Mnterhalwngsblatt des Vorwärts Nr. 18. Mittwoch, den 26. Januar. 1898. (Nachdruck verbalen.) 183 Allkergslvuke. Noman von Wilhelm Meyer-Förster. Jcttchen hingegen war kreuzfidel und wurde von dem Agenten zu Weintrauben und einer Flasche Rothen ein- geladen. Er hatte noch einen Freund bei sich, Franz Melnik aus Hamburg, einen reizenden, steinreichen, jungen Wann, der 27 000 Mark verspielt und soeben um neues Geld depeschirt hatte. Es war das ein lieber, kleiner Kerl, der vor sechs Wochen mündig geworden war und mit Hilfe einer er- erbten Million die Bank von Monaco zu sprengen be- absichtigte. Der Agent war natürlich auf diese Bekannt- schaft stolz, und da die beiden zusammen zwanzigmal der Reihe nach aus Roth verloren hatten, waren sie gute Freunde geworden. Sie saßen in einer wunderhübschen Weinlaube, und der Agent erörterte mittels Wachsstreichhölzchcn sein neues System. Der Hamburger war aber unaufmerksam und beschäftigte sich mehr mit Jcttchen, inderenMunterkeitund Niedlichkeitseine eigene Jugend sich sofort verliebte. Als die Weintrauben aufgegessen waren, bestellte er Austern und Hammetkotelettes, nachher Fisch, Champagner und allerlei Delikatessen, und er war sabel- hast vergnügt. Jettchen die Manier zn erklären, in der man diese Leckerbissen den Regeln der Kunst gemäß verzehre. Dieses Jcttchen war dabei reizend tolpalschig und komisch. Sie lachte immer so laut uud lustig, daß die Engländer auf der Veranda sich ärgerten. Schließlich saugen alle drei ein munteres Lied, und natürlich kam just in diesem Moment die Tante durch den Garten. Der Schlaf hatte sie erquickt und gestärkt und als sie nun aufgestanden war und ans dem Fenster ans das gesegnete Land gesehen hatte, zog ein Frieden über ihr gequältes Herz. Es war unverantwortlich, daß Jcttchen nicht anwesend war, um ihr bei der Toilette zu helfen, aber die Tante hatte Mo- mente von seltener Güte und Verzeihungskraft. So jetzt. .Nein," sagte sie zu sich selbst, ich will diesem Mädchen wenigstens dessentwegen nicht zürnen. Sie wird an's Meer gelaufen sein, um ihre Füße nach den dreißig Stunden Fahrt zu vertreten. Oder in die Weinberge, um Blumen zu pflücken. Ich will ihr diese paar letzten guten Tage nicht gar zu sehr verderben, denn in Berlin, das schwöre ich, geht sie, sobald wir heimkommen, aus dem Hause. Sie hat sich zu nieder- trächtig benomnien." Sie klingelte, worauf ein nettes Hausmädchen erschien und ihr bei der Toilette hals. Dasselbe sprach französisch, italienisch und englisch und hielt die Tante für eine Russin. Sie verständigten sich indessen pantomimisch ganz gut, denn das Mädchen hatte darin eine große Gewandtheit. Unbeschreiblich war der Tante Aufregung, als sie mit ihrem rheumatischen Beine über den Kiesweg humpelnd, des singenden und zechenden Trios ansichtig wurde. Jettchen saß in einem zierlich geflochtenen Korbstuhl wie seine Lady, und der Agent schlug just ans den Tisch, hob das Champagnerglas und brachte auf dieses famose, kleine, muntere Jettchen einen Toast ans. Kurz, aber begeistert. Alle drei stießen an und lachten. Jetzt siel vom Eingang der Laube her ein Schatten über den sonueubcglänzten Tisch, man wandte sich um: die Tante! Sie war blaß, aber gesaßt. Der Neffe stellte sie Herrn Franz Melnik— Melnik u. Co., Hamburg-Altona— vor, und brachte dieustfertig einen Stuhl. „Kellner! Ein Glas!* „Für mich, wenn ich bitten darf, nichts dergleichen," sagte die würdige Dame.„Ich möchte nur diese eigenthüm- liche Gelegenheit festhalten, um die Dinge zwischen mir und Henriette zu Ende zu bringen. Du wirst die Güte haben, Albert, ihr heute Abend noch ein Billet nach Berlin zu kaufen und sie in den Zug zu besorgen." Alle drei saßen wie betäubt. „Abreisen?" „Ja, Henriette, Du reisest heim. Das soll meinerseits kein Mißtrauensvotum sein, sondern nur Ehrlichkeit. Ich habe unrecht gethan, ein junges Mädchen Deines Standes in die Welt hinaus zu führen und ihr Verhältnisse zu zeigen, die nicht für sie passen."! Jettchen begann leise zu schluchzen, dann immer lauter. „Unsere Wege, meine liebe Henriette," fuhr die Tante un- erbittlich fort,„trennen sich. Die Gründe erörtere ich hier nicht. Versuche es in Berlin, Dir mit dem, was Du in meinem Hause und Magazin gelernt hast, eine neue Thätigkeit zn suchen, und ich will von Herzen wünschen, daß Deinen recht mangelhaften Kenntnissen das gelingt.— Nun wollen wir, mein lieber Albert, etwas durch den Garten gehen." Herr Franz Melnik saß bei allem dem ganz stumm und dnmm und verständnißlos. Aber Jettchen's immer glühendere Thräuen griffen ihm gewaltig ans Herz. „Verzeihen Sie," sagte er endlich zu der Tante,„aber das junge Mädchen kann doch nicht ganz allein nach Berlin?" „Ja, sie kann," sagte die Tante und stand auf, wobei erwähnt werden muß, daß sie keine Ahnung hatte, mit welcher Standcsperson— wenigstens in Hinsicht auf Geldwerth— sie es in diesem jungen Manne zn thun hatte. „Ich bitte um Entschuldigung," nahni der noch einmal das Wort,„aber ich reise selbst in einigen Tagen nach Deutschland zurück und könnte die Dame dann mit Ihrer Er- laubuiß begleiten." Das Wort„Dame" in Verbindung mit Jcttchen hatte auf die Tante dieselbe Wirkung, wie ei» rothes Tuch auf die Bestien in der spanischen Arena. Sie vergaß Taktik, Ruhe, Höflichkeit, Lebensart und überlegene Vornehmheit und schoß in blindem Zorne geradeaus. Eine scchsunddreißig Stunden aufgespeicherte Wuth entlud sich in hastende», überstürzten, planlosen Worten, und in zwei, drei Mhrnten wußte Herr Melnik, daß er mit dem ver» worfenstcn Geschöpfe Lieder gesungen und Wein getrunken hatte. Woher dieses Jettchen stamme, nämlich aus nichts, ivas sie im bürgerlichen Leben sei, nichts, wie sie die Tante untcrivegs mißhandelt uud daß sie auf die Beachtung irgend eines Menschen so wenig Anspruch habe tvie Bettler und Land« streicher. Sie war athemlos, keuchte und sank auf dem Stuhl zu- sammen. Es folgte eine düstere Pause, und der kleine, wackere Franz Melnik war von dieser Anklage so vor den Kogf ge- schlagen, daß er wirklich glaubte, dieses entzückende junge Mädchen sei eine Art Ungeheuer. Nun ganz leise begann Jettchen zu sprechen. Nein, sie habe nicht das Recht, je wieder fröhlich uud glücklich zu sein. Nur eines wiffe sie, daß die Tante ihr allzuhart begegnet sei. Immer. Sie habe keine Freude gehabt in diesen trübseligen Jahren, uud wenn sie irgendwann gut und lieb sein wollte, trieb man sie mit Stößen zurück. Sie muß an das Waisen« Haus denken uud die schwere Kinderzeit, an das dunNe Trauermagazin und die harten Worte, die alle immer nur sie trafen. Sie will fort, ja. Wandern so weit der Himmel blau ist und sich dann weinend niederlegen und sterben. Der Agent räusperte sich, als ob ihm etwas in der Kehle stecke, und der kleine Hamburger saß mit großen, starren Augen und sah im Geiste dieses herrliche Mädchen am Weg- rain seine Seele ausathmen. Jettchen stand schweigend auf und ging. Da raffte er sich empor und eilte ihr nach. „Ich stehe Ihnen bei, Fräulein, in jeder Gefahr, daS schwöre ich." Jettchen's Lippen zuckten, und sie war über sich selbst jetzt namenlos gerührt. Wahrhaftig nicht ohne Grund, denn was ihr bevorstand— und sie kannte die Tante— war ungefähr das ärgste. Eine große und wahre Verzweiflung kam über sie, und an eine Palme gelehnt, fing sie an bitter zu weinen. Der kleine Haniburger war außer sich. Er hatte ei« dummes, weiches, sentimentales Herz, und er beschwor Jettchen in allenTönen, sich zu beruhigen. Auf dieTantc hatte er eine Riesen« wuth und gelobte, sie ooram publico zur Rede stellen zu wollen. Das war alles Balsam für Jettchen. Sie trocknete mit einem kleinen, feinen Tuch, das ihr die Tante geliehen hatte, die Augen und sagte, nun stehe sie in einem fremden Lande einsamer als die verlassenste Waise. Natürlich entgegnete Herr Melnik, das Gegentheil sei der Fall, und seine Hand werde Jettche» sicher durch die Stürme steuern. Sie gingen den ganzen Tag zusammen spateren, sahey dos Mccr im Abendscheine glänzen und waren die glücklichsten Leute in Nizza. Der Hamburger lag. wie man es auf Bildern sieht, lang im Grase, den Kopf auf die Arme gestützt, und Jettchen saß— wie man es ebenfalls ans Bildern sieht — neben ihm und band aus Blumen und Blättern einen hübschen Kranz. Ungeschminkt und schlicht erzählte sie ihre Lebensgeschichte, und nur als sie schwermüthig lächelnd sagte, dies sei ihr erster glücklicher Tag uud gewiß auch der letzte, nur da zitterte ihre Stimme leise. Das Meer rauschte, ein Schwärm Zugvögel kam von Süden her über die Wasserfläche, es war ein wundersamer Frühlingsabend. Sie gingen den Strand entlang heim. Keines von beiden sprach ein Wort, bis der kleine Franz sich ein Herz faßte, Jcttchen an sich zog und sie küßte. Tie Sterne standen schon am Himmel, als die beiden endlich in das Hotel kamen. Die Tante und ihr Nesse waren um Jettchen in großer Aufregung und bildeten sich ein, sie habe sich ein Leid angcthan. Jeder Bissen Beefsteak quoll der Tante vor Angst und Aufregung in» Halse— geradezu in Erstickungsgefahr gerieth sie aber, als jetzt Arm in Arm zwischen den Engländertischen her Jettchen und der Hamburger- Millionär durch den Speisesaal auf sie zu marschirten. Selbst der Agent, den nichts im Leben verblüffte, war einigermaßen erstaunt. Der kleine Franz sah anßerordenllich würdevoll ans, als er jetzt an den Tisch herantrat, Jettchen's Arm los- ließ, ihre Hand in die seine nahm, sich leicht gegen die Tante verneigte und sagte:„Ich habe die Ehre, den Herr- schaften mitzutheilen, daß Fräulein Henriette Duling meine Braut ist." (Fortsetzung solgr) (Nachdnill oecbolin.) Vev Uiettkennttk und fein Hund. Von Paul L e v i n. Aus dem Dänischen. Die Kompagnie war zum Heiminarsch aufgestellt. Die Luft glühte. Nicht eine Wolke glitt vor die Sonne, die ohne Unterlaß berabschien und wärinle. Die Soldaten standen in dein blendenden Licht und fühlten den Staub wie eine Nebelschickit um sich. Und über den Reihen lag ein schweißiger Dunst, ein quälender Geruch von Schmierftiefeln, Kautabak und schmutzigein Zeug. Es war ei» schlimmer Tag gewesen. Wieder und immer wieder war.Lansschritl' kommandirt worden, und während der Hauptmann und sein Lieutenant über Fahrradpreise diskutirten, war die Manu- schaft, gejagt und gehetzt von dein Sergeanie», über die Felder geeilt. Es ivar nicht einer in der ganzen Kompagnie, der stch nicht gerne in den Staub geworfen hätte, um eine» Augenblick auszuruhen. Tie Waffeuröcke waren mit Staub bedeckt. Staub lagerte auf den Gesichtern, und wenn die Soldaten die Zähne zusammenbissen, knirschte der Staub, der wie ei» lauer Aschenregen auf das Feld hcrabrieselte. Des Lieutenants Hund, Max hieß er, saß in» Schatten einer lebenden Hecke. Die rolhe Zunge hing weit aus dem Halse, und die schläfrigen Augen starrten den Lieutenant an, der kerzengerade vor dem Hauplinann stand. Der Hauptmann war unzufrieden, sehr nnziisrieden. Er mußte dem Lieutenant sagen, daß seine Leute erbärmlich marschirten und schlecht liefen. Die Glieder wogten hin und her, und nicht der geringste Rythmus war im Schritt. Das durfte doch nicht wieder vorkommen. Der Lieutenant trat zur Seite, und der Hauptmann bestieg sein Fahrrad— er hatte Eile. Der Lieutenant sollte die Kompagnie allein in die Kaserne zurück- führen. Bis der Hauptmann verschwunden war, stand er ehrerbietig da und ärgerte sich über alle Maßen. Und hatte er dazu etiva nicht genügenden Grund? Er bekam einen dienstlichen Rüffel nach den, andern, und gleichzeitig war Fernanda ihm absolut untreu. War das die so viel gepriesene Lieulenaiitszeit? Plackerei und Schinderei, Aerger mit dem Hauptmann, Aerger mit Fernanda, Neckereien der Kameraden und Schulden vorne und hinten. Der Lieutenant biß sich in den kleinen Schnurrbart, blickte «üthend die Soldaten an und gab Befehl zum Rückmarsch. Ein Seufzen der Erleichterung entfuhr den Reihen, als sie vom Exerzierplatz abschivenkten. Der Lieutenant ging auf dein TroUoir, und Max schlenkerte hinterdrein. Der Zorn des Lieutenants nahm beständig zu. Er glaubte auf den Gesichtern der Soldaten zu lesen,»vie gut sie sein Mißgeschick kannten. Sie wußten, daß er gerüffelt worden mar. Sie kannten die Geschichte mit Fernando, die sich über ib» luftig gemacht und ihn ganz bis nach Fricdrichsberg hinausgelockt hatte. Sie waren auch unterrichtet von seinen verdammten Schulden. Es war dem Lieutenant, als werfe der Tritt ihm seinen Aerger wie ein Echo zurück. Es half nichts, daß er laut zu zählen Hegamt. 28io sehr er auch sei» eins— zwei— drei— vier skandirte, und ob er auch dieses vierrr mit dem kunstvollsten Cekondclieutenants- triller hervorstieß, alle Aergernisse, Rüffel, Fernanda und die Geld» fachen stürmten doch wieder auf ihn«in. Und immer rasender wurde der kleine Lieutenant. Er muhte Luft haben. Er schaute auf die Soldaten, die sich durch den Staub des Strandweges schleppte». Der Hauptmann halle Recht: keine Spur von Schritt! Einige gingen an de» Pferdebahnschiencn entlang, andere ve> mieden sie sorgfältig, weil der Stahl durch die Sohlen schnitt; milie» in der Reihe humpelte einer vorwärts, weil jeder Schritt das Loch, das er in der Ferse hatte, tiefer und breiter grub; dann gab es wiederum ein paar, die überlegen die Scherben bei Seite stießen, sodaß sie den Weg entlang flogen. Eine dieser Scherben sprang Max zwischen die Beine. Der Hund stieß einen heulenden Laut aus, und der Lieutenant sah, daß er ein ganz kleines Loch auf dem eine» Hinterbein davongetragen halte. Die Haut war geschrammt und das Blut sickerte in kleinen Tropfen hervor. So, nun traktirten sie obendrein noch Max mit Fuhtrilten. Am Ende würden sie ihn selber schließlich steinige».—„Na, Ihr wollt also nicht Schritt halten?" rief er.„Ihr»vollt nicht, Ihr wollt nicht— halt!" Die Kompagnie stand. Die vordersten Reihen glaubten, daß Hinte» irgend etwas in Unordnung sei. und die hintersten Reihen dachten, daß vorne irgend etwas die Passage sperre. Aber Alle be- trachteten diese» Augenblick als«ine günstige Gelegenheit, um den Schweißtropfen abzutrocknen, der sich vom Mützenrand bis zu den Mundwinkeln Bahn machte, oder um die wunden Füße etivas aus- ruhen zu lassen. „Links um kehrt!" Alle stutzten. Kehrt? Was sollt- das heißen. Sie waren ja der Kaserne ganz nahe. „Kehrt!" Unwillkürlich machten sie Kehrt.„Laufschritt!"... Jetzt begriffe» sie. Vor ihnen lag die Kaserne mit Ruhe, Schallen, Kühle in den großen Schlafsälen und mit Wasser, vor allen Dingen mit Wasser, das sie über ihren nackten Körper gießen konnte», Wasser, das sie mit dem Munde schlürfen konnten, mit Wasser, das durch alle Poren in die Körper eingesogen werden konnte, die durch die brennende Sonne ausgedörrten Schwämmen glichen. Und zurück liefen sie durch den Staub und über die Scherben. Der Lieutenant lief nebenher mit zusammengebissenen Zähnen und glühendrolhem Antlitz. Er lief»vie ein Wahnsinniger,»veil er im Innern über das,»vas er gcthan hatte, erbebte. War es von irgend jeinand gesehen»vorden? Blieb leiner der Soldaten liegen? Hielten sie nicht inue? Sie lenkten auf das Feld zu, Max hintendrein; er sprang an den Soldaten in die Höhe, judr hin und her zivischc» den Reihe»; die seuerrolhe Zunge hing schief und dampfend ans dem einen Mundivinkcl heraus. „Aonvärts in Schußlinie!" Die Soldaten fielen nieder und sprangen empor. Erde und Exkremente von Kühen und Pferden klebten an ihren Röcken. Mit zusammengebissenen Zähne»», aufgespreizten Nasenlöchern, die Arme fest an den Körper gedrückt und jede Mliskcl gespannt, so liefen die Soldaten. Die Füße schmerzten nicht mehr au einer einzelnen Stelle; es ivar, als ob die ganze Hanl abgebrüht»väre, und die Strümpfe drückten sich in das blutige Fleisch. Es ivar kein Offizier in der Nähe; niemand hatte etivas ge- sehen. Die Kompagnie kehrte wieder zur Kaserne zurück. Aber gerade als»»an in das Thor einbog, fiel einer der Soldaten um und blieb liegen. Er zitterte am ganzen Körper, sein Gesicht nahm eine aschgraue Färbung an und der Schaum stand ihm vor dein Munde. „Tragt ihn hinauf," sagte der Lieutenant.„Legt ihn aufs Bett, das»vird bald vorübergehe». Der kann auch nichts vertragen." Und als der Lieutenant die Kompagnie hatie abtreten lassen, kam er sich selber>v»e ei» fixer Soldat vor. Jetzt halten sie sich doch müde gelausen. In Znkllnjt würden sie schon Tiilt hallen. Sie imißtei» doch klein beigeben. Er ging auf sein Zimmer, entledigte sich der Stiefel und»varf sich aufs Bett. Max stellte sich vor ihn hin und scharrte»nit den Psoten. „Bist Du durstig?" Der Lieutenant erhob sich und setzte dem Hunde Wasser vor. „Armer kleiner Max." sagte der Lieutenant und streichelte mit» leidig den Hund.„Du bist durstig und hast ei» Loch an» Fuße; komm her,»ch»vill Dich verbinden." Und mit weicher Stimme»viederholte er:„Armer kleiner Max!"--- Vternes Fottillvkon — Nmatcnr- Pholograph und Forschungörciseuder. Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: Der englische Forschuugsrciseude und Maler Henry Sa vage Landor, der bei seinem Versuch, von Alinora in Jndic» aus in Tibet einzudringen, von Ein- geborenen gcfauge» genommen und gefoltert»vurde, ist nach Europa zurückgekehrt und hält sich gegenwärtig in Florenz auf. Die„Daily Chrouicle" bringt eine» vorläufigen kurzen Bericht über seine Er« lebuisse, welcher aus einer Beschreibung der mitgebrachle» Photographien und mündlichen Millheilungen des Neisende» zusammengesetzt ist. In Alinora hatte sich Landor von dem letzten Europäer verabschiedet und war mit dreißig f Hindus und reichlich mit Lebensmittel», Wissenschaft- ichcn Instrumenten und dergl. versehen, von dort ausgeriickl, um den Himalaya zu überschreiten. Die erste pholographische Ausnahme, die gemacht wurde, stellt de» Reisende» selbst dar in seinen. Reise- kostüm zusammen mit seinen beiden vertrauten Dienern, wie sie im Begriffe waren, die Grenze zu überschreite». Dann kommen Pdoto- Sraphien vom Bivouak, wo die ganze aus 8t Köpfen bestehende ixpedition nach langem Marsche ruht. Der allmälige Aufstieg zum Himalaya ist aus den Photographien dadurch sichtbar geworden, daß die erst sehr entfernte» eisbedeckten Gipfel allmälig immer näher geruckt sind. Eine Photographie zeigt, wie der Neisende tö 000 Fuß über dem Meeresspiegel en, Bad nimmt. Ein kleiner Wasser- ström ergießt sich über de» Nücke» des mnlhigen Badende», und die Wassertropscn gefriere» gleich zu Eisstücken. Eine andere Photo- graphie zeigte das erste Herauuahen einer Schaar Eingeborener, die mit sichtlichem Erstaune» langsam herankommen. Dann zieht sich die Linie naher heran, die Größe der Eingeborenenschaar und ihre Zusammensetzung wird deutlich erkennbar. Unterhändler werden ausgeschickt, diese erhalten aber eine Abweisung. Dann sieht man die letzte Nacht im Lager. Unheimliche Ruhe liegt über der kleine» Ge- sellschaft, die zu einer Handvoll von Lenten znsammengeschmolze» ist, denn die meisten Jndier sind desertirt. Darauf solge» Porträts der einzelne» Theilnehnier der Expedition, eine Ansicht der schwachen Barrikaden, die znin Schutze des Lagers errichtet waren, und die ferne Landschaft im Ganzen und im Detail. Dann kommt ein Momentbild, wie die kleine Kavalkade zwischen de» Hügeln entlang schleicht: die Gesichter sind gespannt, das Gepäck ist merllich weniger geworden, man hat sich offenbar von allem irgendwie Entbehr- lichen befreit. Das nächste Bild zeigt eine an eine» Baum ge- bundcne nackte Gestalt. Die häßlichsten Menschen, die man sich denken kann, tanzen um sie herum; sie habe» abgeflachte Köpfe, mißgestaltete Körper, kleine verschmitzte Augen, und der untere Theil ihrer Gesichter sieht mehr thierisch ans als menschlich. Ei» indischer Diener Landor's ist es, der hier an den Baum ge- bunden ist, mit Stricken, die tief in sein Fleisch hineinschneiden. Er wird von den Halbwilden geschlagen und gccpiält, verbirgt aber jede Spur von Schmerz. Ans dieselbe Weise wurde Landor anfänglich selbst mißhandelt, aber davon konnte keine Ansnahme gemacht werden. Landor's Augenlider wurden mit weißglühenden Eisen verbrannt. Er wurde Slnnde» lang auf der Folterbank ge- martert, dann mußte er achtzig Meilen aus einem Sattel reiten, der mit Nägel» gespickt war. Einer davon drang in das Ende des Rückenmarks ein und erschütterte das Nerven- zentrnm; Fleisch, Sehnen und Knochen wurden ihm zu einer unkenntliche» Maffe zugerichtet. Mit alledem erreichte» es die Tibetaner doch nicht, den Gefangenen die gewünschten Aeußerungen des Schmerzes zu entlocken. Ein paar Photographien zeige» die Porträts der beide» Märtyrer nach den Torturen. Sie scheine» um Jahre gealtert, ihre Haut zeigt Narben und Wunden, Kopfhaar und Barlhaar sind ihnen abgesengt, und Ivo die Augenlider sein sollten, sieht ma» zivei schreckliche Höhlen. Landor ist durch diese Torturen aus einem'Auge ganz blind geworden. Er sagte, jedes Thier würde ma» erschießen, das so zugerichtet wäre wie er. Da»» kam die Retlnng, als er gerade daran war. seine» Leiden zu erliegen. Handeltreibende Tibetaner hatte» die Kunde über die Grenze gebracht, daß im Innern ein weißer Man» hingerichtet werden solle. Dr. Wilson, Herr Lavkin und ei» eingeborener indischer Beamter machten sich eiligst ans den Weg und sie erreichte» trotz mehrfacher Berrälherei der Führer die beiden Gefangenen. Landor war beivnßtlos, als seine Retter kamen, erst nach drei Stunde» kam er wieder zu sich, und dann ließ er gleich noch von seinen Peiniger», die schreckersüllt den weißen Mäiuiern gegeuüberhockten, eine Momcnlaujnahme machen.— Theater. — r. Luisentheater. Was war das für eine Erleichte- rung, als vor einigen Monate» sich endlich die Trilby-Kranlheit, >vie man glauben sollte, gründlich ausgetobt hatte, und selbst Herr Samst das hypnotisirle Modell in der Versenkung vcr- schwinde» lassen mußte. Und nun kommt ein Borsladl- lheater, das gar nicht einmal zu den schlechtesten zählt, wahrhaftig wieder mit„Trilby" herangeschleppt. Es könnten ja auch im Südosten der Stadt noch Leute wohnen, die nichts von der magische» Prügelgcwalt des Svengali wüßten. Also, Hera», meine Herrschaften! Älu» Montag fiel die Geschichte aber recht kläglich aus. Herr Julius Türk lhat zivar sein Möglichstes, um die»na»- genehme Karrikatur des Svengali»nit allen Schauern der Hinter- treppenromnntik zu umgeben, aber die Trilby der Frau Müller war so stark von der Gewalt des Unheimlichen beeinflußt, daß sie rein- weg zu garmchts fähig schien. Bon den übrigen Milwirkenden wollen wir aus Höflichkeit nicht reden. Wir wollen ihr Verdienst preise», wenn es ihnen gelungen ist,„Trilby" gründlich todt zu kriegen.— — Unter den Novitäten, die Otto Neumann.Hofer tn der nächsteir Saison im Lessing-Theater znr Anssührung bringen will, befinden sich Werke von Max Halbe, von Ernst v. W o l z o g c n und ein neues Drama von Hermann S u d e r- mann, das den Titel„Stein unter Steinen" trägt.— Musik. —er—. Ivette Guilbert. Die Bühne des Apollo« Theaters giebt in diesen Tagen des Gastspiels der hervorragenden Pariser Chansoniere einen kleine» Ausschiiilt musikalischer Kultur- historik. Kurz vor den, Austritte der Guilbert singen eine Dame in den üppigsten Jahren und ein junger Man» französische Duette, in welchen durch die albernste Siraßensrivolitäl auch nicht die be- scheidenste geistige Pointe durchsickert. Nichts wird angedeutet, alle Ovscöniläten werden mir breiten» Behagen und ein- deutigen Geberden ausgedeckt. Es ist das cynische Brettl- Chanson, für das es keine dichterische und musikalische Nölhigiiug giebt. Frau Guilbert singt ihr erstes Liedchen von der korrupten Naivität der Großstadl-Unschuld und mau hat sofort die Empfindung, daß im engen Gebiete des satyrische» Geiiregesanges eine Revolutionälin erstandeil ist. Frau Guilbert singt! Nein, sie singt nicht, ihre Gesaugsklinst ist ganz Ausdruck geworden, selbst in der nuisikalische» Lyrik. In Richepin's bretonischer Legende „La Glu" srägt das zuckende Mutlerherz den mörderischen Sohn, ob er sich beim Straucheln nicht weh gelhan. Die Stimme der Guilbert bat für diese heiligste Fürsorge weder Schmelz»och äußerliche Kunst, aber sie hat mehr: den Ausdruck des vibrirendsten Mitleids und der überströmcndstc» Kindesliebe. Eine kleine Liebesgeschichte, die„beim Mondscheine" von den weichuen Einpfindungen den Schleier iveg- zieht und mit einer rührenden Treulosigkeit endet, benüht die Guilbert nicht, um überseinerte Sentimentalitäten aiiszuseufze». sie legt viel- mehr das Hanplgewicht ans die bedenkenlose weibliche Hingebung, deren Poesie selbst das Liebesverlangeu»iit einem keuschen Lichte »mlpielt. Tauchen in„La Pierreuse" die schliiinnslen Nachtseiten des weiblichen Charakters in grotesker Häßlichkeit auf, so weiß die kleine, magere, fast antinnlsikalische Stimme der Guilbert die Behelfe dämonischer Charaklerisirungskunst und körperlicher Beredsamkeit zum furchtbare» Bilde tragischen Verbrecherlhnms zu verwende». Und wie weiß dieses einem erfahrenen und subtilen Geiste ergebene Organ mannig- faltiges Lächeln und Lachen zu erregen! Die Liebesbeichte der „Großmutter", die moralische Geschichte einer„ländlichen Idylle" und die Tragikomödie der vier am ungewohnten Lernen zu gründe gehenden Studenieii waren rasch vorüberziehende Lustspielskizzen, in welchen das Gesangsinstrument der Guilbert kecke und muth- willige Allotria treibt und dabei das Leben selbst ab- konterfeit. Wie von selbst findet die Künstlerin vom tag- hell»üancirenden Sprechgesang znr eigentlichen Rezitation den Weg. Sie spricht in ihren Liedern Gedanken aus und sie singt beispielsweise in Donuay's Satyre„Die alten Herren" unscheinbare, »lir durch inelodische» Tonsall erreichbare Rasfinirtbeiteii hinein. Die Franzose» feiern Ivette Guilbert als ihre Sprcchgesangs- künstlerin, als nnvergleichliche„äiseuso"; auch das Berliner Publi- kum hat ihr am Montag einen große», verdiente» Erfolg bereitet.— Medizinisches. K. Neues über Einspritzungen von Blutfarb- st o f f l ö s»» g e n. Die Blnttrauefussion, d. h. die Uebertragung von Blut eines Mensche» oder Thieres in die Blutbahn eines ver- blutenden oder durch große Blutverluste geschwächten Menschen, ist in den letzten Jahrzehnten so gut wie verlasse» worden. Das Blut vom Menschen sowohl wie das von Thieren erwies sich dabei als gefährlich, da es zu Geriuiiungen i» der Gefäß- bah» und damit zu plötzlichen Todesfällen führte. Auch Blut, dessen Faserstoff man vorher zum Gerinnen gebracht, welches inan vorher defibrinirt hatte, verursachte bisweilen plötzliche Todesfälle durch Verstopsuiig der Lniigengesäße und bcinflußte gleichzeitig die Niere» schädlich. So ist ma» in der Praxis immer mehr von der Ueber- sührung von Blut in den Körper abgekounnen und hat sich init Erfolg eines künstlichen Sermus, einer ganz dünnen Kochsalzlösmig bedient, um bei großen Blulverlusten die Füllung des Gefäßsystems zu verniehrcn und die Neubildung des verlorenen Blutes zu fördern. Aus der Kieler Universitätspoliklinik konnnt nun eine wichtige Mittheilung zu dieser Frage. Dr. v. Starck hat, wie er in der„Münch. Med. Woch." berichtet, mit Erfolg den Versuch ge- niachi, Lösungen des Blutfarbstoffes des Haemoglobins, welches den wichligsteu Bestandtheil des Blutes ausmacht, durch Ein« spritzungen unter die Haut und i» die Leibeshöhle in die Blutbahn zu bringen. Solche Versuche galten bisher als verpönt, da verschiedene Beobachter früher durch Einspritzungen auch geringer Menge» von Hacmoglobinlösunge» schwere Schädi« gunge» der Nieren bei Versuchsthieren austreten sahen. Dr. v. Starck führt diese Mißerfolge aus mangelnde Reinheit des bei den Ein- spritzungen verwendeten Haemoglobins zurück. Und da schon früher gesunde» worden ist, daß das Gerüst der rothen Blutkörperchen, in ivelchem der Blulfarbstofs im Blute enthalten ist, durch Begünstigung der Gerinnselbildung und Verstopfung der Nierengefäße bei Blut- einspritzungcn besonders schädlich wirke, so hat er darauf vornehm- lich geachtet. Durch eine eingehende Fillrirung beseitigte er jede Spur des Gerüstes der Blutkörperchen aus der Haemoglobinlösung, und init dieser einen Lösung machte er Einspritzungsversuche an 10 Hunden und 9 Kaninchen. Da zeigte sich denn im Gegensatz zu srüheren Untersuchungen, daß die Haemoglobinlösunge» sowohl vom Unterhaut- Zellgewebe wie auch vom Bauchfell aus gut aus» genonnuen und sehr gut vertragen wurden. Erst bei vcrhältniß» mäßig große» Haenioglobinmengen wurde ein Theil des Blutsart»- stoffes durch die Nieren ausgeschieden, doch niemals lam eiM Geriiinselbildung im Körper oder eine ernstere Schädigung der Nieren zn stunde. Der größte Tdeil des HaenwglobinS wird also im Körper der Versuchslhiere zurückgehalten und kann hier zur Wirkung kommen.— Aus dem Thievlebe». — Von der Nahrung des Huhnes. Gymnasiallehrer Daiber in Stuttgart schreibt im„Wlb. W. f. S.":„Wenn die Hühner wüßten, daß sie von Fleisch wären, so würden sie sich selbst aus- fressen." Diese vielverdreitete Redensart wird dadurch bestätigt, daß die Hühner ohne Ausnahm« der Fleischnahrung zu allen Zeiten de» Vorzug vor anderem Futter geben. Die Wirkung der Fleisch- nahrung gegenüber der ausschließlichen Körnersütterung macht sich aber auch in bczug aus die Entuückclung der Fruchtbarkeil bemerk- bar. Wenn unter sonst gleichen Verhüllnissen die Hühner des Nach- bars schon zur Winterzeil wieder mit Legen beginnen, während die eigenen noch lange warten lassen, so ist das häufig nur Folge des Fleischfutters, welche jene entweder durch Scharre» der Düugerstätle oder im Futter bekommen. Künstliche Nahrung darf jedoch nicht in großer Menge zur Fütterung gebracht werde» und darf höchstens 8 bis 10 pCt. der gesammten täglichen Nahrung betragen. Mit Borthcil stellt man zur Berfütterung aus Fleifchfuttermehl und Ä«! stenschrot eine möglichst feste Masse her, der man auch noch sein zerdrückte, gesottene Kartoffeln beimische» kau»; derartiges Futter darf aber nicht r» großer Menge zubereitel werden, damit es bis zum Verfüttern nicht verdirbt. Während des Winters, oft das ganze Jahr hindurch, nehmen die Hühner derart zusammengesetztes Futter sehr gern auf, sie legen dann sehr fleißig und entwickeln sich dabei in ihren» ersten Lebensjahre sehr rasch. 1 Kilogramm geschrotenen Mais, 2 Kilogramm Gerstenfutterinehl, Ve Kilogramm Fleischmehl, gut angebrühr und mit 1—2 Kilogramm gekochten Kartoffel» vermischt, reicht als Weichfntter für 40 Hühner auf einen Tag. Während die einen derartiges Futter im Winter- gut»varin, die anderen dagegen erkaltet vorsetzen, dürfte es sich allgemein empfehle», dasselbe in lanivarmem Zustande zu verwenden. Ein Sandhaufen soll dem Huhne»vähreud des ganzen Jahres zn- gänglich sein, damit es auf demselben seine Federn reinigen und sich säubern kann. Kalkhaltige Stoffe,»velche das Huhn zu den Eier- schale» bedarf, verschafft man ihm häufig dadurch, daß man dein Futter Eierschalen beimischt. Dabei muß»na» jedoch darauf sehen. daß die Eierschalen zuerst getrocknet und fein zerstoßen, keinesfalls aber in großen Stücken vorgeworfen werden, da sonst die Hühner das Eierfresscn lernen. Grünfutter trägt wesentlich zu gesteigerter und früher Entivickclung der Fruchtbarkeit bei; in keinem Hühner- hose darf es im Winter an Kraut, Kohl, Rüben u. dergl. fehlen, wenn man Winlereier zu bekommen»viinscht.— Ans der Pflanzenwelt.' — ss.— Eine neue Gemüfeart wird in der„Revue Scientiffqne" zum Anbau in wärmeren Gegenden Enropa's empfohlen. Man kann dieses Gemüse freilich nur für Europa als neu bezeichnen, da es in seiner Heimath Nordamerika bereits seit 1040 bekannt ist, aber doch nur»venig verwerihet»vird. Die Pflanze gehört zn den Leguminosen und führt den Nainen Apios tuberös», sie ist ein Schlinggeivächs mit gefiederten Blättern und vollen Blnthen- tranbe». Das Geschlecht der Apios umfaßt nur drei Arten, von denen die oben genannte z»terst in» Jahre 1640 in Pennsylvaiiien gefunden»vurde. Die Wurzel dieser Pflanze trägt mehlige, eßbare Knollen, die an den» Wurzelstrang angeordnet sind wie die Kugeln eines Rosenkranzes auf ibrem Fade». Die Knolle» haben etiva die Größe eines Hühnerei'?. Gekocht geben sie ei» ivohl- schmeckendes Gemüse, dessen Geschmack an den der Kartoffel und den der Batate erinnert, ein»venig auch an den der Kastanie. Die Blätter der Pflanze sind»vohlriechend»ind von braunrolher Farbe. Eine amerikanische Fachzeitschrift bezeichnet einen Versuch mit den, Anbau dieser Pflanze in größer«»» Maßstabe als sehr ivüuschens- werth.— Geologisches. — Ueber die Bildung de? Rhtinthales hielt Gymnasial- Oberlehrer Dr. Follmann im Nalunvisfenfchaftliche» Verein zu Koblenz eine»»ntereffanten Vortrag, dem»vir nach der „Köln. Ztg." folgendes entnehmen: Rhein, Mosel, Lahn und Maas treten aus Gebieten in das rheinische Schiesergebirge, ein. deren mittlere Höhe geringer ist als die des letzteren selbst. Die a» Durchbruchthälern häufig wahrgenommene Erscheinung erklärt sich dadurch, daß die Gebiet« rings um das rheinische Schiesergebirge in» Verlaufe der Thaibildung allmälig durch Verwerfung(Sprünge i» de» Erdschichten) abseilte», infolge deffen das Gebirge jetzl»vie eine Tafel aus den jüngeren unigebenden Schichten ausragt. Im Süden deS rheinischen Schiefergebirges erstreckte sich im Ausauge der Tertiärformation von Nord nach Süd ein langer Gebirgsrücken, dessen Schichtengeivölbe längs z»vei Systeme» paralleler Gcbirgs- spalten in die Tiefe sank. Die feillich stehen gebliebenen Reste bildeten de» Schwarzwald und Wasgeuivald; die enlstandeiie Vertiefung(Grabenvertiefung) uulrde durch einen See ausgefüllt, der a,ii Ende der Tertiärzeit oder im Anfang des Diluviums sich nach Norden entleerte. Weshalb erfolgte dieser Abfluß, dein das Rhein- thal von Bingen bis Bonn seine Enlstehung verdankt, gerade an der Stelle, wo der Taunus, der damals noch mit dem Hunsrück zusammen- hing, seine größte Breite und»vegen der Quarzitschichten auch die bedeutendste Widerstandsfähigkeit besaß? Das hat nun, so ant- »vortele der Vortragende auf diese Frage, Proseffor Rolhpletz durch eine eingehende Untersuchung»achgeiviesen, daß zwischen Bingen und Lorch ebenfalls zwei parallele Vertiefungen vorliegen, die den Dnrchbruch des Rheins gerade an dieser Stelle erklären. Eine übereinstimmende Bildiingsiveise bat Professor Holzapfel für das alle diluviale Rheinthal zwischen Caub und Boppard»achgeiviesen. Die heulige Thalrinne ist zwar ein Erosionsthal, doch»var die alte, jetzt etiva 250 Meter höher liegende Thalrinne durch Ber« »verfnngen bedingt. Durch die von Nordost nach Südwest ver- lausenden Qnarzitzüge»vurde der Rhein von Boppard nack Osten abgelenkt. Oberhalb Braubach tritt der Rhein»vieder in den Bereich ziveier paralleler Spalte», auf denen die Rhenser und Oberlabn- steiuer Miiieralbruniie» entspringen,»md diese Spalten bedinge» die abermalige Ablenkung des Rheiirs ans der lvest-ösUichen in die uörv- liche Richtung.— Technisches. — Ein neues Webstoff-Erze ugniß,»velches in Belgien bergestellt»vird, taucht jetzt mif dem deutschen Markte mis. Ei» weitmaschiges Gewebe, wie Mouffeline oder Tüll,»vird imt Chromleim bestrichen. so daß die Maschen sich füllen,»vorauf das ganze den» Sonnenlicht ausgesetzt»vird. Dadurch wird der Chrom- leim ivassernndurchlässig,»vorauf man das Geivebe auf beiden Seiten mit einer Oelfarbe oder einein Firniß anstreicht und dies öfter»viederbolt. Tann kann man das ganze mit Farbe bedrucken. Das so geivonnene, dein Linolemn nicht unähnliche Erzengniß ist biegsam, undurchsichtig und wafleruiidiirchlässig; man kann es also mit kaltem Wasser abivaschen und es für Sonuentücher, Schirme, Portieren u. s. iv. venvenden.— — Im Frühjahr dieses Jahres sollen bereit? die Arbeiten an dem Bau des Kanals, der das B a l t i s ch« M e e r mit dem S ch iv a r z e n M e e r verbinde» soll, begonnen werden. Von Riga ans führt der Kanal, in dem eine Tiefe von 20 Fuß erreicht»verde» soll, durch die Düna in den Beresina-Flußiveg und von dort in die Beresina, von»vo er bei Schlodin in den Dnjepr übergeht und bei Cherso» seine» Endpunkt erreicht. Die Arbeiten an der Ausbaggerung»md die Beseitigung der zahlreiche» Strom- schnellen des Dnjepr solle» bis zum Jahre 1902 ihren Abschluß finden. 209 Millionen Rubel sind für de» Bau in Aussicht ge- »on»,»«». Aiif dem ganzen Weg von Riga bis Cherson»vird der Kanal elektrisch beleuchtet»verde».— Hninoristisches. — Ein heller Jung e. Ein Junge kam einmal eine Stunde zu spät in die Schule. Der Lehrer fuhr ihn an und fragte, wo er so lange geivese» sei.„Ja," sagt« der Junge,„heute ist draußen so»nächtiges Glatteis, ich koiinte üderhaupl garnicht vorwärts kommen. Wenn ich einen Schritt nach vorn ging, bin ich immer gleich zwei Schritte zurückgerutscht.'„Na, Junge." sagte der Lehrer, »vie bist Du dann überhaupt hierher gckoimne»?"„Jaiiz einfach," meinte jener,„ich habe»»ich einfach nrnjedrehl!"— — Ein Sprachpurist. Prokurist:„Solche Mani- pnlationen verstoßen gegen den Charakter und die Prinzipien eines reellen Geschäfts." Chef:„Hör'n Se mer auf mit Ihre Fremdwörter!'— („Simplicijsiuius".) Vermischtes vom Tage. — Der Waldbestand der R o n» i n t e r Haide erscheint durch die N o n n e n r a u p e stark bedroht. Die bisher getroffenen Ber- tilgungsmaßregeln— Tödlnng der Nonnen und Vernichtung der abgeietzien Eier— haben sich als uiuvirksau» eriviesen. Infolge dessen ist vo» den zuständigen Behörden angeordnet ivorden, daß die Flächen, in»velchen der Nonnenfalter im vorigen Jahre anfgelrelen ist, und in ber die Weibchen Eier abgelegt dabei», ausgeholzt»verde» solle»,»vobei Rinde und Ziveige euliveder zu vergraben oder zu ver- brennen sind.— — In Breslau ertranken am Sonntag Abend drei j u n g e L e u t e, die eine Kahupartie auf der Oder»»nlernommen hatte».— — Ein dreizehnjähriges Mädchen aus Leipzig, daS sich bei ihrem Großvater in H o f aufhielt, hat sich ertränkt. DaS Kind hatte einen Geldbelrag unternchlagen.— — In Wien hat sich der E f s e k t e»»- K a s s i r e r de? Bankvereins. Max Straffer, erschossen.„Wegen einer Liebesaffaire." sagt»nan.— — In ganz G a l i z i e n sind kolossale Schneefälle eingetreten, infolge deffc» alle Eiscnbahnzüge mit Verspätungen eintreffen. Der Post-Amdulanz-Berkehr ist theiliveise unterbrochen.— — Lausanne, 24. Januar. Der Anivall und U» i v e r» sitäts-Professor JaquesBerney und z,v«i junge Mädchen brachen gestern beim Schliltschnhlaufe» auf dein Jonx-See ei» und ertranken. Die Leichen Berney's und eine? der Mädchen wurden heute geborgen.— Beranlivorlllcher Redaklenr: Angnst Jarobey in Berlti». Druck und Verlag vo» Max Babing in Berlin.