Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 49. Doimerstlig, den 10. März. 1898. vie Menschen. Sie sitzen, geben, sprechen, rauchen und trinken. Das alles ist nichts Außer- geivöhnliches. Zwar fällt hie und da ein schiefer Blick ans ihn. Nun, was bedeutet das? Ist er doch du Fremder, heute zum ersten Mal in ihrer Gesellschaft, was Wund er also, daß sie ihn betrachten. Es mag wohl etwas taktlos sein, aber es ist doch nichts schreckliches dabei! Sie halten sich ferne von ihm, keiner kommt auf ihn zu. Doch nein, da kommt Redlich, der eben lebhast, aber mit sonderbar gedämpfter Stimme mit einigelt älteren und jüngeren Ofsizicren gesprochen hatte. „Was sitzest Du so einsam da, alter Freund," ruft ihm Redlich mit der früheren Herzlichkeit zn. Die Eiskruste, die sich bereits um sein Herz zu bilden be- gann, thmite wieder ans. „Ich bin etwas müde." „Das merkt man Dir an. Ist's für uns Invaliden nicht Zeit, nach Hanse zu gehen? Diese nbermüthigen Jungen dort denken noch nicht daran, obwohl es schon elf ist. Aber ich habe morgen früh Dienst, da muß ich mich ausschlafen." „Mir hat meine Frau gleichfalls aufgetragen, zeitlich nach Hause zu kommen," sagte der Hauptmann. „So gehen wir denn!" Sie legten ihre Mäntel an. Einige ältere Ofsiziere näherten sich dem Hauptmann. „Du gehst? Schade, baß Du nicht länger bleiben kannst. Es war uns ein Vergnügen." Und all' das so kühl, so gezwungen. Kxin einziger forderte ihn ans, zn bleiben, kein einziger luv ihn ein, öfrcrs zn kommen. Er fühlte die Eiskruste von neuem sein Herz ein- engen. Die jüngeren Offiziere, von Reden, Scherzen Singen in Anspruch genonimen, sagten ihm nicht einmal Nacht. Fast mit Thränen in den Augen verließ er Osfizierstasino. „Was soll das bedeuteil? Ignatz!" wandte er sich Redlich, als sie ans die Straße traten. Redlich ging, sich fester in seinen Mantel hüllend, düster und schweigend neben ihm her und schien die Frage nicht zu verstehen. „Was meinst Tu damit?" fragte er endlich. „Was ist geschehen, daß sie plötzlich alle w,e umgetauscht waren? Erst Jubel, Herzlichkeit, Freundschaft und gleich daraus Zurückhaltung, Steifheit, Geflüster, schiefe Blicke „Was fällt Dir ein, Anton?" rief Redlich.„Ich nichts derartiges bemerkt." „Du hast ihr verändertes Bcilehmen nicht gemerkt? ist sonderbar! Doch auch Du hast Dich verändert!" „Bilde Dir nichts ein, mein Lieber! Es entstand� eine gewisse Abkühlung, es ist wahr, als wir erfuhren, daß die Tochter unseres Obersten gestorben ist. Ein wmiderschönes Mädckien. Alle jungen Offiziere waren sterblich in sie verliebt." „So?!" rief der Hauptmann.„Warum sagtest Du das nicht gleich? Und ich, der schon nachzudenken begann, ob ich nicht jcinand beleidigt, daß mich alle so zn meiden anfingen.." „Aber wo denkst Du bin? Ich kann Dir versichern,— was Deine Person betrifft"... Redlich sprach diese Worte nnivillkürlicb mit besonderem Nachdruck—„alle sind darin einig, daß Du ein musterhasler Offizier, ein tüchtiger Kamerad und ein herzensguter Junge bist." „Denken sie wirklich so von mir?" rief der Hauptmann frendia beweqt. „Mein Ehrenwort darauf. Du kannst es mir glauben!" „Aber weißt Du, eine Sache nimmt mich ivnnder. Als ich wegging, hat mich niemand gebeten, wiederzukommen." „Das ist nicht Sitte bei uns. Das versteht sich ja selbst, daß ein jeder kommt, wann er Zeit und Lust hat." „Nun ja, aber einen liebenswürdigen Kameraden bittet man schon aus Höflichkeit, daß er länger bleibt und öfters kommt." „Bagatelle, Bruderseele! Ich hoffe, ans so einer Kleinig- und gute das ZU habe Das von keit wirst Du keine ungünstigen Schlüsse über Deine neuen Kameraden ziehen. Ich glaube übrigens, das Familien- leben, die Dienstpflichten und vielleicht auch die Vermögens- Verhältnisse werden Dich daran hindern, unser Kasino öfters zu besuchen." „Mag sein," gab der Hauptmann etwas unwillig zur Antwort.„Aber... Du weißt ja, wie ich das gesellige Leben liebe. Da drüben in Bosnien habe ich soviel Langeweile gekostet, habe so viel gelitten und mich so viel geplagt, daß ich jetzt gern im Kreise der Kameraden meinen Geist erfrischen möchte." „Ich zweifle, ob es Dir gelingen wird," erwiderte Redlich. „Voil unseren ehcuialigeil Kameraden sind nur ivir beide da. Und diese Neuen, weißt Du, ich verkehre auch wenig mit ihnen." „Und sie sagten mir doch, daß Du jeden Abend dort bist," sagte ctivas spitzig der Hauptmann. „Nun, das muß einer gesagt haben, der gern übertreibt. Im Gegenthcil, ich komme recht selten hin. Die feinen Herren spielen hoch, trinken' die ganze Nacht und der arme Teufel kann mit ihnen nicht Schritt halten. Weißt Du, Anton," sagte er endlich, sich mit großer Wärme an ihn wendend,„ich. rathe Dir aufrichtig, mach's so wie ich und trachte so selten als möglich ins Kasino zu kommen." Ter Hauptmann blieb mitten ans der Straße stehen und betrachtete die hohe aufrechte Gestalt Redlich'?, der ganz ver- legen seinen Blicken auswich. „Das verstehe ich nicht, Ignatz! Erst hast Du mir be- weisen wollen, ivie alle in feuriger Liebe für mich entbrannt sind, und nun redest Tu mir zu, daß ich so selten als möglich mit hnen zusammenkomme." „Weil Dich das zu viel kosten würde," versuchte sich Redlich heranszuwindcn.„Ucbrigcns wenn Du so reich bist, wenn Dn so viel Geld zn verlieren hast..." In diesen Worten Rcdlich's lag etwas, was den Haupt- mann sehr unangenehm berührte. �Ignatz!" rief er,„für wen hältst Dn mich? Bin ich etwa ein Räuber,. ein Falschmünzer oder ein entlansencr Kassirer, daß ich Geld znni Verlieren hätte?" „Nun, hast Dn es nicht, was liegt Dir daran, ob sie Dich bitten, ins Kasino zu kommen oder nicht? Du wirst ohnehin nur selten kommen können. Dn hast ja schon heute so viel Geld springen lassen, daß Deine Frau..." „Nun, nun, genug der Gardinenpredigt, alter Freund! Was die Frau zn sagen hat, das wird sie auch ohne Dich sagen. Nun aber genug über diesen Gegenstand. Wir sind vor meiner Wohnung.— Weißt Dn, Ignatz, ich will hoffen, Du erweist mir die Ehre und besuchst mich mal in meinem Fainiliennest?" „Mit großem Vergnügen!" sagte eilig Redlich.„Zwar habe ich bisher Deine Frau nicht besucht... Die Gründe brauche ich Dir wohl nicht auseinanderzusetzen..." „Geh', geh', alter Sünder! Du solltest Dich schämen, so etwas zn erwähnen," unterbrach ihn der Hanpmann. „Nun aber jetzt, da Du hier bist und mich ans- forderst..." „Ohne Umstände, ganz ohne Umstände! Komm' zu mir, so osr Dn Zeit und Lust hast, ivie zn einem alten Kameraden." Redlich drückte herzhaft die Hand des Kapitäns, salutirte und einige Seknnden später war er im Dunkel der Nacht ver- sch wunden. „A propos, Angela, da sehe ich die Visitkarte des Barons Nenchlingen, ivas ivar das für eine Geschichte, die Du mit ihm gehabc hast?" Der Hauptmann nnd Angela saßen im Salon und sprachen über Verschiedenes. Angela, die mit einer Handarbeit be- schäftigt war, erzählte ihrem Manne von ihrem Leben, von den Kindern, von dem alten Kurier; der Hauptmann hörte zn, indem er gleichzeitig mit den ans der silbernen Platte ver- streuten Visilkarten spielte. Plötzlich siel ihm ans einer ele- ganten glänzenden Karte der Name:„Waldemar Baron von Reuchlingen", in die Augen nnd er erbebte, als hätten seine Finger eine Brennessel berührt. „Ich, eine Geschichte mit Reuchlingen?" wiederholte Angela langsam und ruhig, als suche sie etwas in Gedanken und scch ihrem Mann dabei in die Augen,„ich habe keine Ee- schichte mit ihm gehabt." „Keine? Wirklich keine?" fragte er verwundert.„Tas ist nicht möglicb, erinnere Dich genau?" „An was loll ich mich erinnern?" versetzte Angela noch erstaunter.„Nach Deiner Abreise war der Baron ein- oder zweimal bei mir. Ach ja, nun weiß ich's! Einmal— an meinem Namenstag— betrank er sich und begann einen Streit mit den anwesenden Offizieren. Ich weiß nicht mehr, um was es sich handelte, genug, er hatte uns den Abend verdorben, und die ganze Gesellschaft brach seinethalben auf und ging nach Hanse. Seit dieser Zeit habe ich ihn nicht wiedergesehen und bald darauf hörte ich, daß er auch nach Bosnien versetzt worden sei." „Hm, das war also die Geschichte? Ich mnß Dir gestehen, nach dem, was er mir erzählte, koimte ich schließen, daß es etwas viel Wichtigeres gewesen." Der Hauptmann, der diese Worte schon halb beruhigt sprach, blickte gleichzeitig auf seine Frau und sah, daß ihr Gesicht in diesem Augenblicke todtenblaß wurde; sogar die Lippen erblaßten, die Arbeit fiel ihr ans der Hand, und ihre ganze Gestalt war zusammengeknickt als wäre sie dahingewelkt oder von einem furchtbaren Schmerz betroffen. „Angela, was ist Dir geschehen?" rief der Hauptmann von seinem Sitze aufspringend. lFortsctzmig folgt.) AfviltmUfifze Gvenel. (Cchluß.) Dieses entsetzliche Schauspiel war in Bulnwayo selbst, am Sitz der Regierung und der Nahruiigsmiterstntzmig. Mr. Colenbrander, der mich Generaldireklor der Gesellschaft ist, die m Rhodesia feinen Name» trägt, ivnrde von dem Interviewer in dein Bureau der Firma Colenbrander u. Comp, gelroffe», während er die meisten seiner„Jungen" a b l ö h» t e.„Ich babe sehr viel Arbeit, allein ich kann es nicht übernehme», sie uut Mehl zu versorgen, wenn der Sack Mehl 13 Pfd. Slerl. kostet,»ud so bin ich genöthigt, sie zu entlasse n." Was war ihr Schicksal»ach der Ent- lassnng? Es wird vielleicht geltend gemacht, daß, zugegeben, daß das Land jetzt von der Hungersnolh heimgesucht ist— d�ß die Vernichtung des Getreides nnvermeidlich, und daß es ei» im Krieg übliches Verfahre» war, für das die Eingeborene» die Verantwortung tragen, und daß man seitdem mit Erfolg bemüht gewesen sei, der Hungersnolh Herr zu werden. Ich will blos auf de» zweiten Punkt eingehen, der allein einer Widerlegung bedarf. Drei Tage vor dem„entsetzlichen Schauspiet" berichtet der Gouverneur der Knp-Kolo»ie. Graf Brey, i» seinem Briese vom 16. Oktober(iii de»„Times" am 23. Novbr. 1336 veröffentlicht): „Jetzt ist der einzige Feind(in Matabelcland), den nur zu be- kämpfen habe», der H u» g e r.... Die Berichte, die nach Bnlnwayo kommen, beiveise», daß unter den Eingeborenen der Nahrnngs- Mangel schon sehr groß ist und wahrscheinlich vor Ende des Jahres noch weit größer werden wird. Allein— so tröstet sich der Herr Gras — wie mir gesagt wird, werden die Eingeborenen im stände sei», »ach dem 1. Januar ihr Lebe» zu fristen, indem sie die erste» Früchte des Feldes(Spinat?) pflücken, die gleich»ach dem Regen wachsen."(Es wird das nächsteJahr noch um vieles schlechter sei». sagt Herr Colenbrander nach den Berichten.) Graf Guy bespricht dann die Lieferung von Nahrungsmitteln aus öffentlichen Mitte!» und schließt:„Wir haben Nahrnngsmitlel genug(„auf dem Transport"). »m ungefähr 40 000 Eingeborene drei Monate lang zu erhallen... für de» Tag I Pfd. auf den Kops."— In dem Geschäftsbericht der Südafrikanischen(Rhodes'schen) Gesellschaft sür das Jahr 1834/95, S. 77, wird die eingeborene Bevölkerung von Matnbrleland aus 160 000 geschätzt. In vierzehn Tagen oder drei Wochen „erwartet Graf Grey die ersten Lieferungen dieser Nahrnngs- inillel". Wie viele Menschen aber mußten verhmiger», während die erwarteten Frachtwageu sich„auf der end- losen Fläche einer unfrnchtbarcU Wildniß, die, wie Mr. Sclous sagt, noch zwischen Matabeleland»nd der nächste» Eisenbahnstalion liegt", sich langsani heran bewegte»! Und die Berechnung des Grase» Grey schließt die Million Pfnnd verschiedener Mehlsorlen ein, die Mr. Rhodes erwähnte, und die. wohlgemerkt, nur der sechste T h e i l dessen sind, was Mr. C h a m b e r l a i» in London zivischcn Juni und Dezember sür nölhig hielt,„um die dnrch die Rinderpest und den Heuschreckenfraß, ohne den Krieg, i» dem benachbarten Gebiet von Bechuanalnnd hervorgerufene Hungersuoth etivaS zu mildern."(Siehe die Parlamenlsverhandlungen in den Londoner Tageszeitungen von, 9. Juni 1896.) Um von irgend welchem Nutze» zu sein, hätte mit Verproviantirung des Landes zwölf Monate vorher begonnen werden müssen. Die„Times" vom 17. Juli 1896 schildert in einem Leitartikel den Ausbruch der Rinderpest im März und bemerkt:„Der Schlag trifft die Eingeborene» in einer kritische» �eit. Der schlechte» Ernte des vorigen Jahres in den Schutzgebieten ist dieses Jahr eine voll- ständige Mißernte gefolgt; und schon ehe die fltinderpest ansbrach, halte» einzelne Häuptlinge der Eingeborene» u in Unterstützung nachgesucht. In Matabeleland und Maschvnaland war der Stand der Dinge augenscheinlich ganz der gleiche." Unter diesen Verhältnisse» und vor der Rinderpest und vor de»! Ausstand trafen die britischen Machthader Maßregeln, welche die Lieferung von Nahrungsmitteln an die Eingeborenen verminderten. Die„Times" vom S. Juni 1896 berichtet von einer Anfrage im Unrerhanse,„be- treffend das Vieh, das, wie man sagte, von der Südafrikanischen Gescllschast gegen Schluß des letzten Jahres den Malabele's solle genommen worden sein". In der Erwiderung des Sekretärs der Kolonien heißt es:„Ich habe keine amtliche Kenntniß davon, daß gegen Schluß des vorigen Jahres de» Matabeles Vieh genommen worden wäre; dagegen habe ich einen Bericht, daß man in der Kolonie anfangs dieses Jahres sehr erfreut war, einiges Vieh von den Maiabeles zurückzuerhalten." Diese Antwort war keine Verneinung der Frage. Sie beschränkte sich blos ani einen Theil— während die Frage auch de» anderen Theil desselben Geschäsis berührte. Das wird klar, wenn»>> das später veröffenliichl« Blan-Buch betrachtet. Es findet sich da eine Darlegung des Grafen Grey vom 23. Juni 1896, welch« zeigt, daß die fragliche Transaktion(Geschäft) ihre» Anfang nahm, als die„Gesellschaft" von Matabeleland Besitz ergriff und beanspruchte, daß„des Königs Vieh"")(„fast alles Bich im ganzen Lande") durch das Recht der Eroberung»nn das Eigenthnin der britischen Süd-Asrika-Gesellschast gcivorden sei, obgleich den Ei»- geborenen erlaubt wurde, auch fernerhin das Bich unter ihrer Obhut cm Charge) zu behalte». Mr. Setous stellt auch fest, daß„nach der ersten Konfiskation(„sofort nach dem Krieg") das in de», Land noch übrig gebliebene Vieh— ungefähr 30 000 Stück— mit de», Brandzeichen der„Gesellichaft" versehen und den Ein- aeboreneu zur Obhut überlassen wurde.(„Sonnenschein und Sturm" S. 7.) Nach de», Bericht des Ober-Kommissars wurde dieses„Königs- Vieh"(oder Gesellschafls- Viehl„verschiedentlich geschätzt, vou 200 000 aufwärts".„Di- erste Konsiskallo» schloß vermnthlich die Hälfte des gesamuite» VicHftandcS»in, welche als berechtigte Beute sür alle, die an dem Krieg t h e i l g e n o»>», e n hatten, beansprucht w a r d". Das würde den Rest ans mehr als 100 000 Stück über die Schätzung des Mr. Selens bringen. Aber ans der oben angeführten Seile erwähnt Mr. Sclous auch„die periodische Wegnahme von Bich in kleiner Anzahl dnrch vie Chartered-Compnny(Südasrikanische Gesellschaft)— Wegnahme,,, die nach der ersten Konfiskation erfolgten. In de», Bericht der Gesellschaft für 1334—35, Seile 77, wird das Bich, das den Eingeborenen von der Gesellschaft zur'Aus- bewahr» ng(in tri, st) gegeben war. ans 73 500 Stück geschätzt. Schließlich fährt Graf Grey in seinen, schon angezogene» Be- richt fort:„Letzten Ok.'ober(1395) war bestimmt worden, daß«ine ausreichende Menge Bich unter die Matabeles verlheilt werden und ihnen als ihr Eigenthn», übergeben werden sollte.... Durch diese Bertheilung kamc» 40 330 Stück Vieh i» de» Besitz der Eingeborenen, der Rest— 32 000 Stück— blieb das E i g e u t h u u» der Britischen S ü d a s r, k a n i s ch e n Gesell sich afl... Die Bertheilung war beinahe vollendet, als die Rinderpest ausbrach." Die Gesammtzabl des Viehes zu dieser Zeil war also 72 330 Stück— 6570 weniger als selbst die 79 500, welche die Gesellschaft ein paar Monate vorher angegeben hatte. Was man offiziell als eine„Vertheilnng von Vieh uuter die Eingeborenen" angesehen habe» wollte, erschien Beobachtern an Ort»ud Stelle in einem anderen Licht. Tie„Times" vom 2. April 1536 läßt den Reverend(Titel der Geistliche») Mr. Helm sagen:„Es war am Ende des vorige» Jahres so angeordnet, baß die„Gesellschaft" von allen, im Lande ver- bliebenei, Vieh s ü u f u n d v i e r z i g Prozent nehmen sollte." Mr. SelonS erzählt uns, daß die Regienu, �beschloß, zwei Fünftel zu nehme(„Eonneuschein und Sturm.") Zlbgesehe» vou jeder Frage über das Eigentbnmsrechl au daZ »och übrige Bieh, das heißt auch wenn es»ach der„Bertheilung" den Matabeles erlaubt war, die 32 000 Stück Vieh, die das„Eigen- thum der Gesellschaft" blieben, in ihrer Obhut zu beHalle»,— ganz abgesehen hiervon zeigen doch die'Auszüge, ivelche ich gegeben habe (und die Antoriläle», auf welche ich mich bezogen habe. sind Lord Loch, der Oberst-Kommiflär, Mr. Sclous, der aiulliche Bericht der Britischen Südafrika-Gesellschasl und Graf Grey): daß in den zwei Jahren 1894 und 1835 das Vorgehen der Beilen, indem es den Viehbestand von über 200 000 auf 72 930 Stück, also»m bei- nahe zwei Drittel v e r», i n d er t e. auch in gleiche», Maße die Borräthe und Nahrungsmittel ver- mindert hat— nicht allein nn Fleisch, sondern auch an Milch, welche die Eingeborenen bis dahin von de»,„Königs-Nieh", d. ,. dem Vieh, welches de». Stamm gehörte, frei crbiclten, ebenso wie von den, Vieh, das den Einzelnen persönlich gehörte. Und geronnene Milch ist ein Hauptnayruugsmitlel der ein- geborenen Frauen und Kinder. ') D. h. das nicht dem einzelnen, sonder» der Gcsammtheit, dem Staat, dem Slam«, gehörige Vieh. Daß auf diese Weise„periodisch",„zn einer kritischen Zeit", wo Trockenheit und Heuschrecke» die Ernte fast vernichtet hauen, vor dein Rnsstand»nd vor der Rinderpest, bei vottständiger Kenntnis! der Transportschwierigkeiten— daß unter diese» Umständen der Bor- rath an Lcbensiniltel» ver»lindert wnrde, dies allein, unter völliger Außerachtlassung der zwei„Kriege" und der aus ihnen sich «rgebeudeu Zerstörung des Getreides, rechtfertigt vollauf die von mir erhobene Anklage: daß die Briten die H u n g e r s» o t h in M a t a b e l e vorbereitet un d ihr den Weg gebahnt haben. Harriett E. Colenso�" Tics die wuchtige, erschütternde Anklageschrist des tapferen Weibes, die von ihrem Vater, einem der so seltenen Männer, für die Christenthum: Menschenthum und Menschlichkeit in Wort und T h a t bedeutet, den Opsermuth und die zähe Etandhaftigkeit ererbt hat und mit Recht von den L e h t e n— den traurigen Ueber- bleibfeln— der Matabele- und Znlukaffern als„Mutter" und „Schwester" verehrt wird. Zn widerlege» war da nichts. Ter Fluch der bösen That, daß sie fortzeugeud Böses muß gebären, erfüllte sich an den unglücklichen Eingeborenen. Die vorausgesehene neue Mißernte ist gekommen und die unvermeidliche neue Hnngersuoih, die nur die Fortsetzung der alten war, hat den blühenden, für wirkliche Kultur so empfänglichen Stamm der Matabele fast vollständig weggerafft, aufgerieben. vertilgt. Die spärlichen Ucberreste, die man neuerdings als„Auf- rührer" vor die Maxim-Kanouen zu bringen sucht, werden bald ver- schwnnden sein. Und das hat die kapitalistische Gcsellschastsordnung getha»!_ Vileines Jseuilletott. — Ncbcr die deutsche TicfscrVxpcdition 189S,'0D sprach in der letzte» Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde Dr. Gerhard Schott. Tie Expedition wird von Pros. Kuh» in Breslau, einem der besten Kenner der unlerseeischcn Fauna, geleitet werden. Die Hauptaufgaben der Expedition liegen ans zoologischem Gebiete, doch wird auch die Ozeanographie ganz besonders berücksichtigt werden. Zunächst werden Untersuchungen des Meeresbodens»olhwendig sein. Die Lothnngen werden mit 1 Millimeter starkem Lolh- droht ausgeführt, der eine starke Belastung verträgt. Zu einer Lolhnng von 40 Metern braucht man IVs bis 2 Slnnden Zeit. Selbst unter günstigen Umständen lassen sich also au einem Tage nur iveuige Ticfseeuiefsuugen vor- nehmen. Bei der Untersuchung werden natürlich diejenigen Meeres- gegcnden bevorzugt, von denen man wenig Angaben hat. Weitere Untersuchungen werden sich ans das Meerwasser selbst erstrecken. Im Gegensatz zu früheren Forschungen soll diesmal namentlich fest- gestellt werden, welche Gasarten das Wasser frei und gebunden ent- bäll und abgiebt. Wichtig ist, daß«in tüchtiger Analtztiker das Wasser gleich an Bord untersuchen wird, da das in Flaschen gefüllte Wasser mit der Zeit seinen Charakter verändert. ES handelt sich ferner um die Bestimmuug der physikalischett Eigenschaften der Meeres- tcmperatnr, jedoch nur der Schichte» inj» 1000 bis 1500 Meter Tiefe; denn als allgemein zutreffendes Ergcbniß früherer Expeditionen hat sich die interessante Thatsache ergeben, daß die geographisch interessanlen Temperatnruerthcilnngen sich lediglich ans diese Schichten beschränken, daß alle tieferen Schichten eine ungemein große Gleich- förmigkeit der Teinperalnr zeigen, gleichgillig. ob unter dem Acquator oder sonstwo. Hand in Hand mit Feststellungen der Meeres- teniperatur werden Meffuugen der Meeresbodcn-Temveratur gehen. Solche Messungen lasse» Rückschlüsse auf die Gestaltung des Bodens zu. Es wird ein Tiessee-Thermonieter verwendet werde». das eine englische Firma herstellt und das 110 M. pro Stück lostet. Zugleich will man Versuche anstelle» mit einem sehr eigenartig und sinnreich eingerichteten Thermometer eines Poisdanier Professors, das eine Fernbcobachtnng der Tempe- ratur auf elektrischem Wege ermöglichen soll. Große Aufmerksam- keit wird man den Meeresströmungen widnicn, weil hier ja auch unmittelbar praktische Interessen der Schiffsahrl in Frage ksminen. Beobachtungen solle» schließlich angestellt iverde» über den Umfang der Meeresivellen, über die Farbe des Scewassers, die(verschiedene) Tarchsichligleit des Wassers». s. w. Dabei sollen event. photo- graphische Platte» und elektrische Lichter versenkt werden. Selbst- verständlich ist, daß auch möglichst genaue meteorologische Unter- suchungen gemacht werde». Was nun dieHauplanfgabe, die zoologische» Forschungen betrifft, so liegen hier eine Reibe hochintcressanter Fragen und Probleine vor. Es sei nur erinnert an die eigeulhiimliche angenfäUige Uebereinstimmung, die in so vielen Beziehungen in der Thierweli der Arktis und der Antarktis herrscht. DerOzeanograph neigt der Ansicht zu, daß Meercsströinungen den Austausch der arktischen und antarktischen unterseeischen Thierivelt Herbeiführen.— Für die Fahrt wird voraussichtlich ein Handelsdampfer der Haniburg-Amerika- Linie von über 2000 Reg.-Tons gechartert werden. Außer der Be- satznng und dem Führer Professor Kuhn werden mitfahren 5 bis 0 Zoologe». 1 Botaniker, 1 Chemiker. 1 Ozeanograph, 1 Arzt, 1 Pholograph, 1 Navigateur. Der Reiseweg ist im wesentlichen eine Umsegelung Asrika's in mehr oder minder großem Bogen.— — Besuch der tcchuischcu Hochschulen in Dcntschlaud. Im lausenden Winterhalbjahr wurden die neun technischen Hoch- schule» des Deutschen Reiches von 11 204 Studireuden besucht. Im vorigen Winterhalbjahr ivare» es 10128 gewesen. An erster Stelle steht Berlin mit einer Gesammtbesnchszahl von 3207 Stndirenden (ordentliche Studirende, Hörer»nd Gäste); es folgt München mit 1313. Darmstadl mit 1290. Karlsruhe mit 1072 und Hannover mit 923 Besuchern. Dresden wies 946 Besucher aus, Aachen 395 und Braunschlveig 390. Nahezu ei» Drittel der Gcsammlzahl der eigeutlichen Stndirenden, nämlich 3313. entfallen ans das Maschinen» fach, 1575 hatten sich dem Jngenicurwesen ziigewandt und 1249 der Architektur, 925 stndirten Chemie. Ans Mathematik und allgemein bildende Fächer kamen 321 Studirende, 011 besuchten elektrotechnische Vorlesungen, ans daS Forstwesen beziehiliigsweise die Landwirth- schaft entfielen 59 Studirende.— Einen schsviliighaften Kahenhaiidel betreibt die amerikanische Stadt Maine. So wurde kürzlich eine besonders große»nd werthvolle Ladung an einen bedeutenden Händler in Philadelphia ver» schifft. Der Preis für 100 Katzen stellte sich auf 600 Dollars. In der Sendung befanden sich alle Abarten, schwarze, weiße, gestreifte, gefleckte, gelb und weiße; auch die weiße Angorakatze mit rolhen Auge», die tiesschivarze, sowie die prächtige Maltescrkatze fehlten nicht. Zum Aufenthalt während der Seefahrt dienten den Mietzen große Kisten mit verschiedenen Abtheilmige», die oben mit einem Drahtgiller versehen waren.— Kunst. — In Karlsruhe ist unter den Künstlern eine Sezession eingetreten. Schon seit längerer Zeit bestanden dort Meinnngs- Verschiedenheiten zwischen den Vertretern des Alten und den Moderneu. Bereits während der Berliner Ausslellnug 1896 hatten diese zu einer vorübergehenden Trennung geführt. Jetzt sind 40 Maler aus dem alten K n u st l e r v e r e i n ausgeschiede» nud haben einen„ K ü n st l e r b u n d" gegründet, an dessen Spitze Graf Kalchreuth, Karlos G r e t h« und Friedrich Kall» morgen stehen.— Geschichtliches. Inn. Karrikaturen aus die„gute Presse" und das Volk„der Denker". Der zermal»ie»de Druck strenger, die Oeffentlichkeit ansschließeuden Polizeimaßregeln lag auf dem gc- sammteii deutschen Geistesleben. Ein kräftiges Wort fand vorder Polizei keine Dnldnug. Die Zensur erstreckte sich bis anf die harmloseste Opmi- krilik herunter. Nicht einmal wahrheitsgetreue Berichte über historische Ereignisse durften die vormärzlichen Zeitniige» bringen. Ter Zensor stutzte diese Berichte nach seinem Belleben zurecht oder hielt sie überhaupt künstlich zurück. So brachten z. B. die Berliner Zeituiigen erst genaue Nachrichten über die revolutionären Vor- gänge im Kanton Neuenbürg, als sie bereits schon im Munde aller waren. Die geradezu ungeheuerlichen Streichungen brachten die Zeitungen um jede Farbe, jeden Gehalt. Sie ivarcn rückgrallos, verschwommen, breiartig. Was war die«gute Preffe" anders als ein Häuflein unmündiger Buben, die am Gnngel- bände eines schulmeisteniden Zensors fein artig einherschritten? So charakterisirte sie einst treffend eine Karrikatnr aus dem Jahre 1348. Sie läßt der Schaar von Schulknäbcheii einen blinde» Maulwurf mik ivehender Fahne voramnarschiren, ans der ein großer Krebs prangt. Die Schnlkuaben befinden sich am Leilseile ihres strengen Präzeptors, dessen Kopf eine große Scheere bildet. Der ivürdige Herr stützt sich anf einen großen Zensorstist und hält unter dem einen Arm die unvermeidliche, gehorsaingebietendc Ruthe. Dem Zuge der Kinder folgt ein höchst einfältiger Schafbock im Bedienten- oder Anrtsfrack mit einem Dreimaster auf dem Kopfe. Der Schafbock sührt an der Leine ein zahmes Hnudclein. Gewiß, das war die „gute Presse"! I» den Zeitungen war dem deutschen Volke der Mund verschlossen, und es konnte daher nur im Stilleu in polizeiwidriger Weise grübeln, tüfteln, denken. Die deutsche Nation wurde mit bitterein Spotte als Volk der Denker verhöhnt. Auf einer Karrikalur sehen wir in große» Perrücken und steifen Zöpfen die grübelnden dentschen Spießbürger dasitzen. Der Gegeustanv ihrer gewichtigen Denkiibiingen ist anf eine Tafel geschrieben:„Wichtige Frage, ivelch« in beiiliger Sitznng bedacht wird: Wie lange möchte uns ivohl noch das Denken erlaubt bleiben?" Die Gesetze des deutschen Deukerklubs lauten folgendcrmaße»: 1. Der Präsident er- öffnet präzise 8 Uhr die Sitzung. 2. Schweigen ist das erste Gesetz dieser gelehrten Gesellschaft. 3. Auf daß kein Mitglied in Versuchung geralhe» möge, seiner Zmige freien Lauf zn lasse», so werde» beim Eintritt Maulkörbe ausgelheilt.... Die Gegenstände werden in diesem Denkerklnb nicht besprochen, »ei», sie werden nur bedacht. Der grübelnde Spießbürger mit dem festen Maulkorb vor dem Munde ist ein treues Biid des träumenden deutschen Denkervolkes vor dem 18. März.— Ans dem Alterthmn.' — Ans der Insel Cypern wurde vor kurzem nach einer Mit» theilimg der„lltevue archeolog." eine G o l d p I a t t e m y l e- nischen Ursprungs gesunde», das erste bisher bekannt ge- wordene Denkmal mykenischer Goldschmiede-Arbeit, das von dieser Insel herrührt. Die 76 mm breite und 46 mm hohe Platte zeigt »eben einer Sphinx zwei bartlose marschirende Krieger mit Helm, Schild. Lanze. Daß der Fund mykenischcii Ursprungs ist, geht an? der überraschenden Aehnlichkeit der Figuren mit denen auf kannten mykenische» Denkmälern hervor: den plumpen Gest'' den ailffallcnd schlanken Gliedern, der Länge des Halses Ledhastigleit der Bewegung. Der Fund von Cypern dür� älteren Periode der«»ykenischen Goldschmiedekmist, in'velche die in de» Gräbern der»nykenischen Sikrovole gemachte» Funde fallen, sondern der zweiten Periode angehören, die etwa i» die Jahre 1150-1100 v. Chr. fällt.— — Pater Delattre berichtet aus Tunis in einem Briefe an die?Ikademie von Paris über eine kürzlich bei S>. Lonis neu auf- gefnudene p n» i s ch e N e k r o p o l e. Die Gräber, ans denen sie besteht, bieten eine überraschende Achnlichkeit mit denen von Sidon; es sind in den Felsen gehöhlte Kannnerii, i» die man durch einen rechtwinkligen Schacht gelaugt. Jeder Schacht hat in regelmäßige» Abständen rechts und links Einschnitte, die unter Benutzung von Händen und Füße» das Hinuntersteigen möglich machen. Bon den zahlreichen in de» Grabkammern vorgefundenen Terrakotten sind besonders vier, die mit Farben geschmückt sind, bemerkenswerth: ein nnnüdischer Reiter, eine Person in halb liegender Stellung auf einem Widder, eine Frau, welche die Doppelflöte bläst, und eine verschleierte Göttin. Außerdem findet man Urnen mit doppeltem Henkel, Straußeneier, Halsbänder. Amulette». a. Pater Delattre berichtet noch über eine>» dieser Nekropole befindliche pnnische In- schrift, welche die Widmung eines Sanktuariums der Astarte und Tauit weiht.—(Boss. Ztg.) Medizinisches. — Nach einer Reuter'schen Meldung ist unter den Eingeborenen von Pakkai und Talnka in Indien die schwarze Blasen- krankheit ausgebrochen. Es sterben täglich häufig 50 Personen au der Krankheit. Den meisten englischen Aerzlen ist die Krankheit, wenigstens unter dem Namen, nicht bekannt. Der Londoner Arzt Dr. Patrick Manson» eine Antorilät in tropischen Krankdeite», bat sich darüber einem Vertreter der„Daily Mail" wie folgt ans- gesprochen:„Ich kann nur sage», daß ich nicht weiß, was unter dieser neuen Krankheit zu verstehen ist, obgleich ich nicht zweifle, daß es die Pest ist, nur in einer neuen Foriu. Man»ennt sie ,.Blase»"-Krankl>eit, weil sich schivarze Blasen ans der Haut bilden. Bazillen sind die übertragenden Agentien für solche Krankheiten. Sie äußern sich bei verschiedenen Menschen sehr verschiedenartig. Gerade wie die Influenza sich bald in Unterleibsstörnnge». bald in Lungen- «litzüiidung äußert, so ist es mit der Pest der Fall. Ehe weitere Einzelheiten von Indien eintreffen, kann icb natürlich kein positives Urlheil über das Wesen der»eue» Krankheit fällen."— Nach anderen Nachrichten soll es sich um die schwarzen Blatter» handeln.— Astronomisches. t. D i e Photographien der letzten Sonnen- finsterniß, die von der großen englischen astronomische» Expedition i» Viziadurg in Indien ansgenomme» wurden, sind glucklich in London eingetroffen. Die kostbaren Platten wurden mit ganz besonderer Borsicht befördert, in mehrere Sätze vertheilt. Die erste» Sendungen imirde» bereits einer vorläufigen Prüfiing unterzogen. Die Ausnahme» beweise» die außerordentliche Klarheit der Atmosphäre zur Zeit der völlige» Ver- sinsternng; ferner war die Kleinheit der sichtbaren Sonnen- protnberauzen sehr bemerkenswerth sowohl biusichtlich der Aus- ftrahlungen von Wasserstoff wie solcher von Calcium, eine Thal- fache, die übrigens ani Tage der Finsterniß auch in England selbst auf der Sternwarte in Süd-Kensington(London) sestgestellt werden konnte. Eine andere auffallende Thalsactie ist der außerordenlliche Glanz einiger Streifen der Sonnenkorona an ihrer Basis. Die Photographie» zeigten ferner die Richtigkeit der direkten Beobach- tun gen, wonach die allgemeine Gestalt der Korona derjenigen, die bei den Finsternissen 1386 und 1896 beobachtet wurde, sehr ähnlich war; besonders ivar die Achnlichkeit mit 1896 ganz auffallend, namenllich wenn man bedenkt, daß damals der Nordpimkt der Achse während der Finster, ilß der Erde zugewandt war, während es bei der letzten Finsterniß der Südpnnkt der Achse war.— Bergbau. — Die größten Goldklumpen. Anläßlich der Gold- funde in Klondyke iveist„Cassiers Magazine" darauf hin, daß der größte Goldklumpen im Jahre 1352 in Australien anfgefnnden worden ist. Er wog 223 Pfund 4 Unzen nnd hatte einen Werth von 11 000 Pfund Sterl. Bis jetzt haben die in Nordanierika gemachte» Goldsunde auch nicht annähernd dieses Gewicht erreicht. Ter größte und zugleich feinste Goldklumpen wurde am 18. November 1864 in Kali- fornien anfgefunden. Er ivog 151 Pfund 6 Unzen und bestand fast ausschließlich aus reinem Gold. Der Klumpen wurde eine Zeit lang ausgestellt und später für 7254 Pfd. Sterl. verkaust.— Technisches. k. Elektrische Metallbearbeitung. Eine neue praktische Berwendniig der Elektrizität ist ein Verfahren zur elektrischen Erhitzung de? zu walzenden Metalls»nmittelbar nuter den Walzen. Namentlich zur Herstellung von Drähten ist das Ver- fahren besonders geeignet, da es sich dabei nur um die Erhitzung verhältnißmäßig kleiner„engen handelt. Bekanntlich ge- 'ckiieht das Herstelle» von Drähten zumeist durch Walzen des 'enden Metalls in einem Walzwerk. das mit mehreren werdenden Kalibern versehen ist. Um den Draht zu erhitzen, müssen alle Achsen der Walze» nnd auch Verantwortlicher Redakteur: Aug» st Jarobey in B die Kaliberscheiben untereinander, vollständig isolirt werden. Die Zuführung des elektrischen Stromes erfolgt dann dadurch, daß der dem Walzwerk zngeführte Draht mit dem eine» Pol einer starken Stromquelle verbunden wird, während der andere Pol derselben mit den Walzen nnd Kaliberscheiben in Verbindung steht. Die größte Erhitzung des Drahtes erfolgt dann natürlich an der Stelle, wo der Strom geschlossen wird, nämlich bei Eintritt des Drahtes in die Walzen resp. Kaliber. Das Verfahren ist jedenfalls sehr einfach und hat. wenn es nicht wesentlich theurer ist, gewiß Aussicht auf all- gemeine Einführung.— — Die Stauung des Nils. Ei» nngeheuerer Wasserbau soll jetzt von einein englischen Hanse in Egypten in Angriff ge- nonnnen werden. Es handelt sich um die Ansstauung des Nils bei Affnan und bei Siut durch zwei Niesendämme ans Granitqnadern, wofür fünf Jahre in Aussicht genoinme» sind. Der Damm bei Affnan soll sich auf den berühmten Granitriffen erheben und enthält Thore, welche zu Zeiten des Hochwassers geschlossen werden, so daß der Sammelweiher i» der Nähe sich füllt imd sein Wasser zur Sommerszeit, in welcher der größte Bedarf an Wasser für die Zucker» rohr-, Baumwoll->l»d Reisfelder herrscht, abgeben kann. Mit dem Schlüsse des Sommers steigt das Wasser wieder bis zum Februar. März oder April, so daß die Bewässerung keine Unterbrechung er- leidet. Der Damm hat eine Höhe von 23 Metern über der Fluß- sohle und eine Länge von 13 Kilometer» quer über den Strom. Um die Schifffabrt nicht zu hindern, werden Schleusen in ihm vor- gesehen. Die ansgespeicherle Wassermenge beträgt eine Milliarde Kubikmeter. Der Damm bei Sint dient zur Hebung des Wasser- spiegels nnd so zur Erhöhnizg der Wirksamkeit der mittel» nnd unter- egyptischen Bewässerungssysteme. Für die Ausführung dieser ge- walligeil Arbeiten erhält, wie die„Tech». Rnndsch." mitlheilt, die Firma dreißig Jahre lang je 3.2 Millionen Mark und zwar von Beendigung der Dämme ab, oh»« Berechnung der Zinse», also im ganzen nahe an 100 Millionen.— .Humoristisches. — Mißverständniß.(Ein Luftballon landet in einem Gehöft und verfängt sich im Geäste eines Apfelbaumes.) Bauer: „Na, da hört's ans, jrtzt kominen sie sogar schon niil dem Luftballon A e p f e l stehlen!"—(„Lust. Bl") — Sein S t a m m b a u m. E r st e r Betrunkener (der sich des Nachts a» einen Baum lehne» will nnd plötzlich sieht, daß schon ein anderer Betrunkener daran lehnt):„Oho!"— Zweiter Betrunkener:„Dös gievl's»et, daß T' Dich da her lehnst, dös is lue,' Slanunbanm, da lehn' ich jede Nacht d'ra»!"— — U n n ö t h i g e Warnung. Nun, Karlchen, wohin willst Du denn so früh?"— Zum Kausmanii, ich soll etwas holen!"— „So. das ist hübsch von Dir! Verlier« nur mchl das Gelb!"— „O»ein.. iv i r pumpen!"— Berinischtes vom Tage. — In einer musikalische» Fachzeitung nnnoncirt ein Berliner Geschäft, daß es„4'/z Kilo Tänze und M ä r s cn e für Klavier, zwei- und vierhändig, für 6,75 M." lieferte.„Kleinere Posten werden pro Kilo niil 2,50 M derechnet."— — In, rtiemifcheii Universilätslaboratorium in Breslau explodirte am Dienstag ein A c e t y l e n s> l b e r p r ä p a r a t, als es von dein Aisistente» dem Pro effor L a d e n b n r q überreicht wurde. Der Gelehrie erlitt erhebliche Verletzungen im Gesicht.— y. Zu seiner letzten Vorstellnng hatte der Direktor einer wandernoen Schanspielertruppe in D i p p o l d i s iv a l d e bei Dresden auf dem Theaterzettel drnckeii lassen: Parole:„Heute alle ins Tbealer! X... braucht Geld."— Das Haus war dann auch wirklich nusverkanst.— y. Infolge unvorsichtigen Hantirens mit einen, geladenen Re» volver erschoß ei» ForlbildungssMüler in Schedewitz bei Zwickau seinen Schivager. Aus Verziveiflung hierüber ertränkte er sich darauf im Mühlengrab.— c. e. Gerade an dem Tage, an welchem der Bau einer höheren Bandelsschnle i» Paris vollendet ivnrde. erschien iui„Jonriial fficiel" ein Dekret, durch welches die Pariser Handelskainmer e r- mächtigt ivnrde, ein beslii»»Ues Terrain für den Bau dieser Schule zn erwerben.— — In Oberitalien wüthcte in de» letzten Tagen ein heftiger Stnrni, der an vielen Orten eiiien beträchtlichen Schaden anrichtete. Durch anhaltenden Regen sind die Flüsse stark an- geschwollen und zum theil ausgetrete». An mehrere» Stellen sind die Bahnkörper zerstört.— — Selbftniord beging in D o m b r o iv a(Schlesien) ein zehnjähriger Knabe. Sei» Vater halte ihn wegen Vernnkrenung ge- züchtigt. Darauf verließ er die Wohnung nnd ertränkte sich in einem Teiche.— — Ein Belgier, der im Dienste einer Handelsgesellschaft am obere» Kongo reiste, wurde von den Eingeborene» bei Lulolela getödtet und aufgefressen.— — Der rumänische Dampfer„Elisabeth" scheiterte bei der Einfahrt i» den Bosporus. Nur zwei Mann von der Besatzung kounten sich retten.—__ rlin. Druck und Verlag von Max Bading tu Berlin.