Zlnierhaltmigsblatt des vorwärts Nr. 20. Freitag, den 28. Januar. 1893. (Nachdruck verbolin.) � Alltirgsleuke. Roman von Wilhelm Meyer-Förster. Schließlich erbot sich Jcttchen, so viel der Tante zu leiben, um die Holclrechnnng und die Reisekosten zn bezahlen. Das freundliche und eigentlich selbstverständliche Anerbieten wurde denn auch akzeptirt und der Agent bekam warmes Abendbrot. Unter den Verwünschungen des Hotelpersonals, das keinerlei Trinkgeld erhielt, nahm das Trio von Nizza Abschied, und aller drei wichtigste und aufregendste Lcbensperiode war damit abgeschlossen. Wieder fuhr man durch Tunnels und über Abgründe, aber die Tante saß mit geschlossenen Augen apathisch, Jcttchen las einige hundert Male Franzen's Liebesbriefe und der Agent snhr mit einem andern Zuge Hinterdrei», da er natürlich die billigste Fahr« gclcgcnhcit mit Personenzügen und dritter jklasse zn benutze» hatte. Wie er mit den drei Mark und zwei Franken Reise- spesen bis Berlin gelangen sollte, war ihm ein Räthsel. In Deutschland blühten die Obstbäume, alle Felder und Wälder waren grün, und als der Zug in das große Berlin einfuhr, lachte auch über der Hauptstadt Frühlingssonne. Ucber dem Tranermagaziu ding ein Kranz mit„Will- lonmeii', und als die düstere Tante in ihre Wohnzimmer verschwunden war, fielen die sieben Ladenfräulein Jettchen um den Hals und schwuren ihr ewige Freundschaft. XV. Es waren Tage vergangen seit dem Abende, wo Klara Hänisch Braut geworden war. Richard kam jeden Tag und schuf damit der Geheimräthin bedeutende Unkosten. Die Fleischer- rechnnng schivoll in bedenklicher Weise, und dieser Bräutigam vertilgte mittags und abends Fleischscheiben in Quantitäten, als ob cs sich nm Schnitten Brot handle. Er hatte immer noch nicht den M»lh gefunden, sich Klara anzuvertrauen und seine wahre Lebenslage ihr niitzutheilen. Die Sache war indessen nicht mehr hintanzuhalten, denn am zweitfolgenden Tage halte er seine Stelle im Genna- Hotel anzutreten, und dann war es mit den hänsigen Besuchen zu Ende. Man würde fragen, weshalb er nicht mehr so oft komme, ob er ein Amt übernommen habe, welches,— und alles würde ans Licht komnie». So faßte er sich denn ein Herz und be- schloß, �lara endlich reinen Wein einzuschenken. Es traf sich für ihn äußerst glücklich, Klara war allein zu Hause. Sie flog ihm in die Arme, geleitete ihn ins Zimnier und war in jeder Bewegung, in jeder Biicne und jedem Wort das glück- lichste Mädchen. In deni blauen Hanskleide mit der weißen Schürze sah sie hübsch und frisch aus, und die welken Wangen waren im Glück ivieder blühend geivorden. Richard schien merkwürdig befangen. War er krank? Hatte er eiiien Kummer gehabt? Sie umsing und küßte ihn so zärtlich und ängstlich, daß ihm sehr weh wurde, diesem vertrauenden Geschöpf eine Unwahrheit gesagt zu haben. Er brachte die große Diittheilung nicht über dieLippen, und erst dann, als sie in Angst ihn beschwor, zn sagen, was ihm fehle, begann er stotternd und nnzusammenhängend sein Bckcnntniß. Auch jetzt war er noch nicht ganz ehrlich. Er sprach von seinem Vater als einem Manne mit hochfliegenden Ideen, der als Künstler— als Photograph— wohl nicht seinen rechten Wirkungskreis gefunden habe. Groß und fieberhaft glänzend waren Klara's Augen ans ihn gerichtet, als er das in mangelhaften Sätzen vorbrachte, und als Gegenstück führte er nun rasch den amerikanischen Onkel ins Tressen. Der ivar Millionär in Milwaukce oder irgend sonst wo dort drüben und konnte, wenn er eiitinal Lust hatte, mit einer Hand- bcivegung die ganze Familie Kreiser aus eine hoch- anständige Höhe heben. Das alles ivar nur die Vorrede, nun aber kam das fürchterliche Geständniß, daß er Klara gegenüber betreffs seiner selbst nicht ganz die Wahrheil ge- sagt habe. „Nicht?' Ihre Stimme zitterte, und sie mußte sich fest an die Tischplatte klammern, um nicht allen Halt zu vcr- lieren. Was irgendwie an Glanz über die kleine soziale Stellung eines Kellners gelegt werden kann, brachte er glücklich zusammen. In der schweren Ungunst der Verhältnisse habe seiner Zeit Herr Kreiser senior sich entschließen müssen, den Sohn in eine praktische Lausbahn zn stellen. Der habe dann in allen Mußestunden ge- lernt uild gearbeitet, fremde Sprachen sich angeeignet und die deutsche Literatur fleißig gelesen. Noch immer sei freilich sein Ziel: ein eigenes Hotel großen Stils, nicht erreicht, aber als Leiter eines solchen, des Genna-Hotels, dürfe er hoffe», auf der großen Ucbergangsstnfe angelangt zu sein. Tie schöne Gabe, kleine Thatsachen in ein werkwürdig gutes Licht zu stellen, war jedenfalls die vortheihhafteste Mit- gift, die Herr Kreiser senior seinem Sohne gegeben hatte, und nur diesem Umstände verdaukte eS der wackere Richard, daß er sich in dieser schrecklichsten Stunde seines Lebens leidlich aus der Schlinge zog. Von seiner kümmerlichen Laufbahn als kleiner Lehrling war nicht die Rede. Auch nicht von der weiteren Entwickelung in feinen und minderwcrthigen Re- staurants, endlich auch nicht vom Eafs Royal. Und wirklich schien die arme und einfältige Klara zu glauben, daß gleich Pallas aus Zeus' Haupt ihr Bräutigam sofort als Leiter des„Genua' in die Karriere gesprungen sei. Was wußte sie von Hotels und deren Leitung! Und als Richard mit Emphase versicherte, daß er dort ein gutes Ans- kommen finden werde und fest überzeugt sei, als reicher Mann seine Tage zu beschließen � ja, da biß sie die Zähne zu- sammeu und fand alles gut. Sie herzte ihn und küßte ihn, strich alle Falten ans seiner Stirn und sagte, sie wolle sei» gutes treues Weib werden. Wie ein Alp fiel cs ihm von der Brust und in /dieser Stunde empfand er zu'dem hingebenden Mädchen eine so dankbare und innige Liebe wie nie. Aber zu einem reichte diese Liebe doch nicht aus: die nächste und schwerste Stunde mit Klara zu theilen, ihr beizustehen, wenn nun Mutter und Schwester kommen würden und sie das Geständniß ihres Bräutigams denen mittheilen sollte. Er hatte es sehr eilig, er mußte schnell fort und Geschäftliches besorgen. Sie, Klara, solle ihrer Mutter den Sachverhalt mittheilen und vor allem betonen, daß die Stelle im„Genua' eine einkömmliche und gute sei. Er fand sehr schnell Paletot und Hut und nahm mit so eiligen, wenn auch zärtlichen Küssen von seiner Braut Abschied, als ob die schweren Schritte der Geheimräthin schon die Treppe herauf kämen. Am Bellc-Alliance-Platz ging er in ein Restaurant und aß zu Mittag, und es machte ihm Spaß, daß die Kellner um seinetwillen laufen mußten, ohne von seinem Stande eine Ahnung zu haben. Klara saß derweil daheim mit verschränkten Händen, ließ die Suppe in der Küche überkochen und das Fleisch verbrennen und redete sich Mnth ein. Sie war tapfer gewesen, so lange Richard da vor ihr saß und sie sich hilfesuchend an ihn lehnen konnte, als aber sein Tritt auf der Treppe verhallt und sie nun allein war, da fiel sie in sich zusammen, und auf acht sonnige Tage war schauer- liche Finsterniß gefolgt. Mein Gott, wie hatte sie in dieser Stunde da eben die Kraft gefunden, ruhig zu bleiben, zu lächeln, zu küsse», ihn gar noch zu beruhigen?: Es war das Ende. Das jämmerlichste, lächerlichste. Sie strich sich leise über die Stirn, als wäre da ein dummer alberner Traum, den man mit einer flüchtigen Be- wegnng fortwischt.— Sie schrumpfte förmlich zusammen, die glühende Glückserregnng war verschwunden, und in schwerer ilicaktion trat eine fahle Blässe über ihr Gesicht, die sie um Jahre alterte. Belogen! Von ihm! Von wem? Von einem Kellner, der den Herrn gespielt und ein Mädchen in den Kreis seiner Lächerlichkeit gezogen hatte. Sie sprang auf in wahnsinnigster Angst. Die Mutter wird kommen, sie wird alles sagen müssen und— und-- nein lieber sterben. Und er- ließ sie allein! In dieser Stunde! Sie schlug die Hände vor das Gesicht, und das sonst so ruhige Mädchen stürzle in Verzweiflung auf den fadenscheinigen Teppich nieder. Hätte er sie wenigstens mitgenommen, in sein Haus, einerlei wohin, nur fort! O diese furchtbare Angst! Diese furchtbare Angst! Sie dachte nicht mehr an die Schande, an die elende Zn» kunft, nicht daran, daß der Liebste sie jammervoll belogen «üb getäuscht habe— nur au die Mutter uud was die sagen würde! So lag sie lange auf dem Teppich, ohne Gedanken, bebend, zitternd, fahl, todtenblaß, bei jedem Geräusch draußen auf- schaudernd. Nun ging an der Thüre im Korridor der Schlüssel, und gleich darauf wurde der Gcheimräthin Stimme hörbar. Klara sprang empor uud riß das Fenster auf. Ein Schritt, ein Sturz, uud dieses Leben der Qual ist zu Ende. Sie beugte sich hinaus und starrte eine Sekunde in die Tiefe, dann schloß sie zitternd die Augen und blieb so stehen. Die Stnbenthüre wurde aufgestoßen und athemlos vom Treppensteigen, roth vor Zorn uud Aufregung, kam die Geheimräthin herein. „Nicht zwei Minuten aus dem Hause gehen, nicht einmal daS kann mau mehr! Die ganze Küche verbrannt, verpestet! Klara!" Klara hielt die Augen fest geschlossen und rührte sich nicht. Nun fiel der Blick ihrer Mutter auf sie. (Fortsetzung folgt.) Etums wöiu Gomichtsvevlust der Wiövpev im MniTev. Heureka! Heureka!(Ich hab's gefunden!) ist der freudige Aus- ruf des glückliche» Forschers und Erfinders, dem es nach vielen Mühen gelungen ist, die Lösung einer schwierigen Aufgabe, den letzten Schlußstein einer sinnreichen Gedankenkette oder einer kunst- vollen Konstrnkiio» zu finde». Bor mehr als zwei Jahrtausende» erscholl dieser Ausruf, wie uns berichtet wird, zum ersten Male und seit dem mag er noch oft erklungen sei», wenn die Erfindungen und Probleme, deren glückliche Lösung durch ihn bezeichnet wurden, auch nicht entfernt von der grundlegenden Wichtig- keil und Bedeutung waren, als diejenige, die vor zwei- tausend Jahren die Veranlassung zu ihm wurde. Wie erzählt wird, ließ sich der König Hieron von Syrakus(269— LIS v. Chr. Geb.) eine Krone aus lauterem Golde anfertigen. Als er dieselbe erhielt, hätte er gar zu gern ermittelt, ob er nicht betrogen worden sei, ob der Verfertiger nicht etwa zu einem großen Theile nur Silber oder gar Knpser genommen und mir die sichtbaren Theile aus Gold gearbeitet habe. Er wandle sich daher an den berühmten Mathe- matikcr und Mechaniker Archimedes von Syrakus, der de» Inhalt des Kreises und der Kugel berechnete, der das Gesetz des Hebels aufgefunden hatte, dessen Nnhm damals bereits in der ganze» zivilisirlen Welt verbreitet war. Es ist bekannt, daß Archi- medes, als seine Vaterstadt später von den Römern belagert wurde(215— 2l 2 vor Chr. Geburt) drei Jahre hindurch die Verlheidignng leitete uud den römischen Schiffen durch seine kunstvollen Maschinen vielen Schaden zufügte; mit eisernen Hebel» solle» sie von der Mauer ans gehoben und ins Meer versenkt worden fein. Auch soll er große Brennspiegel aufgestellt und durch diese die Strahlen der Sonne gesammelt und auf die römischen Schiffe geworfen haben, welche dadurch in Brand geriethen. Wen» auch diese Erzählungen ans Ueberlreibnng beruhen— Spiegel von so gewaltiger Krast vermögen wir nicht einmal heute herzustellen—, so zeigen sie doch, in ivelchem Ausehen der Name des Archimedes bei den Alten stand. Als die Römer Syrakus von der Landseile aus überrumpelten und in die Stadt eindrangen, fand der 75 jährige Weise den Tod; zwar halte der römische Feldherr Marcellus Befehl gegeben, de» greisen Gelehrten unversehrt z» lasse»; ein junger Kriegsmann jedoch, der ihn in mathematische Nechnnngeu vertieft fand und ihn nicht erkannte, stieß ihn nieder. Als Zlrchimedes von Hieron de» erwähnte» Auftrag erhielt, soll ihm die Aufgabe stets im Kopfe herumgegangen sein, und die Krone soll er stets mit sich herumgetragen haben. Als er eines Tages ins Bad stieg, bemerkte er, daß die Krone erheblich leichter wurde; da schoß ihn, der glückliche Gedanke durch den Kopf, und mit dem Ausruf Heureka, Heureka! eilte er an die Arbeit, um die Zusammen- setzung der Krone, ihrer Bestandtheile an Gold. Silber und Kupfer zii berechnen. Was hatte er denn eigentlich gefunden? Daß das Gewicht eineS Körpers im Wasser erheblich geringer ist, als in der Luft, ivas vor ihm sicherlich schon manchem aufgefallen; schon mancher mag beim Baden eine» Stein vom Grunde des Meeres oder Flusses aus- gehoben und bemerkt habe», daß derselbe schwerer ivnrde, sobald er ans dem Wasser genommen wurde, uud leichter, sobald er wieder ein- gesenkt wurde. Was Archimedes darüber hinaus fand, war das bestimmte Ver- hältniß, in welchem der Stein im Wasser leichler wird, die bestimmte zahlenmäßige Angabe, wie viel er von seinem Gewichte verliert, ein Satz, der wegen seiner hervorragenden Wichtigkeit noch heut den Namen des Nrchimedes'schen Prinzips trägt. Stellt man ein Glas, das etiva 30 Gramm wiegt und gerade einen halben Liter faßt, auf die eine Seile einer Waagschale, und füllt es mit Wasser, so wird man auf der andern Seite ein Pfund und 30 Gramm oder 630 Gramni»vthig haben, um das Gleichgewicht herzustellen. Legt man außerdem noch einen Stein von 120 Gramm zu dem Glase Wasser, so braucht man auf der andercli Seite auch»och 120 Gramm, im ganzen also 650 Gramm. Thut man den Stein aber in das Glas Wasser hinein, so wird ans diesem, das vorher ganz voll war, etwas Wasser ausfließen müssen; da der Stein Platz für sich braucht, so wird er so viel Wasser Heransdrängen, als sein eigener Rauminhalt beträgt. Wir ivollen annehme», das feien 40 Kubikzentimeter, so wird der Inhalt um 40 Knbikzenlimeter Wasser, also um 40 Gramm'), er- leichtert, und falls dieses Wasser nicht etwa auf der Waagschale bleibt, braucht man natürlich 40 Gramm weniger, um den Stein im gesüllten Wasserglase das Gleichgewicht zu halte». U>» genau so viel wiegt nun der Stein im Wasser weniger, behauptet der berühmte Satz des Archimedes. Bon der Richtigkeit dieser Behauptung kann man sich leicht über- zeugen, wenn man den Stein direkt an dem einen Arm einer Waage aushängt, ins Gleichgewicht bringt, und ihm dann von unten her ein Wasserglas nähert; sobald er ganz in das Wasser eintaucht, muß man zur Herstellung des Gleichgewichts genau so viele Ge- wichte wegnehmen, als dem ansfließenden Wasser entspricht, im Falle der Stein in ei» volles Gesäß eintaucht. Wie konnte nun aber dem Archiiiiedes die Keuutnib der That- fache, daß jeder Körper im Wasser soviel von seinem Gewicht verliert, als der von ihm eingenommene Rain» mit Wasser gefüllt wiegen würde, dazu verhelfen, die Zusainmensetznng der Krone des Hieron zu bestimmen? Das ist nicht schivierig eiuzusehen. Je schwerer ein Körper ist, desto geringer ist der Raum, den er einnimmt; so ist z. B. Gold fast doppelt so schwer wie Kupfer, d. h. ei» Kilo Kupfer nimmt fast den doppelten Raum ein, wie ein Kilo Gold, oder dasselbe Volumen Gold wiegt doppelt so viel ivie Kupfer. Daher wird ein Kilo Kupfer auch doppelt so viel Wasser verdrängen, als ein Kilo Gold, und»lilhi» doppelt so viel an Ge- wicht im Wasser verlieren. Es verlieren z. V. 20 Kilo Gold im Wafser�l Kilo an ihrem Gewicht, 20 Kilo Kupfer dagegen schon 2 Kilo.") Ist also einmal durch Versuche mit den verschiedensten Snbstanzen sestgestellt, wie viel ein Kilo einer jeden im Wasser verliert, so ge- stallet sich die Rechnung sehr einfach. Die Krone des Hiero» habe z. B. 20 Kilo gewogen; hätte sie im Wasser ein Kilo verloren, also 19 gewogen, so wäre Archimedes sicher gewesen, daß sie aus lauterem Golde bestand. Hätte sie dagegen zwei Kilo verloren, also nur noch 13 Kilo gewogen, so hätte sie ebenso sicher ans bloßem Kupfer bestanden. Lag ihr Gewichtsverlust zwischen ein und zwei Kilo, so stieg ihr Gehalt an Kupfer in demselben Maße, wie ihr Gewichtsverlust ein Kilo überstieg; wäre das z. B. nur ein Zehntel gewesen, so hätte auch ein Zehntel des Ganzen ans Kupfer bestanden, die Krone wäre also auS 18 Kilo Gold und 2 Kilo Kupfer verfertigt gewesen; betrug der Gewichtsverlust fünf Zehntel, also ein halbes Kilo über eins, so ivar die Hälfte der Krone Kupfer, diese bestand dann also aus 10 Kilo Gold und 10 Kilo Kupfer ii. s. f. Wäre zu der Krone außer Gold und Knpser auch noch Silber verwendet ivorden, so hätte sich die Rechunng ein wenig komplizirter gestaltet, wäre aber immer»och leicht zu beivältigen gewesen. Man erkennt, daß die einfache Bestimmung dessen, ivas die Krone im Wasser an Geivicht verliert, ausreicht, um mit völliger Sicher- heit zu sagen, ivorans sie besteht. So hat diese älteste Be- stimmung des Gewichtsverlustes eines Körpers im Wasser schon dazu dienen müssen, einen etwaigen Betrug aufzudecken, fest- zustellen, ob ein Goldarbeiter etwa von dem ihm anverlrautcn Golde etwas unterschlagen hätte. Bis auf den heutigen Tag ist diese Benutzung des Geivichtsverlustes der Körper in Flüssig- keilen geblieben und an Bedeutung stelig gewachsen, und mancher Betrüger ist schon auf solche Weise ganz unverniuthel und überraschend für ihn enllarvt ivorden, und mag bittere Flüche gegen Archimedes zum Himmel cmporgeschickt haben, die jedoch dein Andenken des griechischen Weise» nichts schadeten. Unsere Milchplanlscher ivissen ein Lied von dieser'Anwendung der Wissenschaft zu singen. Da ein Körper in eine Flüssigkeit tauchend so viel an Gewicht verliert, alS er Flüssigkeit verdrängt, so wird bei einer schweren Flüssigkeit schon ein geringes Quantum soviel iviegen, wie der ganze Körper; derselbe kann dann nur wenig eintauchen irnd wird von der Flüssigkeit getragen; je leichter sie ist. um so tiefer wird er einsinken, ehe er schwimmt. Nun ist Milch ein ivenig schwerer als Wasser, mithin sinkt' ein Schwimmkörper, eine Glasröhre, die an eine mit etivas Quecksilber beschwerte Glaskugel angeblasen ist, in ihr elwas weniger weit ein, als in Wasser. Durch Zugießen von Wasser wird sie ver- hältnißmäßig leichter, so daß der Schwimmkörper, das sogenannte Galaktometer, etwas weiter einsinkt; geht das Einsinken über das zulässige Maß hinaus, ivas an einer Marke an der Röhre leicht er- kaiint werden kau», so ist die Milch zu leicht befunden und der Plantscher erkannt. Uebrigens spielt der Gewichtsverlust bei den Konstruktionen aller schwimmenden Körper eine bedeutende Rolle; obwohl das schwere Eisen im Wasser»utersinkt, kann man Schiffe aus Eisen verfertige», indem man einen großen Hohlraum mit Eisen umschließt, so daß beim Einsinken viel Wasser verdrängt und dadurch die schivere Masse getragen wird. Auch die Lust ist eine Flüssigkeit, ') 1 Kubikzentimeter Wasser wiegt ein Gramm. **) Die Zahlen sind nicht genau; doch kommt es daraus hier nicht an. für die vielfach ähnliche Gesetze gelten, wie für das Wasser; auch im Lnftineer verliert jeder jtörper von seinem eigene» Gewicht so- viel, als die verdrängte Lnsl wiegt. Deshalb steigen Körper, die leichter sind, als die umgebende Lust und die daher mehr Gewicht verlieren, als sie überhanpl habe», so lange in die Höhe, bis sie in der dünneren und leichteren Lust schweben; eine Thatsache, von der bei den Luftschiffen Gebrauch gemacht wird.— Lt. HUeines Fieuilletan. — Irrlichter. Slns Bremen schreibt man der„Weser-Ztg.": Trotz der geheimnißvollen Natur der Irrlichter und trotz des inehr- fach hervorgehobene» Mangels einer befriedigenden Erklärung ihrer Entstehung erhalte» wir bis in die jüngste Zeit hinein immer von neuem vereinzelte aber durchaus glaubhafte Zeugnisse für die Be- obachlung dieser Erscheinung, die man schon bereit war, als ein Produkt des reinen Aberglaubens hinzustellen. Gerade über den ans- gedehnten Moorboden der iveiteren Umgebung von Bremen scheinen die Verhältnisse der Bildung brennbarer und leicht entzündlicher Gase noch verhältnißmähig günstig zu sein, so dast sie hier hänsiger vorkommen als in anderen Gegenden Denischlands. Ein letzter Bericht ist von H. Höppner ans Freißenbüttel de» „Neuen Bl. für die Volkssch. d. Herzoglh. Bremen, Verden u. d. Ld. Hadeln" mitgetheilt. Der in B. bekannte Berichterstatter ging an einem trüben und regnerischen Novemberabend des Jahres 1896 von Bredbeck nach Freißenbüttel. Sein Weg führte ihn durch eine sumpfige, von einem Back; durchflösse»« Niederung. Ter Bach ivar überbrückt, und gleich hinter dem Steg beinerkie Höppner aus einer Wiese zwei bläuliche Flammen, deren Länge er ans etwa sechs Zentiineler schätzte. Er hielt sie sofort für Irrlichter und ging znr genaueren Beobachtnng in ihre unmittelbare Nähe. Sie schiene» über dem Erdboden zi» schwebe» und verbreiteten nur schwaches Licht. Nach ungefähr drei Minuten waren sie verschwunden, an anderen Stcllcn erschienen jedoch neue Flamme». Mehr als zwei sind gleichzeitig nicht gesehen worden. Vielsache Be- mühungen, sie an späteren Abenden aiif der erwähnten Wiese noch einmal anzutreffe», blieben erfolglos, doch soll es im gegen ivärtige» Winter von nenem versucht werden. Nach Angabe der Bewohner von Freißenbüttel sind in der Nähe, im Jammerthale, wiederholt Irrlichter bemerkt worden, aber Höppner konnte ihr Vorkommen an dieser Stelle bisher aus eigener Erfahrung nicht be- stätigen. Seine vorher angegebene Beschreibnng stimmt mit Bessel's Beobachtung im Amte Lilienlhal hinsichtlich der Farbe der Flamme und mit späteren Beobachlnngen im Olden- durger Nirchspiel Strückhausen soivie im Hadelcr Kanal hinsichtlich ihrer Größe und Daner gut überein, nur hat sie Bessel in ungleich größerer Zahl wahrgenommen.— Die Irrlichter bei Freißcnbültel sind wieder wie die meiste» übrigen aus sumpfigem Boden beobachtet, sie werden an einem Abend gesehen und nachher lange vergebens gcsncht. Alle Erfahrungen stimmen also darin überei», daß die an sich recht anfsällige Erscheinnng ebenso selten sei» muß, wie sie im höchsten Grade räthselhafl ist.— Kunst. — Die vom Kaiser ausgeschriebene e n g e r e K o n k nrr enz für die Ergänzung der tanzenden M ä n a d e zwischen den drei Preisträgern vom vorigen Jahre ist o h n e!>i e s n l t a t ge- blieben. Die Ausführung unterbleibt also.— Die Konkurrenz für die Ergänzung der Bronzestatue des Saburow'schen Knaben ans dem sünflen Jahrhnnderl v. Chr.. zu der 31 Ent- würfe eingegangen waren, hat ebenfalls nicht mit einem glatten Siegegeendel. Der Preis ist zwischen den Bildhauern Werner Begas, dem Sohne von Reinhold Begas, und P e t e r i ch ge- theill worden. Die beiden Künstler sollen zu einer engeren ft o n- k n r r e» z für dieselbe Aufgabe nm einen neuen Preis von 1000 M. veranlaßt werden.— Für den nächsten allgemeinen Welt- b- w e r b nm einen Preis von 1000 M. ist von dem Kaiser als Aufgabe die E r g ä n z n n g des unteren, vermuthlich von einem Gewände verhüllten Theils des in dem Heroensaale der Museen ausgestellten Torsos der Aphrodite bestimmt worden.— Kunstgewerbe. — o— Im Kunstsalo» von Keller und N e i n e r ist ein Bild zu sehen, das den Titel„Im Lande der Phantasie" trägt. Ans einem Blatte wird folgende Erklärung z» dem Bilde gegeben:„Unter dem Bilde hat man sich ein phantastisches Land zu denken, in dem Mensche», Thiere, Pflanzen, L»ft und Wasser, kurz alles anders ist, als bei uns. Einige der phantastischen Pflanzen sind auch als Ornament dargestellt, was gleichzeitig ei» ganz neues, ornamentales System bedeutet, das in keiner der seitherigen Stil- arte» vertreten ist. Denn die Ornamente aller Stilarten bestehen ans stilisirten Pflanze», eventuell mit frei hin- gestellten Thieren, mit Ausnahme der Renaissance, die Thiere und Pflanzenmotive zur phantastischen Thierform vereinigt. Das Neue dieser Ornamente besieht nun darin: Sie vereinigen Thier- und Pflanzenmotive zur phantastischen„Pflanze". Ebenso absonder- lich wie diese Erklärung ist das Bild: Ein rothcr Himmel glüht über Pflanzen, deren Blätter aus Händen nnd deren Blülhen aus Fratzen gebildet sind. Ein Tiaerniensch zerfleischt einen andern, dessen Adern ullramarinblaueS Blut entströmt. Das sind billige Effekte, die recht kurivs wirken. In den beigegcbenen Skizzen und Modellirniige» aber offenbart der Maler dieser Wnnderlichkeit, Hermann W i d»i e r, eine tüchtige dekorative Kraft. Das gilt namentlich dort, wo er seine zn Ausfällen geneigte Phantasie nicht zu üppig ins Kraut schießen läßt. Interessant sind: die Bliinien mit Froschgesichtern, die Vogelfeder zum Blatt stilisirt. Auch die menschliche Hand aiebt ihm verwendbare Formen, doch wirkt das Ohr-Or»ame»t sehr pknmp; am schöiiste» ist die Randleiste mit den verschlnngenen, zierliche» Vogelkrallen.— In der« selben Kunsthandlung sind ferner französische keramische Arbeiten zn sehen. Daß der Pariser Bi got mit seine» Teonwaaren bedeutende Erfolge erzielen konnte, ist nnr ans dem Ekel ,.'i, dem widerlichen Zuviel in alte» Stilen zu verstehen. Er verschmäht den Reiz der Farbe nnd des Ornamentes. Er kokeltirt mit einer raffinirlrn Einfach- heit. Seine Gesäße nnd Schalen sind graugelb wie die Ernüchternng »ach einem Rausch. In den Glasarbeiten von Gallo- Nancy ist schon eher französische Eleganz zn finden, die sich mit malerischer Tiefe paart. Sie wirken manchmal onixartig, denn von mehreren ver- schiedenfarbigen Glasschichlen ist die obere mit Stehenlassen moderner Blunienornainente abgeschliffen. Ans einzelne Gläser sind auch zier- liche Emailleblnnien getupft.— Die Erfolge, die viele Künstler mit ihren keramischen Arbeiten errangen, haben endlich auch unsere hiesige P o r z e l l a n- M a n u f a k t» r gedrängt, sich zu modernisire», der ansschließlichen Verwendnng des üppigen Rokoko und der strengen Empire zu entsagen. In den letzten Tagen standen in ihren Schau- fenstern am Leipziger Platz Vasen und Schalen, die mit Glasur in rothe» und blaue» Tönen überzogen waren. Durch Ineinander- schwininien beider Farben sind vielfache effektvolle Nnanccn erreicht worden.— Völkerkunde. b. Wie die Chinesen ihre Geschichte schreiben. Das chinesische Reich besitzt gerade so gnt seine Hof-Historiographen wie andere Reiche, nur mit einem bedentendeu nnd sehr bemerkeus- werthen NiiUrschiede. Diese Geschichtsschreibniig wird nämlich nicht früher veröffentlicht, als bis ein Kaisergeschlecht ausgestorben oder ans eine andere Weise durch ein neues ersetzt ist. Dadurch wird den Geschichtsschreibern die Möglichkeit gegeben, ungestraft und unparteiisch die Tugenden und Laster der verschiedenen Herrscher und die guten und schlimnien Ereignisse während ihrer Regierung aufzuzeichnen. Diese Einrichtung ist schon über ziveitausend Jahre all. denn die ersten solcher Geschichts- schreiber wurde» von dem Kaiserhanse der Hau ernannt, welches von 206 v. Chr. bis 25 n. Ch. regierte. Die Geschichtsschreiber haben alle Ereignisse von Bedeutung, die sich während ihrer Thätig- keit ereignen, ailfznzeichnen. Fedes ihrer Schriftstücke kommt gleich »ach der Niederschrift in eine eisenbcschlagene Truhe, die stets ge- schlössen ist. Erst bei der Thronbesteigung eines neuen Kaiserhauses wird die Kiste geöffnet nnd die angehäuften Dokumente werden dem dann lebenden Geschichtsschreiber ausgeliefert, der danach die Ge- schichte des vergangenen Kaiserhauses niederschreibt. Da die jetzige Dynastie seit dem Jahre 1611 herrscht, so sind seit dieser Zeit die Aufzeichnungen der Staatsgcschichtsschreiber noch nicht ver- öffentlichl.— Pllysiologisches. bt. Akkomodation bei Reptilien. In Pflüger'? „Archiv für die gesammle Physiologie" werden soeben von dem Wiener Physiologen Beer, der schon früher Nntersuchungen an Fisch- nnd Tinlensischaugen angestellt hat, die Resultate interessanter Messungen und Beobachtungen veröffentlicht, die er an den Augen von Reptilien vorgenommen hat. Das menschliche Auge ist be- kanullich unakkomodirt für die Ferne eingestellt, während es für die Einstcllting auf nahe Gegenstände aktomodiren mnß, was durch eine stärkere Krümmung geschieht. Die Augen der Fische dagegen, oder genauer nnd vorsichtiger gesprochen, derjenigen Fischarten, die Beer untersucht hat, soivie der sogenanntenTintenfische, zeigen sich in nor- malem Zustande als knrzsichtig. nnd die Thiere müssen für die Ferne akkoinodiren, was bei ihnen dadurch geschieht, daß sie die Linse etwas näher a» die Netzhaut deS Auges heranbringen. Jetzt hat nun Beer eine Reihe von Reptilien, und zwar eine große Zahl von Eidechsen, Schildkröten, Krokodilen nnd Schlange» nnterslicht und hierbei eine ähnliche Akkomodatio», wie beim Menschen gefnnde»; auch diese Thiere akkomodiren für die Nähe, und zwar— mit einer Ailsnahnle, der Schlange»— durch eine stärkere Krünnnnng der Linse. Uebrigens akkomodiren nicht alle Thiergalttingen einer Klasse gleichmäßig; schon bei seinen Untersuchungen über die Fischauge» ans der zoologischen Station zn Neapel war es Beer aufgefallen, daß die Haifische nnd Rochen gar keine Alkomodatio» zeigten, so daß er sich verwundert fragte, wozu diese Thiere überhaupt Auge» haben. Bei Tage liegen sie mit fest geschlossener Pupille»vie schlafend da, benehmen sich»vie blind und finden offenbar»»»r »vitternd die Fische,»nit denen sie gefüttert»verde». Bei Nacht aber, iveiin sie die Pupille»veit offen haben, können sie nichts sehen,»veil es sinstcr ist. Doch meint Beer, daß es in der Dämmerung nnd in der Meerestiefe selbst bei Nacht nicht absolut dunkel ist, so daß die Auge» auch da»och von Nutzen sind. Von den untersuchten Reptilien fand Beer bei de»» Krokodile», die ja auch Tags ruhen oder schlafen nnd die Nacht hindurch jage», nur eine sehr Mangel- hafte Akkomodation. Dasselbe ergab sich unler den Eidechsen bei dem Gecko, ebenfalls einem Nachtthiere. das sich am Tage sonnt oder schläft, und nachts ans kleine Reptilien und Insekte» Jagd macht. Es scheint also das Gesetz z» herrschen, daß bei vielen nächtlichen ober im Diinlcl» lebende» Thier«» in» Gegensatz zu ihren licht- mnnteren Verwandten die Akkomodation bedeutend zurücktritt und bisweilen auch völlig fehlt. Die merkwürdigste Entdeckung hat jedoch Beer bei seinen Be- obachtungen an Schlangenangen gemacht. Zlnch hier wurde bei de» eine nächtliche Lebensweise führenden Sandschlaugen, Riesen- schlangen»nd Vipern eine Akkomodalion nicht beobachtet. Die übrigen aber, die wie der Mensch für die Nähe akkomodire», zeigen eine» ganz absonderlichen Mechanismus hierfür. Während die Linse des menschlichen Auges bei der Akkomodation stärker gewölbt, die des Fischauges näher an die Netz- haut Hera» beweg' wird, wird die des Schlangenauges durch eine» eigenen Mnskelapparal etwas weiter von der Netzhaut entfernt; somit ist zu den beiden bis jetzt bekannten Arten der Akkomodation eine hätte getrete». Wie vorsichtig man übrigens mit der Verall- "Zmeinerung solcher Thalsachen sein muß, zeigen die erwähnte» Untersuchungen Beer's ebenfalls sehr deutlich. Während einige Schlangenarten gar nicht akkomodire», die meiste» aus die gefundene bisher noch nicht bekannte Art, hat Beer eine Art gesunde», die Würfelnatter, bei der die Akkomodation unzweifelhaft in derselben Weise, wie beim Menschen, also durch stärkere Krümmung der Linse erfolgt.— Gesundheitspflege. io. Wodurch entstehen Vergiftungen durch arsenikhaltige Tapeten? Einen interessanten Vortrag hielt kürzlich Thomas Bolas vor der Society of Arls in London über die Ursachen der Arsenikvergiftung durch Tapete». Die eigent- liche Ursache war bis vor ganz kurzer Zeit noch ein Geheimniß und erst die Untersuchungen von Costo und Emmerling habe» dieselbe aufgeklärt. Es scheint danach, daß der Arsenikgehalt nicht etwa direkt aus den menschlichen Organismus schädlich einwirkt, sondern erst unter dem Einfluß der Thätigkeit gewisser Pilzsorten, die man ge- wöhnlich in die Familie der Schimmelpilze(mucor mucedo) rechnet. Diese Pilze habe» nämlich die Eigenschaft, die in de» Tapeten ent- haltenen Arsennerbindungen zu ersetzen und einige flüchtige Pro- dickte daraus zu erzeugen, welche Arsenik enthalten. Diese flüchtigen Verbindungen, die sich nun der Zimmerluft miltheilen, sind höchst giftig, da sie direkt durch die Athmungsorgane den Organismus des Menschen angreifen. Eine sehr merkwürdige neue Thalsache ist, daß die gefährlichsten Tapeten gerade diejenigen sind, die blos«ine Spur von Arsenik enthalten, während eine größere Menge dieses GifteS die Schimmelpilze selbst an ihrer Thätigkeit verhindert be- ziehungsweise sie tödtet. Arsenige Säure ist nämlich schon in kleinen Mengen ein starkes Antiseptikum, das also auch für die Pilze gistig ist. Man kann daher annehmen, daß das Entfernen des Arsenik in flüchtiger Form auf das Bestreben dieser Pilze zurückzuführen ist, dieses Gift los zu werden. Wie kommt eigentlich der Arsenik in die Tapete hinein? Die Be- antwortung dieser Frage klingt für die Tapetenfabrikanten nicht gerade schmeichelhaft. Unter den Tapelenfarben spielt nämlich auch das arsenikhaltige Kupfergrün neben einigen anderen minder wesenl- lichen arsenikbaltigen Stoffen noch immer eine Rolle. Diese Farben sind aber sehr wohl durch andere gänzlich unschädliche Stoffe zu ersetzen, z. B. durch eine Verbindung von Kupfer und Borsäure, die um so mehr zu empfehlen ist, als Borsäure gegenwärtig sehr billig ist. Wenn daber auch die grüne Farbe wegen ihrer Beliebtheit und ihres ruhigen Tones in den Tapeien nicht entbehrt werden soll, so haben es die Fabrikanten doch vollkommen in der Hand, zu ihrer Erzeugung ganz unschädliche Stoffe zu verwenden.— Physikalisches. st. Ein Fortschritt in der Messung kleiner L n f t d r u ck s ch w a n k u n g e n. Ein Apparat, der auch die kleinsten Lnftdriickschwankungen zu beobachten gestaltet, ist von dem Physiker von Hefner-Altcneck konstrnirt worden. Derselbe ist im Prinzip der denkbar einfachste, da er nur aus einer Flasche besteht, welch« mit einem Glasrohr mit Skala in Verbindung steht, in welchem ei» Petroleumtropfen spielt. Da der Druck in der Flasche konstant ist, so unterliegt der Apparat nur äußeren Druck- schwankiingen, welche durch den Petrolenmlropfen angezeigt werden. Der Apparat ist so empfindlich, daß er schon bei ganz geringen Er- Hebungen, wie etwa die Erhebung vom Fußboden bis auf einen Tisch, die Abnahme des Luftdruckes mit der Höhe zu beobachten gestattet. Er läßt sich daher mit Erfolg verwenden, wenn man bei Gewittern oder Windböen, wo schnelle Lnftdrnckänderungen zu erfolgen pflegen, dieselben beobachten will.— Technisches. — D i e V e r w e n d u n g d e r K i e s e l g n h r. Di« anS den mikroskopischen Kieselsänrepanzern von Diatomeen bestehende Kiesel- guhr wird in Deutschland nameiitlich im Hannoverschen gewonnen. Ihre Verwendung ist sehr mannigfach und beruht auf ihrer feinen Zertheilung, die sie zu physikalischen und zu chemischen Zwecken geschickt macht. Sehr bekannt ist ihre Verwendung zum Aufsangen des Nitroglycerins im Dynamit, weniger die zum Aufsaugen anti- septischer Flüssigkeiten, Karbol und Formaldehyd, zur Filtration von Waffer und anderen Flüssigkeiten, z. B. schleimiger Zuckersäfte, Oelen, Spiritus, Wein ec. Der Landwirth gebraucht Kicselguhr zur Konsiftentniachung flüssiger Dungstoffe, Kompost zu bedecken und als Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Wiesen-Dünger ee. Die größten Mengen werden als Wärmeschntz- und als Schalldänipfungsmiltel verbraucht, also zum Jsoliren der Fußböden, Gewölbe und Fehlboden gegen Eindringen der Hitze, Kälte und zum Abschneiden des Schalles, Einschüttung der Eiskeller- wände, Wein- und Bierkeller, Markthallen, Eiswaggons, Eisschränke, Telephonzellen, Hohlwände der Eisenkonstriiktion. welche isolirt werden sollen; auch unter Kaminplattei» legt man Kieselguhr zum Schutze der Marmorplatte. Die Hohlwände der Backösen und Geldschränke werden ebenfalls mit Kieselguhr isolirt. Aus der kompakten Kiesel- guhr. die sich im Luhethale findet, stellt man Feueranzünder her, welche stets wieder benutzt werden können, indem man nur nölhig hat, sie immer nach Gebrauch wieder in Petroleum zu legen; ferner einen Löscher für Tinte, der mit bewunderungswürdiger Genauigkeit frische Schrift und selbst große Tintenflecke ablöscht. Kieselguhr ist serner ein gutes Putz- und Polirmitlel. In der chemischen Industrie wird er wegen seines Gehaltes an löslicher Kieselsäure in der Ultra- marin- und Wafferglasfabrikation verwendet.— Humoristisches. — M a r t e r l n- S p r ü ch e.(Aus dem Innthals Johannes Lämmerschütz abgstürtz Er hat sich mit sein Kraxeln Broch» beide Haxeln, Die Bratzeln a dazna, Mit dem war's no nit gnua: 's Gnack hat's ihm a verrenkt» Dös hat'n am meisten kränkt. Max Kalbfleisch, Börsianer aus der Wienerstadz sich hier verpurzelt hat. Wenn d' Akzien a g'fallen sein, Sie steig'» oft wieder in d' Heah, Aber a g'fallner Börsianer Der steigt Dir nimmeruieah. G'stieg'n sein wir bis zum Spitz I und der Schneidersritz. Die Anßnsicht ist prächtig gwösn, Z'erst hab'n mer Kas und Bulter gäffn, Glei dran an Purzegagl g'macht Da habn uns alle Knochen kracht, Der Hear gib uns die ewige Nnah, Vom Bergsteigen habn mer gnna. — So sind Sie. Er(beim Spazierengehen):„Hast Du die Dame eben bemerkt?"— Sie:„Du meinst doch die mir dem Sammtkleid, dem echten Biberpelzkragen, den Lackstiefelu, deu perl- grauen Handschuhen und dem Hut mit der Heliotroven-Gainitnr und den Rosa-Schleisen?— Nein, genau Hab' ich sie mir nicht angesehen— aber was wolltest Du mir von ihr sagen?"— — Der Schwerkranke. Smith fühlt sich während eines Gespräches mit Brown plötzlich unwohl', und beide suchen rasch die nächste Schnapsbude ans. „Heda, einen Tropfen Brandy für meinen Freund!" ruft Brown. „Nein", sagt Smith rasch,„eine ganze Flasche, mir ist viel schlechter, als Du glaubst."—(„Jugend.) Vermischtes vom Tage. — In Berlin hat sich eine Gesellschaft gebildet, die ein große» Terrain mit eigenen Brüchen von Lithographie- Steinen im K a u k a f u s erworben hat. Bisher hatte Solen- hosen in Bayer» das ausschließliche Monopol für diese Steine.— — Der Schoner„ B n j a v e", der mit Eisenbahnschwellen von Elbing nach Dänemark unterwegs war, ist auf der Höhe von Bohnsack gescheitert. Drei Mann der Besatzung sind er- trunken.— — In der Nacht zum Mittwoch wurde in München ein G e h e i m p o l i z i st ans offener Straße e r st o ch e n.— — In Athen und K o n st a n t i n o p e l ist mir Mittwoch starker Schneefall eingelreien. Auf dem Schwarzen Meer sind zahlreiche Schiffs Unfälle vorgekommen.— — Tomsk. 27. Januar. Im Gebiet- der Goldwäscherei „Spasso Preobrashenije" auf der Haide von Minnssinsk(Sibirien) wurde dieser Tage eine G o l d st u s e im Gewichte von 74'/« Pfund Reingold gefunden.— — Ans einem vor S h e e r n e ß(England) inanövrirenden Kanonenboote explodirte die Ladung eines Geschützes, ehe das Rohr verschlossen werde» konnte. Zwei Mann wurde» gc- tödtet, sechs verwundet.— — Auf dem Grund der Föhrde von Baltimore macht gegen- wärtig das unterseeische Boot Argonaut Probefahrten. Zwischen New-Iork und dem Boote konnte noch auf 12 Kilometer unterseeisch telephonische Verbindung hergestellt werden.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblatles erscheint Sonn- tag, den 30. Januar._ diu. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.