Wnterhaltmgsblatt des vorwärts Nr. 10. Freitag, den 14. Januar. 1898. (Rachdruck verbalen.) 101 Allkagslvuke. Noman von Wilhelm Dt e y e r- F L r st e r. Der Klaus hätte dann Evchen auf den Händen getragen. Es märe ein vorsichtiger Heirathskontrakt gemacht worden: so viel jährlich, der Rest in sicherem Depot. Eine Wohnung in W., ein netter Wagen mit zwei Pontes, süße Enkelkinder und hochvornehme Verwaudlschast. Ein so glückliches Evchen, wer mag es ausdenken. Nun rollen die schweren Erdschollen polternd ans den Earg— ein häßliches Geräusch. Dn nimmst eine Hand Erde und wirfst sie hinab. Immer höher thürmt sich der Berg, der Sarg verschwindet, bald ist die Grube gefüllt. Nun möchtest Du niederstürzen, die Schollen emporwühlen, den Sarg aufreißen, nur einmal noch sie sehen. Aber rings stehen schwarze feine Herren, gerührt und gelangweilt; da nimmst Du Dich zusammen und hast eine vortreffliche Haltung. ungefähr ivie jemand, dem das alles recht iveh thut, der aber immer weiß, wie weit die Grenzen der Rührung ab- gesteckt sind. Abraham steht neben Dir und findet keine Thräne wie Du. Nimmt nicht da drüben ein lveinendes Mädchen, das Acnuchen zu sein scheint, viele Kränze und legt sie auf Eva's Grab? Der muß die Sache nahe gehen, denn sie hat erst vor einiger Zeit selbst dem Tode ins Auge gesehen. Du brachtest sie in Dein Hans und hast sie gerettet. Dein eigenes Kind aber liegt jetzl da drunten, tief. Nun hat die Sache aber wirklich lange genug gedauert. Ter Pastor nimmt feierlichen Abschied und fährt, was die Gäule lausen können, zur Trauung. Es ist auch die höchste Zeit, denn die Baronin Trauensteiu harrt schon in sehnender Ungeduld des feierlichen Augenblicks, der sie niit ihrem lheuren Maxel auf ewig vereinen soll; und nicht minder ungeduldig ist der sreihcrrliche Bräutigam. Auch die übrigen„Leidtragen- den' zerstreuen sich, um nach erledigter Pflicht zn Wagen oder zu Fuß wieder nach Hanse, zu ihren Geschäften oder Ver- gnügnngcn zurückzukehren. Ter Anwalt fährt mit Abraham nach Hause, Aeunchen in einem zweiten Wagen hinterher. Wenige Minuten später liegt das Grab einsam. Nur die Spatzen fliegen herzu und sehen die Kränze an, ob es da für sie etwas zu naschen giebt. Allmälig geht die Sonne nieder und es wird Nacht. IX. Es thut mir weh. Eva Simon, von deinem Grabe zu scheiden auf Nimmerwiedersehen. Aber das Leben rollt fort über die Verschwundenen, und viele, die dir näher standen als ich, haben dich vergessen. Sie wollen auf Traner Sonnenschein, und sie würden es nicht gerne sehen, wenn die trüben Kapitel sich hier endlos aneinanderfügten. Ich habe alles kurz gefaßt, nicht davon erzählt, wie du den Brief küßtest und öffnetest und todesstarr ihn lasest, nichts von deiner Verzweiflung und von dem Ende. Es ist ja nun auch alles gleich. Wenige Jahre, Jahrzehnte, dann folgen wir alle dir nach, und mancher von uns wird sich nach der Ruhe da drunten schon früher sehnen. Kein Mensch wird die Geheimräthin in Schutz nehmen wollen, aber ihre Strafe für den unglückseligen Brief war wirklich etwas Kart. Nicht etiva der Thränenströme ivegen, die Klara ivie ein Gießbach niederstießen ließ, denn jeder wußte, daß Klara stets lächerlich sentimental war und kein Huhn sterben sehen konnte. Auch nicht Klaus' wegen, dessen Stöhnen und Toben als die gerechteste Strafe für seine unüberlegte Handlungsweise gelten konnten. Wohl aber auf grund der unerhörten Handlungsweise derer von Böck. Als Princeps dieser Famiüe galt der bereits kurz erwähnte General, und dieser„sehr beschränkte Mann, der als Generalmajor wegen völliger Unfähigkeit den Abschied erhalten hatte", erlaubte sich die beispiellose Unverfrorenheit, sie, die Geheimräthin, wegen der Affäre zur Rede zu stellen. Notabene, ein Mensch, der seit Jahren die Familie Hänisch glattweg geschnitten hatte. Nie hat diesem pensionirten und wegen Unfähigkeit entlassenen Manne eine Dame aber auch besser gedient als in diesem Fall die Geheimräthin. Um weil hatte es sich gehandelt? Um eine Jüdin, und noch dazu um eine bettelarme Jüdin! Um wen noch? Um Verwandte, deren bloßer Anblick die Geheimräthin angewidert hatte. Um was weiter? Um einen verliebten jungen Menschen, der sich vor dem sicheren Ruin sah, wenn diese Heirath zn- stände kam, um einen Tollkopf, der sein Herz auf der Zunge getragen hatte. Und dem allem gegenüber hätte sie, die Ge- heimräthin, die Hände in den Schoß legen, jüdische Enkel in der Armenschnle groß ziehen, koscheres Fleisch und Matzen essen sollen?! Auf alle diese Fragen hatte der General die Dreistigkeit zu antworten:„Ja." Dann nahm er Hut und Stock, und die Familie Hänisch war fortan für die v. Böck's todt. Ans die v. Böck's folgten viele andere; die Sache sprach sich herum, und die Geheimräthin war vervehmt. Sie trug das zunächst mit stoischer Würde, aber die Konseqnenzen waren unheimlich. Was sollte aus Hedwig und Klara iverden, die zusammen jetzt genau fünfzig Jahre zählten? Kein Ball mehr, keine Gesellschaft, keinerlei Chance auf Freier! Dann traf das fürchterlichste ein: Klans nahm seinen Abschied. Er hatte gekämpft wie ein Ertrinkender, besser geturnt als je, schneidiger sich gezeigt als irgendwann vorher— aber er entrann dem Vcrhängniß nicht. Erst viele Tage später ließ sich Herr Klaus bei seiner Mutter sehen. Aber er hatte sich einen kaimibalischen Muth angetrunken und kam nicht als Hilfeflehender, sondern als Herr. Die Geheimräthin versuchte einen verzweifelten Wider- stand, aber Klans siegte. Die Nachbarn links und rechts, oben und unten führten bei dem Hauswirth wegen des heil- losen Skandals Beschwerde, und»nr um der sanften Klara willen konnte der Haustyranu diese Szene verzeihen. Es war recht erbärmlich zn sehen, wie der schöne Klaus herunterkam. Er blieb bis spät nachts fort, fand nirgends Stellung und zeigte durch seinen raschen Niedergang beut- lich, daß die arme Eva mit ihm gewiß nicht glücklich ge- worden wäre. X. Der Agent hatte eine«igenthnmliche Liebhaberei, er tele- graphirte gern. Ucber eine fein zu stilisirende Depesche konnte er stundenlang nachdenken, und nur sein Mangel an Baar- vermögen hatte diese Leidenschast bisher bei ihm nicht ausarten lassen. Umgekehrt haßte die Taute nichts so sehr als Tele- gramme, bei denen sie stets sofort Schlimmes vermnthete, und in zarter Rücksicht auf diese Nervosität sandte der Agent seine Bolschaften jetzt nur an Bruder Christian. Da nun aber Christian bei der Taute wohnte, sah diese den Depeschen- boten trotzdem eintreffen, und der Zweck der Vorsicht»- Maßregel wurde somit vereitelt. Es war einfach lächerlich, wie das Trauermagazin in diesen Tagen von Telegraphen- lenten überlaufen wurde. Drei, vier Depeschen über Tag waren das gewöhnliche Maß, und von jeder größeren Station aus kam die Nachricht, daß es dem Agenten gut gehe.„Etwas kalte aber herrliche Reise, bin gesund"—„Soeben Schweizer Grenze überfahren, lese Tell, Befinden vorzüglich"—„Unaufhaltsam weiter, morgen am Ziel, melde Ankunft telegraphisch, Gesundheitszustand tadellos," Dieser Art waren des Neffen ivirklich überflüssige und nichts- sagende Telegramme. Von Basel aus sandte er eine min- bestens drei Mark kostende Depesche, daß er im Skat sieben Mark fünfzig Pfennig gewonnen und dieselben zur gemein- samen Kasse geschlagen habe, eine Ehrlichkeit, die selbst seine herzensgute Mutter verblüffte. Die Ankunft in Nizza ver- schlang ein kleines Vermögen, denn von hier aus erhielten nicht nur Christian und Paula, sondern des Agente» sämnitliche Freunde und Feinde telegraphische Mittheilnng. Den einen wurde die Sache als Vergnttguilgstour,� den anderen als Geschäftsreise dargestellt, beide Theile mußten aber zu der Ueberzeugung komme», daß der Agent im Golde schwimme, und sein Berliner Kredit wurde durch diese Telegramme einigermaßen gefestigt.. Am nächsten Tage kamen die Depeschen in das Trauer- magazin stoßweise.„Dreihundert Franks soeben gcivonnen. Höre für heute auf. Wetter herrlich, mein Befinden groß- artig. Trinke Euer Wohl."—„Glück noch eiuinal versucht. System unübertrefflich. Gewinn Summa siebcnhundcrtdrcißig Franks. Tausend herzliche Grüße. Immer Euer treuer Albert." Sogar spät nachts kam noch ein Telegramm, in dem mitgetheilt wurde, daß der Agent in eineni Restaurant am Meere sitze und auf seiner Familie Wohlergehen eine Flasche Sekt trinke. Der Stil dieser Depesche war unklar und ver- rieth sehr deutlich, in welchem Zustande sie abgefaßt war. Um so mehr mußte es überraschen, als vier Tage lang nicht die geringste Nachricht mehr kam. Man gab sich bereits den trübsten Ahnungen hin, und zitternd wurde die endlich, am fünften Tage nachmittags, eintreffende Depesche geöffnet. Sie lautete:„Großartiger Erfolg nach schweren Kämpfen. War fast verloren, jetzt brillant. Gewinn achttausend Franks. Meine Gesundheit etwas angegriffen. Sobald zwanzig Mille erreicht, reise ab. Soll Orangen schicken? Bitte tclcgraphisch Antwort." Abends wurde daraufhin bei Schweder's Champagner gc- trunken, und der Kandidat hielt in gnter Laune eine Rede. Man hatte Albert im Leben viel Unrecht gethan, das sah selbst die Tante jetzt ein. Am andern Morgen sandte Schweder's Traucrmagazin den Nothleidenden in Wcißcnsce fünfhundert Mark, und diese rühmliche That machte gerechtes Aussehen. (Fortsetzung folgt) «Nachdruck verböte».) Goldene Aepfol. Im„Meisler Floh" erzählt E. T. A. Hoffmann vom Weihnachts- bann» ir.it seinen Lichtern und von den„goldenen Aepfeln aus de» Gärten der Hespcriden", die an seinen Ziveigen hängen. Meint Hoffmann die Apfelsine oder Orange, die man lange fiir den mythischen Apsel der Hesperiden hielt, so irrt er mir Vielen vor und nach ihm. Erst W. Hehn konnte sich von der Vorstellung frei- mache», daß die Hesperidendänme mit den goldenen Früchten Orangen- bäume wäre». Die Aepfcl, die Herkules dem Atlas abnahm, konnten gerade in der altgriechischen Sage nicht Orangen sein, iveil diese erst durch Alcxander's bis nach Indien reichende Siegeszüge bekannt »vurdeu. Ostindien ist in der That die Heimath der Orangen, und im Himalaya traf der englische Botaniker Hooker»och in der neuesten Zeit ivilde Orangen. Mignou's Sehnsucht nach den» Land,„Ivo die Zitronen blüh'n. im dunklen Land die Goldorangen glich'»"... wäre mit bezug ans Italien vor den Krenzzügen noch völlig deplazirt gewesen. Den» im Alterthnm war in Sndcuropa noch keine Spur von den Agrumen zu finden. Homer hätte die schönen Bäume geivist genannt,»venn er sie gekannl hätte, allein sie kamen erst verhällnistin ästig spät ans Indien über Persien nach Palästina und Egypten und von hierdurch die Kreuzfahrer>n die Mittclmeer- Länd-r, zu deren herrlichsten Attributen sie nunmehr zähle». Zur Beantivortnng der Frage nach„Namen, Stamm und Sippschaft" der eigentlichen Hesperiden- äpfel hat der Freiburger Professor Franz Studniccha ivcrth- volles Material geliefert. Eine Schale aus Nankratis mit kyrcnäischcr Malerei zeigt nebst der zu den Doldenblütblern gehörigen de» s-tolz und Reich! hnni Kyrene's ans»mche»deii Silphiumstaude eine» stylisirlen Baumziveig mit runden apfelartigen Früchten, deren jede a» der freien Rundung eine» kleinen dreizackigen'Aufsatz zeigt. Dieier ist nichts anderes als der für de» Granatapfel charakteristische Kelch- rest der Blume. Eine Münze von Kyrene zeigt Herakles und die heiperische Nymphe beiderseilS von dem sruchtbeladenen Granat- bäume. Man»vird diesem gelehrten Exkurse gegenüber einwenden, daß Hoffnmnn Hespcridenapfel mit poetischer Freiheit für den lieben traulichen Apfel der Heimath gesagt hat. Zillein der süste, in hun- derlen von Sorten gezüchtete Apsel unserer Gärten ist kein wohlerzogenes Kind des Holzapfels unserer Wälder. Schnitze und Kerne von diesem finden sich schon»n den Pfahlbauten als Speisereste der Menschen einer fernen Zeit. Aber unser Kultnrapfel ist nach den neuesten Forschungen durch mannigfache Kreuzungen dreier ivohl- unterschiedener Arien, nämlich des im Kaukasus vorkommenden Pirus pumila, der gleichfalls im Orient einheimischen Pirns dasypbylla und des in Sibirien vorkommenden Pirus prnnifolia inlslanden, an»velch letzteren namentlich der Astrachmicr Apfel erinnert. Der Apfel im griechischen Mythos, soivohl derjenige, den Persephone gegessen hat. als jener, den Paris„der Schönsten", das hiest Aphrodite, übergab, dürste der ursprünglichen Vorstellung nach der der Liebesgöttin geweihte Granatapfel geivesen sein. Jin syrisch. phönikische» Götlerdienst war— nach Hehn— der Granatbaui» von solcher Bedeutung, dast der Name des Granatapfels„Rimmon" mit dem des Sonnengottes zusammenfällt. Ans Cypern hat Aphro- dite selbst den Granatapfel gepflanzt, der mit seinen vielen Samen- körnern ein Sinnbild der Fruchtbarkeit darstellte. Dieser Apfel»vnr auch der„Zankapfel", die Ursache des männermordenden Kampfes um Troja. Die schöne Rtalanta»vstrde durch goldene Aepfel— gewist waren es dem Mythos Granatäpfel— besiegt. Sie lief mit Hippomenes um die Wette und blieb zurück, da sie nach den goldenen Aepfeln langte, die ihr Gegner fallen ließ.' Nickt minder bedeutsam sind die Beziehungen deS Apfels zur germanischen Mythologie. Die nordische Gölti» Jduna ivar die Hüterin goldener verjüngender Aepfel. Da geschah es, daß der Riese Thiassin den listige» Loki fing. Als Lösegeld verlangte er die Wnnderäpfel der Jugendgöllin Jduna. Loki raubte sie, und alle Ajen mutzten allern wie Erdgeborene. Endlich gelang es Wodan's Klugheit mid Thor's Hammerkraft, den Riesen zu befreien und die Aepfel zu erringe». Iii Waguer's„Rheingold" klingt diese Sage bekanntlich fort. Der sinnige Mythos um- schreibt de» Raub der souiieiilstammten Frucht durch den gewaltsamen Wliiter. ihre Wiedergabe durch de» lachenden Früh- ting, das Verschwinden der Sonne und ihr beglückendes Wieder» erscheiuen. Den Kellen war das Paradies„Avalon", das ist Apsel- la»d, und nach einer persischen Legende stirbt Mohamed in demselben Augenblicke, da er Apfelgeuich verspürt. Was die Granale des Südens, das ward der an ihre Stelle gc» tretene Apfel des Nordens: ei» Zeichen der Liebe. Das von Karl dem Großen in Magdeburg zerstörte Bild der Göttin Freia Halle in der rechte» Hand eine Erdkugel, in der linken drei Aepfel, die wendische Göttin der Liebe zeigt sich gleichfalls mit einem Zipfel in der Hand. Der Apfel ist»ach viclverbreiletcr Vorstellung Lwbesainnlet. Nach dem Ringwechsel überreicht der Bräutigam der Braut in Slavonieu einen Apsel. Das sizilianische Volkslied erinnert wchmüthig an das Geschenk des„Apfels der Liebe". Der „Brautapfel", dem wir in der Lüneburger Haide begegnen, hat vielleicht seinen Ursprung in dem romanischen Brautapsel von Tarent. Jeder der Hochzeiisgäste bekommt hier einen Apfel, schneidet eine Spalte in ihn und steckt ein Geldstück für den Geistlichen hinein. Im Lünebnrgischen wird der Thaler für den Geistlichen ebenso in de» Brautapfel gesteckt und dieser dann während der Trauung auf de» Altar gelegt. Im Miltclaller wurde den Brautleuten eine Schale mit Aepfeln vorangetrageii. Ei» Apfel, den man selbst in der Achselhöhle getragen, weckt untrüglich Liebe. Im Aargan machten nach Rochholz vormals Aepfel und Birne» den Beginn jedes Hochzeitsmahles. Aus der hiiigeworfeiieu Schale weissagte mau,'vre es noch heute selbst städtischer Brauch ist. Die gelehrte Medizin vergangener Tage rechnete mit dem Apfel als wichtigen Bestandtheil der ZIpolhcke.„Die süße» Aepfel haben auch ihren äußerlichen Nutzen; denn wenn man einen süßen Apfel unter heißer Asche bratet und zwischen doppelten Tüchlei» über die Augen leget, so pflegt er die darinnen vorhandenen Schmerzen zu lindern»nd kann mit Myrrhen im Seitenstechen auf den schmerz» haften Theil gelegt werden. Es sind von denen Aepfel» vielerlei Präparate, als der Luocns kerrnentatus, der ansgcgorcne Saft oder Aepfelivei»,»»d der Syrup von füße» und säuerlichen Aepfeln, so in Beschwerung«» des Herzeiis, Ohnmächte», Herzklopfen imd Fiebern gut thn», die schwarze Galle dämpfen, den Durst löschen und den Magen stärken." So und so weiter heißt es in einein viel- benntzlen Kräiiterlexikon des vorige» Jahrhunderts. I» dem Dorfe Woolslhorpe(Lincoliishirc) stand ein alter Apfel- bäum, der mehr noch als die vom Pcrserkönig Terxes mit golveneni Zicrralh geschmückte Plantane fürstliche Ailszeichnniig verdicnl hätte. tu jenem Dorfe hatte Sir Isaak Newton am 5. Januar 1643 das icht dieser von ihm so sehr erhellte» Welt erblickt. Als gereifter Marni zog er sich in den geliebte» Heimathsort zurück. Eines Tages saß er siiinend vor dem Apfelbaum, als eine Frucht zu Bode» siel. Das brachte ihn. wie einst Galilei durch einen schwingenden Lüster auf das Pendelgesetz anfnierksam geworden war, auf den Ge- danken der allverbreileten Schwerkraft, der großen Lenkerin im Wcltall. Der Baum stand noch bis zum Jahre 1826, bis ihn ein Sturm niederwarf. Ein ans seinem Hölze gefertigter Stuhl wird de» Besuchern von Newton's GebnrtshanS noch henle gezeigt.— _ M, K r o n s e l d. DileinezH Fourlloto»» K. d. Taö erwachende Berlin. Der Obdachlose. Ein Stoß gegen die linke Schüller—„Hirnineldonnerwelter! Machen Se doch jesälligst Ihre Fensterladen uff!" schreit ihm Einer nach. Er blinzelt mit de» Augen und trollet weiter. Den Kopf, de» eine schivarze, schmierige Arbeitsmiitze bedeckt, senkt er wieder nach vor» und zieht den Hals in das faserige Tuch. Der glänzende Rock ist nur oben zugeknöpft, alle übrigen Knöpfe fehlen. Unter dem Rock trägt er eine löcherige, wollene Jacke. Die Hände hat er in die Taschen der ansgcfranzte» Hosen geschoben. Die Handgelenke werden von den kurzen Aermeln des RockeS nicht bedeckt; sie sind blau- gefroren. Mit de» Beinen macht er zitternde gleichmäßige Schritte. In sein stoppeliges Gesicht bat sich die graue Farbe des Hungers »nd der Ermattung eingefressen. Die Straßen sind leer, die Roll- laden vor den Schaufenstern herabgelassen. Die wenigen Laternen werfen ihre vom Winde hin und her geschobenen Lichlscheine über die tobten Hänserfronten. Die Augen sinken dem Manne zu. Doch die Beine schreiten weiter. Er scheint im Schlaf zu wandeln. Ins Asyl war er zn spät gekomme»; es war schon überfüllt. Seitdem läuft er umher. Draußen am Görlitzer Bahnhof wollte er sich in einen Neubau einschleichen, in dessen leeren Räumen große Kokskörbe glühten. Aber der Banwächter hatte ihn forlgejagt. Dann war er nach einer Straße im Norden gegangen. Vor einem Mehl- und Vorkosiladen hatte er Hall gemacht. Einige in Tücher gehüllte Arbeiterfrauen waren an ihm vorbeigehuscht. Kinder, die fröstelnd an ihm vorbeilicseu, waren in den Laden eiiigetrelen. Ein spärliches Licht fiel a»S seinem überfrorenen Fenster über die Straße. Als die Kinder herauskamen, erlosch es. und die Rollläden rulschten quietschend vor Fenster und Ladenthür. Er hatte nicht den Muth gehabt, einzutreten. Die Ladenbesitzeriu. seine Nichte, hätte ihm doch kein Nachtlager gegeben.— Er war weiter gegangen.— Jetzt kommt er die Breitestraße herauf. Die Ubren schlage» durcheinander. Es ist schon zwei Uhr. Auf der Schloßbrücke kommt ihm der Wind scharf entgegen. Er zieht die Schultern enger zu- samnien. Droschken holpern über den Opernplatz. Weiler hin- unter-- Das Klappen von Schritten auf dem Asphalt schreckt ihn auf. Er bleibt stehen und blickt um sich. Aus hohen, schwitzenden Scheiben flimmert und schillert elektrisches Licht: Cass Bauer. Im Eingang steht der betreßte Thürhüter. Ein Schwärm junger Männer schreitet lachend und singend über den.Slraßendamm nach den Droschken, die in einer langen Reihe im zweiten Fahrwege stehen. Ah, dört drüben, im Mitlelwea flehen ja Bänke.— Nur einmal fitzen! Er gehl über die Friedrichftraße hinweg, i» der»och viele Menschen schwärmen.„Lia, Sie Männeke»!" sagt ein junges Mädchen, das er beinahe umgerannt hätte. Sie lacht mit ihrem Begleiter, der ebenso ivie sie noch merkwürdig munter ist und der mit einem Satz in den vorüberfahrenden Nachioiimidtls springt. Und die Augenlider drücken so schwer... „Hier ist keine Schlafkammer!" Er sieht gähnend auf. Vor ihin steht ein Schlitzmann:„Weiter- gehen— Weilergeheu!" Er erhebt sich und trotiet mit wankenden Schritten vorwärts, die Promeuade hinunter. Hier ist es wieder still und leer. Nur ans der anderen Seite, auf dem Bürgersieig, geht ein einsamer Mann. Ans dem Pariser Platz, dessen Paläste wie riesige Grabmale dunkel nebeneinander liegen, schurrt und klirrt etwas. Ein Pferd zieht ei» Gestell— Staubwolken wirbeln hinler ihm auf-- die Slraßenkehrmaschine. Das erste Zeichen vom neuen Tag. Nun m u ß es ja bald wieder Tag werde»! Die Augenlider sinken ihm zu.— Seine Beine schreiten vorwärts— weiter— weiter-- Theater. —„Nene freie Volksbühne." I» unserer Besprechung des Stückes„Die Kinder der Excellenz" fand sich der Satz:„Es wurde gesagt, das Stück hätte zur Aufführung genomuie» werde» müssen, weil die Mittel, künstlerische soivohl wie materielle, zu etwas Besserem nicht reichten." Bon der Leitmig der„Neuen freien Volksbühne" erhalten wir nun eine Zuschrift, in der betont ivird. daß nicht die Mittel des Vereins die Wahl eines anderen Stückes verhindert hätten. Man sei deshalb in der Wahl beschränkt, weil für eine ganze Reihe von Stücken die Mittel, d. h. der Fundus, die Requisite», die Garderobe des Thalia-Theaters nicht aus- reichten.— Musik. — Die Weimarer Hofkapelle im 17. Jahr- h u n d e r t. Der„Franks. Ztg." ivird ans Mailand geschrieben: Die„Gazzetta Musicale" veröffentlicht in ihrer letzten Nunnner einige Urkunden aus dein Anfang des 17. Jahrhunderts, i» denen unter anderem von der Pflege der Musik am großhcrzoglichen Hose zu Weimar die Rede ist. Wie es scheint, wurde Weimar in jenen Jahren häufig von italienischen Virtuosen besucht, doch gab es seit dem Jahxe 1583 in Weimar auch eine eiuheimische Hoskapelle. Sie bestand aus 14 Künstlern: dein Kapellmeister, einem Lantenspieler, einem Geigenspieler und 1l Sänger», llnter de» Säugern fanden sich drei Soprane von der Art der Soprane der Sixtiiiische» Kapelle. Der Kapellmeister Haus Heroldt bezog ein Jahresgehalt von 124 Gulden, außerdem erhielt er noch 6 Scheffel Korn, drei Fässer Bier, Wildpret und Holz. Mit diesen Naturalgaben hatte der Kapellmeister von Zeit zu Zeit Schmausereien für seine Musikanten zu veranstalten, nin sie bei guter Stiniinuitg und Laune z» erhalten. Das Gehalt der Musikanten schwankte zwischen 20 und 40 Gulden im Jahre, nur der Allist Kiischler erhielt 52 Gulden, weil seine Stimuie so stark und ivohlkingend ivar, daß sie für zivei gelten konnte. In der That, während Sopran, Tenor»nd Baß mit je 3 Slimnieii besetzt Ivareu, zählte die Kapelle nur 2 Alliste», dank der hervorragend krästigen Stimme Kuschler's.— Kunst. — Der preußische K u» st f o» d s. bestimmt zum Ankauf von Knnfiwerken für die N a t i o n a l- G a l l e r i e sowie zur Förderung der nionunieutaleii Malerei und Plastik und des Kupscr- stichs, betrug bisher 300 000 M jährlich. Schon seit längerer Zeil hcK sich indessen dieser Fonds als unzureicheiid erwiese». Für das neue Elntsjahc soll er nun ans 350 000 M. erhöht werden. Zur Begründuiig dieser Mehrfordernng ivird im Etat ausgeführt, daß es zur Hebung und Verbreittmg des Kunstsinns erforderlich erscheine, den aus den Provinzen eiugehcudcii Anlrägeu aus Anssühruiig von Werken der momlmenlale» Kunst mehr als bisher Rechnung zu tragen.— Kuustgewerbe. — o— Moderne Möbel sind von der Londoner tZuilil»irck Lbool ok Hondierakb bei der Knusthan dlung von Keller und Reiner eingelrofseii. Auch sie zeige», wie die neulich an dieser Stelle besprochene» Metallarbeite» derselben Schule, das Streben»ach Vercinsachmig und eigenartiger Neuheit. Mit Borlicbe ist stumpfcs f olz verwendet worden, das mit Metalleinlage» und zart beinaltcn üllmige» angenehme Reize bietet. Das schönste Stück ist der helle Spciseschrauk. Ganz einfache, glatte Linien, ohne Drechselei und Schnitzerei. Dabei doch nicht nüchtern. Die Metnlleinlngen des SpeiseschrankeS sind flache Blumenornamente, eine originelle Abweichung vo» den alte» Kngelstäbchcn und Kan- nellirungen. Während der Aufbau der Schränke geglückt ist, hat man bei den Stühlen anscheinend vergessen, daß sie ziim Sitzen dienen sollen. Einige von ihnen sind sehr eck>g gcralhe», und mir einer ersülll alle Anforderiilige» der Bequemlichkeil und gefälligen Form, das ist der helle Sliihl. Außer diesen inleressanteil Möbel» sind augenblicklich bei derselben Ktinsthandliiiig noch Teppiche zn sehe». Dasind zuerst die von L e m m e n aus Brüssel zn nenne». Bon dem richtigen Gedanken ausgehend, daß ein Fnßteppich»»r dem zn gleichen hat, worüber auch in der Wirklichkeit der Fuß eines Menschen schreite» kann, hat der Künstler»nr einige stilistrte Streu- blmnen eingewebt. Die gedüinpslen Farben harnioiilre» gut in ihrer geringe» Zahl. Auch komme» die ivenigen Blnme» auf dem breile» Grunde ivirkungsvoll zur Geltung. Auch neue deutsche Wandteppiche sind ausgestellt. Ihre Entwürfe rühre» von O. E ck- mann, A. E il d e l l und andere» her. Ans archaistische Weise hat ma» die eckigen Linie» der Weberei übertriebe». Das ergab für die Landschaften eine sonderbare Elimiming. Gestalte», Häuser, Bäume». s. w. sind wie bei der allen Baneriiweberei in einer Farbe gehalten. Doch dürste» Figuren ohne Schatten und Abtönung kaum ei» erstrebensiverthes Ziel sein, wenn auch zugestanden werden soll, daß sie eine» besseren künstlerischen Eindruck machen, als die faden Schäferszene» aus den Teppichen vieler Fabriken und iveiblichen Hand« arbeitsschulen. Als gute Beweise für das Haudwe>ksarbeiten der Künstler können auch die keramischen Erzeugnisse des Münchners von Heider gellen. Seine Forme» sind nicht sebr reichhaltig, doch sind die Glasuren von außei ordentlicher Schönheit; eine Vase glänzt golden metallisch. Die Künstler, die uns jetzt, nachdem z. B. Dänemark schon seil 15 Jahren eine frisch aufgeblühte keramische Kunst hat, ein neues Knnstgeiverbe geben ivolle», komme», weil sie nicht über die fabrikliche» Hilfsmiltel verfügen, bei der Handarbeit mit ihren Zn- fnlligkeiteii ans allerlei schöne, reizvolle Dinge. Sie, die Dilettanten im Handwerk, zeige» ihm neue Wege, und ihre Werke beiveise», daß diese' Wege die richtigen sind.— Geographisches. — Das T o d t e Meer A in e r i k a' s. Ebenso wie Palästina besitzen auch die Vereinigten Staaten ein„Tvdtes Meer", welches sie der heilkräftigen Eigenfchaslen seines Wassers wegen de» Medizin- See(Medical- Lake) nennen. Es liegt im Süden des Staates Washington ans der großen, vom Colmnbia- Flusse umschlungenen Hochebene in Kl» Meler Höhe über dem Sliiie» Ozean. Da kein Fluß sich in dasselbe ergießt und das Niveau trotz der beträchtlichen Berdniistimg in dieser trockene» Luft sich gleich bleibt, so uiinmt man an, daß es von Quellen innerhalb seines Beckens genährt werde. Der Salzgehalt des Wassers ist beinahe ebenso groß, ivie im Tobten Meere von Palästina. Nach neueren Unlersuchmrgen lebe» indessen doch mehrere Thiere in demselben, nämlich eine ganz kleine Schild- kröle nud ei» sonderbarer, 20 Zenlimeier langer Fisch, der seine langen, gegliederten Borderstossen zum Herumgehen auf dem Boden benntzcn kann. In einein Umkreise bis zu 2 Kilometer um den See fehlt aller Pflanzenivnchs ans dem thonigen Boden.—(„Oesterreichische Zeilschrlst sür Berg- und Hüttenwesen.")— Medizinisches. u. S ch a r l a ch ü b e r t r a g n n g durch Milch. In East Orange, im Staat Neiv-Iersey(Nordamerika), entstand eine ans einen engen Umkreis beschränkte, innerhalb desselben aber anfsallend heftige Epidemie von Scharlnchfieber. Nur in lö Hänsern zeigte sich die Krankheit, in jedem derselben aber wurden mehrere, bis zu vier Menschen belroffen. Als mau nun nach der Eiitstehungslirsache dieser miler so merkwürdigen Umständen vorgekommenen Seuche forschte, stellte sich heraus, daß die Bewohner der sechzehn in Frage kommenden Häuser ihre Milch aus einer und derselben Molkerei bezogen. Der Sohn des Besitzers derselben war am Scharlachfieber erkrankt, und kurz bevor die Krankheit bei ihm zum Ausbruch kam, war er in den Kuhstall gegangen»nd hatte die Kühe gemolken. Nun war also klar, daß dieser junge Mann die Kuheuter und danach die Milch mit der bei ihm damals noch latenten Krankheit infizirt hatte. Dieser Vorfall lehrt wiederum, daß man beim Hantiren mit Milch die größte Vorsicht beobachten und am besten überhaupt nur gut abgekochte, das heißt wirklich zum Sieden gekommene Milch genießen soll.— Ans der Pflanzenwelt. — Zur Geschichte der Gemüse erzählt die„Roman- well": Zu den ersten Pflanzen, die von Menschen angebaut wurde», gehört die Linse. Sie stammt voni Himalaya. Eben so alt ist die Kultur der Laucharten, die ebenfalls aus Asien stammen. Nero, der allmonatlich mehrere Tage hindurch Lauch aß, nm seine Stimme zu klären, wurde spotlweise Porrophagns— der Lauchfresser— genanttt. Zu den Zeiten der Pharaonen wurde der Lauch in Egypten allgemein knltivirt. Der Knoblauch speziell galt bei den Alten als diätetisches Gennßniittel. Die Israeliten in der egyptischen Gefangenschaft, die Arbeiter an der Cheops- Pyramide, die Soldaten. Matrosen, Feldarbeiter bei den alten Griechen und Römern aßen Knoblauch, wenn sie von der Hitze«nd Humoristisches. e. e. Der Konservator des Monolithen. Sganarelle (Sarcey) erzählt ii»„Temps" folgende ergöhliche Geschichte: Einer von den Leuten, die man irgeudivo einmal gesehen hat, brachte mir heute eine Petition, die er an den Minister der schönen Künste richten will, und bat mich, sie zu befürworten. Das ist ei» Liebesdienst, den man in Paris niemals veriveigert, wenn das Gesuch nicht ganz unvernünftig ist.„Was»erlangen Sie also?" fragte ich ihn.—„Ich möchte zum Konservator des Monolithen(Obelisken von Lnxor) ans der„lPIncs de Ja Concorde" ernannt werden, mit einem Jahresgehalt von 1500 bis 2000 Franks.—„Pardon!" erwiderte ich,„Sie sind wohl ein kleiner Schäker?" Er sHh mich so erstaunt an, daß ich über meinen Verdacht errölhen muhte.—„Gab es denn," fragte ich ihn. �.jemals einen Konservator dieses Monolithen—„Sioch nicht," erwiderte er;„es ist ein neu zu sd, äffendes Amt, und ich habe keinen Konkurrenten bei der Bewerbung." Die Sache begann mich zu intercssiren.„Wie in aller Welt," fragte ich weiter,„sind Sie denn ans die originelle Idee gekommen, Konservator des Monolithen werden zu wollen? Ich habe diesen Posten noch niemals im Budget gesunde»."—„Weil Sie de» Staat-haushalt nicht genau studiren. Sie glauben gar nicht, was man alles im Budget fiiidet. So habe ich im Budget des Ministeriums der schönen Knune drei Forderungen gefilnden, die sicherlich Ihr Jnteresie ebenso erwecke» werde», wie sie das meinige erregt haben: J. Gehalt für de» Konservator der Juli-Sänle... 1500 Franks. 2. Gebalt für den skonservator der Bonlogne-snr-Mer-Sänle... 5000 Franks. 3. Gehalt für de» Konser- valor der Marniorblöcke, die der Staat den arme» Künstlern sd)enkl... 5000 Franks. Was sagen Sie nun?" fügte er triumphirend hinzu.—„Es giebt also," rief ich ans,„einen Herrn, dem man 1500 Franks bezahlt, damit er von Zeit zn Zeit der Jnlisäiile»inen Besuch abstatte und nachsehe, ob sie noch da ist?"—„Bei Gott! es scheint so"—„Und man giebt einem anderen Herr» 5000 Franks dafür, daß er ein- oder zweimal im Jahre nachsieht, od der Napoleon von Boxo»och immer auf der Boulogue-sur-Mer-Sänle steht?"—„Im Budget steht es so."—„Aber die Säule stammt ja aus dein Jahre 1804; zu 5000 Franks für das Jahr gerrcdncl, bat ja die„Kouiervirung" mehr gekostet als die Errid)t»i!g. Aus diesen Gründen wollen Sie also den Monolith kouservireu?"—„Natur- lidz. Die 1500 Franks wären gut angebracht, denn ich brauche sie sehr nölhig."—.Könnten Sie nicht zugleich auch die Kouserviruug der VeudSine-Säule überi>eh»>en?"—„O> das wäre zuviel." er- widerte er bescheiden. Ein anderer will auch etwas haben."— — Ei» G e in ü t b s m e n s ch. Sie:„Abend für Abend gehst Du Deinem Vergnügen nach, und i ch muß zu Hanse sitzen. Wozu hast Du Did, eigentlich verheirathel?" Er:„Damit ich jemand Hab', der bei den armen kleinen Würmer» bleibt."—(. Jugend.") Arbeit erschlafft waren. Elphinstone, der bekannte Geschichtsschreiber Indiens, berichtet, daß noch jetzt die Völker i» Gegenden, die vom Samum heimgesucht werden, sich die Lippen und die Nase mit Knoblauch einreiben, um, wie sie glaube», von dem heißen Winde weniger zu leiden. Die Zwiebel war bei den Egypiern Gegenstand der Verehrung. Sie kam gleichfalls aus Indien. Auch die Gurke war in Ostindien heimisch, sowie in Kaschmir, China und Persien. Die Egppter bereiteren ein Getränk ans Gurkensast. Die KürbiSarlcu werden in Asien mit Vorliebe kultivirt. Spargel, der an der englischen Küste und in Rußland wild wächst, war das Liebliugsgemüse Plato's, und Aristophanes pries es als ein gutes Verdanungsmittel. In den russischen Steppe» ist der wilde Spargel so häusig. daß ih» das Vieh abgrast. Lattich galt bei den Alien als ei» wirksames Mittel gegen den Rausch. Spinat ist eine arabische Pflanze, die von de» Arabern nach Spanien gebracht wurde. Sehr geschätzt waren von Heu alten Egypiern, Griechen und Römer» der Endiviensalal und die Petersilie. Die Melone stanimt ans Südasieu und wurde sd>o» von Egyptern, Griechen und Römern kultivirt. Columbus führte sie i» Amerika ei». Die Wassermelone ist in Afrika zu Hause, der Kohl in Griechenland; Cincinnatus befahl seine Anpflanzung in Rom. Der Blumenkohl stammt aus Cypern. Rettiche, aus China stammend, wurden schon in alten Zeiten in Europa kultivirt. Aus China kam auch der Rhabarber, der im vierzehulen Jahrhundert in Europa eiugesührt wurde. Die Bohne ist i» Egypten und Ostindieii heimisch, die Erbse überall in Asien. Beide wurde» sd,on seit älteste» Zeiten in Europa angebanl. In den Schweizer Pfahlbauten der Bronzeperiode sind Erbje» gefunden worden. Die Lupine kommt aus Egypten. I» Europa heimisch sind noch: Meer- retlich, aus Rußland nach Westeuropa verbreitet; Sellerie, der in Großbritannien einst ei» gemeines Unkraut gewesen; Fenchel, dessen Früchte bei den alten Römer» beliebt waren und noch heute in Egypten gegessen werden; Pfefferkraut, Pastinak, Zichorie, Arli- schocke, Mohrrübe und rothe Rübe, an den Gestaden Südeuropa's heimisch und seit Urzeiten angebanl: Kresse, die aber auch in Asien und Amerika lvikd wächst; Sauerampfer, Bibernell. Mit einer An- zahl uns jetzt nnentbehrlich erscheinender Gewächse hat nns Amerika beschenkt. Es sei nur an die Kartoffel erinnert, deren Geschichle all- bekannt ist, sowie an die Tomaten und an die Opuntie».— Ans dem Gebiete der Chemie. — Die Vertheilung der Kohlensäure in der Luft hat der englische Chemiker Carleton Williams durch Uiitersnchnng der Lust einer Vorstadt von S h e s f i e l d(U/, englische Meilen vom Mittelpiiiikt der Sladt enlserni) festgestellt. Es hat sich, wie die„Chem. News" berichtet, dabei ergeben, daß Schnee und Nebel große Zunahme der Kohlensäure bewirke», während Regen ohne wesentlichen Einfluß ist. Die Kohlensäure hat ein Maximum im Januar und füllt bei steigender Temp-ratur. Weitere Vers»d,e wurden über die Vertheilung der Kohlensäure in Schul-, Schlaf- und Wohnzimmern in verschiedenen Höhen vom Fußboden angestellt. immer von 26—31 Fuß Höhe enthalten unter der Decke weniger ohlensänre als am Fußboden. Dagegen ist in den Zimmer» von Sl/2—16 Fuß Höhe die Luft zwei Fuß liilter der Decke weit kohlen- säurereicher als die Luft zwei Fuß hoch über dem Fußboden.— Astronomislhes. b Wieder zwei neue veränderliche Sterne hat der Astronom Dr. Anderson an der Sternwarte zn Edinburg enl- deckt, den einen in dem Sternbilde des Drache», den zweite» in dem der Zwillinge. Die Sterne an sich sind nicht neu, sondern finden sich bereits in dein großen Bonner Slernkataloge verzeichnet, aber ihre veränderliche Ralur war bisher nicht beobachtet worden. Das Steniche» im Drache» mußte im Frühherbst 1397 kleiner als ein Eler» zehnter Größe gewesen sei», weil Dr. Anderson es mit seinem L�/ezöllige» Fernrohre nicht sehen konnte, obgleich ganz i» der Nähe seiner Stellung ein Stern von der Größe 9.7 bentlich zu erkennen war. Am 26. November war der Stern plötzlidi wieder sichtbar und überstrahlte seinen Nachbar sogar in merklicher Weife. Der neue veränderliche Stern i» dein Bilde der Zwillinge war bisher mit der Größe 8.5 angegeben. Im März 1897 war er nur uiiwesentlich schwächer als diese Größe, dann nahm aber die Helligkeit bis Ende April bis unter die zehnte Größe ab und stieg dann von neuem, bis der Stern am 23. November sogar heller war. als im 5iatalog angegeben.— je. Z iv e i Photographien eines M a r s m o n d e s. Dem Astronomen S. Kostinsky an der Slernwartc zn Pnlkoiva bei Moskau ist es nach«inein Briefe an die„Astronomischen Nach- richten" während der letzten Opposition des Planeten Mars gelunge», nicht nur de» Planeten selbst, sondern auch seinen äußeren Trabanten Deimos scharf zu pholographiren, trotzdem sowohl die Witterung als die große Eiitsernnng des Planeten von der Erde dem Versuche nicht gerade günstig waren. Kostinsky nahm den genannten Marsmond siebenmal hintereinander ans und erhielt nnler diesen Bildern zwei so scharfe, daß an ihnen Meffungen der Größe und der Stellung zum Haiiptplaiieten vorgenonimen werden konnten. Bei diese» beiden Bildern wurde die Platte eininal 15. das andere Mal 25 Minuten exponirt. Bon dem inneren Marsmonde Phobos konnten befriedigende Photographie» nicht erhalten werden.— Vermischtes vom Tage.,' — I» L e o b s ch ü tz ist die große Wollwaaren- Fabrik von G. Schneider u. Ko. vollständig niedergebrannt.— — In Reinholdshain bei Glauchau sind die Eheleute Gräfe, der Mann 30. die Frau 77 Jahre all, z u e i u e r und derselben Stunde verstorben.— — Typhus in Budapest. Der„Franks. Ztg." wird aus Budapest gemeldet: Hier herrscht infolge des Gnlacbtens des SaniiülsralheS, wonach die Typhnserkranknngen in der Sladt sich in erschreckender Anzahl mehren und auf insizirtes Waffer zurück- zuführen sind, große Bestürzung. Man erivartet außerordentliche Maßnahmen. Das Piibliknin trinkt nur noch abgekochtes Wasier.— — In G e n f wollte ein Italiener seinen Freunde» vor- demonstriren, daß das Verbot der Berührung elektrischer Leitungsdrähte keinen Zweck habe. Kaum aber hatte er die Drähte berührt, als er todl zn Boven sank.— — Bei der Preisverlheilung in der Pariser Akademie der Wissenschaften am 10. dieses MonalZ wurde der Prix La Caze(10 000 Franks) dem Prosessor R ö n tg e n zu- gesprochen.— Stockholm, 13. Januar. Professor Nordensiiöld theilte in der Akademie der Wiffciifchafleu mit, dem Ministerium des Acnbereii sei eine Nachricht zngcgangen, nach welcher zwischen dem 4. und 7. August 1897 in B r i t i s ch- K o l n m b i e n nnler dem 53. Grad 20 Min. nördlicher Breite und dem 121. Grad 30 Min. westlicher Länge, sieben Meilen nördlich vom Quesuekle* See, von mehreren glaubwürdigen Personen ein Ballon be- obachlet worden sei. Nordeuskiöld hält die Nachricht für eine der- artige, daß eine nähere Unlcrsuchniig derselben empsehlenswerlh sei» dürste.— — In der Provinz Valencia(Spanien) sind infolge Austretcns der Flüsse mehrere Dörfer überschwemmt.— — N« w- A o r k, 13. Januar. Edison kündigt die Ent- deckung eines neuen Metalls an, das in einem gewissen Prozentsatz mir Gußeisen verbunden, diesem die Haltbarkeit und Elastizität des Stahles verleiht. Die Experimente sind noch nicht abgeschlossen.— — N e w- I o r k, 13. Januar. Man nimmt an, daß bei dem gestrigen W i r v e l st n r m in Fort Smith 50 Personen um- gekommen sind; bisher sind 41 Leichen geborgen.— Verantwortlicher Redakteur: August Jnrobey in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.