Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 54. Donnerstag, den 17. März. 1898. /e Uhr nachmittags, als in diesem Orte ein scharfer Erdbebenftoß verspürt wurde durch den die Häuser erschüttert wurden, Geschirr zusammenklirrte»nd herabfiel, und die Bevölkerung in Auf« regnng versetzt wurde, obgleich ein nennenswerlher Schade» nicht verursacht wurde. Um die genannte Zeit wurde zunächst ein lauter Knall vernommen, als od unter der Erde ein schweres Geschütz ab- gefeuert worden wäre, unmittelbar darauf folgten, als wären sie von einer heftigen Erschütterung durch diesen Schuß veranlaßt, Erd- bewegimgeu in senkrechter Richtung für eine Dauer von etwa zwei Sekunden, dann folgten noch horizontale Schwankungen, die etwa 4 Sekunden dauerte». Etwa 2 Minuten nach dem ersten Knall vernahm man einen zweite», noch lauteren und schärferen, auf den aber keine weitere Erschütterung folgte. Nach dem Schall des unterirdischen Geräusches zu schließen, bewegte sich der Erdstoß von Westen nach Osten. Merkwürdig bleibt die Thatsache, daß»irgend in der Umgebung Erdbewegungen verspürt wurde», daß dieselben also auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt gewesen sein müssen. In den letzten Jahren sind bereits mehrfach Erdbeben in diesem Distrikt wahrgenommen worden.— HnniovifiischeS. —„Hier wendet s i ch der Gast mit Grausen. Gast:„Was ist denn das für ei» altes, ungenießbares Zeug, was Sie mir da gebracht haben?"— Kellner:„Das ist Huhn mit Reis, das hallen Sie doch bestellt.— Gast:„Na hören Sie, das ist aber wahrscheinlich Reis älterer Linie!"— — Un betheiligt.„Wissen Sie schon, Frau Nachbarin. nächstes Jahr geht die Welt unter!«—„„Was geht mich das au? Nächstes Jahr bin ich ja überhaupt nicht hier, da bin ich bei meinen Verwandten in Stettin!""— — Ländliche Anschauung.(Vor dem Standbild Wallher's von der Vogelweide in Bozen.) L o i s:„Du. Sepp, warum muaß denn der do alleweil auf dem Brunnen stehn?" Sepp:„Woaß net!'leicht is das der, der's Weinpantschen aufbracht Hot!"(„Lust. Bl.") Vermischtes vom Tage. — Die beiden C or n e l i us s ä l e der Nation algall eri« sind gegenwärtig geschlossen. Sie beberbergen die Ge« mälde, die bei der Neu-Ordumig der Gallerie zurückgestellt wurde». Die Leiter der Proviiizialmuseen treffen aus diesen eine Auswahl' für ihre Sammlungen.— — Als wirksames Mittel gegen Verbrennungen werde» jetzt Ichthyol und T h i o l empfohlen.— — Auf der E i d e r kenterte in der Sonntag-Nacht in der Nähe des Dorfes Zielen ein Boot mit sechs Insassen. Zwei Knechte und zwei Mägde ertranken.— — In B o n n wurde in dem Zimmer z w e i e r M e d i z i n e r die L e i ch e eines jungen Mädchens gesunden. Ter eine hatte mit diesem ein Verhällniß unterhalte» und es in seine Woh- Illing geiiomuicii, um es von den Folgen einer Frühgeburt zu heilen. Als das Mädchen an Bliitvergistung starb, nieldeten beide Mediziner den Tod an, wurden aber verhastet, als die Obduktion ihre Schuld erwies.— — Auf der Bahnbrücke über die S e l b i tz(Bahnstrecke Hof- Naila) versuchte in der Sonntag-Stacht ein Mann einen Zug zum Entgleisen zu bringen, indem er starke Steine, Baninwurzelii u f. w. auf die Schienen legte. Er wurde später entdeckt.— — Die westgalizische Stadt U j s c i e v o l u e ist fast vollständig niedergebrannt.— — In B u d a p e st töd tete ein junger Mann seine G e- liebte, die sich geweigert hatte, seine Frau zu werden.— — Die Ursachen der H n n g e r s n o t h in S l a v o n i e n sind die Mißernlen der letzten Jahre und die Thierseuchen. Das nicht gefallene Ackervieh mußte im Vorjahre verkauft werden, damit man Anbausame» bekam. Heut giebt es auch kein Saatkorn mehr. Die Weingärten sind von der Peronospora vernichtet, die Zwetschgen- kullureu im nassen Boden zu gründe gegangen. Auch Besitzer von 20 und 30 Joch Wiesen- und Ackerboden sind Bettler geworden. Kinder, Weiber, Männer ziehen bettelnd im beuachbartcu Bosnien herum.— — B i l l i g e F i s ch e. In B u k a r e st soll»ach der„Köln. Volksztg." das Kilo D o n a u- K a r p s e n,-Hechte und-Zander nur 12 bis IS Pfennige kosten.— — Ter belgische Dampfer C a u k a s e, der Petroleum von Batum führte, ist i» den Dardanellen g e s u» k e».— c. e. Vor de» Richter» des B o st o n e r Stadtgerichts standen unlängst zwei B a u ch tä n z e r in n e n. Sie sollten mit ihrer „Kunst" eine» Verstoß gegen die„guten Sitten" begangen habe». Die Richter ließen sich elwas vortanzen und sprachen die Au- geklagten frei.— — Rio de Janeiro, IS. März. In der vorigen Woche ist hier das gelbe Fieber ausgebrochen; biS jetzt sind durchschnittlich täglich 12 Todesfälle z» verzeichne».— rlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.