Mnterhaltungsblatt des Worwärls Nr. 246. Donnerstag, den 16. Dezember. 1897. (Nachdruck verboten.) Der IsrubevliAfksn. 8] Roman von Koloman Mikszath. Und wieder maß er aufmerksam das Himmelsgewölbe. Mit einem Male richtete er sich im Wagen auf und rief zum Wagen Kristons hinüber:»Siehst Du, mein lieber Sohn, dies- seits des großen Bären die zwei kleinen Sterne, der eine ist sehr blaß, hellweiß, der andere feuriger, aber kleiner, sie be- finden sich gerade einander gegenüber?" »Ich sehe, Marczi Bacsi."*) „Nun, lenke den Wagen gegen die Seite der beiden Sterne, mein Lieber. Dort ist der Weg." Damit legte er sich wieder mit gutem Gewissen nieder, wie jemand, der alles ins Reine gebracht hat. Die Herren kletterten gleichfalls aus dem knietiefen Wasser auf die Wagen, allein bis der Oberrichter zu dem seinigen zurückgelangt war, befand sich Czinna nicht mehr dort. Ün- bemerkt war sie während der eingetretenen Verwirrung ver- schwunden, nur der große aufgelöste Zopf dunkelte aus dem Innern des Wagens hervor. Max nahm seufzend die Herr- lichen Haare in die Faust, dann begann er die Fäden in kleinen Büscheln in den Sumpf zu streuen. Die schwarzen Fäden sanken leise nieder, der Wind trug sie, so daß es schien, als flögen sie hinweg; das grünliche Wasser spielte mit ihnen und schlang sie um die Wasserlilien, um das Schilf und die buntkelchigen Erbsenblüthen.... Nachdem man endlich in Sicherheit war, hielt des Oberrichters Hand nur noch einen Faden, den er um seinen Ring wand. „Hoho!" rief er laut und dröhnend.„Wohin ist mein Mädchen gerathen? Auf welchem Wagen ist sie?* Von überall kam die Antwort:„Hier ist sie nicht! Hier auch nicht." „Gott sei Dank!" flüsterten die Senatoren erleichtert auf, „daß sie nun durchgegangen ist, die kleine Kröte!" Mit den Abenteuern hatte es nun ein Ende. Jetzt ge- langte man ohne Zwischenfall von den Tanyen zu Dörfern und von Dörfern zu Tanyen. Nur hier und dort verwischte sich der Weg, allein das that nichts, war doch Marczi da, der ihnen, so oft man ihn weckte, jederzeit den richtigen Pfad wies. „Fahrt nur geradeaus auf den blinkenden kleinen Stern zu, der dort neben dem kleinen Bären steht... VL Pintyö stellte die geladenen Böller auf dem Marktplatze auf; hier und da wurden Transparente errichtet:„Will- kommen!"„Vivat!" und dergleichen mehr. Der glänzend beredte Paul Fekcte büffelte gerade an einer Rede, welche also begann:„Wer kennt nicht den Ruf des weisen und achtungs- werthen Seneca?"(Selbstverständlich kannte ihn jedermann, denn Herr Paul Fekete lebte von den Aussprüchen dieses achtungswerthen und weisen Mannes.) Die Zigeuner des Bürüs strichen die Fiedelbogen mit Kolo- phonium, kurz, es wurden große Vorbereitungen getroffen, und man hätte vielleicht sogar die großen Glocken geläutet, wenn Herr Poroßnoki nicht bei Czcgled, von seinem richtigen Verstände geleitet, Pali, den schmucken Csikos, aus ein Roß gesetzt und ihm aufgetragen hätte, daheim zu sagen, daß man keine Komödien inszeniren solle, da zur Lustbarkeit keine Ursache vorhanden sei. Der Herold rief große Verstimmung hervor, brummig und ärgerlich sah man gegen Abend aus den Fenstern und hinter den Zäunen den Einzug der Vorsteher mit an. Kein einziges„Eljcn" war zu hören, nur die Hunde bellten hinter den Wagen her. Allein es war ja auch besser so, wozu die Schmach noch mästen, da sie ohnedies groß genug war!. Noch ani selben Abende erhielten die Osner Ereignisse Flügel, man erfuhr, wie die Köröser Kccskemet, das heißt, wie Kecskemet sich selbst„abgekocht" hatte, und wie ihnen der Sultan als Entgegnung auf die vielen kostbaren Geschenke und Schätze einen Kaftan hingeworfen. Schmach und Schande! Allein wie konnten sie den Mangel an Schamgefühl haben und den Kaftan auch nach Hause bringen? Am nächsten ») Onkel, oder dem Sinne nach, Gevatter. Tage sammelten sich große Mengen vor dem Stadthause; die angeseheneren Bürger gingen in den Saal hinaus, um hier aus amtlichem Munde das Ergebniß der Reise zu vernehmen. So war es nämlich Sitte nach jeder großen Expedition. Das gewöhnlichere Volk, Weiber und Bursche spektaknlirten draußen, schrien und suchten in unmöglichen Tönen eine Melodie zu dem Verse: „Kecskemet. magst glücklich sein, StaiserS Kaftan ist ja dein!" Einige des Weges kommende Großkoröser Fuhrleute steigerten noch die Gereiztheit. Tüchtig in ihre Pferde einhauend, schrien sie der Menge höhnisch zu: „Hält der Kaftan auch warm? Und fürwahr, er heizte den Senatoren dort oben tüchtig ein. Finster saßen sie in ihren Stühlen. Einige, so Herr Jnokai, ganz weichherzig und verzagt, nur auf dem schauen Antlitze des Oberrichtcrs leuchteten noch Math und Trotz. Poroßnoki malte die Ereignisse der Reise in einer schön koniponirten Rede. Sie waren in gutem Glauben vorgegangen und sie konnten nichts dafür, daß der Plan in Trümmer ging. Was wahr ist, ist nun einmal wahr, die Auslagen waren ungeheuer, aber sie hatten gedacht: Wer wagt, gewinnt! Anfangs hörte man fein ruhig zu, und die hübsche Rede würde vielleicht gar den Magistrat gerettet haben, halte nicht bei den Details, wo Poroßnocki mit großem Pathos sagte: „Und wir erschienen am Mittwoch vor Sr. Majestät dem türkischen Kaiser, der in königlichem Ornate da saß," hätte, wie gesagt, hierbei Gaspar Permete nicht dazwischen gerufen: „Eine Pfeife hatte er nicht im Munde?" Eine unbändige Heiterkeit malte sich auf allen Gesichtern, und von da ab folgte ein ungewaschener Zwischenruf dem andern. Die Autorität sank, und kaum hatte der erste Funke im Stroh verfangen, als auch schon alles aufloderte. „Sie haben das herrliche Geld dem Teufel in den Rachen geworfen! Kleider mit Karsunkelsteinen haben sie jenen Personen nähen lassen! Amtliche Gelegenheitsmacherl Eine Peitsche mit Edelsteinen haben Sie mitgenommen! Das Geld wurde hirnlos verschleudert. Sie haben uns zum Kinderspott ge- macht! Ich komme gerade von draußen und da schreien die Köröser auf dem Platze:„Hält der Mftan auch warm?" Eine solche Schmach unserer Stadt!... Darauf mögen Sie antworten!" Der riesig gebaute Josef Berkes sprang auf und mit hervorquellenden Auge», brüllender Stimme und drohender Faust wüthete er: „Danken Sie ab! Packen Sie sich vom grünen Tische!" Und nnheildrohend, aus hundert Kehlen durchbrauste den Saal ein Schrei, welcher daherfuhr wie der Orkan durch Baum- geäste. „Danken Sie ab!" Die aufgeregten Bürger drängten sich in einem stets enger werdenden Ring um den grünen Tisch. Lestyak warf seinen Stuhl um, knöpfte von seiner Weste das Stadtfiegel los, welches dort an einer Kette hing und warf dasselbe mit der Kette zu Boden, so daß es bis in die äußerste Ecke des Saales kollerte. „Da habt Ihr eS! Ich brauch's nicht!" Und er eilte zur Thür. Allein Blasius Putnoki stellte sich ihm entgegen. „Oho! Nicht so, Gevatter! Du bleibst. Ich klage Dich vor Gott und Menschen an, daß Du mit den Feinden der Stadt unter einer Decke gespielt, daß Du die Schätze unsere» Mutterkirche verkauft hast. Du bist der Gefangene der Stadt!" „Auf ivessen Anordnung?" fragte- stolz und kalt Lcftyak. Putnoki war betroffen, wie wenn man ihm die Zunge abgeschnitten hätte, Lestyak hingegen entfernte sich, die Saal- thür hinter sich zuschlagend. Der Reihe nach standen jetzt die anderen Senatoren auf, sich dem allgemeinen Willen unter» werfend. Sie legten ihr Amt nieder. In dem entstandenen Chaos brach sich Herr Joses Berkes Bahn bis zum Präsidenten» stuhle. „Ich beantrage, daß, bis nach reiflicher Neberlegung ein neuer Beamtenkörper gewählt wird, die Angelegenheiten der Stadt eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission führe. Ein katholischer, ein kalvinischer und ein lutheranischer Mit- bürger." „So ist's!" schrie die Menge. Sofort rief nian alle drei aus, die Herren Samuel Holeczy, Balazs Pntnoki und Josef Werkes. Das Triumvirar ging, als sich die Menge zerstreute, in das benachbarte Zimmer, um zu beralhen, und sein erster Beschluß war die Gesaugeuuahme des jungen Lestyak. Der alte Leschar weinte und schrie, als man den Stolz seines Herzens, seinen Max ins Gcfängniß führte. Zuerst griff er zum Bügeleisen und wollte die Haidncken todt- schlagen. Zlls man ihm das Bügeleisen ans der Hand riß, brachte er ans der Bibel gccigncle Sätze zur Anwendung, welche er wie Donnerkeile an die Kopse Gynri Piutyös und Pista Mnskas warf. „Man muß die Sache nicht so arg aufnehmen, lieber Vater/ sagte ein wenig zornig der Ex-Odcrrichter,„auch das dauert nicht ewig." „Sie werden das noch bitter bereuen!" rief der Alte, seine Fäuste wie ein Theaterheld ballend.„Wehe Dir, Kecskemet, wie Sodom und Gomorrah wehe ward." „Uns kann das Glück noch lächeln," tröstete Max. „Glück?" Und der Alte begann wieder zn schluchzen, wie ein altes Weib.„Auch das Glück ist eine Göttin, ein Weib wie die anderem Sie läuft immer neuen Männern nach. Mit dem sie einmal ein Liebesvcrhältniß hatte und ihn ver- ließ, zu dem kehrt sie nicht wieder zurück." Dann erfaßte er wieder verzweiflungsvoll mit den Be- wegnngen eines Wahnsinnigen die Scheere und begann eine» neuen Dolmau, den er eben fertiggestellt hatte, in Stücke zu zerschneiden, indem er heiser röchelte: „Verdirb, Hund! Die Welt soll ein Ende haben." Die Welt nahm zwar kein Ende, nur der Dolmau, und auch den armen Max schleppte man in den dumpfen Kerker des Stadthauses. Er lief ihm nach, aber bei der Thoreinsahrt wankten seine alten Beine und er konnte erst an der Thürschwelle rufen: „Fürchte nichts, lieber Sohn, ich werde Dich von dort erlösen. Deine Freiheit erringen." Nun, fürwahr, das war auch damals keine große Sache! Man ging einfach zum Osner Pascha, einen kleinen Befehl zu erwirken, daß man ihn sofort frei lasse. Wenn das Herz dcS Osner Pascha nicht zu erweichen war, ging man zum Szolnokcr Pascha, auch dessen Befehl ist giltig. Nehmen wir an, daß der Szolnoker Pascha gleichfalls in schlechter Lanne war, dann ist es ralhsam, den Kalgaer Sultan aufzusuchen, oder nach Fülek zum Vizegespau zn ivandern, ja im schlimmsten Falle kann auch Herr Csnda die Freilassung anordnen, wenn es nicht das. einfachste- ist, sich an den hochgeborenen Herrn Stefan Kobary nach Szecseny zn wenden. Alle diese wohl- edlen Herrschaften befehlen in Kccskemet. Gerade kam ein Wanderbursche zur rechten Zeit, der sich anbot, er war ein hübscher, Vertrauen erweckender Bursche. Jetzt kann Herr Leslyak zuversichtlich seine Reisetasche um- hängen und die obige Namensliste einstecken, der Bursche hin- gegen gicbt auf das Haus acht, übernimmt die Bestellungen und hält die ungeduldigen Kundschaften mit Worten hin, die Magd Erzsike hingegen kocht für ihn und sucht ihn auszu- forschen. „Aber dann mein Sohn Laczi?— nicht wahr. Du heißt Laczi?— treibe keinen Mnthwille» mit dem Mädchen, ich warne Dich, denn das ist mein Pathenkind." So ging der Alte fort und blieb lange ans, erst im späten Winter kehrte er zurück..... � DaS Bein der heurigen Martinsgans weissagte einen strengen Winter, lind es ivar in der That so. Die kämpfenden Parteien standen viel Elend ans. Bon den Kriegern des Herrn Thölköly erfroren hundert bis zu Weihnachten. Wegen des vorjährigen schlechten Jahres waren auch die Lebensmittel knapp. An jenem Abend, an welchem der alte Lestyak mit dem Ferman des Osner Pascha nach Hause kam, zog mit. ihm zugleich ein Trupp des übel beleumundeten Kalgaer Sultans vor die Stadt, unter Führung Olaj Begs, mit sehr vielen in Sklavenketten geschlagenen Frauen und Männern und er sandte mit einem Reiter den Befehl an das Triumvirat:- „Ungläubige Hunde! Wenn ihr morgen Vormittag nicht acht Wagen Brot, vierzig Ochsen, zwanzig Wagen Holz und viertausendfünfhundert Gulden schickt, werde ich sie nachmittags selbst mit meinen Soldaten holen und von den Köpfen der Kecskemeter Regierung zwei abschneiden, denn ein Richter hat an einem Kopfe genug. Versteht mich gut!" (Fortsetzmig folgt.) Das VeLufkern-MegAl in Nveutzen. Samland, die oslpreußische Küstenstrecke zwischen dem kurische» und dem frischen Haff, und die Küste von Danzig nach Meinet sind für die Bcrnsteingeivinnung in Preußen die wichtigsten Fundorte. Außerdem komineu hier für die Geivininiug dieses eigenthüinlichen Harzes»och die Inseln Bornholm, Oesel und Golhland in betracht. Einst standen hier üppige Berusteinivälder, die in dem tropischen Klima jener Zeit ungeheure Ausdehnungen angenommen hallen. Noch hing die preußische jtüste mit den heut davor- gelagerten Insel» znsannuen und erst später begruben die Welle» der Ostsee die dazwischen liegende» � Länderstrecken. Neber die entwurzelten Beriisteiubäuiue breitete sich eine Schicht blau-grüner Erde von über einen Meter Stärke, welche die Bernstein- absonderungen begrub. Darüber bildete sich im Lause der Zeit die „Eisenbank" oder„blaue Erde" in einer Mächtigkeit von ctiva 15 Meter», die nun wieder von Braunkohlen-Formationen überdeckt wurde. Uebcr das Alter des baliischen Bernsteins und die Art des Beriisteiiibanmes gehen die Gvppert'schen Feststellmigen dahin, daß dieser Vau»» eine Konifere der Vorzeit von etwa 1,2 bis 1,5 Metern Durchmesser sei, die unserer Weiß- und Nothtanne an, nächste» kam, aber eine eigene Zlrt bildete. Sie muß einen Harzreichthun» gehabt haben, welcher mit dem keiner Konifere unserer Tage zn vergleichen ist, da nicht blos i» und ans der Rinde, sondern auch im Holze»ach den» Verlause der Markstrahlen, die gleich den Holzzellen unter de», Mikroskop»och deutlich zu erkeunen sind, ivie auch peripherisch zivischen de» Holzriugen große Massen Bcrusteiuharz— bisweileu weißer und gelber Farbe zugleich— abgelagert sind. Noch heute kommt auf Neu-Seeland ein Bernsteinbaum vor, der eine ähnliche Harzprodnktion aufweist. Diese im Jahre 1769 von Cook enldcckte Dammar-Fichte sondert ans der Rinde Harz in bedeutender Stärke und in geivalligeu Knollen bis zu 50 Kilo Gewicht ab. Die»och erhaltene» Baumstämme der jungen Braunkohlen- schichten,»velche die Bernstein- Formalionen bedecke», lassen ans ein Alter von 3—4000 Jahren schließen und deuten darauf hin, daß die vorgeschichüichen Bernsteinwälder ein Aller von Jahrbmiderten erreicht habe» müssen. Wenngleich der nordische Aeriistei» schon im Allerthum bekannt ivar und auch in verschiedener Weise venveiidet wurde, und obwohl die Araber von» IX. bis zum XI. Jahrhundert deii Handelsverkehr mit diesem als Heiliuiltel vielfach gebrauchte» Harze von den Küsten der Ostsee vcriiiiUelte». muß doch der Handel mit Bernstein zu Anfang des Xlll. Jahrhunderts wenig Bedculung gehabt haben. Kourad von Masovic», der im Jahre 1230 dem deutschen lltitterorde» die preußischen Küstengelände, zum ivahre» und ewigen Eigeulhum mit allen Rechte» und Freiheileu schenkte, erwähnt in der Schenkungsurkunde den Bernstein nicht; auch der erste Landineistcr dieses Ordens, Hermann Balko. ivelcher die Städte Thor»., Cnlni, Maricuwerder und Elbiug gründete und die Rechlsverhaltnisse des Ordens regelte,»imml gleichfalls ans dieses Harz nicht bozng. In den Urkunden jeuer Zeit werden dem Orden als Eigeulhum zugesichert die ctiva vor- kommenden Erze, Salze, Gold- und Silbermelalle und Edclgesleine. In» Laufe der Zeil muß dann der Orden dag Bernsteingebiet kennen gelernt hoben, den» S>»ro» Gruna» erzählt nur, daß„die Brüder des Deulschen Hauses de» Nutze.-' von» Bornslein') erkannten; deshalb verbolen sie durch Bruder» Avshelinnni be»; henckcn an den nächsten Baum den Bornsiei» zn lesen, den voi> Anbeginn es frey »var, jedermann Winter u»d Sommer.—" Wir treffe» hier auf den ersten Versuch, die Geivinnung des Bernstein dem jeiveiligcn Landes- Herren als Alleinberechlignng zu sichern, und»vir habe» hier also den ersten Bericht über doS Anflreteil. des Bernstein-Regals. In Westprenßen scheint dieses Recht allerdings schon früher aufgetreten zil sei»; die Herzöge von Ponicrcllei, sollen nämlich— bis im Jäbre 1290 ihr Land a» Polen fiel— de» Dauzigern Fischern das Recht der Bernstcin-Ülusbentc in und an der See gegen ent- sprechende Entschädigung überlassen haben. Die Fischer hallen die Berpstichlung, dieses Harz nur de» Herzögen von Pomercllen zu ver- kaufen. Moldenhaner spricht die Verinnlhung ans, daß dieJndaber des Regals den»vahrc» Werth de? sellenen Harzes nie hezahlte», da die durch Herkommen ein für alle Male festgesetzte Taxe sehr gering gewesen sei» muß. Im Jahre 1312 würde» nnler der Herrschaft des Denlschen RilterordenS von, Hochmeister Karl von Trier die Rechtsverhällnisse bezüglich'der Bernsteingeivinnung der Danzigcr Fischer anerkannt. Nach Verlans von dreißig Jahren»vurde» den» Kloster Oliva die Güter und Rechte der früheren Herrscher Pommerns übertragen; dieses behielt sich das Recht der Bernsteingeivinnung vor und ver- pflichtete die Fischer zum alleinige» Verkauf dieses Harzes an die Mönche. Der Abt von Oliva halle dann die gleiche Berpflichtuiig gegenüber dein Denlschen Orden. Bis zur Eroberung Ostpreußens in den Jahren 1250 bis 1270 tritt im Samlande das Bcriistcinregal nicht auf. Als aber 1264 zivischen den, deutschen Ritter-Ordeu und einem Bischof Heinrich von Samlagd Länder �ansgelauscht würde», nahm man in der Urkiliide die Verpflichtung auf, daß aller»vis immer gewonnene Bernstein der in Frage kommenden Gebiete zn zwei Dritteln dein Orden, zu einem Drille! dem Bischof gehören, und im gleichen Ver- hällniß auch jeder die Koste» der Gewinnung tragen sollte. Ursprung- *) Damals meist gebräuchliche Schreibiveise. _ q; Ildj scheint sich das Bernsteiiireznl lediglich auf die Küsten der Ostsee, den Strand, die angrenzenden Wasserflächen des Meeres und der beiden Haffs beschränkt zu haben. Erst im Jahre 1S30 ist ivahrfcheinlich der Versuch einer Eriveiterung dieses Rechtes auf den Bernstein des Binnenlandes unternommen morden. Zur Beaussichtigung der Bernsteinausbente setzte der Orden so- genannte Bernsteinherreu ein. die ihren Sitz an den Hanptorten der Fnndbezirke hatten. Zu ihrer Unlerstiitzung wurden elf Strandreitcr und zwanzig Kammerkncchtc, rvelche die Siranddauern zn beaufsichtigen hatte» und für die Stblieferung des von diesen gefundenen Harzes verantwortlich wären, angestellt. Da die Bearbeitung dieie? „nordischen Goldes" im Ursprungsland untersagt ivar, wurde eS von dem Königsberger Ordcnsinarschall— nach Zarückbehatlniig des vom Orden verwendeten HarzeS— über Lübeck in den Handel gebracht. Gegen Veruntreuungen des Bernsteins seitens der Slrandl e>vohner ging der Orden rigoros vor. Dieses Verbrechen wurde mit Stauben- schlägeu, Verweisung des Landes und dem Tode durch den Strang bestrast. Im Jahre 1394 wurde sogar das Tragen unverarbeiteten Bernsteins— selbst bei Nachweis des rechtmäpigeil Erwerbes— verboten. Da die Bevölkerung unter solchen Umständen keinen Nutzen aus der Gewinnung des Bernsleins Halle, zwang sie der Orden zur Leistung des Strnndeides. WaS hierin die arme Bevölkerung geloben muhte, um das einträgliche Geschäft des Ordens zn fördern, wird am besten durch die Wiedergabe des itlnfangcs jenes Eides klar iverden:..Ich... gelobe und schwehre, aufs dein Strandt, auf Bernstein, Wind und Wetter guthe acht zn haben; den Bernstein, so durch GotleS Segen anschlägct. fleißig bep tag und iracht, bey Sommers und Winters- zcilcn, im Wetter, Sturm und Winde mit Kescher zu schepfse» und zu lesen... k." Mit vollem Recht weist Moldenhauer darauf hin, bah die Ein- sührung des Bernsteinregals in Preußen nicht ohne große Schivierig- keilen vor sich gehen konnte, da das urivüchsige Rechts- bewnßlsein der Slrandbewohncr dieses Harz als eine offenbare Naturgabe betrachtete. Dieses Gcscheick der See wurde von den anmaßenden Eindringlingen als ihr Eigenthum erklärt. Der Bruder Auselm von Losenburg, ein Bernsteinherr zu Anfang des 13. Jahr- Hunderts, hielt zur Ueberwachung des Bernsteingeschäsles Knechte, die das Recht hatten, jeden auf frischer Thal bei Bernsteinverunireu- llnge» ergriffenen Menschen ohne Verhör zn tödten. Nach den Bc- richten der zeitgenössischen Schriftsteller kehrte sich die Bevölkerting aber nicht au das Verbot, so daß jeder, der von den Knechten er- griffen wurde,„strackS gehangcu ward". Die Bolkssage erzählte von diesem Bruder Anselm später, daß er als Gespenst am Strande reiten müsse und rufe:„O umb Gott— Bornsteiu frey! Born- stein frey!" Trog der großen Strenge hatte der Orden in den Jahren von 1404 bis 1412 ans dem Regal nur eine» Jahresgetvinu von etiva Löl) Mark. Unter der milden Herrschast des Hochmeisters Friedrich von Meißen(1493—1397) hob sich die Jahrcscinnabme aus etiva L659 M. Der Markgraf Albrecht hatte im Dezember 1533 das Bernsteinrcgal an einige Kausleutc gegen eine geringe Abgabe verpachtet. Als nun 1559 dleser Vertrag noch zu gunften der Pächter abgeändert wurde, deckten die Einkünfte auS der Verpachtung des Berusteiiiregals nicht eininat mehr die der Regierung durch die Ver- wallnug des Strandes enlstehendeu Ausgaben. Die Versuche Georg Friedrichs, den Vertrag zu guiisten des Staates abzuändern, wurden selbstverständlich von den Kanfleuten abgelehnt. Aber Gewalt geht vor Recht! In, Jahre 1584 wurden die 191 Tonnen Jahrescrirag von der Regierung konfiszirt und auf eigene Rechnung für 24 830 M. verkauft. Unter dem großen Kurfürsten wurden im Jahre 1644 in einer neuen Beruslein- Verordnung die schärfsten Maßregeln gegen jede Aerunlreunng dieses HarzeS erlassen, der Strandeid jedem über 13 Jahre allen Strandinsasscn abverlangt und behnfs„schnellerer Slaiuirung ivaruender Exeinpel" ein eigenes Strand- und Bcrgstein- Gericht in Fischhanscn eingesetzt. Da man auch am Strande eine Liethe von Galgen für die sosorligc Bestrafung der Uedelthäter er- richtet hatte, fertigte der Kvnigsberger Pfarrer Henncberger eine große Zeichnung der Kiiste Preußens an und verleibte zur größeren Anschaulichkeit— siebe» Galgen dem Wappen des gesegneten Bern- steinlandes ein. Das Berusteinregal wurde bis zum Jahre 1392 thcils an Jnter- esseuten verpachtet, theils von der Regierung selbst ausgeübt. Vom Jahre 1311—1823 halte die Regierung daS preußische Bernstcinregal » unter ziemlich günstigen Bedingungen an den Grasen von Keller verpachtet. Nachdem dann der Versuch, das Vernsteinland an seine Bewohner direkt zu verpachten, gemacht war, ist heule die Pacht der Bernsteingewinnung auf eine einzige Firma übergegangen. Die Firma Stantien u. Becker in Königsberg, die zur Zeit Pächterin des Bernsteinmonopols ist, bezieht daraus einen»n- geheuren Gewinn. Rohbernstein wird besonders zur Herstellung von Ambroid benutzt. Da nun 2 bis 3 Kilo Rohbernstei'n genannter Firma 79—'M Pfennig kosten und 1 Kilo Ambroid geben, welches nur zum Preise von 69—79 Mark abgegeben wird, so wirst allein die Llmbroidfabrikntion(etwa 18 999 Kilo) einen Reingewinn von 729 999 Mark im Jahre ab.. Die Firma Stantien und Becker zahlt zur Zeit eine Pacht von 799 999 Mark, hat mithin aus der Ambroid- gcwiiinung schon die Jnhrespacht für die Regalnntzung.— Zr. O 'J- Mloittex? JuMiiflkfcm. —„Tie Oberen" schilderte unlängst nickit uneben der Marine- kavitän Lord Charles Beressord bei dem Weihnachtsmahle des „Clubs der Vagabunden". Geld, sagle er, sei heutigen Tages alles. In England bete man das goldene Kalb an, und das sei sehr zn bedauern. Jeder rohe Mensch, einerlei, ivie er sein Geld„gemacht" habe, könne sich gegenwärtig in die Reihen der Besten und Stolzesten des Landes einkaufen. Wenn jemand von der„besten Gesellschaft" sich einer unehrenhaften Handlung schuldig mache, oder eines Ver- breche»?, so dränge sich jene Gesellschaft zusammen, um ihn zn schützen, anftnll ihn an einein Baum aufzuknüpfen. Gegmu'ärtig drohe die Gefahr, daß sich jemand, der Geld genug besitze. Straf- losigkeit erkaufen könne. Dadurch würde die ganze Nation entehrt, und ein Niedergang müsse folgen.— — Souucnfinstcrnisi und Kinclograph. Zum ersten Male in der Geschichte der Beobachtung von Vorgängen in den himni- lischen Regionen wird der populär gewordene Apparat, der Leben und Bewegung im photographischen Bilde naturgetreu wiedergiebt, bei der Aufnahme der kommenden großen Sonnensinslerniß am 21. Januar n.J. in Aktion trete». Die englische ZIstronomische Ge- sellschasr, die eine Beobachtungs-Expedition nach Indien schickt, wird den Gelehrten einen mächtige» Kinetographen mitgebe», der im Stande ist, 5 bis 6 Photographien in der Sekunde aufzunehmen. Und so wird denn möglichcriveise durch diese Veranstaltung die gc- sammle Welt in den Stand gesetzt werden, ohne eine beschwerliche und Ivette Reise nuternchineu zn müssen, den hochinteressanten Vor- gang später wie ein Schauspiel allabendlich im Theater sich abspielen zn sehen, allerdings ohne seine schönste Pracht, die wunderbare Farbenenlfallung.— u. Milde Winter der Vorzeit. Im Jahre 1134 trieben die Bäume und Weiustöcke schon im Februar Knospen»nd Blüthen, die Baumsrüchte gelaugten danach im Mai und die Weintraube» anfangs August zur Reise. 1229 trugen die Jungfrauen zu Weihnachten Kränze von blühende» Veilchen und im Februar schon solche von Korubliunen in den Händen; im April blühte damals sogar in Berlin der Wein. Im Jahre 1572 schlugen die Bäume im Januar n»S, im Februar verdecklen sie mit ihrem Laub die Vogelnester. Im Januar des Jahres 1622 war das Wetter im nördlichen Deutsch- land allenlhalbeu so gelinde, daß niemand daran dachte, die Oese» zn heiße»; im Februar blühten die Bäume. In den seither ver- slosseneu 275 Jahren aber ist von excessiv warinen Wintern niemals mehr die Rede.— Literarisches. — g. b Karl Strecker:„ F r ü h t h a n Essays und Skizze». Berlin 1898. Th. Schönsclvt. Der Verfasser verfügt über eine angeuchme Spiachgewaudlheit und reichliches Wissen. Be- sonders die Abhandlung über das bisher uiigelöste Wesen des Humors läßt sich hören, wen» sie auch, wie der Verfasser selbst zugiebt, de» Kern der Sache iiuiuer»och nicht trifft. Noch mehr ivürde diese Arbeit gefallen, wen» nicht ei» seulimeiitales Element in ihr vor- herrschte. Und Seiilimeiilalilät bleibt überhaupt der Hauptfehler des BucheL. Die Bismarckschwäriiierei des Verfassers geht ins Abnorme, seine Vaterlandsliebe spricht nur im pathelischen lleberschivang. Von eiiicr derartige» Anschaunug bis zum Fanatismus ist nur ei» Schritt.— Theater. — lieber die Geschichte des„Bartel Turaser" macht die „N. Fr. Pr." solgende Mittheilung: Das Drama ist in seinem wesenilicheli Jnhatle ans gr»»d einer wahre» Begebenheit ge- schrieben, die sich in Briiu» vor zivei Jahren abspielte. Ein Arbeiter stellte sich in der Erschütterung über den Tod seines Kindes bei Gericht u»d beschuldigte sich einer falschen. Aussage, die er ab- gelegt hatte, um dein Kinde Brot geben zu könuen. Der Manu, der ih» hierzu verleitete, soll infolge günstiger prozessualer Um- stände unbehelligt geblieben sein. Langinaii», ein junger Manu, der bis dahin schon Novellen und andere schrislstellerische Arbeiten in der„Gesellschaft" veröffcnllichl hatte, schuf aus de» Rath von Freundeu au» dieser Handlung sein erstes drninatisches Werk. Er reichte es zunächst der Direktion des Brüinier Stadlthcalers ein, die es jedoch als für die Aufführung nicht geeignet fand, sowohl seiner dramatischen Form nach als auch weil die Tendenz in einer Fabrikssiadt leicht zu Zivischen- fälle» führen könnte. Der Autor sendete sodann daS Stück au das Deutsche Bolksthcaler in Wie». Von dieser Bühne erhielt er eine Zuschrift, welche dem Drama das wärmste Lob spendete, aber beisiigie, daß in diesem Momente nicht die richtigen Schauspieler für die Besetzung aller Molle» vorhanden seien. Der Dichter mußte also lrotz aller Anerkenüung, die ihm ausgedrückt wurde, sich noch einige Zeit in Geduld übe». Jnzivische» hatte Langmänn durch ein in Unserem Blatte erschieucneS Feuilleton„Der Hafen" die Auf- luerksäinkeit der Wieucr literarischen Kreise aus sich gelenkt. Endlich gelaugte auch für das Bühnenwerk die Stunde der Erlösung, indem Herr Tyroll infolge der Anregung eines dem Bolkslheater»ahe- stehenden Kuustsreuudes es las und dessen Aufführung dringend empfahl.— — Dr. B u r k h ar d t, der Direktor des Wiener Burgtheaters. hat seine Entlassung verlangt.„Meiiiu»gsverschiede»heiten" mit seiner vorgesetzten Behörde, dem Obersthofmcisteraml, solle» ihn zum Rücktritt veranlaßt habe». Der Stein des Anstoßes wird wohl fcie„Bürgermeisterwahl" gewesen sein. Nur frngt es sich: Gebt Bnrkhnrdl. weil er die.Bürgermeisterwabl" geschrieben bat, oder. hat er dieses Stück zur Aufführung gebracht, weil er gehen wollte? Eine Schranze war der Mann niemals.— Ans dem Thierlebe«. — T e r in i t e n b a u t e n in A u st r a l i e n. Hügelartige Tennitenbauten sind bisher vorzugsweise aus Afrika beschrieben worden. Nach den Beobachtungen Saville-Kenl's scheint indessen Australien eine nicht weniger große Mannigfalligleil an diesen Erzeugniffen der Jnsektenbaukunst aufzuweisen. Als die stattlichsten erscheinen die Termitenhügel, die in der Umgegend von Port Darwin auftreten. Sie sind säulensörmig. mit Strebepfeilern versehen, und erreichen nicht selten eine Höhe von über 18 Fuß. Eine andere Gestalt haben die Bauten aus der Halbinsel Jork; sie sind pyramidenförmig und enden, von breitem Grunde aufsteigend, in einer oder mehreren Spitzen. Beim Vorüberreiten stellte Saville-Kcnt fest, daß viele über seinen Kopf emporragten. Eine dritte Art von Termitenhügeln findet sich in Westanstralien. Sie sind gewöhnlich gleichmäßig kegelförmig und halbkugelig, aber öfters nehmen sie ganz unregelmäßige phantastische Formen an. Einer der höchsten dieser Hügel war 14 Fuß hoch. Die merkwürdigsten, wenn auch nicht die höchsten der a»siralischen Termitenbanten sind aber die, welche an Ort und Stelle als .Meridian-",„Magnet-" oder„Kompab-Nefter" bezeichnet werden. Sie haben eine längliche, seitlich zusammengedrückte Gestalt und sind mächtigen Tafeln von unbehauenem Sandstein, die aus eine Schmal- leite aufgestellt sind, nicht unähnlich. Der Hügelrücken ist entweder beinahe glatt oder unregelmäßig gesägt, oder aber mit zahlreichen, dicht nebeneinander stehende» schlanken Thürmchen versehe». Das auffallendste an diesen etwa 5 bis 6 Fuß Höhe erreichende» Hügeln, die in Nord- Queensland und bei Port Darwin vorkommen, ist der Umstand, daß ihre längere Achse genau mit der Richtung des Meridians zusammenfällt, d. h. daß sie alle in nordsüdlicher Richtung angelegt sind. Eine sichere Er- klärung dieser merkwürdigen Erscheinung vermag Saville-Kent nicht zu geben, doch bezeichnet er die Annahme, daß die vorherrschende Windrichtung dabei eine Rolle spiele, als jedenfalls unrichtig, da in den Gegenden, wo sich die Meridiannester finden, hauptsächlich Südost- und Nordwestwiude wehen. Süchtiger ist es wahrscheinlich, die nordfüdliche Anlage der Hügel in ursächliche Beziehung zu setzen zu dem Umstände, daß ihre größere Oberfläche so den mittäglichen Strahlen der Tropensonne am wenigsten lange ausgesetzt ist.—(„Tägl. Rundsch.") Bergbau. — Bohrungen nach Bernstein. Die Orientirungs- bohrungen, welche der Geologe Profeffor Dr. Klebs Königsberg im Auftrage des Staates gegenwärtig in Palmnicken ausführen läßt, nehmen eine immer größere Ausdehnung an. Auf der ganzen Be- güterung von Stantien u. Becker, von Nodems bis nach Groß Hub- nicken verstreut, sieht man die Bohrgeiüfte liegen, an ivelchen gegen 100 Mann, zum thcil auch in Nachlschicht, lhälig sind. Die Bohrungen, 13 an der Zahl, müssen, nach der„K. H. Ztg.", noch vor Weihnachten bis zu 60 Meier Tiefe in die Erde gelrieben werden. Nach ihrem Resultat soll die Frage beantwortet werden:„Ob der Bode» Palmnickens die Garantie dafür bietet, daß ein bergmänni- scher Abbau des Bernsteins noch auf Dezennien hinaus lohnend ist?" Entsprechend den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird die Ent- scheidung des Ministeriunls darüber ausfallen, ob das Bernstein- bergwert Palmnicken vom Staate angekauft werden kann oder nicht.— Technisches. !o. Ueber die Beleuchtung der Eisenbahn- wagen mit Acetylengas oder vielmehr mit einer Mischung aus Acetylen- und Fettgas, welche für den ganzen preußischen Eisenbahnbetrieb in Aussicht genommen ist, veröffentlicht Eisenbahn- Direktor Bork einen Aussatz im„Zentralblatl für Bauverwallung." Bor einiger Zeit fanden in der Fabrik von Pintsch in Fnrstenivalde Untersuchungen statt zur Feststellung, ob die Anwendung von reinem Acetylen explosionsgefährlich wäre. Die Ergebnisse veranlaßten den Beschluß, statt des reinen Acetylen eine Mischung desselben mit Fettgas vorzuschlagen, und es wäre für die Versorgung des Berliner Bahnverkehrs znnächst eine Acetylengas-Anstalt im Grunewald anzulegen. Das Acetylen gehört zu derjenigen Klasse von Verbindungen, zu deren Herstellung aus feinen Bestandtheilen die Aufwendung von Energie nothwendig ist. und infolge deffen tritt bei einem Zerfall des Gases eine entsprechende'Wärineentwickelung ein. Zum ersten Male wurde das Acetylen von dem berühmten französischen Chemiker Berlhelot 1809 in reinem Zustande hergestellt, Berlhelot enldeckie auch bereits, daß bei Zerfall von zwanzig Gramm des Gases etwa VN/z Wärmeeinheiten abgegeben werden. Die Hitze, bei der ein Zerfall des Gases bei gewöhnlichem Druck statt- findet, beträgt nach den Untersuchungen von Lewes 780 Grad. Die neuesten Versuche haben ergeben, daß Acetylen in Behältern, wie sie bei den Personenwage» zur Anwendung kommen würden, noch dann zum Zerfall und zur Explosion gebracht wird, wenn man eine mit demselben in Verbindung stehende, nur 5 Millimeter messende Röhre in einer Entfernung von IVs Meter und ans eine Länge von nur Verantwortlicher Redaklenr: August Jacobetz in B 13 Zentimetern bis zur Rolhglnth erhitzt. Die Wärme steigt da« durch bis auf 2565 Grad und der Druck auf mehr als das Zehn» fache; wenn dus Gas anfangs unter einem Druck von 7 Atmosphären stand, so steigt der Druck damit auf etwa 723 Atmosphären. Dieser gewaltigen Drucksteigerung kann natürlich kein Gefäß ge> wachse» sein. Wenn der Behälter selbst erwärmt wird, so steigen Wärme und Druck noch bedeutender. Es besteht also für die Anwendung von reinem Acetylen für die Beleuchtung von Personen- wagen eine Gefahr, wenn eine starke Erwärmung der Rohr« Verbindung oder des Gasbehälters selbst eintreten könnte, wie bei unvorsichtigem Auftauen der Rohre oder bei einem entstehenden Wagenbrande. So selten diese Fälle auch eintreten mögen, so ist ei« anderer Punkt doch noch bedenklicher. Durch das Zusammenpressen in den Behältern wird das Gas bis auf rund 330 Grad erwärmt, diese Temperatur ist zwar an sich noch ungefährlich, kann aber durch eine Undichlheit der Stopfbüchsen zc. noch weiter erhöht werden, so daß der Explosionspunkt des Gases erreicht werde« könnte. Uebrigens ist eine Explosionsgefahr auch bei dem Ueber« füllen des reinen Acetylen aus den großen Kesseln in die kleinen Behälter der Wagen vorhanden. Aus diesem Grunde hat man von der Anwendung des reinen Gases Abstand genommen, obgleich, wie noch zu erwähnen ist, eine Vergiftnngsgefahr durch Acetylen nicht vorliegt, da es kein« Verbindung init dem Hömoglobin unseres Blutes eingeht, wie z. B. das Kohlen-Oxyd.' Mischungen von Aceiylen und Fetlgas von halb zu halb bieten dagegen nach den ungeslelllen Versuchen keine größere Gefahr als die bisherige Fetlgas- Beleuchtung. Vorläufig soll eine Mischung von 1li Acelylen und 3/4 Fettgas benutzt, jedoch im Bedarfsfälle durch jene stärkere Mischung ersetzt werden. In der Acetylen- Gasanstalt können bei zehnstündiger Arbeitszeit täglich 130 Kubikmeter Acetylen hergestellt werden. Das Gas gelaugt von den Entwicklern in eine» Kühler und dann in einen Wäscher, aus diesem wird es in Gas« behälter geleilet. Aus dem Behälter strömt es unter Kontrolle einer Gasuhr in eine Röhre, die sich mit einer anderen, Feltgas zu« iübrenden Röhre vereinigt, auf diese Weise wird sogleich die gewollte Mischung der beiden Gase erzeugt, worauf die Bebälter für die Personenwagen gefüllt werden können. Bei vorschriftsmäßiger Be- Handlung ist ei» Steigen der Temperatur über 90 Grad in den Ent« Wicklern des Acetylengases ausgeschlossen.— HumoristischeK. — Das entdeckte Perpetuum mobile. Die viel« gesuchte Lösung dieses Problems soll nunmehr gesunden sein, und zivar von einem Amerikaner, der es folgendermaßen entdeckt hat. Er sah in irgend einem Blalte einen Kessel annoncirt, welcher 33 pCt. Brennmaterialersparniß ergab, ferner einen Schieber, der IS vCl. erspart, einen Regulator, der 10 pCt. erspart, ein Absperr- ventil, welches 10 pCt. erspart, einen Rost, welcher 20 pCt. erspart, einen Rauch schicker, der>2pCt. erspart und endlich einen Schmierapparat, der 1 pCt. erspart. Alles dies zusammen crgiebl eine Brennmaterial« Ersparuiß von 101 pCt. Der Amerikaner ist nun der Meinung, daß eine Maschine, welche alle diese Vortheile vereinigt, von selbst laufe» und außerdem noch I pCt. Brennmaterial erzengen würde. welches vortheilhast zu häuslichen Zwecke» verwendet werden könnte.— — Sitzen geblieben. Reisender, dem der Zug vor der Nase davongefahren:„Schnell, Herr Slalionschef, schnell einen Spiegel!"—„Ja wozu denn?"—„Das dumme G'sicht muß t sehn, das ich mach!"— — Drohung. Arthur:„Wenn wir setzt nicht ans dein Tandem säße», würde ich Sie umarmen und küssen."— Hulda: „Wenn Sie das noch einmal sagen, steige ich ab!"— („Lust. Bl.") Vermischtes vom Tage. y. In Hannover wurde ein aus Bremen kommender Student mit zertrümmertem Schädel bewußtlos im Zimmer liegend von seinen Wirihslcnte» aufgesunden. Er starb gleich nach seiner Eiuliefcrung ins Krankenhans, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu habe».— — Weil er einem Offizier auf der Straße mehrere Mal das Wort„ B r ü s e w i tz" zugerufen hatte, wurde in G ö t t i N g e n ein Arbeiter zu sechs Monate» Gesänguiß verurlheilt.— — In T a r n o p o l(Galizien) wurde ein Dragonerlienlenant von einem Kameraden im Duell erschossen. Der Gefallene hatte seinem Gegner beim Kartenspiel einen Vorwurf gemacht.— — Elektrisches Ziehen von Schiffen. Auf dem Kanal von Brüssel nach Charleroi sind zwischen Hondcng und Goeguies Versuche mit dem elektrischen Ziehen von Schiffen angestellt worden und zwar mit gutem Erfolge mit einem Schiffe von 75 Tons. Dieses System bewirkt ein dreimal schnelleres Gehen der Schiffe und vermindert die 5toslen um die Hälfte. Jetzt werden Versuche mit einem Schiffe von 300 Tons staltfinden.— — In den Offiziersquarlieren im Kaüell zu Dover(England) wülhete am Dienstag ein größeres Feuer, das eine Zeitlang auch die Kriegsmagazine bedrohte.— c. e. In N e w- I o r k wurde ein„Geheimblind" aufgehoben, dessen Mitglieder in den letzten vier Jahren den Vereinigten Staaten B r i e f m a r k e n im Werths von 153 000 Dollars gestohlen halten.— rlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.