Anterhalwngsblatt des Horwürts Nr. 239. Dienstag, den 7. Dezember. 1897. «Nachdruck verbalen) Der Zmtfcerlmffen. 1] Roman von Koloman Mikszath. Aus dem Ungarischen von Victor Sziklai. l. Jene Städte sind närrisch, welche klagen: Wir haben viel gelitten, bei uns haben die Türken ein oder zwei Jahrhunderte gehaust. Wahrhaft litten jene Städte, wo lveder Türken hausten, noch Labauzen und Kurutzeu,*) und welche sich aus eigener Kraft erhielten, wie zum Beispiel Kecskemet; denn wo von den kriegführenden Parteien sich die eine aufhielt, dort dominirte, plünderte nur die eine, und die anderen ivagten sich nicht einmal hin, wo aber keine einzige wohnte, dorthin gingen alle Erdbeeren sammeln. Eines Tages wandelte den Ofner Pascha die Laune an, ein wenig zu brandschatzen:„Mein Sohn Dcrviich Beg, schreibe dem Kecskcmeter Richter!" Und der Brief ging sofort ab, in dem der Ausdruck nicht fehlte:„Ihr spielt mit Euren Köpfen!" Aber auch der Szolnoker Musta Beg ging nicht anders vor, denn er brandschatzte Czegled, Körös, Kecskemet und die umliegenden Dörfer. Jede gesegnete Woche warf er ihnen neue Lasten aus, indem er schrieb:„Diesen Herrenbrief sollt Ihr zn Pferde in jede Stadt, in jedes Dorf tragen und darnach handeln." Seine Gnaden, der tapfere Herr Emerich Kohary rechnete gleichfalls auf die wohlhabenden Städte und erließ von Seite der Kaiserlichen aus Szecseuy Verordnungen, ja selbst der Gacser Stuhlrichter, Seine Gnaden Herr Johann Darvas war nicht faul, ihnen an den Leib zu gehen, wenn die Kurutzeu etivas nöthig hatten. Dazu kamen noch die herum- schweifenden tartarischen Horden und die verschiedenen Truppen, welche auf eigene Faust arbeiteten. Und mit all diesen sollte man auf freundschaftlichem Fuße leben! In Kecskemet gab es schon damals berühmte Märkte. Was den Augen schön, dem Munde gut ist, das alles brachten die türkischen, deutschen und ungarischen Kaufleute haufenweise hierher, und der Markt hatte stets ein trauriges Ende, denn wenn er eben im besten Zuge war, erhob sich eine Wolke aus der sandigen Straße, es kam der Kurutze oder der Türke, oder gar ein Haufe Labauzen sauste wie der Blitz nieder und ver- schwand mit den werthvollsten Waaren beladen wieder in einer Staubwolke. Die bitteren Pillen aber konnte dann die wohledle Stadt verschlucken, denn hatten die Türken die Zelte geplündert, so fielen nunmehr die Labanzen mit großen Rechnungen über sie her. Die Stadt habe ohne Verzug den Schaden der Kaufleute zu bezahlen, sonst wird gestürmt; wenn der Labanze raubte, galt es auch gleich für die armen 5kccskemeter, denn dann ver- langten die Kurutzen und Türken Schadenersatz für ihre Kauf- leute, und diese Forderungen erreichten fast immer die Höhe von lausend Goldstücken. Vergebens seufzte der Oberrichter Johann Szücs:„Woher nehmen, woher? Das ist ja nicht das Kremnitzer Goldberg- werk' unter unseren Füßen ist ja nichts als Sand, Sand bis hinunter zur Hölle." I Endlich ivard die Sache doch unerträglich, man hielt großen Rath, und dann gingen die guten Leute«zum Palati», der aber nach der Erzählung des Herrn Paul Fckctc sehr mißmuthig wurde, als sie ihm vortrugen, daß sie eine Bitte an ihn hätten. „Verlanget nur nichts Großes, denn ich gewähre es Euch nicht." „So sehr verlangen wir nichts großes, daß uns selbst das zu viel ist, was wir haben." „Sehr gut, sehr gut," meinte der Palatin schmunzelnd. „Wir bitte» Eure Gnaden, uns unsere Märkte zu nehmen." „Der Palatin dachte nach, hüstelte.„Hm, es ist kein richtiges Regime, Freunde, das den Leuten etivas nimmt, wovon der Nehmende keinen Dortheil hat." Trotzdem kam bald danach eine Ordre von Leopold I., daß *) Labanzen und Kurutzen waren ungarische Soldaten. die Kecskemeter Märkte von nun an zu sein aufgehört haben. Selbstverständlich wurden nun die Türken ebenso wüthend wie die Kurutzen.„Diese elenden Philister berauben uns unseres Nebenerwerbes." Sie hatten jetzt originelle Ideen. Am schwarzen Sonntag vor Ostern stürmte der berühmte Kurutzen- führer Stefan Csuda mit seinen Truppen in die Stadt. Sie sprengten geradenwegs zum Stiftskloster. Hier befahl der An- führer seinen Leuten:„Nichts anrühren, Kinder, nur den Quardian müßt Ihr gefangen nehmen, denn diesen werden sie auslösen. Sie nahmen wirklich den Quardian, den dicken Pater Bruno, gesangen, setzten ihn auf ein Maulthier, das bisher ein treuer Arbeiter des Klostcrgartens war, zumal es die Wasferfässer schleppte. Damit aber der fluchende, stram- pelnde Pater nicht vom Rücken des Buri falle(Buri hieß das Maulthier), banden sie ihn mit Stricken und Riemen fest... Sie hatte» sich nicht verrechnet. Eine große Be- stürzung griff Platz unter den katholischen Gläubigen. Die Wittwe Paul Fabian, die bucklige Julie Galgoczi und die verwelkte Klara Bulki begannen unter dem Präsidium des Paters Litkei sofort das Lösegeld zu sammeln, indem sie von Haus zu Haus wanderten.„Lösen wir den armen Pater Bruno aus. Er hat eine prächtige Predigt zu den Oster- feiertagen eiustndirt, diese können wir nicht ungesprochen lassen." Hundert Goldstücke wurden gesammelt, mit diesen begaben sich die Erwählten der Frauen auf den Weg zum Kurutzenlager: Senator Gabriel Poroßnoki, Kurator Johann Bados und der Wagner, Herr Georg Doma. Nach männiglichen Abenteuern und Mißgeschicken fanden sie endlich den Stefan Csuda, der sie wild anfuhr:„Ihr seid die Kecskcmeter, nicht wahr? Nun, was wollt Ihr?" „Wir sind ihn holen gekommen," sprach der fromme Bados, seine winzige» grauen Augen gegen den Himmel er- hebend. „Wen, den Maulesel oder den Quardian?" scherzte der gutgelaunte Stefan Csuda. „Beide, wenn wir übereinkommen können," meinte Herr Poroßnoki. „Der Geistliche ist nicht viel werth, aber das Maulthicr können wir wohl brauchen. Es schleppt die große Trommel." Sehr wohl gefiel den guten Kecskemetern diese Erklärung des Kurutzen, denn wenn der Geistliche nicht viel werth ist, wird er wohl billig zu haben sein, und sie nickten beifällig mit dem Kopfe. „Also woran sind wir mit Sr. Hochwürdcn?" „Ihr könnt ihn für drei Goldstücke haben." Die drei Männer schauten einander lächelnd an, wie wenn sie sagen wollten,„billig, wahrhaftig sehr billig!" Poroßnoki ivarf einen Flügel seines blauen Mantels zurück und griff in die Tasche, um die drei Goldstücke hervorzuholen.„Da sind sie! Nehmt sie, Herr!" Der Kurutzenführer schob die Hand des Senators bei Seite. „Den Geistlichen brachte das Maulthier, jetzt soll auch der Geistliche das Maullhier mitnehmen. Dies ist nur gerecht, ohne das Maulthier ist kein Geschäft." „Hol's der Teufel ," meinte der Senator wohlgelaunt. „Welches Lösegeld bezahlen wir für das Maulthier?" „Der fixe Preis desselben beträgt," gab Csuda jedes Wort betonend zurück,„hundertsiebenundneunzig Goldstücke. „In den Bürgern stockte das Blut; der kleine BaboS blinzelte auf den Kurutzeu, ob dieser nicht spaße, doch das gebräunte Antlitz blickte jetzt sehr ernst, vordem war es bedeutend heiterer; die Kecskcmcter verzagten trotzdem nicht. „Hättet Ihr, Herr, das Herz, für ein Maulthier so viel Geld zu nehmen, wie für vier arabische Pferde? Ueberlaßt uns den Geistlichen separat! Wir kommen lieber ein andersmal das Maulthier einlösen," ergänzte Herr Bados. Jetzt übernahm wieder Herr Georg Doma die diplomati» schen Verhandlungen. Er nieinte, das Maulthier könnten ja die ehrwürdigen Patres ohnehin nicht wieder benützen, nach- dem dasselbe ein kompromitirtes Individuum sei, das bereits Lagerdienst geleistet hat, in einem protestantischen Truppen- körper. Den meisten Verstand besaß noch Herr Poroßnoki, denn er durchschaute sofort, daß der Kurutzenführer zweihundert Goldstücke für den Quardian haben wollte, und die Geschichte mit dem Maulthier blos Spaßmacherei sei. Er entnahm feiaes Tasche den traditionellen Strumpf und ließ die Gold- stücke klimpern.„Hundert Stück ohne Fehl, nicht um ein Stück mehr. Entweder nehmen wir das Geld wieder nach Hanse oder den Quardian. Es hängt von Euch ab, mein tapferer Herr." „Nicht möglich," schüttelte dieser den Kopf. Unter Plänkeleien schlössen sie den Handel endlich mit hundert Dukaten ab, welche Herr Csnda einzeln besah, ob sie nicht abgefeilt sind, dann klingen ließ, ob man an ihreni Klange nicht einen kleinen Siebenbürger Akzent wahrnehme (dort hielten sich nämlich zu jener Zeit die Falschmünzer auf). Als dann alles ins reine gebracht war, lieferte er den ab- gemagerten Pater Bruno ans, welchen die Deputation in großem Triumph nach Hause führte. Aber nicht lange dauerte ihre Freude, denn als sie sich der Heimath näherten, kaum Nagy- Körös verlassend, dessen Häuser noch im abendlichen Nebel sichtbar waren, schimmerte von rechts der schlanke Thurm Kecskemets hervor und eine sich nähernde Staubwolke.„Was zum Teufel kann das sein?" srugen sich unsere Leute. „Offenbar kommt uns eine Prozession entgegen. Es wird auch eine Rede geben. Hochwürden, freilich wird es eine solche geben. Es wird nichts schaden, sich ans die Antwort vorzubereiten." In den Augen Pater Bruno's glänzten Thräncn.„Meine armen guten Gläubigen lieben mich, sie lieben mich schrecklich. Wer wird wohl die Rede halten? Wahrscheinlich der schön sprechende Pater Litkci." „Freilich, freilich. Ich sehe ihn ja schon. Er ist es, dort voran. Ich will ein Hund sein, wenn er es nicht ist." Herr Georg Doma brauchte kein Hund zu sein, denn es war in der That Pater Litkei; seinen breiträndrigen Hut, seine Riesengestalt konnte man schon von weitem erkennen, nur war seine Begleitung gerade kein Prozcssionsvolk, sondern es waren türkische Soldaten. Der Galgenvogel Ali Mirze Aga führte sie an.„Guten Abend, guten Abend!" rief er, als er an unseren Reisenden vorüber ritt,„führt ihr den Geistlichen nach Hause, ihr guten Leute? Wir auch den unseren." Der Aga lachte. Pater Bruno winkte dem Mönch fßitkei mit dem Tascksentnch nach:„Auch Dich werden wir auslösen, mein lieber Sohn." (Fortsetzung folgt.) Kmdcv des Tilhks. (Nach einem von Direktor S ch n l tz- H e n ck e in der„Urania" gehaltenen Aortrage.) Als im Jahre 1839 Arago der Pariser Akademie das Aerfahren mittheilte, das Daguerre zur Gewinnung seiner Lichtbilder oder Photo- graphien anwandte, da hielt man allgemein i» großer Begeisterung die neue Kunst für bernfen, alle anderen Verfahren zur Herslellung von Bildern, speziell für den Buchdruck, abzulösen. Iii gewissem Sinne ist das auch eingetroffen; nicht nur bei den prächtigen Ne- Produktionen der großartigste» Kunstiverke, die wir so vielfach beivuuder», weil sie alle Feinheiten des Originals a»fs getreueste wiedergeben, auch bei der Verfertigung der zahllosen einfachen Jllustratione», durch die der Inhalt iinserer Bücher in anschaulicher Weise erläutert wird, hat die Photographie in irgend einer Weise meistcntheils»lirgewirkt, sie sind also alle Kiiidcr des Lichts. Die großartige Entwickelnng, die die mechanische Ver- vielfällignng von Abbildunge» erfahren hat, ist ausschließlich ein Resultat der jüngsten Zeit; sie blickt kaum auf mehr als 30 Jahre, das älteste, das Asphallverfahren, auf noch nicht 109 Jahre zurück, während die Buchdruckerkunst dnrch die Einführung der einzelnen, also leicht beweglichen Letter» seit dem Jahre 1450 sehr schnelle Forlschritte inachte und rasche Verbreitung gewann. Das älteste Verfahren, mit Hilfe des Lichtes abdrncksähige Bilder zu erhalten, ist das von dem ersten Erfinder der Photographie, Nicöphore Nicpce, angegebene schon erwähnte ltlsphaltverfahren. Asphalt, der in Alkohol und Aether löslich ist, verliert diese Eigen- schast, wen» er längere Zeit dem Lichte ausgesetzt wird; übergießt man also etwa eine Zinkplatte mit der Asphaltlösung und setzt sie dann dem Lichte aus, nachdem man eine Strichzeichnung darüber gelegt hat, so lassen die dunkeln Striche kein Licht hindurch, sondern nur die hellen Partieen. Wäscht man dann die Asphallschicht mit Terpentinöl ab, so bleiben die belichteten und dadurch unlöslich ge- wordenen Stellen haften, während der Asphall an den durch die dunkelit Striche gegen das Licht geschützten Stellen leicht abgeht. Somit erhält»mn ein Negativ, ein Bild, in welchem die hellen Partieen dunkel, die dunkeln hell erscheinen, und zwar auf einem dunkelbraunen Asphaltgrunde. Weiter kann man die Platte mit einer Eisenchloridlösung übergießen, die sich dann in die vom Asphalt frei gewordenen hellen Ziykstellen hineinfrißt; wäscht man dann de» übrigen Asphalt durch ei» stärkeres Lösungsinittel, etwa durch Chloroform ab, so hat man ein erhabenes Bild, ein Relief erhallen, in welchem die dunkeln Stellen der ursprünglichen Zeichnung vertieft erscheinen, und dies Bild ist abdruckfähig. Wege» seiner Einfachheit hat sich dieses Verfahren bis heute be- Häupter, obwohl die Lichtempfindlichkeit des Asphalts keine große ist und man ihn bei trübem Wetter tagelang belichten muß, um brauch» bare Bilder zu erhalten. In dieser Beziehung wird er bedeutend von der Chromgclatine übertroffen, der in doppelt chromsaurcm Kali aufgelösten Gelatine, die als schöne goldgelbe dünne Schicht auf einer Platte erstarrt. Mit Wasser angefeuchtet, quillt sie auf, und bei. genügendem Zusatz von warmem Wasser wird sie wieder ganz flüssig und löst sich in dem Wasser auf. Hat sie aber einige Zeit in hellem Lichte gestanden, so verliert sie die Eigenschaft der Lös- lichkeit und ebenso ihre Quellfähigkeit. Diese Eigenschaft gab im Kriege von 1879 zu einer praktische» Verwendung Veranlassung; für die Erbswürste, die damals für die Ernährung der Armee in großem Maßstäbe zur Verwendung kamen, konnte man nicht genügend natürliche Därme austreiben, künstliche Därme aber ans Leinwand und Pergamenlpapier erwiesen sich beim Kochen als zu wenig wider» standsfähig, da sie im hechen Wasser platzte». Da kam man auf die Idee, das Pergamentpapier mit Chromgelatine zu überstreichen und dem Lichte auszusetzen; lhatsächlich zeigten sich die daraus an- gefertigten Därme durchaus haltbar, so daß Millionen von Erbs- würfteu i» ihnen zur Versendung kamen. Wege» der großen Lichtcmpfindlichkeit der Chromgelatine ent- steht bei der Belichtung unter einer Strichzeichnung auf ihr ein schwachbrannes Bild auf goldgelbem Grunde. In kaltes Wasser gesteckt, quellen die vor dem Lichte geschützt gewesenen gelben Stellen stark ans, so daß wir ein Reliefbild bekommen, in welchem die dunkeln Stellen erhaben erscheine»; dieses können wir in Gips leicht abklatschen, in dem dann die dunkel» Stellen wieder vertieft erscheinen. Statt des Gipses kann auch eine andere Substanz gc- »ommen werden, z. B. das Letlernmetall, aus dem die Buch- staben verfertigt werden, so daß das Bild ganz direkt alS Platte für de» Buchdruck benutzt werden kann. Dieser Relief- druck rvird jedoch heute in erheblichem Umfange nicht mehr ver- wendet. Dagegen benutzt man das auf der Gelatine erhaltene Bild zu dem sogenannten p h o t o l i t h o g r a p h i s ch e n Druck. Die zu Ende des vorigen Jahrhunderts von Aloys Senefelder begründete Lithographie beruht ja auf der Eigenschaft des Solnhofener Kalk- steins, an allen Stellen seiner Oberfläche, die nicht durch ein Fett geschützt sind. Wasser anfzusange»; ist er also mit lithographischer fetter Tinte bemalt, so wird man dnrch die lithographische Presse einen Abdruck erhalten können. Es ist dies ei» Flachdruck, und daher muß die lithographische Presse von der im Buchdruck ver- wendeten, die mit erhabenen Letler» arbeitet, verschieden sein. Auf den photographischen Steui kann man nun leicht das auf der gelben Gelatine entstandene schwachbrauue Bild übertragen; wird es angefeuchtet und mittels einer Walze fette Druckerschwärze aufgetragen, so hastet diese vorzugsweise auf dem braune» Bilde, das kein Wasser angenommcn hat, und kann daher auf den litho- graphischen Stein aufgepreßt werden. Wird es von diesem abgedruckt, so bleibt doch immer von der Schwärze noch etwas auf ihm hafte»; daher kann es wiederholt verstärkt und immer wieder abgedruckt werden. Ucbrigens kann es auch auf Zink übertragen und dnrch ein Asphallverfahren für die Buchdruckprcsse brauchbar gemacht werden; schüttet man nämlich Asphallstanb auf das Bild, so bleibt derselbe vorzugsweise an der klebrigen fette» Schwärze hafte», während der Grund frei bleibt. Beim Erwärmen schmilzt der Staub zu einer festen Asphaltschicht, sodaß wir ein Asphaltbild auf Zink erhallen; ätzt man nun das Zink, so giebt dies ein für die Buchdruckpresse verwendbares erhabenes Bild. Für alle diese Versahrnngsweisen müsse» ursprünglich Strichzeichnungen genommen, verde»; denn nur Striche und Punkte lassen sich in der angegebenen Art reprodnziren und vervielfältige», während sich Ucbergänge vom Licht zum Schatten nicht wiedergeben lassen. Diese würden sich im Reliefbilde durch. schiefe Ebenen darstellen, durch höhere und weniger erhöhte Theile, und solche kann die Buch- druckpresse nicht abdrucken. Daher hat nian versucht, alle Halb- töne in Punkte und Striche zu zerlegen, um sie in dieser be- queinen Weise reproduzirbar zu machen. Das ist zwar sehr schwierig; doch ist es i» der sogenannten Autotypie gelungen; man erreicht es, indem man mit dem Original zusammen ein feines Strichnetz photogrnphirt. Dasselbe ivird zwischen dem Original und der photographifchen Camera eingeschoben, so daß es sich auf der photographischen Platte mit abbildet; dann kann das Bild auf Chromgelatine übertragen und für den Buchdruck fertig gemacht werden. Aus diese Weise entstehen die schönen und doch billigen Bilder, die zu vielen Tausenden auf den Markt kommen, weil eine Presse bequem mehrere tausend Bilder in einem Tage liefern kann. Doch braucht man ein gutes, glattes Papier zu diese» Bilder», und deshalb ist die Autotypie für unsere Tageszeitungen noch nicht verwendbar, wenigstens in Europa nicht; bei den billigen Preisen, die die Zeitungen hier haben, müssen, kann nur sehr schlechtes Papier genommen werden, auf dem die Bilder als ver» schmierte Kleckse erscheinen. In Amerika herrscht in dieser Beziehung ein größerer Luxus. und dort wird die Autotypie selbst von Zeitungen schon vielfach verwendet. Das mit abgebildete Netzwerk ist übrigens nicht das einzige Verfahren, durch das man das pholographische Bild in eine Strich- zeichnnng zerlege» kann; man hat auch die Platte selbst schon mr einem Untergrund von einem Netzwerk versehen, so daß man gleich bei der Aufnahme zur Autotypie geeignete Bilder bekoniml. Oder man macht auf der benutzten Platte eine Zeichnung mit Tusche, wobei das photographische Bild dem Zeichner alle Konturen genau angiebl, und legt die Platte dann in eine Lösung von Quecksilber. chlorid; i» dieser verbleichen alle halben Töne, und es bleibt nur die Strichzeichnung übrig. Ein weiteres bequemes Neproduktionsverfahren ist die Her« stellung der sog. Lichtdrucke. Ueberzieht man eine Glasplatte mit Chromgelatine und erzeugt auf ihr ein schwachbrauues Bild auf gelbem Grunde, so kann man leicht die gelbe Gelatine wegwasche» und ein eigenthümlich mattes Bild auf der Platte erhalle», das bei der Anfeuchtung kein Wasser annimmt. Eben deshalb hastet auf ihm die fette Schwärze, die man mit einer Walze austrägt, und mau kann das Bild bequem direkt mittels der lithographischen Presse abdrucke», ohne es erst auf einen Stein zu über- tragen. Natürlich kann man nicht entfernt so viel Ab- drücke liesern, als init der Buchdrnckpresse, so daß die Lichtdrucke mit den Autotypien keineswegs an Billigkeit kon- kurriren können; aber man erhält sehr schöne Bilder, die alle Fein- heilen der Photographie wiedergeben und doch erheblich billiger sind als diese. Neben dem Hoch- und dem Flachdruck ist»och der Tiefdruck zu erwähnen, mittels dessen die sog. Photogravüren verfertigt werden. Durch Zusatz eines farbigen Pigments zur Chromgelatine kann man ein Bild in der Farbe des Pigments erhalte», weswegen man anch von Pigmentdrnck spricht. Dieses Bild kann unter einem Gummitisch mittels eines Gummiqnetschers auf eine Glasplatte oder auch auf Porzellan, aus Holz u. a. übertragen werden. Bringt man ein Negativ aus Kupfer und ätzt dieses, so be- kommt man eine Tiefdruckplaite, in der die Schalten tief liegen. Walzt man fette Schwärze hinein und zieht ein Papier unter einer Presse darüber, so erhält man die Photogrnvüre. Zum Schluß möge» noch kurz die Berfahrnngsweisen zur Her- stellung farbiger Bilder gestreift werden. Hat man eine Anzahl Negative vom demselben Original für den Lichtdruck fertig gemacht, so werden in dem einen nur die dem Roth des Originals eut- sprechenden Theile durchsichtig gelassen, in dem andern die dem gelb, in dem dritten grün u. s. f. Indem dann jede Platte in der ent- sprechenden Farbe abgedruckt wird, aber alle auf dasselbe Papier übertragen werden, entsteht je nach der Anzahl der verwendete» Platten ein mehr oder weniger zutreffendes farbiges Bild, ein sog. C h r o m o- Lichtdruck. Man kann auch die Bilder der Lichdruckplatte auf verschiedene Steine bringen und auf jedem alles einer bestimmten Farbe entsprechende ausmalen und das übrige wegätzen; druckt man dann die sämutlichen Steine ans dasselbe Papier ab, so bekommt man ebenfalls ein schönes farbiges Bild. Ein weiteres Verfahre», der sogenannte Dreifarbendruck, gründet sich auf die IS74 von Bogel erfundenen farbenempfindlichen Platten und anf die Thalsache, daß alle natürlichen Farbentöne aus de» drei Grundfarbe» roth, gelb, blau zusammengesetzt sind. Macht mau daher drei verschiedenfarbige Aufnahme»»»d druckt sie auf dieselbe Lichtdruckplatle ab, so kommen die natürlichen Farben wieder sehr schön zum Borschein. Bedenkt man, was die photo-mechanische» Vcrvielsältignngs- Methoden seit der kurze» Zeit ihrer Entwickelung— vor 1874 konnte an Heliogravüren, vor 1883 an Autotypie» noch gar nicht gedacht werden— bereits leiste», so wird man nur eine frohe Hoffnung auf weitere Vervollkommnung in der nächsten Zukunft hegen, so daß die größten Kunstwerke der hervorragendste» Ateister aller Zeiten jeder- mann in guten Reproduktionen leicht zugänglich werde» und der große in ihrer Betrachtung liegende Bildungswerth seinen Einfluß auf die dreitesten Massen ausüben kann. b, K. Llleines Iseuillekon — Tcö altcu Termanns letzter Wunsch. In Fischcrwiek wurde kürzlich ei» alter Matrose begraben. AN dem Grabe standen neben seiner Wittwe ein paar alte Freunde. Einer derselben, Thomas Nurse, war ganz aufgelöst in Thräne» über den Heimgang seines alte» Kameraden, und als die Gruft sich schließe» sollte, trat er noch einmal feierlich heran, zog eine mächtige Schuapsflasche hervor und senkte sie in das Grab. Der Küster wies ihn zurück und holte die Flasche wieder hervor.„Er soll aber seinen letzten Willen haben!" rief der brave Thomas und goß den duftenden Inhalt über den Sarg aus. Das brachte ihm eine Anklage wegen groben Unfugs ein. Der Angeklagte sagte aus, daß er und der Verstorbene viele Jahre hin- durch aus demselben Schiffe gefahren und durch innige Freundschaft verbunden gewesen seien. Freund Paddy habe ihn anf dem Tobten. bette dringend gebeten, ihm eine gute Flasche seines Lieblings- getränks„auf den Weg" zu geben, und er habe diesen letzten Wunsch feines Kameraden erfüllen müssen. Kirchlichen Brauch habe er nicht verspotten wollen; in> übrigen sei es Matrosensitte, den todle» Kameraden eine» Lieblingsgegenstand, eine Tabaksdose oder so etwas. mitzugeben. Da die Wittwe des allen Seebären sich nicht für be- leidigt erklärte, im Gegenlheil die Sache sehr richtig fand, so sprach der Gerichtshof,„da auch keine Beschwerde des Tobten vorlag", den braven Thomas frei. — Gewerbliche Kündignugsfristelt vor 200 Jahre». Aus dem Mainzer Rathsprotokoll vom 12. März 1699. „Ob zwar jüngst hin den 19. February der Raißschluß dahin er- gangen, daß die wandernden Schreinergesellen 14 Tag vor ihrem Ülbschiedt dem Meister uffzukündigen schuldig und gehalten sein sollten, die hiesige Schrcinergesellfchaft aber bey ihrer Freiherr- liche» Gnaden Herr Vicedom(chnrfürstlicher Bürgermeister) um Linderung oberwekntcr 14tägiger Zeit gebeten, und dann anch die Meister des Schreinerhandwerks sich dahin gütlich beivegen lasse», da« anstatt der 14 Tagen sie mit 3tagiger Aufkündigung zufrieden sein wolle. Alsdann wird nunmehr von Amts- und Raths- wegen befohlen, daß wann fürterhi» ein oder ander Schreinergesell bei seinem Meister allhier länger zu verbleiben und zu arbeite» nicht gesinnet wäre, derselbe 3 Tag vor seinem Abschied dem Meister ge- bührend und mit Bescheidenheit aufkündigen solle, damit der Meister inmittelst sich um ander Gesind bewerben oder sonsten seine Werk- statt zu Förderung der Kunde» darnach veranstalte» könne. Hin» gegen solle auch der Meister dem Gesellen ohne erhebliche Ursache nicht auf eine Stutz aufkündige», noch denselben jählings ver- stoßen, sogar, daß auch dem Geselle», welcher in der Wochen entlassen wird, der ganze Wochenlohn vom Meister bezahlt werden solle."- Theater. Im Nene» Theater hat man am Sonnabend viel gelacht. Zwei deutsche Autoren, die Herren L a n f f s und K r a a tz, haben sich, wie's jetzt üblich ist, zu einer Firma zusammengethan und gewiß nicht aus Lust am Fabuliren, aus herzlich frohem Behagen, einen Schwank„Die Logenbrüder" ersonnen. Sie haben vielmehr, wie es einst der selige Raupach im Berliner Schauspielhanse that, genau studirt und aufgezeichnet, was in den letzte» Jahren dem Publikum an Posseukrnm gefallen hat. Daraus machten Sie ihren Brei, den Schwank„Die Logenbrüder". Vom„seligen Toupinel" bis zu„Charley's Tante" finden sich mannigfache Anklänge in der neuen Posse, und es ist zum Staunen, mit ivie geringem Witz man bei einigem Theatergeschick ei» spießbürgerliches Publikum unterhalten kann.— Aus Furcht vor der Galtin giebt ei» Mann vor, Freimaurer zu sei». Während er Skat klopft, meint der Hausdrache, der Manu sitze in der Loge und sei Meister vom Stuhl. Das ist in Prenzlan. Der Schwiegersohn derselben Frau hat inzwischen in Berlin ei» wenig locker gelebt und, um sich vor der fürchterliche» «Schwiegermutter aus Prenzlau zu rechtfertige», verfällt er auf den- selben Einsall wie sein Schwiegervater und giebt sich ebenfalls als Logenbruder aus. Die beiden unechten Logenbrüder nun suchen einander zu täusche»; es beginnt das bekannte Verlegenheitsspiel, das auf die Spitze getrieben wird, als wirklich ein echter Frei- maurer, ein wirklicher Logenbruder auftritt. Man sieht, der Schwank ist weder neu»och geistvoll variirt. Aber das Publikum war einmal im Zuge und applaudirte von den Schauspielern auch besonders seinem Liebling Alexander.— Mnsik. —er—. Königliches Opernhaus. M o z a r t-C y c l us. I.Abend:„Jdomeueus". Die beispiellose Thatsache, daß Mozart diese„große heroische" Oper als Lbjähriger Jüngling mit de» Kräften seiner reichen melodischen Erfindung und harmonischen und kontrapunklischen Fertigkeit vollenden konnte, wird immer ein wunderbares Zeugniß seines musik-dramatischen Genies bleiben. Ist auch des jungen Meisters Slbhängigkeit von Gluck noch in der wuchtigen Beredsamkeit der Rezitative, in der reinen, wen» anch etwas redseligen Melodienführnng und vor allem im unvergleichlichen Aufbau der Chöre deutlich zu erkennen, so macht sich jene Gedankensülle, die sich im Figaro, Don Juan nud in der Zauberflöte so herrlich entfaltete, schon im„Jdo- mcneus" anch rein motivisch anss erfreulichste vernehmbar. Die be- trübende Schmerzenslangeweile, welche alle» Personen der„Text- dichtung" des guten Salzburger„�.bdato Varesco" jede charakte» ristische Physiognomie benimmt, überwand der hohe Schivung seiner musikalischen Phantasie und fast instinktive» Gestaltungskraft. Daß „Jdomeneus", dem Mozart selbst ob des Ernstes und der Fülle der Ideen und musikalischen Schönheiten eine innige Liebe bewahrte. sich auf der Bühne nicht halte» konnte, liegt i» der Enipfiudnngs-Monolonie des tragischen Vorwurfs und in der über- mäßigen Anhäufimg allzulanger Recitative und Arien, welche den Anfälle» der Zeit und den Wendungen des Geschmackes zum Opfer fallen mußten. Die Sturmmusik und der gleichzeitige Chor, das zweite Finale, das von Großmuth und edler Resignation erfüllte Quartett, so wie die Szenen des Poseidon-Priesters im 3. Akte sind jedoch leuchtende Perleu an quellender Enipfinduug, tiefem Gefühle und polyphoner Kunstvollendung geblieben. Daß unsere Sänger, welchen das moderne, speziell Wagner'sche Repertoir zumeist stimm- athletische Aufgaben zuweist, sich dem Mozart'schen Gesangsstile an- zubequemen wissen, bewies vor allem Herr Sylva(Jdomeneus), der sin Recitativvortrag eine ivahrhaft monumentale Größe ent- wickelte und im Bortrag der O-äur-Arie im 2. Akte sich als Besitzer einer erlesenen Koloratnrsicherheit zeigte. Der Gesangskunst der Frau H e r z o g(Jlia), welcher für einen beseelten Sprachgesang eine inniger timbrirte Mittellage fehlt, ist Mozart kein Fremdling, und anch Frl. E g li(Jdamantcs) hatte sich mit Eiser dem Studium klassischer Technik hingegeben. Im detaillirende» Zuvielthun der schauspielerischen und gesanglichen Ausarbeitung gerieth Frl. Reinl (Elektro) an die Grenze, wo nicht blos Mozart'sche. sondern jede Darstellungsschönheit aushört und die Undisziplinirtheit künstlerischer Willkür beginnt. Eine abgeklärte, vom Geiste des Werks inspirirte Leistung bot Herr B ach in a n n als Oberpriester. Den zweiten Abend(3. Dezember), dem Todestage des Meisters, füllte ein Konzert aus, dessen Programm die G-moll. Sympbonie, die Maurerische Trauernnifik und das Requiem enthielt. Wahrhafte Tiefe des Schmerzes ruht in dieser Klage um einen heim- gegangenen Bruder des Freimaurerbundes, und in der Jnstrumen- lation fand Mozart Klangwirkungen, die in ihrer weihevollen Ein- dringlichkeil der Traner den Ausdruck der Würde und zugleich der feierlichen Verklärung verleihen. Die Wiedergabe der Symphonie, welche Mozart's Jnstrumentalgeist a»fs würdigste vertrat, hätte energischer in der rhytinischeu Durchführung sein können: es war dabei mehr höfliche Huldigung als beflügelnde Phantasie thätig. Was dem Requiem, dessen völlige Ausarbeitung Mozart seinem Schüler Süßmayr überlasse» mußte, an streng kirchlichem Charakter abgehl, das ersetzt es durch Ergüsse reinster menschlicher Empfindung, durch unbegrenzte Perspektiven nach Harmonien und Kontrapunkten aller Art und eine seltsam er- schüllernde Polyphonie. Die gesaiigliche Bedeutsamkeit wird nur von der Keuschheit und anmulhige» Weichl)«it des Melodischen über- troffen nud die edle Herzenssprache, welche aus dem Tubo. mirum und Lacrimosa hcrvortönt, wird auch ferner, wie seit 106 Jahren, die Herzen Unzähliger läuternd erheben. Die Aufführung unter Dr. Mnck's Leitung ivar eine mehr verständige und fleißige, als poetische und wariublütige.— Volkskunde. y Eine eigen thümliche Sitte besteht noch von alters- her in deni Orte Kaaks bei Itzehoe. Nach der Hochzeit ladet nämlich die jimge Frau sämmtlich« Frauen und Jnugsrauen des Ortes ein, um diese alle gründlich keunen zu lernen. Bei dieser Gelegenheit setzt man einen Leuchter mit brennendem Licht auf de» Fußboden, über den eiu jeder Gast hinwegspringe» muß; wer hier- bei das Licht nicht auslöscht, bat sein Glas zu leereu und— verliert gleichzeitig die Hoffnung, 7l) Jahre alt zu werde». Das männliche Geschlecht ist hierbei nicht vertreten.— Völkerkunde. — Ueber die Sitten der Riffpiraten erzählt im „Reveil du Maroe" ei» Bootsmann, der von den Räubern längere Zeit gefangen gehalten wurde: Jeder Mann hat zahlreiche Frauen, jede Frau hat ihre Hütte i» der dem Gemahl gehörigen Umzäunung, und dieser wechselt seine Hütte jede» Tag. Der Zweck dieser Biel- weiberei ist der Stolz nud beinahe die No'.hwendigkeit, viele Söhne zu haben. Jede Familie ist ein kleiner Stamm, und jeder Stamm hat um so größere» Werth, je zahlreicher seine männ- lichen Mitglieder find. Wie viel Söhne mau hat, so viel Gewehre besitzt man. Diese zahlreiche Nachkommenschast kostet nicht viel, weil man am Riff sehr geuiigsam ist. Die Frauen arbeiten; man sieht niemals die Männer arbeite». Diese gehen mit der Flinte aus: sie jagen, fischen, aber bebaue» nicht das Land. Mit Saat und Ernte beschäfligeu sie sich jährlich in zwei Monaten, auch hier verrichten die Frauen die gröbsten Arbeiten. Hinwiederum sind die Fraueu zu gewiffen, sonst ihrem Geschlecht eigenthümlicheu Arbeiten, wie z. B. zum Kochen, völlig uusähig. Wenn eine Frau einen Riß in ihrem Hemde, ihrem wollenen Mantel hat, bringt sie die Kleidungsstücke ihrem Manne, daß er sie flicke. Auch die Männer führen am Abend jene schönen Stickereien aus. die man oft auf den wolleneu Hemden und Burnus des Ris bewundert.— Geographisches. — Eine neue Pamir-Expedition soll im März I8VS abgehen und zwei Jahre dauern. Die Koste» werden vom dänischen Staat und dem Cnrlsbergfonds bestritten. Die vom Lieutenant O l u f s e„ geleitete Expedition wird anch von zivei wisseuschuftlichen junge» Männern, dem Botaniker O. PanIsen und dem Physiker Hjuler, begleitet fein. Unter den mitzusühreiiden Jnstrinnente» be- sindet sich auch ein Phonograph, nwinit man die Dialekte der Eingeborenen aufzufangen gedenkt. Der Emir von Bokhara hat der Expedition sein« Unterftützung zugesagt. Die von Dänemark ausgehende ForscbungSreise nimmt ihren Weg durch Rußland und ihre» ersten Auseuthall in der kleinen Stadt Osch an der chinesischen Grenze. Hier wird eine Karawane Mit Pferden und Begleitniannschasten ausgerüstet, und zwar mit derselben Mannschaft, die auch die erste Expedition»ntmachte. Die Karawane wird a»s etwa 13 Mann und 30 Pferden bestehe». Olufsen beabsichtigt, über Kaschgar bis Jarkend und von da bis zum See Jaschilkul zu gehen, welcher untersucht und aufgenommen werden soll. Bon hier wird nach Bakhan gezogen, wo delaillirte Karten und Pläne über alterlhümliche llteste, die sich hier zahlreich vorfinden, hergestellt werden sollen. Während des Winters»vird die Expedition in Jschkaschki» verweilen. Ivo Olussen beabsichrigt. eine meteorologische Station z» errichten und ethno- graphische nebst anthropologische» Forschungen vorzniiehmeu. Daraus zieht die Karawane nördlich durch die Provinzen Westpamirs Am Schlüsse von 1339 will Olussen bis China und zui» Aralsee ziehen und dort photographische Ausnahmen von verschiedene» interessanten Ruinen aus dem 13. Jahrhundert herstellen Bon Merv geht er über Mesched Nischapur und Teheran bis Enseli,»m Aiiliqnilälen zu erwerben, und von Enseli wird die Rückkehr nach Europa au- getreten.— Aus dem Thierreiche. — Ein merkivürdiger Wurm wird von Prof. Lampert in der Zeitschrift„Natur und Hans" beschrieben: der unscheinbare P a l o I o iv>l r m, Lysidice viridis gray, ein Borstenwurm, dessen Verbreitung auf die Korallenriffe der Samoa-, Fidschi-, Tonga» und Gilberl-Jnseln beschränkt ist, wo er i» der Tiefe der Riffe lebt. Nur zweiiiial im Jahre kommt der Palolowurn, aus seinem ge» schützten Schlupfwiiikel an die Oberfläche des Meeres, nur in den Monaten Oktober und November, und mit absoluter Regel- Mäßigkeit erscheineii die Thiere in diesen Monaten am Tage des letzten Mondviertels und am Tage vorher; bei den ersten Zeichen der Morgendämmerung steigen die ersten Würmer auf, bald folgen mehr und niehr, das Waffer wimmelt von dünne», bis einen halben Meter langen, sich hin- und her- schlängelnden Würmer,:. Hunderttausende, Millionen erfüllen das Meer, aber kaum ist die Sonne anfgegange», so sind die Würmer wieder verschwunden. Den Eingeborenen der Inseln, an welchen der Wurm lebt, bietet er ein beliebtes Nahrungsmittel. Der Palolo- fang ist ein Freudenfest, ein Höhe-Tag im Leben der Insulaner. Jiiiig nud Ali rudert hinaus, mit allerlei Geräthen wird der Wurm geschöpft, die Beute iheils roh verzehrt, theils i» Bananenblättern gedünstet, und auch mancher europäische Gaumen hat Geschmack daran gefunden.— Humoristisches. — Merkwürdige Ueber zieher. Theodor Mommsen's Bruder Tycho war Gynmasialdireklor in Fraukfurt a. M. Ein witziger Herr, wie er war, suchte er mit sarkastischen Bemerkungen den Stadtverordnete», die ihm den Etat seines Gyiniiafmnis arg zu beschneiden pflegten, gern etwas am Zeuge zu flicken. Emst ging er mit eineui Freund, der bei ihm zum Besuch war, durch die Straßen von Franksurt. Sie kamen auch am lliathhaus vorbei, wo die Stadlverordnelen tagten. Dicht daneben halle ein Lederhändler Ochsenhäme ansgehäugt. Der Gastsreund kannle diese Sitte nicht und fragte den Gyiunasialdireklor, ivas das bedeute. Mit nniiach« ahlnlicher Miene anlivortele Mommsen, ans die Ochsenhänte zeigend: „Das weißt Du nicht? Das sind ja die Ueberzieher der Herren Stadtverordneten!" —„Das A b t h e i l Der„Franks. Ztg." ging von einem „Ausländer" folgender Brief zu: Hochgeehrtes Redakl! Auf meiner letzten Vergnüg, eise durch Deutschland bin ich zu manche,» Ucberleg angeregt ivorden durch das Verbesser der deutschen Sprach, ivosür gewiß ein Bedürf, sogar ein Not- wend vorlag, iveiiii es auch a» Verstand noch vielfach fehlt. Die Leute in nieine». Begleit(sie haben gutes Schnlbitd, aber im Deutsche» kein praklisch Ausbild genossen) wollie» durchaus wissen, ob man der Abteil oder das Abtheil sagt. Ich bilt um Verzeih für die Beläst, aber Sie wissen, der Verlheil der deutschen Wörter aus die Geschlechter ist für den Fremd kein Kleinia, sondern bringt ihn oft zum Verziveisel. Für gütig Mütheil würde ich Ihnen sehr dank sein. Mit Hochacht ergebenst Ein Abon. Vermischtes vom Tage. y. Infolge Genusses verdorbener Wurst sind in der Ortschaft Vellern bei Beckum zwei Kinder einer Fainilie gestorben. Zwei andere Kinder derselben Faiuilie liegen noch schwer krank darnieder.— — Seit 50 Jahre» wurde kein so tiefer Stand des Queck- silbers in, Barometer beobachtet, wie am 29. November d. I. An diese»! Tage, nachmittags 5 Uhr, meldete die meteorologische Station N a n s ch e n b e r g eine» Stand von 713.0 Millinieter, ivährend bis dahin als Mindenstand dort 714,4 Millimeter(am 20. Dezember 1884) und 715,2 Millimeter(am 23. Dezember 1846) verzeichnet worden war.— — Ja M.- G l a d b a ch bat sich ei» Anstreichermeister auf dem Grabe seiner Mutter erschossen.— — Die neue» b a y e r i s ck, e u K a r t e u b r i e f e sind, wie das„Bayr. Valerl." verräth, ungemein praktisch, wenn man sie trotz Verschluß lesen will: tun» braucht nur die Sonne durch- scheine» zu lasse» und an die andere Seite eiuei, Spiegel zu halten, so kann man den ganzen Brief ganz bequem durch de» Spiegel lesen.— — In C h r i st i a n i a ist am Sonuabend die A k t i e n b u ch» d r u ck e r e i durch eine F e n e r s b r u u st vollständig zerstört worden. Der Gesamnilschad.eu wird aus 460 000 Kronen geschätzt.— — Sturm»iid Regen haben in Mittel-»nd Süd- Italien große Schäden verursacht. In B a j a und aus der Rhede von Neapel haben 25 Kauffahrteischiffe Schiffbruch gelitten. In mehrere» Orlschaste» bei R e g g i o di Calabria sind viele äiiser a» der Küste durch Meeresstürme zerstört. Aus mehrere» rte« Sardiniens wird hestiger bereits 20 Stunden anhaltender Rege» gemeldet.— — In Tunis und Umgegend ist durch Sturm großer Schade» angerichtet ivorden. Viele Menschen sind umgekommen.— — Der Asrikasorscher Zintgrasf ist in Teneriffa dem Malariafieber erlegen.— Veraulivortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.