onvarls Nr. 249. Dienstag, den 21. Dezemder. 1397. lNachdruS virbolen.) Dev Zaubevknfkan. 11j Roman von Koloman Mikszäth. Ein großer Freudenschrei war nun vernehmbar. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von Straße zu Straße Von Haus zu Haus wurde die Nachricht getragen. Die ge- fallenen, verhaßten Senatoren kamen wieder ans Tages- licht, sich unter das Volk mengend. Poroßnoki wurde mit Eljenrufen begrüßt, dem alten Jnokai machte man entblößten Hauptes eine Gaffe. Von Herrn Franz Kriston verlangte man mit großem Lärm, er möge reden; dieser zögerte auch nicht lange, stellte sich auf ein Krautfaß inmitten des Marktes und sprach blas: „Ich verlange von Euch Gerechtigkeit für jenen genialen Jüngling, der diesen großen Sieg erfocht." „Gerechtigkeit!" wiederhallte es aus tausend Kehlen. Die Bevölkerung wogte auf und ab wie ein angeschwollener Strom. Lärm, Lebe» herrschte überall— Männer und Frauen erzählten das Wunder des redenden Mantels. Frei lieb flickte noch jeder etwas am Zeug. Eine große Begeisterung alhmetcn die Leute ein. Jeder bewegte sich hin und her, jeder schrie etwas Anderes, und jeder dachte sich etwas. Schöne aufblühende Knospen, junge Mädchen kleideten die Franen von Kopf bis zu Fuß in Weiß, ehrsame Bürger stürzten in den Stall der Stadt, um die berühmten vier Rapp- Hengste einzuspannen(schnell die Bänder in ihre Mähnen), alte Männer schleppten die Böller auf die Straße. Unter- wegs suchten sie den Feuerwerker bei den„drei Aepfeln" auf. (Kommen Sie doch, Herr Hupka, wenn Sie einen Gott an- erkennen.—„Nur noch einen Schluck!" bat Hupka.) Hochehrwürden Herr Peter Molitoriß, der lutheranische Pfarrer, stieg selbst in den Thurm des heiligen Nikolaus, damit er im gelegenen Momente die Glocken läute. Aus den Dachluken krochen die Fahnenstangen heraus mit ihren schläugeluden, lochenden trikoloreu Flügeln. Ein wenig fahl sind sie schont sie sind noch aus der Zeit Bethlens*) herüber- gekommen. Seitdem blühten auch die Kecskemeter Haus- dächer gar wenig. Die elf gefallenen Senatoren hingen rasch die silberknöpfigen Mentew an, banden die rasselnden Säbel um und nun stehen sie schon im Halbkreise beim Thore des Stadthauses. Eine bedeutend schwierigere Aufgabe fiel dem Herrn Paul Fekete zu: er mußte das Wianuskript uniarbeiten; die Benennung mächtiger Bcg mußte gestrichen werden, statt dieser Ansprache mußte hingeschrieben werden:„Glorreicher Patriot." Statt der:„Wir kamen zu Dir" mußte es heißen:„Du kamst zu uns zurück" w.(Gleichviel, es wird sich das doch ganz hübsch machen.) Obschon imvrovistrt, ging alles vortrefflich; nur der Gala- wagen verspätete sich ein wenig; doch die Böller erdröhnten gleichzeitig, die Glocken klangen feierlich, und als Lestyak's Gestalt erschien, da fluthcte ei» Jubelgetöje durch die Straßen, das lawinengleich sich fortwälzte, weithin, bis an die Pforten des Stadthauses. Da war es, wo der Gefeierte abstieg, die wohlgesetzte Rede des Herrn Paul Fekete anhörte, den weiß- gekleideten Jungfrauen einen lächelnden Gruß zunickte, den verstoßenen Senatoren die Hand drückte und den Herrn Poroßnoki vollends umarmte— woraufhin man ihn auf die Schultern hob, um ihn im Siegeszuge in das Stadlhaus euiporzu tragen und zuletzt am Präsideutenstuhle des grünen Rathstisches abzusetzen. So wie der Lärm sich ein wenig gelegt(denn der Saal war voll der Notabilitäten des Gemeinwesens), erbat sich der schneeköpfige Machäus Pußta das Wort und feierte mit leiser, wie Wcspcngesumme tönender Stimme Lestyak's Verdienste, um schließlich auszurufen: „Laßt ihn uns zum lebenslänglichen Oberlichter Kecskemets erwählen." Hei, wie das Gemäuer ob des Jubelgeschreies erbebte! Es dauerte Minuten, ehe Kaspar Permete zu Worte kam und sich verständlich machen konnte, ob er gleich mit allen Vieren gestikulirend andeuten wollte, daß er ungemein Wichtiges zu sagen habe. •) Ei» Fürst Siebenbürgens. „Ich aber, Kaspar Permete, der ich sothane Obrigkeit vor zwölf Jahren durch ein Wort meines Mundes zu Falle ge- bracht, ich stehe nicht an, zu erklären, daß ihm selbst die lebeus- längliche Uebertragung unserer höchsten Würde eine zu kurze Frist sei." „Nach seinem Tode kann er doch nicht gut präsidiren!" warf Herr Gerson Zeke ein. „Doch, doch... Laßt es uns aussprechen und ins Protokoll aufnehmen, daß gleichwie die Krone unseres Landes in der regierenden Familie Habsburg sich von Vater auf Sohn vererbt, desgleichen der Oberrichterstab auf die männlichen Nachkommen Lestyak's übergehen möge für und für." Gerson Zeke:„Es giebt doch wohl noch einen kleinen Unterschied zwischen beiden." Kaspar Permete(wüthend):„Es giebt keinen!" Gerson Zeke:„Die Krone ist aus Gold, der Ober- richterstab aber aus dem Holz der Kornelienstaude!" Diesen kleinen Konflikt unterbrach Herr Johann Deak aus der Czcgleder Gasse, der im Gerüche eines sehr weisen Mannes stand. „Vetter Zeke ist im Rechte, denn die Krone glänzet stark auch auf schwachen Häuptern, allein der Richterstab wird stets schwach in schwachen Händen sein. Mithin geht es nicht an, diesen Stab blindlings noch ungeborenen Nachkommen in die Hände zu drücken. Indessen ist es ungezieniend, diesen großen Tag durch derlei Gezänke zu entweihen. Wir wollen auf den Pfaden des ehrwürdigen Ernstes bleiben und nichts überhasten, denn es wird uns niemand Dank dafür wissen, wenn wir ihm eine Würde anbieten, die derzeit noch ein anderer iune hat. Die Versammlung möge daher beschließen, daß das ohnedies nur provisorisch errichtete Triumvirat ab- geschafft wird. „Die sind ja freiwillig durchgebrannt! Keiner von ihnen wagt es, sich zu zeigen!" klang es von allen Seiten. „Sonach möget Ihr die alten Senatoren wiederwählen, und es kann dann die protokollarische Jnangurirung der lebenslänglichen Oberrichterschaft Lestyak's stattfinden." Ueberflüssig zu sagen, daß all' dies angenommen wurde. Der neue Oberrichter saß so würdevoll da wie ein Dynast und nickte kühlen Dank mit dem Kopfe. Sein Antlitz, bis dahin bleich, färbte sich jedoch scharlachroth, als sich die Rufe erhoben: „Wir wollen die Geschichte mit dem Mantel hören! Gr selbst soll sie uns zum besten geben!" Nervös bewegte er sich auf dem Sessel hin und her, wie wenn eine eiserne Faust seine Kehle zusammenschnürte. Den Fall mit Olej Beg Hunderten zu erzählen.... Eine Szene, die er nie durchlebt, die er nie gesehen hat. Lügen vor dem Angesichte der ganzen Stadt! Ach, welch' großer tehler war es, daß er nicht ins Lager gegangen war. Der eufel brachte ihm jenes Mädchen in den Weg. Und wenn er schon nicht dort war, wäre es besser geivesen, dies ein« zugestehen. Jetzt ist es schon unmöglich, unmöglich.... Je größer seine Herrlichkeit war, um so mehr zerriß seine Seele das Bewußtsein, daß ein unerwarteter Windhauch die- selbe zerstören könnte, die Ohren des Midas wurden ja auch entdeckt. Er hatte das Gefühl, als hätte er seinen Ruhm gestohlen, er konnte sich deshalb nicht freuen, und doch, er gebührte ihm ja, denn er war es, der den Mantel erworben hatte. Hinter dem Lehnstuhl des Oberrichters schwebte ein un- angenehmer Schatten. „Hört! Hört!" tönte es immer lebhafter und intensiver. Es gab kein Entrinnen. Verlegen nahm er den Kaftan ab und legte ihn aus den grünen Tisch. Hier der werthvolle Schatz der Stadt Kccskemet. Dann erzählte er stotternd noch einmal die wundersame Geschichte des grünen Mantels. Laute Ausbrüche der Freude würzten seinen Vortrag; jeder jubelte, nur eine gebrochene Gestalt weinte in der letzten Bank. Der mächtige Oberrichter, nunmehr der Diktator von Kecskemet, stand aus, ging zu dem schluchzenden Manne, nahnl ihn bei der Hand und sprach: „Und jetzt gehen wir, mein guter Vater. Ich will daheim ein wenig ausruhen." Im kleinen Thore warteten schon die kleine Erzsi und der Laczi. Die Krapfen waren schon hübsch gebacken und auch das Porkölt*) war schon vollkommen, das Spanferkel bereits aus- gekühlt, gerade gut, daß sie kommen. „Ich habe es Dir nicht gesagt, mein lieber Sohn, freilich, wann hätte ich es Dir sagen sollen, daß ich mit einem Gesellen arbeite, das heißt, wir arbeiten jetzt schon zu Zweien." Der Oberrichter machte ein gleichgiltiges Gesicht. „Der junge Bursche dort?" „Ich mußte ihn akzcptiren, als ich nach Ofen zum Pascha knterveniren ging. Denn ich habe Dich zum Oberrichter gemacht, daß Dn es nun erfahrest(das Ange des Alten schimmerte grünlich). Der alte Lestyak ist ein ganzer Mann; was?... Der Geselle, sage ich, war zur Arbeit nöthig, obzwar ich nicht bemerke, daß er auch nur das Geringste gemacht hat. Ich habe noch keine Gelegenheit gehabt, zn erforschen, was er kann. Bisher habe ich die Politik gemacht. Lache nidst, unge, sonst werde ich bös. Bon nun an wirst Dn sie machen. in großartiges Blut, das der Lesttzak. Aber schau, wir sind ja schon zu Hanse." Wie süß ist das Eltcrnhans, wenn man es lange nicht gesehen hat. Gemüthlich raucht der Schornstein, munter nicken die Zweige des alten Birnbaumes, im Hose springt uns der Hund B.odri entgegen, im Zimmer die Katze Czirinos, es lachen die Steinkrüge, die bekannten Thongcfäße an der Wand. die Möbel beginnen zu erzählen, es flackert das Feuer im großen Ofen ustd wirft einen flammenden Streif auf die braune Thür. (Fortsetzung folgt.) AUphcms Dsrudek. Vor etwa 20 Jahren war ei»„Siltenschauspiel"„Fromont j»». und Risler se».* über die deutschen Bühnen gegange». Man konnte es für ei» Ehebrnch-Drama von jene». Schlag hallen, von dein damals Dutzende von Effeklstncken ans Paris cingesührt wurden. Allein einzelne Gestallen im Drama waren so ersabt, daß man sich sagen mnfüe: Nur ein Hninorist kann in einer Menschenseele also lesen. Das Schauspiel ivar nach seinem eigenen Noinom von Alphons Daudet versabt. Wie er mit seinem Roman Fromont und Risler mit einem Schlage in die erste Reihe der sranzösischen Erzähler ausrückte, so wurde Daudet nun auch in Deutschland ein vielgenannter Mann. Manchmal noch begegneten wir ihm ans der deutschen Bühne, vor wenigen Jahren erst mit seinem„Kamps unr's Dasein" auf dem Berliner Residenz-Thcaler. Auch in diesem Schauspiel fällt ein Gruudzng von Daudet's Art ins Auge. Es kehrt sich gegen das menschliche Raubzeug, das seine Gewaltthaten und Rücksichtslosig- leiten unter dem Schutz des Forschers Darwin und seiner Theorie vom Kampf ums Dasei» ausübt. Diesen Griludzna hat Daudet mit allen Humoristen gemeinsam, (so weil man darunter nicht den Spaßmacher versteht). Er hat das milleidersüllte Auge für dos, ivaS unter den Kleinen dieser Erde vorgeht, und selbst gegen lächerliche Verkehrtheilen wird er nicht hart. Gerne hat man darum von Daudet behauptet, er sei unter allen'französischen Erzählern der Gegenivart dem germanischen Geist am nächsten verwandt. Das ist nämlich eine längst her- gebrachte Erscheinung. Trotz dem Spanier Cervantes und seinem Don Qnixote wird jeder Humorist romanischer Abkunft mit einem Tropfen germanischen Oels gesalbt. Den» der Humor wird als Borzugsmonopol germanischer Art angesehen ,' und wenn izun ei» Romane anstauchl, der sich unterfängt, init er- wärmendem Humor die Welt anzuschauen, so fragt man geschwind: Wo hat er den» das her? Auch für Daudet war die Antwort rasch bereit. Er hat in seiner Jugend de» Briten Charles Dickens(Boz) stndirt. Dickens war der Lehrmeister dieses Franzosen. Dickens hat ihn befruchtet. Derlei schulgemäße Erklärungen treffen das Wesen der Sache nicht. Daudet's Geist und Natur waren von vornherein so gestimnit, daß der französische Erzähler zn dem englischen Meister sich wie zn einem Verwandle» hingezogen fühlte und die stärksten Anlegungen selbst- ständig in sich verarbeitete. Denn Daudet war lein Nachahmer von Boz. Und dennoch ist dieser Franzose und Humorist in einer Provinz geboren, in der die Bewohner selbst wohl Anlaß zu bedachtfauiem Huinor geben; in der aber sonst sprichwörtliches Pathos, Ueber- schivang der stlede, Ueberschuß von Gesüdlsäußernngen, denen der gleiche'innere Werth nicht entspricht, zu Hanse sind. Zu Ninies in Eüdsrankreich ist Daudet 1840 als»nbegiiterter Leute Kind auf die Welt gekommen. Er hat viel Heinialhliches von sich abgestreift und sorgfältig an sich herumgefeilc und sein Wesen neu ausgebildet, bis er zn dem sinnend-klnge» Romancier wurde, der er geworden ist. u den ganz originalen Kräften, die dem inneren Zwang, wie einem aturelcinent folgen müssen, gehört Daudet nicht. Er ist eher eine feine, als eine große Natur. Die Schule von Nord-Frankreich und Paris hat ihn umgemodelt und erzogen, vielleicht sogar ein wenig Eine Art Gulasch. bis zur Koketterie geglättet. Die hitzige Sonne in der süd- französische» Heimath Daudet's weckt üppige Triebe. Das Phautasieleben, das Fabuliren, ist ungemein reich entwickelt; leicht überschäumen die Leute bis zur Ertase. heftig kocht das Blut: Aber die Stetigkeit, der regulirende Verstand, der angestrengte Arbeitseifer kommen zu kurz. Viel gute Anlagen werden so ver- zettelt; einem stürniische» Anlauf folgt nicht selten ein komischer Rückzug, und stets ist die Gefahr vorhanden, übers Ziel zu schießen. Daudet hat zusammenzuhalten verstanden und über die Schivächcn seiner engeren Heimathsgenoffeu hat er sich wirklich zn freiem Humor erhoben. Manches wirkte zusammen: die harten Jugendjahre, die er in Paris durchmache» mußte, und die doch wiederum nicht so lange währte», daß sie ihn und sein Talent ge- brochen hätte»; ei» Temperament, das nicht so lebhast und un- gezügelt überquoll, wie das des ursprünglicheren Maupassant, der in verhältnißmäßig jungen Jahren im Wahnsinn starb; und endlich«in ungewöhnlicher Knnslfleiß. Während seiner Pariser Lehr- und Wanderjahre war Daudet noch romantisch angehaucht. Aber klar und lies schon prägten sich ihm in den Tagen seiner Dürftigkeit die schroffsten Eindrücke ein; die merkwürdigsten Gegensätze lernte er kennen, ivie sie eine Weltstadt aufweist; die bitterste» Kontraste zivische» arm und reich; äußerliche Ehren bei innerer Zerrüttung und Seelenadel und Aus- opferung im bescheidensten Alltagsdasein. Er sah, wie die kleine, arme Sidonie Chsbe mit glühenden Auge» nach der Nachbar» schast starrte, wo das stolze Fabrikhaus von Fromont und Risler sich aushob;>vie Träume und Phantasie» in der Seele dieser eroberungsgierigc» Natur tvachsen, bis sie endlich den alternden Risler gewann, um ihn zu betrügen; und er sah die bescheidene Blnmenmacherin, deren Leben ei» ewiges Entsagen war; die sich einen Altar in ihrem Innern aufbaute und die Ueberfülle ihrer Liebe dem Vftter aufopferte, einem Vater,'»er selber an einem Jrrlhum krankte. Dolabelle bildet si-'' ei», ein großer Schauspieler zn sei und ist doch nur ein kläglicher N-rr. Aber eine humoristische Poetennalur hat diese» Narre» geschildert und dem„Verkannten". ja Verlumpten so viele wchmülhig- menschliche Züge geliehen, daß man begreift und vergiebt. So war denn mit dem Sieg realistischer DnrsteNnngsweise in Frankreich auch aus dem Romantiker Daudet ein Wahrheitssucher geworden. Nicht in demselben Maße, ivie es der eindringlichere, von stärkerem Eifer erfüllte Zola wurde. In Daudet's persönlicher Weise, in seinem.künstlerischen Bekenntniß wog das Bemühen vor. Maß zu halte». Wenn er eine Dame der Halbwell schildert, wie seine Sappho, so beschönigt cr wohl nicht und verklärt nicht, wie noch der romantischere Jüngere Dumas lhat; aber mit milder Menschlichkeit mißt cr seiner Sappho ihr Theil zn. So viel von heimathlicher Art Daudet abgestreift haben mochte. zu volksthümlicher Kraft gelangte er erst wieder, als cr aus heimathlicher Erde sich jene Gestalten holte, die bald zn solch nni- verscller Bedeutung gelanglen, wie nur die Gestalten echter Humoristen zn typischer Geltung komme». In seinem Volks- buch„Tartarin von TaraSeon" schuf er das köstliche Gemisch von Sancho Pausa und Don Qnixote, den toll gewordenen Spießbürger, den Philister, der nach Heldenabenteuer» dürstet und vor jedem Lnftznge sich in einen dicken wollenen Shawl einmummt. Die Fortsetzungen des Tartarin zeigen ein Erschlaffe» der komischen Kraft. Ader selbst eine so humorvolle, saftige Gestalt wie Falstasf ist in de» lustigen Weibern von Windsor nicht mehr derselbe, der er im König Heinrich war. So viel allgemei» Menschliches lebt in dem Tartarin, daß er mit den größte» humoristischen Schöpsunge» wenigstens das eine gemein hat: sein Name wurde sprichwörtlich. Kunstreicher vielleicht, farbiger als der Tartarin ist eine ähn- liche Figur Daudet's: sein Numa stlonmesta». Aber diese Figur steht zn sehr auf dem Bode» spezifisch französischer und parla« inenlarischer Verhältnisse, als daß sie so allgemein werden konnte» ivie der Tartarin. Numa ist der' Schwädronenr, der sich an seinen eigene» Worten berauscht; de: geborene Komödiant. der am Ende seine eigene» Lügen glaubt; der über- sprudelnde Redner voll von äußerem Fener und innerer Vcrlogeiiheit, der Parlamentarier, der die prächtigsten Reden über Volkswohlfahrt hält und dabei schwindelt, wie ein geriebener Ganner. Im Lande des Panama ist diese Figur nur allzusehr bekaiint. Die satirische Absichtlichkeit tritt hier schon ein wenig zn�tage; deuilicher wird sie in einen» Roman von Daudet„Die Unsterblichen". Dieser Roma» wendet sich gegen die„vierzig Unsterblichen", gegen die verzopfte Akademie und die eitlen Machenschaften derer, die alle die Kameraderie ausbieten, um in die Reihe» der„Unsterblichen" ausgenommen zn werden. Manche Schwäche, manche kleinliche Eitel- keit wird dem Menschen Daudet mit seinem wohlarraugirteii Poetenkopf»achgesagt: Darin war er keck und tapfer, cr zerrte tüchtig an der geweihte» Autorität, die die Akademie für den konveiitionellen Durchschiiittsfranzosen hat. Darin war er konsequenter als Zola, der seit Jahren beharrlich und vergebens für die Slkademie kau- didirt. Um die Gunst des Theaters mühte sich Daudet ehrlick» ab. Es ging ihm dabei, wie unserem Novellen- Erzähler Heyse. Gr brachte es meist nur zum sogenannteii Achtungserfolg. Er war kein Bühneneroberer. Die letzte» Jahre seines Lebens hätte Daudet tu frohem Be- Hage», unter glückliche» materiellen Bedingungen verbringen können; aber er war dem Siechlhum verfalle» und schon seil geraumer Zeil au den Beine» gelähmt, so daß er seine Stube nicht verlassen tonnte. Geistig bneb er regsam und dachte stets noch an neues Schaffen. Ein jäher Tod am Familientisch hat ihn von seinem Leiden erlöst.—_—ff. Vleines Fenilleto»r — Splitter und Spiihue. Was, das Deutsche Reich thnt nichts siir die Pflege deS Schönen? Ei, so seht Euch einmal die deutschen Truppen an in der Pracht, dem einander überbietende» Prunk ihrer Uniform, bunt wie das Laub im Herbste! Bunt wie Herbstlaub ist die Uniform; und sie ist auch Herbstlaub, denn der internationale Konkurrenzdalles der Riistungen sorgt schon dafür, daß die Sache nicht ewig dauert.— Der Schweiß ist die Thräne der Arbeit.— Das Lache» der„guten Gesellschaft" beißt mehr wie die Zähne einer Ulmer Dogge. Das heißt, wenn man sich beißen läßt.- Es giebt Brunnen, in die nie ein Sonnenstrahl, Stirnen, in die nie ei» Gedanke gefallen ist, und auch Glückliche, die nie de» Geist aufzugeben brauchen.— Es muß Uebertretungen geben, weil Richter da sind, und UM Uebertretungen z» schaffen, müsse» wir Gefetze haben.— Aehnliches gilt von dem Kriege und den stehenden Heerem— Theater. — Hermann Bahr's vieraktiges Spiel„Josephine" gelangt am 23. Dezember im Wiener Deutschen Bolks-Theater zur erste» Ausführung.— Musik. -er- König! Opernhaus. Das Znsammentressen von Carl Maria von Weber's Geburtstag(18. Dezember 1788) mit der 600. Aufführnng seines„Freischütz" im königt. Opernlianse war die Veranlassung, der Festvorstelliing einen freundlichen Gelcgenheilsprolog in dramatischer Form vorangebe» zu lasse», desse» Inhalt und Stimmung mit der Enlstehnng der genannten deutsche» Nationaloper innig zusammenhängt.„ H ofst e r w i tz", das idyllische Elbdörschen bei Dresden, hat dem kurzen einaktien Vorspiel vo»> Wilde» brnch de» Namen gegeben. Gleich weit entfernt in Form und Inhalt von hohler Festspiel- pathetik und landläufiger Prologddramalik leitet„Hosterwitz" in klaren, in Klang und Sprache reckt volksthnmlichen Versen zur Oper über, welcher seit ihrer ersten Aufführung am 18. Juni 1821 der Erfolg und die Herze» so vieler Generationen des deutschen Volkes treu geblieben sind und wohl immer tre» bleibe» werden. Hat doch Weber, der i» seiner Hostcrwitz- Idylle den zärtlichste» Umgang mit der Natur pflegen konnte, im Freischütz so voll und lief deutsch- romantisches Empsiute» zu treffe» gewußt, daß die Arien des Max„Durch die Wälder, durch die Auen", der Agathe„Leise, leise, fromme WeiV, des Aenncheu „Kommt ei» schlanker Bursch gezogen", der Brantjnngfern„Wir winde» Dir" u. f. w. de» Goldglanz gemnlhvoller Volkslieder erhalte» und bewahren konnten. So lange sich das poetische Besitz- lhnm der menschlichen Seele au den mit erquickender Heiterkeit und gkheimnißvogen Schauern verbundenen Märchen und Volkssage» immer wieder erlaben wird, so lange wird auch Weber's„Frei- schütz", welcher der Opernmusik die Töne herrlicher Romantik ge- bracht, die deutscheste aller Volisoperu bleibe».— Erziehung«ud Unterricht. — Massen-Elend und Unterricht. Aus dem Wiener Bezirk Favoriten berichtet ein Lehrer der„M. Arb.-Zeitnng": Von de» 14 000 Schulkinder» Favoritens können nur 3953 von ihre» Eltern ernährt werden. Eine Anzahl von Kindern erhält vom Zentralverei» zur Beköstigung armer Schulkinder mittags ein wenig Gemiise und einen Wecke», andere bekomme» vom Wärmestuben- Verein eine kleine Schale Suppe und ein Stückchen Brot. Mehr als dreitausend Kinder werden aber nicht ein- mal dieser karge» Spenden theilhaslig. Von 4167 bedürftigen Kinder», worunter 818 Waise» sind, gehe» in dieser rauhe» Jahres- zeit noch Viele barfuß in Holzpantoffel», viele können wegen gänz- liehe» Mangels a» Fußbekleidung die Schule gar nicht besuchen. Es werden durch Kommune. Vereine w. 700, das sind 16,3 pCt. der gesammten Bedürftigen, betheilt. Unter de» Leerausgehenden sind 2032 Knabe» und 1435 Mädchen. Heuer habe» sich diese traurigen Verhältnisse bedeutend verschlechtert. Schon der Anblick der vor dem Schulhause versammelten Kinder erfüllt jedes Menschenherz mit Weh. Vor Kälte zitternde, fahle, gespensterhafte Gestallen, in elende Lumpen gehüllt, zeigen ans ihre» Gesichter» den Kummer um den nächste» Bisse» Brot, den» sehr viele habe» überhaupt kein Frühstück genoffen. In der Klasse stieren die Kinder thcilnahmslos mit glasigen Auge» ins Leere. Der Hunger ertödlet ihr Interesse am Unterricht. Am lebhafteste» werden sie, wenn der Lehrer drei bis vier Speisemarke»(manchmal in einer Klasse von vierzig Kindern) auf 3 kr. Gemüse und 2 kr. Brot austheilt — danach wieder thränenersüllte Augen, enttäuschte Hoffnungen. Welcher Heroismus wird da von dem heranwachsenden Geschöpfe begehrt! Es soll den Lehrstoff ausnehme», während es vom Zweifel gefoltert ivird, ob es im Kampfe um die Speisemarke ein Loos oder — eine Niete zieht. Ohnmachtsaufälle bei Kindern wegen Hungers und gänzlicher Entkrästung sind nichts Seltenes.„Erst heute," er- zählt der Lehrer,„stürzte ei» Knabe in meiner Klasse ohnmächtig zusammen. Er war durch Hunger geschwächt, und ich ließ ihm ein Stück Brot geben. Kürzlich schlich einer meiner Schüler zum Schul- dien« und kramle in dessen Mistkorb herum. Was suchte er dort? Weggeworfene schmutzige Orangenschale», um seinen Hunger zu stillen." Viele Kinder müsse» schwer und oft bis in die späte Nacht arbeite», um für ihren Unterhalt ein paar Kreuzer zu ver- dienen. Diese schlafen dann i» der Schule. Wer könnte sie darob schelten?— Medizinisches. t. Berufskrankheiten von Barbieren und Po st- beamten. Mau studirt seil langer Zeit in der Heilkunde die sogenanulen Beschäsligungs-Neurosen, welche dadurch entstehen, daß eine Gruppe von Muskeln infolge ihrer dauernde» Zusammeusassung zu einer bestimmten Thätigkeit überanstrengt wird und in einen lähmungs- oder krampfartigen Znstand verfällt. Einzelne dieser Beschäfligungs- Neurosen sind auch im Publikum allgemein bekannt, und es giebt solche natürlich in allen Gradunterschieden. Zu ihnen ist es bereits zu rechnen, wen» der Geiger auf den Saiten oder der Klavierspieler aus den Tasten sich plötzlich nicht mehr znrecht findet, wenn ein Auktionator sich vergebens bemüht, feine Stimme zu dem gewohnten lauten Schreien z» erheben, oder wenn ei» Sänger mit einem Male fühlt, daß er die Töne seines Kehlkopses nicht mehr beherrscht. In allen Fällen liegt eine Lähmungserscheiuiiug vor. In dem neuesten Hefte der„Wie..er Medizinische» Wochenschrijt" hat Dr. Weiß einige bisher noch unbelaunle Arle» von Berujslrankheiten beschrieben, nämlich eine solche der Barbiere und eine noch merkwürdigere bei einem Postdiener. Die Beschäjligungs-Neurose der Barbiere ist nicht so sehr selten, sie beginnt mit einer leichten Lähinnng und geht dann bis zu einem Krampf über. Sie tritt wahrscheinlich bei solchen Personen auf, bei denen der angeborene Grad von Geschicklichkeit de» Anforderungen des Berufes nicht entspricht, und meldet sich zuerst in mangelnder Ausdauer, rascher Ermüdung und einem gespannten Gefühle in Arm und Hand. Ter Barbier ist gezivungen, mitten in der Arbeit abzubrechen und dieselbe von einem andere» vollenden zu lassen. Natürlich giebt ihm dies ei» Gefühl der Uu- sicherheit, sobald er einen neuen Kunden behandeln soll, und die Sorge um. den Lebensunterhalt macht fernerhin die 'Angst des Betroffenen zu einem höchst unangenehmen Seelenzuslande. Später werden dann die Arme und besonders die Hände von einem cigenthümlichen Zittern befallen, und nicht selten tnlt merkwürdiger Weise auch ein Zehenkrampf hinzu, in anderen Fällen ist der krampfartige Zustand ausschließlich auf die Arbeitszeit beschränlt, und außerhalb derselben kann der Be- treffende mit der Hand alle Arbeiten verrichten. Es ist einem solchen Barbier nur anzurathe», schnell ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehme», was übrigens wohl auch meistens geschieht. Eine Be- »utzuvg der linken Hand statt der Rechte» ist nicht anzurathen und ivnrcc a, ßerdem auch in kurzer Zeit zu den gleichen Erschei- nnngen auf der linke» Seite sühreu. Viel schlimmer noch sind andere Arle» von Berusskraukueitcu wie z. B. der Schuster-, Melker- und Säger-Kramps. 2,u;c.i an die Seite zu stellen ist nun der merkwürdige Fall bei einem 64jährigeii Postdiener, welcher neulich dem Wiener Medizinischen Klub vor- gestellt wurde. Dieser Mann sah für sein Aller recht wohl aus, hatte drei gesunde Kinder, leugnele Trunksucht und Syphilis und halte auch nie mit Blei zu thun gehabt. Innerhalb des vergangenen Jahres halte sich bei ihm ohne Schmerzen folgender Zustand eilt- wickelt: Die rechte Hand wurde allmälig schwächer und magerte ab, nur der Daumeuballen wurde davon fast gar nicht betroffen. Die zwei letzten Finger zeigte» eine etwas krallenähnlichc Form. Der Daumen konnte gegen den kleinen Finger mit großer Mühe bewegt werde», und in dem äußeren Rande des kleinen Fingers war die Empsiudlichkeit gegen Berührung und Schmerz bedeutend herabgesetzt. Fieber war nicht vorhanden und andere allgemeine Erkrankungen z. B. Gehirnhautentzündnng konnten als ausgeschlossen gelten. Schließlich wurde festgestellt, daß der betreffende Postdiener jähre- lang mit dem Abstempeln von Briefe» beschäftigt gewesen war und diese Verrichtung viele tausend Male in größter Hast halle erledigen müsse», wodurch sich durch eine einseitige Ueberanstrcnguug der merk- würdige Znstand der rechten Hand entwickelt hatte. Aus dem Thierlebe»». — Wie unter de» Insekte», so sind auch unter den Spinnen eine Anzahl von Arten bekannt geworden, die durch eine nusfallende Zlehnlichkeit mit leblosen Körpern in hohem Grade vor Nachstellungen durch andere Tbiere geschützt sind. Eines der merkwürdigsten Bei- spiele solcher„Mimicry" ist vor längerer Zeit von H.O. Fordes beschrieben worden; er beobachtete in Sumatra eine Spinne, die einem Klümpchen Vogelmist so ähnlich sah, daß sie sein Natur- forscher- Auge bei Betrachtung aus nächster Nähe zweimal täuschte. Einen zweiten hübschen Fall aus der Spinnenwelt Brasiliens hat Dr. Göldi, früher in Rio de Janeiro, jetzt Museumsdirektor in Para, vor einer Reihe von Jahren mitgetheilt. Es handelte sich laut„Tgl. N." um eine Spinne, die das Aeußere einer Orangen- b l ü t h e in so vollkommener Weise vortäuschte, daß Göldi einen blühenden Orangenzweig, a» dem, wie er bereits wußte, ein solches Thier saß, systematisch mit den Auge»«ud Fingern ab- suchen mußte, tnu die„Tebeubige Bliiihe" herauszufinden. Die Aehulich'eil kommt dadurch zu stände, daß sich ans dem rein weißen Hinterleibe der 13 Biillimeter langen Spinne mehrere gelbe finger- sörmige Forlsätze befillden. die das Aussehen der gelben Slanb« geiäße einer Orailgcnblnlhe nachäffe», während der weiße Leib die porzellauarlige Blnmenkrone dieser Bliilhcn darzustellen scheint.— Jetzl beschreibt Giildi in de»„Zoologischen Jahrdiicheru" ein neues. nicht weniger seltsames Beispiel von Mimicry bei einer Spinne, das er zum ersten Male bereits im Jahre 1833 kenne» gelernt hat. Da- Mals fand er im Orgeloebirge(Staat Ri o de Janeiro) a» einem Strauche ein mittelgroßes Spinnennetz, dessen Verseriigeri», offenbar zu der Familie da Kreuzspinnen gehörig, auf den ersten Blick von Hause abwesend zu sei» schien. Quer über die Mitte des Netzes, i» der Richumo des Durchmessers, war-'ii Gebilde gelegt, das sogleich als eine a>K Nahrungsliberresten gebadete Röhre zu erkennen ivar. Als Göldi' iefe Röhre aber aus dem Netz herauslese» wollte de- merkte er seiner nicht geringen Ueberraschnng, daß ein Stü� da- von sich plötzlich belebte nnd aus dem Zusammenhang mit den vordere» und den hinteren Tbeilen der Röhre herauslöste,— daß es mit einem Worte die Hanseigeuthümerin selbst war, die er anfäng- lich durchaus nicht zu erkennen vermocht hatte. Die genauere Untersuchung zeigte Folgendes: I Die Spinne besitzt eine punktirte Röcken- und Seilenzeichunng, die täuschend über- «instimmt mit de» p>nktartigen Nahrungsüberresten, aus denen die Röhre besteh! 2. Die unterbrochene Stelle der Röhre stiininl aufs genauest mit der Länge der Spinne überein. 3. Die Spinne stellt sich mit ihrer Längsrichtung in die Längsachse der Röhre und nimmt an deren Untervrechungsstelle eine störper- Haltung> die sie möglichst wellig von der Umgebung abhebt. 4. Die Röh e«elbst ist kein Werk des Zufalls, sondern eine von der Spinne selbst hergestellte Einrichtung, durch- die sie unstreitig Sckntz vor Nachstellung«» gewinnt.— Bei weilerein Suchen konnte Göldi noch viele hundertmal die gleiche Beobachtung machen. Außer an den Waldwegen und Waldrändern traf er die Spinne streckenweise fast auf Schritt und Tritt an felsigen Bergpfaden des Orgelgebirges und dann auch in Para, an der Mündung deS Aniazonenstromes; hier lebt sie dutzendweise an den Querlaltcn der Hecke», in den An- lagen des Museums, das unter Professor Göldi's Leitung steht. Das Thier gehört zu der Kreuzspinnengaltung Laclos».— Meteorologisches. — Ein Mond-Regen bogen wurde in der Nacht von, 13. auf den 14. Dezember in G r e» o b l e(Frankreich) beobachtet. Die Luft war tagsüber ruhig und durchsichtig klar gewesen, und gegen Abend halle sich ein leichter Südwind erhoben; es war eine sternklare Nacht. Der tiefblaue Himmel war von drei leichlflockigen langen Wolkeniireifen durchzogen, die de» Horizont wie Brücke» überspannten. U», halb 12 Uhr näherte sich ein solcher Slreifen dem goldig erglänzendeil Monde, und es bildete sich»m ihn Hern», ein breiter Kreis, der alle Regenbogenfarbe» zeigte. Immer stärker trat das Gelb und Orange hervor, und als der Mond ganz in den Wolken stand, war er von einem intensiv leuchtenden gelb-rolhen Band umgeben, das etwa 23 Minuten laug fast»»verändert blieb. Als aber der Wolke» streifen weiter zog und de» Mond nur noch von einer Seite umgab, verdoppelte sich der Bogen anf dieser Seite, und der lchönste Doppelregenbogen, in dem sich wieder alle sieben Farber zeigte», stand am Hiinmel. Nach und nach nähme» die Farbe» ab und als die duftige» Wolke» ganz hiuiveggezogen waren, war das herrliche Farbenspiel, das fast eine halbe Stunde gewährt hatte, vorbei.— Bergbau. 51 uf Christmas-Jsland, einer der einsamsten Inseln Polynesiens, mitten im Stillen Ozean, sind auSgedel � P h o s p a t- l a g e r gefunden worden. Berichte darüber wäre.» bereits»ach England gekomme», sie werde» nunniehr zum theil bestätigt durch eine» Bericht von Mr. Justice Leach, der vom Gouverneur der Etrait Settlements»ach de» Chrisimas- und Keeling-Cocos-Jnseln entsandt war. Mr. George ClunnieS Roß, einer der Pachter von Chrisimas Island, schätzt, daß sich auf dem„Phosphate Hill" dort 1 000 000 Tons Steine befinden, die 00— 97 pCt. Phosphat ent- halten.— Technisches. — Die Errichtung eines großen staatlichen Fernheizwerkes, verbunden mit Elektrizitätswerk, für die bedeutenderen öffentliche» Gebäude Dresdens, Sländehaus, Kunstsammlungen, Akademie, Polizeidircklion, Schloß, katholische Kirche w. kann nach der„Schles. Ztg." als gesichert angesehen werde», da im Landtage, wo die Frage zur Erörterung stand, prinzipielle Ein- Wendungen nicht erhoben worden sind. Da derartige Dampf- fernheizungen bisher nur in Nordamerika, und zwar in geringerem Uinfang i» Gebrauch sind, würde dies Unternehme» i» Europa zunächst einzig i» seiner Art sei». Geplant ist»ach dem Gutachten des Professors Riedler-Berli» eine Tampf-Zenstralstation, welche die Danipfverlheilung für die Heizung durch eine Hochdruckleitung be- wirkt. Erforderlich ist im gegebenen Falle eine etwa 1000 Meter lange Fern- und Bertheilungsleitung. Für die Dampsspanunng sind 6—8 Atmosphären vorgesehen, doch wird die Anlage so erfolgen, daß auch viel größere Spannung vollkommen sicher ausgeführt und betrieben werde» kann. Das Anlagekapital berechnet sich für das Beranlivortlicher Redakteur: August Jacoben in B Elektrizitätswerk auf 638 000 M.. für das Fernheizwerk auf 933000 Mark, zusammen auf 1 631 000 M. Gegenüber dem bisherigen Heizungs- und Beleuchtungsmodus rechnet das Regierungsdekret einen Jahresgewinn von 9,97 pCt. heraus.— Humoristisches. — Der Arrestant Au vre«. Zu einem kuriosen Miß- verständniß hat der nun schon Monate verschollene Andröe kürzlich in Sibirien Beranlaffung gegeben. Die Zeilung„Sibirisches Leben" nieldel darüber: Jui Dniitrijewskij'schen ZInitsgericht lief kürzlich folgender Befehl ein: An dr» Herr» Amtsrichter in Dimitrijewskij. Heule erhielt ich vom Herrn Kreisrichter folgendes Telegramm:„Im Gediel des Jeuiffeischen Bezirks ist kürzlich der Arrestani Andröe gesehen worden. Falls erscheint, leistet Hilfe und lelegraphirt." Ich gebe also dem Ainlsgericht hiermit auf, allen Landespolizei-Kom- missaren und ihren Gehilfe» Weisung zu erlheilen, daß sie auf ob- beiianiiten Arrestniilen scharf vigilire» und ihn im Falle seines Er- scheinens festnehmen nnd»»ir zuführen. Gegeben ec..... Armer Andröe!..us einem„Aerouailt"(Luslschisser) hat man dich zu einem „Älrrestant" geinacht.— — Die langen Grade. Ans dem Achterdecks stehen zwei Leute, die den Schnee wegfegen sollen.„O je, o je!" jammerl der eine,„>s das'ne Hundekälte!"—„Hui, das ist„och gar nichts!" lacht der andere, und segl mit Gewalt:„bist Du uial im Januar oben beim Nordpol gewesen?"—„Nee!" sagt der erst«;„Dir?"— „Jawohl;»nv ich erzähle die volle Wahrheit, da hallen wir vier Wochen lang 32 Grad. Und das waren nicht so kleine Grade wie hier— nein, mein Junge, das waren, hol' mich der Teufel, Grade, solang w i e m e» n 5l r n,!"— (5liis P. G. Heim's:„Seein anuslalein".) Vermischtes vom Tage. — In K r o t o s ch i» haben Einbrecher die 5l m t S g e r i ch t s- lasse um 2000 Mark bestahlen und sämmtliche Schriftstücke zer- riffeu.— — Ein Advokaten-Honorar von mehr als 200 000 Mark hat ein polnischer Rectiisanwali in Posen erhalte». Der- selbe gewann für eine arme Poseuer Näherin eine» Erbschasls- prozeß endgiltig, bei dein es sich um ei» Objekt von über einer Million handelte. Der Advokat halte sich verpflichtet, falls der Prozeß verloren iverdeu sollte, sänimtliche Prozeßkoste» zu tragen. Dahingegen hatte sich die Näherin verpstichtei. falls der Rechtsanwalt mit seineu Ansprüche» durchdringen würde, demselben 20 pCt. der Klagesuiiiine zn gewähren.— y. In Fejö(Laaland) hat eine Dienst magd erst ihren dreijährigen Sohn und dann sich selbst in einer Mergelgrube ertränkt.— — W-ihnachtswetter. In Mainz sind an einzelnen Fliederbäume» schon die Knospe» aiifgebrocheu.— — In Bayreuth wurde ein Metzger lind defse» Frau und Tochter zu», Tode vernuheilt. Der Mann halte mit Unlerflütziing der Frauen jeiuen Schwiegersohn wie eine» Hammel a d- g e s ch l a ch l e t.— — Bei S» y a t i n(Galizien) st i e ß e n nv e i Güterzüge zu sa m in rn. Ei» Maschiniil wurde geiödlet und mehrere Bahn- beamte theils schwer, theils leichter verletzt; 18 Waggons ivurden zerlrümiiiert.— — E i s e n b a h n« 11 n g l ü ck. Hiindertiindfünfzig Schritte vor dem Moskauer Bahnhof stieß ein Perioiienzug ans einen leeren Samnielziig. Bier Passagiere und ein Bahnbeauuer wurden verletzi. der Malerialschaden ist groß.— — Eine t r a g i t o in i s che Geschichte ifl unlängst den Behörden eines Dorfes in der Schweiz pafsirt. Ein Taugenichts, der ihnen schon viel zu tauffe» gemacht hatte, sollte wieder einmal ms Loch gesteckt werden, als er mit einem originellen Bor- schlag an sie herantrat. Statt mich einzniperreii, so»leiute er, helft mir lieber, daß ich mich in die Fremdenlegion einreihe» lassen kann, ans diese Weise seid Ihr wich da»» ein für alle Male los. Diese Idee leilcdleie de» weisen Bälern des Dorfes ei», und einer derselben wurde beaustragt, de» Mann»ach Basel zu bringe» und dort für ihn ei» Billel nach Beliort zu lösen. Dies geschah; statt aber»ach Belfort zu leisen, lies der gute Schweizer Bürger i» Basel zum Gericht und erstattete dort die Anzeige gegen die Dorfbehörden, daß diese ihn dazu hallen veranlassen wollen, in den Dienst einer iremdeii Macht zu treten. E» wurde denselben darauf der Prozeß gemach!>i»d sie sammt uud sonders zu 30 Tagen Gefäiignib und einer Geldstrase von je 80 Franks verurtheitl.— — Um die Anlheiu.ciiät der Leichen seftzustcllen, wurden am Sauiiabend in Paris die Särge B o l i a i r e's und 3t o u f s e a»'s geöffnet. Der Kops von Boliaire's Leiche zeigle sich gut erhalten. Der Sarg Rousseau's eiilbielt nur das Gerippe.— — In«iiier A s p h a l t- F a b r i k zu P a l» p l o n a brach infolge einer D y» a>» i t e x p l o s i o n Feuer aus. Durch«in» stürzendes Maueriverl wurden 3 Personen gelödtet, 10 schwer ver- wundet.— rli». Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.