Hlnterhaltimgsblatt des Worwärls Nr. 245. Mittwoch, den 15. Dezember. 1897. (Nachdruck verbolen.) Der ÄAubevkAfkKN. 7] Roman von K o l o m a n Mikszüth. „Ich bin die Czinna, das Zigeuncrmädchen. Nehmt mich schnell in den Wagens Anfangs erschrak nur Jnokai, aber jetzt maren Kriston und Poroßnoki zu Tode erschrocken. Sogar der auf dem anderen Wagen befindliche Oberrichter verschmcchte es nicht herabzuspringen.„Wie kommst Du hierher. Du Krähe?" „Ich bin davon gelaufen!" antwortete Czinna kurz. „Gerade das ist's, warnni bist Du geflohen?" „Weil ich mich langweilte." „Du Hundeleber!" schrie Kriston und kratzte sich den Kopf. „Weißt Tu, daß man uns alle Deinetwegen hängt? Wirst Du Dich gleich zurnckpacken! Was sollen wir thun? Was sollen wir thuN?" „Man muß sie zurückgeleiten," meinte auch Poroßnoki. Die glänzende Fläche des Mondes trat jetzt hervor und beleuchtete das schöne Mädchen. Ihr prächtiges Gewand war ganz beschmutzt, ihre Stiefel waren kothig, der Rock im Sumpfe durchnäßt, durch welchen sie watete. „Ich will nicht zurückgehen," murrte sie trotzig, und ihre weißen Zähne leuchteten, denn sie klapperten ein wenig. Fröstelnd knöpfte sie ihren Ueberwurf zu. „Dil miißt zurückgehen," sagte der Oberrichter,„wir spielen mit unseren Köpfen." Das Mädchen zuckte zusammen, richtete ihre schönen, großen Augen auf den Oberrichter, aber mit einem so wunder- baren Blicke, daß der Oberrichrer ausrief:„Komm' also, setze Dich zu mir in den Wagen. Ich werde Dich nach Hause führen." „Herr Oberrichter! Herr Oberlichter!" warnte Poroßnoki melancholisch.„Was thun Sie?" „Auf meine Verantwortling!" „Tie Jugend! Die Jugend!" murrte Jnokai. Die Augen Czinna's blitzten wieder, es lag darin die Wärme der Hundetrene. Dann sprang sie zum Oberrichter mit einem leichten Schwünge wie eine Wildkatze. Die Wagen setzten sich ivieder in Bewegung. „Du frierst," sagte Leschak, ihrem Athemzuge lauschend. Dann zog er den kaiserlichen Mantel hervor und breitete ihn über ihre Knie. Er betastete mit seiner Handfläche ihre Stirn, sie war ein wenig heiß, aber wie glatt, wie süß anzufühlen! Das Blut des Oberrichters begann zu sieden. „Ach, es giebt nur einen glücklichen Menschen," seufzte nnterdessen auf dem ersten Wagen Jnokai,„Herrn Christoph Agoston, der seinen Kopf an einen sicheren Ort gelegt hat, nach Waitzen." „Ach, es giebt nur einen glücklichen Menschen," seufzte im letzten Wagen der junge Ochsenhirt vor dem alten Roßhirten: „Unseren Oberrichter, Herrn Lestyak, denn dieser kostet die rolhen Lippen des Zigeunermädcheus und mißt mit dem Arm ihren schönen schlanken Leib." „Sag' mir Czinna," fragte der Oberrichter, wie bist Du entflohen?" „Ich bestimmte den alten Türken, welcher an der Thüre wachte, einzuschlafen und er schlief ein." „Wie konntest Du mit ihm türkisch sprechen?" „Ich nahm mein Halsband vom Halse und gab es ihm." „Und die anderen?" „Auch diese habe ich angeeifert, aber sie wollten nicht komnien. Hier zu Hause hätten sie sich im Tagelohn verdingen müssen, dort gab es ein prächtiges Mittagmahl, Braten, dreier- lei geschmackvolle Fruchtgattnngen. Auch Mamaliga") gab es vielleicht dort. Das Nachtmahl wartete ich nicht mehr ab." „Aber Du gingst doch gut gelaunt mit uns." „Ich freute mich über die Kleider." „Und Du hast sie schon satt?" „Ich verabscheue sie und sehne mich nach meinen Lumpen." „Ei, ei," sagte der Oberrichter tranrig,„Du kannst noch viel Leid über Kecskemet bringen! Man wird Dich suchen, Czinna!" ") Kuchen anS Maismehl. Sie schmiegte sich furchtsam an den Oberrichter, und ihr ganzer Körper zitterte wie Espenlaub. „Fürchte nichts, ich werde dich nicht verlassen, wenn ich es einmal aussprach. Was ich sage, das ist gesagt." Das Mädchen beugte sich über die Hand Lestyak's, küßte sie und weinte. Nervös, fast rauh erfaßte der junge Mann ihren Kopf, um ihn von seiner Hand wegzuziehen und brummte ärger- lich:„Ich bin kein Bischof." Als er den Kopf des Mädchens aber erhob, floß mit einem Male die Welt vor ihm zusammen, sie drehte sich im Kreise, die Sterne sprangen vor seinen Augen umher, der Wagen schien umzufallen und er drückte ganz selbst- vergessen das"schöne Haupt an seine Brust. Plötzlich gereute es ihn... und er ließ es wieder los. „Nun, nun... was zum Teufel machst Du, Czinna? Mach' keine Dummheiten und küsse mir die Hand nicht, denn sonst werde ich Deinen Zopf an den Wagen binden, damit Du Deinen Kopf nicht bewegen kannst.' Wie Du den Menschen in Verwirrung bringst l" Er erfaßte scherzend ihr dichtes, weiches Haargeflecht. „Nun, soll ich es an den Wagen binden?" „Wie Euer Gnaden wollen", sagte das Mädchen sanft, ruhig. Ich binde es nicht an, fürchte nichts. Ich denke an etwas anderes. Lange Zeit schwiegen sie. Lcstyak rieb sich oft mit der Hand die Stirne. „Ich denke daran," sagte er endlich flüsternd,„daß man Deinen Zopf bis zum Grund abschneiden müsse." Czinna richtete ihre Augen verwundert auf ihn, diese glänzten selbst im Finstern. „Neige Dich näher zu mir, Czinna, damit der Kutscher nicht hört, was ich sage. Schmiege Dein Ohr an mein Ge« ficht an. Noch näher. Fürchte nichts, ich werde Dich nicht küssen." „Was liegt mir daran, küssen Sie mich." „Dein Haar muß abgeschuiten werden." „Was liegt mir daran, schneiden Sie's ab." „Dann mußt Du vom Wagen steigen.. Das Mädchen machte eine unruhige Bewegung. „Denn man wird Dich suchen und ich habe nicht genug Macht, um Dich zu schützeu. Wer weiß übrigens, was mit mir geschieht. Ein schlimmes Schicksal steht mir bevor. Du mußt also absteigen, das ist gewiß." „Aber warum?" „Weil der Sultan oder der Ofner Pascha mächtiger ist, als der Kccskemelcr Richter. Wenn ich mächtiger wäre alS sie, dann würdest Du jetzt bei mir bleiben und kein Haar würde Dir gekrümmt werden." „Ich verstehe Sie nicht." „Du wirft mich bald verstehen. In dieser Kiste befindet sich ein Männeranzug, ich habe ihn jetzt für mich in Ofen ge- kauft. Wenn Du vom Wagen springst, wirst Du Dich irgend- wo als Bursch verkleiden � ich lege Dir auch ein paar Dukaten in die Tasche. Du wirst ein hübscher Junge sein, was glaubst Du? Der Teufel selbst wird die einstige Czinna nicht erkennen. Czinna seufzte und fing an zu weinen. „Schön langsam, nach Verlauf von Tagen wirst Du nach Kecskemet zurückkehren, womöglich auf anderen Wegen und bei meinem Vater als wandernder Schneidergeselle, der Arbeit sucht, einkehren." Czinna wischte sich die Thränen ab und lachte laut auf. „Es wird gut sein, es wird wirklich gut sein! Wenig- stens kann ich Sie täglich sehen." „Wiehere nicht wie das kleine Füllen.... Das ist ein ernster Zustand. Wenn der Alte sich weigern sollte. Dich an« zunehmen, so wirst Du ihm diesen Ring zeigen, zum Zeichen dessen, daß ich es wünsche." „Aber Sie werden ja zu Hause sein und können es auch mündlich sagen." „Was weiß ich, wo ich sein werde," antwortete er mürrisch und zog einen Opalring vom Finger, ihn Czinna übergebend.' Nach kurzer Pause fügte er hinzu:„Wenn er Dich aber ohne Ring aufnimmt, so zeige denselben nicht; mein Vater soll nicht ahnen, niemand darf es wissen, wen die Männer- kleidnng bedeckt. Ich wünsche es so." „Dann wird es auch so sein," sagte Czinna. „Und jetzt gehen wir an die Arbeit. Dn mußt abspringen, so lange es noch dunkel ist." In der Lade befand sich eine große Schcere, mit welcher man die Mähnen der Fällen zu ordnen pflegte. Als sie der Oberrichtcr hervorzog, zitterte seine Hand, wie erst, als er die prächtigen Zöpfe erfaßte, nni dieselben zu vernichten. „Ich habe keinen Mnth." Und matt ließ er die Schecre fallen. „Was bedauern Sie dabei?" zürnte das Mädchen, die Ccheere erfassend. Das scharfe Eisen knisterte und der Haar- wald war abgeschnitten. Das Mädchen lächelte mit krönen- losem Kopfe. Dann flocht es aus den Zöpfen die schweren Vrokatbäudcr los, während Michael die Männerkleidung aus der Kiste nahm. -„Wenn Dn Dich umgekleidet hast, merke gut auf, wirst Du an das Ufer der Theiß gehen, wo Dn sie am nächsten erreichst und wirst Dein abgelegtes Kleid neben einen Weiden- bnsch legen, wie es die einen Selbstmord begehenden Mädchen zu thnn pflegen, welche ihre Kleider dort zurücklassen und nur ihren Schmerz mitnehmen..." „Alles wird so sein... alles." „Hoho! Wehe! Wehe!" erscholl es in diesem Momente vom Wagen des Kriffon. „Was ist geschehen?" rief der Oberrichtcr hinüber. „Wir sind in irgend einen Morast gesunken." Das war in der Thal kein Wunder. Damals waren die Komitate noch Jungfrauen bezüglich des Straßenbaues. Die Klage, daß man Koth auf Koth häufe und dies Landstraße nenne, hatte damals noch keine Berechtigung, denn mau häufte überhaupt gar nichts. Die Ansicht war vorherrschend,„daß die Wagen die Straße selbst machen". Wo eine Radspur ist, dort sind schon Menschen passirt und wenn sie schon passirtcn,„dann können auch wir dort wandeln". Mit einem Male endete die Radspur und der Wagen saß bis zur Achse im Moraste drin, welcher beim Mondschein einer griinscidenen Wiese glich. Dieses Alsöld, welches Petöft ein offenes Buch nennt, ist eine tolle Gegend. Bei Tage zeigt es mit seiner Fata Morgana das Land als Wasser, des Nachts das Wasser als Land. Wann soll der Mensch ihm glauben? Der Kutscher fluchte, schlug das Pferd, daß die Stränge beinahe rissen, er wußte aber eigentlich nicht, welche Richtung er wählen sollte, wo ein Ausweg sei. Der andere Wagen ver- suchte in anderer Richtung sein Glück. Auch dieser gerieth in den Morast. „Wir werden hier zu gründe gehen.' Wer kennt den Weg?" Alle sprangen von den Wagen und begannen zu bcratheu. „So viel ist gewiß, daß wer uns bei den„Höllcutcichen" befinden," sagte Herr Poroßnoki.„Es muß irgendwo ein Durchgang sein. Ich habe oft von den Fuhrleuten gehört, daß man zwischen den Seen zum rechten Wege gelangen könne." „Aber wo? Wir werden so lauge suchen, bis wir ver- sinken." „Man muß den alten Marczi aufivccken, der hat schon oft Ochsen nach Pest getrieben, auch in der Zeit des regne- rischen Herbstes. Wie, wenn er den Weg kennt? Du, kleiner Pfcrdcjunge, dort im letzten Wagen, wecke Deinen Bruder Marton ans." Der schlanke Pali brauchte nicht mehr Worte, er schüttelte den schlafenden Alten ans Leibeskräften. „Nun, was giebt's? Was schüttelst Du mich, Du Frechling?" „Mit Respekt zu melden, alter Verwandter, wißt Ihr den Weg nach Kecskemet?" „Ich glaube," antwortete der kurz angebnndene Ochsenhirt. „Wir befinden uns hier bei den Höllenteichen". Die ersten zwei Wagen stecken schon im Sumpfe. Blicken Sic um sich, wo wir einen Ausweg finden." Marczi sah zum Himniel empor und betrachtete sehr auf- mcrksam das erhabene Gewölbe mit seinen Milliarden funkeln- der Sterne. „Steigen Sie nicht hinunter, um den Platz zu sehen?" „Was soll ich daran sehen?" fuhr er mürrisch auf.„Der eine Sumpf ist wie der andere." lFortsetzung folgt.) V i o Sonn e. Die alles erleuchtende, alles belebende Sonne auch nur eine einzige Sekunde i»it freie», Auge zn betrachte», ist fast unmöglich, und diejenigen, die es wirklich einmal der Miihe werth hielten, ihr strahlenvcs Angesicht durch ei» rnßgeschwärztes Glas in Angenschei» z» nehmen, gewahrten nichts als eine wohlbegrenzte, Helte Scheibe, ohne irgend ivelche Abnorniiläte», und waren wohl auch nicht allzu- sehr enttänscht. Denn wer erwartet von der strahlenden Königin des Tages, dem Symbol der Reinheit, ein ähnlich saltiges und fleckiges Gencht, wie es der treue Diener der Erde, der Mond uns zeigt? Aber die Astronomen, deren indiskrete Blicke, geschärft durch die mächtige» optischen Hilfsmittel der Neuzeit, bis in die fernsten Tiefen des Universums dringen, belehren uns eines besseren; sie haben ans dem glühenden Sonnenball so viel Merkwürdiges und Bedenlungsvollcs geftiudc», daß sie es für gerathen erachtet haben, lagtäglich, wenn nicht neidische Wolken das TageSgeslirn de» forschenden Blicken entziehen, all die vielen Details mit Hilfe der Photographie festzuhalten. Und in der That, nirgends aus unserer Mutter Erde noch ans de» andere», lt»s zu speziellen Studien zugänglichen Himmelskörpern, hat man Vorgänge gefunden, welche analog sind den nngehenren Umwälzungen auf unseren» Zentral- gestirn. In gewisser Hinsicht kann uns das geivaltige dieser Erscheinungen kaum Wunder nehmen, denn der Sonnenkoloß läßt ja bezüglich seiner Dimensionen alles hinter sich zurück, was unsere engere Heinialh im Wcltgebändo, das Sonnensystem, an Gewaltigen» und Großartige»,-uns bietet. Wen» wir bedenken, daß 1280 000 Erd» kugeln dazu gehöre», mn den von der Sonne eingenommene» Raum zn fülle», daß 320 000 Erden erst der Schwere der Sonne die Wage ballen würden, und daß ihr Umfang den der Erde lOSinal übertrifft, so können wir— trotzdem solche gewaltigen Zahlen das VorstellnngSvermöge» eigentlich übertreffen— uns ein Bild davon machen, wie urgewaltig die Umwälzungen sein müsse», die ein solcher Gluthball erleidet. Versuche» ivir es, die wichtigsten dieser Erscheinungen und der aus ihnen abgeleitete» Theorien zn betrachten. Wenn»vir die Sonne durch ein gutes Fernrohr, das zum Schutze der Ailgcn mit Blendgläsern versehen sein muß, betrachten, so bcinerkcn wir zunächst, daß dieselbe durchaus nicht gleich- mäßig hell ist, sondern daß das Maximum der Helligkeit in der Mitte der Sonncnscheibe sich befindet und von da»ach de» Rändern hin abnimmt; es ist dies ein Beweis dafür, daß die Sonne wie unsere Erde eine Atmosphäre besitzt, die, so verschieden sie auch vo» der irdischen sein mag, denselben optischen Gesetzen gehorcht. Wie wir»visfen, erscheint nns die Sonne beim Ans- und Untergang, wem» sie tief am Horizont steht, viel lichtschivächer. so daß wir sie ohne Schaden mit nnbeschütztem Auge betrachten könne». Diese alltägliche Erschein,,»g wird durch die Lufthülle der Erde bc- dingt, die Strahlen der Soiine haben bei tiesem Stand derselben eine» weiteren Weg durch die Atmosphäre zurückzulegen,»,»> zn unseren» Auge zn gelangen; da nun die Luft den Lichlstrahl nicht ungehindert passiren läßt, sondern einen Theil seiner Intensität als Brückenzoll absorbirl, verschluckt, so wird natürlich die Licht- schwächung um so größer sei», ja weiter der Weg des Lichtes durch die Alniosphäre ist, daher die Sonne beim Aufgang schwächer als bei Mittagshöhe erscheint. Dieselbe Erscheinung findet auch in der Sonnen- Atmosphäre statt, und da die Lichtstrahlen an» Rande der Sonne eine» weiteren Weg durch die Sonnenatinosphärc zurück- zulegen haben als in der Milte, um unser Auge zu erreiche», so erscheint uns die Sonne ungleich hell. Außer dieser, durch die Sonneii-Almosphäre bedingten Lichtunter- schiede, bemerkt man in besseren Instrumenten»och eine über die ganze Sonuenscheibe vcrtheille Helligkeilsvariation, die ganze Scheibe ist mit abwechselnd hellen und dunkle» Punkren übersäe,, welche der- selben ei» marmorirtcs Aussehen verleihe» und die etwa den Eindruck hervorrufe», als wäre eine dunkle Platte mit Reislörncrn bestreut. Man nennt diese Erscheinung die Körnnng oder Graiiulalion der Sonne. Nach neuere» Untersuchungen hat man es hier mit Wolken- bildmigc» zn thnn, die, ähnlich unseren Schäfchenwolken, i» der Sonneii-Atmosphäre schweben. Das weitaus intereffanlesle nnd vielartigste aller Sonnen-Phä- nomene, das außerdem noch de» Vorzug hat, fast im,„er und mit geringen oplifchen Mitteln, ja zuweilen sogar mit freiem Auge sichl- bar zu sei», sind die S o» n c n f l e ck e. Dem Umstand, daß die- selben sehr hänsig. sind— es giebt nur wenige vollständig flecken- reine Tage im Jahr—, n»d daß sie leicht erkennbar»nd zu beobachten sind, verdanken»vir ihre fast 300jährige Bekannlschast, ivelche uns die Sonne als Reinheilssymbol genominen hat; streng genommen sind die �onneiifleckc schon länger bekannt. Da sie zn» weilen enorme Größen erreichen und die Leuchtkraft der Sonne merklich beeinträchtigen können, so sind sie, wenn auch nicht in ihrer Bedeutnng, schon von den Peruaneril und Chinesen zu Ansang unserer Zeitrechnung beobachtet»vorden. Die Soiinenflecke haben alle mögliche» Formen: zumeist rundlich oder spiralig, beobachtet man sie auch laiigstreifig und ge- gliedert, da sie aber»venig beständig sind»nd sich zuiveileil i» wenigen Stnnde» vollständig auflösen, so ändert sich die Form fortwährend, und bei der Auflösung eines Fleckes zersällt derselbe zumeist in viele kleine Theilche», die nicht selten den Hauplstcck an Lebensdaner weit übertreffen; jedoch hat man auch Flecken beobachtet, — 97 die mehr«re Monate auf der Sonnenscheibe verblieben; ja. der Tonnenforscher Schwabe beobachtete einen Flecken, der im Jahre 1861/62 450 Tage lang sich hielt. Der eigentliche Fleck, der von schwarzer oder dunkelbrauner Farbe ist, ist gewöhnlich von einem grauen Hof umgebe», der sogenannte» Penuinbra, welche, in kräftigen Jnsirnmenten, zumeist spiralig er- scheint; übrigens ist der Kernfleck durchaus nicht so dunkel wie es auf den ersten Blick scheint, sondern derselbe slrahlt nach Langley's Messungen noch 5000 mal so viel Licht ans als eine gleich große Fläche des Vollmonds, und nnr der Kontrast mit der hellen Scheibe läßt ihn so dltnkcl erscheinen. Die Größe der Sonuenflecken giebt uns auch den besten Beweis von den furchtbare» Umwälzungen, welche unsere Licht- und Wärnie-Spenderin erleidet; auch abgesehen von den in alten Schriften beschriebenen tage- langen Verdunkelunge» der Sonne, die gewiß stark über- trieben sind, hat man Fleckeubildungcn beobachtet, die erstannliche Größen erreichten. Der schon oben erwähnte Astronom Schwabe beobachtete im Juni 1347 eine Flcckengrnppe, die eine Länge von 467 700 Kilometern erreichte, also die Entfernung des Mondes von der Erde nicht nnr überbrückt, sondern noch rund 100 000 Kilometer weiter gereicht hätte; am 5. September 1850 befand sich ein Fleck ans der Sonne, der ei» Areal von 35 000 000 000(35 Milliarden) Kilometern im Quadrat bedeckte, also die gesainniie Erdoberfläche 63 mal an Größe übertraf. Wie groß auch unser Erstannen solchen Zahlen gegenüber sein mag, so ivird es doch noch übertroffen, wenn wir die schnelle Veränderlich- keit dieser Gebilde bedenken; der Durchmesser der oben beschriebene» großen Flcchcngrnppe verkürzte sich innerhalb ziveier Tage»m 136 000.Kilonieter, während der große Fleck vorn 5. Sepleinber 1850 in einem Tage von 3'/zMilliardcn Quadratkilometern ans 35 Milliarden anwuchs. Besonders inlcrcssaut isi die von Schivabe 1843 cnldechle Thal- fache, daß die Zahl und Größe der Flecken gewissen periodischen Schwankungen nnlerworscn sind. So tritt zum Beispiel eine elfjährige Periode besonders dcullich hervor, ja, man hat sogar ge- filnde», daß einige Vorgänge aus unserer Mutter Erde mit dieser Sonnenlhätigkeit gleichen Schritt halten. So weisen die Nordlicht- Erscheinungen, die Echwanknngen der Magnetnadel und die Gewitter annähernd gleiche Perioden ans, jedoch ist es bisher nicht gelungen, die Ursache dieses seltsamen Phänomens attsznfinden; vielleicht hat man es hier inil elektrischen Wirkungen der Sonne zu lhtin. Aber noch eine andere, wichtige Bereicherung unseres Wissens verdanken wir den Sonnenflecke». Mau bemerkte nämlich sehr bald, daß dieFlecken von Osten gegen Westen aus derSonncnscheibe iveiter schrillen; ander Gleichmäßig- keit und Allgeincinheit dieser Beivegnug erkannte maii bald, daß dieselbe nicht den Flecken eigenthnmlich sei, sondern durch Drehung der Sonne uin ihre Achse hervorgebracht werde; sorgfältige Beobachtungen ergaben, daß sich der gewaltige Glnlhball iu 25 Tagen ciiimal heruinschtvwgt. Was sind»u» eigentlich diese Sonucnflccke? Mit Vestinimtheit weiß man das nicht zu sagen; über diesen Punkt gehe» die Meinungen der Gelehrten iveit auseinander. Während einige Forscher der Meinung sind, daß die Flecken jchlnclenarlige Produkte sind, die ans der glühend-flüssigen Sonnenoberfläche schwimme», sehen andere i» ihnen Wolken von Metalldäinpsen, die in der Sonnenalmosphäre schweben; in früherer Zeit hielt man sie, aus grnnd einer sehr vcr- breiteten Theorie, nach welcher der eigentliche Kern des Sonnen- körpers verhältnißinäßig dunkel sein und das Sonnenlicht von einer ihn umgebenden Gasfülle, der sogenannten Chromosphnrc ausgehen sollte, für lrichtersörinige Vertiesimgcn in der Chroinosphäre, durch welche der eigentliche dunklere Sonucnkcrn dein Auge bloßgelegt wird. In der That sehen inanchc Flechen, wenil sie sich am lliande der Sonnenscheibe besinden, einem Kraterloch nicht unähnlich; doch ist es eine physikalische Unmöglichkeit, daß das Innere der Sonne kälter und dunkler ist als ihre Hülle. Die Erkaltung eines Wellkörpers kann nur von außen nach innen, nicht umgekehrt, sortschreiteu. In neuester Zeit ist eine Hypothese aufgetaucht, die in den Sonnenflecke» und anderen»och zu besprechenden Eischeiiiiingen nicht die Zeugnisse gewaltiger Umwälzungen und Veränderniigen, sondern die iKesultale eiginthüinlicher optischer Täuschungen sehen ivill. Man sieht, daß die Meinungen hier noch keineswegs geklärt sind, und den Forscher» noch viele Allsgabe» bleiben. Noch eine andere Erscheinung, ebenso wunderbar in ihrem schnellen Entstehen und Vergehen, ebenso wnnderbar in ihrer Groß- arligkcit, aber leider nicht so oft und leicht beobachtbar wie die Sonneuflecken, da sie»nr zur Zeil einer Sonncnfinslcrniß sich in ihrer ganzen Prallst darbietet, sind die sogenannlen Pro- t u b e r a n z e n. Wenn sich der Mond, der„alte Gesell'", bei seiner Wanderung llin die Erde zwischen diese und die Sonne drängt, und letzterer, zum Dank dafür, daß sie ihn Jahr ein, Jahr aus erwärmt und beleuchtet, den llincke» zukehrt, den Erd- bewohn«» dadurch das Schauspiel einer Sonucnsiusterniß be- reitend, so bemerkt man rings um die verfinsterte Sonne einen hellen strahligen Glorienschein, der sich mit wunderbarem Licht vom dunklen Himmel abhebt; dieser Strahleukrailz, dein man den Namen Corona gegeben hat, ist nicht bei jeder Finsterniß gleich groß oder intensiv, sondern ivcchselt bei jeder, sowohl an Gestalt ivie an Glanz in verschiedener Weise. Auch über die Corona sind die Meinungen gelheilt, jedoch weiß man sicher, daß diese Erscheinung weder nnserer Atmosphäre, noch dem Monde zugehört, sonder» der 9— Sonne cigcnihliinlich ist; wahrscheinlich hat»tan es hiermit den obersten Schichten der SoUveii-Almosphäre zu thini, deren glübende Gase nnlermischl mit Meleorstanb, der in den Anziehnngsbereich der Sonne gelangt ist, jenes Leuchten hervorbringen. Nichtct man nun aus die verfinsterte Sonne ein Fernrohr, so erblickt man an ver- schiede»«» Stellcn des Sonnen- resp. Moudrandes rothe Flaininen von nicht unbeträchtlicher Größe denselben überragen, die Pro- tuberanze». Obwohl diese Erscheinung schon z« Anfang des achtzehnten Jahrhunderts gesehen wurde, beschäsligte man sich doch erst bei der Finsterniß vom Jahre 1842 näher mit diesem Phänomen. Viele Astronomen waren damals der Meiunna, daß diese Fläininche» von gelber oder röthlichcr Farbe, die strahlen- oder büschelsörmig oder gar in Form kleiner Wolle», lösgeiöst vom Sonnenraud, auftraten, nur eine optische Täuschung seien, hervorgerufen durch Beugung oder Brechung der Sonnenstrahlen an den Unebenheiten des Mond- randes, aber es zeigte sich sehr bald, daß die Protuberanze» wie die Corona der Sonne angehörten, und daß jene unscheinbaren Flämmche», ebenso wie die Sonneuflecken, die gigantischen Vorgänge ans»nscrcni Zenlralgcstirn auf das vortrefflichste dokuinenliren. Die Astronomen haben nämlich gefunden, daß jene Protuberanzen ungeheure Fencrgarben sind, erzeugt durch furchtbare Eruptionen in der glühend-flüssigen Sonne»- Pholosphäre, respektive der über ihr lagernden, aus glühendem Wasserstosfgas bestehende» Chromo- sphärc, durch welche große Menge derselben in die höchsten Schichten der Sonnen-Atmosphäre geschlendert iverden und so jene Feuer-Fontäncn bildcn. lieber die wahre Größe dieser Gebilde, gegen die unsere Vulkanansbrnche Verguügnngs-Feuerwerke sind. kann man sich kaum einen llarcn Begriff machen; die kleinste» Protuberanzen erheben sich immerhin schon zu Höhe» von 10 bis 20 000 Kilometer über den Sonnenrand, während die gewöhnlich erscheinenden Höhe» von 30— 50 000 Kilometer erreichen, also den Durchmesser unserer Erde 2—5 Mal übertreffe». Aber man hat auch solche beobachtet, lurch ivelche der Erdball wie eine Kugel ans dcni Feiierschlnnd einer Kanone, cinporgeschleudert werden könnte. Ioniig beobachtete 1671 eine Protnberanz, die innerhalb zweier Stunden cntfland und verging und eine Höhe von 333 000 5kilo- metern errcichtc; Thollon sah am 30. Angnsl 1880 eine solche von 364 000 Kilometern, die nach einer Viertelstunde kaum noch sichtbar war. Die größte Protnberanz brmnkte Uonng am 7. Oktober 1880; sie hatte die enorme Höhe von 563 000 Kilometern, das heißt: 44 Erddnrchmcsser auseinander gesetzt hätten ihre» Gipfel erreicht. Außer den bisher beschriebenen Erscheinungen nimmt noch ein anderes Gcbilde das Jnlercsse der Astronomie in Anspruch, es sind dies die sogenannten Sonnenfackeln, helle Flecke und Streifen, die oft gleich den Sonneuflecken große Gebiete umschließen; man beobachtete diesclbe» früher nur in der Nähe des Sonnenrandes, jedoch hat eine neuerdings erfundene photographische Methode sie auch ans den übrige» Thcilc» der Sonne erkennen lassen. Es ist sehr wohl möglich, daß diese Sonnenfackeln mit den Protuberanzen identisch sind, und sich am Rande der Sonne als Flannnensäulcn zeigen, während sie in unserer Gesichlslinie, wo sie sich aus die Sonnen- scheide projiziren, die Erscheinung der Fackeln hervorbringen; überhaupt besteht zivischeu all' diesen Phänomenen ein unverkennbarer Zu» sainmcnhang, und man ist nicht ohne Berechtigung der Meinung, daß sie nur verschiedene Phasen einer Eruption darstelle». Alle diese Erscheiiuingcn lebrc», daß unser Sonnenball kein fertiger Körper ist, dcr den Zustand, in welchem er sich heute be- findet, für alle Zeilen beibehält, sondern daß er sich in einem Zu- stand heftiger Entivickelnug befindet, deren Ende, die schließlichc Er- kaltung, auch das Ende des Lebens ans miserer Erde bedeutet. Bruno L e g r ü b. TUoinesl Feuilsefon. — Laudwirthschnftlichc Francngcnosscuschaftcn in Fin- land. Im Laufe der letzten Jahre hat die landivirthschaftliche Aus- bildung dcr Frauen Finlands einen bedeutenden Aufschwung genommen, ivomit die Bcgrnndnng von Frauengenossenschaflen gleichen Schritt hielt. Hauptsächlich ist das M o l k e r e i iv e s c n fast gänzlich in die Hand selbständiger Frauen übergegangen, welche gegemvärtig acht iveibliche Molkereigenossenschaften besitzen, die sich über den ganzen der Milchivirthschast zugänglichen Theil Finlands erstrecke». In deren Bereich wurden zwanzig Molkerei-Fachschulen für Mädchen errichtet, außerdem sind weibliche Wanderlehrer an- gestellt, welche die Bewohnerinnen der entfernteren Ortschaften zn uuterivciscn haben. Diese Molkercigenosscnschasten haben auch bereits einen großen Theil der Butterausfnhr aus Finland nach den baltischen Ländern, nach Norddeulschland uud England selbst- ständig orgauisirt.— Medizinisches. — Die Heilung der Fistelstimme. Der„Frkf. Ztg.* wird ans Paris geschrieben: In dcr letzten Sitzung der Pariser �.oallemio äs Medecine hielt Dr. Engen Kraus einen Vortrag über eine neue Theorie und eine neue Behandlung der Fistelstimme. Man erklärte diese sonderbare Stimme bisher durch Muskelkränipfe des Kehlkopfes oder durch unsichere Beivegunge» und Spanmingen der Stimmbänder und behandelte aus grund dieser Theorie» bald mit Elektrizität, bald mit Massage, bald innerlich, ohne mit diese» Methoden irgend welche»ennenswerlhe Erfolge zu erzielen, Dr. Kraus bringt eine neue Erklärung, der zufvlge die Fistelstimine auf gruud eines räumliche» Mißveichältuisscs zivischeu der Lauge der Kehlkop�kuorpel und der Länge der Stimmbänder zu stände kommt. Dieses Mißverhällnib habe zur Folge, daß die Stimmbänder in einem Zuftmide dauernder Ueberspannung erhalten werden, und dies sei die Ursache der Fistelsthimw Dr. Kraus hat aus grund seiner Theorie eine neue BeHaudhmgsmetHode erdacht, deren Endziel darin besteht, jenes räumliche Mißverhältniß zum Schwinden zu bringen. Mittels eines Apparates wird der Kehlkopf in wenigen schmerzlosen Sitzungen in der»öthigen Weise modistzirl, und..der Erfolg soll geradezn überraschend sein.— Geographisches. t. Eine Besteigung des Morrifon-Berges auf Formosa, welcher nicht nur auf dieser Insel, sondern überhaupt in ganz Osl-Astcn der höchste Berg ist, wird jetzt von dem japanische» Doktor Seirokn Honda, Professor der Forstwissenschaft an der Universität zu Tokio, in den„Mittheilungen der Deutschen Gesell- schaft für die Natur- und Völkerkunde Olt-Asiens" beschrieben. Der Berg findet sich zuerst am Ende des vorigen Jahrhunderts erwähnt, in welcher Zeil ihm der englische Kapitän Morrison den Namen gab. Die jetzige Besteigung durch die Japaner, von der ivir bereits eine kurze Mitlheilung gebracht haben, wurde im Oktober 1836 vor- genommen und war von bedeutenden Schivierigkeiten bcgleilet. Führer oder gar Wagen zu finden, war ein Ding der Unmöglichkeit, und auch zu Trägern ließen sich die Eingeborene» nur durch An- wendung von Zwangsmitteln verwenden. Im Gebirge gehen diese Eingeborenen, die von malaiischer Herkunft sind, ganz nackt, nur die Frauen sind leicht bekleidet. Sie gehören zu den fanatischen Kopfjägern, wovon Dr. Honda sich in dein großen Schlafhause der Jünglinge eines Dorfes überzengeir konnte,>vo er nicht iveniger als 85 Chineseuschädel aufgespießt fand. Die Bergbesteigung nahm acht Tage in Anspruch, doch ivnrdeu die Bergsteiger auf dem Berggipfel durch eine großartige Aussicht bei schönstem Wetter belohnt. Fast ganz Formosa, vom Meere umrahmt, lag zu den Füßen der japa- nischen Alpinisten. Der Morrison-Berg ist keineswegs, wie man früher angenommen hat, vulkanischen Ursprungs, obgleich heiße Quelle» an seinen Abhängen nicht selten sind, er besteht vielmehr größtentheils aus Thonschiefer und Quarz. Seine Höhe beträgt 4374 Meter, doch wies der Gipfel zu jener Jahreszeit nirgends Schnee auf, freilich erschienen von weitem die rveißen Quarzmassen des Gipfels als Schneefelder. Die tropische Pstanzenivelt geht bis zu 500 Meter an den Abhängen des Berges hinauf und enthält Feigen, Palmen, Pandang und Ananas, dann folgt bis 1600 Meter Höhe immergrüner Laubwald, in dem sich besonders die zahlreichen Ranipherbäume durch ihre gewaltige Höhe auszeichnen. Noch höher hinauf beginnt der Nadelwald, der bis zur Spitze reicht, auf dem oberste» Theilc finden sich nur Tannen und Wachholder. Der Berg ist außerordentlich wasserreich, und starke Ströme durchfurche» sein Gehänge.— Aus dem Thierleben. — Trappen in England. Im Londoner Zoologischen Garten ist, wie man der„Voss. Ztg." schreibt, ans Spanien eine große Zahl Trappen(bustarcls) angekommen, die man wieder in England einbürgern will und zwar auf den Moorländern von orkshire. Die Trappen kamen in England bis in die erste Hälfte des ahrhunderts vor, ans Hanls, Dorsel und Witts verschwanden sie schon Ansang des Jahrhunderts. Iarrell erwähnt die Erlegung einer weiblichen Trappe im Herbst 1800 auf der Ebene von Salis- bury, White, der Naturforscher von Sclborne, hatte von einem Flug Trappen auf einer einsamen Farm zwischen Andoyer und Winton gehört. In den östlichen Grafschafte» traf man Trappen noch später; eine ivnrde 1332 auf der Haide von Newmarket geschossen; Windhunde wurden zur Jagd gebraucht. I» Norfolk und Suffolk hatten sie Brütestätten und gelegentlich fand man sie noch später in I orkshire und Lincolnshire, in> Süden von Schottland und in Wales. Jetzt ist die Trappe ganz ausgestorben; wenn sie sich fort- pflanzen soll, muß sie geschont und in halbwildein Zustande geHallen werden.— Aus dem Pflanzenleben. — Ueber die Maßnahmen zur Bekämpfung der M o n i l i a- Krankheit der Kirschbäume wird»der„Bcrl. Corr." fol- gendes geschrieben: Zur Durchführung der Bekämpfnngsmnßnahmen, für welche der gegenwärtige Zeilpunkt besonders geeignet erscheint, ist es nicht nur erforderlich, daß an den im Frühling erkrankt gewesenen Sauer- und Süßkirschbäumen vor Beginn des nächsten Frühjahrs die todten Zweige nach Möglichkeit heraus- geschnitten und verbrannt werden, sondern es sind auch die an den Bänmen sitzengebliebenen todten Früchte während des Herbstes bezw. Winters abzulesen und zu verbrenne». Letztere Maßnahme hat sich zwar in erster Linie auf Kirschen zu erstrecken, ist aber auch auf das sitzengebliebene Obst an den in der Nähe von Kirsch- bäumen stehenden sonstigen Bäumen ic. auszudehnen. Außerdem sind die erkrankte» Kirschbäume in entlaubtem Zustande mindestens einmal kurz vor dem Aufbrechen der Knospen im Frühjahr, wo- möglich aber auch noch vorher im Herbst oder Winter, mit Bordelaiser Brühe(entweder Kupferzuckerkalk oder Kupferklebekalk oder selbsibereitete Knpfervitriolkalkbrühe mit Zusatz von Melasse oder ähnlichen klebenden Zuckerstoffen) unter Benutzung einer der gcbräuchtiche» Rsb- oder Obstspritzen zu bespritzen, bei welchem Verfahren mehr die dünnen Zweige als die Stämme in betracht kommen.— Technisches. — Ausrüstung der Streckenwächter auf den österreichischen Staatsbahnen mit Telephonen. Um die Verständigung zwischen dem Station?- und Wächterpersonal im Interesse der Verkehrssicherheit zu vervollkommuen, sind auf den österreichischen Staatsbahnen schon seit Jahren tragbare Telephone in Verwendung, welche bei besonderen Anläßen, wie bei Verkehrs« störnuge» oder umfangreicheren Bauten, ferner bei provisorischen auf offener Strecke jc. an die bestehende Telegraphenleitnng angeschaltet werden und die Korrespondenz mit den Nachbarstatioue» ermöglichen. In neuerer Zeit ist in dieser Richtung der wesentliche Fortschritt zu verzeichnen, daß in die Glockensignal-Leitnug bei den Wächterposten und in den Stationen Televhone eingebunden und die Glockensignal» Apparate anstatt mit galvanischen Batterien mit weit sicherer wirkenden Jnduktionsströmen in Thäligkcit gesetzt und derart ein« gerichtet werden, daß sie auch während eines Gewitters im Ge- brauche bleiben können, was bei der derzeit üblichen Belriebsweise nicht möglich ist.— Humoristisches. — Ei» Unglücklicher. Zwei Herren fuhren zusammen in einem Schlafwage». Der untere Bellinfasse war sehr müde und ab« gespannt. Aber einschlafe» konnte er nicht. Jedesmal, wenn ihm die Augen zufallen wollten, wurde er durch ein tiefes Seufzen und Slöhne» von oben geweckt. Endlich wurde es ihm zu dumm. „Geben Sie Ruhe da oben, mein Herr, ich kann dabei nnmöglich einschlafen." Keine Antwort, als ein erneutes, stärkeres Aechzen. „Jetzt hören Sie aber auf, sag' ich Ihnen. Was fehlt Ihnen denn'{" —„Nichts," kam es dumpf von oben,„Sie können mir doch nicht helfe»!"—„Aber, zum Teufel, reden Sie doch, vielleicht kann ich Ihnen beistehe». Sind Sie krank?"—„Nein, klang es dumpf zur 'Antwort.—„Aber in drei Teufels Namen, so sagen Sie doch, was Ihnen fehlt. Sonst ziehe ich die Nothleine und sage, Sie hätten es gelhau."— Da bricht es verzweifelt aus der Brust des anderen: „Ach... Gott... ach... Gott! Ich fahre schon den z iv e i t e n Tag im falschen Zug e."— — Zivilversorgung. Offizier zu seinem Kameraden: „Wissen Sie, bester Lieutenant, früher war das jauz nett. Wenn unsere Väter'ne jlorreiche Dienstzeit hinter sich hatten, zogen sie sich beschaulich auf ihren Landsitz zurück. Heute weiß man nie, ob»ich schon so'ne Postdirekiorstelle oder so'» Minislerstuhl a»f einen lauert. Man kann doch schließlich»ich zu allem Talent haben. Weiß Jott, das wird nachjernde unjemüthlich!"— („Simplicissimus".) Vermischtes liom Tage. y. Etwa? v o m K o n k n r r e n z I r i e g. Eine Hamburger Firma verkaufte als„Lockwaare" sogenannte Bauerutische für acht Mark das Stück, die ihr ei» Tischler für 8,50 M. anfertigte. Die Bauerutische fanden reißenden Absatz, so daß der Tischler garnicht genug liefer» konnte. Der Mann machte ei» Geschäft dabei, wahrend die Firma bei jedem Stück 50 Pf. zulegte.'Aber es ist nichts so sein gesponnen... Auf einmal wurde eine sonderbare Entdeckung gemacht. Der Tischler selbst nämlich ließ die Bauerutische wieder von der Firma, der er sie lieferte, für 8 M. auikansen und verkaufte sie dann derselben Firma wieder für— 3,50 M. So gingen die Tische immer hin und her.— y. I» Stettin tödtete ein Mann, der erst kürzlich eine Gefängnißftrnfe wegen Mordversuchs verbüßt halte, seine Geliebte durch zahlreiche Messerstiche und durchschnitt dann sich selbst die P u l s a d e rn.— — In Bonn stürzte am Sonntag in dem Angenblicke, als mehrere Personen die Stelle passirlen, eine hohe Mauer ein. Ein Vater nebst Tochter wurden unter den Trümmern begraben. Der Vater ist tobt, die Tochter tödtlich verletzt.— — Bei Uerdingen st.ü r z l e n sich die Frau, die Tochter und der Sohn eines WeberS aus Rheydt in den Rhein. Die Tochter ertrank, die beiden anderen konnten gerettet werden.— — In Krefeld wurde in einem Restaurant einem Gaste, der einen Schnaps verlangt halte, aus Versehen ätzende Lauge, die zum Reinigen der Bierrohre diente, gereicht. Nach kurzer Zeil trat Erstickungstod ein.— g. In München st ü r z t e an einem Neubau in der Lind- wurinstraße ein B a l! o n e i n. Vier Personen wurden g e t ö d t e t acht verletzt.— — H u n g e r s n o t h i n K l o n d y k e. Wie der„Frankfurter Zeitung" ans New-Dork telegraphirt wird, versnchie» 1000 Gold« sllcher ans Davison-Cily Über die Bergkette zu entkommen, da großer Nahrungsmangel herrscht. Viele Personen sind bereits um- gekommen.— Beranlivorllichcr Redakteur: August Jacobey i» Berlin. Druck und Verlag von Max Badiiig in Berlin.