MnterHaltungsUatl des'Vorwärts Nr. 24. Donnerstag, den 3. Febrnar. 1898. (Nachdruck verbal-n.) 2i] AllkAgsleuke. Roman von Wilhelm Bteyer-Förster. Klara schrieb der Schwester einen rührenden Brief voll Liebe und Freude, der auch beantwortet wurde. Zu der Hochzeit wurde sie eingeladen, nicht aber ihr Mann. Sie zerriß die Karte und sagte Richard nichts davon. Allmälig wurde Frau Ohnesorge Klara'» Freundin. Sie drängte sich ihr auf, und ganz langsam wurde sie Klara un- entbehrlich. Die grenzenlose Einsamkeit war nicht zu ertragen, und Frau Ohnesorgc hatte eine nette Manier, die Leute zu unterhalten. Sie hatte vier Zimmer zu vermiethen, in denen Studenten wohnten. War Semester, so lebte sie in duloi jubüo, waren Ferien, so mußte sie krumm liegen und verwünschte dann alle Universitäten, Studenten und was damit zusammen- hängt. Da sie dieses schwankende Geschäft schon seit zivanzig Jahren betrieb, war sie mit der Studentenschaft und deren Gebräuchen vertraut und hatte eine Zeit lang den großen Plan, einen bürgerlichen Mittagstisch einzurichten. Sie be- suchte häufig das Theater und redete sich merkwürdigerweise ein, einer ziemlich hohen Bildungsstufe anzugehören. Klara gefiel ihr, und als sie hörte, daß die junge Frau eine Geheim- rathstochtcr und mit den berühmtesten Leuten verwandt sei, that sie alle ihre bisherigen Freundinnen in den Bann und schloß sich ganz an Klara. Sie ging mit ihr in die Markthalle, zeigte ihr die Behandlung der Wäsche und war ihr in vieler Weise nützlich, auch dann vor allem, als Klara ans das baldige Kommen eines Kindes hoffen durfte. Rathschläge für diese Lebenslage einer jungen Frau waren Frau Ohnesorge's Spezialität, obwohl sie selbst kinderlos war. Sie hatte darin allerhand komische und veraltete Ansichten, aber andererseits verfugte sie doch auch über viele praktische Erfahrungen und war für Klara in dieser Zeit ein rechter Trost. Es war trübe anzusehen, wie in der einsamen jungen Frau Todesahnungen aufstiegen. Einmal überkam sie eine große Sehnsucht, Eva's Grab zu besuchen, denn die war ihre einzige wahre Freundin gewesen, wenn diese Freundschaft auch nur so kurz gedauert und so schrecklich geendet hatte. Natür- lich suchte ihr Frau Ohnesorge diese lächerliche Idee anszn- reden, aber die sonst so schwache und nachgiebige Klara war in diesem Falle starrköpfig. Sie nahm Hut und Mantel und schlich sich leise hinan» nnd die Treppe hinab. Indessen wollte es der Zufall, daß Frau Ohnesorge auch eben auszugehen beabsichtigte, nnd da sie trotz ihrer Korpulenz und Kurzes eine außerordentliche Läuferin war, holte sie die hundert Schritt vor ihr gehende und nichtsahnende Klara bald ein. „Also doch nach dem Kirchhof?" Klara nickte. „Na, dann werde ich wenigstens mitgehen." Sie fuhren mit dem Omnibus eine weite Strecke nnd hatten noch ein Stück Weges zu marschiren. Ans dem Lärm nnd Trubel der Straße traten sie in den stillen Garten, wo die Tobten schlafen. Es war Frühling, und ein warmer Nachtregcn hatte alle Blütheu aus den Knospen gesprengt. Frau Ohnesorge wurde bewegt und poetisch. „Es ist unrecht," nieinte sie,„daß man so selten ans die Kirchhöfe geht. Erstens diese Natur und zweitens der Frieden. Man kommt da ordentlich in Stimmung. Ach Ohne- sorge!" Ohnesorgc lag auf einem anderen Friedhofe begraben, nnd seine Wittwe beschloß, morgen ihn zu besuchen und Blumen aus sein Grab zu bringen. Aber andern Tages war sie aus der Stimmung nnd schob den Besuch so oft hinaus, bis er schließlich vergessen war. Klara sagte nichts, ging still zwischen den Gräberreihen her und stand dann lange vor Eva's Ruhestätte. Schwer lagen noch immer die verdorrten Kränze auf dem Hügel, nnd Gras und Blumen suchten vergebens sich unter der häßlicheil Last ans Licht des Frühlings zu ringen. Zu Häupten stand ein Marmorkreuz mit goldener Inschrift und ringsum war ein kostbares Gilter gezogen. Frau Ohnesorge schwieg lange Zeit respektvoll und über- ließ die junge Frau ihren Betrachtimgcn, Erinnerungen lmd bangen Ahnungen. Schließlich wurde ihr bei aller Achtung die Sache aber doch langweilig und eine Art Zorn über ihre Gntmüthigkeit stieg in ihr auf. Sie verließen langsam den Friedhof, und Frau Ohnesorge schlug vor, nach diesem schönen nnd stinimungsvollen Gange eine Tasse Chokolade zu trinken, denn ihre Beine waren zwar rasch, aber etwas schwächlich und von dem langen Stehen angestrengt. Sie gingen in eine Konditorei, ivo Klara's Begleiterin die Fliegenden Blätter las nnd über das Kind mit der Katze so lachen mußte, daß der Kon- ditorjungc seine Glossen machte. Auch Klara nmßte über das komische Bild lächeln, nnd als man nachher durch die Straßen spazierte, alle Läden besah und Frau Ohnesorge vor jedem Schansenster die Betrachtung anstellte, welcher Gegenstand von ihr— wenn sie die freie Wahl hätte— ausgesucht werden würde, da verschwanden in der jungen Frau die trüben Ge- danken und sie war heiterer als sonst. Schließlich schlug ihre Begleiterin sogar vor, in ein billiges Theater zu gehen, ivo drei wunderhübsche Menschen am Reck turnten nild der beste Komiker von Berlin seine Witze zum besten gab— aber Klara lehnte das ab. Allmälig, je dunkler es ivurde, kamen die traurigen Gedanken zurück, und als sie zu Hause anlangten, bat sie Frail Ohnesorge, sie allein zu lassen, denn sie ivolle schlafen gehen, Sie steckte sich ihre kleine Lampe an, die nur wenig Petroleum verbrannte, und machte ein sentimentales Gedicht auf das Grab der Freundin. Es gelang nur halb; sie zerriß es, legte den Kopf auf den Tisch und weinte. Als ihr Mann spät in der Nacht heimkam, fand er Klara in dieser Stellung schlafend und die Lampe am Verlöschen. Er betrachtete sie einige Zeit. Das starke aschblonde Haar lag ans einem schmalen, blassen Gesichte, das in dieser für die Frau schwersten Zeit verfallen und elend erschien. In wenigen Monaten war sie alt geworden. Vorbei die hübschen Tage, wo Herr Richard in seinen Freistunden durch die Straßen spazieren nnd hochsliegende Ideen zimmern konnte, allen Mädchen unter die Hüte sehen und die Netteste sich aus- wählen durfte. An die da war er gebunden für Zeit des Lebens, nnd dieses ganze Trachten nach einer recht vornehmen Heirath hatte ihm nichts eingetragen als Aerger, Bersteckenspiel und eine mittellose verblühte Frau. Für die da quälte er sich, zerlief sich die Füße Treppe auf. Treppe ab und mußte, statt ruhig im Hotel zu schlafen, spät nachts nnd früh morgens noch den weiten Weg traben. Lediglich ihretwegen. Er>var sonst ein gutmüthiger Mensch, der nicht leicht ungerecht ivurde, aber er war doch nicht zartfühlend genug, um sich klar zu machen, daß in dieser Ehe das Laos der Frau das unendlich tranrigere sei. Er rüttelte sie nicht sehr sanft an der Schulter, sie fuhr auf und starrte ihn verschlafen an. „Na, Klara, was heißt denn das? Nachts zwölf Uhr nnd Dil noch nicht im Bett? Dazu die qualmende Lampe — nimm's mir nicht übel, aber das will ich nicht wieder." Sie wurde wach nnd sah ihn ängstlich an. „Und das Schlafzimmer nicht in Ordnung, kein Trink- wasser, kein Waschwasser— ja zum Kuckuck, soll ich denn nachts todlmüde noch Dienstmädchen spielen?!" Nein, das sollte er nicht. Sie lief in die Küche und holte Wasser und brachte alles schnell in Ordnung. Sie war in großer Angst, daß er noch weiter schelten würde, aber er knurrte nur halblaut vor sich hin. Nun faßte Klara Muth nnd trat zu ihm, lehnte sich an ihn nnd bat gleichsam stumm um Verzeihung für die kleine Nachlässigkeit. „Ja, ja, Klara, es ist ja gut. Aber ich muß schlafen gehen, ich bin müde zum Umfallen." Er küßte sie flüchtig und schlief bald ein. XVIII. Die Geheimräthin war nun einsam geworden. Ihre drei Kinder hatten gehcirathet, nnd der Zweck ihres Lebens war damit im Grunde genommen erfüllt. Sind die Mütter in diesem Stadium angelangt, so haben sie ihre Lebensaufgabe quasi durchgeführt, und alles, was nachher kommt, ist nur noch eine Art Hinvegctirxn. Schon der stereotype Kampf mit den Schwiegersöhnen zeigt an, daß die reifgewordenen Kinder die fernere Thätigkeit der Mutter für unnöthig halten, und wer wollte nicht erkennen, daß in diesem Ver- zweislungskanipf der als unnütz beiseite geschobenen Fran eine Tragik liegt? Sie hat mit ihrem Herzblut und un- endlicher Mühe das Kind geboren, genährt, auferzogen, und sie will das harte Naturgesetz nicht anerkennen, das nach gethaner Arbeit dem Individuum jede Berechtigung weiteren Eingreifens abspricht. Du hast Deine Schuldigkeit gethan, basta. Dank giebt es nicht. Die Gcheimräthin war indessen ein tapferer Haudegen, der nicht ohne �weiteres klein beigab, und sie eröffnete den Kampf sowohl mit Klaus' Frau als mit Hedwig's Gatten ohne Zagen. Ans Klara und deren Mann achtete sie natürlich in keiner Weise, die existirten für sie überhaupt nicht. Die einzelnen Phasen dieser Bataillen sollen hier nicht geschildert werden, denn im großen und ganzen sind die Schwiegermütterkämpfe wobl immer dieselben. Nur kam bei der Geheimräthin ein egoistisches Moment hinzu, nämlich ihre durchaus ungenügende Verpflegung und Lebensweise. Sie hatte auf Kosten ihrer Kinder eine mäßige Wohnung in der Hollmannstraße erhalten, aber stand dieses Loch in irgend welchem Verhältnisse zu edwig's eleganter Wohnung in Moabit, zu Klaus' Schweizer eise, zu den Diners, die ihr Schwiegersohn gab, und zu dem Pony ihrer Schwiegertochter? Die letztere stellte, wie früher schon angedeutet wurde, das Muster einer sparsamen Frau dar, und da sie acht Jahre mehr als Klaus und nur sechzehn Jahre weniger als die Geheimräthin zählte, so war sie rn keiner Weise durch ihre Schwiegermutter einzu- schüchtern und brachte derselben gewallige Niederlagen bei. Nach dreimonatlichem Kampfe räumte die Geheimräthin das Feld, schwur, Klaus und seine edle Frau nicht mehr zu kennen, und richtete nun die ganze Kraft ihres Angriffs auf Hedwig oder vielmehr deren Gatten. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Mariatherefie«' (Levantmer-) Thaler.'> Es gehört wohl zu den merkwürdigsten Phänomenen der ÄÜirlh'- schafts- und Münzgeschichte, daß die östlichen Mittelmcer- Länder, Arabien, Nord- und Zentralafrika von Oesterreich im vorigen Jahr- Hunderl ihre beliebteste Kouranlinünze, den Mariatheresien- oder Levantinerthaler erhielten und zum theil iwcb heule erhalten, ohne daß Oesterreich im Orienthandel jemals die erste Rolle gespielt hätte. Daß eine österreichische Silbermünze eine so hervorragende Stellung im Wellhandel gewinnen konnte, hängt mil den«igenthümlichen kommerziellen und miinzpolitischen Verhältnissen zufa, nuten, die in Europa und in der Levante um die Mitte des vorigen Jahrhunderts herrschten. Schon zur Zeit des römischen Kaiserreiches wurde die überaus aktive Handelsbilanz des Orients gegenüber den europäischen und Millelmecriändern durch ostwärts wandernde Sendungen von Münzen und Edelmelallbarren ausgeglichen. Von diesen ältesten Zeiten an bis zum Beginne des lS. Jahrhunderts vermochte der Occident die Luxusartikel und Spezereien des Orients nur mit wenigen anderen Waaren zn bezahlen, als mil gemünztem und im- gemünztem Gold und Silber. Im IS. Jahrhundert fand dieser Ausgleich der enropäisch-orientalischen Handelsbilanz zmn theil unter höchst eigenthümlichen Modalitäten statt. Die Kaufleute aus der Levante ließen sich die orientalischen Waaren mit enropäischeti Silbermünzen bezahlen. Diese Geldstücke lieferten sie mit Geivinn bei der türkischen Münzstätte in Konstantiiiopel ab. um daraus ge- ringhältige türkische Silbermünzen prägen zu lassen. Damals wandte Kaiserin Maria Theresia dem Münzwesen ihres Steiches besondere Aufmerksamkeit zu und sah es im Gegen- satze zu den meisten Fürsten der damaligen Zeil(besonders Friedrich dem Große») als Ehrensache an, auf möglichst genaue und den gesetzliche» Bestimmungen entsprechende Ausprägung zu dringen. Namentlich galten die Münzen des KonvcntionsfnßeS, die Thaler zu 2 Gulden, deren Ausprägung auf der Münzkonvention mit Bayern vom 21. September 1753 beruhte, als das Vertrauens- würdigste Silbergeld Mitteleuropa's. Es ist begreiflich, daß die Kaufleute ans der Levante zu der oben erwähnten Operation mit Vorliebe die österreichischen Thaler beuützlen, und daß diese in Massen über Venedig, Trieft, Marseille, Genua und Livorno:c. nach dem Orient gingen. Vis 1776 wurde der Thalerhandel von dem Vankhanse Fries in Wien und einem Augsburger Banken- konsortinm, die beide mit der österreichischen Regierung in einem Vertragsverhältnisse standen, betrieben. Diese Häuser beuteten aber durch ihr Monopol die orientalischen Kaufleute in arger Weise aus, indem sie de» Thalerpreis übermäßig hoch ansetzten, einzelne Ge- *) Aus der Wiener Wochenschrift„ N e u e R e o u e schäftsfreunde in willkürlicher Weise begünstigten und daS Verlangen stellten, de» Preis für die Thaler schon mehrere Wochen vor der Ab- lieferung zu erhalten. Hierdurch wurden die levantinischen Kanslen'le veranlaßt, anderen, minder bekannten und sicheren europäischen Münzen den Vorzug zn geben, und der Absatz der österreichischen Thaler ging stark zurück. Erst als die Regierung 1777 den Thalerhandel freigab und für jede», der Silber in die österreichischen Münzstätte» lieferte und den Schlagschatz zahlte, Ausprägungen vornehme» ließ, nahm der- Absatz der Thaler nach dem Orient wieder einen bedeutenden Anfschivung. Bei der vor Neuerungen zurückschreckende» Aengstlichkeit der orientalischen Kaufleule und Bevölkerung war es nur schwer möglich gewesen, die Thaler niit dem Bilde der Kaiserin im Wittwen» schleier, den sie nach dem 1765 erfolgten Tode ihres Gatten Franz trug, abzusetzen. Nach ihrem Tode blieb aber nichts anderes übrig, als die Thaler mit ihrem Bilde und der Jahreszahl 1786 weiter fort- zupräge». wie es noch heute geschieht, falls man auf ihren Absatz nach dem Orient nicht ganz verzichten wollte. Inzwischen war aber das Absatzgebiet bedeutend erweitert worden. Die Thaler galten nicht mehr blos als Handelsmünzen und rinschmelzbares Tiegelgnt. sondern knrsirten auch in der europäischen und asiatischen Türkei, in ganz Arabien, in den nordafrikanischen Barbareslenstaaten, ml- aufwärts in Bdefsynien und Zentralafrika, also in einem tm- geheuren Ländergediete, als allgemein beliebtes und angenommenes Kourantgeld. So wurden iu den 6 Jahren 1765— 1790 in den österreichischen und ungarische» Münzstätten 19 016 901 Stück Levantiner Thaler ausgeprägt, für die danialige Zeit eine ungeheuer große Summe. Wie lebhaft das Bedürsiiiß des Orienthaudels nach diesen Münzen war, erhellt daraus, daß selbst die ökouomisch-finanzielle Deronte Oesterreichs infolge der Reoolutions- und uapoleonischeu Kriege nur eine Verringerung, aber keine Sistirung ihrer Ausprägung dewirkril konnte. Die überraschende Thatsache. daß alle von Spanien und von italienischen Staaten unternommenen Versuche, ihren Silbermünzen im levantinischen und Miltelmeerhandel die Stellung des österreichi- scheu Mariatheresien- Thalers zu verschaffen, scheiterte», ist in folgender Weise zu erkläre»: Von alle» europäischen Silberinünzen war es allein den österreichischen gelungen, bis ins Innere von Afrika vorzudringen. Jene hatten nur an den Küsten zeitweilig Kours, während die Eingeborenen eines großen Theiles des afrikanischen Kontinents und des ganzen unabhängige» Arabiens seit jeher nur die Mariatheresien-Thaler kannteii und annahmen. Auch haben die sür einzelne afrikanische Kolonien(Erythräa. Deutsch-Ost- afrika, Senegambieit:c.) geprägten Münze» über die Grenzen ter- selben hinaus keine Zahlkrast, sind daher zur Vermittlung des Ver- kehres zwischen den einzelneu Kolonialgebieteu»utereinander nicht geeignet, während der Levantiner-Thaler überall gerne aiigenommen wird. England mußte bei seinem Feldzuge in Abessynien zur Sicher- slellnng der Verpflegung seiner Truppen im Wiener Hanptmünzamt« 1667— 1866 4 985 480 Stück Levantiner- Thaler ausprägen lassen. Von 1874 an stellten die Bemühunge» Egyptens, in den Sudan »nd iit die Aequatorialgebiele vorzudringen, die Steigernng des Handels zivischeu Tripolis und den Tsadseeländern, der unglückliche Feldziig Egyptens gegen Abessynie» im Jahre 1876, die Feldzüge der Engländer gegen die Mahdiften und endlich die ilalienisch- abessynischen Kämpfe seit 1887 große Aufordernngeu hinsichtlich der Ausprägung dieser Müuzsorte. Im ganzen wurden vom 1. Januar 1876 bis 30. November 1897 50 729 181 Stück Levauliner- Thaler ausgeprägt. Trotz der großen Rolle, welche der Mariatheresien-Thaler im kommerziellen Leben Westasieus, Nord- und Zeutralasrika's tiocki bis in unsere Tage hinein spielte, sind seine Aussichten für die Zukiinfr keine besonders ylänzeiideu. Innerhalb der habsburgischen Monarchie hat er seine Giitigkeit als gesetzliches Kourantgeld 1857 zugleich mit dem Aufhöre» der Konventionswährung verloren. Er gilt nur mehr als Handclsmünze; das gewinnreichc Privilegium seiner Ausprägung für den Bedarf des Handels hat sich Oesterreich in allen Ausgleichs- vereinbarlingen mit Ungarn und auch noch im Münz- und Währungs- vertrage über die Kronenwähriing von 1892 gesichert. Inzwischen war der Mariatheresien-Thaler anS Algier(und feit 1881 auch aus Tnnis) durch die französische Frankswährung verdrängt worden. Die energischste Bekämpfung desselben seitens der türkischen und egyptischen Regierung datirt erst seit dem rapiden Sturze des Silberpreises in den siebziger Jahren. Dieser ermöglichte es den Negierungen, so große Vorlheile aus der Ausprägung von Silberinünzen zu ziehen, daß die Türkei und Egypten den großen Münz- gewi»» lieber selbst beziehen, als der österreichischen Regierung über- lassen mollten. Man dari in diesem Zusammenhange nicht vergessen. daß Völker auf niederer Kulturstufe in weit geringerem Grade als die zivilisirten Nationen die Neigung eiiipfindeii, das Gold um soviel höher zn schätzen, als das Silber. In der Zeit vor dem Eilberstmze, als noch die lateinische Slelaliou zwischen Silber und Gold(1: löfy auf dem Weltmärkte in Kraft bestand, hielten die Bewohner Ära- biens, der Sahara und Zeutralasrika's noch an der Relation 1: 10 fest und nnterschritten sie ivohl gar. Seit den siebziger Jahren hat sich zwar die Schätzung des Silbers auch bei diesen Völkern ver» mindert, aber noch lange nicht in jenem Zliisinaßc, wie ans dem Weltmärkte. Seit 1833 hat die türkische Negiernng alle fremden Silber- münzen, also auch die Mariatheresien-Thaler, von der Annahme bei öffentlich«» Kassen und im Privatverkehre ausgeschlossen und 1394 sogar ein Einfuhrverbot für Silbermünzen erlassen, ohne aber damit in Tripolis und in den südarabischen Provinzen eine» durchschlagen- de« Erfolg zu erzielen. Die egyptiscke Regierung erließ 1688 ein Verbot der Annahme von Levanliner- Thalcru bei den Staalskassen und belegte sie 1895 sogar mit einem Werthzoll von 3 Prozent, so daß sie in dem unteregyptischen Verkehre überhaupt keine Rolle mehr spielen können. Die afrikanischen Gebiete, in rvelchen der Mariatheresien-Thaler noch eine belieble und gangbare Münze ist. liege» aber schon durchaus in den englischen, französischen, deutschen, italienischen Einflußsphären. Die Engländer rücken nilauf- und ab- wärts gegen Chartum vor. und begegnen sich mit Franzosen und Deutschen am zentralen Tsad-See. Italiener, Franzosen, Engländer und Deutsche sind bestrebt, ihren Handel und ihren politischen Einfluß von der Küste des Rothen Meeres und des Indische» Ozeans aus in der Richtung gegen Abessymen, die Galla- und Somaliländer und die Acquatorial-Seen zur Enlwickelung zu bringen. Daß im Zusammen- hange damit auch ihre Münzsystenie unter den dortigen Völlerschaften Verbreitung finde». und die Kolonialregieruuge» schließlich, gleich Egypten und der Türkei, durch allerlei Maßregeln de» Umlauf der Mariatherrsien- Thalcr zu unterbinden trachten werden, unterliegt keinem Zweifel. Die Meinung, daß diese Entwickelung, so unver- meidlich sie auch sein mag, noch Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nehme» wird, mag darin ihre Stütze finden, daß in dem seit 1890 in Englands Händen befindliche» Sansibar noch immer der Maria- theresien-Thaler die gangbarste Münze ist. So bleibt außerhalb des freien Arabiens nur»och der unabhängige Staat Abcssynien übrig, der vielleicht auch bei weiteren kulturelle» Fortschritten infolge euro- päischcr Einflüsse eine eigene Silberwährung der österreichischen Handelsmünze vorziehen wird.— Mloittes IieuMekott a. w. Ter Knabe mit dem Schwane. Auch ohne lex Heinze wird man mit der Kunst fertig; das zeigt das Schicksal einer schönen Brunnenfigur in der größten Stadt des frommen Oberschlesien, in Königshütte. Königshütte ist der Geburtsort des Bildhauers Kalide, der u. a. die bekannte schöne Springbrunnenfigur, einen Knaben mit einem Schwane darstellend, geschaffen hat, die man in vielen Städten Deutschlands findet. Das Original dieses Kunst- Werkes hatte der Künstler vor Jahren seiner Vaterstadt geschenkt, wo es den eines bildnerischen Schmuckes sehr bedürftigen Markt- platz zieren sollte und einige Zeit auch wirklich zierte. Aber den frommen ultramontaneu Stadlvätern ging das wider den Strich. Als sie wieder einmal gegenüber den Liberalen die Majorität halten, beschlossen sie. den Knaben mit dem Schwane„aus Sittlichkeits- gründen" zu entfern«». Zwar erbarmte sich ein Privatmann des armen nackten Burschen und erhielt auch die Erlaubniß, ihm in seinem Garte» ein Plätzchen einzuräumen, aber die prüden Frömin- linge vertrieben ihn auch von dort. Jetzt schlummert das Original jenes Kunstwerkes in der Rumpelkammer des ikönigshütter Rath- Hauses, es vielleicht ein kunstfrcundlicheres Stadtrcgiment ein- mal aus seinem Exil erlöst,— wenn das nicht etwa eine lex Heinze verbietet!— 'i— WaS kostet ein Telegramm nach Kiaotfchan? Die Worttaxe für ein Wort mit 1t) Buchstaben oder höchstens 3 Ziffern kostet nach Korea nicht weniger als 7,40 M., also für die Miudest- zahl von 10 Worten 74 M. Berücksichtigt man, daß diese Zahl oft nur zur genauen Bcstiminung der Adresse genügt, so wird man erklärlich finden, daß ein Depeschenwcchsel Deutschlands mit China an einem Tage über 8000 M. kostete. Die Telegramme gehen über London nach Amur, von wo aus sie nach Peking gelangen. Ei» in Berlin ansässiger Herr, dessen Sohn vor einige» Tage» in Kiaotschau mit der„Darmstadl" landete, hatte diesem am 29. v. Mls. zum Geburtstage telegraphisch gratnliren tvollen. Als er das nur 17 Worte zählende Telegramm- ablieferte, erklärte ihm der Beamte: das Telegramm kostet 12b M. 80 Pf., d. h. pro Wort genau 7 M. 40 Pf. Der Herr verzichtete unter diesen Um- ständen auf eine telegraphische Glückwunschsendnng. Bemerkt sei noch, daß gerade diese Kabellinie sehr häufig unterbrochen ist, und dann gehe» die Telegramme über Westindien, von wo aus sie durch Bermitlelung der deutschen Konsulate weiterbesördert werden, wenn es sich um amtliche Depeschen handelt. Hierbei sei»och erwähnt, daß die telegraphische Korrespondenz mit de» seiner Zeit vor Haiti liegenden Schiffen noch theurer war als die gegenivävtige»ach Kiaolschan. Denn nach Port-an-Prince kostete jedes Wort 8 M. 05 Pf. Rur so ist es auch erklärlich, daß dem Deutschen Reiche jener Depeschenwechsel annähernd 32 000 M. kostete.— Theater. — Die„Reue Freie Volksbühne" wird am nächsten Sonntag im„Friedrich Wilhelm städtischen Theater" Shakespeare'»„Lustige Weiber von Wiudsor" in einer neuen freien Ucberlragung und Bearbeitung zur Aufführung bringe».— — Max Halbe's Drama„Mutter Erde" hat bei der Erstaufführung am Residenz-Theater zu München große» Beifall gesunden.— Musik. — Das?lil torrecht des„Barbier v o u S e v i l l a". Der„Franks. Ztg." wird aus Rom berichtet: Der italienische Senat hat soeben das Gesetz genehmigt, durch welches die Ablauffrist des Autorrechts vom„Barbier von Sevilla" um zwei Jahre verlängert wird. Es handelt sich bei diesem Gesetze aber nur um die gesetzliche Bekräftigung eines königlichen Dekrets, das der ver- storbcne Handelsminister Barazzuoli im Jahre 189« erwirkt hatte, so daß die verlängerte Frist am 1«. Februar 1898 endigt. Darob sind nun die Bürger von P c s a r o stark entsetzt, denn das Rossini-Konservatorium, dessen Direktor augenblicklich Mascagni ist, erhält alle Tantiemen Rossini'scher Werke, und da der Staat nur 37 000 Lire jährlich für das Konservatorium ausgiebt, ist dessen Existenz nach dem 16. Februar bedroht. Jetzt schon beginnt daher eine lebhaste Agitation, um eine noch weitere Verlängerung des Tantiemebezugs zu erziele».— Aus de»» Thierlcben. — Ueber die Umfärbung der Vögel hielt Dr. Hain- roth unlängst einen Vortrag in der Deutschen Ornithol. Gesellschaft. Es ist bekannt, daß viele Vögel in der Jugend ganz anders gefärbt sind, als im Alter: auch zur Fortpflanzungszeit tragen viele Arten ein prächtigeres Kleid als in den übrige» Monate». Wie diese Umfärbnuge» vor sich gehen, darüber haben die Ornithologen seit fünfzig Jahren sehr viel geschrieben. Die verschiedensten Ansichten machten sich geltend, und kaum eine derselben blieb unwidersprochen. Die Vogclfeder besteht aus einem Schaft, der in der Haut steckt. Unten an demselben sitzen gewöhnlich einige Dauuenfederche», etwas höher setzt sich die Federfahne an. Diese setzt sich aus zahl- reichen, dicht neben einander liegenden Aeste» zusammen, welche wieder zweizeilig angeordnete Nebenstrahlen entsenden, aus denen abermals zartere Aeste zweiter Ordnung entspringen, und diese tragen gewöhnlich kleine Häkchen, durch deren Ineinander- greifen die Verfestigung der Fedcrfahne bewirkt wird. Jeder Strahl zweiter Ordnung besteht aus einer Mark- und einer Rindenschicht. Die Rindcnschicht ist gefärbt und zwar entweder roth oder gelb oder braun. Blaue oder grüne Färbung konnte der Vortragende nirgend- Ivo feststellen. Wo die Feder blau oder grün erscheint, da bewirken es Prismen von durchsichtigen Schirmzellen, welche durch ein feines oberes Häutchen bedeckt werden. Sie bewirken eine blaue Färbung durch Strahlenbrechung, wenn die obere Haut ungefärbt ist, und verursachen eine grüne Färbung, wenn die Oberhaut gelb ist. Durch die Hilfe des Direktors des Berliner Zoologischen Gartens, Dr. Heck, war es nach einem Bericht der„Vossischen Zeitung" dem Redner vergönnt, umfangreiche experimentelle Studien an Vögeln vorzunehmen, um zu untersuchen, auf welche Weise die Umfärbung vom Sommerkleide zum Winterkleide und vom einfachen Kleide zum Hochzeitskieide von statten geht. Die meisten Tagraubvögel haben ein besonderes Jugendklcid, manche Arten verbrauchen es rasch. andere trage» es sehr lange. Bei dem Sce-Adler kann man bc- obachte», wie der in der Jugend dunkle Schwanz allmälig heller wird, es entstehen weiße Flecke aus den dunklen Federn; diese ver- breiten sich mehr und mehr, und schließlich ist der ganze Schwanz weiß. Hier schien ein schöner Beweis für eine Umfärbung der Feder vorzuliegen. Es wurde aus mehreren Federn ein Stück der Fahne herausgeschuillen. Dadurch konnte festgestellt werden, daß die de- schädigten Federn nicht eher erneut werde», bis sie ausfallen. Der See-Adler erhält nach jeder Mauser andere, die elivas Heller sind als die vorher getragene Feder, und der weiße Schwanz des See-Adlers erhält erst noch mehreren Mausern seine reine Färbung, nachdem mehrere Zwischenklcider getragen worden sind. Bei den Gaukler- Adlern tntt nach dem braunen Jugendgefieder ein Zwischenkleid auf, in welchem zwischen den braunen Federn, halb verdeckt, schwarze Federn erscheinen. Es sieht dann so aus. als ob die schwarzen Federn einen braunen Rand hätten. Auch hier ist nicht Ver- särbung, sondern Mauser die wirkende Ursache. Sehr interessant sind die Umsärbungsverhältnisse bei den Singvögeln. Der Buchfink bekommt im Frühjahr eine leuchtende rothgraue Unterseite; diese entsteht dadurch, daß die grauen Spitzen der Feder- strahlen zweiter Ordnung, welche die rnbinrothen Strahlen erster Ordnung verdeckten, abgescheuert werden. Der Feuer- weder ist im Winter ungefähr wie ein Sperling gefärbt, im Sommer erhält er ein leuchtend rothcs Gefieder. Dieses wird nur durch Mauser hervorgebracht. Der Türkisvogel des Berliner Zoologischen Gartens hat dadurch eine gewisse Berühmtheit erlangt, daß er ei» scheinbar nnanfechlbares Beispiel für die Umfärbung darbot. Er sitzt in einem rings umschlossenen Glaskaste». Zum Winter legt er sein grasgrünes Gefieder ab und wird prächtig türkisblau. Nach den Aussagen des Wärters war niemals eine Feder im Bauer zu dieser Zeit gefunden worden, und es galt als sicher, daß hier eine Verfärbung vorlag, ohne daß eine einzige Feder gewechselt wurde. Der Vortragende hat den Vogel genau beobachtet und die voll- ständige Mauser nachgewiesen. Die blauen Federn find im Quer- schnitt ungefähr viermal breiler als die grünen Federn und haben eine ganz andere Struktur als diese.— Ans der Pfiauzeuwelt. --ss— Ueber die Verbreitung der Aepfel«nnd B i r n e n- A r t e n auf d e r E r d e hat Folguer eine interessante Untersuchung angestellt. In ihrer Mehrzahl sind diese Obstbäume in wildem Zustande Bewohner von Gebirgshäugen oder von hügeligem Gelände, viele ihrer Gattungen sind ganz auf die Gebirge beschränkt und es giebt keine einzige unter ihnen, die wildwachsend nur in der Ebene vorkäme. Mit wenigen Ausnahiuen sind die Nepfel- und Birnbäume Einwohner der nördliche» Hnlbkngel, nur zwei Arten greisen-ruf die südliche Halblngel hinüber. und eine einzige �Iailung(Hespsromelss) fommt nur ans der südliche» Halbkugel vor, nämlich im nördlichen Theile der südamerikanischen Cordilleren. Etwa der dritte Theil aller Gattungen, und zwar gerade die gewöhnlichsten und artenreichsten, wie unser gemeiner Apfelbanin(Malus), sind auf beiden Halb- kugeln, der östlichen wie der westlichen, heimisch, über die Hälfte der Gattungen sind ans die alte Welt beschränkt, nur drei von ihnen sind ausschließlich Kinder der neuen Welt. Das Festland von Australien und Afrika hat keine» einzigen einheimische» Apfelbaum, Afrika besitzt nur a» der Mittelmeerküste einige Arten, von denen eine diesem Platze eigenthümlich ist. Auch die Insel Madeira hat übrigens einen Apfelbaum, der nur auf ihr vorkommt. Auf der australischen Inselwelt ist ein Apfelbaum vorhanden, der bis nach Japan Verbreiter ist. Europa hat keine einzige Gattung dieser Obstbäume, die ausschließlich in seinem Gebiete vorkäme, unser Erd- theil theilt vielmehr den Besitz aller seiner Apfel- und Birn- Geschlechter mit Asien und dem mittelländischen Afrika. Asien da- gegen besitzt 5 Gattungen des Apfelbaums, die in Europa nicht vor- kommen.— Meteorologisches. — Ein Mo» dr egenbogen rvurde ain 30. Januar in Krems(Niederösterreich) beobachtet. Das interessante und schöne Schauspiel begann fünf Minute» vor 6 Uhr und dauerte beiläufig IS Minuten. Der Himmel war mit dünnen Wolken bedeckt, die rasch von Nordwest vor der Mondscheibe vorbeizogen. Der Bogen schloß sich bald zu einem farbenstrahlenden Kreise, in dem Orange besonders hervortrat, bald öffnete er sich wieder. Hie und da wurde auch ein Gegeuregenbogen, wenn auch nur schwach, sichtbar.— Geologisches. — Geologische Untersuchungen der preußischen O b e r l a u s i tz. In der letzten Sitzung der„Natursorschenden Gc« sellschast" zu Görlitz berichtete Dr. M o» k e über die bisherigen Er- gebnisse feiner geologische» Untersuchung der preußischen Oberlansitz. Dieselbe hat zunächst das Neiffethal zwischen Görlitz und der säch- fischen Grenze, die westlich sich anschließende Plateaulandschaft und das Jsergebirge betroffen. Das Neiffethal stellt in diesem Theile eine breite auS den» Granit ausgewaschene Rinne dar. in der terrassenförinig Schottermassen lageru, die durchweg erst nach Ablagernng der diluvialen Gletschermoräne entstanden sind. Die Plateaulandschaft im Westen wird mit Ausnahme der Kö»igshai»ler Berge von mittelkörnigem Lausitzer Granit, von Basalt und Drabas durchbrochen, gebildet, über den» sich mächtige diluviale Bildungen lagern, die ihrerseits»vieder von Löß Überdacht sind. Mit besonderem Interesse»vurden die Mit- theilungen aufgenommen,»velche Dr. Monke über seine Untersuchung des Jsergebirges inachte, die ganz neue Ergebnisse gehabt hat. Es hat sich nämlich ergebe», daß das Jsergebirge nicht,»vie man bisher annahm, aus Gneißschichten besteht, fanden» ans einem Granitmassiv, welches von den zentralin Theile»» nach der Peripherie zu einem allmäligen Uebergang von der porphyrischen und grobkörnige» Struktur zu einer feinkörnigen erkennen läßt. In geivissen Theile» des Jsergebirges ist dieser Granit dilrch spätere Druckeimvirknng mehr oder»veniger zu einen« gneißartigen Gesteine ausgeivalzt,»vo- durch die frühere Anschauilng von der Gneißnatnr dieser Gesteine veranlaßt ist. Ferner hat Dr. Monke festgestellt, daß der Granit des Riesengebirges ein»vesentlich jüngeres Alter besitzt, als der des Jsergebirges, und daß somit das Jsergebirge älter ist, als das Riesengebirge.— Technisches. gr. Die technischen Vers nchsan stalten zu Berlin- Charloltenburg haben im letzten Jahre verschiedene interessante Materialprüfuiigen vorgenommen. So»vnrden z. B. stählerne Kohlensäure-Flaschen durch eine»» Druck erprobt»»»d ver- schieden«» Fallversuche» untenvorfen. Die mit Gas gefüllten Kohlensäure-Flascheu aus Stahl ließ man aus einer Fallhöhe, die bis zu 4 Metern gesteigert»vurd«, ans Unterlagen von Roheisen-Barren herabfallen. Die Flasche» wurden zwar niehr oder»veniger eingebeult, aber zertrümmert iv»irde keine einzige. Die Lachgas-Flaschen für Zahnärzte dagegend erlitte» in vielen Fällen unter dem vor- geschriebene» Druck nicht unbedeutende Formveränderuugen. Die Abtheilung für Baumaterial-Prüfuna untersuchte mehrfach Erzeugnisse der Zementivaaren- Fabrikation. Boriviegend handelte es sich um U>»tersuch»lnge>, von Zementröhre»» auf Druckfestigkeit und auf Zusammensetzung des Betons. In einem Falle»vurde die Güte und das Mischungsverhältniß des Belons beziveifelt, die weitere Abnahme der betreffenden Lieferung»var daher einstiveilen untersagt worden. Die Versuche bestätigte» den Verdacht, denn es ergab sich, daß der Beton stark von Resten pflanzliche» nnd thierische» Ursprungs, voriviegend Schneckengehäuse», durchsetzt und augenscheinlich mit einem durch- aus ungeeigneten Kies hergestellt worden»var. Die Druckfestigkeit der aus diesem mangelhaste» Material hergestellten Zementröhren war daher sehr gering. ASbest pappe»vtlrde auf Glühverlust und auf Verhalten beim Glühen über ein Gasgebläse geprüft. Durch Verkohlnng der organischen Stoffe»vurde die Asbestpappe schivarz gefärbt, nahm dann aber»ach und nach ihre ursprüngliche»veiße •"•t— �--------------------- Farbe»vieder an. Die ausgeglühten Stellen dieser Pappe»varen allerdings»veniger biegsam,»Viesen aber dafür größere Dichtigkeit und Härte ans.— Hnnioristisches. — E i>» e H a n d ,v ä s ch t d i e a n d e r e. In einein belgischen Zuge sitzen zivei Herren einander gegenüber und niilerhalteu stch über das,»vas einen Reisende» zunächst angeht, Gepäck, Fahrkarten. Freigepäck, für»velches besondere Bestimmunge» gelten. Gelegentlich crivähnt der eine, er»nöchte einmal den Koffer des anderen messen, zieht auch ein Metermaß hervor und mißt.„Nun, der scheint ja 'n bische» eigenthümlich zu sein", denkt sich der ziveite Herr und meint, jener habe die seltene Liebhaberei, alle mögliche» Gegenstände zu messe». Da sagt der„Eigenthüinliche"; „Ihr Koffer ist 7»/2 Zentimeter zu lang und darf daher nicht als Freigepäck' im Wagen bleibe». Ich bin Eisenbahn- Inspektor und muß Sie i» eine Strafe von fünf Franken nehme». Wollen Sie»nir Ihren Namen angeben?" Nun war die Eigen- »hümlichkeit aufgeklärt nnd es hieß, die Sache nehmen,»vie sie lag. „Aber." sagte der Betroffene,„Sie erlauben mir doch nun»vohl einmal Ihren Maßstab, um selbst nachzumessen!"„Bitte..." Und nun sagte Nummer Zivei mit höflichem Lächeln:„Ich bin im königlichen Aichamt Direktor im Maßamte. Da Ihr Maßstab,»vie ich zu»»einem großen Bedauern sehe, nicht vorschriftsmäßig ab- gestempelt ist, hat erstens Ihre eben vorgenommene Messung keine gesetzliche Giltigkeit, nnd ziveitens bin ich leider genölhigt, Sie in eine Strafe von SV Franke» zu nehmen. Wollen Sie mir Ihren Namen angeben?"... An jenem Tage sprachen sie nicht»veiler.— — H o ch h i» a u s. A.:«Ich möchte doch ivissen,»voher der fette Streife»» an der Decke kommt?" B.:„Das»vissen Sie nicht? Haben Sie denn noch nicht bemerkt,»vie hoch unser Inspektor seine Nase trägt?"— — Unter Schauspielern.„Wann treffen»vir uns heute Abend?" „Um �,9 sterbe ich, dann kann ich kommen." „Ich erschieße mich erst um 3/4l0." „Also da»»»»in» 10 Uhr, aber bestimmt!"(„Lust. Bl") Vermischtes vom Tage. — Von S t u r»n- V e r h e e r u» g e n der letzten Tage»vird »veiter gemeldet: Der Dampfer„Hamburg", der gestern in Hamburg eintraf, hat fchiver gelitten. Der Kapitän»nd der erste Offizier sind schiver zu Schaden gekomnien. der z iv e i t e Offizier i st über Bord gespült, ein M a l r o s e er- schlagen»vorden.— In I ü t l a n d. L a l a» d F a l st e r hat der Orkan große Ueberschivemuiunge» nnd BerkehrsstSrnngen verursacht, viele Menschen sind vernnglnckt.— Ans dem Schwarzen Meere sind sieben Schiffe niit ziveihundert Mann zu gründe gegangen.— — In die Schnellzüge sind nach nenerer ministerieller Be- stimmung nur solche Fahrzeuge einzustellen, die im b e st e n Zustande sich befinden.— Das sollte doch selbstverständlich für alle Züge gelten!— — Auf der Weser bei Bremen sind an» Montag acht Hafenarbeiter, sämmtlich Familienväter, bei»» Uedersetzen ertrunken.— — In der Nähe von Jnsterburg stürzte sich eine G e- f a n g e u e a u s d e in Z u g e zum Fenster hinaus und blieb mit zerschmettertem Kopfe liegen.— — In» Riesengebirge ist infolge starken Regens Hoch- >v a s s e r eingetreten. Der Bober und der Zacken sind stark ge- stiegen und an einigen Stellen bereits über die Ufer getreten.— — Beim Brande eines Arbeiterhauses bei Wolfen- büttel stürzte die Brandmauer ei». Zivei Personen»vurde» ge- tödtet, eine lödtlich verletzt.— — Die lex Heinze»virst ihre Schatte» voraus! In Cleve »vurde ein Buchhändler durch den Bürgermeister veranlaßt, bei Ber- meidung einer Polizeiversügnng die Zeichnungen von Sascha Schneider aus den» Schaufenster zu entfernen.— — Die große Ortschaft B o r y s l a»v(Galizien) ist durch eine euersbrunst total eingeäschert»vorden. Mehr als hundert amilie» sind abdachlos.— — Der Römer Laurentis, der in Venedig bei der Finanzivache diente, versuchte in das Trienliner Gediel zu flüchten. Er t ö d t e t e mehrere vo» seine» ihn verfolgenden Kameraden,»vorauf er s i ch s e l b st e r s ch o ß.— — In Neapel haben Studenten das Lesezimmer der Universität gestürmt. Sie verlangen eine neue Prüfungsjnry.— — An staatlicher. und privater Unterstützung»vurde» für die Lindernng der H n» g e r s» o t h i>» I n d i e„ el»va S9 Millionen Mark ausgegeben.— — In N e>v- A o r k. B o st o n und den vi e>v- E n g l a n d- Staaten haben furchtbare S ch n e e st ü r m e gewüther. Der Verkehr ist zum theil gestört. An der Ne>v- England> Küste sollen 36 Person«», davon 33 Seeleute,»»»gekommen sein.— VkMtwortlichex Redakteur: August Jacobe«, in Berlin. Druck nnd Verlag von Max«ading in Berlin.