Mnterhaltttngsbtatt des Horwärls Nr. 59. Donnerstag, deil 24. März. Z898. «Nachdruck rirboiin) isz Klm häuslichen Heed. Nomon roii Iwan Franko. „Was war mir, was ist geschehen?' fragte er, ohne sich von der plötzlichen, sonderbaren Katastrophe so recht Rechen- schaft ablegen zu können.„Gestern bin ich doch aus Bosnien heimgekehrt i Gestern, gestern noch, war ich ja glücklich, so glücklich wie noch nie in meinem Leben! Ich fragte sogar den Herrgott, warum er mir so viel Glück bcscheerte! Ich Dumm- köpf, ich Dummkopf! Wie konnte ich ahnen, wie voraussehen. daß mein ganzes Glück nur Täuschung, nur Fata morgana, nur eine Seifenblase war? Und die Seifenblase zerstob. Was nun?" � Der Hauptmann war warm gekleidet, auch ziemlich ab- gehärtet; doch fühlte er, daß in diesem Augenblicke eine schreck- liche Kälte sein ganzes Wesen durchdrang, ihm bis ins Herz und ins Gehirn stieg und ihm große Schmerzen bereitete. Und er begann wieder, wie ein verfolgtes Wild, eilig weiter zu gehen, bei dem Landtagsgebäude vorbei auf die Mickiewicz- Gasse, dann hinauf zur rnthenischen Jur-Kirche. Erst aus dem Jur-Platz blieb er stehen und holte tief Athem. Dann be- gönnen seine Gedanken wieder zu arbeiten. Er nef sich die vor kurzem im Kasino durchlebte Szene ins Gedächtniß. „Was wollen sie denn von mir? Wofür strafen sie mich? Ich habe ihnen doch nichts Schlechtes angethan! Die Niederträchtigen, die Elenden! Mich so ins Herz zu treffen, mich erst moralisch und dann physisch zu vernichten! Denn offenbar ist es das, wonach sie streben. Sie verleumden meine Frau.I bewerfen mit Schmutz, was mir am heiligsten ist. Sie habe» ja eine wahre Verschwörung gegen mich angezettelt.„Wenn Du, Redlich, es nicht übernehmen willst, so ist jeder von uns bereit es zu lhun." Das waren doch ihre Worte. Mau hatte mir eine Falle gestellt, mich umringt, um ganz sicher zu sein, daß ich nicht entkomme. Diesen Dumm- köpf, den Redlich, schickte man mir mit Absicht ins Haus, daß er mich provozirt, beleidigt, und so in die Falle lockt. O, die Elenden, die Elenden, die Judassöhne! Aber wartet nur. so leicht laß ich mich nicht vernichten. Ich werde kämpfen, mit den Zähnen mich wehren, so leicht werdet ihr nicht triumphiren!" Er richtete sich hoch auf, warf einen haßerfüllten Blick auf das Häusermeer, das nur hie und da von flackernden kleinen Lichtern und entferntem Wagengerassel belebt zu seinen Füßen sich ausbreitete, zog dann den Säbel aus der Scheide und durchschnitt damit die Luft, daß es laut pfiff. Dann versorgte er wieder den Säbel und kehrte leichten Schrittes und mit erhobenem Haupte durch die Mickicwiczgasse vor das Landtagsgebäude zurück. Plötzlich jedoch blieb er betroffen auf halbem Wege stehen, das grausige Ungeheuer, das ihn von dem Augenblick, da er das Kasino verlassen, unablässig verfolgte und von weitem bedrohte, versenkte ihm jetzt erst seine Krallen in die Brnst. Es war dies ganz unmerklich, ganz unerwartet ge- schchcn. Er war eben ruhiger geworden, der Entschluß, sich morgen an den gegen ihn verschworenen Offizieren zu rächen, schien ihm Kraft und Sicherheit zu verleihen. Und in dieser Gemüthsverfassung kam ihm der Gedanke: Ich will nach Hause gehen." In diesem Augenblicke spürte er die Pranke des Ungeheuers, fühlte er einen ungeheuren Schmerz in der Brust und sah das Todtenantlitz der Verzweiflung ihm grauen- hast ins Auge blicken. „Nach Haus? Wozu denn? Was habe ich dort zu suchen?" Diese Gedanken knarrten in seinem Kopfe, wie die Angeln einer Thür?, die in den Höllenschlund führte. Die unterirdischen Höhlen, wo einst die Menschen unter rasfinirtcn Tortur-Werkzcugen Folterqualen gelitten, waren Orte des Vergnügens und der Erholung, im Vergleich mit dem Höllcnabgrund, der jetzt seinen Rachen in der Tiefe seiner Seele öffnete. Seine Frau sollte ja ein Ungeheuer, ein Vampyr sein, der sich von Menschenblut nährte. Dieses schöne, unschuldige, liebende und geliebte Wesen ist eine Tcufelin, die Mit- schuldige jenes Satans in Weibsgestalt. Redlich hatte es ihm gesagt, der Mann, den er noch nie auf einer Lüge ertappt, der gewissenhasle Mann, der so fürchterliche Ver- dächligungen nicht in die Lust hinein schleudern ivürdc, der Mann, der sein Schulkollege und lrcuester Freund war. So mußte es also wahr sein? O, dann fluche ich dem Tag, an dem ich gebore», der Stunde, rn der man mich zum ersten Mal ei»»lenschliches Wesen nannte! Dann giebt es keine größere Schande in der Welt, als Mensch zu sein! Der Hauptmann zitterte wie im Fieber. Nach einem halbstündigen planlosen Herumlausen fand er sich plötzlich auf der Bäckergasse gegenüber dem Hause� in dem seine Wohnung war.> Im Fenster des Schlaszimmers brannte Licht; der Haupt- mann stand auf der entgegengesetzten Seite der Straxe am Trottoir und schaute in das Licht hinein. „Sie wartet aus mich"— flog's ihm durch den Sinn. Die Gedanken eilten ihm chaotisch, wie welke, vom Herbstwind getriebene Blätter durch den Kops. „Und die Kinder, meine Kinder nennen sie Tante diese... diese.. Er knirschte mit den Zähnen. Von surchtbarem Zorn übermannt stürzte er auf das Hausthor zu. Er riß heftig an der Glocke, um den Hausmeister zu wecken und eiligst in's Schlafzimmer zu dringen; dort wollte er sie zwingen.� ihre Schuld einzugestehen und dann sie erwürgen, mit seinen Zähnen in Stücke reißen, und zivar sogleich, an Ort und Stelle? Das war seine Idee. Kaum jedoch hatte er sie bis zu Ende ge- dacht, als er selbst vor ihr erschrak, vom Hauslhor auf die andere Seite des Trottoirs ivegsprang und wie ein Feig- ling eilig davonlief, daß der Hausmeister ihn nicht erblicken, erkennen und zum Eintreten zwingen sollte. Nein! Nicht um alle Schätze der Welt konnte er jetzt in seine Wohnung treten! In der Gemüthsversassnng, in der er sich befand, hätte er sicher Angela oder sich selber getödtet. Glücklicherweise hatte die Glocke nach Lembcrger Art den Dienst verjagt, oder der Hausmeister vielleicht das einmalige Läuten überhört, kurz das Thor blieb verschlossen. Nach einigen Augenblicken lödtlicher Angst, die der Hauptmann ver- steckt an der Straßenecke zugebracht, zitternd und wie ein Dieb nach allen Seiten hcrnmspähend, begann er ruhiger zu werden und über sein Verhällniß zu Angela kühler nachzudenken. „Und sie erwartet mich!" setzte er den unterbrochenen Ge« dankenlauf fort—„sie ,st unruhig, sie wundert sich, warum ich nicht komme. In früheren Zeiten weinte sie, wenn ich sie so spät allein ließ. Jetzt muß sie daran gewöhnt sein. Und noch an manches andere hat sie sich gewöhnt! Was Redlich von ihr gesagt, das ist ja vollständig ivahr! Ich fühle das mit meiner Seele, mit meinem ganzen Wesen. Dieses Gefühl bringt Wahnsinn über mich! O Unglück! O Verzweiflung! Er sprach doch von Beweisen! So weit hat es also meine geliebte, vergötterte Frau, die Mutter meiner Kinder gebracht! Neiii. das kann ich unmöglich ertragen! Jetzt. gleich, auf der Stelle müssen wir abrechnen— für immer? So. oder so. zusammenleben können ivir ohnehin nicht mehr." Und er schritt wieder aus das Hausthor zu. Kaum war er jedoch bis in die Milte der Straße gekommen, als er den keuchenden Athem und die schweren Tritte des Hausmeisters zu hören glaubte, der ihm das Thor öffnen wollte. Gleich- zeitig fiel ein Lichtstrahl aus Angcla's Fenster auf die Straße; in diesem milden, schwachen Licht, das durch das dichte bc- wegliche Ney wirbelnder Schneeflocken dringend eine blaßrothe Färbung erhielt, sah seine erregte Phantasie daS Spiegelbild einer Blutlache— und von wahnsinnigem Schreck erfaßt, ohne weitere Ueberlegung und ohne sich um- zusehen. lief er säbelklirrend vom Hauslhor fort, die Bäckergasse hinauf und bog in ein Seitengäßchen. Ein Polizelmann, ver an der Straßenecke stand, sah den davon- eilenden Offizier, und in der Meinung, daß etwas geschehen war, was seine Intervention erforderte, begann er, ihm nachzueilen. Als der Hauptmann das merkte, bog er in die dunkle St. Antonsgasse und eilte den Berg hinaus. „Herr! Herr! warten sie doch!" ries der Polizeimani,, der sah, daß er ihn nicht einholeil konnte. Doch der Hauptmann hörte sein Rufen nicht. Der Polizcimann pfiff, um die Hilfe seiner Kollegen anzurufen, doch andere Polizeimänner befanden sich nicht in der Nähe, nnd der Pfiff verhallte ohne Echo. Inzwischen wnt der Hauptmann in die Schühcngassc gelangt. Athcmlos machte er in einem dunklen Winkel Halt, Ivo er ans zehn Schritt Entfernung nicht bemerkt werden konnte; er bolte tief Alhem und versuchte wieder, den ab- gerissenen Gedankenfaden weiter zu spinnen. Diesmal war aber seine Gcdankenrichtung eine gerade entgegengesetzte als vorhin. „Wie sie mich liebt, und wie sie die Kinder liebt! Das merkt man an jeder ihrer Bewegungen, aus jedem Worte, aus jedem Briefe! Liebe und bodenlose Verderbtheit, können die Hand in Hand gehen? Und ist ihre Verderblheit, sind ihre Verbrechen wirklich erwiesen? Sie hat mich gewarnt, dem Ge- rede keinen Glauben zu schenken. So war es also micli zu ihr gedrungen! Sie beschwor mich, die Armee zu verlassen und ich Esel, konnte nicht begreifen, warum sie es verlangte. Jetzt erst ist mir alles klar, jetzt, wo der Schlag gefallen, Ivo ich mich nicht mehr zurückziehen kann. Ich wollte mich diesem Schmutz entreißen, der Gesellschaft dieser Leute entziehen, die vom Leben der Allgemeinheit abgetrennt, an Niüssiggang gewöhnt, durch und durch verdorben sind und mich Verderbniß um sich her verbreiten. Vielleicht hatte sie sogar von der Verschwörung erfahren, die gegen mich angezettelt wurde. Der nervöse Anfall, die Angst um die Kinder, das fieberhafte Be- siürmcii um meine Demission... O ich mußte blind sein, daß ich das nicht gleich erkannte! Um mich hatte sie sich geängstigt, mein Gluck, meine Ruhe lag ihr ani Herzen! Doch warum hatte sie mir nicht deutlich gesagt, um was es sich handelte? Warum? O ja, ich verstehe sie wohl! Sie kennt nur allzngut meine dumme, eigenwillige, vornrtheilsvolle und zu Verdächtigungen geneigte Natur; Sie wußte, daß ich ihr nicht geglaubt, sie, Gott weiß warum, verdächtigt hätte. Sie glaubte, daß es ihr gelingen wird Zeit zu gewinnen und mich für die bittere Wahrheit vorzubereiten. Und ich Esel, ich habe alles ver- dorben. Nun muß ich's tragen... (Fortsetzung folgt.) l AZandwerkerloos im alfctt Egypten. In Egypten, dessen Gemeinwesen aus einer feudale» Organi- Mio» des Grund und Bodens basirt war, findet sich schon vor 5000 Jahren eine beträchtliche Anzahl halbsreier Handwerker, die unter der Aussicht von königlichen Aufseher» Arbeiten, besonders staatliche Bauarbeiten auszuführen hatten. Ueber die Lage dieser Leute eut- nehme» wir einem Werk des belgischen Soziologe» de Greef: »Lvolution des Croyances et des Doctrines politiques", folgende Einzelheiten:„Die Lebensbaltung der gen'öhnliche» Prosessions- ardeiter— es gab n. a. Sd)miede, Steinhauer, Maurer. Weber und Schuhmacher— war eine äußerst niedrige. Der in Naturalien gezahlte Lohn war sehr gering, das Essen von der dürftigsten Qualität. Sehr primitiver Natur war auch das Werkzeug; das ejgentlidie Arbeitsiustrument war der Mensch selbst. Der Bäcker knetete den Teig mit feinen Füßen; der Maurer verwendete seinen Mörtel mit bloßen Händen. Alles in allem war die Lage dieser Menschenkategorie eine nicht viel weniger bedauernswerthe. wie die wirklicher Sklave». Es ist daher wohl auch begreiflich, daß der ständige gleichartige Druck der Lebensbedingungen, dem sie aus- gesetzt war, ein gewisses Solidaritätsgefühl unter den einzelnen Arbeitsgenossen erzeuge» mußte, und daß schließlich Versuche gemacht wnrden, eine Besserung des eigenen Loses hcrbeizusührcn. Der Naturallohn, berichtet de Greef, wurde fast ausschließlich in Form von Getreide oder Brot geliefert. Die Aushändigung geschah am ersten jeden Monats, und der obrigkeitlichen Verordnung entsprechend sollte der vertheilte Vorrath bis Ende des Monats vor» halte». Aber schon gegen Mitte desselben begann es am Nöthigsten zn schien. Da begann auch die Unznsriedenheit:„Wir haben Hunger und es sind noch 13 Tage bis zum nächste» Monat!" murrten die Männer. Die Arbeit ivird unter- broche», die Hungerleider verlassen die Arbeilsstältcn und rotten sich auf einem öffentliche» Platz i» der Nähe eines Tempels oder Denkmals zusainme». Die Aufscher kommen ihnen nachgelanfen; die Polizeibeamte» des Bezirks und die Richter der Umgelinng begebe» sich zu ihnen, um Unterhandlungen anzukniipseu. Ost gelingt es, sie durch gute Worte zur Ruckkehr zu beivege»; zuweilen aber wolle» sie nichts hören und entgegnen �„Wir komme» nicht wieder; geht und sagt es Euren Austraggeber», die daheim versammelt sind und berathe»!" Jene Auftraggeber, führt der Verfasser(immer in enger An- lchnung an den Text uns überkommener egyptischer Urkunden) weiter aus, mußten wohl manchmal zugestehe», daß die Klagen der Leute begründet waren:„Wir sind voni Hunger gequält und leiden Durst; wir haben keine Kleider mehr, wir haben kein Oel mehr; wir haben keiiie» Fisch mehr, noch Gemüse! Geht hin und sagt's dem Pharao. iiuferm Herr»; schickt hin zum Könige, iinserm Meister, daß er uns die Mittel gebe z»»i Leben...!" I So klang das Gewirr der Slimine« durcheinander. Dann schritt inohl der Richter ein, überbrachte dem Könige die Beschwerde», und es wurde eine Exiraration vertheilt. Aber das geschah nur im Nothfalle. Wohl lagen in den Speichern des Königs und der Tempel reiche Schätze aufgehäuft; jedoch nur dann wurde von dem Ueber- schuß des letzten Monats«in Theil an die Hungernden abgegeben, ivenn diese sich anschickte», die Magazine zu plündern. Bei solchen Anlässen schritten natürlich auch jedesmal die Richter und Magislratsbeamten ein, um der Räuberei zu wehren und Gericht zu halten. Nachdem, was vorausgeht, kann von einigermaßen humanen Be- ziehungen zivischen jener Kategorie von Handwerksleuten und der Kaste der Fürsten und Feudalherren sicherlich nicht die Rede sein. Die halbsreie», das heißt ihren Herren dem Wortlaut des Gesetzes nach nicht zu eigen gehörenden Professionsarbeiler wurden hart geschunden und ausgebeutet. Es ist aber interessant zu erfahren, wie die großen Herren es anfingen, um vor der Nachivelt womöglich— und namentlich in bezug gerade auf die Behandlung ihrer Untergebenen— im rosigsten Lichte zu erscheinen: Sie ließen sich ihre Verdienste und Tugenden schriftlich von den weltliche» und geistlichen Beamten be- stälige». Jeder Tobte aus der Kaste der Feudalherren bekam ein Erbaunngs- und Gebetheft, das sogenannte Todtenbuch, mit in den Sarg, und in diesen fanden sich meist folgende sd,ö»e Inschriften: „Ich habe niemals von einem Vorarbeiter mit seinen Leuten inehr Arbeit verlangt, als er rechtlich ausführen mußte!"„Ich habe niemand ausgehungert!"„Ich habe kein Gut erworben durch Betrug!'„Ich babe lein falsches Maaß gegeben beim Wiegen des Getreides!"„Ich habe um keines Fingers Werih be» trogen!"„Ich habe nicht die Quellen des Waffers verstopft!" „Ich habe kein Bächlei» gehemmt in seinem Lause!" Ei» Fürst, der höchste Verwaltungsbeamle eines Landesgebietes. ging noch weiter in seinen Lobeserhebungen:„Ich war ein Herr voller Güte und Liebenswürdigkeit; ei» Gouverneur, der sein Land liebte. Niemals wurde durch meine Schuld das kleinste Kind be- trübt, niemals eine Witlwe mißhandelt. Niemals habe ich eine» Ackerbauer oder Hirten verlrieben. Niemals habe ich von einein Ausseher mit nur süns Mann Arbeitsleistungen zn meinen Gunsten verlangt. Niemals war in meinem Lande Roth; niemals hat unter meiner Regierung jemand Hunger gelitte», selbst nicht zu den Zeilen der Theurung. Denn ich pflügte alles Land; ich gab allen Vewohnern zu lebe», so daß es keine Menschen gab, die da hungerten!"— So die Könige und Feudalherren in ihren Selbstbiographien. Ohne Zweifel sind diese ein Wunder von Unverfrorenheit und löst» licher Naivetät. Schade nur, daß die kritische Nachivelt an so viel Selbstverleugnung nicht glauben mag. Wenn sie das Gegentheil von dem annimmt, was uns jene Könige und Königsvasallen von sich selbst berichten, durste sie der Wahrheit am nächsten kommen.— _ H. T. Vermendung des DiAmanks in der Technik. Ueber Eigenschaften, Vorkommen und Veriveiidung des Diamanls hielt vor einiger Zeit Professor Scheibe im Verein zur Beiörderung des Gewerbefleißes einen Vortrag, dem wir folgende Angaben über die industrielle Nntzbariiiachuug des Edelsteins entnehmen. Schon lange geübt ist der Gebrauch des Diamanls zum Schneiden von Glas. Die Schneide desselben soll hierbei aus einer leidlich scharfen, natürlichen Kaute bestehen, welche von gekrümmten Flächen gebildet ist. Nur dann entsteht bei richtiger Führung ei» seiner Sprung im Glas, an dem dasselbe gebrochen iverdeu kann. Unter andere» Verhäliuissen entsteht nur ein oberflächlicher Ritz, kein Sprung; der Diamant schneidet nicht, er kratzt nur. Spitze Diamanlsplitter iverde» zum Schreiben, Zeichnen, Graviren. Lilho» graphiren ans harten Tegeufländen, rotirende Spitze» oder mit Diainantpulver bestrichene Rädchen oder Spitzen zum Graviren und Bohre», sowie beim Ausschneide» von Gemme» und Kameen benutzt. Jedenfalls ist der Diamant auch schon im Allerthum zum Durch- bohren und Bearbeite» anderer harter Edelsteine gebraucht worden. I» Pulverform dient der Diamant zum Schleife» anderer Edelsteine und besonders des Dlamants selbst. Umfangreich ist die Veriveuduug des Diainauten beim Her- stelle» der Furchen aus de» Reibfläche» der Mühlsteine. Hervor- znheben ist weiter, daß jetzt der Diamant eine wickilige Rolle bei Verarbeitung vou Gesleinsblöcke» zu Säulen, runden Schalen und dergleichen spielt. Zur Herstellung von Säulen werden die Blöcke in eine Art Drehbank gespannt und in Umdrehung versetzt. Ein an seiner Schneide mit Diamanten besetzter meißelarliger, eiserner Arm, welcher am Angriffspunkt dauernd mit Wasser benetzt wird, schält da»» die Säulen gleichsam heraus oder schneidet liefe Ninnen ein, ivelche die weitere Arbeit erleichtern. Durch geeignete Aneinaudersügung mehrerer eiserner Platte», wobei deren mit Diamant befetzte Kanten in verschiedener Höhe liegen nud im Querschnitt ein bestimmles Profil bilde», iverden Körper(Sektoreu« Hobel) erhalten, mit denen Gesteinssäulen, z. B. von Sandstein, wie mit einein Hobel mit zierlichen Profilen leicht und sicher versehe» werde» können. Aehnlich wie bei de» Gciteinssänle» ivird der Diamant in der Metallindustrie, z. B. beim Abdrehen von Kanonen« rohirii. Herficlluug feiner Zapfen aus hartem Stahl:c. benutzt. Verbreitet ist ferner die Verwendung von Dmnimit beim Zerschneide» harter Gegenstände, besonders solcher ans Stein. Bei großen Blöcken braucht man hierzu Gattersägen, deren etwa Zenti- meler starke, bis mehrere Meter lange eiserne Sägeblätter mit Diamanten besetzt sind. Bei kleinen Stücken verwendet man runde eiserne Schneideplatten mit Diamanten. Ist das Material von seiner Beschaffenheit und werthvoll, so wendet man dünne kreis- runde Platten von weichem Eisen oder Kupfer an, welche am Stande mit Diamantpulver imprägnirt werden. Die schnell rotiren- den Scheiben werden durch Wasser oder Petrolenin gekühlt. Fingerdicke Kieselsteine durchschneidet man damit in ein bis zwei Minuten. Während zu den erwähnte» Verrichtungen gewöhnlicher Diamant, sogenannter Bort, Verwendung findet, ist der schwarze, derbe Diamant, der Carbonado, in der Tiesbohrtechnik ein geschätztes Hilfsmitlel ge- worden und dient zur Besetzung der Bohrkronen. Die tiefen Bohr- löcher, welche besonders in den letzten Jahren zur Erforschung der Salz- und Kohlenlager niedergebracht worden sind, und bei denen in Oberschlesien eine Tiefe von 2000 Meter überschritte» worden ist, sind mit Diamant gebohrt worden. Ein solcher Diamantbohrer besteht, kurz gesagt, aus einer eisernen Röhre, an deren Ende die Bohrkrone aufgeschraubt ist. Letztere ist ein Röhrenstück mit ver- dicktem Ende, aus dein in spiraliger Anordnung, um die ganze Flache zu beherrschen, schwarze Diamauten eingelassen sind. Die Weite der Röhre schwankt nach Bedürfniß. Die Krone bohrt sich in das Gestein ein, ivenn sie unter Druck in rotirende Bewegung ge- setzt wird, und schneidet einen säulenförmigen 5körper. einen Bohr- kern, heran?, der»ach dem Emporholen der Untersuchung gut zn- gänglich ist. Da aber Carbonado je nach Bedarf und Vorkommen in, Preis recht hoch steige» kann, bis an SOS M. das Grannn, so ist auch die Verivendung gewöhnlichen Diamants versucht worden. Besonders kantige Steine mit gewölbten Flächen und ohne Sprünge «ignen sich dazu. Schwarze, graue Kap-Diai»anten(svaolcv Stoves) find zu vermeiden, da sie leicht zerspringe». Am beste» sind Fluß- steine, die schon in der Natur auf Festigkeit geprüft worden sind. Jininerhin vermögen sie, weil sie deutliche Spaltbarkeit besitzen, die zähen Carbonado nicht völlig zu ersetzen.— („T echnische Rundschau") Dtleines Fcuillekon — Sich', es sind Schmerze», an denen»vir leiden! Ueber modernes Briespapier" schreibt mau dem„Hamb. Corr.":„Die buntfarbigen Briefbogen und Kouverts von schmalem, länglichem Format, die so lange Zeit die Herrschaft behauptet haben, sind jetzt vollkommen aus der Mode. Keiner tonangebenden Modedame wird es mehr einfallen, jene grellgefärbteu, stark parfümirte» Blätter zu gebrauchen oder gar dnnkelgrüue und scharlachrolhe Billetdonx zu verschicken, ohne die sie früher gar nicht existiren zu könne» glaubte. Sehr starkes, geripptes Papier von blendendem Weiß, zartem Cröm« oder ganz mallem Opalblan ist jetzt an die Stelle der aufdringlichen Farbennüancen getreten. Briefbogen und Kouverts haben eine verhältnißmäßig große Form angenommen, da es ebenfalls heute znm guten To» gehört, sehr große Buchstabe» zu machen, so daß oft kaum drei Worte ans eine Zeile gehen. Jeder Bogen ist in der obere» linken Ecke mit Monogramm, Wappen. Krone oder einem kleine» Motto versehen, doch darf dies nur i» Weiß mil äußerst wenig Vergoldung ausgeführt sein. Ei» sehr dübscher Effekt läßt sich erzielen,«venu die verschiedenen Embleme von einer leichten, rauchfarbeiie» Wolke umhüllt erscheinen, die altmälig blasser wird und sich zuletzt ganz verliert. Wer besonders rtiic sein will, siegelt seine Briefe wieder, und zwar mil rosenfardeueni Siegellack, ans den das gleiche Wappen. Moiiograini» je. gedrückt fein»»iß, das den Bogen ziert. Die Kouverts küiiue» aber auch mit demselben Motto oder den verschlmige»«» Initiale» ausgestattet werden. Ein starkes Parsümiren des Papiers ist nicht fei»; nur ein zarter Rosen- oder Veilchendnft darf dem Leser aus dem geöffneten Briefe entgegenschweben, ohne Anstoß zu erregen.— — Pumpernickel. Die Beuelniung des derben und kräftige» Nationalbrole- der Westfalen, des Pumpernickels hat viele Tentnnge» gesunden. Bekannt ist die Anekdote,»ach der ei» fra»- zösischer Reiter das ihm nicht zusagende Brot seinem Pferde lNickel) b.uwarf mit den verächtlichen Worte»: C'cst bov pour Nickel. Eine andere Erklärung kommt aus Osnabrück. Bei einer Hungers- iiolh im Jahre 1450 ließ der Magistrat ans Gemeiudekosten für die Armen der Stadl Brot backen, das er bommr paviculum(gutes Brötchen) iiaunte. Der Backofen befand sich in einem vor der Stadt an der sogenanntln Hafermühle stehenden Thurm, der heute noch Pernickelsthnrm heißen soll. Wahrscheinlicher klingt die Erklürnng, d:e Andresen(Deutsche Volks-Elyniologie) und Lexer im Grimm'sche» Wörterdnche für de» Namen des beliebten Schwarzbrotes gebe». Danach ist das Wort zusammengesetzt aus pumpern, dumpf tönen (bowbare), poltern, und Nickel(au? Nikolaus) und bezeichnete ursprünglich einen groben, plumpen Kerl. Der Name ging dann von der Person aus die Sache über. In Tirol wird das Soldaten- brot Kommisnigkl(Kommisnickel) genannt.— c. e. Eine Stadt au» Zink. Reisende, die sich von Europa längs der Ostlüsle Afrika'» nach dem Transvaal begeben, müssen in zahlreiche Häsen einlaufen, die nichts Anziehendes biete», nichts, was den» Beobachter äntereffante» Sloff znm Nachdenke» lieferte; wen» sie aber den Mulh haben, i» BeiraHalt zn mache», können sie ein ivahrhafl stannenerregendes„Schaustück" sehen: eine ganze Stadt ans Zink. Die Privathänser nnd ihre Nebengebände, die öffentlichen Gebäude, der„Palast" des Gouverneurs, die Kasernen. die Magazine, die Hotels, die Bars, die Musikhallen— alles ist ans Zink. Das Spekiilationsfi''ber war in Beira so stark, das Be- dürfniß. den zahlreiche» Einwanderern billige Wohnungen zu verschaffen, so gebieterisch, daß man i» sechs Monaten die ganze Stadt gewissermaßen ans dem Boden stampfte; man durfte nicht daran denken, so zn baue» wie anders- wo. Tansende von galvanisirten Eisenblechplatlen- und lliolle» wurden ans England. Frankreich nnd Amerika herbeigeschafft, und die chinesischen Ziminerleute stellten hölzerne Einfassungen auf, die rasch mil Zink- und Wellblechplalten bedeckt nnd später noch mit einer Schicht Farbe bekleidet wurden. Der Effekt, den diese Zink- stadl hervorbringt, läßt sich schwer beschreiben; der häßliche Eindruck, den man empfängt, wird noch verstärkt, wenn man bedenkt, daß in einem so heißen Klima menschliche Wesen in solchen Wohnungen hausen müssen. Um den Triumph des Metalls vollständig zn machen. durchzieht eine Eisenbahn mit kleinen Eisenblcchwagen die Stadt nach allen Richtungen hin; das Zink herrscht hier so nnnmlchränkl, daß es nicht nur zum Bekleiden der Mauer» und zum Decken der Dächer dient, fondern a»ch als Tragbahre benutzt wird. Wenn ein Eingeborener erkrankt, bringt man ihn auf einer Zinkplatte ins Hospital, wenn er stirbt, wird er auf Zink aus den Friedhof geschleppt.— Kunst. — In dem Preis« tissch reiben wegen eines Plakats für die D e u t s ch e K n n st a u s st e l l u n g z n D r e s d e n 1899 ist der Termin bis zum 15. April verlängert worden. Die Preise betragen 800 und 300 M. Die Entwürfe dürfen nicht unter 80 Zentimeter und nicht über 1 Meter groß und sollen für die Ans- führung fertig sein. Einschließlich der Umrißplatte sollen bei der Bervielsälligmig nicht mehr als füns Plaite» gebraucht werden.— Medizinisches. t. D i e Abnahme der Pockenkrankheit. Aus Ber- anlassung der Jmuer-Feier hatte die Britische medizinische Ber- einignug eine Kommission eingesetzt, um sestzustellen, in ivie weit die Erkrankungen uud die Sterblichkeit an den Pocken seit der Ein- sührung der Schutzimpfung abgenommen baden. So viel auch über diesen Gegenstand schon veröffentlicht worden ist, ist doch der soeben erschienene Bericht dieser Kommission eine Urkunde von bedeutendem Werthe für die Geschichte der Heilkunde. In früheren Jahr- hunderte» gehörten die Pocken zn den allergesährlichsten nnd gefurchtetsten Krankheiten. Bernoulli. einer der berühmten Mathe- matiter dieses NainenS, berechnete, daß im vorigen Jahrhundert in je 25 Jahren nicht weniger als 15 Millionen Menschen an den Pocken starben. Süßmilch, ein hervorragender Statistiker zur Zeit Friedrich I. von Preußen, schätzte, daß nahezu jeder Mensch einmal von den Pocken befallen würde und daß der zwölfte Theil aller Menschen daran stürbe. In den Jabren 1660—79 waren von 80 000 Todessällen 4170 solche an Pocken, also mehr als der zwanzigste Theil. In Glasgow, einer schon damals großen und übrigens sehr ungesunden Stadl, starben in den Jahren 1783— 1800 im ganzen 31 088 Menschen, darunter 5959 an den Pocken, also gar fast der sechste Theil. nnd in der eng- lischen Stadt Ehester, die damals von einer Autorität als eine Stadt von fast„unglaublich gesunden Verhältnissen" bezeichnet wurde. lebten 1775 nur 1060 Personen, d. h. 1 von 14, die nicht die Blattern gehabt halten. Die Kindersterblichkeit war ganz besonders bedentend, so starben in einer anderen e»glischen Stadl von 4—5000 Einwohnern von je 1000 lebend geborenen Kindern 161 an Pocken. Daß die Sterblichleit an dieser Krankheit heute in den zivilisirten Ländern eine unvergleichlich geringere ist gegenüber diesen furcht- baren Zahlen, weiß beinahe jedermann. Die englische Kommission schließt ihren Bericht mit einer Zusammenstellung der Ergebnisse ihrer Erhebuiigen, die sich etwa in folgende Sätze zusammenfassen lassen: Die Sterblichkeit an den Pocke» ist jetzt viel geringer als in der Zeit vor der Einführung der Schntzimpfung. An» stärkste» hat die Sterblichkeit an den Pocken in den frühesten Lebensaltern ab- genommen, in denen die meisten Jmpsnnge» stattfinde». In Gegen- den,>vo entsprechend der Bevölkerungszahl viel geimpft»md wiedergeimpft wird, herrschen die Pocken wenig, ebenso in denjenigen Klassen, die sich besonders der Impfung unterwerfe». An Plätze», wo die Krankheit vorherrscht, befällt dieselbe die »ngeimpste»»veit stärker als die Geimpften, letztere besonders wenig, wenn sie verhältnißmäßig kurz zuvor geimpft ivurden. Die Sterd- lichkeit unter den an Pocken erkrankten Personen»st in jedem Lebens- alter viel bedeulender unter den Ungeimpftc»» als unter den Geiinpften. Es kann nicht behauptet»verde», daß die Pocken unabhängig von der Einsührung der Impfling jetzt milder austreten als in früheren Jahrhunderten, auch die allgemein verbesserte Gesundheitspflege kann die Abnahme der Pocken nicht erklären. Die Jsolirnng von Pocken- kranken ist»>ortheilhaft, kann aber die Juipfnng nicht ersetzen. Die Impfung selbst ist gänzlich»»schädlich.— SlnS dem Thierlcbe». ie. An? dem Leben der Klapperschlangen lheilt Ferst) Selons im Bulletin der Französischen Zoologischen Gesellschaft einige neue Beobachtungen mit. Der genannte Zoologe halte zwei Klappirschlangen in seinem Besihe, die zunächst außer Mäuse» keine Nahrung niinehnie» wollle», mit der Zeit bequeinlen sie sich aber auch zu ihre» böseren Gewohnheiten zurück und fraßen Vögel mit großerGier. Neulich brachte Selous eine» Sperling in den Käsig der Schlange». welche sich beide im gleiche» Augenblicke auf den Vogel stürzten, der zwar diesmal noch sei» Leben durch eiligste Flucht rette» konnte. Dafür waren die beiden Schlangen in ihrer allzu großen Hast selbst an einander gerathe». die größere von ihnen war der anderen mit dem Gebiß in den Hals gefahren und hatte sich dort so verhakt, daß ihre Trennung große Mühe kostete. Der Kops der gebissenen Schlange schwoll schnell a». so daß Sclous befürchtete, sie würde eingehen, die Anschwellung vcrschivand jedoch nach einiger Zeil und das Thier fand bereits wieder Geschmack an einer ihm vorgeworfene» MauS. Man darf daraus den Schluß ziehen, daß den Schlangen ihr eigenes Gift nicht schadet, ivährend «in gebissener Mensch nach einem vielfach erprobten Rezept Brannt- wein mit Pfeffer literiveise hinunterschlucken muß, um sich vor den tödtlichcn Folgen des Bisses zu sichern. Merkwürdig ist serner die Beobachtung, daß die Klapperschlange» zuweilen ein Knäuel von Haaren und Federn auswürgen, wie es die Eulen und andere Raub« vögel thun, sie entledigen sich aus diese Weise der gänzlich un- verdaulichen Bestandtheile der verzehrten Thiere. Einmal wurde der glückliche Besitzer der beiden Mappcrschlaugen auch selbst von einer derselben gebissen. Er hatte seit langem die Gewohnheit, diese Schlangen beinahe täglich in die Hand zu nehme», wenn er sie in ihrem Käfig aussuchte, nun halle er sie ivohl ohne Absicht etwas geklemmt, woraus sie sofort mit ihren Zähnen antwortete. Der Ge- bisse»« öffnete die Wund« sofort mit dem Taschenmesser und sog sie kräftig aus, bis nach seiner Meinung kein Gift mehr darin sein konnte. Dann wnsch er sie mit übermangansaurem Kali und legte sich schlafe», ohne»och den anempfohlenen Alkohol einznnehme», da er die Vorstellung hatte, vollkomme» außer Gefahr zu sein. Am nächsten Tage sühlle er sich sehr schwach, und am Tage darauf noch fchlimmer. Der herbeigerufene Arzt verordnete Slrychninpillen, worauf sich das Befinden besserte. Noch nach Monaten aber fühlte der Verletzte die Folge» des Bisses, und der'Arzt behauptele, daß er sie auch noch lange spüren würde.— Meteorologisches. — Gelber Schnee im Engadin. Man schreibt der „Franks. Ztg." a»S Bern: Am 7. März ist im Engadin gelber Schnee gefallen. Der Schnee wurde einer fachmännischen Unter- snchung unterworfen. Ließ man eine Portion davon in einem Gesäß schmelzen, so setzte sich ein hellbraun gefärbter Satz ab, während ans der Oberfiäche der Flüssigkeit einige feine braune Flöcklein schwammen. Letztere erwiesen sich unter dem Mikroskop als weißlich bis gelblich gefärbte strukturlose, reichlich mit kleinsten Mineralsplitterchen durchsetzte Masse». Einig« davon wurden durch Chlorzinklösuug blau gefärbt, bestanden also aus Pflanzenzellstofs, andere zeigten diese Reaktion nicht, vcr- brannten aber beim Glühe» über einer Flamme, waren also Ibensalls organischer Natur. Der braune Bodensatz bestand größten- theils aus einem äußerst feinen braunen Sand oder Staub. Der Durchmesser der Körnchen betrug l— l2 tausendstel Millimeter. Der Sand zeigte sich bei der Untersuchung stark eisenhaltig. Woher stammt der Sand? Die meisten meteorologische» Stationen der Schweiz gaben zu der Zeit, da der gelbe Schnee fiel, nördliche, nord- östliche und östliche Windrichtung an. Danach könnte man an Nord- dentschland. Rußland oder Ungarn denken. Nach Annahme der „Engadiner Post" kommt der gelbe Schnee jedenfalls aus einer schneefreien, trockenen Gegend, wo die Erdkrume des reichen Eisengehalts wegen braun gefärbt ist und wo Getreide gebaut wird, was ans der ziemlich starken Beimengung von Etärkekörnern hervorgeht.— Technisches. — Zur Her st ellung weißen Weines aus rothen Traube» wird von V. Martinaud ein Verfahre» angegeben, das aus der Durchlüftung des Mostes beruht. Martinaud hatte nämlich gefunden, daß der Sauerstoff den aus den meisten rothen Trauben ausgepreßten Most entfärbt, während behauptet worden ist. daß die Farbe des Mostes und des Weines durch die Lust lebhafter und stärker werde. Sein neues Verfahren zur Bereitung von Weißwein aus rothen Traube» besteht nun in folgendem: l. Gewinnung der größtmöglichen Menge von Most aus den Trauben. 2. Gährenlassen d«S Mostes und Unterbrechung der Gährung, was durch Abkühlen geschehen kann. 3. Durchlüftung des Mostes bis zur Entfärbung. 4. Trennung des Mostes von den festen Theilen durch Abheben oder Filtriren. 5. Erneutes Gährenlassen des Mostes. Dies Verfahren ist znr Bereitung von Weißwein aus allen Traubenarten, deren Most durch Luft entfärbt wird, geeignet. Wenn der in der ersten Gährung befindliche Most bereits zu viel Alkohol enthält, so eiitfärbt er sich nicht mehr durch die Durchlüftung; der entfärbte Most andererseits färbt sich bei der zweiten Gährung von neuem, wenn mau ihn nicht von den festen Beftandtheilen trennt.— <„Tägl. Rundsch.") — Kabelverbindung mit Island. An? K o p e n- Hagen wird geschrieben: Die vor kurzem hier begründete„Nordische Kabel-Koinpagnie" hat die Verhandlungen bezüglich Herstellung einer Telegraphenverbindung mit Island und den Farör-Jnseln mit der dänischen Regierung zum Abschluß gebracht, so daß die Legung des Kabels noch in diesem Sommer erfolgen wird. Die britische Re- gierung zahlt der Gesellschaft jährlich 5000 Pfund Sterling, ivofür das Meteorologische Amt u> London tägliche Wetterberichte von den nordischen Inseln erhält. Die dänisch« Regierung hat die gleich hohe Summe für amtliche Telegramme gewährleistet. Für die Welterkunde, die transatlantische Schifffahrt und die nordische Hochseefischerei wird dies« Kabellegung von sehr hohem Werth« sein.— H>i»»oristisches. — Pietätvoll. Zahnarzt: Soll ich Ihnen den Zahn vermittelst Lachgas ziehen?"— Dame(in Traner):„Mit Lach- gas— ach»ein, das paßt sich wohl nicht,— ich habe ja Trauer."— — Beglückter Ort. Landesherr: Lieber Bürger- meister, ich fmie mich, Ihnen sage» zu könne», daß ich mit meinem Bade-Aufenthalt recht zufrieden bin. Ich habe bis jetzt 20 Pfund verloren."— Bürgermeister:„Durchlaucht! Welcher Gewinn für uns!"— — Resignirt.„Hörst Du. Viktor, ich habe heule Malheur gehabt; eine Spiegelscheibe Hab' ich eingedrückt."—„Ob!"—„Ja, und iit Deinem Winterrock sind die Motten!"—„So!"—„Und in meinem Winterkleid sind sie auch!"—„U—"„Ja, und die Gans ist zäh wie Sohlenleder!"--- E r lsingeud):„Hab ich nur DeineLiebe...!"—(„Lust. Bl") lverinischtis vom Tage. — Der Schriftsteller Hans W a ch e n h u s e n ist am Mittwoch in Marburg gestorben.— — Nach Cuxhaven werden dieses Jahr Sprotten aus Schweden importirt.— — Am 26. April soll die H a n d e l S- H o ch s ch U l e in Leipzig eröffnet werde». Es liegen bereits 200 vorläufige Meldungen vor.— — I» Buer drangen drei junge Burschei« in der Montags- »acht, als sie betrunken heinikehrten, bei dem Vater des einen i» die Wohnung und bedrohten ihn. In seiner Angst ergriff dieser ein scharfes Brotmesser und lödtete seinen Sohn und einen seiner Genossen.— — I» Mainz wurde am Dienstag ein 60jähriger Lokomotivführer von» Baseler Schnellzug ersaßt und auf der Stelle getödtet.— — In L i e n z wollten sich drei Leute znr Erinnerung an den Faschingszug als Jäger- und Bärengruppe pholographiren lassen. Während die Aufnahme gemacht»vurde. ging das scharf- geladene Gewehr des Schützen los und der„Bär" stürzte tobt zu- sainmen.— — In Bäcs-MadaraS(Ungarn) erhängle sich ein Bauer. der in ewigem Unfrieden mit seiner Frau lebte. Ehe er zur Thal schritt, rassle er alle ihre Kleider zusammen und»vars sie»us Feuer.— — Von einem w ü t h e n d e n Wolf wurden in C o k e s ch i» a (Süd-Uugarn) sieben Bauern und ein Mädchen gebissen.— — Kapitalistische Wohlthäter. Für eine er» blind et« Pariser Schauspielerin veranstaltet Madame Rejane, unterstützt vom„Figaro", eine Wohlthätigkeits-Vor- st e l l u n g. Eine Loge sür diese kostet 1000 Franks, ein Parkett- platz 100 Franks,„ohne daß indessen der Wohlthätigkeit Grenze» gesetzt werden." Die Rainen der Wohlthäter werden täglich im „Figaro" veröffentlicht. Nur eine Probe von dieser Marktschreierei:„Vorgestern", so schreibt der„Figaro",„hat eine große Dame, deren unerschöpfliche Mildthätigkeit die Heimlichkeit liebt, deren Namen wir aber gleich- wohl dankend veröffentlich eu wolle». die Baronin Nathanael v. Rothschild, ihren Sekretär, den Vermittler ihrer guten Werke, zu Fräulein Alice Lavigne geschickt, um ihr für den Fall dringender Bedürfnisse 1000 Franks zu überreichen...."— — Die Untersuchung gegen den Massenmörder Vacher in Lyon ist jetzt geschlossen. Sie erstreckte sich auf 98 Mordlhalen oder Mordversuche. 12 dieser Verbrechen hat Vacher eingestanden. Die Staatsanwaltschast beschuldigt ihn aber außerdem, Ib9ä ein neunjähriges Kmd. 1895 einen Knaben und vier Frauen,!L96 eine» Knaben, einen Mann und zwei junge Mädchen, 1897 drei junge Mädchen und drei alle Frauen ums Leben gebracht zu haben.— — In Bologna erregt allabendlich eine elfjährige Schauspielerin in zwei kleinen sür sie geschriebenen Stücken durch ihre verblüffende Sicherheit und durch die Natürlichkeit ihres Spielens großes Aufsehe». — Der Postdanipser„Ville de Rome" ist am DienS- tag früh bei Nebel am Kap N e g r o an der Insel Minorca g e- scheitert. Die 117 Passagiere, die Mannschaft und die Post sind gerettet.— — Nach einer in San Franziska eingetroffenen Nachricht ist die Bark„Helen W. A l m y" mit 13 Matrosen und 27 nach Klondyke bestimmten Passagieren bei der Punta Bonila gekentert. Niemand soll gerettet worden sein.—_ Verantwortlicher Redakteur: Zlngnst Jncobry in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.