Ur. 192 Abonnements- Kedingnngen: «lbonnementZ- Preis pränumerando: Vierteljahre 3,30 Sir, monatl. 1,10 Sit., wöchentlich 28 Psg. frei inZ HauS. Einzelne Nummer 5 Psg. TonntagS- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Slbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zellungs- Preisliste für 1899 unter He. 7820. Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für dag ibrige Ausland 3 Marl pro Monat. «rfcheink tiiglich»ufjer Montag». Berliner VolksMnik. 16» Jahrg. Dt« Insertions-Gebülfr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins» und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS S Uhr nachmittags in derSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: vml I, Hr. 1208. Telegramm> Adresse: „Sorialdemokrat Serlin" Centraiorgan der lociatdemokratischen Partei Deutschlands. L-dailliun: SW. 19, Senih-StrasZe 2. Freitag, den 18. August 1899. Expedition: SW. 19, Venth-Strage 9 Meuchelmörder und Staatsstreichler. Paris, IS. August. Das Interesse der Gerichtsverhandlungen in Rcnncs tritt äugen Midlich zurück hinter dem aubergerichtlichen Meuchelmord an Labori, der übrigens im ursächlichen Zusammenhang mit dem Dreysus "Prozeh steht. Der Zusammenhang springt in die Augen, trotzdem der Mörder noch nicht gefaßt ist. Am Sonnabend hatte General Mercier eine vierstündige .Zeugenaussage" gemacht, die in Wirklichkeit eine ebenso gewissenlose wie inhaltsleere Staatsanwaltsrede war. Der General, die letzte Hoffnung der Verbrcchcrbaiide, der Haupturheber des Justizmordes von 1894, sollte endlich, wie die Gcncralstabspresse seit zwei Wochen bramarbasierte, den tödlichen„Keiilenschlag" wider Dreysus führen der den Unschuldigen vernichten und dem verbrecherischen General die Glorie des Vaterlandsretters verschaffen würde. Der allerletzte Kculcnschlag erlitt eben das Schicksal seiner zahlreichen Vorgänger: er kehrte sich wider den Kculcnschlägcr. General Mercier hat im wesentlichen eine von irgend einem gencralstäblcrischeii Advokaten frisch zugestutzte Neu- Auflage der Zeugenaussage des Generals Roget vor dem Kassationshof vorgetragen. Neu waren an seiner Aussage lediglich einige frisch erfundene Lügen, plumpe Vcr drehungen nichtssagender„Geheimdokumente" und das verspätete Geständnis seines Amtsfrcvels im Prozeß 1394, der geheimen Mit teilung von gefälschten bezw. auf Dreysus nicht andwendbaren Doku mentcn im Beratungszimmer der Militärrichter. Am Montag sollte die Abrechnung der Verteidiger des Dreysus mit dem Justizmörder, AmtSfrevlcr und Meineidigen beginnen Der wichtigste Teil dieser Aufgabe fiel Labori zu, der mächtigeren, der scharfsinnigeren Kraft der Verteidigung, dem überzeugten Kämpfer umS Recht, der schon im Zola-Prozcß der Vcrbrechcrbaudc blutige Wunden geschlagen hat. Gerade am Morgen jenes Tages. wenige Minuten vor dem Beginn des eigentlichen Kampfes. wurde Labori durch einen mcuchclmörderischen Revolvcrschuß gc- troffen!... Es liegt ein tiefer Sinn, eine gcwiffe Harmonie des Vcr- brechcns darin. daß Dreysus' Verteidiger hinterrücks getroffen wurde, wie Dreysus selbst 1894 einem hinterhältigen Justizmord er- legen war. Wer und was auch der Mcnchclinörder sein mag,— ob ein be zahlter Bandit ans den Reihen der autiscinitischcn Söldlinge Jules Gusrins, oder ein freiwilliger„patriotischer" Fanatiker— die Verantwortlichkeit für den Meuchelmord lastet auf den General- stäblern aller Gattung, die seit zwei Jahren die Ocffeutlichkeit mit allen Mitteln der Lüge und der Verleumdung vergiften, die große Masse total verblöden, alle Begriffe in ihr Gegenteil verkehren, über führte Verbrecher verherrlichen und heldenhafte Kämpfer ums Recht in den Kot zerren. Die zweijährige Hätz gegen die„bestochenen" die„an die Inden" und„an Deutschland verkauften" Revisionisten im allgemeinen und gegen jeden hervorragenden Rcvisionskäinpfer im besonderen mußte sich notwendig in Revolverschüfsen entladen. G» ist der erste gelungene Mordversuch, aber keineswegs der erste Mordversuch an einem NevisionSkämpfer überhaupt. Schon Zola schwebte während seines Prozesses an gewissen Abenden in Todesgefahr, umringt von Jules Gnörins Mordbanden. Dann wurden zwei Mordversuche gegen P r e s f e n s s und Q u i l l a r d(in Toulouse und Avignon) und einer sin Paris) gegen V a u g h a n, dem Herausgeber der„Anrore", ausgeführt. Und wohlgemerkt, in keinem einzigen dieser Fälle wurden die nationalistischen Mörder auch nur der Form ivcgen behelligt!.. Es war ja unter der Regierung MelincS und Dupuys. Ein einziges Mal nur wurden die gemieteten Banditen Gusrins vor Gericht gestellt, die den Revisionisten Philibert Roger vertvundet hatten. Aber daS „patriotische" Schwurgericht von Paris hat die erwiesenermaßen ge- dungenen Mörder freigesprochen... So wird das verpestete Milieu verständlich, welches den in der Geschichte einzig dastehenden Meuchelmord an einem Verteidiger gezeitigt hat. Andrerseits reiht sich der neueste Meuchelmord würdig den von „unbekannter" Hand ausgeführten oder versuchten Morden im Interesse des Gcncralstabcs an: den, Mord des kricgsministeriellen Geheimagenten Lemercier- Piccard- Lehmann, deni'.Selbstmord" Henrys, dem Urias-Bricf gegen Picquart in Tunis und der Picynart verabreichten Omelette mit zerbrochenem Glas im Santo- Gefängnis... Die Organe der Jnftizmörder. die unaufhörlich ganz offen die Niedermetzelung der Revisionisten predigten, die„Septembertage" der Patrioten herbei- wünschten, waschen sich jetzt jesuiiisch die Hände in Unschuld. Noch mehr, mit gewohntem Cynismus ninchcn sie die.dreystisistische" Regierung für den Meuchelmord verantwortlich, was übrigens eine indirekte Rechtfertigung des Mörders bedeutet, der aus patriotischer Entrüstung namentlich ob den Verhaftungen der Stantsstrcichler ge- handelt habe» soll.... Aber ihre mit halbem Munde vorgciragenen Unschuldsprotcste klingen ebenso falsch, wie die meineidigen Aussagen ihres Helden Mercier. Die Partei des Justizmordes ist und bleibt zugleich die Partei des Meuchelmordes. Wozu übrigens die logischen und psychologischen Schlnßfolge- ningen, da es feststeht, daß mehrere Offiziere in Renueö offen und laut de» Meuchelmord gebilligt haben'*!... Es ist kein sensationslüsterner Reporter, der diese haarsträubende Thatsache mitteilt, sondern der in Reimes sich aufhaltende socialistische Abgeordnete Pens Vi Viani, der Chefredacienr der„Lanterne". Der„trockene Bürgerkrieg"— wie der Zustand Frankreichs treffend genannt wird— ist nun nicht mehr ganz„trocken". Das erste Blut ist geflossen. Rköge es daS letzte sein!... Die von der Regierung gegen die Staatsstreichler entfaltete Energie scheint diese Hoffnung zu berechtigen. Die Verhaftungen der letzten Tage sind gerade rechtzeitig gekommen. Die Regierung durfte um so weniger zögern, als ja die Stimmung der Offiziere einem Handstreich gegen die Republik günstiger denn je ist. Darauf hatten die civilen Prätorianer gerade gerechnet. Die Regierung machte einen dicken Strich durch diese Rechnung, indem sie den Hand- streich im Keime vereitelte, um" nicht auf jdie Hilfe der unsicheren Offiziere angewiesen zu sein. Im übrigen sind die Verhaftungen ein Teil der Liqnidations- masse, die vom verräterischen Kabinett Dupuy hinterlassen wurde. Es steht bereits fest, daß schon Dupuy die Mehrzahl �dcr nunmehr verhafteten Häuptlinge von Rechts wegen vor das Hochgericht als Verschwörer hätte verweisen sollen. Aber zur Zeit des Dsroulsdeschcn Pntsches stützte sich Dnpny gerade auf die prätorianischen Clcniente, denen zu Liebe er damals den„gesetzlichen" Staatsstreich im kleinen gegen die Kriminalkammer des KasjationshvfeS in die Wege leitete. Die ertappten Staatsstrcichler zetern über die„Willkür" und die „jüdische Schreckensherrschaft" des„Kabinetts Galliffet" bezw. des „Kabinetts Reinach". Rocheforts Schandblatt klagt wehleidig über die Brotlosmachnng der„proletarischen" Familien der verhafteten Fleischschlächter, der royalistisch-antiscmitischen Lcibgardisten Jnles GusrinS und des Marquis Snbran de Pontövss. Und natürlich ist für diese„Brotlosmachnng" der„Kommuneschlächter Galliffet" verantwortlich. Das alles kann nicht weiter verwundern. Höchst bezeichnend ist dagegen der Umstand, daß selbst der„Tcmps", das Organ der relativ republikanischen Bourgeoisie, sich in Witzeleien ergeht über die Massenverhaftungen, die ihm durchaus»n- gerechtfertigt erscheinen, da die Staatsstreichler am Vornbend der geplanten That festgenommen wurden... Das republikanisch sein wollende Organ würde es unzweifelhaft mit der g r o ß e n M a s s e der Bourgeoisie vorziehen, von einem Staatsstreich überrascht zu werde», der sie zugleich von dem Alp des socialistischen Ministers Millerand, der ihren Schlaf stört, befreien würde. Die Ablehttttng der Kanalvorlagc. Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus wird uiis geschrieben: Vor einigen Tagen druckte die„Freisinnige Zeitung" voll fassungslosen Sicgcsjubcls eine Notiz der„Kölnischen Voltszeitung" ab: daß die Konservativen ihre beschämende Niederlage sich selbst zuzuschreiben hätten. Hätten sie von vorne herein eine Lakaien- Haltung eingenommen, so wäre ihnen jetzt die Demütigung erspart geblieben. Der gute Freisinn war so sicher, daß die Konservativen vor dem nnbcngsamcn Willen der Regierung zusammenklappen würden. Ter nationale Liberalismus vollends kennt mir eine Art, wie man einen Konflikt mit der Regierung anSfechten kann: Man guictscht, wenn man an die Wand gedrückt wird, um das unappetitliche Bild Bismarcks zu gebrauchen. Wie konnte er sich vorstellen, daß andere Parteien es anders machen? Der Sicgcstanmel ist einer jähen Panik gewichen: die Konser- vativcn haben diesmal das bewiesen, wovon die liberalen Helden so gern sprechen: Festigkeit gegenüber der Allerhöchsten Stelle. Ans der heutigen Sitzung sind die Agrarier vollständig als Sieger hervorgegangen. Noch ist der Kamps zwar nicht materiell entschieden, ja. die Entscheidung ist im letzte» Grunde noch immer zweifelhaft, aber m o r a lisch ist die Niederlage der Regierung und vor allem der Linken evident. Der Kanal ist in zweiter Lesung abgelehnt. Selbst der Dortmund- Rheinkannl, die Teilstrecke, die, ivie der Herr Minister Brefeld gestern schüchtern und verzweifelt andeutete, den Kanal zum Frieden bilden sollte, ist nicht durchgegangen. Der Liberalismus muß außer dem Schaden nun noch den Spott auf sich nehmen. Wie sicher hatte er sich in der Hut des Mächtigen gefühlt, wie mitleidig hatte er die Armen betrachtet, die ihre eigene Meinung der höheren entgegensetzen'wolllen. Engen Richter scheint allerdings über das klägliche Bhzantinertmn seiner Scharen etwas wie Scham empfunden zu haben. Die Sitzung begann heute damit, daß er nicht, wie anfangs angekündigt, sprach. Er wollte wohl noch wenigstens seine eigene Person für den unentwegten Freisinn retten. Er schickte daher seinen Substituten Wiemer vor. Herr Wiemer hat vor sich selbst einen großen Respekt und impo- niert sich ungeheuer. wenn er den Konservativen seine faustdicken, mit Wassersioffgas aufgeblähte»„liberalen" Phrase» ins Gesicht schleudert. Man hat auch sehr wenig Angst vor dem Liberalismus des Herrn Wienier. Er zeigte ja auch heute, welcher Art er ist. Er sprach von den dummen Bauern, die erst geivisse vou oben kommende Wohlthaten zurückwiesen, dann aber brummten:„Uns Rindviechcr hätte mau zwingen müssen." Also die Lehre vom beschränkten Untcrlhanenverstand scheint jetzt liberales Parteiprincip! Auch der andere liberale Herr, der Abg. Schmieding führte als ein Hauptargumcnt für den Kanal die Thalsache an, daß Fürst Bismarck für den Bau vou Kanälen gewesen sei! Die Konservativen aber setzten sich, wie über die Wünsche der Krone, so auch über die Anschauungen des hoch- seligen Reichskanzlers mit Seelenruhe hinweg. Sie trugen über- Haupt eine prachtvolle Siegesstiinmung zur Schau, Zwar ihren alten Freund, den Herrn von Miquel, hörten sie ans Anstand ruhig mit an. Sic wußten, daß selbst er, dessen geriebene Diplomaten- knnft zu den Glaubenssätzen des Hauses der Abgeordneten zählt, hier ihnen nichts mehr sagen könne. Aber er hat ihnen so oft Gefällig- leiten erwiesen, so wollten sie sich denn auch durch markierte Hoch- achtung erkenntlich zeigen. Indes überzeugt hat er sie nicht, als er zum Schluß seiner Rede den bekannten warmen Appell an die Vater- ländische Gesinnung richtete— sie kennen ja diese vaterländische Gesinnung sehr genau, sie haben sie zu oft selbst' gehandhabt, als daß sie ihnen mehr als ein Wir-kennen-uns-Lächeln entlocken könnte. Er h a t sie nicht überzeugt, mag sein aus dem Grunde, weil er sie nicht überzeugen wollte. Und er hat sie auch nicht erschreckt, als er den Appell durch die Drohung mit der Auflösung zu verschärfen suchte. Er wollte sie auch wohl gar nicht erschrecken. Herr». Miqm« fühlte sehr deutlich, daß er nicht eingeschlagen habe. Nach d» packenden Schlußphrase stand er»gleich wieder auf, um noch etwas nachzutragen, was er vorher vergessen hatte. Und als er sich dann wieder gesetzt hatte, stand er gleich wieder auf, um wieder etwas nachzutragen. Er fühlte sich sehr unbehaglich und gab den Effekt seiner eigenen Rede preis, vielleicht in der geheimen Sorge, er könnte am Ende doch noch zu wirksam gesprochen haben. Die zarte Rücksicht, die die Herren Konservativen dem Herrn v. Miquel schuldeten, übten sie seinen Kollegen gegenüber. Bei der Rede des Herrn Thielen, der seit gestern von der rechten auf die linke Ministcrbank übergesiedelt war, ließen sie sich in ihren munteren Privatgesprächen nicht stören. Und dabei sprach Herr Thielen anfangs mit überraschender, wohlpräparicrter Lebhaftigkeit. Hals nichts: als er sein„Gebaut wird er doch I" schlenderte, lachten die Junker und als er den g r o ß e n K u r f ü r st c n als Kronzeugen aus der Gruft citierte, ersäuften sie den Minister geradezu in tollem Lachgcwieher. Was soll daraus werden, wenn nnscre Konservativen selbst vor dem großen Kurfürsten keinen Respekt niehr haben, dann werden schließlich auch die anderen Götter von ihnen gestürzt,.der alte Fritz, der große Wilhelm nslv. Wie nun gar der L a n d w i r t s ch a f t S- M i n i st e r anfing, da gedachten sie der hübschen Gleichung„Hannnerstein-O" und benahmen sich danach. Ter alte Herr sprach und sprach, bis ihm der Angstschtveiß auf der Stirn stand. Aber die Agrarier lachten und meinten: Was versteht der von der Landwirtschaft? Daß die Rechte wirklich entschlossen war, die Konsequenzen ihrer HandlungSlveise zu trage», das bewies sie nach der Ab- siimmnng über den entscheidenden ZI. Das Resultat, die Ablehnung mit 212 gegen 299 Stimmen, hatte alle die. die es mit der Re- gicrnng nicht verderben wollten, betroffen gemacht, handelte es sich doch hier um die Kompromiß-Teilstrecke, und nicht um den eigent- lichcn Mittelland-Kanal. Als das erste Staunen sich gelegt hatte. vcrsuHte das Centnun, eine Vertagung der Abstimmung über die übrigen Paragraphen herbei- zuführen. Obgleich der Rest der Vorlage zwecklos geworden war, hoffte man doch noch ans irgend eine Art von � Verständigung. Aber die Konservativen erklärten kurz und scharf: dazu liegt keine Veranlassung vor, die Sache soll gleich heute und ganz begraben werden! Nunmehr juchten die Loyalen noch' das Manöver zu machen: irgend einen folgenden Paragraphen annehmen zu lassen, um das Gesetz für die dritte Lesung zu retten. Da hatte Richter eine Aufwallung von Zorn. Diese Beschwichtigungspolitik erschien ihm wohl'zu erbärmlich. Er brüllte, als seine Fraktion sich bei Z 2 erhob: „Setzen!", und seine Herde, erschreckt durch die Donnerstimme des Gewaltigen, duckte sich. Aber man fühlt sich nicht ungestraft als Regierungspartei. Besorgt sahen die Herren zum Ministertisch herauf. Sie fürchteten doch zu sehr, durch ihre Haltung, die den Konflikt jetzt schon akut machte, den Unwille» des neuen Gönners zu erregen. Und bei§ 6, da schwenkten sie wieder ein. Der Präsident wollte auch diesen Paragraphen für erledigt erklären, da rief man: Abstimme»! Er entschiildigie sich und sagte: er hätte das nur angenommen, iveil das mit den früheren Paragraphen so gut gegangen sei! Und nnn folgte die Komödie: die Freisinnigen stinimten für Z 9, er wurde angenommen, und somit ist die dritte Lesung gesichert. Ter Regierung ist durch die Hilfe ihre? ergebenen Dieners, des Freisinns, dw peinliche Situation, energisch vorgehen zu müssen. einstweilen erspart geblieben. Jeder elementarste» Logik zum Trotz ist ein Parngravh angenommen, der Mittel bewilligt für eine Sache, die nicht ansgesührt werden darf! Somit ist die Regierung vorläufig gerettet, und vielleicht über- Haupt.. Denn da der Dortmund-Rheiu-Kanal nur mit einer Majorität von drei Stimmen abgelehnt ist. so kann er in der dritte» Lesung leicht zu stände kommen. Und mit dieser kleinen Abschlagszahlung wird sich die unbeugsame, aber genügsame Regierung wohl bc- ruhigen.— BoUkiftfze MebevlMzk- Berlin, den 17. August. Die innere Lage. Nachdem die Kaualvorlage in zweiter Lesung mit er- stanulicher Schwerkraft gefallen, versucht der blamierte Frei- sinn die Regiernng scharf zu machen und eifert gegen das ausglcichsuchcndc Centrnm. So schreibt die„Freis. Ztg.": „Auch der Dortmund-Rhein-K asti a l ist mit 212 gegen 299 Stimmen abgelehnt worden. Die gestrigen Schätzungen einer Annahme stützten sich auf die Er- kläriingeu der Centrunispartei. Mn» hätte demnach amiehincu müssen, daß die Centrumspartei und die Polen geschlossen für den Dortmund-Rhein-Kanal stimmen würden. Hatte doch ein solcher absoluter Kanalgcgiier wie Graf Ballestrem sich für diese Be- willigimg erklärt. Aber die Polen leisteten dem Ccntrum nicht Heeresfolge, sondern stimmten auch gegen den Dortuiuud-Rheii:- Kanal. I» den Reihen der Centrumspartei aber versagte der größere Teil der Schlesier der Frnktivnsparole. Mit Ausnahme des Grafen Ballestrem, deS Grasen Strachwitz und des Abg. Porsch stimmten die llblcsischcn Abgeordneten auch gegen den Dort- iniind-Rhein-Kanal. So fiel derselbe zur allgemeinen Uebcrraschnng mil Ä1Ä gegen 2<>i> Stinunen, wobei sich der Abg. Rintclen der Abstinmumg enthielt. Weit großer war die Mehrheit gegen den Mittel- landkanal. Derselbe wurde mit 228 gegen 12k Stimmen abgelehnt, wobei sich öö Ccntrnmsabgcordnete der Abstimmung ent- biclten. Gegen den Mittellandkanal hat sich also die absolute Mehrheit des Abgeordnetenhauses, welche 217 Stimmen beträgt, bereits in zweiter Lesung' erklärt. Es war nahe daran, daß nunmehr der Gesetzeulwurf auch in allen folgenden Paragraphen znrAblehnung gelangte. Alsdann hätte keine dritte Lesung mehr stattfinden können. Nunmehr aber zcigic sich die Centrumspartei überaus be- flissen, n o ch e i n S t ü ck ch e» aus dem Gesetzentwurf zu retten, um zur dritten Lesung gelangen zu können. Auch Minister Thielen und der Abg. v. Zedlitz, der bis dahin den absoluten Kanalgegner gefpielt' hatte, kamen der Ccsttrunispartei au Hilfe. Die Nationcillibcmlcn und Freisinnigen verhalfen der Centrumspartei bei der Annahme einiger an sich bedeutungslosen und ohne spätere Wiederherstellung des§ 1 sinnlosen Paragraphen zu einer Mehrheit. Man wollte auf dieser Seite nicht die Ver- anttvortung überuehincn für das vollständige Scheitern der Vor» läge. Der Centrumspartei sollte dieGelegenheit geboten>v erden, i u der dritten Beratung ihre Abstimmung zu korrigieren. Nach der Ankündigung des Präsidenten lvird diese dritte Beratung schon' an diese ni Sonnabend statt- finden. Kein Wort des Widerspruchs von feiten der CentrnmS- parte! wurde gegen diese Ankündigung laut. Mau giebt es also auf, eine H i n a u S s ch i e b u u g der dritten Beratung zu ver- langen bis zur S i ch e r st e l I u n g des Genteinde-Wahl- g e s e tz e s." Ans unserem parlamentarischen Stimmungsbericht geht hervor, daß auch der Freisinn beigetragen hat, die dritte Lesung zu ermöglichen, also die jetzige, nicht unkluge Taktik Eugen Richters durchkreuzt hat, die Regierung sofort vor die Entscheidung zu stellen. Die Vorwürfe, die das Blatt dem Centrum macht, fallen auf die eigene Partei zu rück, die mit dieser ihrer Rettungsneigung zu Gunsten einer verlorenen Sache ein Muster politischer Thorheit geliefert hat, wie sie mit ihrer Anschnüruncj des politischen Willens ein trauriges Beispiel liberaler Würdelchigkeit bot. Die Niederlage, die sich die verbündeten Re gierungen im Reichstag bei der Zuchthausvorlage holten, hat die preußische Regierung in verschärfter Form im Abgeordnetenhaus erlitten. Dort von links, hier von rechts verlassen, steht die Regierung einsam— und dies, obwohl hinter der Regierung beidemal der in weithin hallenden Reden proklamierte Willen des Monarchen stand. Die beiden großen Aktionen der Regierung waren zerschmetternde Mißerfolge. Was geschieht nun? Wir denken, es wird fortgewurstelt werden und die lob- liche Regierung wird sich mit der kleineren Ratenzahlung des Dortmund-Rhein-Kanals, die man ihr am Ende aus Mitleid oder aus Konflikts furcht spendieren wird, begnügen. Wenn »ich— denn»ich!— «» O Nach einer Zusammenstellung der„Freisinnigen Zeitung" fehlten bei den n a in e n t l i ch e n A b st i m ni u n g c n über die Kanalvorlage der konservative Landrat Bohtz, der freisinnige Bramel, der iiationalliberale Regierungsrat Daub, Ccntrums-Abgeordnete Heisig, die Konservativen v. Puttkamer- Plauth, Simon v. Zastrow, Prinz zu Solms und der Pole Jerzykiewiez. Bon den Klo nfervativen und Freikoiifervativen haben unter andertm für den Mittelland-Kanal gestimmt: Land- rat v. Bülow-Bossee, Christopherscn, vortragender Rat Conrad, L a n d r a t Conrad, L a n d r a t v. Ditfurth,' Graf Douglas, L an d r a t Dr. Heye, vortragender Rat Kelch, Land rat Dr. Glasenap, Landrat v. d. Gröben, L a n d r a t v. Heimburg, Graf Moltke, L a n d r a t v. Negelein, Rehling, Weyerbusch, Vorster v. Tiedemann, Oberregier üngsrat v. Tzschoppe. Wenn alles die Regierung verläßt, die Landräte bleiben ihr treu, wenigstens teilweise.— Zur Geschichte der ZuchthauSvorlage. Die Unternehmer-Verbände, die jetzt in verschiedenen Teilen Deutschlands zu„Tagen" zusamnienkommen, entfalten einen heiligen Eifer für die Zuchthausvorlage und nehmen lange Resolutionen und Petitionen an den Reichstag an, um ihn zur Annahme der Vorlage zu bestimmen. Eine solche Petition hat auch der bayrische Handwerkertag in München beschlossen,.die darum ein besonderes Interesse bietet, als sie einiges Licht über die Geschichte des Textes der Zuchthaus- Vorlage verbreitet. Es heißt in der Petition: „Schon 1888 führte der Mißbrauch des KoalitionSrcchts seitens der socialdcmokratischcu Arbeiter, die Schutzlosigkcit der arbeits- willigen Arbeiter gegen den Terrorismus von Streikenden, den VI. allgemeinen deutschen und bayrischen Handwerkertag zu München zur Annahme einer Resolution, die dahin ging, an den Herrn Reichskanzler, sowie an hohen Reichstag eine Petition im Sinne folgender Anträge zu richten: Zusatz zu§ 153 der Reichsgewerbe-Ordnnng: Unter Anwendung körpcrlicbcn Zwanges, solvie von Drohungen, Ehrverletzungen oder Verrufserklärungen ist u. a. zu verstehen�: 1. Gewalt gegen Person oder Vermögen(öffentliche Bekannt- machungen irgend welcher Art, welche Namen von Arbeitgebern oder Arbeitnehmern enthalten, sind, sobald sie zu Zwecken der Arbeitssperre oder dergleichen veröffentlicht werden, als Gewalt gegen Vermögen zu betrachten); 2. Drohung oder Einschüchterung oder Aufstellung von Be- dingungcn seitens der Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, welche ciucni Friedensbruche gleichkommen oder in die Hausordnung deö einen oder anderen hineingreifen; 3. Belästigungen oder Störungen folgender Art: a) beständiges Verfolgen von Ort zu Ort, zun, Zwecke des ArbeitSausschluffes; b) Versteck von Werkzeugen oder Kleidungsstücken oder deren Fort- nähme oder Hinderung an dem Gebrauche solcher; o) Ueber- wachung oder Umstellung von Bahnhöfen, Schiffslandungsplätzen oder sonstigen öffentlichen Verkchrsanftalten, des Wohnhauses resp. des Arbeits- und Gcschäftslokalcs oder der Zugänge zu solchen, oder Verfolgung eines einzelnen in ungehöriger Art auf Straßen. Der VIX. allgemeine deutsche Handwcrkertag zu Hamburg 188L erneuerte diese Beschlüsse nicht nur, sondern beauftragte lvciters das Bureau, beim hohen Bundesrate und hohen Reichstage um den Erlaß eines Gesetzes zu petitionieren, welches den Kontrakt- bruch unter Strafe stelle und zwar im Unvermögensfalle mit Haft. In dem Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung der Gewerbe- Ordnung vom Jahre 1890 wollten die verbündeten Regierungen obigen Wünschen wenigstens teilweise Rechnung tragen, fanden aber dabei zum tiefen Bedauern der Gewerbe- treibenden und Handwerker nicht die Zustimmung der Majorität des hohen Reichstages." Seit 1888 liegt diese Petition als„Material" in den Aktenschränken der Regierung und manches andere Material dieser Art dazu. Der nnt der Ausarbeitung der Zuchthausvorlage be- auftragte Geheimrat öffnete seinen Aktenschrank und fand in Nr. 3 dieser Petition im Handumdrehen den Z 4 der Zucht- Hausvorlage, den wir zur Vergleichung folgen lassen: „Dem körperlichen Zwange im Sinne der 1 bis 3 wird die Beschädigung oder Vorcnthaltung von Arbeitsgerät. ArbcitSmaterial, Arbeitserzeugnisscn oder Kleidungsstücken gleickMcachtet. Der Drohung im Sinne der§Z 1 bis 3 wird die planmäßige Ueberwachnng von Arbeitgebern. Arbcitnehniern, Arbeitsstätten, Wegen, Straßen, Plätzen, Bahnhöfen, Wasserstraßen, Hafen- oder sonstigen Verkehrsanlagen glcichgcachtet." Im übrigen bietet die abgedruckte Petition einen neuen Beweis für die unstillbare Begehrlichkeit jfes Uuteruehmer- tums.— macherprcsse lebhaften Anklang. Obwohl wir nun schon vor mehreren Tagen feststellten, daß die in der„Märkischen Volks- zeitung" letzthin enthaltene Schilderung über einen angeblichen Terrorismus organisierter Zimmerer gegen ein Mitglied des katholischen Vereins„Arbeiterschutz" vollständig erfunden ist, daß von der behaupteten Maßregelung des Mannes weder den Arbeitern, noch dem Polier, noch dem Meister des Baues etwas bekannt ist, wird der Lügeiibcricht weiter verbreitet. Die„Post" und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nehmen nicht den geringsten Anstoß, die vollständig er- fundene Geschichte auch noch nach unserer Richtigstellung wiederholt ab- zudnicken und zu kommentieren. Jedes Mittel ist diesen Handlangem der Ansbeutcrintrreffcn recht, wenn es gilt, die Arbeiterbewegung zu verleumdeu. Mit ehrlichcu sauberen Waffen können sie ihren Kampf nicht führen. Auch die Übrige Presse, die vor unserer Richtig- stcllung die unwahre Geschichte der„Mark. Volksztg." abdruckte, hat bisher von unserer Berichtigung keine Notiz genommen; auch die„Märkische VolkSzeitung" nicht, die doch so eifrig den „Vorwärts" liest. Der Sinn für Anstand ist in der bürgerlichen Presse außer- ordentlich kümmerlich entwickelt, und von dem bißchen, was man noch besitzen mag, hütet man sich, im Interesse des heiligen Kampfes ivider den Umsturz Gebrauch zu machen. So wird denn auch die neueste Ränbergeschichte deS Centrnms- blattes die Ehre haben, in Denkschriften, Kreisblättern und Parlamentsreden zu ewigem Leben aufzuerstehen.— Deutsches Iteich. Wie man lügt! Die Lügen über socialdemokratischcn TerroriSninS, die mit ziem- sicher Regelmäßigkeit in der katholischen„Märkischen VolkSzeitung" erscheinen, fanden, wie nicht anders zu erwarten war. in der Scharf- Mittelbare Staatsbeamte und Socialdemokratie. Man schreibt uns ans Weimar: Ueber die Liberalität der Regierung des lassischen LändchenS Sachsen- Weimar, das seit einigen Monaten den früheren erzagrarischen Landtngs-Abgeordnetcn v. Wunub als StaatSministcr bescheert erhielt, werden jetzt in zahl- reichen Blättern des engeren und weiteren BaterlandcS Betrachtungen angestellt. Die„Germania" brachte nämlich vor kurzem die Notiz, daß die weimarische Regierung„bezüglich der Einleitung eines Disciplinarvcrfahrcns gegen mittelbare Staatsbeamte, die direkt oder indirekt die Socialdemokratie unterstützten, fich inGegensatz zum Berliner Obcr-VerwaltnngSgericht gestellt habe, indem sie jedes Vorgehen ablehnte." Diese Nachricht ist von vernünftigen Politikern gewiß mit Genugthmmg aufgenomnrcn worden und man konnte dafür halten, daß die weimarische Regierung nicht das Bedürfnis hatte, sich zu blamieren. Auch glaubte man darinnen einen Beweis zu erblicken, daß die vielgcrührnte„liberale Tradition" trotz des MinisterwechsclS keine Veränderung erlitten habe. Neuerdings steht sich aber die„Germania" in Folge des Empfanges eincS Schreibens der weimarische« Regierung in die Notwendigkeit versetzt, ihre erste Notiz zu dementieren. Daß ein Disciplinarverfahrcn gegen einen„mittelbaren Staatsbeamten" überhaupt eingeleitet ist, wird in dein Dementi, soweit ersichtlich, nicht in Abrede gestellt; man kann also nur annehmen, daß die Regierung in ihrem Verfahren wahrscheinlich zu einem anderen als dem an- gegebenen Resultat gelangen wird. Man vermutet stark, daß der mittelbare Staatsbeamte, gegen den sich das Disciplinarverfahrcn richtet, der Vorsteher der Zeiß'schen Werkstätte, Professor Abbe ist. Derselbe ist bei Gelegenheit der letzten Reichstags-Süchwahl, als der nationalliberale Bassermann und der Socialdemokral Lcutert einander gegenüberstanden— Rechtsanwalt Dr. Harmening(freisinnig) und Pfarrer Naumann(nattonal-social) fielen bekanntlich in der Stich- Mahl durch— als Mitglied der freisinnigen Partei in Gemeinschaft nnt dem freisinnigen Wahlkonntee in einem Wahlaufruf nnt seinem Namen für die focialdemokratische Koudidattir eingetreten. Damit ist das Delikt gegeben. Professor Abbe, der hochherzige Legatar der bekannten KarIZeißslistnng und Schöpfer der hiesigen Lesehalle, erfreut sich durch die praktische Bethätignng eines gefunden socialpolitischcn Sinnes und seinen oft betvicsencn Freimut überhaupt einer besonderen Auf- mcrksamkcit„von oben" und man hätte ihin, wenn es möglich wäre, schon manchmal gern das Handwerk gelegt. Hoffentlich wird in der nächsten Zeit der Schleier über dieses mysteriöse Dunkel ein wenig gelüftet. Die weimarische Regierung könnte aber der heimischen Socialdemokratie gciviß keinen größeren Dienst erweisen, als wenn sie ihre Keaft an dem genannten Herrn erprobte. Die Wirkungen dieses Agitationsstoffs kann man schon jetzt voraussehe».— Centruin»»d ZuchthauSvorlage. In der„Kölnischen Volks- zeitung", dem rheinische» CeiilrumSblatt, lesen wir: Die„Zuchthausvorlage" wird, anscheinend im Zusammenhange mir der Kanalvorlage, wieder in den Vordergrund ge- schoben. Eifrig beschäftigt man sich dabei mit der Frage, wie das Centruin sich dazu stellen werde. Man glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß es im nächsten Winter eine andere Haltung einnehmen werde, als bei der ersten Lesung. Welchen Anhaltspunkt hat man für diese Meinung? Das Centrnm hat sich doch seit dem Schluß deS Reichstags mit der Vorlage in keiner Weife mehr befaßt. Der Kaiser soll in Dortmund im Privntgcspräch geäußert habe», im Herbste müsse da» Centrmn gegenüber der„Zuchthausvorlage" erneut Farbe bekennen. Das ist ohne Zweifel richtig, aber die Farbe lvird ganz gewiß nicht so ausfallen, wie die Scharfmacher lvünfchen." DaK ist sehr dürftig»nd verlegen. Das Kölnische Organ stellt sich naiv und weiß doch so gilt wie wir, daß die„Germania" sich indirekt und die„Rheinische Volksstimme" direkt für die Zuchthausvorlage ausgesprochen, letztere sogar behauptet hat, ein Führer des TcutruinS trete für den Entwurf ein. Es nützt auch nichts, wenn die„Märsische Volkszeitnng" tapfer schreibt: Der Kaiser soll geäußert haben, in Bezug auf die Zucht- Hausvorlage müsse das Ceutrum im Herbst„erneut Farbe bekennen". Diese Bemerkung, wenn sie gefallen sein sollte, würde ganz unverständlich sein, da bekanntlich in ocn Tagen vom 18. bis 22. Juni bei der ersten Beratung der Zuchthaus- vorläge im Reichstage das Centrum in einer Weise„Farbe be- kannt" hat, daß die Rcgieningsvcrtreter darüber höchst betrübt waren und das Geständnis ablegen mußten, daß gerade wegen der Haltung des Ccntrrnns die Vorlage keine Aussicht ans Annahme habe. Inzwischen ist die„Farbe" nur n o ch tiefer geworden, und sollte sie i m H e r b st n o ch nr a I s i n d i e E r s ch e i ii u n g t r e t e n müssen, s o iv i r d sie von der Zuchthausvorlage erst recht nichts mehr durchleuchten lasse n. Dieselbe„Mark. Volksztg." aber erfindet Fälle von ruchlosem socialdcmokratischen Terrorisiuus— eine seltsanie Liebhaberei, wenn mau so staudhaft gegen die Zuchthausvorlage z» bleiben behauptet. Kein Zweifel, im Centrnm ringen auch in dieser Frage zlvei Meinungen miteinander.— Ter richtige Naumann entpuppt sich in den Bemerkungen, die der Führer der National-Socialcu zu der Acußcruug de»„Vorwärts" hinzufügt: „Auch wir sind Freunde eines Kulturwerkes, wie cS der Mittelland-Kanal ist, aber wir wüuschen nicht, daß ein persönlicher Wille, selbst wenn er Misere Meimmgeu fördert, in den politischen Angelegenheiten den Ausschlag giebl. Der Liberalismus hat wahr- sich den letzten Rest konstitutionellen Gewiffcus verloren, wenn er die Person des Monarchen dergestalt für seine Interessen und lvidcr seine Gegner verwendet." Nanmaim schreibt dazu in der„Hilfe": Vom Kaiser hängt der Umschwung(in der Kanalvorlagc) ab. Das gefällt natürlich den republikanischen Theoretikern nicht... Wassist nun aber mit solcher Theorctisicrerci gewonnen? Der Kaiser hat die Gewalt, die ihn zum entscheidende» Wort in allen großen Bolksfragen kommen läßt. Daß diese Gewalt unter Umständen der Freiheit und dem Fortschritt gefährlich iverden kann, wissen wir auch und haben es seit Oeyn- Hansen oft genug gesagt. Es liegt lhatsächlich eine Gefahr in der beinahe unbegrcnzbaren polUischen Macht des Oberhauptes. Aber neben der Gefahr liegt in dieser Macht die Möglichkeit, daß es überhaupt eine» starken, feste». vorwärtsdrängenden Willen giebt und diese Möglichkeit kann für unser Volk am Wendepunkt der Jahrhunderte von ungeheurer Bedeutung werden. Wen» es dem Kaiser gelingt, unser Volk stark, groß, wohlhabend zu machen, dann ist es ganz gleich, wie es ihm gelang. Nur der lünslige Erfolg kann über das Recht des neuen deutschen Jmpcrialis- wus entscheiden. Kein Mensch, keine Partei kann jetzt den Imperialismus beseitigen. Es ist die naturgemäße Folge der deutschen Geschichte und der von Bismarck hergestellten Verfassung. Die Aufgabe der liberalen Parteien kann nur sein, mit der Thatsnche der Kaiserinacht zu rechnen, und es ihr zu ermöglichen, den Weg zur socialen, sreiheitlicheu Volksgestallung zu gehen. Gerade jetzt nach Dortmund beginnt die Probe, ob der deutsche LiberalismnS im iveitcstcn Umfange .die Zeichen der Zeit versteht und sich ciiles veralleten, nutzlosen, unpolitischen Doktrinarismus entschlägt. Es ist eine neue politische Situation gegeben. Wird der Liberalismus sie brauchen, wird er in ihr wachsen? Wird er den Kniserschlag auf den konservativen Nacken benutzen? Wird er jetzt wieder etlvas sein wollen in Deutschland?" Nach diesen tollen Sätzen sollte Naumann aufhören, die Nolle eines Politikers zu beanspruchen, mit dem man sich zn beschäftigen hat. Abgesehen davon, daß er inzwischen belehrt sein wirb, ivie jämmerlich er sich in der politischen Lage geim hat. so sind diese Auslassnugcn von einer abschreckend konfusen und verblendet reak� tionärcn Phantasterei, ivie man sie bei einem Parteiführer, wenn es auch mir ein Pnrtcichcu ist, nicht voraussetzen sollte. Was in aller Welt hat unsere Bemerkung mit republikanischen Theorien zu thnn. Es handelt sich doch lediglich um die Erhaltung dcL k o n st i t n t i o n e l l e n PrincipS. Ist Herr Nanmann bereits so weit vor-geichritten, daß er diese beiden Begriffe verwechselt? Wohl doch nicht. Er hat gemeint: konstitutionelle Thcorc- tisicrerei. kühulich bekennt'er sich ja in den folgenden Sätzen zum A b s o l u t i s m u s u n a u f g c k l ä r t e st e r Richtung. Herr Naumann sollte sich vom Zaren oder irgend einem ab- solutcn Häuptling in Afrika öder Asien anwerben lassen.— Marinismus. Nach den„Verl. Pol. Nachrichten" wird der ordentliche Marinc-Etat im nächsten Jahr an einmaligen Ausgaben etwa 62 Millionen fordern.— Mißglückte Scharsmachcrci. Am 1. August wurde in Augsburg aus Anlaß der Krawalle der Vorstand des Müucheuer Maurer- Verbandes, Genosse Putz, verhaftet und dies in der„Augsb. Abend- zeitung" durch folgende Notiz angekündigt: „Heute wurde der Maurer' Alois Putz auS München, Vorstand der dortigen Filiale des Allgcmciucu deutschen Manrervcrbaudes und ciucr der H a u p t a r r ä u g e u r e des hiesigen MaiirerstreikS, als mutmaßlicher Rädelsführer bei den jüiigstcu Krawallen in der Wcrtach-Vorsladt ebenfalls verhaftet. Der Hastbcfehl war, wie wir hören, vom Untersuchungsrichter erlassen worden und die Verhaftung erfolgte im Wittelsbacher Hofe durch den Krimwalivachtmeister Ell in dem Augenblick, als Putz sich zur Rückreise nach München anschickte. Er war bei der Ankündigung seiner Festnahme im höchsten Grade betreten und zitterte am ganzen Leibe. Putz war einer der leidenschaftlichsten Agitatoren." Genosse Putz war nach AngSnrg geeilt, um sin- die Beilegung Streiks zu wirken. Die Darstellung deS Angsburger Blattes war. abgesehen von der Thatsache der Verhastimg', eine gemeine Lüge, ivie von der„Müiichcucr Post" auch damals schon festgestellt wurde. Am Dienstag uim ist Putz aus der Haft entlassen und außer Verfolgung gesetzt worden. ES hat sich also bereits in der Voruiitersnchmig herausgestellt, daß Genosse Putz nicht das geringste begangen bat, ivas zn irgend einer Bestrafimg eine Möglilbkeit böte. Welche Thatsache», so muß man nun aber frage», Voten Anlaß zu seiner Verhaftung und Festhaltmig durch 14 Tage? Der Drcschgraf Pürkkcr geruht sehr ungehalten darüber zu sein, daß seine Rede neulich konfisziert worden ist. Er erläßt in der ,.S t a a t s b ii r g e r- Z e i t u n g" eine offene Erklärung, in der es heißt: Ich habe in meiner letzten Rede gesagt:„Die einzigen und uiuiinschränkten Herren im Lande find gcgeiiwäriig die Inden". Nun, diese Konfiskation der Rede ist eine Bestätigung meiner Worte. Inda regiert nnumschränkt. und das Volk gehorcht blindlings. Die Inden führen das große Wort und alle übrigen Leute müsicn den Mund halten. Wacht auf, deutsche Mäiilicr und Frauen, wacht endlich ans! Eine solche unwürdige Behandlung dürfen wir uns nicht mehr länger gefallen lasten. Schmach der Nation, die f a st nur noch Schwächlinge und I u d e n k n e ch r e erzieht, die ein freies Manneswort Überhaupt nicht mehr v c r t r ä g t I Wir brauchen wieder einige Mär.ucr mit etwas Mut und Rückgrat, die jetzt vor den Riß treten, und welche mit Einsetzung ihrer ganzen Person und ihrer ganzen socialen Stellung de» rapiden Verfall der Nation noch einmal anfhalteii. Ich habe ain 5. August in durchaus ruhiger und sachlicher Weise die Judeufrage behandelt; ich habe Hingelviesen ans den furchtbaren Ernst unserer politischen und socialen Lage; ich habe der Nation vor Augen geführt, daß ivir uns mit Riesen- schritten der Katastrophe nähern, wenn wir nicht endlich herauskommen ans dem Elend der Jndcnwirtschast. Wie mau eine solche Rede konfiScicrcn kann, ist mir vollständig unerklärlich. Ter deutsche Michel läßt sich leider in seiner Gutmütigkeit alles gefallen. Das muß jetzt endlich aufhören, wir müsicn den Lilnnpf gegen Israel«och viel rücksichtsloser und energischer führen, wir müssen mit Krulcnschlägen dazwischenhauen in unsere verbuinmelten und jammcevollcn socialen Zustände. Ich werde kämpfen und reden, so lange mir Gott die Kraft dazu giebt, weil ich das deutsche Volk lieb habe und nicht ruhig mit ansehen kann, wie die Nation rasch und unaufhaltsam einen» furchtbaren und schmachvollen Schicksal entgegeneilt. Noch ist es möglich, das Vaterland zn retten; drum, deutsche Männer, seid Ivacker, seid furchtlos und treu bis in den Tod! Es lebe der Kaiser, das Reich, doch fort mir der Jndcuwirtschaft, nieder mir Israeli" Daß man den harmlosen Propheten ans Klein-Tschirne an der Vcrbrcitiiiig seiner Geisteserzengnisie gehindert hat, scheint uns eine Art Entweihung der edlen Einrichtung der Konfiskation. Den Grafen sollte man reden lassen! Die„Staatsbürger-Zcitnng" aber könnte ein wenig vorsichtiger sein. Es ist nicht unmöglich, daß eS Geistesschwache giebt, die die Bildersprache des Grasen bnchstüblich auffassen, und wenn dann etwas nach Art deS Labo ri- Alten« t a t s geschieht, kämen wir Socialdcmokratcn gar in die angenehme Lage. die Ahlwardtsen vor einem— Ausnahmegesetz retten zu müisen.— Ein»mstiirzlerischcr Magistratns. Man schreibt uns aus Halle: Der Magistrat von Halle ist arg in die Klemme geraten. Während ihm sonst von der Scharfmachcrpresse wegen seiner Be- kämpfima der Socialdemokratie stets vollste Aiicrkenilung gezollt lourde, ist jetzt der Wind plötzlich umgeschlagen. Der Magistrat von Halle, der alljährlich unter dem Beifall aller„StaatSerhaltender." den Maiumzug der Socialdcmokratcn von vornherein verbietet, bat sich uliterfaiig'en, eine Nuheftörung ersten Ranges, die von den Stiideiiten nachts 11 Nhr au» Marktplatze begangen werden sollte. nicht zu gestattcil. Er verbot den Herrchen eine Bismarckrcde»md motivierte dies angeblich damit, dah socialdemokratische G e g e n ku n d g e b u n g en zu befürchte» seien. Darob großes Gc'chrei. Der Hallcsche Magistrat bat Furcht vor der Social- demokratie, der UmsUirz herrscht in der alten Hallorenstadt usw., hieß es. Jetzt hat� sich der Magistrat von Halle ein zweites Staats- verbrechen dieser Art zu Schulden kommen lassen und die Wut der »Post" und ähnlicher Organe keimt keine Grenzen. Der gute Ma- gistrat hat es sich nämlich einfallen lassen, ausnahmsweise bei einem Streik eine vernünftige Haltung einzunehmen. In der .Post" wird der Vorfall wie folgt geschildert: Zum� 1. Oktober ist Halle dem Slrtillcric-Ncgiment Nr. 75 als Garnisonstadt zugewiesen. Der Magistrat, welchem die Pflicht für den Bau der Kaserne obliegt, hat die Bauarbeiten sechs Jnnungsmcistcru zur Ausführung übertragen. Seitens der Bau- Innung war nun in Gemeinschaft mit d e m G e s c l l e n- a n s s ch u s s e ein Lohnsatz von 45 Pf. pro Stunde— gegen früher 43 Pf.— für das Jahr 4899 vereinbart. Plötzlich im Juni verlangten nun die Gesellen der sechs Meister eine Lohn- erhvhung auf 59 Pf. pro Stunde trotz der bestehenden Verein- barung für 1899. Außergewöhnliche Uniständc, welche den Maurergesellen ein Auskommen mit den bisherigen Sätzen nicht gestatteten, lagen nicht vor, sie betonten sogar, daß ihr Verlangen keinen anderen Grund habe, als die günstige Konjunktur durch die Kascrneubantcn. Die Innung wies die mit den g e- tröffe Neu Abmachungen vollkommen im Widerspruche stehenden Forderungen natürlich ab. worauf die Arbeiter am S. Juli in den Streik eintraten. Die Jnnungsmcister erklärten sich nach anfänglichen» Sträuben schließlich zur Erfüllung der un- gerechten Forderungen bereit, damit die rechtzeitige Fertigstellung der Baulichkeiten nicht gefährdet werde. Doch nun»volltcn die Arbeiter sich nnr zur Wicderansiiahmc der Arbeiten verstehen, »venu sämtliche Bauarbeiter der Stadt Halle den Satz von 50 Pf. stündlich erhielten. DaS konnten selbstverständlich die 6 Arbeit- gcber nicht in Aussicht stellen t denn auf die übrigen Bauherren ivarcn sie ohne Einfluß, konnten also in deren Namen keine Vcr- sprcchungcn machen. So ging denn der Ausstand ivcitcr. In der Sorge um rechtzeitige Fertigstellung der über- nonnncncn Bauten sahen die Meister sich genötigt, fremde Arbeiter heranzuziehen. Die zu beschäftigen, scheiterte aber, denn die Streikenden hinderten die Arbeitsivillige» gewaltsam an an der Arbeit. Alle Versuche der beteiligten Meister, die Bauarbeiten»vieder in Gang zu bringen. blieben also erfolglos, obgleich es an ihrem guten Willen und ihren Anstregunge» nicht gefehlt hatte. Plötzlich wurden sie mn 23. Juli vor den OberbLrgern»cistcr Stande citiert, der ihnen eröffnete, wenn sie an» 25. Juli die Arbeit an den Kaserucnbantcn nicht»vieder hätten aufnehineu lassen »verde der Magistrat das Werl auf ihre Unkosten durch andere Unternehmer, die nicht der Innung angehörten, fortsührcn lassen. Sie selbst könnten sich leicht helfen,»venu sie aus der Jnmmg aus- treten werden, denn der Streik richte sich nur gegen die Innung, nicht gegen die Banuntermchnier iin allgemciuc». Sie sollten alich bedenken, daß ihre geschäftliche Ehre auf dem Spiele stehe hinsichtlich der Vergebung späterer städtischer Arbeiten. Der Stummiche Schlcisstcin verdreht den Vorgang in geradezu haarsträilbender Weise; nn» die Forderung der Streikenden als nn- gerechtfertigt erscheinen zn lassen und so den Magistrat zu diskreditieren. lügt das edle Blatt gerade unverschänit. Ttzatsächlich liegt die An- gelegenheit so; In» Frühjahr dieses Jahres traten die Maurer von Halle an die Bau-Jnnung mit der Forderung eines Minimal- Stuiidclilohncs von 45 Pf. heran. Die Innung lehnte ab»nid beschloß»intcr Wider- spruch des Gesellenausschiisses, einen Maxiinallohn von 45 Pf. au zahlen. Da teilweise der Lohnsatz schon»vesentlich böher war, forderten die Maurer»»»»»»ehr 50 Pf., legten, als nicht bewilligt»vurde, di»! Arbeit nieder. Während die außerhalb der Innung stebeiide» Banunternchmer die Forderung einer nach dem andern' bcivilligtcn und auf ihren Bauten die Arbeit wieder aufgenommen»vurde, weigerte die Jninuig sich, Zugeständniffe zu»nachc». Da rief ein I i»>»»» i» g S m e i st e r das GewerbcgerichtalsEiniguiigs- a m t an und vor diesem vereinbarten die Vertreter der Maurer und der Jnmnig: Bis zum 1. April 1900»verde»» 43 Pf. Stniidcnlobn ge- zahlt, von da ab 50 Pf. Während die Maurer sich diesem Schicds- spruch sofort unterwarfen, lehnte die Innung denselben mit 13 gegen 12 Stimmen ab. Tie Ablehnnng kam zu stände,»veil auch Mitglieder abstimincn durften, die Baute!» nicht n»ehr ausführen. Dieser Akt der Mehrheit der Jniiuiigs- niitglicder rief natürlich große Erregung hervor, nicht zum iveuigsten waren die in der Minderheit gebliebenen Meister davon betroffen. Natürlich nnißte man nun befürchten, der Streik würde sich in die Länge ziehen. Da die Kasernenbautcn aber bis z»»»»» 1. Lk- tobcr fertiggestellt werden mußten, stellte der Magistrat den ausführenden Meister» das Ultimatum, die Arbeit biiiiieu drei Tagen in vollem Ilnffauge»vieder aufzuuehmcn, lvcim nicht, würden die Baute»» au die Konkurrenz vergeben»Verden. Nunmehr allerdings krochen die JiiniliigSineister zu Kreuze und wollten den Echiedsiprulb des Gelverbegcrichts annehmen, die Maurer aber vcr langten 50 Pf. und erhielten sie mich. Von Belästigungen Arbeitswilliger ist gar keine Rede. Sogar der Leiter der Hallclchcn Polizei, Ober-Poki'zei-Inspeklor Wey de- m an», hat dem Vorsitzenden der Streilkvnl»nission gegenüber seine Anerkennung über das korrekte Verhalten der Streikenden aus- gesprochen. Das ist die Wahrheit. Die«Post' und die übrige Scharfmacher- presse verkehrt sie freilich so ziemlich in das Gegenteil. Dem Stumnischen Schleifstein ist«ine„offenere und nnvcrhülltere Unter- stütz, ing der Streikenden" kaum denkbar.„Bei einer Sackilage, wie hier", so sagt daS Blatt.„Ivo die Streikenden so vollständig nn Unrechte sind, sollte die Stadtverlvnlti»»g den bedrängten Vanmitcr- nchmcrn eher beistehen." Die Strcikcildcn sind nur im Uurcchre, »veil es der»Post' beliebt, zur höheren Ehre dcS KapitaliSinuS zn verdrehen»nid zn s ch>v i n d e l n. Die Hollesche Bau-Jiminig hat eine Bcschivcrde gegen den Magistrat un die Regierung gerichtet und der Minister des Innern hat bereits Bericht eingefordert. Man kann gespannt sein, ob der Magistrat»vieder,»vic im Falle der Bismarck- rede, einen Rüffel erhält. Wir fühlen keinen Beruf, den Magistrat zu Halle, dessen Mit- glieder sich bei jeder Gelegenheit als wütende Bekämpfcr unserer Partei ausspicleii, zu verteidigen,»vir niöchtcn aber vorbeugen, daß dieser Fall, der so eklatant die Arroganz des Unteniehmerilims be- »vcist, in irgend einer Weise für die famose Zuchthausvorlage aus- gebeutet»verde» könnte.»vaS. wenn die Version der„Post' un- »vidcrsprochcn bliebe, leicht möglich»väre.— Tic Wahlen zniu oldcubnrgischcn Landtage sind auf den 17. Oktober d. I. ausgeschrieben worden»nid die Vorbereitungen hierzu seitens uusercr Genossen sind im Gange. Der oldciiburgische Landtag»vird bekanntlich nur durch eine Kammer gebildet und be- sieht aus durch indirekte Wahlen berufene Abgeordnete. Auf je 500 Einivohncr»vird ein Wahlmnnn gclvählt. Die Gemeinden bilden die Wahlbezirke, in denen die bestimmte Anzahl Wahlmänner »nit einfacher Majorität gclvählt»vird. Die so gclvähltcn Wahlmänncr treten dam» in einem Wahlkreis zusammen und ivählcn die auf den Wahlkreis entfallende Anzahl Abgeordneter. Ans je 10 000 Einivohncr kommt ein Abgeordneter. Im 4. Wahlkreise sAmt Jever mit den an Wilhelmshaven grenzenden Gemeinden) hat nun die Socialdcniokratic einige Aussicht, die Majorität der Wahlmäi»ner zn gewinnci». Sollte diese Hoffnung in Erfüllung gehe», so lvürde» die vier ersten socialdemokratischei» Abgeordneten in den olden- bnrgischen Landtag ziehe»».—_ Dritter Zionistcn-Kongrcß. Ans Basel, den 1ö. August,»vird uns berichtet: In der heutigen Sitzung enllvarf Dr. M c n s ch e I- Bilkoiuina ein trauriges Bild von den socialen Zuständen der Juden in Galizicn. Rußland und Rumänien seien aeac» Gali.sicn die reinen Eldorados. Die Juden Galiziens gehören in ihrer überwiegenden Mehrheit dem Arbeiter st an de a>». Die sociale Lage dieser Arbeiter spotte aber jeder Beschreibung. Die Leute gehen in Lunchen gehüllt und haben kau»»» den Unterhalt, eine» Tag zu überlebe»».! ES sc» statistisch nachgeivicscn, daß in Galizien jährlich 6000 Menschen durch Hunger sterben. Student Mo tzkin-Bersin tadelte eS, daß das Bankkonntee den Beschluß des vorjährigen Kongresses: die Kolonisation dürfe i»ur in Palästina und Syrien vorgenommen werden, verletzt habe. Das Bankkoi»ntee habe bekannt gemacht: die Kolonisation könne in Palästina, Syrien und in jede»» anderen Teile der Welt vor- aenomlnen werden.(Lärm, heftiger Widerspruch.) Er müsse außer- dcin den» Aktionskomitee den Vorlvurf der Ueber treibung mache»».(Lärm.) Herr Dr. Herzl habe in erner Rede in London den Glanbcn cnvcckt, als könnte Palästina in den nächsten zivei Jahren von den Juden gewönne»»verde».(Furchtbarer, lang an- dauernder Lärm. Rufe Das ist nicht»vahr! Schluß I Schluß I) Der Redner wandte sich ferner unter großem Beifall und Lärm der Versammlung gegen die Diktatur des Aklioiiskomitces. Dr. Herzl, mit stürmischem Beifall mrd Hochrufen begrüßt, führte in. längerer Rede aus, daß dem Aktionskomitee die galizischen Zustände sehr»vohl bekannt seien. Da das AllioiiSkomilce c§ ab- lehnen zn»nüffen glaubte, diese Zwistigkeitcn zum Gaudinm der Gegner öffentlich ausznfechtcn. so habe das Aktionskomitee ans die galizischen Angriffe einfach nickst gcantivortet. Im»vcitcrcn sei den» Aktionskomitee der Vorlvurf gemacht ivorden, daß dic Knltnrfrage in dem Rechenschaftsbericht nicht genügend betont ivorden sei. Wem» damit die BekcnntniSfrage gcmcmt sei. so bemerke er, daß das Aktionskomitee es grundsätzlich ablehne, zu der BckeimtniSfragc Stellung zu nchme»».(Stürmischer Beifall.) Damit handle das AktioilSkonntee»vic die Rabbiner, die bei ihre» Znsltzilmcnklniftcii jede religiöse Diskilssion grundsätzlich auSschließei». iStlirinischer Beifall.)„Wir achten jede religiöse ileberzengung.(Stürmischer Beifall.) In der Zionistischen Bereinigung haben' alle religiöse» RichNingen und alle politischen Parteien Platz.(Stürmischer Beifall.) Wir sind nationalc Juden(Stürniislher, lang anhaUeiider Bei fall)»nid»vollen alle Juden ohne Ausnahme im» uns scharen, die gewillt sind, uns in unseren Bestrebniigen zu»Mtcrstützen.(Stürmischer Beifall.) Angesichts der großen Aiijcindungcn. die der Zionismus zn erdulden hat. habe ick» es für angezeigt gehalten, in London eine für den Zionismus günstige Mitteilung zu' machen. Ich hielt mich dazu vollständig berechtigt. Ick» laiin jede religiöse und politische klcbcrzenguiig begreifen, ich muß es aber als unerhört bezeichnen. »vem» voi» Inden gegen Juden derailige, vollständig haltlose Bor- »vürfc erhoben»verde». Kuslaud. TranovaakkrtsiS. Eine Antivort Krilgcrs auf ChainbcrlainS Vorschlag ist noch nicht eingetroffen. Unterdessen»vird die Haltung der englischen kapitalistischen Presse»m»»cr kriegslustiger, und es erschein» nach ihren neuesten Auslassungen fast zivcifelhaft, ob selbst das»veitcste Entgcgenkomnicn der Transvaal-Regicning den nach dem Besitz der Goldnimcn Transvaals lüsternen englischen Kapilalisimis»och zn Versöhnen vermag. Fast alle größeren englischen Blätter, von der famosen»Daily Mail", dem„Daily Graphic"»nid de»»„TiwcS" bis zur„Morning Post", dem„Standard",„Obscrvcr" usiv. gefallen sich darin, imintcr zum Kriege zu Hetzen»iid die lächerlichsten Mit- tcilungen über angebliche gehcinie KriegLadsicktten der Buren zu kolportieren. Sogar der nach einer telcgraplnscbeii Meldung von Krüger in» Fall derAnnnhincdcS Chaknberlainschci» Vorschlags beabsichtigte Bor- behalt, daß bei der Ziismnmeiisetziing und den Verhandlungen der Kommission die so oft englischcrscitS betonte Nchtnng vor der inneren Selbständigkeit Transvaals gcivahrt bleibe,»vird von einigen der führenden englischen Organe' als» I m p c r t i n e n z" der Bocrcn bezeichnet. Unter diesen Uniständen lohnt es sich, einen Blick auf die Vcr- »valtungsznsläude dcS benachbarten englischen R h o d e s i a zn lverfc». i» welchem alle an der Bcrwaltuiig Transvaals gerügten Uebcl- stände i» noch ivcit höherem Maße vorhanden sind. In den gesetzgebenden iliar dieses Landes ernennt die süd- afrikniiisckie Gesellschaft des C. Rbodes nicht»vcnigcr als 7 von 11 Mitgliedern, so daß sie thatjächlich umunschränkt regiert. Dieser Rat Hai jüngst den Enuvupf eines Zolltarifs ausgearbeitet, zn dessen Kemizeichiluiig die Thatsache genügt, daß viele der notlvcndigstcn Lcbciisnilttel darin schivcr bcsleucrl»verde»», Ivähreud Braimttvein rax- frei cnigesührt»verde»» darf. Diese Maßregel erklärt sich anS der Rücksicht ans die großen Schnapsbrcinicr des Kaplaiidcs, welche aus die Politik Einfluß üben. Der Zolltarif bedurfte,»nn Gesetz zu »verde»», der Zusliminnng des Obcr!omn»issar§ Sir Alfred Milnct in Kapstadt. An ihn»oandtcn sich daher die rhodcsischen Haiidelskainincrn niit der Bitte, den Tarif nicht zu genehmige». Sie hoben hervor, daß dic Zölle auf Lebeiisniitrel bei den enorme» Transportkosten zu schivcr scici»; daß dagegen, bei der bekannten vernichtenden Wirftnig des FcncrivnsicrS ans die'eingcborencnRasicn.diestcnerfrcieEiiislihr von Spirituosen höchst gefährlich sei. Milncr hat rrotzdcm das Zollgesctz ohne jede Acnde rung ratisiciert, und es ist also in Kraft getreten. Ans erner neulich zu Salisbury in Rhodcsia abgehaltenen großen Bolksvcrsaininlung bezeichnete einer der Redner ganz richtig das rhodesische Volt als Uitlanderö"; berechtigte»Burghers" sind nur die Herren von der Tompany.— bestreich-Nngarn Nationale Demoustratioucu»»ld kein Ende. Vor dem Restaurant Stalchner in Wien, in welchen vor kurzem ein Sokol- fcst stcittgcftnidc»» hatte, sanimelten sich in der vergangenen Nacht zahlreiche Deutschnationale an und brachten Psnirnfe a»is Stalchner ans. Es kam zu einem Hai>dgen,cnge mit dein Personale des Restnnraiits. Wachmannschaften zerstreuten die Demonstranten und nahmen mehrere Verhaftniigen vor. (siegen die Erhöhung der Verzehrnngöstcucrn, besonders der Zuckcrsteucr. babcn in den letzten Tagen»vieder in verschiedenen Ortschaften öffentliche Kniidgebiingen stattgcsundcil. Zu einer großen Dciiioiistralion kau» es in der nordböhniischen Stadl Ariiau. lieber tausend Personen versanimelien sich auf dem Ringplatz der Stadt und zogen dann in lange»» Zuge, an dessci» Spitze Kinder Zucker- hüte mit der Aufschrift'»§ 14" trüge»», durch die Straße»». Tpa»»ie». Zusammenstöße zwischen Fretdcuker und Klerikalen. Die Internationale Korrespondenz"»neldet aus Madrid: �»Die seitens der Regierung veranlaßtci» Erhebungen über die Ursachen der in den letzten Wochen in Salamanca, Castellon und anderen Städten stattgehabten Känipfe zwischen den Kirchlich-Strcnggläilbigen»nid den Freidenkern haben ergeben, daß die erste Vermilassuiig durch den propagandistischen Uebereifer der Brüder- chaft vvin Herzen Jesu gegeben wurde. Auch haben dic ört- lichcn Behörden jener Städte fast' ausschließlich gegen diesen Orden Stellung genomnieii. Dic Regierung hat daher die weiteren öffentlichen Aufzüge des Ordens untersagt, doch ist auch gegen ctiva 20 Frei- dcnker Anklage»vegen Gclvaltthätigkcit erhoben ivorden.' Das Verhalte»» der Mönchsorden ist nur der äußere Anlaß zu den in letzter Zeit in verschiedenen Gegenden Spaniens entstandenen "usammenstößcn zlvischen den sogen. Freidenkern und Katholiken. ;cr tiefere Grund der Zwistigkeitcn liegt in politischen Gegensätzen. Die Freidenker sind zumeist radikale Republikaner, die„Streng- gläubigen" Anhänger des gegenwärtigen reaktionären Ministeriums Silvelä-Polavieja-Pidal.—' Portugal. lieber dic Pest in Oporto wird der„Köln. Ztg.' aus Lissabon telegraphiert: Der Ausbruch der Pest in Oporto mit seinen Folgen, die für die Gesundheit und dic Handelsverbindiiugei» so vcr- hängniSvoll»verde» können, erregt hier nicht nur Bestürzung. sondern auch Empörung,»veil in unzweifelhafter Weise fest- gestellt ist. daß die Behörden bereit« seit wenigstens 14 Tagen ganz genau darüber unterrichtet waren, daß sie eS mit patho» logiichcn Pestfällen zu thun hatten. Indem man unverairtlvortlicher- »vcise den Ausbruch der Pest verheimlichte, ve»-zichtcte nian auf die besten und allein wirksamen Mittel zu ihrer Bekämpfung in den ersten Ai»fä»gen. und so ist jetzt in Oporto ein Pestherd entstanden, für de» die portugiesischen Behörden und ihr durch nichts zu entschuldigendes Verl'uschuiigssystem die Verantwortung tragen. Auch in Lissabon sollen bereits einige Pestfälle vorgekommen sein, die aber bis jetzt noch von den Behörden zu verheimlichen gesucht werden.— Amerika. Bou» Rotstmld auf Portorico. Die»Franks. Ztg." meldet aus Neiv Aorl: Geireral Davis telegraphiert, die Zahl der Um- gelontmencn auf Portorico sei 2000. Die Regiernng sendet weitere Lcbcnsntittcl dahii».— Ästen. Von den Philippinen. Wie der„Voss. Ztg." aus London geineldet»vird, griff einer Manilaer Drahtung des„Bureau Laffan" zufolge Oberst Smith»nit zehn Coinpagnien Infanterie und zwei Kanoncn am 16. August 2500 Filipinos an. die univeit Angeles eine starkverschauzte Stellung innehatten. Die Insurgenten wurden nach heißem Kampfe geschlägen»nid zerstreut, worauf die Amerikaner Angeles besetzten. Zniei Amerikaner»vurden getötet, 12 ver- wimdet. Der Verlust der Filipinos wird auf 200 Tote und Ver- »vundctc geschätzt. Die Meldung klingt in dieser Form recht unwahrscheinlich und bedarf entschieden der Bestäkigimg. Die In Neuues. Dounerstag-Titzuug des Kriegsgerichts»vird um C'/e Uhr ohne Zivischenfall eröffnet. General Noget fährt in seiner Zeugenaussage fort. Er»virft Picquart vor, für die Ucbcrivachung Henrys und Frau Pays Geld ausgegeben zu haben, beschuldigt ihn ferner, ohne ordnungsmäßiges Mandat und ohne vorgängige Mitteilung an den Minister gehandelt zu haben. Rogct verurteil» alsdann das Privatleben Eslerhazys, erllärt aber, Esterhazy sei nach seiner Ansicht das Opfer niederträchtiger Ver- solgnngc»». General Roget erivähnt den Ztvischenfall Guenelli in Bclfort, wirft Picgnart vor, daß er fälschlich eine Spionage-Affaire konstruiert und ciiicn falschen GneneLi habe verhaften lassen. Das Individuum, welches Picquart z» diesen» Ziuecke verivandte,»vurde thatsächlich zu drei Jahren Gcsängiiis verurteilt'und zluar, nachdem Picquart dc>» Richtern geheiine Schrift st ücke»nitgeteilt hatte. Rogct bestehr darauf, daß sich DreyfuS in ver- schicdenci» Bureaus zu schaffen machte, um sich Informationen über eine Mobilisation zu verschaffen. DreyfuS sei nur einmal zur P r o v c mit fingierte»» A r b e i t e>r beauftragt»vorde»». Ans dic Frnge Tcmangcs äußcrt sich Rogct über die Rolle d u P a t y d e C l a n> s. spricht von dessen Maßnahmen zur Warnung Estcrhazys vor dem Feldzuge. der gegen diesen vorbereitet»vurde, lind erinnert an die verschiedenen mit.Spcranza" gezeichneten Briese, von denen Rogct glaubr, du Paty de Clan» sei, wenn nicht ihr Urheber, so doch»venigstenS deren Anstiftcr. Obgleich er lein Freund der Jntervenlioii du PattzS zu Gunsten Eslerhazys sc», so erblickt Roget darin doch»ichrö Tadelnswertes. Du Paty Hab« eben Esterhazy für unschuldig gehalten. Zeuge weiß nichts von«schritten Estcrhazys bei einem Agenten, »IN» von diesem eine Erklärnug zu erlange», daß er au dieser Affaire keinen Teil habe. Trinnuge bedauert die Ablvcseuheit LaboriS, der an den Zeugen Roget nützliche Fragen hätte nchtcn können. Rogct entgegnet Deinange. für eine» Unschuldigen wäre der Schritt Estcrhazys bei dem Agenten A. sonderbar gcweseit. Tcmauge»nackit hiermit verschiedene Bemerlungen hinsichtlich de?„Petit bleu' und in betreff der an der Unterschrift ans diesen» Schriftstücke festgestellten Ätadierung. Rogct gicbt zn, daß dic Radierung de» Zivcck haben konnte, da§ Petit bleu" verdächtig zu macbcn. Te»iai»gc betont den Umstand» daß dic Radierung erst vor- genommen sein kann, nachdem das«Petit bleu" sich nicht mehr in den Händen Picquarls befand. Rogct erividert. außer der Radierung selbst sei ihm nichts Gc- nancS bekannt, wem» aber der Fälscher Picquart hätte kompro- mittiereu wollen, lvürde er dafür gesorgt hqbci», daß die Fälschniig entdeckt»verde, sie sei aber erst gelegentlich seiner— RogetS— Enquete entdeckt worden. Zeuge erklärt hierauf, er habe es von dem Gericht, das Estcrhazyci Sache aburteilte, und von Letztere»» selbst gehört, daß»hm LEE(100 Franks angeboten wurden dafür, daß er sich als den Urheber des Vvrdcreaus bekenne. Temange erklärt, Iveiu» Esterda zh ein Agent der Familie Dreysus gcivesen»väre, hätte er nicht»medcrholt Dinge geschrieben, welche geeignet ivarcn, der Sache des Verurteilten zu schaden. Rogct entgegnet, auf Esterhazy ist nichts zu geben; dann, gegen Dreysuö gcivcndct fügt Zeuge hinzu: Wen» er eines Verrats angeklagt»väre, den er nicht begangen hätte, so »vttrde er Rrgumentc zu seiner Verteidigung schon finde»! (Lärin im Hintergründe des SaaleS.) Warum leugnet er Dinge, die durchaus feststehe»? ruft Roget anS. Ah! sagt Dcmange, vieldeutig lächelnd. TreysnS erhebt(ich und ruf» mit lauter Stimme: Ich habe ntcmalö eine» KonzrntrationSpla»« oder einen Mobilificrungs- plan auf eine Karte gezeichnet; ich habe auch niemals von einem KonzcutricruiigSpla» und von der Verteilung der Truppen auf die Departcnicnls Kenntnis gehabt. Man»nuß sich darüber verständigen, »vaS es heißt, die Konzentrierung in ihren großen Zügen kennen oder die Konzculricrnng in den Departements kennen. Ich behaupte, daß ich den KonzciitricrungSplni» in den Details nicht kannte. Mas die Thatsache» anlangt, über die man Sie gestern hier nntcrhaltci» hat, so ist auch nicht eine richtig: es sind nichts als Redereien. (Bewegung.) Im lveitcren Verlans der Verhandlung wird der Untersuchnugörichtcr BcrtuluS als Zeuge vernommen. Bertulns erzählt, daß er dem Konnnan- danten Rnvary erklärte, es sei notivendig festzustellei», daß das»Petit bleu' eine Fälschung und daß diese Picquart zuzuschreiben sei; doch sei sein Rat nicht befolgt worden. BcrtulnS»vicderholt dann seine vor dem KasiatioiiShofe abgegebenen Erklärungen, legt dar,»vie Picqnart fein Vertrauen gcivann und Esterhazy sowie du Paty de Cla»n deunncicrte. Ter Zeuge berichtet dann ausführlich über den Verlauf seiner Untersuch»»»»»»nid schildert den erschütternden Auftritt, der sich in seinem Kabinett niit Henry abspielte. (Die Witttve Henrys scheint durch diese Schilderung sehr erregt zu sein.) Bertulus erzählt, wie Henry zu ihin kam, um verschiedene Dokumente zu holen. Er(Bertulns) habe Henry dann gewisse Schriftstücke gezeigt,»vclche für Esterhazy und du Paty de Clan» be- lastend gcivcsc» seien»nid andere Schriftstücke,»vclche den Glanbcn erivecken konnten, daß Henry der Mitschuldige Estcrhazys sei. Henry habe hierauf die größte Aufregung gezeigt und »vcincnd ihn(BertulnS) flehentlich gebeten, ihn zu retten und hinzugefügt, daß Esterhazy ein Bandit sc». Ich sagte dam» zu Henry, so erzählt Bertulns»vciter, Esterhazy ist also der Urheber deS Vordcreaus?»vorauf Henry nicht ja noch nein sagte»nd sich damit begnügte, zu crtvidcr»: Dringen Sie nicht weiter in mich, dir Ehre des HeereS ist wichtiger akS alles andere. Bertulus versichert an» Schlüsse seiner Aussage energisch, daß er an die Unschuld deS Dreysus glaube.(Sensation) Er behauptet, ferner, daß das Bordereau in drei Stücke, nicht in viele kleine Stücke zerrissen»vor. Die Unschuld dcS Dreysus. erklär» BcrtuluS weiter, gehe aus den Schriftstücken hervor, die er gesehen abe. ober besonders habe ihn stutzig gemacht, daß kein Motiv erkennbar sei, n>clches Dreysus hätte bcwcgcil konneu, daS Verbrechen zn begehen. Es gebe aber kein Verbrechen ohne Motiv.(Sensation.) Wenn ich versichere, dnst DreyfuS unschuldig ist, schließt Bertulus, so erfülle ich damit eine Pflicht, und zwar eine unabweiSliche Pflicht. Die Sitzung wird hierauf unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung nimmt Frau Henry. welche neben Bertulus hingetreten ist, abermals das Wort und erklärt: An jenem Abend, als mein Mann mir er- zählte, er sei von Bertulus in liebenswürdiger Weise empfangen worden, drückte ich ihm gegenüber Zlveifel aus an der Aufrichtigkeit des Untersuchungsrichters. Ich sagte zu meinem Man»:„Ich fürchte, sein Uns) war ein Judaskuß!"(Lebhafte Bewegung im Saale.) Nun, ich habe mich nicht getäuscht, dieser Mensch ist ein Judas! wie ich vorausahnte. (Große Aufregung im Zuhörerraum.) Sodann erklärte die Zeugin es fiir falsch, daß alle mit dem Bordcrau gleichzeitig ein- gelaufenen Schriftstücke zerrissen waren. Es seien oft unzerrissene Briefe eingelaufen! die Behauptung Bertulus, daß alles zerrissen eingelaufen sei, wäre falsch.(Andauernde Bewegung im Auditorium.) Vertuluö erklärt, er wolle einer Frau nichts darauf erwidern, worauf Frau Henry in höchster Wut antwortet: Hier handelt es sich nicht um eine Frau; ich spreche im Namen des Oberst Henry!(Lebhafte Bewegung.) Bertulus beschränkt sich darauf, zn erwidern, er könne Fran Henry, welche den Namen eines Toten und den eines Kindes verteidige, nichts erwidern.(Erneute langandauerndc Bewegung im Saale.) Es folgt die Vernehmung Picqnarts, die im Saale lebhafte Neugierde erweckt. Piegnart erklärt, er könne sich des von Dclaroche- Vernct angeführten, von einer italienischen Dame geschriebenen Briefes, in welchem der Name Drcyfus zwei- mal vorkomme, nicht entsinnen. Er erinnere sich nur, daß Oberst C ordicr ihn vor dieser Dame gewarnt habe, weil dieselbe äußerst romantisch sei. Piegnart verteidigt sich gegen die Verdächtigung, daß er irgend ein Schriftstück aus den Drcyfnsakten beiseite geschafft oder sich bemüht habe, an die Stelle des wirk- lichcn Urhebers des Bordereaus einen anderen Offizier zn setzen. Piegnart erzählt, daß Drcyfus in der Kriegsschule sein Schüler gewesen, und spricht dann über die Umstände, unter denen er von dem Verrate, von dem Borde rcau und von der durch die Angelegenheit im Ministerium hervorgerufenen Erregung Kenntnis erhielt. Er gicbt zn, daß das Bordercan eine Achnlichkcit mit der Schrift des Dreysus zeige. Der Zeuge geht hierauf aus die näheren Umstände bei der Verhaftung des Dreysus ein und betont, daß er in den Schriftzngcn des Diktats, daS D r e y f n s habe schreiben müssen, keinerlei Unruhe gefunden habe. Außer dem Bordercan habe eS nichts, absolut nichts gegen DrcyfnS gegeben. Im weiteren Verlaufe seiner Aussage erklärt Piegnart dann, der Glaube, daß der Bericht Ormeschcvillcs wenigstens zum Teil von du Paty de Clam inspiriert worden sei. Er, Zeuge, habe nicht geglaubt, daß Drcyfus verurteilt werden würde, weil die Beweise ungenügend gewesen seien. Bis nach dem Prozesse habe er von dem Inhalt des Geheimakten- stückcS keine Kenntnis gehabt, ebensowenig habe er von Lebrun- Renault gegenüber gemachten Geständnissen etwas gewußt. Er habe seine Schritte zu Gunsten des Drcyfus erst begonnen, als er die Aehnlichkeit der Schrift Esterhazys mit der des Bordcrcaus bemerkt habe. Piegnart greift hierauf du Paty de Clam an und verlangt, mit ihn» konfrontiert zu werden. Zeuge bespricht dann in längerer Ausführung das Bordercan, das im Oktober angefertigt worden sei, also zu einer Zeit, zn welcher DreyfuS die Dokumente, betreffend den Trnppcnbederkungsplan und betr. die Note über Madagaskar nicht habe ausliefern können. llebrigcns hätten die fremden Attaches. die bislveilen in das Bureau gekomnien seien, die Note in Abivcscnhcit des Sekretärs selbst nehmen können. Zeuge hat nicht gesehen, daß Dreysus das geringste Dokument abgeschrieben habe oder habe abschreiben lassen. Die Abteilung, in der man hätte suche» müssen, als das Bordercan entdeckt wurde, sei diejenige dn Paty de Clams gewesen, wo man sich mit den im Bordercan aufgeführten Schriftstücken beschäftigte. Picquart führt schließlich verschiedene, von du Paty de Clam begangene Ilnrcgclinäßigkciten an und wirft demselben vor, das Datum des Bordercaus vorgerückt zu haben, um eine disciplinarische Bestrafung zu vermeiden. Die weitere Vernehmung P i c g u ä r t s wird hierauf auf morgen vertagt und die Sitziuig ohne Zwischenfall ausgehoben. »* » Die Stimmung in RcnncS. lieber die durch den Mordanschlag auf Labori in Ren nes hervorgebrachte Stimmung schreibt uns unser Bericht- erstatter unterm lö. August: Seit gestern herrscht überall in der Stadt die größte Auf- regnng, besonders in den Hotels, wo in großer Zahl die Joimialistcii aller Richtungen und die wichtigsten in die Affaire Dreysus vcr- wickelten Persönlichkeiten abgestiegen find. Ich schrieb Ihnen schon früher, daß maii sich in gewissen Hotels bald schlagen ivürde. Das infame Attentat auf Labori hat das Signal zum Kanipfc gegeben. Gestern abend wurde Arthur Meyer, der Direktor des„Gatilois", aus dem Hotel gejagt, und es ging dabei nicht ohne Püffe ab. Man ergeht sich iir Bermiltungen über die Leichtigkeit, mit Ivclchcr der Mörder Laboris entfliehen konnte. Einige gehen so weit, die Polizei der Nachlässigkeit und sogar der Mit- schuld anzuklagen. Der vom Minister des Innern nach RenneS gesandte Specialkommissar Hcnnion hat sich jedoch sehr bemüht und tritt in keiner Weise feindlich gegen die sogenannten Drehfusards an. Das gilt jedoch keinesfalls von dein gegenwärtig ebenfalls in Nenncs befindlichen Direktor der Abteilung für die all- gemeine Sicherheit. Dieser ist ein wütender Antisemit; auch steht er in gewissen Kreisen, in denen man ihn feindlich behandelt, im Gerüche der Heiligkeit. Wenn der Mörder nicht ergriffen wird, so wird man den Polizcidirektor wahrscheinlich ver- antwortlich machen und die Bestrafung für seine Nachlässigkeit sowie die gewisser ihm unterstehender Beamten fordern. Die Offiziere aller Waffengattungen behalten ihre skandalöse Haltung bei. Der Oberstlieutenant der Gendarmerie hat Reden ge- halten, die von: Publikuni streng verurteilt werden. Ein Hauptmann hat in gleicher Weise erklärt, es iväre um so besser, wenn Labori tödlich getroffen worden wäre. Ein seltsamer Zufall fügte es, daß dieser selbe Hauptmann damit beauftragt wurde, den Mörder mit Soldaten zu suchen, und er hat auch das in den umliegenden Ge- hölzen veranstaltete Treiben kommandiert. Personen, die von der Affaire DreyfuS nahe berührt werden, kameir heute früh zusammen, um sich über die Mittel zur Ver- teidigung zu beraten. Thatsächlich hatte man gestern den Eindruck. daß DreyfuS nicht verteidigt wurde. Die Zeugen verwandelten sich in öffentliche Ankläger und Demange, der durch das an seinem Kollegen Labori verübte Verbrechen sichtlich erregt ivar, ließ es offenbar an einer genügend kampffrohen Haltung fehlen. Nm den llnschuldigen zu retten, mutz man die Generale, die ihn verderben lvollen, angreifen und niederreißen. Nun hat Demange keine Eigenschaft, die zu einer solchen Aktion notwendig ist. Mail muß bei dieser Sache den Kampf für die Republik führen und Front gegen den Militarismus niachcn, indem man auf seine Verbrechen hinzeigt. Demange kann dies nicht thun; eiirerseits fehlt es ihm an Temperament, und dann hat er im Grunde sehr tiefe reaktionäre Neigungen, auch Neigungen für den Militarismus, da er der Schwiegerlohn eines Generals ist. Hierzu ist ein junger und frischer Verteidiger nötig, der mit lebhaftem Geiste und kampffrohem Mute den Haß gegen die Ungerechtigkeit, gegen das Vorurteil und gegen den Geist der Vcrgaitgenhcil verbindet._ Berantwortlicher Rebacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Ins» Da Labori fehlt, so beschäftigt man sich damit, einen Ersatz für ihn zu finden, und das ist der Grund für die Zusammenkunft, von der ich oben gesprochen. Doch noch ist nichts verloren und die Acrzte hoffen, daß Labori sehr bald wieder auf dem Platze sein wird. Ucber die Prozcßpraxis urteilt, vielleicht offiziös, die„Kölnische Zeitung" sehr scharf. Sie weist darauf bin, daß bei den Zeugenaussagen„die er- drückenden Beweisgründe der meist beteiligten Ausländer, die Erklärungen des deutschen Staatssekretärs von Büloiv, das Ehrenwort de? preußischen Oberst von Schwartzkoppen und die Erklärung des italienischen Botschafters Grafen' Tor nitelli, wonach Schwartzkoppen bekundet hat, daß Esterhazy ihm die im Bor- dereau aufgezählten Stücke geliefert habe, mit verletzender Nicht- achtung beiseite geschoben und der Unwahrheit verdächtigt wird." Da man Frankreich nicht die Schmach anthun könne, zu glauben, „daß alle diese Zeugen, Männer, die die höchsten Staatsstellen bekleidet haben, meineidige Schurken sind, so kann man sich ihr hartnäckiges Verschließen vor offenkundigen Thatsachcn nur durch ihre feste Ucberzeugung erklären, daß die ihm Vordercau auf- gezählten Stücke notivcndigerlveise von einem mit den Dingen genau vertrauten Gcneralstabsoffizicr, nicht aber von einem Frontoffizicr, wie der damals in Ronen als Bataillous-Kommandcnr stehende Esterhazy war, mitgeteilt worden sein konnten. Ist diese Erklärung ihrer Haltung richtig und vertraut man in diesem Punkt ihrem technischen Urteil, so mußten sie doch notwendigeriveise zu dem Schlüsse kommen, daß, angesichts jener offenkundigen Thatsachcn, Drcyfus dieser Gcneralstabs- Offizier nicht sein konnte, und ihre Pflicht war, nach einem anderen Schuldigen zu suchen. Stellt man die Frage auf diese Art, so drängt sich untvillkürlich der Ver- dacht auf, daß dieser Schuldige der ehemalige Oberstlienteuant im Nachrichtenbnreau Henry sei, der zu dem Verbrechen der Fälschung griff, um die Legende, daß Dreysus den Verrat begangen habe, zu festigen." In der That fällt es schwer, angesichts dieser schwindelnden und flennenden Generäle, dieser sentimentalen Verbrecher, die mit ihren Albernheiten stundenlang den Unschuldigen peinigen, den Ernst zu bewahren. Ter Militarismus hat hier einen Grad von Verkommenheit erreicht, wo die Niedertracht bereits beginnt, komisch zu werden. General Mercier. Den: früheren Kricgsminister Mercier hat bekanntlich ein Journalist Bourdon an: Sonnabend nach der Sitzung des Kriegsgerichts auf dem Hofe„M ö r d e r" zugerufen. Mercier hat von der straf- rechtlichen Verfolgung Bourdons abgesehen. Er schrieb unter den dem Staatsanwalt unterbreiteten Strasantrag: Wegen des schimpflichen Attentats auf Labori und zun: Ziveck der Beruhigung der Gemüter stehe ich von einer Klage gegen Bourdon ab.— Er wird wissen, warum. General Mercier demonstrierte am IS onn abend einen Brie des östrcichischen Militär-Attachlos Schneider, der �versicherte, an die Beziehung Dreysus' zu Deutschland zu glauben. Der„Figaro" ist in der Lage, zu erklären, daß Oberst Schneider seit 18S7 absolut von der Unschuld Drcyfus' überzeugt sei und dieser Ucbcrzeugung ebenso offen Ausdruck gegeben habe. wie der Kaiser von Ocstrcich selbst. Oberst Schneider habe sich sogar selbst bei Schwartzkoppen befunden, als dieser sein berühmtes„Petit bleu" an Esterhazy adressierte. Die Beste Guirin hat sich noch nicht ergeben. Die„Franks. Ztg." schreibt von dem Helden:„Vor einem Jahre etwa gründete der Freund Drumonts und Herausgeber des„Antijuif", Jules Guerin, eine Antiscmitcn- loge. Er kaufte ein Haus in der stillen Rne de Chabrol und richtete sich hier ein stattliches Waffcn-Arscnat ein, denn Guerin ist nichts anderes, als ein berrffsmäßiger Bravo. ES ist ein offenes Geheimnis, daß er lange Jahre hindurch im Dienste der Polizei stand; er spielte schon eine dunkle Rolle in den Affaircn des Marquis de MoröS und organisierte während der Trcyftls-Affairc die Einbrüche, deren das Nachrichtcn-Bnreau des Gencralstabs zur Zeit des Obersten Henry so oft nötig hatte. Er ist wahrscheinlich auch der einzige Sterbliche, der über das gehcimnis- volle Ende deS Lemercicr-Picard authentische Auskunft geben könnte. Als daS neue Ministerium Wolbeck- Rousseau den alten Polizei- präfekten Blanc absetzte, hatte die„amtliche" Thätigkeit Guörins ein definitives Ende und er setzte nur noch seine privaten Unter- nehmungcn fort. Eine neue Fälschung des Generals Mercier. Der«Figaro" veröffentlicht in seiner heutigen Nachmittags- ausgäbe unter dem Titel„Eine neue Fälschung— Protestatio:: des Obersten Schneider"— einen sensationellen A:tikcl, in welchem er darauf hinweist, daß General Mercier vor dem Kriegsgericht als ein neues Schriftstück einen Brief des Obersten Schneider, des östrcichisch- ungarischen Militärattaches in Paris, vorlegte. Im diesem vom 30. November 1897 datierten Briefe erklärte der östrcichischc Diplomat, daß Trcyfns zn den deutschen geheime» Bureaus in Straßburg nnd Brüssel Beziehungen gehabt habe. General Roget nahm in seiner Aussage diese These des Generals Mercier wieder auf und machte sie gleichsam zur Grundlage seiner Anklage. „Nun. dieses Schriftstück," sagt der„Figaro",„ist eine Fälschung." Der östreichische Militärattache hat nämlich dem„Figaro" folgendes Telegramm gesandt: „Figaro", Paris. Ems, 17. August. Der mir zugeschriebene, vom 30. November 1897 datierte und im„Figaro" vom 16. August wiedergegebene Brief ist eine Fälschung. Oberst Schneider." Der„Figaro" fügt hinzu, daß er diese Depesche des Obersten Schneider dem Präsidenten des Kriegsgerichts in RenneS übersende, der sicherlich nicht zögern werde, die Generale Mercier und Roget zu nötigen. sich bezüglich der Benutzung dieser Fälschung zu recht- fertigen. �,. Paris, 17. August. Acht, der Gruppe der nationalen Vcr- teidigung ungehörige Deputierte, unter ihnen Bcroy. Drumont, La Ferramay's. traten Nachmittags im Palais Bourbon zusammen und beschlossen, stch brieflich an alle Depulierte zu wenden und sie anfzn- fordern, die vorzeitige Einberufung deS Parlaments zu fordern. Paris, 17. August. Freycinet telegraphierte an den„TcmpS". er werde, falls er nicht als Zeuge in dem Renner Prozeß vorgeladen iverde, über die ihn: von Mercier zugeschriebene Aeußcrung, daß auS Deutschland und England 35 Millionen für die Dreyfuskampagne gekommen seien, anderweitig Aufklärungen zcbem_ UÄlvlnmenkÄvifitszes. Nach der gestrige» Plenarsitzung des Zlbgeordncten- Hanfes waren der Reichskanzler und die Minister v. Miguel, v. d. Recke, Thielen, Brefeld und v. Hammerstein zu einer etwa halbstündigen Konferenz im Minifterzimmer zusammengetreten, worauf durch Fürst Hohenlohe ein telegraphischer Bericht über die Sitzung des Abgeordnetenhauses an den Kaiser abgesandt wurde. tcnteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß das Abgeordnetenhaus mitte nächster Woche das vorliegende Material erledigt hat. Alsdann soll wieder eine Pause eintreten, bis vom Herrenhause die abgeänderten Vorlagen eingegangen sind. Das Herrenhaus wird seine Arbeiten am 29. August wieder aufnehmen. Kommissionöbcrichte auS dem Zlbgeortmeleuhanse In der 19. Kommission des Abgeordnetenhauses wind- gestern Abend der Bericht über die Koinmissions- Verhandlungen,:tr. den Entwurf über die G c r i ch t s o r g a n i j a t i o n für Vrrlin festgestellt, ohne daß Veränderungen an den Anfang Juli g"atzten Beschlüssen vorgenommen wurden. Die Kommission deS Abgeordnetenhauses für den Entwurf betr. die Bildung der Wählcrabteilungen bei den Gcmcindewahlcn setzte gestern Abend die zweite Beratung fort. Nach dreistündiger Debatte, in welcher vom Finanzininistcr v. Miguel empfohlen worden war, an dem Beschluß erster Lesung(Antrag Fritzen- Sattler) festzuhalten, wurden bei der Abstimmung zunächst die beiden erste» Absätze des neuen§ 2a,(in Gemeinden von mehr als 10 000 Einwohnern kann durch OrtSstamt bestimmt worden, daß die in§ 1 gedachten Abteilungen in der Art gebildet werden, daß auf die erste Abteilung fünf Zivölstel. auf die ziveite vier Zlvöftel und auf die dritte Abteilung drei Zwölftel der Gesamlsunime der Steucrbeträge aller Wähler fallen. In diesem Falle findet der Z 2 Abs. 1 und 2 keine Anwendung) mit 13 gegen 8(konservative) Stimmen angcnon:n:ei:, Hierauf wurde Absatz 3 (zur Beschlicßnng und zur Aufhebung eines solche» Ortsstatnts ist die Mehrheit von zwei Dritteln der Gemeindevertretung erforder- lich) mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Sodain: wurde der ganze Z 2a(Fritzcn-Sattler) mit 13 gegen 8 Stimmen ab- gelehnt, ebclffo auch§ 2.— Es wurde darauf eine neue Sitzung auf Montagabend anberaumt. Mai: glaubt jedoch nicht, daß in dieser Sitzung noch ein Resultat erzielt wird. Zur LandtagS-Ersatzwahl im Wahlkreise Linden-Hannover, die auf den 16. September angesetzt, ist von einer Parteiversammlung der Genosse Rauch als Kandidat aufgestellt worden. Bei der Haupt- wähl an: 27. Oktober v. I. wurden in diesen: Kreise 105 social- demokratische, 136 nationalliberale, 12 bündlerische und 9 tvelfischc Wahlmänner gewählt._ Eine Rundfrage über die socialistische Taktik. Der Chefrcdactcur der„Petite Repnblique". Genosse Görault- Nichard, hatte in: Einverständnis mit Jaiirss ein Rundschreiben an die hervorragendsten Socialisten aller Länder gerichtet, in denen um Mitteilung ihrer Ansichten über die Taktik der französischen Socialistcn ersucht wurde. Die vorgelegten Fragen lauteten: 1. Darf das socialistische Proletariat unbeschadet des Klassen- kampfprincips bei Konflikten der verschiedenen bürgerliche» Fraktionen Partei ergreifen, um die politische Freiheit zu retten oder, wie in der Affaire Drcyfus, un: die Menschlichkeit zu verteidigen. 2. In tvclchen: Maße darf das Proletariat an der bürgerlichen Gewalt teilnehmen, und steht das Princip deS Klassenkampfes absolut ung in allen Fällen der t e i l>v e i s c n Besitzergreifung der Ministcrialgewalt durch die socialistische Partei entgegen? Befragt wurden u. a. in Deutschland Bebel, Schocnlank, KautSky, Liebknecht, Parvus. Schippcl. Clara Zetkin, Vollmar, Bernstein, Rosa Luxemburg. Singer, in Ocstrcich-IIngarn Adler und DaszynSki. in England Hyndman, Tom Mann, Keir Hardic, Sydney Wcbb, in Belgien Vandcrvelde. Anseelc. Denis, in Italien Enrico Ferri, Turati. Außerdem noch eine Reihe Genossen in anderen Ländern. Bon den bisher eingegangenen Antworten veröffentlicht die „Petite Republique" zunächst die von unserem Genossen Bebel er- teilte. Sie lautet: Werte Genossen! Ich werde meine Antivort auf die Fragen, die Sie mir gestellt haben, Montag emsenden. Ich stimme nicht in allen Punkten mit Ihnen überein, aber doch in den meisten und besonders in den wichtigsten. Sie selbst betrachten ja das„Ministerium Millerand" als einen Zwischenfall, der sich nicht sobald wiederholen wird. Dagegen freue ich mich aufrichtig über Ihre Haltung in der Affaire DreyfuS. Hierbei haben Sie die überwältigende Majorität der socialistische:: Partei Deutschlands auf Ihrer Seite. Ich glaube nicht, daß sich außer Liebknecht drei Personen in unserer Partei finden, die nicht mit Ihnen einoen'tandcn sind. Ich ersehe auS den Zeitungen, daß Sie sich in RenneS befinden. um die Verhandlungen der Affaire Dreysus zu verfolgen. Hoffent- lich wird daS Rcsuliat Ihren Wünschen entsprechen, und Sic werden das Werk, für das Sie so viele Opfer aller Art gebracht haben und für daS Sie mit so bewundernswürdiger Zähigkeit kämpfen, von Erfolg gekrönt sehen. Ich wünsche sehnlich, daß der Nationalkongreß im September das Einverständnis und die Einigung herbeiführt. Wenn eine Uevercinstimmung nicht erzielt w:rd, wenn sich vielmehr die Spaltung verschärft, so würde das nicht nur für die innere Eni- Wicklung Frankreichs bedauerlich sein, sondern auch den nächsten Internationalen Kongreß in Frage stellen. Unsere stanzösischen Genossen müffen alles thun, um zu ver» h'ndcrn. daß sich die peinlichen Zwischenfälle von 1889 wiederholen. Das würde eine beklagenswerte Wirkung ausüben. In Freundschaft Ihr A. Bebel. GemevkMoftlifTzxs. Deutsches Reich. Die Töpfer in Halle streiken seit Dienstag. Sie verlangen eine Aufbesserung des festen Stundenlohnes von 40 auf 43 Pf. und 'iir Accordarbeiler einen Zuschlag von 5 Proz.. ivodnrch sich die Ausstellung eines Stubenofens um 90 Pf. bis 1.50 M. erhöht Häven ivürde. Die Unternehmer lehnten diese gerechte und bescheidene Forderung ab und lcgicn den Gehilfen sogar einen Trutztarif vor, der die Arbeitsbedingungen noch verschlechterte. Daraufhin ließen die Gehilfen die Arbeit ruhen. Freigesprochen wurden in Zwickau einige Maurer von der Anklage, durch Streilpostenstehen groben Unfug verübt, bczw. die Straßenpolizci-Orduung übertreten zu haben. Sie hatten gegen polizeiliche Strafmandate Einspruch erhöbe». I» vier anderen Fällen sollen noch weitere Beweiserhebungen vorgenommen werden. RnSkand. Tic Wiener Holzetui- Nrbeitcr haben nun in sämtlichen Eiui-Tischlcrivcrkstättcn den NcunsNmdeiitag und den Mrnimallohi: bewilligt erhalten, und somit ist der Ausstand in dieser Branche für die Arbeiterschaft günstig ausgefallen und beendigt. Der Ausstand hat vier Wochen gedauert. Die Tischler in Salzburg erkämpften in elftvöchentlichem Streik eine 9>/estündige Arbeitszeit. Ter Streik in der Poldi-Hütte in Kladno(Eigentum der Präger Eisenindustrie-Gcsellscdaft) hat an Umfang zugenommen. Es haben sich den streikende» Arbeitern der Schmelzhüilc und des Walzwerkes die Schlosser. Dreher und die Arbeiter des Hammer- wertes angeschlossen. Insgesamt stcbcu jetzt in der Poldi-Hüttc mehr als 500, in der Adalbert-Hütte 200 Arbeiter im Ausstand. Die Forderungen der Streikenden sind: Achtstündige Arbeitszeit und Ab- schnffung der Lohnabzüge für verdorbenen Stahl. Unterhandlungen in Anwesenheit des Gewcrbe-Jnspektors finden statt. Vetztv Tlttrhvirlzken und Deprs-chrn. Alexandrien, 17. August.(W. T. B.) Ans Lissabon. Oporto ukid Bujhire hier ankommende Schis" werden einer Quarantäne uutcrworfcn.— Hier sind nur noch zwei au der Pest erkrankte Personen in Pflege.______ Bading in Bcrliw pierzu 2 Beilaae» nnd ttntcrhaltungshlat». Br. 192, i6. mm. i Keilliße iles„Mmärts" Kerlilltt WiksillM. � 18 � 1899 AbgeordnetenhAtt-s» 90. Sitz u n g vom 17. August, 11 Uhr. Am Ncgieruug?tische: v. Miguel, Thielen, v. Hammer- st e i n. Die Beratung der Kanalliorlage wird fortgesetzt. Minister Thiele»: Graf Ballestrem hat mir die Acußerung untergeschoben, bei Ab- lehnung der Vorlage könne ich die Verantwortung für einen gc- ordneten Verkehr nicht mehr übernehmen; und er hat binzngcfiigt: dann könne dies ja ein Anderer thun. Ich habe jene Vierte nicht gesprochen, und ich hatte dazu um so weniger Anlast, als. wenn dieser Kanal fertig werden würde, ich wohl überhaupt keine irdische Verantwortung mehr tragen»verde, jeden- falls aber keine Verantwortung ans'einem Amte. Im. Gegensatz zu dem, was Graf Ballestrem mir nachsagt, habe ich überhanpt nicht von in e i n e r Verantwortung gesprochen, sondern — der Minister verliest nochmals seine bezüglichen Worte— von der Verantwortung, Ivelchcj dieses Hans zu übernehme!:, zu tragen hätte, falls es diese Vorlage ablehnte. sBcisall links.) Graf Ballestrem hat Kanäle principiell abgelehnt, aber wir haben doch gerade auch in Schlesien, auch mit dem Oder-Sprie-Kaiial, so gute Erfahrungen mit den künstlichen Wasserstraßen gemacht. Und»venu es sich um einen Kanal für Schlesien handelte, weist ich nicht, ob Graf Ballestrem so ablehnend sein würde. Ich glaube, die Herren ans dein Westen würden auch für einen solchen Kanal eintreten. Lehnen Tic jetzt den Kanal ab— gebaut wird cr doch! (Bewegung im Hanse.) Er ist ein absolutes VcrkehrSbcdürfnis. Solche Argmncnte, wie das von den Vcrkchrsvcrschicbungen, sind jederzeit vorgebracht worden, auch schon zu den Zeiten des grosten Kurfürsten.(Stürmische Heiterkeit.) Durch Verwerfung des Kanals enthalten Sie nur den Segen desselben dem Lande so' und so viele Jahre vor. Das ist die Ansicht der S t a a t s r e g i e r n n g. Im Fortgang seiner Rede widerspricht der Minister ferner den gestern vorgebrachten finanziellen Bedenken sowie dem Einwände, däh der Kanalbau die Landwirtschaft schädige, indem er derselben Arbeiter wegnehme. Gerade in dieser Beziehung sei der Eisenbahnban für die Landwirtschaft viel gefährlicher, weil beim Kanalban vorwiegend mit Maschinen gearbeitet werde. Daß der Küsten-Kanal auch eine nützliche Verkchrsstraste darstellen würde, bestreite er gar nicht, die Hanplintcresscnten für einen solchen Kanal hätten sich aber noch gar nicht gemeldet; das beweist ihm auch, dast der Küsten-Kanal Ivesentlich nur dazu dienen solle, deii Rhein-Elbe beiseite zu schieben. Auch der Lippe- Kanal sei an sich gcivist nützlich, aber das gehe doch nicht an, solche Bedingungen in die Vorlage anfznnchmen zu einer Zeil, Ivo sich die Ressorts mit denselben noch gar nicht einmal beschäftigt hätten. Er bitte daher nochmals dringend um Zustimmung des Hauses zu diesem Knltnrwcrk.(Beifall links. Lachen rechts.) Abg. v. Jazdzcwöti(Pole) legt dar, die Landestcile, die seine Freunde verträten, hätten von der Vorlage keinen Nutzen. Wenn diesen Landestcilcn positive Zu- sichcrnngcn gemacht, ein spsicmarischcr Plan vorgelegt worden wäre betreffend �verbindende Wasserstrasten des Ostens mit dem Westen, oder betreffend Eiscnbahnbauten, so läge die Sache anders. In den Wahlkreisen seiner Provinz herrsche eine totale Abneigung gegen die Vorlage. Compcnsations-Znsichernngcu in der Vo:lage habe� die Regierung— abgesehen von Schlesien— ab- ge.ehnt, und seine Freunde bedauerten deshalb, die Vorlage a b- I e b n e n zu nnisscn. Redner widerspricht dann noch den Be- Merklingen dcS Ministers über die Arbeiterfrage; die Arbciternot sei in seiner Provinz so grast, dast daselbst die reine Ver- z w e i f l u n g herrsche. Minister v. Hnmliicrstei» (bei der llnruhe im Hanse schwer verständlich) legt dar, dast der Kanal die Lnndivirtschaft nicht nur nicht schädige, sondeni ihr sogar imrcrlcniibar nütze. Die östliche Landivirtjchafl habe ja bekanntlich stets Staffeltarife nach dem Westen verlangt; dieser Kanal nnn werde in weit ansgicbigcrcr Weise, als dies die Staffeltarife je vermocht hätten, dem Osten die Verbindung nach dem Westen schaffen. Durch- ans zu bestreiten sei auch, dast ein so gewaltiger Masscnverkehr mit C chleppbahne» besser zu bewältigen sei, als zu Wasser. Es sei dies ii. a. vcriieinl worden, und zwar nach Anstellung sorgfältigster Er- i'ebimgcn und Erwägungen, als es sich in Brcnicn darum gehandelt habe, ob man für Bewältigung des gewaltigen Verkehrs Bremens nach dem Hafengcbict Bremerhaven— Geestemünde Schlcppbahncn zweck- mästig seien oder nicht. Weiter weist Redner, im ciiizclneii wegen der llnruhe fortgesetzt unverständlich. den Einwand zurück, dast es sich hier um ein kapitalistisches Unternehmen handle im Interesse einzelner Jndnstrieziveige. Abg. Wiemcr(frs. Vp.): erklärt die Znsnmmnng seiner Partei zu der Vorlage, betonend, wie hier die Freisinnigen Regiennigspartei seien. Gras Limburg habe bestritten, dast es sich hier um einen agrarischen Widerstand gegen die Vorlage handle. Demgegenüber sei daran zu erinner», wie der Bund der Landwirte ans zweifellos agrarischen Interessen heraus den Kanal bekänipsc und dabei sich nicht gescheut habe, konservatibe Abgeord- ncte förmlich an ihrHörigkcilsvcrhnltnis zu erinnern(Beifall links). Graf Limburg und Rcwvldt hätten sich auf das kanalgegnerische Gut- achten von Landivirtschaftskammern berufen. Was wolle das bc- sagen, diese Kammern seien ja doch heutzutage nichts anderes als organisiertes Agrarie'rtüm(Gelächter rechts). Jawohl! infolge der Art, wie zu den LandwirtschaflSkammern gewählt wird. Auch diese landwirtschaftlichen Kreise werben freilich später einmal anders denken über de» Kanal, sobald sie ihn nur erst haben werden. ES wird ihnen gehen, wie den Bauern in einem badischen Dorfe, die sich erst gegen eine Eisenbahn gesträubt hatten, und die dann später ans eine bezügliche Frage des Grosthcrzogs antworteten: uns Rind- viecher hätte man zwingen müssen!(Stürmische Heiterkeit.) Redner widerspricht dann den finanziellen, ciscnbahnpolitischen Bc- denken der Rechten gcgeii� den Kanal. Uns tröstet m dieser Beziehung vor allem die Thatsache, dast der Finanzininisier selber diese Bedenken nicht teilt. Am allcreigcntnmlichsten ist der Einwand der Herren, dast die Vorlage nicht der Allgemeinheit diene, sondern mir einem beschränkten JntcrcffenkreiS. Wie oft haben nicht gerade Sie Gesetze gefordert und durchgesetzt in dem alleinigen Interesse der Grostgrnndbesitzer, und da waren wir links cS, die Widerspruch gegen solche Gesetze erheben mnstrcn(Sehr richtig! links, Unruhe rechts). Und da wollen Sie jetzt diese Vorlage ablehnen, weil sie nicht der Allgemeinheit diene!(Beifall.) Dabei handelt es sich hier niii ein Werl, welches thatsächlich den allgcnicinen Verkehrsinteresscn zn dienen bestimmt ist. welches unsere gesamte volksivirtschaftlichc Enrwickluug fördern mnst. Merkwürdig ist ferner das Verhalten der konservativen Partei gegenüber den Mitteilunge» der Heeresverwaltung. Im Reichstage sagen Sie, dast man sich bei allen technischen Fragen dem Urteil der Heeresverwaltung fügen'müsse, und hier!(Gc- lächtcr rechts.) Jht Gelächter ändert nichts daran, dast Sie hier in einer eigentümlichen Lage sind!(Stufe links: Sehr richtig!) Ihr Respekt vor der Heeresverwaltung und deren Einsicht in allen tech- nischen und organisatorischen Dingen scheint doch nicht ganz uiel- und nagelfest zu sein.(Sehr richtig!) Sie Häven diesen Respekt vor der H e e r e s v e r!v a I t n n g nur, wenn Sie ihn als Popanz gegenüber anderen brauchen können.(Unruhe rechts, Beifall links.) Redner widerspricht dann dem Uebermast an Konipcnsationsfordernngen und be- merkt, auch das Verhalten Hamburgs in dieser Frage ver- diene nichts weniger als Billigung von dem Stand- punkte ans, dast eine einseitige Jnteressciipolitil nicht ein- scheidend sein darf. Wird die Vorlage abgelehnt, so halte» wir die Aitflösniig dieses Hanfes für uncrlätzlich, falls nicht das Ansehen der Regierung eine schwere Schädigung erleiden soll! Im übrigen stimmen wir dem Minister der öffentlichen Arbeiten darin bei: Wird die Vorlage jetzt abgelehnt, so dauert der Streit weiter. b! xur«i mnove! Gebaut wird doch!(Lebhafter Beifall!) Finanzminister v. Miqnel will einige Worte zn der Frage sagen: wem der Kanal nutze. Er erinnere an die Herabsetzung des Kohlentarifs ans den Bahnen und an die Einfnhrnng des Normaltarifs. Nocb nie sei ihm da die Ansicht entgegen- getreten: die Herabsetzung der Kohlcntarife komme nur den Zechen, den reichen Lenken zu gute! Man ist allseitig überzeugt, dast solche Tarishcrabsetznng vielmehr der Allgemeinheit zu gute kommt. Ebenso würde die TransportverbilligNng auf dem Kanal, durch den Kanal, nicht den Zechen und anderen Produzenten zn gute kommen, sondern der Allgemeinheit. Ich bin nach sorgfältiger Prüfung in i t meinen Kollegen d n r ch a u s der Ansicht, dast gerade die W a s s e r st r a st e das günstigste Verkehrsmittel für die Landwirtschaft ist I Und gerade in unserer geographischen Lage ist die Herstellung und der Nutzen der Wasserstrasten geradezu bedingt. Kommt dieser Kanal nicht zn stände— so frage ich: welche Aussichten hat denn der Osten dann auf leistungsfähige Wasserstrasten? Sie verlangen ein allgemeines Programm, ehe Sie diesen Kanal bewilligen wollen! Ich kenne das; die Feststellung eines solchen Programms bedeutet den Krieg aller gegen alle. Die eine Provinz will Schutz gegen Ucberschweinmnng. die andere Schutz gegen Ver- sumpsung. die dritte hat ein Interesse an der Thäligkeit der Flüsse für die Beförderung der Schiffe. Verlangen Sie e i n P r o- g r a m m, so machen Sie die Sache für l a n g e Z e i t t o t. Machen Sic lieber einen Anfang! Ich rate Ihnen, überlegen Sie sich die Sache noch einmal! Wenn wir billige Kohlcnfrachten haben, wem kommt das zn gut? Der Lvndwirtschaft! Und billige Kalifrachten? Der Landwirtschaft! Und bedenken Sie, dast Sie dann auch billige Rückfrachten haben! Das fällt dann auch besonder-? ins- Gewicht bei den Zollregnuerlingen! Und was nnn die finanzielle Seite anlangt, so könncnSie nur glauben, wenn ich, ohne mich zn überheben, sage, dast ein Finanzminister, der 9 Jahre an der Spitze des Ressorts steht und sich den Ruf der Fiskalität. sogar bis zur Kleinlichkeit, erworben hat, die Finanzlage doch wohl besser beurteilen kann, als der einzelne Abgeordnete, wenn ich auch zugeben will, dast sich die Herren Redner von der Rechten ein gutes Bild von der Finanzlage gemacht haben. Das Rückgrat unserer Finanzen sind überdies nicht die E i s e n b a h n- U e b e r s ch ü s s e, sondern die direkten Steuern. Ich weise Sie darauf hin, dast in unserem nächsten Etat die StaatsanSgaben nur zu einem Neuntel durch die Eisenbahn-Ueberschüsse gedeckt sind. Ucbrigcns hat nnscr Eisenbahn- Apparat eine derartige Kompliziertheit erlangt, dast schon eine Eni- lastung durch Kanäle ans diesem Grunde sehr erwünscht sein mnst. Die zu Eisenbahn- Bauten ausgeworfenen ersten Raten und die noch notwendigen Umbauten von Bahnhöfen erfordern voraussichtlich noch bedeutende Summen, das Ivird sich ändern, wenn ein Teil des Verkehrs ans den Kanal übergeht. Ans die allmähliche Verminderung der Eiscnbah»- Rentabilität ist schon öfter hingewiesen worden. Andererseits ist eine Regulierung der Havel, der Spree, der Oder dringend nötig.(Sehr richtig!) Diese Verhältnisse können nicht bestellen bleiben und nur die grosten technischen Schwierigkeiten haben die Inangriffnahme gehindert. Sie haben die Regulierung der oberen Oder, der Elbe, des Mains be- ivilligt, haben den Breslancr Schiffahrtsweg, die Verbindung von Oder und Spree genehmigt und nun wollen Sie plötzlich einen Schritt llntcrnchmcn, der diesen Traditionen der preußischen Verkehrs- Politik vollständig widerspricht? Uebrigens sollte man doch dem Vorschlage des prcustischcn Arbeitsministers folgen, dein noch niemand Unkenntnis in seinem Ressort vorgeworfen hat. Kommt hierzu noch das Urteil der Armeeverwaltung, so sollte man doch glauben, dast es Ihnen nicht schwer werden könnte, für den Kanal zn stimmen. Die mili- tärische Bedeutung des Kanals hat ja selbst bei dem freisinnigen Redner Eindruck hinterlassen.(Heiterkeit.) In Schlesien sind die Meinungen über den Wert des Kanals allerdings geteilt. Nebcr die Folgen, welche eine Ablehnung des Kanals haben wird, hat die Ttaatsregicrung Prschlust noch nicht gefaßt und ich kann daher darüber nichts sagen. Aber dast die Regierung ans ein Untcrnehnien nicht so leicht verzichtet, über das die ein- gehendsten Vorarbeiten seit 1886 gemacht worden sind, über die be- reits Verträge mit den Nachbarstaaten mit der Unterschrift Tr. Majestät geschlossen sind. Das liegt doch ans der Hand, die Sitnntion würde durch eine Ablehnung eine sehr ernste und ich sollte meinen, ein Vaterlandsfrennd sollte, ganz abge- sehen von seiner Stellung zur Schiffahrt, nicht zweifcl- hast sein, wie er seine Stellung zu nehmen hat, wenn cr seinem Vaterlande einen loertvollcn Dienst erweisen will. Mit der Leutenot, das möchte ich auf die Anregung des Abgeordneten Jazdzewski bemerken, hat der Kanal ernsthaft nichts zu thun. Die Regierung ist jedenfalls entschlossen, auch auf die Dauer fremde Arbeiter für den Kanalban verwenden zu lassen. Auch die Notwendigkeit einer Regulierung der Weichsel erkennt die Regierung an und hofft eine Vorlage hierüber schon in der nächsten Session machen zn können. Abg. Schmieding(natl.): Mit Bedenken gegen die Rentabilität der Bahnen können Sie die Kanalvorlage nicht bekämpfen, denn es zeigt sich, dast überall, wo Kanäle gebaut sind, auch der Bahnverkehr sich gesteigert hat. Wollen Sie wieder eine Teilstrecke bewilligen, so kommen wir nicht vorlvarts und namentlich wird dann das Ziel verzögert, den Osten mit leistungsfähigen Wasserstrasten zu versehen, womit Sie(rechts) ja doch auch einverstanden sind. Die bessere Verbindung des deutschen Ostens mit dem deutschen Westen, die für einen regen GütcrauStansch eng aufeinander angewiesen sind, kann gar nicht besser hergestellt werden, als durch den Mirtellaiid-Kanal. von dem doch wahrlich nicht zn fürchten ist, dast er eine neue politische Scheide- lime bilden wird, etwa eine neue Main-Linic. Nur durch eine aus- reichende Vcrkehrscrleichtcrnng der Bahnen mittels leistungsfähiger Kanäle kann durch die künftige Zollfcstsetzimg das Schicksal der Landwirtschaft dauernd günstig gestaltet. werden. Ein Antrag auf Schlust der' Debatte wird angenommen. Bei der Abstimmung wird zunächst über die Nummern 1 und 2 des§ 1 der Vorlage nauicntlich abgestimmt(1. Bau des Dort- in n n d- R h e i n- K a n a I s: 2. Strecke Dort m und-Beverger n). Mit ivcnigcn Ausnahmen stimmen Konservative und Frei- konservative mit Nein(Conrad- Flatow k. und Conrad- Graudcnz fk. stimmen mit Ja). Das Ccntrnm stimmt mit Ja, ausgenommen v. Eynatte» und Fartin, die mit Nein stimmen: die Polen stimmten mit Nein, Liberale und Freisinnige mit Ja.— Die Positionen 1 und 2 werden mit 213 gegen 209 Stimmen abgelehnt. Der Neickskanzler wohnte derAbsti mm u n g bei. Abg. v. Eyncrn(natl.) zieht hierauf seinen Antrag ans namentliche Abstimmung über die Position 3(Strecke Bevergern— Elbe) zurück. Abg. Graf Limbnrg-Stirnm(k.) nimmt den Antrag ans namentliche Abstimmung über Position 3 wieder ans. Der Antrag wird von den Konservativen genügend unterstützt; es findet also auch tivcr die Position 3(Strecke Bevergern-Elbe) namentliche Ab- stimm img statt« ES stimmen nunmehr Eeutrmu, Polen und Rechte gc- schloffen gegen die Position, Dasbach(C.) stimmt mit Ja. Bachem und Graf Dohna(k.) und ein groster Teil des Centrums enthielten sich der Abstimmung. Die Position wird mit 228 gegen 120 Stimmen abgelehnt, KS Abgg. enthielten sich der Abstimmung. Schliestlich wird noch ein Antrag Herold(C.) abgelehnt, wo- nach bei Feststellung der Pläne zugleich die Förderung der Landes- kultnr in jeder Weise berücksichtigt werden soll. Damit ist der ganze s 1 abgelehnt. Ein Vertag lingsan trag des Abg. I m Walle(C.) wird nach ansdrücklichcin Widerspruche der Abgg. Graf Limburg(k.) und Dr. Sattler(natl.) abgelehnt. Die 2—6 werden abgelehnt. Abg. Graf Strachwitz(C.) beantragt einen neuen Z 6a, wonach die Regierung ermächtigt wird, 2 Millionen Mark zu Vorarbeiten für den Zweck zu verausgaben, um zu ermöglichen, daß für die Beförderung von Montangütern die heutige Spannung aufrecht- erhalten wird, die heute zwischen dem oberschlesischen und dem rheinisch-westfälischen Montanrevier nach Berlin besteht. Minister Thielen erklärt sich mit der Annahme des Antrages einverstanden. Die Abgg. Graf Limburg und Frhr. v. Zedlitz sfrk.) belämpfen den Antrag Herold. Abg. Im Walle tritt für den Antrag ein, den man ganz falsch bei den' Konservativen verstanden habe; er. wiederholt seinen Antrag auf Vertagung, der auch jetzt vom Hause abgelehnt wird. � Persönlich bemerkt Abg. Graf Limburg, dast er einer Ver- tagung nicht zugestimmt habe, iveil cr den Antrag Strachwitz für Unsinn gehalten habe. Abg. Graf Strachwitz erwidert, dast eine solche Bezeichnung eines eingebrachten Antrages bisher parlamentarisch nicht z u I ä s s ig war. Er müsse sich dieselbe verbitten. Präsident v. Kröchcr bemerkt, cr habe den Ausdruck passieren lassen, da er ihn nicht gegen den Sinn des Antrages, sondern nur gegen die, vom Willen des Antragstellers unabhängige Form, in die der Antrag geraten ist, gerichtet erachtet habe. Vor der Abstimmung über den Antrag Strachwitz wird zn« nächst nocki formelle Abstimmung über§ 6(Aufbringung der Kosten) und dabei Auszählung nötig.' Diese crgicbt, dast§ 6 mit 207 gegen 180 Stimmen angenommen wird; hierauf wird auch der Antrag Strachwitz angenommen. § 7 wird abgelehnt;§ 8(Ausführungsbestimmungen) wird angenommen, dagegen werden alle weiteren Anträge abgelehnt; über die vorliegenden Nesolntionen soll bei der dritten Lejung ab- gestimmt werden. Freitag 11 llhr: Staatsverträge wegen derLippe-Kanali« s i e r u n g', Interpellation Ring(k.) betr. Sprec-Ueberschwemmungen. Kleine Vorlagen._ Die Wahlreform in Belgien. Man schreibt uns anS Brüssel: Wie ich schon früher mitgeteilt, hat die socialistische Kammer- fraktion im Parlament einen Antrag auf Rebision des Artikels 47 der Vcrfaffnng eingebracht; dieser Artikel bestimmt das Plural- stimmrecht in Belgien. Das System der Pluralstimmen wird von der gesamten öffent- lichcn Meinung verurteilt. Das Proletariat und ein beträchtlicher Teil der Bourgeoisie verlangen das allgemeine Stimmrecht. Wenn das Plnralstinimrecht noch lebt, so verdankt, es dies nur dem Umstand, dast es den Willen des wählenden Volkes zu Gunsten derer fälscht, die es erhalten wollen. Es fügt zur ökonomischen Gleichheit die politische Entrechtung der ärmeren Klassen. Bei der Entwickelnng des GefetzantrageS. der von der Linken ausgeht, zeigte Genosse' V a n d e r v c l d e ziffernmäßig, dast das Plu'ralvotum die Herrschaft der Minorität verschafft, dast es Betrug herbeiführt und iii verschiedenen Gegenden des Landes zu entgegen- gesetzten Resultaten führt. Wir haben 1896 in Nivelles 29 900 socialistische Stimmen (meistens mit je einer Stimme) gehabt, die von 29 600 klerikalen Stimmen(meistens mit je 2—3 Stimmen) geschlagen wurden, die sicherlich nur 13 000 Wähler vertraten. Die Klerikalen sind länger als 15 Jahre an der Macht ge« blieben, zunächst zufolge des Ccnsusshsiems, das bis 1894 das Wahl- recht an eine Steuer von 42,32 Franks knüpfte, und seit 1894 zu- folge des Pluralsiimmrechts. das für das ganze Land die Stimmen- zahl um 53,40 Prozent erhöhte. Die Minorität hat also beständig das Land beherrscht. Antzerdcin haben wir konstatieren können, dast es in vielen länd« lichen Gemeinden, wo man nicht immer falsche Wähler fabrizieren kann, sehr leicht ist, den Freunden der Regierung Ziisatzstimmcn zu bewilligen, während man die Eintragimg solcher Stimmen für die- jenigeii unserer Genossen, die ein Recht darauf haben, unterlästt. Auch ich bin zweimal ein Opfer dieser Gepflogenheit geworden, das erste Mal durch die Sorgfalt einer klerikalen Verwaltung, das zweite Mal durch die einer liberalen Stadtverwaltung. Wenn aber das Plnral-Stimmrecht in manchen Ackerbau- und Jndnstriebezirken die Reaktion fördert, so kann es doch dort, wo der Landinann noch seinen eigenen Boden bebaut, und wo die Arbeiter ihr eigenes Häuschen besitzen, gegen den Socialismns nichts aus- richten'; denn die Socialisten verfügen dort über eine respektable Anzahl von Wahlberechtigten mit je zwei und selbst drei Stimmen. Nach einer vom Ministerium des Innern veröffentlichten Statistik erhöhen sich die Ergänzungsstiminen auf 54 Proz. in der Provinz Antwerpen, ans 54 Proz.'in Brabant, auf 46 Proz. im westlichen Flandern, ans 45 Proz. im östlichen Flandern, ans 62 Proz. im Hennegau, ans 48 Proz. in der Provinz Lüttich, ans 52 Proz. in Limburg, auf 63 Proz. in Luxemburg, ans 63 Proz. in der Provinz Namnr— für das ganze Land ans 53,40 Proz. lind ans dieser gefälschten Grundlage, auf diesen 63,40 Proz. Ergänzungsstimmen'will die Regierung ihr System der Pro« portionalvertrctnng ausbauen. Sie hätte im Gegenteil damit be- ginnen müssen, die Macht eines jeden Wählers gleichzustellen. Ich will die von der Regierung vorgeschlagene Proportional» Vertretung näher darstellen. Verschiedene auswärtige Blätter haben sie kompl'iciert genannt. Doch das ist nicht richtig, sie ist vielmehr von einer erstaunlichen Einfachheit. Als Mechanismus an sich be- trachtet, ist sie sogar vorzüglich, wenn sie nicht mit dem Plural« stimmrecht verbunden wäre, und wenn sie nicht noch an einem anderen Mangel litte: der Kleinheit der Wahlbezirke. Das System sieht so ans: Ich nehme drei Listen an, eine socialistische, eine liberale, eine klerikale. Die erste habe 8145 Stimmen erhalten, die zweite 5680, die dritte 3725 Stimmen. Ich dividiere jede dieser Zahlen durch i, 2, 3, 4, 5... Das giebt also: Division durch 1: 8143 3680 372Z „ 2: 4072 2840 1862 „ 3: 2715 1893 1241 „4: 2036 1420 931 Es seien nnn 6 Deputierte zu lpählen. Die sechs größten d»» obigen Ziffern sind 8145, 5680, 4072, 3725, 2840, 2715. Mithin müssen die Socialisten drei Sitze erhalten, die Liberalen zwei, die Klerikalen einen. Was die Einrichtung der Proportionalvertretung anlangt, so geht der Entwurf von drei wesentlichen Grundsätzen anS. Der erste Grundsatz ist, dast ein Wahlzettel nur ein einziges Votum ausdrückt und ans die Wahl eines einzigen Mandats Ein- flust hat. Man kann also nicht für zwei verschiedene Listen stimmen. Der zweite Grundsatz ist, daß die Komitees, welche die Kan- didaten vorschlagen, sie in einer BorzugSordnung vorschlagen können, wogegen der Wähler diese Ordnung ändern kann, wenn er eine andere vorzieht. Der dritte Grundsatz betrifft die Einrichtung der Stell- Vertretungen, um Neuwahlen im Falle des Todes oder der Mandats- niederlcgnng zu vermeiden. In formender Weise gestaltet sich die Praxi». Ich nehme den Wahlzettel zu Hand. Jede Liste— wir fugen ein Muster neben- stehend bei, trägt eine Nnmnier, die durchs Los bestimint wird. Die Liste Rr. 1 sei die socialistische. Ich bin Socialist. Wenn ich für die Liste Nr. 1 votieren und die von meiner Arbciter-Liga angegebene Ordnung be- wahren will, so votiere ich an der Spitze, in dem Felde unterhalb der Nr. 1. �Setzen wir aber voraus, das ich wünsche. Nelson, der als fünfter aufgeschrieben ist, solle an erster Stelle stehen, so votiere ich in dem Felde, das hinter dem Namen Nelson steht. Dieses Botum kommt der ganzen Liste zugute. Aber Nelson wird vor Colin gewählt sein, wenn Nelson so viel auf seinen Namen Stimmen er- halten hat, als der natürliche Wahlguotient beträgt. Bei der weiter oben gegebenen Auf- stcllung war der Quotient, der' das Recht auf einen Sitz giebt, 2715. Wenn Nilson 2715 Stimmen auf seinen Namen erhalten hat, so ist er vor den anderen Kandidaten gewählt, wenn diese nicht eine größere Zahl namentlicher Stimmen erhalten haben. Der Vollständigkeit halber mich ich auch einen Mangel dieses Entwurfs erwähnen: Die geringe Größe der Wahlbezirke. Dadurch komnit man zu wicdcrsinnigcn Resultaten. In Nivelles z. B. erhalten die Klerikalen 2 Sitze mit 21 000 Stimmen, die Socialisten 1 Sitz mit 20 000 Stimmen und die Liberalen 1 Sitz mit 13 000 Stimmen. Anderwärts erhalten die Oppositionsparteien gar nichts, wenn sie sich nicht vereinigen. Mit 35 000 Stimmen erhalten die Klerikalen 4 Sitze und die Opposition mit--- 10 000 Stimmen nicht einen einzigen, weil für jede ihrer drei Listen nur 3000. 3000 und 4000 Stimmen gezählt werden. Nun ist aber der Zweck der Proportional- Vertretung, die Bündnisse und Kom- Prämisse zu vermeiden, die uns, selbst in Deutschland, so viel Verdruß bereiten. Um diesem Mangel abzuhelfen, müßte die Grundlage der Wahl bezirke die Provinz sein. Man sieht, daß das Shstem, so weit es auf dem Proportional- princip beruht, recht zweckmäßig und einfach ist. Verwerflich wird es nur dadurch, daß, je nach Besitz und Bildung, einzelne Privilegierte zwei und drei solcher Wahlzettel in die Wagschale Wersen können. Mittwoch sind die Abteilungen der Kammer zusanmiengctreten um� die von der Regierirng und von der Linken eingebrachten Gesetzesvorschläge zu beraten. Diese Sektionen haben das Projekt der Negieruug mit einer kleinen Mehrheit angenommen GonJevKIWiattliiszes. Berlin und Umgegend. Zur Lohilbcwcgmig der Bautischler. Bewilligt haben gestern 10 Unternehmer mit 22S Arbeitern, insgesamt 83 Unternehmer sdarunter 24 Jnnungsmeister mit 1282' Arbeitern). Bei 47 Unternehmern sind 474 Arbeiter ausständig. Die Kollegen werden darauf aufmerksam gemacht, daß der bewilligte Tarif von dem Unternehmer unterschrieben sein nmß. Voraussichtlich wird im Laufe des heutigen Tages mit einer Anzahl Unternehmern eine Verständigung erzielt. Einigkeit und festes Zusammenhalten der Kollegen ist Vorbedingung für eine erfolgreiche Beendigung der Lohnbewegrmg. In Weißen sc c hat der Unternehmer Pechel bewilligt. In Ripdorf ist die Werkstatt von Kurzhan gesperrt. In Paulo lv haben Stabcrow und Richter bewilligt. Aus C h a r l o t t c n b n r g wird berichtet, daß Seiler, Kurz. Zierau und Schmidt bewilligt haben, während die Arbeiter von Stiehl, Schillerstraße, Schröder, Pestalozzistraße, und Stiebitz und Köpchen sich im Ausstand befinden. Zur Lohnbewegung der Stcinarbciter. Die ausständigen Steinmetzen haben durch den Gesellausschuß eine Denkschrift an die Magistrate, Stadlverordneten-Versammlungen, Gemeinde- Vorstände und Gemeinde- Vertretungen, sowie an die Bauräte und Baumeister von Berlin und Umgegend versandt. In dieser Denkschrift werden die Ursachen und der Verlauf der Lohnbewegung geschildert, den unwahren Angaben der Unternehmer entgegen getreten und die von den Ausständigen aufgestellte» Forderungen eingehend begründet. Die Verkürzung der Arbeitszeit wird besonders' durch die außerordentlich schlechten Gesundheitsverhältnisse im Steinmetz- gewerbe begründet. Neben einem Auszug aus der Statistik der hiesigen Orts- Krankenkasse vom Jahre 1897/93, nach welchem von 875 Stcinarbeitcrn allein 85 an der Lunge erkrankt waren und wovon 38 starben, enthält die Denkschrift auch einen Be- richt des Lieguitzer Gelverberates über die Gcsuudheits Verhältnisse der Steinmetzen bei der Finna Zeidler und Wimmcl in Bunzlau. Nach diesem Bericht, der die Jahre 1895 und 1899 betrifft, sind im Jahre 1896(1895 sind die Verhältnisse ziemlich dieselben) von 272 Steinnietzen 208<76Proz.), davon allein an Lungen und Kehlkopf 63(30 Proz.) erkrankt. Das Durchschnitts- alter aller Erkrankten betrug 23, das der Lungen- und Kehlkopf- kranken 32 Vz Jahre. Von diesen 63 Kranken starben 15(24 Proz.). Das Durchschnittsalter der Gestorbenen betrug nicht ganz 36� Jahre. „Seitens der hiesigen Steinarbciter-Organisation wird bereits seit mehreren Jahren eine Enquete über die Lohn-, Arbeits- und Gesundheitsverhältnisse mittels einheitlicher Fragebogen veranstaltet, an der sich in den letzten Jahren 70 Proz. der gesamten in Berlin beschäftigten und 90 Proz. der bei den Jnnungsincistern beschäftigten Steinmetzen beteiligt haben. Das Resultat dieser Enquete ist folgendes:„Das Durchschnitts- alter der an der Statistik Beteiligten betrug 29 Jahre und 1 Monat. 80 Proz. davon stehen im Alter bis zu 33 Jahren und nur 20 Proz. haben das 35. Lebensjahr überschritten. Von den Kranken, die 33 Proz. ausmachten, waren allein 72 Proz. an den Atmungsorganen erkrankt, wovon 26 Proz. an der Schwindsucht perstarben. Die Erhebungen haben im weiteren ergeben, daß nur 17 Proz. ihre Bcrufsthätigkeit mehr als 20 Jahre ausüben und ferner ist festgestellt, daß nur sehr wenige, die das 40. Lebensjahr erreicht haben. dauernd als Steinmetz thätig sind; sie arbeiten oft nur infolge ihres Gesundheitszustandes vorübergehend einige Tage, um wieder als Mitglied in die Krankenkasse aufgenommen zu werden, oder sie haben in einem anderen leichteren Benife ein notdürftiges Unterkommen gefunden." Außerdem wird angeführt, daß der Gewerberat Herr Dr. Sprenger-Berlin sich auf ÄrUiid der von ihm gemachten Erfahrungen dahin geäußert hat, daß die Arbeitszeit der Steinmetzen über acht Stunden nicht ausgedehnt werden dürfe und daß die Arbeitszeit üiklusive der Pausen möglichst auf einen kurzen Zeitraum zusammen- cdrängt werden müsse, damit die Arbeiter an den gcsundheits- ädlichen Arbeitsplatz nicht zu lange gebunden sind. In der Denkschrift wird schließlich die Erwartung ausgesprochen, daß die in Betracht kommenden Steinmctzmcisicr von den Bau- Verwaltungen angewiesen werden, die minimalen Forderungen der Gesellen anzuerkennen und nur an solche Meister Arbeiten vergeben werden, welche die aufgestellren Arbeitsbedingungen in ihren Be- trieben eingeführt haben. Zum mindesten erwarten die Ausständigen, daß die Meister nicht noch in ihrem schroffen, keineswegs gerecht- fertigten Vorgehen gegenüber den Gesellen durch Verlängerung der Lieferungsfristen unterstützt werden, zumal sie die von den Aus- ständigen angebahnten Eiuigungsverhandluugcn ohne jedwede Ur- fache abgelehnt und den Friedensschluß unmöglich gemacht haben. liS Berliner Hntmachcr, darunter drei Meister, sind, wie eine hiesige Lokalkorrespondenz zu melden ivciß, in den letzten Tagen nach Kopenhagen abgereist, um dort sofort in Arbeit zu treten. Auf dem Lehrter Bahnhof fanden sich bei der jedesmaligen Abfahrt zahlreiche Kollegen ein, um die Abreisenden mit Hinweis auf die Massenaussperrung der dänischen Arbeiter von ihrem Vorhaben ab- zubringen. Ihre Bemühungen blieben jedoch bis auf einen Fall erfolglos.— Die organisierten Arbeiter mögen auf solche Fälle be- sonders acht haben und für möglichste Aufklärung solcher Leute sorgen. Posamentiere Deutschlands! Die Posamentiere Berlins gedenken in kürzester Zeit in eine Lohnbewegung einzutreten. Pflicht eines jeden zielbewußten Kollegen ist es, Berlin bis auf weiteres zu meiden. Mit Brudergruß Die Posamcnticre Berlins. Alle Sendungen sind zu richten an Fritz Berg er, Rummels- burg-Berlin, Türrschmidtstr. 37. Alle Arbciterblätter sind um Abdruck gebeten; besonders die Textilarbciter-Pressc Ocstreichs. Die Berliner Kollegen machen wir auf die am Sonnabend statt- findende beschließende Versammlung aufmerksam. Wir ersuchen ganz besonders die Kollegen der größeren Firmen am Sonnabend zu er scheinen. Die Agitationskommission. Achtung, Bauschlosscr k In Leipzig befinden sich 300 Kunst- und Bauschlosscr im Ausstand. Vor Zuzug wird gewarnt. Die Ortsvcrwaltung Berlin des Denlschcn Mctallarbcitcr-Vcrbandcs Streik in Tegel. Sonnabend, den 12. d. M., haben fünfzehn Arbeiter der Humboldt- Mühle in Tegel wegen einer Lohnkürzung von 10 Proz. die Arbeit niedergelegt. Der Lohn bcrrug bisher 30 Pf. pro Stunde und soll von jetzt ob 27 Pf. betragen. Ein Ar- bester hat sich bereit erklärt. für den Lohn weiter zu arbeiten. 14 dort beschäftigte Müllergesellen machen jetzt die Arbeit der Hilfs- arbeiter. Im übrigen haben die Müller auch nur einen Lohn von 30 Pf. pro Stunde. Nur ein Streikbrecher bat sich bisher gefunden, hat sich aber zu schwach gefühlt, Säcke von zwei Centncrn zu tragen. Es wird gebeten, Zuzug streng fernzuhalten. Spandau. Die Differenzen der 29 Zimmerer mit dem Bau- meister Pcrrin sind inzwischen wieder beigelegt worden. Herr Perrin kam den Forderungen der Arbeiter voll nach, worauf die- selben am Dicnslagnachmittag die Arbeit wieder aufnahmen. �oksles. Den Parteigenossen und-Genossinnen des zweiten Wahl- krciscs die Mitteilung, daß am Sonntag, den 20. d. M.. früh V/i Uhr. eine Flugdlatt-Berteiluiig stattfindet. Alle, die gewillt sind, milznhelfen, werden ersucht, sich in folgenden Lokalen einzufinden: S ch o n h e i m, Gräfestr. 8; P. Müller, Gräfe- straße 31; Ewald, Schönleinsir. 6; L i n d c in a n n, Moritz- straße 9; Z u b c i l. Lindeiistr. 106; Saß, Markgrafenstr. 102; Voigt, Königgrätzerstr. 39; Ran in a n n. Blücherstr. 42; Liidke, Zossenerstr. 10; Quandt, Belle- Alliancestr. 74; W i ch e r t, Großbcercnstr, 74; F a l l e r, Pallasstr. 16; Werner, Bülowstr. 59. Sechster Wahlkreis. Genossen und Genossinnen, welche ge- willt sind, sich a» der am Soniitag staltfindenden F l n g b j a t t- Verteilung zu beteiligen. Ivcrden gebeten, sich morgens 8 Uhr in folgenden Lokalen eiiiznfinden: Schöiifcldt. Fchrbellinerstr. 9, Ecke Christiiienstrahe; W. Brinkmann, Prinzen-Allee 21; G. Herr- mann. Piltbuscrstr. 45; O. Bachgüngcr, Swinemünderstr, 96; Rosin, Schönholzer- und Nnppinerstraßcn- Ecke; Hoppe, Ackerstr. 145; H. Schulz, Schwartzkopsistr. 11; I. Krause(früher Fr. Gleinert), Miillerstr. 7a; I. Pfarr, Pullitzstr. 10. Wir bitien um recht rege Beteiligung Tie Bertranensleute. Freie BolkSbühne. Die Wintersaison dcS Spiel- jahres 1899/1900 beginnt am Sonntag, den 3. S e p l e m b e r, i tu L c s s i n g- T h e a t e r mit Gustav Freitags Lustspiel iu vier Akten:„Die I o n r n a l i st e n" unter Direktion Otto Reuinan»- Hoser. Die Vorstellungen dieser vierten Serie folgen am 3., 10., 17.. 24. September und an> 1, und 8. Oktober. Die Vorstelliliiaen der Serie 5 werden nicht mehr im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater, sondern im Ostend- Theater. Gr. Fraiilsnrterstraße(Direktion Karl Weiß) stattfinden. Als Erst-Anfführung im Lstcnd-Thcater beschloß der AnSschnß Goethe's„Faust" I. Teil zur Erinnerung an Goethes 150 jährigen Geburtstag zur Anfführimg zu bringen und zivar am 24. September, 1., 8., 15., 22. und 29. Oktober. Eine besondere Goethe-Feier findet außerdem für alle Mitglieder am Montag, den 28. A u g n st, abends 8'/s Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstraßc, statt. Das Programm wird kurz und würdig sein. Herr Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner hat den Vortrag des Abends übcnionimen..Goethe und die Gegen- war t". Da die Versammlung öffentlich ist und der Zutritt gegen ein beliebiges Erstree gestatter ist, ist es Ehrensache der Mitglieder, zahlreich zu erscheinen. Pichelsdorfer Bier wird laut Ver- trag uicht ausgeschänkt, sondern Böhmisches Bier. In den Zahlstellen gelangen vom Donnerstag, de» 24. August, ab die Mitgliedskarten zur Ausgabe.(Siehe heutiges Inserat.) Ter Jnli-Beitrag ivird nicht erhoben. dagegen für alte Mitglieder August und September nnd von de» neuen Mitgliedern Einirittsgeld 65 Pf. und der September-Beitrag. Die ersten 4 Abreilnngen sind geschlossen. Bei eveur. Umschreibungen in andere Zahlstellen nmß die Ab- Meldung in der bisherigen Zahlstelle erfolgen. Die neuen Mitgliedskarten sind nur in den alten Zahlstellen für die Uebertrctendcn erhältlich. Zahlstelle Nr. 22 befindet sich nicht mehr in der Cily-Passage, sondern im Restaurant von L a d e>v i g, Kommandaiitcnstr. 65. Achtung. Ordner! Eine Ordnersitzung findet am Sonnabend, d e n 26. A u g u st. 3'/s Uhr im Restaurant Z u b e i l statt zur Neueinteilniig der Ordnerkommisfion. Das Erscheinen aller Ordner ist erforderlich. � Einige neue Ordner können sich ni e I d e n in dieser S i N u u g. Sv«(.: G. W i n k l e r. Berlin(Rixdorf), Kirchhosstr. 46 II. Achtung Parteigenossen! Am Soiinabend, 19. August 1899 veranstaltet der Gesangverein„ N o r d w n ch t",(M. d. A.-S.-B.) in Ballschmieders Kastanieilwäldchen, Badstr. 16(Gesundbrunnen), ein großes Vokal- nnd Jnstriimeiital- Konzert zum Besten der dänischen Ausgesperrten imd der streikenden Former Leipzigs. Da das Programm sehr reichhaltig und das Unter- nehmen einem wohlthätigen Zweck dient, hoffen»vir auf sehr regen Zuspruch.__ Das Komitee. Kein glänzender Sieg. Auch die Freisinnigen rüsten sich all- mählich zur Stadtverordnercnwahl. In einem Aufrufe, den eine 'reisiunige Gruppe im 26. Wahlbezirk(N.O.) versendet, heißt es: „Wieder werden von seiten der S o c i a l d e m o k r a t i e die allergrößten Anstrengungen gemacht, ihre Mandate zu vermehren, um sich als die alleinigen Vertreter der Bürgerschaft aufspielen zu können. Da ist es Pflicht oller Bürger, durch festes Zusammen- halten dies zu verhiuder». Und es kann verhindert werden, wenn edcr seine Pflicht thut. ES war kein glänzender Sieg, den die Socialdemokratie vor zwei Jahren in unserem Bezirk errang; umsomehr muß dieses Mal alles aufgeboten werden, was geeignet ist, uns den Wahlsieg zu sichern. Hierzu bedürfen wir aber der thatkräftigen Unterslütziuig aller nicht social- demokratischen Bürger, hierzu bedürfen wir auch Ihrer Hilfe. Als Deccrneiiten des Wahlvereins ist uns der Auftrag zu teil geworden, das für die Wahl Erforderliche vorzubereiten und besonders einen Vertrancnskörper zu bilden, mit dessen Hilfe wir unser» Gegnern energisch entgegentreten können. Nur eine geschlossene Organisation kann der Socialdemokratie gegenüber erfolgreich sein. Von b e- reundeter Seite sind Sie. sehr gechrterHerr, als zu unserer Partei gehörig uns bezeickinet Wörde n. Wir erlauben uns daher die Bitte an Sie zu richten: helfen Sie uns in dem bevorstehenden Kampfe dadurch, daß Sie die Agitation in einem Hause unseres Bezirkes— sei es durch Verbreitung unserer Flugschriften, sei es auf andere Ihnen genehme Art— übernehmen. Der Sieg ist unbedingt zu erringen, wenn mit vereinten Kräften gearbeitet wird." An diesem Aufruf ist zweierlei bemerkenswert. Zunächst der für uns Socialdcniokraten unverständliche Mangel an Organisation. An einem Herrn, der angeblich dem Wahlvorstand von befreundete: Seite als zur Partei gehörig bezeichnet worden ist, wird auf gut Glück ein Aufruf gerichtet, in dem nicht etwa die noch verständliche Aufforderung zum Verrichten untergeordneter Arbeil enthalten ist, sondern die einfach dem wildfremden Manne die Mitgsicdjchaft im „Bcrtrauensmannskörper" anvertraut!> Begnügt man sich der eigenen Partei gegenüber niit Ansprüchen, die in' ihrer Bescheidenheit leicht verhängnisvoll wirken können, so stellt man an den Gegner»in so größere Anfordcriiiigen. Ter Sieg, der vor zwei Jahren im 26. Bezirk von der Socialdemokratie errungen worden ist, soll kein glänzender gewesen sein, vielmehr den Freisinnigen eine Art Anwartschaft ans Verdrrüignng des Gegners geben. Betrachten wir uns diesen Sieg. Es wurden damals abgegeben für unseren Parteigenossen B r u n s 2749 Stimmen, für den frei- sinnigen Souneiifcld hingegen— 1411 Stimmen. Fühlen die freisinnigen Herren gar nicht, wie sehr sie sich mit ihren marktschreierischen Behauptungen auch bei den eigenen Freunden der Blamage aussetzen? Die zoologische Tainmlilug des Museums für Naturkunde, auf welches neuerdings mit Recht wieder die Aufmerksamkeit gelenkt worden ist, hat im Jahre 1898/99 eine außerordentlich starke Ver- nrchruiig erfahren. Nach den Schlußminnncrn der Generalkatakoge hatten die Abteilungen am Ende des Verwaltungsjahres einen Gcsainlbcftand von 333 324; das sind 15 456 mehr als im Vorjahr. Für die Affairc Frank interessiert sich jetzt auch die Staats- anwallschast. Das mißhandelte Dielistmädcheu T i s j o t ist bereits auf dein zuständigen Polizciievicr vernommen worden. Auch wenn die Tissot aus irgend welchen Gründen einen Strafantrag nicht stelle» sollte, so'wird gegen den Kansmann Frank doch Anklage wegen Vergehens gegen d i e Sittlichkeit undNöti- g u n g erhoben werde n. Den ihr vom Unterstützungsvercin der Dienerschaft Deutschlands angebotenen RechlSschnß hat das Mädchen, ivelchcs den Eindruck eine: etwas unbeholfenen und leicht eiiizuschüchteriidcn Person macht, abgelehnt. Ter Esel als Zugtier. Eine neue Sendung von Eseln ist ans Bestelliing des deulichen Tierschutzvereiiis gestern aus England hier eingetroffen. Die Tiere haben die 36stiindiqe Seefabrs Vorzug- sich überstanden, wiewohl die Nordsee während der Fahrt sehr stark bewegt war. In den nächsten Tagen wird ein größerer Eseltraiisport aus Ungarn hier eintreffen. Ein Groffstadtbild. Vor einiger Zeit zeigte der Eigentümer Rentner Brabandl aus der Lessingstraße Nr. 28 an, daß in seincin Hause eine Bäckerei zu vermieten sei. Der neue Mieter sollte von Juni bis Oktober umsoiist ivobnen. Ein junger Meister Pvlentz aus der Provinz ging aus das Angebot ein, sah aber bald ein, daß er mit dem Geschäfte nicht zurechi kommen konnte. Der Hauswirt verlangte jedoch die vertragsmäßige Miete im voraus und setzte Pvlentz, der sich zu zahlen weigerte, Iveil sich sein Unter- nehmen als aussichtslos bcransstcllre, vor die Thür. Die besten Stücke der Einrichtung stellte der Gerichtsvollzieher für den Ver- mietcr sicher. Nur die notwendigste» Habseligkeiten blieben dem Mieter nnd ivnrden mit ihm ans die Straße gesetzt. Pölentz, der ohnehin unter den Nachwirkungen einer Kopfverletzung leidet, die er sich früher bei einem Sturz mit dem Fahrrad zugezogen hat, geriet über seine verzweifelte Lage in die größte Aufregung. Gestern mittag, als es zur Räiinnnig kam, zerschlug er die Glas- und Porzellansachen nnd geriet in eine solche Wuth, daß Schutzmänner ihn auf die Wache bringen mutzten. Die junge, erst 17Vs Jahre alte Frau stand nun' allein mit den wenigen � Sacken nnd ohne einen Pfciinig Geld weinend aus der isiraße. Hunderte von Menschen sammelten sich um sie. Die Ehe war durch den wirtschastlicken Untergang ebenfalls getrübt. Frau Pölentz wollte mir ihrem Manne nicht in Berlin bleiben, sondern zu ihren Eltern nach Brandenburg zurückkehren. Leute aus dem Publikum besorgten eine» Möbelwagen und eine Sannnlung ergab 19 Mark. Während ihr Mann sicv noch zu seiner und anderer Sicherheit im Gewahrsam befand, fuhr die Frau mit den wenigen Ueberbleibsclir ihrer Eilirichtmig dem Bahnhofe zu, � Der Auflauf wurde so stark, daß Schutziiiämier ihn zerstreuen mußten. Strenge Maßregel« will die Postbehörde im Hinblick auf die beginnende' ,. Drache nsaison" zum Schutze von Fernsprech- nnd Tclegraphenlcituiigen treffen. Da durch die häiigendleibcndcn Schnüre von Drachen die Drähte leitend mit einander verbimden ivcrden. entstehen häusig Störungen. Es ist daher den Polizei» bcamten zur Pflicht gemacht mordest, daraus zu achte», daß der- artige Kollisionen in den Leistingen möglichst verhindert werden. StvnlUgcn solcher Art sollen zur Anzeige gebracht und bestraft werden. Daneben ist der angerichtete Schaden zu ersetzen und zivar der von den Kindern verursacpte durch die Eltern. Ein etwa seeliS Wochen alter Knabe, der mit einem weiß- leinenen Hemdchcn und einer wcißgestrickten Jacke ohne Zeichen be- kleidet war. wurde am 1. Anglist in ein branncS llmschlagetuch gc- hüllt ans dem Treppenpodest'eines Hauses der Marienburgerstraße ausgesetzt aufgefunden. Als Tbäterin kommt eine etiva 30 bis 32 Jahre alte Frauensperson in Betracht. Sie ist etwa 1,60 Meter groß, blond, har nrndeS Gesicht von geröteter Farbe mit Sommer- sprossen, kräftige Gcsiali und war mit dunklem Kattunrock und bräuiilicher Taille bekleidet. Tie Frau trug keine Kopfbedeckung. Personen, die irgend welche Angaben zur Erniittelung dieser Frau machen löiniei», wollen sich in den Vormittagsstunden im Polizei- Präsidium, Zimmer 326, melde«. Unter einem Wcidcnbanm erschossen hat sich am Mittwoch- abend auf dem Wege von Schmargendorf»ach Halensee der 50 Hahre alte Kisteiiniachcr Ferdinaud Hübich aus der Wilhelms- havcncrstr. 54a, der seit zwei Jahren iicrveulcidcud Ivar. Hübsch, der seit 17 Jahren verheiratet war. arbeitete am Mittwoch noch den ganzen Tag und verzehrte zu Hause mit seiner Frau und seinem ibjährigen isohne das Abendbrot, ohne daß man ihm etwas Besonderes anmerkte. Nach dem Essen entfernte er sich mit dem Be- merken, daß er etwas in die frische Luft gehen müsse, fuhr jedoch mit der Ringbahn nach Schmargendorf und erschoß sich gegen 10 Uhr abends. Leute, die den Schliß fallen hörten, fanden ihn n!S Leiche unter dem Baume liegen. Die lödsichc Kugel ivar in die rechte Schläfe eingedruiigcn'. Ein Krankenkassenbuch und eine QuittungSkarte gaben Ausschluß über die Persönlichkeit. Eine Gasexplosion, bei der eine Person sehr schwer und eine zweite ebenfalls erheblich verletzt wurde, �eignete sich gestern früh gegen 6 Uhr in dem Hanse Friedrich straße 168 unter ganz eigenartigen Umständen. Als die in der Ziegelstraße 2 wohnhafte Zeiiiliigssrau Reckt eben dabei Ivar, die Zeitung unter der Laden» rhür des Handschuhgeschäfts von H. Hamburger durchzuschiebeii, er- folgte eine fürchterliche Detonation. Frau Nlcckt wurde ivcit zurück aus den Straßendamm geschlendert und mit einem Hagel von Glas- splittern üverschüttet. Der auf dem Wege zu seiner Arbeitsstelle befindliche Arbeiter Schmidt, Schlcgelstr. 26 wohnhaft, wurde von den Glassplitiern im Gesicht und an den Händen erheblich ver- letzt, konnte aber nach Anlegung eines Notverbandes auf der Unfallstation in der Kroiienftraße nach seiner Wohnung entlassen werden.. Weit schlimnier erging es Frau R. Gesicht, Genick. Hüfte und Oberschenkel waren arg zerfleischt. Sie mußte nach der bezeichneten Unfallstation und nach erhaltener Hilfe nach der Klinik in der Zicgclstraße gefahren werden. Ihr Zustand ist sehr ernst.— Die Explosion hatte ihre» Ausgangspunkt i» dem unter dem Ham- burger Geschäft besindlichen Keller. Ein vom Gasometer ausgehendes etwa 3 Centimeter im Dlirchincsser haltendes Gasrohr war defekt geworden, so daß Gas ausströmte und den Kcllerranm teilweise an» füllte. Uiiaufgcllärt ist bis jetzt, wodurch die Gaseutzündung herbeigeführt wurde. Ausgeschlossen ist. daß Frau R. ein Streichholz oder eine Laterne bei sich führte. Vielleicht bildet ein weggeworfener Cignrreiistummcl die Veranlassmig. Merk- würdig ist auch, daß die Explosion weniger im Keller als in den darüber befindlichen Verkaufsräumen Zerstömiig anrichtete. Durch den Gasdruck wurde die leicht gebaute Kellerdecke unmittelbar hinter den Schaufenstern des Haudschuhladcns durchschlagen. Aber nicht nur diese Fenster, sondern auch diejenigen des benachbarten Putzgeschäftes von S. Cohn wurden mit großer Wucht auf die Straße geschleudert. Sämtliche Regale des Putzgeschästes wurden verschoben. Ein Stuckpfcilcr an der Straßenfront des Hauses erhielt einen großen Riß. Bei dem Ricsenverkehr in der Friedrichstraße hätte die Explosion, falls sie nur eine Stunde später erfolgt wäre, Zahlreiche Verwuiidungeir herbeiführen können. Ei» grober Diebstahl ist wiederum, wie der„Konfektionär" mitteilt, bei einem der ersten und größten Konfektionsgeschäfte ent- deckt worden. Tie Polizei hat festgestellt, daß Waren, die der betr. Firma gehörten, bei Hehlern verschärft worden sind. Die Diebstähle lverden schon seit geraumer Zeit ausgeführt, und zwar haben Auge- stellte der einen Abteilung mit Leuten, welche regelmäßig die Ein- richtungcn für Schneidermeister abholen, Hand in Hand gearbeitet. Die gestohlenen Waren ivurden dann verkauft und der Erlös unter beiden Parteien verteilt. Der Schaden der Firma soll viele tausend Mark betragen. Der Diebstahl erregt um so größeres Aufsehen, als die Konirolle in dein Geschäft, nachdem vor einigen Jahren bereits ähnliche Unterschleife begangen lvarcn, eine außer- ordentlich scharfe war. Durch cinen Sturz ans dem Fenster hat sich gestern morgen «im 4 Uhr die 44 Jahre alte Frau Agnes des Gärtners und Blumen- bändlers Bannach ans der Lunnstraße 60 getötet. Das Ehepaar, das seit zwei Jahren verheiratet war, hatte Dienstag abend gegen ll) Uhr in seiner hinter dem Laden im Erdgeschoß gelegenen Woh- luing einen häuslichen Zwist. Gestern morgen um 4 Uhr verließ Frau Bannach die Wohnung, ging heimlich die Hoftreppe in den vierten Stock hinaus und stürzte sich zum Flnrfeustcr hinaus. Sie schlug'unächst aus einen eisernen Gartenzaun aus und blieb dann Iii!' gebrocd Nein Schädel ans dem Hofe liegen. Der Tod trat r:r der Stelle ein. Die Leiche wurde später nach dem Schauhausc georacht. Eine VerztvriflnngSthat. Dienstag wurde mitgeteilt, daß am Somitagabend eine Dame bei dem Verleiher Stcller an den Zelten ein Boot mictele und es mit einem vier- bis fünfjährigen Knaben bestieg. Sie ruderte zunächst nach der Stadt zu und ließ sich dann stromabwärts nach der Lutherbrncke zu treiben. Bald darauf fand man das Boot mit eingczogencil Rudern leer ans dem Wasser schwimmen. Die Leichen der beiden vermißten Personen waren damals npch nicht gefunden lvorden. Jetzt weiß nian, daß es sich dabei um einen Mord und Selbstmord gchandcll hat. Gestern sind die beiden Leichen am Schlcswiger Ufer, oberhalb der Straße Sicgmundshof, gelandet worden. Die Frau hatte den Knaben mit dem Treibriemen einer Nähmaschine an ihrem eigenen Körper festgebunden. Die Persönlichkeiten konnten noch nicht festgestellt werden. Die Frau ist etwa 30 bis 35 Jahre alt und»,60 Meier groß»nd hat blondes Haar. Sie trug ein schwarzes leichtes Tuchjacketl mit Tuchknöpfen tu zwei Reihen. einen schwarzen Kleiderrock, einen braunen. leinenen Unterrock, ein weißes Hemd mit dem Zeichen K. K., eine »reiße Hose, schwarze Strümpfe, hohe schwarze Schnürstiefel und ein schwarzes Sammcthalsband. In der Tasche fand man ein kleines braunes Geldtäschchen. Der Knabe mag etwa 4—5 Jahre alt gewesen sein und hat blondes Haar. Er trug einen weißen Matrosciianzug mit blauem Kragen, gelbe Strandschuhe, schivarze Strümpfe, blaue Gmuinistrumpfbander und ein weißes Hemd ohne Zeichen. Havari erlitt gestern nachmittag um 4 Uhr der Wagen Nr. 9 der Feuerwehrwache in der Wilmsstraße mit der mechanischen Leiter, als er zu einer Probe nach der Haupiwache in der Liiideuslraße fuhr. Vor dem Nkilitärorrestgebände brach ihm das rechte Hinter- rad, so daß er auf der Straße liegen blieb. Auf eine Meldung durch den Fernsprecher brachte der Wnsscrwagen Nr. 9 aus der Wilms- strafee ein neues Rad, das mit Hilfe einer Winde angemacht wurde. Eine halbe Stunde nach dem Unfälle war der Wagen wieder flott und konnte seine Fahrt fortsetzen. Der Schwimmklnb„VorwiirtS"(M. D. A. Sch. B.) hält am Sonntag, den 20. d. M., nachmittags 4 Uhr, im alten Stndeiitenbad, Ratiborstr. 14 b. sein erstes Schlvimmfest ab. Freunde und Anhänger des Schivimnisports sind dazu eingeladen. Der deutsche Techniker• Verband, Ccntralkmreau Berlin C. 22, hat ou« in diesem Jahre Preis-Wettbewerbe auSgc'cbricbeil, u. a. einen solchen zur Erlangung von Entwürfen für eine F-riedbo>canlage. Die eingegangenen Arbclten sind im Architektenhanse: Bertin. Wilhclmstrahe 92 93, 2. Etage, Saal C, ausgestellt. Der Besuch dieser Ausstellung ist alle» Jnteressenlen für Sonnabend, den Ig. nnd Sonntag, den 20. d. Mts., in der Zeit von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 5 Uhr kostenfrei gestattet. Die Gesellschaft fiir Erdkunde bat nunmehr ihre Bibliothek und Geschäftsrännie von der seit zehn Jahren innegehabten Miets- Wohnung im städtischen Grundstück Zimmcrstr. 90 nach den, von der Gesellschaft erworbenen Gebäude, dem früheren Palais der Fürstin von Fiirstenbcrg. in der Wilhclinstr. 23 verlegt. Gleichzeitig rft das Bureau der Geschnftsfnhrnng des 7. interuntionalen Geographen- Kongresses, welcher bekanntlich in der Zeit vom 28. September bis 4. Oktober in Berlin tagen wird, nach dem neuen Geschäftshaus übergesiedelt. Theater. Im Theater des Westens beginnt die Wintersaisou der Oper am»5. September. Als ErdfimiiigS-Borstellnna ist die komische Oper„Die Reise»ach China" von Labiche und Delacour, Münk von Bazin, w Aussicht genomnien, in welcher verschiedene neue Aräste debütieren werden. Daran reiht sich unmittelbar das Gastspiel der Siguorina Prevofti in den Opern„Die Perleiistscher" und„Linda von Chamounix". Während der Zeil vom l. bis»ö. September, die zu den Borbercittingen genannter Over» benutzt wird, gastiert ein Wiener Ensemble.— Die neue Direltion des T h a l i a- T h e a l e r s hat auch den itomiker Herrn Guido Thiclscher durch einen Vertrag gewonnen! der Künstler kehrt damit an die Stätte seiner größten Erfolge zurück, die ihm einen populären Namen verschafit haben.— Schillcr-Theater. Heute, Freitag, verabschieden sich Signora Adele Borghi und Cavalliere Bcncdetto Lucignani in VerdiS beliebter Oper„Der Troubadour". Signora Borghi singt die Azucena und Cavalliere Lucignani den Manrtco. � Aus den Nlichbarortc». Eharlottenburg. Am Sonntag, den 20. August, früh 7 Uhr, kommt ein Flugblatt in ganz Eharlottenburg zur Verteilung. Wir erwarten von jedem Genossen, daß er seine Pflicht thue. Die Flugblätter können in Cinpfang genommen werden im». Bezirk bei P a s ch e, Potsdamcrstr. 43, im 2. Bezirk bei Leder, Bismarck- straße 74, im 3. Bezirk bei Beyer. Wallslr. 94, nnd Gimpel, Osiiavi nckerstr. 4, im 4. Bezirk bei Kant, Pestalozzistraße 65, im 5. Bezirk bei Dörre, Wallstr. 90, im 6. Bezirk bei Nötiger, Lcibnizstraße 3, im 7. Bezirk bei B r e d l o iv, Ansbachcrstr. 31. Die Vertrauensleute. Schöncbcrg. Die Genossen wollen sich Sonntag früh 7 Uhr zui£F lugblalt-Verbrcitung in folgenden Lokalen zahlreich und pünktlich einfinden: Stepp, ihn. Hohenstanfenstr. 83; Schilling, Kyffhäuserstr. 16: Obst, Gruneivaldstr. 110; Hoppe, Merseburger- straße 7; Schünicke, Bahnstr. 10; Grimm. Siegsriedstr. 8; Hauser, Scdanstr. 31 Pnschel, Gntzkowstr. 9; Moll, Sponholzstr. 34. Rixdorf. Sonntag, den 20. August, soll ein Flugblatt verbreitet werden. Die Parteigenossen werden ersucht, pünktlich morgens 7 Uhr ans den bekannten Stellen zu erscheinen.— Die L a s s a l l e- F e i e r findet Sonntag, den 27. August, im Apollo- Theater. Hermaiiustr. 48—50, statt. Alles Nähere siehe Inserat und Anschlagsäulen. Der Vertrauensmann. Grosj-Lichtcrfclde. Das von den hiesigen Parteigenossen arrangierte Sounnerfest findet am Sonntag, den 20. Augnst, in Pagets Etablissement, Chausseestr. 104, statt. Es wird zahlreiche Bcieilignng erivartet. Das Komitee. Steglitz. Die hiesige Polizei sucht sich in die Rolle des„Be- schiitzers" der Arbeits tvilligen einzuarbeiten. Als am letzten Montag der von den ausständigen Bautischlern gewählte Aus- schuß mit den Arbeitgebern verhandelte, wurde von einem der Unternehmer dem Ausschuß mitgeteilt, daß die Polizei sich erboten habe, zwei bis drei Beamte zur Verfügung zu stellen, falls in seiner Werkstätte einige von den„besonders nützlichen Elementen", im gewöhnlichen Leben Streikbrecher genannt, ihre staats- rettcrische Thätigkeit während des Streiks ausüben sollten. Der betreffende Meister hatte jedoch genügend Verständnis für die Forderungen der Gesellen, so daß er sie als berechtigt anerkannte. Jnsolgedeffen verzichtete er ans den polizeilichen Schutz. Hier war also der Liebe Müh umsonst. Ob die Polizei bei anderen Unter- nchmern mehr Gegenliebe gefunden hat, ist uns bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Jedoch nicht nur Unternehmer nnd Streikbrecher erfreuen' sich des besonderen polizeilichen Wohlwollens. Auch die Streikenden genießen, wie von verschiedenen Seiten mitgeteilt wird, ganz besondere„Bcachtnng", wenn auch in anderem Sinne. Trotz- dem sind die„Strcikbrüder" gntezl Mutes und hoffen auf baldigen v o l l st ä n d i g e n Sieg. Tie Charlottenburger Schlächterüimiitg hat den Forde» rnngen des Magistrats jetzt stattgegeben. In der letzten Sitzung wurde beschlossen, eine Jnnungs- Slerbckasse für die Mitglieder zu errichten. Aus vem Zinsenertrag des Vermögens der Innung sollen als Grundstock 6000 M. verwendet werden. Die Kasse muß spätestens Anfang 1900 errichtet sein. Für die städtische Fortbildungsschule ist bis auf weiteres ein laufender Jahresbeitrag von 1000 M. belvilligt »vorden. Ferner wurde die Ertverbung eines Grundstücks für ein Jnninigshans einstimmig beschlossen. Ter Polizei-Tircktor von Eharlottenburg, der Geheime Regicrnngsrat von Saldern hat in anbetracht seines vor- geschrittenen Alters zum 1. Oktober d. I. seine Pensionierung bc- antragt. Ter Amtsrichter Grodtke in Spandau ist zum Amtsgerichts- rat ernannt worden. Dieser Herr ward in der letzten Zeit weiteren Kreisen dadurch bekannt, daß er gegen organisierte Arbeiter Urteile fällte, die ihrer juristischen Bedenklichkeit»vegen in nicht seltenen Fällen von der höheren Instanz ganz erheblich korrigiert werden mußten. Vom Handelsobjckt der Ehe. Ein eigenartiger Prozeß zwischen zwei angeschciien Schö neberger Bürgern»vird dem- nächst das Gericht beschäftigen. Vor einiger Zeit hielt der Restaurateur S. um die Hand der Tochter des Rcstauratcurs T. an. Herr T. war mit dieser Verbindung durchaus einverstanden und sickerte seinem jüngeren Kollegen eine anständige Summe als Mit- gift zu, die dieser als Gastivirt natürlich brauchte. Während der Verlobung kam trotz mehrfacher Mahnungen die Summe nicht zur Auszahlung. Noch in letzter Stnnde. als man schon zur standcsamt- liehen Trauung schritt, wollte der Schwiegersohn die Verbindung auflösen,»uenn er nicht das Geld bekäme. Von neuein vertröstet und ans das Versprechen bauend, ging er dann die Ehe ein. Nach der Trauung ließ aber die Mitgift nicht nur ans sich warten, viel- mehr wurde Herr S. von seinem Schwiegervater noch ausgelacht, daß er sich so hatte fangen lassen. Der Schlvicgeriohn aber brauchte das Geld zu neuen Unternehmungen und drohte mit der Klage. Daraufhin hatt Herr T. seinen Schlviegersohn wegen Betrugs und Erpressung angezeigt. Zwar hat die Staatsmnvaltschaft die Anklage »vegen Betrugs fallen lassen, doch ist die Anklage eines Erprcssungs- Versuchs des Schivicgersohncs ausrecht erhalten lvorden. Man darf auf den Ausgang des Prozesses gespannt sein, um so mehr, als Herr T. zu den„angesehensten" Bürgern Schöncbergs zählt. Ein Nachtlager im— Sarge. Auf dem Bau der Lungen- Heilstätte in K o l l lv i tz arbeile» gegenlvärtig eine Anzahl Bildhauer ans Berlin. Von hier aus ließ der betreffende Meister im Lause der Woche noch mehrere Arbeitskräfte kommen. Da aber in Kolk- witz Wohnungsnot herrscht und sckiver ein Unterkomme» zu finden ist, so erbot sich ein bei einem Sargtijchlcr logierender Bildhauer, fiir einen Kollegen bei seinem Schlafivirte noch ein Unterkommen zu beschaffen. Da er aber mit diesem erst spät i»i der Nacht in seinem Quartiere eintraf, so war eine Schlafstätte für den ziveitcn Bild- haner natürlich nicht vorbereitet. Doch der zünftige Berliner»mißte sich Rat. Kurz entschlossen legte er sich in cinen der fertig da- stehenden Särge und schlief alsbald den Schlaf der Gerechten/ Am anderen Morgen gefragt,»vie er geschlafen habe, versicherte er scclen- vergnüg»:„Ganz prächtig!" Nachdem hat er es aber doch vor- gezogen, sich eine andere Lagerstätte zu wählen. Zum Raubmord i» Alt- Buchhorst. Zu der bereits ge- meldeten Berhaftiing des Maurers Zinn in Alt- Buchborst»vird noch folgendes bcricklet: Obwohl zwuigende Verdachtsgründe gegen de» Kutscher Paul W. vorlagen, so veriolgteu die Berliner Kriminalbeamten noch eine andere Spur. Der Verdacht, die Witive Fielitz ermordet zu haben, richtete sich sogleich, als Kriminalkoinmissar Braun das Protokoll über den Thalbestand durchsah, gegen den Maurer Zinn. Keiner wußte genauere Auskunft über die Ausführung der Thal zu geben als dieser,»vas um so erstaunlicher>var, als Z. auch Gründe äußerte, die nach Sachlage nur dem Thätcr selbst bekannt sein konnten. Diese gegen Z. gehegten Verdachtsgründe haben sich nun im Lause der Untcrsnchnng derart verdichtet, daß seine Vcrhaflimg gerechtfertigt erschien. Z. hat schon seit längerer Zeit die nötigen Reparaturen am Hanse der Witwe Fielitz ausgeführt und»vor mit den Gepflogenheiten der Ermordeten ebenso genau vertraut, wie ihr langjähriges Dienstmädchen. Nach der eriientei» Haussuchung am Thäiort glaubt die Kriminalpolizei auch nicht mehr daran, daß sich der Mörder vor der That nntcr dem Bert versteckt hatte; die Polizei ist vielmehr der Ansicht, daß der Thäter absichtlich die unter den, Bett liegenden Gegenstände beiseite geschoben hat. um dadurch die Polizei aus eine fälsche Fährte zu lenken. Heber Zinn ermittelte die Kriminalpolizei, daß dieser schon längere Zeit in Geldverlegenheit »var. Zinn hat nach dem Morde fast gar nicht gearbeitet, ober viel- fach Ausflüge in die Umgebung gemacht. Gottiägks-Ieitung. Die Abenteuer zweier Ausbrecher kamen gestern in einer Verhandlung vor der siebenten Fcricn-Strafkamincr zrir Sprache. Im Strasgefängnis zu Plötzensee saßen der Posamentier Max Trojc, der eine'llVzjährige Strafe zu verbüßen hat, und der Rohrleger Paul Haß. der 18'Monate hinler Schloß und Riegel zubringen soll, gcnieinschastlich in einer Zelle und schmiedeten dort einen Plan zum Ausbruch aus dem Gefängnis. Bin 7. März brachten sie diesen Plan mit Erfolg zur Ausführung; in der siebenten Abendstunde gelang es ihnen, zu entkommen. Obivohl sie nur mit der blauen Sträflingskleidung versehen»varcn und keine Kopfbedeckung trugen, kamen sie in der Dunkelheit unbehindert nach Berlin, wo sie schleunigst daran gehen mußten, ihren äußeren Menschen zu ver- ändern. Troje»mißte, daß ein Bekannter von ihm bei einem polnischen Schuhmacher in Schkafstelle lag, und dorthin lenkten sie ihre Schritte. Der erst seit einem Jahre in Berlin weilende Schuhmacher empfing die beiden, die sich fiir Angestellte der Elektricitätswerke ausgaben, sehr freundlich und gestattete ihnen, in der Küche auf den nicht an- »vesendcn Schlafburschen zi» warten. Diese Gelegenheit machten sich die Ausbrecher zu nutze; sie zogen sich in aller Stille die in der Küche hängenden Kleidungsstücke ihres liebensivürdigen Gastfreundes an, und als dieser einmal nachsah, ob es auch in der Küche nicht zu kalt sei,»oaren die Vögel ausgeflogen. Sie trieben sich die Nacht in der Gegend des Alexandcrplatzcs umher, und gegen Morgen suchte Haß seine frühere Wirtin auf, bei welcher er seine ganze Garderobe in Anfbewahrung gegeben hatte. Dort versah er seinen Genossen mit anständiger Kleidung, er selbst schlüpfte in sein Rad- nhrerkostüm, und bald fuhr er per Rad davon, um sich durch den Verkauf anderer Kleidungsstücke Geld zu verschaffen. Nachdem dies gelungen war. machten beide eine Vergnügungsfahrt nach Friedrichshagen, wo ein dem Troje bekannter Bäckermeister wohnte. Dort verließ Troje seinen Freund, von dessen Seite er wie in den Erdboden verschwunden war. Haß kehrte nach Berlin zurück. wo er als ordnungsliebender Mmm zunächst der Strafanstalt zu Plötzensee die Anstaltskleider wieder zusandte. Dann stieg er wieder zu Rad, drückte der vor ihrer Hauslhiir sitzenden Schnhmacherfrau ein Packet, welches den größten Teil der mitgenommenen Sachen ihres Mannes enthielt, in den Ann und fuhr eiligst»vieder davon. Jitzwischen vergnügte sich Troje in Friedrichshagen. Er»var von dem Bäckermeister freundlich aufgenommen tind zum Abendbrot eingeladen worden nnd fand dabei Gelegenheit, eine auf einem Tische liegende Taschenuhr verschlviiiden zu lassen. Er ging daint mit dem Bäckermeister zu Biere und spielte mit ihm ganz vergnüglich Billard; eine kleine Pause benutzte er dazu, um schlennigst zur Frau Meisterin zu springen und unter dem Vorgebelt, daß ihr Ehemann kein Geld bei sich habe, sich von dieser 5 M. einhändigen zu lasseit. Dann kehrte er»vieder nach Berlin zurück, trieb sich hier planlos umher und ging seinem Special- gewerbe, dem Palctotdiebstahle, nach. Einen der gestohlenen Paletots hat er durch einen ehemaligen Zellengenossen, den Handels- mann Alfred Schlesinger, versetzen lasseit. Die beiden Ausbrecher konnten sich nicht lange der Freiheit freuen, sie ivurden bald»vieder eingefangen und standen nun zusammen mit Schlesinger vor der Strafkammer. Troje»vnrde Ivegen Diebstahls nnd Betruges zu zivei Jahren Gefängnis. Schlesinger wegen Hehlerei zu I e ch s Monaten Gefängnis verurteilt. Haß mußte frei- gesprochen»Verden, weil der Gerichtshof ihm glaubte, daß er schon bei der Wegnahme der Kleidungsstücke des Schuhmachers die später ausgeführte Absicht der Rückgabe gehabt habe. Wege» Bigamie hatte sich gestern der Bnchdrnckcrei-Maschinen- meister Hermann Henkel aus Berlin vor der ziveiten Ferien- strafkanimer ain Landgericht II zu vcrantivorten. Der Angeklagte heiratete am 23. Oktober 1886 in Berlin ein junges Mädchen. Die Ehe»var aber keine glückliche und nach der Geburt eines Kindes trennte sich Henkel von seiner Frau und ging tit die»vcite Welt. Am 4. Juni 1893 heiratete er in Greifswald zum ziveiten Male. Bald darauf kam er nach Berlin, fand hier Stellung, ließ seine zivcite Frau nachkommen und wohnte mit derselben in Schöneberg. Das hatte die erste Frau ausgekundschaftet und daraus Anzeige er- stattet. Der Angeklagte führte zu seiner Entschnldigimg an, daß er vor seiner ziveiten Verheiratung sich in Berlin erkundigt habe, ob seine erste Frau noch existire. Er habe nur erfahren können, daß sie sich einem lasterhasten Leben ergeben habe, und da er dieselbe nicht mehr zu ermitteln vermochte, habe er geglaubt, daß sie tot sei, oder aber, daß sie sich melden und iittervemeren würde, wenn er aufgeboten würde. Der Gerichtshof nahm ans diese Entschnldigniigsgründe mir insolveit Rjicksicht, daß mildernde Umstände zugebilligt wurden und die Strafe statt auf Zuchthaus nur auf neun Monate Ge- f ä n g n i s bemessen»vnrde. Der Angeklagte, der sich in Unter- snchuiigshaft befand, wurde in Haft behalten. Vovmifch-keSs Die Pest in Oporto. Ans Oporto schreibt die„Kabel-Korr* unter dem 14. August:„Noch gestern Abend hatte die Censnr alle auf die hier auSgcbrochene Pestepidemie bezüglichen Meldungen einfach kassiert, heute konstatiert die offizielle Zeitung selbst das Ans- treten der furchtbaren Seuche. Schon am 20. Juli hatten»vir ge- meldet, daß mehrere PesifaNe. damals offiziell abgeleugiiet, durch ein spanisches Schiff eingeschleppt waren, von denen sieben� tödlich ver- liefen. Sie hatten sich»inten ain Fliißufer, in einem der schmutzigsten Quartiere der Stadt, zugetragen, und dort befindet sich auch heute noch der Infektionsherd der Seuche. Wie jetzt offiziell zugestanden, wurden bereits seit vier Wochen alle von Oporto kommenden Reisen- den einer strengen Quarantäne resp. ärztlichen Untcrsnchnng unter- zogen, ebe man ihnen das Weiterreisen gestattete, aber keine ver- dächtigen. Fälle»vnrden konstatiert; die Krankheit blieb auf vereinzelte Fülle unter der ärmsten Bevölkernng jenes Stadtviertels be- schränkt. Bis dahin hatte ma» versucht, der Krankheit einen weniger häßlichen Namen zu geben, und eine Anzahl Aerzie hatten be- stritten, daß es sich um die eigentliche Pest handele. Nunmehr sind alle Erkrankte in dem Misericordia- Hospital untergebracht. Aerzte sind von Lissabon eingctrossen. Tie Presse greift die Regierung heftig an. weil sie die Thaisache so lange verheimlicht und besonders das Ablassen einer Reihe von Bergnügungszügen gestattet hatte. Nach einer Depesche des Konsuls der Bereinigten Staaten in Lissabon sind daselbst fünf Fälle von Pest vorgekommen. Da neben der englischen Flagge die deutsche in den portu- giesischen Häsen am zahlreichsten vertreten ist. wird es dringeitd not« wendig sein, daß die deutsche Regierung mit Quarantänen vorgeht nnd daß auch den Postsendungen aus Portugal gegenüber au§- reichende Vorsichtsmaßregeln getroffen werdeit. Eine gefährliche Kirche. Die Untcrsnchnng des baulichen Zustandes der Johannistirche zu Stettin hat ergeben, daß sich mehrere Pfeiler an der Südseite der Kirche gesenkt haben. Infolge- dessen sind im Geivölbc mehrere Risse entstanden. Es mußte daher, da leicht ein Einsturz des Geivölbes erfolgen kann, die Kirche ge« schlössen werden. Ein Raubmörder ist in I n o w r a z l a w ain 15. August in der Person eines Untersuchinigsgefangenen ermittelt worden. Es wurde nämlich vor einigen Tagen in der Nacht ans der Straße in Jnowrazlaiv ein etiva 35 jähriger Mann wegeit BettelnS arretiert, der bei seiner Vernehmung angab, der Franzose Le Blaue zu sein. Int»veitere» Verhör verwickelte er sich in Widersprüche, räumte in- dessen ans eingehendes Befragen ein, daß er am 31. Mai d. I. früh ans der Landstraße von Biilolv nach Behrendt in Westprcußen eiiteit ihm dem Namen nach unbekannten Knecht, welcher auf einem Wagen fuhr und ihn jLe Blaues, der er im Straßengraben ge- sessen,„Bummler" geschimpft hätte. zunächst mit einem Knüppel mchrcremale über den Schädel gehauen und dar- ans mit einein Revolver derart auf ihn geschossen habe, daß er nach wenigen Zuckungen das Leben ausgehaucht habe. Ebenso räumte er dem Amtsanwalt' ein, daß er Tags zuvor in Biitoiv mit derselben Schußwaffe nach einer Kellnerin, mit der er»vegen Be- zahlung der Zeche in Streitigkeit geraten»var, durch das Feitster gescbosien habe. Nach diesen Thatsachen kann es somit keinem Ziveifcl unterliegen, daß der von der Staatsanlvaltschaft zu Danzig gesuchte, bisher beut Namen nach unbekannte Raubmörder des Knechtes CzarnoivSki mit dem Le Blaue identisch ist. Le Blanc spricht, wie noch bemerkt sei, fließend französisch nnd gebrochen deutsch, macht auch äußerlich den Eindruck eines Franzosen. Er gicbt an, in Pont ä Mou?on, Departement Ronen,'geboren zu sein. Aus Mainz wird berichtet, daß gestern die Portland- Cementfabriken in Weisenau abgebrannt sind. Die Eiseubahitzüge von und nach WorntS konnten der Feuersbrnnst wegen die Strecke nicht passiereit. In Weitenstein fand gestern Nachmittag 3'/« Uhr ein mit starkein Rollen verbundenes fünf Sekunden dauerndes Erdbeben statt, dein um 4 Uhr ein zweites folgte. Goldbcrywerk in Tirol. Wie dem„B. für Tirol" berichtet wird, ist das leit dem Jahre 1526 in Haiitzenberg in der Nähe von Zell bestehende Goldberglverk, welches seit einigen Jahrzehnten auf- gelassen»var, weil es sich nicht rentierte, miitmehr von einem Berliner Konsortium angekauft worden, welches dasselbe in Betrieb setzen»vird. Von der Rogacher Alp stürzte ein Gastwirt ab und war sofort tot. Kampf mit Gendarmen. Auf der bei Chetelincau im Hennegau belegenen Landstraße hat sich in der Nacht zum 15. August ein blutiger Vorgang abgespielt. Zwei Geitdarmen aus Chfitelct lvarcn angewiesen worden, einen von der Staatsanwaltschaft gesuchten Mann festzunehmen. Gegen halb 11 Uhr abends erfuhren'sie, daß der Gesuchte sich im Ausschanilokal von CorneliS- Doms ans- hielt. Als die Geitdarmen das Lokal betraten, erhoben sich sofort alle Gäste und gingen, nachdem sie die Lampen aus- gelöscht hatten, mit Bierseidel», Bierflaschen nnd anderen Ge- raten gccien die Gendarmen uor. Tic bald besiegten beiden Gcn- darinen muhten mit Blut bedeckt den Nikkzng antreten, aber ans der Landstrahe begann aufs neue ein wilder Kampf. Der Gendarm Leonard wurde mit einem schweren Kegel erschlagen, worauf der Gendarm Sacra seinen Revolver abschoß. Der Schankwirt Dams fiel tod nieder: dem Arbeiter Rondaux zerschmetterte eine zweite Kugel den Schenkel. Inzwischen traf aber die herbeigerufene Gen- darmerie ans ßchsielct ein, veranstaltete Nnchforschnngc» und uahin 13 Beteiligte fest. Ein Gcmeindcrat in Chtttelincau hatte nach Chkttelct gedrahtet. Aus New Bork wird berichtet: Im Hause eines Mannes Namens Wilkins wurde eine Leiche in einem Kochkessel gefunden. Wilkins ist ein Quacksalber, der viele Patienten besitzt und der in der letzten Zeit durch de» Sanitätsrat scharf iibcrivacht wurde. Es stellte sich heraus, daß Wilkins eine Negerin, die an den Folgen einer von ihm vorgenommenen Operation in seinem Hause starb, gekocht hatte, um zu verhindern, daß ihr Tod amtlich registriert wurde, da dies zur Entdeckung der unberechtigten Operation geführt hätte. Stürme nnd Ucbcrschweiiimniiqcn in Südamerika. In der Nähe von Santiago herrschen fortgesetzt starke Stürme und Ileberschwemmungen. Ein P e r s o n c n z u g stürzte bcinc Passieren einer Brücke in den Fluß: fünfzig Personen ertranken. Ei» Hmis wurde fortgeschwemmt, wobei n e u n Personen er- tranken.— Aus Montevideo meldet ein Telegramm: Hier richtete ein Cyklon großen Schaden an; eine Anzahl Personen ist ums Leben gekommen. Briefkasten der Redaktion. Tie jiirlsllsibc Tprechsiiiiide tutrd Tieiistags, TouuerStogS»ud Freitags abends von 6 biS 8 Übe abgehalten. Wette. Genau lassen sich die Pferdestärken der Lokomotiven für die verschiedenen Zugartcn nickt angeben. Im Durchschnitt werden Lokomotiven von Loy bis üvo Pserdekräften gebaut. Lessingstrasie. Nickt ausnahmefähig. Sie stellen sich eine derartige Mähnahme gar zu einfach vor. R. K. 73. Berliner Kranken-Unterstiitzung?- und BegrnbniSverein für Frauen und Mädchen, Frau Maschau, Eichendorffstr. 2, 3 Tr. Markltzrcise von Berlin am 16. August I8SS nach EnnilteltiUaen dcS kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. *)Weizcn «)Rvggen Futtcr-Gcrste„ Haser gut „ mittel„ .. gering Nichtsiroh„ Heu DErbfen. -fsSpctiebohncn„ fhLinicn Knrtvffclli, neue Siindsscisch, Keule lüg do. Banch„ ) Ermittelt pro 16.80 14,70 Schweinefleisch 14,70 13,70 Kalbfleisch 13,20 12,80 Hammelfleisch 15,60 15,— Butter 14,90 14,40 Eier 14,30 13,80 Karpfen 4,32 3,60 Aale 0,80 3,90.flau der 40,— 25,— Hechte 50,— 25,— Barsche 70,— 30,— Schleie 8,— 5,- Bleie 1,00 1,20 Krebse 1,20 1,- Tonne von der Ccnlralflclle der Prenfl. Landwirt- schasislammer— Siolierniigssiellc— und umgerechnet vom Polizeipräsidium sür de» Dvppcl-Cciitlier, ch) Kleinhandelspreise, lüg 60 Stück lü/r per Schock 1,60 1,60 1,60 2,40 4, 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 1-'.- 1,- 1,- 1,- 2,- 2,20 2,- 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- Produkten markt vom 17. Augu st. Weizen schlofl wie gestern. Roggen war verhältnismäüig schwach angeboten und log aus diesem Grunde fest und Vz M. tl, eurer. Ltefcmng V- bis 3]4 M. höher. Hafer stellt sich loko noch ziemlich fest. Lieferung clier schwächer. Letzteres gilt auch von Mais. Für Mehl blieben Preise unverändert. Spiritus preishaltend nnd still. Spiritus loko ohne Faß mit 70 M. Abgabe ist heute von den KurSmaklern mit 43,5 M. gehandelt worden. tt n r t o f f c l f a b r i k a t e. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack—. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto iull. Sack und Mehl 19,00 M. Supra trockene Kartoffelstärke— ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto—. Prima Kartoffelmehl 19,00 M. per 100 Kg. Eiervericht vom 17. August. Normale Eier je nach Oualität von 2,70—2,93 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Oualität 2 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— ,— M. bis— ,— M. per Schock. Tendenz: fest._ Wl>t«r«»gsübersicht bom 17. Zliigust 1899, iiiorgcus 8 Uhr. Wetter. Prognose für Freitag, den 18. Zlugnst 1899. Etwas kühler, veränderlich, mit leichten Regensällen und frischen nordwestlichen Winden.«.»>-----»» �-------- Berliner Wette rbureau. DeutscherHoizarbeiter-Verband. Heute. Freitag, abends 8'/- Uhr. bei Doli», Beuthstr. 29-21: Sltziiiig der Orts- Verwaltung. Achtung k Mitglieder. Wir bringen den Mitgliedem den Bcschlust der Bertraiiens männer- nnd Gciieraivcrsaiiiinlung in Erinnerung, dab jedes Mitglied 19 Pf. Vxtrabcitrag pro Woche a» de» Streikfonds zu zahle» har. IBBT- Gleichzeitig ersuchen wir dieicuige» Mitglieder, welche die pro 2. Quartal scstgcsctztcii vier 50 Pf.-Beiträge noch Nicht eut- richtet haben, an den nächsten Zahltagen dies zu thun. Einsetzen. Sonntag, den 29. August, vorinutags 19 Uhr. bei �ndell, Lindciistr. 19ti: UM- Versammlung'.'"WI Tagesordnung: Der Stand uuscrcr Lohnbewegung. 109/1 Jeder Einsetzer, der Mitglied des Verbandes ist, hat die Pflicht zu er- erscheinen.___ Die Ortsvcrwaltnng. CelMmblind kt Zimiiierer Zahlstelle Berlin Sonntag, den 29. Zlugnst er., vormittags 19 Uhr: Mitglieder- Versammlung in de»„Armluhallcn-, Kommandanteusir. 29. T a g e S- O r d n u n g: 1. Berichterstattung über die letzte Sttzmig der Achtzehner- Kommission. 2. BerbandsangelegeiiheUen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 262 3_ l>cr Vorataml. Uerein der Zimmerer Berlins nnd Umgegend. Sonntag, den 29. d. M., vormittags 19 Uhr: Mitglieder- Versammliing bei Cohn, Benthstraste 29121. Tagesordnung: 1. Vercinsangelegenheilen. 2. Vortrag des Genossen voorg Vagner über: Vollsbildung und Klasscnbcivujzticiii. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 257/14 Es ist Pflicht, daß jedes Mitglied in dieser Versammliing erscheint. Itev Vor�tluKk. OnstaT Undenliayn, Grünau, Wilhcliiistr. 9 lind Friedrichstr. 1—2.[19272* Empfehle meinen utii renovierten Saal, ebenso schöneli großen Garten nebst zwei verdeckten Kegelbahnen den geehrten Vcreinnr nnd Gesellschaften Achtung, Maurer! Sonntag, den 20. August er., vorm. 10 Uhr: Ukrslüiimiüiig öks Ntttins zur Wahnttig der Interessen der uiaurer Verlins 11110 ßlmgkgenii. zu erscheinen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Gcnoffen liessi«;»' über:»Revolution und Socialdemokratie". 2. Diskussion. 3. Vercinsangelegciihciicii. 129/17 XL. Da unter dem 3. Punkt wichtige Sachen zur Sprache kommen, ist es Pflicht der Mitglieder Ter Borstand. I. Ä.: C!. Hcrforth. Schnnlstnirtschast Eckgeschäft mit kl. Saal, voller Schauk, ist preiswert zu verkaufen resp. gegen Kaution zu vervachlen. Offerten unter B. 22 sind an Postamt 32, Berlin 8, zu richten. 2340L* Die als Reisemuster benutzten Damenkostümröcke von 4,50 bis 8 M., Jackenkostüme von 6 bis 18 M. stelle ani 18. und 19 Angnst zum Einzel- verkauf. Zlorltiv 8knt«ch, 98/6 Taubcnstr. 23 II. Facliyerein der Musiklnslrumenlen-Arbeiler und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Montag, den 21. Aiigllst 1899, abends 8Vz Uhr. im Lokal des Herrn Grannitmn, Nannynstr. 27: Mitglied er- Versammlung. Tagles-Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Wagner über: Volksbildung und Klaffen- bewnsjtsciil. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Sommerfcst. 4. Bericht der Agitationskonimission. 5. Antrag der Delegierteilversammlung. Mrliknntz! Die Vereinsversammlungen finden von jetzt an immer Montags nach'dcm Ecrstcn und Montags nach dem Mnf zehnten jeden Monats. Nannynstr. 27 bei Granman» statt. Bitte die Kollegen recht zahlreich zu erscheinen. 142/11 Der Vorstand. Verein deutscher Schuhmacher. Sonnabend, de» 19. d. M.. abends 8V- Uhr: Bniiilheiiversaiiiiiilmig kt 2([)a[tcnrbcitcr 11.-Arbeitmnileil bei Schiller, Rosenthalerftraffc 57. Tag ds-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen I.anleav über: GcwerkfchaftSorganisationen nnd müffc» diese das Werk der Arbeiter selbst sei»? 2. Diskussion. 3. Wahl einer Bezirksleirnng. lim zahlreiche Beteiligung ersucht 170/3s Ilie Ortsverwnltnnc� Sonntag, den 20. Angnst, vormittags lOV« Uhr: General-Versammlung der Holz- n. Bretterträger Berlins u. Umg. bei Herrn Ewald. Schönleinftr, Nr. ti. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 3. Gewerkschaftliches. 84/14 Zu dieser Versammluug sind die Kollegen der Firma Fischer 4 CoIIberg dringend dazu eingeladen. Ter Vorstand. P. Karnatz. Achtung, Textilarbeiter Filiale I Berlin. Sonnabend, den 19. August 1899. abends 8Vz Uhr. bei Wilke, Audreasstraffe Nr. 26: 9V Verfkttnnilnng. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Herrn, Bsmascbüe über:„Wohnungsnot und Boden, frage." 2. Diskusston. 3. Kassenbericht. 4. Verschiedenes. 272/5 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vorstand. Posamentierer. Nissntliße BttMilW iilitt SttiifijMoftn am Sonnabend, den 19. August, abends 8V2 Uhr. im Lokale des Herrn nnschinß:, Nene Roffstr. 3(Englischer Hof). Tages-Ordnung: 1,„Unsere Lohnbewegung". 2. Wahl einer Lohnkommission. Es ist Ehrensache, dag jeder Kollege zur Stelle ist.*�(8 Pie Agitatlonw-Kominlsglow. r Die weltbekannte"Wa Bettfedern-Fabrik GttftavLustig, verlinS. ,Prinzen- > strage ttt, versendet gegen Nachnahme ! qarant.neue Vettsedern d. Pfd. bä Pf., l chinesische Halbdaunen d.P-d.M. 1,25, > bessere valddaunen d. Pfd. M. 1,75, vorzügltche Daunen d. Pfd. M. 2.35. —- van diesen Daunen genügen � S fclli Pfund zum arosten Oberbetr. Verpackung frei. Preisl. u. Probe» grati». Viele Anerkennungsschr., J. ChaHottenburg 196, llcrlineratrasso 196. Nlzuen Gold- nnd Silber-Waaren Reparatur-Werkstatt. Nirgends besser! 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Auch sind zwei Vereinsziuuner mit Piano, 40—100 Personen fasiend, zu vergeben. Schul- straffe 29. yGO* Ein Parieigenoffe wünscht seine beiden Kinder(Mädchen im Atter von 6 und 8 Jahren) bei anständigen Lcuten, am liebsten bei Genossen, iu Pflege zu geben. Reflektanten bitte, sich an niitcrc Adreffc zu wenden. Fr. Preuff, Neue Friedrickstraffe 20 Restanrnlion. Freunden und Gc- noffcn zur Nachricht, daff ich Hagels- bergerstraffe 23 ein Restaurant über- »oiiiuien habe. Zimmer für Vereine und Zahlstelle zurgesäliigen Benutzung. Karl Keffuer. ik6* �rbeitsmarkt. Stvllsiaangkidots. 3.59 Feuerversicherung Bautzener- straffe 3. 93/1' Schuhmacher auf umgeiveiidete Arbeit nnd Leder-Rciseschuhe verlangt Schuhfabrik, An der Stadtbahn 41.* 1 tüchtiger erfahrenerEniiStischler für Goch u. Silber, hauplsächlich auf Schmuck, wird zu dauernder guter Ztclluiig per bald od. ipälcr gesucht. sticisc wird vergütet. Off. u. 9. 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IflO* Ballschnh-Akbeiter verlangt(üer- lach, Fratiksiirtei straffe 64.(19699 Vergoldcr, Farbigmachcr, Vorst Iberer verlangt H. Gliickke, Wciffeiisce, Langbanosträffe 27, 1 Trcppc.[19729 Versilberer aus Leisten werden verlangt. Rixdors, Berlincrstraffe 89. Junges Rtädchni für tagsüber verlangt sosort Blndau, Motzstr. 64. Glaceborteu-Näherin, geübte, auch lernen. Frau Langer, Fursterstr. 45. Zwet saubere Plätte rinneli fiiideii sofort dailernde Beschäftigung.'Nene Jalvbstraffe 23, Schwedrle. xlll Arbeitcriil aus weisse Wäsche, Herren- und Daiucnheuidcii, verlangt Frau Fallclibcrg, Plauwgeuslr. 43, Seitenflügel II._ y60 Plätterinnen auf geschwciste Um- lcgelragcn und Stehkragen im und ansscrm Hause verlangt Max Treppe, Schöl>han!er- Allee 167ir, Fabrik- grbäilde IV._ 1976b Arbeiterin verlangt, Kcrkau, Holl- mannstrassc 24,[19596 MamfellS auf wattierte und Stoff- räder verlangt Mebes, Dieffenbach- strahe 35, vorn III._[1948b Mamsells, Krimmerkragen, gute Preise, verlangt Syläuder, Graun- straffe 16, III. 1-47» Mamsells auf Jacketts. Bcrnauerstraffe 47c I. Schwarz, 19396* Mamsells nur Damenjacketts ausser dem Hause verlangt Herzberg, Nene Küillgstraffe 78._ 130/17 ftartaiiartieiicihtnen im und ausserm Hanse, auch/ Lehrmädchen sucktFränkel.Kastanien-Allce 79.[1921b Lehrmädchen bei hoher Lergütiing und dauernder Beickästigimg nicht Blnincii- und Fedenifabrik Härtung u. Sriener, Leipziger straffe 86. 1935b Im Arbeitöiiiarkt durch besondere» Druck hervorgehobene 'Anzeigen kosten 19 Pf. pro Zeile. Mtunü, Tischler! In der Möbelfabrik von Flegel. Wafferthörstr. 14, haben iänitliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. 108/12* Zuzug scrnbaltcn!_ Achtung! Kistenmacher I In der Werkstatt von 97/5 V.uiwporn. Reiche» bergerstraffe. sind nnsrrc Äollege» ausgesperrt. In der Kinenfabrik von Vois/t, Melchiorstrasie 39, sind die dtol- legen wegen Loliudifferciizeu in den Ausstand getreten. lenr.njp Ist feriMBuli alten. Die Lohnkouiuiissiou. Annahme-Stellen für„tlleine Anzeigen". Osten: Robert Weugels, Fruchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe.. Kopoenstr. 83. Chr. Schillü. Blnilicustr. 14. Hiss>»rd«stea: I. Rcnl. Barnim flr. 42. Ztznrden: W. Gaffman», Griuithalerstr. 65. Karl Mars, Kastaliicii-Aliee 95/96. Emil Stolzenburg, Wicsenstr. 14. L. Tcchaiid. Ruheplatzstr. 24. H. Vogel. Dcmmincrstr. 32. 'A. Tieü. Jiivalidenstr. 121 Xnr'dnestct: Karl Anders. Salzwcdelerstr. 8. S9°g. l8. Ali.»>8SS. Zur Massenaussperrung in Dänemark. An die deutschcil Arbeiter! K o p c n h c> g c n. de» 16. Ailglist 189S. � W>c schon mitgeteilt, hatte eine Geiieralversammliiiig des dänischen lliitcrnehiiicrvcrbaiidcS beschlosscn, die Aussperrung auf weitere 10 000—20 000 Arbeiter auszildchncii; es ivar jedoch dem Vorstande des Verbandes überlassen, die Fächer auszulesen, die von der Er- Weiterung betroffen werden sollten. Vorläufig ist nun be- ! 6, l offen, folgende Arbeiter, die bei den Mitgliedern des lliitcruchiner- Verbandes beschäftigt sind, auszuschließen:' SämtlicheSchncider n n dSch Neiderinnen, sä lnt- lichc Arbeiter in den Cemenlfabriken, sämtliche Huf- ii n d Wage n s ch m i c d e samt S ch l o s fern, s ä nr t- lichc Arbeiter bei G r u n d a u s g r a b u n g e n, bei Wasser-, K a n a li s i c rn n g s-. Eisenbahn-, Hafenbau u s>v. Die hier geualiiitcu Arbeiter werden die Zahl von 10 000— 12 000 erreichen. Die frühere Drohnng, zugleich die Textilarbeiter, Ziegelei- arbcitcr und sämtliche� bei Arbcitssuhrwerkcn beschäftigten Arbeiter auszusperren, wird also noch nicht vcrivirllicht. Der Vorstand des llntcriichlnerverbandes teilt jedoch der tDeffcutlichleit mit, dag noch .andere Fächer" in.Mitleidenschaft" gezogen werden sollen. Wir müssen dann ans eine nochmalige Erweiterung gcfafft sein. Die dänischen Kapitalisten haben sich also noch nicht damit zilfriedcn geben können, dag 40 000 Arbcitcr und ihre Angehörigen, zusammen 120 000 Männer, Frauen und Kinder, Hunger leiden, es müssen mindestens noch 10 000 Arbcitcr mit Familien am Hunger- tiiche nagen, und später noch mehr, um vollends über uns triumphieren zu können, um die Widerstandsfähigkeit der Arbeiter gänzlich zu brechen. Die dänischen Arbeiter sehen auch diesem letzten Schlage mit kaltem Ernst cutgcgcn. aber mit dem feslcu Entschiusse, auszuharren, bis uns die Ilnteinchmer das uns zukommende, natürliche Mit- bcstinlmnngsrccht einräumen; wir haben dazu die Verpflichtung nicht allein gegen uns selbst, sondern auch gegen die Arbeiterschaft der ganzen Welt. In � dieser Auf- fassnng werden wir jeden Tag bestärkt durch zahlreiche Zuschriften von deutschen Arbeiterorganisationen, wie dies auch geschehen ist durch die lebhafte Teilnahme an den Versammlungen, die unsere Abgesandten, die Gen. S i g v a l d Olsen und Martin Olsen in den verschiedenen Gegenden Deutschlands abgehalten haben und ivobci die deutschen Arbeiter uns überall ihre thailräftige Hilfe versprochen haben. Leider ist die Reise des Letztgenannten durch seine Ausweisung aus S ch l c s w i g- H o l st e i n unterbrochen worden. Demzufolge werden hiernach kaum andere dänische Arbeitcrrcdncr in Teutschland Zutritt haben; wir sind aber fest davon überzeugt, dag unsere deutschen Brüder auch ohne einen dänischen Referenten bei den Vcrsamnilungcn uns ihre Sympathie in geeigneter Weise bekunden werden. Diese Ueberzcugung stärkt uns' und gicbt uns die Kraft, den Kamps bis zum endlichen Siege auszusechten! Geldsendungen bitten wir an die Adresse: E. Svcndsen, Römersgade 22, Kopenhagen K., zu senden. Mit socialistijchcin Grnh _ P. Knudscn. Für die aiiögcspcirtc» Arbeiter Tänemarkö gingen bei der © e r I i n e r Gewcrtschastslom Mission folgende Bcuröge ein: Tilchlerwerlstott Fändrich, Schünlianscr Altec 4,V5. Steinsetzer durch Wratntz ö2,8ö. Tischlerei Neumanu, Schönhauser Allee 5,45. Droschken- kukscher Berlins d. Schutz 50,—. Vuchdrnrlerci Janiszcwski, 4. Rate 5,45 Tiia-lcrei v. Wcinland, Fruchtstrahe, S. Statt 15,-. Pcrs. d. Buchdmclerei I. Siltcnfcld, 4. State 56,75. Teztilarbeiler d. Bogt auf Listen 55,15. �ertilarbeitcr Berlins, Filiale I 50,—. Drahtardeitcr, Kkpniclcrstr. 110 4,40. Tischlerei Anders, jkönigSbergerstrahe 0,15 I. C. Psast, Warschanerstr. 11,�- Tischlerei v. Schaud u. Franz, auhcr zweien, 5. Rate 14,15. Dragniann auf Listen 11,00. Albuinsadril Sebastianstr. 71 7,-. Tischlerei Wolter, Büschingstrahe, 2. Rate 10,45. Schristgicherci v. Tbeinhaidt, Schöneberger- stratze 1l,—. Rabityputzer und Träger vom Bau Barth u. Schade, Wilmersdorf, Berlinerstrage 4,—. Arbeiter der Firma Zschaner, Neander- straßc 10,50. Tischlerei v. Jlacky, Köpiiilterstrahe 5,25. Porzcllanarbeiter d. Rcichardt 0,95. Tischlerei v. Wühler u. Schwab, darunter R. Wcngelö 3 M., 3. Rate 30,25. Tischsabrik v. F. Richter, Riidersdorferstrahe 11,20. Mctallwarcn-Fabrik B. K., Wasserthorstrahe 5,75. Metall waren-Fabrik von Rinow u. KapS 0,30. H. Weiß 7,55. D. Lauf, Kottbujer Damm 0,—. Glasschleifer Berlins auf Listen d. Leute! 30,—. Pers. der Buchdruckerei Greve, 3. Rate 8,35. Gcsnngvcrciu Esmeralda 10,—. Tischlerei v. Jarius, Höchstestrahe 8,70. Gesammelt d. Teufcrt 17,10. Tischlerei v. M. Schulz, Elisabeth-Nscr 10,75. 4 Bildhauer, 2 Polierer aus Künigobergerstr. 30 0,50. Bon 4Ausgefchirdc»eu aus Königsbergerstr. 304,-. Aiaschinensabrik v. Mnlick und Walkow außer zweien, 3. Rate 7,75. Landpartie d.Spitzenpnpicrsabr.St.Hcimann u. Co. 4,85. Tischlerei von Bolkmer, Krautstrabe 0,40. Schuhwareufabrik von Jakobi, Brunncnstr., 3. u. 4. Rate 17,40. Giebcrci Mathicustr. 3,-. Möbel- fabrik Voigts, Alte Jalvbstr., 2. Rate 13,75. Pianosabrik von Quandt 17,55. Stillvergnügt 1,—. Samtliche Arbeiter d. Möbelfabrik von Hülse- deck, Kroll u. Co., 5. Rate 44,80. 5 Bildhauer 2,25. Ges. in den Werl- hätten Hitzer, Lausttzerplatz, u. Rose, Schiulcstr. 24,25. Reuniann u. Budar, Möbelfabrik, 3. Rate, 12,35. Arbeiter der Eiscumöbeifabrit von Vogler u. Ringmann, 2. Rate 3,—. Pianofabrik von F. Manthey 4,50. Schlossenverlstatt von O. Nachtigall, Alte Fakobstr. 15,—. Pianosabrik von Otto, Liegnitzcrstr., 4. Rate 17,—. Tischlerei von Krause, Mariannen- ftrabe 6,75. Tischlerei von Strahburg, Fruchtstrabe, auber Polierer 8.10. Buchdruckerei„Dieses Blatt gehört der Hanssrau", 4. Rare 0,75. 'Gewerkschaftslonimifsiou von Steglitz und Umgegend, darunter Tischlerei Görtzing 10,10. Fabrik Ratcnius 1,55. Bauarbciterverbnnd Sieglitz 20,—. 2. Rate 75,—. F. H. 2,—. Mit einem Möbelwagen über See gefahren 5,20. Am Jubiliiumstag 3,—. Tischlerei Wenglcr u. Mohrmann, Köpe- Nickerstrabe, auber zwei Drechslern 5,90. Klaviatursabrik von Buchholz, 2. Rate 10,75. Lackierer und Vergolder von I. C. Pfaft 4,55. Buchdruckerei Gebr. U. 5,50. Ostend 12,45. Fräserei von Pristasj u. Rieger 3. Rate 0,00. Möbeltischlerei von Heunig, Weinstrabe, 2. Raie 0,-. Tischlerei H.Schulz, RüderSdorserstrabc 9,10. Tischler und Drechsler von Markgras u. Tau, Cuvrystrabe 10,45. Tisch lerci von Osten, Brunnenstrabe, 3. Rate 8,35. Tischlerei von Stern, Seliger u. Co. 7,15 R. Krüger, Schwcdter- strabe Nr. 22 2,50. Drechsler vo» H. Schmidt, Blumcnstrnbe 3,-. 5. Bert.'Reichstags- Wahlkreis, Gruppe II 11,70. Schneiderwerkstatt v. Grüdcr 10,—. Flöterschcr Gesangverein, Fricdcnslrabe, 17,50. Bon Schuh- machcnt Berlins d. Herrnlaim 35,80. Pianosabrik Lehmann, Königsbcrger- stiabe, 3. Rate, 19,05. Tischlerei Ouehi d. Plasse 13,20. Hilssarbeitcrinncn der Biichdruckcrci Hermann 0,55. Tischlerei Müller, Köpenickerstr. 175, 4,—. Tischlerei Heinrich, Bergmaniistrabe, d P. 14,35. Möbelfabrik von Seifert ».Wolf, Fruchtstrabe, Part.- Saal, 11,10. Buchdruckcrei Pab u. Garleb, 4. Rate, 23,10. Gold- und Silbcrarbcilcr Berlins, Vorschub auf Listen, d. Brückner 100,—. Tischlerei Kiesliiig, Waldemarstrabe, 8,35. Tischlerei Wegener, Belle-Alliancestrabe, 17,55. Tischterei Stein, Gr. Franksurterstrabe, 5. Rate, 7,55. Schneidemühle v. Hoffman», mit Auoschlub der Fräser, 7,00. Möbelpolicrer von Kümmel 20,—. Klaviatursabrik v. Kitzner n. Co., Dieffenbachstrabe, 10,90. Tischlerei von Karras, Wcderstrabc, 2. Rate, 4,—. Tapezierer der Werkstatt von Jahn 9,—. Holzbcarbciluiigssabrik von Büttner, Gr. Franksurterstrabe, 8,25. Bautischlern Wraiigelstr. 28 6,65. Sattler Berlins d. Riedel 45,—. Bauarbeiter des Baues Accumulatoren- sabrit Nieder-Schönewcide 8,—. Pianosabrik von Herbst, Zosscneistrabe 6,45. Tischler von Ludwig Löwe, Martinickenselde, 14,50. Tischlerei v. F. Otto u. Ko.. Fronscckistrabe, 11,10. Charlottenburger Morgensprache im 7. Bezirk 2,50. Arbeiter von Stoof, Schmidstrabe, 4,50. Biistensabrik von Heppner 3,10. Buchdruckerei L. Schumacher, 3. Rate. 9,35. Graveure der Firma Auerbach, 2. Rate, 13,40. Lager von Eyck u. Strasser 5,50. Jtznscher Gesangverein„Humor" 10,—. Gesangverein.IhürwärtS", Charlotrcnburg 7,90. Männer- Gesangverein„Fester Wille" 10,—. Ter Ziegel- sahrer I,-. Möbeltischlerei von Barth, Fruchtsirabe, 4. Rate, 15,45. Arbeitswillige Bunimelblüder an der Pauke 6,50. Bcgräbnisscicr, G. Magnus i,w. Gcfauimelt d. Skandinavier 71, 10(davon 30 Proz. an Bautischler Dänemarks) Möbelfabrik v. Ball, Mcmclcrstrabe, 1. Rare 4,30. Tisch! erwerkstalt Luckat, Dieffenbachstrabe, 14,05. Tischlerwerslatt A. Simon, Skaiiycrstrabc, 7,30. Tischlerei von F. Bcrndt, PcterSburgcrstraße, 12,40. Tischlerei v. RückWarth u. Stiegel, 2. Rate 11,55. Tischlerei Wille, Wrangelstra be, mit Budiker 4,35. Küchenniöbcl-Fabrik v. Schwarzer, 2. Rate 7,—. Holzbearbcüungs-Fnbril v. R. u. A. Roller 0,05. Holzbcarbeitungs-Fabrik van Krohne, Bernauerstrabe, 13,80. Durch Jäck 2,-. Holz- vearbeitungs- Fabrik von Haberer, Ailklamerstrabc, 7,55. Verband der Buchbinder, durch Lemscr 100.—. Kontobuch< Fabrik von AShelm 10,—. UnterstützungsfoudS der Glasarbeiter, Köpenick 15,— W. B. E. S. H. R. 3,—. 36/39 1,—. Arbeiter der Normalzeit 0,30. Judenkarl 0,05. Von einigen Eisenbahnern Berlins 13,50. Gcburtsfcier b. Skaliber„Otto", d. Auilion einer kleinen Weibe 4,—. II. Rate von der Malcrbude, Charloticnburg, Schillerstr. 113 19,50. Arbeitcr-Radfahrer Bereiu„Vorwärts" 10,—. Berichtigung aus der Nr. 188. Lolzbcarbeitungs-Masch.-Arb. d. Jäck, darunter Bellenbaum 10,20 mub es hciben 19,90. Pianofabrik von Köhler, Greisswalderstrabc, statt 40,— 40,55. Weitere Beiträge werden im Berliner Gewerkschastsbnreau, Anncnstr. 10, I, vormittags 10—1 Uhr, nachmittags 0—8 Uhr entgegen ge »ommen. Der Llusschub der Gewerk schaftS-Kom in ission Socrnlcsz. Ein amtliÄ lilicrkanntcö Arbcitersekretarrat. Während die hochweise Reichsregiernng den an sich gesunden Gedanken der Renten- stellen in dem Entwürfe zum Jnvaliditätsvcrsichcrungs- Gesetz mit dem Bestände und der Notwendigkeit der Bekämpfung der Arbeiter- sekrctariate begründete, hat in Mannheim das jüngst gegründete Arbcitersckrctariat amtliche Anerkennung gefunden. In den im Auf- trage des Stadtrats heranSgcgebeucn„Statistischen Monatsberichten der Stadt Mannbeim" werde» von nun an laut Stadtratsbeschlnff die Statistiken über die Benutzung des Arbcitcrsckrctariats veröffent- licht. In anderen Orten, so z. B. in Frankfurt a. M. und in Beuthen in Obcrschlesien haben die Sekretariate sich des Uebereifers der Polizeibehörden zu envehrcn. Zum Submissionöwcscn. In Altana wurden die Arbeiten zur Herstellung eines 440 Meter langen gemauerten Kanals ans- geschrieben. Von den eingegangenen Angeboten lautete daö höchste ans IS 800 M., das niedrigste ans 8772 M. Bei insgesamt vier Be- Werbern und trotz des verhältnismäßig geringen Objekts eine Preis- difforenz von 11 028 M. Miiüinallöhnc der Stadt Zürich. In ihrem Jahresbericht für 18S8 macht die Arbeitskammer eingehende Mitteilungen über die den im städtischen Dienste stehenden Arbeitern gezahlten Tagelöhne. Danach beziehen: 333 Arbeiter einen Tagelohn von 4,— Franken 361.„„„ 4,10 bis 4,50 Franken 236. 4,60„ 5.— 115„„„„ o.lO„ 5,50„ 48„„„„ 5,60„ 6,—„ 12„„„ 6.20„ 6,50„ 7....... 6,80.. 7-„ 81 Arbeiter, darunier 32 Lehrlinge, beziehen einen Tagclohn bon weniger als 4 Fr. die Gesamtzahl der Arbcitcr beträgt 1324. Minimallohn und Arbeitszeit sind durch die Gememde-Ordniing geregelt; sie schreibt vor, daß der Minimallohn bei zehnstündiger Ar- beitszcit 4,50 Fr. für gelernte und 4 Fr. für ungelernte Arbcitcr betragen und daß vornehmlich Echwcizerbürger eingestellt werden sollen. Diese Ordnimg der Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbcitcr ist den Unternehmern ein wahrer Greuel. ins- besondere der Minimallohn,„der eine allgemeine Interesse- losigkcit großzieht", sagen die Herren in ihrer Überschäumenden Weisheit. Im Jahre 1897 unternahm der Gewcrbeverband Zürich eine Erhebung mittels Fragebogens über die Wunschbarkeit der Ein- flihrimg eines allgemeinen Minimallohns, und er wandte sich damit auch an die st ä d t i s ch c A r m e n p f l c g c. Diese beschränkte sich aber ans die Behandlung der Frage, ob die Vcr allgemeine- rung des Riiniinallohncs eine Vermehrung oder Verminderung der A r ni e>i l a st b e w i r t cn wurde. Die Mitglieder der Armcnbehörde trennten sich in eine Mehrheit und eine Minderheit. Erstcre vertrat den Stand puiilt, ein allgemeiner Miniinallohn würde eine bedeutende Vermehrung der Armcnlast herbeiführen, weil er eine Menge an§- ivärtigcr, weniger giilgclvhutcr Arbeitskräfte heranziehen, die Konkurrenz ans dem Arbcitsmarkt verschärfen, eine große Anzahl einheimischer, nicht voll lcsstnngSsähigcr Personen arbeitslos machen würde. Die Minderheit fand, diese schlimme Wirkung des Mininiallohnes würde mehr als aufgewogen d n r ck d i c ivohlthätigc Folge, daß er die ungenügenden L o h n v e r h ä l t n i s s c. diese direkte n n d indirekte Haupt Ursache der U n t c r st ü tz n n g s b.cdürftigkeit, beseitigen und trotz allfälligcr Mehr- leistnngen für heschäftignngslose Personen doch eine wesentliche Verminderung d e s g e s a in t e n Unterstützungs« b c d a r f s b c>v i r k e n würde. VevpAinnrlnngen. ltcbcr die Kanalliorlage vor dcm preusiischc» Landtage sprach Pfarrer R a u m a n n in einer öffentlichen Bersammliing, die am Mittwoch im Fricdrichstädtischtn Kasino stattfand. Die Vcr- sammlung war nur schwach besucht. Herr Nanniann sprach seine Freude darüber auS, daß ein Kon- flikt zwischen dcm Kaiser und den Konservativen entstanden sei und setzt große Hoffnungen auf den Tag von Dortmund und auf den Einfluß dcS Kaisers. Er empfahl die uatioiial-sociale Partei als diejenige, ans die sich der Kaiser bei einer zukünftigen nationalen Politik stützen könnte. Es hatte niemand von den Anwesenden Lust, die Wassersnppe des Herrn N a n m a n n noch zu verlängern und so schloß die Versammlung ohne jede Diskussion. Eine öffentliche Versammlung der Klempner, die äußerst stark besucht war, fand am Mittwochabend statt, um über die Auf- gaben für die kommende Lohnbewegung zu beraten. WieDie jener in seinem Bericht namens der Agitationskoininission hervorhob, seien die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im ganzen Klempnergewerbe mit verschwindenden Ausnahmen, trotz der durch die Lohn- bcwcgung vor drei Jahren errungenen Vorteile, die denk- bar ungünstigsten im Verhältnis zu anderen Berufen� und im Gegensatz zur fortdanernden Steigerung der gesamten Lebenshaltung. Die Hanptschäden in der gewöhnlichen Klempnerei bestehen in der Lehrkingsziichterei und in der bevorzugten Beschäfti- gung von jüngeren Arbeitern mit niedrigen Löhnen; in der Bau- klcmpnerci seien die Arbeiten infolge der eigenartigen Beschäftigung auf den Arbeitsstätten zu vereinzelt, um einen ständigen Verkehr und eine dauernde Verbindung unter einander aufrecht zu erhalten. Alle diese Umstände erschweren eine thatki'äftige und durchgreifende Agitation und ein einheitliches Vorgehen, da von den etwa 5000 in Berlin beschäftigten Klempnern kaum 1000 organisiert seien. Bevor mit einer allgemeinen Lohnbewegung begonnen werde, müsse man sich auch über die zu unternehmenden Schritte klar geworden sein, wenn man auf einen dauernden Erfolg rechnen wolle. Vor allem sei es unbedingt erforderlich, das schon leit Jahren angestrebte B e r t r a u e n S m ä n n e r- S y st e ni in allen Werk st ä t t e n und auf Bauten zur einheitlichen Durchführung zu bringen, so daß auf jeder Arbeitsstätte mindestens ein Vcrtrancnsmann vorhanden ist. Diese haben nicht nur durch Einbcrnfnng von Werkstättenversammliingen über alle Lohnforderungen zu beraten, sondern auch in Vertrauens- mäiiner-Persaminlungcn die Ergebnisse zu besprechen, um die Forde- rungcn endgültig den JnmuigSmeistem und dem Unternehmer- verband in nächster Zeit unterbreiten zu können. Daraus werde es sich erst dann ergeben, ob die Hauptforderung eines Minimal- Stundenlohnes von 50 Pf. gestellt und erreicht werden könne. Auf Antrag Näther werden in der Besprechung beide Punkte der Tagesordnung als zusammengehörend behandelt. Schlegel er- klärt in längeren Ausführungen, daß man bei einer regeren Agitation nicht nur den 50 Pfennig- Stundenlohn, sondern auch den N e u n st u n d e n t a g schon längst haben könne. Als weitere Forderungen habe man die B e- seitigung der Ueber stunden und verbesserte Schutzvorrichtungen auf Bauten, entsprechend den Fordernngcn des Banarbeiterschutz-Kongresses,� und, wie Burg- wart hinzufügte, auch die möglichste Beseitigung der A c c o r d a r b e'i t anzustreben, bczw. wo dies vorläufig nicht durch- fübrbar, einen genaueren Tarif für Accordarbeiten ans- znfertigeii..Die Entschädigung für Fahrgeld nach den Bauten sei cbenfalls einziischaltcn. In Rücksicht ans alle diese Forderungen empfiehlt Schlegel nachstehende Resolution:„Die am 16. August d. I. in Cohns Fesisälcn tagende öffentliche Versammlung der Klempner Berlins beschließt: In Erwägung der Tbatsache, daß eine Aufbessernng der clcsaniten Lohn- und Arbeitsverhältniffe nnbedingt erforderlich erscheint, die Agitationskommission zu beauftragen, die an die Unternehmer zu stellenden Fordcningcn bis zur nächsten Versanmilung auszuarbeiten. Um aber die einheitliche Durchführung der Forde- ritngen zn ermöglichen, erachtet die Versammlung es für Pflickit aller Klempner, für kräftige Ansgestaltung der Organisation durch Beitritt zu derselben bestrebt zu sein. In allen Werkstätten und auf Arbeits« Plätzen, wo noch kein Vertrauensmann bestellt ist, ist cS Pflicht aller Kallcgen, sofort einen solchen zn ernennen, damit sich sämtliche Vcr- traucnslcntc an die Agitationskominission der Klempner Berlins wenden können." EinAntrag Kaiser: in nächsterZeit eine Versammlung an einem Sonntag in einem größeren Lokal einzuberufen, wurde dcr Agitations- koinmission zur Begutachtung überlassen. Die Resolution wurde hieraus e i n st i m m i g angenommen. N ö s k e bemerkt noch, daß. wie es leider schon mehrfach geschehen, die Mitteilungen über Mißstände in einzelnen Betrieben nicht anonym, sondern mit v o l l c r N a in e n s n e n n u n g an die Kommission bczw. an die Per« wältung der Organisation zu machen sind, da anonyme Anzeigen k c i n e B e a ch t u n g finden können. Schlegel giebt bekannt, daß Fragebogen vom Bureau der Metallarbeiter, Annen- st r a ß e 89, zu erlangen sind. Mit dem Wunsch des Vorsitzenden, in der Agitation für die kommende Lohnbewegung der Klcinpncr nicht zu erlahmen, wurde die imposante Versammlung nnt einem begeisternden Hoch ans die Bewegung geschlossen. Ter Verein der Lithographen, Stcindrnlkcr und Berufs- gcuoffcit(Zahlstelle III) hielt am 9. Nngust eine Versammlung ab. Dübelt verliest die Präsenzliste des Mitgliederbestandes. Danach zählt die Filiale 217 Miiglicdcr. Am 17. und 13. September findet in Leipzig ein Kongreß statt. Der Einladung an die Sonder- vrgaiiisationcn zur Teilnahme am Kongreß folgte eine Ablehnung mit der Begründung, daß der Kongreß zu verfrüht sei und außerdem siebe es noch nicht fest, ob eine geschlossene Organisation oder Sektionsbildinig das richtige sei. Trotzdem hofft man, daß der Kongreß Ersprießliches und die Interessen Förderndes zeitigen werde. Ter Antrag Dübelt, ans die Tagesordnung des Kongreffes die Schäden der Privatlithographie zu setzen, wird angenommen'. I« der Versammlung der Möbelpolierer(Filiale N) hielt am 14. August Adolf Hoffman n einen zustimmend auf- genommenen Vortrag. Die Versammlung sprach sich sodann gegen den in Vorschlag gebrachten Abstimmungsmodus in der Gewerkschafts- kommission ans. Tic Kistcnmachcr hielten am 14. d. M. eine gutbesuchte Ver- sammlung ab. in welcher Ko tzke in einem mit reichem Beifall auf- genommenen Vortrag über die Arbeiterbewegungen in Frankreich sprach. Als Diskussionsredner sprach T s ch e r n i g im Sinne des Referenten. Im weiteren wurde das Verhalten des Fabrikanten E i n s p o r n kritisiert, der 24 Mann ohne Grund entlassen hat. lieber die betreffende Fabrik ist die Sperre verhängt. Hierauf kam die Regelung des Arbeitsnachweises zur Besprechung. Nach leb- haftcr Debatte wurde beschlossen, den Arbeitsnachweis bis auf Iveitercs Breslaucrstr. 28, früher Munzig, zu belassen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäschcbranche hatten am 13. August eine Versammlung anberaumt, in der Theodor Metzncr in einem interessanten Vortrag über die Schule wie sie ist und wie sie sein soll sprach. Es folgte sodann der Bericht des KassirerS vom zweiten Quartal. An Einnahmen waren mit einem vorhandenen Bestand 915,66 M. zu verzeichnen, denen eine Ausgabe von 713,21 M. gegenüberstand. Die Versammlung bewilligte für die dänischen Arbeiter eine llntcr- stützmig von 30 M. Ferner sprach sich die Versammlung gegen die in der Gciverkschaftskonimission geplante Acndernng der Vertretung aus. Die Einsetzer beschäftigten sich am Mittwoch in einer Ver- sammlung, die bei Cohn tagte, mit ihrer Lohnbewegung. Schönberg gab den Situationsbericht und führte unter anderem aus: Man habe den rechten Zeitpunkt gewählt, insbesondere sei das genieinschaftliebe Vorgehen mit den Bautischlern notwendig gewesen. Bei den Einsetzern handle es sich weniger um Neu- fordernngcn, als um die Sicherstellung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Eine Anzahl von Arbeitgebern habe schon bewilligt, doch lasse sich ein genaues Resultat noch nicht feststellen. Die Zahl der Bcwillignngen wäre bereits eine größere, wenn nicht seitens mancher Einsetzer gegen den Beschluß, ani verflossenen Montag die Forderungen zu stellen, gesündigt worden wäre. Das Versäumte müsse nachgeholt werden. Vor allem aber müßten die Kollegen der ständigen Kommission, die in der Alten Jakobstraße 75 von früh S'/s bis 7 Uhr abends zu sprechen sei, über ihre Arbeitsangclcgciiheitcn genaue Berichte übermitteln, und zwar seien besonders Arbeitscinsielliingen, Ab- lchnnngcn des Tarifs nnd Bewilligungen sofort der Kominlssion anzuzeigen. ES folgte eine sehr lebhafte Debatte, auS der hervorging, daß manche Arbeitgeber am meisten an der Forderung eines Kostgeldes von 27 M Anstoß nehmen. Von ver- chiedenen Rednern wurde angeregt, die beschäftigungslosen Kollegen zur Kontrolle der Bauten heranzuziehen. Zugleich betonte man, daß denjenigen gegcniibcr. welche den Beschluß vom vorigen Sonntag noch' nicht beachtet haben, jeder grobe Ausdruck und jede Drohnng zu vermeiden sei.— Der Beschluß der öffent- lichen Baiilischler-Versaniinlnng, der die Solidarität zwischen den Werstättcnarbcitcrn und den Einsetzern ausspricht, war von einzelnen dahin ausgelegt worden, daß die Einsetzer, welche bewilligt er- hielten, nicht eher arbeiten dürften, bis auch ihren Mitarbeitern in der Werkstatt die Forderungen bewilligt worden seien, und umgekehrt. S ch ö n b e r g und andere erklärten diese Auffassung für alsch. Jener Beschluß bedeute lediglich, daß in den erwähnten Fällen die Einsetzer keine Bautischlerarbeit und umgekehrt die Bau» tischler keine Einsctzcrarbcit ausfuhren dürften. Knrkowsky riet den Einsetzern, die mit sogenannten Entrcprencnrcn zu thnn haben, über deren Köpfe hinivcg mit den cigentlicheu Meistern zn verhandeln.— Allgemein wurde verlangt, daß sofort die Arbeit niedergelegt werde, wo der Tarif nicht bewilligt sei und die Einsetzer jetzt noch arbeiteten. Es sei ans eine schriftliche Anerkennung des Tarifs zn dringen.— In einer Resolution verpflichtete sich die Bersammlung, alle die Kollegen, die Beschäftigimg haben, so lange wöchentlich 50 Pf. zu zahlen, bis der Slrcik beendet ist. Ferner wurde beschlossen, folgenden Antrag der Ortsverwaltimg zu unterbreiten: „Diejenigen Kallegen, welche Montag, den 14. August, zur Zeit der Arbeitsniederlegung arbeitslos waren und in keiner Arbeitsstätte, wo bewilligt ist, anfangen können, sind als Streikende zu betrachten und demgemäß zu imteistiitzen." I» Rnmmclöbnrg tagte am Montag eine gut besuchte Ver« 'ammlung, die sich mit den Zuständen in den Anilinfabriken be- schästigte.' Es wurde, hervorgehoben, daß es mit den Einrichtungen zum Schutz der Gesundheit der Arbeiter sehr schlecht bestellt ist. In Treptow sind die Verklcidnngen der Dampfheizung so schadhaft gc- wesen, daß sich vor kurzem ein Arbeiter den Arm verbrannte. Auf die Beschlverden des Arbeiters bei der Direktion wurde ihm erwidert, daß die Dampfheizung mir hin und wieder mal gebraucht werde. Auch über den Mangel an Ventilation wurde geklagt, so daß die Arbeiter den ganzen Tag den Gestank der Salzsäure einatmen müssen. Die Löhne betragen pro !Tag 2,60 M. Die Kesselreiniger, welche Accordarbeitcn verrichten, verdienen annähernd 17 M. pro Woche. In der Diskussion meldete sich ein Meister zum Wort und gab an, daß die Accord» arbeiter nicht die Woche 17 M., sondern in fünf Tagen 17 M. verdienen. Den Ausführungen wurde entgegengehalten, dah Arbeiter -in fünf Tagen die 17 M. verdienen können, wenn täglich zwei lieber- stunden gemacht werden. Im weiteren wies der Meister daraufhin, !dab es gar t nicht richtig sei, dah die Versammlung von einer Frau geleitet werde und forderte die Arbeiter auf, sich an den Aussagen, die hier gemacht werden, nicht zu kehren, denn die Versammlung sei nur dazu einberufen, unr für die Socialdcmokratie Propaganda zu machen. Seiner Meinung nach sei die Arbeiterschaft von NunimclSburg für die Socialdcmokratie nicht zu haben. Nachdem der Herr von Haupt und Weise die gebührende Antwort erhalten, ging man zu Verschiedenem über. I ES wurde bekannt gemacht, dah die nächste Mitgliederversammlung am 21. August im Lokal von Paster. Jnselstr. 10, stattfindet. Be- schwerden über Zustände in den Fabriken wolle man an Frl. Trade, Eisenbahnstr. 32 bei Sicgner, richten. Charlottcubnrg. Am 16. d. M. tagte hier eine Versammlung der Gewerkschaftskommission. Zum ersten Punkt der Tagesordnung berichtete Bartsch über den Streik der Textilarbeiter bei der Firma Gebauer. Hierauf gab D o m m e r einen Bericht über den bei- gelegten Streik der Schnncde, welcher teilweise Errungenschaften zu verzeichnen hat. Bleeck schilderte den gegenwärtigen Stand der Bewegung der Bautischler. Von den hundert hier ar- beitcndcn Bautischlern beteiligen sich am Streik 73, welche ihre Forderungen den Meistern vorlegten und bei Ablehnung der- selben in den Ausstand eintraten. Redner rügt, dah verschiedene Gewerkschaften ihre Versammlungen nicht bei ihm anmeldeten und infolgedessen oft mehrere Versammlungen zusammenfielen. Neu auf- genomnien zur Gcwcrkschafts-Kvnnnission wurden die Vertreter der Schmiede und Textilarbeiter. Zum Schlnh wurde aufgefordert, die noch ausständigen Listen für die Krefeldcr Weber baldigst abzuliefern, sowie Listen für die dänischen Bauarbeiter zu entnehmen. Diese werden jeden Abend von 6— 7 Uhr ausgegeben bei Bleeck, Kaiser Friedrichstr. 31 II. I» dem Vcrsammlnngsbcrichtdrr Portefeuillc-Arbeitcr in der gestrigen Nummer ist ein Irrtum enthalten. Nicht die Firma Schlosser, wie es ini Bericht hieh, sondern die Finna Marli witz, Nittcrstrahe, hat 5 Proz. Lohnerhöhung bewilligt. Freie Vereiuigiing der Händler iiiid Händlerinnen. Ceneral- Versammlung am Freitag bei Mörschel, Jiideiistraße. Für den Inhalt der Inserate Übernimmt die Ncdaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnug. Tlzenkev. Freitag, 18. August. Lefsiug. Grobmama. Auf. 7»/, Uhr. Neues. Kiwito. Anfang?>/, Uhr. Westen. Der Mikado. Anfang 7V- Uhr. Schiller. Der Troubadour. Anfang 7V- Uhr. Central. Der HeiratSmarlt. Aufaug 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Germinal oder: Der Swcil der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. «llexanderplah. Nana. Ans. 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Anfang 8 Uhr. Luisen. Glykerion. Hierauf: Der Kammerkater. Anfang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr, Belle-Nlliauce. Specialitäten-Vor- stellnng. Anfang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Borstellung. Anfang 8 Uhr. RelchShallen. Stetttner Sänger. Ansang 3 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- tälcii�Bvrslelllmg. Urania. Jnvalidenstr. I»7/«>2. Sagltch abeudil vvu S— 10 Uhr: Sternioarte. Taubenftr. 48/4». Im Theater. Das Land der Fjorde. Ansang 8 Uhr.____■ SWer-Thtckr (Wallncr. Theater». Utoirwltz-OpcF. Freitag, abends 7V- Uhr: Letztes Gastspiel �äelo korgtil und vonoilotto l.uolgnavl. Dvf Troubucloiii*. Sonnabend, a b e» d s 7'/, N h r Volkstümliche Opemvorstellung bei balben Preise»: Will»«Ini Teil. Sonntag, abends 7Vz Uhr: IM« Hugenotten. Es finden nur noch 12 Opern- Bor- _ steNiiligeil statt. Urania Tnubenisti-asse 48/40. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. Invnlidcnstr. 57/63: Tagl. Sternwarte. Naohmittaffs täglich 5—10 Uhr. Passage-Panotdicum Geöffnet von 9 NHr früh bis 10 Uhr abends. Z>en! Ken! Das urkomische Bauern- Ensemble. Anfang der Sot; stclluiig 6 Uhr abends. CASTANS IPANOPTICÜM Die scnsmtlonellcn st- lebenden'« |Photographien! In Lebensgrösse. Die russische Damenkapelle I» moäkowltischen Kostümen. Viele nene plustleiche O nippen und Figupeii. „Mignon" Freie Volksbühne. Montag, den 28. August, abends 8 Uhr: Ooctbefeiep in Kellers Festsälen, Koppenstrasse 29. Vortrag des Herrn Dr. II. 8teincp über; Goethe und die Gegenwart.— Entree beliebig. Dia Mitglieder werden gebeten zahlreich zu erscheinen. SV Micht Pichelsdopfer sondern Böhmisches Bier wird ausgeschänkt. 230/13 4. Serie. I. Abteilung. Sonntag, den 3. September, 2s/i Uhr, im liessIng-Thcatep; Die Journalisten. Folgende Abteilungen am 10, 17,, 24. Sept., 1. u. 8. Oktober. SPOF" b. Serie: Goethes Faust."VL Äphflinn I Hie Mitglieder werden dringend ersucht, bei nülllUliy. Umschreibungen in eine andere Zahlstelle ihre neuen Karten aus der alten Zahlstelle abzuholen, da dieselben dort für sie deponiert sind und ihnen nach Begleichung event. Beitragsreste ausgehändigt werden. Kene Mitglieder können sich täglich In allen Zahlstellen zur Aufnahme in die 5. oder 6. Abteilung melden.— DI« ersten 4 Abteilungen sind geschlossen. Vom 24. August ab gelangen die neuen Karten zur Ausgabe in den ZanlsteUen, Die dem Verein angehörenden Geschäftsleute werden besonders auf den Inseratenteil der Monatsschrift„Freie Volksbühne" aufmerksam gemacht. Inserate zu massigen Bedingungen werden für die nächste Nummer bis 22. August angenommen beim Schriftfürer J. C o h n, N. Berlin, Raumor- strasse 63 III, oder beim Unterzeichneten. Die Zahlsteile 22 befindet sich bei Ladewig, Kommandantenstr. 65. Achtung, Ordner! Eine Ordner-Sitasiing findet am Sonnabend, den 26. August, S'/a Uhr, im Eestaurant Zubell, zur Neueinteilun» der Ordner-Kommission, statt.— Das Erscheinen aller Ordner ist erforderlich. Einige neue Ordner können sich In dieser Sitzung melden. 01 Der Vorstand. I. A.; 0, Winkler. Rixdorf, Kirchhofstr. Crntvxll Thrntov Direktion: Jose Ferenozy. L«stsPirl.Ensc,tlble(FrI.MIIIy Krause voin tgl. Schauspielhaus, Herr Otto Pahlau vom Schiller-Theater, Herr «loli. Ewald vom Thalia-Thcater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schwank in 3 Akten v. G. Okoilkowski. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Borslellung. Wlü-Cttl Wtijj-Theilltt. Gr. Frailkfurterfllafie 133. Täglich: Die Kubauerin. Anfang 8 Uhr. Borzugsbillets haben Gültigkeit. Im Garten: ZpeeisIItätonvorsivIIung. 27 Nummem. Anfang öV, Uhr. Kriehriili-Wilhtlmß.Thellter Chausseestr, 26 26. Rum 11. Male! Abends 8 Uhr: „Germinal"oder: DerTtreik der Bergarbeiter. SensationSstück in 6 Auszügen nach dem gleichnamigen Roman V.Emile Zola. Regie: Lcoilh.Ottomeher. 1. Bild: In Not und Elend. L.Bild: Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- werisdirekior. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild: Am Rande des Ab- grundes. 6. Bild: DcrZm'ammeiisturz. Im Frledrich-WIIhelmst. Konzertpark: Jeden Abend ungeheurer Lacherfolg der Selifaiioiisposfe: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lona Barrison, Mlle. Popolair, Evette Gnilbert, Professor Svengali. Das Rätsel des 19. Jahr- Hunderts Buberio Vincento. Mib Dnrnett, Salon-Athletiu, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patt? Fraiil-Truppe, Akrobaten,. 5 Personen zc. Au Herde ni 20 Specialitäten. __ Entree 30 Pf._ Victoria-Brauerei Lnhowstrnste 111/113. Im Matnrgnrtcu oder Saal: Tti�lfteh Hnmoristische Soiree der I!orl!l!eul8c!iev 8Snger (Führmann,, Korei, Walde), ff Ans. Sonntags' präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Borverk. 40 Pf. Familiciibillets »-IM. Sonntag und Tonnerstag nach der Vorstellung: Van�Rrtlniolsen. Netropol-'kileater. Behrenstr. 53/57. i-Usster Saison-Erfolg!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Baüett. Hierzu: Neues Speclallt.-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushima Truppe. Werner- Amoros- Company etc. etc. _ Anfa» g 8 Uhr. Neichshalte«. Garten resp. Saal täglich: Stettisier Sänger sMehsel. Pletro, Britton. Sieidl, Krone, K i r ch>» a n e r, Schneider und Schräder). Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Borher: läonsert. Entree 50 Pf., Voroeriauf für die Wochentage 40 Pf. Numeriert u. Loge 75 Pf. bis 2 M. Jeden Freitag: Neues Programm. Alexaiidcrpiatz-Tiieater. Zu in 86. Male:„Vana*'. Pariser Sittenbild nach dem gleich- iiamigen Roman von Emile Zola. Die Abonnenten dieses Blattes zahlen halbe Kasseiiprcise. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Osttmlru-Park Mcrinanu Inibs 71 Riidcrödorfer Strasic 71, am K ü st r i n e r Platz. Täglich: Hlon-ert. Theater-- liud Spcrialitätcn-Borstellung. Nur erstklassige Nummern. Anfang: Soiliiiags t UHr. E,lttce20Ps. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pf. Anfang: Wochciit. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Vorddentsehe Sänger. Hermann Jmbs. Direktor. kpLlIo-Vmtizw Abends 9 Uhr: FrmiLrana mit dem Luftballett„Grlgolatls". «Otto Rentier» Der Kosmograph Ä. Neu! Die Urumuing Neu! ües Dortmund Ems-Kanals am II. August 1899 durch Se. Ma.j. d. Dentschen Kaiser. Garten- Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. l'ahlmanns Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehniaim, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: Itmert, Theater n. Specialitätcn-Vorstellnng. Palast-Theater _ früher__ Feen• I'alast. Burgstrasi« 22. Direktion: Winkler und Fräbel. Sonnabend. 3. Septenibcr: Eröffttitttg � der durchweg wunderbar rcnovierteil Riescil-Prlllljträuüle. Grosses f7278L' Specialitäten- Frograniin. Vom Besten das Beste! Zum l. Male: Graste Original- AusstatMiigS-Posie. hübsche Chordamen könneii nch melden pormittags von 11—12 im Bureau des Palast-Thealer, Burgstrahe 22.__ Chervl ottonburg. M. Schnierborg[2295L* Wllmersdorferstrasse 127, Uhrmacher und Goldarbciter. Grobes Lager von Uhren und Gold«'aren zu äub. bill. Preiseil. Dpiische Artikel. Ohrlöcher werd. schmerzlos gestochen. PratSr-TkeateR' Kastaiiieu-Allee 7/9. Täglich: Doms Ilesl. BolkSstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kosiümsoiibrette Fränl. lucle Sarow. Gebr. Kllardo, Grot. Duett. Tauma-Ouartett, Gesang und Tanz. Die 3 Schönbrunns, hu- utoriftifdjee Bilderbuch. The4 Flashes, Excentrics. Balleltgesellschaft Döring. Vendaro-Trio, Exercitien am Hand- Trapez. Daniel-Truppe, Pantomime. Konzert und Ball."UMZ Eintritt SoiintagS und wochentags »0 Pf., num. Pia«»0 Pf. Kalbe. R. Ballschmieders „Kastanienwäldclien" flourtartcit u. Preditsiilt ßadstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenade«- Konzert. Jeden DoiinerStag: Elitc-Streich-Konzert. Sonntags: Grofter Ball im nenerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkciten. si. Ballscbmieder. W. Noacks Tiieatar, Bruiiiieilstraste 16. Täglich: Theater- u. Speeialitäten- BorftcUnug. Die Lilldenwirtin. Licderfpiel in I Akt pon O. Richter u. E. Braune. Mustk von R. Thiele. Das Blumeumädchen vom Moritzplatz. Volksstück mit Gesang in 2 Akten pon Johanu Eistuer. Im Saale: Tauzkräuzchen. Sanssouci, Glänzend renoviert! 2279L* E r ö f f n u g: Sonnabend, den 3t:. Angust, abends 8 NHr. ttosLmsnn» Norddeutsche Sänger. Darsteller: Adolf Hossmau». Horm. Müller-Lipart. Rudolf Steinhardt, Haus Bär, Bruno Grüneberg. Georg Hirschel. Karl Leoiihnrdt, Theodor Meusel, Emil Tcsch, Paul BSolsgang. Gleichzeitig empkehle die Säle zu Festlichlciren. Max Kliems Sommer-Theater llascnhcide 14—15. Artistische Leitung: Paul Milbll». M Tiiglilli: kroßtß Eßrttil-Koiljttt. � Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Spccialitäteu-Pcrsouals. £331?- Nur erstklassige Kräfte. Georg Fischer(Lledersänger), Ernst Kühne(Charakter-Komiker), Fritzl Verra (Kostiim- Soubrette), Gliarles Gilten(Equilibrist), The original Becars (Musikalischer Akt), Klle. Marguerlte mit ihren Raffetauben, les Figancs (Justrumeiitalisten). Fiz- STencs gediegenes Jh'utnilien- Programm. IBG Ontrce: Wochentags 20 Pf.| F.ntrce: Sonntags 25 Pf. Numerierter Platz 40 Pf| Numerierter Play 50 Pf. Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr. Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In de» Festfäleu: ZV" Groster Ball, Die Kaffecküche ist geöffnet. Zlax Klleni. Schnteizer-Garten Am KöuigSthor(Ringbahn) Am Friedrichshai». Tiiglilh: Theater- und Spetjalitäten-Vorstellang. Jede» Piittivoch: Gvotzes und» Vindxufcjf. Auftreten des neuen Künstler-Ensembles. Jede» Abend von 10—11 NHr: Novität. Der Novität l Ober-Bonze von Klantsclion. Ausstattungs-Burleske mit Gesang in 3 Bildern von I. Eisner.— Musik von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale:»«His G. Lindenhayn, Grflnaii. Sonntag:, den 20. Augrust 1S99: Stinigev- ausgeführt von 6 Gesangvereinen. 2339S Um zahlreichen Besuch bittet G. Lindenhayn. entsche Schuh-Fabrik vorm. G. Markus& Co., 6es. m. heschr. H. Erfurt-Jlversgehofen Renommlrtes Fabrikat. Beste Zuthaten. Wir empfehlen: Herren-Zagstlcfel, gewalkt. Specialität... 7 tt. „„« ohne Naht. Spiegel 8,50 M. „„ Besah«. Knopsverzieruiig»,vü, 4.50, 5.50.«,50, 7,5« bis 15 M. ,, Agraßenstlcfel, Besatz, 0,50, 7,50, 8,50 bis „ Schnür-, Zag-. Hans-, Kcllnerschnlie in den vcrschiedeiisten Dcisiiis und Preislagen.„ m Arbeltsschnbc, reell, solid, kräftig, 4,5« biö 6,50 M. Sehnftsticrcl. lleltstlcfcl. 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Glocke in Berlin Druck und Verlag von Mar Badiiig in Berlin.