Anterhaltungsvlatt des vorwärts Nr. 29. Donnerstaq. den 10. Februar. 1898. (Nachdruck verboren.) 205 AllkÄgsleuke. Roman von Wilhelm Meyer-Forster. »Grüß ihn und vergiß nicht, ihm zu sagen, daß mein Junge ein Prachtbengel ist. Meiner Frau ginge es gut und sie nähre das Kind selbst." „Schön, bon, adieu." Er eilte nicht besonders und spielte in seinem Stammcafs an der Karlstraße erst noch zivei Partien Billard, wobei er vier Mark und die Billardkosten verlor. Dann machte er sich mißgelaunt auf den Weg. Wenn er sich die Sache recht überlegte, so war dieser Auf- trag nicht viel mehr und viel weniger als der eines Dienst- mannes. Ein jammervolles Dasei»! Erst vor dem Gcfängniß vergaß er seine schlechte Laune. Als er nach Herrn Kreiser fragte, wurde der unhöfliche Beamte am Thor plötzlich von nnsgcsnchter Artigkeit, musterte den Agenten wie ein fremdes Wnnderthier und führte ihn sogleich zu einem höheren Macht- haber. Auch der war von einer ganz unglaublichen, nie da- gewesenen Zuvorkommenheit und gab Anweisung, den Herrn in das Besuchzimmer zu führen, in dem Herr Kreiser gleich er- scheinen solle. Der Agent machte ein dummes und erstauntes Gesicht und kam zu dem Schlüsse, daß der alte Kreiser ein Muster- exemplar von Gefangenen sein müsse. Aber es war fast beängsti- gcnd für ihn, daß auch der Schreiber von seiner Arbeit auf- blickte und ihn wie ein seltenes Wesen betrachtete. Sollte er selbst vielleicht irgendwo, irgendwann etwas peccirt haben? Keines Menschen Gewissen ist absolut rein, und in der Höhle des Löwen wächst die Erinnerung an unvorsichtige Worte und unüberlegte Thaten riesengroß. Er war froh, als endlich die Thür aufging und der alte Kreiser erschien. Der Agent erinnerte sich seiner sehr wohl, da er wiederholt im Auftrage der Tante des Ateliers wegen mit ihm unterhandelt hatte, aber er fand, daß der Ex- photograph in seinem ganzen Dasein nie so brillant ausgesehen habe als jetzt. Nach einem immer bewegten und meist recht sorgenreicheu Leben waren dem die anderthalb Jahre Ruhe vor- trefflich bekommen. Die Nachricht, daß Aennchen gut auf- gehoben sei, habe ihm die letzte und einzige Sorge genommen, und kein Gefangener ergab sich je mit so gutem Humor, ja mit solcher Zufriedenheit in sein Loos. Er saun in der Ruhe über neue Erfindungen nach und wußte einen Pastor, der die Gefangenen bisweilen besuchte, für eine derscloen lebhaft zu interessiren. Es handelte sich darum, beim Druckersatze die gebräuchlichsten und am häufigsten vorkommenden Worte, wie »der, die, das, und, sie, er, nicht:c." in ganzer Form zu gießen, sodaß der Setzer zum Beispiel bei dem Warfe„nicht" statt fünf einzelnen Lettern sogleich das ganze Wort in den Satz fügen könnte. Der arme Pastor war von diesem Plane ganz begeistert, obivohl er von Trnckerlctteni und Schriftsorten keinen Schimmer hatte. Er besuchte zivecks näherer Besprechung Herrn Kreiser häufig und verwendete all seinen Einfluß darauf, daß der- selbe eine möglichst gute Behandlung erfuhr. In einer weichen Stunde machte Herr Lkreiser dem Pastor diese Idee zum Ge- schenk, der das aber nur zur Hälfte annahm und den Nutzen redlich zu theilen versprach. Der Pastor nahm dann in ver- schiedenen Ländern Patente darauf und verlor dabei einen beträchtlichen Theil seines kleinen Vermögens. Herr Kreiser war der nüchternste und anspruchsloseste Mensch von der Welt, so daß er hier mit allem zufrieden war und bei diesem netten und aufregungsfreieu Leben ordentlich rund und behäbig wurde. Er hätte sich vielleicht nimmer- mehr fortgesehnt, wenn ihm nicht gestern die unglaublichste Bolschaft gebracht worden wäre, die je durch Plötzensees Thore hereinwanderte. Es war ein Herr mit zwei Pferden vorgefahren, hatte sich dem Direktor vorgestellt, war von diesem in höchst eigener Person zu Herrn Kreiser geführt worden, hatte gefragt, ver- glichen, die Identität festgestellt und ihm darauf zunächst ein- mal die Eröffnung gemacht, daß Herrn Kreiser's Bruder am 17. Januar zu Jndependence, Iowa, U. S., gestorben sei. „Schreck, Ueberrajchung und Glück können ihn eventuell lödten", hatte der Direktor zu dem fremden Herrn liebevoll * warnend gesagt, und um diesen Fall zu verhindern, wandte der Fremde das Rezept au, tropfenweise seine Mittheilung vorzubringen. „Todt!" Herr Kreiser war bewegt. Dieser Taugenichts von Bruder hatte sich in Glück und Reichthnm drüben nie mehr um ihn gekümmert, aber der Photograph dachte an die ferne Zeit, wo sie zusammen Pläne schmiedeten und großartige Erfindungen vorbereiteten. Der Bruder hatte immer die Sahne abgeschöpft und ihn elend sitzen lassen, aber schließlich hatte Herr Kreiser ihn doch lieb gehabt. Er wischte sich eine Thräne ans dem Auge, und da die Herren, um diese Trauer zu ehren, eine Pause gemacht haben, so kam er jetzt dazu, sich erstaunt zu fragen, weshalb dieser Fall ihm so zeremoniös und großartig gemeldet wurde. Für gewöbnlich nahm man in Plötzeusee doch nicht gar so arge Rücksichten. Jedenfalls handelte es sich um die Erbschaft, um eine wahrscheinlich und hoffentlich gute Erbschaft, und er gab diesem Gedanken jetzt Ausdruck:„Mein Bruder hat wohl— hat wohl Geld hinterlassen?" „Stimmt," sagte der fremde Herr. „Biel?" Der Fremde strich nnt dem Aermel über seinen Zylinder- Hut und entgegnete vorsichtig:„Viel! Was heißt viel? Was für Leute wie Rothschild wenig ist, erscheint andern wahrscheinlich als viel und umgekehrt. Indessen, in diesem besonderen Falle würde ich sagen: Ja. Viel. Be- deutend." „Hm." Herr Kreiser wurde etwas blaß.„Für mich?" „Ganz recht. Da andere Erben nicht vorhanden sind." Hier konnte sich der Direktor, der das interessante Ge- sprach gespannt verfolgt hatte, nicht mehr halten und platzte heraus:„Fünf Millionen, baar." Und ach, wie liebevoll geleitete er den schivankenden, wankenden Herrn Kreiser nach der Bank an der Wand! Wie feierlich war die Stille, die nun folgte, und welch' rührendes Bild: Dieser einfache alte Herr in dem mageren Stübchen, grau gekleidet, ganz still, ganz schwach— ein Mann, der in zwei Monaten und drei Tagen nur noch von Austern und gutem altem Burgunder leben wird. Selbst der Fremde, Herr Seegert von der Deutschen Bank, empfand die eigenthümliche Stimmung dieser Szene und war etwas gerührt. Als die erste große Ueberraschung vorüber war, kam er auf das Geschäftliche eingehender zu sprechen: auf den Dollar- knrs, und daß man gut thue, einstweilen die amerikanischen Papiere nicht in europäische umzuwandeln, auf die Regelung der Hinterlassenschaft, Stempel, Steuer und was damit zu- sammenhängt. Natürlich sagte Herr Kreiser zu allem Ja und Amen, der Fremde schüttelte ihm die Hand, der Direktor hatte beim Hinausgehen einige freundliche ermunternde Worte— dann war Herr Krciser allein. Das heißt nur auf wenige Minuten. Der Wärter kam, der andere Wärter kam, alle Wärter kamen. Jeder wollte wissen, was loS gewesen sei, und jeder einzelne ivar dann sprachlos. Nie wurde jemand, soweit es die Verhältniffe erlaubten, mehr geehrt als an diesem und allen folgenden Tagen Herr Kreiser. Aß er heute eine Kote- lette mit Spargel oder nicht? Schlief er auf einem Feder- kissen oder nicht? Hatte er zu Abend ein Glas mit warmem Wasser vor sich stehen, oder was war sonst darin? Nein, alles das ist schwer zu beantworten, und er hat solche für Plötzensee unpassende Dinge vielleicht auch nur geträumt. Ganz zitternd und verwirrt schrieb er an seinen Sohn, und der Brief wurde auch sogleich freigegeben und zur Post befördert. Die ganze Nacht konnte Herr Kreiser nicht schlafen, ivas indessen auch Schuld des warmen Wassers sein mochte. Aber an stelle Richards war nun, wie gesagt, der Agent in Plötzensee erschienen und lcgitimirte sich dem Alten gegen- über durch dessen eigenen Brief. Sie saßen einander gegenüber, und Herr Kreiser sprach erst nicht. Er war betrübt, daß sein Sohn nicht selbst ge- kommen sei, denn mit einer ganz kindischen Freude hatte er dieser Szene entgegengesehen. Nun auf einmal, da er zu Reichthnm und Ehren gelangen sollte, hätte er seinen ihm längst fremd gewordenen Jungen an die Brust ziehen mögen und etwa sagen:„Siehst du, nun gehören wir wieder zu- sammen. Nun dürfen wir zusammengehören wie die reichen Leute und brauchen nicht mehr jeder seinen eigenen Weg mühsam zn suchen. Nun kann ich dich glücklich machen und laste dich nie mehr von mir." Die ganze vergessene Liebe war wach geworden, und bei all' dem vielen Gelde dachte er nur an Richard und Aennchen. Er hätte deutlicher schreiben sollen, aber gerade aus die Ueberraschung hatte er sich so sehr gefreut. Zu dem„armen, gefangenen" Vater kam Richard also nicht. Noch gestern hätte der Alte ihm das nicht im geringsten verübelt, denn schließlich hatte der Junge zn thun und keine Zeit übrig. Heule aber war dieses Nichtkommen der erste Wcrmnthstropfcn in den Becher des Glücks. Vielleicht macht der Rcichthum sentimental, und in dem Augenblicke, wo wir anfangen, Wohlthätcr spielen zu können, verlangen wir, daß die künftigen Empfänger unserer Gaben uns gerührt und höflich begegnen. Geben, sagt das Wort, ist seliger als Nehmen. Ganz recht. Denn der Geber spielt eine angenehme und große Nolle, die bis ins Herz hinein warm macht und eine außer- ordentliche Hochachtung vor uns selbst in uns erweckt. Das Nehmen hingegen ist nicht immer eine erfreuliche Sache und thnt oft sogar bitter weh. Man könnte darüber ein langes Kapitel schreiben, aber die Quintessenz dieser Weisheit ist bereits in dem anderen Worte zusammengefaßt, demzufolge die linke Hand nicht wissen soll, was die rechte thut. (Fortsetzung folgt) �oMofe N» dem bedeulenden Aufschwung, welchen alle Gebiete des Garlei, buueS i» de» letzte» drei Jahrzehuleu genonnuen tzabcn, ist die Blmneuzucht nicht a» letzter Stelle belheiligt. Das Gesamint- gebicl der Gärtnerei ist schon lange i» einem Geschäftsbetrieb gar nicht mehr zu bewältigen. Die früher überall vorhandenen viel- seitige» Gartenbau-Elablissemenls sind deshalb mehr und mehr verschwunden und an ihrer Stelle Spczialgärtnereicu zu hoher Blüthe gelangt. Die iulelligenlesteu Gärtner habe» sich Vorzugs- weise der schönen Gartenkunst, d. h. der Landschaftsgärlnerei, dann auch den Blumenknituren und dem Baumschulenbetrieb zn- gerveudet, und auf diese» Gcbielen hat sich der dcntsche Gartenbau mächtig entwickelt, während dem Gemüse und namentlich dem Obst- bau eine bessere Enlwickelnng zu wttnschc» wäre. Speziell Blumen- zilcht und Blninentreiberei sind in kurzer Zeit zn eiiier Bedeuluiig gelangt, die jedem, der sich nur fluchtig mit ihrem Eulwickelungs- gang beschäftigt, Beivuuderung abringen muß. Aus dem Gebiete der Bliimeiitreiberei haben die Gärtner die größten Hindernisse zu überwinden gehabt, sie halle» mit der Ungunst des deutschen Winters»nd mit der Konkurrenz gegen die von eine»! ewig sonnigen Himmel begüiistigle» Blnmenzüchter der Niviera und Oberitaliens zn käinpse». Ohne das künstliche Mittel eines Schutzzolles hat deutsche Intelligenz die scheinbar gewallige Konkurrenz des Südens fast völlig besiegt. I» diesem Winter haben die Jmporlblninen znm erstell Mal alle Bcdeutnng verloren, sie werden in den Großstädte» nur hier und da»och von Slraßeuhändler» angeboten, in den feinen Bluinengeschäften gelangen aber fast ausschließlich nur»och deutsche Schnillblumc» zur Berarbcitung, die sich durch Frische und Vollendung voriheilhafl von de» Juiporlblninen»aterscheiden. Jede Hausfrau, die Salon und Tafel mit frischen Blüthe» zn schninckeu pflegt, vermag die deutsche Blume von der Jmportblume sofort zu unterscheide». Die Ende Januar in Liegnitz abgehaltene ziveite Winter- Gartenban-Anssiellung hat den Tansenden. die sie besuchte», wieder einmal in treffender Weise gezeigt, wie artenreich die Pflanzen sind, die selbst der Gärtner in der Provinz Millen im Winter zn voller Florentfallnng bringen kann. Blüthe», die wir früher nur zu ganz bestiniinirn Zeilen sahen, die ost Symbole einzelner Monate wäre», wie Märzveilcheu und Maiglöckchen, sind jetzt Alltagsblninen geworden, der Flieder entfaltet während des ganzen Winters tansende von Blüthen in den Glashäusern und die Rose,„die Königin der Blüthen und des Gartens", läßt sich an jeden» Tag des Jahres mit Leichtigkeit frisch geschnitten bc- schaffen. In neuester Zeit nimmt die Blninentreiberei nach einer be- stimmteil Richlnng hin einen großen Aufschwung, dessen zukünftige Bedcntnng sich gegenwärtig noch gar nicht abschätzen läßt. Früher sind all die große» Erfolge in der Winterknltnr von Frühlings- und Soüimerblnmen in der Hauptsache durch Einwirkung hoher Wärme. erzielt worden. Im Laufe der Jahre hat man durch Pro- biren genau festgestellt, welche Pflanzen sich durch Einwirkung mehr oder weniger hoher Wärmegrade um ihren Winterschlaf be- trügen lassen. Diese Versuche ivare» keineswegs so einfacher Natur, wie es ans den ersten Blick scheinen könnte, da sich nicht nur die Vertreter einer einzelnen Pflanzengruppe, sondern auch die von «in und derselbe» Art abstammenden, oft sehr zahlreichen Sorten Aus der„ F r ei» k f ur t e r Z e i t»» g unter dem Einflüsse künstlicher Wärme höchst verschiedenartig ver« hallen. Eine Pflanze wächst, warm gestellt, gleichsam über Nacht und gelangt rasch z» herrlichem Flor, während eine andere nicht von der Stelle geht oder gar abstirbt. So unterscheidet man bei Hyazinthen, Tulpen, Azaleen und anderen früh, spät und gar nicht treibbare Sorten, nnler den Rosen giebt es auch nur wenige, die sich als Treibsorten eines guten Rufes erfreuen, und viele Pflanzen sind überhaupt erst nach sehr uniständlicher Vorkultnr treibbar. Manche Pflanze muß schon im Hochsommer durch ent» svrechende Behandlung vorzeitig zur Ruhe gebracht werden, damit sie sich im Winter dem zweifellos barbarischen Verfahren des Treibens unterziehen läßt. Frnhlingsbluinen im Winter sind uns seit Jahren alltägliche Erscheinungen, an»velchen wir uns zlvar iniine« und immer ivieder erfreuen, die wir aber nicht mehr als Absonderlichkeiten anstaune». Vom Oktober bis zum Mai gehören die lieblichen Maiglöckchen zu den häufigsten Blüthen des Blnmenmarktes, vom Sommer bis znm Herbste fehlten sie aber bisher, und es erregte deshalb nicht geringes Erstaunen, als sie zu diesen Jahreszeiten in den Groß- städten plötzlich auftauchte». So führte im August vorigen Jahres ans der großen Hamburger Gartenbau- Ülnsstellnng ein Handels- gärtner hunderte in vollem Flor stehende Maiblumen vor, die nn- gelheilte Beivundernng erregten. Die Erzielimg dieser Blüthen zu io ungewöhnlicher Jahreszeil wird durch ein Verfahren erreicht, das im direkten Gegensatz zur Bluinentreiberei steht, durch die künstliche Zurückhaltung. Die Treibkeinie der Maiblumen bleiben bis kurz vor Beginn der Frühlingsvegetation im Freien, dann aber»verde» sie in Eiskelter gebracht, wo sie sich gleichsam über den Stand der Jahreszeit himvegtänschen und bis znm Juli und Angnst in völliger Rnbe zurückhalten lassen. Holt man zu dieser Jahreszeit schließlich die Maiblumen hervor und bringt sie nnler Glas, so gelangt das lange zurückgehaltene Wachsthum init voller Macht zum Durchbruch, und in überaus kurzer Zeit stehen die Pflanze» bereits im Üppigsten Flor. Zu Berlin und Hamburg, wo Treibmniblumen zu vielen Millionen feldmäßig an- gebaut werde», ivird das Verfahren der künstliche» Zurückhaltung bereits im Grobe» ausgeübt, und die znrnckgehaltene» Maiblitinen bilde» als„Eiskeime" einen wichtige» Handelsartikel. Die künstliche Znrückhallnng der Pflanzen durch Eislagcrung, deren erste Versuche ichon vor Jahren ausgeübt wurden, hat sich eine Hamburger Firma vatentiren lassen. Neuerdings hat diese Firma einen Hanibnrger Maiblttmenzüchler, der gleichfalls„Eiskeime" anbot, wegen Nicht- beachtung der patentgesetzlichen Bestimmunge» verklagt und anderen Gärtnern Warnungen mit Klageandrohung zukommen lasse». Im erste» Termin ist die klägcrische Firma kostenpflichtig abgeiviese» worden; ein zweiter Termin findet am 22. d. Mis. statt. Die Geineindevorstände der Vierlande bei Hamburg haben sich jetzt der Sache ange»onnnen»nd bei den Gemeindeverlrelunge» Anträge ans Bewilligung von einem Fünftel der Kosten zu emei» jnristische» Gutachten behufs Nichtigkeits» erklärnng des Patentes ans die Konservirnug der Maiblnmenkenne durch Eislagernng gestellt. Es ist mit Sicherheit anznnehmen, daß die Nichtigkeitserklärung des Patentes ausgesprochen wird und eiir Knlturversahren, das für den Gartenbau von hohem Nutze» werden kann, nicht einer einzelne» Firma vorbehalte» bleibt, der doch be- tannt sei» mußte, daß dies Verfahre» versuchsiveise schon seit Jahren von den verschiedensten Firmen des In- und Auslandes ausgeübt wurde. Neben den Maiblinneu ist die künstliche Zurückhaltung bis jetzt mit größte»! Erfolg auch bei verschiedene» japanische» Uilienarte» durchgeführt worden. Die Zentralstelle» sür diese Art der Lilien- kultnr, durch ivelche die Blülhezeit der edlen Blume in de» Spätherbst und Winter verlegt ivird, sind Frankfurt a. M.. Gießen»nd Berlin. ES erregte nicht geringes Aufsehe», als im verflosseiie» Spätherbst plötzlich große Masse» von Lilienblnthen, die man bisher nur im Frühling und Sommer zu seben gewohnt war, ans dein Blnmeniiiarkl anftanchlen. In Süddenlschlaud waren es die Blüthen der prächtigen Lilie(Läliunr speciosmu) und ihrer Abarten, in Norddciitschland diejenigen der großen Goldbandlilie(l-rliuw arrratum), die bis in den Januar hinein den Blumenmarkt beherrschten. Die Ziviebcl» der erstgenannten Art kommen im Herbst aus Holland, diejenigen der letztgenannte» werden direkt aus Japan importirt. Tie Ziviebeln werden nicht sofort gepflanzt, sondern bis znm Frühling in kühlen Kellern ge- lagert, dann in Eiskeller gebracht, wo sie bis znm Juni verbleiben, ivorauf man sie einpflanzt, die bepflanzten Töpfe bis znm Eintritt frostiger Witterung im Freie» läßt und dann in heizbaren Treib» Häusern dicht nuter Glas ausstellt. In einer Gärtnerei in Gießen werden gegen 30 000 Lilienzwiebeln aus den Kühlröhren einer Kälte- Erzeugungs- Anlage zurückgehallen, theils an andere Gärtner, vorzugsweise nach Franksurl, verkaust, theils selbst zum Blühen ge- bracht. Als ich anfangs Dezember v. I. diese Gärtnerei besuchte, standen große Treibhäuser, gesüllt mit blühenden Lilien, deren ganzer Ertrag von einer Export-Blnmenhandlnng in Franksurt über« »ommen wurde. In den nächste» Jahre» werden zweifellos in der Znrückballnng schönblühender Psianze» noch weitere, ausgedehntere Versuche an- gestellt, die zu de» besten Erfolgen führen dürsten. Wir können es ja vielfach, vorzugsweise im Gebirge, beobachten, rvie der Eintritt deS Flores durch Temperatnrnnlerschicdc huiansgeschobeii wird. Der Frühling, der sich bei uns im. Thale schon früh im März, in milden Wintern wie dem gegenwärtigen schon jetzt im Februar meldet, steigt mir langsam auf die Berge. Wenn die Laubwalduiigen am Fuße der Alpenriesen schon in jungen, Grün prangen, herrscht in de» Regionen der Baumgrenze und höher hinauf noch liefer Winter. Wer im Juni und Juli Wanderungen im Hochgebirge unternimmt, der erlebt einen neuen Frühling; er steht dort vielfach die gleichen Blumen erblühen, die ihm im Thale bereits im Februar und März den Einzug des Lenzes verkündeten.— Max Hesdörffer. LUeinrs Isonillekon t. Wodurch tritt der Tod bei clektrischcu Schläge» ei»? Tiefe Frage wurde anläßlich der dauernden Vermehrung der Nu- glücksfälle durch den elektrischen Strom von zwei englischen Forschern, Oliver und Bolam, untersucht. Es deslaiideu bisher zwei verschiedene Ansichten über die eigentliche Todesursache. Der dekaunte französische Biologe Dr. illrsonval schreibt de» Tod dem plötzlichen Stillstände der Alhembeivegung zu, wäh« read die zweite Ansicht denselben ans die Aufhebung der Herzthätigleil zurückführt. Nach der Erscheinung der inneren Organe, wie sie bei einem durch die Elektrizität Erschlagenen gefunden werden, könnt« man an einen Tod durch Eisticken glauben, andere Erscheinungen aber deuten wieder darauf hin, daß die ilthmung nicht in erster Linie durch de» elektrischen Schlag betroffen wird. Zwischen diesen beiden Ansichten inußle nun durch Versuche entschieden werden, bei denen ein starker Wechsel- ström benutzt wurde. Das Ergebniß lautet dahin, daß der „elektrische Tod" durch den Stillstand der Herzbewegung erfolgt. Bei einigen Versuche» schien der Tod freilich durch eine gleichzeitige Aushebung der Athmung und der Herzthäligkeit einzutreten, in den meiste» Fälle» aber war es mit genüaender Deutlichkeit zu erkennen. daß das Herz das zuerst beeinflußle Organ war, denn die Athmung dauerte»och kurze Zeit regelmäßig fort, wurde dann unregel- mäßig und schivach, um schließlich aufzuhören. Es ist anzu» nehmen, daß nur bei sehr Hobe» Stromstärken das Herz und die Athmung gleichzeitig stillstehen. Niemals wurde ein Fall beobachlel, in welche», die Athmung früher ausgehört hätte als der Herzschlag. Aus diese» Versuchen folgt, daß ein Wiedererwecken aus einem Echeinlode nach elektrischen Schläge» weil schwieriger ist, als wen» die Todesursache von einer Athmungsstörung herrühren würde. Es ist übrigens zu bemerken, daß schon löllö von einem Amerikaner Lewis Jones ähnliche Versuche gemacht wurden, bei denen aber ein e.ektrischer Gleichstrom angewandt ivurde.— Aus Philadelphia wird gerade ein»lerkwiirdiger Todesfall dieser Art gemeldet. Em Mann balle sich bei Regeinvelter vor ein Schaufenster gestellt und zwar zu- fällig auf einen im Trolloir au-'ebrachtc'.l Eiseudeckel eines Keller- rauines. Der Siahlslock seines Regenschirms kam niil der Bogen- Imiipe über dem Fenster in Berührung, der Strom sprang über, und der Mau» war sofort lodt.— Literarisches. x d. Max B i t t r i ch, Neue S p r e e>v a l d- G e s ch i ch t e n. Leipzig, G. H. Meyer.— Vorerst muß anerkannt und festgestellt werden, daß der Verfasser ein kräftiges, gesundes Taleni ist und über eine urwüchsige Erzählergabe verfügt; dann werden die folgenden Zeile» weniger herb lhnge». Noch reicht seine Kraft jür die Höhe der Leidenschaft nicht aus. noch verwechselt er Eenlimentalität mit Poesie. Ueberall drängt sich die Silteuschilderung vor und läßt die Figuren in den Hintergrund treten, die Aussührung der Vorwürfe vernnchlSfstgen. So ist alles noch im lliohe» geblieben,„Erdgeruch" sogar vollkoiuinen mißluuge». Nur„Hero und Leander" hebt sich heraus; mich dünkt, noch ein paar kühne, kräftige Striche und es wäre zum Kunstwerk geworden.— — Von der großen Kant- Ausgabe, die die Berliner Akademie vorbereitet, sollen zunächst die beiden Bände veröffentlicht werde», die den Briefwechsel Kaut's umfassen. Diese beiden Bände werden die dritte Abtheilung dcS ganzen Werkes bilde»; die erste Abtheilimg wird in etwa S Bänden die Werke Kaut's enthalten, in der zweiten Abtheilung ivird ziiin ersten Mal vollständig der handschriftliche Nachlaß Kaut's geordnet nach sachlichen Gesichtspunkten in 5 bis 6 Bänden veröffentlicht weichen; in der vierte» endlich will die Akademie das Wissenswürdige aus Kaut's Vorlesungen in etiva 4 Bänden»ach den zahlreichen vorhandene» Nachschriften »litlheileit.-» Kunst. — hl. Im Kunflsalon von Keller und Reiner haben gegenwärtig die„Dachauer" eine Ansstellnng veranstaltet. L» d w i g D i l l, der bedeutendste unter ihnen und einer der besten deutschen Landschafter überhaupt, halte sich zuerst aus der Stadt zurückgezogen und in Dachau in der Nähe von München nieder- gelassen, um dort in stetem Verkehr mit der Natur ganz seiner Kunst zu leben. Ihm sind vier andere Maler gc- folgt. Dill ist bekannt geworden durch seine Bilder aus Venedig und Holland. In der Mnnchener Pinakothek hängt ein Bild von ihm aus Venedig, ein Kanal, über den eine Brücke führt. Es sind frische, volle Farben darin, ein tiefes Grün in dem Wasser, cur weiches, schönes Roth in den Steinen des Brückenbogens. In dem veränderten Milieu der Dachauer Gegend aber hat Dill's küust- -lerische Art große Wandlungen erfahren. Die Motive giebt ihm jetzt das„Dachauer Moos". Es ist ein Moorland, sanft gewellt; in den Gründen liegen die tiefbranne» Torfstiche und seichte Tümpel, stehen braungelbe«iid bläulich-weiße sumpfbltlmen, hie und da ein paar Baumgruppen, Föhren. Birken und Weiden. Dichte Dilustlnft, ein ewig graner Himmel lagert auf der Erde. Die Silhouette» dieser Bäume zerfließe» in dieser Luft, die färb- lichen Härten sind ausgelöst, ein feines Grau ist allen Farben bei- gemischt. Das sind die Elemente von Dill's Laudschafte». Die Luft schivebt in ihnen fühlbar um die Dinge und giebt ihnen einen zarten blaugrauen Ton. Er ivählt die Stim- mungen, in denen die Lust den stärksten Einfluß ans die'Farbe der Natur hat. die Abeiiddä»»»eru»g, wenn in die heriiiedersiukenden Schatten sich noch ein leises Rothgrau von» scheidenden Tage mischt, die Nebellaudschaflen, den Spätherbst und den scheidenden Winter mit seiner schwerseuchlen Luft und dem thaueuden Schnee. Es ist immer dieselbe Stimmung, die in diesen Bildern i» originellen Variationen wiederkehrt. Der Natur Dill's fehlt die feste Körperlichkeit; sie ist traumhast unwirklich, von einer einschmeichelnden melancholischen Poesie. Dill hat sich eine eigenartige Technik geschaffen. Er legi oft den Grund in Aquarell- färben uiid giebt mit ihnen den feuchten Schmelz der Dimstlust wieder, er bedient sich der weichen Töne des Pastells, um die duftigen verschivimmenden Linien der Baumkronen zu malen, und an eiiizetnen Stelle» setzt er erhöhte Lichter mit Teinperafarben auf. Charakteristisch für sei» Schaffen ist ferner sein Streben»ach Bild- -ivirkling. Die bloße charakteristische Wiedergabe einer Natur- stimmung genügt ihm nicht; er sucht durch eine bestimmte Anordnung der Zeichnung und feste Gliederung der Farbe». die sich in der Regel»in einen dominirenden Farbenton in feinen Abstnfungen grnppiren, ein abgerundetes Bild zu kom- poniren.— Man könnte sich darüber wundern, daß sich der färben- frohe Arthur L a n g h a»r in e r, dem es früher so viel Vergnügen gemacht hat, die Versuchungen der armen Mönche humorvoll zu schildern, Dill angeschlossen hat. Eins der ausgestellten Bilder, „Odysseus begegnet Nnnsikaa", zeigt noch die ältere Art. In seinen neuen Bildern ist er härter in der Farbe und kräftiger in der Zeichnung, aber ohne die eindringende Tiefe Dill's. Adolf H ö l z e l. der auch Dill's Schüler ist, ist ungünstig vertreten. Hugo König hat schöne Bilder in volleren Farben gesandt, aber rs fehlt ihm wie Friy von Uhde bisher die innere Beziehung zu der Kunst Dill'S oder der Natur Dachau's.— — L e i st i k o w' s Gemälde„Abenddämmerung an einem Grnnewnldsee" ist von dem städtischen Museum r» M a g d e- bürg für 3n e r i k a die gefährlichen Schildläuse bekämpft, darüber hat der„Prometheus" unlängst folgendes mitgetheilt: Die Regierung Kaliforniens halte 1891. die Summe von SOOl) Dollars ausgeworfen, um einen jungen Naturforscher nach Australien und Neuseeland zu dem Zwecke zu sende», damit er dort die Frage stndire, durch welche Insekten die dort sehr verbreiteten Schildläuse der Bäume in beständiger Minderzahl erhalten ipürden, während sie in Kalifornien alle Kulturen, namentlich die großartigen Orangenaupflanzungen zu vernichten drohten. Herr Albert Köbete, der bereits eine» Marien- käfer(Veckalia cardinalis) ans Australien eingeführt hatte, durch den der Orangenbaum in den West- und Cüdstaaten vor sicherer Bernichtinig bewahrt wurde, übernahm die Aufgabe, die dahin ging, besonders die Feinde der schwarzen, rolhen und der San Jose�Schild- laus zu studire», und sandte in, Laufe des Jahres gegen L0000 lebende Jnseklen, namentlich Marienkäfer(Coccinelliden). nach Kalifornien. Von ihnen haben sich fünf Arten gehalten; drei davon haben sich sehr üppig in den Frnchtgnrteu vermehrt, während die anderen für den praktischen Nutzen verschwunden sind. Als wichtigste neue Ein- fiihrung stellten sich ferner der kleine ßhizobius ventralis»nd zwei noch kleinere Arten derselben Käfergatlung(Hb. debilis und Eh. toowoombae) dar, die allen drei oben erwähnten Echildläusen, am meisten der schwarzen, nachstellen. Ehizobius ventralis hat sich leicht eingewöhnt und ist in ungeheuren Zahlen über die Vereinigleu Staaten verbreitet worden, 30—40 000 Stück allein über Süd- kalifornien. Man hat das Räuchern und Besprengen der heim- gesuchten Banmstämm« ganz aufgeben müssen, weil es sich für die Käfer verhängnisvoll erwies; dennoch ist die gefurchtere schivarze Schildlaus streckenweise ganz ausgerottet.— Ans der Pflauzentvclt. — Die berühmte„Harfe", die bisher in dem Forstrevier So Mine ran bei Zittau stand und zur Sonnnerzeit von tansendeu das Oberlausitzer Gebirge besuchenden Touristen aufgesucht und be- wundert wurde, ist dem letzten gropen Sturm zum Opfer gefallen. Die mächtige Tanne, in deren gebogenem Stamm sieben kleinere Bäume wurzelten und ihre Wipfel kerzengerade in die Höbe reckte», war schon seit Jahren abgestorben und ziemlich morsch.— Die Natur- seltenheit war gewiö viele» unseren Lesern durch Jllustratioueil ver- schiedener Fainilieublätter bekannt.— Astro»oinisches. — Zu sehr interessante» Ergebnisse» über die Entfernung und Größe der hellen Sterne des Himmels- wagens, oder des g r o ß e n B ä r e n. die jetzt den nordöstlichen Himmel schmücke», hat eine Studie geführt, die F. Höffler in Zürich jüngst in den„Astrou. Nachr." gegeben hat. Sieht man von dem ersten und den, letzten der hellen Bärensterne, a und rf ab, so zeige» die hellen Glieder dieses ausgedehnten Sternbildes so nahe iiber- einstimmende Bewegunge» an der Himmelskugel, daß man ver- muthe» konnte, diese weite Gruppe Heller Sterne bilde ein physisches Wellsystem, das durch eine gemeinschaftliche Ursache durch den Welt- räum bewegt werde. Diese Äermuthung wurde neuerlich durch die spektrographische Beobachtung bestätigt, wonach sich die vier hellste» der genannlen süns Bärensterne auch in der Richtung unserer Ge- sichlslinie in demselben Sinne nnd mit derselben Geschwindig- keit(ca. 30 Kilometer in der Sekunde) gemeinschaftlich fortbewege». Die Richtung der Bewegung dieser Sterne in der Eesichtslinie ist auf uns gezielt, sie verringert also die Entfernung dieser helle» Sterne(sämmtlich zweiter Größe) von uns in jeder Sekunde um ea. 30 Kilometer oder um LH, Sonnenfernen im Jahre; die ge- meinschaftliche seitliche Bewegung dieser Sterne im Räume beträgt dann 92/3 Sonnenfernen. Der riesige» Geschwindigkeit, mit der sich uns diese hellen Bärensterne fortwährend nähern, steht aber ihre jetzige ungeheuere Entfernung gegenüber. Sie beträgt nach Höffler's Rechnung IL'/e Millionen Sonnenfernen, so daß unser engeres Weltsystem Sonne— Erde von jenen Sternen gesehen, n»r unter dem minimalen Winkel von>/«v Bogensekunde erscheinen würde. Das sind so unfaßbar große Entfernungen, das selbst das Licht dieser Sterne immer erst nach mehrere» Menschen- altern unsere Erde erreicht. Zweihundert Jahre braucht nämlich das Licht, um von jenen hellen Sternen zu uns zu gelangen, und wir sehen sie daher jetzt in dem Zustande, in dem sie sich vor zwei Jahrhunderten befunden haben.'Auch die Größe dieser Sterne ist, selbst im Vergleich zu unserer Sonne und dem noch zwanzig Mal größeren Stern Sirius eine ungeheure. Sie ergiebt sich nämlich als das vierzigfache von der Größe des Sirius (der hellste jetzt am Abendhimmel sichtbare, dem Orion folgende Stern). Ungeheuer, auch im Vergleich zu andere» Slernensystemen, ergiebt sich aber auch die Enlferuung dieser gemeinschaftlich den Raum durcheilenden Sterne untereinander. Die beiden äußeren Glieder des Systems, die Sterne ß und Q, stehen selbst 4 Millionen Sonnenfernen von einander ab, oder ihre Entsernung von einander crrreicht nahe ein Drittel ihres Abstandes von uns. Zwei Menschen- alter braucht also selbst das Licht, um von dem einen dieser Sterne nach dem anderen zu gelangen, und dennoch werden sie durch eine unbekannte, gemeinschaftliche Kraft mit jener ungeheure» Geschwindigkeit nach derselben Liichtung durch den Weltraum ge- trieben.— Technisches. — Der Z e r o g r a p h. In den letzten Wochen haben im Telegraphie-Jngenieurbureau des Reichs- Postamts eingehende Ver- suche mit einem von dem Ingenieur Leo Kamm erfundenen neuen Apparat, dem Zerographen, stattgefunden, welche überraschende Re- sultate ergeben haben. Der Apparat ähnelt einer Schreibmaschine. unterscheidet sich aber von allen bestehenden Telegraphen-Apparaten dadurch, daß er vollständig automalisch arbeitet und keinerlei Be- dienung erfordert. Der Synchronismus ist automatisch, irgend welches Uhrwerk ist am'Apparat nicht vorhanden. Die Tragweite der Erfindung ist ohne weiteres klar. Die Reichs-Posttelegraphie oder jeder Privattheil- Haber kann Depeschen in jedem Augenblick übermitteln, ohne daß an der Verantwortlicher Redakteur: August Jacobet, in B empfangende» Stelle jemand zur Bedienung des Apparates an wesend zu sei» braucht. Eine weitere überaus wichtig« Eigenschaft des Zerographen ist es, daß er an jede Telephonleitung ein- geschaltet werden kann, ohne daß der Telephoubetrieb irgendwie beemträchtigt wird. Die Versuche, welche auf dem Telegraphen- Ingenieur- Bureau angestellt wurden, sind höchst eingehender Natur gewesen. Die'Apparate sind zunächst auf kurzen Distanzen, dann auf einer Schleisenlinie von 180 Kilometer Länge, und zwar mit einer Stromstärke von nur 20 Bolls mit hohen Widersländen gearbeitet worden. Bei der Einschaltung in das Berliner Telephonnetz find Widerstände von SOO Ohm verwandt worden. Der Zerograph ist ei» Typendruck-Apparat von denkbar einfachster Konnniktio» und von großer Widerstandsfähigkeit. Seine Bedienung erfordert für die Uebermitlelung der Depeschen keinerlei Vorbildung, kann vielmehr von jedem, der das Alphabet kennt, vor- genommen werden. Der empfangende Apparat bedarf gar keiner Bedienung. Ii» übrigen mag noch auf etivas hingewiesen werden, was vielleicht von allergrößter Bedeutung für die Zukunft sein wird. Der Zerograph ist für die Funkenteleqraphie, das heißt, für die Telegraphie ohne Draht brauchbar.— Die vorstehende Notiz beruht auf Mittheilungen des Erfinders. In wieweit sich seine Träume erfüllen werde», muß abgeivartet werden. Ei» ähnlicher Apparat wurde vor ungefähr einem halben Jahre in Berlin gezeigt. Das Geschrei war gerade so groß, und Hintennach war es— rein nichts.— Humoristisches. — Salomonisches Urtheil.„Ist Radeln in jedem Falle gesund, Herr Doktor?" „Nein?" „Und in welchem Falle ist es schädlich?" „In dem Falle, gnädiges Fräulein, bei welchem man die Knoche» bricht."—. — Zerstreut. Professor:„Warum kommt Ihr Vater nicht selbst?"— Schüler:„Mein Vater ist lodt, Herr Pro- fessor!"— Professor:„Nun, dann Ihre Mutter?"— Schüler:„Die ist auch schon lodt."— Professor:„So, so, — dann haben Sie wohl gar keine Eltern mehr?"— („Lust, ffll.") — Splitter. Wenn sich eine Dame etwas Neues auf de n Kopf setzt, setzt sich's die andere gleich in de» Kops.— Vermischtes vom Tage. — Zil Maurern wollte der Staatssekretär des AnSivärtigeu in feiner vorgestrigen Rede die M a k k a d ä e r machen. Er erzählte von ihnen, sie hätten in der einen Hand die Kelle, in der aiwereu die Waffen gehabt. Herr von Bülow hat sich da geirrt. Die so lbatc», das ivaren E s r a nnd seine Leute und sie lebten mchrcre hundert Jahre vor de» Makkabäer». Die Makkabäer waren tüchtige Ranfer, aber gemauert haben sie»ie.— y. I» dem Dorfe Weinböhla bei Dresden begoß sich eine junge Fran nach einem ehelichen Zwist mit Petroleum und verbrannte sich unter dem Fenster des Arbeitszimmers ihres Mannes.— — In Groß-Sisbeck(Brannschweig) hat eine Magd ihr heimlich geborenes Kind verbrannt. Sie soll schon früher ei» Kind in einen Düngerhauseu vergraben haben.— — Ein Turnverein in St. Ingbert wollte ein Stück ausführen, in dem e i n S t» d e n t e l n M ä d ch e n küßt. Au dieser schrecklichen Unsittlichkeit aber nahm der Herr Kaplan bei der Probe'Anstoß nnd suchte die Aufführung auf alle mögliche Weise zu hintertreiben. Mau stelle sich die Frende in der Hülle vor, als ihm das nicht gelaug!— — Das Kabel von Emden nach V i g o ist unterbrochen. Die Fehlcrstelle ist vermuthlich im Kanal; das Kabel ist wahrscheinlich durch einen schleppenden'Anker eineS in Sturmes- noth befindlichen Schiffes zerrissen worden.— — I» Rußland wird beabsichtigt, als Unterrichtsgegenstand für Mittelschule» G e s u» d h e i t s l e h r e eiuzustihreu. Ein zu diesem Zweck ausgearbeiteter Plan ist bereits mehreren Anstallen zur Begutachtung nnd Erprobung zugegangen. — Ein 98 j ä h r i g e r Muselmann in T r a p e z u n t, der von seiner 70jährigeu Frau getrennt lebt, verliebte sich in diejugeud- liche Gaiti» feines Nnchbars. Als diese idu nicht erhörte, suchie er sich mit seiner Fran zu versöhnen, wurde aber auch hier abgewiesen. Hin sich zu rächen, ermordete er sie beide. — In Peking wird die Errichtung einer Universität geplant mit zehn Fakultäten: Astronomie und Mathematik, Erd> kniid«, Philosophie und Religion, Politik, Literatur und fremde Sprachen, Kriegs- und Marinewesen, Landwirthschast, Technologie, Handelswefe», Medizin.— — In den nördlichen Distrikte» von Argentinien wurden durch Erdstöße viele Gebäude zerstört. Tausende sind obdach- los.—__ rki». Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.