen Verletzungen der Saaten durch die hestigeu Winde bezüglichen Maßnahmen betrachtet, kann der Ueberlegung jener Bauern seine Anerkennung„icht versage». Die Kalknng des Bodens ist bei der allgemeinen 5kalkaruinlh desselben eine sehr rationelle Maßregel, die seil uralter Zeit dort geübt»vird. Kein Bodenchemiker hätte etivas Besseres vorschlagen können. Schutzivald»lnge» an der Meeresküste gegen Seebeben, und auch im Innern des Landes wurden schon vor aller Zeit gepflegt. Man hatte unter anderem einen größeren Fisch- reichthnm an den beivaldeten Küsten bemerkt, als an den kahlen. Bei den» letzten großen Seebeben zeigte sich in eklatanter Weise der Schutz der Wälder für die dahinter liegenden Ortschaften. Einiges Interesse verdienen noch die uralten meist auf Anhöhen liegenden Tenipelwaldungen,»velche in der neueren Zeit verstaatlicht wurden »lud auf»veilhin den Sitz eines Tempels verralhen.— Theater. Das Residenz-Theater führte am Sonnabend das italienische Schauspiel„Dorina" von Gerolanio Rovetta znin ersten Male auf. Die französischen Schwänke verfangen nicht niehr. also sucht Direktor Brandt bei den jungen Italienern Zuflucht. Der Name Rovetta ist in Deutschland nicht mehr unbekannt. Sein Drama„Die Unehrlichen" ist viel gegeben»vorde». Künstlerisch ist glovetta zu Kouipromisfen geneigt. Er trägt gern ein ivenig „Berisnuis" vor. das heißt Wahrheitsschilderung, im übrigen bleibt es bei alter französischer Theatcrschule im Stile Sardous. So ist es auch in seiner„Dorina". In eine herbe Satire scheini dies Drama auszulaufen, und sein»vescutlicher Inhalt stützt sich dock» auf äußerlich spannende, milnnter ganz triviale Bühnen- effekte. So zerfällt das Schauspiel förmlich in zivei Stücke. Eines »vill eine bittere soziale Studie sei»», tas andere, räumlich um- fasseudere sieht einem Rllhrdrama zun» Verwechsel» ähnlich. In „Dorina" ist der Zloinan des alleinstehenden Mädchens erzählt. Im Hause einer italienischen Baronin ist die schöne Dorina Gouvernante. Sie hat es dein Sohn der Baronin, dein junge»„Nicki" augetha», und als die Geschichte ernst zu»vcrden droht, jagt die kluge Multer, um den Sohn zu rette», das arme, schuldlose Mädchen aus dem Hanse. Der Nicki soll sich für eine taiigliche, also für eine gold- schivere Ehe vorbereiten uiid, damit er seine Dorina vergesse, sorgt seine gute Maina um»lannigfache Zerstreuung für den Herrn Sohn. In wenigen Monaten ist Nicki zum vollendeten Taugenichts um- gewandelt und Dorina hatte indessen ein böses Martyrium zu be- stehen. Eine Stelle findet sie nicht mehr; sie»vill, da sie prächtige Stimmmittel hat, zur Opernbühne gehen. Jetzt fängt erst das Elend an. Dorina kämpft gegen Aiisbenter, Kuppler und gegen die schlimmste der Kanaillen, einen Theateragenle»; in ihrer höchsten Roth wendet sie sich a» den Baron Nicki, der sie ins Mai- laud ausgesucht hat. Der aber ist inzivischen„klug" geivorden und hat für ihre Seele,»angst nur ein kaltes Lächeln übrig. Durch ein Geldgeschenk empört er Dorina vollends, und in ihrer Verzweiflung verkaust sich Dorina. Auf dein Theater kommt sie, wie das zu gehen pflegt, danach vorivärts. Sie ist in Rom eine vielbegehrte Sängerin, hat eine» greise» Herzog, der für ihre Luxusbedürfnisse sorgt, und zugleich eine» Kavallerie-Licutenanl zur Hand; kurz, sie lebt ungebunden. Nun erfüllt sich die Satire. Der Baron Nicki fängt anfs neue Feuer: Dorina martert ihn und läßt ihn zappeln, bis die Verlorene ihren höchsten Triumph erlebt uud Baronin Dori, die Gattin des adelsstolze» Nicki wird. Dorina ist eine Rolle für»veibliche Wandervirtuosen. Hier wurde sie vo» Frl. Frauen dorfer gespielt, die unleidlich sentimental»verde»» kann,»venn sie Rühr- szeuen geben soll. Sehr geivandt und anschaulich spielte Herr Böttcher den klug geivordenen und»vieder thörichten Nicki. Das Publikum»var zum Beifall gestimmt, wurde aber nicht sehr »van».— Eine hausbackene Plauderei aus den» Ehelebe» Neu- vermählter, die Vertheidigung der Zigarre für de» Herrn des Hanfes, ging Rovetta's Schauspiel voran.„Vice versa" heißt daSDing, fein Verfasser ist Ernst H a I l e n st c i n.— —„Die B n r g e r in« i st e r w a h l". eine ländliche Komödie von Max B u r k h a r d t, dem Direktor des Hosburglheaters. hat bei der Erstaufführung am Wiener„Deutschen Bollstheater" einen starken Erfolg gehabt.— Musik. — er—. Linden-Theater. Der Todtensonntag hat auch die Muse dieser Bühne tragisch maskirt; anstatt Offendach die äußere Romantik von A u b e r' s„M askenbal l". Warum gerade für den Gedenktag der Todteu dieses in der melodischen Er- findung und dramatischen Kraft gleich mittelmäßige Werk des Autors des„Fra Diavolo" und der„Stummen von Porlici" ans- gegraben wurde, bleibt uns um so räthselhafter. als sein gezierter. koloraturbeschwerter Stil Operetten-Gesangskräften unüberwindliche Schwierigkeiten bereiten mußte. Im Vergleiche mit dem Verdi- scheu„Maskenballe", in welchem bei ganz gleichem Szenen- gefüge und tragischem Inhalte anstatt des Schweden- königs Gustav III. durch Ankarström, der Gouverneur von Boston durch seinen Freund Renata erdolcht wird, verliert Anber's Clper jeden lebensvollen Bühnenwerth. Bei Verdi die Unerschöpf- '.chkeit melodischen Reichthums und der fortreißende Zug des ge- borencn Bühnengenius, der selbst vor gesunden Trivialitäten nicht zurückschreckt, bei Auber. mit alleiniger Ausnahme des dritten Finales, theils ein»uides, nichtssagendes Phrasire», lheils ein ohn- mächtiges, krampfhaftes Streben»ach tragischer Ausgereglheit mit Jedermanns Gedanken. Der sprudelnde und graziöse Geist. welcher im„Diavolo" und„Schwarze» Domino" lebt, die aufreizende dramatische Wahrheit der.Stumme»" tönt nur in wenigen Momenten ans der Partitur dieser, wahrscheinlich weniger aus künstlerischer Inspiration, als zur Bedienung virtuoser Gesangsküustler geschaffenen Oper hervor. Die Mitglieder des Lindenlheaters waren mit Eifer an die Bewältigung der ihr gesangs- künstlerisches Vermögen weit übersteigenden'Aufgaben geschritten; es wäre unbillig, einen Versuch, der»»möglich gelingen konnte, ernsthafter Kritik zu unterziehen. Sie waren, alle die fleißigen Herrschafte», zur Ueberwindung der pathetischen Langeweile Anber's kaum die berufenen siegreichen Kunsthelde». Es war ein Opern- Todtensonntag im Operctten-Theater! De mortuis nil nisi beue! — Ein Preisausschreiben für Komponisten. Der Besitzer des Bösendorfer-Saals in Wien, Ludwig Bösen- d o r f e r, hat für die Komposition von neuen Klavierkonzerten mit Orchester 4000 Kronen, abgetheilt i» drei Preise(2000, 1200, 800), ausgesetzt. Letzter Einsendungslermin ist der 1. Juli 1833. Die Konkurrenz ist frei für alle Länder und Nationen; die Werke bleiben Eigenthnin des Komponisten.— Kunst. — Der Kunstverein für die Rhein lande und W e st f a l e n zu Düsseldorf hat de» Professor Gustav E i l e r s zu Berlin mit der Herstellung eines Kupferstiches in großeni Maßstabe nach dem in der kgl. Gallerte zu Dresden befindliche» Gemälde von Co rreggio„Die heilige Nacht" betraut.— Aus den« Thierleben. — Das älteste Thier des Zoologischen Gartens in H a m- bürg, ein Gänsegeier. Dyps lulvus Dva.. ein Vogel, der bereits vor Eröffuinig des Gartens, am 6. September 1882, ankam, also mehr als 35 Jahre im Hamburger Garte» lebte, ist vor acht Tagen mit dem Tode abgegangen. Seine Stelle ist sofort durch ei» junges sehr hübsches Thier gleicher Art besetzt worden. Die amburger Raubvogclsammlung enthält noch eine Reihe anderer alter hiere, so einen schöncnKondor, Larevrlmwplrus Arypbus L., den Kapitän M.Jebscn vor 26 Jahre» am 21. November 1871 schenkte, einen Lappe ngeier, OtoZyps calvus Lop., der am 16. Juni 1877 gekaust wurde, also auch bereits mehr als 20 Jahre zu den Be- wohnern des Zoologischen Gartens gehört. Bekanntlich erreichen unter den Vögel» auch die Papageien ein hervorragend hohes Alter. Die Sammlung des Zoologischen Gartens enthält eiueu Nasen- Kakadu, Caoatua, aasica Ternrn., der am 28. November 1862, also vor 35 Jahre», und eine» Wühl-Kakadu, C. pastinator GId., der am 22. August 1864, also vor 33 Jahren gekauft wurde.— Ans den, Pflauzcnlcbc». — Die große Eiche, die sich in dem Garten des neuen katholischen Krankenhauses zu Soest befindet, war schon über 50 Jahre alt, als die Soester Fehde(1444) lobte, und steht noch heute in kraftvoller Schönheit da; kaum, daß in den oberen Zweigen «in absterbendes Stück sich bemerkbar macht. Der Stamm hat einen Meter über dem Erdboden einen Umfang von 595 Centimetern, in einer Höhe von acht Metern theilt er sich in vier Aeste, deren jeder einen Baum von bemerkenswerther Dicke und Länge vorstellen könnte, denn der ganze Baum hat eine Höhe von über 32 Meter» und überragt daher weit die nur noch 20 Meter hohe, übrigens ii» Absterben begriffene Köuigseiche zu Nieder« «imer bei Arnsberg. Die Krankeuhaus-Verwaltung hat die Wirth- schafts-Gebäude so weit von dem Baume aufgeführt, daß diesem keinerlei Schade» geschah, daß er dieselben mit seinem weiten Laub- dach freundlich schützend überragt, und daß nnnientlich von deni Walburgerwall aus jeder Vorübergehende sich der kraftvollen Riesen- gestalt ungehindert erfreuen kann.— Astronomisches. — K o m e t P e r i n e verschwunden. Dieser am 16. Ok« tober entdeckte Komet sollte feinem Laufe am Himmel und seiner bedeutenden Helligkeit zur Zeit der Entdeckung zufolge noch lange Zeit dem bewaffneten Auge sichtbar bleiben. Jndeß zeigte es sich bald, daß derselbe von der achten Größenklassen, die der Entdecker angab, rasch zu schwächeren Größenklasse überging; dann verschwand der in den ersten Tagen so hell und deutlich sichtbare Stern, und am 30. Oktober, dem letzten Abend, von dem Beob- achtungen vorliegen, war er nur mehr ein Nebelwisch, in dem man äußerst schwer die Lage des Sternes finden konnte. Während der Vollmondszeit wurden die Beobachtungen wie immer eingestellt und jetzt, Ivo es wieder möglich wäre, den Kometen am dunklen Himmel zu finden, ist an der Stelle, wo er stehen sollte, absolut nichts zu sehen. Es ist demnach anziiiiehmen, daß in diesem Kometen eine plötzliche Lichtentwickelung, ein Anfflamuieii von sehr kurzer Dauer vor sich gegangen ist, ähnlich wie es im Jahre 1892 der Komet Holmes gezeigt halte, und daß er in normalem Zustande uns unsichtbar ist. Man kann aber ans diesem Beispiele schließen, daß es eine Menge Kometen giebt, welche die Sonne umkreisen, die wir aber aus gleichem Grunde nicht wahrnehmen können. Dieses Auf- flammen erklärt auch den Nmsiand, daß der Komet nicht schon früher entdeckt worden ist.— Technisches. — Lnft-Torpedo. Ter Schicßwaffen- Techniker Hiram I. Maxim hat ein Pulver erfunden, dessen langsames Verbrennen es gestalte» soll. Sprenggeschosse damit ganz gefahrlos abziiscuer»; es soll zahlreiche Durchbohrungen euthalicu und ist daher vom Er- finder mit dem Name» poudre rnultiperforee belegt worden. Maxim will nun Geschütze von 60 Centimetcr 5kaliber bauen, welche durch das neue Pulver dünnwandige Geschosse 13 Kilometer weit zu schleudern im stände sein sollen. Das bedeutet, nach seiner An- ficht, das Ende der Panzerflotten, an deren Stelle die bewegliche» mit seine» Geschütze» ausgerüsteten Torpedoboote treten würden.— Humoristisches. — Ren geprägtes:„Es ist doch nicht wie bei Bolle: k a t h o I i s ch, und gleich raus!"— — Alle Neune! In der Vodenseegegend machte ein Kegel- klub kürzlich eine„Snnserfahrt". Die Ankunsl i» Walzenhauseii er- folgte nn> 9 Uhr. Ter Worljührec halte beim Einmarsch solgeuden klugen Einsall: 9 Uhr ist es, 9 Mar.» sind wir und ei» Kegelklub auch, wolle» wir also in der Ansstellnug eines Kegelries in das Dorf einmarschircn! Als sie solchergestalt einem Appenzellerbüblei» begegncien, das de» Auszug verwundert anblickte, ries ibm der Erste im Ries zu:„He B»b. was meinst, das wir sind?" Nach kurzem Besinnen und allgeineincr Spannung antwortete er in überlegenem Tone:„Nomina gad niiöchtär!"(nicht mehr gerade nüchtern). Das lebendige Ries ging sofort ans dem Leim; das Büblein hatte alle Neune gelroffeu.— Vermischtes vom Tage. — Das ehemalige„Hotel Dan zig" und das Spritzenhaus in D i r s ch a« sind u i e v e r g e b r a u n t.— — Ein regelrechtes Haberfeldtreiben ist an einem der letzten Abende in M ii tz e n i ch im Kreise Monljoie gehalten worden; 30 bis 40 Personen belheiligteu sich daran.— — Die nach Spitzbergen abgegangene Expedition, die den Ursprung der im Eisfjord gehörte» angeblichen Nolhschreie aus« kläre» sollte, ist nach Tromsö zurückgekehrt, ohne etwas auf die Anwesenheit von Menschen Hindeuleiides gesehen oder gehört zu haben.— — In der vorigen Woche siud in Oe st er reich zwei Nonnen aus ihre» Klöster» e>» t iv i s ch t. Die eine brannte allein durch, die andere ließ sich vo» ihren» Liebhaber entführe», den sie im ikrankenhaus kenlien gelernt hatte.— — Ein sehr heftiger, drei Sekunden dauernder E r d st o ß wurde am Montag früh in Stein bei Laibach verspürt. Schade» ist durch denselben nicht verursacht ivorden.— — I» Budapest stieß am Sonnabend ein Wagen der elektrischen Straßenbahn mit einem Lastwagen zusammeu; vier Personell wurden schwer, acht leicht verletzt.— — Zwei N e k r n t e ii. die sich während der Fahrt von Laval »ach B e r s a i l l e s zum Fensler hinausgelehnt hatte», wurden von einem vorbeisauseude» andereli Zuge ersaßt und enthauptet.— — Die größte und älteste Eiche Frankreichs be- findet sich in einem Walde des Ardeche-Deparlenieiits. Sie mißt au ihrem Fuße 11.50 Meter im Umsang. Kürzlich ivurde einer ihrer uuterfteu Aeste entfernt. Tiefer halte einen Umfang von 3 Metern.— — In Melbourne ist ein ganzes H ä» s e r g e v i e r t. das vorwiegend Textilwaaren-Lager einhielt, niedergebrannt. Der Schaden wird auf 20 Millionen Mark geschätzt.— — Durch einen Sturm wurde in der Freitag-Nacht dernord- westliche Theil der Kolonie Victoria(Australien) verheert. Viele Menschen sind verunglückt. Mehrere Städte wurden ver- wüstet. Im Bezirk Wimmera sind viele Kirchen und hervorragend« Gebäude in Trümmer gelegt.— Beraunvortlicher Redakteur: Angnst Jarobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.