Ur. 195. KdoMtments-Kedwgungen: Sbonnemint«-PritS pränumerando! Vierleljährl. 3,30 Ml., monatl. l,l0Ml.. n>öche»llich 2S Pfg. srei In» Hau». Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntag») Nummer mit illuNricrier Sonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Pret»list- für lSS» unter»r. 7S30. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrig««uiland 3 Mark pro Monat. Erschelui käglich»ufjer»onkag«. Berliner Volksblnkk. 16» Jahrg. Die Inserttons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» zcile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede» Wort 5 Pfg. snur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen dii 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» s Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: vmk l, Qr. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdemoltrak S erlitt" Centvalorgan der socialdemokratischen Vartei Deutschlands. kedaktion: L�V. 19. Veuth-Strahe 2. Expedition: 19. Veuttz-Strafze 3. Wenden oder winden? Ter Liberalismus träumt von preußischer Minister Herrlichkeit. Tie diplomatischen Rechercheure lassen bereits das ganze Ministerium seinen Abschied nehmen. .irerr v. Lucanus, der weiße Mann, der inimer erscheint, wenn Minister sterben, hat eine Droschke auf Zeit genommen und fährt bei den Ministern herum und„besucht" sie. Er ist übrigens auch beim Kaiser gewesen, der für Dienstag in Berlin zurückerwartet wird. Eines scheint sicher: Das heutige Ministerium denkt gar nicht daran, irgend eine entscheidende Wendung in der Politik vorzunehmen. Sie ist vielmehr von dem innigen Wunsch beseelt, sich weiter durchzuwinden. Für diese Stimmung liefert der Beweis die ministerielle„Berliner Korrespondenz", die sich sogar zu einer Extra-Ausgabe auf- geschwungen hat, um ihre Kanalweisheit zum besten zu geben, von der wir einige Proben mitteilen wollen: „Tie Etaaisregierung wird bei ihrer Stellungnahme zu den negativen Ergebnissen der dritten Lesung des Gesetzentwurfs zur Herstellung einer Schiffahrtsverbindung zwischen Rhein und Elbe nicht bei dem engeren Kreise der Fragen, welche durch die Zurückweisung der Kanalvorlaae'bedingt sind, stehen bleiben, sondern darüber hinaus die gesamte Situation, wie sie sich gegenwärtig darstellt, in den Rahmen der Erörterung ein- beziehen. Es liegt auf der Hand, daß neben den wichtigen wirt- schastlichen Interessen hierbei auch die i n n e r p 0 l i t i s ch e n V e r- Hältnisse von maßgebender Bedeutung sein werden. Die Staats- regierung wird im Bewußtsein der auf ihr ruhenden Verantwortlichkeit ihre Entschließungen zu der vorliegenden Einzelfrage nur im Zusammenhalt mit der eigenartigen Gestaltung der Lage fassen können, sie wird dabei, unbeirrt von den wandrlbareti Strömungen deS TageS und den irreführenden parteipolitischen Sonderbestrebuugen, einzig und allein das Gesämtwohl des Vater- landeS wie bisher so auch fernerhin als Leitstern sich diene» lasten." Da haben wir also die unentwegte Sammelpolitik. Es Wird weiter gesammelt I Es bleibt alles beim alten. DeS weiteren redet das ministerielle Organ dem Centrum gut zu: »ES könnte sich empfehlen, daß die Parteien ihr Verhalten in den einzelnen Phasen des parlamentarischen Kampfes um den Kanal einer kritischen Nachprüfung unterziehen. Aus solcher Ein- kehr müßte ihnen die Erkenntnis erwachsen, daß die spekulative Strategie sie von ihren eigentlichen Zielen weit abgebracht hat. Vielleicht sieht das Centrum nachträglich ein, daß seine bis zur letzten Stunde aufrechterhaltene schivanlende Haltung dem Zu- sammenfassen aller principiellen Kanalfreunde hinderlich'gewesen ist. Der warme Appell eines seiner Wortführer unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung zu Gunsten einer teilweisen Annahme der Vorlage kam zu spät, um als Sammlungsparole zu dienen, nachdem durch das gewaltsame Hineinzcrrcii sernabliegeuder gesetzgeberischer Materien in die Kanalfrage, durch die Aufstellung einer Gruppe von„neutralen" Centrumsabgeordneten, denen noch bei der zweiten Lesung die Lösting des' Kanalproblcms völlig gleichgültig gewesen sein soll, sowie endlich durch die zablreichen Stimmenthaltungen, umv?ltdcm das zukünftige wirtschaftliche Gedeihen des Vaterlandes beruij-.■. Der Mittelland-Kanal muß und wird die allgemeine Anerkennung sich erobern. Tie Ablehnung des Abgeordnetenhauses bedeutet in der Kanalfrage cittett Aufschub, keine endgültige Entscheidung." Eine, in Wahrheit schaudererregende Drohung. Die Vor- läge, die noch in diesem Jahre Gesetz werden sollte, wird wiederkehren! Der Kanal sei nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben I Das ist ja alles, was die Junker verlangen. Sie wollen nur jetzt den Kanal nicht haben, sondern damit tvarten, bis die Handelsvertrags-Verhandlungen kommen, um den Kanal dann als Koinpensations-Masse in der Hand zu haben. Tiefe ministerielle Auslassung ist die bedingungslose Unter- werfunz der Regierung unter den Willen der Jtmkerschaft. Es fragt sich nur, ob es sich in diescni diplomatischen Stümper- werk etwa wirklich um den S ch w a n e n g e s a n g der Sterbenden, um das Programm von gestern, oder um das der Zukunft handelt. Auch von liberaler Seite wird einem Friedensschluß das Wort gegeben: Wenn die preußische Regierimg uichtsdestoweuiger ihnen(den Juulcru) gegenüber ein Maß von Geduld au den Tag legt, das vielfach erstaunlich gefunden werden wird, so ist daran nicht Mangel an praktlscher Entschlossenheit sckmld, sondern die Rücksicht auf das Interesse des Staates und der Nation im bestverstandenen Sinne. Man hat allerdings viel von einem bevor st ehenden Systemwechsel gesprochen; die Konsequenzen eines solchen Vorschlags hat man sich jedoch schwerlich klar gemacht. Die Hoffnung. daß in diesem Fall der gemäßigte Liberalisntus der lachende' Erbe der Konservativen sein würde', steht sicherlich auf sehr schwachen Füßen. Tie etwaige Abgabe einer offiziellen Erklärung, daß die Regierung die Kanalvorlage mit Hilfe eines Landtags mit liberaler Mehrheit durchzusetzen suchen werde, könnte sehr leicht riskanter sein, als es die Langmut i st, mit der sie deit Konservativen begegnet. Sind denn die Liberalen in irgend einer anderen Frage des Staatswohls im selben Sinne einig, wie sie es in der'Kanalfrage sind? Die Freisinnigen, die'neben der Kanalvorlage nock vieles dem ge- mäßigten Liberalismus nicht Wünschenswerte erstreben, werden bei Neuwahlen auch den letzten Nationalliberalen an die Wand zu drücken versuchen, um nur ihre freihändlerischen und antiagrarischen, antischutzzöllnerischen Partisaue zunächst in den Landtag und dann in den Reichstag zu bringen. Den Gewinn daran hätte lediglich das Centrum. Dieses würde sich dann als Partei des Schutzzolls und des Schutzes der nationalen Arbeit aufspielen und den Kuh- Handel in Permanenz erklären." In der„P 0 st" bietet der bekannte Zeitungspräsident bereits das Morphiumpulverchen zur Beruhigung des Krisis- fiebers an: Man solle erst eine große Kanal-Enquete veranstalten. „Angesichts der entsten Gefahren, welche weitere schwere Kämpfe zwischen den staatserhaltenden Kräften mit sich bringen müssen und welche so groß sind, daß der Ccntrunisredner am Sonnabend eine Auflösung des Abgeordiicteithauscs nicht mit Unrecht als ein nationales Unglück bezeichneu konnte, und angesichts der Zweifelhaftigkcit, durch Neuwahlen eine so starke Mehrheit. wie sich gegen den Mtttelland- Kanal ausgesprochen hatte, in eine Minderheit zu verwandeln, erscheint es der ernsten Palriotischen Eriväguug wert, ob nicht nach einem der Dortnmnder Kaiserworte der Versuch unternommen werden sollte. durch eine den Mittelland-Kanal und sämtliche in Verbindung dainit st eben de Ver- kehrseinrichtungen und Anlagen umfassende Enquete in die weitesten Kreise der Bevölkerung volle Klarheit über die Wirtschafts-, Verkehrs- und politische Bedeutung des Kanal- planes zu tragen, und so statt auf dem Wege des Kampfes auf dem der freien Ueberzeugung zu einem allseitig befriedigenden Abschlüsse zn gelangen. Da die Staatsregierung natitrgemätz von der Güte ihrer Sache durchdrungen ist, kann sie mit vollem Vertrauen auf einen für sie glücklichen Ausgang diesen Weg einer eingehenden, vor der Oestentlichkeit geführten Untersuchung über die gesamte Kanal- Politik einschlagen. Der verhältnismäßig geringe Zeitverlust, welcher damit verbunden wäre, fällt gegenüber dem großen Vorteile nicht ins Geivicht, innere schwere Wirren und die gegenseitige Bekämpfung der staatserhaltenden Kräfte zu Nutz und Fromnien der Demokratie aller Richtungen venniedeu zu haben." Dieser„verhältnismäßig geringe Zeitverlust" ist es ja, auf den es den Kanalgegnern ankommt. Einen großen Dienst haben den Junkern die diversen Drohungen erwiesen. Die nicht sonderlich geschickte Rede Hohenlohes wirkt ganz vorzüglich, um die Agrarier in ihrem Widerstand zu bestärken. Die„Kreuz-Zeitung" läßt sich aus der Provinz schreiben: „Ist die Rede des Fürsten Hohenlohe wirklich annähernd so gehalten, wie eS in den Zeitungen steht, so ist das doch die empörendste Leistung, die lange vorgekommen. Der erste Ver- treter der Regierung scheut sich nicht, in einer unverblümten Drohung auszusprechen, daß die Regierung bei Abschluß der Handelsverträge künftig nicht nach pfltchtmävigem Ermessen das Wohl und Wehe der einzelnen Bernfsllassen gleichmäßig gut ver- treten würde, sondern er sagt, sie würde diese Vertragsabschlüsse benutzen, um den Bernfsklasten, die sich willig ihren Wünschen zeigten. Vorteile zu verschaffen." Das hatderReichskanzlernun allerdings nichtgesagt, sondern er hat nur davon gesprochen, daß die Kanalangclegenheit „unheilvoll auf das Zusammengehen der staats- erhaltenden Elemente des Landes, namentlich auf das Zusammengehen auf dem Gebiete der Handelspolitik wirken" müsse. Da aber unmittelbar vorher mit einer Aenderung des Verhältnisses der Regierung zu den Konservativen ge- winkt wurde, da außerdem die Politik der Drohungen im größten und plumpsten Maße angewandt wurde, so ist sicher anzunehmen, daß die„Provinzialen" die Handelsvertrags- d�hung des Kanzlers als eine wirksame Agitationsnummer beibehalten werden. Sonst'.hKt, man heute die papierenen Einschüchtenmgs- versuche eingesteift.. Es ist nicht mehr die Rede davon, die kaualfeindlichcn Beai�en zu maßregeln. Man wiegelt ab. Und so wird man als' Ergebnis der„Krisis" das— Fortwursteln annehmen dürfen.' Die Sieger werden nicht für ihren Sieg bestraft, und die Blantierten nicht für ihre Niederlage durch die Verleihung der R�g'erungsfähigkeit getröstet werden. Möglich, daß es— das hängt von dem nicht in sichere Rechnung einstellbaren persönlichen Willen ab— im Ministerium einige Veränderungen geben wird, kleine Gunst- Veychiebungen nach der industriellen Seite hin wollen wir nicht für ganz ausgeschlossen halten und auch ein Pairsfchub. dc-l' das Herrenhalts um etliche H 0 f konservative oder H 0 f liberale— das ist kein Unterschied — vermehrt, gehört zu den denkbaren Eventualitäten, aber daß eine grundsätzliche Wendung im Regierungssystem eintreten wird, wie es die liberalen und freisinnigen Kanal- naiven glauben zu machen suchen, das scheint uns aus- geschlossen. Das preußische Abgeordnetenhaus, wie es das ihm auf- gezwungene Wahlrecht zusammensetzt, ist eine ausschließliche Vertretung des Besitzes. Der Besitz aber ist in Preußen zweierlei Art. Ostelbisch agrarisch und Westeibisch industriell. Daraus stammt der notwendige natürliche Interessen- gegensatz. Die Regierung hat zu wählen zwischen der liberalen Jndustriereaktion, der konservativen AgrarreaktioN und der klerikalen Reaktion, in der Industrie und Landwirt- schaft in der Einheit der Konfession notdürftig zusammen- gehalten wird. Sie hat zu wählen, aber sie hat keine Wahl. Sie darf sich für keine der Richtungen entscheiden, sondern sie muß versuchen zwischen den hadernden Interessenten zu lavieren. Das ist weder moralisch noch intellektuell ein angenehmes Geschäft, es führt auch vonMißerfolg zu Mißerfolg. Aber diese Art Kriegssührung strebt nicht nach Erfolgen, sondern nach— Dauer, und die Niederlagen bilden die immerhin schätzbare Gelegenheit, weitere Nieder- lägen zu erleiden. Mehr kann eine Negierung nicht leisten, die ihren Ehrgeiz darein setzt, zwischen den Jnteressengegen- sähen des Besitzes zu schivimmen. Es giebt da keine Wendepunkte, sondern nur Windungen. politische Mebevtlchk» Berlin, den 21. August. Ein Junkerboykott gegen Recke. Zum erstenmal, seitdem in der Koufliktszeit der Liberalismus zerdrückt worden ist, haben Ivir im preußischen Abgeordnetenhause so etivas wie ein konstitutionelles Leben. Und die Ironie, von der in Preußen alle politischen Aktionen begleitet werden, will eS, daß gerade die Hüter der Reaktion im Kampfe für ein reaktionäres Werk den konstitutionellen Gedanken wieder erweckt haben. Mau muß unseren Junkern das Zeugnis ausstellen: Energie belveiscn sie. Jetzt, wo die Hauptschlacht geschlagen, verharreit sie nicht, wie manche Blätter noch glauben möchten, in zitternder Erwartung der Dinqe, die da ganz von oben kommen sollen. Nein, sie gehen noch weiter und lassen die Schwere ihrer Hand noch die fühlen, die es versucht hatten, sich ihnen entgegenzustellen: Der Herr Minister von der Necke hat in der That in letzter Stunde eine Anweisuiig an alle Landräte, die zugleich Abgeordnet« sind, ergehe» lassen, die sie strikt aufforderte, fiir den Kanal zu stimme». In der That: ein ungeheuerliches Bc« ginnen, jemand eine Ueberzeugung verordnen zu wollen I Aber ist so etwas denn in Preußen gar so unerhört? Hat nicht vor ganz kurzer Zeit im Herrenhanse ein edler Graf von dem Justizministcr verlangt, er solle den Richtern ein- für allemal vorschreiben, wie sie sich Socialdemokraten gegenüber zu verhalten hätten? Aber jetzt haben eben dieselben Junier plötzlich Rechts« bewutztsein bekommen, jetzt ziehen sie die konstitutionelle Konsequenz: der Minister, der jene Beeitiflnfsung versucht hat, muß gehen! Da bei uns aber der Grundsatz unbekannt ist, daß Minister, die sich in so abnormer Weise unmöglich gemacht haben, von selbst abtreten, so muß man ihrem politischen Ehrgefühl ein wenig nachhelfen. Und so haben denn die Konservativen einfach beschlossen: alle vou dem Herrn von der Recke eingebrachten Gesetzentwürfe nicht mehr zur Beratung kommen zu lassen! Den Anfang machten sie heute mit dem Gesetzentwurf, be« treffend die Polizeiverwaltung in den Vororten vou Berlin. Auf Antrag des Abgeordneten von Hehde« b r a N d wurde beschlossen, ihn an die Kommission zurück» zuverweisen. Die Absicht war sehr deutlich, und Herr Richter/ dem bei aller Feindschaft gegen die Konservativen die Sache doch Spaß machte, fügte noch eine boshafte Bemerkung über das Ende der Ministcrherrlichkeit hinzu. Aber so ein preußischer Minister handelt immer noch etwas kläglicher, als man vennutet. Herr von der Recke hat nicht verstanden, in Schönheit zu sterben. Er stammelte ganz demütig: er habe nichts gegen den konservative» Antrag, obgleich er eigentlich gar nicht wisse, was man mit dem Gesetz in der Kommission noch anfangen sollet Der Arme kann nicht leben und kann nicht sterben: er mutz ja erst auf seine tele- graphische Todesnachricht warten. Die Herren Liberalen aber können von den Junkern lernen, wi» man mit Ministern verfährt, wenn sie sich a la Recke benehmen. Nach dem traurigen Regierungsputsch mit dem Vercinsgesetz wagt« eS keiner der liberalen Männer, den Minister wegen des versuchten Attentats zur Verantwortung zu ziehen. Die Herren sind allerdings weit gekommen. Ist doch vor wenigen Tagen aus liberalen Kreisen heraus an die Regierung die Aufforderung ergangen, von ihrer Autorität gegenüber den Verwaltungsbcamten, die im Landtage sitzen, bei der Abstimmung Gebrauch zu machen! Die Liberalen sind vielleicht die eigentlichen intellektuellen Urheber jenes Vek» gewaltigungsversuchcs. den die Konservativen jetzt so kräftig strafet«. „Die Konservativen haben Wind gesäet und werden Sturm ernten", so schrieb nach der Abstimmung ein kleines Berliner Blatt, das die allgemeine Desorganisation benutzen möchte, um seinen Wirkungskreis über Demimonde und Bookmaker hinaus bis in die Kreise der Regierung hinein auszudehnen. Es scheint, daß die Konjetvativen den Sturm nicht fürchten. Ein Wechsel in der eigcnt- lichen preußischen Regierung kann nicht eintreten: mag das Ministerium gehen, das Junkertum bleibt! Den Rest der heutigen Sitzung bildeten Petitionen. Darum kümmert sich in der Regel niemand, abgesehen von den einzelnen Abgeordneten, die ihren petitionierenden Wählern gegenüber ihr warmes Herz beweisen wollen, wozu sie sonst im Abgcorduetciihanse nicht allzu häufig Gelegenheit haben. Es waren auch lauter un- wichtige Sachen. Nur eine verdient es, bekannt zu werden: Der Braunsberger Kirchenvorstand beschwert sich darüber, daß der katholische Kirchhof dadurch entweiht worden sei, daß man da einen Altkatholiken beerdigt Habel Ein besonderes Fegefeuer für jenen Ruchlosen, der nach seinem Tode der heiligen Kirche noch jenen Tort angethan, wurde nicht verlangt. Man sieht, auch die Rechtgläubigen sind am Ende des XIX. Jahrhunderts von dem verderblichen Geist der Humanität ergriffen I— Der Dank der Regierung an die Kanalhelfer. Gegen die Parteipolitik wettert ein grimmiger Artikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung": „Gewiß, es läßt sich nicht bestreiten, daß die Regierung einen Mißerfolg zu verzeichnen hat; einen Mißerfolg in ihrem Streben nach Hebung und Sicherung der Volkswohlfahrt, einen Mißerfolg in ihrem Bemühen, ein Kulturwerk ersten Ranges, dessen Nutzen in vollem Umfange erst kommende Generationen erkennen dürften, in die Wege zu leiten, einen Mißerfolg schließlich auch in dem Versuche, eine große wirtschaftliche Frax aus dem Getriebe der Parteipolitik loszulösen und der rein fach- lichen Beurteilung anheiinzuftelZcn. DiesemMißerfolge der Regierung entspricht der„Sieg", den eine verbohrte Parteipolitik im Verein mir c ner unheilvollen, einseitigen Politik der Sondcrinteressen über das Allgemeinintercsse, eine rüclständige nationalvlononusche Anschauung über eine gesunde, den elementaren Anforderungen der Gegenwart und Zukunft Rüekstcht tragende Wirtschaftsvolltik er- rungen hat. Das Votum des Abgeordnetenhauses vom Sonnabend zeigt, daß unser innerpolitisches Leben noch immer an einer be- bedenklichen Unreife krankt, deren Ueberivindung durch das Ueber- wiegen parteipolitischer Rücksichten gehemmt wird." Wenn man aber glaubt, der Artikel sei in erster Linie gegen die Konservativen gerichtet, so irrt man sich gewaltig. Es wird gegen die Liberalen geeifert, die der Regierung den falschen Vorwurf gemacht haben, sie habe nicht früh genug auf die Konservativen eingewirkt. Und dann heißt es weiter: „Wir können den Parteien, die für den ganzen Kanalplan eintraten, den Vorwurf nicht vorenthalten, daß sie bei Ab- lehnung des Dortmund- Rhein- Kanals in denselben Fehler ver- fallen sind, den sie an anderen getadelt haben, indem sie— sei es mit der Absicht, den Konflikt zwischen Koni'er- vativen und Regierung auf die Spitze zu treiben, sei es Rücksicht auf die Taktik deS EentrumS— außer der Sacke liegende politische Motive zu ausschlaggebenden machten. Klar hervorgehoben werden muß die unbestreitbare Thatfache, daß die Mehrheiten des Abgeordnetenhauses vom Sonnabend au? den heterogensten Gesichtspunkten zusammengeführt waren, und daß sich in ihnen Intentionen vereinigten, die einander geradezu widersprachen. Die Aendcning in der Stellung der Nationalliberalen und der Freisinnigen ist vorstehend bereits charakterisiert; die Stinnn- enthaltungen des Centrums bei der ersten Abstin», rnng sind aus Motive zurückzuführen, die völlig außerhalb des Rahmens der sachlichen Argumente liegen usw. Der Artikel schließt: Auch bei dem enragiertesten Gegner der Kanalvorlage mußte das Zünglein der Wage nahezu in, Gleichgewicktspunkie stehen, und da konnte es für einen konservativen Mann kein Opfer des Intellekts und der Ucberzcngnng bedeuten, wenn er der um- fassenderen Sachkenntnis der Regierung und der Autorität der Krone in angeniessener Weis« Rechnung trug. Daß das nicht ge- schchen ist, wird den, Prestige der konservativen Partei als einer moiiarchisch-Ioyalcn nicht geringen Abbruch thun. Eine Modi- fikation des Verhältnisses zwischen der Regierung und den Kon- servaliven ergiebt sich aus dieser Sachlage von selbst___ Die Ratschläge des Staatsministeriums und die Eni- schließiingen der Krone werden der Sachlage angemessen sein. Das Staatsnünisteriu», wird sich nach wie vor bewußt bleiben, daß es die Verantwortung für das Allgemeinwohl trägt, und im übrigen: Es ist das ausschließliche Recht der Krone in Preußen, Minister zu berufen und zu entlassen. Was das Iveitere Schicksal des großen Kanalprojektes anlangt, so ist in Uebereinstimmung zwischen Krone und Staatsmiuisterium bereits von Perufener Seite erklärt worden, daß dasselbe unrer keinen Umständen atifgegeben ist. Wir sind der festen Ueber- zeugung, daß, wenn sich die Wogen der Erregung geglättet haben und die bereits begonnene Auseinandersetzung innerhalb der ein- zelnen Parteien und der Parteien untereinander sich vollzogen hat, eine Klärung der Ansichten platzgrcifen wird, die einen gewaltigen Rückschlag gegen die gegenwänigc Herrschaft der P a r t e i- I n t e r e I s e n und der P a r t e i t a k t i k bedeutet." Die Regierung ist demnach mit allen Parteien un- zufrieden, und die eifrigen Krone- und Kanalfreunde haben auf keine parteipolitischen Erfolge zu rechnen. Es spukt jene selbe Miquelsche Anschauung in diesem Artikel, die ihm einst die Gunst des Kaisers zuwandte: Alle Parteien seien überlebt, seien ein Hemmnis für die weitschauendc Thatkraft. Es ist jene Politik des Sammelbeckens, in dem maii die widerstrebenden Elemente zu mengen sucht. Mit dieser parteilosen Politik kann man vielleicht„Lokal-Anzeigcr"- Abonnenten gewinnen, aber auf die Dauer nicht regieren. Angesichts der Thatfache, daß die wirtschaftliche Entwicklung unlösbare Gegensätze schafft, muß die Ausgleichssucht zur jämmerlichen Versunipfung führen. Große Politik treiben, heißt Partei nehmen, nicht im sensationellen Sinne, aber in dem principieller Weltanschauung.— Der Reichstag als Netter der preuftischen Regierung. Das tragikomische Geschick der preußischen Regierung hat selbst in socialistischen Kreisen hier und da Mitleid erregt, und so zerbricht man sich sogar in unseren Reihen den Kopf, wie man der ärmsten aus der Klemme helfen könne. Wir unterbreiten der löblichen Regierung den folgenden uns ein- gesandten Vorschlag zur Prüfung als ein Angebinde social- demokratischer Großmut. In der Sache selbst sind wir frei- lich der Meinung, daß die Angelegenheit in Preußen durchgekämpft werden muß. Man schreibt uns: Reichstag und Landrats-Kammer wurden schon oft gegen einander ausgespielt. War, das Volkshauseinmal nicht mit allen Forderungen des Kriegsministers und Marine-Staatssekretärs einverstanden, wurde an unseren unvergleichlichen Justiz- und Polizeizuständen im Hause vor der Siegessäule Kritik geübt, oder wurde gar über das Begnadigungsrecht des Königs von Preußen von ReichstagS-Abgeordneten eine Bemerkung gemacht, da erhob sich stets Don Limburg-Stirmm oder einer seiner Sancho Pansa, um das Gewicht der Landratskammer gegen die unehrerbietigen, die preußische Tradition nicht hoch- haltenden Reichsboten auszuspielen. Auch die Regierung hat es stets als ein Mittel ihrer von den gewöhnlichen Bürgern noch nicht erkannten Staatsweisheit betrachtet, den Landtag gegen den Reichstag auszuspielen, als ihr Ideal hat sie es trotz der entgegenstehenden Verfassungs- Bestimmungen be- trachtet im Landtage das durchzusetzen, was ihr im Reichstage verweigert wurde. Heute giebt es aber aus der verfahrenen Situation für das Ministerium Miquel— Brefeld— Thielen— v. d. Recke keinen anderen Ausweg. als die Kanalvorlage durch den Reichstag Gesetz werden zu lassen. Man bedarf hierzu auch keiner künstlichen Interpretation der Verfassungen des Reichs und Preußens. Art. 2 der Reichsverfassung bestimmt: „Innerhalb des Bundesgebletes übt das Reick das Recht der Gesetzgebung nach Maßgabe des Inhalts dieser Verfassung und mit der Wirkung aus, daß die Reichsgesetze den LaudeSgesetzeu vorangehen." Art. 4 Absatz 8 der Reichsverfassung lautet: Der Beaufsichtigung seitens des Reiches und der Gesetzgebung desselben unterliegen die nackstehenden Angelegenheiten: 3.... Die Herstellung von Land- und Wasserstraßen im Interesse der Landesverteidigung und des allgemeinen Ver- kehrS. Nach Meinung der Regierung handelt es sich bei dem für die leitenden Staatsmänner so unrühmlich gefallenen Kanalprojekte um Interessen der Landesverteidigung, nach fast allgemeiner Auffaffung um bedeutungsvolle Verkehrsinteressen. Demnach stünde der Einbringung der abgelehnten Vorlage sim Reichstage kein Hindernis entgegen. UeberdieS beweist ja die Durchführung des Nordostsee- Kanals, daß der Bau von Kanälen vom Reichs- tage bewilligt werden kann. Der Einwand liegt freilich sehr nahe, daß dieses kost- spielige Projekt eine specifisch preußische Angelegenheit sei, so daß man mit einer Ablehnung der Vorlage schon im BundeS- rate rechnen müsse. Diese Schwierigkeit ließe sich überwinden, wenn man das fast ebenso wichtige Unternehmen des Main- Tonau-KanalS. der für die Industrie Bayern? eine Lebensfrage ersten Ranges ist, und vielleicht Korrektionen des Ober- Rheins und andere wichtige, aber wegen der be- schränkten Mittel der kleineren Bundesstaaten zurück- gestellte Fluß- Korrektionen und Uferschutz- Bauten mit der Mittelland- Kanalvorlage zu einem Gesetzentwürfe ver- schmelzen und dem Bundesrate vorlegen würde. Dann wäre Einstimmigkeit oder eine große Mehrheit wenigstens unter den Vertretern der verbündeten Regierungen gesichert; die öffent- liche Meinung, soweit sie nicht unter den geflickten Stroh- dächern der Kanitze gemacht wird, wäre einem so großen Kulturwerke sehr günstig, so daß auf eine Zustimmung des Reichstages auch ohne die Einwirkung von Kaiserreden gerechnet werden könnte.— •» ft Deutsches Aeich. Die Ehrung der StandrechtSoPfer. Ans Rastatt sckreibt man uns unterm 20. August: Die Ehrung der toten Freiheitskämpfer auf dem alten Friedhof ging ohne Störung von statten. Deputationen der socialdeinokratlschen Organisationen trafen mit den Morgcnzügen vom Oberland und von Karlsruhe und Umgebung ein. Sie trugen Blumengewinde und Lorbeerkränze, deren rote Schleifen nnt Widmungen in goldenen Lettern venchen waren. Die Polizei und Gendarmerie ivar auf den Beinen: doch wurde de» Vertretern der Arbeiterschaft — im Gegensatz zu früher— unbeschränkter Eintritt in den Fried- Hof gewährt. Nur als sich etwa 50 Personen um das schöne Denkmal gnippiert hatten, wurde das Tbor geschlossen, bis wieder ein Teil der Leute sich entfernt hatte. Man schien durch Vermeidung eines großen Andranges die Grabstätte schützen zu wollen. Der Shcnitstein, der gegen 200 Ctr. schwer ist. ragte gewaltig in der Morgensoune, Kra.., um Kranz wurde an scinein hoben Sockel niedergelegt. Kränze slf■« die Socialislen von Rastatt l„ Durch Eucril Tod lebt Ihr in unfern Herzen fort"), der„VolkS.freund" in Karlsruhe<„Den Freiheitsmärtyrern 1840"). der See. Verein Mühlburg „So ruhet sanft, Ihr Ivackeru Streiter. Ihr habt gekämpft, wir kämpfen weiter"), der Laiidesvorstand der socialdcmokratischc» Partei. die Arbeiterschaft in Aue, der„Vorwärts"« Karlsruhe, die sociaidemo- kratische Partei des X. Wahlkreises, der Gesangverein„Lassalle"- Karlsruhe, der Socialdcmokratische Verein Karlsruhe, die Socialistcn in Offenburg(„Und ob Ihr imJer'ni Fcstnngswall standreckte» die Gefangenen gingt":c,), der Wahlvercin Malicb, Socialdemokraiische Verein Durlach, Wahlvercin Muggensturm, Wahlverein Bietigheim, der Vertrauensmann des Vlll. Wahlkreises. Auch die demokratische Partei war vertreten durch den Abg. Delisle und die Redactenre des„Landesbote", welche Kränze mit schwarz-rot-goldencn Schlesien für den Volksvcrci» Karls- ruhe und den„Landesbote" niederlegten. Es war eine würdige, erbebende Feier, die wieder zeigte, wie die Ar- bester die Kämpfer für des Volkes Recht und Freiheit ehren. Zahlreiche Teilnehmer begaben sich sodann nach Ludwigs- Hafen bei Mannheim, wo der Abg. Liebknecht im Gcsellfchnfts- Saalbau vor über 1000 Personen eine zweistündige Gedächtnisrede biclt. Bußer ihm sprachen die Abgg. Drecsbach mid Ehrhart, sowie Apotheker Lutz. Ueber der Feier in Ludwigshofen wird uns noch geschrieben: Die Ehrung der 18 40 in Rastatt standrechtlich Erschossene» haben die badischcn Parteigenossen nach dein jenseitigen Ufer des Rheins, Nack L u d iv i g s h a f c n. verlege» müssen. Das Ministerium Eiscnlobr hat es für not- wendig erachtet, der badiscken Socialdcmokratie für die im Herbste stattfindenden Landtagswahlen noch eine be- pudere Wahlparole zu geben. An stelle der geplanten Ver- anstaltungc» mußte man sich imter dem Drucke des Verbotes— selbst das gemeinschastliche Mittagessen bot eine Gefahr für die Weiter- existenz des badischen Staares— mit einer Volksversammlung be- gniigeu und diese Hot vielleicht mehr erwirkt, als das ganze vorherige Programm. Nach einleitenden Worten durch Ebrhart- Lndwigshaieii und Dreesbach- Mannheim»abm Genosse Liebknecht das Wort, um die Ereignisse jener denkwürdigen Zeit zu schildern und den um die Freiheit ihres Vaterlandes dem Blei erlegenen Männer Worte der Anerkennung zu widmen. Mit den Worten:„Wir kämpfen, bis wir siegen", schloß er seine mit stürmi- lchem Beifall anfgenominenen Ausführungen. Nachdem noch Genosse Lutz- Badcn-Äaden namens deS Denkmal- komitecs den Dank abgestattet für die ihm zu teil gewordene Unterstützung, vereimgten sich die in erdrückender Anzahl im Saale Versamnieltcn noch einige Zeit in: Garten. So hat denn die Reaktion zu etivas ihre Mitwirkung verliehen, was sie gar nicht ivollte. Das badische Volk wird im Oktober sich dafür prompt, bedanken._ Herr LncanuS war beim Kaiser am Sonnabend. Am Montag- m i t l a g 12 Uhr fuhr Lucanus beim Reichskanzler vor und hatte mit demselben eine halbstündige Konferenz. Alsdann bx- gab sichHerrLucanus zum M i n i st e r v. M i q u e s. bei welchem er etwa eine Stunde verweilte. Für Montaai-.achmittag 4 Uhr waren sämtliche Minister von Fürst zu Hohenlohe z u einer vertraulichen Sitziing in. seine Amts- wohnung geladen. Der Kaiser trifft am Dienstag- nachmittag ans der Wildparkstation in Potsdam«in. Auf diesen Thatsachen beruhen die. gesamten Krisiskombinationen der Presse.— Tie Notwendigkeit zu lügen sollten gerade Sieger nicht anerkennen. Die Korrespondenz des.Bundes der Land- wirke" bespricht die Stellung der Parteien zur Kanalfrage und bemerkt dabei: „Der„Vorwärts" und seine rr.te Gefolgschaft erwarten mit Ungeduld den Sieg der Kanalvorlage. Sollte das nicht auch bei der Entscheidung über die Kanalfrage Berücksichtigung ver- dienen?" Das ist bewußter Schwindel. Die Socialdemokratie unterstützt natürlich jedes Kulturwerk. also auch stcn Kanal. Sie hat sich aber in der politischen Beurteilung t>er Frage von den liberalen und freisinnigen Kanalfreunden getrennt und' vom konstitutionellen Standpunkt das Recht der Junker auf Opposition anerkannt. Sind die Bündler plötzlich so feige geworden, daß sie nicht einzugestehen wagten, lvas die Wahrheit ist, weil sie die Au- erkcnnung seitens der Roten kompromittierend finden?— Zur NeichStagS-Nachwahl im 8. sächsischen Kreise. Ter soeben erschienene Wahlaufruf für den antisemitischen Kandidaten ist unterzeichnet außer von der antisemitischen Organisation noch vom konservativen Landesverein und vom Bunde der Landwirte; außer- dem haben ihn aber noch, wie der„Deutschen Tageszeitung" ge- schrieben wird, eine ganze Reihe von Herren unterzeichnet, die der nationalliberalen Partei angehören oder nahestehen.' Zu den Unter- Zeichnern gehört ein sächsischer Kammerfortschrittler, der also seinen Fortschritt dadurch bethätigt, daß er lieber einen Antisemiten wie einen Dcutschfreisilmigeu wählt. DäS ist kennzeichnend sowohl für die Verhältniffe im Kreise wie stir die sächsischen Parteiverhältnisse überhaupt. Die Parteinamen konservativ, nationalliberal, fortschrittlich, freisinnig, antisemitisch und dergleichen sind dort nicht mehr wert, wie die Etiketten aus Weinflaschen, die unter den verschiedensten hochtönenden Namen die- selbe ungenießbare Brühe enthalten. Das zeigte sich auch bei der Stichwahl 1893, wo die freisinnigen Wähler mindestens in ihrer großen Mehrzahl, wenn nicht sämtlich, zum Antisemiten übergingen und diesen, damit gegen den Social- demokraten zum Siege verhalfen. Deshalb kann auch die„Deutsche Tageszeitung" ruhig fein: kommt es, wie sie zu verinnten erklärt, zur Stichwahl, dann werden die.freisinnigen" Wähler zeigen, daß ihr Freisinn sich vom Antisemitismus nur durch den Namen unterscheidet. Wir vermuten jedoch, daß es nicht zur Stichwahl kommen, sondern daß unser Kandidat im ersten Wahlgange gewählt wird. Die Freisinnigen werden trotz aller Agitation nicht viel mehr Stimmen wie 1893 s6S2> aufbringen, dagegen wird die Zahl unserer Stimmen infolge der außerordentlich raschen industriellen Entwicklung des Kreises und des damit verbundenen starken Arbeitcrznzngcs erheblich steigen. ' Der Kreis Pima wird bald zu unseren sichersten Kreisen ge« hören. Also doch blind? Einen„Arbeitswilligen" hat Jnstiiia in Bochum gegriffen. Wie der„Bergknappe". Organ des Gcwerkvcreins christlicher Bergleute, mitteilt, ist am 2. August in Bochum der Bergmann O p a l l a ans Horsthausen von der straf- tammer wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung und versuchter Nötigung zu neun M o n a l e n G e f ä n g n i s verurteilt, jedoch nach der Verurteilung auf freien Fuß gesetzt worden. Er behauptet, daß er von einem Streikenden bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen worden sei und sich nur schivach habe wehren können. Seine zwei Entlastungszeugen, die den Vorfall mit angeschen hätten, seien gar nicht vernommen worden. Nach Be- cndigung der Hauerei hat O. zu seinem Gegner gesagt, er ginge abends ivieder zur Schicht, da solle dieser mir nochmals zur Brücke tominen: er werde sich schon einen tüchtigen Stock mitbringen. Darin wurde die versuchte Nötigung erblickt, weil das Gericht annahm, daß er seinen Gegner an der Arbeit hindern wollte. Der christliche Gewerkverein gewährt dem O. Rechtshilfe zur Einlegung der Revision. Wir bemerken hierzu noch, daß bei den Ereigniffen in Herne diesmal die Arbeitswilligen die Sympathien aller organisierten Arbeiter besaßen.— Zum Kapitel der Lcutcnot wird uns aus Elsaß- Lothringen geschrieben: Daß nicht bloß auf den Latifundien Ostelbiens, sondern auch bei den Parzellbauern in den gesegneten Landstrichen der südwestlichen Reichsgebiete der Mangel an länd- lichen Arbeitern in allererster Linie ans die traurigen Verhältnisse zurückzuführen ist, unter denen jene zu leben gezwungen sind das geht ans der folgenden Mitteilung hervor, die wir dem klerikalen, bnnernfrcimdlichcii„Elsüffer" entnehmen. Er berichtet aus Lothringen: „Jedes Jahr zur Zeit der Ernte kommt eS vor, daß ans der Gegend von Witsch eine größere Zahl von männlichen und w e i b l i ch e>i P e r s o n e n in das Elsaß reisen, um bei de» Ernte-Arbestcn dort zu helfen. Dieselben bleiben meistens etwa 14 Tage aus. Bei sehr vielen Gutsbesitzern kommt es nun vor, daß diese Arbeiter lalso männliche und weibliche l) alle in einem Zimmer zur Nachtruhe untergebracht werden. TaS sind Zustände, die unerhört sind und die man nicht dulden darf. Wenn diese Arbeiter im nächsten Jahre nickt mehr zur Ernte-Arbeit inS Elsaß tomnieil, dann sind die Gutsbesitzer eben selbst daran schuld. Ihre stttlichcn Anschauungen sind jedenfalls nickt weit her." Hier wie anderwärts treten die Gutsbesitzer, bei denen unter den geschilderten Verbältnissen begreislicherweise kein freier Arbeiter mehr in Dienste treten will, dann an die Militärbehörden heran mit dem Verlangen, ihnen Soldaten zur Erledigung der Ernte-Arveiten zur Verfügung zu stellen. So richtete kürzlich eine Deputation von Bauern aus der Umgegend von Metz an den kommandierenden General des XVI. Armeclorps, General Grafen Häieler. ein diesbezügliches Gesuch. Graf Häscler, dessen ent- fchiedeneS Vorgeben gegen die Verwendung der Offiziersburschen zc. zu Dienstboten- Arbeiten weithin bekannt ist, besckied die Bnnern- abordmmg jedoch abschlägig mit dem Hinweis darauf, daß die Mamischastcii vor allem zun, Zwecke ihrer militärischen Ausbildung unter der Fahne stünden. Wenn der in Metz erscheinende.Lorrain" gut unterrichtet ist, ha, die r e i ch s l ä n d i s ch e Regierung dem Grafen Häscler bereits zweimal die Abgabe von Soldaten zu Erutc-Arbcilen nahegelegt, sich aber beide Male einen Korb geholt.— Berichtigung. In Nr. 187 ist unter.Zur Kritik der amtlichen Sircilstatistil" ein Drnctschlcr unterlaufen. Spalte II Zeile 28 von unten muß es heißen Bruch meist er, nicht Bürgermeister. Ausland. Gtrasten-Unrnhen in Nordböh.ncn. Am 10. d. M. fanden in GraSlitz Demonstrationen vor dem AmtSgebände der Bezirkshanptmannichaft statt, wobei sämtliche Fensterscheiben im ersten Srock, insgesamt 200 durch Steinwürfe zer- lrümmert wurden. Infolge dieses Vorfalles wurde am nächsten Tage die Gendarmerie nm 15 Mann verstärkt. Gestern Abend kamen in Graslitz neuerliche Ansammlungen vor. Die Gendarmerie versnchre die Menge zu zerstreuen. Plötzlich wurde ein Steinwiwf auf die Gendarmerie von dem gegenüber liegenden Gasthanse aus abgegeben. Sechs Personen' wurden verbastet: später wurden von der Gendarmerie Versuche gemacht, das Gasthaus zu räumen, was jedoch nicht gelang. Die auS etwa 400—500 Personen bestehende Menge, die sich wie toll gebürdete, warf mit Bierkrügen, Ziegel- steinen und Kohlensiücken ans den Dachluken und Fenstern. Die Gendarmerie zog sich etwa 100 Schritt von dem Amtsgebäude zurück. 10 Excedenten wurden verhastet. Eine ans dem Bürger- meister, dem Führer der Deutsch-Nationalen Kricgelstein sowie zwei anderer Deutsch- Nationalen bestehende Deputation sprach beim Amtsleiter vor. um die Zurückziehung der Gendarmerie und die Freilassung der Verhafteten zu verlangen, wogegen die Deputation das Abziehen der Voltsmenge zusicherte. Hierauf wurde nicht ein- gegangen. Der Bürgermeister erklärte, nicht mehr in Aktion treten zu wollen und auch der städtischen Wache nicht zu gestatten, mitzu- wirken. Ilm 12 Uhr nachts erschien neuerlich eine Deputation mit dem Bürgermeister an der Spitze beim Amtsleiter mit dem gleichen Begehrein Inzwischen fällt ein Schuß gegen die Gendarmerie und ein Gendarmerie-Wachtmcister sinkt von einem Stein- wurf getroffen zu Boden. Hierauf macht die Gendarmerie von ihrer Waffe Gebrauch. Zwei Tote und ein schwer Verwundeter blieben auf dem Platze liegein Unter- dessen wurden auch aus einem anderen Hause Schüsse auf die Gen- darmerie abgegeben. Es wurden insgesamt sechs Personen verwundet, von welch' letzteren im Laufe der Nacht zwei starben. In der Nacht wurde noch ein Bataillon Infanterie vom Manöver- terrain sowie weitere Verstärkung der Gendarmerie nach Graslitz entsendet. Von heute früh wird gemeldet, daß nach dem Einschreiten der Gendarmerie Ruhe eingetreten ist, die Erregung jedoch fort- dauert. Die Menge sammelt sich wieder an und der Amtsleiter �ird auf dem Wege ins Amtsgebäude insultirt und mit Steinen be- warfen.'_ Eine Verfiigung Millerands. Genosse Millerand, der gegenwärtige französische Handels- minister, hat betreffs der Departements-Kommissionen. die sich nach dem Gesetz von 1832 mit den Verhältnissen der Frauen- und Kinderarbeit zu beschäftigen haben und Verbesserungsvorschläge unterbreiten sollen, folgendes Cirkular an die Präfekten gerichtet: „Das Gesetz vom 2. November 1802 betreffs der Arbeit der Kinder, minderjährigen Mädchen und Frauen in den industriellen Unternehmungen bestimmt, daff die Generalräte eine oder mehrere Kommissionen einsetzen, die über die Ausführung des Gesetzes und eventuell« Verbesserungen desselben Berichte erstatten sollen, die den Minister des Handels zu überreichen und der durch Artikel 22 ein- gerichteten Obeckommiffion mitzuteilen sind. Diese Kommissionen bestehen in allen Departements seit mehreren Jahren; doch haben sie bis jetzt nur sehr schwache Spuren ihres Daseins gezeigt. Einige sind zwei- oder dreimal zusammen- getreten, andere nur einmal, die gröjjte Anzahl aber überhaupt noch nicht. Wie erklärt sich dieser Mangel an Thätigkeit Z Ich denke, die Hauptsache liegt in der Art und Weise, wie diese Kominissionen zusammengesetzt sind. Nach Artikel 24 des Gesetzes sind Mitglieder der Kommissionen. die Kreis- und Departementsinspektoren, die Präsidenten und Vice- Präsidenten des Gcwerbegerichts der wichtigsten Jndustriecentren des Departements und die Vergwerks-Jnspektionsingenieure. wo solche vorhanden sind. Aber neben diesen haben die Generalräte sab- gesehen von einigen Mitgliedern deS Gesundheitsratcs) zu diesen Koinniisstonen nur Unternehmer berufen, die übrigens unter den be- fähigsten Personen ansgcivählt sind. Nur ganz ausnahmsweise haben sie sich an Arbeiter und Vertreter der Syndikate gewandt. Um von diesen Rommissiolicn eine wirklich nützliche Tätigkeit zu erhalten, müssen nach meiner Meinung neben Juristen und Hygienikern in sie eine Reihe von Vertretern der Unternehmer- und Arbeiter- Verbände(Handelskammern, Arbeitsbörsen, gewerbliche Syndikate) eintreten. Da das Gesetz vom 2. November 1892 ein Arbeiterschutz-Gesetz ist, und die Arbcitökommissionen des Departements den Zweck haben, Berichte über seine Ausführung zu madbci, und Wünsche hinsichtlich der mögliche» Verbesserungen zum Ausdruck zu bringe», so ist es nur gerecht, daff Arbeiter und Unternehmer dort durch eine gleiche Anzahl Beauftragter vertreten sind. Die Annäherung der von organisierten Gruppen der Arbeiter nnd Unternehmer entsandten Delegierten im Schöffe dieser Kom- Missionen würde sicherlich zum Austausch von höchst interessanten Gesichtspunkten führen. Ich füge hinzu, daff die Kommissionen bei solcher Zusanimen- sctzung auch dem zuweilen erhobenen Vorwurf entgehen würden, ei» Hindernis und nicht eine Unterstützung für die Thätiqkeit der Arbeitsinspektoren zu sein. Sie würden im Gegenteil deren Arbeit erleichtern, indem sie zwischen den Staatsbeamten und den beauftragten Vertretern der Arbeiter, die jetzt sehr bauffg in Verlegenheit sind, wie sie ihre Klagen auf einem regulären Wege vorbringen sollen, direkte Beziehungen herstellen. Ich bitte Sie, Herr Präfekt, diese Erivägungen der Begutachtung (apprsclation) deS GeneralratcS Ihres Dcpartenieus bei seiner nächsten Session zu unterbreiten. Auch wollen Sie mir über die Beschlüsse welche diese Versammlung glauben wird treffen zu müssen, gefälligst Bericht erstatten." Meuterei im französischen Kolonialherr. Vor eimger Zeit wurde beraimt, daff eine der gegenwärtig im Sudan vorgehenden französischen Expeditionen, die unter Leitung des Hauptmanns Coulet und Lieutenants Chauoiile, eines Sohnes des bekannten feministerS, steht, sich schwerer Uebergriffe und fortgesetzter Grausamkeiten gegen die Eingeborenen zu schulden kommen lasse». Darauf erteilte das Ministerium dem Oberstlicutenat Klobb. dcni Ches des vorgeschobenen militärischen Postens am Niger den Befehl, die Mission Coulet-Chanoine zurückzuholen und gegen die Schuldigen eine Untersuchung einzuleiten. Klobb kam in Begleitung des Lieutenants Meumer und einer kleinen Mannschaft diesem Befehl nach; sollte jedoch nicht lebend von seiner Nachsctzungs-Expedition zurückkehren. Aber nicht von den Eingeborenen wurde er und Maunier ermordet, sondern, wie sich jetzt herausstellt, von seinen eigenen Landöleuten, den Offizieren Coulet. Chanoine und Genossen, die aus Furcht vor Strafe einfach durch ihre Mannschaft Klobb und Meunier nieder- schieffen lieffen: ein neues Blatt im Ruhmeskranz des heutigen französischen Militarismus I Der„Figaro" giebt über die Iliiistände, unter denen die Ermordung erfolgte, folgenden näheren Bericht: „Infolge einer Untersuchung über die Expedition unter den Hanptleuten Coulet und Chanoine erhielt der Oberstlicutenant Klobb den Befehl, das Kommando über die Mission zu übernehmen und die blvffgcstellteu Offiziere nach Murte(?) zu führen. Klobb und Meunier waren von einer Abteilung eingeborener Soldaten begleitet, als sie aiis die Mission stießen. Klobb teilte der Expedition seinen Auftrag mit, worauf Coulet erwiderte, wenn Oberstlicutenant Klobb darauf beharre, sciucn Befehl auszuführen, könne er sich als toten Mann betrachten. Die Ausführung dieser Drohung Ivar nicht fern. Als Klobb und Meunier mit ihrer Begleitmannschaft sich der Expedition näherten, ließ Hauptmann Coulet seine Leute sofort laden und sich ickmffbereit halten, nachdem er vorbei eine Warnung an Klobb und Meunier harte ergchen lassen. Klobb erwiderte: ..Ich lasse nicht laden, schieffen Sie. wenn Sie es wagen!" und rückte mit Meunier vor. Coulet koimnandirte„Feuer" I Meunier und einige der Eingeborenen sielen; Klobb erhielt eine Kugel ins Bein, rückte aber weiter vor. Bald darauf starben Klobb und Meunier. Die Nachricht von diesem furchtbaren Doppel- mord wurde von einem Sudanesen»ach Shy übcrbracht. Außer den Hauptleuteu Coulet und Chanoine umfaßte die Expedition noch 2 Offiziere, einen Militairarzt und zwei andere französische Unter- bcanite." Eine amtliche telegraphische Meldung der Residenten in Sah und Porto Novo an den französischen Minister der Kolonien bestätigt diese Darstellung. Danach ist der Tod des Obcrst-Lieutcuants Klobb und seines Adjutanten Meunier am 14. Juli in der Nähe von Murte erfolgt. Von den Begleitern derselben wurden 8 verwundet und 0 getötet, z w ei sind verschwunden. Als Klobb auf die Expedition Coulet stieß, rückte er trotz des Verbotes Conlets vor. Letzterer ließ dreimal Salvcufeucr abgeben, als Klobb auf 100— ISO Meter heran- gekoumien war. Die überlebenden Begleiter Klobbs sind in Dosso angekommen und führe» Briefe Coulets an Klobb bei sich, in welchen der erster« diesem anzeigt, er werde ihn als Feind behandeln, wenn er es versuchen sollte, zu ihm zu kommen.— bestreich-Ungarn. Gegen den§ 14. Der Landesverband der niederöstreichischen Proviuzkaufnialmschoft, weichem von den in Nicderöstreich bestcheuden <0 HandelSgremieN und Genossenschaften bereits 4ö niit einer Gesamt- Miigliederzahl von mehr als 5000 angehören, richtet an sämtliche, vom Kronlaiide Niedcröstreich in den Sicichsrat entsendete Abgeordnete ans Anlaß der Zuckerstener- Erhöhung eine Zuschrift, in welcher die Intervention der Abgeordneten gegen diese und die übrigen neuen Konsumsteuern angerufen wird.— Qcstreich-rnssischrr Garantie-Vertrag.„Narodnh Listi" veröffentlichen einen ihr angeblich ans Petersburger Kreisen zu- gegangenen Brief, in ivelchem die panslavistische Politik des Zaren besprochen und behauptet wird, daff seit dem 1. Mai 18S7 zwischen Rußland und Ocsireich ein Abkommen bestehe, welches Oestreich seine Grenzen garantiere. Wie weiter verlautet, steht in den bb'hmi- schen höheren Verwaltungsbehörden eine Personalverändening bevor; sSmtliche deutsche Funktionäre sollen entfernt und durch czechische ersetzt werden.—- Dänemark. Zollschntz fiir landwirtschaftliche Erzengnisfe. Im Finanz- Ministerium ist heute eine Kommission von 11 Mitgliedern eingesetzt worden, deren Aufgabe ist, Untersuchungen darüber anzustellen, in- wiefern angenommen werden kann,' daß ein Zollschutz den land- wirtschaftlichen Produkten und der dänischen Landwirtschaft im all- gemeinen nützlich ist und in welcher Weise ein solcher gegebenenfalls durchzuführen wäre. Belgien. Die Wahl in SoignkeS.(Eig.Ber.) Wie bereits gemeldet, fand die Wahl inSoignies unter ganz besonderen Umständen statt. Dieltlerikalen, die bei der letzten Wahl 16 850 Stimmen erhielten, haben den Kampf aufgegeben. Die Liberalen, die 14770 Stimmen erhalten hatten, waren diesem weisen Beispiel gefolgt. Aber unter den Liberalen hat sich ein „wilder" Kandidat erhoben und von unserer Agitation zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts verbunden mit der Proportional- Vertretung Vorteil gezogen, um sich als Kandidat aller derer zu proklamieren, welche die Proportional-Vertretung i» jeder Form wollten, selbst mit den Pluralstimmen. Dieser Präsident des „Freien Gedankens" zählte also auf die Stimmen der Klerikalen. Obivohl nun die Klerikalen und Liberalen bei der letzten Wahl 14 770-I- 15 850— 30 620 Stimmen un die Socialisten nur 22 500 Stimmen erhalten hatten, haben doch eine Menge Liberaler für unsern Kandidaten gestimmt, da sie diejenigen, welche die RegierungS-Wahlreform annehmen wollen, auch nicht um eine Stimme verstärken wollten. Das Resultat der Wahl vom 20. August war: Dr. Branquart lSocialist) 23 022 Stimmen. Dr. B r i c o u l t(Wild) 24 742 Stimmen.— Kundgebung.(Eig. Ber.) Sonntag fand die Einweihung einer Fahne der Gruppe der früheren socialistischc» Soldaten statt. Die Gruppe zählt in Brüssel gegenwärtig 600 Mitglieder. Die Kundgebung hat unter dcm Zusammenlauf der jungen antimilitaristischen Garde stattgefunden. Diese beiden Gruppen ergänzen sich vortrefflich. Die jitägen, welche die Soldaten mit unseren Ideen erfüllen,— die alten Soldaten, welche ihre Waffenkenntnis in den Dienst des Proletariats an dem Tage stellen, an welchem die Reaktion einen Staat? st reich versuchen sollte.— Amerika. Die demokratisch« Plattform. Einem Bericht des„Standard" zufolge haben die Demokraten auf ihrem Konvent zu Iowa den Ratschlag Brhans befolgt und ein Programm adoptiert, das das Programm von Chicago bestätigt, aber kein Wort über die Silber- frage äußert. Dies sei besonders bedeutsam in Anbetracht der eifrigen Vertretung des SilberprogrammS in Iowa. Das Programm billig! den Krieg gegen Spanien, weil er für die Freiheit Kubas uiiternommeii worden sei, aber es verurteilt den Krieg auf den Philippinen als einen Eroberungskrieg. Der Jmperialisnius sei von England inspiriert, um Bedingungen zu schaffen, die eine angelsächsische Allianz erzwingen würden. Die Ringe und Trusts seien zu vernichte», weil sie die Vereinigten Staaten zum Ruin führen.— Afrika. TranSvaal-KristS. Endlich scheint die Transvaak-Regicrung sich zu einer Antwort aus de» Chamberlainscheii Vorschlag entschlossen zu haben, wenigstens berichtet das„Reutersche Bureau" soeben aus Prätoria: Dem englischen Vertreter in Prätoria ist nunmehr die Antwort der Südafrikanischen Republik aus den englischen Vorschlag zugegangen. Es liegt Grund vor zu der Amiahme, daß TrauSvaal den Vorschlag auf eine gemeinsame Untersuchung nicht angenommen, sonder» seinerseits neue Vorschläge gemacht hat. Melchcr Art die Antwort ist, bleibt danach zweifelhaft; wahrscheinlich wird sie die Fassung haben, die schon vor einigen Tagen von den„Times" und dem„Standard" signalisiert wurde. Fried- licher ist entschieden die Lage seit Sonnabend nicht geworden. In Engkand wie in Transvaal beginnt nian immer mehr niit der Wahrscheinlichkeit eines Krieges zu rechnen, und auch der Oranje-Frei- stant bereitet sich, wie es scheint, auf den Krieg vor. Siebeneinhalb Schiffslastcn Kriegsmaterial wurden in Port Elizabeth ausgeladen und nach Aliwal-North gesandt zur Verteilung im Oraiije-Freistaat. Der Vorgang wird lebhaft besprochen. Entgegen dieser Nachricht, die auf ein Hand- in- Hand- Gehen der beiden afrikanischen Republiken hindeutet, ivissen die „Times" aus Johannesburg zu melden, daß der KommisstonSbericht über die Dynamitfrage eine Spannung in den Beziehungen zivischeu dem Oranjc- Freistaat und der Südafrikanischen Republik hervor- gerufen hat. Der Freistaat sei für Beseitigung des Vertrages mit der Dynaniitgcscllschaft und betrachte den KommissionSbcricht als einen Bruch früherer Versprechungen. Namens des Freistaates habe Fischer energischen Protest erhoben. Wolmarans reise von Prätoria nach Blocmfontein, um mit dem Oranje-Freistaat in der Angelegenheit zu unterbnndcln. In Transvaal rechne man mit Sicherheit darauf, daff die Mehrheit des VollSraadS sich gegen die Aufhebung deSVer- trage« mit der Dynamitgcsellschaft aiissprechcn werde. ' Ilni die Boeren einzuschüchtern, betreibt die englische Presse niit Vorliebe den Sport, über neue große Rüstungen aus englischer Seite zu berichten; so schreibt der„Daily Telegraph" unter der Spitzmarke Militärische Vorbereitungen": „Die Zusammensetzung der Trnppenmacht, welche für den Fall des Ausbruchs eines Krieges in Südafrika verwandt werden wird, ist festgestellt ivorden und wird etwa 1200 Offiziere und 30000 Mann und Uiiteroffizicre betragen. Die Namen der betreffenden Bataillone, Batterien und Kompagnien befinden sich unter Siegel nnd werden den Garnisonstäben erst mitgeteilt werden, wenn dies absolut not- wendig ist. Die in Frage kommenden Fcldbattcricn sind die 7.. 10., 13., 14.. 20., 44.. 62., 66., 67. und 85. Drei dieser Batterien befinden sich bereits in Natal, die übrigen gehen von England aus. An- zeichen liege» auch dafür vor, daß 4 Batterien der Royal-Horse- Artillcry gehen." Von einem nicht unverdienten Mißgeschick ist der Korrespondent des„Rcuterschen Bureaus" in Blocmfontciu betroffen worden. Wie bekannt, waren die Meldungen dieses Bureaus im letzten spanisch-amcrikanischen Kriege, wie während der Samoa-llieibungen höchst einseitige und parteiische, und auch seine jetzigen Telegramme aus Prätoria. Bloemfontein und Johannesburg lassen kaum etwas au Tendenziösität zu wünschen übrig. Jetzt hat endlich, wie die „Nat.-Zt." meldet, das böseGeschick den phantasievollen Korrespondenten des„Rcuterschen Bureaus' in Blomfontein erreicht, nachdem die das Bureau in Johannesburg und Prätoria vertretenden Herren sich wiederholt die schärfsten Dementierungen gefallen und recht auf- fallend eigenmächtige Korrekturen der Wahrheit nachweisen lassen mufften. Die Behörden des Oranje-Freistaats haben sich mit dem üblichen Dementieren nicht begnügt, sondern den Reutersche» Kor- respondenten, nachdem er in ikgranti bei Absendung einer frei erfundenen Nachricht ertappt worden ivar, einfach verhastet und erst, nachdem er vor dem Strafrichter erschienen, gegen eine Kaution von 100 Pfd. Sterl. vorläufig wieder freigelassen. Der Herr, namens Purman, hatte nach dem bekannten Schema der erfundenen Rüstungen auf Boeren- und Afrikanderseite an das Londoner Reuter-Burcau folgende Depesche aufgegeben, deren Inhalt voll« ständig erfunden war:„Es steht fest, daff die Kommandanten Befehl erhielten, nächste Woche in Bloemfontein zusammenzu- treten..— Australien. EamoauifcheS. Das„Reutersche Bureau" meldet aus Apia vom 10. d. M.: Hier ist olles ruhig. Mataafa richtete an die Kommission ein Schreiben, in welchem er Abschaffung deS Königtums und Ernennung SolfS zum Chef der Regierung anrat. Gerüchtweise verlautet, Mataafa werde zum Gouverneur ernannt werden. Die feindselige Gesinnung der Eingeborenen untereinander dauert fort.' In NenneS. Die MontagS-Sitzung wird um 6'/s Uhr eröffnet. General Fabre sagt aus, er sei als Chef des vierten BureauS Vorgesetzter von DrehfuS gewesen. Zeuge giebt die schlechteste Auskunft über DrryfuS und erzählt, daff er den Dienst ver- nachläsfigt habe, um sich Nachrichten zu ticrschaffeu. Die Art seiner Arbeiten habe ihn sehr Ivohl in den Stand gesetzt, dem AuS- lande Nachrichten zu liefern. General Fabre fährt in seilrer Aus- sage fort, die Meinung der anderen Vorgesetzten im Bureau über Drehfus habe ihn in seinem Verdachte bestärkt; jetzt, wie 1894, sei er überzeugt, daff DrehfuS der Urheber deS Bordereaus sei. (Bewegung.).... DrryfuS, der mit ruhiger Stimme spricht, erkennt die Richtigkeit der Erklärungen Fabres an'hinsichtlich der Arbeiten, welche er ins- besondere beim Ostnetz auszuführen hatte. Der Zeuge Oberftlieutenant d'AbboVille bestätigt lediglich die Aussagen Fabres. seines früheren Chefs. Hierauf wird der Chef der Sicherheitspolizei Cochefert ver- nommen, welcher erklärt, General Mercier selbst habe ihn über die Affaire auf dem Laufenden gehalten und ihn um Rat gefragt. Er habe mit du Paty de Clam der Schriftprüfung durch das Diktat beigewohnt. Er habe eine sichtbare Unruhe bei Dreyfus festgestellt und infolge davon selbst an ihn Fragen gerichtet. Da Dreyfus heftig seine Unschuld beteuert habe, so habe Zeuge den Eindruck gehabt, als könne dersebe schuldig sein. Die militärischen Behörden hätten sich hierauf mit der Affaire weiter befaßt und der Zeuge habe sich mit derselben nicht nichr beschäftigt. Dennoch, fügte er hinzu, hätte, falls er die Handschnft des BordereauS gekannt hätte, seine Auffassung vielleicht sich noch ändern können. Drehfus erklärt, er werde auf diese Aussage antworten, wenn du Paty de Clam zur Stelle sei. Der folgende Zeuge, Archivar Gribclin, sagt: Im Augenblicke seiner Verhaftung machte Dreyfus auf mich den Eindruck, als spiele er Komödie, da er Dinge in Abrede stellte, die jeder Offizier im Kriegsministerium kennen mutz. Zeuge hatte die Kenutnis von näheren Beziehungen des Dreyfns mit Damen der Halbwelt; er giebt eine historische Darstellung der Affaire und bemerkt besonders. daff Esterhazy niemals in das Nachrichtcnbureau gekommen sei. Zeuge begreift nicht, wie daS„befreiende Dokument" in die Hände Esterhazys gefallen ist und erklärt, er habe Picquart mit LebloiS gesehen, wie sie auf einem Tische die Geheimakten über die Brief- tauben vor sich hatten. Auf zahlreiche an ihn gerichtete Fragen er- kennt Gribelin an, daff er niit den Umtrieben du Patys und Henrys zu Gunsten des Esterhazy zu thun gehabt habe, und giebt Auf- Schlüsse über die auf Befehl seiner Vorgesetzten von ihm unter- nomnienen Schritte.„„, Teniange fragt den Zeugen nach den Gründen für die roman- haften Begegnisse und weshalb Zeuge falsche Bärte und Brillen be- nutzte, da doch von einer Denunziation des Esterhazy noch keine Rede gewesen sei? �,_. Gribelin antivortete: Fragen Sie doch du Paty! Glauben Sie nicht etwa, daff mich das ainüsierte l(Aiihaltcndes Gelächters Auf eine Frage PicquartS erklärt Gribelin, er habe niemals Befehl erhalten,'die Korrespondenz PicquartS zu öffnen und habe dies auch nicht gethan. Picqnart besieht trotzdem darauf, daff seine Korrespondenz verletzt worden sei und fügt hinzu, er habe niemals Indiskretionen zu Gunsten von Leblois begangen, die Jndiskreditionen rührten von anderer Seite her.,. � Der EskadronSckef Lauth wiederholt seine vor dem Kassanons- Hofe abgegebene Erklärung über die Mitteilung, die ihm von Henry über das Borderean gemacht wurde. Hauptmann Matton und ferner Gribelin seien zugegen gcivcscii. Henry allein habe den Agenten gekannt, ivelcher das Bordereau überbrachte. Auf das„Petit bleu" übergehend, sagte der Zeuge aus, daß es Picquart in eineni Paket in den ersten Tagen des März zugegangen sei; er protestiert gegen PicquartS Behauptungen über Nachlässigkeiten und Leicht- fertigkeitcn von Offizieren des vierten Bureau«. Lauth be- streitet gewisse Behauptungen Picquarts, nach denen er der geistige Urheber der Fälschung Henrys sen, soll, und erklärt schliefflich, Henry habe keinerlei Bekanntschaften in der Presse gehabt und habe der ganzen Preffkainpagne fern gestanden. Hierauf wird eine Pause gemacht.. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erwidert Lauth auf eme Frage bezüglich des Briefes des Obersten Schneider, dieser Brief sei authentisch. er selbst habe eine Abschrift desselben angefertigt. Auf die Erklärung Picquarts, daff er das„Petit bleu" ber seinem Austritt aus deni Ministerium unverändert zurückgelassen habe, giebt Lauth zu. daff da«„Petit bleu" keinerlei Rasur zeigte, als er e« pbotographierte.• Major Junik, welcher gleichzeitig mit Dreyfus zum Generalstab kommandiert war, sagt aus, er habe Kenntnis von starken Spiel- Verlusten des Angeklagten und seine« Beziehungen zu Angehörigen der Halbwelt. Er. Zeuge, habe lange Zeit mit Dreyfus zusammen gearbeitet. Die zum Generalstabe kommandierten Offiziere seien über die Arbeiten in allen Bureaus auf de», Laufenden gehalten Ivorden. Jiiiick führt die Arbeiten cinzeln auf. welche Dreyfns über- tragen waren; darunter hauptsächlich die Studie über die deutsche Artillerie, welche ihn nötigte, auch in den anderen Bureaus Er- kundig, mgcn einzuziehen.......„ � Der Zeuge Junck erklärt weiter bezüglich der Note über Madagaskar, Dreyfus habe ihm anvertraut, daß er von einem Vetter, cinc», Attachs im Miiiisterilim des Auswärtigen, interessante Mitteilungen erhalten habe. Junck versichert, daff Picquart den „Petit bleu" habe abstempeln lassen wollen, um ihn alS echt erscheinen zu lassen. Der Zeuge erzählt ferner einen sehr kuriosen Auf- tritt, der sich im Kabiuet des Untersuchungsrichters Bertulus mit Esterhazy und der Frau PayS abspielte. Beriulnö verlangt hierauf sofort daS Wort. � �. Präsident Jonimst erwidert ihm, daff er nach der Reihe das Wort erhalten solle. Junck beendigt dann seine Zeilgenaussage unter allgemeiner Heiterkeit..... DreyfiiS antwortet auf die Aussagen JunckS. Er verlangt eme Untersuchung, welche ergeben werde, daff er niemals gespielt habe, und stellt fest, daff die zum Generalstab kommandierten Offiziere im Juli 1804 wufften, daff sie zur Truppe komniandiert würden, zur Zeit, in welcher keine Manöver stattfanden. Bezüglich der Madagascar-Note erklärt DreyfuS, daff niemals ein Vetter von ihm Attachs im Ministerium deS Auswärtigen gewesen sei. Schliefflich fügt er noch Hinz», daff er nicht allein die Drucklegung der Arbeiten bezüglich der Berprovianticning der Grenztnlppeii überwacht habe, sondern daff mehrere zum Generalstab kommandierte Offiziere sich bei diesem Dienst ablösten. Bertulns, der dann das Wort erhält, beschreibt die Einzelheiten seiner Zusammenkunst mit Henry und Junck. Zum Schlutz der Ver- Handlung erklärte BertuluS energisch, er habe nicht gesagt, daff Esterhazy nicht ein Verräter sei; seine tiefe und unerschütterliche Ueberzcugiuig sei im Gegenteil, daff Esterhazy den Verrat verübt habe, und dätz er ihn allein verübt habe. Hierauf wird die Sitzung aufgehoben Die Liste der* Fälschnngen stellt die„Frankfurter Zeitung" zusammen, die damit einen erwünschten Leitfaden durch daS Labyrinth de« Dreyfus-Prozesses giebt: 1. Die falsche Depesche Panizzardis vom 2. Rovbr. 1304. Panizzardi hatte nach der Verhaftung des Drehfus nach Rom telegraphiert, wenn DreyfuS keine direkten Beziehungen zu dem dortigen Generalstabe habe, solle man amtlich erklären lassen, daß Dreyfus mit Italien in keiner Verbindung stand. DaS Ausivärtige Amt hatte dem Kriegsministerium zuerst eine etwas abweichende Fastung zugehen lassen, schickte ihm aber dann den authentischen Text. Diesen Text be- seitigten Henry und du Paty und brachten an seine Stelle einen andern, in dem es heißt:„Der Kriegsmiiiister hat Beweise, daff Drehsus mit Deutschland Beziehungen unterhielt." Diese gefälschte Depesche befand sich unter den Aktenstücken, die dem Kriegsgericht e�ne Wissen des Angeklagten und seines Verteidigers vorgelegt wurden und die Verurteilung des DrcyfuS entschieden. 2. Der Brief des Obersten Schwartzkoppen an Panrzzardi mit der bekannten Phrase„Ce canaille de D." "o.get, Cuignet und Henry selbst haben anerkannt, daß das D. sich nicht aus Drehfus bezieht. Trotzdem wurde der Brief gegen Dreyfus verwertet. Als der Gencralstab die beginnende Revisionsbewegung lm Kenne ersticken wollte, ließ er den Brief durch den„Eclair" veröffentlichen und mit der angeführten Phrase in folgender Fällung:„Cet animal de Dreyfus." Obgleich das D. sich nicht aus Drehfus bezog, war Dreyfus im Artikel des„Eclair" mit volle», Namen bezeichnet und als der Verräter erklärt. r 3- Die B riefe des deutschen Kaisers. Die Existenz v'eser Briefe wurde bestätigt in zwei großen Artikeln des „�ntranstgeant", und zwar infolge eines Besuches, den im Auftrage des Geiieralstabschefs B o i s d e f f r e der Kabinettschef desselben. Ol'erst P a u f f i n de S t. M o r e l, bei Nochefort gemacht hat; ebenso lst d,e Existenz dieser Briefe in einer Rede des Abgeordneten M i l l e v o y e versichert worden und Henry hat in einer Unter- redung mit dem Rat Paleologue sowie in seiner Aussage im Zola-Prozeß sich auf sie bezogen. Später hat man sich allerdings der Briefe geschämt und hat sie stillschweigend verschwinden lassen. 4. Der Brief W e h I e r vom Juli 1896. Der Brief war an Dreyfus auf der Teufelsinsel gerichtet, war in auffallenden Buch- staben geschrieben und hatte Zwischenlinien, deren Worte mit sym- pathetischer Tinte geschrieben lvaren, doch so, daß man sie deutlich lesen konnte, und zwar lauteten diese Worte: Wir verstehen Ihre Mitteilung nicht; sagen Sie, wo die Schränke sind mit den..." Der Brief hatte, wenn er an Dreyfus gelangte, den Zweck, an eine Verbindung desselben mit der Außenwelt glauben zu macheu; da er aber Picquart in die Hände fiel zu einer Zeit, wo dieser sich schon mit Esterhazy beschäftigte, so sollte der Brief ihn von der Spur Esterhazys abbringen und ihn glauben lassen, daß ein Komplott bestehe zu dem Zwecke. Dreyfus' durch einen Stroh- mann zu ersetzen. 5. Ein Brief Schwartzkoppens an Panizzardi, der von der Hand Henrys den Vermerk trägt:„März 1894". Schwartz- koppen schrieb darin,„daß D. ihm viele interessante Sachen gebracht habe. Der Kommandant Cuignet selbst hat vor dem Kassations- Hof nachgewiesen, daß das D. an einer Stelle geschrieben ist, wo zuvor ein anderer Buchstabe oder Name ausradiert worden war. Die Bemerkung„März 1894" ist ebenfalls falsch; der Brief von Henry wurde dem General Ganse im August 1894 übergeben, mit Umgehung Picquarts, der damals noch Chef des Nachrichtenbureaus Ivar. Der Brief gehört zu den Schriftstücken, die C a v a i g n a c auf der Kanimertribüne verlas und die dann in allen Gemeinden Frankreichs angeschlagen wurden. � 6. Die eigentliche Fälschung Henrys, d. h. ein angeblicher Brief Panizzardis an Schwartzkoppen. Er bildete das Hauptbeweisstück C a v a i g n a c s. Es verlohnt sich, die betreffende Stelle des stenographischen Berichts über die Kamniersitzunq vom 7. Juli 1898 nachzulesen: Cavaignac: Im Augenblick, wo die Interpellation Castclin eingebracht wurde, im November 1896, wurden die beiden Herren, von denen ich gesprochen habe sSchlvartzkoppen und Panizzardi). unruhig, aus Gründen, die sehr klar hervorgehen ans Briefen, die ich vor Augen gehabt habe: und alsdann hat einer von ihnen einen Brief geschrieben, dessen Wortlaut folgender ist:„.Tal lu qu'un däpute va interpolier sur Drevfns. Si..... je dirai que jamais j'avais des relations aveo ce juif. G est entendu. Si on vous demande, dites commes(ja, car il ne faut pas jamais qu'on sache ce quit est arrive avec lui." sDas schlechte Französisch sollte glaubhaft machen, daß der Brief von einem Nicht franzosen ist. Red.). A. Humbert: Das ist klar! Cavaignac: Ich habe mich von der materiellen und mora- lischen Authenlicität dieses Dokumentes überzeugt. Sieben Wochen später gestand Henry selbst ein, daß er den Brief fabriziert habe. 7. Die Fälschungen am„Petit bleu". Dieser Kartenbrief führte bekanntlich Picquart auf die Spur Estcrhazy's; er war an diesen mit seiner vollen Adresse gerichtet. Als Picquart aus dem Nachrichtenbureau und ans Paris entfenit ivar, wurde der Name Esterhazy ausradiert und derselbe Name wieder auf die aus radierte Stelle geschrieben. Das sollte glauben machen, el sei ein anderer Name ausradiert und der Name Esterhazys aus böslicher Absicht hineingesetzt worden. Dabei verfuhr der Fälscher aber so plump, daß er zwar den Namen Esterhazys ans- radierte, aber dessen Adresse unberührt stehen ließ. Bekanntlich wurde Picquart beschuldigt, diese Fälschung verübt zu haben; kann aber durch eine Photographie, die nehmen ließ, nachweisen, daß die Fälschung gang aus Paris begangen worden ist. 8. und 9. Die Depeschen„8peran?a" Esterhazy und der Pays gefälscht, um Picquart promittieren und sein Zeugnis im Esterhazy- Prozeß Kriegsgerichte zu verdächtigen. 16. Die neueste Fälschung auf den Namen des Obersten Schneider, des östreichisch-ungarischen Militär-Attaches. Der Brief, den Schneider abgeschickt haben sollte, lautet: „Paris, 36. November 1897. Man hatte bereits wiederholt eine ähnliche Vermutung geäußert, daß der Verräter ein anderer ist, als Drcyfns, und ich wäre nicht wieder darauf zurückgekommen, wenn ich nicht seit einem Jahre durch dritte Personen erfahren hätte, daß der deutsche und der italienische Militär-Attache die gleiche These in den Salons, rechts und links, verteidigten. Ich bleibe immer noch bei den seiner Zeit über den Dreyfus-Handel veröffentlichten Informationen. Ich betrachte sie noch immer als richtig und bleibe bei der Ansicht, daß Dreyfus init den deutschen Spionagebürcaus von Straßburg und Brüssel in Verbindung stand, die der große Generalstab sorgfältigst selbst seinen eigenen Landslentcn verheimlicht." er er vom„Petit bleu" erst nach seinem Weg- und Blanclle", von zu kom vor dem fuhr. Hier wurde er mit seinen Freunden verhaftet und nach der Chauteau d'Eau-Kaserne gebraucht. Die Menge teilte sich nunmehr in zwei Gruppen. Die eine ging die Rne St. Maur ent- lang, die gerade unbewacht war, und gelangte, ohne angehalten zu werden, zur Kirche St. Joseph. Einige an der Spitze marschierende Individuen betraten die Kirche, rissen mehrere Bilder herunter, er- griffen einige Sessel, trugen sie auf die Straße, zerschlugen sie und zündeten ein Freudcnfeiier vor der Kirche an. Die Polizei durch Passanten von diesen Vorfällen unterrichtet, eilte hinzu und zerstreute die Menge. Der andere Haufe, etiva 266 Personen mit einer roten Fahne,' zog die Rue des Boulets entlaug. Ein Polizei kommissar und ein Polizei-Jnspektor traten der Menge entgegen. wurden jedoch gestoßen, geschlagen und niedergetreten. Der Kommissar erlitt ernste Kontusionen, der Polizei-Jnspektor wurde schwer verletzt. Polizisten eilten zu Hilfe, und es kam zu einem heftigen Zusammenstoße, in dessen Verlauf vier Polizisten leicht verletzt wurden. Die Menge wurde auseinandergetrieben. 32 Personen wurden verhaftet. Seit 8 Uhr abends wurden die Teilnehmer an den Kundgebungen, welche sich bis zum Ost bahnhof ausdehnten, beständig durch die Polizei zurückgedrängt Die Menge brachte Hockrufe auf die Armee und die Republik aus. Die Polizei trieb eine Anzahl junger Burschen, welche Zeitungspakere verbrannten, auseinander. Gegen 16 Uhr abends fanden auf dem Boulevard de Magenta und dem Boulevard de Straßbourg Ruhestörungen statt, bei welchen Rc volvcrschüffe abgegeben wurden, die aber niemand verletzten Mehrere Personell wurden verhaftet; zwei Zeitungskioske wurden in Brand gesteckt. In der Rue Chabrol dauerten die Kund- gcbungcn bis Mitternacht fort. Bis dahin waren etwa 66 Personen verwundet worden, darunter mehrere Polizeiagenten. Die Teil- nchmcr an den Kundgebungen, ivelche sich nach dem Ostbahnho gestück�et hatten, wurden von dort vertrieben. 25 Personen wurden verhaftet, gegen 1 Uhr nachls war die Ruhe wieder hergestellt. In den Straßen in der Nähe der Festung Guerin war die Zähl der Demonstranten vielleicht 36666 Mann stark. Gegen Mitter- nacht wurden zwei Kompagnien des 74. Linienregimenls aus der nahen Kaserne Nouvelle France geholt. Es war das erste Mal seit langer Zeit, daß Truppen eingriffen. Die Infanteristen jagten Haupt sächlich die vielen dort mützig sich herumtreibenden beurlaubten Soldaten lveg. � Nach Feststellung der Polizeipräfettur sind bei diesen Straßen- unrnhen im ganzen 380 Personen verwundet worden, von denen 361 in Krankenhäuser gebracht wurden. Die Zahl der verwundeten Polizei-Agenten beträgt 59. Es wurden 156 Perhaftungen vor- genommen, von denen 86 nicht aufrecht erhalten wurden. Infolge der Vorgänge am Sonntag werden Sebastien Fanre und vier' andere Personen wegen Aufruhrs und Mord- versuch s gerichtlich verfolgt Iverden. Außerdem werden andere Teilnehmer an den Kundgebungen wegen Diebstahls und Brand- sliftung in einer Kirche sowie wegen Aufreizung und Zusammen- rottung vor Gericht gestellt werden. «« * Ueber die Belagerung von Gusrin Ivirb gemeldet: Die Nacht zum Freitag verlief sehr spatzhaft. Um 12 Uhr hörte man einen Gegenstand ans den Bürgersteig niederfallen; es war ein vierpfündigcs Brot, das Gnerin zugeworfen worden war. Ein Polizist hob es auf und brachte es zur Polizei. Guerin erschien fluchend am Fenster und schimpfte über die Beschlagnahme mit den großen Worten:„Es ist des scheidenden Jahrhunderts unwürdig, daß man Männer am Essen verhindert. Beim ersten Ruf meiner Mannen: „Wir haben Hunger!" werde ich auf den Polizeipräfekten Lipine schießen." Lepine befindet sich immer in der Nähe der„Festung". Den Polizisten rief Guerin zu:„Ihr, die Ihr Euch in den Dienst einer Schurkenbande gestellt habt, sollict nicht zulassen, daß man uns aushungert. Das ist eine Schändlichkeit von einer Negierung, die nichts weiter ist als eine Bande Elender. Wir werden aber trotz alledem Widerstand leisten. Warum trägt man unser Brot fort? Da sollte man doch gleich auf uns schießen! So handeln nur Wilde. Uns aber wird man nicht zur Uebergabe zwingen können. Merkt Euch das!" Damit verschwand er. Um 2 Uhr wurde den Belagerten wieder ein Brot zugeworfen, auch dieses fiel auf den Bürgersteig, und als ein Schutzmann sich danach bückte, warf ihm jemand aus der„Festung" einen Ziegelstein nach dem Kopf. Der Schutzmann packt Brot und Stein zusammen und trug beides zur Polizei. Ein Guerin zugeworfener Blumenstrauß erreichte sein Ziel, doch Guerin warf ihn entrüstet zurück mit dem Bemerken, er könne die Blumen nicht essen. Gegen 3 Uhr hagelte es Würste, Käse, Tabak und Cigarren nach den Fenstern Gnerins, fast alles fiel jedoch auf den Bürgcrsteig, ebenso eine Hammelkeule die um 4 Uhr zugeworfen wurde. Naturlich entstanden während der Nacht auch Aufläufe, die zu mehr fachen Verhaftungen führten. Beim Mondenschein sah man deutlich an jedem Fenster der Festung einen Mann mit dem Gelvehr im Ann Wache halten. Gnerin rechnet augenscheinlich auf die Hilfe der antl semitischen Straßenbewohner, wenn es zu eincin enisthaftcn Zu- sammenstoß mit der Polzei kommen sollte. Am Freitag hatte Gnerin der Regierung angeboten, er wolle sich dem Untersuchungsrichter stellen,' tvenn er vorher zwei Stunde» in der Stadt spazieren gehen dürfte. Man verwarf diesen Kapitulationsvorschlag. Die allabendlichen Kundgebungen in der Rue de Chabrol waren am Sonnabend besonders stark. Es kam wiederholt zu Zusammen stößen mit der Polizei. Die Schlächter des Stadtviertels La Billette battcn am Sonnabendabend eine Versammlung abgehalten, um über die Aufforderung der antisemitischen Führer, sich der Bewegung Guerins anzuschließen, zu beraten. Ein Teil der Schlächter war der Ansicht, daß Gnerin unrecht gehandelt habe, die Bedingungen der Re- gierung abzulehnen; es wurde aber beschlossen. in Massen zur Rue Chabrol zu marschieren. Es war kurz vor Mitternacht, als die gesanite Menge zur Rue Chabrol aufbrach und mit der dort postierten Polizei zusammenstieß, wobei ein furchtbares Handgemenge stattfand, in dem Stöcke und Messer eine große Rolle spielten. RcnneS, 21. August. Das Gerücht erhält sich aufrecht, daß der wirkliche Attentäter auf Labori in der Nähe von Reimes auf einem Bauernhofe versteckt gehalten wird. Die Aerzte haben Labori weitere Schonung auferlegt. Es ist daher wieder fraglich geworden, ob er überhaupt noch in dieser Woche den Sitzungen des Kriegs- gerichts wird beiwohnen können. Krawalle in Paris. In Paris kam es am Sonntag zu Zusammenstößen. Für Sonntagnachmittag hatten die A n a r öh i st e n in Paris eine große Kundgebung auf der Place de la Republique angekündigt. Es fanden sich dort mehrere tausend Personen ein: Anarchisten, Socialisten und Mitglieder der drei gegenwärtig verfolgten Lignen: Patriotes, Jeunesse' Royaliste und Antisemites. Die Anarchisten standen unter der Leitung Sebastien Faures, des Chefredactenrs des„Journal du peuble", und Charles Malatos. Der Platz ivar mit Municipalgarde besetzt. Sebastien Fanre versuchte, auf das Löwenstandbild auf der Place de la Republique eine Rede zu halten, aber die Polizei säuberte den Platz, wobei drei Verhaftungen vor- genommen wurden. Als die Anarchisten an der Place de la Republique vertrieben waren, wollten sie sich, so berichtet das offiziöse Telegraphenbureau, mit Sebastien Fanre an der Spitze, nach der Place du Tröne be- geben; die Polizei trat ihnen jedoch entgegen und es kam zu einem heftigen Z u s a m m e n st o ß, wobei R e v o l e r- s ch ü s s e abgegeben wurden; der die Polizei befehligende Kommissar wurde durch zwei M e s s e r st i ch e verwundet. Die Menge setzte sodann den Marsch fort, wurde aber durch die Polizei angehalten, ehe sie zur Place du Tröne gelangte. Es kam zu neuen heftigeren Zusammenstößen; es wurde wieder mit Re- volvern geschossen und drei Polizisten wurden verletzt. Sebastien Faure bestieg nun mit einigen Freunden einen Straßenbahnwagen, der nach der Place de la Republique___ Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu i Beilagen und Iluterhaltungsdlatt. PariS, 21. August. Heute herrschte in ganz Paris und in der Rue Chabrol vollständige Ruhe bis 7 Uhr abends. Um Ausschreitungen ivie gestern zu verhindern, hat die Regierung Truppen beauftragt. alle Kultüsgebäude mit starken Truppenabteilungen zu besetzen. Guerin hat heute kein Lebenszeichen von sich gegeben, seine Festung ist gänzlich geschlossen. Die Regierung trifft im Geheimen umfassende Maßregeln gegen einen nationalistisch- imperia- listischc» Handstreich, der im Zusammenhang mit dem für Dreyfus zu envartenden ungünstigen Verlauf des Prozesses in Reimes für die nächsten Tage zu erwarten ist. Da die aber- malige Verurteilung Dreyfns' zu gewärtigen, ist die Regierung davon überzeugt, daß die Nationalisten und Royalisten die Rue Chabrol zum Mittelpunkte ihrer revolutionären Agitation machen werden. Paris, 21. August. Angesichts der energischen Haltung, welche die Regierung annimmt, hat in den letzten Tagen eine ganze Anzahl antisemitischer Agitatoren PariS verlassen und sich nach Belgien begeben. Paris, 21. August Eine von der Polizei veröffentlichte Note besagt, daß die in den Berichten über die Ruhestörungen am Sonntag angegebene Zahl der Verwundeten übertrieben sei. die Zahl der verwundeten Schutzleute betrage 71. In der Josephs- kirche wird morgen der Gottesdienst wieder abgehalten werden. Der daselbst angerichtete Schaden wird auf 8666 Franks geschätzt.— Sämtliche Kirchen werden von heute an militärisch bewacht.— Der Gemeinderat beauftragte das Präsidium, sich zu Wolbeck- Rousseau zu begeben und auf den politischen, moralischen und materiellen Schaden hinzuweisen, welchen die gegenwärtigen Ereignisse der Bevölkerung zufügen. VsvlsmrnkKrtpchVS. Die 24cr-Kommisfion deS Abgeordnetenhauses hielt heute Abend noch eine dreistündige Sitzung ab zur Erledigung des Gemeindewahl- Gesetzes. Nachdem in voriger Sitzung der Kompromißvorschlag Fritzen-Sattler gefallen war, hatten die Konservativen beantragt, einen neuen§ 3a einzufügen, wonach durch Ortsstatut festgesetzt werden kann, daß a) von der Gesamtsumme der Steuerbeträge aller Wähler auf die erste, 4/i2 auf die zweite und auf die dritte Abteilung entfallen, b) Stimmberechtigte, deren für die Bildung der Wähler« abteilnngen maßgebender Stenerbetrag den im Durchschnitt auf einen Wähler in der Gemeinde entfallenden Steuerbetrag übersteigt, stets der ziveiten oder ersten Abteilung zuzuweisen sind; c) bei Bildung der Abteilungen die von den Wählern zu entrichtenden direkten Staatssteuern außer Ansatz zu lassen sind. Bei der Abstimmung wurden die ZZ 3 und 4 der Regierungsvorlage, welche nebensächliche Bestimmungen enthalten, angenommen, dagegen der von den Konservativen beantragte Z 3a und ebenso schließlich das ganze Gesetz mit 13 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Minister v. M i q u e I erklärte, daß es für die Regierung von Wert gewesen sei, die Meinung der Kommission kennen zu lernen. Dem Vorschlage Fritzen-Sattler würde sie ihre Zustimmung haben geben können. Jedenfalls werde in nächster Session unter möglichster Berücksichtigung der kundgegebenen Wünsche dem Landtage eine neue Vorlage über die Bildung der Wähler- Abteilungen gemacht werden. Sociales. Uns wird geschrieben: Die Sonnabend-Nnmmer des„Vorwärts" brachte unter dem Stichwort:„Zur Sittlichtcitsfrage" eine Zu- schrift, welche sich mit der im September in Brüssel tagenden international»!: Konferenz z u r B e k ä m v f n n g der Syphilis besche> st und über dieselbe einige die Oeffcntlichkeit irreführende Darlegungen giebt. Die Konferenz, welche die öffent- liche Erörterung über die Mittel und Wege zur Bekämpfung Ur venerischen Krankheiten bezweckt, wurde von einer Zahl hervo:- ragender Fachmänner auf diesem Gebiete der öffentlichen Gcsundheits- pflege angeregt und vorbereitet., Da es sich aber uin eine hygienische Frage handelt, zu deren Be- urteilung und Lösung medizinische Fachkenntnisse allein nicht aus- reichen, bei der vielmehr auch juristische, ethische, volkswirtschaftliche und politische Gesichtspunkte in Frage kommen, hat das Organi- sationskomitce sich nicht darauf beschränkt, Mediziner und Hygieniket zu dieser Konferenz einzuladen, sondern sich auch an Politiker. Juristen, Behörden. solvie an alle diejenigenMünner undFranen geivandt, welche sich bisher durch schriftstellerische oder agitatorische Thäligkeit auf dem Gebiete der Syphilis- und Prostitutionsfragcn bekannt gemacht haben. So sind u. a. Einladungen ergangen an die Genossen Bebel, Schoenlank, Klara Zetkin, ferner an die in den Krankenkassen vertretenen Arbeiter; und die Kassen werden, nachdem in öffentlicher Versammlung die Aufgaben der Konferenz erörtert worden sind, auch Delegierte nach Brüssel entsenden. Man hat sich ferner an die Vertreterinnen der verschiedenen Richtungen der bürgerlichen Frauenbewegung gewandt, so an die inzwischen verstorbene Frau Jeanette Schwerin, sowie an die als Vorkämpferin für Keuschheit und Sittlichkeit bekannte Frau Bieber- Böhm. Auch im Auslande sind die Führer und alle bekannteren Anhänger der abolitionistischen Beiveanng. d. i. der Be« wegung, welche auf Abschaffung der Prostitulions-Reglcmentierung abzielt, zur Teilnahme an der Konferenz aufgefordert worden, man hat zu jedem Programmpunkt einen oder mehrere abolitionistisch gesinnte Referenten bestellt, ja noch mehr, man hat, um einer von den Abolitionisten befürchteten Majorisiernng durch die medizinischen Mitglieder der Konferenz vorzubeugen,' die Konzession gemacht, daß eingebrachte Resolutionen nicht durch einfache Abstimmung als„Resolutionen der Konferenz" an- genommen und veröffentlicht, vielmehr bei den einzelnen Resolutionen die Namen der für und gegen dieselben stimmenden Konfercnzmitglieder gc- nannt werden sollen.' Es ist daher völlig unzutreffend, wenn die— natiir- lich ebenfalls eingeladene— MrS.'Butler von einer ängstlichen Absperrung oder' auch nur von vorsichtiger Ausivahl der Geladenen spricht. Die Konferenz wird in vollster Oeffcntlichkeit tagen; nicht nur ihre Berichte und Verhandlungen, sondern auch die Teilnahme an denselben ivird einem Jeden, der Verständnis und Interesse für diese Fragen hat, zugängig sein. Wollen einige Sittlichkeitsfanatiker aus Furcht, mit ihren Lehren vor einem zum großen Teil sachverständigen Publikum nicht durch- zudringen, grollend bei Seite stehen und schon vorher gegen die Konferenz und deren Ergebnisse Stimmung machen, so ist die Schuld nicht auf Seiten der Leiter der Kon- fcrenz, welche allen Richtungen in gleich parteiloser Weise entgegen- gekommen sind._ Uetzte NKchvichtvn und Depeschen« Hamburg, den 21. August. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Der Kassierer Stöver von der Deutschen See-Berufsgenossenschast ist nach Unterschlagung von 25 666 Mark flüchtig. Köln, 21. August.(B. H.) Die„Kölnische Volkszeiwng" schreibt, die Regierung könne das Abgeordnetenhaus gegen- »värtig nicht auflösen, weil die Justizgesetze unerledigt seien; des- gleichen müßte die Gemeinde-Wahlrcchtsfrage zu einem einiger« inaßcn befriedigenden Abschluß kommen. Miqnel habe, ivie itt parlamentarischen Kreisen versichert werde, erklärt, die Wahlrechtsfrage solle unter allen Umständen erledigt werden, auch wenn die Kanalvorlage falle. Am Mittwoch werde der Landtag auf acht Tage vertagt werden, und inzwischen dürften so viele Einflüsse in die Erwägungen der Krone soivie der Regierung eindrängen, daß sich heute nicht absehe» lasse, was komme. Ausschlaggebend sei die Meinung des Kaisers, auf den die Konservativen durch Anbietung ihrer Waffcngcnosscnschaft gegen den Umsturz hinarbeiten. Wenn sie damit Glück haben, komme es' vielleicht zur Auflösung deS Ministeriums, nicht der des Ab- geordnetenhanses. Köln, 21. August.(B. H.) Abends Ö1/« Uhr ist der Weih- bifchof Schmitz gestorben, der nach bekanntlich glücklich über- standener Beinoperation gestern die erste Messe celebrierte. Frankfurt a. M., 21. August. Der„Franks. Ztg." wird au» Berlin gemeldet: In politischen Kreisen ist man allgemein der Ueberzeiigung. daß die Entwicklung der durch Ablehnung der Kanalvorlage geschaffene» Krisis einen sehr langsamen Verlauf nehmen wird, und hauptsächlich deshalb, weil sehr schwer neue Männer zur Durchführung bei Kanalvorlage und der vom Reichskanzler angedeuteten Aenderung der inneren Politik gefunden iverden dürften. Es taucht wieder der Gedanke auf, die Kanalfragcn einer Enquete zu unter- ziehen, was natürlich auf eine Verschleppung hinausliefe. Die Konservativen würden einen solchen Vermittlungsvorschlag ab- lehnen; sie beabsichtigen noch im Laufe dieser Session mit dem Minister des Innern, Frhrn. v. d. Recke, abzurechnen, weil er ver- sucht hat, einen Druck auf die Landräte auszuüben. Es verlautete gestern, die Konservativen würden beantragen, alle ans dem Ministerium des Innern kommende» Gcfetz- entwürfe abzusetzen. In ihren Reihen herrscht große Zuversicht. weil sie überzeugt sind, daß sich der Mann oder die Männer nicht finden werden, die einen Kampf gegen sie aufnehmen. Belgrad, 21. August.« Stimmnugsberichte von der„Affaire". Ueber die Freitag-Sitznng und den Eindruck des Zeugen Picquart schreibt unZ unser Bericht- erstalter aus Reimes unterm 18. August: Ich kündigte gestern bereits mit einigen Worten eine neue Falichung des GcneralstabS an. Es schien, als ob die Thatsache erst m einigen Tagen bekannt sein würde, weshalb auch Gcheinihaltung Don mir verlangt war. Aber die in Paris durch den „Figaro" veröffentlichte Nachricht hat sich hier mit der Schnelligkeit des Blitzes verbreitet und eine starke Erregung hervorgerufen. Man spricht von nichts als dem Schriftstück Schneider, das vom General Mercier vor das Kriegsgericht gebracht wurde. Und wirklich fragt man sich, wie man nicht sofort sehen muffte, daff dieses Schriftstück, das die Ueberzeugung des Generals Roget bedingte,— wenigstens erklärte er das in seiner Aussage—, und das die Ueberzeugung des Generals Mercier bestärkte, eine Fälschung war. ..Ich habe sofort mit dem Genossen Janres darüber gesprochen. Dieser glaubt, daff es dasselbe Schriftstück ist, das dem General Pcllicux gezeigt wurde, als er im Jahre 1897 seine Untersuchung in Betreff des Kommandanten Esterhazy führte, um ihn von der Schuld des Dreyfus zu überzeugen. Wohl gemerkt, es wurde dem General durch den Oberst Henry geliefert. Jaures stützt diese Meinung auf das Datum des Briefes Schneider, welches der 30. November 1897 ist. Uebrigens fragt sich Jaurss. warum ein östreichischer Militär- Attache in einem Bericht an seine Regierung französisch schreiben tollte: denn der Text de? Briefes ist französisch. Warum sollte auch cm Vertreter deS Dreibundes in Paris die Meinung der Attaches Schwarzkoppen und Panizzardi über diesen Punkt nur durch Dritte und durch Salongespräche kennen I Denn der Brief Schneiders lautet im Grunde:„Ich habe sagen hören, daff Schwarzkoppen und Panizzardi in den Salons die Unschuld des Drcysiis behaupten. Ich dagegen halte an der Ueberzeugung fest, daff er der Ver- räter ist." Es ist undenkbar, daff der östreichische Militär-Attachs die Meinung der Vertreter der beiden verbündete» Nationen über diesen Punkt nur durch vage Gerüchte kennt. Falls keine freundschaftlichen Beziehungen zwischen diesen Herren bestehen, so haben sie offizielle Beziehungen, und es ist ganz undenkbar, daff sie zu dritten Personen ihre Zuflucht nehmen müssen, um ihre gegenseitige Meinung über den Untergrund der Affaire Dreyfus zu erfahren. Das ist die Ansicht Jaures', der die Fälschungen, die er beim Generalstab gefunden hat, gar nicht mehr zählt. Die Nationalisten sind übrigens keineswegs zuversichtlich.- Sie rechneten vor dem Prozeff stark auf die Aussage des Generals Mercier, und dieser hat nichts gesagt; er hat nur ein einziges jammervolles Schriftstück vorgebracht, das heute bereits als Fälschung erkannt ist, das aber, wenn es echt wäre, auch absolut nichts beweisen könnte. Die Nationalisten fragen sich, wo dieser von den Rcvisionisteu be- wirkte Vormarsch, der auf jeder Etappe durch eine Enthüllung eines vom Generalstab begangenen Verbrechens bezeichnet ist, enden wird. Der Oberst Picquart setzte seine Aussage fort; mit klarer Stimme fuhr er fort, die Lügen der Generale zu richten. Alles in diesem Proceff war dunkel, geheimnisvoll, verhüllt und voll Lügen. Man glaubte sich mit den Generalen in eine tiefe Höhle versetzt, in die das Licht nicht eindringen konnte und aus der die Wahrheit verbannt war und wo nur die Ungerechtigkeit und das Ver- brechen zugegen sein durften. Aber Picquart hat den Teckel des Kellers gehoben. Es war, wie wenn plötzlich in diesem groffen Festsaal deS LyceumS alle Thüren und Fenster weit geöffnet würden; man hatte eine Empfindung deS Lichtes, der Luft, der Wahrheit. Arme, arme Sonne ver Armee, von der der Kriegsminister General Billot sagte, daff kein Flecken auf ihr seil Sie ist total verdunkelt: Der Oberst Picquart lieff alle Manöver, welche die Generalstabs- offiziere anstellten, um den Verräter Esterhazy zu retten, bei uns vorbeiziehen. Er zeigte uns, wie er die Unschuld Dreyfus' entdeckte und wie er ihn retten wollte. Er zeigte uns, wie er seine Vor- gesetzten anging, selbst die Initiative zur Revision zu ergreifen, indem er ihnen die Gefahr zeigte, die eS für die Armee hätte, wenn man anderen diese Initiative überlieff. Er enthüllte uns die ver- brecherischen Worte des Generals Gonse, der auf die Ankündigung dieser Gefahr seitens Picquarts antwortete:„Wenn Sie nichts sagen, wird niemand es wissen." Der Oberst, der vom Gcneralstab geopfert wurde, weil er ein ehrliches und gerades Gewissen besah, zeigte uns endlich, wie seine Vorgesetzten, denen er geantlvortet hatte, daff er das Geheimnis von Drcysiis' Unschuld nicht mit ins Grab nehmen würde, sich seiner zu entledigen versuchten, wie sie ihn mit einer geringen Begleitung an die Grenze von Tripolis schickten, wo, wie sie hofften', eine gut gerichtete Kugel sie für immer von diesem Zeugen ihrer Verbrechen und UnWürdigkeit befreien würde. Ich denke, die Offiziere, welche auf den Stühlen deS Kriegs- gerichtS sahen, sind jetzt wohl über die Moral ihrer Vorgesetzten aufgeklärt. ' So gewöhnt sie auch an die Sttenge und Notwendigkeit der Disciplin sein mögen, so voreingenommen sie auch gegen die Ver- tcidiger der Gerechtigkeit und des Rechtes sind, von der ver- örecherischen Gemeinheit ihrer Vorgesetzten müssen sie detroffen sein. Der General Raget warf sich zum Verteidiger des General- stabeS auf die Estrade, um mit groffsprechcrischer Miene noch einige Aufklärungen zu verlangen. Auch der erbärmliche Mercier, ab- flöhender und verbrecherischer aussehend als je, trat in seinem langen schwarzen Mantel ebenfalls noch einmal vor, um Erklärungen über die Zeit seiner Ministerschaft zu geben. Doch wurde der Eindruck der Aussage Picquarts in keiner Weise abgeschwächt. Und ivahrlich, wir andern, die wir als Socialisten diesen gräh- lichcn Militarismus bekämpfen, wir andern, die wir dem öffem'lichen Unwillen die Verbrechen der militärischen Oligarchie enthüllt haben, deren Frechheit und Banditentum uns erschreckt, mir fühlen uns bei so viel Verbrechen unserer Landsleute im Namen Frankreichs tief er- niedrigt. Welche Erleichenmg, wenn alle diese Leute, diese Verräter, Lügner. Meineidigen und Fälscher endgültig entlarvt und abgethan sein werden. Mehr und mehr drängt sich im Prozeh von Rennes, der den Schlnff des entsetzlichsten TramaS bildet, das je aufgeführt worden ist, mehr und mehr drängt sich unS hier die Ueberzeugung auf, daff die verschieden gestalteten Verbrechen des Generalstabes den Beginn der Strafe hier finden werden. Aber wir denken auch, daff die Einrichtung, welche diese an- schwellende Flut von Verbrechen ermöglicht hat, daff der Militaris- »ms hier seine eigene Verurteilung finde» wird, ein Urteil, dessen Vollstreckung uns vorbehalten bleibt. »* Ueber die Sonnabend-Sitzung, speziell die Aussage Cnignets, schreibt unser Berichterstatter unterm 19. Aiigust: Wird uian heute von der Fälschung Schneider sprechen? Dieser Gedanke beherrscht uns alle, als wir in den Sitzungssaal treten, in welchem die Berufspflicht uns täglich sechs Stunden zurückhält. Aber die Sitzung beginnt und eine gute Stunde lang sprechen !>-<> �äl'cher, obwohl sie das Wort haben, nicht von der letzten Falschunu. Bis jetzt hatte ich gedacht, daff die Generale das Monopol für L.-:gc und Böswilligkeit haben; einen so starken Gebrauch haben sie 'e.vr'.i ge.Uüttzt. Doch dem ist nicht so. Der Kommandant Cuignet hat uns gezeigt, daff es noch un- bekannte Schätze haherfüllter Schlechtigkeit und Gemeinheit auch unter deii Offizieren von geringerem Range als Armeechefs giebt. Auf den Zeugenstand gerufen, führt Kommandant Cuignet eine elende Komödie auf; er hofft, einige Tressen zu ernten, wenn der Tag des Triumphes für die Ungerechtigkeit und Unbilligkeit anhebt, worauf er mit Sicherheit rechnet. Es genügt, das Gesicht dieses Offiziers zu sehen, um seinen moralischen Wert zu crlennen. Wie in dem des Generals Mercier spiegelt sich darin Heuchelei, Gemeinheit, Bösartigkeit. Man muffte es sehen, wie er erst schwor, die Wahrheit zu sagen, und dann Winkelzüge machte, und wie er in seiner ganzen Aus- sage von Anfang au versuchte, den Generalen den Hof zu machen, die in großer Anzahl hinter ihm an dem für die Zeugen reservierten Platz soffen. Der Kommandant Cuignet sagte nichts, als lediglich die ihm von den Offizieren des Generalstabes eingepaukte Lection. Als er vom Zeugenstand abttat, ein Meineidiger vor seinem Gewissen, beeilte sich der General Roget denn auch', ihm die Hand zu schütteln. Auffcr der heuchlerischen Hofiemng der früheren Kriegsminister enthielt seine Aussage, die in einer Stunde abrollte, nur das vor ihm gesagte und wieder gesagte, und nach ihm noch wiederholte nun- mehr' allbekannte Geträtsch und Geschwätz. Auch er glaubt an die Schuld des DrehfuS und stützt diesen Glauben, wie die andern, auf die Geständnisse, das Borderau und das geheime Dossier. Wenn er spricht, so hat man die Empfindung, daff er seine Galle ausspeit, und in einem Augenblick hat er die Stirn, eine angebliche Indiskretion Drehfus' zu erzählen; dieser hätte ihn im Jahre 1894 im Ministerium, wo sie zusammen waren, um Nachrichten über die Eisenbahnen gebeten. An seiner ganzen Aussage merkt man den falschen Zeugen, und Dcmange. der ihm einige Fragen stellt, fällt es nicht schwer,' ihn in flagranti der Lüge zu überführen und darauf festzunageln. Ich halte mich nicht bei der Erklärung auf. die er über die Beziehungen von Schwarzkoppen und Panizzardi liefert, eine Erklärung, die natürlich die Schuld des Dreyfus be- weisen soll. Ich übergehe auch die Analyse, die er vom System des Narren Bertillon giebt. Es scheint, daff der Kommandant Cuignet die vorzüglichen Arbeiten des verrückten Sachverständigen ver- standen hat. Was die Erklärungen anlangt, di» er dem Kassationshof gegeben hat, so kennt sie der Kommandant Cuignet nicht. Er erinnert sich nicht mehr, vorm Oberst du Paty de Clam angegeben zu haben, daff er der Urheber aller Umtriebe des Generalstabes sei. daff er sogar der Mitschuldige Henrys bei der Ausführung seiner Fälschung war. Und Demange muff, um ihm diese Thatsnchen ins Gedächtnis zurück- zurufen, die Verlesung der Aussage des Kommandanten Cuignet vor dem Kassationshof beantragen. Diese Verlesung setzt das Werkzeug der Generale sichtlich?!» Verlegenheit. Aber er will bis ans Ende gehen, und nun ereignet sich ein schwer wiegender Zwischenfall, der gefährliche diplomatische Verwickelungen herbeiführen lömite. Man hatte dem General Mercier in den nationalistischen Blättern gesagt:„Sprechen Sie, sagen Sie alles, sollte auch ein �rieg daraus entstehen." Mercier hat alles gesagt, und das war wenig. Doch hat er bor dem Kriegsgericht das' gefälschte Schriftstück Schneider nieder- gelegt. Seit länger als einer Stunde warteten wir, daff der Kommandant Cuignet von dieser Fälschung sprechen sollte. Endlich hat er davon gesprochen. Indem er auf das Dementi, das von der östreichisch-ungarischen Botschaft kam, sagte der Kommandant Cuignet: „Das letzte Dokument ist dieser Bericht von großer Bedeutung. Ein deutliches Dementi ist ihm soeben in Betreff desselben erlassen. Ich weih nicht, was an diesem Dementi wahr ist. W i r w i s s e n in Fraukreich, daff die Depeschen aus Ems nicht immer echt sind. Wenn das Dementi sich bestätigt, so bemerke ich, daff das Schriftstück sich in einem Teil des geheimen Dossiers befindet, dessen Echtheit nicht in Zweifel gezogen ist und das offiziell von dem Kricgsministcr mitgeteilt ist. Dieses Dementi richtet sich also gegen die französische Regierung. Ob dies Dementi aufrecht er- halten werden wird, iveiff ich nicht; wir sind in der Lage, die Echtheit des Schriftstückes festzustellen. Der Verfasser des Berichts befindet sich in schlechter Lage, um sich zu verteidigen. Wir haben andere zahlreiche Dokumente von ihm. Wir haben einen Brief seiner Regierung, in welcher sie von ihm Nachrichten über ein französisches Schiff verlangt. Wir haben die Ausdrucke des Toastes, den er bei der Abreise seines Freundes A. ausgebracht hat. Der Verfasser des hier beigebrachten Berichts dementtert eifrig; aber wir haben Schriftstücke von ihm, die ihn in Ver- legeiiheit setzen können. Ich citiere die Wendung des Toastes, von dem ich sprach. Nachdem er Herrn A. gepriesen hat. fügt er hinzu: Noch lange wird man in allen Armeen der Welt von Herrn A. sprechen... und man wird ihm sagen: Er war ein Typus." Offensichtlich sind die Worte nach vorhergegangener Verständigung der Generale mit dem Kommandanten Cuignet gesprochen. Um sich zu retten, schrecken die Fälscher var keinem Mittel zurück. und sie versuchen sogar, schwere diplomatische Verwicklungen zu schaffen, um sich von dem Weg zum Zuchthaus, auf den ihre Ver- brechen sie geführt haben, zurückzuziehen. „An die französische Regierung richtet sich dieses Dementi." Nach ihrem Sinne soll also die französische Regierung den Beweis des Gegenteils führen, soll Erklärungen, Entschuldigungen fordern und sicki erheben. Und um so schlimmer, wenn der Krieg aus all dem entsteht. Der General Mercier wird vom Zuchthaus gerettet sein. seine Mitschuldigen ebenfalls, und an der Spitze der französischen Armeen werden wir die Ritter vom Rasiermesser und der Fälschung haben, die unS zur Schande irgend eines neuen Sedan führen werden. Aber nein l Die Regierung oder vielmehr Frankreich wird und kann sich nicht mit allen diesen Verbrechern solidarisch erklären. Was das gesunde, ehrliche und loyale Land fordert, ist nur, von diesen Menschen befreit zu werden, die uns ins Verderben führen würden. nachdem sie uns entehrt haben. Auch hofft man, daff das Manöver Cuignet» Mercier noch nicht zu Ende ist. WaS auch der meineidige Kommandant sagen möge, es ist nicht glaubhaft, daff da« Schriftstück Schneider nicht eine Fäl- schnng sei. ES ist nicht glaubhaft, wie ich schon gestern sagte, daff der östreichische Militär-Attachs an seine Regierung einen Bericht in französicher Sprache schreibt; es ist nicht glaubhaft, daff derselbe Milnär-Attach« in diesem Bericht Gerüchte über Schwarztoppens und PanizzardiS über die Affaire sammenträgt, da er aus erster Hand die Meinungen fchen und deutschen Attaches haben muffte, zumal ja die Meinung Dreyfus zu- des italieni- wie Cuignet behauptet, der Oberst Schneider mit dem Oberst Schwarzkoppen sehr befreundet war. Das Schriftstück ist also eine Fälschung. Jetzt muff die Re- gierung es in seinem ganzen Wortlaut den öffentlichen Verhand- lungen zugänglich machen. Denn wenn eS im geheimen Dossier sich befindet, und wenn es dort den Augen der Kriegsrichter vorgeführt ist, so haben wir nicht den ganzen Wortlaut besprechen können. Wir haben nur von dem Auszug Kenntnis, der vom General Mercier ge- liefert wurde. Um die Wahrheit zu enthüllen, brauchen wir das ganze Schriftstück, und die Untersuchung, die sich auf seine Herkunft und Echtheit ersttecken nmh. wird ergeben, daff wir weiter nichts haben als ein neues Verbrechen seitens der Fälscher. Wir haben schon die Fälschung Henry gehabt, worin die Namen des italienischen und deutschen Attaches citiett waren. Der Krieg entstand daraus nicht. Wir werden morgen die Bestätigung der Fälschung Schneider baben, und der Krieg wird nicht daraus ent- stehen. Die Pflicht der Regierung ist deutlich gegeben: sie hat lediglich die Fälscher zu bestrafen. Man wundert sich hier mit Recht und wird sich noch weiter wundern, daff das geheime Dossier aus seinem Geheimnis nach den Bedürfnissen der Anklage heraustritt. Picquart konnte vom Oberst Schwartzkoppen nur unter der Bezeichnung A sprechen. Mercier bezeichnete ihn mit Namen und der Präsident des Kriegsgerichts hatte nichts dagegen. Die Zeugen der Verteidigung haben kein Stück des geheimen Dossiers bezeichnen und der öffentlichen Kritik übergeben dürfen; der General Mercier dagegen durfte mehrere Stücke ans seiner Aktenmappe ziehen, sie verlesen und in die Verhandlungen bringen. Mit welchem Recht, muff man fragen, liefert der General Mercier Stücke aus, die bis jetzt geheim gehalten wurden? Mit welchem Rechte hat er Kopien davon bei sich, und benutzt sie, wenn er glaubt, daff sie seiner Sache und seinen Absichten dienen? All dies wird bald beendigt sein, und es ist zu hoffen, daß der General Mercier vom Gesetz getroffen wird, das er seit vier Jahren mit solch außergewöhnlicher Frechheit verletzt. Nach dem Kommandanten Cuignet tritt der General BoiS d effre, der frühere Chef des Generalstabes, an den Zeugenstand und ruft im Saale lebhafte Aufmerksamkeit hervor. Das ist also der Mann, zu welchem der Hauptmann Dreyfus so viel Vertrauen hatte! Das ist der Mann, auf den er dort unten auf der Teufels« insel hoffte, Ivenn er an seine so lange erhoffte Rehabilitation dachte! Armer Dreyfus! Auch er ist ein Feind, und nicht einer von den geringsten, auch er wird sich sofort mit den andern Helmbusch- gezierten solidarisch erklären und sagen:„Ich glaube an die Schuld des Dreyfus." Oh! Beiveise! Er bringt keine! Aber was thut das? Er ist General, und das genügt. Er erklärt sich� mit seiner krächzende» Stimme, und erinnert zuweilen, wenn er'eine alten Thaten erzählt, an einen alten Gendarmen auf dem Rückzug. Er sucht durch gehässige Verdächtigungen das Zeugnis des Oberst Picquart zu entkräficn. Doch wozu darauf eingehen, da es ja immer das alte Lied ist. Wozu weiter auf das Zeugnis des Generals Cipitse eingehen und auf die Dazwischenkunft des Generals Billot, der sbfort auftreten wird. Alle diese uniformierten, mit Helmbusch und Sternen gezierten Menschen haben nur den etncn Wunsch, Dreyfns zu verderben, um sich selbst zu retten. Sie benutzen immer dasselbe Mittel und dieselben Argumente. Ich zweifle, daff es Ihnen gelingen wird, die Wahrheit zu unterdrücken. Uebrigens wird Labori in der nächsten Woche er- scheinen, und es wird ein schönes Ballspiel werden, das er mit de» Köpfen der Generale spielen wird I z!)nvker-MÄrszviiszten» Die Parteigenossen des Saalkreiscs beschlossen am Sonntag auf ihrem Kreisparteitage, sich überall, wo es möglich ist, selbständig au den Gemeindeivahlen zu beteiligen. Dem östreichische« Parteitage liegen Anträge vor, die darauf abzielen, die 1897 geschaffene Gliederung der Parteiorganisation nach nationalen Gruppen zum Teil wieder aufzuheben, da es sich herausgestellt hat. daß diese nationale Gliederung bei allgemeine» politischen Aktionen das gemeinsame Handeln erschwert. Polizeiliches, Gerichtliches usw. — Wege» Teilnahme an einer öffentlichen politischen Versammlung wurde von der anhaltischen Kreisdirektion Ballen- stedt gegen einen Minderjährigen eine Strafe von 15 M. oder 10 Tagen Haft verhängt. Unser anhaltisches Partciblatt macht darauf aufmerksam, daff nach dem anhaltischen Vereinsgesetze Minder- jährigen die Teilnahme an öffentlichen Versammlungen gar nicht verboten ist. — Von der Strafkammer in Erfnrt als Bcrnfnngsinstanz wurden zwei Genossen ivegen Veranstaltung eines verbotenen Uin- zugcs ses handelte sich um einen zwanglosen Spaziergang) zu je 6 M. Geldstrafe verurteilt. GemevKMaftliches. Verl in und Umgegend. Znr Lohnbewegung der Bauttschlcr. Seit dem letzten Bericht ist insofern eine Veränderung eingetreten, als im Laufe dos heutigen Tages zu der bereits gemeldeten Zahl der Bewillungcn noch 7 Werkslellcn mit 89 Kollegen hinzugekommen sind, und zwei größere Werkstcllcn. welche bisher keine Forderungen gestellt hatten, solche ihren Meistern unterbreitet haben. In C h a r l o t t e n b u r g hat Stiebitz u. Köpke betvilligt. In der vorgestrigen Nummer des„Vorwärts" befindet sich eine Erwiderung der' Arbeiter des Tischlermeisters Sauer auf unsere Mit- teilung in Nr. 189 des„V." betreffs der dortigen Arbeitsverhältnisse. Wir halten an unserer damals gemachten Notiz fest, bloff festztlstellen ist, daff die weiterarbeitenden Kollegen von der Streikleitung der Berliner Bautischler irrtümlich als unorganisierte bezeichnet wurden, leider haben sich auch hier einzelne Verbands Mitglied er uns gegenüber gestellt und zwar ans dem einfachen Grunde, weil sie tciltveise kenie Forderungen gestellt und dann am Montag die Werkstatt nicht verließen, wie es überall geschchem Im übrigen können wir bekunden, daff Herr Sommer auch heute noch nicht den von den Berliner Kollegen aufgestellten Tarif bezahlt hat, also von einer Bewilligung nicht die Rede sein kann. Die Lohukommission für Charlottenburg. Achtting, Metalldrücker! Die Drücker der Berliner Metall« Warenfabrik vormals Luckhardt haben wegen Lohndifferenzen sämt« lich die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Deutsches Reich. I» der Vuchdrmkerei von Otto Enke in KottbuS steht sämtliches Personal(drei verheiratete und vier ledige Kollegen) mit Ausnahine der Hilfsarbeiter in Kündigung. Grund: Arbeitszeit« Reduciernng von OV» auf l1/* Stunden und Lohn- Abzug für die weniger geleistete Arbeitszeit. Als am Sonnabend sämtliche Kollegen vollen Lohn verlangten, wurde allen gekündigt. Am Montag wurde außerdem der bisherige Geschäftsführer sofort entlassen mit dem Bemerken, daff ihm 14 Tage Lohn ausgezahlt würden, er sich aber täglich im Comptoir zu melden hätte.— Vor Konditionsannnhme wird gebeten, Erkundigungen beim Vertrauens- mann. Kollegen O t t o B e e s k e. K o t t b u s. M ü h l e n st r. 20, einzuziehen. Die Maurer in Sora« haben gestern die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Die erste Generalversammlung des neugcgrüudeteu elf äff- lothringischen Tcxtilarbciter-Verbandes, die kürzlich in Mül- Hausen tagte, war von 22 Delegierten aus 13 Orten besucht. Reichstags-Äbgeordncter B u e b- Mülhausen wohnte als Gast den Verhandlungen bei. In seinem Referat über die wirtschaftlichen Ver- Hältnisse des Textilarbeiters und den Zweck des neuen Verbandes betonte er besonders die Notwendigkeit, bei der Ausivahl der mit der Leitung und Führung der Organisation zu betrauenden Personen äußerste Vorsicht walten zu lassen. Er warnte vor allzu leicht- fertigen Streikunternehmungcn(fosern von solchen in den nächs.en die fei, zu jjnljrni tiberhaupt die Ncde sein kvime), da durch selben � der alte Verbaild zu Grunde gerichtet worden und riet davon ab, die Entscheidung in solch' wichtigen Magen den unerfahrenen und unreifen Elementen, die in den öffentlichen Versammlungen oft die Mehrheit bilden, zu übertragen. da sie die Meltlage des Arbeits- lind ProdultenmarlteS nicht ubcrichen vermögen. Auch der Berpflichtungen der neuen Ver cinigung gegenüber der altdeutschen Bruderorganisation wurde ge� dacht und die Abführung von regelmäßigen Beiträgen an die «eneralkomnllssion der Gewerkschaften in Aussicht gestellt. In der folgenden cliistimmig voticrleii Ltesolntion wandte sich die Bersanun- tung gegen das seitens des Bezirkspräsidenten von Obcrelsaß. �riuzeii von Hohenlohe, verfügte Verbot des Beitritts vo � 0"er." H"i) Minderjährigen zum Verbände. ,,, urch die Vervollkoninlnung der Maschinentechnik ist es dem tlntcrnchiilertum der Textilindustrie erinvglicht, an Stelle des niaimlicheii Arbeiters die Frau und die jugendlichen Arbeitskräfte zu befchaftigen, was bereits soweit geführt hat, daß heute schon ? J b e it e r i n n e n ohne die jugendlichen beilerlci � Geschlechts in der oberclsässischcn Textilindustrie befchlistigt sind. Die heutige öffentliche Textilarbeiter -ocijaminluiig protestiert deshalb anfs entschiedenste gegen is" begründende Beschränkung des Koalltronsrechtes auf Männer über 21 Jahre, wodurch Frauen und jugendliche Arbeiter beiderlei Geschlechts von tx-. �llvnisation ausgeschlossen werden, von welcher Be lrindc bezirkspräsidiale Genehmigung abhängig gemacht Gegen die Entscheidung des Bezirkspräsidenten solle beim Miinsterlum für Elfoß-Lvthrinaen Beschwerde erhoben und die An gelegenhett, da sie einen Verstoß gegen die Gcwerbe-Ordnunq in volviere, durch den Abgeordneten Bueb im Reichstage zur Sprache gebracht worden. Als vorläufiges Publikationsorgan des Ver- 5?".°°?, wurde das neue Partei-Organ der'reichsländischen stimmt' Straßburg erscheinende„Freie Presse", be Auölnnd. Der Streik in Kledno, der durch Lohnreduktionen veranlaßt worden ist, nimmt immer größere Ausdehnung an. Es streiken schon weti über 1000 Arbeiter. Da auch die Kesselheizer streiken, neuen die Hutten skrupellos unerfahrene und ungeprüfte Tagelöhner an ote Kcffcl, nicht achtend der Gefahren für das Leben vieler, die sie dadurch heraufbeschivören. Der Streik der Warschauer Fabrikarbeiter ergreift immer neue Industriezweige und dehnt sich auf ganz Polen aus. Zu den �beitern der Eisen- und Holzwarenfabriken haben sich kurzlich die.lrbeiter der mechanischen Etablissements gesellt. Infolge des Streiks haben auch eine Lampenfabrik und eine Kohlensäure fabru be» Betrieb einstellen müssen. Letzthin streikten die Drechsler und zur Zeit haben auch die Fleischer Streik angekündigt. Man kann bereits von einem allgenicinen Streik der polnischen Arbeiter sprechen. Arn schärfsten äußert er sich in den Gruben von ~onibrowo. Auf den Bergwerken Satura, Zagorze, Milowice. streiken allein insgesamt 7400 Arbeiter. Auf die soll der Streik bereits einen sehr ungünstigen Jerzh und Renard Lage der Industrie Einfluß ausüben. Kus der Frolurnbrnregung. Eine Enquete über die Lage der Pclznähcrinncn in Leipzig wollen die dortigen bürgerlichen Frauenvereiue vornchmeu. Da es ihnen an sachkundigen Kräften dafür fehlt und eine Verbindung mit der aufgeklärten iveiblichcn Arbeiterschaft Leipzigs nicht vor- Händen ist, sind auf das Gelingen des llnternchmens keine Hoffnungen zu setzen. Wollen die Damen etivas wirklich Tüchtiges im Interesse der Arbeiterinnen leisten, so mögen sie sich doch der Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands zur Verfügung stellen, die schon seit Jahr und Tag in allen Landesteilen eine Enquete über Frauenarbeit in systematischer Weise aufnimmt, und die vielsaih uut.er dem Mangel an Hilfsiräften leidet. Es sind fast minier dieselben Frauen, meist durch Agitasionsarbcit angestrengte Genossinnen, die opferfreudig auch diese Arbeit übernehmen. Die französische Fraucnrechtöliga hat bei dem französischen Handelsminister, Genossen Millerand, Schritte eingeleitet, um ihn zu veranlassen, daß in seinem Ressort auch Frauen zu den Bureau- arbeiten zugelassen werden, Ivos bisher nicht der Fall war. In verschiedenen Ländern werden übrigens schon Frauen in den Ministerien beschäftigt, z. B. in den skandiitavischen Ländern und in Amerika. In den Ministerien in Washington sind, nach den letzten Ver- öffentlichungen des Vorsitzenden der Prüfungshchvrde des Ministeriums des Innern, Mr. Limay, 7 Damen mit einem jährlichen Gehalt von mehr als 0500 M. angestellt, etwa 50 bekommen 6000 M., 252 werden mit 5350 M. honoriert, 350 erhalten 5000 M. und darüber, bei 440 belauft sich das Jahrcsgchalt auf 4000 M. und mehr, während an 700 ein Gehalt von 3400 M. gezahlt wird. Weitere 4000 beziehen Gehälter unter 3400 M. Auch im englischen Arbeitsministerium fitzt eine Frau mit 8000 M. Gehalt, die als Labour-Korrespondeut die ständige Ve- arbeitung des statistischen Materials auf dem Gebiete der Frauen- arbeit zu leiten hat. Dieiistbotcnmangel in England. Bei sieben englischen Arbeitsvermittlungs- Bureaus für Frauen sind im Monat Juli 423 Dienstmädchen verlangt worden, denen ein Angebot von nur 173 weiblichen Arbeitskräften gegenüberstand. Trotz der besseren socialen und wirtschaftlichen Lage der englischen Dienstboten ziehen die auf den Broterwerb angewiesenen Mädchen dennoch andere Berufe vor. Vokales. I» SSOOOv Exemplaren ist Sonntagmorgen von den Parteigenossen Berlins und der Vororte ein Flugblatt ver« breitet worden, dessen Inhalt die Bevölkerung über den Zuchthaus- kurs und die von Junkern und Großindustriellen geplante Aufhebung de? Koalitionsrechts, sowie über die weiteren Pläne der Aushebung des Reichstags-Wahlrechts, der Preßknebelung und Vernichtung des Vereinsrechtes mit dankenswerter Deutlichkeit aufklärt. Möge das Flugblatt vollauf seinen Zweck erfüllen und weitere Schichten der arbeitenden Bevölkerung veranlassen, sich den Gewerkschaften und politischen Organisationen der Socialdemokratie anzuschließen! Neber den Personenverkehr anf den Berliner Bahnhöfen im Rechnungsjahr 1898/98 giebt die soeben fertig gestellte Statistil der Eisenbahndirektion Berlin bereits Aufschluß. Danach hat den größten Verkehr nach wie vor der Bahnhof Friedrichstraße mit 7 837 872 abgefertigten Personen. Vor vier Jahren, im Jahre 1894/95, betrug die Zahl der Abreisenden dort nur 6 529 757. An zweiter Stelle steht der Schlesische Bahnhof mit S 487 452 Personen, an dritter der Alexanderplay mit 5 989 322, an vierter Bellevue mit 5 231 535. Der Stadtbahnverkehr dieser Station ohne Fernverkehr übertrifft den Verkehr aller übrigen Fernbahnhöfe mit oder ohne Stadtbahn. So hat der Zoologische Garten nur 4 612 667 Abreisende, Charlottenburg 4 168 553. Von den übrigen Stadtbahnstationen ohne Fernverkehr zählten der Bahnhof Börse 3 963 427, Jannowitzbrücke 3 014 071, der Lehrter Sladtbahnhos 2 829 332, Savignyplatz 2 755 033 und am wenigsten die Station Tiergarten mit 2111176. Von den Stationen der Ringbahn hatten abgefertigte Personen: Potsdamer Bahnhof 1 929 135, Beusselftraße 1 158 001, Ebersstraße 301 648. Frankftitter Allee I 283 599, Gesund- brunncn 2 689 551. Halensee 1 772 502, Jungfeniheide 242 576, Lands- berger Allee 503 485, Prenzlauer Allee 687'llS. Putlitzstraße seit dem 1. Oktober 1898 270 706. Rixdorf 2 314 462, Schöneberg 1847 135. Schönhauser Allee 896 265, Stralau« Rummelsburg 2 244 246. Tcnipelhof 659 572, Treptow 842 896, Warschauerstraße 1884 207 Wedding 2 310 359, Weißensee 829 368, Westend 1 880 983. Von den Fernbahnhöfen ohne Stadtbahn hat den größten Verkehr der Skettiner mit 2 341 690 Personen; an zweiter Stelle steht der An balter mit 1 927 138 abgefertigten Reisenden. Der Görlitzer Bahir Hof zählte 1 433 003, der Lehrter 928 684, der Potsdamer 1 014 569 söhne die 43 627 Personen, die das dort befind liche amtliche Rcisebureau seit dem 16. Mai 1893 abgefertigt hat). Von den Stationen der Wannseebahn zählte Berlin 2 863 072 Reisende, Groß- Görschenstratze 1 985 353. Friedenau 2157133, Steglitz 2 319 092, Groß-Lichterfelde-West 1086 091 Zchlendorf 874 004, Schlachtensee 357 241, Wannsce 474 980. New Babelsberg 247113, Nowawes- Neucndorf 352 979. Potsdam hat insgesamt 1 702 103 Reisende abgefertigt. All diese Zahlen bezichen sich nur auf die Abreisenden. Die Bahnhöfe passiert haben demnach durchschnittlich je die doppelte Zahl von Neiscndcu, so daß z. B auf dem Bahnhof Friedrichstraße jährlich etwa 15�/? Millionen Menschen ein- und ausströmen. Es entspricht dies nahezu dem dritten Teil der Bevölkerung des Deutschen Reiches. Ter Mangel an mechanischen Feuerwehrleitern, der sich schon feit einer Reihe von Jahren in Berlin sehr fühlbar gemacht hat, hat auch im Jahre 1898/99 bei verschiedenen Bränden d i Bekämpfung des Feuers erheblich erschwert. In dem eben erschienenen neuesten Verwaltungsbericht der Feuerwehr dircktion werden aus der Zeit vom 1. April 1893 bis 31. März 1899 wieder 12 Brände angeführt, bei denen, weil es für den erste» An- griff an einer mechanischen Leiter fehlte, das Feuer weit über seiuen Herd hinausging, beziehungsweise die anf Treppen und Böden vor- dringenden Mannschaften durch Rauch gefährdet wurden. Besonders führt der Bericht die Verunglückung von drei Feuer lvehrleuten bei dem Brande Metzer st raße 29 am 25. Februar 1899— einer der Verunglückten fand damals den Tod in den Flammen— darauf zurück, daß die zuerst auf der Brandstelle eintreffenden Züge keine mechanische Leiter hatten. In einigen anderen Fällen führte die durch diesen Mangel begünstigte weitere?lusdehnung des Feuers zu einer bedeutenden Erhöhung des Materialickiadens, z B. bei dem Brande Turmstr. 30» am 29. Sep teniber 1893 um 10 000 M. iind bei dem Brande Genchtstr. 12/13 am 27. Januar 1899 um 40— 50 000 M.— Die Zahl der mechanischen Leitern stellte sich am 31. März 1899 anf 7; davon waren 3 ständig bespannt und 4 in Reserve. Berliner Brotprcise. Nach Ermittelungen des Berliner tatistischen Amtes war im Vierteljahr April, Mai Juni 1899 der Durchschnittspreis für 1 Kilogramm Roggen- b r o t rund 24>/io, 243/io, 24a/io Pfennig(in denselben Monaten 1898: 249/io, 268/io, 27 Pf.), für 1 Kilogramm Weizenbrot (Schrippen) rtind 42Vio, 425fto, 419/io Pf.(1898: 42|/io, 426/io, 457/io Pf). Für 50 Pfennig bekam man im April, Mai, Juni 1899 durchschnittlich rund 2075, 2059, 2066 Gramm Roggenbrot(in denselben Monaten 1898: 2009, 1864, 1854 Gramm), rund 1188 1176, 1194 Gramm Weizenbrot(1898: 1188, 1097, 1093 Gramm). Bei der Haupt-StistiingSkasse sind im Monat Juli d. I. zu Zwecken der Armeiiuntersiützung eingegangen: An Veriuächtnisjen und Geschenken 6712 M.; an Köllekteugeldcrn 79,50 M.: aus ichiedsmännischen Vergleichen 443,40 M. Zusammen 7239,90 M. ZwangöiiitmngsürdasIchmicdchandwerk. Diekonstittnerende Generalvcriannnlung der neuen Zivangsinnung findet am Dienstag den 29. August, nachmittags 4 Uhr, im Bürgcrsaale des Rathauses statt. Tagesordnung: Wahl deS Jnmingsvorstandes und Beschluß assung wegen Uebernahnte der Nebencinrichlungen der bisherigen schnncde-Jnnung auf die Zwangsinnung.(Sterbekasse und Unter- tützungskasse.) Für die Verleihting des Toktortitcls an den techuische» Hochschulen treten natürlich die Studierenden dieser Anstalten ein. So hat der Verband der Studierenden der deutschen technischen Hoch schiilen einen Antrag angenommen, welcher die Regierungen eriucht, den technischen Hochschulen ihres Landes daS Recht zu gewähren, auf Grund einer besonderen Prüfung unter entsprechenden Bediin gnngcn wie an den Universitäten einen Doktortitel für tech- nische Wissenschaften verleihen zu dürfen. Ferner beschloß der Ver tretcrtag. au zuständiger Stelle dahin vorstellig zu werden, daß die Lehrpläne der deutschen technischen Hochschulen einheitlich gestaltet werden, insbesondere aber, daß an den preußischen technischen Hochschulen ein einheitlicher Lchrplan geschaffen werde. Andere Belchlüsfe bezogen sich auf die Regelung der Aufnahme- bedingungcn zum Studium. Der Crittralausschusi des Berliner RettuttgSwesens hat der„D. Medizinal-Ztg." zufolge nachstehende Beschlüsse gesaßt: Die dem Centraiausschuß' angehöngen Vereinigungen verpflichten sich Vorsorge zu treffen, daß in den Wachen und Stationen nur die r st e Hilfe geleistet wird, und daß die Hilfeleistung nur durch approbierte Aerzte erfolgt. Die Vorkehrungen, welche für die Behandlung benistgenossenschastlicher Kranker und für die poli- kninische Behandlung in den Krankenhäusern getroffen sind, werden durch diese Bestimmungen nicht berührt. Die Vereinigungen haben binnen dreier Monate nach Annahme dieser Anträge dem Central ausschuß über die Vorkehrungen zu berichten, durch welche die Durch- fnhrnng des Beschlusses gesichert ist. Die Anträge waren von den Delegierten der Rcttungsgescllschaft gestellt und wurden vom Cent'ralausschuß nach eingehender Erörterung einst inimig an- g e n o m»i e n. Nach Mitteilung des kaiserlichen Gesundheitsamtes ist am onnobeud die Maul- und Klauenseuche an einem Rinde des hiesigen Central-Viehhofes ausgebrochen. Zwei Berliner in Lausanne verunglückt. Ans Lausanne wird vom Montag berichtet: Als gestern abend 87/s Uhr der Dampfer„Chillon" von Evian nach Oitchy zurückkehrte, verlor Plötze lich ein auf dem Geländer des Schiffshinterteils sitzender junger Mann das Gleichgewicht und stürzte in das Wasser. Sein Begleiter sprang unverzüglich nach, um ihn zu retten, aber beide ertranken Die Ertrunkenen sind zivei Deutsche, welche in Lausanne in Pension waren, Friedrich Wilhelm v. Ramm, Lieutenant im 4. Garderegiment zu Fuß aus Berlin, und Hans Bergmann. Kaufmann aus Char lottenburg. Die Leichen sind noch nicht gefunden, die Bergutigs versuche werden fortgesetzt. Eine große Fruersbrtmst, deren gewaltiger Feuerschein selbst in den entlegensten Stadtteilen beobachtet wurde, brach in der Nacht zum Montag in der Snklamerstr. 43 aus noch nicht ermittelter Ursache ans. Dieses Grundstück ist mit feuergefährlichen Fabrik- betrieben voll besetzt, denn es enthält außer der Tampf-Schneide- mühle von A. Haberer noch drei Bautischlereien(Harms. Jden, Toxel) und drei Möbeltischlereien(Henkel. Hucke. Netzband). Die Werkstätten der Tischlereien sind teils in dem sehr tiefe» Seitenflügel. teils im Ouergrbäude untergebracht. Hinter dem letzteren befindet sich ein großer, fast runder Platz, der an die Hintergebäude der Grundstücke 29 bis 35 in der Anklanierstraße, sowie an die- ienigen der Nummern 37 bis 39 in der Bruuneustratze angrenzt. Hier war die Dampf- Schneidemühle in einem umfang« reichen Fachwerkbau untergebracht, während in einer Reihe leicht gebauter Schuppen die verschiedenen Tischlereien ihre Holzniedcrlagen hatten. Die Schneidemtihle, sämtliche Lager« -chuppen, sowie der Dachstuhl deS Ottergebäudes von Bruunenstr. 38 sind nun innerhalb zwei Sttutden in einen Trümmerhaufen ver- wandelt. Als nach erfolgter Alarmierung der erste Löschzng eintraf, war die Situation für die umliegenden Gebäude so kritisch, daß sofort „Großfeuer" nachgemeldet wurde. Bald waren 13 Züge, darunter 4 Dampfspritzenzüge zur Stelle, die mit 17 Schlauchleitungen vor« gingen. Do daS Feuer mit rasender Schnelligkeit die vorhandenen reichlichen Holzvorräte ersaht hatte und eine ungeheure Hitze ent« wickelte, so mußte in erster Linie auf Sicherung der angrenzenden Gebäude aus der Lnklamer- und Brunncnstraße Bedacht ge- nommen werden, zumal die Flammen haushoch eniporschlugen und die �Umgebung mit einem Regen von Funken und brennenden Holzstücken überschütteten. Die Hitze war so intensiv, daß die Schlauchführer Thören aushoben und sie zum Schutze vor sich halten ließen. Der vom Branddirektor Giersbcrg geleitete Angriff geschah über sieben Höfe der Anilamer« und Brunnenstraße hinweg. Bedroht waren it. a. auch die Süddeutsche Brauerei von K i n z, Anklamerstr. 29, solvie die 214. Gemcindcschnle, Brunnenstr. 39. Schon schien es, als solle das Feuer auf seinen Herd beschränkt bleiben, als plötzlich der Dachstiihl des vierstöckigen Quergebändes von Nr. 38 der Brunnen- strnße in seiner ganzen Ausdehnung in hellen Flammen stand. Hier- durch war eine neue ernste Gefahr gegeben, denn anstoßend an diesen Brandherd befindet sich ein großes Fuhrgeschäft mit vielen Futtervorrätcn. Branddirektor Liersberg ließ denn auch sofort den Angriff von der Brumtenstraße aus verstärken, um hier einer Weiterverbrcitnng deS Feuers wirksam zu begegnen. Auf Hakenleitern und einer mechanischen kletterten die Fetiermänner unter dichtein Ranch bis zur Dachhöhe und brachten hier nach halbstündiger Arbeit das Feuer zum Stehen, doch ging der gesamte Dachstuhl Mit den Bodenräumen in Flammen auf. Auch auf dem andern Brandplatze war man des verheerenden Elements soweit Herr geworden, daß gegen 7/z3 llhr ein großer Teil der Löschzüge wieder abrücken konnte. Die übrigen hatten noch stunden- lang mit dem Ablöschen zu thun. Tie AufraumungSarbeiien dürften mehrere Tage in Anspruch nehmen. Leider ist der Oberfeuermann M i e r w a I d von der dritten Kompagnie an Rauchvergiftung schwer erkrankt. Ter Stellmacher Aiitoit Harmazattskt, der, wie wir be- richtet hatten, bei dem Sokolfeste am 25. Juli d. I. vom Blitz ge- Waffen worden war, hat sich von den Folgen jetzt erholt. Die Läh- rnung, die am linken Bein ursprünglich allgemein war, ist durch die Behandlung fast beseitigt. Ein Selbstmordversuch auf offener Straße erregte gestern morgen am Schiffbauerdamm einiges Aufsehen. Der 21 Jahre alte Klempner und Rohrleger Otto Hahn war am Sonnabend wegen einer Schlägerei vorn Schöffengericht zu einer Gcfängnißslrafe von einer Woche verurteilt worden. Er erklärte sofort, daß er die Strgfe nicht abbiißen werde, kaufte sich einen Revolver, kneipte die ganze Nacht durch und schoß sich gestern morgen auf offener Straße eine Kugel in die rechte Schläfe. Bcrnngliickt sind zwei Fencrwehrleute bei einem Zusammen- stoß der Drnckspritze vom neunten Löschzuge mit einem elektri- s ch e n Straßenbahnivagen. Sonntag früh gegen 7/2l Uhr lief auf der Wache in der Schönebergcrstraße eine Feuermeldung von den Allgemeinen Elektri citätswerken aus Louiseustr. 35 ein, wo durch Kurzschluß ein kleiner Brand entstanden war. Als nun Zug 9 die Ecke der Dessauer- und Königgrätzerstratze passierte, und in die Prinz Albrcchlstraße einbiegen wollte, lvurde die Spritze trotz fortgesetzten heftigen Läutens von einem elektrischen Wagen angefahren und' zur Seite geschleudert Der Anprall war so gewaltig, daß die vier auf der Spritze stehenden Mannschaften in weitem Bogen auf den Stratzendamm flogen, ivobei die Feuerwehr- männer D o r b a n d und R a b e h l eine so starke Körper- schütterung davontrugen, daß sie mittels Droschke nach der Wache und später nach ihrer Wohnung gebracht werden mußten. Wäre der Anprall einen Moment früher erfolgt, so hätte der elektrische Wagen nicht nur die Hinteraxe der Spritze, sondern daS ganze Gefährt ge- faßt und die volle Besatzung in Lebensgefahr gebracht. In den Laudwchrknual sprang am Sonntagabend um 8�/2 Uhr in selbstmörderischer Absicht ein Mann von ettva 30 Jahren. Da der Vorgang bemerkt wurde, so inachte man sich bald an die Rettung und einem Schutzmann in Verbindung mit einem Handwerkslehrling gelang es auch, den Lebensmüden aus dem Wasser wieder heraus- zuholen. Ein Arzt, der sich unter dem Publikum befand, ließ ihn nach dem Krankenhaus am Urban bringen. Der Mann hatte aber schon so viel Wasser geschluckt, daß eS nicht mehr gelang, ihn ins Leben zurückzurufen; er starh bald, obne üper seine Persönlichkeit Auskunft gegeben zu haben. Der Selbstmörder ist kräftig gebaut. hat hellblondes Haar und Schnurrbart. Der Agent.Hcnnitighaus, Hollinannstr. 17, der Inhaber einer Auskunftei", ist dem„Kl. Journ." zufolge verhaftet worden. Er hatte einem Austraggeber über zwei ticfverschuldete Herren aus Sachsen glänzende Auskimst gegeben, die sich aus angebliche Schrift- stücke der Auskunftei Schimmelpfeng stützte. Diese Schriftstücke er- iviescn sich als gefälscht, worauf die Festnahme des Schwindlers erfolgte. Einen schweren Verlust hat am Sonnabendmittag 1 Uhr der Arbeiter Fick auf der Omnibusstrecke Oranienplatz— Stettiner Bahnhof erlitten. Er ließ im Wagen ein Packet in grünem Papier, mit 1220 Mark Inhalt, versehentlich liegen, daS sich bisher nicht wieder angefunden hat. Der unglückliche Verlierer sichert eine Belohnung von 150 M. demjenigen zu. der den Fund in seiner Wohnung, Neue Königstr. 75, Ouergcb. 3 Tr. abliefert. Bei einem Attflauf überfahren wurde gestern nachmittag in der Fricdrichsiraße die fünfjährige Tochter Charlotte deS Färberei- und Waschanstaltsbesitzers Engelhardt aus der Friedrichsttatze. An der Ecke der Friedrich- und Besselstraße verursachte eine Frau, die sehr heruntergekommen aussah, einen Auflauf von mehr als hundert Kindern. Während die Frau sich unuvandte und die Kleinen ver» scheuchte, wttrde Charlotte Engelhardt in dem Trubel umgestoßen und fiel vor das linke Hinterrad eines Omnibusses, der von der Chausseestraße nach dem Halleschen Thor zu gefahren kam. Das Rad ging dem Kinde über den Unterleib. Straßensperrung. Die Anhaltstraße wird behufs Asphaltierung von heute ab vis auf weiteres für Fuhriverke und Reiter gesperrt Vorübergehend verlegt ist wegen Ausbefferungen daS Aufnahmezimmer der königlichen Klinik. Die Aufnahme findet einst- iveilen in einem Zimmer des Geheinirats v. Bergmann an dem- 'elben Flur statt. Die Firma Hillig U. Wcstphal, Haidestr. 20. schreibt uns zu dem am Sonnabend veröffentlichten Fcuerbericht: Ter vor ca. Jahresfrist auf demselben Terrain stattgehabte Brand hat nicht die Gebäude, in welche» sich unsere Fabrik- und Bureauräume befinden, betroffen. Das Polizeipräffdinm teilt mit: Der Kaufmann Friedrich Jäckel zu Dortmund hat im Laufe der letzten Jahre eine große Zahl Gewerbetreibender dadurch geschädigt, daß er G l ü h l i ck t- b r e n n e r eigener Erfindung und von angeblich hervorragender Brauchbarkeit anpreist und den Bestellern für 4 bis 5 Mark verkauft, während dieselben kaum eine Mark wert sind und das Licht un- brauchbar ist Wenn die Besteller die Ware dann an Jäckel unter Rückforderung des Betrages zurücksenden, behauptet letzterer in der Regel, die Pakete seien verloren gegangen und behält das Geld. Personen, die in ähnlicher Weise durch Jäckel geschädigt sind, werden ersucht, Anzeigen zu 5478 IV, 12/99 oder mündlich in den Vormiltags- stuitden aus Zimmer 197 des Polizeipräsidiums zu erstatlen. DaS Opfer einer Unvorsichtigkeit in der Anwendung einer Arznei ist die 23 Jahre alle Wirtschaiterin Wilhelmine F. geworden, die seit dem 1. April bei dem Gastwirt G. in der Lebuserfttaße in Stellung war. Sie war seit drei Jahren nervenleidend und erhielt von einem Arzte Opium verschrieben. Statt nun, wie vorgeschrieben ivar, jedesmal nur zehn Tropfen zu nehmen, trank sie fünf Gramm auf einmal aus, damit eS besser wirke. Die Folge war eine schwere Vergiftung, der daS Mädchen jetzt im Krankenhau» erlegen ist Ueber einen Tumult meldet der Polizeibericht: Aus Anlaß einer Sistierung rotteten sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Platze vor dem Schlesiichen Thor einige hundert Menschen, meist unge Burschen, zusammen, von denen einige durch Rufe zum„Tot- .chlogen" und„Kaltmachen" der einschreitenden Schutzleute anreizten. swei sich besonders bervorthuende Burschen, die 19 und 17 Jahre alten Arbeiter Gebrüder Runze. wurden festgenommen: sie griffen edoch auch dann noch die sie transportierenden Schutzleute mit iauftschlägen und Fußtritten an und fügten zwei Schutzleuten mehrere, wenn auch anscheinend belanglose Verletzungen zu. Orgelkonzert. Beim Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den 23. August, mittags 12 Uhr, werden Fräulein Hedwig Reuter, fierr Dr. Fr. Grimm, der Violonist Herr Bruuno Schlemmer und Herr Franz Schmidt im Berein mit Herrn Musikdirektor Otto Dienel Kompositionen von Bach, Händel, Tartini, Beethoven, Mendelssohn, Raff, Alb. Becker und Dwnel zur Aufführung bringen. Als neu bezeichnet das Programm Dtenels sechste Konzert-Fantasie in?-äur. Der Eintritt ist frei. Auf der„Drcptow-Stcrntvartc" hält am Lö. Beobachwngsabend des„Vereins von Freunden der Treptow- Stern- warte" Mittwoch, den 23. August, abends 8 Uhr, Professor Gustav Amberg c:ncn groben Erperimentalvortrag über„Die Wärmelehre". Zahl- reiche Experimente sind für diesen Vortrag in Aussicht genommen. Es wird u. a. die Entstehung elektrischer Ströme durch die Thermosäule, die Er- zengnng flüssiger Kohlensäure, das Gefrieren von Quecksilber in einein glühenden Tiegel vorgeführt. Bei den praktischen Anwendungen der Wärme- lelire werden die Ursachen der Dampfkesscl-Erpl?sionen, die Sprengung eines starken eisernen Hohlstiickes durch Gefrieren des Wassers, die regelmäbtgcn Eruptionen der Äcyser, k. experimcntell gezeigt. Nach dem Vortrag weiden die Mondbcrge mit dem Riesenrefractor beobachtet Und vom Direktor F. S. Archenhold erläutert. Aus den Nachbarorten. Treptow- Baumschule,, weg. Mittwoch, abends 8V2 Uhr. hält der Verein„Vorwärts" seine Versaimnlung im Lokal vo» Staffeidt ab. Genosse M a r k w a I d hält einen Vortrag über die Jiidenfrage und werden die Parteigenossen uin regen Besuch gebeten. Der Vorstand. Wilmersdorf und Halensee. Die Parteigenossen werden auf die morgen, Mittwoch, abend im Volksgarten stattfindende Volksversammlung aufnierlsam gemacht. Stadtverordneter E. Lbst-Schöneberg referiert über die gegenwärtige politische Lage. Da anher der Wahl von Delegierten zur Kreiskonserciiz»och eine tNI Diskussion über die Frequenz der gesperrten Lokale durch einzelne Arbeiter ans der Tagesordnung steht, erwartet zahlreichen Besuch Der Vcrtrauensinann. Charlottcnburg. Die Parteigenossinnen und Genossen werden nochmals auf die ani Mittwoch in der Gainbrinus-Brauerci, Wall- straffe 84, stattsindende Volksversammlung aufmerksam qe- macht, in der Frl. Ida Altmann über das Thema„Er soll Dein Herr sein" referiert. Zu recht reger Beteiligung fordert namentlich dtc Frauen auf Die Vertrauensperson. Stcgliff-Friedenau. Mittwoch, adends 8Vs Uhr. findet.... Gasthaus Gabrinus, Steglitz. Ahornstr. 15a, eine Parteiversammluna statt, in der Reichstags-Abgeordneter Zubcil über die Thätigkcit der socialdemokratischen Fraktion im Reichstage referiert. Auch werde» die Delegierten zur Kreiskonferenz gewählt. Bei der ivichtigcn Tagesordnung ist es notwendig, daß Parteigciiosscn und Geiiossinücn zahlreich anwesend sind. Der Vertrauensmann. Köpenick. Am Mittwoch findet eine FIugblatt-Ver b r e i t u n g statt. Die Genossen werden ersucht, sich dazu um 7 Uhr abends recht zahlreich bei A. Stippekohl, Schönerlindcrstraffe. ein zufiiiden. Der Vcrtrauensinami. Köpenick. Dienstag, abends 3 Uhr. findet im Lokal von Stippe kohl, Schönerlinderstr. 5, eine Versammlung des Arbeitervereins statt in der über wichtige kommunale Angelegenheiten diskutiert wird Der Vorstand. Pankow. Der Leseabend des Socialdemokratischen Arbeiter Vereins findet heute abend 8'/- Uhr bei Störr, iviübleiistr, 24, statt Der Vorstand. Di« Kreiskonferenz für den Wahlkreis Oberbarnim findet wie uns vom KreisvertraucnSmann gemeldet wird, am Sonntag den 3. September in Frcienwaltde a. O. im Raddatzschcn Lokale statt Statistisches vom Wahlsystem der krassen Ungerechtigkeit, Tie Stadt Charlottenbnrg zählt nach der für das Jahr IbLV jetzt berichtigten G e m e i n d e w ä h l e r li st e 28875 Koni nmnalwähler gegen 2S 831 im Jahre 1383. Davon entfallen auf die I. Abteilung 251(1888- 247), auf die II. Abteilung 1285(88 t 1231) und auf die III. Abteilung 27 323(83: 25 353). Die Gesa m t steuersumme aller Wähler beläuft sich gegenwärtig an, 6 335 163 M. gegen 4 566 364 M. im vorigen Jahre und ist somit in diesem einen Jahre um 768 788 M, angewachsen. Zur I. Wählerabteilung gehören alle diejenigen Steuerzahler, welche einen Betrag von mindestens 3188 M.(88: 2854) zahlen. Die II. Abteilung beginnt mit dem Steuerbetrage von 3178 M. und endet mit 745 M.(88: 663), so daff die III. Abteilling mit dem auch noch sehr respektablen Steuerbetrage von 744 M, beginnt. Es wird also in Charlottenburg von Jahr zu Jahr ganz erheblich schwerer, in die zweite und gar in die erste Wählcrllassc zu ge langen. Eine planmiiftige Vernichtung von Hunden scheint von rnch losen Personen im.Friedenauer Ortsteil" von S ch ö n c b e r g bc- trieben zu werden. In ganz kurzer Zeit sind dort nach einander über 20 T,ere und hiervon allein m der letzten Woche 16 Stück, von der Straffe vergiftet zu ihren Besitzern zurückgekehrt und dann ver- endet. Die Thäter kennt man nicht. 3« der Alt-Buchhorster Mordsache verfolgt die Berliner Kriminalpolizei, nachdem die Verdachtsgrllnde gegen zwei Personen sich als nicht stichhaltig enviesen haben, neue Spuren. Der Kriminal- kommissar Braun stellte zu diesem Zweck am letzten Sonnabend in Fürstenwalde an der Spree Ermittelungen an GerMzks-Zeikung. Der bekannte ß II deS PrcstgeseyeS bildete gestern wieder einmal den Gegenstand der Erörterungen vor dem hiesigen Schöffcit- gericht, vor welchem sich der Chcfredäctenr der„Voss, Ztg." Friedrich Stephany wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung zu ver- antworten hatte. Die»Voss. Ztg." brachte in ihrer Nr, 261 vom 7. Juni einen Bericht über eine stürmische Volksversanimlung. in welcher es zu heftigen Auftritten zwischen dem Vertreter der Natura Heilkunde Max Canitz und anwesenden Aerztcn, insbesondere dem prakt. Arzt Dr, Echtermeher gc'ommen war. Gegen diesen Bericht, der von Dr. Ecktermeyer selbst versaht war, richtete sich eine Berichtigung des Hern, Canitz, die in Nr, 265 der.Boss. Ztg." abgedruckt wurde. Dem genüber verlangte Dr. Echternteyer. der Verfasser des be� richtigten Artriels, gleich.auf Grund des Preffgesetzes" wiederum eine Berichtigung, und als diese nach einigen Togen noch nicht erschienen war. wandte er sich an die Staatsanwaltschaft.— Der Anitsanwalt erachtete nach Form und Inhalt der Berichtigung den Redacteur für verpflichtet, dieselbe abzudrucken, und da dies nichl geschehen sei, beantragte er 20 M. Geldstrafe. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Marwitz bestritt dagegen die Pflicht zum Ab- druck der Berichtigung deS Dr. Echtermeyer. Diese enthalte nichts was er nicht schon in seinem ersten, der„Voss. Ztg." gelieferten Berichte behauptet habe. Wenn Herr Canitz die Richtigkeit dieser Behauptiingen bestreite, könne die„Voff, Ztg." unmöglich gezwungen Iverden, Herrn Dr. E. nochmals das Wort zu denselben Ausführungen zu gestatten. Auf diese Weise könnten die Parteien mit Behauptung und Gegenbehauptung wochenlang die Spalten einer Zeitung füllen. Das wäre eine vollständig willkürliche Ausbeutung der Bestimmungen des Preffgesetzes, nach welchen beiden Teilen Gelegenheit gegeben sein soll, einnial zu Worte zu kommen. Der Angeklagte habe jeden- falls in gutem Glauben gehandelt, zumal die Berichtigung einen be- leidigenden Ausdruck enthielt.— Der Gerichtshof war der Anficht. daff das Verlangen des Dr. E. nach Berichtigung objektiv berechtigt gewesen sei; andererseits habe der Angeklagte wohl rechtliche und thatsäckliche Bedenken haben können, also in gutem Glanben ge- handelt. Der Gerichtshof sprach ihn deshalb von Strafe und Kostenfrei, ordnete aber die nachträgliche Aufnahme der Be- richtigung an. Die Unerfahrenhekt eines Dienstmädchens haben zwei jugendliche Schwindler, die gestern wegen Betruges und Beihilfe vor dem Schöffengericht standen, in dreister Weise ausgebentet. Die treibende Kraft des Schwindels war der 18jährige Weiffgcrber Karl Rudolf Bordato, während der 20jührige Fahrstuhl- Diener Wilhelm Brinkmann nur ein wenig nachgeholfen hat. Bordato, der mit seinen 18 Jahren schon eine„Braut" hat, sich aber um ehrliche Arbeit nicht kümmert, lernte die Freundin seiner Braut kennen, die sich als ehrsames Dieilstmädcheu über hundert Mark erspart hatte und ihm deshalb als geeignetes Objekt für be- trügerische Unternehmungen erschien. Er borgte dem Mädchen zu- nächst etwa 30 M. ab und brachte sie dann in folgender Weise um ihre gesanitcn Ersparnisse: Er schwindelte dem Mädchen vor, daff er„auf der Bank" beschäftigt sei und wiederholt durch Aiikanf von Wechseln schönes Geld verdient habe. Dann redete er ihr zu, doch auch einmal eine so günstige Gelegenheit wahrzunehmen, einen ihm angebotenen Wechsel über 100 M. aufztikauseii und in kurzer Zeit sicher' ein artiges Sümmchen daran zu verdienen. Das Dienstmädchen, welches von der Beschaffenheit eines Wechsels keine Ahnung hatte, lieff sich ködern, gab den ganzen Rest ihrer mühsam erworbenen Ersparnisse her und erhielt dafür ei» be- schricbcneS Wechselformular, welches sie änfferst vorsichtig in ihrem Garderovekorb versteckte und nur abends in der Mnffestnnde hier und da einmal hervorholte, um es wie einen glückverheißenden Talisman andächtig zu betrachten. Eines TagcS ersckneiie» beide Angeklagte bei ihr und Bordato brachte ihr die frohe Botschaft, daff der Wechsel mit 170 M.„herausgekommen" sei(I) und ein- gelöst werden müsse, ivozu allerdings noch 20 M. Stempel- geld erforderlich sei. Brinkmann bestätigte„als Kollege" die An- gaben seines Freundes. Da das Mädchen zum Ausgehen keine Zeit hatte, vertraute sie den Wechsel dcni Bordato an,' gab noch 2Q Marl dazu und bat, das Geschäft für sie in Ordnung zu bringen. Bordato war damit wieder in den Besitz des von ihm an- gefertigten Wechsels gelangt, er hatte die Ersparnisse des armen Mädchens verjubelt und iicff sich nicht mehr sehen. Das Mädchen offenbarte sich in der Verzweiflung seiner Herrschaft und diese erstattete Anzeige bei der Polizei. Obwohl beide Angeklagte noch jung lind unbescholten waren, glaubte der Gerichtshof doch mit Rückst cht auf die Dreistigkeit und Gemeiiigefährlichkcit dieses Schwindels inildcrnde Ilmstände versagen zu niüssen, und verurteilte den Auge klagte» Bordato zu 3 Monaten, Brinkmann zu 14 Tage» Gefängnis. Durch eine thörichtc Handlungsweise hat der Briefträger Paul A d n m e k Ehre und Amt aufs Spiel gesetzt und sich beinahe ins Zuchthaus gebracht. Er stand gestern wegen schwerer Urktiiidcn fälsch, mg und'versuchten Betrugs vor der' zweiten Fcrien-Stras knmmcr des Landgerichts I. Der Angeklagte befaßt sich in seiner dienstfreien Zeit mit der Abfassimg von Eingaben, Bittschriften»nd dergleichen. Der Schankwirt Urban führte für seinen Sohn eine Klage gegen die Bcrufsgcnosscnschaft. Arn 18. Februar dieses Jahres erhielt er mittels ciiigeschriebenetl Briefes vomjjSchiedSgericht das Urteil zugestellt. daS dahin ging, daff sein Sohn mit seinen Ansprüchen abzuweisen sei. Gegen dicS Erkenntnis wollte Urban beim ReichsversicherungSamt Einspruch erheben. Am 18. März erschien er beim Angeklagten, um ihn zu beauftragen, daS Schriftstück .abzufassen. Adaniei ersah aus dem Briefumschlag, in dem sich das Urteil befand, daff es mit dem Ansgabcstempcl vorn 18. Februar versehen und daß deshalb die zu walirende vierwöchige Frist überschritten sein würde, bevor die Bcrufnngsschrift in die Hände der höheren Instanz gelangen konnte. Der Angeklage wies seinen Auftraggeber hierauf hin, nahm aber dennoch den Auftrag au. mit dcni Bemerken, daß er versuchen wolle, sich mit seinem Kollegen, der den Brief bestellt halte, zu„einigen". Er fertigte dann die Berufimgsschrift an und sandte sie ab. Um dem Einwand der überschrittenen Berufungsfrist zu begegne», sandte der Angeklagte den Bnefiimschkag ein, der nunmehr mit dem Verzugs- stcmpcl(V) vom 21. Februar und mit dem Vermerk des Beamten: „Adressaten nicht angetroffen, lag vis zum 21. Februar" versehe» war. Es erregte Verdacht, daff der Brief nicht auch mit den Verzugs- stempeln vom 18. und 20. Februar versehen ivar. wie es bei wieder- Holter vergeblicher Bestellniig hätte geschehen müssen. Es wurde» Ermmelmigen angestellt, wodurch sich ergab, daff der Angestellte de» Stempel vom 21. Februar selbst aufgedrückt und de» Vermerk des Beamten gefälscht haben muffte. Trotz des erdrückenden Ergebnisses der Vcivcisaufnahme beharrte der Angeklagte bei seinem Lengnen wodurch er seine Lage nur verschlechterte. Der Siaatsauwalr bc- antragte eine Zuchthansstrase von anderthalb Jahren, der Gerichts- Hof glaubte aber doch, deni Angeklagten niilderudc Umstände nicht versagen zu sollen, und erlaimte auf eine Gefängnis st rase v.o n>1 e u n Monaten. Mttkevnehmev-Vrebiinde. Zur Gründung ctncö Schnhfabrikantcnringcö sind die bor- bereitenden Schritte eingeleitet worden. Die Ausgabe deS Ringes soll in erster Linie eine Erhöhung der Schuhpreise iein. Begründet wird dieses Vorgehen mit der vom„Verband Norddeutscher Sohl ledcrsabrikanteit" durchgeführten sünfprozciitigcu Preiserhöhliiig für Leder, weicher bald eine weitere fünfprozentige Preissteigerung foigeu soll. Auch die durch Konkurrenz gedrücklen Preise sür fertige Ware werden hierbei ins Feld geführt. Vevmipkzkes. Die Pest in Portugal. Aus Oporto wird vom Sonntag berichtet: Hier wurden gestern drei neue leichte Fälle von e u l e n p e st festgestellt. Die nach Oporto gesandten spanischen Aerzte halten den Sanitätsdienst und die getroffenen Vorbeugungs- maßregeln in Portugal für ungenügend. Gerüchtweise verlautet von einer in Figueira an' Pest vorg'elom'menen Erkrankung und von einem Todesfall in Barccllos. Die Epidemie scheint an Verbreitung zu geivinnen. An der portugiesischen Grenze sind spanischerscits mehrere Lazarette errichtet. Der spanische Konsul in Oporto soll zur Verantwortung gezogen werden, weil er es unterlaffen hat, die Regierung von dem Austreten der Pest in Kenntnis zu setzen. Aus Portugal kommende Reisende bestätigen, daß ein Pestfall in Lissabon vorgekommen ist. Die Beulenpest scheint ftch auch in portugiesisch Ostafrila bemerkbar zu machen. AuS London, 18, August, wird berichtet: Wie dem„Reuterschen Bureau" aus Laurenco Marquez gemeldet wird, sind nach amtlicher Feststellung in Magude, zwei Tagereisen von Laurenco Marquez. mehrere als Beulenpest verdächtige Erkrankungen vorgekommen. Den portugiesischen Bchärden in Oporto kann der schwere Vor- wurs nicht erspart werden, daß sie durch ihr Vcrtuschungsshstem verhindert haben, die furchtbare Krankheit im Keime zu ersticken. Welch ernste Gefahren dadurch sür die benachbarten Staaten er- wochien sind, läßt sich noch garnicht übersehen. Jedenfalls treffen diese schon allerlei Sicherheitsmaffregeln. um beim Auftauchen der Pest innerhalb ihrer Landesgrenzen gegen sie gerüstet zu sein. Auch Frankreich trifft bereits Vorbereitungen. Aus Paris, 20. August, wird darüber gemeldet: Das„Journal officiel" veröffentlicht ein Dekret, durch welches das Pasteursche Institut in Paris zur Her. tellung von Antipest-Serum ermächtigt wird. Ueber die Ausbreitung der Pest liegen neue amtliche Mit- teilimaen nicht vor. Gemeldet wird mir, daff die Sanitätsbehörde in Lissabon beschlossen hat. die Stadt Lissabon völlig gegen außen abzusperren, und daß andererseits das Wiener portugiesische Konsulat die Nachricht dementiert hat. auch in Lissabon seien schon Pestfälle zu verzeichnen. Inzwischen fahren die fremden Mächte fort, Schutzmaffregeln gegen die Pest im Verkehr mit Pottugal zu ergreifen. Spanien hat eine Quarantäne-Matznahmen weiter ausgedehnt und auch aus Brasilien wird telegraphisch gemeldet, die Regierung hätte Ourantäne angeordet für Hcrkünfte aus kontinentalen und insularen portn- gie'sischen Häfen des Atlantischen Meeres und dem spanischen Hafen Vigo. Auch Hamburg, daS einen ziemlich bedeutenden Schiffsverkehr mit portiigiestschen Häfen unterhält, hat seine Sicherheitsmaffregeln ausgedehnt. Die von Oporto kommenden Schiffe werden in Cuxhaven von den Lotsen zur gesundheitspolizeilichen Kontrolle gebracht. Die Untersuchung geschieht durch einen für die Kontrollierung der Seeschiffe in Cuxhaven' stationierten Arzt unter Leitung des Hafenarztcs Dr. Rocht. Alle von portugiesischen Häfen und von den Oporto benachbarten spanischen Häfen in Hamburg ankommenden Schiffe werden in Bezug auf den Gesundheitszustand der Mannschaften einer besonders sorg- fältigen ärztlichen Ucberwachung unterworfen. Von Portugal werden Lumpen aller Art, getragene Kleider, gebrauchtes Bettzeug und Leib- Wäsche nur nach vorheriger Desinfcltion zur Einfuhr zugelassen. Ferner wird auf Veranlassung des Hamburger Medizinalkollegiums provisorisch eine zweite DesiilfektionSaiistalt am neuen Hafen in Cuxhaven eingerichtet, die von Angestellten der Hamburger Des- infeklionsanstalt unter ärztlicher Leitung bedient wird.— I» Bremerhaven ist die elektrische Kraftstation der dortigen Straßenbahn, Eigentum der Kölner Accumulatoreiiwerke Gottfried Hagen, mit allen Maschinen niedergebrannt. Es liegt fahr- lässige Brandstiftung vor. Gemütliches von der Kachclbah». Eine ältere Handelsfrau aus Kremmen, die seit Jahre» den Wochenmarkt in Velten be- sucht, hatte am Sonnabend die Station dieses Ortes verschlafen und erwachte, als der Zug sich bereits wieder in Bewegung gesetzt hatte. Ohne weiteres Besiuncn verlieh die etwas unbeholfene Fra» den fahrenden Zug auf der Strecke, und hilfsbereite Passagiere warfen daS Gepäck der Händlerin, meist lebende Fische, zum Wagen hinaus. Frau und Fische blieben unversehrt. In der Landgemeinde Wichmannshausen ist, wie ans Kastel gemeldet wird, der Typhus ausgebrochen. Innerhalb einiger Tage wurden zwölf Familien von der Krankheit ergriffen. Drei Personen mufften in das Kasseler Kranlenhaus übergeführt werden. Eine Flaschenpost hat eine Dame am Strande von West er- l a n d gesunde». Der darin befindliche Brief, der in deutscher, eng- lischcr und schwedischer Sprache geschrieben war, ergab, daff die Flasche von der schwedischen Spitzberge ner-Expedition, von der man seit längerer Zeit nichts gehört, ausgeworfen worden war. Der Finder der Flasche wurde ersucht, die in dem Briefe cnt- haltencn Fragen über Ott und Tag des Fundes mit Angabe seines Namens und des Länge- und Breitcgrades �des Fmidottes zu bc- antworten und den Brief an das meteorologische Institut in Upsala zu senden, was auch geschehen ist. Der Lnftschiffcr Spelterini in Bern hatte am Sonntag ein gefährliches Abenteuer zu bestehen, indem sein Ballon nach einem Aufstieg bis zu 4000 Meter und wundervoller Fahrt bei einem miß- glückten Laudungsverstich etwa 200 Meter vom Ufer i» den Tunersee niederging. Die Insassen des Korbes. Spcltcriui und ein Herr und eine Tnmc ans Bern, schwebten in Lebensgefahr, doch gelang es einigen Schiffern, die Ertrinlenden wie den Ballon zu retton. Ein Teilnehmer an der letzten Franklinschcn Expedition »ach dem Nordpol, John Robinson, starb vor einigen Tagen in Ncwport(Monmonth). Robinson ging als junger Mann ans den Waifischfang nach dem antarktischen Ocean und besuchte später als Teilnehmer' au der Frartklinschen Expedition den entgegengesetzten Pol. Abgekürztes Grcnzvcrfahrc». Eine Zeugenvernehmiing unter heiteren Umständen fand kürzlich ans der dcntsch-fraiuösischen Grenze statt, da wo die Straffe von dem lothringische» Torte Jbigny nach dem französischen Städtchen Blamont hinüberführt. Der Amtsrichter von Lörchingen hatte in einer Diebstahlsnffaire einen französischen Gendarm(den Bestohlenen) und dessen Frau als Zeugen zu ver- nehmen. Um mm allen Weitläufigkeiten bei der Vernehmung von Ausländern aus dem Wege zu gebe», lud der Amtsrichter den Ge- nannten auf die Grenze vor. Unweit eines Packbofcs wurde ein Tisch so aufgestellt, daff dcffcn eine Hälfte ans deutschen, die andere ans französischen Boden zu stehen kam. Ans der deutschen Seite saffe» Amtsrichter und GcrichtSickretär, ihren Durst mit Wasser stillend, ans der französischen Seite der Gendarm und seine Frau, die Bier tranken. Nach Beendigung der Vernehmung setzten Richter »nd Sekretär sich ans ihre Velos und radelten gut verrichteter Sache dem heimischen Städtchen zu, indes die von drüben wieder gen Blamont zogen.—_ Marktpreise von Berlin am IN. August I8VV nach Eriiiltlclunq«» des lql. Polizelprästbiunis. D.-Etr. »)Weize» »fRoggeu ffuttcr-Gerfle Hofer gut „ mittel .. genug «Ichtstroh Heu -bfErbieii„ fjSpciiebohuc». T)8i»iei!„ ssartoffelil. neue Rindfleisch, Keule lüg do. Bauch„ ») Enmttelt pro 15,80 14,80 13,30 15,60 14,90 14,30 4,32 6,80 40,— 50,- 70,— 9- 1,60 1,20 Tvime Schweinefleisch Kalbfleisch tammelfleisch uttcr Eier Karpsen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse lüg 60 Stück 1 üg per Schock 1,60 1,60 1.60 2,40 4.- 2,20 2,1 2,60 2,40 1,80 2,50 1,40 12,- 1:= l- 2,- 2,20 2,- 1,20 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 2,- 14,80 13,80 12,60 15,— 14,40 13,80 3,32 2!:= i:i 4,- 1,20 1- 1)0» der Centraistelle der Pmiss Landwirt- schastSkaumiem- NollerimgSsielle— und umgerechnet vom PolizelprSstdium für den Tvppcl-Centiier. ch) Kleiiihandelspreiie. P r 0 t> u k t e n in a r l t vom 21. August. DaS namentlich für Weizen unverändert starke Jnlandsangebot wirkten hemmend aus die Kauflust, ohne jedoch die Preisgestaltung ungünstig zu beeinflussen. Weizen und Roggen zogen 0,75 bis 1,00 M. an. H a s e r lag fester auf schwache Zufuhr.— Spiritus verkehrte in fester Haltung. Loco 70er zog 20 Pf. an und stellte sich aus 43,80. Am Markte waren 30000 Liter. Ternitne behaupteten ihr letztes Niveau. Eierbericht vom 2t. August. Normale Eier je nach Qualität von 2,75—3,00 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität 2,20 bis 2,30 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— ,— M. bis— ,— M. per Schock. Tendenz: fester. Kartojfeljabrikate. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack—. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. Brutto inkl. Sack und Mehl 19,00—19,10 M. Supra trockene Kartoffelstärke— ,— M. Kartoffelmehl per 100 Kg. Brutto—. Prima Kartoffelmehl 19,00 bis 19,10 M. per 100 Kg. Briefkasten der Expedition. F. A. Frau Braun wohnt Kolonie Grunewald, Wernerstr. 1». WltternugSüberstcht vom 81. Zlugnst ltivv, niorgevS 8 Ilhr. Stationen Swlncmde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» ss h «= -- 2 5« 76591 768, NW 768!N3Ö 769!W 76538 Wetter wollig (bedeckt 2wolkig Lchedeckt ZRegen c< all i** Stationen öe v e 1* P Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris 763 756 « B s s 3» » 7: Still NNW 770N9kO 770® Wetter wollenl libedeckt 1 Nebel 2 heiter ä U 6» 11 13 17 18 Wetter-Prognose für Dienstag, den 88. August 188». Etwas wärmer, vielfach heiter, zeitweise wolkig bei schwachen nördlichen Müden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. SoclllldmoliraNschn Wahlvkrel« für lrii 3. Derlliier Reichstags-Wahllirtls. Tonnerstag, de» S4. August, abends S'/z tlhr, im Märkischen Hof, Admiralstr. 18 c: Versammlung', Tages-Ordnung: 1. Bernstein und das Genossenschaftswesen� Referent Genosse Paul sadn, 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 240/1« Der Vorstand. I. A.: Paul Rücker t, Mariannenstr. 23. Wilmersdorf und Halensee! Mittwoch, den 23. Anguft, abends 8Vj tlhr, im.Volksgarten«. Berlinerstraste Nr. 40: Kolks- Versammlung für grauen und Männer. Tages-Ordnung: I. Die gegenwärtige politische Lage. Referent: Genosse Obst- Schöneberg. 2. Diskussion. 3. Wahl von drei Delegierten zur Kreis- konferenz. 4. Verschiedenes. 203/7 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vertrauensmann. IV. Wahlkreis(Osten). Sonntag» den S7. Angnfl cv.: Lassattefeier m Achtung, Kistenmacher! Dienstag, den 22. d. M., abends 8 lthr, in Stevbvrt. Festsälcn Andreasstraste Nr. 21; Große öffentliche Uersamminng. Tages-Ordnung: Der Streik bei vreclisol, Barnimstr. 22; der Streik bei Voigt, Melchiorstr. 30 und die Aussperrung bei binaporn, Rcichenbergerstr. 47 , Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht, dag ein jeder Kollege in dieser Versammlung erscheint. 95/1()_ Die Kommission der Berliner Kistenmacher. Oeutsch. Metallarbeiter-Verband Vcfwaltnngsstellc Berlin. Dienstag, den 22. August, abends 8-/2«vr. im Lokale des Herrn iBereler, Steiumcststraste 55: Versammlung für Kixdorf. v Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Knd. A�Ninann übet:„Die Unfall berstchernng.« 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mittwoch, de» 23. August, abends 8Vz Uhr, im Lokale des Herrn «ramnann, Nauuynstraste 27: Vertrauensmänner- Konferenz für den Süden. _ l>Ie Ortsverwultung. Kellers Fest8äleny Koppenstrasse 29, Auftreten der Gesellschaft Strzelewicz. Anfang 4 Uhr. 215/13* Das Komlt Maurer. 1 Dienstag, den 22. August, abends 8 Uhr, in Kellers Festfälen, Koppenstraste 29: � III III I II II L' der Miizlitstr der WlsMe Berlin II des kentnl- Verbandes dentsßer Manrer. Tages-Ordnung: Bortrag von r. Jahn über: Lebenshaltung und Volkseinkommen. 2. Gewerkschaftliches. 137/6* Guten Bekuch erwartet Die Verbandslcitnng. I. A.: Karl panaor. Centrill-Krallken- u. Zterbe- kllffe kl Tischler «. anderer geiverblicher Arbeiter. Eingeschr. Hilfskasse Nr. 3 /Hamburg). Filiale Berlin I>.(Moabit). Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß ani 16. August unser Mitglied ?erdiiiaiid Hübsch gestorben ist und Sonntag, den 20. August, in Schmargendorf beerdigt wurde. Ehre seinem Andenken! 182/7 Die Lrtsvcrwaltuug. Banhsagaiig. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme und für die zahl- reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sag« ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere der Firma Bernhard Joseph, sowie den Arbeitern und Kollegen aller Ortschaften meinen herzlichsten Dank. 2048b Die trauernde Witwe Auguste Sarge nebst Kiuder». A««»sl Modelltischler! Mtium! Mittwoch, den«3. AngnM, abends SV. Uhr, im Wedding-Park. Mullerstr. 178: OetFentl. Versaminlnng der Modelltischler sowie aller in Maschinenfabriken und Eisengießereien beschäftigten Holzarbeiter Berlins und Umgegend. .. � Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige günstige Geschäftskonjunkwr und wie nutzen wir dieselbe aus? Referent: Bndolf MIUarK. 2. Dis- wssion. 3 Verschiedenes- Kollegen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung erwidert das Erscheineu jedes einzelnen Kollege»! 10#/� Der Vertranensmann- Verein deutscher Schuhmacher. Mittwoch, den 23. d. M.. abends 8V, Uhr s Mitglierierversaminlung des Bezirks Osten bei Wllke, Audreasftraste Nr. 38. Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Stellungnahme zur Hausindustrie. 3. Verschiedenes. Tue Zwicker des Fabrikanten Philipp sind besonders eingeladen. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 170/5 IMe OrtsTerwaltang. Mittwoch, den 23. August, abends 9 Uhr, im„Kolberger Salon«. Kolbergerstrafte 23: tjeFfeivU. Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen 7d. Uetrnsr über:„Die Sittlichkeit der heutigen Gesellschaft". 2. Bericht der Revisoren über den Agitations- und Streik- sonds. 3. Diskussion. 2064b vag-Igltstloneüomlteo. Lesientiiche Versammlung aller WhagraOen Derlias u. Wg. am DounerStag, de» 21. August, abends 8V, Uhr, im grosten Saale der„Arminhallen«, Kommandanten-Strafte 20. Tagesordnung: 1. Die Umwandlung des Uuterstützunasfonds in eine Arbeits- losen-Uuterstiiftnugskaffe. Referent: Kollege Sctirader. 2. Die Notwendigkeit eines Kongresses der Lithographen Deutsch- lands und Wahl der Delegierten. Referent: Kollege kleobonckörter. 3. Die Zustände innerhalb der Merkantil-Lithographie. Referent: Kollege veotnor. 2047li Alle Kollegen(insbesondere auch alle Merkantil- Lithographen) sind dringend gebeten, in dieser wichtigen Versammlung pünktlich zu erscheinen. Achtung! Töpfer. Achtung! Donnerstag, de» 21. August 1899. abends K Uhr, bei Bnshe, Grenadierstrafte 33: Sitzung der Bandepntierten der Töpfer Berlins und Umgegend. Da wichtige Angelegenheiten zur Beratung stehen, muß jeder Bau ver- treten fein. Die Kollegen der Firmen Tietel, Schüssel und Gärting sind hiermit besonders eingeladen. 193/10 IHe Lohnkominlssion. I. A.: H. David. Achtuug! Putzer. Achtung! Mittwoch» den 23. August 1899, äbends'KVz Uhr, bei Schiller, RosentHalerstrafte 57: ianilexutierteu-Sitzung der Nutzer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: Besprechung über den von dem Arbeitgeber-Bund ausgearbeiteten und uns übersandten Arbeitsvertrag. 191/3 Die Kollegen werden ersucht, von jedem Bau einen Deputierten zu ent- senden. Die Lohnkomniission. zahrritber, Teilzahlttttg, eoulante Bedingungen. sL300L* Oranlenstrause 33, 11. KranEbinderel n. Blumen- bandlnng von 1608Q* Robert Meyer, Xo. 2, Mariannenstr. Xo. 2, Widmnngs-Kränze, Guirlanden, Ball, stränbchen, Bouquets w. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert Blttmenhandluttg und Kranzbinderei von s233lI Otto Knabe 19 a Admlral- Strasse 10 a empfiehlt Widmungskränze, Sträuße, Kotillons, Topfgewächse aller Art. Achtung!"TG KV" Achtung! Rubihputzer und Pluttensetzer. Mittwoch, den 23. August, abends 8'/s Uhr: JUliemMichc Mitglicder-Verssmmluiig int Lokale des Herrn Suheil, Lindenstraße 106. Da die Angelegenheit sehr wichtig ist, ersuchen wir um das Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 252/15 Der Verstand. Fernsprecher: Amt IV. 117. K«ftMnis>A»iilg» 12-27■ Schulmeister, ÄSTS« Bitte genau auf die Firma zu achten. L. Güiizel, Lothringer str. LassaUe, Marx zc. in Cigarrcnspitze», Pfeife», Nadeln, Blochen, Knöpfen, Büsten 52. Specialität: Porträts socialistischcr Führer, Bildern u. dgl., sowie jede Drechslerwaare u. Repar.(Man verl. Preiskurant. Mohel Großes Lager. Gediegene unll kolstervsreo. Arbeit, äußerst billige za«F»!,■■ 1 v Preise, empfiehlt XM.» WV/ltU-I-A, Rcichenbergerstr. 5. Auch Theilzahlung!(» JT Die weltbekannte"Wl Bettfedern-Labrik GustadSustlg.Aerlin».,PriN!cii. I(träfet 46, Dtrjtntitt gegtn Nachnabmt garont.neue Btttfetern d. Pkd. bb Pf., chinesische pnlddennt» d.V!!>.M.1,2ä, bessert valdSanne» d. Pfd. M. 1,7k, vorzügliche Zinnen d. Pfd. M. S.3K. — von diesen Donnen genügen ! Z b>«4 Psnud zum großen Oerdell. Verdickung frei. Preiil. n. Proben grnNS. Viele Znerlennungischr.. 1! M. m 5«$ig. 2 H. 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Reul, Barnimstraße 42. ss-bO Stellenangebote. 3,50 Feuerversicherung Bautzener- straße 3. 93/1» Former verlangt Broncewaren- Fabrik Dresdenerstraße 36. 98/11 Korbmacher, 4 tüchtige, finden dauernde Beschäftigung auf Munitions- körbe bei August Bärwalde, Spandau. Farbigmacher bei hohem Lohn verlangt Barnimstraße 41. s2063b Vergolder und Verfilberer ver- langt Goldleistenfabrik, Alexandrinen- straße 25. s2062b Lehrling gesucht für unsere Finuen- schilder-Fabrik. Gotheim u. Stamcr, Drcsdenerstraße 38; s2066b Schneidergeselle» auf Knaben- paletots verlangen G. Laaser u. Co., Bninnenstrnße 84.-j-47 30 Mamsells, Knabenpaletots, Zacken und Blusen, verlangen dauernd " Laaser u. Co., Brunncnstraße 84. 100 Mamsells aus Jacketts, Seide zum Steppen gratis, Rumpf 1 Mark, verlangt Schulstraße 2. s2034b» Mamsells auf Jacketts. Bernauerstraße 47c I. schwarz, 1939b» Jackett-Arbeiterin aus gesteppte und leicht verschnütte Sachen, 3—7 Mark Arbeitslohn, verlangt Blach, Grüner Weg 12. 2000b Arbeiterinne« verlangen Gebr. Siemens u. Co., Charlottenburg, Salzuser 2. 1982b Säumchen-, Falten- Näherinnen, Vorderteile, verlangt Jannuschek. Brunnenstr. 83. s-j-47 Schürzen-Näberin aus gute Tändel verlangt Kunze, Görlitzersiraße 36.[jlS Tüchtige Arbeiterinnen aus Jacketts bei hohem Lohn. Fa. Gottschalk, Alte Leipzigerstrahe 1a. s2046b Kräftige Arbeiter werden verlangt Torfstraße 34. 130/20» Schlosser aus Apparate, genaue und zuverlässige Arbeiier, für dauernde Beschäftigmig bei hohem Lohn gesucht. „Panzer" Aktiengesellschaft, Bad- straße 59. S4K» Junge Mädchen sür leichte Buch binderarbeit verlangt die Geschäfts- büchersabrik Riefenstahl, Zumpe u. Co., Holzmarktstraße 67.[102K* Mamsells aus glatte JackcttS ver- langt Lambrecht, Lausttzerstraße 26. Damenkragen-, Manfchettcnnäherin verlangt Jannuschek, Brunnensttaße83. Vernäheriune» ans Gazeborten, auch Lehrmädchen verlangt Thiem, Tilsiterstraße 34, vorn 2 Treppen, s-j-43 Ardeiterinue» für Blusen verlangt Rabau, Alexanderstraße 25. 1145/1 Carton- Arbeiterinnen verlangt Fehrbellinerstraße 45, Portier. s2065b Im ArbeitSmarkt durch besonderen Druck hervorgehobeue Anzeige» kosten 10 Pf. pro Zeile. Achtbare Herren, welche den Verkauf eines leicht abzusetzenden Artikels gegen hohe Provision übernehmen wollen, werden um Ein'endung ihrer-Adresse unter v. G. 159 an Haasensteln 4 Voglers A.-C., Magdeburg, gebeten. 107/3* Preftvergolder, Preßvergolderin sucht sofort LuruS- Papierfabrik Wilhelmstraße 29. s2045b Achtung, Tischler! In der Möbelfabrik von Fiegel, Wasserthorstr. 14, haben sämtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. 108/12» Zuzug fernhalten! Achtung: Achtung! Kistenmacher. Wegen Differenzen ist dcrZuzug von Voigt, Melchiorstrafte, Drechscl, Barnimstrafte, und Illasporn.Rcicheubergerstrafte, fernzuhalten. 95,9 Achtung. Riztzors! In der Bautischlerei von KnrNahn, Mühlenstr. 6, sind die Forderungen nicht bewilligt. Zuzug fernzuhalten. Annahme- Stelle» für„Kleine Zlnzeigen". Osten: Robert Wengcls, Fmchtstr. 30, H. L. Bogel Wwe., Kopvenstr. 83. Chr. Schultz, Blumenstt. 14. Vordosten: I. Reul, Barmmstt. 42. Vörden: W. Gaftmaun, Grünthalerstr. 65. Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96. Emil Stolzenbnrg, Wiescnstr. 14. L. Dechand, Ruhevlatzstr. 24. H. Bogel, Demmin.'rstr. 32. Ä. Die», Jnvalidenstr. 124. Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. biiidsvesten: F. Lhuesorge, Bergmannstr. 23, H. II. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. £Htden: Hans Vaake, Dresdenerstr. 52/63. F. Gutschmidt. Kottbuser Damm 8. Siidosten: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35. W.(tzcsche, Wrangelstr. 58. Marti» Mescha, Adalbertslr. 24. Cent cum: P. Harsch, Gipsstr. 27. Charlottenbiirg: Gust. Scharnbcrg, Schiklerftr. 94 1. A. Tietz, Kaiser Friedrichstr. 3.b. Friedenau: H. Bernsee, Kirchstr. 15. Frlcdclchsberg: Anton Kopp. Friedrich Karlstr. 4. Pankow: Kümmert. Kaiier Friedrichstr. 16. Kixdorf: K. Osteruiailn. Erckstr. 6. (g. Retzcrau. Hermannstr. 50. ütchUncbcrg:: Wilh.Bäumler.ApostelPauluSstr.13. IVelsscnsee: Heinrich Bachmann. Lehderstr. 1. Julius Schillert, Königchaussee 3ga. Rob. Licbschwagcr. Gustav-Adolfstraße 16. Verantwortlicher Redacteur: Rodert Schmidt w Berlin. Für den Inseratenteil verantwottlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. st. 195. i6. mm. 2. Keilllßt des„Umarts" Serlilltt NolksdlM. A«g»°<899. Alts England. London, 17. August 1899. Mngeduld über die Verschleppung der Transvaal-Krisis.— Die Abberufung des Generals Butler und desien Ansicht über die Südafrikanische Liga.- Die sirategischen Positionen an der Transvaal- Grenze.— Geringe Er rcgung der Londoner Bevölkerung.— Ausstellung englischer Genossenschafts Produkte.) Die Berichte über die Transvaal- Krisis wechseln mit jedem Tag. Bald heißt es, die Regierung der Boeren- Republik habe den Vorschlag Chamberlains zu Gunsten einer gemeinsamen Fest- stellung der neuen Wahlrechts-Reform angenommen, bald, sie habe eine allerneucste, die vorhergehende übertreffende Reform in Vorschlag gebracht, und dann wieder soll die englische Regierung selbst wieder ihre Forderungen geändert haben. Alle diese Gerüchte und Gegen- gerüchte illustrieren nur die Verzögerungspolitik der Boeren, die offenbar hoffen, durch irgend einen Handstreich der Engländer ihre Position moralisch und materiell zu verbessern. Und daß man auf englischer Seile sehr ungeduldig wird, zeigt ein Blick in die englischen politischen Zeitungen. Selbst Blätter, die den Boeren sonst in jeder Weise die Stange halten, zeigen sich über deren jetzige Starrköpfigkeit sehr ungehalten. Hält die Boeren- Regierung ihre Weigerung, sich auf die vorgeschlagene Untersuchung einzulassen, aufrecht, so erleichtert sie natürlich denen das Handwerk sehr, die da sagen, die ganze Wahlreform sei Schwindel, der das Licht des Tages nicht vertrage. Inzwischen zeigt die Abberufimg des Generals Sir William Biitlcr vom Oberkommando über die südafrikanischen Garnisonen, daß die Zuflucht zum„letzten Vernunftsgrund der Könige" in iiiimer� größere Nähe rückt. General Butler hat sich wiederholt als außerordentlich bocrcn-frenndlich geäußert, und als Vertreter Sir Alfred Milners hat er am 11. Januar dieses Jahres in einer Depesche an die heimische Regierung mit rückballloser Offenheit er- klärt, die Behauptungen der scnglischen) Südafrikanischen Liga über Beleidigungen und Benachteiliguiigen von Engländern im Trans- vnal seien nur mit äußerster Vorsicht aufzunehmen. Was Chamber- lain bewog, diesen Mann, dessen Ansichten ihm bekannt waren, im vorigen November mit dem Oberkommando am Kap zu betrauen, ist nicht recht erfindlich— vielleicht daß hier eine höhere Gcivalt, nämlich die Königin, deren Machtwort in diesen Dingen viel gc- wichtigerist und mit viel größerer Entschiedenheit gebraucht ivird, als man es sich gemeinhin vorstellt, ihm diese Wahl anfzivang. Dies würde als- dann erklären, warum Chamberlain die vorerioähnte Depesche Butlers trotz ihres für die englische Partei im Transvaal so kompromittier- lichcn Inhalts ins Blaubuch über die Transvaal-Angelegcnhciten aufnahm. Denn mit ihrem Abdruck war, sobald die Verhältnisse sich zuspitzten, Butlers Verbleiben geradezu unmöglich. Ich erwähne das als eine Konjektur. Der Zusammenhang der Abberufung oder des Rücktritts Butlers mit dessen Boerenfreundschaft aber wird allgemein zugestanden. General Forestier Walker, der an Butlers Stelle das Kommando übernimmt, hat mehr Erfahrungen mit Bezug auf die Kriegführring in Südafrika als irgend ein anderer englischer Heerführer. Seine Wahl läßt über den Ernst der Situation kemen Zweifel. Die Blätter beschäftigen sich denn auch immer ernsthafter mit den strategischen Fragen, die sich an einen Krieg in Südafrika knüpfen. Eine der verwundbarsten, wenn nicht die verwundbarste Stelle Englands in Südafrika ist offenbar die Diamantcnstadt Kimberleh. Ferner können die Boeren mit Leichtigkeit von der Wasser- und Nordwestgrenze ihres Landes aus überall die Eisenbahn, die von Kimberleh nach Buluwaya in Rhodesia geht, erreichen und zerstören und so diese Verbindung unterbrechen. Andererseits ist aber auch von dieser Seite her das Transvaal am leichtesten zugänglich. Im Grenzgebiet zwischen dem Transvaal und der Kolonie Natal ist der aus der Bodeufornration sich ergebende strategische Vorteil entschieden auf feiten der Boeren, und er wird noch bedeutend verstärkt, wenn der Orauge-Freistaat mit dem Transvaal gemeinsame Sache macht. Daß die Regierung des crsteren be- schlössen hat, den Van Recnens-Paß, der an der Westgreuze den Abstieg in das Gebiet von Natal beherrscht, mit Artillerie zu bc- setzen, wird von den Engländern als eine sehr bedrohliche Sache be- trachtet. Ueberhaupt ist die Haltung des Orange-Freistaats von größter Bedeutung für die Anforderungen an die englischen Streit- träste, und ein Zweifel über die Shnipathicn der Freistaatbcvölkcrung für die Sache des Transvaal ist absolut ausgeschlossen. Selbst die an den Orange-Freistaat grenzenden Distrikte der Kapkolonic sind als absolut Transvaalfrcundlich bekannt, so daß, wenn die vereinigten Boeren daselbst den ersten Angriff führen, sie sich wahr- scheinlich mit Leichtigkeit der dortigen strategischen Posten werden bemächtigen können. Diese und andere Thalsachen beleuchten einige der Schwierigkeiten, mit denen die�Engländer zu thun haben werden, falls es doch zum Kriege kommt. Noch aber wird niän es als wahrscheinlich betrachten dürfen, daß die Boeren im letzten Moment nachgeben, denn auch für sie ist der Krieg keine Kleinigkeit. Nach einem heutigen Telegramm der„Times" aus Prätoria wird es dort als fast sicher'bezeichnet, daß der Chamberlain-Milnersche Vorschlag schließlich doch angenommen werden wird. Mau weiß in Prätoria, daß die Königin Victoria entschieden gegen den Krieg ist, aber die Ersetzung von General Butler durch General Walker zeigt, daß ihr Einfluß seine Grenzen hat. In der hiesigen Volksmasse läßt sich keine besondere Erregung pro und kontra herauserkcnnen. Der große Cricket-Match zwischen englischen und australischen Champions hat die letzten Tage die Masse des Publikums viel mehr interessiert. als der Handel nnt Krüger. Es machte einen eigenartigen Eindruck, wenn man auf den Plakaten der Volksblätter mit Riesenbuchstabcn arifgedruckt fand: „England auf die Probe gestellt," und bei näherem Nachsehen fand, daß sich das auf den Ausgang des besagten Matches und nicht etwa auf ein Lebeusiuteresse der englischen Politik bezog. Die große Masse billigt die Politik der Regierung, so- weit sie aus� Erzielung von politischen Rechten für die längere Zeit im Transvaal niedergelassenen Engländer gerichtet ist, diejenigen aber, die Englands Recht auf ein derartiges Verlangen bestreiten oder es für unwürdig erklären, daß das große England der kleinen Boeren-Nepublik durch Drohungen Zugeständnisse abpreßt, sind durchaus in der Minderheit. Vielleicht würden ihrer mehr sein, wenn nicht in der Bevölkerung die Ueberzeuguug so stark verbreitet wäre, daß die Königin gegen den Krieg ist.— Vor wenigen Tagen ist im Kry'stallpalast zu Sydenham die alljährliche Ausstellung von Erzeugnissen genossen- schaftlicher Produktion eröffnet ivorden. Daß die englischen Konsumgenossenschaften über Produktionsunternehinungen großen Stils verfügen, ist bekannt, es sind Fabrikate ausgestellt, die es in jeder Hinsicht mit den Erzeugnissen der großkapitalistischen Geschäfte aufnehmen. Eine besondere Gruppe von Aus- stcllcru bilden die T e i l h a b e r s ch a f t s- G e n o s s e n s ch a f t e u, die in keiner direkten Abhängigkeit von Konsum- Genossen- schaften stehen, wenn auch die' meisten von ihnen ihren Hauptabsatz bei diesen finden. Der Titel„Teilhaberschaft" lCo-partucrship) bedeutet, daß die Arbeiter dieser Genossenschaften Teilhaber am Kapital-, Gewinn- und sbei den meisten) auch der Leitung des Geschäfts sind. Auch einige dieser Genossenschaften Produzieren schon auf größerer Stufenleiter und mit ansehnlichem Kapital. Besonders stark sind sie in der Bekleidungsindustrie sSchuhe, Kleider-c.). ebenso gehören einige recht leistungsfähige Gcnosscnschafts- Webereien und eine Anzahl der sirischen) landivirtschaftlichen Genossen- schaften dieser Gcnosienschaftskategorie an. Die Ausstellung ivurde durch den gegenwärtigen Staatssekretär für Irland, Minister Gerald Balfour, eröffnet dessen Rede mehr einem akademischen Vonrag Über Aufgaben und Produktion glich, als einer Festansprache, aber gerade dadurch das besondere Gefallen der anwesenden Vorkampfer. Freunde und Vertreter des Genoffenschaftstveseus erntete. Von den irischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, die außerordentlich schnell um sich greifen,— ihre Zahl bcläuft sich jetzt auf 400 mit 40 000 Mitgliedern,— drückte Herr Balfour die feste Ueberzeugung aus, daß sie die irischen Kleinbauent in den Stand setzen würden, erfolgreich auf dem englischen Markt mit den Erzeugnissen land- wirtschaftlicher Großbetriebe zu konkurrieren.— VevsÄMurlungen. Der Berbaud der i» der Kiirschnerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von Berlin und Umgegend hielt am 14. August seine regelmäßige Mitgliederversammlung bei Feind, Weiustr. 11, ab. Metzner hielt einen Vortrag über das Thema: „Gleiches Recht für alle." Eine Diskussion fand nicht statt. Sodann wurde Mattäi als Revisor und Beschorner als 2. Schriftführer gewählt. Unter„Verschiedenes">vurde noch etwas über die Lokalfrage diskutiert. Zum Schluß machte der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Mitgliederversammlung am 11. September bei Feind, Wein- straße 11, stattfindet. Die Lohnbcwrgung der Möbclposamentlere stand auf der Tagesordnung einer stark besuchten Versammlung der Posamentiere, die am Sonnabend im Englischen Hof, Roßstr. 3, tagte. B e r g e r sagte in seinen einleitenden Ausführungen: In den letzten zehn Jähren haben die Posamentiere eine sehr trübe Zeit durchgemacht. Das Geschäft ging schlecht und die Löhne seien bedeutend ge- funken. Jetzt mache sich eine Periode flotten Geschäftsganges be- merkbar, die Arbeitsgelegenheit sei so reichlich, daß zur Zeit fast gar keine arbeitslosen Posamentiere vorhanden seien. Der Zeitpunkt sei günstig, um mit einer Verbesserung der Löhne vorzu- gehen. Eine kürzlich vorgenommene Umfrage unter den Kollegen der verschiedenen Werkstellen habe ergeben, daß, mit wenigen Aus- nahmen, alle Posamentiere der Möbelbraucbe sich für den Eintritt in eine Lohnbewegmig entschieden haben. Es sei anzunehmen, daß die Forderung: N e u n st ü n d i g e A r b e i t s z e i t, 2 7 M. Wochen- lohn und prozentuale Erhöhung der Accordpreise auffried- lichem Wcge durchgesetzt werden können. Wenn das aber nicht der Fall sein sollte, dann würden die Posamentiere auch vor den Konsequenzen nicht zurückschrecken. Tie kurze Diskussion, welche nun folgte, ließ erkennen, daß unter den Anwesendeii vollkommene Einstimmigkeit über die Notwendigkeit einer Lohnmifbessentng herrschte. Es wurde nun eine wcrkstellenweise Abstimmung vorgenommen. Dieselbe ergab, daß alle in Frage kommenden Werkstellen vertreten Ivaren, und daß sich die große Mehrheit der Kollegen für den Eintritt in die Lohnbewegung erklärte. Nur einzelne Slinnnen waren dagegen. Es wurde eine aus 13 Personen bestehende Lohukommission gewählt und die Versammlung mit einem Hoch auf das Gelingen der Bewegung ge- schlosseu. Tic Nollktitscher und Sprditionsarbcitcr hielten am Sonntag- abend in Cohns Festsälen eine öffentliche Versammlung ab, die von etwa 1000 Männern und Fraueii besucht war, so daß infolge des großen Andranges die Nebensälcjuud Tbüren geöffnet werden ninßten, um allen Anwesenden Raum zu verschaffen. Dieser äußerst starke An- drang war ein erfreulicher Beiveis für die Thatsache, daß die seit Jahren mit allen nur denkbaren Mitteln unternommenen Bemühungen die mehrere Tausend tnnfassenden Angehörigen dieses Berufes für die Organisation zu gewinnen, endlich einntal von Er- wlg gekrönt waren. Bereits vor einigen Tagen war in einer Ver- sammlung der Versuch gemacht worden, alle in diesem Bertis thätigen Personen aufzurütteln und für eine Lohnbewegung zu gewinnen. Eine in jener Versammlung gewählte Lohnkommission war beauftragt worden, das geeignete Material zu sammeln und' die zu stellenden Lohn- fordcrungen zu formulieren und der Versammlung zu unterbreiten. Redacteur Schuhmann, als Berichterstatter der Lohnkoiumisfio», schilderte in seinen kernigen Ausführungen, vielfach von lebhafleni Beifall unterbrochen, die übergroßen Ansirengungeit sowie die äußerst traurigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse, denen die Angehörigen dieser Berufe unterworfen sind. Von einer geregelten Arbeitszeit und entsprechenden Ruhepausen, wie in anderen Berufen, sei gar keine Rede, da Tag- und Nachtarbeit stets neben- und aufeinander folgen, so daß sowohl den Kutschern und Stallwächtern als auch den übrigen Arbeitern ein Familien- leben fast gänzlich unbekannt ist, allen zusammen aber nur geringe unregelmäßige Zeit zur Ruhe und Erholung übrig bleibt, um sich auch als Mensch fühlen zu können. Die Müdigkeit der Kutscher, ivelche infolge dieser Anstreugungen und der mit dem ganzen Berufe verbundenen unregelmäßigen Lebensweise während der Fahrt einschlafen, seien auch die zahlreichen Unglücksfälle durch Ueberfahren te. zuzuschreiben. Daher wolle man auch eine streng geregelte Arbeitszeit durchführen. Die Löhne sind geradezu jammervoll, wenn matt bedenke, daß die Kutscher fast durchweg gezwungen find, ihre Mahlzeiten in Wirt- schaften einzunehmen. Wenn' er aber nur 18 Mark Wochen- lohn erhält, ist eS undenkbar, als Familienvater zu existieren. Nur auf die üblichen Trinkgelder angewiesen zu sein, ist für die Geschäftsleute als Geber eine Plage und für den Kutscher als Nehmer eine Erniedrigung; daher sei auch die Beseitigung d e r T r i n k g e l d e r zu erstreben mit einer entsprechenden Lohn- crhöhung. Dafür könne man sehr gut den Ertrag ans dem Verkauf der leeren Kisten, Emballagen te. verwenden. Die Auszahlung des Lohnes am Freitag sei gleichfalls zu fordern. Daß alle diese Forderungen berechtigt seien, habe eine Anzahl größerer Unternehmer durch Betvilligung derselben bereits anerkannt. Um aber, wie es bei der Finna Jakob schon seit Jahren geschehe, den Maßregelungen, namentlich der Organisierten, vorzubeugen, ist auch die Bedingung gestellt, daß M a ßre g e l u n g e n infolge der Lohnbewegung unter- bleiben. Allen Kutschern' und Arbeitern aber müsse auch die Verpflichtung auferlegt werden, sich der Organisation, welche die ganze Lohnbewegung geschaffen, daß heißt, dem„Verband der Handels-, Transport- und Verkehrs- Arbeiter Deutschlands" anzu- 'chließen. Ferner sei es unbedingt erforderlich, daß auf allen Speditions- Höfen und den in Betracht kommenden Betriebsstätten sofort gc- eignete Vertrauensleute ernannt werden, deren Aufgabe es «eilt muß, alle Mitteilungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse an Dreher in der Expedition des Verbandsorgans„Der Kurier" gelangen zu lassen." Die von der Lohukommission aufgestellten Forderungen empfiehlt Redner am Schlüsse seiner mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen zur Annahme in Form nachstehender Resolution:„Die am 20. August 1899 in Cohns Festsälen tagende öffentlickie Versammlung der Rollkutscher und Speditionsarbeitcr beschließt, an die vereinigten Spediteure nachstehende Forderungen zu stellen: 1. Für die Rollkutscher einen Minimallohn von 22 M., nach einjähriger Thätigkeit 26 M. pro Woche; 2. für die Roll- kutscher bei der Bahnspedition einen Minimal- Monatslohn von 78 M., nach einjähriger Thätigkeit 8ö M., bezw. einen Wochen- lohn von 18 resp. 21 M.; 3. Bezahlung der Ueberstunden von 9 Uhr abends ab mit 60 Pf. pro Stunde. Die Versammlung hält es ferner itr uubcdingtnotiveudig.eineVcrkürzuiigderArbeitszeit herbeizuführen, und fordert infolge' dessen von den vereinigten Spediteuren, 4. daß in der Zeit vom 16. April bis 15. August, sowie vom . Dezember bis 1. Mai nach 7 Uhr abends, und in der Zeit vom 16. August bis 1. Dezember, sowie vom 1. März bis 16. April nach 8 Uhr abends kein Kutscher mehr auf die Tour geschickt werden darf; 6. Abschaffung der Stallivachen für die Kutscher; 6. für Bodenarbeiter ivird verlangt, für Tagschicht elfstündige, für Nachtschicht zehnstündige Arbeitszeit, unterbrochen durch eine zweistündige Pause; ferner pro Ucbcrsluiide an Wochentagen 35 Pf.. Sonntagsarbeit 50 Pf. pro Stunde, I Anfangslohn 21 M., nach einem Jahr 24 M.; 7. Auszahlung des I Wochenlohnes am Freitag; 8. Maßregelungen dürfen wegen Beteiligung an der Lohnbewegung nicht stattfinden. Die Lohnkommission." In der Besprechung meldete sich Herr Montag als Groß- Spediteur zum Wort, um zu erklären, daß die Unternehmer ihre Millionen auch nicht so leicht verdienen, als man denkt, denn ein jeder müsse auch von früh bis spät arbeiten. sStürmische Heiterkeit.) Er könne aber versichern, daß die Spediteure, welche ebenfalls eine Kommission ernannt haben, bereit seien, die Fordcrungen anzuerkennen und zugleich mit der Lohukommission zu verhandeln, so daß wohl alles zufrieden und zur Einigkeit führen werde!(Lebhafter Beifall I> Von einigen anderen Rednern wurden noch lebhafte Klagen über Mißstände im ganzen Beruf sowie bei einzelnen Unternehmern, die fast nur jüngere und billige Arbeiter beschäftigen, geschildert. Nachdem Herr Montag noch mitgeteilt, daß die Kommission der Spediteure am kommenden Freitag eine Sitzung behufs Beratung über die Forderungen der Arbeiter abhält, wurde man dahin einig, daß die Forderungen innerhalb dieser Zeit seitens der Lohukommission den Unternehmern unterbreitet und in einer am Sonntag, 27. A u g u st, stattfindenden Versammlung über das Ergebnis Bericht erstattet werden soll. Bei etwaiger Ablehnung soll eventuell Arbeitsein st ellung beschlossen werden. Hierauf wurde die R e s o l u t i o n im e i n z e l n e n wie im ganzen mit Begeisterung e i n st i m m i g angenommen. Dem Central- verband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter traten 142 Mann als Mitglieder bei. Mit einem begeisternden Hoch auf die Bewegung wurde di� imposante Versammlung geschlossen. Die Maurer lokaler Richttitig hatten sich am Sonntag- vormittag bei Hoffmann in der Alexanderstraße zu einer Versamm- lung zusammengefunden. Zum Punkt 1 der Tagesordnung hielt Genosse Keßler einen Vortrag über„Revolution und Socialdemo- kratie". Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Vereinsangelegen- heitcn erstattet zunächst der Kassierer Bericht über das Stiftungsfest. Dasselbe brachte einen Ueberschuß von 04,98 M. Der Vorstand macht dann Mitteilung davon, daß er in den Fällen K n ö p f f ch e n und Diener, die ihm zur Regelung überwiesen worden sind, zu einem Ausschluß nicht kommen konnte. Wenn Knöp ffchen wegen eines früheren Streikbrnches ausgeschlossen werden solle, müßte dies auch bei anderen Kollegen geschehen. Ebensowenig könne D i e n e r wegen der Aeeordarbeit ausgeschlossen werden, so lange die Putzer nicht offiziell gegen die Aeeordarbeit Stellung genommen haben. Die Versammlung billigt diesen Standpunkt.— Es liegt dann noch ein Antrag vor, die- jeuigen Mitglieder auszuschließen, welche zugleich dem Bund der Maurer- und Zimmermeister angehören. Der Antrag richtet sich gegen das Mitglied Meier, welcher selbst- ständig ist.'Meier weißt darauf hin, daß er seit 15 Jahren der politischen und gewerkschaftlichen Organisation an- gehöre und immer seine Pflicht gethan habe. Er habe stets Gemäß- regelte bevorzugt, um dem Verein die Unterstützungskosten zu sparen. Von anderer Seite ivird ihnt vorgeworfen, er benutze seine Mit- gliedschaft im Verein dazu, den Arbeitgebern Zuträgerdienste zu leiste». Dies wird allgemein zurückgewiesen, da die Verhandlungeit des Vereins ja öffentliche seien und auch sonst zur Kenntnis der Arbeitgeber gelangen können, lieber den Antrag wird zur Tages- ordmiitg übergegangen. Nachdem noch eine Reihe von kleineren Angelegenheiten erledigt sind, wird die Versammlung geschlossen. Die Glaser Berlins und Umgegend beschlossen in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung, die am Sonntag in den „Arminhallen" tagte, in eine Lohnbewegung einzutreten und den Unternehmern in' nächster Zeit folgende Forderungen zu unter- breiten: A. Lohnarbeit: 50 Pf. Stundenlohn bei neunstündiger Arbeits- zeit. Uebersiundenarbeit pro Stunde 60 Pf. Nachtarbeit in der Zeit von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens 1 M. pro Stunde. Die Lohnzahlung hat an den Sonnabenden um 6 Uhr, an den Tagen vor den' hohen Festen um 4 Uhr ohne Lohnabzug zu er- folgen. L. Aeeordarbeit: Für gewöhnliche Baufenster 26 Pf. pro Ouadratmeter, für Nürnberger Fenster 40 Pf. pro Quadratmeter. Für Dacharbeit 60 Pf. pro Quadratmeter. Außergewöhnliche Arbeiten nach Uebereinkunft, jedoch muß hierbei der Tagelohn ge- sichert fein. Herunterschaffen der Fenster vom Boden in Tage- bezw. Stundenlohn. Für Schutzrüstungen nach baupolizeilicher Vorschrift hat der Arbeitgeber Sorge zu tragen. Nach einer sehr langen, lebhaften Debatte, in der von mehreren Rednern die gänzliche' Beseitigung der Aeeordarbeit befürwortet würde, während anderseits die Ansicht zum Ausdruck kam, daß die Zeit hierfür noch nicht gekommen fei. stimmte die Versammlung dem vorgeschlagenen Tarif ziemlich einmütig zu. Im übrigen waren die Versammelten allgemein der Meinung, daß die Durch- führung des Tarifs in der bevorstehenden sehr günstigen Konjunktur bei der' nötigen Energie nicht allzu schwer fallen dürfte, zumal die geforderten Preise von verschiedenen Firmen bereits jetzt schon be- zahlt werden. Die Beschlußfassung über die Zeit, wann den Unternehmern die Forderungen tmterbreilet werden sollen und über die weiteren Maßnahmen wurden einer Donnerstag, den 24. d. M., in den„Arminhallen" stattfindenden Versammlung überlassen. Zu- nächst sollen überall Werkstellen-Vertrauensmäuner, so weit dies noch nicht geschehen ist, gewählt werden, die ihre Adresse der Lohn- kommission umgehend bekannt zu geben haben. � Es wurde sodann darauf hingewiesen, daß jeder Glaser laut Beschluß der vorigen Versammlung verpflichtet ist, eine Sammelkarte von der Kommission zu entnehmen und 50 Pf. pro Woche an den Streikfonds abzuführen. Besonders soll aber dahin gewirkt werden, daß sich jeder Berufs- genösse der Organisation anschließt. Ueber die Lohnbewegung der Einsetzer berichtete der Ob- mann der Brauche in einer am Sonnlag abgehaltenen Einsetzer- Versammlung: Die Bewegung entspreche nicht den Erwartungen. Bisher seien erst 22 Bewilligungen gemeldet. Es scheine, als ob ein großer Teil der Einsetzer nicht den Mut habe, ihre Forderungen zu tiellen, wenigstens seien der Kommission erst sehr wenig diesbezügliche Mitteilungen gemacht worden. Weiter wurde bemerkt, daß der Verein der Einsetzer(Lokalorganisation) sich gar nicht um die Lohn- Bewegung kümmere. Ein Redner klagte auch darüber, daß Tischler» meisler. welche bewilligt haben, Werkstattarbeiter auf Bauten schicken, danrit sie dort in Lohn solche Arbeiten der Einsetzer ausführen, die den Meistern nach dem Einsetzertarif zu teuer seien. Ferner wurde hervorgehoben, daß in den Verhandlungen zwischen der Kommission der Bautischler und der der Meister nur von den Forderungen der Tischler, aber nicht von denen der Einsetzer die Rede ge- Wesen sei. Damit auch die Interessen der Einsetzer ausreichend vertreten werden, delegierte die Versammlung einen Einsetzer in die Kommission der Bautischler.— Ein Redner behauptete, die Mit« teilung, welche der„Vorwärts" in seiner Sonntags-Nummer unter „Gewerkschaftliches" brachte. wonach in der Werkstatt von Sommer in Charlottenburg die Forderungen bewilligt sein sollen, sei nicht richtig. Sommer habe bis jetzt noch gar nichts bewilligt. Die betreffende Notiz gehe auch nicht von der Organisation, sondern von einem der beteiligten Kollegen aus.*) Was in Nr. 189 des„Vorwärts" über die Sommersche Werkstatt be- richtet wurde, sei durchaus zutreffend. Die Kisteumacher hielten am Sonnabend bei Stechert, Andreas« straße, eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab, um zunächst *) Diese Mtttetltmgen sind der Redaktion von einer ganzen An- zahl Arbeiter der genannten Werkstatt zugegangen, die sich als Abonnenten unseres Blattes legitimierten. zu dcm Streik bei Voigt, Melchior st raße, Stellung zu nehmen. Wie berichtet wurde, hatte der Unternehmer ohne jedwede Veranlassung eine erhebliche Lohnreducicrimg vorgenommen und bobcn die Verhandlungen, die von der Lohnkommission im Auftrage der Beteiligten mit Herrn Voigt geführt worden sind, kein Resultat gezeitigt. Die Arbeiter konnten sich diese Lohnrcducicrung nickt gefallen lassen, und haben deshalb am Mittwoch einmütig die Arbeit eingestellt. Von den Ausständigen wurde auch das Verhalten der Polizei, die sich sofort der Firma zur Ver- fügung gestellt hat und den„Arbeitswilligen" einen sehr weitgehenden Schutz gewährt, während sie den Ausständigen fort- gesetzt Schwierigkeiten bereitet, einer herben Kritik unterzogen. Nach einer längeren Diskussion, in der das Vorgehen der Ausständigen von sämtlichen Rednern gut gchcisien wurde, beschloß die Ver- samnilung einstimmig, den Streik als berechtigt anzuerkennen und die Streikenden moralisch und materiell zu»nterstützen. Außer- dem wurde ein Antrag angenommen, nach welchem die An- fenigung von Arbeit für Voigt und auch für dessen Kunden in allen Werkstellen während der Tauer des Streiks verweigert werden soll. Hierauf gab der Vertrauensmann die Abrechnung für das ver- siosscne Halbjahr. Danach betrugen die Einnahmen inklusive des alten Besiandes von t03g.82 M.. insgesamt 3045,32 M., die Ausgaben. darunter 1761,25 M. MaßrcgelungS-llnterstützung vom 1. Mai und 512,50 M. Streik-Unterstützung, insgesamt 2474'40 M., sodatz noch ein Bestand von 570,02 M. verbleibt. Tie Abrechnung wurde von den Revisoren als richtig bestätigt und der Vertrauensmann entlastet. Sodann wurde beschlossen, dem Bertrauensmann ein Mankogcld von -sProz. der Einnahme zu gewähren. Als Vertrauensmann wurde Fr. S p l i n t e r und als Stellvertreter Schwanerz wiedergewählt. Als Revisoren wurden' Kuhn, Sprung und Wittmann bestimmt. Hierauf berichtete Fr. Splinter über die bekannten Vorgänge in der Berliner»Gcwerkschafts-Kom- Mission betreffend den Abstimmungsmodus. Nach einer kurzen Debaitc, ''cr �twgchen der Vertreter der großen centralorganisierten Gcw-rkkchasteu allseitig verurteilt wurde, beschloß man. die Tis- kussion in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlung fortzusetzen und dann endgültig zu entscheiden, ob die Beziehungen zur Gewerkschaftskommission abgebrochen und der Anschluß an die Geschäftskommission der lokalorganisierten Gewerkschaften erfolgen soll. Unter„Verschiedenes" wurden die Zustände in der Wcrkslclle von Meißner, Spittelmarkt, kritisiert und der Lohnkommission aufgegeben, für eine Aendening zu wirken. Nachdem noch zur bal« digen Abrechnung der Sternwarte-Billets aufgefordert worden war, würde bekannt gegeben, daß das Stiftungsfest Sonnabend, den 26. d. M. bei S t e ch e r t, Andreasstraße, stattfindet. Der Verband der Schlächtergesellcu Berlins und Umgegend hielt am Sonntag eine Versanunlung ab, in der G. S t r a u b e über die Arbciterschutzgesetzgebung referierte. Ter Redner kenn- zeichnete treffend die Arbeilerschutzgesetze als völlig unzureichend und wies in seinen weiteren Ausführungen nach, daß auch diese Bestimmungen besonders im Schläcktergewerbe nur auf dem Papier stehen und fast nirgends die notwendige Beachtung finden. Dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgte eine längere Diskussion, in der die verschiedenartigen Miß- stände, unter denen die Schlächtergesellen zu leiden haben, geschildert wurden. Lange Arbeitszeit, äußerst niedrige Löhne, schlechte Schlafräume, ungesunde Arbcitsränme. die allen sanitären Anforderungen Hohn sprechen und unwürdige Behandlung sind in diesem Berufe ganz besonders vorherrschend. Von den Rednern wurde auf einige Vorkommnisse verwiesen, woraus sich ergiebt, daß oft ein großer Mangel an Reinlichkeit in den Schlaf- und Arbeits- räumen vorhanden ist. Außerdem wurde das Fehlen der vor- geschriebenen Schutzvorrichtungen kritisiert und verlangt, daß ivenigstcns die sinslercn Kellertreppen, auf denen vielfach schlvere Lasten auf und ab getragen werden müssen, einigermaßen er- leuchtet werden, um zahlreiche Unfälle zu vermeiden. In nächster Zeit sollen mittels Fragebogen genaue Erhebungen über die Höhe der Löhne, Länge der Arbeitszeit und Beschaffenbeit der Wohn- und Arbeitsräume veranstaltet iverden. Ferner soll eine rege Agitation für den Verband entfaltet werden, um die Meister zur Beseitigung der Mißstände veranlassen zu können. Der Skr«, band, der trotz seines kurzen Bestehens schon ca. 200 Mitglieder zählt, hat sich unter anderen zur Hauptaufgabe gestellt: die Erzieluitg mög- lichst günstiger Arbeitsbedingungen, Regelung der Arbeitsvermittclnng durch unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Unterstützung der Mitglieder und Gewährung von Rechtsschutz, sowie Beseitigung der Mißstände im Lchrlingsivcsen und Abschaffung aller der üblichen Verordnungen in Werkstätten und Fabriken, welche die gesetzlichen Bestiinmnngcn zum Schutze der Arbeiter illusorisch machen oder der Ehre und den Jntcr- essen der Arbeiter zuwiderlaufen. Das Verbandslokal für Berlin befindet sich bei Schiller, Rosenthalerstr. 57, für Nixdorf bei Mcreier, Steininetzstr. 55. Charlotteubnrg. Die hiesige Zahlstelle des Verbandes der Maurer hielt Dienstag, den 15. August, abends in der Gambrinus- Brauerei eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, in Oer Fritz Busse als erster und A. Wilde als zweiter Bevollmächtigter und W. Pankow als Schriftführer gewählt wurden. Als Tele- gierter in die Bauarbciterschutz-Kommissiou wurde Bern s�e e gewählt. Strauß wurde als 2. Hilfskassierer bestimmt; er soll des Sonnabends im Lokal von Wille, Bismarckstraße. Verbaudsbeiträgc entgegennehmen. Beim Restaurateur Bredlow im 7. Kommunal-Wablbezirk soll eine Hilfs-Zahlstelle des Verbandes errichtet werden. Hierauf erstattet Schulze Bericht über die Arbeiten der Achtzehnerkommission; den Ausführungen des Redners wird größtenteils zugestimmt. Nachdem einem kranken Kollegen 30 M. Unterstützung bewilligt worden waren und der Kassierer aufgefordert hatte, Protokolle vom Verbandstagc zu entnehmeil, wurde die Versammlung niit dcm üblichen Hoch ge- schlössen. /, Uhr. Central. Der Heiratsmarkt. Anfang 8 Uhr. Friedrich. Wilhelnistädtisches. Genninal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Anfang 8 Uhr. Alexanderplatz. Nana. Ans. 8 Uhr. Ostend. Die Kubanerin. Ansang 8 Uhr. Luisen. Glhkerion. Hierauf: Der Kammerkater. Ansang 8 Uhr. Metropol. Berlin lacht! Anfang 8 Uhr Belle-AUiauce. Specialitäten-Vor- stellililg. Anfang 6 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Borstelluug. Anfang 7i/a Uhr. Reichshallc». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage- Panopliknin. Special!- täteii-VorftelNittg. Urania. Jnvalidenslr. iw/CS. Täglich abends von ö— 10 Uhr: Slcnnvarle. Taubenftr. 48/49. Im Theater Das Land der Fjorde. Ansang __ 8 Uhr._ SWerWater (Wallner, Theater). lUor wltz-Oper. Cyclus papillärer u. klassischer Opern- Voretsllunnen bei halben Preisen. Dienstag, abends 7»/, Uhr: Hartha od. Der Harkt an Richmond Oper in 4 Akten von Floww. Mittwoch, a b e n d s 7»/, U h r: Klaeeleche Opern-Vorstellung bei halben Preisen: rlelvll». Grobe Oper in 3 Akten von L. v. Beethoven. Donnerstag, abdS.?»/, Uhr: Zum letztenmal: Cni-me»(gewöhnliche kleine Preise). Freitag, abends 7V, Uhr, bei halben Preisen zum letztenmal: Vlv Jiidiii. ES finden nur noch 8 Opern- Borstelluiigen statt. WM-Carl Ätiij-Äjkattt. Gr. Frnnksnriersiraffe l3Ä. Täglich: Die Kubanerin. Aiifaiig'8 Uhr. VorzugSbillets haben Gültigkeit. Im Garten: Benenz für C. Felsch. Lpeclalltätenvorstellung. Ans. 5 Uhr. Metropol-Theater. Behrenstr. 55, 57. (SrÖHster hinlMon-OfoIf;!!! Berlin lacht! und das reizende Presse-Ballett. Hierzu: Neues Speclallt-Programm. U. a. Robinson Baker-Trio. Japanesen Fuhushima Truppe. Werner-Amoros- Company etc. etc. _ A n f a n g 8 1J Ii r._ Apollo-Theater. Abends» Uhr: FrauLtuna mit dem Luftballett„Grfgolatls". «Otto Rentter« Der Rosmograph Ät,. Neu! Die Erttflnnng Neu! des Dortmund Ems-Kanals am 11. August 1899 durch Se. Maj. d. Deutschen Kaiser. Garten-Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Vorverkauf täglich im Theater und beim„KUnetlerdank", Unter den Linden 69. zMnch'MHMst. Theater Chausseestr. 25 36. Abends 8 Uhr: Zum 17. Male: Germinal oder: Der Streik der Bergarbeiter. Sensatlonsstück in 6 Auszügen nach dem gleichnainigen Roman v.Emile Zola. Regie: Leouh.Otlomever. 1. Bild: In Rot und Elend. 2. Bild- Der Schwur. 3. Bild: Beim Berg- tverksdirektor. 4. Bild: Brot! Brot! Brot! 5. Bild: Am Rande deS Ab- grnndeS. 6. Bild: Der Zusammensturz. Im Friedrich-Wllhelmet. Konzortpark: Jede» Abend ungeheurer Lachersolg der Sensalionsposse: Berlin amüsiert sich! Hauptrollen: Lvna Barrison, Mlle. Popolair, Ivette Guilbert, Professor Svcngali. Das Rätsel des 19. Jahr- Hunderts Huberte Vincento. Miss Darnett, Salon-Athletin, hebt u. a. ein Piano mit dem Pianisten. Patty Frank-Truppe, Akrobaten, ö Personen jc. Außerdem 20 Specialitäten. Entree 30 Pf._ Crntvnl T lzrntev Direktion: Jose Ferenczy. Luftspiet-Gusemble(FrlMIly Krause vom kgl. Schauspielhaus, Herr Otto pahlau vom Schiller-Theater, Herr Bich. Bwald vom Thalia-Theater als Gäste.) Der Heiratsmarkt. Schmauk in 3 Alten v. G. OkonkowStl. Anfang 8 Uhr. Morgrn und folgende Tage: Tie- selbe Vorstellung. Palast-Theater NM- früher-Mg JFevn- l*uInHt. Burgstraste LS. Direktion: Winkler und Frbbel. 8oiinal>end, Ä. September: M Eröffnung der durchweg wunderbar renovierten Ritseil-Pralhtriliime. <-!r«»»«e«[7278C* 8pecialitttten• Progrumiu. Vom Besten das Beste! Zum 1. Male: Sprve-Uottchon! Grobe Original- Ausstattungs- Posse. 30 AA Chordamen können sich melden vormittags von 11—12 im Bureau des Palast-Theater, _ Burgstrabe 22._ Victoria-Brauerei Lützowstrahe 111/112. Im Aaturgturton oder 8aal: Tätlich Hnmoristifche Soiree der HoMeulLeliev Länger (Fllhrmann, »erst, Walde), fl Ans. Sonntags»■ präc. 7, wochentags 8 Uhr. Entree SO Pf. Vorverl 40 Pf. Familienbillers 3--IM. Sonntag und Tonnerstag»ach der Vorstellung! Tanzkrft naschen. Ostbn Im-Park llcrniann Inibn 71 Rüdcrsdorfcr Straffe 71, am K ü st r i» e r Platz. Täglich: lion-sert. Tbeater- und Special itäten-Vorstellniig. Nur erstklassige Nummern. Ailfang: Sonntags 4 Uhr. Enrrce20Ps. Kinder!0 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Pi. Anfang: Wochent. ö Uhr. Entree lv Pf. Kinder 10 Ps. Spr: rü» Nachzahl. 10 Pf. Jeden Dienstag: Xurddcutisclic SUngcr. Heruiaii» Jind», Diretlor. Ursnsa Tanbensits'aooe 48 10. Um 8 Uhr: Im Theater: Das Land der Fjorde. InvnlidciiNtr. 57/6.2: Tagl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr, Passage-Paiioplicum Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Xen! Ken! Das urkomische Bückeburger, Lauern- Ensemble. Anfang der Borstellung K Uhr abends. CkSTkNS«■ PANOPTIGUM Die HcnMationclIen yM- lebenden'«« Photographien! In Lebensgrösse. Die russische llinnnil" Damenkapelle„RllyllUIl In moskowltischen Kostamen. Viele neue plaMtiache («nippen und Figuren. Prater-Thea ter Kastanien-Allee 7/9. Täglich; llornK KchI. Volksstück mit Gesang u. Tanz v. Hugo Schulz, Musik von A. kersten. Kostümsoubrette Fräul. hucle Sarow. Gebr. Mllardo, Grol. Duett. Tau ma- Quartett, Gesang und Tanz. Die 3 Schönbrunns, hn- moristisches Bilderbuch. The4Flashes. Excentrics. Ballettgesellschaft Döring. Vendare-Trle, Exercitieu am Hand- Trapez. Daniel- Truppe, Pantomiine. ZjM- Konzert»nd Ball.-MF Eintritt Sonntags und wochentags !!0 Pf., iiiiin. Platz 50 Pf. Kalbo. Neichshallen. Garten reiip. 8 aal täglich: Stettiner Sänger (Mensel. Pletro,«ritton, Slcidl. Krone, SC i r ch in a n e r, Schneider und Schräder). Altkilllll»« Uhr. (Illsilltls. Soiinlags 7 Uhr. Entree 50 Pf., Vorvertaus für die Wochentage 40 Pf. Num. Balkon 75 Pf. Ballon-Loge 1 M. Orchester- Loge 1,50 M. Fremdenloge 2 M. jeden Freitag: Neues Programm. R. Ballschmieders „Kastanienwäldchen" ÄDiijfttjjflrte« u. PrlilhtsSlc Badstr. 16. Gesundbrunnen. Badstr. 16. Täglich: Gr. Promenaden- Konzert. Jeden Donnerstag: Elite-Streich-Konzert. Sonntags: Grosier Ball im neuerbauten Saal. Empfehle meine Säle zu allen Fest- lichkeiten. R. r.llechmleder. Allltinig! Zimem. Ällstuilg! Lonnadsucl, 6en 26. �.uZfust cr.: Kr. Lommernaedts-LaU zur F-eier des«. Stiftnngsfestes des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend in der Rranerel Friedrichshain(früher L i p ö). Die Musik wird von Eivil-Bentfemusikern unter Leitung des Musikdirektor Herrn Grab ausgeführt.— Die Pausen werden von der Gesellschaft Strzelewicz mit ihren humorislischen Vorträgen ausgeführt. Um 1 Uhr: Uasieepause.— Gr. Bonbonregen.— Ans. des Konzerts 7 Uhr. Tanz 8 Uhr abends.— Eintritt und Tanz: Billetö 40 Pf. Billets find bei sämtlichen Bczirkskassicrern des Vereins und in den mit Plakaten belegten Lokalen, sowie bei dem Bergnügungslomitee zu haben. Um freundlichen Besuch ladet ein 257/15» Idas Komitee: Albert Höhle, Jnfterburgerstr. 4 Karl Puhlman, Pankow, Wollankstr. 15. Karl Höper, Charlolltenburg, Kantstr. 114. Karl Fröhlich, Moabit, Beussclstr. 11. Emil Brandt, Waldein arstr. 67. Max Kliems Sommer-Theater llascnheide 14— 15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Crnjjes Arteil-Ksnzttt. Auftreten des gesamten Schauspiel- n. Tpccialitätcn-Personals. Nur erstklassige Kräfte.'MQ Georg Fischer(Liebersänger), Ernst Kühne(Charakter-Komiker), Frltzl Verra (Kostüm. Soubrette;, Charles Gilten(Equitibrist), The Original Becan ( Musikalischer Akt), Klle. Marguerlte mit ihre» Rassktaiiben, los Elganos (Jnstrumeiltalisteii). Kenes gedloj- oncs Familien• Programm. Kntrce: Wochentags 30 Pf. Numerierter Platz 40 Pf Anfang des Konzerts täglich 4 Uhr. In den Fcstsäleu: W Die Kasseeküche ist geöffnet. Fntree: Senntags 25 Pk. Numerierter Platz 50 Pf. Anfang der Vorstellung 6 Uhr, Grosser Ball.-WM TIa.v Klient. SchWeizer-Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am FriedrichShain. Täglich: Theater- und Zvetialitaten-Vorstellung. Jeden Mittwoch: Gvoffos und Rindevfeff. Anttreten des nenen K ilnstler-Ensemhlcs. Jeden Abend von 10—11 Uhr: Novität. Der Novität k Ober-Bonze von Klantschou. Ausstattungs-Burlesle mit Gesang in 3 Bildern von I. EiSner.— Musik von Max Schmidt. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: Sanssouci, suiZVIL Glänzend renoviert! 2279L" E r ö f f n n u g: Tonuabcnd, den S(i. Angnst, abendS 8 Uhr. boffmsnns Haräckentsohe Länger. Darsteller: Adolf Hoffmann, Hcrm. Müllrr-Lipart. Rudolf Steinhardt. Hans Bär. Bruno Grüneberg, Georg Hirschel, Karl Leonhardt. Theodor Mensel, Emil Tesch, Panl �olfgang. Gleichzeitig empfehle die Säle zu Festlichkeilen. Lohns Festsäle, Beuthstrasse 20 Amt I, 1722. Empfehle meine Festsäle mit Bühne, von 100—1000 Personen fassend, zu Versammlungen und Festlichkeiten. 228or>» Sonnabende und Sonntage im-eptember und Oktober noch zu haben. ioS" Flora- Säle, Weberftr. 17. 8oiinnbendc und Sonntage SM** frei. 9U[23002* Vereinszimmer 20—150 Personen.— Beriammlungen ,c.:c. Essig selbst zu bereiten ist höchst einsach und hochpraltisch mit Delehels Fxtrastnrlrer Fssl«-Fssen-. Giebt sofort mit frischem Wasser den gesündesten Speise- Essig und mit abgekochtem Wasser vorzüglichen Einmache-Eistg, von dem- selben Wohlgeschmack und Aroma wie guter Weinessig und ist viel besser, reinlicher und billiger wie anderer Essig. 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Glocke in Berlin. Druck und Verla» ooii Max Babing in Bcrltn.